Montag, 19. Oktober 2009

Der letzte Schachzug

Buchbesprechung Ford, John M.: Der letzte Schachzug. Heyne, 1984/1988.

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Story: Die Klingonische Gesellschaft ist für Menschen schwer zu verstehen. Auf der einen Seite von dekadenten Adeligen geführt, kontrolliert ein starker Geheimdienst die Bevölkerung. Dem Tod wird nicht, wie etwa auf der Erde üblich, mit Angst oder Trauer begegnet und die gesamte Existenz einzelner Individuen kann mit dem großen Spiel, dem entfernt Schach ähnelnden komerex zha gleichgesetzt werden.
Vrenn, ein junges Waisenkind, ist ein ausgezeichneter Klin-Zha-Spieler und wird nach überwältigenden Erfolgen vom unumstrittenen Großmeister dieser Disziplin adoptiert. Im mondänen Wohnsitz des Generals Kethas lernt Vrenn die Feinheiten des Spiels genauer kennen und reift zu einem versierten Taktiker heran.
Schon rasch nach Antritt seines Militärdienstes steigt er in rasantem Tempo die Karriereleiter empor und als er ein eigenes Kommando angeboten bekommt, wähnt er sich am Ziel seiner Träume angekommen. Doch die Sache hat einen Haken: Der Preis für sein erstes eigenes Schiff ist der Verrat an seinem Ziehvater Kethas.
Aber Krenn, wie sich der junge Captain nun nennt, ist bereit, dieses Opfer zu bringen und rasch wird er zu einem der erfolgreichsten Kommandanten der Flotte. Kein Wunder also, dass man ihm einen besonderen Auftrag übergibt: Mit einem Kreuzer, dessen Waffensysteme deaktiviert sind, soll er in das Gebiet der Föderation fliegen, und den ersten Diplomaten der Menschen nach Qo'noS geleiten.
Obwohl er mit Argwohn an diese Aufgabe geht und die Mission durch ein nahe stehendes Besatzungsmitglied fast in einem Fiasko endet, knüpft Krenn freundschaftliche Bande zu dem außergewöhnlichen Menschen. Als er ihn nach Jahren wieder zur Erde bringen soll, bedauert er diesen Schritt zutiefst.
Doch die diplomatische Reise bringt mehr Erkenntnisse als gedacht, denn sowohl auf der Seite der Sternenflotte, als auch auf der der Klingonen sind Kräfte am werkeln, die dem brüchigen Frieden ein Ende setzen wollen...

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butlh ghajbogh nuv'e' yIHo'

Lobenswerte Aspekte: Wenn man bedenkt, dass dieses Buch bereits 1984 auf dem amerikanischen Büchermarkt auftauchte, kann man eigentlich nur anerkennend mit der Zunge schnalzen.
Schon allein die Idee, einen Roman im Roman zu schreiben, ist für diese Pionierzeit der Star-Trek-Romane herausragend, vor allem dann, wenn man sich einmal vergleichend andere zeitnahe Publikationen wie "Das Klingon-Gambit" oder "Das Netz der Romulaner" ansieht. Das Werk ist sinnvoll in verschiedene Teile gegliedert und deren Einleitung mit klingonischen Sinnsprüchen passt sich gut in die laufende Handlung ein.
Gewagt, aber überaus gelungen ist der Schachzug, Kirk, McCoy und Spock zu Nebenfiguren einer inhaltlich und zeitlich völlig abweichenden Handlung zu degradieren, wobei kleinere und größere Referenzen innerhalb des Klingonenen-Romans auf Pille (vgl. S. 187ff.) oder Spock (vgl. S. 203ff.) immer mal wieder die eigentlichen Helden ins Gedächtnis zurückrufen. Doch gerade die Tatsache, dass Crewmitglieder der Enterprise nur genutzt werden um die eigentlichen Story einzuleiten (vgl. S. 7ff.), um sie mit nichts weiter als einem Logbucheintrag Kirks zu beenden (vgl. S. 329f.), macht diesen Roman so besonders und zu einem Vorreiter von eigenständigen Romanserien wie Peter Davids Reihe "Die neue Grenze", denn die Entwicklung unabhängiger Charaktere auf diese Weise darzustellen, eröffnet neue Perspektiven.
Dabei soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass sich dieses Werk von seinem Original entfernen würde - ganz im Gegenteil! Mit Verweisen auf Triskelion (vgl. S. 29), saurianischen Brandy (vgl. S. 127) oder den klingonischen Teufel (vgl. S. 266) wird einfühlsam und subtil auf TOS-Epsioden wie "Meister der Sklaven", "Kirk:2=?" oder "Das Gleichgewicht der Kräfte" verwiesen, ohne sich in quälenden Endlos-Rückblenden zu verlieren. Besonders beeindruckend ist die Integration Carter Winstons in die Geschichte (vgl. S. 286ff.), da mit seinem Auftritt auch dem Trickfilmableger TAS ein Platz im Reigen der offiziellen Quellen zuteil wird.
Schließlich sind auch der ironische Umgang mit vorhersehbaren Handlungselementen (vgl. S. 172), die augenzwinkernde Betrachtung von Demonstrationskultur auf der Erde (vgl. S. 176) und die Erwähnung von Schiffen der Mann-Klasse (vgl. S. 147), der Rickenbakker-Klasse (vgl. S. 157) und der Baton-Rouge-Klasse (vgl. S. 214) berücksichtigt die "Star Trek Spaceflight Chronology", die zur damaligen Zeit noch als Standardwerk für das Star-Trek-Universum galt, und erst im Laufe von TNG bedeutungslos wurde.

Kritikwürdige Aspekte: Auch wenn Kirk anders denken mag, und Spock "[...] fast zweihundert Kopien [...]" (S. 329) des Buches für die Schiffsbibliothek der USS Enterprise bereitstellte, hält dieses Werk bei weitem kein inhaltliches Feuerwerk bereit. Die Handlung ist mäßig, die Figuren sind nicht immer überzeugend und die Namenswelt im Deutschen etwas gewöhnungsbedürftig: Über einen "Kothke" (vgl. S. 92) kann man vielleicht, ab einem gewissen Reifegrad noch hinwegsehen, doch warum ein Manager ausgerechnet "Akten" (S. 33) heißen muss, ohne dass man den Namen durch eine Schriftanpassung etwas abhebt, bleibt ein Geheimnis des Romans.
Noch mysteriöser die unverständliche Moral. Natürlich geht es, wie es Mitte der achtziger Jahre 'hip' war, um Atomwaffen und das Gleichgewicht des Schreckens, doch der viel zu umständliche Weg, um diese Balance zu erhalten, verzerrt die Lehre, die der Leser aus der Handlung ziehen soll, viel zu stark.
Der Spannungsgrad ist starken Schwankungen ausgesetzt; während die Kapitel über Krenns Aduleszenz und sein Dienst auf den verschiedenen Schiffen spannend zu lesen sind, sind die Geschehnisse auf der Erde vergleichsweise langatmig und zäh, und gute Ansätze, wie die Rückkehr von Charakteren wie Kelly oder Zharn, werden durch einen Mangel an Informationen zu ihrer Vergangenheit und die halbherzige Einbindung in den größeren Handlungskorpus gehörig gegen den Baum gefahren.

Übersetzung: Wie heißt es auf Seite 15 so schön?

"Ein italienisches Sprichwort lautet: traduttore, tradittore - der Übersetzer ist ein Verräter."

Recht hat der Mann! Auch hier wird natürlich fleißig an der gewohnten Synchronisation gehässiger Verrat begangen. Wieder einmal tauchen Begriffe auf, die in der deutschen Synchronisation der Reihe nicht zu hören sind. So liest man von "Kriegsschwalben" (S. 86), vom "Diskus" (S. 149), dem "Solaren Senat" (S. 173) oder "terrestrischen Streitkräften" (S. 283). Auch "romulanisches Bier" (S. 8) und Rands Ernennung zum "Verwaltungsoffizier" (S. 7) sollten in dieser Auflistung nicht fehlen, die auch durch die merkwürdige Formulierung "Flugboot" (S. 152) Ergänzung finden sollte. Natürlich dürfen auch verschiedene Formen des "Desaktivierens" (vgl. S. 62, S. 129 oder S. 258) und die unnötige Verwendung des Präfixes "Erg-" (vgl. S. 263 und S. 288) keinesfalls vergessen werden!
Doch weder die merkwürdige Wortwahl und falschen Begriffe noch die wenigen Flüchtigkeitsfehler (z.B. S. 50: "Maibli" statt "Mabli"), sondern die verwirrende Übersetzung stören beim Lesen.
So wird der englische Begriff "Marines", der in etwa mit "Fusstruppen" oder "Infanterie" wiedergegeben werden kann, hier schlecht mit "Marine" (S. 91) übersetzt, was im Deutschen jedoch in einem direkten Gegensatz zur häufig erwähnten Flotte steht, und der Übersichtlichkeit keineswegs zugute kommt. Und wenn man schon die "Sternenflotte" mit "Starfleet" (S. 9) so beibehält, wie im englischen Original, warum macht man sich dann die Mühe, Schiffsnamen wie "Blaues Feuer" (S. 85)", "Todeshand" (S. 87) und Fechter" (S. 122) in unsere Sprache zu übertragen, nur um die "Flying Fortress" (S. 157) englisch zu belassen? Immerhin existiert mit der Bezeichnung "Fliegende Festung" ein gebräuchliches deutsches Äquivalent!

Anachronismen: Aber weder die Handlungsschwierigkeiten und Figurenschwäche, noch die Spannungsschwankungen und Übersetzungsmängel spielen den Königsmörder für dieses Buch, sondern seine Unzahl an Anachronismen - und mit 'Unzahl' meine ich, dass ich bei allem guten Willen wirklich nur einen Bruchteil dieser vielen Fehler überhaupt wiedergeben kann.
Wie aber konnte es dazu kommen?
In erster Linie liegt dies darin begründet, dass der Autor John M. Ford den Klingonen, wie man sie als böse Gegenspieler aus TOS bis dahin kannte, mehr Hintergrund verleihen wollte.
Aus diesem Grund schuf er beispielsweise eine eigene Sprache für das Kriegervolk, die er Klingonaase nannte (vgl. S. 177). Und tatsächlich nehmen häufig verwendete Begriffe wie "Kai" (vgl. S. 109 oder S. 136), "g'dayt" (vgl. S. 98 oder 143) oder "khest" (vgl. S. 91 oder S. 148) hier den Gebrauchswert ein, den Begriffe wie "petaQ" oder "Qapla'" bei späteren Serien besetzen.
Da liegt jedoch auch gleich das Problem. Die spätestens seit dem dritten Kinofilm "Auf der Suche nach Mr Spock" 'offizielle' Klingonensprache, das vom Linguisten Marc Okrand entworfene 'thlIngan Hol', hat das Klingonaase in den Abgrund des Vergessens gestoßen, und folgende Serien wie TNG, DS9, Voyager und sogar Enterprise hielten sich an Okrands Entwurf fest, ohne Fords Sprachvariante auch nur einen Funken Aufmerksamkeit zu schenken. Somit plagt man sich während des gesamten Buches mit einer halbausgegorenen Fantasiesprache herum, der jegliche Relevanz fehlt.
Doch es kommt noch schlimmer. Auch wenn die TOS-Klingonen ganz anders aussahen als in den Filmen und der Serie, schloss sich spätestens seit den ENT-Folgen "Die Heimsuchung" und "Die Abweichung" der Kreis, und die kulturellen, sozialen und sprachlichen Eigenarten der Spezies wurden damit de facto in eine Traditionslinie gesetzt.
Die Beschreibungen Fords erzählen allerdings von einer ganz anderen Gesellschaft, die in so vielen Punkten vom heute etablierten Klingonenbild abweichen, dass sie kaum wiederzuerkennen sind. In ihrer Dekadenz, Todesverachtung, Aristokratie, Taktikbesessenheit und Intrigenspinnerei sind die hier beschriebenen Figuren eher mit Romulanern wie dem Captain in "Spock unter Verdacht" vergleichbar, kaum aber mit den kampfeswütigen Stirnwulstträgern, die man sonst kennt, und gerade diese Überschneidungen lassen jene Unterschiede schmerzlich vermissen, die beide Spezies beispielsweise bei TNG deutlich voneinander unterschied.
Viele kleine Details verstärken diesen Eindruck noch weiter: Klingonen haben Götter (vgl. S. 14 und "Die Front") und einen Imperator (vgl. S. 245 und "Der rechtmäßige Erbe"), schlafen auf Matratzen (vgl. S. 69 und "Wiedervereinigung, Teil 1") und glauben an ein Jenseits auf Raumschiffen (vgl. S. 78 und "Die Barke der Toten"). Hinzu kommt, dass sie statt klingonischem Blutwein dauernd saurianischen Brandy trinken (vgl. S. 126 und S. 132) oder einen StaSi-gleichen Geheimdienst unterhalten (vgl. S. 133ff.), doch noch weniger glaubhaft sind die Ausssagen, dass klingonische Captains viel Büroarbeiten erledigen müssen (vgl. S. 217), Kaffee den Erfindern des Raktajinos unbekannt ist (vgl. S. 71) und dass die ach so tapferen Krieger vor dem großen Geschäft stets die Klotür abschließen (vgl. S. 236).

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bathl ghob yIab

Zu den sprachlichen und kulturellen Fehlgriffen gesellen sich schließlich auch noch einige temporale. Der Roman, dessen Handlung um 2220 herum angesiedelt sein soll, markiert angeblich die nicht nur die Erfindung des Transporters (vgl. S. 218ff.), sondern auch den Durchbruch der Warp-Fünf-Grenze (vgl. S. 10), was jedoch schon längst Alltag auf der 2151 vom Stapel laufenden Enterprise unter dem Kommando Jonathan Archers ist. Dieser stellte auch den Erstkontakt zu den Klingonen her (vgl. S. 10) und legte die Strecke, für die Krenn hier bei Warp vier über ein Jahr brauchen soll, bei etwa gleicher Geschwindigkeit innerhalb weniger Tage zurück (vgl. S. 134 und "Broken Bow"). Doch wer weiß, vielleicht kannte Archer ja auch eine Abkürzung? Oder ist er auf ein Wurmloch gestoßen? Eines, dass ihn vielleicht in der Zeit zurückkatapultierte?
Das würde jedenfalls auch erklären, warum die Gründung der Föderation, an der Archer ja laut "Stunde Null" beteiligt war, mal eben in die dreißiger Jahre des 22. Jahrhunderts verlegt wurde.
Doch diese Fehler sind vor allem in der Verwendung der "Spaceflight Chronology" begründet, die 1987 bereits mit der ersten Staffel TNG ad absurdum geführt wurde, 1984 jedoch noch eines der maßgeblichen Werke zur Star-Trek-Zeitlinie darstellte. Dass Ford ferner den Aussagen später gedrehter Folgen und Filme widersprach, liegt in der Natur der Dinge, und kann dem leider bereits verstorbenen Autor eigentlich nicht vorgeworfen werden.
Bei allem Verständnis stören jedoch die Verweise auf Geldwirtschaft (vgl. S. 15, S. 146, S. 180, S. 185, S. 191, S. 192, S. 264, S. 265 und S. 300), der Fortbestand des Fernsehens (vgl. S. 175 und "Die Neutrale Zone") und der USA (vgl. S. 164 und "Kontakte"), die Verortung der Babelkonferenz auf der Erde (vgl. S. 283 und "Babel One") oder die abweichende Beschreibung von Rigelianern (vgl. S. 265 und "Dämonen"). Dass dann auch noch die RADE, die uns bei ENT unter dem Namen Terra Prime und in Crispins Roman 'Sarek' als IGEM vorgestellt wurde, auftaucht (vgl. S. 267), macht den schalen und abgestandenen Geschmack dieses Werkes perfekt und es scheint dabei fast unerheblich, dass Ford immerhin der erste war, der mit dieser Idee auftrumpfen konnte.
Den Abschluss dieser Fehlersammlung soll, wie im Buch auch, mit dem Logbucheintrag des Captains der Enterprise enden (S. 329):

"Ich denke auch an die vielen und nun nicht mehr löschbaren Logbucheinträge, in denen ich die Klingonen als 'grausame und heimtückische Mörder' bezeichnete. [...]
Nun, unsere Erfahrungen mit den Klingonen sind nicht gerade sonderlich angenehm, aber ich glaube, in Zukunft werden ich in Bezug auf meine Lochbuch-Formulierungen vorsichtiger sein.

In der Zukunft? Dem Unentdeckten Land? Das hab ich aber ganz anders in Erinnerung...

Fazit: Für seine Zeit war dieses Buch sicherlich ein außergewöhnliches Werk, doch mittlerweile ist es längst ein trauriges Beispiel für einen weiteren Roman, der vom offiziellen Kanon rücksichtslos eingeholt wurde.
In Sprache, Kultur und Zeit, aber auch in anderen Bereichen widerspricht "Der letzte Schachzug" mittlerweile allem, was TOS, TAS und den ersten zwei Kinofilmen an Star Trek folgte. Die magere Story, der unbeständige Spannungsbogen und die abweichende Übersetzung tun ihr Übriges, um dem Lesen heute den Sinn zu nehmen und den wenigen positiven Aspekten gelingt es nicht, das verzerrte Bild wieder zurecktzurücken.

Denkwürdige Zitate:

"Eine Frage, die töricht erscheinen mag, ist törichter Ignoranz vorzuziehen."
Kethas, S. 73

"Es gibt da eine Sache, die in den Büchern unerwähnt bleibt. Ich meine die Stelle - die einzige Stelle - an der Orionerinnen nicht grün sind."
Kothke, S. 92

"Ich mache mich jetzt auf den Weg, um die Windeln meines Enkels Leonard zu wechseln und ich verspreche ihnen, dass ich dabei an Sie denken werden."
Thomas Jackson McCoy, S. 191

"Ihre Technik findet gewiß das Interesse unserer Physiker. Bestimmt werden sie sich fragen, warum Ihr Transportersystem einen so gräßlichen Lärm macht."
Krenn, S. 214f.

Bewertung: Kein 'Kai' dem Buch!

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Kommentare:

  1. Hey Turon47!

    Herzlichen Glückwunsch zur 47. Rezi!

    Alles Gute!

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  2. Ja, Glückwunsch.

    Allerdings finde ich eine Bewertung von 2 zu wenig. Die Geschichte ähnelt an vielen Stellen einem Kammerspiel. Es stimmt zwar, dass der Spannungsbogen so stark variiert, dass es schon fast Kammerflimmern ist, doch diese Atmosphäre findet man in Star-Trek-Romanen nur selten bis gar nicht. Dieser Aspekt hätte mich dazu bewogen, drei Punkte zu geben.

    Aber weiter so. LG

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  3. Bedauerlicherweise sind einige der hier vorgestellten Fehler nicht auf den Autor John M. Ford zurückzuführen, dessen Buch 1984 veröffenlicht wurde, sondern vielmehr darauf, dass sämtliche nach Ford's Roman folgenden Stories/Filme/Serien seine Einführung in die klingonische Kultur mißachten. Die im Roman sehr ausführliche dargestellte Klingonische Kultur hat wesentlich mehr Inhalt & Tiefgang hinsichlich Philosophie, Strategie, klingonischem Kampfgeist und dessen Hintergründe, zum Schachspiel und insbesondere dessen wesentlich komplexerer klingonischen Variante (als Basis für klingonische Kampf-Strategien) sowie zur klingonischen Religion deren Basis hier eben gerade der Nicht-Glaube an Götter ist, als alles was danach in Stories/Filmen/Serien zu Star-Trek je entwickelt wurde.

    Im Prinzip wirft die von turon47 eingestellte Kritik dem Roman vor, dass er sich sozusagen rückwirkend nicht an die erst danach in weiteren Stories/Filmen/Serien entwickelten Eigenarten des Star-Trek-Universums hält und diesen widerspricht. Eine seltsame Logik.

    Richtig ist vielmehr: Hätte sich das zeitlich nachfolgende Star-Trek-Universum besser an Ford's Roman orientiert, dann hätte es nicht erst eines Worf's bedarft, um den tumpen klingonischen Kämpfern ein bißchen Geist einzuhauchen.

    Vollends verrückt wird turon47's Kritik, wenn er dem Roman Fehler oder temporale Abweichungen vorwirft, die allein dadurch entstehen sollen, dass Ford's 1984 erschienenes Werk nun ausgerechnet zeitlich nachfolgenden Stories/Filmen/Serien wie beispielsweise Archer's Enterprise widerspricht. Spock würde ob einer solch obskuren Logik nur noch die Augenbraue hochziehen.

    Abgesehen davon: der Roman gleicht einem Schachspiel klingonischer Art - konkret der hochkomplexen sog. reflektiven Variante, die auf dem Schachbrett zweier Gegner nur Figuren einer Farbe kennt, dessen Feinheiten sich erst nach mehrmaligem Lesen offenbaren.

    Darüber hinaus gestatte ich mir die Korrektur einiger Details: Captain Krenn hat seinen Ziehvater Kethas epetai Khemara nicht verraten, er siegte durch ausgezeichnete strategische Kenntnisse und durch seine Fähigkeiten als Steuermann in einer - ohne sein Wissen - sich aus den Handlungen seines Ziehvaters entwickelnden Schlacht. Der daraus folgende Tod des Ziehvaters durch Verrat & Mord sowie die erzwungene Ablegung des väterlichen Namens sichert hier das Überleben des Sohnes, der durch seine anschließend entwickelte Strategie mit Abschluss des Romanes u.a. Rache an den Mördern seines Vaters nimmt.

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  4. Moin Andre Boine;

    Einmal vorweg: Ich hab mir mal erlaubt, den zweiten, identischen Post zu löschen. Ich freu mich zwar generell über Kommentare, doch zweimal das selbe zu lesen, ist dann doch zu viel des Guten.

    Zur Kritik, der ich mich stellen muss: Der offizielle Kanon ist in meinen Augen der Leitfaden, an dem man sich zwangsweise orientieren muss, und nicht die Bücherwelt,
    die ich, wie man sicherlich sehen kann, dennoch sehr schätze.
    Wenn also im Kanon und in den Büchern Unterschiede auftreten, dann hat immer das Zelluloid Vorrang vor dem Papier, wie die Klingonen im Besonderen erfahren mussten.
    Das kann man nun positiv, als auch negativ betrachten; ich für meinen Teil ziehe das Klingonenbild aus den Filmen und Serien dem Fords vor, zumal mich hier die Klingonen wie erwähnt mehr an Romulaner erinnerten, als an die Kriegerkultur, die heute den Begriff prägt.
    Da sind wir dann auch gleich beim zweiten Kritikpunkt, der allerdings häufig für Verwirrungen bei verschiedenen Lesern sorgt. Ich gestehen daher:
    Ja, ich werfe zuweilen Romanen aus den achtziger Jahren vor, nicht mit den Informationen aufwarten zu können, die in den Serien und Filmen der neunziger Jahre und des beginnenden 21. Jahrhunderts mit Ereignissen übereinzustimmen.
    Das mag 'verrückt' klingen, allerdings geschieht das aus dem Anspruch heraus, überprüfen zu wollen, inwiefern damalige Werke unter Berücksichtigung des heute gefestigten Kanons bestehen können und ob sich das Lesen solcher mittlerweile überholter Werke überhaupt noch lohnt. Die letzten dreißig Jahre sind schließlich eine Zeitspanne, in der im Star-Trek-Universum eine Menge passiert ist.
    Gerade "Der letzte Schachzug" ist dahingehend zwar ein interessantes, jedoch längst von Widersprüchen eingeholtes Werk mit Klingonen, die selbst von Laien heutzutage nur mit viel Fantasie wiedererkannt werden können. Dass es dennoch noch immer einen harten Kern von Leuten gibt, die diesem mittlerweile überholten Klingonenbild die Treue halten, kann ich nachvollziehen, denn im Gegensatz zu den plötzlichen Veränderungen auf der Leinwand und dem Bildschirm, sind die Klingonen der frühen Bücher 'gewachsen' und orientieren sich an der TOS-Darstellung. Ob diese Darstellung jedoch über mehr 'Geist' verfügt, als die der Serien und Filme, lasse ich mal dahingestellt.

    Schließlich auch zur Kritik an dem 'einigen Details': Ich persönlich empfand Krenns Abkehr von Khemara als Verrat. Die undankbare Art und Weise, dem ermordeten Wohltäter den Rücken zuzuwenden und dessen Tod so widerstandslos hinzunehmen, war in meinen Augen einer der romulanischsten und unklingonischsten Momente im gesamten Buch.

    MfG

    Turon47

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  5. Guten Abend turon47,

    Danke für Deine Antwort und auch Deine Einordnung & persönliche Sichtweise auf den Star-Trek-Kosmos. Wahrscheinlich war ich etwas angekrätzt, da für mich Krenn vor Worf der erste Klingone mit etwas Hirnschmalz und eben nicht die tumbe Hau-drauf-Maschine war.

    Das Buch empfindet offenbar jeder anders, für mein Empfinden werden die häufig hohlen, dummen und leeren Phrasen wie "Ehre", "Kriegergeist", "Kampfstrategie" etc. erst darin mit Leben gefüllt. Von Worf einmal abgesehen, kam mir der Rest an Klingonen im Star-Trek-Kosmos, nunja immer zu Steroid-mäßig vor. Das Ehre-Gequatsche hatte immer was von Blut-und Boden-Romantik (eben hohl, aber ohne Inhalt), zumindest für mein Empfinden.

    Zusätzlich werden in diesem Roman auch klingonische Legenden bspw. zu Kahless erklärt, in den Serien (auch TNG) war da bisher (zumindest bei den von mir gesehenen Folgen) immer zu wenig an Inhalt ohne Erklärung.

    Wir kommen da wahrscheinlich beide aus verschiedenen Richtungen: die Serien haben aus meiner Sicht ein intelligentes, tiefgründigeres Klingonenbild immer vermissen lassen, was vielleicht ebenso auf die Romulaner zutrifft. Da hätte mehr kommen können.

    Der von Dir empfundene Verrat an Kethas wird sicher auch durch meine Worte kaum eine Veränderung erfahren, ich versuchs dennoch: hätte Krenn sich im Moment des durch den Vater Kethas verübten Verrat am Imperium zu seinem Vater bekannt wäre er auch sinnlos (eben nicht ehrenvoll) gestorben, einfach durch Mord derjenigen, die ihn mit dem Tod seines Vaters konfrontierten, erst Recht nicht im Kampf. Nicht zu vergessen: er war zum Zeitpunkt des Mordes an seinem Vater ein kleiner pobeliger Kadett, beim Vatermord nicht dabei - konnte ihn also nicht verhinden, der Ruf des Vaters als Verräter des Klingonischen Imperiums durch Geheimnisverrat an die Romulaner ruiniert. ("Sie müssen jetzt Ihren Namen ändern.") Das Ablegen des väterlichen Namens war somit strategisch richtig.

    Wie sein menschlicher Widerpart und späterer Freund Tagore hat man allerdings zunächst den Eindruck, Klingonen wie Krenn zeigen grundsätzlich keine Gefühle, behielten Ihren Schmerz für sich und Krenn nähme diesen Tod des Vaters gefühllos hin. Dem ist nicht so. Aus dem Buch, am Ende, frei zitiert (habs leider nicht hier)

    "In einem Punkt hatte Tagore Unrecht, wenn er glaubte, dass Klingonen Ihren Schmerz und Ihren Kummer für sich behielten, diese mit niemandem teilten. Das war natürlich falsch. Ist Rache", dachte Krenn friedlich "nicht die schönste Form des Teilens?"

    Kethas lehrte Krenn die Waffe der Geduld, eben genau die Waffe gegen die Klingonen sich nicht wehren können. Mit dieser Geduld gewappnet, vollführt Krenn eben diese Rache für den Vatermord erst nach langer Zeit und gegen Ende des Buches, und zwar dann, als es tatsächlich auch erfolgreich möglich ist. Eine Abwendung von Kethas kann ich daher nicht erkennen. Ganz im Gegenteil.

    Somit: The last move of the Reflective Game. (Der letzte Schachzug)

    Ein Unterschied selbstverständlich zum Beginn des Buches, in dem Vrenn (später Krenn) ob des Todes seines Freundes mit Zorn reagiert.

    Kethas brachte dem jungen Krenn sozusagen den Weisheits & Gefühlskontroll-Teil bei, ebenso wie Yoda Luke.

    Danke fürs Löschen (Doppelpost) und Deine Ausführungen!

    Einen schönen Abend wünscht Andre!

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  6. Guten Abend Andre;

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Der hat mich sehr gefreut, denn man kann ja nicht mit vielen Leuten über dieses Nischenthema fachsimpeln. Um meinen Standpunkt zu verdeutlichen und andere Mitleser nicht zu verwirren sollte ich aber vielleicht nochmal weiter ausholen.
    Als mit 'Worfs Brüder' die erste TNG-Folge ausgestrahlt wurde, in der das 'neue' Klingonenbild propagiert wurde, waren viele (vor allem alteingesessene) Fans enttäuscht. Schließlich hatte sich in Romanen und Rollenspielen längst ein ganz anderes Bild abgezeichnet.
    Ford, aber auch andere Autoren beschrieben eine klingonische Kultur, die auf Klinzhai und nicht Qo'noS ihren Ursprung hatte und sich auch in vielen anderen Apekten deutlich von den Kriegerklingonen Gowron, Martok oder gar Worf abhob.
    Tatsächlich kann man dieses sogar als vielschichtiger betrachten, als die vergleichsweise tumben Kriegerberserker. Aber vielleicht bin ich zu sehr mit TNG aufgewachsen (obgleich TOS stets meine Lieblingsserie war und auch das erste, was ich an Star Trek und Westfernsehen überhaupt gesehen habe), denn ich sehe auch die Vorzüge dieses brachialen Kämpferwesens.
    Bevor ich jetzt einen seitenlangen Monolog darüber abhalte, fasse ich mich einfach kurz, denn vor allem ein Punkt ist mir wichtig: Die klingonische Gesellschaft TNGs unterscheidet sich deutlicher von der menschlichen.
    Fords in den Büchern propagiertes Bild ist hingegen ein bunter Mischmasch aus verschiedenen Kulturkreisen unseres Planeten; ein bißchen altehrwürdiges Samurai-Japan, ein wenig dekadentes Rom und einen Schuß griechische Tragödie.
    Das Ergebnis ist zwar durchaus anspruchsvoll, jedoch in meinen Augen nichts mit besonders großem Wiedererkennungswert oder gar größerer Nachhaltigkeit. Was jetzt böse und gemein klingt, wird spätestens an Fords Zweitwerk 'Was kostet dieser Planet?' deutlich. Hier verkommt der zuvor sorgsam inszenierte 'Gehirnschmalz' zur billigen Lacheinlage. Die dortigen Klingonen verfügen nämlich ebenfalls über all die Atrribute, die man (oft zu Recht) auch an den TNG-Klingonen bemängeln kann: Eindimensionalität, Dummheit, fehlende Charaktertiefe. Vollends ruiniert werden die Ideen meiner Meinung nach in McIntyres 'Die erste Mission', denn die dort geschilderten Aspekte klingonischen Wesens wirken zu weit hergeholt.

    Davon ab, habe ich mir auch noch einmal das Buch vorgenommen und natürlich stimmt es: Krenn hatte im Prinzip keine andere Wahl - hätte er seinem Ziehvater nicht den Rücken gekehrt, wäre er definitiv auf der Stelle beseitigt worden. Doch ist stelle die Theorie auf, dass dies ein Unterschied zu den Klingonen TNGs ist.
    Nehmen wir einmal an, dass Worf vor die gleiche Wahl bezüglich Martoks gestellt worden wäre. Ich bin mir sicher, dass seine Wahl eher im Tod als im Verrat gelegen hätte. Dass sich ein anderer Klingone außer Duras seine Rachegelüste aufheben kann, ist jedoch auch nicht abwegig (wenn auch nix für Worf, wie man an seinem Attetat auf Gowron bei DS9 sehen kann), denn es gibt da ja ein altes Klingonisches Sprichwort, das es selbst bis in 'Kill Bill' geschafft hat...

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  7. Hallo turon47!

    Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch (und Dank!) für die tollen Rezensionen. Ich habe mir damals, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, immer eine solche Seite für ST-Romane gewünscht. Leider hatte ich nie die Muße eine entsprechende Seite aufzubauen.

    Ich weiß, ich weiß, seit fast einem Jahr ruht der Kommentarbereich dieser Rezension. Doch ich habe vor einigen Tagen die Lektüre des "Letzten Schachzuges" beendet und mir Gedanken über dessen Inhalt gemacht.

    Die im Buch dargestellte klingonische Kultur ist, wie bereits in der Rezension und in den Kommentaren dargelegt wurde, derjenigen in den Serien ab TNG fast diametral entgegen gesetzt. Aber ist sie dadurch obsolet?

    Ich denke nicht. In einer Zeit in der jede größere Abweichung von den Serien mit "Paralleluniversen" oder "Paralleldimensionen" erklärt werden kann (siehe Star Trek XI!), hat auch ein solches Buch seine Daseinsberechtigung. Man kann die von Ford dargestellte klingonische Kultur als in einem anderen Universum angesiedelt betrachten.

    Die Tiefe der klingonischen Kultur, wie sie vom Autor dargestellt wurde, fand ich sehr interessant. Auch die irdische, von Maxwell Grandisson III geführte Bewegung die in einer expansiven Raumfahrt eine potenzielle Gefahr für die Erde und die Menschheit insgesamt sieht, war ein interessantes und innovatives Thema. Leider blieb sie vergleichsweise profillos.

    Der Topos vom Klin-zha wirkte meines Erachtens stellenweise sehr erzwungen. Es war ein bisschen "too much".

    Alles in Allem würde ich dem Buch 3 von 6 Sternen geben. Ich finde, dass Vergleiche mit TNG oder DS9 wenig ertragreich sind. Man muss das Werk Fords als "standalone" betrachten, das außerhalb der Kontinuität steht.

    Grüße und weiter so!

    Chris

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