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Sonntag, 5. Juli 2009

Vanguard 04: Offene Geheimnisse

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Buchbesprechung Ward, Dayton: Vanguard 04. Offene Geheimnisse, cross cult, 2009.

Story: In der Taurus-Region ist eine trügerische Ruhe eingekehrt. Doch kaum ist die Bedrohung der Shedai fürs erste gebannt, da marodieren auch schon Klingonen und Tholianer in der Gegend herum und auch die Sternenbasis 47 sieht ereignisintensiven Tagen entgegen.
Commodore Reyes wartet auf seine Verhandlung und wird von Admiral Nogura abgelöst – einem der ganz großen Strippenzieher innerhalb der Sternenflottenleitung. Und der zierliche Asiat räumt erst einmal gründlich auf: Commander Cooper muss sich nicht länger mit der Stationsverwaltung herumquälen, der vorlaute Jetanien wird in die Schranken verwiesen und der orionische Kaufmannsprinz Ganz muss seine Sachen packen und mit seinem Schiff die Station verlassen.
Trotz des neuen Besens gibt es dennoch genug Dreck, den selbst er nicht einfach wegfegen kann. So muss T’Prynn nach Vulkan gebracht werden, um von der katra ihres verstorbenen Verlobten Stens befreit zu werden. Derweil schafft es selbst Rana Desai nicht, den nobel handelnden Ex-Commodore Diego Reyes aus den Klauen der rachsüchtigen Justitia zu befreien und Ming Xiong wird von den Klingonen entführt, die sich durch ihn einen Sprung in ihren xenoarchäologischen Forschungen erhoffen – schließlich bergen die Waffensysteme der Shedai ein unheimlich großes militärisches Potential…
Doch gerade, als sich für die Föderation alles wieder zum guten wenden will, wird das Schiff, das den verurteilten Reyes zum Antritt seiner Haftstrafe auf der Erde geleiten soll, von einem unbekannten Piratenschiff angegriffen und zerstört. Reyes ist tot – oder etwa nicht??

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Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Viel zu lange schon mussten die Freunde dieser genialen Reihe auf die Erscheinung des vierten Bandes in deutscher Sprache warten. Und das Warten hat sich definitiv gelohnt!
Der geneigte Leser kann in eine Welt aus vielschichtigen Charakteren und ihrer vielseitigen Interaktion eintauchen. Mitreißend und kanontreu wird eine Welt lebendig, die genial mit allen Serien und Filmen verknüpft wird. Hier kommt Nimbus III ins Spiel; dort trifft man auf den aufstrebenden General Chang. Man wird Zeuge der Kolonisation Cestus' III und erlebt den Untergang der Siedlung aus einer Kommandoperspektive mit. Sehr gelungen und gut durchdacht, denn Cestus III nimmt hier den Platz Denevas ein, das bereits im ersten Roman als unfreiwilliger Ort menschlicher Tragödien diente.

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Ganz neue Dimensionen: Jetzt mischen auch noch die Gorn mit?

Bemerkenswert ist, auf welche Weise der Roman eingeleitet und schließlich auch wieder beendet wird. Die Ereignisse um den Frieden von Organia als Grundlage zu nutzen ist so einfach wie genial.
Daneben räumt der Autor Dayton Ward mit Star-Trek-Klischees auf. Klingonen nehmen keine Gefangenen? Von wegen! Der häufig angesprochene Widerspruch wird hier aufgelöst – denn Klingonen sind eben doch nur Menschen – allerdings mit rosa Blut. Ward spielt mit den Kanoninformationen ohne ihnen untreu zu werden. So wird Reyes zu zehn Jahren Gefängnis in genau dem Knast verurteilt, in dem knapp ein Jahrhundert später auch Tom Paris einsitzen wird. Die Shedai setzten sich bereits mit dem Tkon Imperium auseinander und M’Benga wird endlich auf die USS Enterprise versetzt.
Daneben präsentiert das Buch auch Aspekte, die in Serien und Filmen eher stiefmütterlich behandelt wurden. So widmet man sich ausgiebig der Frage, wie das Ansehen der Vulkanier unter der Tatsache leidet, dass die verwandtschaftlichen Verhältnisse der spitzohrigen UFP-Mitglieder zu den Romulanern bekannt werden. Außerdem sind besonders die Exkurse auf Vulkan selbst beeindruckend, denn der Widerspruch zwischen Föderationsmitgliedschaft und der persönlichen Freiheit des Einzelnen sind ebenso subtil wie widersprüchlich dargelegt.
Doch auch ‚unverbürgte’ Informationen schafften den Weg in dieses Buch. Löblicherweise werden hier die aus den FASA-Rollenbspielbüchern stammenden Schiffsklassen Loknar und Saladin erwähnt, die es im eigentlichen Kanon bestenfalls zu Fußnoten gebracht haben…

Kritikwürdige Aspekte: Der vierte Band geht die Sache etwas ruhiger an als seine Vorgänger. Zuweilen kann man den Eindruck gewinnen, dass „Offene Geheimnisse“ nach den drei vorherigen, nahezu in sich geschlossenen Romanen den Beginn eines neuen Zyklus’ markiert, der erst eingeleitet werden muss. Das Buch bildet daher eine Art Anlauf, um auf den eigentliche Kern des Pudels, also der kommenden Handlungsstränge hinarbeitet. Doch das kann nicht als wirklicher Kritikpunkt geltend gemacht werden, denn Ward gelingt es trotz dieses subjektiven Eindrucks, Spannung und Tragik gleichermaßen aufkommen zu lassen.
Desweiteren sind weder Cover, Kapitelgliederung noch Handlung kritikwürdig – eher im Gegenteil. Was also soll man da noch negatives anbringen?
Der erfahrene Blogleser wird es wissen: Natürlich die Übersetzung. Es ist wirklich nicht so, dass sich der Übersetzer nicht angestrengt hätte. Christian Humberg hat einen angenehmen Stil und ich bin ihm durchaus dankbar, dass er „deaktivierte“ (S. 260) statt „desaktivierte“. Andererseits ist er behilflich, der cross-cult-Übersetzungstradition eigene Kontinuitätslinien zu verleihen. Die bereits in Titan angeklungene Dativiesierungkampagne wird unvermittelt fortgesetzt (z.B. S. 67„[…] Fortschritte von Xiong und seinem Team […]“, S. 291 „[…] Klärung von Lieutenant Xiongs Schicksal […]“ oder S. 191 „Laut dem Captain […]“). Ebenso unnötig wie gewohnt ist die abweichende Schreibweise zuvor bereits benannter Termini: aus dem Föderationsnachrichtendienst „FNS“ („Der Vorbote“, S. 326) wird hier „FND“ (S. 23). Daneben gibt es eine ganze Reihe unnötiger Schusselfehler: „Ich mochte ihn besser […]“ (S. 83), „Stolz“ (S. 176, groß statt klein geschrieben), oder „Damit sie sein Gewissen war […]“ (S. 388) sind nur einige Beispiele dieser hier und dort auftretenden Entgleisungen.
Am auffälligsten fand ich jedoch die häufig auftretende Umgehung von „die“ durch „welche“: Bereits im Einleitungstext findet sich auf Seite 5 der Satz „Letztendlich gestattet Reyes dem Journalist Tim Pennington die Veröffentlichung eines Tatsachenberichtes über die Bedrohung, welche die Shedai darstellen.“ Diese Möglichkeit ist in der deutschen Sprache gegeben, um Wortdopplungen zu vermeiden. Allerdings ist sie eher eine Ausnahmeerscheinung als ein alltäglicher Ausdruck. Dessen ungeachtet lassen sich in „Offene Geheimnisse“ immerhin 85 Konstruktionen dieser Art finden – also fast auf jeder vierten Seite. Zum Vergleich: Im zuvor von mir rezipierten Star-Trek-Werk „Die erste Mission“ tauchten solche Jonglierversuche nicht ein einziges Mal auf. Natürlich ist es nicht verboten, das Wort „“welche“ so einzusetzen, doch eine derartige Häufung wirkt im Umgang mit der deutschen Sprache etwas hilflos.
Eines bleibt schließlich auch noch anzukreiden. In der ein- und ausleitenden Bezugnahme auf den klingonischen Angriff auf die Sternenbasis 47 konnte sich der Übersetzer ins fertige Nest setzen, denn die Dialoge des Organiers Ayelborne waren, von einigen Adressatenformulierungen abgesehen, völlig identisch. Um so verwunderlicher, dass in der Föderationsvariante von „Apparaten“ (S. 15) die Rede ist, während die Klingonen „Instrumente“ (S. 437) zu hören bekommen. Wenn hier die Einteilung in „Grad Celsius“ für das Kriegervolk abweichend gewesen wäre (sie nutzen schließlich auch die Einteilung „qelI’qam“ statt „Meter“), hätte ich es durchaus verstanden, doch diese Abweichung ist vollkommen unnötig.
So oder so wäre diese Übersetzung nicht unbedingt eine Referenz, die man sich in die Vita schreiben sollte...

Anachronismen: Erstaunlicherweise sind tatsächlich Unstimmigkeiten zu finden, auch wenn sich der Autor redlich bemühte, sie zu vermeiden.
So wird Arcturus, die Heimat der Arcturianer, als unabhängiger „Freihandelsplanet“ (S. 172) beschrieben, obwohl die eher unbekannte Halbkanonrasse offiziell als Mitgliedsspezies der Föderation geführt wird! Natürlich kann man jetzt auf die zweifelhafte Kanoneinbindung verweisen, die durch die Hintergrundinformationen zu Star Trek Der Film gegeben wurden, doch wenn man sich vor Augen hält, dass die rigellianischen Chelonen, ihres Zeichens das Volk des Botschafters Jetanien, ihre Referenz in der selben Quelle haben, wirkt dies natürlich etwas uninformiert und kontraproduktiv.
Schade fand ich auch, dass der Auftritt des Admirals Komack einer anderen Person als der in TOS bekannt gewordenen Gestalt zugeschoben wird. Zwar bin ich mir relativ sicher, dass der Admiral aus der Episode „Weltraumfieber“ gemeint war, doch dieser trägt seit der Premiere des elften Kinofilms den Vornamen „James“ und nicht, wie im Buch beschrieben, „Franklin“. Also hat der Film es trotz gegenteiliger Versicherungen doch noch geschafft, den Romanzyklus Lügen zu strafen…

Fazit: Das halsbrecherische Erzähltempo vorangegangener Romane ist in „Offene Geheimnisse“ nicht zu finden. Dennoch ist das Buch seinen Vorgängern in den qualitativen Aspekten treu geblieben und verwöhnt seinen Leser mit einer spannenden und sauber recherchierten Geschichte, an deren Ende man sich nichts sehnlicher wünscht, als den nächsten Teil zu lesen.
Egal, ob man einige Anachronismen oder Rechtschreib- und Grammatikfehler findet – auch der vierte Roman der Vanguard-Reihe bietet Unterhaltung, wie keine andere Star-Trek-Buchreihe zuvor. Ein unbedingtes Muss für alle, die auch in der ‚richtigen’ Zeitlinie nicht auf Spannung, Dramatik und verdammt gute Geschichten verzichten wollen.

Denkwürdige Zitate:

Die Föderation ist ein Haufen schwacher Feiglinge, denen die innere Stärke fehlt, sich ihren Feinden in der Schlacht zu stellen. Stattdessen versucht sie, etwaige Gegner mit Worten zu Tode zu langweilen und versteckt sich hinter Lügen und Verrat.“ Lugok, S. 61

Diese Vulkanier sind anders als die, die Sie gewöhnt sind. Scherze und informelle Redewendungen bringen Sie hier nicht weiter.“
Wenn das so ist. Sind sie genau wie die Vulkanier, die ich gewöhnt bin.“
M’Benga und Pennington, S. 216

Ich habe mir T’Prynn nie als jemanden mit einem grünen Daumen vorgestellt. Das gefällt mir.
Die Pigmentierung der Haut auf T’Prynns Daumen entspricht ihrer restlichen Epidermis. Wenngleich die Färbung des vulkanischen Blutes eine derartige Beschreibung evozieren mag. Dennoch ist sie unzutreffend.“
Pennington und T’Nel, S. 252

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So sicher wie der Grüne Daumen

Wie erfrischend faschistisch.“ Pennington, S. 253

Man kann es nicht anders ausdrücken. Klingonen stinken.“ Xiong, S. 307

Bewertung: Keine Achterbahnfahrt, aber trotzdem genügend Loopings!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall

Montag, 29. Juni 2009

Die Anfänge 01. Die erste Mission

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Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Die erste Mission. Heyne, 1986/1989.

Story: Eine Ära geht zu Ende: Der legendäre Captain Pike wird zum Commodore befördert und ein impulsiver junger Mann übernimmt das Kommando, der sich seine Sporen erst noch verdienen muss. Dieser Jungspund, der auf den klangvollen Namen James Tiberius Kirk hört, hat einen schweren Stand bei der alteingesessenen Crew: der erste Offizier Spock denkt über eine Versetzung nach, Uhura verlässt wegen seines Verhaltens die Brücke und selbst der gutmütige Chefingenieur Montgomery Scott hält den neunundzwanzigjährigen Emporkömmling für einen „unerfahrenen Grün…“ (S. 69).
Kirk, der kurz zuvor nur knapp eine katastrophale Mission überlebte, darf seinerseits weder den von ihm präferierten Gary Mitchell zum ersten Offizier ernennen, noch eine von ihm erträumte langjährige Forschungsmission betreuen.
Der erste Auftrag unter seinem Kommando besteht darin, eine Art Zirkusgesellschaft auf ihrer Tour durch verschiedene Sternenbasen zu begleiten. Und so ist es kein Wunder, dass dem unerfahrenen Spätzwanziger ein Missgeschick nach dem anderen widerfährt und seine Autorität auf tönernen Füßen steht.
Doch auf dem Weg zur Sternenbasis 13, einer Föderationsstation, die am Ende einer langgezogenen Ausbuchtung des Föderationsraumes liegt, die tief in klingonisches Gebiet ragt, stößt er auf ein fremdes Schiff. Das merkwürdige Gefährt wird von Wesen bevölkert, die einer anderen Galaxie entstammen und mit denen keine herkömmliche Kommunikation möglich ist. Erst eine Gedankenverschmelzung mit Spock schafft Klarheit; doch durch die Flut fremder Gefühle wird Spocks Leben bedroht. Als schließlich eine ganze klingonische Flotte aufkreuzt, um eine Renegatin zu stellen, spitzt sich die Lage dramatisch zu, denn ein einziger Treffer an der Außenhülle des unbekannten Schiffes kann die Zerstörung hunderter umliegender Welten nach sich ziehen…

Lobenswerte Aspekte: Wer nach Star Trek XI gern wissen möchte, wie die ersten Abenteuer der berühmtesten Raumschiffbesatzung des 23. Jahrhunderts tatsächlich abliefen, findet in der dreiteiligen Romanserie „Die Anfänge“ eine Anlaufstelle. Immerhin hatten Abrams und seine Kollegen bereits während der Entstehungsphase verlauten lassen, dass der ‚neue’ Film weder dem offiziellen Kanon, noch den unzähligen Star-Trek-Büchern widersprechen würde. Wer nun vom Paralleluniversum genug hat, und einen Eindruck davon erhalten will, wie diese Frühphase aussah, kann also getrost ins Bücherregal greifen, und sich ruhigem Gewissens Vonda McIntyres Roman „Die erste Mission“ zu Gemüte führen.
Tatsächlich spielt die Handlung geschickt mit einigen Elementen, die aus Film und Fernsehen über Kirks Vorleben bereits hinlänglich bekannt waren: sein Bruder George Samuel tritt ebenso auf wie sein bester Freund Gary Mitchell oder seine große Liebe Carol Marcus. Die gesamte Crew tritt auf und besonders die Informationen über Hikaru Sulu oder Janice Rand sind interessant geschildert und verleihen den beiden weniger beachteten Charakteren einen Hintergrund.
Außerdem wird klar, wie sehr sich Abrams' Film aus diesem Buch bedient hat. Dass Kirks Mutter Winona heißt, erfahren wir nämlich bereits in diesem Buch. Selbst Kirks anfängliches Interesse für Uhura klingt schon auf den ersten paar Seiten an. Sulu fabriziert ebenfalls einen Navigationsfehler und Uhuras Sorge um Spock wirft interessante Fragen auf.
Toll fand ich auch die im Zuge der Bildbearbeitung erwähnten „Corellianer“ (S. 100) – eine mehr oder minder gut verschleierte Anspielung auf das Grafikprogramm Corel Draw. Doch darüber hinaus sind auch die Anspielung auf Captain Hunter (S. 27, Jeffrey Hunter spielte Pike) oder die auf Seite 21 präsentierten Einschätzungen Spocks über menschliche Bademoden durchaus der Erwähnung wert.

Kritikwürdige Aspekte: Also wer diesem unfähigen Abziehbild James T. Kirks allen Ernstes ein eigenes Kommando verpasst hat, sollte selbst vom Admiral zum untersten Plasmaleitungsschrubber degradiert werden. Kirk ist einfach nicht wiederzuerkennen und erreicht lediglich in wenigen Passagen auch nur ansatzweise die Aura jenes großen Mannes, der mit seinem Namen verbunden wird. Selbst Shatners Eigeneinschätzung in seinem eigenen Romanzyklus ist als gelungener zu bezeichnen!
Nun, auch wenn das erste Kommando der Weltraumlegende sicherlich nicht von einem Tag auf den anderen einen Superheldenstatus rechtfertigt, muss doch festgehalten werden, dass die Autorin keinerlei Einfühlungsvermögen für Charakterdarstellungen zeigt und statt dessen einfache Klischeebilder präsentiert, wie die des Frauenschwarms Kirk oder des mit Gefühlen überforderten Spocks.
Der erste Offizier wirkt erschreckend altbacken und mental absolut unfähig. Auch seine Intelligenz scheint betroffen, denn er beschreibt den Vulkanier Stephen als Vetter (S. 438), obwohl das verwandtschaftliche Verhältnis beider nicht einmal mehr mit „Großcousin“ beschrieben werden könnte. Das ist dem überaus peniblen Charakter gegenüber nun wirklich ungerecht.
Doch auch die anderen Crewmitglieder werden nicht von Fehlbeschreibungen verschont: Uhura ist pflichtvergessen, Janice Rand ein überfordertes Kind und McCoy ein zahnloses Dekoobjekt. Wüsste man es nicht besser, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Darstellung der einzelnen Charaktere ihrerseits aus einem Paralleluniversum stammt, denn der Wiedererkennungswert tendiert zu oft gegen null. Pike ist einfach nur ein Arsch, Kirk ein unfähiger Rüpel und Chekov ein Stalinist.
Die sich bietende Chance, mit den einzelnen Figuren und ihren Entwicklungen zu spielen, blieb sträflich ungenutzt, obwohl sich einige interessante Ansätze anboten, wenn nicht sogar aufdrängten: Scott, der sich zwischen der Enterprise und einem fähigen Kommandanten entscheiden muss; Rand, die sich erst mit den Aufgaben eines Adjutanten zurechtfinden soll oder Uhura, die als eine Art Ersatz für die Position eines Schiffscounselors fungieren kann. Doch all diese Aspekte werden in den Hintergrund, nicht in den Vordergrund gerückt und nehmen der Erzählung den Reiz.
Höhepunkt der völlig verkorksten Darstellung sind allerdings die Klingonen. Sicherlich hat sich McIntyre viele Gedanken bei der Konzeption gemacht, doch die im Buch präsentierte Rasse hat mit dem ausgiebig im Fernsehen vorgestellten Kriegervolk in etwa soviel zu tun wie ein Ameisenbär mit dem Tyrannosaurus Rex. Klingonen sind eben keine Geheimdienstspezialisten, Kopftuchfanatiker oder Oligarchen.
Größtes Problem des Romans ist allerdings die hanebüchene Handlung, die sich auf immerhin 477 Seiten erstreckt. Fliegende Weltraumkatzen, die sich singend verständigen, in einer riesigen Ansammlung von Seifenblasen wohnen und das Universum bewegen können sind ja schon hirnrissig genug. Doch dass diese verschrobene Idee auch noch mit einem Weltraumzirkus, einem homophilen Hippievulkanier und einer homophoben Klingonenrebellin, die keine Lust mehr auf das Burkatragen hat, gekreuzt wird, ist zuviel des Guten.
Besonders die ausgerechnet von Spock zu Besten gegebene Herleitung, warum die Fremden aus einer anderen Galaxie stammen müssen (vgl. S. 313), wirkt so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass man spätestens ab diesem Punkt den Hardcovereinband entnervt gegen den eigenen Vorderschädel schlägt – immerhin hatte sich Spock in der TOS-Episode „Stein und Staub“ noch problemlos mit den ebenfalls extragalaktischen Kelvanern verständigen können.
Das allein wären bereits recht schwerwiegende Kritikpunkte, und ich will lieber nicht auf den zahlreichen technischen (die Gravitation von Objekten im Raum zieht Schiffe aus dem Warp?), kulturellen (Klingonen haben noch eine Kaiserin??) oder bürokratischen (es gibt eine Erstkontaktgenehmigung für Sternenflottenoffiziere, die ablaufen kann???) Logiklöchern herumreiten, denn eines finde ich an dieser Reihe besonders schlimm.
Rechtzeitig zum Start des elften Kinofilms hat sich Heyne nach langjähriger Abstinenz mal wieder auf dem Star-Trek-Büchermarkt betätigt. Doch anstatt einen neuen deutschsprachigen Roman zu veröffentlichen, versucht der Verlag, aus dem neuerlichen Hype Profit zu schlagen und präsentiert die drei Romane der Reihe „Die Anfänge“ vereint in einem Band. Mit aufgewärmter Zweit- bzw. sogar Drittverwertung eigener alter Rechte hofft man scheinbar in bester Ferengimanier, trotz Abkehr vom zu unlukrativen Publikum doch noch ein Stück vom großen Merchandise-Kuchen abzubekommen. Aber die knapp 1470 Seiten, in einem klobigen und unhandlichen Paperback zusammengezwängt, sind noch nicht einmal überarbeitet worden.
So trifft man dementsprechend auf die typischen Hausfehler der Heyne-Übersetzung. Es heißt nicht „Sternenflotte“, „deaktivierte“ oder „Untertassensektion“, sondern „Starfleet“ (S. 18), „desaktivierte“ (S. 246) und „Diskussektion“ (S. 80). Verbunden mit den unsinnigen Medo-Komposita wie „Medo-Team“ (S. 11), „Medo-Akten“ (S. 114) oder „Medo-Sensoren“ (S. 329) rufen sie beim Leser ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit dafür hervor, dass mittlerweile cross cult diese ökonomische Nische neu besetzt hat und den Leser mit solchen Ausgeburten stiefmütterlicher Behandlung von Trek-Termini verschont.
Hinzu kommt, dass die Unkenntnis des Übersetzers Cocktails betreffend wahrlich haarsträubend anmutet. So wird der alterwürdige „Mint Julep“ kurzerhand zu einem „Gewürzwhiskey“ (S. 453) degradiert und aus der „Bloody Mary“ wird mal eben die „Jungfrau Maria“ (S. 41). Weniger Schuld trifft ihn schließlich jedoch daran, dass die „Constitution-Klasse“ ständig als „Constellation-Klasse“ (ab S. 11) deklariert wird. Diesen Fehler und einige grammatische sowie orthographische Fehlgriffe (etwa „[…] um nicht mit den Fingern auf die Armlehen zu trommeln.“, S. 103 oder „siberianisch“ statt „sibirisch“, S. 249) hätte man wenigstens ausmerzen können, um diese mittlerweile dritte Veröffentlichung dieser Bücher zu rechtfertigen.

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Leicht zu verwechseln: Schiffe mit zwei Warpgondeln und solche mit vier

Anachronismen: Wer die Voyagerepisode „“ gesehen hat, weiß, dass Kirks historische Fünfjahresmission 2270 endete, was nach Adam Riese praktisch bedeutet, dass sie 2265 begann. Also muss dieser Roman folglich in diesem besagten Jahr spielen.
Dumm nur, dass McIntyre Kirks Alter mehrmals mit 29 angibt (z.B. S. 13). Folgen wie „Die Spitze des Eisbergs“ oder „Wie schnell die Zeit vergeht“ sowie Filme wie „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ und „Star Trek XI“ lassen Kirks Geburt jedoch auf das Jahr 2233 fallen, was die Handlung plötzlich ins Jahr 2262 verlegt.
Als ob das allein nicht schon verwirrend genug wäre, markiert die Zeit unmittelbar vor Kirks Kommandoannahme den Zeitpunkt, an dem Carol Marcus und Kirk einander kennen lernen. Die Autorin versäumt es nicht, auch die dramatische Trennung der beiden gleich mit zu thematisieren. Das Problem: In der ebenfalls von ihr verfassten Romanversion des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ gibt sie David Marcus’ Alter mit zwanzig an (S. 178), was bedeuten würde, dass Carol Marcus ihren gemeinsamen Sohn 2265 zur Welt bringen würde. Da sie im selben Buch allerdings auch davon spricht, dass Kirk Khan vor 15 Jahren auf Ceti Alpha V das letzte Mal gesehen hätte (S. 180), würde dieser Film 2283 spielen, was für David wiederum bedeutet, dass er bereits 2263, also weit vor der Romanze Carols mit James T. Kirk geboren worden war. Ist er vielleicht niemals Kirks Sohn gewesen?
Um die Verwirrung komplett zu machen, sollte ergänzend erwähnt werden, dass andere Angaben, wie die „Offizielle Star Trek Chronologie“ der Okudas (S. 46) oder im David-Marcus-Artikel bei Memory Alpha das Jahr 2261 als Geburtsjahr führen. Diese Rechnung bezieht sich auf das Alter des leider bereits 1989 verstorbenen Schauspielers Merritt Buttrick, und stützt nur die These, dass, gemessen an McIntyres Darstellung, David ein Kuckuckskind wäre und überhaupt keine genetischen Gemeinsamkeiten mit dem legendären Sternenflotten haben kann.
Kleinere Unregelmäßigkeiten lassen sich daneben auch noch finden: Der Planet Vulkan verfügt sehr wohl über größere Wasserflächen (S. 20; wie man in der ENT-Folge „Kir’Shara“ sehr schön vom Orbit aus sehen kann) und eigentlich sollte Kirk mehr als nur einen Neffen haben (S. 67; vgl. TOS: „Der alte Traum“). Außerdem mutet es sehr befremdlich an, dass der Turbolift trotz gegenteiliger Erfahrungen Bashirs und O’Briens eben doch auf rein akustische Befehlseingabe reagiert (S. 44; DS9 „Immer die Last mit den Tribbles“), obwohl die Handlung des Buches mindestens zwei Jahre vor den in „Kennen Sie Tribbles?“ geschilderten Ereignissen einsetzt.
Trotz der Tatsache, dass der Roman als eine Referenz für den elften Kinofilm gelten kann, beißt sich eine seiner Informationen mit diesem Buch. Entweder ist Spock nämlich ein - im wahrsten Sinne des Wortes - 'alter' Lügner oder die Drehbuchschreiber haben etwas überlesen. Denn als Kirk das Kommando der USS Enterprise übernimmt, ist sein Vater bereits tot (S. 67) und kann den Triumph seines Sohnes eben nicht miterleben.
Das nervigste Element dieses Romans ist allerdings sein ständiger Bezug auf monetäre Finanzwirtschaft. McIntyre selbst verfasste auch die Novellisation zum vierten Star-Trek-Film „Zurück in die Vergangenheit“; und daher sollte sie eigentlich aus erster Hand wissen, dass dort von Kirk selbst bestätigt wird, dass es in der Zukunft kein Geld mehr gibt!
Dem zum Trotz finden sich unzählige Belege für Geld und seine Bedeutung in diesem Buch: Man braucht es, um Päckchen zu verschicken (S. 21), um sich medizinisch versorgen zu lassen (S. 143) oder sogar, um Bildung zu erwerben (S. 189)! Was ist mit den Idealen einer sich selbst verwirklichenden Menschheit geworden?
Die Zukunft klingt hier noch kapitalistischer als heute, obwohl diese Beispiele nur einen Bruchteil der im Roman angeführten Nennungen ausmachen. Natürlich war es schon immer ein Markenzeichen Star Treks, die Zukunft als Parabel auf die Probleme der heutigen Zeit darzustellen und natürlich gab es auch bei Star Trek einige Belege für Finanzwirtschaft, doch McIntyres Beschreibungen sind nicht nur voller Ungereimtheiten, sondern erinnern eher an die Ferengi, als an eine Welt voller idealistischer Menschen.

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Zuviel Geld in einem Buch

Fazit: Es ist in der Tat löblich, die Anfangsjahre als Roman zu thematisieren. Und tatsächlich hatte dieses Buch somit einen erheblichen Einfluss auf den offiziellen Kanon, nicht zuletzt dank seiner Leser Roberto Orci und Alex Kurtzman, die sich fleißig an den Details dieses Romans bedienten. Doch auch ohne diesen ‚Adelsschlag’ ist dieses Werk genau wegen dieser Zusatzinformationen so lesenswert.
Doch dieser Einblick hat seinen Preis. Die Charaktere sind unheimlich schlecht getroffen, die Handlung ist haarsträubend und die vielen kleinen Fehler nervtötend.
McIntyre überbetont den Gebrauch von Geld und tritt die Zeitlinie, die durch ihr Werk eigentlich bereichert werden sollte, mit Füßen. Dadurch verlieren sich die Vorteile des Buches, denn auch wenn es interessante Informationen enthält, sollte das Hauptaugenmerk eines Romans nicht auf kleinen Details, sondern auf dem großen Inhalt liegen.

Denkwürdige Zitate:

Ich liebe dich, Jim. Aber wir leben nicht auf einem Wüstenplaneten.“ Carol Marcus, S. 18

Ja ich glaube schon. Während einer Überbevölkerungskrise erfordert die Geburt eines Kindes den Tod eines Erwachsenen, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Aus diesem Grund wurde eine Art Lotterie entwickelt, mit der man entschied, wer sterben mußte. Ihre Bräuche sind … faszinierend. Nicht besonders wirkungsvoll, aber interessant. “ Spock erklärt sich die Erdentradition, zur Geburt eines Kindes Zigarren zu rauchen, S. 38

Mhm. Schmeckt toll. Schokolade. Mag ich besonders gern. Der wichtigste irdische Beitrag fürs gastronomische Spektrum der Galaxis.“ Vanli, S. 57

"Vulkanier und Kinder. Tritt nie vor Vulkaniern und Kindern auf – ein Rat meines Vaters.“ Amelinda Lukarian, S. 279

Ihre Zivilisation – wenn es überhaupt angebracht ist, einen solchen Ausdruck zu verwenden – hat einen hohen Degenerationsgrad erreicht.“ Klingonischer ‚Direktor’, S. 452

Bewertung: Ein zu schwer verdauliches Stück Star-Trek-Geschichte.

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Weiterführende Leseliste:

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze

Samstag, 20. Juni 2009

Starfleet Kadetten 04: Das Sternengespenst

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Buchbesprechung Strickland, Brad: Das Sternengespenst. Heyne, 1994/1995.

Story: Jake Sisko ist vor gar nicht allzu langer Zeit zusammen mit seinem Vater auf der Raumstation Deep Space Nine angekommen. Der Sohn des Stationskommandanten hat keine große Auswahl bei der Wahl seiner Spielkameraden, und daher knüpft er freundschaftliche Bande zu Nog, einem Ferengijungen.
So wird Jake eines Tages Zeuge, wie Nog vor einer Kleinkinderzeichnung davonrennt. Er findet heraus, dass ein ‚Ferengest’, so eine Art Kapitalistenpoltergeist, seinen besten Freund Angst und Bange macht. Doch Jake glaubt nicht einmal in dem Moment an Geister, als diese Gestalt plötzlich direkt vor ihm steht.
Während Nog gegen die Panik kämpft, folgt Jake dem durchsichtigen Wesen, und stellt fest, dass es sich bei dem vermeintlichen Gespenst lediglich um ein fremdes Wesen in einer anderen Dimension handelt. Es transformiert auch Jake um mit ihm kommunizieren zu können, da es eine wichtige Botschaft zu übermitteln hat: In einem der Reaktoren der Station befindet sich nämlich eine Bombe!
Doch Jakes Übertritt in die fremde Dimension hat den schwerwiegenden Nachteil, dass eine Rückkehr in die eigene Dimension nur durch den Gebrach eines Transporters möglich ist! Erwachsene können Jake nicht mehr wahrnehmen und somit ist der unstete Nog die einzige Hoffnung für Jake Sisko und die Raumstation Deep Space Nine…

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Who you gonna call?

Lobenswerte Aspekte: Habe ich zuvor nach der Lektüre der von Peter David verfassten Teile „Worfs erstes Abenteuer“, „Mission auf Dantar“ und „Überleben“ nur noch missmutig gelesen, so muss ich doch zugeben, dass dieses Buch recht erfrischend ist. Strickland, dessen Story etwas an die TNG-Episode „Die imaginäre Freundin“ erinnert, schafft es trotz aller Widrigkeiten, seiner Geschichte Pepp und eine gewisse Frische zu verleihen, die den Leser wieder versöhnlich stimmen.
Natürlich bleibt die Handlung an Kindern bzw. Jugendlichen orientiert, doch schon der bewusste Verzicht auf ‚Zufälle’ verleiht der Handlung vermehrte Glaubwürdigkeit. So ist es zwar passend für die Story, Molly als Medium zur Kommunikation mit den Erwachsenen der Station zu nutzen, doch es wird der Wahrscheinlichkeit durch die Tatsache gehuldigt, dass dieser Versuch in die Hose geht.
Zudem schmückt Strickland die die Ferengikultur bunt aus. Nogs Verhandlungen mit Jake ob dessen Nachhilfebedürfnisses sind nicht nur passend, sondern sogar amüsant. Tatsächlich ist der humoristische Aspekt dieses Werkes, besonders in Hinblick auf die Zielgruppe, als durchaus gelungen zu bezeichnen.
Die Charaktere sind glaubhaft und selbst die noch von Vandalismus und Pionierarbeit geprägte frühe Phase der Serie sind gut eingefangen und der Autor versteht es, die sich daraus bietenden Möglichkeiten entsprechend zu nutzen. Dass eine solche Station nämlich besonders für entdeckungsfreudige Kinder ein einziger riesiger Abenteuerspielplatz ist, kann ich für meinen Teil jedenfalls gut nachvollziehen.

Kritikwürdige Aspekte: Warum dieser Roman unter den Titel „Starfleet Kadetten“ gepresst wurde, entzieht sich meinem Verständnis. Im Gegensatz zu seinen drei Vorgängern spielt die Handlung nicht an der Akademie oder orientiert sich an den Erlebnissen verschiedener aus diversen Serien bekannter Charaktere als Kadetten. Jake Sisko verweigert sich später sogar der Bewerbung an der Sternenflottenakademie! Wenn man also eine Reihe für Kinder konzipiert, sollte man einen passenderen Titel wie „Die kleinen Strolche“ oder „Wunderbare Jahre“ wählen, um so etwas unter die Leute zu bringen.
Das schlimmste an diesem Roman ist jedoch etwas, was bei allen Vorgängern immer ein Qualitätsmerkmal war: Die Zeichnungen.
Lustlos und unbeholfen; ja sogar künstlerisch wertfrei und dilettantisch wären Begriffe, die sich auf die grottenschlechten Abbildungen anwenden ließen. Die Bildausbrüche sind versucht, jedoch nicht geglückt und die Ähnlichkeit mit den bekannten Protagonisten ist, wenn überhaupt, nur sporadisch vorhanden.
Außerdem scheint sich der Urheber Hamilton an den Filmen „Der Herr der Ringe“ orientiert zu haben. Nun gut, Peter Jacksons Filmprojekt war 1994 noch nicht einmal in Planung, doch wenn man sich die Illustrationen ansieht, fällt schon auf, dass der ‚Ferengest’ Dhraako wie ein nazgul und Nog wie Gollum mit Akne aussieht.
Die Übersetzung spielt dem Leser längst gewohnte Streiche. Zum einen verwendet sie auch weiterhin konsequent das Wort „Starfleet“ unübersetzt, während aus „Holosuiten“ einfach mal eben „Holokammern“ (S. 9) und aus „Runabouts“ plötzlich „Flitzer“ (S. 120) werden. Außerdem findet sich auf Seite 37 die Formulierung „[…] Geschichte des Baseball […]“, der eindeutig ein „s“ fehlt, um den Genitiv anzuzeigen.
Schließlich finden sich auch noch einige andere Schlafmützigkeiten: Auf der Seite 64 wird eine Äußerung Quarks einfach Odo untergeschoben und dreizehn Seiten zuvor wird Nogs Neuinterpretation des Wortes „Hirngespinste“ (S. 51) korrigiert, obwohl dieser jenes Wort zuvor orthographisch völlig korrekt wiedergegeben hatte. Was ist dort bloß geschehen?
Nun, ich persönlich schätze mal, dass da irgendjemand ganz einfach bei der Übertragung ins Deutsche geschusselt hat…

Anachronismen: Dass „[…] die Station einen Zeitrhythmus von vierundzwanzig Stunden“ hat, stimmt nicht mit den Äußerungen aus der Episode „Leben in der Holosuite“ überein, in der vereinbart wird, Vic Fontaines Programm „[…] 26 Stunden pro Tag […]“ laufen zu lassen.
Völlig unverständlich ist mir außerdem, warum Quark seinen Bruder Rom zu Verhandlungen mit Lieferanten schickt. Der selbe Bruder, der später das Etablissement bestreikt und der dem Erwerb von Reichtümern entsagt, würde Quark meiner Meinung keine so wichtige Aufgabe übertragen, die so vitale Bereiche des Barbetriebs abdeckt.
Schließlich hat mich auch sehr erstaunt, dass es zwei von Sisko entsandten Runabouts gelingt, ein den groben Zeichnungen nach zu urteilen Schiff der Galor-Klasse aufzubringen. Natürlich sind diese Schiffe nicht die fortschrittlichsten Kreuzer des Universums, aber zwei Runabouts?? Das ist nun wirklich etwas übertrieben, selbst wenn es Probleme mit den Schilden hatte.

Fazit: „Das Sternengespenst“ hat aus den Fehlern seiner Vorgänger gelernt, und präsentiert sich zielgruppenoriertierter und unberechenbarer. Sofern man ihn unter dieser Prämisse betrachtet, bleibt er im Rahmen seines Anspruchs glaubwürdig, spannend und sogar lustig. Dennoch bleibt es ein Kinderbuch und die qualitativ minderwertigen Zeichnungen, die Übersetzungsschludrigkeiten und die Anachronismen bilden ein Gegengewicht zu den positiven Gesichtspunkten. Alles in allem ist es jedoch bislang eines der lesenswertesten Bücher der Reihe – solange man den Rahmen respektiert.

Denkwürdige Zitate

Kennen Sie sich zufällig mit Ferengi aus?
Genug um meine Finger zu zählen, nachdem ich einem die Hand gereicht habe.“ Jake und Kira Nerys, S. 27

Ein Krieger schläft im Zelt eines Feindes schlecht.“ Altes cardassianisches Sprichwort, S. 32

Bewertung: Nettes Kinderbuch.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Samstag, 13. Juni 2009

Die Macht der Former

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Buchbesprechung Weinstein, Howard: Die Macht der Former. Heyne 1991/1994.

Story: Um den drei Sternenflottenakademiekandidaten des Raumschiffs USS Enterprise NCC-1701-D die Möglichkeit zu geben, sich unter Beweis zu stellen, werden sie mit einer kleinen Außenmission betraut. Unter den wachsamen Augen Counselor Trois und Lieutenant Commander Datas nehmen die drei Aspiranten Wesley Crusher, Ken Kolker und Gina Pace Gesteinsproben und untersuchen den unbewohnten Planeten Domarus IV.
Doch gerade als das Shuttle startet, wird es auch schon von einem fremden Schiff aufgehalten. Ein viel zu stark eingestellter Traktorstrahl droht das Shuttle zu zerquetschen und über die Motive der kaum bekannten Teniraner herrscht völlige Unklarheit.
Als die USS Enterprise eintrifft, führen die eilig eingeleiteten ersten Gespräche zu keinem Ergebnis. Die Teniraner beanspruchen den Planeten für sich und wollen die Shuttleinsassen als Faustpfand für ihren Anspruch nutzen. Doch als das Shuttle mitsamt seinen Passagieren plötzlich in einer merkwürdigen Anomalie verschwindet, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Beide Fraktionen beschuldigen sich gegenseitig und als die Auseinandersetzung bedrohlich zu werden beginnt, erscheint die gleiche Anomalie wieder, und transportiert beide Raumschiffkommandanten auf die Planetenoberfläche.
Hier lernen sich Picard und Captain Arit näher kennen, und als sie wieder an Bord ihrer Schiffe gelangen, beschließen sie, dass gegenseitiges Vertrauen und Hilfe angebrachter sind als sinnloser Streit. Schließlich wurden sie Zeuge eines besonders ungewöhnlichen Phänomens: In unmittelbarer Nähe ihres Aufenthaltsortes entstand über Nacht ein neues Gebirge genau dort, wo zuvor eine weitläufige Ebene zu finden war.
Währenddessen finden sich Data, Troi und die drei Akademieanwärter in einer Höhle innerhalb des Planeten wieder. Bei der Suche nach einem Ausgang stoßen sie schließlich auf jene körperlosen Wesen, die den Planeten bewohnen und für die Umformungen seiner Oberfläche verantwortlich sind. Doch Kommunikation scheint unmöglich und daher geht Data das Risiko ein, sich mit einem der Geschöpfe in direkten Kontakt zu begeben…

Lobenswerte Aspekte: Die einzelnen Charaktere sind durch die Bank gut getroffen und auch die Kommandantin des teniranischen Schiffes und ihre Tochter erscheinen glaubhaft.
Zudem werden im Buch keine bahnbrechenden Ereignisse der Föderationsgeschichte geschildert, so dass sich das Buch problemlos in den offiziellen Kanon eingliedern ließe.

Kritikwürdige Aspekte: Ich sollte es gleich an den Beginn dieses Rezensionsteils stellen: Es kann zu einer wahren Qual werden, sich durch diese 260 völlig spannungsfreien Seiten zu kämpfen. Das gesamte Buch ist aufwandsarm nach ‚Schema F’ gestrickt und so vorhersehbar wie der Tag- und Nachtwechsel auf unserem Planeten.
Auf der einen Seite haben wir den idealistischen, aufgeschlossenen Sternenflottencaptain; auf der anderen hingegen die unbekannte Kommandantin, die Fremden gegenüber argwöhnisch ist. Ob die beiden wohl zusammenfinden werden?
Hier ist eine Restpopulation ohne Heimat, dort ein leerer Planet mit körperlosen Einheimischen, die tausend Jahre schlafen. Wo werden die armen Flüchtlinge wohl eine neue Heimat finden?
Und was wird wohl der verliebte Teenager tun, der weiß, dass seine Angebetete ihm erst dann Beachtung entgegenbringen würde, wenn er einen Ausgang aus dem Höhlensystem findet? Wird er still sitzen bleiben und warten?
Natürlich kann man viele Sachen in einem Buch vorhersagen und es war auch sicherlich nicht Weinsteins Aufgabe, das Rad neu zu erfinden, doch in diesem konkreten Fall ist die Handlung viel zu durchsichtig gestaltet. Das geht soweit, dass selbst die große Moralkeule, gesellschaftliche Schranken zu überwinden, so ungeniert offensichtlich daherkommt, dass man sich sogar als mittelmäßig gebildeter Leser schnell unterfordert vorkommt.
Doch wer weiß – vielleicht ist dieses Buch ja gar nicht für erwachsene Augen bestimmt? Ist es vielleicht, wie die einzelnen Teile der Starfleet-Kadetten-Reihe, eher ein Kinderroman, respektive Frühteenagerbuch?
Die kleingeistigen Problemchen der Sternenflottenzöglinge Gina Pace (was für ein beschissener Name!), Ken Kolker und natürlich Wes Crusher sprechen dafür – die vielen dabei verwendeten Fremdwörter jedoch eindeutig dagegen. Doch ist diese außergewöhnliche Konzentration von Fremdwörtern ihrerseits nur ein unbeabsichtigtes Nebenprodukt der deutschen Übersetzung?
Diese kommt in einem vertrauten Bild daher: Einerseits unnötige Anglizismen wie „Starbase“ (S. 8) oder „Starfleet“ (S. 8), andererseits unnötige Übersetzungen wie „Galaxis-Klasse“ (S. 148 statt „Galaxy-Klasse“) oder „Synthetisierer“ (S. 247 statt „Replikator“). Dass dann auch noch wieder einmal die niemals in Star Trek ebenso auftretenden Bezeichnungen „Insignienkommunikator“ (S. 66, statt „Kommunikator“) „Gesellschaftsraum des zehnten Vorderdecks“ (S. 85, statt „Zehn Vorne“) oder „Diskussegment“ (S. 210, statt „Untertassensektion“) zu lesen sind, ist wirklich belastend. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal erwähnt, dass die Föderation eben kein „interstellarer Völkerbund“ (S. 51) ist, denn durch einen Vergleich mit dieser Organisation, die zwischen den Weltkriegen als eine Art UNO-Vorgänger existierte, wird im Allgemeinen auf Kompetenzarmut und Machtlosigkeit angespielt. Ihn auf die Föderation anzuwenden, ist daher für jeden Trekkie beleidigend.
Schließlich sollen auch zwei weitere Fehler nicht unerwähnt bleiben: Zum einen findet man auf der Seite 174 den Tippfehler „[…] auf einer Weilt […]“ (gut, darüber kann man hinwegsehen) und zum anderen spricht Riker auf der Seite 38 von „Glacéhandschuhen“ (darüber nicht!).
Für die Redewendung „to use velvet gloves“ gibt es nämlich tatsächlich eine gute deutsche Übersetzung: Sie lautet „mit Samthandschuhen anfassen“. Vielleicht lehne ich mich mit meiner antiquierten Sicht weit aus dem Fenster, doch ich bin Meinung, dass Übersetzer so etwas beherrschen sollten, denn es kann nicht die Aufgabe des geneigten Käufers sein, sich entsprechende Fehltritte selbst erklären zu müssen.
Merkwürdig ist schließlich auch, warum die fünftausend überlebenden Teniraner mal polytheistisch (S. 139) und mal monotheistisch (S. 199) sind. Oder warum Riker auf der Enterprise bereits von den „Formern“ weiß, obwohl Picard sie gerade erst auf der Planetenoberfläche kennen lernt (S. 238).
Im Großen und Ganzen präsentiert sich „Die Macht der Former“ im Prinzip als klassische TOS-Handlung im TNG-Gewand, denn die Former sind in Gestalt und Beschreibung nicht wenigen Wesen aus der Ur-Star-Trek-Serie entlehnt: Redjac, der Vampirwolke, dem Companion oder der sich aus Hass ernährenden Wolke aus „Das Gleichgewicht der Kräfte“. Verbunden mit der Folge „Die Letzte Mission“ und den Teniranern, einer Spezies, die mich zu oft an eine Kreuzung aus Talaxianern und Kazon erinnerte, ergibt dies eine völlig belanglose Geschichte in einem Buch, dass sich bestenfalls zum Tischbeinersatz eignet und kann als ein gutes Beispiel dafür herhalten, warum Star-Trek-Bücher oft einen schlechten Ruf haben.

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Gefangen in einer Wolke aus längst vergessenen TOS-Geschöpfen

Anachronismen: Es wurde bereits oft in Star Trek und auf diesem Blog festgehalten, dass es in der Zukunft keinen Platz mehr für die Finanzwirtschaft gibt. Geld ist als Grundübel menschlichen Daseins längst abgeschafft und der Mensch strebt nach Selbstverwirklichung und nicht nach Anhäufung vo Reichtümern. Das weiß spätestens seit dem Finale der ersten Staffel („Die Neutrale Zone“) jeder TNG-Fan.
Um so schlimmer, dass Weinstein sich nicht entblödet, den Ausführungen dieser Folge zu widersprechen: Geordi verwettet einen Wochenlohn (S. 65) und der arme juvenile Picard muss für sein Baguette bezahlen (S. 187).
Gut Picard ist schon alt, aber so alt auch wieder nicht. Die Geldwirtschaft wurde nämlich laut Aussage des Erdengschichtsexperten Tom Paris im späten 22. Jahrhundert aufgegeben („Das ungewisse Dunkel, Teil 1“), und Picard ist 2305 geboren, also immerhin mehr als 100 Jahre nach Abschaffung monetärer Ökonomie.

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Geld abschaffen! Mit Star Trek in eine sozialistische Zukunft

Fazit: Der Roman „Die Macht der Former“ ist eine belanglose Mischung aus TOS- und TNG-Elementen, die auf Spannung oder einzigartige Ideen verzichtet. Man braucht nur die ersten paar Seiten zu lesen, um einen Eindruck davon zu erhalten, wie der Roman enden wird.
Einige Logikfehler im Romanaufbau, die Fehler der deutschen Übersetzung und der Verweis auf geldbasierte Ökonomie vervollständigen dieses Bild nur, so dass man eine Rezeption dieses Werkes zu Recht als ‚völlig unnötig’ bezeichnen kann.

Denkwürdige Zitate:

Flieg, Jean-Luc! Flieg!“ Dr. Crusher, S. 32

Auch das Schnarchen gehört zum Leben, aber deshalb vergeude ich keine Zeit damit, ständig darüber nachzudenken.“ Gina Pace, S. 108

Aber… die Berge bewegen sich. Richtige Berge haben gefälligst reglos zu sein.“ Riker, S. 237

Manchmal ja, manchmal nein. Man unterschätze nie die Macht einer guten Tasse Tee.“ Picard, S. 246

Bewertung: Langweilig, höhepunktsarm, dröge.

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Dienstag, 2. Juni 2009

Starfleet Kadetten 03: Überleben

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Buchbesprechung David, Peter: Starfleet Kadetten 04: Überleben. Heyne, 1993/1995.

Story: Es war einmal, zu einer Zeit als das Dominion im Betaquadranten noch unbekannt war und zwischen Menschen und Klingonen noch gesundes Misstrauen herrschte, ein junger Sternenflottenkadett namens Worf. Zusammen mit ein paar Freunden von der Akademie und einigen klingonischen Azubi-Soldaten strandete er eines schönen Tages auf einem gottvergessenen wüstenähnlichen Planeten.
Doch auf dieser trostlosen Welt trieb auch ein finsterer Bösewicht sein Unwesen. Worf und seinen furchtlosen sieben Zwergen gelang es jedoch, ihn einzufangen und in Ketten zu legen. Aber der böse gefangene Brikar sprengte just in dem Augenblick seine Ketten, als die Helden gerade seine geheime Räuberhöhle entdeckten und sich aufmachten, diese zu erkunden.
Damit aber ward der böse Ziegelsteinmann gar nicht zufrieden und hustete, pustete und flutete sein düsteres Versteck mit Wasser, das er auf dem trockenen Planeten herbeizauberte.
Aber dem tapferen Worf fiel da etwas ein! Er sprengte die Wände des Verlieses und ließ das Wasser einfach ablaufen. Dann überwältigten seine Freunde den fiesen Unhold, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

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Wann kommt die Flut...

Lobenswerte Aspekte: Ich kann nur nochmals festhalten, dass die Brikar schon eine coole Rasse sind. Äußerlich irgendwo zwischen einem Ytong-Stein und dem ‚Ding’ aus den Fantastischen Vier angesiedelt, finde ich es relativ traurig, dass es diese gute Idee nicht auch bis in den offiziellen Kanon geschafft hat.
Gleichermaßen gut fand ich, dass K’Ehleyrs zum Teil menschlicher Herkunft Tribut gezollt wird und dass sie die edle Spenderin der Statur Moraths und Kahless’ ist, die in TNG das Quartier des Klingonen zierte.
Außerdem behalten auch die positiven Punkte vorangegangener Starfleet-Kadetten-Bände, wie die Auflockerung durch Illustrationen, die Bezugnahme auf bekannte Charaktere oder die Einblicke in die Jugend der einzelnen Personen, weiterhin ihre Gültigkeit.

Kritikwürdige Aspekte: Dass ich die Handlungszusammenfassung als Märchen schilderte, ist eigentlich grundfalsch. In Märchen geht es viel brutaler zu! Nicht, dass ich eine blutrünstige Splattererzählung wünsche, aber dass in wirklich noch keinen Buch irgendjemand zu Tode gekommen ist, nervt irgendwann tierisch und macht aggressiv.
Denn wieder einmal ist am Ende alles Friede, Freude, Eierkuchen: Die Klingonen und Brikar entwickeln eine verständnisvolle Beziehung zueinander, alle überleben das Abenteuer und der Krieg, der die Föderation bedroht, hat noch nicht einmal Opfer gekostet. Wenn man diese ganzen Bücher voller Eintracht und Happy-Ends liest, macht das echt gewaltbereit und ich musste nach dem Lesen dieses Buches erst einmal gegen eine Mülltonne treten, um mich besser zu fühlen. Dass außerdem Worf und K’Ehleyr nicht einmal miteinander schlafen, wirkt in Anbetracht der TNG-Folgen „Klingonenbegegnung“ und „Tödliche Nachfolge“ nur noch zweifelhafter.
Zudem ist es nicht unbedingt ratsam, sich ein Buch der Starfleet-Kadetten-Reihe nach der Lektüre eines Vanguard-Romans zu Gemüte zu führen. Der jugendliche Schreibstil ist zwar nett und man ist auch schnell am Ende angelangt, doch beide Werke trennen wahre Niveau-Ozeane.
Außerdem nerven die kleinen Details, die zum glücklichen Ausgang des ganzen Ausflugs führen. Zufällig ist es nämlich ein Ding der Unmöglichkeit, Klingonen zu erwürgen und ebenso zufällig ist einer der Freunde Worfs so eine Art Mozart der vulkanischen Gedankenverschmelzung. Zum Glück, denn sonst wären vielleicht tatsächlich Leute gestorben!
Wenigstens halten sich die Übersetzungsfehler zurück. Abgesehen vom wiederholten Auftreten ‚Starfleets’ anstelle der ‚Sternenflotte’ gab es nur einen kleinen Buchstaben zuviel (S. 54, ‚Meißeln’ statt ‚Meißel’). Dass dieser Punkt sich dieses Mal der Kritik entzieht, ist recht angenehm.
Schließlich kann nur noch mal sagen, dass es wirklich nicht notwendig war, aus dieser Geschichte ein eigenes Buch zu machen. Man hätte es auch bequem mit dem Vorgänger „Mission auf Dantar“ zu einem Band zusammenfassen können. Einzeln betrachtet wirkt die ohnehin schon mäßige Geschichte noch träger. Eigentlich schade, dass sich ein so guter Autor wie Peter David dazu herabgelassen hat.

Anachronismen
: Wenn es wirklich ein Ding der Unmöglichkeit ist, einen Klingonen zu erwürgen, dann frage ich mich schon, warum Worf genau das in der Episode „Das Schwert des Kahless“ bei Kor versucht.

Fazit: Die Frage nach dem „Überleben“ stellt sich in diesem Roman nicht, denn wer bereits den ein oder anderen Vertreter der Starfleet-Kadetten-Reihe gelesen hat, weiß ohnehin, dass alle miteinander überleben werden.
Die Geschichte ist bestenfalls lahm, und wenn man es losgelöst von seinem Vorgänger betrachtet, sogar noch lahmer. Dieser Roman ist zweifellos der am wenigsten lesenswerteste aus der Feder Peter Davids.

Denkwürdiges Zitat:

Ein gutes Leben, K’Ehleyr. Biete deinen Feinden kühn die Stirn. Ich wünsche dir einen ehrenvollen Tod. Ich vermute, wir werden uns nicht wieder sehen.“
Ein gutes Leben, Worf. Biete deinen Feinden kühn die Stirn. Und ich vermute – du irrst dich.“
Worf und K’Ehleyr, S. 120

Fazit: Vernachlässigungswürdiger Ausrutscher eines guten Star-Trek-Autoren.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Sonntag, 31. Mai 2009

Vanguard 03: Ernte den Sturm

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Buchbesprechung Mack, David: Vanguard 03: Ernte den Sturm, cross cult, 2008.

Story: Ruhig und kaum beachtet liegt das Jinoteur-System irgendwo in der Taurus-Region. Doch als Forscher der Föderation entdeckten, dass sämtliche Monde der Planeten künstlich ausgerichtet wurden, rückt es in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses.
Klingonische Flotten scheitern an den planetaren Verteidigungssystemen und als auch ein tholianisches Schiff dort auftaucht, schickt auch endlich die Sternenflotte ein eigenes Schiff, um zu erkunden, welches Geheimnis sich hier verbirgt.
Währenddessen hat der Kommandant der Sternenbasis 47, Commodore Diego Reyes, weltlichere Sorgen. Seine Ex-Frau Jeanne ist zu Besuch auf der Station. Doch das vermeintlich private Dilemma wird rasch zu einem beruflichen, denn diese Frau, der er tief in seinem Herzen noch immer Gefühle entgegen bringt, ist niemand geringeres als der gewählte Leiter einer frisch gegründeten Kolonie in der Taurus-Region. Dumm nur, dass auf genau dieser Welt ein Artefakt vermutet wird, wie es schon zuvor auf Ravanar, Palgrenax und Erilon gefunden wurde. Noch dümmer, dass die ahnungslose Verflossene auf einer völligen Autonomie ihrer neuen Heimat besteht, denn es ist sofort jedem Beteiligten klar, dass der dann völlig sich selbst überlassene Planet bei den benachbarten Klingonen Begehrlichkeiten wecken würde.
Derweil stößt die USS Sagittarius im Jinoteur-System auf ein leeres Tholianerschiff und stürzt nur wenig später nach einem plötzlichen Beschuss auf dem Hauptplaneten ab. Die Crew hat ihre Antimaterievorräte verloren und die Außenteams werden plötzlich von einem übermächtigen Feind angegriffen, und das einzige Schiff, dass vom vulkanischen Geheimdienstoffizier T’Prynn als zuverlässig genug und nächstliegend eingestuft wird, ist die Rocinante des Weltraumvagabunden Cervantes Quinn. Er und sein Freund, der Reporter Tim Pennington, sind die einzige Hoffnung für die Crew des kleinen Schiffes der Archer-Klasse…
Hinter dem Angriff auf die Mannschaft Captain Nassirs stehen die Shedai, die nach Jahrtausende währenden Schlaf erwacht sind, um an den sterblichen humanoiden Störenfrieden grausame Rache zu nehmen. Ihr erster großer Schlag richtet sich schließlich genau auf jene Welt, die Reyes Exfrau gerade erreicht hat: Gamma Tauri IV.

Lobenswerte Aspekte: Im dritten Band der Vanguard-Reihe erhalten viele Charaktere mehr Tiefe: Angefangen beim orionischen Kaufmannsprinzen Ganz, hin zum Kommandanten Diego Reyes bis zur Gemeinschaft Penningtons und Quinns. Besonders letzteres Pärchen beeindruckte mich auf den letzten Seiten des Buches und ich gebe zu, überrascht worden zu sein. Quinn ist, allen stereotypisierenden Gefahren zum Trotz, äußerst differenziert dargestellt und besonders mit der Zigarre im Mund erinnerte er mich ab und zu an den viel zu früh verstorbenen George Peppard.
Doch auch andere Themen des Buches sind lobenswert und voller Symbolkraft. So beeindruckte mich ebenso das bewahrheitete Statement Sandesjos, für T’Prynn in Liebe zu brennen, wie das Dilemma Reyes, durch seine Bevorzugung der Pflicht vor Wahrheit unzählige Leben geopfert zu haben. Die zum Teil schockierenden Entwicklungen lassen dem Erscheinen des vierten Teils „Offene Geheimnisse“ ungeduldig entgegenfiebern.
Äußerst gelungen fand ich schließlich auch die deutsche Übersetzung des englischen Buchtitels "Summon the thunder".

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Wer Wind sät...

Ich gebe außerdem zu Protokoll, dass ich mich verliebt habe! Das auf dem Cover präsentierte Design der USS Sagittarius ist sehr gelungen, und besonders ihre liliputanischen Ausmaße machen das Design so unheimlich interessant. Es ist ebenein kleines Schiff mit engen Kabinen, auf dem sich zwei Personen eine Koje teilen müssen und auf dem es keine Krankenstation, sondern ein „Krankenzimmer“ (S. 91) gibt. Dass auf der kleinen Abbildung auf dem Buchtitel sogar die angesprochene Ladeluke auszumachen ist, unterstreicht die Qualität dieses Entwurfes. Wenn nun auch noch, wie bereits im ersten Band „Der Vorbote“ geschehen, ein aufklappbarer Mittelteil das Design des Schiffes erläutert hätte, so hätte ich es wahrhaft mit leuchtenden Augen wieder und wieder betrachtet (das am Ende des Buches abgedruckte Mini-Kompendium ist der Erwähnung kaum wert).
Daneben ist zumindest die Crew des Schiffes sehr liebevoll und detailliert beschreiben worden. Einer der drei Gaststars, Commander Terrell dient als erster Offizier auf diesem kleinen Schiff. Neben ihm werden auch Jabilo M’Benga und Dr. Carol Marcus in die Handlung integriert, wobei der Autor David Mack die Forschungen um das Meta-Genom mit viel Fingerspitzengefühl thematisch an das Genesisprojekt koppelt.

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Genesis live auf der Spur

Kritikwürdige Aspekte: Es gibt nur wenige Punkte, die eine Beanstandung zulassen.
Einer davon ist allerdings ein schwerer Logikfehler. Nachdem Commander Terrell von den Shedai lebensgefährlich getroffen seine Situation analysiert, gibt er dem Fortbestand seiner Existenz nur eine eingeschränkte Zeitspanne: „Bestenfalls bin ich dann wohl gegen Mittag tot.“ Erst das Dämpfungsfeld dämmt die Ausbreitung des Metagenoms ein, doch dieses Feld nimmt er nicht an Bord, als er von Pennington und Quinn gerettet wird. Eine relativ turbulente und zeitintensive Rettung eines weiteren Crewmitgliedes beginnt, doch der mittlerweile ohne Schutz der Infektion hilflos ausgelieferte zukünftige Captain der Reliant überlebt, ohne dass sich seine Lage auch nur im geringsten verschlechterte.
Als besonders traurig ist der Umstand zu bewerten, dass, getreu einer guten alten Star-Trek-Tradition die anfangs so Furcht einflößende Spezies der Shedai „geborgt“ wird.
Angefangen bei den Klingonen, die im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ an Schrecken verlieren, über Spezies 8472, die sich schließlich zur Kooperation überreden lassen bis hin zu den Romulanern, die ihre Heimatwelt wegen einer Supernova verlieren – jede die Föderation bedrohende Spezies verliert im Verlauf der verschiedenen Serien an Schrecken. Egal ob Ferengi, Dominion oder Kazon, schließlich passiert allen außerirdischen Rassen, was auch den Borg während Voyager widerfuhr: Sie lassen die Bedrohung, die sie am Anfang erahnen ließen, mit der Zeit verwischen.
Auch den Shedai geht es nicht anders. Zwar wurde im Vorgängerroman „Rufe den Donner“ bereits eine Gegenwehr möglich gemacht, doch erst in diesem Band verliert die Spezies an Gefahr, zerfleischt sich selbst in einem Bürgerkrieg und selbst ihre gefürchtete Meta-Genom-Infektion erweist sich als unangenehm, aber heilbar.
Die Shedai werden entzaubert und es wird einiges an Aufwand kosten, ihren alten bedrohlichen Status wiederherzustellen.
Der letzte Kritikpunkt ist schließlich – wie so oft – mit der Übersetzung verbunden.
Bücher haben eigentlich die Funktion, ihren Leser in seinem grammatisch-orthografischen Wissen zu bestärken. Doch nicht dieser Roman! Er geht einen anderen – mutigeren -Weg und versucht zu beweisen, dass es in der Zukunft viele kleinkarierte Regeln nicht mehr geben wird.
Neben kleineren Fehlern („[…] zwischen deren drei Monde […]“ (S. 9), […] eine halbe Millionen Jahre […] (S. 42) und „[…] Passage des Kodexe […]“ (S. 171)) heißt das große Thema in diesem Roman „Die richtige Verwendung von ‚dass’ und ‚damit’“. „[…] damit Xiong es hören konnte […]“ (S. 150), „[…] damit auch die Phaser wieder Energie hatten […]“ (S. 330) und „Damit ein Vulkanier so einen Zusammenbruch erleidet […]“ (S. 402) sind nur drei Beispiele für einen viel zu häufig auftretenden Fehler, der von mangelhaftem Sprachverständnis zeugt. Wer immer noch an meiner Einschätzung zweifelt, der sollte sich den Satz „In solchen Momenten fühlte sich Sandesjo weniger wie die Geliebte der Vulkanierin als wie eine völlig Fremde.“ (S. 17) vor Augen halten, um zu verstehen, dass der Übersetzer auf den Straßen Berlins zwar nicht sonderlich auffallen würde, aber von Übersetzungen Abstand halten sollte, von denen einen gewisser Sprachstandard erwartet wird.

Anachronismen: Zuerst einmal muss ich gestehen, dass ich einen Aspekt der Handlung weniger glaubwürdig fand: Die Tatsache, dass Jeanne Vinueza, die Exfrau Reyes, als Mensch Telepathin sein soll. Natürlich kann man jetzt zu Recht auf die TOS-Episode „Die Spitze des Eisbergs“ hinweisen, in der Kirk auf gleich zwei solcher Menschen trifft. Ich hingegen würde auch die TNG-Episode „Der Fall Utopia-Planitia“ verweisen, in der die Empathin Deanna Troi die Möglichkeit kategorisch ausschließt, dass auch Menschen entsprechende Fähigkeiten hätten. Das Grundproblem ist also eher, dass hier ein genereller Aussagenkonflikt besteht, und Mack sich für eine Seite entscheiden hat – ob sie für jeden Leser gleichermaßen stimmig ist, sei jedoch dahingestellt.
Auch die Behauptung, dass Tholianer höheren Druck benötigen, lässt sich mit den Beobachtungen aus „In einem finsteren Spiegel, Teil 1“ nicht in Einklang bringen.
Wie schon bei der Rezension zum dritten Titan-Band „Die Hunde des Orion“ bemerkt, hapert es in der Absprache der Autoren der beiden Fortsetzungsromane untereinander. Zwar wird mit der Erwähnung des Al-Nath-Systems eine Brücke zu Vardemans "Das Klingon-Gambit" geschlagen, doch modernere Romane werden dabei scheinbar ausgespart. Während nämlich in Titan-Serie Jetaniens Spezies abweichend dargestellt wird, kommen bei Vanguard Zweifel an der Spezies der Steuerfrau Ensign Lavenas auf. Pacifica wird hier nämlich nicht als Heimat einer indigenen Spezies, sondern als Kolonisationswelt beschrieben (S. 381). Diese kleinen Fehler stören den ansonsten recht schlüssig präsentierten Anspruch der Bücher, Informationen aus anderen Romanen aufzunehmen und eine Brücke zwischen Kanon und Romanen zu schlagen.

Fazit: Im Großen und Ganzen ist der dritte Vanguard-Roman „Ernte den Sturm“ ein würdiger Nachfolger des genialen zweiten Bandes. Sehr spannend geschrieben, toll in Szene gesetzt und mit unerwarteten Wendungen versehen, schreit der Roman geradezu nach einer Fortsetzung.
Lediglich die Degradierung der Hauptbösewichter und das haarsträubende Grammatikverständnis des Übersetzers schaffen es, diesem Werk eigentlich unverdiente Schatten aufzuerlegen.

Denkwürdige Zitate:

Im Alter von 50 haben wir alle das Gesicht, das wir verdienen.“ Reyes senior, S. 118

Wenn es eine Sache gibt, die ich in der Sternenflotte gelernt habe, dann das nichts so schlimm sein kann, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte.“ Terrell, S. 138

Entweder hat Fek’Ihr selbst in unsere Sensorphalanx geschissen, oder Chefingenieur Ohq hat sich gerade vierzig Schläge mit dem Schmerzstab verdient.“ BelHoQ, S. 207

Eine Lüge aufzudecken, Jabilo, ist eines. An die Wahrheit zu kommen, etwas anderes.“ Dr. Fisher, S. 221

Captains, ich habe gerade Dr. Fishers forensischen Bericht über die heute getöteten Kolonisten erhalten. Die gute Nachricht ist, sie wurden nicht von den Klingonen umgebracht. Die schlechte Nachricht ist … dass sie nicht von den Klingonen getötet wurden.“ Reyes, S. 301

Natürlich tun wir das, Ming. Diese Situation verlangt nach einer dummen und völlig aussichtslosen Geste und ich denke, wir sind genau die richtige Crew dafür.“ Nassir, S. 362

Bewertung: Allen Fehlern zum Trotz genial!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall

Freitag, 22. Mai 2009

Mission auf Dantar

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Story
: Für den jungen Kadetten Worf und einige seiner Akademiefreunde bietet sich die Möglichkeit, auf ihre erste – echte – Mission zu gehen. Eine unwirtliche Kolonie, auf der sowohl Menschen als auch Klingonen leben, benötigt die Hilfe eines Schlichters.
Doch auf dem Planeten angekommen, muss das Team aus Sternenflottenkadetten mit einer klingonischen Delegation zusammenarbeiten, die ebenfalls mit einem ähnlichen Auftrag versehen wurde. Worf lernt dabei die anziehende junge K’Ehleyr kennen und überraschend schnell gelingt es beiden im Zusammenspiel, viele der Konflikte zu lösen, die das Alltagsleben der Einwohner belasten. Doch eine Prügelei zwischen dem Brikar Kebron und einem der Klingonen verstärkt auch die Anspannungen innerhalb der beiden Schlichtergruppen, denen es, bei allen Erfolgen, schließlich nicht gelingt, alle Ressentiments auszuräumen. Doch die verschiedenen Parteien werden gezwungen zusammenzuarbeiten, als ein fremdes Schiff die Siedlung bombardiert…

Lobenswerte Aspekte: Es bedeutet wirklich keinerlei Aufwand, eines der Bücher der Starfleet-Kadetten-Reihe zu lesen. Es kann schon mal passieren, dass man ein solches Buch innerhalb einer kurzen Busfahrt ungewollt ausliest. Die vielen, zumeist gut gezeichneten Illustrationen lockern das Werk auf und ermöglichen detaillierte Vorstellungen über diverse Buchinhalte. Überhaupt ist es interessant, so viele Details aus dem Leben des juvenilen Klingonenmannes zu erfahren, zumal der Roman die meisten Elemente des vorangegangenen Teils „Worfs erstes Abenteuer“ übernimmt.
Ebenfalls besonders erwähnenswert sind die an einigen Stellen im Buch angebrachten Verknüpfungen zu anderen Romanen. In einer Art Pionierleistung manifestiert sich hier die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Autoren für den normalen Leser erstmals merklich. So werden etwa die Kreel erwähnt, die bereits in Vornholts Roman „Kontamination“ eine tragende Rolle spielen. Bemerkenswert ist auch die Beschreibung Captain Taggerts von der USS Repulse. Im ebenfalls von Peter David verfassten Roman „Vendetta“ noch als Frau beschrieben, wird dies in der TNG-Episode „Die jungen Greise“ als Fehleinschätzung entlarvt. Doch anstatt dies zu ignorieren, baut der Autor eine kleine Brücke: der männliche Taggert selbst führt die Möglichkeit ins Feld, dass seine Tochter irgendwann einmal seinen Stuhl übernehmen könnte. Geschickt, geschickt!

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Perfekt: Kinder können sich durch die Bilder lebhaft in die Situation versetzen lassen

Kritikwürdige Aspekte: Hand aufs Herz: Die Story ist lahm und Dantar liest sich wie eine Beschreibung des Planeten Nimbus III. Erst als die Ortschaft angegriffen wird, beginnt es langsam interessant zu werden, aber just im spannendsten Moment hört das Buch einfach auf, um mit seinem Nachfolger „Überleben“ wieder an dieser Stelle einzusetzen. In Anbetracht des geringen Leseaufwands und der vielen Bilder hätte man nun wirklich ruhig einen Dreierband aus diesen drei Romanen machen können.
Störend finde ich auch, dass in diesen verdammten Kinderbüchern einfach niemand stirbt! Doch dieser Schulterschluss mit der FSK passt nahtlos zum juvenilen Schreibstil, und in der Tat kann man diese Bücherreihe getrost angehenden Star-Trek-Fans in einem Alter von acht bis fünfzehn Jahren empfehlen. Alte Hasen jedoch könnten ab und zu das Gefühl bekommen, als hätte hier jemand „Das nächste Jahrhundert“ mit den Teletubbies gekreuzt.
Die Anzahl der Rechtschreibfehler hält sich, wohl aufgrund des ohnehin geringen Umfangs, in Grenzen. Neben üblichen Fehlern wie „Starfleet“ (S. 25) statt „Sternenflotte“ oder „Operator-Station“ statt „Ops“, sind mir nur hier und da einige Interpunktions- und Wiederholungsfehler sowie das Flüchtigkeitsprodukt „Mr. Tobias“ statt „Mrs. Tobias“ aufgefallen.
Allerdings gab es wieder einmal einen kleinen Fehler in den Details der Illustrationen. Der klingonische Captain, der auf Seite 42 so erschrocken auf Worf reagiert, verfügt nicht über das raubtierhafte Gebiss eines typischen Klingonen, sondern bietet dem Betrachter eine so vorbildlich menschliche Kauleiste, dass jeder Zahnarzt beim Betrachten der Bilder beifällig mit der Zunge schnalzen würde.

Anachronismen: Irgendwie wird im Roman vernachlässigt, dass K’Ehleyr zu Hälfte Mensch ist! Ihre Angehörigkeit zur klingonischen Fraktion widerspricht meinem Verständnis nach der in der TNG-Folge „Die Soliton-Welle“ verbürgten Tatsache, dass sie später ihren Sohn ermutigte, auch seine menschliche Seite auszuleben.
Und falls es tatsächlich die auf Seite 61 erwähnte Sternenflottenvorschrift gibt, der zufolge Kadetten nicht bewaffnet sein dürfen, bin ich dafür, Nog nachträglich für seine Verbrechen zu verhaften.

Fazit: „Mission auf Dantar“ ist ein unvollständiger Roman, der eigentlich eher den Titel „Überleben, Teil 1“ verdient hätte. Streckenweise ist er zwar durchaus interessant, aber größtenteils zu harmlos. Pionierarbeit ist der Roman trotzdem: AIm Rahmen seines Handlungsspielraumes hat der Autor Peter David hier alle Möglichkeiten ausgeschöpft und daneben begonnen, erste Vernetzungen zwischen verschiedenen Romanen zu etablieren.

Denkwürdiges Zitat:

Falls Sie im Weltall überleben wollen, Mr. Worf – und das gilt übrigens für Sie alle -, sind Sie gut beraten gut beraten, alles einzusetzen, was Ihnen zur Verfügung steht, einschließlich des Musters Ihrer DNS-Struktur.“ Trump, S. 23

Bewertung: Halbe Punktzahl für ein halbes Buch.

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Weitwerführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Dienstag, 19. Mai 2009

Das Schlachtschiff

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Buchbesprechung Carey, Diane: Das Schlachtschiff. Heyne, 1986.

Story: Es war an einem lauen Frühlingsabend, als ich in das Bücherregal griff, um ein weiteres Star-Trek-Buch zu lesen und zu rezensieren. Zielsicher schnappte ich mir ein Buch mit dem Titel „Das Schlachtschiff“, das von einer Schriftstellerin namens Diane Carey verfasst wurde.
Schon bald las ich von einer jungen Frau namens Piper, die ihren Kobayashi-Maru-Test ableistete und der es fast gelang, diesen erfolgreich zu bestehen. Meine Augen folgten der jungen Offizierin auf die USS Enterprise, von wo aus es ihr allmählich gelang, einer riesigen Verschwörung auf den Grund zu kommen: Ein Vizeadmiral hatte die gesamte Sternenflotte unterwandert, um mit einer neuen Generation Schlachtkreuzer seine eigenen Herrschaftsambitionen durchzusetzen. Voller Entsetzen erfuhr ich, dass dieser Rittenhouse allen Ernstes plante, andere Völker wie Klingonen, Romulaner und Orioner mit Waffengewalt in die Föderation zu zwingen, um endlich Frieden in der Galaxis zu schaffen. Doch die Entführung der Star Empire, des Prototyps dieser neuen Schlachtkreuzerklasse, machte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung: Sternenflottenangehörige, die die Föderation in ihrem Fortbestand bedroht sahen, griffen beherzt ein, um sich der Bedrohung zu stellen. Ich verstand schon bald, dass einer der Schiffsentführer seine frühere Beziehung zu Piper nutzen wollte, um über sie den berühmten Captain James T. Kirk für die Sache des Widerstands zu gewinnen. Doch am Ende waren Pipers eigene Fähigkeiten gefragt, um die Star Empire und ihre Besatzung, die plötzlich von einem ganzen Kampfverband angegriffen wurden, zu retten…

Lobenswerte Aspekte: Zugegeben, es gibt Textsorten wie Nacherzählungen, Rezensionen oder wissenschaftliche Arbeiten, in denen es sich nicht unbedingt anbietet, allein die Ich-Form zu verwenden. Einen gesamten Star-Trek-Roman auf diese Art und Weise zu schreiben, ist allerdings eine Herausforderung, die Carey tatsächlich meisterte. Weg von den Fesseln eines rein deskriptiven Erzählers – hin zu einem sehr persönlichen Einblick in das Leben eines unbekannten Sternenflottenoffiziers. Mit einer solchen Herangehensweise geht ebenfalls eine Atmosphäre einher, die an Folgen wie „Beförderungen“ denken lässt und eine erfrischende Perspektive bietet.
Der Roman ist spannend und informativ, und Einschübe wie die Schemata zum Aufbau von Judikative, Exekutive und Legislative der Föderation waren nicht nur interessant, sondern auch auflockernd. Einen weiteren Pluspunkt verdient sich das Buch durch kleine Skizzen der Shuttle-ähnlichen Arco-Klasse-Angriffsschlitten und der Tychoklasse-Kampfgleiter.

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Hätte Piper sich die übergeordnete Verwaltungsebene ebenfalls angesehen, hätte sie die wirkliche Reichweite der Gefahr erkannt

Daneben glänzt der Roman durch gut beschriebene Figuren, unter denen natürlich Piper die zentrale Rolle einnimmt. Sie wirkt in den vielen lebensbedrohlichen Situation menschlich, ohne auch nur für kurze Zeit übermenschlich zu erscheinen. Außerdem gelingt die Gratwanderung, dem Charakter gleichzeitig die Autorität eines Kommandooffiziers zu geben, ohne ihm die Weiblichkeit zu nehmen. Denn mal ehrlich: Spätestens seit Tasha Yar weiß der geneigte Star-Trek-Fan nur zu gut, dass sich Autorität und feminines Auftreten nur allzu oft gegenseitig ausschließen.
Ebenfalls erwähnenswert ist auch die gelungene Beschreibung der Nachwirkungen eines Treffers durch einen auf Betäubung gestellten Phaser. Die Symptome lasen sich irgendwie, als ob man gleichzeitig an den Nachwirkungen eines Monsterkaters leidet und trotzdem gegen einen Elektrozaun pinkeln würde. Man kann sich auf jeden Fall vorstellen, dass so etwas sicherlich keine angenehme Erfahrung ist.

Kritikwürdige Aspekte: Wieder einmal gab es eine ganze Reihe kleiner Unstimmigkeiten, die das Werk etwas aushebelten. So verfügt die Star Empire über Waffensysteme, gegen die selbst die der Souvereign-Klasse alt aussehen würden! Also ist es kein Wunder, dass selbst die Enterprise NCC-1701 im offenen Kampf keine Chance gegen das Schiff hätte, nicht einmal dann, wenn die Pompeji, ein Schiff der Saladin-Klasse, sie unterstützen würde. Was macht Rittenhouse also daraufhin? Diese Frage soll uns ein kleiner Auszug aus einem Gespräch zwischen Piper und dem Vulkanier Sarda beantworten:

Raumschiffe aus einem anderen Quadranten?“
Bestätigung. Die Potemkin, Lincoln und Hornet.“
Das ist außergewöhnlich, nicht wahr?“
In der Tat.“

Da kann man nur zustimmen. Selbst wenn man annimmt, dass sich zwei der Schiffe momentan im Alpha-Quadranten aufhalten, bleibt immer noch eines, dass sich im Gamma- oder Delta-Quadranten befinden muss. Noch vor der Entdeckung des bajoranischen Wurmloches und noch vor dem Verschwinden der Voyager befinden sich andere Föderationsschiffe dort! Das ist in der Tat außergewöhnlich!
Und Stichwort Sarda: Die äußere Erscheinungsform des Vulkaniers bricht, ähnlich der Tuvoks, mit dem gewohnten Bild. Unendlich Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination ist ja gut und schön, aber einen Vulkanier mit bronzefarbenem Haar und bernsteinfarben Augen bekommt man bei Star Trek definitiv nicht allzu oft zu Gesicht.
Auch mit der Figur Bomas war ich nicht sehr zufrieden, was noch nicht einmal an seiner Darstellung, sondern an der für ihn entwickelten Biografie lag. Wenn Boma, der Spock in der Episode „Notlandung der Galileo 7“ das Leben schwer machte, wirklich wegen Insubordination angeklagt worden wäre, hätten dies auch mit anderen Mitgliedern des Außenteams, wie etwa dem gleichsam aufmüpfigen McCoy geschehen müssen.
Doch das mit der Insubordination ist so eine Sache. Natürlich würden die Ereignisse um diesen föderationsinternen Putschversuch die gesamte Organisation verunsichern. Aber Carey beschreibt die Auswirkungen gerade so, als würde es sich um ein Ereignis wie 9/11 selbst, und nicht um einen coup d’etat handeln. Immerhin gab es einen ähnlichen Vorfall bereits im zuvor erschienen Buch „Das Netz der Romulaner“. Und auch wenn die Thematik der Meuterei innerhalb der Sternenflotten in der TNG-Episode „Die Verschwörung“ aufgrund der persönlichen Intervention Roddenberrys verworfen wurde, fand die Idee nach dessen Tod in „Die Front“, dem Auftakt zu einem DS9-Zweiteiler, seine Verwirklichung. Verschwörungen sind also ein ständiger Begleiter der Föderation, und es mutet tatsächlich wie eine leere Phrase an, wenn Piper behauptet „Anschließend wird nichts mehr so sein wie vorher.“ (S. 250). Volker Pispers lässt leise grüßen!
Mit einer Mischung aus Faszination und Ungläubigkeit begegnete ich schließlich Proxima, der Heimatwelt Pipers. Die zuweilen ausgiebig beschriebene Flora und Fauna ähnelte im Prinzip jener der Erde des mittleren Trias. Schon allein der Planet, der laut Memory Alpha eigentlich auf das 4,22 Lichtjahre von der Erde entfernte Alpha Centauri hinweist, ist in seiner Beschreibung als abgelegene und weit entfernte Kolonie recht widersprüchlich. Besonders starke Verwunderung löste jedoch ein Satz inmitten des Romans bei mir aus: „Überall um mich herum summten Wespen, die wir fürs Bestäuben unseres terranischen Getreides importiert hatten.“ (S. 162) Abgesehen davon, dass dort eigentlich „für das“ und nicht „fürs“ stehen sollte, habe ich mich sofort gefragt, warum man ausgerechnet Wespen dafür importierte – immerhin kann man auf später folgenden Seiten lesen, dass auch Bienen eingeführt wurden. Dann weiß natürlich jeder Mensch mit einer halbwegs gesunden Allgemeinbildung, dass Getreide windbestäubt werden, und daher nicht auf die Hilfe von Insekten angewiesen sind. Hinzu kommt, dass entsprechende Erfahrungen mit Kaninchen, Katzen und Hunden im „terranischen“ Australien die Kolonialexperten der Jahrhunderte später gegründeten Föderation davon überzeugt haben sollten, dass der Import exogener Arten in ein funktionierendes Ökosystem fatale Folgen haben kann. Erst gegen Ende ihres Werkes liefert uns die Autorin Diane Carey einen Hinweis, warum sie eine solche Vorgehensweise für erforderlich hielt: Piper verrät dem erstaunten Kirk nämlich „Auf meinem Heimatplaneten ist es fast immer windstill, Sir.“ (S. 264).
Das verändert die Sachlage natürlich vollends, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich Wespen, sofern es sich nicht um eine fleisch- und obstverzehrende Art handelt, nur den Nektar oder den Pflanzensaft bestimmter Gewächse als Nahrungsquelle nutzen. Windbestäuber bilden jedoch überhaupt keinen Nektar aus, und somit würde Getreide, dass von der Erde auf eine solche Welt importiert wurde, eingehen, egal wie viele Wespen man zur absehbaren Freude der Kolonisten dort aussetzt. Ich glaube auch nicht, dass die vielen Flügelschläge, die eine Wespe pro Sekunde zu erzeugen in der Lage ist, ausreichen würden, um eine ausreichende Luftbewegung zu verursachen, die das Dilemma behebt…

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Eine kleine Naturbeobachtung: wie vermehrt sich Getreide?

Zwei gestalterische Mängel hat „Das Schlachtschiff" ebenfalls vorzuweisen: Zum einen fand ich das zu stark in den schlimmen schlimmen Achtzigern verhaftete Deckblatt scheußlich und zum anderen sind die Kaptiteleinteilungen doch ungewöhnlich. Während die durchschnittliche Länge eines Kapitels ca. 20 eng beschriebene Seiten umfasst, bringt es Kapitel acht auf stolze sechzig Seiten.
Abschließend muss auch wieder die Übersetzung erwähnt werden. Natürlich gibt es Sachen, die wirklich schwer zu übersetzen sind. So kann man die Wortspiele, die Scott um den Namen Piper macht oder die tiefere Bedeutung der „Jesus-Klammer“ nur unter großen Verlusten ins Deutsche übertragen.
Ob man die Föderation wirklich als „interstellarer Völkerbund“ (S. 111) bezeichnen muss oder statt „Untertassensektion“, „Sternenbasis“ oder „Impulsgeschwindigkeit“ allen Ernstes „Diskussegment“ (S. 9), „Starbase“ (S. 14) oder „Sublichtgeschwindigkeit“ (S. 94) verwendet, habe ich bereits zur Genüge erläutert.
Ansonsten gibt es im Roman nur wenige Rechtschreibfehler wie „Prozellankiste“ (S. 101), „Computer, beginn mit der angegebenen Korrelation“ (S. 119) oder „Palko Est“ statt „Palkeo Est“ (S. 194). Auch die Tatsache, dass der Übersetzer Boris Vallejo Schiffsnamen wie „Star Empire“ „Majestic“ oder „Hornet“ unübersetzt ließ, aber Shuttles mit Übersetzungen wie „Holzschuh“, „Honigbrötchen“ (dass Schiff fällt und landet sicherlich immer mit der Oberseite) oder „Kaulquappe“ kann man als künstlerische Freiheit auslegen. Die Übersetzung ist damit zwar nicht unbedingt sonderlich gut, aber doch wenigstens nicht so schlecht wie andere.

Anachronismen: Durch die frühe Veröffentlichung des Buches im Jahr 1986 entstanden natürlich einige Abweichungen vom „offiziellen“ Zeitverlauf. So konnten beispielsweise bereits einige Informationen aus dem vierten Kinofilm „Zurück in die Gegenwart“ nicht mehr berücksichtigt werden.
Kein Wunder also, dass der Vulkanier Sarda für seine Mitarbeit an der Star Empire bezahlt wurde oder dass der Bau dieses Mega-Schlachtkreuzers Kosten verursachte. Schließlich gab es in genügend zuvor erschienenen TOS-Episoden Belege für eine auf Geld basierende Wirtschaft.
Als dann 1987 die neue Star-Trek-Serie „Das nächste Jahrhundert“ erschien, wurde bekannt, dass die neue Enterprise NCC-1701-D der Galaxy-Klasse entstammte, genau wie die Magellan, die bereits knapp einhundert Jahre zuvor der „Galaxie-Klasse“ (S. 12) angehören sollte. Auch die Holo-Technologie, die im Buch schon soweit fortgeschritten ist, dass tragbare Bilderzeugungsgeneratoren an x-beliebigen Orten eingesetzt werden können, bleibt bei TNG noch größtenteils auf das Holodeck begrenzt (zumal für so was ja auch riesige Energiemengen notwendig wären).
Sogar das Bild der Vulkanier wird in dieser Serie gewandelt. So sieht sich die Feststellung
Sardas „Vulkanier verehrten keine Götter“(S. 51) mit gegenteiligen Informationen aus der Doppelfolge „Der Schachzug“ konfrontiert.
Seine auf Menschen und Vulkanier bezogene Behauptung: „Spock wurde zum Wegbereiter echter Interaktion zwischen unseren Völkern.“ (S. 165) wird schließlich von der Enterprise-Serie widerlegt, in der T’Pol diese Vorreiterrolle einnimmt. Diese Serie rüttelt stark am Vulkanierbild, dass in Careys Buch gezeichnet wird, denn die dort propagierte Gewaltverachtung der spitzohrigen Föderationsmitglieder wird hier von ihren resoluten Vorfahren entschieden ins Reich der Legenden verwiesen. Doch bereits in der ersten Star-Trek-Serie überhaupt, die Carey gekannt haben muss, wurde in Folgen wie „Reise nach Babel“ festgehalten, dass sich die Anatomie von Vulkaniern und Menschen, im Gegensatz zu einer Bemerkung im Roman, deutlich unterscheiden.
Ein ähnliches Unbehagen entsteht, wenn man von der Gorn liest, die eine Sternenflottenuniform trägt. Wenn man von den spärlichen Informationen ausgeht, die Carey dem Leser gibt, so spielt die Handlung etwa im letzten Drittel der historischen Fünfjahresmission der USS Enterprise. Da der Erstkontakt zu den Gorn erst während dieses Einsatzes hergestellt wurde, kann man schon daran zweifeln, dass ein Gorn nach diesen Auseinandersetzungen so schnell in die Sternenflotte eintritt.

Fazit: „Das Schlachtschiff“ ist ein recht erfrischender Roman mit einer etwas ungewohnten, aber nicht abwegigen Perspektive. Durchaus spannend geschrieben und mit einer Extraausstattung versehen, die seiner Zeit weit voraus war, gelingt es dem Buch, eine kleine Sonderrolle unter den vielen Star-Trek-Büchern einzunehmen. Die Übersetzungsfehler sind überschaubar und wenn man über die vielen Anachronismen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, hinwegsehen kann, verspricht dieses Werk durchaus unterhaltsame Stunden.

Denkwürdige Zitate:

Das ist Unsinn, völliger Unsinn! Auch ein Raumschiff lässt sich missbrauchen. Selbst die Medizin. Für alle guten Dinge gibt es immer mehr als nur eine Verwendung“ Piper, S. 99

Seit die ersten Phönizier in See stachen, verzichteten Kapitäne auf die Sympathie ihrer Untergebenen.“ Piper, S. 101

Oh, natürlich […] Und wenn ich Dich mit einem Phaser erschieße, so geben wir dem Erfinder der Strahlenwaffen die Schuld, nicht wahr!“ Piper, S. 104

Der Krieg ist eine Investition für den Frieden, Captain Kirk, ein notwendiges Opfer für das Gemeinwohl.“ Vizeadmiral Rittenhouse, S. 110

Der Ausdruck ‚bienenfleißig’ bleibt leider ohne Signifikanz für mich. […] Aber wenn Du damit andeutest, daß der Vizeadmiral im militärischen Zweig der Föderation außergewöhnlich aktiv ist, so stimme ich Dir zu.“ Sarda, S. 117

Bewertung: Ein etwas anderer Roman mit eigenem Charme.

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