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Dienstag, 2. Juni 2009

Starfleet Kadetten 03: Überleben

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Buchbesprechung David, Peter: Starfleet Kadetten 04: Überleben. Heyne, 1993/1995.

Story: Es war einmal, zu einer Zeit als das Dominion im Betaquadranten noch unbekannt war und zwischen Menschen und Klingonen noch gesundes Misstrauen herrschte, ein junger Sternenflottenkadett namens Worf. Zusammen mit ein paar Freunden von der Akademie und einigen klingonischen Azubi-Soldaten strandete er eines schönen Tages auf einem gottvergessenen wüstenähnlichen Planeten.
Doch auf dieser trostlosen Welt trieb auch ein finsterer Bösewicht sein Unwesen. Worf und seinen furchtlosen sieben Zwergen gelang es jedoch, ihn einzufangen und in Ketten zu legen. Aber der böse gefangene Brikar sprengte just in dem Augenblick seine Ketten, als die Helden gerade seine geheime Räuberhöhle entdeckten und sich aufmachten, diese zu erkunden.
Damit aber ward der böse Ziegelsteinmann gar nicht zufrieden und hustete, pustete und flutete sein düsteres Versteck mit Wasser, das er auf dem trockenen Planeten herbeizauberte.
Aber dem tapferen Worf fiel da etwas ein! Er sprengte die Wände des Verlieses und ließ das Wasser einfach ablaufen. Dann überwältigten seine Freunde den fiesen Unhold, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

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Wann kommt die Flut...

Lobenswerte Aspekte: Ich kann nur nochmals festhalten, dass die Brikar schon eine coole Rasse sind. Äußerlich irgendwo zwischen einem Ytong-Stein und dem ‚Ding’ aus den Fantastischen Vier angesiedelt, finde ich es relativ traurig, dass es diese gute Idee nicht auch bis in den offiziellen Kanon geschafft hat.
Gleichermaßen gut fand ich, dass K’Ehleyrs zum Teil menschlicher Herkunft Tribut gezollt wird und dass sie die edle Spenderin der Statur Moraths und Kahless’ ist, die in TNG das Quartier des Klingonen zierte.
Außerdem behalten auch die positiven Punkte vorangegangener Starfleet-Kadetten-Bände, wie die Auflockerung durch Illustrationen, die Bezugnahme auf bekannte Charaktere oder die Einblicke in die Jugend der einzelnen Personen, weiterhin ihre Gültigkeit.

Kritikwürdige Aspekte: Dass ich die Handlungszusammenfassung als Märchen schilderte, ist eigentlich grundfalsch. In Märchen geht es viel brutaler zu! Nicht, dass ich eine blutrünstige Splattererzählung wünsche, aber dass in wirklich noch keinen Buch irgendjemand zu Tode gekommen ist, nervt irgendwann tierisch und macht aggressiv.
Denn wieder einmal ist am Ende alles Friede, Freude, Eierkuchen: Die Klingonen und Brikar entwickeln eine verständnisvolle Beziehung zueinander, alle überleben das Abenteuer und der Krieg, der die Föderation bedroht, hat noch nicht einmal Opfer gekostet. Wenn man diese ganzen Bücher voller Eintracht und Happy-Ends liest, macht das echt gewaltbereit und ich musste nach dem Lesen dieses Buches erst einmal gegen eine Mülltonne treten, um mich besser zu fühlen. Dass außerdem Worf und K’Ehleyr nicht einmal miteinander schlafen, wirkt in Anbetracht der TNG-Folgen „Klingonenbegegnung“ und „Tödliche Nachfolge“ nur noch zweifelhafter.
Zudem ist es nicht unbedingt ratsam, sich ein Buch der Starfleet-Kadetten-Reihe nach der Lektüre eines Vanguard-Romans zu Gemüte zu führen. Der jugendliche Schreibstil ist zwar nett und man ist auch schnell am Ende angelangt, doch beide Werke trennen wahre Niveau-Ozeane.
Außerdem nerven die kleinen Details, die zum glücklichen Ausgang des ganzen Ausflugs führen. Zufällig ist es nämlich ein Ding der Unmöglichkeit, Klingonen zu erwürgen und ebenso zufällig ist einer der Freunde Worfs so eine Art Mozart der vulkanischen Gedankenverschmelzung. Zum Glück, denn sonst wären vielleicht tatsächlich Leute gestorben!
Wenigstens halten sich die Übersetzungsfehler zurück. Abgesehen vom wiederholten Auftreten ‚Starfleets’ anstelle der ‚Sternenflotte’ gab es nur einen kleinen Buchstaben zuviel (S. 54, ‚Meißeln’ statt ‚Meißel’). Dass dieser Punkt sich dieses Mal der Kritik entzieht, ist recht angenehm.
Schließlich kann nur noch mal sagen, dass es wirklich nicht notwendig war, aus dieser Geschichte ein eigenes Buch zu machen. Man hätte es auch bequem mit dem Vorgänger „Mission auf Dantar“ zu einem Band zusammenfassen können. Einzeln betrachtet wirkt die ohnehin schon mäßige Geschichte noch träger. Eigentlich schade, dass sich ein so guter Autor wie Peter David dazu herabgelassen hat.

Anachronismen
: Wenn es wirklich ein Ding der Unmöglichkeit ist, einen Klingonen zu erwürgen, dann frage ich mich schon, warum Worf genau das in der Episode „Das Schwert des Kahless“ bei Kor versucht.

Fazit: Die Frage nach dem „Überleben“ stellt sich in diesem Roman nicht, denn wer bereits den ein oder anderen Vertreter der Starfleet-Kadetten-Reihe gelesen hat, weiß ohnehin, dass alle miteinander überleben werden.
Die Geschichte ist bestenfalls lahm, und wenn man es losgelöst von seinem Vorgänger betrachtet, sogar noch lahmer. Dieser Roman ist zweifellos der am wenigsten lesenswerteste aus der Feder Peter Davids.

Denkwürdiges Zitat:

Ein gutes Leben, K’Ehleyr. Biete deinen Feinden kühn die Stirn. Ich wünsche dir einen ehrenvollen Tod. Ich vermute, wir werden uns nicht wieder sehen.“
Ein gutes Leben, Worf. Biete deinen Feinden kühn die Stirn. Und ich vermute – du irrst dich.“
Worf und K’Ehleyr, S. 120

Fazit: Vernachlässigungswürdiger Ausrutscher eines guten Star-Trek-Autoren.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Dienstag, 19. Mai 2009

Das Schlachtschiff

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Buchbesprechung Carey, Diane: Das Schlachtschiff. Heyne, 1986.

Story: Es war an einem lauen Frühlingsabend, als ich in das Bücherregal griff, um ein weiteres Star-Trek-Buch zu lesen und zu rezensieren. Zielsicher schnappte ich mir ein Buch mit dem Titel „Das Schlachtschiff“, das von einer Schriftstellerin namens Diane Carey verfasst wurde.
Schon bald las ich von einer jungen Frau namens Piper, die ihren Kobayashi-Maru-Test ableistete und der es fast gelang, diesen erfolgreich zu bestehen. Meine Augen folgten der jungen Offizierin auf die USS Enterprise, von wo aus es ihr allmählich gelang, einer riesigen Verschwörung auf den Grund zu kommen: Ein Vizeadmiral hatte die gesamte Sternenflotte unterwandert, um mit einer neuen Generation Schlachtkreuzer seine eigenen Herrschaftsambitionen durchzusetzen. Voller Entsetzen erfuhr ich, dass dieser Rittenhouse allen Ernstes plante, andere Völker wie Klingonen, Romulaner und Orioner mit Waffengewalt in die Föderation zu zwingen, um endlich Frieden in der Galaxis zu schaffen. Doch die Entführung der Star Empire, des Prototyps dieser neuen Schlachtkreuzerklasse, machte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung: Sternenflottenangehörige, die die Föderation in ihrem Fortbestand bedroht sahen, griffen beherzt ein, um sich der Bedrohung zu stellen. Ich verstand schon bald, dass einer der Schiffsentführer seine frühere Beziehung zu Piper nutzen wollte, um über sie den berühmten Captain James T. Kirk für die Sache des Widerstands zu gewinnen. Doch am Ende waren Pipers eigene Fähigkeiten gefragt, um die Star Empire und ihre Besatzung, die plötzlich von einem ganzen Kampfverband angegriffen wurden, zu retten…

Lobenswerte Aspekte: Zugegeben, es gibt Textsorten wie Nacherzählungen, Rezensionen oder wissenschaftliche Arbeiten, in denen es sich nicht unbedingt anbietet, allein die Ich-Form zu verwenden. Einen gesamten Star-Trek-Roman auf diese Art und Weise zu schreiben, ist allerdings eine Herausforderung, die Carey tatsächlich meisterte. Weg von den Fesseln eines rein deskriptiven Erzählers – hin zu einem sehr persönlichen Einblick in das Leben eines unbekannten Sternenflottenoffiziers. Mit einer solchen Herangehensweise geht ebenfalls eine Atmosphäre einher, die an Folgen wie „Beförderungen“ denken lässt und eine erfrischende Perspektive bietet.
Der Roman ist spannend und informativ, und Einschübe wie die Schemata zum Aufbau von Judikative, Exekutive und Legislative der Föderation waren nicht nur interessant, sondern auch auflockernd. Einen weiteren Pluspunkt verdient sich das Buch durch kleine Skizzen der Shuttle-ähnlichen Arco-Klasse-Angriffsschlitten und der Tychoklasse-Kampfgleiter.

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Hätte Piper sich die übergeordnete Verwaltungsebene ebenfalls angesehen, hätte sie die wirkliche Reichweite der Gefahr erkannt

Daneben glänzt der Roman durch gut beschriebene Figuren, unter denen natürlich Piper die zentrale Rolle einnimmt. Sie wirkt in den vielen lebensbedrohlichen Situation menschlich, ohne auch nur für kurze Zeit übermenschlich zu erscheinen. Außerdem gelingt die Gratwanderung, dem Charakter gleichzeitig die Autorität eines Kommandooffiziers zu geben, ohne ihm die Weiblichkeit zu nehmen. Denn mal ehrlich: Spätestens seit Tasha Yar weiß der geneigte Star-Trek-Fan nur zu gut, dass sich Autorität und feminines Auftreten nur allzu oft gegenseitig ausschließen.
Ebenfalls erwähnenswert ist auch die gelungene Beschreibung der Nachwirkungen eines Treffers durch einen auf Betäubung gestellten Phaser. Die Symptome lasen sich irgendwie, als ob man gleichzeitig an den Nachwirkungen eines Monsterkaters leidet und trotzdem gegen einen Elektrozaun pinkeln würde. Man kann sich auf jeden Fall vorstellen, dass so etwas sicherlich keine angenehme Erfahrung ist.

Kritikwürdige Aspekte: Wieder einmal gab es eine ganze Reihe kleiner Unstimmigkeiten, die das Werk etwas aushebelten. So verfügt die Star Empire über Waffensysteme, gegen die selbst die der Souvereign-Klasse alt aussehen würden! Also ist es kein Wunder, dass selbst die Enterprise NCC-1701 im offenen Kampf keine Chance gegen das Schiff hätte, nicht einmal dann, wenn die Pompeji, ein Schiff der Saladin-Klasse, sie unterstützen würde. Was macht Rittenhouse also daraufhin? Diese Frage soll uns ein kleiner Auszug aus einem Gespräch zwischen Piper und dem Vulkanier Sarda beantworten:

Raumschiffe aus einem anderen Quadranten?“
Bestätigung. Die Potemkin, Lincoln und Hornet.“
Das ist außergewöhnlich, nicht wahr?“
In der Tat.“

Da kann man nur zustimmen. Selbst wenn man annimmt, dass sich zwei der Schiffe momentan im Alpha-Quadranten aufhalten, bleibt immer noch eines, dass sich im Gamma- oder Delta-Quadranten befinden muss. Noch vor der Entdeckung des bajoranischen Wurmloches und noch vor dem Verschwinden der Voyager befinden sich andere Föderationsschiffe dort! Das ist in der Tat außergewöhnlich!
Und Stichwort Sarda: Die äußere Erscheinungsform des Vulkaniers bricht, ähnlich der Tuvoks, mit dem gewohnten Bild. Unendlich Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination ist ja gut und schön, aber einen Vulkanier mit bronzefarbenem Haar und bernsteinfarben Augen bekommt man bei Star Trek definitiv nicht allzu oft zu Gesicht.
Auch mit der Figur Bomas war ich nicht sehr zufrieden, was noch nicht einmal an seiner Darstellung, sondern an der für ihn entwickelten Biografie lag. Wenn Boma, der Spock in der Episode „Notlandung der Galileo 7“ das Leben schwer machte, wirklich wegen Insubordination angeklagt worden wäre, hätten dies auch mit anderen Mitgliedern des Außenteams, wie etwa dem gleichsam aufmüpfigen McCoy geschehen müssen.
Doch das mit der Insubordination ist so eine Sache. Natürlich würden die Ereignisse um diesen föderationsinternen Putschversuch die gesamte Organisation verunsichern. Aber Carey beschreibt die Auswirkungen gerade so, als würde es sich um ein Ereignis wie 9/11 selbst, und nicht um einen coup d’etat handeln. Immerhin gab es einen ähnlichen Vorfall bereits im zuvor erschienen Buch „Das Netz der Romulaner“. Und auch wenn die Thematik der Meuterei innerhalb der Sternenflotten in der TNG-Episode „Die Verschwörung“ aufgrund der persönlichen Intervention Roddenberrys verworfen wurde, fand die Idee nach dessen Tod in „Die Front“, dem Auftakt zu einem DS9-Zweiteiler, seine Verwirklichung. Verschwörungen sind also ein ständiger Begleiter der Föderation, und es mutet tatsächlich wie eine leere Phrase an, wenn Piper behauptet „Anschließend wird nichts mehr so sein wie vorher.“ (S. 250). Volker Pispers lässt leise grüßen!
Mit einer Mischung aus Faszination und Ungläubigkeit begegnete ich schließlich Proxima, der Heimatwelt Pipers. Die zuweilen ausgiebig beschriebene Flora und Fauna ähnelte im Prinzip jener der Erde des mittleren Trias. Schon allein der Planet, der laut Memory Alpha eigentlich auf das 4,22 Lichtjahre von der Erde entfernte Alpha Centauri hinweist, ist in seiner Beschreibung als abgelegene und weit entfernte Kolonie recht widersprüchlich. Besonders starke Verwunderung löste jedoch ein Satz inmitten des Romans bei mir aus: „Überall um mich herum summten Wespen, die wir fürs Bestäuben unseres terranischen Getreides importiert hatten.“ (S. 162) Abgesehen davon, dass dort eigentlich „für das“ und nicht „fürs“ stehen sollte, habe ich mich sofort gefragt, warum man ausgerechnet Wespen dafür importierte – immerhin kann man auf später folgenden Seiten lesen, dass auch Bienen eingeführt wurden. Dann weiß natürlich jeder Mensch mit einer halbwegs gesunden Allgemeinbildung, dass Getreide windbestäubt werden, und daher nicht auf die Hilfe von Insekten angewiesen sind. Hinzu kommt, dass entsprechende Erfahrungen mit Kaninchen, Katzen und Hunden im „terranischen“ Australien die Kolonialexperten der Jahrhunderte später gegründeten Föderation davon überzeugt haben sollten, dass der Import exogener Arten in ein funktionierendes Ökosystem fatale Folgen haben kann. Erst gegen Ende ihres Werkes liefert uns die Autorin Diane Carey einen Hinweis, warum sie eine solche Vorgehensweise für erforderlich hielt: Piper verrät dem erstaunten Kirk nämlich „Auf meinem Heimatplaneten ist es fast immer windstill, Sir.“ (S. 264).
Das verändert die Sachlage natürlich vollends, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich Wespen, sofern es sich nicht um eine fleisch- und obstverzehrende Art handelt, nur den Nektar oder den Pflanzensaft bestimmter Gewächse als Nahrungsquelle nutzen. Windbestäuber bilden jedoch überhaupt keinen Nektar aus, und somit würde Getreide, dass von der Erde auf eine solche Welt importiert wurde, eingehen, egal wie viele Wespen man zur absehbaren Freude der Kolonisten dort aussetzt. Ich glaube auch nicht, dass die vielen Flügelschläge, die eine Wespe pro Sekunde zu erzeugen in der Lage ist, ausreichen würden, um eine ausreichende Luftbewegung zu verursachen, die das Dilemma behebt…

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Eine kleine Naturbeobachtung: wie vermehrt sich Getreide?

Zwei gestalterische Mängel hat „Das Schlachtschiff" ebenfalls vorzuweisen: Zum einen fand ich das zu stark in den schlimmen schlimmen Achtzigern verhaftete Deckblatt scheußlich und zum anderen sind die Kaptiteleinteilungen doch ungewöhnlich. Während die durchschnittliche Länge eines Kapitels ca. 20 eng beschriebene Seiten umfasst, bringt es Kapitel acht auf stolze sechzig Seiten.
Abschließend muss auch wieder die Übersetzung erwähnt werden. Natürlich gibt es Sachen, die wirklich schwer zu übersetzen sind. So kann man die Wortspiele, die Scott um den Namen Piper macht oder die tiefere Bedeutung der „Jesus-Klammer“ nur unter großen Verlusten ins Deutsche übertragen.
Ob man die Föderation wirklich als „interstellarer Völkerbund“ (S. 111) bezeichnen muss oder statt „Untertassensektion“, „Sternenbasis“ oder „Impulsgeschwindigkeit“ allen Ernstes „Diskussegment“ (S. 9), „Starbase“ (S. 14) oder „Sublichtgeschwindigkeit“ (S. 94) verwendet, habe ich bereits zur Genüge erläutert.
Ansonsten gibt es im Roman nur wenige Rechtschreibfehler wie „Prozellankiste“ (S. 101), „Computer, beginn mit der angegebenen Korrelation“ (S. 119) oder „Palko Est“ statt „Palkeo Est“ (S. 194). Auch die Tatsache, dass der Übersetzer Boris Vallejo Schiffsnamen wie „Star Empire“ „Majestic“ oder „Hornet“ unübersetzt ließ, aber Shuttles mit Übersetzungen wie „Holzschuh“, „Honigbrötchen“ (dass Schiff fällt und landet sicherlich immer mit der Oberseite) oder „Kaulquappe“ kann man als künstlerische Freiheit auslegen. Die Übersetzung ist damit zwar nicht unbedingt sonderlich gut, aber doch wenigstens nicht so schlecht wie andere.

Anachronismen: Durch die frühe Veröffentlichung des Buches im Jahr 1986 entstanden natürlich einige Abweichungen vom „offiziellen“ Zeitverlauf. So konnten beispielsweise bereits einige Informationen aus dem vierten Kinofilm „Zurück in die Gegenwart“ nicht mehr berücksichtigt werden.
Kein Wunder also, dass der Vulkanier Sarda für seine Mitarbeit an der Star Empire bezahlt wurde oder dass der Bau dieses Mega-Schlachtkreuzers Kosten verursachte. Schließlich gab es in genügend zuvor erschienenen TOS-Episoden Belege für eine auf Geld basierende Wirtschaft.
Als dann 1987 die neue Star-Trek-Serie „Das nächste Jahrhundert“ erschien, wurde bekannt, dass die neue Enterprise NCC-1701-D der Galaxy-Klasse entstammte, genau wie die Magellan, die bereits knapp einhundert Jahre zuvor der „Galaxie-Klasse“ (S. 12) angehören sollte. Auch die Holo-Technologie, die im Buch schon soweit fortgeschritten ist, dass tragbare Bilderzeugungsgeneratoren an x-beliebigen Orten eingesetzt werden können, bleibt bei TNG noch größtenteils auf das Holodeck begrenzt (zumal für so was ja auch riesige Energiemengen notwendig wären).
Sogar das Bild der Vulkanier wird in dieser Serie gewandelt. So sieht sich die Feststellung
Sardas „Vulkanier verehrten keine Götter“(S. 51) mit gegenteiligen Informationen aus der Doppelfolge „Der Schachzug“ konfrontiert.
Seine auf Menschen und Vulkanier bezogene Behauptung: „Spock wurde zum Wegbereiter echter Interaktion zwischen unseren Völkern.“ (S. 165) wird schließlich von der Enterprise-Serie widerlegt, in der T’Pol diese Vorreiterrolle einnimmt. Diese Serie rüttelt stark am Vulkanierbild, dass in Careys Buch gezeichnet wird, denn die dort propagierte Gewaltverachtung der spitzohrigen Föderationsmitglieder wird hier von ihren resoluten Vorfahren entschieden ins Reich der Legenden verwiesen. Doch bereits in der ersten Star-Trek-Serie überhaupt, die Carey gekannt haben muss, wurde in Folgen wie „Reise nach Babel“ festgehalten, dass sich die Anatomie von Vulkaniern und Menschen, im Gegensatz zu einer Bemerkung im Roman, deutlich unterscheiden.
Ein ähnliches Unbehagen entsteht, wenn man von der Gorn liest, die eine Sternenflottenuniform trägt. Wenn man von den spärlichen Informationen ausgeht, die Carey dem Leser gibt, so spielt die Handlung etwa im letzten Drittel der historischen Fünfjahresmission der USS Enterprise. Da der Erstkontakt zu den Gorn erst während dieses Einsatzes hergestellt wurde, kann man schon daran zweifeln, dass ein Gorn nach diesen Auseinandersetzungen so schnell in die Sternenflotte eintritt.

Fazit: „Das Schlachtschiff“ ist ein recht erfrischender Roman mit einer etwas ungewohnten, aber nicht abwegigen Perspektive. Durchaus spannend geschrieben und mit einer Extraausstattung versehen, die seiner Zeit weit voraus war, gelingt es dem Buch, eine kleine Sonderrolle unter den vielen Star-Trek-Büchern einzunehmen. Die Übersetzungsfehler sind überschaubar und wenn man über die vielen Anachronismen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, hinwegsehen kann, verspricht dieses Werk durchaus unterhaltsame Stunden.

Denkwürdige Zitate:

Das ist Unsinn, völliger Unsinn! Auch ein Raumschiff lässt sich missbrauchen. Selbst die Medizin. Für alle guten Dinge gibt es immer mehr als nur eine Verwendung“ Piper, S. 99

Seit die ersten Phönizier in See stachen, verzichteten Kapitäne auf die Sympathie ihrer Untergebenen.“ Piper, S. 101

Oh, natürlich […] Und wenn ich Dich mit einem Phaser erschieße, so geben wir dem Erfinder der Strahlenwaffen die Schuld, nicht wahr!“ Piper, S. 104

Der Krieg ist eine Investition für den Frieden, Captain Kirk, ein notwendiges Opfer für das Gemeinwohl.“ Vizeadmiral Rittenhouse, S. 110

Der Ausdruck ‚bienenfleißig’ bleibt leider ohne Signifikanz für mich. […] Aber wenn Du damit andeutest, daß der Vizeadmiral im militärischen Zweig der Föderation außergewöhnlich aktiv ist, so stimme ich Dir zu.“ Sarda, S. 117

Bewertung: Ein etwas anderer Roman mit eigenem Charme.

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Dienstag, 12. Mai 2009

Star Trek (2009)

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Buchbesprechung Foster, Alan Dean: Star Trek. cross cult, 2009.

Story: Ein übermächtiges romulanisches Schiff aus der Zukunft taucht plötzlich im frühen 23. Jahrhundert auf und ruiniert die Zeitlinie, als es den Tod des Vaters James T. Kirks verursacht. Die Geschichte entwickelt sich plötzlich in eine andere Richtung. Kirk junior wird zu einem Kleinkriminellen, der nur über Umwege überhaupt an die Sternenflottenakademie gelangt.
Hier legt er sich schließlich mit dem jungen Spock an, der ihn die Manipulation des Kobayashi-Maru-Tests zur Last legt. Doch das hitzige Wortgefecht wird durch die Meldung eines Notfalls unterbrochen.
Nero, der Captain des übermächtigen Schiffes, ist zurück und bedroht Vulkan, die Heimatwelt Spocks. Ein zähes Ringen kann nicht verhindern, dass es zur größtmöglichen Katastrophe kommt: Die Gründungswelt der Föderation wird zerstört. Trotz widrigster Umstände müssen Kirk und Spock zusammenarbeiten um zu verhindern, dass Nero den nächsten Planeten auf seiner Liste auslöscht: Die Erde

Lobenswerte Aspekte: Man kann viel über den Film sagen und es wurde ja auch schon eine Menge darüber gestritten, debattiert und gelobt. Dafür, dass ich mich nicht zu den total beigeisterten Fans zähle und eher bedauere, dass Abrams Star Trek nicht neu belebt, sondern in ein gänzlich anderes Universum verlegt hat, kann allerdings dieser Roman nichts.
Ebenso wenig trifft ihn die Schuld dafür, dass die Handlung mit ‚erschreckend dünn’ noch sehr wohlwollend umschrieben ist. Ich las in den letzten knapp dreißig Jahren eine große Menge an Büchern, quälte mich durch viele Star-Trek-Romane und habe nun ach, Geschichte, Erziehungswissenschaften und leider auch Literatur, durchaus studiert mit heißem Bemüh’n.
Daher lehne ich mich jetzt sicherlich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich aus dieser Perspektive heraus behaupte, dass die zugrunde liegende Geschichte im Vergleich zu vorangegangenen Star-Trek-Filmen eher im unteren Bereich rangiert.
Dennoch gibt es auch hier das ein oder andere Detail, das in der Filmversion der Kürzungsschere zum Opfer gefallen ist. So bleibt es vorerst dem Leser vorbehalten, zu erfahren, unter welchen Umständen Spock geboren wurde oder wem Kirk junior eigentlich die Corvette seines Vaters stiehlt.
Außerdem gibt der Autor dem Leser einige interessante Zusatzinformationen, die im Film nicht zu hören waren. So erfährt der geneigte Leser etwa, dass Spock nach einem frühen Architekten der vulkanischen Gesellschaft benannt wurde, welche Föderationsschiffe genau dem fiesen Nero zum Opfer fallen oder welche Bezeichnung die seltsamen Kreaturen auf Delta Vega tragen.
Und Stichwort Nero: Hat mich anfangs noch gestört, dass ein Angehöriger einer Spezies, die so offensichtlich den alten Römern nachempfunden wurde, einen mit römischer Geschichte so eng verbundenen Namen trägt, wird dieses Dilemma ebenfalls geschickt gelöst. Der Erzbösewicht stellt sich der Crew der Enterprise nämlich mit „Ŏ’ŗên“ vor. Die von ihm angebotene Ausprache ‚Nero’ entspricht vielleicht nicht unbedingt dem Orignial, aber ermöglicht es der menschlichen Zunge, seine Taten mit seinem Namen zu verbinden. Die Idee, dass er Ayel tötet, weil dieser durch sein Mitleid mit der Erde zum Autoritätsrisiko wird ist zwar nicht unbedingt mit der Filmhandlung vereinbar, aber gibt der Figur doch eine gewisse Tiefe, die im Film zu oft fehlt.
Schließlich hat mir der Stil, in dem der Roman gehalten war, sehr gut gefallen. Spannend und dennoch kurzweilig geschrieben, passte das Buch gut zur Atmosphäre des elften Kinofilms und besondere Freude kam beim Satz „In einem anderen Teil der Kosmos, einer wenig bemerkenswerten Ecke eines galaktischen Seitenarms […]“ (S. 5) auf. Der Kenner liest und versteht sofort: eine eindeutige Hommage an die Science-Fiction-Persiflage „Per Anhalter durch die Galaxis“ des leider viel zu früh verstorbenen Douglas Adams

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Neulich um 17Uhr01 und 42 Sekunden

Kritikwürdige Aspekte: Die Story gibt wirklich nicht viel her, doch was den Film erträglich macht, ist der Humor, der an vielen Stellen über die vielen Makel hinwegsehen lässt. Im Buch geht dieses Konzept leider nicht in ähnlicher Form auf. Einige der Gags des Films tauchen nicht auf, andere sind unnötig in die Länge gezogen und verlieren dadurch die Pointe und wieder andere weichen in ihrer Übersetzung zu stark ab. Dadurch entzieht der Roman sich eines Vorteils, den der Film noch hat.
Doch es gibt eine ganze Reihe von weiteren Widersprüchen zum Film. Kleinere Unstimmigkeiten, wie die Tatsache, dass Pike auf dem Höhepunkt der Kneipenschlägerei ruft und nicht pfeift, dass Kirk keinen Apfel während seines Kobayashi-Maru-Sündenfalls verzehrt oder dass Sulu nicht mit seinem eigenen Schwert, sondern einem romulanischen kämpft, führen zu ratlosem Kopfschütteln, zumal diesen Fehlern im Verlauf der Handlung noch einige (Verzicht auf einen Zweikampf Nero vs. Kirk oder der Tod Ayels) folgen. Natürlich gibt es einige Freiheiten, die ein Autor nutzen darf, doch streckenweise geht Foster ein wenig weit - auch wenn ich wiederum die Idee, dass der Roman endet, indem ein Beagle wiederauftaucht, ENT gegenüber sehr versöhnlich finde...

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to boldly to go, where no beagle has gone before

Im Ganzen ist das Buch allerdings in sich nicht sonderlich gut abgestimmt. So muss man sich nur vor Augen halten, dass es nicht zwei, sondern drei Spocks in dieser Novellisation gibt! Abgesehen vom normalen Spock der ursprünglichen Zeitlinie erblickt auch in dieser Realität ein Spock das Licht der Welt. Auf Seite 6 wird der Mutter das Kind in Zeile 14 gereicht und dann, gleich auf der nächsten Seite, in der Zeile 11 wird ihr ein weiteres Kind gereicht. War das vielleicht Sybok? Sind die beiden in diesem Universum eventuell Zwillinge??
Ähnlich verwirrend fand ich, dass während der notfallbedingten Verteilung von Kadetten auf verschiedene Schiffe insgesamt acht Schiffe genannt wurden, auf denen die Kadetten Einsatz finden sollten, um Vulkan aus der Patsche zu helfen: Die Enterprise, die Newton, die Odyssey, die Farragut, die Drake, die Bradbury, die Kongo und die Antares. Klar, in einer Notsituation wirft man halt alles in die Wagschale und die Flotte befindet sich ja im Laurentianischen System.
Doch was muss man staunen, als die verspätete Enterprise versucht, Kontakt zu den Schiffen herzustellen, die so blindlings in eine romulanische Falle laufen? Von den dort erwähnten fünf Schiffen (in der Kinofassung waren es immerhin derer sechs) Farragut, Armstrong, Defiant, Excelsior und Mayflower wurde nur eines zuvor bei der Einteilung erwähnt! Das bedeutet doch eigentlich, dass sich noch sechs Schiffe in unmittelbarer Nähe zur Erde befinden. Selbst wenn man behaupten würde, dass mit Bradbury die Orbitalstation des Mars gemeint sei, die im Buch „Picards erstes Kommando“ beschrieben würde, bleiben noch immer fünf übrig. Warum halten die den bitterbösen Nero nicht auf (oder versuchen es zumindest)?
Abgesehen davon wird das Buch bereits mit einem gewaltigen Schnitzer eingeleitet. Gleich im ersten Satz kann man lesen: „Der Stern war ein Gasriese und sehr alt.“ (S. 5). Zugegeben, das hat vielleicht nicht die sprühende literarische Qualität eines Satzes wie „Ilsebill salzte nach.“, aber gleich im ersten Satz einen so riesigen Fehler zu machen, ist schon tragisch.
Gut, ein Stern kann schon mal ein roter Riese oder weißer Zwerg werden, aber ein Gasriese? Wie wird ein Stern denn bitteschön zu einem Planeten wie Jupiter, Saturn, Uranus oder Neptun?
Wer weiß, vielleicht lag es an der Übersetzung. So ein Buch rechtzeitig zum Kinostart herauszubringen erfordert Opfer und eigentlich hatte ich nicht vor, mich über Fehler wie „Viele“ (großgeschrieben, S. 22), „lies“ (statt ‚ließ’, S. 42) oder „Ihn hatte weit mehr interessierte […]“ (S. 62) überhaupt ernsthaft zu beschweren. Kleinere Interpunktionsfehler und unwesentliche Übersetzungsmängel wie „Parkbremse“ statt „Handbremse“ sind auch eher damit erklärbar, dass der Übersetzer ein Automatikwagen und keine rote Corvette fuhr. Die uneinheitliche Verfahrensweise beim Siezen und Duzen war allerdings schon störend und zutiefst unlogisch. Warum zum Teufel wird Spock von einem Offizier geduzt (S. 77), um von Uhura gesiezt zu werden?
Merkwürdig fand ich auch, dass kaum auf das Comic „Countdown“ Bezug genommen wird. Scheinbar liefen hier die Veröffentlichungsbemühungen nicht so synchron, wie es vielleicht erforderlich gewesen wäre. Entgegen den Erzählungen des Comics wurde, wie auch im Film angemerkt, die „Qualle“ nicht von Geordi LaForge, sondern von der Vulkanischen Akademie der Wissenschaften in Dienst gestellt.
Schließlich muss man sich auch fragen, in welchem Verhältnis hier Preis und Leistung stehen. Gut, das Cover ist, wie man es bei cross cult mittlerweile schon gewohnt ist, qualitativ hochwertig, aber muss man für 288 Seiten Roman tatsächlich 12,80€ bezahlen? Wenn man bedenkt, dass viele der Kapitelübergänge auch noch Leerseiten (zehn an der Zahl; damit sinkt der Gesamtseitenbestand immerhin auf 278 Seiten) mit hineinbringen, fragt man sich schon, warum dieses Buch genauso viel kostet wie ein Band Vanguard oder Titan, die ihrerseits zumeist bis zu 400 Seiten beinhalten. Wenn es wenigstens ein aufklappbares Centerfold gäbe oder Hochglanzfotos der Schauspieler, wäre das ja noch verständlich, aber hier gewinnt man schnell den Eindruck, als ob pure Profitgier den Preis diktierte.

Anachronismen: Wie der Film strotzt auch das Buch trotz abweichender Zeitlinie vor lauter Anachronismen. Ich kann hier nur die Auswahl der besten drei Fehler bieten, die auch im Buch zu finden sind:
3. Als Kirk in der TOS-Episode „Weltraumfieber“ gegen Spock kämpfen muss, macht ihm die dünne Luft unheimlich stark zu schaffen. In der luftigen Höhe hingegen, in der Kirk mit einem Romulaner auf einem Bohrkopf kämpft, merkt man ihm die Belastung nicht an. Im Gegenteil: Sulu schafft es sogar, einen Salto hinzulegen, der schon auf der Erde beeindruckend wäre.
2. In jener Zeitlinie, aus der der alte Spock stammt, schrieb man das Jahr 2387. Wenn dies von der Begegnung Spocks mit Kirk auf Delta Vega 129 Lenzen in der Zukunft liegt, schrieb man dort das Jahr 2258.
Fähnrich Chekov meinte im Film, dass er 17 Jahre alt wäre. In der Folge "Der Tempel des Apoll" gibt er jedoch zu Protokoll, 22 Jahre alt zu sein. Die Folge spielt 2267, also muss Chekov 2245 geboren sein. Das wiederum bedeutet, dass er 2258 erst 13 Jahre alt war - also doch ein wenig zu früh, um Kadett an der Sternenflottenakademie zu sein.
Parelleluniversum hin oder her - die Geburtsdaten müssten eigentlich dieselben sein, denn sonst wären es völlig andere Personen.
1. Am merkwürdigsten finde ich allerdings, wie vertraut den einzelnen Personen Romulaner sind. Natürlich gab es einen großen Krieg zwischen den Erdstreitkräften und dem Imperium, doch erst viel später entdeckten Spock und Kirk in der Folge „Spock unter Verdacht“, dass beide Völker einen gemeinsamen Ursprung haben könnten.

Fazit: Im Stile vorangegangener Filmnovellisationen geizt auch dieses Buch nicht mit interessanten Zusatzinformationen und nicht im Film gezeigten Szenen. Es ist dem Film in Tempo und Spannung nachempfunden.
Leider ist der Witz des Films nicht entsprechend herübergerettet worden und die Anachronismen übernahm Foster, ohne ihnen wenigstens eine Erklärung zu verpassen. Abgesehen von den kleineren logischen Fehlern im Buch sind es die vielen Abweichungen im Film, die den Wiedererkennungswert schmälern.
Dass dann auch der Kaufpreis des in keiner angemessenen Relation zur Ware steht, passt allerdings wieder schlüssig ins Gesamtwerk.

Denkwürdige Zitate:

Wissen Sie was? Ich glaube ich werde ihren Rat annehmen und einen Buchclub gründen.“ Kirk zu Pike, S. 59

Eifersüchtig? Ich bin nicht eifersüchtig auf dich. Ich warte darauf, dass ich den ersten wissenschaftlichen Aufsatz über einen Kadetten schreiben kann, der an einer Gehirnblutung stirbt, die von einem Überschuss an Ego ausgelöst wurde.“ McCoy zu Kirk, S. 80

Welche Leben wir auch immer geführt haben mögen, wenn er nicht erschienen wäre und das Kontinuum dieser Realität verändert hätte, jetzt ist es für immer anders. Unser Schicksal, wie auch immer es aussah, hat sich geändert.“ Spock S. 177

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Neulich in einer alternativen Zeitlinie: Turon47 rezensiert Harry-Potter-Bücher

Bewertung: Ein unangemessenes Preis-Leistungsverhältnis.

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Weiterführende Leseliste:

Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X: Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

Montag, 27. April 2009

Die Station der Cardassianer

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Buchbesprechung Jeter, K.W.: Die Station der Cardassianer. Heyne, 1993.

Story: Deep Space Nine wird wieder einmal von den Cardassianern bedroht. Diesmal jedoch nicht mit Waffen, sondern mit einem Projekt, dass die Bedeutung der Station ad absurdum führen könnte: Eine Expedition der ehemaligen Besatzer versucht, auf der anderen Seite des Wurmloches eine eigene Station zu errichten.
Natürlich bemüht sich die Führungsriege auf DS9 umgehend, diesem Plan etwas entgegenzusetzen und schickt eine mobile Quarantänesubstation in den Himmelstempel, um den Cardassianern zuvorzukommen. Doch an Bord des beengten Moduls ist Kira Nerys einem wahnsinnigen religiösen Fanatiker ausgeliefert, der davon besessen ist, das Wurmloch zu zerstören und Kira zu töten…

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Augen auf in Quarantänemodul: Der Tod fährt mit

Lobenswerte Aspekte: "Die Station der Cardassianer" ist durchaus spannend zu lesen und einige Ideen sind so gut, dass sie später sogar von der Serie, bewusst oder unbewusst, adaptiert wurden. Das Buch erschien zur ersten Staffel und schafft es, der Serie einen Punkt vorwegzunehmen: Die Redemptionisten erinnern in ihren Grundzügen stark an den „Kreis“, der zu Beginn der zweiten DS9-Staffel für Unruhe auf der Station sorgte.
Ich finde es weiterhin nur logisch, dass man versucht, auch auf der anderen Seite des Wurmloches Präsenz zu zeigen. Schließlich ist das Maß an Kontrolle über diese „Abkürzung“ relativ, wenn man nur einen Ausgang beherrscht. Nicht zuletzt die Dominion-Kriege haben dies eindrucksvoll bewiesen. Ich für meinen Teil habe es in Spielen wie „Birth of the Federation“ stets bevorzugt, beide Enden eines Wurmloches zu sichern, denn Vorsicht ist ja bekanntlich besser als Nachsicht.
Auch das Quarantänemodul, als medizinische Isoliermöglichkeit auf einer Raumstation mit so lebendigem Durchgangsverkehr, ist durchaus eine Überlegung wert. Wer weiß schon, was für Krankheiten die verschiedenen Bajoraner, Menschen, Cardassianer und Formwandler alles einschleppen könnten? In Episoden wie „Babel“ oder „Metamorphose“ wäre es sicherlich von Vorteil gewesen und die Option, das Modul durch gezielte Sprengung ausradieren zu können, hätte jenen Folgen noch ein wenig mehr Spannung verliehen.
Abschließend sollte auch noch lobend erwähnt werden, dass der Übersetzer einen guten Wechsel zwischen Duzen und Siezen bei Jadzia Dax und Benjamin Sisko einführte und diesen auch nachvollziehbar begründete.

Kritikwürdige Aspekte: „Die Station der Cardassianer“ ist, wie bereits angemerkt, ein Roman, der unmittelbar nach der Erstausstrahlung des Pilotfilms erschien. Dies führt einerseits dazu, dass einige Entwicklungen vorweggenommen wurden, während es auf der anderen Seite jedoch auch eine ganze Reihe von Anachronismen und Unstimmigkeiten auftauchen, die das Lesen erschweren.
Besonders an Odo bleiben diese kleinen Fehler kleben wie an einem Zuckerlolli. So erfahren wir und ein cardassianischer Sicherheitsoffizier, dass Odo in seinem Quartier ein badewannenähnliches Becken zur Regeneration nutzt. Abgesehen davon, dass, wann immer sein Quartier in der Serie gezeigt wurde, niemand dieses Becken jemals gesehen hat, hat der Formwandler eigentlich einen Eimer, den er für seine Ruhephasen nutzt und er schätzt seine Privatsphäre so sehr, dass er das Innere seines Quartiers nur gegen großen Widerstand anderen zu zeigen gewillt ist.
Unwahr ist auch, dass Odo über keinerlei Emotionen verfügt, denn seine spätere Liaison mit Kira wäre demnach ja nie passiert. Wahrscheinlich um diesen Faux-pas auszugleichen, gestattete es der Autor K.W. Jeter dem Wechselbalg, Bier zu trinken, obwohl dieser Getränke stets (abgesehen von der fünften Staffel, in der Odo zum „Solid“ degradiert wurde) mit dem Hinweis darauf ablehnte, sie nicht zu benötigen.
Aber die Beschreibung der gesamten Station ist gespickt mit Unwahrheiten. So erfährt der kopfschüttelnde Leser, dass die Zellen des Sicherheitsbereiches noch Gitter haben, dass man von Quarks Tresen aus den besten Blick über das Promenadendeck hat und dass Quarks Bar über Sitzecken verfügt, die man mit schalldichten Kraftfeldern abschirmen kann.
Aber das sind noch nicht einmal die schlimmsten Unstimmigkeiten! Obwohl Deep Space Nine eine bajoranische Station ist, wird behauptet, dass die Cardassianer eine Erlaubnis der Föderation zur Passage des Wurmlochs benötigen. Darüber hinaus widerspricht Jeter dem allgemeinen Kanon auch noch mit der Aussage, dass alle Schiffe, die das Wurmloch passieren, eine Art „KAT“ für ihren Impulsantrieb benötigen, da sonst die Wurmlochwesen getötet werden. Daher rüsten die Ingenieure um Chief O’Brien jedes Schiff, dass den Tempel der Propheten für einen Durchflug nutzen will, mit diesem Gerät aus. Was aber ist mit den Schiffen des Dominion? Oder warum betrieb die von Pah-Geistern besessene Keiko in „Die Erpressung“ einen so riesengroßen Aufwand, wenn sie nur ein Schiff ohne Impulsabsorber in die Heimat ihrer Feinde schicken müsste?
Hinzu kommt, dass auch bei den Bajoranern ähnliche Anschlussfehler zu finden sind. Abgesehen davon, dass von Kiras „Clan“ (S. 136) gesprochen wird, hat mich die Schilderung der Ereignisse um die Besetzung Bajors ab und zu irritiert, denn hier wurde ein junger Mönch, der sich eigentlich um das Seelenheil der Partisanen kümmern sollte, als „Politoffizier“ beschrieben, der vom „Hauptquartier“ (beides S. 154) geschickt wurde.
Am unsinnigsten fand ich allerdings, dass Chief O’Brien und Jadzia Dax mit Schiffen im Gamma-Quadranten kommunizieren konnten, obwohl das Wurmloch zuvor kollabierte! Eine Quadranten übergreifende Kommunikation würde ganze Folgen wie „Trekors Prophezeiung“ oder komplette Serien wie „Star Trek:Voyager“ unsinnig machen und beweist letztendlich, dass der Autor sich zu oft aus dem Fenster lehnt und es geradezu darauf ankommen ließ, dass sein Werk vom Kanon überholt werden würde.
Als eher erheiternd empfand ich dieses Mal die Übersetzung. Natürlich gab es wieder einmal die typischen Übersetzungsnachlässigkeiten („Holokammern“ statt „Holosuiten“, S. 82, „Quadrant Gamma“ statt „Gamma-Quadrant“, S. 69 oder „Flitzer“ statt „Runabout“, S. 77), Wortneuschöpfungen („desaktivierte“, S. 164 oder „ memoriale Szenen“, S. 207), Rechtschreibfehlern („Kom-Baken, S. 216“) und Grammatikschnitzern („[…] in Deep Space Nine […]“, S. 11), aber andere Selbstverwirklichungsversuche des Übersetzers waren wirklich genial. So wird die Föderation im Laufe des Textes allen Ernstes als „[…] der interstellare Völkerbund […]“ bezeichnet (S. 16)!
Doch noch großartiger fand ich den Satz „Während der letzten Zeit hatte die Bevölkerung von Deep Space Nine sehr zugenommen.“ (S. 22), der wunderbar mit der unfreiwilligen Verdrehung der Redensart „Ganz gleich, wie sehr sie mit sich selbst ins Gewicht gehen[...]“ (Sisko zu Kira, S. 105) harmoniert. Es gibt in diesem Universum wohl kaum eine galantere Art und Weise, einer Frau mit einem Freudschen Versprecher zu sagen, dass sie zuviel Speck auf den Rippen hat.
Gestört hat mich schließlich ein letzter, typisch amerikanischer Fehler. Als O’Brien und Sisko sich einen Drink teilen, wird guter"irischer Whisky“ angepriesen. Klar, dass der alte Ire Miles den schottischen und amerikanischen Spiritousenvarianten nichts abgewinnen kann, und wie man in der später folgenden Episode „Nachempfindung“ erfahren kann, sollte der Autor auch recht damit behalten. Entgegen der Rechtschreib- und Destilliertraditionen in den USA und Schottland, schreibt man es im Irischen jedoch „Whiskey“, wie man auf jeder guten Pulle Tullamore Dew, Clontarf oder Bushmills nachlesen kann.
Doch zurück zur eigentlichen Geschichte. Es bleibt zu bemerken, dass die Charakterskizzen, die Jeter in der Kürze der ihm zur Verfügung stehenden Zeit schuf, an zu vielen Stellen hinken und dadurch die einzelnen Figuren, allen voran Dr. Bashir, zu oft schlecht nachempfunden wirken. Dadurch, dass seine Haupthandlung um die isolationistische bajoranische Splittergruppe später von der Serie überholt wurde, wäre ein Ausbau der Nebenhandlung um die cardassianische Station, wie es der Titel ja eingentlich verspricht, ungleich interessanter gewesen. Hätte der Autor sich mehr darauf konzentriert, wäre das Buch auch viel lesenswerter.

Anachronismen: Nachdem bereits Kirk in Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart Gillian Taylor darauf hinwies, dass es in seiner Zeit kein Geld mehr geben würde und auch Jake Sisko Nog gegenüber explizit davon sprach, dass die Menschheit das Streben nach Reichtum zugunsten der Eigenverwirklichung aufgegeben hat („Die Karte“), wird in diesem Roman desöfteren von den Kosten gesprochen, die Deep Space Nine verursacht und darüber hinaus werden sogar Zahlungen erwähnt, die von der Erde an die Station überwiesen werden, um sie in Betrieb zu halten.
Auch der Baseball, den Sisko im Buch an Bashir verschenkt, gerät auf mysteriöse Art und Weise zurück auf seinen Platz, wo ihn selbst Gul Dukat während der Besetzung der Station durch das Dominion belässt.
Obwohl die Idee mit der Substation am anderen Ende des Wurmloches wirklich gut ist, entspricht auch sie nicht den in der Serie geschilderten Tatsachen. Spätestens in der Episode „Der Plan des Dominion“ hätte sie erwähnt werden müssen; da der Jem’Hadar Talak’talan sicherlich auch mit der Zerstörung der kleinen und kaum wehrfähigen Nebenstation geprahlt hätte.

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Von wegen zukünftiger Sozialismus: Menschen haben eben doch nur Augen für den schnöden Mammon

Fazit: „Die Station der Cardassianer“ kann vor allem mit guten Ideen wie dem Quarantänemodul und einer Substation punkten. Doch der Haupthandlung wurde durch die Serie eine Kanonentprechung entgegengesetzt, die sich negativ auf die Nachvollziehbarkeit der Geschichte auswirkt.
Außerdem bleibt festzuhalten, dass zu viele andere Aspekte mit den Informationen aus Star-Trek-Serien und -Filmen unvereinbar sind, was beim Lesen des Buchs zu oft einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Denkwürdige Zitate:

Nach der cardassianischen Tyrannei ist 'Geduld' ein Wort, das sich bei Bajoranern nur wenig Beliebtheit erfreut." Kira Nerys, S. 27

Ich finde Ihr Interesse an meinen Körperfunktionen abscheulich und darf Ihnen versichern, daß ich über Ihre nicht Bescheid wissen möchte.“
Odo, S. 28

Major Kira,
[…] Wenn mir bekannt gewesen wäre, daß Sie eine Tendenz zu paranoiden Wahnvorstellungen aufweisen, hätte ich Ihnen einen psychiatrische Behandlung verschrieben.“ Dr. Bashir, S. 121

Bewertung:
Gut gemeint, aber etwas über das Ziel hinausgeschossen.

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Samstag, 18. April 2009

Das Klingon-Gambit

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Buchbesprechung Vardeman, Robert E.: Das Klingon-Gambit. Heyne, 1981.

Story: Plötzlich, von einer Kartografierungsmission abkommandiert, findet die Crew der USS Enterprise NCC-1701 eine bedrohliche Situation im Alnath-System vor: Ein in Gänze mit vulkanischen Besatzungsmitgliedern geführtes Föderationsschiff treibt führerlos im Raum. Alle Insassen sind tot. Sofort wird Kirk klar, dass nur die Klingonen, die sich lediglich einen Katzensprung entfernt im Orbit von Alnath II befinden, für diesen Vorfall verantwortlich sein können.
Ein andorianisches Archäologenteam, das von den Vulkaniern auf dem Planeten abgesetzt wurde, untersucht derweil eine rätselhafte, riesige und schwarze Pyramide. Mit der Zeit findet Kirk heraus, dass sie allein ihm die Antwort auf die Frage liefern kann, warum sich seine Crew so merkwürdig benimmt: Scotty nimmt das halbe Schiff auseinander, um die Triebwerksleistung zu erhöhen, McCoy näht in übertriebener Ablehnung jeglicher Maschinen wieder mit Nadel und Faden und Spock scheint mit einer Frau anzubändeln ohne sich im Pon Farr zu befinden. Andere Crewmitglieder verlassen ihre Posten, prügeln sich oder feiern wilde Orgien in den Gängen des Schiffes. Doch nicht nur Kirks Besatzung ist von plötzlicher Insubordination getroffen: Auf dem Klingonenschiff häufen sich die Disziplinarstrafen und als der aufmüpfige Erste Offizier Captain Kaghs das Kommando übernimmt, um Kirk zu töten, eskaliert die Situation schließlich vollends…

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Da würde selbst Indiana-Jones neidisch werden: Die Stargate-Pyramide im Wüstensand von Alnath II

Lobenswerte Aspekte: Geradezu prophetisch beschreibt Vardeman das Verhältnis zwischen Vulkaniern und Andorianern. Sobald der andorianische Ausgrabungsleiter Spock sah und über ihn und die gleichermaßen spitzohrigen Personen herzog, die ihn auf diesen Planeten brachten, habe ich den Geist der frühen andorianisch-vulkanischen Beziehungen um die Mitte des 22. Jahrhunderts denken müssen. Obwohl der Autor 1981 überhaupt noch nichts von der erst zwanzig Jahre später erstausgestrahlten Serie wissen konnte! In die gleiche Sparte fällt sicherlich auch die Verwendung von „Holographien“ (S. 27) statt "Fotos", die schon frühzeitig auf Folgen wie DS9s „Der undurchschaubare Marritza“ hinarbeitet.
Auch die Idee, dass die wunderschöne Stadt, in der sich viele Begebenheiten der Geschichte abspielen, nichts weiter als eine für den Ausgrabungsleiter erschaffene Illusion ist, fand ich wirklich gut.

Kritikwürdige Aspekte: Man kann kaum in Worte fassen, wie schlecht dieses Buch ist. Doch der Reihe nach: Es gibt für dieses Werk zwei verschieden gestaltete Cover. Auf dem einen ist eine auf dem Kopf fliegende Enterprise zu sehen, während auf dem zweiten, das ich besitze, bereits eine künstlerisch wertfreie Komposition aus einer in der Perspektive völlig krumm und schief wirkenden Enterprise, einem klingonischen Kampfkreuzer, den beiden mäßig getreu nachgebildeten McCoy und Kirk und einem unheimlich schlecht dargestellten und finster dreinschauenden Klingonen vom Kauf des Buches abrät.
Auch der widerliche Titel „Das Klingon-Gambit“ stößt dem Leser während der Lektüre immer wieder auf. Zum einen ist er furchtbar übersetzt (es hätte ja nun wenigstens „Das Klingonen-Gambit“ oder „Das Gambit der Klingonen“ heißen können) und zum anderen fragt man sich ständig, was er mit der Geschichte zu tun haben soll. Laut Wikipedia bezeichnet ein Gambit beim Schach einen Anfangszug, dessen Sinn es ist, aus einem vermeintlichen Opfer einen taktischen Vorteil zu erhalten. Ich habe das Buch wirklich aufmerksam gelesen, aber weder spielten die Klingonen Schach, noch konnten sie einen Gambit im übertragenen Sinne anbringen. Doch Wikipedia weist im Verlauf des Eintrags darauf hin, dass dieser Begriff im englischen Sprachraum eine Bedeutungserweiterung erfahren hat, und auf „[…] eine riskante und trickreiche Strategie bzw. eine geschickte Eröffnung eines Gesprächs oder einer Verhandlung, um einen Vorteil zu erlangen“ abzielt. Doch weder eine „Strategie“ (also ein geplantes Vorgehen) noch eine „geschickte Eröffnung eines Gespräches“ habe ich irgendwo im Text ausmachen können, auf die der Titel auch nur im Entferntesten anwendbar wäre.
Wenn man trotz aller Warnungen, die Cover und Titel geben, das Buch liest, wird man mit schlecht getroffenen Figuren, unnachvollziehbaren Wendungen und einer langweiligen Story gequält, die irgendwo zwischen den TOS-Episoden „Falsche Paradiese“, „Implosion in der Spirale“ und „Das Gleichgewicht der Kräfte“ liegt. Die langweilige Erzählweise und die fehlende Tiefe in den Dialogen (vgl. „Denkwürdige Zitate“) machen die Lektüre zu einer endlosen Tortur, die die Sache einfach nicht wert ist.
Wiederum beweisen die vielen kleinen Fehler, wie wenig sich der Autor mit der Materie Star Trek auskannte und wie überhaupt nicht er in der Lage war, wenigstens halbwegs logische Erklärungsansätze zu bieten.
So erschrak ich schon etwas, als die Klingonen die Frequenz ihrer Waffen so einstellten, dass sie die maximale Schwächung erzielen. Warum nutzen sie dan nicht gleich, wie in Star Trek VII die richtige Frequenz, um sie zu zerschlagen?
Und warum benutzen sie plötzlich Phaser? Jeder Sternenflottenkadett weiß doch, dass die damaligen Erzfeinde der Föderation Disruptoren verwenden!
Wieso empfängt der Kommunikationsoffizier Uhura vom feindlichen Klingonenschiff eine Strahlung, die nicht zu messen wäre, wenn die Besatzung Gefechtsbereitschaft hergestellt hätte? Was soll das für eine Strahlung sein? Ist es vielleicht Mikrowellenstrahlung, weil sich die hungrigen Krieger lieber kaltes Gagh erwärmen wollen, als gegen einen so unterlegenen Feind zu kämpfen? Oder ist es Wärmestrahlung, weil Klingonen immer die Heizung abdrehen, bevor sie in den Kampf ziehen?
Und warum beschimpfen sich die tapferen Krieger gegenseitig ausgerechnet mit einem Begriff wie „Lerchenficker“? Ganz einfach, hier hat wieder ein freigeistiger Übersetzer zugeschlagen! Nicht, dass er besonderen Fleiß bei der Arbeit zeigte: Ein großer Teil der Originalbegriffe beließ er so, wie er sie vorfand, wodurch sich der Leser über Bezeichnungen wie „Starship“ (S. 7), „Starfleet-Command“ (S. 9) „Subspace“ (S. 8) und viele andere unnötige Anglizismen wie „Cities“ (S. 54), „Inset“ (S. 56) oder „Tic“ (S. 31) freuen darf. Daneben lassen sich sogar mehrere falsch geschriebene aus dem englischen stammende Begriffe wie „Nodule“ (S. 64) „Untrasonics“ (S. 185) oder „Liquer“ (S. 189) finden. Zusammen mit dämlichen deutschen Schreibfehlern wie „Gefassel“ (S. 200) „Teravolt-Ladungen“ (S. 190) und „Univrsum“ (S. 77) ergeben sie ein großes Ganzes, dass problemlos auch die vielen Zeichenfehler, Genusvergehen, vergessenen Wörter (S. 130, Z. 3: „Jahrhundert“) und uneinheitlichen Schreibweisen (Chief/Chef, Deflektor/Deflector, benutzen/benützen) integrieren kann, ohne am Eindruck zu kratzen, den bereits das Deckbild vermittelte.
Um dem Ganzen aber noch eine Krone aufzusetzen, brachte der Übersetzer völlig Star-Trek-fremde Begriffe wie „Soldat“ (S. 40) statt „Offizier“, „Matrose“ (S. 43) statt „Crewman“ oder „Gehörstengel“ (S. 22) statt „Fühler“ in diesem Buch unter. Um nun aber völlig zu verstehen, um wie viel weniger als der Originalautor sich der Übersetzer in puncto Star Trek auskannte, muss man sich nur einmal die Phrase „Hier spricht Captain Kirk vom Starship der Föderation Enterprise […]“ (S. 31) vor Augen halten, und schon weiß man, dass der Erwerb dieses Romans nichts weiter als zur Luftschleuse rausgeworfene Föderationsdukaten ist. Solche Übersetzungen, mit einer solch schwachen Romanvorlage sind definitiv keine auch noch so geringe Investition wert.

Anachronismen: Einen der Anachronismen fand ich äußerst amüsant, zumal er nicht schwerwiegend ist. Kirk spricht nämlich von einer „USS Dominion“ – wahrscheinlich benannt nach dem späteren Kriegsgegner der Sternenflotte. Da stellt sich mir natürlich die Frage, ob es ein Schwesterschiff der „USS Collective“ sein könnte…
Auch der abgetrennte Fühler des Andorianers Threllvon-da hätte eigentlich wenigstens Gleichgewichtsprobleme auslösen sollen, wie sie Shran in der ENT-Episode „Die Aenar“ durchmachen musste. Stattdessen seilt sich der Ausgrabungsleiter munter in die unterirdische Stadt hinab und zeigt auch in anderen gefahrvollen Situationen keinerlei Beeinträchtigung durch diese Verletzung.
Ein anderer, schwerwiegenderer Bruch mit der Star-Trek-Chronologie sollte mit den Worten McCoys verdeutlicht werden. Dieser gibt in Star Trek VI: Das Unentdeckte Land im Zuge der Untersuchung des halbtoten klingonischen Kanzlers Gorkon auf Kirks Nachfrage „Kannst Du ihm helfen?“ zu Protokoll: „Jim, ich kenne noch nicht mal seine Anatomie!“ Später ergänzt er diese Aussage vor einem klingonischen Tribunal durch die Feststellung „Ich wusste, um ihn retten zu können, nicht genug über klingonische Anatomie.
Wenn dem so war, dann hat McCoy wirklich, wie General Chang es andeutete, an seinem hohen Alter gelitten, denn im Buch wird beschrieben, wie er, noch im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte, erfolgreich eine ähnliche Verletzung bei einem Klingonen behandelte.

Fazit: Man kann diesem sehr einheitlichen Werk beim besten Willen nicht vorwerfen, potentielle Käufer in die Irre geführt zu haben. Vom Titel, über das Cover; vom Inhalt bis zur Übersetzung: Die mangelnde Qualität wird in jedem einzelnen Aspekt dieses Werkes deutlich und auch wenn sich ein, zwei positive Dinge darüber sagen ließen, so wären sie doch im Hinblick auf den Rest des Buches nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In einer Liste mit Star-Trek-Romanen, deren Rezeption absolut sinnfrei wäre, verdient „Das Klingon-Gambit“ es fraglos, einen der obersten Plätze einzunehmen.

Denkwürdige Zitate:

Tot? Sie sind tot? Wie unwissenschaftlich von ihnen.“ Dr. Threllvon-da, S. 26

Du Nutte! Du wirst ihn mir nicht wegnehmen!“
Er liebt mich, du billige Pillen-Jule! Und niemand wird ihn mir wegnehmen!“ Christine Chapel und Candra Avitts, S. 67

Der Grund dafür ist, daß Sie ein Halbblut sind, Spock. Sie sind weder Fisch noch Fleisch. Sie sind irgendetwas dazwischen. Sie sind etwas, das dabei herauskommt, wenn ein Pferd in einen Eselstall gerät.“ McCoy, S. 152

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Fisch oder Fleisch? Eine Frage die uns alle irgendwann einmal bewegt

Bewertung: Vom Cover bis zum Buchrücken armselig.

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Mittwoch, 15. April 2009

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer



Buchbesprechung David, Peter: Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer. Heyne, 1993.

Story: Ein schwerer Abschied steht der Familie Rozhenko ins Haus: Ihre beiden Söhne gehen gemeinsam an die Akademie der Sternenflotte. Doch Worf ist kaum auf dem Gelände gelandet, als er sich auch schon mit dem ersten Kommilitonen prügelt. Es beginnt eine schwere Zeit für den ersten klingonischen Kadetten, der schnell zum Außenseiter wird – gehasst, gemieden und drangsaliert. Nur wenige halten zu ihm und unterstützen den aufbrausenden jungen Mann, der sogar überlegt, die Akademie zu verlassen. Er bleibt, doch als es zu einem ersten Trainingseinsatz kommt, muss er mit seinen Mitstudenten zusammenarbeiten, um einen romulanischen Angriff zu überleben…

Lobenswerte Aspekte: Wie bereits in der Rezension zu „Picards erstes Kommando“ angemerkt, sind die Illustrationen im Buch eine angenehme Abwechslung. Auch die geschilderten Alltagsabläufe an der Akademie sind sehr interessant und vermitteln einen Eindruck, wie hart das Leben dort eigentlich sein muss.
Worf ist gut getroffen und die Probleme, in die er immer wieder stolpert, passen gut zu seinem in TNG, DS9 und den verschiedenen Filmen beschriebenen Charakter. Geklärt wird auch meine stets in mir bohrende Frage, warum den Klingonen eigentlich niemand mit „Mr. Rozhenko“ anredet – obwohl dies für Menschen eigentlich die erste Wahl sein müsste.
Ganz besonders beeindruckend fand ich die „Brikar“; eine Rasse, deren Erscheinungsform und Charakterstärke ich äußerst interessant fand.
Auch die Einarbeitung eines Nachkommen des legendären Finnegan aus der TOS-Episode „Landeurlaub“ empfand ich als angenehm, zumal verhindert wurde, dass er die Eloquenz seines Vorfahren zur Entfaltung bringen konnte. Ich bin mir nämlich sicher, dass es dem gesamten Roman geschadet hätte, wenn dem stets ernsten Worf kontrastiv ein solcher „Spaßvogel“ entgegengesetzt worden wäre.

Kritikwürdige Aspekte: Wie bereits in der Rezension zu „„Picards erstes Kommando“ angemerkt, ist der Roman kurz. Sehr kurz. Und auch dieser ist in einem sehr jugendfreundlichen Ton geschrieben, der eine gewisse Ernsthaftigkeit vermissen lässt. Außerdem fällt auf, dass einige Storyelemente denen des sechszehnten Bandes stark ähneln, auch wenn dies eher andersrum der Fall ist, da eigentlich „Worfs erstes Abenteuer“ zwei Jahre älter ist.
Daneben gibt es wieder einmal die gewöhnlichen Seitenhiebe in Richtung Grammatik und Rechtschreibung. Zu ihnen gehören Eigennamenschreibfehler (z.B. Lupisky/ Lupinsky, beides S. 81 ) und Zeichenfehler genauso wie die Genus-Problematik bei englischprachigen Lehnwörtern. Auch wenn die entsprechenden Regelungen in der deutschen Sprache extrem uneinheitlich sind, wurde das „Shuttle“ in sämtlichen Folgen und Filmen durchgängig mit einem sächlichen Artikel versehen. Warum hier plötzlich ein männlicher Artikel gebraucht wird (der Raumschiff? der Raumfähre? der Weltraumflugapparat?) ist schleierhaft, denn eine Anlehnung an eine deutsches Entsprechung (die einen maskulinen Artikel erlauben würde) fällt mir auf den Plauz nicht ein.
Am merkwürdigsten ist allerdings die Beschreibung der Institution „Sternenflottenakademie“. Bislang hatte ich stets den Eindruck, dass bei den vielen Bewerbungen extrem ausgedünnt werden muss. Nur wer, neben den obligatorischen außergewöhlichen geistigen Begabungen, auch die nötigen physischen und psychischen Eignungen besitzt, bekommt einen Platz in den ehrwürdigen Lehrhallen San Franciscos. Dass plötzlich so ein autistisch anmutendes Ginger-Kid wie der im Buch auftretende Mark McHenry zugelassen wird, fand ich doch recht fragwürdig.
Überhaupt scheint der größte Teil der Kadetten jenes Jahrgangs charakterlich nicht sonderlich gefestigt zu sein. Die Szene, in der ein Großteil der Kadetten im Zuge einer Hausarbeit ausschließlich Gefechte zwischen der guten Föderation und dem bösen Klingonenreich zitiert, nur um Worf zu erniedrigen, ist vielleicht noch im Kindergarten glaubhaft, aber an einer Akademie, die nur von den intelligentesten und vielversprechendsten Bewerbern besucht werden darf, wirkt sie absolut deplaziert und unglaubwürdig.

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Eine Rechnung, die aufgeht: Klingonen sind böse!

Anachronismen: Die Beschreibungen zur Familiensituation der Rozhenkos beißen sich etwas mit den Informationen, die in der TNG-Folge „Die oberste Direktive“ über Worfs Bruder gegeben wurden. Zum einen lautet sein Name dort nicht „Simon“, sondern „Nikolai“, und zum anderen erklärt Worf selbst, dass sein Bruder die Akademie verließ, weil er mit den strikten Regeln nicht zurechtkam.
Außerdem wird in verschiedenen Folgen erwähnt, dass Worf aus Weißrussland, und nicht Russland stammt. Der erste Hinweis darauf wurde bereits in „Familienbegegnung“ gegeben. Die beiden Rozhenkos werden nämlich von der "Station Bobruisk" zur Enterprise gebeamt. Ein Blick in einen stinknormalen, handelüblichen Atlas verrät uns auch, wo die Stadt liegt: Mitten in Weißrussland. Im DS9-Finale „Das, was Du zurücklässt“ schlägt Worf den auf die Erde zurückkehrenden O'Briens schließlich sogar mehrmals die Stadt als Wohnsitz vor, die ihm in seiner Jungendzeit ans Herz gewachsen ist: „Minsk“. Ein Blick in einen Atlas verrät sogar den europäischer Geografie nicht besonders geneigten Amerikanern, die Hauptstadt welchen Staates diese Stadt wohl ist... (zugegeben: Es ist unwahrscheinlich, dass Peter David von Informationen aus der TNG-Episode aus der siebenten Staffel und der letzten DS9-Folge Gebrauch machen konnte. Die vierte Staffel TNG hingegen muss er hingegen gesehen haben – ohne allerdings zu ahnen, wo genau Bobruisk liegt.)

Fazit: Auch „Worfs erstes Kommando“ ist eine nette kleine Star-Trek-Kurzgeschichte, die mit interessanten Details zur Jungend des Klingonen aufwarten kann. Doch die Reibestellen mit dem offiziellen Kanon verursachen unschöne Risse in der Glaubwürdigkeit der Story – und die zumindest fragwürdige Charakterdarstellung der anderen Kadetten tun ihr Übriges, um das Gesamtbild zu verzerren.

Denkwürdiges Zitat:

Ich geselle mich zu meinen klingonischen Eltern! […] Kadetten… ich grüße Euch! Es ist ein guter Tag zum Sterben!“ Worf, S. 134

Bewertung: Lesenswert, aber wie der junge Worf zu oft zu forsch.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Samstag, 4. April 2009

Ketten der Gewalt

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Buchbesprechung: Flood, Eloise; McCay, Bill: Ketten der Gewalt. Heyne, 1992.

Story:In einer lebensfeindlichen Ecke der Galaxie stößt die Crew der USS Enterprise NCC-1701-D plötzlich auf einen eisigen Außenposten, auf dem zu ihrer großen Überraschung Menschen leben. Es stellt sich heraus, dass sie vor knapp 300 Jahren die Erde verließen und nun Sklaven einer übermächtigen Vogelrasse namens „Tseetsk“ sind, deren Technologie die der Föderation bei weitem übersteigt. Doch mit der Ankunft des Sternenflottenraumschiffes erheben sich die Menschen auf dem Planeten gegen ihre Unterdrücker. Nur mit Müh und Not gelingt es der Crew um Captain Picard, das Leben Draaghs, der Regentin des Planeten, zu retten. Doch die Situation steht kurz vor der Eskalation: Schiffe der fremden Rasse sind bereits unterwegs, um den Aufstand der Menschen brutal niederzuschlagen und zu allem Überfluss entführen die unzivilisierten Menschen auf der Planetenoberfläche auch noch Picard und Troi, um sie in den Katakomben ihrer Welt als Geiseln festzuhalten. Doch in den düsteren Gängen lauert ein drittes Volk, dass Menschen wie Tseetsk als Feinde betrachtet….

Lobenswerte Aspekte: Schon allein der Titel „Ketten der Gewalt“ ist sehr gut gewählt, und die vielen Parallelen zwischen Sternenflottenmenschen, Menschensklaven, Sree-Tseetsk und Kraaxaa-Tseetsk weisen eindeutig darauf hin, das dieses Werk sorgfältig konzipiert wurde.
Die detailliert beschriebenen Vorbereitungen für Außenmissionen waren ebenso logisch wie nachvollziehbar und Datas Analysen gleichen den viel zu oft unterbrochenen Redeschwällen aus TNG. In bester Star-Trek-Tradition sterben Redshirts auf einer Außenmission.
Eines fand ich an diesem Buch besonders genial: Die Beschreibung der Tseetsk, als klein, gelb-gefiedert und sich ständig aufplusternd erinnerte mich stark meinen Wellensittich Piepsi, der mich durch einen großen Teil meiner Jugend begleitete. Andererseits erinnern mich auch die in TAS kurzzeitig auftretenden Aurelianer und Skorr, die ebenfalls Vögel und gelb waren, an diesen kleinen sprachbegabten Racker. Natürlich wird TAS nicht von jedem als Kanon gezählt, aber umso schöner ist es, dass auf die Aurelianer tatsächlich näher eingegangen wird.

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Archivaufnahme aus einer Zeit, als auf der Erde die Eugenischen Kriege toben: Ein aggressiver Tseetsk (l.) versklavt gerade einen faulen Erdling (r.)

Nahezu prophetisch beschreibt Riker: „Einer de ersten Fremdkontakte der Erde fand mit den Klingonen statt […]“ (S. 157). Das ist zwar jeder aufmerksamen Fernseheule bekannt, die auch fleißig den ENT-Piloten „Aufbruch ins Unbekannte“ gesehen hat (oder den Leseratten, die bereits fleißig das von mir rezensierte Buch „Aufbruch ins Unbekannte“ lasen), aber in einer Zeit, in der die „ Offizielle Star Trek Chronologie“ von Michael und Denise Okuda diesen Kontakt auf das frühe 23. Jahrhundert legte, ist das schon recht außergewöhnlich.
Stichwort Chronologie: Der kleine Lorens Ben erinnert mich irgendwie an ein düsteres Kapitel der Erdenvergangenheit, denn dass der Bursche seinen eigenen Vater verrät, einen selbstmörderischen Anschlag auf Fremde ausführt und so bedingungslos an Koban, den Führer der Sklaven glaubt, lässt durchaus an einen verblendeten Hitlerjungen denken. Ich finde, dass dies in einer so verrohten Gesellschaft wie der der Menschensklaven durchaus nachvollziehbar ist.
Als sehr unterhaltsam empfand ich schließlich die Namenswelt. Die verschliffenen aber dennoch halbwegs vertraut wirkenden Namen der Menschen wirkten wie das logische Produkt der Aussprache jener Wörter durch ein Volk von Vögeln. Ihre Trällerlaute und lautlichen Schwierigkeiten bei gewissen menschlichen Buchstaben konnten nur in einer so fremdartigen und abweichenden Weise münden, wie sie im Buch beschrieben worden ist. Auch wenn die Vogelnamen zum Teil etwas schwer auszusprechen waren, waren auch sie erkennbar vom Gedanken einer Zwitschersprache getragen und sobald Draagh beginnt, englisch bzw. deutsch zu sprechen, kann sich jeder Vogelhalter dies lebhaft vorstellen.

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erfahrene Sittichhalter kennen die Geheimnisse der Tseetsk-Sprache

Kritikwürdige Aspekte: Habe ich mich eigentlich jemals über die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler beschwert, die in den verschiedenen Star-Trek-Büchern immer wieder auftauchen? Ja? Das war natürlich gemein von mir. Natürlich nerven so kleine Fehler wie im Satz „Sie haben uns vorgeschlagen, die Kuppel so flach zu konstruieren, damit der Wind keine Angriffsfläche hat.“ (S. 147) ab und zu. Aber steckt vielleicht ein tieferer Plan hinter dem Wirken des Übersetzers? Ich bin langsam wirklich überzeugt davon! Der Übersetzer Horst Pukallus für seinen Teil muss einfach an die Befreiung der deutschen Sprache aus ihrem engen Korsett der Unkreativität ihrer Sprecher gedacht haben, als er für uns brandneue deutsche Wörter wie „desaktivierte“ (S. 6), „Düsternis“ (S. 25), „Bangigkeit“ (S. 76) „wintrige Helligkeit“ (S. 86) oder „Erreichung“ (S. 156) erfand! Oder konnte er in Wirklichkeit gar nichts für vermeintliche Genusfehler, die nur in meinen preußisch-geprägten Gehörgängen komisch klingen? Sind „die Counselor“ (S. 43), „das Präfix“ (S. 248) oder „das Sims“(S. 198) nur für Nordmänner wie mich so gewöhnungsbedürftig? Pokallus scheint sprachlich jedenfalls alpennah sozialisiert worden zu sein – genau wie der vulkanische Doktor Selar, die den verletzten juvenilen Hauptprotagonisten nicht etwa als „Kind“, „Jungen“ oder gar „Knaben“ tituliert, sondern ihn als „Buben“ (S. 207) bezeichnet! Nun ist mir jedenfalls klar, warum mir die Vulkanier oft konservativ, arrogant und sturköpfig vorkamen – sie sind sozusagen die Weltraumbayern!
Doch obwohl man in Ulm, um Ulm und um Ulm herum (ja ich weiß, Ulm liegt noch knapp in Baden-Württemberg) im Gegensatz zu meiner Heimat stets Westfernsehen empfangen hat, vermeidet es der Übersetzer geschickt, die gängigen deutschen Bezeichnungen „Kommunikator“, „Sternenflotte“, „Crewman“ und „Zehn Vorne“ statt der unsinnigen Bezeichnungen „Insignienkommunikator“ (S. 17), „Starfleet“ (S. 42), „Unteroffizier“ (S. 5) oder gar „Gesellschaftsraum des zehnten Vorderdecks“ (S. 12) zu verwenden. Darüber hinaus schafft er es sogar, Begriffe wie „Fremdrasse“ (S. 54), „Terrestrier“ oder die bereits zuvor angesprochenen Medo-Konstruktionen (Medo-Gruppe S. 81, Medo-Techniker S. 208, Medo-Team S. 207, Medo-Konsole S. 207, uvm.) einzuflechten, die in der Serie tunlichst vermieden werden. Ein weiteres Indiz dafür, dass sich Pokallus mit der Materie Star Trek in etwa so gut auskannte wie Andy Möller sich in Geografie („Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“) verschafft uns die Redeweise von Autoritätspersonen wie Picard oder Riker. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass diese beiden auf Begriffe wie „Bruchbude“ (S. 136) oder „verdünnisieren“ (S. 278) nutzen – denn das klingt nicht gerade nach Sternenflottenjargon. Dass Offiziere wie Rebellen sich im einen Moment mal duzen, nur um kurz darauf wieder mit dem Siezen anzufangen, trägt zur zusätzlichen Verwirrung bei, denn ein logisches Muster gibt es, entgegen anfänglicher Vermutungen, dabei nicht.
Geradezu niedlich fand ich zuweilen die Wortwahl: Egal ob CrushersMedo-Techniker sie „anrufen“ (S. 208) muss, diese Dateien von ihrem Bildschirm „löschte“ (ebd.) oder Picard seine „kalten kleinen Äuglein“ (S. 21) aufreißt – der antiquierte Sprachgebrauch lässt sogar auf ein bestimmtes Alter des Übersetzers schließen.
Daneben gibt es natürlich auch Fehler, für die nicht einmal ältere Übersetzer aus Süddeutschland verantwortlich gemacht werden können. So sind manche Bezeichnungen recht gewöhnungsbedürftig. Natürlich muss eine Vogelsprache fremdartig klingen, aber warum ausgerechnet „Tseetsk“? Da ist es kein Wunder, dass dieses Wort prompt auf dem Buchrücken falsch geschrieben wurde. Damit kann man sich natürlich arrangieren, aber dass die Heimatwelt der Menschensklaven den Eigennamen „Basis“ trägt, ist dem Leseverständnis nicht unbedingt zuträglich.
Als Commander Riker auf Seite 138 meint, „Es gibt so viele Ungereimtheiten.“ – hat er absolut recht. Wie zum Beispiel kann Picard den Begriff „Kraxaa“ schon gehört haben? Er war doch überhaupt nicht dabei, als Data Riker darüber berichtete! Und woher haben die primitiven Höhlenbewohner dieser Eiswelt Holzpfeile? Warum müssen Riker und sein Außentrupp nach ihrem Einsatz eigentlich in die Dekontamination und Quarantäneabteilung? Sind die Biofilter ausgefallen? Wenn ja, sind sie auf jeden Fall nicht das einzige Bordsystem. Der Universalübersetzer muss auch fehlerhaft funktionieren, wenn ein armes Vogelwesen auf der Brücke gezwungen ist, englisch zu reden, um sich zu verständigen.
Das Hauptproblem liegt allerdings bereits in der Konzeption des Romans. Es ist SCHON WIEDER ein Roman über Erdbewohner, die vor der Erfindung des Warpantriebes ihre Heimat verließen. Manchmal kann man echt den Eindruck gewinnen, als seien Menschen der Nabel des Universums! Egal ob Indianer, Augments, Chinesen, Cowboys oder die 37er – Menschen scheint es überall im Weltraum zu geben. Sie sind „Die Ratten des Universums“ – kann ich nur dazu sagen. Darüber hinaus sind Menschen SCHON WIEDER Sklaven eines mächtigeren Volkes, eine Geschichte, die in der Milchstraße irgendwann mal Mode gewesen sein muss. Auch wenn die Verpackung etwas variiert: besondere Originalität geht sicherlich nicht von diesem Werk aus und alte Star-Trek-Hasen, die neue Ideen und frische Innovationen vom Lesen eines Romans erwarten, werden herb enttäuscht.
Schließlich muss auch noch bemerkt werden, dass die Charaktere in vielen Situationen unglaubwürdig wirken. So hatte ich beispielsweise manchmal den Eindruck, dass sich Riker und Picard jeden Moment prügeln könnten, denn die Unstimmigkeiten zwischen beiden hatten nichts mit dem Respektverhältnis zwischen beiden, wie man es aus TNG gewohnt ist, zu tun. Auch die Protagonisten Koban und Lorens Ben wirkten in ihrer Charakterwandlung völlig überstürzt. Dass man Crusher SCHON WIEDER in die Mutterrolle drängt, sei nur am Rande erwähnt.

Anachronismen: Die Geschichte ist nicht angelegt, um große Verzerrungen zu provozieren. Abgesehen von den bereits genannten, kleineren technischen Fehlschlüssen gibt es nur einen Kommentar, mit dem sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt:
Keinem Föderationswissenschaftler ist es je gelungen, irgend etwas zu bauen, das mit Tachyonen funktioniert hätte.“ (S. 49). Das hört sich an, als ob Tachyonen etwas furchtbar gefährliches sind, von dem man besser die Finger lässt. Schließlich legt es für eine ganze Weile einige der wichtigsten Schiffssysteme der Enterprise lahm.
Das hindert die Crew natürlich nicht daran, im TNG-Zweiteiler „Kampf um das Klingonische Reich“ ein Tachyonengitter zum Aufspüren getarnter romulanischer Schiffe zu nutzen. Im Serienfinale „Gestern, Heute, Morgen“ nutzt Data sogar die Deflektoren, um einen umgekehrten Tachyonenimpuls zu senden. In Star Trek IX benutzen Worf und Picard einen Tachyonenbeschuss, um den Renegaten Data zu zwingen, seine Schilde neu zu modulieren.

Fazit: Der Roman „Ketten der Gewalt“ singt das alte Lied einer versprengten menschlichen Population, die nicht nur vor dem Warpflug ins All aufbrach, sondern auch noch grausam versklavt und unterjocht wurde.
Er ist geschickt angelegt und mit einem bunten und spannenden Rahmen versehen, aber es bleibt das alte Lied. Dass Rechtschreib- und Grammatikfehler neben Figurenschwächen und Ungereimtheiten auch noch die Melodie dieses Oldies verzerren, macht das Ganze nicht unbedingt besser. Wer vom Lesen dieses Romans frischen Wind erwartet, sollte besser die Finger davon lassen.

Denkwürdige Zitate:

Vierzig? […] Das ist ja wirklich verdammt alt.“ Cmdr. William T. Riker, S. 150

Das ist mir klar. Wir haben es mit einem Gehirn zu tun. Es ist nicht so, als ob man einen Computerfehler sucht. Eher so, als sollte man aus einem Topf Spaghetti eine einzelne Nudel herausziehen, ohne den Topf oder den Inhalt zu bewegen." Dr. Beverly Crusher, S. 207

Das kann ich nicht sagen. Aber ich spüre Hass [...] Und ein Lechzen nach TodUnserem Tod!“, Counselor Deanna Troi, S. 220

Bewertung: Ein altes Lied mit schräger Melodie.

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