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Sonntag, 23. August 2009

Die Beute der Romulaner

Buchbesprechung Hawke, Simon: Die Beute der Romulaner, Heyne 1993/1996.

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Story: Das Glück scheint sich an der Seite der Föderation pudelwohl zu fühlen. So oder zumindest so ähnlich müssen auch Picard und die Crew der USS Enterprise NCC-1701-D empfunden haben, als sie bei einer Routinepatrouille entlang der Romulanischen Neutralen Zone über den hilflos im All treibenden Prototypen einer neuen Warbirdreihe stolpern.
Die Besatzung des Raumschiffes ist tot, die Technik voll funktionsfähig und die Rechtslage eindeutig – das Schiff gehört den Findern. Nur die Gewissenbisse der Crew und das diplomatische Einfühlungsvermögen Picards verhindern, dass die Enterprise den wehlosen Kreuzer zu einer genauen Examination zur nächsten Sternenbasis abschleppt. Stattdessen begnügen sich die Brückenoffiziere einvernehmlich damit, lediglich die Datenbanken des Schiffes in den Hauptcomputer der Enterprise zu überspielen.
Doch schon bald entpuppt sich der vermeintliche Glücksfund als perfide Falle: Die romulanischen Besatzungsmitglieder erwachen plötzlich wieder zum Leben und das Flaggschiff der Sternenflotte wird im Handstreich genommen. Picard muss sich fortan als Gefangener mit Valak, einem jungen und ambitionierten romulanischen Subcommander auseinandersetzen, der die gesamte Aktion bis ins kleinste Detail geplant hat und nichts dem Zufall überlassen will. Die Crew wird rigoros überwacht und teilweise auf das Schiff der Romulaner verlegt, so dass eine Befreiung absolut unmöglich erscheint.
Doch bevor Valak zusammen mit seiner Beute die triumphale Rückkehr in das Romulanische Sternenimperium antreten kann, will er einem weiteren Rätsel auf den Grund gehen. Der inmitten der Neutralen Zone liegende Planet Hermeticus II ist von der Sternenflotte mit einem Mantel aus Geheimnissen umhüllt. Nur wenig ist über den unbewohnbaren Planeten bekannt, außer, dass eine Quarantäne über ihn verhängt wurde. Klar, dass dies bei den Romulanern auf Argwohn stößt, und daher befiehlt Valak beide Schiffe dorthin, um einer dort vermuteten geheimen Föderationsbasis den Garaus zu machen.
Und tatsächlich ist das erste, was sich im Orbit von Hermiticus II orten lässt, ein Schiff der Föderation! Obwohl das Schiff der Constitution-Klasse über keinerlei Energieanzeigen mehr verfügt lässt sich das Misstrauen Valaks nicht aufweichen, zumal der romulanische Commander schon bald erkennt, dass der Planet innen hohl und bewohnbar ist. Als sich Valak schließlich entscheidet, zusammen mit Picard hinunterzubeamen, ist er sich noch nicht bewusst, dass er diesen Planeten nicht mehr verlassen wird…

Lobenswerte Aspekte: Dieses spannende Buch lebt lange Zeit von der Interaktion seines Hauptbösewichts, dem kalten und berechnenden Romulaner Valak mit der Sternenflottenlegende Jean-Luc Picard. Valaks Mischung aus ehrgeizigem Jäger und selbstverliebtem Emporkömmling lässt vor dem geistigen Auge des geneigten Lesers einen glaubwürdigen Gegenspieler entstehen, der bis zu einem gewissen Punkt eindrucksvoll einen dem Captain der Enterprise ebenbürtigen Widersacher mimt. Tatsächlich schafft es der Autor Simon Hawke, dem Charakter so abstoßende Elemente beizufügen, dass die Figur rasch als unangenehm empfunden werden kann.
Auch sein Vorgehen erscheint streckenweise losgelöst von den vielen pro-forma-Bösewichtern der Star-Trek-Geschichte, denn im Gegensatz zu vielen anderen Fieslingen wie Silik, Kudak’Etan oder Cullah lässt er bei der Übernahme des Schiffes Verstand walten und separiert die Crew in zwei Gruppen: diejenigen, die für den reibungslosen Betrieb an Bord unbedingt notwendig sind und die Mütter, Kinder und sonstigen ‚nutzlosen’ Personen. Während erstere an Bord verbleiben dürfen, müssen zweitere als Geiseln auf dem romulanischen Schiff ausharren. Da stellt sich mir nur eine Frage:
Warum ist eigentlich noch nie jemand zuvor darauf gekommen?
Daneben ist positiv hervorzuheben, wie einfühlsam Hawke auch noch kommende Serienereignisse zu antizipieren vermag. Obwohl sein Roman erst 1993 erschien, verleiht er Riker eine Aversion gegen Geheimdienstoffiziere (vgl. S. 91), wie sie im Fernsehen erst in der Episode „Das Pegasus-Projekt“ auftrat.
Daneben referiert der Autor ebenfalls auf andere Episoden, wie etwa „Fähnrich Ro“ (S. 33) „Soongs Vermächtnis“ (S. 62) oder „Datas Tag“ (S. 81). Selbst die Tatsache, dass der Erdexperte Valak ausgerechnet Mark Twain, dem Picard im zweiteiligen Staffelcliffhanger „Gefahr aus dem 19. Jahrhundert“ bereits persönlich begegnete, zitierte (S. 69), kann man ohne weiteres der Fachkenntnis Hawkes zurechnen. Dieses Expertentum reicht sogar soweit, dass er korrekt wiedergeben kann, das wie vielfache der Lichtgeschwindigkeit Warp 9,6 ist (S. 25)!
Doch damit nicht genug! Obwohl mich die Idee des ausgehöhlten Planeten Hermeticus II im ersten Moment abwegigerweise an die Dysonsphäre aus „Besuch von der alten Enterprise“ erinnerte, schlägt Hawke eine andere Brücke: er bringt das Konzept mit der vom Physiker Gerard O’Neill entwickelten Idee für autark funktionierende Weltraumkolonien in Verbindung (S. 169). Was sich auf den ersten Blick sicherlich als ein Musterbeispiel für Berücksichtigung anderer Science-Fiction-Literaten liest, wirkt auf den zweiten ungleich prophetischer. Spätestens seit dem 2003 (leider nur in Amerika) erschienenen Star Trek Roman „The Sundered“ ist diese Idee nämlich ein fester Bestandteil des serieneigenen Bücherkosmos’ geworden, zumal die Autoren Michael Martin und Andy Mangels dieser Idee durch ihre Verfassertätigkeit an „Der Rote König“, dem zweiten Teil der Titan-Saga, zusätzliches Gewicht verliehen.
Es ist also kein Wunder, dass die hellsichtigen Träume Picards auch auf den Roman abfärben…

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Dysonssphäre oder nicht Dysonssphäre? Das ist hier die Frage...

Kritikwürdige Aspekte: Bei allem Lob für den romulanischen Kommandanten Valak muss eines an seiner Figur von mir arg kritisiert werden: So stark und unbesiegbar er zu Beginn der Geschichte wirkt, so schwach und armselig erscheint er an ihrem Ende. Mal ganz abgesehen davon, dass dies in der Intention des Autors lag, ist dieser Sprung viel zu krass und unglaubwürdig gezeichnet, um nachvollziehbar zu sein. Und Stickwort Nachvollziehbarkeit: Der Plan der Romulaner, sich mittels Drogen in den Scheintod zu versetzen, die Lebenserhaltungssysteme auszuschalten und nach einer bestimmten Zeit wieder aufzuwachen, ist gelinde gesagt hirnrissig. Was wäre, wenn diese Systeme erst eine Stunde später aktiviert worden wären? Was, wenn das Schiff erst einen Tag später gefunden worden wäre? Dass die Romulaner bei so einem Plan das Leben ihrer Soldaten aufs Spiel setzen mag ich ja noch glauben, aber der Prototyp einer ganzen Warbirdklasse ist dann doch ein zu hoher Einsatz, selbst für den Prätor des Sternenimperiums.
Während der Trend bei Valak eindeutig nach unten zeigt, ist es bei Picard genau andersherum. Am Beginn der Geschichte wirkt er schwach, wenig vorausblickend und merkwürdig passiv. Erst gegen Ende präsentiert sich als der souveräne Captain, den man aus Film und Fernsehen gewohnt ist. Doch auch seine Crew ist während dieses Abenteuers eindeutig neben der Spur. Dr. Crusher ist scheinbar zu doof, um eine künstlich herbeigeführte Lebensfunktionsminderung von einem Erstickungstod zu unterscheiden und Rikers Plan, sich Waffen durch einen Weltraumspaziergang zu einem anderen Schiff zu besorgen, ist ebenso waghalsig wie unnötig. Wenn man schon in den Innereien der Enterprise herumtigert, ist es wohl sinnvoller, heimlich eines der schiffseigenen Arsenale zu erreichen! Und warum nutzt eigentlich keiner der Offiziere den Phaser, der in seinem Quartier herumliegen müsste (vgl. „Traumanalyse“)?
Doch damit nicht genug. Wer den unsäglich kitschig-unrealistischen Ausbruchsversuch der auf dem romulanischen Warbird gefangenen Besatzungsmitglieder gelesen hat, wird meine oft wiederholte Frage nach Nachvollziehbarkeit verstehen. Auch das Ende, das der Crew glücklicherweise eine lebenslange Internierung auf Hermeticus II erspart, wirkt an den Haaren herbeigezogen. Zum Glück reichen den mächtigen Ambimorphen nämlich die Menschen, die sich bereits in ihrem Planetenzoo befinden aus, so dass sie auf Sonderexponate wie einen Androiden, einen Klingonen oder einen Franzosen verzichten können. Überhaupt wirken die Superwesen wie eine Mischung aus den Metronen und Formwandlern, zumal die Vergleich der Erscheinungsformen der Wesen mit „Protoplasma“ (S. 290) bemerkenswerte Parallelen zur Darstellung Odos im fünften Starfleet-Kadetten-Band „Das Sternengespenst“ (vgl. dort S. 34) aufweist. Und formwandeln können sie natürlich auch - egal ob die Gestalt Menschen, Romulanern oder einer Straßenbeleuchtung entspricht. So oder so scheint die Unterwanderung der Föderation durch formwandelnde Geschöpfe eine beliebte Freizeitgestaltungsmöglichkeit für außerirdische Spezies zu sein.
Obwohl Hawke sich mit der Beschreibung des Verhältnisses von Warp zu Lichtgeschwindigkeit gut informierte, haperte es dafür an anderen Stellen. Am auffälligsten ist sicherlich die Beschreibung des Planeten Hermeticus II. Der Planet der H-Klasse (ich bezweifle allerdings, dass das ‚H’, wie auf S. 87 behauptet, für ‚Hermeticus’ steht) soll sich nämlich im Deltaquadranten befinden (S. 84)! Nicht nur, dass die Romulanische Neutrale Zone nicht soweit reichen dürfte, es sollte auch sehr schwierig und zeitaufwändig sein, dorthin zu gelangen, zumal die Crew der Voyager knappe 70 Jahre für ihren Weg veranschlagte...
Die Übersetzung ist ein übliches Kind des Heyne-Verlags. „Starfleet“ (S. 15) statt „Sternenflotte“, „Kriegsschwalbe“ (S. 40) statt „Warbird“ oder „Gelbalarm“ (S. 45) statt „gelber Alarm“ zeugen von der Ignoranz gegenüber der gängigen Fernsehübersetzung. Wenige Rechtschreibfehler (z.B. S. 184 „Im wesentlich“) werden von einem großen Fehler überschattet: den „Außenschotten“ (z.B. S. 207). Entgegen der gängigen Pluralform ‚Schotts’ entschied man sich hier für eine an den Volksstamm erinnernden Mehrzahl, die immerhin einen gewissen Schmunzelfaktor bietet.
Abschließend sollte noch über etwas geschimpft werden, mit dem das Lesen dieses Buches üblicherweise begonnen wird. Das Cover ist eines der so ziemlich furchterregendsten, die ich bislang gesehen habe, und warum dem Prototyp der D’Kazanak-Klasse zum Trotz ein Warbird der D’deridex darauf verewigt wurde, ist mir schleierhaft. Auch der beringte Planet lässt sich nicht mit der Darstellung von Hermeticus II vereinbaren und der eindringliche Blick der Person, die wohl Valak darstellen soll, gehört nicht unbedingt zu den ganz großen Aufmachern der Star-Trek-Bücher-Chronologie. Tatsächlich ist diese künstlerische Interpretation ein guter Grund dafür dankbar zu sein, dass Bücher im Regal nur den Rücken präsentieren.

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Vorsicht! Diese Straßenbeleuchtung könnte ambimorph sein...

Anachronismen: Der Roman bot die einzigartige Chance, eine nähere Betrachtung der Romulaner und ihrer Gesellschaft zu bieten. Doch dieser Aufgabe wurde der Autor Simon Hawke kaum gerecht. In der Tat wurden seine Angaben rasch eingeholt und viele seiner Angaben stoßen daher beim Lesen unangenehm auf.
So behauptet er, dass für den Prätor der Ehrentitel „Lord“ zur Ansprache genutzt werden muss (S. 19). Ich persönlich kann mich nicht erinnern, dass Shinzon im zehnten Kinofilm "Nemesis" entsprechend tituliert wurde, doch wer weiß; vielleicht verzichtete man darauf, weil er Mensch und außerdem Repräsentant der Remaner war. Definitiv falsch ist jedoch, den 'Romulanischen Senat', als der er in „Die Aenar“, „"Das Gesicht des Feindes“, „Unter Waffen schweigen die Gesetze“ oder „Das Nadelöhr“ übereinstimmend bezeichnet wird, in Anlehnung an die gemeinsamen vulkanischen Wurzeln als „Hohen Rat“ zu deklarieren.
Außerdem ist es nicht wahr, dass seit dem Waffenstillstandsvertrag von 2160 keinerlei Verträge mehr zwischen der Föderation und dem Sternenimperium geschlossen wurden. Abgesehen davon, dass ein solcher Schwebezustand bereits an sich unglaubwürdig klingt, wird in der TNG-Episode „Das Pegasus-Projekt“ mit dem 2311 geschlossenen Vertrag von Algeron ein eindringlicher Gegenbeweis geliefert.
Anachronistisch mutet auch die auf S. 265 angesprochene Scheu der Romulaner an, die eigenen Leute opfern. Wie man im Zweiteiler „Wiedervereinigung“ deutlich sehen kann, sind die entfernten Verwandten der Vulkanier entgegen der im Buch erbrachten Behauptungen sehr wohl bereit, auch auf Mitglieder der eigenen Spezies zu schießen.
Neben der verkorksten Darstellung der Romulaner schafft es der Autor ebenfalls, auch die Sternenflottendarstellung zu verpatzen. So ist Worf nicht, wie behauptet, Lieutenant Commander, denn diesen Rang erhält er erst im siebenten Kinofilm „Treffen der Generationen.
Der gröbste Fehler liegt meiner Ansicht nach jedoch in der Miteinbeziehung der USS Independence, eines Schiffes der Constitution-Klasse. Dieser Raumschifftyp, dessen bekannteste Vertreter sicherlich die USS Enterprise NCC-1701 und die USS Enterprise NCC-1701-A gehören, soll vor erst dreißig Jahren außer Dienst gestellt worden sein. Geht man von der Annahme aus, dass die Geschehnisse um 2368 spielen, wären noch 2238 Schiffe dieser Reihe im aktiven Dienst gewesen. Dies wiederum widerspricht den Ereignissen des sechsten Kinofilms „Das unentdeckte Land“, in dem die Enterprise wegen ihres hohen Alters außer Dienst gestellt werden sollte. Es wäre günstiger gewesen, der Autor hätte sich hier eines Schiffes der Excelsior- oder Ambassador-Klasse bedient, um unnötige Verzerrungen der ohnehin schon viel zu oft strapazierten Star-Trek-Zeitlinie zu vermeiden und damit sein eigenes Werk selbst zu degradieren.

Fazit: „Die Beute der Romulaner“ ist ein Roman mit vielen Schwächen. Die Geschichte strotzt vor Schlaglöchern, die Figuren sind nicht konsequent gezeichnet und viele Schilderungen offenbaren bestenfalls Halbwissen auf Seiten des Autors. Selbst das Buchcover spricht nicht unbedingt eine Leseempfehlung aus.
Die Stärken dieses Romans liegen anderweitig verborgen und es heißt nicht umsonst, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen soll (frei nach „The Rocky Horror Picture Show“). Die – allen Widrigkeiten zum Trotz - spannende Geschichte liest sich gut und Hawkes geradezu hellseherischen Ideen sind für den aufmerksamen Leser sicherlich eine nähere Beschäftigung wert.

Denkwürdige Zitate:

Man kann nicht einmal einem toten Romulaner über den Weg trauen.
Riker, S. 93

Ich habe Ihnen bereits gesagt, Picard, daß ich keine übernatürlichen Erklärungen akzeptieren werde
Das gleiche gilt für mich. Eine hochentwickelte Wissenschaft wird allerdings jedem übernatürlich erscheinen, der sie nicht versteht
Ich glaube, das genaue Zitat lautet: >Jede Technologie, die einigermaßen fortgeschritten ist, dürfte denen, die sie nicht verstehen, wie Magie vorkommen.<. Arthur C. Clarke, ein Philosoph und Wissenschaftler von der Erde
Gibt es überhaupt keine romulanischen Sprichworte, die Sie zitieren könnten?
Valak und Picard, S. 133

Im Gegensatz zu euch Faulpelzen auf der Brücke haben wir im Maschinenraum kaum Gelegenheit dazu, Fett anzusetzen, weil wir ständig arbeiten müssen.
Klar, wir sitzen nur gelangweilt rum und spielen Computerspiele auf dem Hauptbildschirm.
LaForge und Riker, S. 238

Bewertung: Ein Roman zwischen präkognitiven Erkenntnissen und konzeptionellen Engpässen.

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Samstag, 25. Juli 2009

Sarek

Für midori

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Buchesprechung Crispin, A.C.: Sarek. Heyne, 1994/1998.

Story: Seit der Explosion des klingonischen Mondes Praxis sind nur wenige Monate vergangen. Auf der Erde herrscht eine Stimmung zwischen Misstrauen und Auflehnung - ein idealer Nährboden für radikale Bewegungen. Die "Interessengemeinschaft Erde den Menschen" tritt offen für einen Zwangsausschluss der Vulkanier aus der Föderation ein und rechnet sich bei den anstehenden Wahlen gute Chancen auf einflussreiche Ämter aus.

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Weltweite Demonstrationen mit Holotransparenten gegen die Abgesandten des Antichrists

Sarek von Vulkan, den berühmtesten Diplomaten des Planeten beschäftigen jedoch gewichtigere Probleme. Er hat Indizien für eine romulanische Invasion des Föderationsraumes ausgemacht, die mit einem geheimnisvollen Volk inmitten der romulanischen Neutralen Zone zusammenhängen: Den Freelanern.
Dieses Volk umgibt seit jeher ein Hauch von Mysterium, denn niemand weiß, wie die Spezies unter den Körper und Gesicht völlig verhüllenden Gewändern aussieht. Doch Sarek hat eine längst zur Gewissheit gewordene Vermutung. Freelan ist ein illegaler romulanischer Außenposten, auf dem entführte Vulkanier dazu erzogen werden, ihr telepathisches Potential gegen die Feinde des Sternenimperiums einzusetzen.
Je mehr Sarek forscht, umso deutlicher wird, wie weit die Kreise reichen, die diese Verschwörung zieht. Freelan, Deneb IV, Qo'noS und selbst die Erde werden zur Zielscheibe einer Intrige, die die instabile Situation nach dem Zusammenbruch des klingonischen Reiches ausnutzen will. Selbst der legendäre Sternenflottencaptain James Tiberius Kirk wird in den Strudel dieser Ereignisse gerissen, als sein Neffe Peter das Opfer einer Entführung wird.
Während Sarek also die Puzzlestücke dieses Ränkespiels eines nach dem anderen zusammensetzt, wird er mit einem einfachen biologischen Problem konfrontiert, dass ihn jedoch fast aus der Bahn wirft. Die Lebensspanne Amanda Graysons, seiner langjährigen Frau und die Mutter seines (mittlerweile) einzigen Sohnes Spock, nähert sich nach plötzlicher Krankheit ihrem Ende. Ihr Tod führt nicht nur zu einem tiefen persönlichen Verlust, sondern auch zu einem neuerlichen Zerwürfnis mit seinem Sohn Spock, der nicht versteht, warum Sarek seine sterbende Frau in den letzten Tagen ihres Leidenskampfes verlässt, um seiner gewohnten Arbeit nachzugehen.
Doch die romulanischen Pläne kennen keine Rücksicht auf persönliche Probleme und so müssen Vater und Sohn ihre Differenzen überwinden, um gemeinsam gegen die Bedrohung zu reagieren. Doch die USS Enterprise NCC-1701-A muss sich nicht nur gegen einen romulanischen Kreuzer, sondern auch gegen eine Flotte marodierender Klingonenschiffe erwehren, die sich der letzten Hoffnung auf eine friedliche Lösung entgegenstellt...

Lobenswerte Aspekte: Schon aufgrund des Umfangs dieses Werkes (524 Seiten reiner Text) hatte ich eigentlich vor, die Rezeption erst einmal auf die lange Bank zu schieben. Doch ein Forenbeitrag ließ mich auf dieses Werk aufmerksam werden. "midori" empfahl mir:

"lies mal ann c crispin - ich könnte 50 rote stifte leerschreiben und ich bin eigentlich keine besserwissernatur."

Dazu gab sie mir ein (nachempfundenes) Leseexempel aus dem angesprochenen Buch:

"Der mond t'kuth hängt wie eine eitrige pestbäule an vulkans rotem himmel und droht, auf sarek hinunterzufallen und ihn unter sich zu zermalmen."

Damit war meine Neugier geweckt. Das Lesebeispiel war aufdringlich farbenfroh, der Text auf dem Buchrücken klang abstrus und erste Recherchen zur Person hinterließen albtraumhafte Eindrücke (nicht erschrecken!!). Ich gestehe, dass ich wieder einmal vorschnell die Arbeit eines etablierten Autors abwertete, ohne sie zu kennen.
Doch als ich mich schließlich dazu durchgerungen hatte, "Sarek" zu beginnen, wurden meine Vorurteile rasch in Luft aufgelöst. Aber warum?
Zuerst einmal muss ich dem Buch eine unglaublich gut aufgebaute Spannung attestieren. Ich hatte tatsächlich Probleme, den Wälzer aus der Hand zu legen, da eine körperinterne Anspannung nach einer katharsischen Auflösung schrie. In fast schon süchtiger Manie verschlang ich die einzelnen Kapitel, auch wenn ihre Abstände untereinander sehr großzügig bemessen waren. Der Roman lebt von einer einzigartigen Atmosphäre, in der man versinken kann.
Die Figuren waren alle ebenso gut getroffen - die etablierten Personen wie Spock, Sarek oder Jim Kirk in gleichem Maße wie die nur peripher in Erscheinung getretenen Kamarag, Peter Kirk oder T'Pau. Von eigenen Kreationen wie Valdyr, Savel oder Taryn kann ich nur voller Lob berichten, denn sie fügen sich, mit großem Einfühlungsvermögen in den Kreis eingeflochten, nahtlos ein.
Daneben beweist Crispin ein großes Einfühlungsvermögen im Umgang mit dem alles beherrschenden Kanon. Sie bettet ihre durchdachte Geschichte geschickt in die Geschehnisse ein und berücksichtigt Filme und Serien gleichermaßen: Hier spricht sie noch von Spocks Un-Tod im dritten Film, während sie ein paar Seiten später die „Reise nach Babel“ thematisiert. Eben noch auf Khitomer, trifft Spock bereits den späteren romulanischen Senator Pardek aus der TNG-Doppelfolge „Wiedervereinigung“.
Abgesehen davon schließt die Autorin sogar tief klaffende Lücken innerhalb des Kanons, ohne direkt auf die eigentlichen Ereignisse zu verweisen. So erfährt der interessierte Leser, dass die Bezeichnung der ersten Ehefrau Sareks als „vulkanische Prinzessin“ auf den mehrdeutigen vulkanischen Titel „Reldai“ zurückgeht, und wahrscheinlich deshalb im fünften Kinofilm entsprechend verwendet wurde. Auch Spocks breites Grinsen im Star-Trek-Piloten „Der Käfig“ wird als Mangel an Beherrschung (vgl. S. 344) interpretiert. Doch ohne Querverweise sind diese Informationen nur für den Leser verknüpfbar, der über ein ausreichendes Faktenwissen verfügt, um einen Zusammenhang mit solch kleinteiligen Informationen herstellen zu können.
Crispin überließ dem Zufall nur wenig. Die meisten Zeitangaben lassen sich eins zu eins ebenso in der „Offiziellen Star-Trek-Chronologie“ der Okudas finden und sogar die 47 findet ihren verdienten Platz in diesem Werk (vgl. S. 102).
Besonders gut gelungen ist es ihr, die Leerstellen im offiziellen Kanon zu füllen (vgl. Nachwort, S. 531). Klärungsbedarf bei bestimmten Aspekten innerhalb der Beziehung Sareks zu Amanda und viele weiße Flecken in der Biografie Spocks werden ausgemerzt und es wundert nicht, dass sich einige biografische Details auf erschreckende Art und Weise lesen lassen, als wären sie aus dem elften Kinofilm entlehnt (Vgl. S. 343ff.). Doch andersherum wird ein Schuh daraus und es ist kein Wunder, dass sie Orci und Kurtzman bei der begabten Autorin bedienten, um Ideen für ihre eigene Story zu sammeln. Die Emotionalität, mit der Spock auf den Tod seiner Mutter reagiert (Vgl. S. 121), erinnert jedenfalls eher an den jungen Commander aus dem elften, als an den besonnenen Botschafter aus dem sechsten Teil.
Schließlich glänzt der Roman auch mit der gewaltigen Menge an Hintergrundinformationen. Abgesehen von topographischen Angaben über Vulkan oder Qo’noS kommt man auch in den Genuss, die Namen vieler zuvor namentlich unbekannter Protagonisten wie Kamarag, Admiral Smillie oder Winona Kirk zu kommen, die hier entweder aufgegriffen oder eingeführt werden. Außerdem erfährt der interessierte Rezipient, dass Kamarag und Kruge verwandschaftliche Bande einten, dass Amanda Sarek auf die Suche nach Spocks Katra schickte und wie der Heimatplanet der Klingonen nach der Praxiskatastrophe aussah. Daneben sind es vor allem aber die tiefen Einblicke in die Kultur der Vulkanier und das Leben Sareks, die dieses Buch so außergewöhnlich machen.
Doch bei all der Lobhudelei kann man schnell den Kern der Kontroverse übersehen. Jeder Autor hat seinen eigenen Stil und seine eigene Vorgehensweise, ein solches Buch aufzubauen. Unbestreitbar ist Crispin mit dem Wechsel zwischen Haupt-Plot, Nebenhandlung, Tagebucheinträgen und Rückblicken ein abwechslungsreicher Mix gelungen, der durch die vielen Perspektivsprünge und Handlungsortswechsel eine gewisse Aussagekraft über die Fähigkeiten der Autorin zulässt.
Doch besonders ihr farbenfroher und stark von blumigen Metaphern geprägter Stil ist so gewöhnungsbedürftig wie geschmacksabhängig. Doch ist das ein Problem?
Im Roman gibt es zwei Sätze, die nun einmal exemplarisch für den gesamten Stil herhalten sollen. Auf Seite 161 findet man etwa „Spock, versuche bitte, deinem Vater nicht zu zürnen.“ Ungewohnt, antiquiert und unzeitgemäß könnte man auf der einen Seite meinen, doch die Formulierung passt durchaus, wenn man sich vor Augen hält, dass der Adressat ein Vulkanier ist, dessen Bildungsstand eine solche Kommunikationsform geradezu provoziert. Damit wird eine Distanz zwischen Menschen, die eine gradlinige Gesprächsführung preferieren, und Vulkaniern, die einen gehobenen Standard bevorzugen geschaffen, der durchaus nachvollziehbar ist.
Sechs Seiten zuvor kann man folgenden Satz lesen: „Spocks Stimme war scharf wie eine Obsidianscherbe.“ Nur selten benutzt heutzutage noch ein Autor eine solche Metapher, doch in einem Science-Fiction-Rahmen empfinde ich diese Ausnahmeerscheinungen nicht als Belastung, sondern als eine individuelle Ausdrucksform, um sich vom Gleichklang der Romane anderer Autoren abzuheben. Mir persönlich hat diese außergewöhnliche Sprachverwendung sehr gut gefallen, denn sie verlangt auch dem Leser ein Verständnisniveau ab, dass in entsprechenden Werken nur selten zum Tragen kommt.
Doch das von „midori“ selbst dem Schreibstil des Romans nachempfundene Beispiel entbehrt nicht einem gewissen Satireeffekt, denn gerade der vulkanische Mond (ja ich weiß, Vulkan hat keine Monde, und es handelt sich in Wirklichkeit um einen Nachbarplaneten) T’Rukh zieht im Roman nahezu magnetartig negative Umschreibungen an. So ist zu lesen, dass der Planet „aufgequollen“ (S. 8) sei, eine „[…] geschwollene Kugel […]“ (S. 101), die „[…] grelles Licht […]“ (S. 351) ausstrahlt. Seine Trabanten werden als „[…] kränkliches Auge […]“ (S. 8), seine Vulkane gar als „[..] eitriger Abszeß auf dem schwefelgelben Antlitz des Planeten“ (S. 9) beschrieben. Auf Seite 139 ist sogar zu lesen, dass das „[…] unheimliche Licht T’Rukhs wie ein ausgetrockneter Totenschädel wirkte.“.
Diese vielen negativ konotierten Umschreibungen sind zwar zugegebenerweise streckenweise auffallend und vielleicht sogar belastend, doch sie helfen dabei, dem beschriebenen Planeten Vulkan die Aura einer lebensfeindlichen und abweisenden Welt zu verleihen. Bei einer sicherlich berechtigten Diskussion um Formulierungen sollte man jedoch nicht den eigentlichen Sinn dieses abstoßenden Himmelskörpers in all seiner Hässlichkeit aus den Augen verlieren: T’Rukh war in seiner Erscheinungsform bereits das gesamte Leben Sareks zugegen und hat ihn durch gute und schlechte Zeiten begleitet. Er sah dessen Familie kommen und gehen, leben und sterben und wird auch dann noch den Himmel zieren, wenn selbst Sarek selbst das Zeitliche segnet (jedenfalls in der „normalen“ Realität). Allein dieses Motiv ist, besonders in Paarung mit den anstößigen Umschreibungen, bemerkenswert lyrisch und verdient daher eine gesonderte Erwähnung.
Besonders lobenswert finde ich daneben, dass der Stil Crispins auch über die Übersetzung gerettet wurde. Natürlich lassen sich die ‚üblichen Verdächtigen’ wie Zeichenfehler, englisch belassene Begriffe wie „Starfleet“ (S. 36), übersetzte Begriffe wie „Raubvogel“ (S. 464, statt „Bird of Prey“), falsch übersetzte Begriffe wie „Diskussegment“ (S. 464, statt „Untertassensektion“) oder Medo-Kombinationen wie „Medo-Zentrum“ (S. 64) oder „Medo-Offizier“ (S. 148) finden und statt ‚Erde’ oder ‚Menschen’ stößt man schon mal auf „Terra“ (S. 244) oder „Terraner“ (S. 38). Außerdem wird die Katra mit einem falschen Geschlecht belegt (vgl. etwa S. 79 oder S. 158) und nur gelegentlich trifft man auf zumindest zweifelhafte Formulierungen wie „[…] gekauert war […]“ (S. 115), „Selbst wenn er selbst […]“ (S. 498) oder „Intelligenzwesen“ (S. 503). Ansonsten ist die Übersetzung angenehm und fehlerarm, was bei dem Umfang sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist. Kein Wunder also, dass dieses Werk 1998 einen siebenten Platz bei die Nominierung für den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie „Beste Übersetzung“ erreichen konnte.

Kritikwürdige Aspekte: Wie bereits erwähnt, schreckt das Buch allein durch seinen Umfang ab. Natürlich lohnt sich die Überwindung, doch es gibt zu viele Beispiele innerhalb der Star-Trek-Roman-Welt, die eine solche Überwindung bestrafen. Auch die Einteilung in lediglich zwölf Kapitel auf 524 Seiten ist eine kleine Herausforderung, die ein Lesen in größeren zeitlichen Abständen definitiv erschwert.
Obwohl ich die Übersetzung mit Absicht in den Bereich „Lobenswerte Aspekte“ verbannt habe, muss ich dennoch auch auf die Grenzen der Übersetzung hinweisen. Abgesehen von einer unsinnig übersetzten Satzstellungsbemerkung (S. 240) sind es besonders die Wortspiele um die Bezeichnung „Miss“ (vgl. dazu S. 419 und S. 481), die sich nicht harmonisch in die deutsche Sprache integrieren lassen. Sie legen nahe, dass dieser Roman trotz der guten Übersetzungsleistung eher im englischen Original gelesen werden sollte.
Ungünstig ist auch, dass es auffällige Parallelen zwischen dem Buch und der vierten Staffel Enterprise gibt. Die IGEM („Interessengemeinschaft Erde den Menschen“) liest sich als Organisation wie „Terra Prime“-reloaded, obwohl das Buch bereits erschien, als die bislang letzte Star-Trek-Fernsehserie noch nicht einmal in Planung war. Da diese jedoch vor der Romanhandlung angesetzt wurde, wirkt diese Bewegung wie ein müder Abklatsch ihres viel fanatischer angelegten Vorgängers und führt nebenbei zu einigen historischen Unstimmigkeiten. Dass die gesamte Organisation wieder in der Versenkung verschwindet, als sich der Plan der Romulaner in Luft auflöst ist sogar unglaubwürdig und es ist schade, dass dieser Erzählstrang trotz seiner anfänglichen Zentrierung so schnell aus dem Fokus und ins erzählerischer Abseits gedrängt wird.
Außerdem war ich erstaunt, dass bereits in dieser Zeit Soran der Assistent Sareks war. Natürlich ist es außer Frage, dass in der Galaxis Namen zweimal oder mehrfach auftreten können, doch der Umstand, dass Soran im gleichen Jahr nochmals auftauchen wird, trägt nicht gerade zur Steigerung der Übersichtlichkeit bei.
Mein größtes Problem mit diesem Roman liegt auf einer völlig anderen Ebene, als man erwarten würde. Weder Stil, noch Anachronismen oder offensichtliche Ähnlichkeiten stoßen mir auf. Mich persönlich störte die extensive Fokussierung auf die telepathischen Fähigkeiten der Vulkanier. Denn mal ehrlich: Der Warpantrieb ist Science Fiction, aber Telepathie ist Fantasy, und Star Trek ist ja nicht Star Wars, um beide Elemente miteinander zu vermischen. Ich fand diese Aspekte an Star Trek stets zumindest fragwürdig und daher bevorzuge ich Bücher, die diese Fähigkeiten möglichst ausklammern.
Doch sie sind Teil der Geschichte, und daher lassen sie sich selten vermeiden. „Sarek“ wäre nicht dasselbe Buch, wenn nicht diese Eigenart der Vulkanier zentriert werden könnte, doch die Geschichte beschreibt offen, dass die Ereignisse im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ ebenfalls nur unter Berücksichtigung der hier geschilderten Intrige zu verstehen sind (vgl. S. 252). Jene telepathische Lenkung, durch die Personen dazu bewegt werden, den Zielen der Romulaner zuzuarbeiten, soll ebenfalls Admiral Cartwright und andere hochrangige Verschwörer kontrolliert und zu ihren Taten angetrieben haben.
Diese Interpretation geht für meinen Geschmack jedoch zu weit, denn die speziesübergreifende Verschwörung zur Kriegsvorbereitung ist einer der zentralen gesellschaftskritischen Grundaussagen des Filmes und dieser den Boden unter den Füßen zu entreißen, empfinde ich als ebenso weit hergeholt wie unnötig.

Anachronismen: Obwohl sich Crispin viele Gedanken um Konzeption und Kanoneinbindung gemacht hat, ist es merkwürdig, dass es dennoch eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten gibt. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Zum einen sind es jene, die der Autorin selbst hätten bewusst sein müssen und zum anderen sind es die logischen Folgen jener neuen Informationen, die in späteren Serien und Filmen ihren 1994 erschienenen Aussagen widersprachen. Die erstere Gruppe ist als ‚unnötig’, die zweite hingegen als ‚unvorhersehbar’ deklariert.

Unnötige Anachronismen:

Es ist das alte Lied: Obwohl im vierten Kinofilm „Zurück in die Gegenwart“ explizit das Gegenteil zu hören war, gibt es auch in diesem Buch eindeutige Bezüge auf ein pekuniäres Finanzsystem im 23. Jahrhundert. So ist von „Kautionen“ (S. 50) ebenso die Rede wie von „Kreditbetrug“ (S. 303). Sarek verhandelt um „Importzölle“ (S. 54), während Kirk über ein „[…] respektables Einkommen […]“ (S. 178) verfügt, das er dazu nutzen kann, um sich „[…] ein kleines Schiff mieten […], (S. 303) zu können.
Anachronistisch mutet auch der Einsatz von „Disketten“ (S. 98) an.

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Umgang unklar - wozu benutzt man Disketten?

Obwohl Crispin gut zur Lebensgeschichte Sareks recherchiert hat, gibt sie dessen Blutgruppe fälschlich mit „Q-positiv“ (S. 456) an, obwohl Spock und sein Vater laut Eigenaussage die Blutgruppe T-negativ teilen (in der deutschen Synchronisation wird mal eben XY-negativ daraus).
Besonders tragisch ist es, dass Crispin den Ereignissen des sechsten Kinofilms so manchen Trugschluss abringt. So ist es schließlich selbst bis in die letzte Serie schlichtweg nicht vorgekommen, dass getarnte Schiffe über Schilde verfügen. Das Schiff, mit dem Jim Kirk, Spock, McCoy, Peter Kirk und Valdyr von Qo’noS fliehen können, verfügt über den Luxus (S. 416), den nicht einmal Changs Schiff hatte – ansonsten wäre es ja wohl kaum durch einen einzigen Torpedotreffer in die Breduille gekommen.
Doch zum Glück helfen auch die Trümmer des ehemaligen Mondes Praxis beim Fluchtversuch und trotz seiner andauernden Meteoritenschauer kann man ihm so etwas Positives abgewinnen. Doch entgegen den Behauptungen des Buches zerstörte Praxis die Ozonschicht des Planeten und daher wird dieser nicht, wie mehrmals behauptet, durch Trümmerstücke, sondern durch Atmospärenverlust bedroht!
Auch mit der zeitlichen Einordnung der Kinofilme kannte sich Crispin nicht sonderlich gut aus. So gibt sie zu Protokoll, Spocks Wiederauferstehung sei vor dreieinhalb Jahren vollzogen worden (S. 158). Die Ereignisse aus dem späten dritten und beginnenden vierten Film (also 2285/2286) sind jedoch eher sechs, sieben oder gar acht Jahre her, da „Das unentdeckte Land2293 spielt.
In diesem Jahr wird übrigens auch die gute alte Enterprise (übrigens Constitution-, und nicht wie auf S. 502 "Constellation-Klasse") eingemottet. Wer erinnert sich nicht an die rührselige Schlussszene, in der Kirk dem Rückkehrbefehl widerspricht, und noch einen letzten Flug des verdienten Schiffes initiiert? Dass sein Schiff noch immer in Betrieb ist, wie im Roman zu lesen, ist jedoch fragwürdig, zumal im selben Jahr der Nachfolger des Schiffes, die USS Enterprise NCC-1701-B, von Stapel laufen wird.

Unvorhersehbare Anachronismen:

Im Tagebuch Amanda Graysons ist 19. September 2293 der letzte Eintrag. Kurz darauf verstirbt die Diplomatengattin und dem Roman bleibt noch immer Handlung für mindestens eine Woche übrig. Ich lehne mich nicht aus dem Fenster wenn ich mal behaupte, dass es mindestens Oktober sein muss, als die im Buch beschriebene zweite Khitomer-Konferenz stattfindet. Doch wie uns der siebente Star-Trek-Kinofilm „Treffen der Generationen“ zeigt, muss im selben Jahr auch noch das nächste Schiff mit dem Namen Enterprise eingesetzt werden, und Kirk bleibt nur noch wenig Zeit, um zur Erde zurückzufliegen, seinen Ruhestand einzuläuten und die Jungfernfahrt der Enterprise-B mitzuerleben…
Ebenfalls fragwürdig sind die Beziehungen zwischen Menschen und Vulkaniern beschrieben. Auf der Seite 43 findet man den Satz „Die vulkanische Präsenz auf der Erde führte bislang selten zu Kontroversen […]“. Jeder Enterprise-Fan wird andere Bilder vor Augen haben: ein wütender Jonathan Archer in „Broken Bow“, xenophobe Erdenbürger in „Zuhause“ oder antivulkanische Proteste in „Dämonen“.
Auch dass es auf Andoria Wüstenpflanzen (oder auf Andor, wie die Autorin behauptet) gibt, die das vulkanische Klima vertragen könnten, wird in Enterprise negiert. Andor ist ein Eisplanet ohne die klimatischen Bedingungen Vulkans. Zwar gibt es auch Eiswüsten und Shran spricht in „Die Aenar“ von „regelrechten Hitzewellen“, doch diese pendeln um eine Temperatur von 0°C – einem Höchstwert, dem die vulkanischen Verhältnisse spotten.
Schließlich bleibt auch anzuzweifeln, dass Klingonen dazu neigen, Hochzeiten je nach sozialem Stand zu arrangieren (S. 73). Martok, laut eigener Aussage in „Der Dahar-Meister“ kein Vertreter des Adels, heiratete schließlich, den im Buch geschilderten Angaben entsprechend, weit über seinem Stand, als er mit Sirella einen direkten Abkömmling der klingonischen Kaiserfamilie („Klingonische Tradition“) ehelichtet.

Fazit: Man kann viel über „Sarek“ behaupten. Man kann behaupten, dass das Buch zu dick ist. Man kann behaupten, dass Ann Crispin irgendwie aussieht wie Roseanne Barr in „Die Teufelin“. Man kann sogar behaupten, dass ihr Stil abschreckend ist.
Doch ich sage das nicht. Im Gegenteil! „Sarek“ ist einer der besten Star-Trek-Romane, die ich bislang gelesen und rezensiert habe. Er ist der glänzend aufgebaut, brillant geschrieben und gut übersetzt – und hebt sich schon allein dadurch von vielen anderen Erzählungen ab.
Natürlich hat das Buch auch seine Mängel in den vielen Anachronismen und der etwas zu weit reichenden Geschichte, doch wer den Mut aufbringt, sich diesem Werk zu widmen, wird nicht enttäuscht werden, den dieser Mischung aus Spannung, Informationsgehalt und Lesevergnügen gelingt es, selbst 524 Seiten Text zu kurz erscheinen zu lassen.

Denkwürdige Zitate:

Die Vulkanier sind die Brut des Teufels. Jeder kann sehen, daß Satan ihnen sein Zeichen aufgedrückt hat. Haben sie keine Augen im Kopf, junge Frau?“ ältere Frau, S. 42

Ich habe seit Jahrzehnten auf Vulkan gelebt und niemals verstanden, wie Vulkanier ohne eine Spur von Eitelkeit so arrogant sein können.“ Amanda Grayson, S. 109

Die Rache ist wie ein Targ und erhebt sich hungrig nach langem Schlaf.“ Valdyr, S. 237

Es ist allgemein bekannt, daß Vulkanier niemals lügen.
Glauben die Leute hier immer noch an diesen ausgemachten Unsinn?“ Malak und McCoy, S. 411

Ich bin Arzt, kein Jongleur.“ McCoy, S. 416

Starfleet würde mich zum Fähnrich degradieren, wenn ich eine Person von ihrer Stellung einem solchen Risiko aussetze.“
Ich bin bereit, ein solches Risiko einzugehen.“ James T. Kirk und Sarek, S. 430

Bewertung: Ohne Untertreibung: Ein Klassiker.

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Dienstag, 14. Juli 2009

Suraks Seele

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Buchbespechung Dillard, J.M.: Suraks Seele. Heyne, 2003.

Story: Die Enterprise NX-01 stößt auf einen sterbenden Planeten. Ein natürlich von Archer geführtes Außenteam wird zum Augenzeugen dieses Untergangs einer ganzen Zivilisation, denn jede medizinische Hilfe, die das mäßig ausgerüstete Erdenschiff anbieten könnte, reicht nicht einmal aus, um die Krankheitsursache herauszufinden.
Und so bedarf es schon einem fremden Energiewesen, um der Crew verständlich zu machen, dass es eine Art Strahlung ist, die die Eingeborenen Oani vernichtete. Allerdings kann selbst dieser „Wanderer“ nicht genau erklären, was für eine Art Strahlung dies sein könnte und daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Mitglieder des Außenteams ebenfalls unter den Folgen dieser unbekannten Beeinflussung zu leiden beginnen: Phlox, Reed und schließlich auch Hoshi Sato fallen ins Koma.
Während die Crew unter Captain Archer auf einer Lösung dieses realen Problems hinarbeitet, sieht sich T’Pol einem philosophischen Dilemma ausgesetzt. In Notwehr musste sie den letzten Überlebenden der Oani betäuben, da er ein Mitglied ihrer Crew attackierte. Doch der Fremdling war bereits so geschwächt, dass er bereits durch die Wirkung eines Betäubungsstrahles das Zeitliche segnete. Daraufhin wendet sie sich ganz der pazifistischen Tradition ihres Volkes zu und verweigert fortan den Gebrauch sowie das Mitführen von Waffen. Erst als der Crew klar wird, dass der Wanderer selbst der Verursacher all dieser plötzlichen Krankheiten ist, muss die Vulkanierin ihre Prinzipien neu überdenken – oder schafft sie es selbst im Angesicht der tödlichen Bedrohung für die restliche Crew, einen friedlichen Weg zur Abwehr des Lebensenergie verzehrenden Wolkenwesens zu finden?

Lobenswerte Aspekte: "Suraks Seele" ist eine kleiner, aber feiner Star-Trek-Roman. Auf den insgesamt nur 179 Seiten Handlung baut sich Stück für Stück eine mitreißende Spannung auf, die durchaus das Potential zur Episodenhandlung hätte.
Die Figuren sind durchaus getroffen und auch typische Elemente der Serie, wie das gegenseitige Einschmieren mit Dekontaminationsgel sind von der Novellisationsveteranin Dillard geschickt übernommen worden. Daneben baut sie viele aus der Serie bekannte Ereignisse mit ein, die der Handlung zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen und stützt sich somit auf den serieneigenen Kanon. So ist es etwa interessant mitzuerleben, wie Phlox seinen zweiten Schlafzyklus erreicht.

Kritikwürdige Aspekte: Bei aller gegebenen Spannung ist die Geschichte merkbar konstruiert und durchsichtig. Das allein ist nicht schlimm, denn die lebhafte Erzählung kompensiert diesen Umstand und es bedarf schon eines wirklich beknackten Endes, um diesen Vorteil Null und Nichtig werden zu lassen. Diese finale esoterische und pseudo-ghandieske Widerstandsidee hätte ich persönlich nämlich eher bei Kanal Telemedial, nicht aber in einem Star-Trek-Roman erwartet.
Wer weiß, vielleicht hatten die aufgrund übermäßigem Genusses californischer Avocados ständig pupsenden Labrador-Hunde, die Dillard laut eigener Angabe in ihrem Schreibprozess behilflich waren (Danksagung, S. 186), doch bewusstseinserweiternder, als der Autorin klar war. Meiner Meinung jedenfalls kann wenigstens das chronische Einatmen toxischer Gase ein für Außenstehende so fragwürdiges Ende und die wiederholte Wiederverwertung von Energiewesen erklären.

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Keine Macht den Avocados!

Doch Dillard ist bei weitem nicht die einzige Person, der hier fragwürdige Entscheidungen getroffen hat. Auch der Übersetzer bekleckert sich, in bester Heyne-Tradition, wahrlich nicht mit Ruhm. Abgesehen von den typischen Fehlern wie Medo-Kombinationen („Medo-Tasche“ S. 18, „Medo-Zentrum“ S. 40 oder „Medoaufzeichnungen“ S. 53), Übersetzungsverweigerungen („Starfleet“ S. 104) oder Übersetzungsabweichungen (S. 76 „Speiseraum“ statt „Messe“) lassen sich auch grammatische Fehler wie „Es tut mir Leid!“ (S. 23) oder „[…] Hoshi mit ihrer außergewöhnlichen lingustischen Wahrnehmung.“ (S. 20) finden. Doch die Menge dieser kleine Fehler ist – schon allein in Anbetracht des Umfangs dieses Werkes – marginal.
Als ungleich störender empfand ich den Gebrauch von exotischen Fremdwörtern. Erst ein Duden aus dem Jahr 1967 konnte mir verraten, dass mit „Lamantine“ (S. 19) ein französisches Wort für Seekühe (Grebe, Paul (Hrsg.): Duden. Mannheim, 1967, S. 415) gemeint ist, und dass sich hinter einem „Chignon“ (S. 137) ein „im Nacken getragener Haarknoten“ (a.a.O., S. 191) verbirgt. Auch dass ein „Kasack“ (S. 111) ein „viertellanges Frauenobergewand“ (a.a.O., S. 373) ist, muss erst mühsam nachgeschlagen werden, um hinter die Bedeutung des so achtlos in den Raum geworfenen Begriffs zu steigen.
Im Gegensatz zu im Alltag durchaus gebräuchlichen und verständlichen Fremdwörtern wie „Toga“ (S. 13), „Quarantäne“ (S. 115) oder „Amöbe“ (S. 180) fehlt den angegebenen Begriffen ein gemeinsprachlicher Hintergrund, und eine Verwendung von „Seekühe“, „Haarknoten“ oder einfach „Hemd“ wären absolut ausreichend gewesen.
Andererseits war ich überrascht, dass mit einer ehernen Heyne-Tradition gebrochen wurde. Auf der Seite 114 lässt sich tatsächlich die Formulierung „deaktivierte“ finden! Kein „desaktivierte“! Da wird man fast wehmütig, dass sich Heyne aus dem Star-Trek-Büchergeschäft zurückgezogen hat, denn in diesem Werk, im Übrigen einem der letzten, das der Verlag überhaupt veröffentlichte, klingt fast so etwas wie Lernfähigkeit und der Wille, Fehler zu verbessern an. Wenn es allerdings knapp dreißig Jahre dauerte, von einem falsch angebrachten „s“ abzulassen, möchte ich lieber nicht wissen, wie lange es gedauert hätte, die deutschprachige Variante „Sternenflotte“ einzuführen oder auf „Medo“-Kombinationen zu verzichten.
Eines schließlich hätte der Übersetzer auch noch korrigieren können.
Das amerikanische Autorinnen von russischen Namen keine Ahnung haben, ist aus europäischer Sicht ja zu erwarten. Doch ein deutscher Übersetzer, geboren in einem Land, dessen eine Hälfte immerhin mehr als 40 Jahre unter sowjetischer Kontrolle stand, hätte ruhig den Namen einer russischen Navigatorin „Borowski“ (S. 131) in „Borowska“ ändern können. Warum?
Nun, in den meisten slawischen Sprachen spiegeln auch die Namen die Zugehörigkeit zum Geschlecht wieder. Natürlich könnte man jetzt monieren, dass in der Zukunft solche Namen verändert werden, doch dass auch Chekov noch immer ‚Pavel Andreievich’ heißt, spricht eindeutig gegen eine solche Reform. Außerdem ist diese Namensangleichung auch grammatisch bedingt und eine Änderung schon allein daher ausgeschlossen.

Anachronismen: Dillard hat fleißig Enterprise gesehen, und an mehreren Stellen angedeutet, dass sie Folgen wie „Zwei Tage auf Risa“ oder „Der Siebente“ gesehen hat.
Allerdings holt der lange Schatten später gedrehter Episoden auch diesen Roman ein.
So wusste Dillard, während sie diesen Roman schrieb, noch nichts über die Xindi-Mission der Enterprise. Hier wird T’Pol in „Impulsiv“ die Strahlung der Substanz Trellium D zum Verhängnis und Phlox ist in der Folge „Auf ärztliche Anweisung“ der einzige, dessen Physiologie in der Lage ist, die Strahlung einer tödlichen Anomalie überleben. Eindrucksvoll widerlegen diese Ereignisse die von T’Pol im Buch aufgestellte Thesen, „Denobulaner sind Strahlung gegenüber empfindlicher als Menschen.“ Und „Vulkanier können Strahlung besser verkraften als Menschen.“ (beides S. 84)
Besonders viel Mühe gab sich Dillard bei der Beschreibung der Familie T’Pols. Wer die Episode „Zuhause“ noch einigermaßen gut im Gedächtnis hat, wird kaum Ähnlichkeiten mit der beschriebenen Person und der von Joanna Cassidy verkörperten Mutter T’Les erkennen können. Weder war ihr Haar „[…] ebenso schwarz wie die Augen […]“, noch verfügte sie über die „[…] dunklere Haut der meisten Vulkanier […]“ (beides S. 32). Auch die Beschreibungen des Vaters, als Sproß einer Sippe mit „[…] mehreren Familiengenerationen […]“ (S. 31) beißen sich mit den Konzeptionsideen, dass T’Pols Vater Romulaner war.
Schließlich ist auch die Absicht der vulkanischen Austauschoffizierin fragwürdig, „[…] zu Suraks strengsten ursprünglichen Lehren […]“ (S. 45) zurückzukehren, denn diese Schriftbelege werden erst zwei Jahre später in „Kir’Shara“ von Jonathan Archer höchstpersönlich wiederentdeckt.

Fazit: „Suraks Seele“ verliert sich nicht in einer endlos beschriebenen Geschichte und unzähligen eng beschriebenen Seiten. Stattdessen wird auf nur 179 Seiten ein rasanter Spannungsbogen entworfen, der durchaus in der Lage ist, den Leser zu fesseln.
Doch die spannende Geschichte des Buches verliert gegen Ende durch eine abstruse Lösung des Problems an Nachvollziehbarkeit. Esoterisch, lebensfremd und unglaubwürdig löst sich die Bedrohung auf und man fragt sich schon irgendwo, warum es überhaupt zu solchen Problemen gekommen ist.
Die Übersetzungsfehler und Anachronismen wiegen, schon allein aufgrund des geringen Umfangs, nicht allzu schwer und im Großen und Ganzen kann man dem Buch zwar keine übergeordnete Stellung unter den Star-Trek-Romanen einräumen, jedoch einen Unterhaltungsfaktor für ein Lesen „zwischendurch“ zugestehen.

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Länger Leben durch Meditation?

Denkwürdige Zitate:

Ladies first.
Ladies first? Was ist das? Eine britische Redensart?
Ich bin mir nicht sicher. Meine Großmutter sagte das immer, wenn sie sich in einer Schlange vordrängen wollte.“
Malcolm Reed und Hoshi Sato, S. 87

Ah, in diesen Zeiten ein Hund sein...”
Malcolm Reed, S. 141

Bewertung: Nicht nachhaltig, aber spannend.

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Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele

Sonntag, 5. Juli 2009

Vanguard 04: Offene Geheimnisse

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Buchbesprechung Ward, Dayton: Vanguard 04. Offene Geheimnisse, cross cult, 2009.

Story: In der Taurus-Region ist eine trügerische Ruhe eingekehrt. Doch kaum ist die Bedrohung der Shedai fürs erste gebannt, da marodieren auch schon Klingonen und Tholianer in der Gegend herum und auch die Sternenbasis 47 sieht ereignisintensiven Tagen entgegen.
Commodore Reyes wartet auf seine Verhandlung und wird von Admiral Nogura abgelöst – einem der ganz großen Strippenzieher innerhalb der Sternenflottenleitung. Und der zierliche Asiat räumt erst einmal gründlich auf: Commander Cooper muss sich nicht länger mit der Stationsverwaltung herumquälen, der vorlaute Jetanien wird in die Schranken verwiesen und der orionische Kaufmannsprinz Ganz muss seine Sachen packen und mit seinem Schiff die Station verlassen.
Trotz des neuen Besens gibt es dennoch genug Dreck, den selbst er nicht einfach wegfegen kann. So muss T’Prynn nach Vulkan gebracht werden, um von der katra ihres verstorbenen Verlobten Stens befreit zu werden. Derweil schafft es selbst Rana Desai nicht, den nobel handelnden Ex-Commodore Diego Reyes aus den Klauen der rachsüchtigen Justitia zu befreien und Ming Xiong wird von den Klingonen entführt, die sich durch ihn einen Sprung in ihren xenoarchäologischen Forschungen erhoffen – schließlich bergen die Waffensysteme der Shedai ein unheimlich großes militärisches Potential…
Doch gerade, als sich für die Föderation alles wieder zum guten wenden will, wird das Schiff, das den verurteilten Reyes zum Antritt seiner Haftstrafe auf der Erde geleiten soll, von einem unbekannten Piratenschiff angegriffen und zerstört. Reyes ist tot – oder etwa nicht??

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Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Viel zu lange schon mussten die Freunde dieser genialen Reihe auf die Erscheinung des vierten Bandes in deutscher Sprache warten. Und das Warten hat sich definitiv gelohnt!
Der geneigte Leser kann in eine Welt aus vielschichtigen Charakteren und ihrer vielseitigen Interaktion eintauchen. Mitreißend und kanontreu wird eine Welt lebendig, die genial mit allen Serien und Filmen verknüpft wird. Hier kommt Nimbus III ins Spiel; dort trifft man auf den aufstrebenden General Chang. Man wird Zeuge der Kolonisation Cestus' III und erlebt den Untergang der Siedlung aus einer Kommandoperspektive mit. Sehr gelungen und gut durchdacht, denn Cestus III nimmt hier den Platz Denevas ein, das bereits im ersten Roman als unfreiwilliger Ort menschlicher Tragödien diente.

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Ganz neue Dimensionen: Jetzt mischen auch noch die Gorn mit?

Bemerkenswert ist, auf welche Weise der Roman eingeleitet und schließlich auch wieder beendet wird. Die Ereignisse um den Frieden von Organia als Grundlage zu nutzen ist so einfach wie genial.
Daneben räumt der Autor Dayton Ward mit Star-Trek-Klischees auf. Klingonen nehmen keine Gefangenen? Von wegen! Der häufig angesprochene Widerspruch wird hier aufgelöst – denn Klingonen sind eben doch nur Menschen – allerdings mit rosa Blut. Ward spielt mit den Kanoninformationen ohne ihnen untreu zu werden. So wird Reyes zu zehn Jahren Gefängnis in genau dem Knast verurteilt, in dem knapp ein Jahrhundert später auch Tom Paris einsitzen wird. Die Shedai setzten sich bereits mit dem Tkon Imperium auseinander und M’Benga wird endlich auf die USS Enterprise versetzt.
Daneben präsentiert das Buch auch Aspekte, die in Serien und Filmen eher stiefmütterlich behandelt wurden. So widmet man sich ausgiebig der Frage, wie das Ansehen der Vulkanier unter der Tatsache leidet, dass die verwandtschaftlichen Verhältnisse der spitzohrigen UFP-Mitglieder zu den Romulanern bekannt werden. Außerdem sind besonders die Exkurse auf Vulkan selbst beeindruckend, denn der Widerspruch zwischen Föderationsmitgliedschaft und der persönlichen Freiheit des Einzelnen sind ebenso subtil wie widersprüchlich dargelegt.
Doch auch ‚unverbürgte’ Informationen schafften den Weg in dieses Buch. Löblicherweise werden hier die aus den FASA-Rollenbspielbüchern stammenden Schiffsklassen Loknar und Saladin erwähnt, die es im eigentlichen Kanon bestenfalls zu Fußnoten gebracht haben…

Kritikwürdige Aspekte: Der vierte Band geht die Sache etwas ruhiger an als seine Vorgänger. Zuweilen kann man den Eindruck gewinnen, dass „Offene Geheimnisse“ nach den drei vorherigen, nahezu in sich geschlossenen Romanen den Beginn eines neuen Zyklus’ markiert, der erst eingeleitet werden muss. Das Buch bildet daher eine Art Anlauf, um auf den eigentliche Kern des Pudels, also der kommenden Handlungsstränge hinarbeitet. Doch das kann nicht als wirklicher Kritikpunkt geltend gemacht werden, denn Ward gelingt es trotz dieses subjektiven Eindrucks, Spannung und Tragik gleichermaßen aufkommen zu lassen.
Desweiteren sind weder Cover, Kapitelgliederung noch Handlung kritikwürdig – eher im Gegenteil. Was also soll man da noch negatives anbringen?
Der erfahrene Blogleser wird es wissen: Natürlich die Übersetzung. Es ist wirklich nicht so, dass sich der Übersetzer nicht angestrengt hätte. Christian Humberg hat einen angenehmen Stil und ich bin ihm durchaus dankbar, dass er „deaktivierte“ (S. 260) statt „desaktivierte“. Andererseits ist er behilflich, der cross-cult-Übersetzungstradition eigene Kontinuitätslinien zu verleihen. Die bereits in Titan angeklungene Dativiesierungkampagne wird unvermittelt fortgesetzt (z.B. S. 67„[…] Fortschritte von Xiong und seinem Team […]“, S. 291 „[…] Klärung von Lieutenant Xiongs Schicksal […]“ oder S. 191 „Laut dem Captain […]“). Ebenso unnötig wie gewohnt ist die abweichende Schreibweise zuvor bereits benannter Termini: aus dem Föderationsnachrichtendienst „FNS“ („Der Vorbote“, S. 326) wird hier „FND“ (S. 23). Daneben gibt es eine ganze Reihe unnötiger Schusselfehler: „Ich mochte ihn besser […]“ (S. 83), „Stolz“ (S. 176, groß statt klein geschrieben), oder „Damit sie sein Gewissen war […]“ (S. 388) sind nur einige Beispiele dieser hier und dort auftretenden Entgleisungen.
Am auffälligsten fand ich jedoch die häufig auftretende Umgehung von „die“ durch „welche“: Bereits im Einleitungstext findet sich auf Seite 5 der Satz „Letztendlich gestattet Reyes dem Journalist Tim Pennington die Veröffentlichung eines Tatsachenberichtes über die Bedrohung, welche die Shedai darstellen.“ Diese Möglichkeit ist in der deutschen Sprache gegeben, um Wortdopplungen zu vermeiden. Allerdings ist sie eher eine Ausnahmeerscheinung als ein alltäglicher Ausdruck. Dessen ungeachtet lassen sich in „Offene Geheimnisse“ immerhin 85 Konstruktionen dieser Art finden – also fast auf jeder vierten Seite. Zum Vergleich: Im zuvor von mir rezipierten Star-Trek-Werk „Die erste Mission“ tauchten solche Jonglierversuche nicht ein einziges Mal auf. Natürlich ist es nicht verboten, das Wort „“welche“ so einzusetzen, doch eine derartige Häufung wirkt im Umgang mit der deutschen Sprache etwas hilflos.
Eines bleibt schließlich auch noch anzukreiden. In der ein- und ausleitenden Bezugnahme auf den klingonischen Angriff auf die Sternenbasis 47 konnte sich der Übersetzer ins fertige Nest setzen, denn die Dialoge des Organiers Ayelborne waren, von einigen Adressatenformulierungen abgesehen, völlig identisch. Um so verwunderlicher, dass in der Föderationsvariante von „Apparaten“ (S. 15) die Rede ist, während die Klingonen „Instrumente“ (S. 437) zu hören bekommen. Wenn hier die Einteilung in „Grad Celsius“ für das Kriegervolk abweichend gewesen wäre (sie nutzen schließlich auch die Einteilung „qelI’qam“ statt „Meter“), hätte ich es durchaus verstanden, doch diese Abweichung ist vollkommen unnötig.
So oder so wäre diese Übersetzung nicht unbedingt eine Referenz, die man sich in die Vita schreiben sollte...

Anachronismen: Erstaunlicherweise sind tatsächlich Unstimmigkeiten zu finden, auch wenn sich der Autor redlich bemühte, sie zu vermeiden.
So wird Arcturus, die Heimat der Arcturianer, als unabhängiger „Freihandelsplanet“ (S. 172) beschrieben, obwohl die eher unbekannte Halbkanonrasse offiziell als Mitgliedsspezies der Föderation geführt wird! Natürlich kann man jetzt auf die zweifelhafte Kanoneinbindung verweisen, die durch die Hintergrundinformationen zu Star Trek Der Film gegeben wurden, doch wenn man sich vor Augen hält, dass die rigellianischen Chelonen, ihres Zeichens das Volk des Botschafters Jetanien, ihre Referenz in der selben Quelle haben, wirkt dies natürlich etwas uninformiert und kontraproduktiv.
Schade fand ich auch, dass der Auftritt des Admirals Komack einer anderen Person als der in TOS bekannt gewordenen Gestalt zugeschoben wird. Zwar bin ich mir relativ sicher, dass der Admiral aus der Episode „Weltraumfieber“ gemeint war, doch dieser trägt seit der Premiere des elften Kinofilms den Vornamen „James“ und nicht, wie im Buch beschrieben, „Franklin“. Also hat der Film es trotz gegenteiliger Versicherungen doch noch geschafft, den Romanzyklus Lügen zu strafen…

Fazit: Das halsbrecherische Erzähltempo vorangegangener Romane ist in „Offene Geheimnisse“ nicht zu finden. Dennoch ist das Buch seinen Vorgängern in den qualitativen Aspekten treu geblieben und verwöhnt seinen Leser mit einer spannenden und sauber recherchierten Geschichte, an deren Ende man sich nichts sehnlicher wünscht, als den nächsten Teil zu lesen.
Egal, ob man einige Anachronismen oder Rechtschreib- und Grammatikfehler findet – auch der vierte Roman der Vanguard-Reihe bietet Unterhaltung, wie keine andere Star-Trek-Buchreihe zuvor. Ein unbedingtes Muss für alle, die auch in der ‚richtigen’ Zeitlinie nicht auf Spannung, Dramatik und verdammt gute Geschichten verzichten wollen.

Denkwürdige Zitate:

Die Föderation ist ein Haufen schwacher Feiglinge, denen die innere Stärke fehlt, sich ihren Feinden in der Schlacht zu stellen. Stattdessen versucht sie, etwaige Gegner mit Worten zu Tode zu langweilen und versteckt sich hinter Lügen und Verrat.“ Lugok, S. 61

Diese Vulkanier sind anders als die, die Sie gewöhnt sind. Scherze und informelle Redewendungen bringen Sie hier nicht weiter.“
Wenn das so ist. Sind sie genau wie die Vulkanier, die ich gewöhnt bin.“
M’Benga und Pennington, S. 216

Ich habe mir T’Prynn nie als jemanden mit einem grünen Daumen vorgestellt. Das gefällt mir.
Die Pigmentierung der Haut auf T’Prynns Daumen entspricht ihrer restlichen Epidermis. Wenngleich die Färbung des vulkanischen Blutes eine derartige Beschreibung evozieren mag. Dennoch ist sie unzutreffend.“
Pennington und T’Nel, S. 252

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So sicher wie der Grüne Daumen

Wie erfrischend faschistisch.“ Pennington, S. 253

Man kann es nicht anders ausdrücken. Klingonen stinken.“ Xiong, S. 307

Bewertung: Keine Achterbahnfahrt, aber trotzdem genügend Loopings!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall

Montag, 29. Juni 2009

Die Anfänge 01. Die erste Mission

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Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Die erste Mission. Heyne, 1986/1989.

Story: Eine Ära geht zu Ende: Der legendäre Captain Pike wird zum Commodore befördert und ein impulsiver junger Mann übernimmt das Kommando, der sich seine Sporen erst noch verdienen muss. Dieser Jungspund, der auf den klangvollen Namen James Tiberius Kirk hört, hat einen schweren Stand bei der alteingesessenen Crew: der erste Offizier Spock denkt über eine Versetzung nach, Uhura verlässt wegen seines Verhaltens die Brücke und selbst der gutmütige Chefingenieur Montgomery Scott hält den neunundzwanzigjährigen Emporkömmling für einen „unerfahrenen Grün…“ (S. 69).
Kirk, der kurz zuvor nur knapp eine katastrophale Mission überlebte, darf seinerseits weder den von ihm präferierten Gary Mitchell zum ersten Offizier ernennen, noch eine von ihm erträumte langjährige Forschungsmission betreuen.
Der erste Auftrag unter seinem Kommando besteht darin, eine Art Zirkusgesellschaft auf ihrer Tour durch verschiedene Sternenbasen zu begleiten. Und so ist es kein Wunder, dass dem unerfahrenen Spätzwanziger ein Missgeschick nach dem anderen widerfährt und seine Autorität auf tönernen Füßen steht.
Doch auf dem Weg zur Sternenbasis 13, einer Föderationsstation, die am Ende einer langgezogenen Ausbuchtung des Föderationsraumes liegt, die tief in klingonisches Gebiet ragt, stößt er auf ein fremdes Schiff. Das merkwürdige Gefährt wird von Wesen bevölkert, die einer anderen Galaxie entstammen und mit denen keine herkömmliche Kommunikation möglich ist. Erst eine Gedankenverschmelzung mit Spock schafft Klarheit; doch durch die Flut fremder Gefühle wird Spocks Leben bedroht. Als schließlich eine ganze klingonische Flotte aufkreuzt, um eine Renegatin zu stellen, spitzt sich die Lage dramatisch zu, denn ein einziger Treffer an der Außenhülle des unbekannten Schiffes kann die Zerstörung hunderter umliegender Welten nach sich ziehen…

Lobenswerte Aspekte: Wer nach Star Trek XI gern wissen möchte, wie die ersten Abenteuer der berühmtesten Raumschiffbesatzung des 23. Jahrhunderts tatsächlich abliefen, findet in der dreiteiligen Romanserie „Die Anfänge“ eine Anlaufstelle. Immerhin hatten Abrams und seine Kollegen bereits während der Entstehungsphase verlauten lassen, dass der ‚neue’ Film weder dem offiziellen Kanon, noch den unzähligen Star-Trek-Büchern widersprechen würde. Wer nun vom Paralleluniversum genug hat, und einen Eindruck davon erhalten will, wie diese Frühphase aussah, kann also getrost ins Bücherregal greifen, und sich ruhigem Gewissens Vonda McIntyres Roman „Die erste Mission“ zu Gemüte führen.
Tatsächlich spielt die Handlung geschickt mit einigen Elementen, die aus Film und Fernsehen über Kirks Vorleben bereits hinlänglich bekannt waren: sein Bruder George Samuel tritt ebenso auf wie sein bester Freund Gary Mitchell oder seine große Liebe Carol Marcus. Die gesamte Crew tritt auf und besonders die Informationen über Hikaru Sulu oder Janice Rand sind interessant geschildert und verleihen den beiden weniger beachteten Charakteren einen Hintergrund.
Außerdem wird klar, wie sehr sich Abrams' Film aus diesem Buch bedient hat. Dass Kirks Mutter Winona heißt, erfahren wir nämlich bereits in diesem Buch. Selbst Kirks anfängliches Interesse für Uhura klingt schon auf den ersten paar Seiten an. Sulu fabriziert ebenfalls einen Navigationsfehler und Uhuras Sorge um Spock wirft interessante Fragen auf.
Toll fand ich auch die im Zuge der Bildbearbeitung erwähnten „Corellianer“ (S. 100) – eine mehr oder minder gut verschleierte Anspielung auf das Grafikprogramm Corel Draw. Doch darüber hinaus sind auch die Anspielung auf Captain Hunter (S. 27, Jeffrey Hunter spielte Pike) oder die auf Seite 21 präsentierten Einschätzungen Spocks über menschliche Bademoden durchaus der Erwähnung wert.

Kritikwürdige Aspekte: Also wer diesem unfähigen Abziehbild James T. Kirks allen Ernstes ein eigenes Kommando verpasst hat, sollte selbst vom Admiral zum untersten Plasmaleitungsschrubber degradiert werden. Kirk ist einfach nicht wiederzuerkennen und erreicht lediglich in wenigen Passagen auch nur ansatzweise die Aura jenes großen Mannes, der mit seinem Namen verbunden wird. Selbst Shatners Eigeneinschätzung in seinem eigenen Romanzyklus ist als gelungener zu bezeichnen!
Nun, auch wenn das erste Kommando der Weltraumlegende sicherlich nicht von einem Tag auf den anderen einen Superheldenstatus rechtfertigt, muss doch festgehalten werden, dass die Autorin keinerlei Einfühlungsvermögen für Charakterdarstellungen zeigt und statt dessen einfache Klischeebilder präsentiert, wie die des Frauenschwarms Kirk oder des mit Gefühlen überforderten Spocks.
Der erste Offizier wirkt erschreckend altbacken und mental absolut unfähig. Auch seine Intelligenz scheint betroffen, denn er beschreibt den Vulkanier Stephen als Vetter (S. 438), obwohl das verwandtschaftliche Verhältnis beider nicht einmal mehr mit „Großcousin“ beschrieben werden könnte. Das ist dem überaus peniblen Charakter gegenüber nun wirklich ungerecht.
Doch auch die anderen Crewmitglieder werden nicht von Fehlbeschreibungen verschont: Uhura ist pflichtvergessen, Janice Rand ein überfordertes Kind und McCoy ein zahnloses Dekoobjekt. Wüsste man es nicht besser, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Darstellung der einzelnen Charaktere ihrerseits aus einem Paralleluniversum stammt, denn der Wiedererkennungswert tendiert zu oft gegen null. Pike ist einfach nur ein Arsch, Kirk ein unfähiger Rüpel und Chekov ein Stalinist.
Die sich bietende Chance, mit den einzelnen Figuren und ihren Entwicklungen zu spielen, blieb sträflich ungenutzt, obwohl sich einige interessante Ansätze anboten, wenn nicht sogar aufdrängten: Scott, der sich zwischen der Enterprise und einem fähigen Kommandanten entscheiden muss; Rand, die sich erst mit den Aufgaben eines Adjutanten zurechtfinden soll oder Uhura, die als eine Art Ersatz für die Position eines Schiffscounselors fungieren kann. Doch all diese Aspekte werden in den Hintergrund, nicht in den Vordergrund gerückt und nehmen der Erzählung den Reiz.
Höhepunkt der völlig verkorksten Darstellung sind allerdings die Klingonen. Sicherlich hat sich McIntyre viele Gedanken bei der Konzeption gemacht, doch die im Buch präsentierte Rasse hat mit dem ausgiebig im Fernsehen vorgestellten Kriegervolk in etwa soviel zu tun wie ein Ameisenbär mit dem Tyrannosaurus Rex. Klingonen sind eben keine Geheimdienstspezialisten, Kopftuchfanatiker oder Oligarchen.
Größtes Problem des Romans ist allerdings die hanebüchene Handlung, die sich auf immerhin 477 Seiten erstreckt. Fliegende Weltraumkatzen, die sich singend verständigen, in einer riesigen Ansammlung von Seifenblasen wohnen und das Universum bewegen können sind ja schon hirnrissig genug. Doch dass diese verschrobene Idee auch noch mit einem Weltraumzirkus, einem homophilen Hippievulkanier und einer homophoben Klingonenrebellin, die keine Lust mehr auf das Burkatragen hat, gekreuzt wird, ist zuviel des Guten.
Besonders die ausgerechnet von Spock zu Besten gegebene Herleitung, warum die Fremden aus einer anderen Galaxie stammen müssen (vgl. S. 313), wirkt so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass man spätestens ab diesem Punkt den Hardcovereinband entnervt gegen den eigenen Vorderschädel schlägt – immerhin hatte sich Spock in der TOS-Episode „Stein und Staub“ noch problemlos mit den ebenfalls extragalaktischen Kelvanern verständigen können.
Das allein wären bereits recht schwerwiegende Kritikpunkte, und ich will lieber nicht auf den zahlreichen technischen (die Gravitation von Objekten im Raum zieht Schiffe aus dem Warp?), kulturellen (Klingonen haben noch eine Kaiserin??) oder bürokratischen (es gibt eine Erstkontaktgenehmigung für Sternenflottenoffiziere, die ablaufen kann???) Logiklöchern herumreiten, denn eines finde ich an dieser Reihe besonders schlimm.
Rechtzeitig zum Start des elften Kinofilms hat sich Heyne nach langjähriger Abstinenz mal wieder auf dem Star-Trek-Büchermarkt betätigt. Doch anstatt einen neuen deutschsprachigen Roman zu veröffentlichen, versucht der Verlag, aus dem neuerlichen Hype Profit zu schlagen und präsentiert die drei Romane der Reihe „Die Anfänge“ vereint in einem Band. Mit aufgewärmter Zweit- bzw. sogar Drittverwertung eigener alter Rechte hofft man scheinbar in bester Ferengimanier, trotz Abkehr vom zu unlukrativen Publikum doch noch ein Stück vom großen Merchandise-Kuchen abzubekommen. Aber die knapp 1470 Seiten, in einem klobigen und unhandlichen Paperback zusammengezwängt, sind noch nicht einmal überarbeitet worden.
So trifft man dementsprechend auf die typischen Hausfehler der Heyne-Übersetzung. Es heißt nicht „Sternenflotte“, „deaktivierte“ oder „Untertassensektion“, sondern „Starfleet“ (S. 18), „desaktivierte“ (S. 246) und „Diskussektion“ (S. 80). Verbunden mit den unsinnigen Medo-Komposita wie „Medo-Team“ (S. 11), „Medo-Akten“ (S. 114) oder „Medo-Sensoren“ (S. 329) rufen sie beim Leser ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit dafür hervor, dass mittlerweile cross cult diese ökonomische Nische neu besetzt hat und den Leser mit solchen Ausgeburten stiefmütterlicher Behandlung von Trek-Termini verschont.
Hinzu kommt, dass die Unkenntnis des Übersetzers Cocktails betreffend wahrlich haarsträubend anmutet. So wird der alterwürdige „Mint Julep“ kurzerhand zu einem „Gewürzwhiskey“ (S. 453) degradiert und aus der „Bloody Mary“ wird mal eben die „Jungfrau Maria“ (S. 41). Weniger Schuld trifft ihn schließlich jedoch daran, dass die „Constitution-Klasse“ ständig als „Constellation-Klasse“ (ab S. 11) deklariert wird. Diesen Fehler und einige grammatische sowie orthographische Fehlgriffe (etwa „[…] um nicht mit den Fingern auf die Armlehen zu trommeln.“, S. 103 oder „siberianisch“ statt „sibirisch“, S. 249) hätte man wenigstens ausmerzen können, um diese mittlerweile dritte Veröffentlichung dieser Bücher zu rechtfertigen.

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Leicht zu verwechseln: Schiffe mit zwei Warpgondeln und solche mit vier

Anachronismen: Wer die Voyagerepisode „“ gesehen hat, weiß, dass Kirks historische Fünfjahresmission 2270 endete, was nach Adam Riese praktisch bedeutet, dass sie 2265 begann. Also muss dieser Roman folglich in diesem besagten Jahr spielen.
Dumm nur, dass McIntyre Kirks Alter mehrmals mit 29 angibt (z.B. S. 13). Folgen wie „Die Spitze des Eisbergs“ oder „Wie schnell die Zeit vergeht“ sowie Filme wie „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ und „Star Trek XI“ lassen Kirks Geburt jedoch auf das Jahr 2233 fallen, was die Handlung plötzlich ins Jahr 2262 verlegt.
Als ob das allein nicht schon verwirrend genug wäre, markiert die Zeit unmittelbar vor Kirks Kommandoannahme den Zeitpunkt, an dem Carol Marcus und Kirk einander kennen lernen. Die Autorin versäumt es nicht, auch die dramatische Trennung der beiden gleich mit zu thematisieren. Das Problem: In der ebenfalls von ihr verfassten Romanversion des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ gibt sie David Marcus’ Alter mit zwanzig an (S. 178), was bedeuten würde, dass Carol Marcus ihren gemeinsamen Sohn 2265 zur Welt bringen würde. Da sie im selben Buch allerdings auch davon spricht, dass Kirk Khan vor 15 Jahren auf Ceti Alpha V das letzte Mal gesehen hätte (S. 180), würde dieser Film 2283 spielen, was für David wiederum bedeutet, dass er bereits 2263, also weit vor der Romanze Carols mit James T. Kirk geboren worden war. Ist er vielleicht niemals Kirks Sohn gewesen?
Um die Verwirrung komplett zu machen, sollte ergänzend erwähnt werden, dass andere Angaben, wie die „Offizielle Star Trek Chronologie“ der Okudas (S. 46) oder im David-Marcus-Artikel bei Memory Alpha das Jahr 2261 als Geburtsjahr führen. Diese Rechnung bezieht sich auf das Alter des leider bereits 1989 verstorbenen Schauspielers Merritt Buttrick, und stützt nur die These, dass, gemessen an McIntyres Darstellung, David ein Kuckuckskind wäre und überhaupt keine genetischen Gemeinsamkeiten mit dem legendären Sternenflotten haben kann.
Kleinere Unregelmäßigkeiten lassen sich daneben auch noch finden: Der Planet Vulkan verfügt sehr wohl über größere Wasserflächen (S. 20; wie man in der ENT-Folge „Kir’Shara“ sehr schön vom Orbit aus sehen kann) und eigentlich sollte Kirk mehr als nur einen Neffen haben (S. 67; vgl. TOS: „Der alte Traum“). Außerdem mutet es sehr befremdlich an, dass der Turbolift trotz gegenteiliger Erfahrungen Bashirs und O’Briens eben doch auf rein akustische Befehlseingabe reagiert (S. 44; DS9 „Immer die Last mit den Tribbles“), obwohl die Handlung des Buches mindestens zwei Jahre vor den in „Kennen Sie Tribbles?“ geschilderten Ereignissen einsetzt.
Trotz der Tatsache, dass der Roman als eine Referenz für den elften Kinofilm gelten kann, beißt sich eine seiner Informationen mit diesem Buch. Entweder ist Spock nämlich ein - im wahrsten Sinne des Wortes - 'alter' Lügner oder die Drehbuchschreiber haben etwas überlesen. Denn als Kirk das Kommando der USS Enterprise übernimmt, ist sein Vater bereits tot (S. 67) und kann den Triumph seines Sohnes eben nicht miterleben.
Das nervigste Element dieses Romans ist allerdings sein ständiger Bezug auf monetäre Finanzwirtschaft. McIntyre selbst verfasste auch die Novellisation zum vierten Star-Trek-Film „Zurück in die Vergangenheit“; und daher sollte sie eigentlich aus erster Hand wissen, dass dort von Kirk selbst bestätigt wird, dass es in der Zukunft kein Geld mehr gibt!
Dem zum Trotz finden sich unzählige Belege für Geld und seine Bedeutung in diesem Buch: Man braucht es, um Päckchen zu verschicken (S. 21), um sich medizinisch versorgen zu lassen (S. 143) oder sogar, um Bildung zu erwerben (S. 189)! Was ist mit den Idealen einer sich selbst verwirklichenden Menschheit geworden?
Die Zukunft klingt hier noch kapitalistischer als heute, obwohl diese Beispiele nur einen Bruchteil der im Roman angeführten Nennungen ausmachen. Natürlich war es schon immer ein Markenzeichen Star Treks, die Zukunft als Parabel auf die Probleme der heutigen Zeit darzustellen und natürlich gab es auch bei Star Trek einige Belege für Finanzwirtschaft, doch McIntyres Beschreibungen sind nicht nur voller Ungereimtheiten, sondern erinnern eher an die Ferengi, als an eine Welt voller idealistischer Menschen.

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Zuviel Geld in einem Buch

Fazit: Es ist in der Tat löblich, die Anfangsjahre als Roman zu thematisieren. Und tatsächlich hatte dieses Buch somit einen erheblichen Einfluss auf den offiziellen Kanon, nicht zuletzt dank seiner Leser Roberto Orci und Alex Kurtzman, die sich fleißig an den Details dieses Romans bedienten. Doch auch ohne diesen ‚Adelsschlag’ ist dieses Werk genau wegen dieser Zusatzinformationen so lesenswert.
Doch dieser Einblick hat seinen Preis. Die Charaktere sind unheimlich schlecht getroffen, die Handlung ist haarsträubend und die vielen kleinen Fehler nervtötend.
McIntyre überbetont den Gebrauch von Geld und tritt die Zeitlinie, die durch ihr Werk eigentlich bereichert werden sollte, mit Füßen. Dadurch verlieren sich die Vorteile des Buches, denn auch wenn es interessante Informationen enthält, sollte das Hauptaugenmerk eines Romans nicht auf kleinen Details, sondern auf dem großen Inhalt liegen.

Denkwürdige Zitate:

Ich liebe dich, Jim. Aber wir leben nicht auf einem Wüstenplaneten.“ Carol Marcus, S. 18

Ja ich glaube schon. Während einer Überbevölkerungskrise erfordert die Geburt eines Kindes den Tod eines Erwachsenen, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Aus diesem Grund wurde eine Art Lotterie entwickelt, mit der man entschied, wer sterben mußte. Ihre Bräuche sind … faszinierend. Nicht besonders wirkungsvoll, aber interessant. “ Spock erklärt sich die Erdentradition, zur Geburt eines Kindes Zigarren zu rauchen, S. 38

Mhm. Schmeckt toll. Schokolade. Mag ich besonders gern. Der wichtigste irdische Beitrag fürs gastronomische Spektrum der Galaxis.“ Vanli, S. 57

"Vulkanier und Kinder. Tritt nie vor Vulkaniern und Kindern auf – ein Rat meines Vaters.“ Amelinda Lukarian, S. 279

Ihre Zivilisation – wenn es überhaupt angebracht ist, einen solchen Ausdruck zu verwenden – hat einen hohen Degenerationsgrad erreicht.“ Klingonischer ‚Direktor’, S. 452

Bewertung: Ein zu schwer verdauliches Stück Star-Trek-Geschichte.

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Weiterführende Leseliste:

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze