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Freitag, 28. August 2009

Schwert des Damokles

Buchbesprechung Thorne, Geoffrey: Titan 04. Schwert des Damokles. cross cult, 2007/2009.

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Story: Die Crew der Titan wird jäh aus einem fesselnden Forschungsprojekt gerissen, als sie den verstümmelten Notruf eines Föderationsraumschiffes auffängt. Die einzige in Frage kommende Quelle ist das Schwesterschiff USS Charon, doch neben der Transmission empfängt die Kommunikationsabteilung einen unüberschaubaren Wust seltsamer Übertragungen aus einer unbekannten Kultur insektoider Wesen. Captain Riker bleibt kaum eine Wahl - er lässt einen Kurs auf den vermuteten Ursprungsort setzen, von dem beide Signale zu stammen scheinen, um das Rätsel zu lösen.
Die Stimmung an Bord ist derweil auf einen unerwarteten Tiefpunkt gesunken. Will Riker und seine Ehefrau Deanna Troi durchleben eine Ehekrise, der efrosianische Chefingenieur Xin Havreii hat Probleme, sich selbst in die Befehlskette einzuordnen und der cardassianische Kadett Zurin Dakal ist weit davon entfernt, von seinen Kollegen als vollwertiges Besatzungsmitglied respektiert zu werden. Das kollegiale Miteinander ist auf eine schwere Zerreißprobe gestellt, die die psychische Belastbarkeit der gesamten Crew auf das Äußerste strapaziert.
Noch bevor die Titan an ihrem Ziel eintrifft, wird sie plötzlich aus dem Subraum geschleudert. Ein Impuls unbekannter Herkunft setzt die herrschenden physikalischen Gesetze ds Raums außer Kraft und die Titan ist auf einmal zum untätigen Treiben im Raum verurteilt. Die Besatzung muss zusammenarbeiten, um Antworten und Lösungen auf das Problem zu finden.
Gemeinsam erkennt die Crew um Riker schließlich die Ursache für ihre missliche Lage: Die fremde Kultur nutzt die Warptechnologie auf eine so gefährliche Art und Weise als Energiequelle, dass sie auch den umliegenden Subraum gefährdet.
Riker sieht nur einen Ausweg: Entgegen seiner Interpretation der Ersten Direktive muss er Kontakt zu den Orishanern aufnehmen, um sie von der Gefahr ihrer Energiequelle zu unterrichten. Doch weder die Kommunikation noch der Warpantrieb stehen zur Verfügung - wie soll unter diesen Umständen gelingen, mit dem fremden Volk in Verbindung zu treten?
Es ist der bajoranische Wissenschaftsoffizier Najem Jaza, der auf die Idee kommt, im Schutze der Isolation des Schuttlebays das Picard-Manöver zu nutzen, um mit einem Shuttle die physikalisch auf den Kopf gestellte Region des Raums zu verlassen. Zusammen mit Havreii, Troi, Vale, Keru und des jungen Fähnrichs Mondan macht er sich auf den gefahrvollen Einsatz, der zunächst erfolgversprechend beginnt. Die Ellington entkommt dem Wirkungsbereich der Anomalie und nähert sich dem Planeten.
Doch anstatt die Probleme zu beseitigen, verschärft der Einsatz die Lage nur noch weiter. Nachdem das Shuttle von einem Raumschiff angegriffen wird, das die Kraft von Warpfeldern als Waffe nutzt, wird es in eine unbekannte Verwerfung gezogen und stürzt auf dem Planeten Orisha ab.
Doch die einzelnen Crewmitglieder finden sich nicht nur in verschiedenen Zeitebenen wieder, sondern erleben auch einen Planeten, der von der totalen Auslöschung bedroht ist. Stück für Stück setzen die einzelnen Außenteammitglieder die Rätsel dieses Puzzles zusammen und müssen erkennen, dass einer von ihnen den Planeten nie wieder verlassen kann...


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Der kleine Bruder von dem Damokles ihm seinem Schwert

Lobenswerte Aspekte: "Schwert des Damokles" knüpft an viele positive Elemente seiner Vorgänger nahtlos an. Neben der glänzenden Einführung in das neue Abenteuer muss ich insbesondere den Buchtitel lobend erwähnen, der vielleicht nicht sonderlich subtil, dafür aber überaus passend ist.
Die Tradition, die verschiedenen Serien als Referenzen für die eigene Geschichte zu nutzen habe ich bereits in den vorangegangenen Werken positiv herausgehoben. Auch in diesem Buch ist sie wiederum eindrucksvoll genutzt worden, und egal ob die Xindi mit den Orishanern verglichen werden (S. 107), Dakal als "Dunsel" gehänselt wird (S. 68) oder Keru sich ligonischer Kampfsporttechniken bedient (S. 251) - wirklich jede Serie findet in irgendeiner Form Berücksichtigung. Dabei ist es auch angenehm, dass Fehltritte der verschiedenen Fernsehablegern, wie etwa die Bezeichnung der Bajoraner als "Bajora", mit einem Augenzwinkern in den allgemeinen Kanon integriert werden (vgl. S. 61), ohne ignoriert zu werden. Selbst die gute alte 47 findet in diesem Buch die wohlverdiente Berücksichtigung (S. 326) und Dr. Sorans Ausspruch "Die Zeit ist das Feuer in dem wir verbrennen." in der Form eines el-aurianischen Sprichwortes zu übernehmen (S. 9), zeugt von Cleverness und einem Einfühlungsvermögen für Querverweise.
Wie in anderen Büchern der Titan-Reihe (z.B. "Der rote König") finden sogar Publikationen anderer Autoren Berücksichtigung, auch wenn die Erwähnung Calhouns (aus Peter Davids Reihe "Die neue Grenze") etwas kurz geraten ist (S. 114), da er einfach nur Bestandteil einer Aufzählung von Personen ist, die mit der Obersten Direktive der Föderation brachen. Abgesehen davon habe ich mich sehr über die Aufnahme der Brikar, einer meiner Lieblingsbücherrassen des Star-Trek-Universums, die zuerst im ebenfalls von Peter David verfassten Werk "Worfs erstes Abenteuer" auftauchten, gefreut.
Allerdings geht Thorne in dieser Aufzählung sogar noch einen Schritt weiter, als nur seine Schreiberkollegen zu berücksichtigen. Mit der Aufnahme Captain Joshua Grants in diese Liste erhebt er sogar einen Charakter des 1993 erschienenen Computerspiels "Judgement Rites" in den Adel dieser illustren Gesellschaft, die immerhin auch etablierte Figuren wie Pike, Kirk, McCoy, Gill, Tracey, Jameson, Sisko, Ransom oder Picard umfasst.



Erinnerungen an eine Zeit, als Star-Trek-Computerspiele noch cool waren

Daneben bringt er auch eine ganze Reihe eigener Ideen unter, die dieses Werk unglaublich bereichern. Die beiden Spezies Orishaner und Seleneaner sind in ihrer detaillierten Beschreibung wirklich außerordentlich gut gelungen und selbst die Düsterlinge, denen die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Abteilung der Titan am Anfang des Romans gilt, sind sicherlich ausbaufähige Storyelemente, die eine nährere Beschäftigung nachfolgender Autoren ohne weiteres rechtfertigen würden.
Zudem gelingt dem Autor das Kunststück, eine Science-Fiction-Geschichte mit glaubwürdigem Hintergrund abzuliefern. Für manche Leser sind es sicherlich nur Details am Rande, doch die Tatsache, dass Vale die Geschichten um solarwindbetriebene bajoranische Raumfahrzeuge für Ammenmärchen hält (S. 134), dass die Übersetzungsmatrix zuweilen unklare Begriffe auslässt oder nichthumanoide Wesen Schwierigkeiten haben, humanoide Spezies auseinanderzuhalten (S. 66) verleihen der gesamten Geschichte eine Nachvollziehbarkeit, die sich bei solchen Romanen leider viel zu selten einstellt. Außerdem sind die einzelnen Figuren stark voneinander differenziert und jeder einzelne hat andere Perspektiven, wird durch spezifische Charakteristika gekennzeichnet und folgt eigenen Motiven.
Symbolisch will ich dafür nur eine Szene nennen:
Nachdem Radowskis Neigungen für Keru bereits in "Der rote König" anklangen, meldet der versierte Transporteroffizier bei seinem Rettungsversuch weder das Überleben des ersten Offizier der Titan, noch der Ehefrau des Captains an die Brücke weiter. Stattdessen leitet er den Satz "Mr. Keru und der Rest sind wieder an Bord." (S. 335) an die Schaltzentrale des Schiffes weiter. Ohne beleidigend wirken zu wollen, unterstelle ich diesem Beispiel eine sich im Roman des öfteren offenbarende "Menschlichkeit", die dem angesprochenen Aspekt der Nachvollziehbarkeit stützt.

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Man weiß nie was man bekommt...

Kritikwürdige Aspekte: Einer der meiner Meinung nach belastendsten Züge des Romans sind die zu häufig auftretenden Rückbesinnungen Vales an ihre Mutter. Das, was man bei einem männlichen ersten Offizier ja noch getrost als verkappten Ödipuskomplex erklären könnte, wirkt streckenweise schizophren und passt kaum zum rabiaten Auftreten der dieses Mal rothaarigen Ersatzkommandantin. Streckenweise erinnerte dieses ständige Rückblicken eher an Forrest Gumps philosophische Retroperspektive seines Lebens, als an die Frau, die im ersten Roman - sicherlich zum Mißfallen ihrer Erzeugerin - noch mit Kraftausdrücken sonder gleichen um sich warf.
Einen anderen Fehler empfand ich als besonders peinlich. Als Troi ihren Bericht über Orisha präsentiert, vergleicht sie die Bewohner des Planeten mit anderen insektoiden Spezies wie den Xindi, Nasta oder Lactranern (S. 107). Abgesehen davon, dass nur eine der ursprünglich sechs Xindi-Rassen tatsächlich insektoid war und die Nesta meines Wissens nach zuvor nicht erwähnt wurden, sind die Lactraner in der TAS-Episode "Auf der Suche nach Überlebenden" eher schneckenartig dargestellt. Schnecken, als Vertreter der Weichtiere, bilden eine eigene Tiergruppe, die mit Insekten nichts zu tun hat. Vielleicht hätte Thorne hier auf Aaamazzariten, Jarada oder Penzatti zurückgreifen sollen, um Fehler zu vermeiden, die ein gründlicher Biologieunterricht verhindert hätte.
Seltsam mutet der Abkürzungswahn dieses Werkes an. Bei Buchstabenkombinationen wie TBV (S. 76), OD (S. 115), XO (S. 121), HUD (S. 135) oder UMUK (S. 136) fühlte ich mich streckenweise tatsächlich an einen Klassiker der fantastischen Vier erinnert.
An der Übersetzung muss ich dieses Mal nicht allzu viel herumkritteln. Natürlich gibt es, vor allem bei so einem Umfang, hier und dort Fehler, doch sie hielten sich in Grenzen und selbst die Dativisierungskampagnien vorangegangener Titan-Bänder ist in diesem Werk kaum spürbar. Gut, ab und zu gibt es Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung (S. 96 "Mangels" oder S. 287 "Gerecht") und ich bin ferner der Überzeugung, dass "Randomisierung" (S. 120) hier im falschen Kontext verwendet wird, doch ansonsten gibt es wenig zu beanstanden. Nur selten, etwa bei den Bezeichnung "terranisch" (S. 97) statt "irdisch" oder "zweiter Kampf von Chin'toka" (S. 81) statt "zweite Schlacht von Chin'toka", waren überhaupt Vergleiche zu der stümperhaften Heyne-Übersetzung möglich. Im Großen und Ganzen gibt es, trotz einiger weniger weiterer Fehler, von meiner Seite sogar Lob für diesen bislang am besten übersetzten Band der Titan-Reihe.
Zwei inhaltliche Sachen störten mich allerdings massiv an diesem Werk, und ich möchte abschließend diese beiden genauer betrachten.
Mich stört mittlerweile, dass es einen gewissen Besatzungsschwund bei der Titan gibt. Nachdem im letzten Band bereits Orilly Malar 'Entwicklungshilfe' für andere Spezies leisten durfte, ist jetzt halt Najem Jaza dran. Der Verlust des charismatischen Wissenschaftsoffiziers wirft vor allem zwei Fragen auf: "a.) Wer ist als nächstes dran?" und "Kehrt die Titan überhaupt in den Föderationsraum zurück oder wird jedes Crewmitglied dem Ruf des Unbekannten folgen?". Der Ansatz hat zwar eine gewisse Tradition im Star-Trek-Universum ("Pokerspiele", "Die alte Enterprise" oder "Eine Heimstätte"), wirkt jedoch nach zwei aufeinander folgenden Roman dennoch bedenklich.
Mein größtes Problem mit diesem Buch liegt in seinem Hauptaugenmerk. Die Grundfrage des Romans, die im "Beipackzettel", d.h. dem Julian Wangler verfassten Essay am Ende des Buches, treffend als Frage nach "[...] Vereinbarkeit von Glaube und Weltlichkeit, Glaube und Wissenschaft [...]" (S. 353) gestellt wird, ist für mich stets mit einem Bauchschmerzgefühl verbunden.
Ich persönlich denke nämlich, dass es hier einfach keinerlei Schnittstellen gibt, und bevorzuge eine Trennung, wie sie auch der bekennende Atheist Roddenberry propagierte.
Doch Thorne sah den Widerspruch zwischen TOS-Folgen wie "Der Tempel des Apoll" oder "Die Stunde der Erkenntnis" und der Serie Deep Space Nine, die ja unter anderem im Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft ihre Nische gefunden hatte. Er wollte eine Brücke schlagen, die die beiden extremen Positionen miteinander vereinbaren könnte.
Allerdings sehe ich bereits hier ein Problem. Zum einen gibt es sogar TOS-Episoden wie "Brot und Spiele", die christliche Religion glorifizieren, und zum anderen ist dieses Charakteristikum Deep Space Nines neben der unnötigen Zentrierung der Serie auf bildgewaltige Kriegserlebnisse nicht nur ein Gegensatz zu den Wünschen des Star-Trek-Erfinders Gene Roddenberrys, sondern auch der Grund, warum sie in meinen Augen die schwächste aller Star-Trek-Serien ist.
Natürlich ist das Element 'Religiösität' reizvoll, zumal die Idee der Propheten, die ein künstliches Wurmloch generieren können, viel Potential bietet. Doch obwohl es auch einige sehr gute Folgen gibt, sind es Episoden wie "Heilige Visionen", "Schatten und Symbole" oder "Bis daß der Tod uns scheide", die beweisen, dass bestenfalls esoterische Heiligenmärchen, keinesfalls jedoch gelungene Auseinandersetzungen mit dem Spannungsfeld Wissenschaft und Religion dabei herausgekommen sind. Das Serienfinale "Das was Du zurückläßt" war der traurige Höhepunkt dieser Entwicklung.
Das andere Problem liegt meines Erachtens darin, dass Deep Space Nine und "Schwert des Damokles" als Produkte amerikanischer Science Fiction eher als Ausdruck einer Nation, in der Religion eine viel bedeutendere Rolle als hierzulande spielt, zu verstehen sind. Im Land der Fernsehprediger, des Bible Belts und des Geldscheines, auf dem der Slogan "In God we trust" prangert, nehmen christliche Werte eine übergeordnete Stellung ein, die auch ein Ausdruck des Lebensgefühls ist.
Präsidentschaftskandidaten suchen alle vier Jahre die Unterstützung der verschiedenen Kirchen, um konservative Wählerstimmen zu gewinnen und der Verfassungseid ist ohne den Schwur auf die Bibel gar nicht vorstellbar. Der Sinnspruch der Dollar-Note ist mehr als nur ein Motto - er ist das Credo eines Großteils der Nation.
Es besteht also eine gewisse Notwendigkeit, populäre Kulturobjekte mit Religion zu vereinbaren, um die breite gesellschaftliche Akzeptanz und nicht zuletzt das eigene Weltbild zu erhalten. Sicherlich schafft Thorne diese Gratwanderung, doch ich behaupte, dass dieser Balanceakt für den durchschnittlichen deutschen Leser von Star-Trek-Romanen nur von geringer Bedeutung ist. Hierzulande gilt die Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Glaube als konzeptioneller Gegensatz, und Versuche, wie der 2005 im US-Bundesstaat Kansas initiierte Einbezug der Schöpfungslehre in den Biologieunterricht bestärken diese Sicht. Ein Roman, der in so starker Art und Weise amerikanischen Gesellschaftsansprüchen genügt, passt somit kaum in das multikulturelle und offene Star-Trek-Bild, das sich mir im Laufe der Jahre erschlossen hat.
Natürlich darf Religion in offenen Kreisen wie dem Popkulturphänomen "Star Trek" ebenso offen thematisiert werden, aber ich denke, wenn ein einsamer Bajoraner innere Stärke durch eine Plakette erhält, auf der "Suchet, und ihr werdet finden" (Matthäus 7,7 bzw. Lukas 11,9, außerdem Titan 4,351) dann riecht das für meinen Geschmack zu sehr nach einseitiger Betonung christlicher Werte und ebenso einseitiger Orientierung auf den amerikanischen Büchermarkt.

Anachronismen: Es gibt kaum etwas, was an diesem Werk zu beanstanden wäre. Trotzdem tritt hier ein Fall auf, den ich mir nicht erklären kann, zumal er in anderen Serien bei ähnlichen Situation nicht eintrat.
Als die USS Titan die letzte Botschaft der USS Cheron empfängt, fallen die Übersetzungsmatrices des Schwesternschiffes der Titan aus, so dass die auf Latein gemurmelten finalen Worte Captain Fortis' nicht übersetzt werden. Doch warum springen die der Titan nicht einfach ein? Funktioniert so etwas nur einseitig? Stammte die Kommandantin vielleicht vom Planeten 892-IV?
Ich meine, dass es ja schon unwahrscheinlich ist, in den letzten verbleibenden Sekunden unbedingt Latein zu sprechen, aber wie konnte die USS Voyager im Deltaquadranten Kontakt zu anderen Schiffen aufnehmen, wenn die Übersetzungssoftware nur eingleisig funktioniert??

Fazit: Der Roman "Schwert des Damokles" kann mit einer ganzen Reihe positiver Elemente aufwarten. Der Autor Geoffrey Thorne hat mit viel Einfühlungsvermögen eine Geschichte erschaffen, die in Figurendarstellung, Glaubwürdigkeit, Zeitlinie und Konzeption höchsten Ansprüchen genügt. Zusammen mit einer guten Übersetzung liest sich das Buch wie im Flug.
Abgesehen von kleineren Fehlern ist es jedoch die schwer verdauliche Moralkeule, die zumindest fragwürdig erscheint, denn der Balanceakt zwischen Religion und Wissenschaft, der sich selbst als Brückenschlag zwischen TOS und DS9 versteht, kann diesem Anspruch nicht genügen.

Denkwürdige Zitate:

"Optimismus ohne Fakten ist verschwendeter Intellekt." aMershik, S. 65

"Hoffnung ist eine Illusion.
"Hoffnung in einem Einheitscluster. Exkremente in dem anderen. Beobachten wir doch mal, welcher sich zuerst füllt."
aMershik, S.68/69

"Nun. Hoffen wir auf das Beste und bereiten uns auf das Schlimmste vor."
"Mit anderen Worten: Standardvorgehensweise."
Riker und Vale, S. 100

"Pessimismus ist eine Verschwendung von Intellekt." Troi, S. 174

"Ihr habt doch nicht wirklich gedacht, dass wir aufhören würden, Erykons Weg zu folgen, nur weil wir jetzt wissen, dass das Auge nicht wirklich von Erykon kam. Erykon ist. Wir sind Kinder von Erykon."
A'Yujae'Tak, S. 339

Bewertung: Es gibt [mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit] keinen Gott.

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Weiterführende Leseliste:

Titan 01: Eine neue Ära
Titan 02: Der rote König
Titan 03: Die Hunde des Orion
Titan 04: Schwert des Damokles
Titan 05: Stürmische See

Samstag, 25. Juli 2009

Sarek

Für midori

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Buchesprechung Crispin, A.C.: Sarek. Heyne, 1994/1998.

Story: Seit der Explosion des klingonischen Mondes Praxis sind nur wenige Monate vergangen. Auf der Erde herrscht eine Stimmung zwischen Misstrauen und Auflehnung - ein idealer Nährboden für radikale Bewegungen. Die "Interessengemeinschaft Erde den Menschen" tritt offen für einen Zwangsausschluss der Vulkanier aus der Föderation ein und rechnet sich bei den anstehenden Wahlen gute Chancen auf einflussreiche Ämter aus.

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Weltweite Demonstrationen mit Holotransparenten gegen die Abgesandten des Antichrists

Sarek von Vulkan, den berühmtesten Diplomaten des Planeten beschäftigen jedoch gewichtigere Probleme. Er hat Indizien für eine romulanische Invasion des Föderationsraumes ausgemacht, die mit einem geheimnisvollen Volk inmitten der romulanischen Neutralen Zone zusammenhängen: Den Freelanern.
Dieses Volk umgibt seit jeher ein Hauch von Mysterium, denn niemand weiß, wie die Spezies unter den Körper und Gesicht völlig verhüllenden Gewändern aussieht. Doch Sarek hat eine längst zur Gewissheit gewordene Vermutung. Freelan ist ein illegaler romulanischer Außenposten, auf dem entführte Vulkanier dazu erzogen werden, ihr telepathisches Potential gegen die Feinde des Sternenimperiums einzusetzen.
Je mehr Sarek forscht, umso deutlicher wird, wie weit die Kreise reichen, die diese Verschwörung zieht. Freelan, Deneb IV, Qo'noS und selbst die Erde werden zur Zielscheibe einer Intrige, die die instabile Situation nach dem Zusammenbruch des klingonischen Reiches ausnutzen will. Selbst der legendäre Sternenflottencaptain James Tiberius Kirk wird in den Strudel dieser Ereignisse gerissen, als sein Neffe Peter das Opfer einer Entführung wird.
Während Sarek also die Puzzlestücke dieses Ränkespiels eines nach dem anderen zusammensetzt, wird er mit einem einfachen biologischen Problem konfrontiert, dass ihn jedoch fast aus der Bahn wirft. Die Lebensspanne Amanda Graysons, seiner langjährigen Frau und die Mutter seines (mittlerweile) einzigen Sohnes Spock, nähert sich nach plötzlicher Krankheit ihrem Ende. Ihr Tod führt nicht nur zu einem tiefen persönlichen Verlust, sondern auch zu einem neuerlichen Zerwürfnis mit seinem Sohn Spock, der nicht versteht, warum Sarek seine sterbende Frau in den letzten Tagen ihres Leidenskampfes verlässt, um seiner gewohnten Arbeit nachzugehen.
Doch die romulanischen Pläne kennen keine Rücksicht auf persönliche Probleme und so müssen Vater und Sohn ihre Differenzen überwinden, um gemeinsam gegen die Bedrohung zu reagieren. Doch die USS Enterprise NCC-1701-A muss sich nicht nur gegen einen romulanischen Kreuzer, sondern auch gegen eine Flotte marodierender Klingonenschiffe erwehren, die sich der letzten Hoffnung auf eine friedliche Lösung entgegenstellt...

Lobenswerte Aspekte: Schon aufgrund des Umfangs dieses Werkes (524 Seiten reiner Text) hatte ich eigentlich vor, die Rezeption erst einmal auf die lange Bank zu schieben. Doch ein Forenbeitrag ließ mich auf dieses Werk aufmerksam werden. "midori" empfahl mir:

"lies mal ann c crispin - ich könnte 50 rote stifte leerschreiben und ich bin eigentlich keine besserwissernatur."

Dazu gab sie mir ein (nachempfundenes) Leseexempel aus dem angesprochenen Buch:

"Der mond t'kuth hängt wie eine eitrige pestbäule an vulkans rotem himmel und droht, auf sarek hinunterzufallen und ihn unter sich zu zermalmen."

Damit war meine Neugier geweckt. Das Lesebeispiel war aufdringlich farbenfroh, der Text auf dem Buchrücken klang abstrus und erste Recherchen zur Person hinterließen albtraumhafte Eindrücke (nicht erschrecken!!). Ich gestehe, dass ich wieder einmal vorschnell die Arbeit eines etablierten Autors abwertete, ohne sie zu kennen.
Doch als ich mich schließlich dazu durchgerungen hatte, "Sarek" zu beginnen, wurden meine Vorurteile rasch in Luft aufgelöst. Aber warum?
Zuerst einmal muss ich dem Buch eine unglaublich gut aufgebaute Spannung attestieren. Ich hatte tatsächlich Probleme, den Wälzer aus der Hand zu legen, da eine körperinterne Anspannung nach einer katharsischen Auflösung schrie. In fast schon süchtiger Manie verschlang ich die einzelnen Kapitel, auch wenn ihre Abstände untereinander sehr großzügig bemessen waren. Der Roman lebt von einer einzigartigen Atmosphäre, in der man versinken kann.
Die Figuren waren alle ebenso gut getroffen - die etablierten Personen wie Spock, Sarek oder Jim Kirk in gleichem Maße wie die nur peripher in Erscheinung getretenen Kamarag, Peter Kirk oder T'Pau. Von eigenen Kreationen wie Valdyr, Savel oder Taryn kann ich nur voller Lob berichten, denn sie fügen sich, mit großem Einfühlungsvermögen in den Kreis eingeflochten, nahtlos ein.
Daneben beweist Crispin ein großes Einfühlungsvermögen im Umgang mit dem alles beherrschenden Kanon. Sie bettet ihre durchdachte Geschichte geschickt in die Geschehnisse ein und berücksichtigt Filme und Serien gleichermaßen: Hier spricht sie noch von Spocks Un-Tod im dritten Film, während sie ein paar Seiten später die „Reise nach Babel“ thematisiert. Eben noch auf Khitomer, trifft Spock bereits den späteren romulanischen Senator Pardek aus der TNG-Doppelfolge „Wiedervereinigung“.
Abgesehen davon schließt die Autorin sogar tief klaffende Lücken innerhalb des Kanons, ohne direkt auf die eigentlichen Ereignisse zu verweisen. So erfährt der interessierte Leser, dass die Bezeichnung der ersten Ehefrau Sareks als „vulkanische Prinzessin“ auf den mehrdeutigen vulkanischen Titel „Reldai“ zurückgeht, und wahrscheinlich deshalb im fünften Kinofilm entsprechend verwendet wurde. Auch Spocks breites Grinsen im Star-Trek-Piloten „Der Käfig“ wird als Mangel an Beherrschung (vgl. S. 344) interpretiert. Doch ohne Querverweise sind diese Informationen nur für den Leser verknüpfbar, der über ein ausreichendes Faktenwissen verfügt, um einen Zusammenhang mit solch kleinteiligen Informationen herstellen zu können.
Crispin überließ dem Zufall nur wenig. Die meisten Zeitangaben lassen sich eins zu eins ebenso in der „Offiziellen Star-Trek-Chronologie“ der Okudas finden und sogar die 47 findet ihren verdienten Platz in diesem Werk (vgl. S. 102).
Besonders gut gelungen ist es ihr, die Leerstellen im offiziellen Kanon zu füllen (vgl. Nachwort, S. 531). Klärungsbedarf bei bestimmten Aspekten innerhalb der Beziehung Sareks zu Amanda und viele weiße Flecken in der Biografie Spocks werden ausgemerzt und es wundert nicht, dass sich einige biografische Details auf erschreckende Art und Weise lesen lassen, als wären sie aus dem elften Kinofilm entlehnt (Vgl. S. 343ff.). Doch andersherum wird ein Schuh daraus und es ist kein Wunder, dass sie Orci und Kurtzman bei der begabten Autorin bedienten, um Ideen für ihre eigene Story zu sammeln. Die Emotionalität, mit der Spock auf den Tod seiner Mutter reagiert (Vgl. S. 121), erinnert jedenfalls eher an den jungen Commander aus dem elften, als an den besonnenen Botschafter aus dem sechsten Teil.
Schließlich glänzt der Roman auch mit der gewaltigen Menge an Hintergrundinformationen. Abgesehen von topographischen Angaben über Vulkan oder Qo’noS kommt man auch in den Genuss, die Namen vieler zuvor namentlich unbekannter Protagonisten wie Kamarag, Admiral Smillie oder Winona Kirk zu kommen, die hier entweder aufgegriffen oder eingeführt werden. Außerdem erfährt der interessierte Rezipient, dass Kamarag und Kruge verwandschaftliche Bande einten, dass Amanda Sarek auf die Suche nach Spocks Katra schickte und wie der Heimatplanet der Klingonen nach der Praxiskatastrophe aussah. Daneben sind es vor allem aber die tiefen Einblicke in die Kultur der Vulkanier und das Leben Sareks, die dieses Buch so außergewöhnlich machen.
Doch bei all der Lobhudelei kann man schnell den Kern der Kontroverse übersehen. Jeder Autor hat seinen eigenen Stil und seine eigene Vorgehensweise, ein solches Buch aufzubauen. Unbestreitbar ist Crispin mit dem Wechsel zwischen Haupt-Plot, Nebenhandlung, Tagebucheinträgen und Rückblicken ein abwechslungsreicher Mix gelungen, der durch die vielen Perspektivsprünge und Handlungsortswechsel eine gewisse Aussagekraft über die Fähigkeiten der Autorin zulässt.
Doch besonders ihr farbenfroher und stark von blumigen Metaphern geprägter Stil ist so gewöhnungsbedürftig wie geschmacksabhängig. Doch ist das ein Problem?
Im Roman gibt es zwei Sätze, die nun einmal exemplarisch für den gesamten Stil herhalten sollen. Auf Seite 161 findet man etwa „Spock, versuche bitte, deinem Vater nicht zu zürnen.“ Ungewohnt, antiquiert und unzeitgemäß könnte man auf der einen Seite meinen, doch die Formulierung passt durchaus, wenn man sich vor Augen hält, dass der Adressat ein Vulkanier ist, dessen Bildungsstand eine solche Kommunikationsform geradezu provoziert. Damit wird eine Distanz zwischen Menschen, die eine gradlinige Gesprächsführung preferieren, und Vulkaniern, die einen gehobenen Standard bevorzugen geschaffen, der durchaus nachvollziehbar ist.
Sechs Seiten zuvor kann man folgenden Satz lesen: „Spocks Stimme war scharf wie eine Obsidianscherbe.“ Nur selten benutzt heutzutage noch ein Autor eine solche Metapher, doch in einem Science-Fiction-Rahmen empfinde ich diese Ausnahmeerscheinungen nicht als Belastung, sondern als eine individuelle Ausdrucksform, um sich vom Gleichklang der Romane anderer Autoren abzuheben. Mir persönlich hat diese außergewöhnliche Sprachverwendung sehr gut gefallen, denn sie verlangt auch dem Leser ein Verständnisniveau ab, dass in entsprechenden Werken nur selten zum Tragen kommt.
Doch das von „midori“ selbst dem Schreibstil des Romans nachempfundene Beispiel entbehrt nicht einem gewissen Satireeffekt, denn gerade der vulkanische Mond (ja ich weiß, Vulkan hat keine Monde, und es handelt sich in Wirklichkeit um einen Nachbarplaneten) T’Rukh zieht im Roman nahezu magnetartig negative Umschreibungen an. So ist zu lesen, dass der Planet „aufgequollen“ (S. 8) sei, eine „[…] geschwollene Kugel […]“ (S. 101), die „[…] grelles Licht […]“ (S. 351) ausstrahlt. Seine Trabanten werden als „[…] kränkliches Auge […]“ (S. 8), seine Vulkane gar als „[..] eitriger Abszeß auf dem schwefelgelben Antlitz des Planeten“ (S. 9) beschrieben. Auf Seite 139 ist sogar zu lesen, dass das „[…] unheimliche Licht T’Rukhs wie ein ausgetrockneter Totenschädel wirkte.“.
Diese vielen negativ konotierten Umschreibungen sind zwar zugegebenerweise streckenweise auffallend und vielleicht sogar belastend, doch sie helfen dabei, dem beschriebenen Planeten Vulkan die Aura einer lebensfeindlichen und abweisenden Welt zu verleihen. Bei einer sicherlich berechtigten Diskussion um Formulierungen sollte man jedoch nicht den eigentlichen Sinn dieses abstoßenden Himmelskörpers in all seiner Hässlichkeit aus den Augen verlieren: T’Rukh war in seiner Erscheinungsform bereits das gesamte Leben Sareks zugegen und hat ihn durch gute und schlechte Zeiten begleitet. Er sah dessen Familie kommen und gehen, leben und sterben und wird auch dann noch den Himmel zieren, wenn selbst Sarek selbst das Zeitliche segnet (jedenfalls in der „normalen“ Realität). Allein dieses Motiv ist, besonders in Paarung mit den anstößigen Umschreibungen, bemerkenswert lyrisch und verdient daher eine gesonderte Erwähnung.
Besonders lobenswert finde ich daneben, dass der Stil Crispins auch über die Übersetzung gerettet wurde. Natürlich lassen sich die ‚üblichen Verdächtigen’ wie Zeichenfehler, englisch belassene Begriffe wie „Starfleet“ (S. 36), übersetzte Begriffe wie „Raubvogel“ (S. 464, statt „Bird of Prey“), falsch übersetzte Begriffe wie „Diskussegment“ (S. 464, statt „Untertassensektion“) oder Medo-Kombinationen wie „Medo-Zentrum“ (S. 64) oder „Medo-Offizier“ (S. 148) finden und statt ‚Erde’ oder ‚Menschen’ stößt man schon mal auf „Terra“ (S. 244) oder „Terraner“ (S. 38). Außerdem wird die Katra mit einem falschen Geschlecht belegt (vgl. etwa S. 79 oder S. 158) und nur gelegentlich trifft man auf zumindest zweifelhafte Formulierungen wie „[…] gekauert war […]“ (S. 115), „Selbst wenn er selbst […]“ (S. 498) oder „Intelligenzwesen“ (S. 503). Ansonsten ist die Übersetzung angenehm und fehlerarm, was bei dem Umfang sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist. Kein Wunder also, dass dieses Werk 1998 einen siebenten Platz bei die Nominierung für den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie „Beste Übersetzung“ erreichen konnte.

Kritikwürdige Aspekte: Wie bereits erwähnt, schreckt das Buch allein durch seinen Umfang ab. Natürlich lohnt sich die Überwindung, doch es gibt zu viele Beispiele innerhalb der Star-Trek-Roman-Welt, die eine solche Überwindung bestrafen. Auch die Einteilung in lediglich zwölf Kapitel auf 524 Seiten ist eine kleine Herausforderung, die ein Lesen in größeren zeitlichen Abständen definitiv erschwert.
Obwohl ich die Übersetzung mit Absicht in den Bereich „Lobenswerte Aspekte“ verbannt habe, muss ich dennoch auch auf die Grenzen der Übersetzung hinweisen. Abgesehen von einer unsinnig übersetzten Satzstellungsbemerkung (S. 240) sind es besonders die Wortspiele um die Bezeichnung „Miss“ (vgl. dazu S. 419 und S. 481), die sich nicht harmonisch in die deutsche Sprache integrieren lassen. Sie legen nahe, dass dieser Roman trotz der guten Übersetzungsleistung eher im englischen Original gelesen werden sollte.
Ungünstig ist auch, dass es auffällige Parallelen zwischen dem Buch und der vierten Staffel Enterprise gibt. Die IGEM („Interessengemeinschaft Erde den Menschen“) liest sich als Organisation wie „Terra Prime“-reloaded, obwohl das Buch bereits erschien, als die bislang letzte Star-Trek-Fernsehserie noch nicht einmal in Planung war. Da diese jedoch vor der Romanhandlung angesetzt wurde, wirkt diese Bewegung wie ein müder Abklatsch ihres viel fanatischer angelegten Vorgängers und führt nebenbei zu einigen historischen Unstimmigkeiten. Dass die gesamte Organisation wieder in der Versenkung verschwindet, als sich der Plan der Romulaner in Luft auflöst ist sogar unglaubwürdig und es ist schade, dass dieser Erzählstrang trotz seiner anfänglichen Zentrierung so schnell aus dem Fokus und ins erzählerischer Abseits gedrängt wird.
Außerdem war ich erstaunt, dass bereits in dieser Zeit Soran der Assistent Sareks war. Natürlich ist es außer Frage, dass in der Galaxis Namen zweimal oder mehrfach auftreten können, doch der Umstand, dass Soran im gleichen Jahr nochmals auftauchen wird, trägt nicht gerade zur Steigerung der Übersichtlichkeit bei.
Mein größtes Problem mit diesem Roman liegt auf einer völlig anderen Ebene, als man erwarten würde. Weder Stil, noch Anachronismen oder offensichtliche Ähnlichkeiten stoßen mir auf. Mich persönlich störte die extensive Fokussierung auf die telepathischen Fähigkeiten der Vulkanier. Denn mal ehrlich: Der Warpantrieb ist Science Fiction, aber Telepathie ist Fantasy, und Star Trek ist ja nicht Star Wars, um beide Elemente miteinander zu vermischen. Ich fand diese Aspekte an Star Trek stets zumindest fragwürdig und daher bevorzuge ich Bücher, die diese Fähigkeiten möglichst ausklammern.
Doch sie sind Teil der Geschichte, und daher lassen sie sich selten vermeiden. „Sarek“ wäre nicht dasselbe Buch, wenn nicht diese Eigenart der Vulkanier zentriert werden könnte, doch die Geschichte beschreibt offen, dass die Ereignisse im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ ebenfalls nur unter Berücksichtigung der hier geschilderten Intrige zu verstehen sind (vgl. S. 252). Jene telepathische Lenkung, durch die Personen dazu bewegt werden, den Zielen der Romulaner zuzuarbeiten, soll ebenfalls Admiral Cartwright und andere hochrangige Verschwörer kontrolliert und zu ihren Taten angetrieben haben.
Diese Interpretation geht für meinen Geschmack jedoch zu weit, denn die speziesübergreifende Verschwörung zur Kriegsvorbereitung ist einer der zentralen gesellschaftskritischen Grundaussagen des Filmes und dieser den Boden unter den Füßen zu entreißen, empfinde ich als ebenso weit hergeholt wie unnötig.

Anachronismen: Obwohl sich Crispin viele Gedanken um Konzeption und Kanoneinbindung gemacht hat, ist es merkwürdig, dass es dennoch eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten gibt. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Zum einen sind es jene, die der Autorin selbst hätten bewusst sein müssen und zum anderen sind es die logischen Folgen jener neuen Informationen, die in späteren Serien und Filmen ihren 1994 erschienenen Aussagen widersprachen. Die erstere Gruppe ist als ‚unnötig’, die zweite hingegen als ‚unvorhersehbar’ deklariert.

Unnötige Anachronismen:

Es ist das alte Lied: Obwohl im vierten Kinofilm „Zurück in die Gegenwart“ explizit das Gegenteil zu hören war, gibt es auch in diesem Buch eindeutige Bezüge auf ein pekuniäres Finanzsystem im 23. Jahrhundert. So ist von „Kautionen“ (S. 50) ebenso die Rede wie von „Kreditbetrug“ (S. 303). Sarek verhandelt um „Importzölle“ (S. 54), während Kirk über ein „[…] respektables Einkommen […]“ (S. 178) verfügt, das er dazu nutzen kann, um sich „[…] ein kleines Schiff mieten […], (S. 303) zu können.
Anachronistisch mutet auch der Einsatz von „Disketten“ (S. 98) an.

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Umgang unklar - wozu benutzt man Disketten?

Obwohl Crispin gut zur Lebensgeschichte Sareks recherchiert hat, gibt sie dessen Blutgruppe fälschlich mit „Q-positiv“ (S. 456) an, obwohl Spock und sein Vater laut Eigenaussage die Blutgruppe T-negativ teilen (in der deutschen Synchronisation wird mal eben XY-negativ daraus).
Besonders tragisch ist es, dass Crispin den Ereignissen des sechsten Kinofilms so manchen Trugschluss abringt. So ist es schließlich selbst bis in die letzte Serie schlichtweg nicht vorgekommen, dass getarnte Schiffe über Schilde verfügen. Das Schiff, mit dem Jim Kirk, Spock, McCoy, Peter Kirk und Valdyr von Qo’noS fliehen können, verfügt über den Luxus (S. 416), den nicht einmal Changs Schiff hatte – ansonsten wäre es ja wohl kaum durch einen einzigen Torpedotreffer in die Breduille gekommen.
Doch zum Glück helfen auch die Trümmer des ehemaligen Mondes Praxis beim Fluchtversuch und trotz seiner andauernden Meteoritenschauer kann man ihm so etwas Positives abgewinnen. Doch entgegen den Behauptungen des Buches zerstörte Praxis die Ozonschicht des Planeten und daher wird dieser nicht, wie mehrmals behauptet, durch Trümmerstücke, sondern durch Atmospärenverlust bedroht!
Auch mit der zeitlichen Einordnung der Kinofilme kannte sich Crispin nicht sonderlich gut aus. So gibt sie zu Protokoll, Spocks Wiederauferstehung sei vor dreieinhalb Jahren vollzogen worden (S. 158). Die Ereignisse aus dem späten dritten und beginnenden vierten Film (also 2285/2286) sind jedoch eher sechs, sieben oder gar acht Jahre her, da „Das unentdeckte Land2293 spielt.
In diesem Jahr wird übrigens auch die gute alte Enterprise (übrigens Constitution-, und nicht wie auf S. 502 "Constellation-Klasse") eingemottet. Wer erinnert sich nicht an die rührselige Schlussszene, in der Kirk dem Rückkehrbefehl widerspricht, und noch einen letzten Flug des verdienten Schiffes initiiert? Dass sein Schiff noch immer in Betrieb ist, wie im Roman zu lesen, ist jedoch fragwürdig, zumal im selben Jahr der Nachfolger des Schiffes, die USS Enterprise NCC-1701-B, von Stapel laufen wird.

Unvorhersehbare Anachronismen:

Im Tagebuch Amanda Graysons ist 19. September 2293 der letzte Eintrag. Kurz darauf verstirbt die Diplomatengattin und dem Roman bleibt noch immer Handlung für mindestens eine Woche übrig. Ich lehne mich nicht aus dem Fenster wenn ich mal behaupte, dass es mindestens Oktober sein muss, als die im Buch beschriebene zweite Khitomer-Konferenz stattfindet. Doch wie uns der siebente Star-Trek-Kinofilm „Treffen der Generationen“ zeigt, muss im selben Jahr auch noch das nächste Schiff mit dem Namen Enterprise eingesetzt werden, und Kirk bleibt nur noch wenig Zeit, um zur Erde zurückzufliegen, seinen Ruhestand einzuläuten und die Jungfernfahrt der Enterprise-B mitzuerleben…
Ebenfalls fragwürdig sind die Beziehungen zwischen Menschen und Vulkaniern beschrieben. Auf der Seite 43 findet man den Satz „Die vulkanische Präsenz auf der Erde führte bislang selten zu Kontroversen […]“. Jeder Enterprise-Fan wird andere Bilder vor Augen haben: ein wütender Jonathan Archer in „Broken Bow“, xenophobe Erdenbürger in „Zuhause“ oder antivulkanische Proteste in „Dämonen“.
Auch dass es auf Andoria Wüstenpflanzen (oder auf Andor, wie die Autorin behauptet) gibt, die das vulkanische Klima vertragen könnten, wird in Enterprise negiert. Andor ist ein Eisplanet ohne die klimatischen Bedingungen Vulkans. Zwar gibt es auch Eiswüsten und Shran spricht in „Die Aenar“ von „regelrechten Hitzewellen“, doch diese pendeln um eine Temperatur von 0°C – einem Höchstwert, dem die vulkanischen Verhältnisse spotten.
Schließlich bleibt auch anzuzweifeln, dass Klingonen dazu neigen, Hochzeiten je nach sozialem Stand zu arrangieren (S. 73). Martok, laut eigener Aussage in „Der Dahar-Meister“ kein Vertreter des Adels, heiratete schließlich, den im Buch geschilderten Angaben entsprechend, weit über seinem Stand, als er mit Sirella einen direkten Abkömmling der klingonischen Kaiserfamilie („Klingonische Tradition“) ehelichtet.

Fazit: Man kann viel über „Sarek“ behaupten. Man kann behaupten, dass das Buch zu dick ist. Man kann behaupten, dass Ann Crispin irgendwie aussieht wie Roseanne Barr in „Die Teufelin“. Man kann sogar behaupten, dass ihr Stil abschreckend ist.
Doch ich sage das nicht. Im Gegenteil! „Sarek“ ist einer der besten Star-Trek-Romane, die ich bislang gelesen und rezensiert habe. Er ist der glänzend aufgebaut, brillant geschrieben und gut übersetzt – und hebt sich schon allein dadurch von vielen anderen Erzählungen ab.
Natürlich hat das Buch auch seine Mängel in den vielen Anachronismen und der etwas zu weit reichenden Geschichte, doch wer den Mut aufbringt, sich diesem Werk zu widmen, wird nicht enttäuscht werden, den dieser Mischung aus Spannung, Informationsgehalt und Lesevergnügen gelingt es, selbst 524 Seiten Text zu kurz erscheinen zu lassen.

Denkwürdige Zitate:

Die Vulkanier sind die Brut des Teufels. Jeder kann sehen, daß Satan ihnen sein Zeichen aufgedrückt hat. Haben sie keine Augen im Kopf, junge Frau?“ ältere Frau, S. 42

Ich habe seit Jahrzehnten auf Vulkan gelebt und niemals verstanden, wie Vulkanier ohne eine Spur von Eitelkeit so arrogant sein können.“ Amanda Grayson, S. 109

Die Rache ist wie ein Targ und erhebt sich hungrig nach langem Schlaf.“ Valdyr, S. 237

Es ist allgemein bekannt, daß Vulkanier niemals lügen.
Glauben die Leute hier immer noch an diesen ausgemachten Unsinn?“ Malak und McCoy, S. 411

Ich bin Arzt, kein Jongleur.“ McCoy, S. 416

Starfleet würde mich zum Fähnrich degradieren, wenn ich eine Person von ihrer Stellung einem solchen Risiko aussetze.“
Ich bin bereit, ein solches Risiko einzugehen.“ James T. Kirk und Sarek, S. 430

Bewertung: Ohne Untertreibung: Ein Klassiker.

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Samstag, 20. Juni 2009

Starfleet Kadetten 04: Das Sternengespenst

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Buchbesprechung Strickland, Brad: Das Sternengespenst. Heyne, 1994/1995.

Story: Jake Sisko ist vor gar nicht allzu langer Zeit zusammen mit seinem Vater auf der Raumstation Deep Space Nine angekommen. Der Sohn des Stationskommandanten hat keine große Auswahl bei der Wahl seiner Spielkameraden, und daher knüpft er freundschaftliche Bande zu Nog, einem Ferengijungen.
So wird Jake eines Tages Zeuge, wie Nog vor einer Kleinkinderzeichnung davonrennt. Er findet heraus, dass ein ‚Ferengest’, so eine Art Kapitalistenpoltergeist, seinen besten Freund Angst und Bange macht. Doch Jake glaubt nicht einmal in dem Moment an Geister, als diese Gestalt plötzlich direkt vor ihm steht.
Während Nog gegen die Panik kämpft, folgt Jake dem durchsichtigen Wesen, und stellt fest, dass es sich bei dem vermeintlichen Gespenst lediglich um ein fremdes Wesen in einer anderen Dimension handelt. Es transformiert auch Jake um mit ihm kommunizieren zu können, da es eine wichtige Botschaft zu übermitteln hat: In einem der Reaktoren der Station befindet sich nämlich eine Bombe!
Doch Jakes Übertritt in die fremde Dimension hat den schwerwiegenden Nachteil, dass eine Rückkehr in die eigene Dimension nur durch den Gebrach eines Transporters möglich ist! Erwachsene können Jake nicht mehr wahrnehmen und somit ist der unstete Nog die einzige Hoffnung für Jake Sisko und die Raumstation Deep Space Nine…

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Who you gonna call?

Lobenswerte Aspekte: Habe ich zuvor nach der Lektüre der von Peter David verfassten Teile „Worfs erstes Abenteuer“, „Mission auf Dantar“ und „Überleben“ nur noch missmutig gelesen, so muss ich doch zugeben, dass dieses Buch recht erfrischend ist. Strickland, dessen Story etwas an die TNG-Episode „Die imaginäre Freundin“ erinnert, schafft es trotz aller Widrigkeiten, seiner Geschichte Pepp und eine gewisse Frische zu verleihen, die den Leser wieder versöhnlich stimmen.
Natürlich bleibt die Handlung an Kindern bzw. Jugendlichen orientiert, doch schon der bewusste Verzicht auf ‚Zufälle’ verleiht der Handlung vermehrte Glaubwürdigkeit. So ist es zwar passend für die Story, Molly als Medium zur Kommunikation mit den Erwachsenen der Station zu nutzen, doch es wird der Wahrscheinlichkeit durch die Tatsache gehuldigt, dass dieser Versuch in die Hose geht.
Zudem schmückt Strickland die die Ferengikultur bunt aus. Nogs Verhandlungen mit Jake ob dessen Nachhilfebedürfnisses sind nicht nur passend, sondern sogar amüsant. Tatsächlich ist der humoristische Aspekt dieses Werkes, besonders in Hinblick auf die Zielgruppe, als durchaus gelungen zu bezeichnen.
Die Charaktere sind glaubhaft und selbst die noch von Vandalismus und Pionierarbeit geprägte frühe Phase der Serie sind gut eingefangen und der Autor versteht es, die sich daraus bietenden Möglichkeiten entsprechend zu nutzen. Dass eine solche Station nämlich besonders für entdeckungsfreudige Kinder ein einziger riesiger Abenteuerspielplatz ist, kann ich für meinen Teil jedenfalls gut nachvollziehen.

Kritikwürdige Aspekte: Warum dieser Roman unter den Titel „Starfleet Kadetten“ gepresst wurde, entzieht sich meinem Verständnis. Im Gegensatz zu seinen drei Vorgängern spielt die Handlung nicht an der Akademie oder orientiert sich an den Erlebnissen verschiedener aus diversen Serien bekannter Charaktere als Kadetten. Jake Sisko verweigert sich später sogar der Bewerbung an der Sternenflottenakademie! Wenn man also eine Reihe für Kinder konzipiert, sollte man einen passenderen Titel wie „Die kleinen Strolche“ oder „Wunderbare Jahre“ wählen, um so etwas unter die Leute zu bringen.
Das schlimmste an diesem Roman ist jedoch etwas, was bei allen Vorgängern immer ein Qualitätsmerkmal war: Die Zeichnungen.
Lustlos und unbeholfen; ja sogar künstlerisch wertfrei und dilettantisch wären Begriffe, die sich auf die grottenschlechten Abbildungen anwenden ließen. Die Bildausbrüche sind versucht, jedoch nicht geglückt und die Ähnlichkeit mit den bekannten Protagonisten ist, wenn überhaupt, nur sporadisch vorhanden.
Außerdem scheint sich der Urheber Hamilton an den Filmen „Der Herr der Ringe“ orientiert zu haben. Nun gut, Peter Jacksons Filmprojekt war 1994 noch nicht einmal in Planung, doch wenn man sich die Illustrationen ansieht, fällt schon auf, dass der ‚Ferengest’ Dhraako wie ein nazgul und Nog wie Gollum mit Akne aussieht.
Die Übersetzung spielt dem Leser längst gewohnte Streiche. Zum einen verwendet sie auch weiterhin konsequent das Wort „Starfleet“ unübersetzt, während aus „Holosuiten“ einfach mal eben „Holokammern“ (S. 9) und aus „Runabouts“ plötzlich „Flitzer“ (S. 120) werden. Außerdem findet sich auf Seite 37 die Formulierung „[…] Geschichte des Baseball […]“, der eindeutig ein „s“ fehlt, um den Genitiv anzuzeigen.
Schließlich finden sich auch noch einige andere Schlafmützigkeiten: Auf der Seite 64 wird eine Äußerung Quarks einfach Odo untergeschoben und dreizehn Seiten zuvor wird Nogs Neuinterpretation des Wortes „Hirngespinste“ (S. 51) korrigiert, obwohl dieser jenes Wort zuvor orthographisch völlig korrekt wiedergegeben hatte. Was ist dort bloß geschehen?
Nun, ich persönlich schätze mal, dass da irgendjemand ganz einfach bei der Übertragung ins Deutsche geschusselt hat…

Anachronismen: Dass „[…] die Station einen Zeitrhythmus von vierundzwanzig Stunden“ hat, stimmt nicht mit den Äußerungen aus der Episode „Leben in der Holosuite“ überein, in der vereinbart wird, Vic Fontaines Programm „[…] 26 Stunden pro Tag […]“ laufen zu lassen.
Völlig unverständlich ist mir außerdem, warum Quark seinen Bruder Rom zu Verhandlungen mit Lieferanten schickt. Der selbe Bruder, der später das Etablissement bestreikt und der dem Erwerb von Reichtümern entsagt, würde Quark meiner Meinung keine so wichtige Aufgabe übertragen, die so vitale Bereiche des Barbetriebs abdeckt.
Schließlich hat mich auch sehr erstaunt, dass es zwei von Sisko entsandten Runabouts gelingt, ein den groben Zeichnungen nach zu urteilen Schiff der Galor-Klasse aufzubringen. Natürlich sind diese Schiffe nicht die fortschrittlichsten Kreuzer des Universums, aber zwei Runabouts?? Das ist nun wirklich etwas übertrieben, selbst wenn es Probleme mit den Schilden hatte.

Fazit: „Das Sternengespenst“ hat aus den Fehlern seiner Vorgänger gelernt, und präsentiert sich zielgruppenoriertierter und unberechenbarer. Sofern man ihn unter dieser Prämisse betrachtet, bleibt er im Rahmen seines Anspruchs glaubwürdig, spannend und sogar lustig. Dennoch bleibt es ein Kinderbuch und die qualitativ minderwertigen Zeichnungen, die Übersetzungsschludrigkeiten und die Anachronismen bilden ein Gegengewicht zu den positiven Gesichtspunkten. Alles in allem ist es jedoch bislang eines der lesenswertesten Bücher der Reihe – solange man den Rahmen respektiert.

Denkwürdige Zitate

Kennen Sie sich zufällig mit Ferengi aus?
Genug um meine Finger zu zählen, nachdem ich einem die Hand gereicht habe.“ Jake und Kira Nerys, S. 27

Ein Krieger schläft im Zelt eines Feindes schlecht.“ Altes cardassianisches Sprichwort, S. 32

Bewertung: Nettes Kinderbuch.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Samstag, 13. Juni 2009

Die Macht der Former

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Buchbesprechung Weinstein, Howard: Die Macht der Former. Heyne 1991/1994.

Story: Um den drei Sternenflottenakademiekandidaten des Raumschiffs USS Enterprise NCC-1701-D die Möglichkeit zu geben, sich unter Beweis zu stellen, werden sie mit einer kleinen Außenmission betraut. Unter den wachsamen Augen Counselor Trois und Lieutenant Commander Datas nehmen die drei Aspiranten Wesley Crusher, Ken Kolker und Gina Pace Gesteinsproben und untersuchen den unbewohnten Planeten Domarus IV.
Doch gerade als das Shuttle startet, wird es auch schon von einem fremden Schiff aufgehalten. Ein viel zu stark eingestellter Traktorstrahl droht das Shuttle zu zerquetschen und über die Motive der kaum bekannten Teniraner herrscht völlige Unklarheit.
Als die USS Enterprise eintrifft, führen die eilig eingeleiteten ersten Gespräche zu keinem Ergebnis. Die Teniraner beanspruchen den Planeten für sich und wollen die Shuttleinsassen als Faustpfand für ihren Anspruch nutzen. Doch als das Shuttle mitsamt seinen Passagieren plötzlich in einer merkwürdigen Anomalie verschwindet, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Beide Fraktionen beschuldigen sich gegenseitig und als die Auseinandersetzung bedrohlich zu werden beginnt, erscheint die gleiche Anomalie wieder, und transportiert beide Raumschiffkommandanten auf die Planetenoberfläche.
Hier lernen sich Picard und Captain Arit näher kennen, und als sie wieder an Bord ihrer Schiffe gelangen, beschließen sie, dass gegenseitiges Vertrauen und Hilfe angebrachter sind als sinnloser Streit. Schließlich wurden sie Zeuge eines besonders ungewöhnlichen Phänomens: In unmittelbarer Nähe ihres Aufenthaltsortes entstand über Nacht ein neues Gebirge genau dort, wo zuvor eine weitläufige Ebene zu finden war.
Währenddessen finden sich Data, Troi und die drei Akademieanwärter in einer Höhle innerhalb des Planeten wieder. Bei der Suche nach einem Ausgang stoßen sie schließlich auf jene körperlosen Wesen, die den Planeten bewohnen und für die Umformungen seiner Oberfläche verantwortlich sind. Doch Kommunikation scheint unmöglich und daher geht Data das Risiko ein, sich mit einem der Geschöpfe in direkten Kontakt zu begeben…

Lobenswerte Aspekte: Die einzelnen Charaktere sind durch die Bank gut getroffen und auch die Kommandantin des teniranischen Schiffes und ihre Tochter erscheinen glaubhaft.
Zudem werden im Buch keine bahnbrechenden Ereignisse der Föderationsgeschichte geschildert, so dass sich das Buch problemlos in den offiziellen Kanon eingliedern ließe.

Kritikwürdige Aspekte: Ich sollte es gleich an den Beginn dieses Rezensionsteils stellen: Es kann zu einer wahren Qual werden, sich durch diese 260 völlig spannungsfreien Seiten zu kämpfen. Das gesamte Buch ist aufwandsarm nach ‚Schema F’ gestrickt und so vorhersehbar wie der Tag- und Nachtwechsel auf unserem Planeten.
Auf der einen Seite haben wir den idealistischen, aufgeschlossenen Sternenflottencaptain; auf der anderen hingegen die unbekannte Kommandantin, die Fremden gegenüber argwöhnisch ist. Ob die beiden wohl zusammenfinden werden?
Hier ist eine Restpopulation ohne Heimat, dort ein leerer Planet mit körperlosen Einheimischen, die tausend Jahre schlafen. Wo werden die armen Flüchtlinge wohl eine neue Heimat finden?
Und was wird wohl der verliebte Teenager tun, der weiß, dass seine Angebetete ihm erst dann Beachtung entgegenbringen würde, wenn er einen Ausgang aus dem Höhlensystem findet? Wird er still sitzen bleiben und warten?
Natürlich kann man viele Sachen in einem Buch vorhersagen und es war auch sicherlich nicht Weinsteins Aufgabe, das Rad neu zu erfinden, doch in diesem konkreten Fall ist die Handlung viel zu durchsichtig gestaltet. Das geht soweit, dass selbst die große Moralkeule, gesellschaftliche Schranken zu überwinden, so ungeniert offensichtlich daherkommt, dass man sich sogar als mittelmäßig gebildeter Leser schnell unterfordert vorkommt.
Doch wer weiß – vielleicht ist dieses Buch ja gar nicht für erwachsene Augen bestimmt? Ist es vielleicht, wie die einzelnen Teile der Starfleet-Kadetten-Reihe, eher ein Kinderroman, respektive Frühteenagerbuch?
Die kleingeistigen Problemchen der Sternenflottenzöglinge Gina Pace (was für ein beschissener Name!), Ken Kolker und natürlich Wes Crusher sprechen dafür – die vielen dabei verwendeten Fremdwörter jedoch eindeutig dagegen. Doch ist diese außergewöhnliche Konzentration von Fremdwörtern ihrerseits nur ein unbeabsichtigtes Nebenprodukt der deutschen Übersetzung?
Diese kommt in einem vertrauten Bild daher: Einerseits unnötige Anglizismen wie „Starbase“ (S. 8) oder „Starfleet“ (S. 8), andererseits unnötige Übersetzungen wie „Galaxis-Klasse“ (S. 148 statt „Galaxy-Klasse“) oder „Synthetisierer“ (S. 247 statt „Replikator“). Dass dann auch noch wieder einmal die niemals in Star Trek ebenso auftretenden Bezeichnungen „Insignienkommunikator“ (S. 66, statt „Kommunikator“) „Gesellschaftsraum des zehnten Vorderdecks“ (S. 85, statt „Zehn Vorne“) oder „Diskussegment“ (S. 210, statt „Untertassensektion“) zu lesen sind, ist wirklich belastend. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal erwähnt, dass die Föderation eben kein „interstellarer Völkerbund“ (S. 51) ist, denn durch einen Vergleich mit dieser Organisation, die zwischen den Weltkriegen als eine Art UNO-Vorgänger existierte, wird im Allgemeinen auf Kompetenzarmut und Machtlosigkeit angespielt. Ihn auf die Föderation anzuwenden, ist daher für jeden Trekkie beleidigend.
Schließlich sollen auch zwei weitere Fehler nicht unerwähnt bleiben: Zum einen findet man auf der Seite 174 den Tippfehler „[…] auf einer Weilt […]“ (gut, darüber kann man hinwegsehen) und zum anderen spricht Riker auf der Seite 38 von „Glacéhandschuhen“ (darüber nicht!).
Für die Redewendung „to use velvet gloves“ gibt es nämlich tatsächlich eine gute deutsche Übersetzung: Sie lautet „mit Samthandschuhen anfassen“. Vielleicht lehne ich mich mit meiner antiquierten Sicht weit aus dem Fenster, doch ich bin Meinung, dass Übersetzer so etwas beherrschen sollten, denn es kann nicht die Aufgabe des geneigten Käufers sein, sich entsprechende Fehltritte selbst erklären zu müssen.
Merkwürdig ist schließlich auch, warum die fünftausend überlebenden Teniraner mal polytheistisch (S. 139) und mal monotheistisch (S. 199) sind. Oder warum Riker auf der Enterprise bereits von den „Formern“ weiß, obwohl Picard sie gerade erst auf der Planetenoberfläche kennen lernt (S. 238).
Im Großen und Ganzen präsentiert sich „Die Macht der Former“ im Prinzip als klassische TOS-Handlung im TNG-Gewand, denn die Former sind in Gestalt und Beschreibung nicht wenigen Wesen aus der Ur-Star-Trek-Serie entlehnt: Redjac, der Vampirwolke, dem Companion oder der sich aus Hass ernährenden Wolke aus „Das Gleichgewicht der Kräfte“. Verbunden mit der Folge „Die Letzte Mission“ und den Teniranern, einer Spezies, die mich zu oft an eine Kreuzung aus Talaxianern und Kazon erinnerte, ergibt dies eine völlig belanglose Geschichte in einem Buch, dass sich bestenfalls zum Tischbeinersatz eignet und kann als ein gutes Beispiel dafür herhalten, warum Star-Trek-Bücher oft einen schlechten Ruf haben.

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Gefangen in einer Wolke aus längst vergessenen TOS-Geschöpfen

Anachronismen: Es wurde bereits oft in Star Trek und auf diesem Blog festgehalten, dass es in der Zukunft keinen Platz mehr für die Finanzwirtschaft gibt. Geld ist als Grundübel menschlichen Daseins längst abgeschafft und der Mensch strebt nach Selbstverwirklichung und nicht nach Anhäufung vo Reichtümern. Das weiß spätestens seit dem Finale der ersten Staffel („Die Neutrale Zone“) jeder TNG-Fan.
Um so schlimmer, dass Weinstein sich nicht entblödet, den Ausführungen dieser Folge zu widersprechen: Geordi verwettet einen Wochenlohn (S. 65) und der arme juvenile Picard muss für sein Baguette bezahlen (S. 187).
Gut Picard ist schon alt, aber so alt auch wieder nicht. Die Geldwirtschaft wurde nämlich laut Aussage des Erdengschichtsexperten Tom Paris im späten 22. Jahrhundert aufgegeben („Das ungewisse Dunkel, Teil 1“), und Picard ist 2305 geboren, also immerhin mehr als 100 Jahre nach Abschaffung monetärer Ökonomie.

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Geld abschaffen! Mit Star Trek in eine sozialistische Zukunft

Fazit: Der Roman „Die Macht der Former“ ist eine belanglose Mischung aus TOS- und TNG-Elementen, die auf Spannung oder einzigartige Ideen verzichtet. Man braucht nur die ersten paar Seiten zu lesen, um einen Eindruck davon zu erhalten, wie der Roman enden wird.
Einige Logikfehler im Romanaufbau, die Fehler der deutschen Übersetzung und der Verweis auf geldbasierte Ökonomie vervollständigen dieses Bild nur, so dass man eine Rezeption dieses Werkes zu Recht als ‚völlig unnötig’ bezeichnen kann.

Denkwürdige Zitate:

Flieg, Jean-Luc! Flieg!“ Dr. Crusher, S. 32

Auch das Schnarchen gehört zum Leben, aber deshalb vergeude ich keine Zeit damit, ständig darüber nachzudenken.“ Gina Pace, S. 108

Aber… die Berge bewegen sich. Richtige Berge haben gefälligst reglos zu sein.“ Riker, S. 237

Manchmal ja, manchmal nein. Man unterschätze nie die Macht einer guten Tasse Tee.“ Picard, S. 246

Bewertung: Langweilig, höhepunktsarm, dröge.

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Sonntag, 7. Juni 2009

Der Rächer

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Buchbesprechung Shatner, William: Der Rächer, Heyne 1997/200.

Story: Wieder einmal schwebt die Föderation in größter Gefahr!
Dieses Mal hat eine Gruppe von Öko-Terroristen ein heimtückisches Virogen entwickelt, das sich in erster Linie gegen Pflanzen richtet. Es ruiniert die Ökosysteme ganzer Welten und zerstört damit die Grundlage allen Lebens. Auf immer mehr Welten werden Ausbrüche dieses geheimnisvollen Erregers registriert und die gesamte Infrastruktur der Föderation droht plötzlich zusammenzubrechen. Zwischen Blockaden, Hilfstransporten und Grenzpatrouillendienst bleibt der Sternenflotte kein angemessener Handlungsspielraum mehr, um Herr über die immer mehr ins Chaos abgleitende Situation zu bleiben.
Die USS Enterprise NCC-1701-E hat den Auftrag, die Blockade des Alta-Vista-Systems zu übernehmen. Doch der Ausbruchsversuch zweier vermeintlicher infizierter Personen bringt Picard und seine Crew auf die heiße Spur: Sie können die Spur der Urheber nach Vulkan zurückverfolgen. Doch der Preis, den Picard dafür zahlen muss, ist hoch. Er selbst infiziert sich mit dem hochgradig ansteckenden Pflanzenkiller und wird fortan auf der Shuttlebay in Quarantäne gehalten.
Währenddessen sieht sich ein Hilfsteam auf einem der am schwersten betroffenen Planeten einem ganz anderen Problem gegenüber. Der Typ, der aus dem Nichts auftaucht, ein Naturheilmittel gegen die wie wild um sich wütende Epidemie mitbringt und reihenweise die Herzen der Frauen bricht, hat eine auffallend große Ähnlichkeit mit einer historischen Persönlichkeit: James T. Kirk. Als der Planet angegriffen wird, übernimmt genau dieser Mann die Gegenwehr und schnell wird allen Beteiligten klar, dass diese Ähnlichkeit kein Zufall ist. Kirk erkennt den künstlichen Charakter des Virogens und folgt dessen Spure bis nach Vulkan.
Botschafter Spock hat in der Zwischenzeit auf dem Konferenzplaneten Babel ein holografisches Geständnis zugespielt bekommen, auf dem ein ehemaliger Mitarbeiter seines Vaters offenbart, dass Sarek ermordet wurde. Zusammen mit seinem treuen Mitarbeiter Srell deckt Spock Stück für Stück eine Verschwörung auf, die den Zusammenbruch der Föderation vorbereitet und an der sein Erzeuger unmittelbar beteiligt war. Nur ein alter Bekannter auf Vulkan, seinerzeit ein Intimus seiner Eltern und eine Art Onkel für ihn, kennt viele der Antworten.
Alle drei Parteien treffen sich schließlich auf Vulkan wieder und gemeinsam gehen sie gegen die unsichtbaren Feinde vor, die allerdings Verbündete haben, von denen kaum jemand auch nur ahnen könnte…

Lobenswerte Aspekte: Das Jahr 1997 stand im Zeichen der Furcht. Ebola beherrschte die Nachrichten und der erst zwei Jahre zuvor erfolgte Filmstart von „Twelve Monkeys“ war noch immer in aller Munde. „Der Rächer“ passt perfekt in diese Zeit und die Bedrohung der gesamten durch Krankheitsausbrüche und die Thematik des sorgsamen Umgangs mit der Umwelt beherrschten die Nachrichten.
Shatner hat sich also eines beliebten und noch immer hochaktuellen Themas angenommen. Denn auch in Zeiten der Vogelgrippe, des Milzbrands und der Schweinegrippe sollte uns bewusst sein, dass eine virale Ausbreitung auf unserem globalisierten Planeten eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere gesamte Zivilisation ist. Shatner und seine helfenden Elfen Judith und Garfield Reeves schaffen es, diese Atmosphäre in die Zukunft zu tragen und somit in Star-Trek-typischer Manier ein aktuelles Thema in dieses Universum einzuweben.
Ähnlich wie im Vorgänger „Die Rückkehr“ gibt es auch hier eine besonders interessante Verknüpfung: Kirks Jugenderlebnisse auf Tarsus IV werden in einen größeren Zusammenhang gestellt und auch wenn ich die These, dass der Planet für das erste Symmetrikerexperiment missbraucht wurde, nicht immer schlüssig fand, muss ich doch zugeben, dass die Idee sehr reizvoll ist.
Geradezu genial fand ich den Lösungsansatz, wie man am besten aus Holo-Gefängniszellen ausbricht. Er bewies nicht nur ein interessantes Verständnis der Technologieform; die Idee, dass nicht nur Kirk, sondern auch drei andere Personen auf die Lösung kamen, wirkt mitunter geradezu versöhnlich. Besonders diese Stelle und wenige andere, an denen auch anderen Personen Freiräume gestattet wurden, um aus dem übermächtigen Schatten Kirks herauszutreten, wirkten genau dadurch erfrischend und glaubhaft.
Kirk wirkt in diesem Buch eher wie im fünften oder sechsten Kinofilm – forsch, tatendurstig – aber auch einfühlsam und komisch. Im Gegensatz zur schwachen Darstellung als Borg-Vergewaltigungsopfer in „Die Rückkehr“ erscheint er hier nahezu sympathisch und angenehm. Ganz besonders das zweifellos eindringlichste Motto der Figur, nämlich niemals aufzugeben, wird zu einem Grundtenor dieses Werkes, der zuweilen eine Brücke vom alten Mann aus einem vergangenen Jahrhundert zu einem neuen Leben in einer neuen Zukunft schlägt.
Doch auch andere Kontinuitätslinien sind auffällig. Wieder einmal wird eine Riege von Gaststars aufgeboten, um der Handlung Glanz zu verleihen. So trifft der aufmerksame Leser neben der TNG-Crew auch auf Spock, Pille, Ki Mendrossen, das MHN, T’Pring, Stonn oder Hugh.
Auch das wiederholte Wiedersehen zwischen Pille, Spock und Kirk verlief diesmal nicht ganz so kitschig und das erste Aufeinandertreffen Spocks und Kirks war sogar clever inszeniert und würde Vergleichen mit anderen Star-Trek-Filmen durchaus genügen.

Kritikwürdige Aspekte: Wo wir gerade bei Kontinuität sind: Auch in der Selbstbeweihräucherung Shatners in puncto Darstellung des legendären James Tiberius Kirks legte der Autor keine falsche Bescheidenheit an den Tag. Hier wird dick aufgetragen, da über die Maßen auf den Putz gehauen und schließlich die Figur völlig überhöht.
Die Föderation ist dem Untergang geweiht, und weil es in dieser Generation nur Nulpen und Vollpfosten gibt, die Raumschiffe kommandieren, wartet das Universum nur auf die Rückkehr des seiner eigenen Perfektion bewussten Toupetträgers. Spock ist verzweifelt, Picard den Tränen nahe und die ganze Föderation sehnt den neuen Messias herbei…
Wer mag da wohl wiederauferstehen und die Zukunft vor der drohenden Apokalypse retten? Natürlich, William Shatner! Oder, wenn der grad nicht kann (manchmal zwickt es ihm böse im Rücken, hab ich mal gelesen), seine Projektionsfläche: der heldenhafte Jim Kirk!
Aber ein treuer Leser meines Blogs schrieb im Kommentarbereich zu „Die Rückkehr“:

Dieses Buch spielt für mich in einer alternativen Gegenwart - dem Shatnerversum - hier kann der selbstverliebte ü70er schalten und walten wie er will.“ DomPatHug, 27. April 2009

Weil ich nun gerade solchen hilfreichen Kommentaren offen gegenüber stehe und getreulich versuche, so eine Rezension auch mal aus einem anderen Blickwinkel heraus anzugehen, hab ich mir das zu Herzen genommen und gebe zu, dass dieses Buch unter dieser Prämisse durchaus lesbar ist. Nun gut, Star Trek XI hat sich wenigstens zur Verlegung der Rahmenhandlung in ein Paralleluniversum bekannt, aber bei Shatner implodiert zumindest die Heimatwelt der Vulkanier nicht!
Also sah ich mit einem eher belustigten Gesichtausdruck dabei zu, wie sich eine juvenile Sternenflottenmieze in eine sechzigjährige Knackwurst verliebt. Mit Erheiterung erfuhr ich von den Haarfantasien Shatners:

Er hatte längeres Haar als auf dem Bild, und sie waren nach hinten gebunden.“ S. 79.

Und schließlich prustete ich vor Lachen, als Kirk als erster Mensch mit einem Vulkanier verschmolz – gegen den Willen des telepathisch überbegabten spitzohrigen Symmetrikers!
Höhepunkt ist jedoch ohne Frage, dass nun Spock und Kirk auch noch so eine Art Gedankenverschmelzungsblutsbrüder sind – Eine Wendung, die ich bei Karl-May-Festspielen, aber dann doch nicht bei Star Trek erwartet hätte…
Hinzu kommt, dass das Buch neben diesen Egotrips diverse Logikschlaglöcher aufzuweisen hat, die das Lesen zu einer recht holprigen Fahrt machen.
Im 24. Jahrhundert, dessen größter technologischer Fortschritt meiner bescheidenen Meinung nach in der Erfindung von Replikatoren liegt, sollte eine Pflanzen vernichtende Virenseuche eigentlich kein so großes Chaos auslösen. Und wenn so ein großes Unglück schon die gesamte Föderation in Atem hält und so sehr schwächt – warum bemerkt man beim zeitgleich laufenden DS9 nichts davon?
Zudem fand ich die Behauptung, man könne Pflanzenextrakte und Salben gegen Nanosonden einsetzen, äußerst gewagt. Wenn es tatsächlich so eine Art homöopathisches Anti-Borg-Nivea gibt, dann sind die Borg eigentlich nichts weiter als eine Art heftiger Schnupfen, an dem nur dummerweise unzählige Welten des Deltaquadranten leiden. Das wird der Sache einfach nicht gerecht und nimmt den Borg den Schrecken, den andere Serien ihnen zugestehen. Doch wer weiß schon, auf welcher Grundlage das Parfüm hergestellt wurde, das Dr. Phlox an dem Tag aufgetragen hatte, als die Borg erfolglos versuchten, ihn zu assimilieren (ENT „Regeneration“)?

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Altes Laub für neues Leben

Schließlich fand ich die abschließende Moral der Geschichte merkwürdig. Einerseits ruft Kirk zu verantwortungsvollerem Umgang mit der Umwelt anderer Systeme auf, aber andererseits legitimiert er das Vorgehen der Öko-Terroristen, da diese durch ihre Aktionen das gesellschaftliche Interesse weckten. Nun, das Buch wurde wohl eindeutig vor dem 9. September 2001 geschrieben, denn auch wenn diese Anschläge das Bewusstsein für die Probleme in der muslimischen Welt geschärft haben, wage ich zu bezweifeln, dass Shatner eine ähnliche Lehre aus diesen Ereignissen ziehen würde.
Bleibt schließlich noch, an der Übersetzung zu kritteln. Diese ist gar nicht so schlecht wie in „Die Rückkehr“, und wenn man sich an den doofen Gewohnheitsfehlern „Starfleet“ (S. 20), „Insignienkommunikator“ (S. 235) oder „Diskussegment“ (S. 342) nicht aufhält, findet man nur wenige schwerwiegendere Fehler wie falsche Adjektive („Das Cupric-Gruppe […]“, S. 295), dass/damit-Schwächen („[…] damit ich ihnen die Nachricht überbringe […]“, S. 44) Eigennamenschreibfehler („Earl Gray“, S. 273) oder Unkenntnisbeweise für Star-Trek-Begriffe („ShirKa“, S. 246 statt „Shi’Kahr“).
Natürlich nerven erneut die vielen Medo-Kombinationen in diesem auf medizinischen Aspekten fußenden Roman: Obwohl es selbst im Deutschen als „Medkit“ übernommen wurde, finden wir hier das „Medokit“ (S. 364) und seine Mutantenbrüder „Medotechniker“ (S. 252), „Medo-Logbuch“ (S. 275), „Medo-Abteilung“ (S. 275), „Medo-Einrichtung“ (S. 277) und „Medo-Schiffe“ (S. 396). Ich weiß wirklich nicht, wer dafür verantwortlich ist, dass sich diese Bezeichnungen bei Star-Trek-Romanen so durchgesetzt haben, doch diese Person sollte sich bewusst sein, dass diese ganzen in den Serien und Filmen völlig anders bezeichneten Begriffe die Kluft zwischen Buch und Kanon unnötig vergrößert haben.
Doch so eine Übersetzung hat natürlich auch ihre natürlichen Grenzen. Wortspiele, wie um den Begriff „the real McCoy“ – der übrigens nix mit der fürchterlichen Eurodance-Truppe zu tun hat, die meine Generation in unserer Jugend nervte - sind nun mal nur unter großen Verlusten ins Deutsche übertragbar – und dafür kann auch kein Übersetzer der Welt etwas.




Anachronismen: Sicherlich erinnert sich der ein oder andere noch daran, dass die „Tellariten“ in der TOS-Episode „Reise nach Babel“ von der deutschen Synchronisation noch rücksichtslos als „Tellurier“ bezeichnet wurden. Erst in der Enterprise-Serie änderte sich dies grundlegend. Als „Telluriten“ (S. 32) wurden sie allerdings nie bezeichnet.
Doch die bislang jüngste Star-Trek-Serie mauserte sich schließlich zum Hauptstolperstein für diesen Roman, was allerdings auch verständlich ist, da sie erst weit nach der Veröffentlichung von „Der Rächer“ überhaupt entstand.
So führt diese Serie den Beweis, dass kaum noch jemand weiß, was sich in den frühen Tagen der Erdenraumfahrt zugetragen hat. Selbst der Hobbyhistoriker Picard weiß laut dieses Buches nicht, dass es nach dem 21. Jahrhundert sehr wohl eine Isolationsbewegung auf der Erde gegeben hat (ENT, „Terra Prime“).
Obwohl sein Kapitänskollege Kirk zeitlich viel näher an dieser Weltraumpionierzeit geboren wurde, offenbart auch er große Bildungslücken, als er nach terroristischen Aktivitäten auf Vulkan fragt. Weder ihm, noch dem eifrigen Spock-Assistenten Srell fällt der Anschlag auf die Erdenvertretung im Jahr 2154 ein (ENT „Der Anschlag“), obwohl die dahinter stehende Organisation durchaus der Erwähnung wert gewesen wäre.
Überhaupt kollidiert das Vulkanierbild zu oft mit dem bei ENT und den bereits in anderen Serien und Filmen zuvor postitulierten Eigenschaften der Vulkanier.
So beschreibt Shatner die Gedankenverschmelzung zwischen Vater und Sohn als elementaren Baustein in der elterlichen Beziehung. In der ENT-Folge „Stigma“ hingegen ist zu erfahren, dass nur ein Teil des grünblütigen Volkes überhaupt in der Lage ist, diese Prozedur durchzuführen.
In der dritten Staffel gibt T’Pol in „Impulsiv“ einem jungen MACO-Soldaten Folgendes zu verstehen: „Wir haben Emotionen aber für gewöhnlich halten wir sie unterdrückt – unter Kontrolle.“ Warum sich Riker jedoch aus dem Fenster lehnt, und sich auf S. 344 dazu hinreißen lässt, seiner späteren Frau den Satz „Es sind Vulkanier, Deanna. Natürlich waren da keine Emotionen spürbar.“ um die Ohren zu schlagen, wird wohl ein Geheimnis bleiben, zumal auch in mehreren anderen Kanonerwähnungen die emotionale Kontrolle der Vulkanier angesprochen wird (Star Trek V: Das unentdeckte Land, TNG „Botschafter Sarek“, DS9 „Freies Schussfeld“ oder VOY „Gewalt“).
Warum schließlich für Rikers Kollegen Lieutenant Commander Data Gefahr bestehen soll, wenn er sich ohne Schutzkleidung zu lange dem offenen Weltraum aussetzt, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Abgesehen von Datas letztem Kurzausflug in Star Trek: Nemesis überlebt sein baugleicher Bruder Lore eine ganze Zeit im offenen Raum, bis ihn endlich ein Pakled-Frachter aufliest (TNG „Die ungleichen Brüder“).
Ein pikanter Kanonbruch bietet sich allerdings erst seit dem neuesten Kinofilm. Die technisch höchst fragwürdige, doch nunmehr Tatsache gewordene Überlichtgeschwindigkeitstransporterbenutzung Pine-Kirks und Pegg-Scottys widerspricht der Behauptung dieses Shatner-Kirks, dass normale Transporter Materie maximal über eine Reichweite von 25.000km transportieren könnten. Da die entsprechende Formel vom Montgomery Scott dieser Zeitlinie stammte, muss sie eigentlich auch für das Shatnerversum gelten…

Fazit: Mit ein wenig Toleranz für das Ego Shatners kann man „Der Rächer“ tatsächlich lesen. Zwar sind viele Details und Storyentwicklungen mit 'abstrus' noch sehr wohlwollend umschrieben, doch einige andere der hier auf das Tapet gebrachten Ideen können sich durchaus sehen lassen.
Noch immer sind die hier beschrieben Auswirkungen viel zu weitreichend, doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist dieses Buch geradezu herausragend und da auch die Übersetzung einigermaßen passabel ist, kann festgehalten werden, dass dieser der bislang angenehmste Roman aus der Feder Shatners war. Sicherlich noch weit weg von Weltliteratur; noch lange nicht in Sichtweite von Star-Trek-Autoren wie David Mack oder Peter David; doch mit den meisten Werken Vornholts, Vardemans oder Weinsteins hält dieser Band mühelos Schritt.

Denkwürdige Zitate:

Er hat schon eine Verschmelzung hinter sich. Mit dem Führer.“ Stron über Picard, S. 159

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Verschmelzungen mit Sarek gehören in einem aus der Mode gekommenen Seitenarm unserer Galaxie nun mal zum letzten Schrei

Aber… in seinem Logbuch steht, daß er Sie begraben hat.“
Hat er auch.“
Und…?“
Er hat es allem Anschein nach nicht sehr gut gemacht.“ Christine MacDonald und Kirk, S. 155

Auf abwesende Freunde.“
Und auf Dr. McCoy.“ Kirk und Spock, S. 220

Je länger ich in der Flotte bin, desto niedriger wird mein Dienstgrad.“ Kirk, S. 236

Die E? Was soll das? Fallen der Flotte keine Namen mehr ein?“, Kirk, S. 335

Und während wir darüber streiten, gehen Kulturen unter. Ich habe keine Geduld mehr zum Streiten. Die Zeit ist der endgültige, nicht mehr erneuerbare Rohstoff und sie läuft immer schneller davon.“ Kirk, S. 397f.

Bewertung: Zu ertragen, aber bestenfalls unteres Mittelfeld.

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Weiterführende Leseliste:

Shatner 01: Die Asche von Eden
Shatner 02: Die Rückkehr
Shatner 03: Der Rächer
Shatner 04: Das Gespenst
Shatner 05: Dunkler Sieg
Shatner 06: Die Bewahrer
Shatner 07: Sternendämmerung
Shatner 08: Sternennacht
Shatner 09: Sternenfluchten