Samstag, 9. Mai 2009

Titan 02: Der rote König

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Buchbesprechung Mangels, Andy; Martins, Michael: Titan 02. Der rote König. Cross cult, 2005/2009.

Story: Die USS Titan ist, nachdem sie von einer Raumanomalie erfasst wurde, plötzlich in der Kleinen Magellanschen Wolke, einer Begleitgalaxie der Milchstraße angekommen. Schon bald bemerkt die Crew um Captain Riker, dass sie dieses Schicksal nicht nur mit den etwa zwei Dutzend gesuchten romulanischen Warbirds sondern auch mit dem Schiff Commander Donatras und einem klingonisches Schlachtkreuzer teilt.
Doch die Ankunft der Fremden ist für viele Neyel, die diesen Teil des Raumes beherrschen, nur eine Nebenerscheinung eines viel bedeutenderen Ereignisses. Die alte Prophezeiung eines erwachenden „Schläfers“, der sämtliches Leben in dieser Galaxis auslöschen wird, scheint mit dem Auftauchen der seltsamen Erscheinung bewahrheitet worden zu sein: Newaerth, eines der Planetensysteme der von Menschen abstammenden Neyel, ist bereits von der bedrohlichen Erscheinung erfasst worden und verschwunden.
Tatsächlich gelingt es der Titan-Besatzung herauszufinden, dass es sich bei dem „Schläfer“ um die ersten Anzeichen eines neu entstehenden Protouniversums handelt, dass den Raum, in dem sich die Milchstraße, die Kleine Magellansche Wolke und überhaupt das gesamte uns bekannte Universum befinden, langsam zerstört, um ihn für die eigenen Umweltansprüche zu transformieren. Zu allem Überfluss findet die wissenschaftliche Abteilung des Sternenflottenschiffes desweiteren heraus, dass es Anzeichen intelligenten Lebens innerhalb dieses sich ausbreitenden Universums gibt und dies stellt Riker nun vor das Dilemma, den "Schläfer" nicht einfach auslöschen zu können.
Nachdem die Titan in Kooperation mit dem Wardbird Donatras schließlich die Rettung der verschwundenen romulanischen Flotte gelingt, verschlimmert sich die Situation unversehens weiter und auch die Heimatwelt der Neyel beginnt plötzlich, sich langsam aufzulösen. Doch obwohl die Kooperation zwischen Romulanern und Föderation bis hierhin gut funktionierte, verweigert Donatra es nunmehr, der Titan bei der Evakuierung des Planeten Oghen Unterstützung zu gewähren.
Allein auf Rikers Schultern lastet also die Verantwortung, die Kernwelt der Neyel zu evakuieren, dem „Schläfer“ Einhalt zu gebieten und Schiff und Besatzung wieder heil nach hause zu bringen...

Lobenswerte Aspekte: Natürlich ist es gemein für jene, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber die Titan wird nicht nur für den Fortbestand der Neyel sorgen, sondern auch wieder in den Beta-Quadranten zurückkehren und den „Schläfer“ zurück ins Traumland befördern. Schließlich gelingt es dem Captain sogar ENDLICH, einen Sinnspruch für die Widmungsplakette zu finden.

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UMUK - Ein Grund zum Anstoßen

Es gelingt den Autoren so, allzu offensichtliche Ähnlichkeiten zu den Abenteuern der USS Voyager zu umgehen und tatsächlich den Fokus kommender Romane wieder auf die nähere Umgebung des Föderationsraumes zu legen. Sobald die Titan wieder die heimatlichen Gefilde erreicht, stellt sich eine Vorfreude auf kommende Bücher ein, deren Handlung wieder in einer vertrauten Gegend angesiedelt ist und dem geneigten Leser über das aktuelle Tagesgeschehen einer Föderation in einer Zeit informiert, über die man so schnell nichts neues mehr erfahren wird.
Doch zurück zu diesem, in einer anderen Galaxie verwurzelten Teil der Titan-Saga: Der gesamte Roman hat anscheinend aus den Fehlern des ersten Teils gelernt, denn viele Aspekte sind mit mehr Feingefühl beschrieben. So wurde die Beziehung zwischen Keru und Hawk nicht mehr ganz so pubertär geschildert und auch Commander Vale fällt nicht mehr durch vulgärsprachliche Ausrutscher auf.
Dankbar war ich auch dafür, dass eine Frage gestellt wurde, die mir schon seit längerem unter den Fingernägeln brennt: Warum gibt es so viele Menschen auf den Sternenflottenschiffen? Und warum haben Menschen, selbst wenn es eine größere Anzahl außerirdischer Besatzungsmitglieder gibt, trotz allem die Führungspositionen inne? Eine wirklich gute Frage, auf die nicht einmal Riker eine Antwort weiß. Dieser ironische Umgang mit den eigenen Logikschwächen, der meiner Meinung nach im von Admiral Akaar an Tuvok gerichteten Satz „Es muss ermüdend für sie sein, immer wieder Tausende von Lichtjahren aus dem Föderationsraum geschleudert zu werden.“ kulminiert, macht den Roman recht unterhaltsam und trägt sogar zur Steigerung der Glaubwürdigkeit bei.
Auch die immer wieder aufgegriffenen Informationen aus verschiedenen Star-Trek-Filmen und -Episoden unterstreichen die Verankerung der Geschichte in einem größeren Rahmen. So wird etwa das Protouniversum aus der DS9-Folge „Der Trill-Kandidat“ angesprochen, Rikers in der VOY-Episode „Todessehnsucht“ beschriebener Vorfahr Thaddius Riker thematisiert und der Vergleich der Storr Lofi mit dem Pandorianer Bem ist sogar der TAS-Folge „Gefährliche Prüfung“ angelehnt. Immer wieder finden sich daneben Querverweise auf Ereignisse, die in verschiedenen Büchern nachzulesen sind. Unbekannte Storyelemente hingegen, die bereits im ersten Teil Fragezeichen auf die Stirn zauberten, wie etwa die Ereignisse um das Zerwürfnis zwischen Tuvok und Akaar, werden detailliert aufgearbeitet und nachgetragen.
Abschließend sollten auch einige formale Aspekte lobend erwähnt werden. Die Kapitellänge ist äußerst angenehm und der Lesekomfort verstärkt sich dadurch, dass in den einzelnen Kapiteln auch noch weitere logische Untereinteilungen eingefügt wurden, weiter.
Der Titel des Werkes, der, einer guten alten Star-Trek-Tradition folgend, auf ein literarisches Vorbild anspielt, ist clever mit der Erzählung verwoben und verdient es, gesondert erwähnt zu werden. Auch die Konzeption der Neyel-Sprache, die als Art Pidgin-Englisch funktioniert, bewirkt etwa bei Begriffen wie „Klomter“ (S. 21) statt „Kilometer“, „Vangar“ statt „Vanguard“ (S. 210) oder schließlich den „Oh-Neyel“ statt „O'Neill“ (S. 210ff.) überraschende Wiedererkennungserlebnisse, die der eigentlich unglaubwürdigen Geschichte um die Neyel einen Funken Nachvollziehbarkeit verleiht.

Kritikwürdige Aspekte: Obwohl es durchaus Sinn macht, die Star-Trek-Bücherwelt miteinander zu verbinden, in dem man auch den Inhalt vorangegangener Bücher aufgreift, leidet die Sache im deutschen Sprachraum unter dem Umstand, dass zu viele der betreffenden Werke nie auf deutsch erschienen sind. Zwar werden die Ereignisse noch einmal kurz angesprochen, so dass man keinen direkten Nachteil davonträgt, aber es hinterlässt beim Rezipienten das unangenehme Gefühl, schlecht informiert zu sein. Wenn sich der Verlag cross cult also entscheiden würde, dementsprechende Romane ebenfalls zu veröffentlichen, wäre dies für den deutschsprachigen Leser von großem Vorteil und vor allem von großem Interesse. Vielleicht wäre ein Sammelband mit relavanten Romanen und Kurzgeschichten ja auch ein willkommenes Zubrot für den kleinen Verlag...
Doch zurück zum Roman. Ziemlich doof stößt auch immer wieder auf, dass in diesem Roman eine verflucht große Menge an Zufälle zum Tragen kommt. So sind "zufällig" Tuvok und Adm. Akaar an Bord der Titan, die sich im Neyel-Raum trotz der achtzigjährigen Abwesenheit noch immer bestens auskennen. "Zufällig" beschäftigt sich eines der Besatzungsmitglieder der Titan in seiner Freizeit mit den Computersystemen von Romulanern und "zufällig" ist die Luft innerhalb des ausgehöhlten Asteroiden, der die Neyel vor 200 Jahren hierher brachte, noch immer atembar. Der glücklichste "Zufall" für die Autoren besteht allerdings darin, dass die Schachbretter und ihre Figuren an Bord der Titan nicht wie auf anderen Schiffen der Sternenflotte in klassischem Schwarz-Weiß, sondern, wie Pommes an der Frittenbude, rot-weiß gehalten sind, denn ansonsten hätte der Titel dieses Romans keinen Sinn gemacht.

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Schneeweißchen und Rosenrot – Literatur und Schach treffen aufeinander

Hinzu kommen noch einige Ungereimtheiten, die verschiedene Charaktere betreffen. Warum kennt sich Donatra so gut mit menschlichen Redewendungen aus und warum kenne noch nicht einmal ich als Mensch alle davon? Warum muss der Asteroid, mit dem die Oh-Neyel einst die Kleine Magellansche Wolke erreichten, ausgerechnet „Vanguard“ heißen? Wie zum Teufel sind die Autoren auf die Idee gekommen, dass es unter den verschiedenen Crewmitgliedern, die auf der Titan arbeiten, ausgerechnet einen Horta gibt?
Größter Kritikpunkt ist allerdings der stiefmütterliche Umgang der Übersetzerin Stephanie Pannen mit der deutschen Sprache. Ohne doofe Witze auf Kosten des Namens machen zu wollen, muss man doch festhalten, dass ihr dort einige Fehlgriffe passiert sind.
Die bereits im Vorgängerroman „Eine neue Ära“ nervigen Dativkonstruktionen mit „von“ werden hier nicht nur fortgeführt, sondern auch in ihrer Anzahl weit übertroffen. So liest man ständig eigenartige Formulierungen wie „[...] in der Nähe von romulanischem Raum […]“ (S. 79) „Ein telepathischer Alarm von unserem roten König?“ (S. ) oder „[...] nach Meinung von Dr. Ree [...]“ (S. ) statt „[...] in der Nähe romulanischem Raums [...]“ „Ein telepathischer Alarm unseres roten Königs?“ oder „[...] nach Meinung Dr. Rees [...]“, und diese Beispiele sind nur ein Bruchteil der Menge, die innerhalb dieses Buches mehrmals pro Kapitel zu finden sind.
Im Zusammenspiel mit anderen Fehlern bei der Interpunktion, grässlichen Verwechslungen von „dass“ und „damit“ (z.B. „[...] damit man die trockene Atmosphäre [...] einatmen konnte [...]“ auf S. 55 oder „[...]damit der Vulkanier [...] etwas anderes zu sich nahm [...]“ auf S. 56) oder Übersetzungsabweichungen wie „Triebwerksleistung“, „Schmerzstöcke“ oder „Yacht des Captains“ belegt es trotz eines abweichenden Verlags, dass der Übersetzung von Star-Trek-Romanen hierzulande noch immer eine viel zu geringe Aufmerksamkeit zuteil wird.

Anachronismen: Tuvok, der laut „Tuvoks Flashback“ nach einer Dreijahresmission seine Dienstzeit auf der Excelsior beendete, soll, den Informationen dieses Buches nach, fünf Jahre auf dem Schiff Sulus gedient haben.

Fazit: Der zweite Teil der Titan-Serie schafft es tatsächlich, seinen Vorgänger einzuholen, ohne ihn allerdings zu überholen. Die Story ist um Längen besser, aber um tradierte Gewohnheiten wie etwa eine mit grammatischen Regeln des Deutschen nur schwer vereinbare Übersetzung, auszumerzen, fehlte den Verlegern scheinbar der Mut. Warum sollte man auch den gemeinen Leser von Star-Trek-Romanen durch saubere Satzbildung, fehlerfreie Schreibweisen oder durch die Verwendung von an der Serien und den Filmen orientierten Begriffen grundlos verwirren?
Nichtsdestotrotz schafft es dieser Roman, die versprochene „Neue Ära“ anzudeuten und verstärkt die Neugier auf weitere Titan-Abenteuer.

Denkwürdige Zitate:

Vulkanier sind niemals 'melodramatisch', Commander.“, Tuvok, S. 36

Aber zeige mir ein Raumschiff, das nicht in irgendeinen Konflikt verwickelt oder mit unvorhergesehenen Rückschlägen konfrontiert wurde, während es mit neuen Lebensformen und Zivilisationen zu tun hatte, oder mit abenteuerlichen Konsequenzen durch Raumanomalien umgehen musste … und ich zeige dir ein Raumschiff, das nur in irgendeinem Lehrbuch der Sternenflotte existiert.“ Deanna Troi, S. 53

Er ist der analfixierteste Bolianer, dem ich jemals begegnet bin. Vielleicht ist er deswegen so ein hervorragender erster Offizier.“ Cpt. Akaar, S. 54

Ja, und ich dachte gerade, was für eine tolle Überraschung es war, heruaszufinden, dass bajoranische Männer nicht nur auf ihrer Nase Riffel haben.“ Cmdr. Vale, S. 318

Bewertung: Um Längen besser als sein Vorgänger.

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Weiterführende Leseliste:

Titan 01: Eine neue Ära
Titan 02: Der rote König
Titan 03: Die Hunde des Orion
Titan 04: Schwert des Damokles
Titan 05: Stürmische See

Kommentare:

  1. Hier mal ein Interview mit Andy Mangels: http://www.startrek.com/article/andy-mangels-talks-trek-novels

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  2. Wie man die Titan Reihe gut finden kann, ist mir ein Rätsel. Die Charactere sind so flach wie Papier und heulen die ganze zeit nur rum. Sie sind farblos und einfach nur vorhanden. Die handlung ist wirr und bassiert auf einem anderen Buch, dass mich genau sowenig interessiert.
    Das einzig interessante war der Heel Turn der Romulanerin. Genauso hinterfotzig müssen die sein. Die beste romulanische Aktion seit langem.
    Ansonsten ist alles viel zu politisch korrekt.Die Leute sind durch die Bank dermassen schleimig, dass es zum kotzen ist.

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