Montag, 25. Mai 2009

Titan 03: Die Hunde des Orion

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Buchbesprechung Bennett, Christopher L.: Titan 03: Die Hunde des Orion. Cross cult, 2006/2009.

Story: Endlich ist es soweit: Die USS Titan bricht zu neuen Ufern auf. Doch das Ziel der ausgedehnten Reise, der Gum-Nebel, entpuppt sich schnell ein als krasser Gegensatz zu dem All, das Riker und seine Crew zu kennen glauben.
Der Weltraum und seine unendlichen Weiten sind nämlich gar nicht so lebensfeindlich und leer wie allgemein behauptet, sondern beherbergen eine Vielzahl von angepassten Lebewesen, die ihn bevölkern. Wie in einem planetaren Biotop tummeln sich auch dort bekannte und unbekannte Kreaturen und wie in jedem funktionierenden Ökosystem auch gibt es Jäger und Gejagte.
Doch als Captain Riker die einseitige Entscheidung fällt, Partei für eine empfindungsfähige Rasse von Weltraumquallen zu ergreifen, zerstört er damit ein uraltes Gleichgewicht. Die Pa’haquel, deren Lebensinhalt die Jagd auf die verschiedenen Lebensformen der Region ist, können nun nicht mehr die toten Körper dieser Wesen nutzen, um andere, viel gefährlichere Wesen, davon abzuhalten, ganze Welten zu zerstören.
Als der Crew der Titan endlich bewusst wird, welche Auswirkungen ihr Handeln hatte, beginnt sie den Versuch, einen Dialog zwischen den Gejagten und den Jägern zu eröffnen, um beide Seiten vom Nutzen einer Kooperation zu überzeugen. Doch Missverständnisse, Intrigen, Gewohnheiten, Unverständnis und Ablehnung zerstören die ersten erzielten Erfolge und das Sternenflottenschiff gerät in eine Falle der Jäger, die nun der Föderationstechnologie habhaft werden wollen, um ihre alte Lebensweise wiederherzustellen…

Lobenswerte Aspekte: „Die Hunde des Orion“ kreuzt verschiedene Episoden wie „Mission Farpoint“, „Der Telepath“ oder „Das Recht auf Leben“ miteinander und bündelt die Idee kosmozoanen Lebens zu einem völlig neuen Konzept. Entgegen vorangegangenen Darstellungen quillt das All nicht nur vor planetarem Leben, sondern auch vor Geschöpfen, die den offenen Raum nutzen wie Fische das Wasser, über.
Die Pa’haquel, sozusagen die Norweger in dieser „Space-Whale-Watching“-Episode, werden als interessante Spezies dargestellt, auch wenn die Jagd ihre gesamte Existenz zu bestimmen scheint. Die Frage, wo Jagen aufhört und Töten beginnt, bestimmt diesen Roman ebenso wie das Motiv Technik vs. Natur, doch der Autor Christopher L. Bennett scheut sich auch nicht, kleine Exkursionen zu unternehmen und nahezu nebenbei Themen wie die Waffenpolitik in den USA kritisch zu hinterfragen.
Desweiteren ist positiv anzumerken, dass Bennett in den einzelnen Dialogen viel Gewicht darauf legt, mögliche Widersprüche im Keim zu ersticken. Alle Hintergrundinformationen über bereits etablierte Lebensformen wie den Sternenquallen oder den Kristallwesen setzt er durch die Charaktere ausgesprochene Erklärungen hinzu und geschickt räumt er auf diese Weise entstandene Unstimmigkeiten aus dem Weg. Er spielt schließlich sogar mit der Konzeptionsgeschichte TNGs, als er die Ähnlichkeiten zwischen Riker und Will Decker andeutet, und weist damit unterschwellig darauf hin, dass die Verwendung und der Ausbau bereits etablierter Ideen ein Teil der Star-Trek-Saga ist.
Selbst die Referenzen zu anderen Episoden sind mal subtil und mal offensichtlich, sodass der Leser sich sogar manchmal fragen muss, welcher Episode diese Anspielung zugeordnet sein könnte. In diesem Zusammenhang sei auch noch positiv angemerkt, dass der Autor am Ende seines Buches die wichtigsten Folgen, auf die sich sein Roman bezieht, nochmals auflistet.
Wie in keinen anderen Titan-Buch zuvor ist die Crew der Star dieser Erzählung. Die Einblicke ins Leben der äußerst divergenten Crew reichen von intim bis banal und erst in diesem Band erhält man einen wirklich konkreten Eindruck davon, wie schwierig das Zusammenleben an Bord eines so kosmopolitischen Schiffes sein muss. Dass auf dem Cover endlich eine Abbildung Dr. Rees, des heimlichen Stars der Reihe, zu finden ist, ist nur ein weiteres Schmankerl.

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fressen oder gefressen werden - Nur das Überleben zählt

Kritikwürdige Apekte: Die Moral der Geschichte kommt streckenweise mit dem Holzhammer und hat mit dem Begriff „Metapher“ nur oberflächlich zu tun. Ohne Frage ist die Grundidee gut, aber im Gesamtkontext wirkt dieser Band wie Star Trek IX: Es wäre eine nette Episode, aber es ist keine so glänzende Idee für einen Film. Wer also die ganze Reihe als eine Art neue Serie interpretiert, hat sicherlich seinen Spaß, aber wer erwartet, dass dieses Werk mit einer epischen Handlung aufwartet, sollte sich nicht allzu großen Erwartungen hingeben.
Eine Sache unterscheidet die Handlung jedoch grundlegend von der des Kinofilms Der Aufstand: Riker bricht die erste Direktive! Man kann man drehen oder wenden wie man will, doch ohne sich über beide Seiten zu informieren ergreift er Partei für die Fraktion, die seiner Frau am sympathischsten ist und seine Rechtfertigung dafür ist in meinen Augen alles andere als stichhaltig. Es ist kein Wunder, dass er so lange im Schatten eines großen Mannes stand, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen, denn wenn Riker wirklich solch eklatante Gesetzesbrüche fabriziert, hätte er besser Commander bleiben sollen…
Mit dem auf die restliche Besatzung gelegten Fokus hat Bennett außerdem die Charaktere der Stammcrew zu oft nicht getroffen. Besonders Tuvok zeigt ein ausgeprägtes Maß an Kontrollverlust, wie man es bei all seinen mentalen Auseinandersetzungen im Delta-Quadranten nur selten beobachten konnte. Und warum sein Eheweib so eine Art vulkanische Hausfrau sein soll, entzieht sich meinem Verständnis für Logik.
Schließlich sollte auch noch erwähnt werden, dass mich die Pa’haquel in einigen Aspekten stark an die Tseetsk aus „Ketten der Gewalt“ erinnert haben und damit die Anzahl vogelartiger Spezies, die eigentlich nur in TAS-Episoden zu sehen waren, unnötig vergrößert wird.
Die Übersetzung hatte bei diesem Buch kein leichtes Spiel. So sind die Wortspiele um den Gum-Nebel im Deutschen zwar verständlich, aber lange nicht mehr so witzig wie im englischen Original.
Doch das Buch macht, abgesehen von wenigen orthografischen Fehlern, grammatisch dort weiter, wo seine Vorgänger aufgehört haben: in der totalen Dativisierung der deutschen Sprache!
Nichts mehr mit veralteten Genitiven wie „Das soll jetzt keine Herabsetzung Ihrer oder der Flotte sein[…]“, „[..] der Rest des Außenteams Commander Trois […]“oder „[..] an der Seite lebendiger Himmelsträger […]“ – statt dessen in regelmäßigen Abständen brachiale Dativformen wie „Das soll jetzt keine Herabsetzung von Ihnen oder der Flotte sein.“ (S. 33), „[..] der Rest von Commander Trois Außenteam […]“ (S. 178) oder „[…] an der Seite von lebendigen Himmelsträgern […]“ (S. 358)!
Natürlich ist Sprache stets im Wandel begriffen, aber das ist noch lange kein Grund, sie mit Stahlkappenstiefeln in die Richtung zu treten, die der Übersetzerin am genehmsten erschien.

Anachronismen: Weit ab vom Föderationsraum und in einer unerforschten Region des Alls allein auf sich gestellt gibt es nur wenig Platz für Anachronismen, zumal Bennett penibel darum bemüht ist, sie auszumerzen.
Doch Titan markiert, wie bereits in der ersten Rezension angemerkt, zusammen mit der Vanguard-Reihe eine neue Generation von Werken, in dem auch andere Romane berücksichtigt werden. Besonders wenn man die vielen Rückbezüge bedenkt, die auch in „Die Hunde des Orion“ auf Geschehnisse der „A time to…“-Bände basieren, wird dies besonders deutlich.
Daher mutet es schon etwas merkwürdig an, dass der chelonische Rigellianer Kuu’uit so vollkommen anders dargestellt wird, als in der Vanguard-Reihe, in der der ebenfalls chelonische Rigellianer Jetanien völlig abweichend beschrieben wird. Dabei könnte ich durchaus damit leben, dass sich diese Spezies in Hautfarbe und Essgewohnheiten unterscheidet, doch zwei Münder für eine Person sind nicht nur einer zuviel, sondern auch doppelt übertrieben.
Was ich mich außerdem ständig fragte: Jeder Mensch, der schonmal einen Wellensittich hatte, weiß aus erster Hand, dass diese kleinen Vögel pro Stunde schonmal zwei bis vier Köttel fabrizieren. Als nun die ebenfalls vogelähnlichen Pa'haquel auf den lebendigen Quallen dienten und deren Arterien nicht länger für Abflusszwecke mißbrauchen konnten - wohin haben die ihre Häufchen gemacht? Das würde mich echt mal interessieren...

Fazit: Dieser Roman überrascht den Leser mit einem völlig neuen Blickwinkel auf das Leben im All und hebt sich dadurch von anderen Romanen ab. Bennett lässt eine neue Welt lebendig werden, die Star-Trek-Fans in dieser Form zuvor nur erahnen konnten.
Die Crew des Forschungsschiffes wird in den Mittelpunkt gerückt und auch wenn dies teilweise zulasten der etablierten Charaktere geschieht, ist dieses Buch genau deswegen so reizvoll.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, denn ob Riker wirklich eine solche Entscheidung treffen würde, ist zumindest fragwürdig. So bleibt der Leser mit einem Gefühl zurück, das an den neunten Star-Trek-Kinofilm erinnert.

Denkwürdige Zitate:

Sie hat das Herz eines Kriegers.“ Worf über Spot, S. 21

Sie sind definitiv immer noch scharf.“ Vale zu Troi, S. 154

Was denken Sie, was sie sind, die spanische Inquisition?“ Praglasch Haaj zu Keru, S. 172



Der Haken ist, dass die Fehler, die wir als Captain machen, viel mehr Schaden anrichten können, als der Fehler eines Commanders, Lieutenants oder anderer Normalsterblicher.Robert de Soto zu Will Riker, S. 199

Nur Soval konnte nach Andoria gehen.“ T’Pel zu Tuvok, S. 266

Selbst eine schwache Festung wird halten, wenn sie nicht angegriffen wird.“ Tuvok zu Troi, S. 268

Bewertung: Außergewöhnlicher Roman mit gewöhnlichen Abstrichen.

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Weiterführende Leseliste:

Titan 01: Eine neue Ära
Titan 02: Der rote König
Titan 03: Die Hunde des Orion
Titan 04: Schwert des Damokles

Titan 05: Stürmische See

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