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Montag, 5. August 2013

Mission Gamma III: Kathedrale

Buchbesprechung Mangels, Andy; Martin, Michael A.: Mission Gamma III. Kathedrale. Cross Cult,  2002/2011.

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Story: Bajor und seine Außenstelle Deep Space 9 putzen sich für den anstehenden Föderationsbeitritt heraus. Doch während die Bajoraner froh und glücklich ob des anstehenden politischen Großereignisses wirken, brodelt es unter der nationalen Oberfläche. Das bajoranische Glaubenssystem sieht nämlich nicht nur einer lähmenden Kai-Wahl entgegen, sondern muss sich auch mit religiösen Spaltern herumschlagen, die nach der Veröffentlichung des Buches 'Ohalu' massenhaft die Gesellschaft durchdringen. Doch während der Großteil der Reformierten längst Schlüsselpositionen innerhalb von Militär, Politik und Religion besetzt hat, findet sich Kira Nerys als Urheberin dieser Entwicklungen noch immer isoliert in ihrem eigenen Volk wieder. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die ständigen Sticheleien ihres ehemaligen Geliebten und amtierenden Premierministers Shakaar Edon und den ständigen Anwerbeversuchen seitens der Ohalu-Jünger. Ihre ohnehin wacklige Stellung als Stationskommandantin erfährt innerhalb dieser Wirren ernsthafte Belastungsproben.
Derweil entdecken Besatzungsmitglieder der USS Defiant auf ihrer Erkundungsmission im Gamma-Quadranten ein interdimensionales Gebilde mit ungeheuerlichen Ausmaßen. Es wird von zwei verschiedenen Spezies beansprucht, die zwar mit primitiven Waffen, aber mit fanatischem Eifer um das Objekt kämpfen. Das Schiff unter dem Kommando Elias Vaughns gerät zwischen diese Frontlinien, als klar wird, dass das fremde Objekt die Verantwortung dafür trägt, dass Ezri ihren Symbionten abstößt, Julian Bashir zu einem Dummkopf mutiert und Nog plötzlich das verloren geglaubte Bein nachwächst. Als die drei auch noch beginnen, unkontrolliert zwischen verschiedenen parallelen Universen zu springen ist es an Vaughn, das Leben seiner Offiziere durch einen beherzten Vorstoß zurück zum schwer bewachten Objekt zu wagen....

Lobenswerte Aspekte: "All religion has to have its way" bemerkten dereinst drei Barden namens David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash in ihrem überraschenderweise gleichnamigen Song "Cathedral" recht treffend (das Buch erschien im englischen Original ebenfalls unter dem Titel "Cathedral").



Aus genau diesem Grunde tritt die Handlung wohl einmal rasch beiseite, als der aufmerksame Leser Zeuge der größten Kirchenspaltung der bajoranischen Geschichte wird. Kira Nerys mutiert zu einem Martin Luther wider Willen, als ihre den fünfundneunzig Thesen entsprechende Veröffentlichung der Schriften Ohalus endlich die Massen ihrer Heimatwelt erreicht um zur materiellen Gewalt zu werden. Die Erwähnung der bereits aus "Ein Stich zur rechten Zeit" bekannten cardassianischen Sektierer-Religion der Orelianer (vgl. S. 184ff.) kann als netter Zug interreligiöser Verständigung auf unserem eigenen Planeten interpretiert werden, zumal sich auch auf der vertrauten Erde größere Religionen wie Christentum, Islam oder Judentum trotz inniger Feindschaft auf gemeinsame Wurzeln zurückführen lassen.
Das bleibt aber nicht der einzige Querbezug in die Wissenswelt des Rezipienten. Mangels und Martin zitieren aus den verschiedenen Star-Trek-Serien und -Filmen wie zwei Sonntagsprediger aus der Bibel: Hier wird ein Gleichnis aus der Fernsehserie Deep Space Nine bemüht (vgl. z.B. S. 45, S. 50 oder S. 119), dort die Stammmutterschaft der Heiligen Hoshi Sankt Sato für die Translationswissenschaften herangezogen (vgl. S. 148) und schließlich sogar einer jener klassischen Vergleiche Star Treks bemüht, der den hohen Standards der allgemeinen Verständlichkeit problemlos genügt (vgl. S. 76f.). Aber auch Referenzen an die Nerd-Ikonen der verschrobenen Leserschaft fehlen keineswegs. So finden selbst MC Escher (vgl. S. 36) oder Carl Sagan (vgl. S. 63) wohlverdiente Erwähnung, die wohl nur Weird Al Yankovics Geek-Hymne "White and Nerdy" toppen kann. 
Aber selbst der Bezug auf das aus Voyager hinlänglich bekannte Erden-Genie Leonardo da Vinci (vgl. S. 117ff.) ist mit Bedacht gewählt und clever positioniert – sie passt gleichermaßen zur Vita und dem Selbstverständnis des genetisch aufgewerteten Stationsmediziners Julian Bashir.
Überhaupt ist das der größte Pluspunkt dieses Werkes: Die Tilgung weißer Flecken auf den biografischen Landkarten der einzelnen Charaktere dient dabei allerdings nicht nur dem Blick zurück, sondern auch dem nach vorn. Sämtliche Figuren reifen im Verlaufe der in äußerst flüssigem Stil gehaltenen Seiten und verleihen der Buch gewordenen Staffel Acht der Fernsehserie 'Deep Space Nine' eine Daseinsberechtigung, die über das sture Nacherzählen bekannter (und damit langweiliger) Routinen hinausreicht.
Eine der spannendsten Ideen bildet schließlich die Rückentwicklung, der sich Bashir, Dax, Ezri und Nog stellen müssen. Eine vielversprechende Wendung, die mal wieder tatkräftig unter Beweis stellt, was bereits im Vorgänger angerissen wurde: Die letzte Grenze ist eben nicht das weite All, sondern der Mensch und seine Fähigkeit, auf Veränderungen angemessen zu reagieren.

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Kritikwürdige Aspekte: "Open up the gates of the church and let me out of here!" beschwören erwähnte Barden Crosby, Stills und Nash ihre Zuhörer eindringlich in ihrem Song "Cathedral" und auch das kann man problemlos auf dieses Buch anwenden.
Besonders die religiöse Komponente, die vielleicht noch die amerikanische Lebenswirklichkeit treffen mag, bleibt dem europäischen Leser vergleichsweise verschlossen. Mehr als einmal wünscht man sich den Star-Trek-Urvater Gene Roddenberry herbei, auf dass er mahnend seinen atheistischen Zeigefinger gegen diesen Unsinn erhebe. Die Selbstfindungsversuche münden nämlich in einem unsagbar peinlichen Brückendialog mit Fremdschämfaktor, den ich mir beim Besten Willen zuvor nicht im Star-Trek-Universum vorstellen konnte (vgl. S. 365ff.).
Aber damit nicht genug, denn die gesamte bajoranische Glaubensgemeinschaft ist so offensichtlich an die katholische Kirche angelehnt, dass die Autoren im sechzehnten Jahrhundert sicherlich noch öffentlich als Ketzer verbrannt worden wären, weil sie auf infame Art und Weise die göttliche Ordnung verballhornten. Ihre Querverbindungen zum großen (bajoranischen) Schisma, zu Predigten (vgl. S. 277) oder gar Konklaven (vgl. S. 239ff.) sind für selbst für Science-Fiction-Verhältnisse viel zu durchschaubar-plump, zumal die Ökumene mit den cardassianischen Lutheranern (vgl. S. 331ff.) dem Ganzen sicherlich noch die Krone aufsetzt.
Zugegebenerweise war ich nie ein Freund der pseudo-religiösen Komponente der Fernsehserie 'Deep Space Nine', doch hätte ich damals schon gewusst, in welche Bresche spätere Bücher wie dieses schlagen würden, hätte ich anno dazumal versöhnlichere Töne angeschlagen. Also nochmal zum Mitschreiben: Religion hat in Star Trek nichts zu suchen! Außer natürlich, sie wird wie in "Der Tempel des Apoll", "Die Stunde der Erkenntnis" oder "Der Gott der Mintakaner" als Irrweg ausgeschildert.



Auch der unsagbar "kreative" Moment, in dem Bajor sämtliche Drehkörper auf einmal zurückgegeben wurden, war ein Armutszeugnis der Erzählkunst. Es gräbt nicht nur kommenden Romanen das Wasser ab, sondern ist bei Lichte besehen eigentlich ein alter Hut. Spontane Rückgaben verloren geglaubter Drehkörper gab es nämlich schon in der Episode "Das Motiv der Propheten" und dem Auftakt-Roman dieser Serie "Offenbarung, Buch I".
Aber hey!
Was soll's?!
Immerhin ist der Seifenopercharakter der Serie ja treffend eingearbeitet worden!
Tatsächlich sogar soweit, dass dieses Buch das erste in dieser Reihe war, in dem mich die Geschehnisse des Alpha-Quadranten mehr interessierten, als die im Gamma-Quadranten, nach dem selbige Erzählriege ("Mission Gamma") ja eigentlich benannt wurde. Das lag allerdings weniger daran, dass das Geschehen auf Deep Space 9 spannender gewesen wäre, sondern war eher darin begründet, dass der Handlungsbogen in "Kathedrale" so ziemlich das langweiligste Stück Story war, dass mir jemals untergekommen ist.
Da ist ein Objekt, das Probleme verursacht. Die Probleme werden erkannt und behoben. Dazwischen ein wenig "Pew! Pew!" und fertig ist eine gesamte Geschichte.
Von wegen!
Bedenkt man nämlich die erschreckend hohe Seitenzahl, auf der sich diese breit geschilderte Belanglosigkeit zutrug, kann man das Martyrium nachvollziehen, dem sich der Leser trotz des flüssigen Stils des dynamischen Schreiber-Duos zu stellen hat. Und auch das Thema Paralleluniversen hat seit Episoden wie "Parallelen", "Ein Parallel-Universum" oder "Temporale Sprünge" längst nicht mehr den Nimbus einer sonderlich kreativen Erzählebene inne.
Das gesamte Konzept krankt also schon seit Beginn. Das kann man auch wunderbar im Titel erkennen, denn die Frage, ob das fremde Objekt nun eine "Kathedrale" oder ein "Anathema" ist (vgl. S. 153), bleibt nämlich nicht der Interpretation des Lesers überlassen, sondern lässt sich bereits im Titel glasklar ablesen.
Alles in allem plätschert das gesamte Buch ereignisarm vor sich hin, ohne dass irgendetwas von Belang passiert. Wirklich spannende Entwicklungen bleiben auf Anspielungen beschränkt (vgl. S. 331) oder werden auf den letzten Seiten angeschnitten (vgl. S. 375f.) und zukünftigen Romanen überlassen. Dazwischen erstreckt sich erzählerische Leere und das Buch erzeugt bestenfalls Vorfreude auf die kommenden Werke. Es empfiehlt sich daher, diesen bloßen Lückenfüller zu übergehen und mit dem letzten Band dieser Reihe fortzufahren.

Übersetzung: Die Mittelmäßigkeit dieses Werkes setzt sich auch in seiner Übersetzung fort. Übersetzer Christian Humberg leistet natürlich in gewohnt gekonnter Manier seinen Beitrag dazu, den guten Stil des Werkes redlich ins Deutsche zu übertragen, doch zuweilen erwächst der Eindruck, er habe über den zu vielen Zeilen mit der Zeit das Interesse an einer gewissenhaften Übertragung verloren. Anders lassen sich einige Trantütigkeiten wie die falsche Schreibweise von "hypyrianischer" (S. 74) oder Sätze wie "Wer wollte den nun schon wieder ihre Zeit für sich beanspruchen?" (S. 83) oder "Also müssen Sie raus aus Stadt, klar?" (S. 216) nicht erklären. Von Fehlern wie vergessenen Fragezeichen (vgl. S. 156), der unnötigen Großschreibung des Adjektives "befleckt" (vgl. z.B. S. 25, S. 126 oder S. 244) oder der Pluralform von "Schott", die wohl nur eine Landratte so bilden kann (vgl. S. 198), ganz zu schweigen.
Als Historiker ist mir besonders die beständig verwendete Formulierung "Stein von Rosette" (vgl. S. 79. S. 150 oder S. 206) übel aufgestoßen. Nicht, dass die Bezeichnung falsch wäre, doch nicht umsonst hat jeder einzelne meiner Altertums-Dozenten das Relikt (wie übrigens im englischen Original auch) als "Stein von Rosetta" bezeichnet – nicht zuletzt, um kindische Wortwitze darüber im Keim zu ersticken.

Anachronismen: Wo soll ich nur anfangen?
Traditionell würden sich die Andorianer anbieten, die mal wieder abweichend von der Darstellung in "Enterprise" präsentiert werden (vgl. S. 87). Aber das ist halb so wild, denn nicht der ohnehin verständliche Fehler ("Enterprise" steckte noch in den Kinderschuhen, als dieses Buch geschrieben wurde) ist das Problem, sondern die vielen Logiklöcher, die die Autoren selbst in ihr Werk rissen.
So passt Bashirs durchgängig geschwollene Ausdrucksweise innerhalb seiner persönlichen Logbucheinträge kaum zu seinem rapide abnehmenden Geisteszustand (vgl. S. 261ff.). Selbst wenn die darauf folgende Aufnahme schon eher den richtigen Ton trifft (vgl. S. 265), muss man festhalten, dass der radikale Sprung zwischen beiden Momentaufnahmen völlig übergangsfrei daherkommt.
Zudem verwundert es, dass Doktor Bashir sich nicht in eben der selben Kathedrale befunden hat, als er in der DS9-Folge "Ferne Stimmen" in seinem eigenen Freud'schen Es gefangen war – immerhin sucht sein Unterbewusstsein in beiden Fällen eine angemessene Erscheinungsform.
Gut, an der Darstellung in der Serie  kann niemand mehr etwas ändern, aber wäre es zumindest nicht logischer gewesen, wenn Bashir da Vincis Vorbild zwar genutzt hätte, doch der Folge entsprechend DS9 zu seiner Kathedrale umfunktioniert hätte? Die gotisch anmutenden Pylonen hätten jedenfalls ins Bild einer klassischen 'Kathedrale' gepasst.
Das alles ist jedoch nichts im Vergleich zum Shuttle Sagan. An ihm messen die Ingenieure der Defiant immerhin die selben Symptome wie bei den Insassen (vgl. S. 79), doch während die Passagiere Groundhopping zwischen den Realitäten veranstalten und zwecks Heilung zur 'Kathedrale' reisen, verbleibt das Schiff nicht nur brav im Shuttlebay, sondern wird am Ende sogar noch aktiv für die Rettung ihrer vorherigen Fahrgäste missbraucht (vgl. S. 354). Das alles passt perfekt ins Bild der dürftig hingeschmierten Gamma-Quadranten-Handlung, entspricht jedoch nicht unbedingt dem, was ein halbwegs auf innere Logik vertrauender Leser von Star-Trek-Romanen verdient.

Fazit: Was nützt die schönste Figurenentwicklung, wenn die Handlung nicht über den Status sanfter Berieselung hinausreicht? Wozu die Mühe, den Roman in den breiten Kanon einzuarbeiten,wenn er nicht einmal einfachsten Ansprüchen an die innere Logik genügt? Warum bemüht man eine wissenschaftliche Erklärung zur Rückentwicklung von Personen, wenn man im Endeffekt alle Seriosität mit religiöser Rhetorik wieder verwäscht?
Solcherlei Fragen müssen sich die Autoren Mangels und Martin gefallen lassen, denn ihr Buch Kathedrale krankt an solcherlei internen Widersprüchen. Besonders aber die Abstinenz erzählwürdiger Ereignisse macht diesen Band zu einem bloßen Lückenfüller, denn man auch getrost auslassen kann.

Denkwürdige Zitate:

"Diese Jugend heutzutage... Hört nur noch Krach und hält das für Musik."
Ezri Dax, S. 34

"Danke, Isaac Newton."
Julian Bashir, S. 44

"Holla, holla! Ich schenke hier nur aus. Das Philosophieren überlasse ich den Leuten, die ihr Latinum bei mir lassen."
Quark, S. 136

"Weiß überhaupt jemand im Gamma-Quadranten, wie man teilt?"
Ezri Dax, S. 233

"Dort, im Herzen der Föderation, ist mangelndes Talent nicht gerade ein großes Problem."
Julian Bashir, S. 260

"Wir können Raumschiffe ans Ende der Galaxis schicken, aber wenn's ums Unkraut geht, sind wir machtlos."
Joseph Sisko, S. 362

Bewertung: Viel Lärm um Nichts.

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Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel 8, Bd. 01: Offenbarung, Buch I
DS9, Staffel 8, Bd. 02: Offenbarung, Buch II
DS9, Staffel 8, Bd. 03: Sektion 31: Der Abgrund
DS9, Staffel 8, Bd. 04: Portale: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel 8, Bd. 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel 8, Bd. 06: Mission Gamma II: Dieser graue Geist
DS9, Staffel 8, Bd. 07: Mission Gamma III: Kathedrale

Sonntag, 26. Dezember 2010

Mission Gamma I: Zwielicht

Buchbesprechung George III., David R.: Mission Gamma. Bd. 1. Zwielicht, Cross Cult, 2010.

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Story: Monate sind ins Land gegangen, seitdem Kira Nerys' Gewissenstat, das umstrittene Buch Ohalu über die bajoranische Variante von Wikileaks öffentlich zugänglich zu machen, sie die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft ihres Volkes kostete.
Doch der Kommandantin der Station Deep Space Nine ist weder ihr Glaube an die Propheten, noch der an das bajoranische Volk zu nehmen. Aus diesem Grund erscheint der plötzliche Besuch eines unkommunikativen Sternenflottenadmirals gepaart mit dessen nahezu inquisitorischer Neugier wie eine weitere unnötige Prüfung ihrer Leidensfähigkeit. Dass der hochrangige Besuch weniger eine Befleckte, als viel eher eine Schwester im Geiste in ihr sehen könnte, wäre Kira sicherlich als Letztes eingefallen.
Währenddessen muss sich auch jemand anderes mit Admiralsbesuch herumschlagen. Der Andorianer Shar hat zu seinem Leidwesen wieder einmal Besuch von seiner Mutter erhalten. Diesmal hat die Admiralin Charivretha zh'Thane für ihren Sprößling Shar eine ganz besondere Überraschung im Gepäck:
Alle seine Bindungspartner haben die fürsorgliche Erzeugerin begleitet, um den jungen Offizier davon zu überzeugen, mit ihnen nach Andoria zurückzukehren, um dort den Vier-Personen-Paarungsakt mit ihnen zu vollziehen. Der heißblütige Andorianer muss sich also zwischen Familientradition und einer Forschungsmission entscheiden, die zum ersten Mal seit dem Dominionkrieg wieder in den Gamma-Quadranten führen soll.
Endlich wieder zu forschen ist der Impuls, der auch Elias Vaughn antreibt. Den ersten Offizier der Station, der während der Dauer der 'Mission Gamma' zum Captain der umgerüsteten Defiant ernannt wurde, plagen neben familiären Problemen eine Vielzahl weiterer, tief sitzender Erinnerungen, derer er sich noch gar nicht bewusst ist. Erst in der Ödnis eines mittlerweile unbewohnten Planeten, der als Ursprungsort eines todbringenden Energieimpulses ausgemacht wird, sieht sich erneut mit längst verschüttet geglaubten, schmerzhaften Episoden seiner Vergangenheit konfrontiert, die er sich nicht erklären kann...

Lobenswerte Aspekte: Der erste Blick auf „Zwielicht“ ist trügerisch.
Das immense Gewicht, die horrende Seitenzahl und die Tatsache, dass es gerade einmal der Auftakt einer in sich geschlossenen, vierteiligen Buchserie sein soll, kann auf den ersten Blick recht abschreckend wirken.
Wenn man sich jedoch überwindet, wird man die ein oder andere Überraschung erleben. So empfand ich die Geschichte verglichen mit den Vorgängerromanen als nahezu abgeschlossen. Die Handlung wird nicht mit einem abrupten, unsinnigen und nur vermeintlich spannungssteigernden Höhepunkt abgewürgt, sondern hat ausreichend Platz, um den Leser für seinen Durchhaltewillen zu belohnen.
Belohnt wird ferner, wer sich etwas im Star-Trek-Universum auskennt. Neben den längst zum Standard gereiften Referenzen auf Folgen („Auge des Universums“ vgl. S. 111, „Der Streik“ vgl. S. 128f. oder „Die Belagerung von AR-558“ vgl. S. 131) glänzt Autor David R. George III durch versteckte Kleinsthinweise wie auf die Vorliebe der Jem'Hadar zu stehen (vgl. S. 75), die Beschreibung der Form eines Spanners (vgl. S. 99, allerdings passt die Beschreibung eher auf einen Flusskopler) oder die verschiedenen Verben der Ferengi-Sprache für Regen (vgl. S. 172) werden wohl nur für Kenner auf Folgen wie „Das winzige Raumschiff“, „Empok Nor“ oder „Die Reise nach Risa“ zurückzuführen sein.
Was aber nicht bedeuten soll, dass dieses Werk frei von Überraschungen ist. Beispielsweise ergänzt der Autor den offiziellen Kanon um die Erwerbsregeln 53 („Vertrauen Sie niemandem, der sie überragt“) und 235 („Ducken Sie sich, denn der Tod ist groß.“, beide S. 130).
Und auch alle, die erwartet haben, dass das neuerliche Beitrittsgesuch Bajors zur Föderation nun problemlos über die Bühne gehen sollte, sieht sich eines besseren belehrt. Konfessionelle Machtkämpfe und tief sitzender Hass gegen die Cardassianer drohen die geplante Aufnahme zu sabotieren und werfen düstere Schatten in die Zukunft.
Eine Zukunft, in der Ezri Dax ja bekanntlich zum Captain ernannt werden wird. In diesem Buch kann man den Reifungsprozess der jungen Trill vom Counselor zur fähigen Kommandantin hautnah mitverfolgen. Und wer von ihren Kommandoentscheidungen und ihren Schwierigkeiten liest, ihren eigenen Weg zu finden, kann dem späteren Befehlshaber der USS Aventine mit weitaus weniger Argwohn begegnen. Direkt schade, dass Cross Cult Destiny VOR diesem Buch herausbringen musste.
Aber so ziemlich jeder Charakter reift in diesem Buch wie ein französischer Käse in der Höhle.
Egal ob Nog, der seinen Hass Jem'Hadars gegenüber verstärkt, Prynn Tenmei, die ihrem Vater Elias Vaughn zu verzeihen beginnt oder Shar, der verzweifelt gegen sein genetisches Erbe ankämpft - allen Charakteren gelingt es, unter der einfühlsamen Feder des Autoren zu wachsen und gedeihen.
Selbst der Austauschstudent Taran'atar erhält diese Gelegenheit und nebenbei bemerkt: Das Kapitel, in dem der gezüchtete Supersoldat den Kindergarten der Station besucht, ist der heimliche Höhepunkt des Buches. Die großartige Szene ist ein grandioses Plädoyer für die zeitlose Unvoreingenommenheit von Kindern und der erste Moment, in dem die heile Welt und die einfachen Erklärungsmuster des Retortenkriegers Risse zeigen.

Kritikwürdige Aspekte: Vielleicht ist „Zwielicht“ auf den ersten Blick doch nicht so trügerisch.
Mit sage und schreibe zweiundsiebzig Kapiteln und fünfhundertachtundsiebzig Seiten Text ist es kein Buch, dass man mal so eben nebenbei lesen könnte. Das allein wäre ja zu verschmerzen, denn es gibt hierzulande glücklicherweise genug willige Leseratten, die sich von quantitativen Argumenten nicht abschrecken lassen.
Aus diesem Grunde sollte man also mal auf qualitativer Ebene genauer hinsehen. Da muss man schon anmerken, dass dieser Roman einen verdammt langen Anlauf benötigt, bevor es überhaupt in irgendeiner Form mitreißend wird. Schier endlos anmutende Passagen zur Einführung, ausgedehnte Erläuterungen sowie ellenlange Rückblenden sorgen im Zusammenspiel dafür, dass erst ab Seite 210 so etwas wie Spannung aufzukommen vermag.
Die bezieht sich dabei lediglich auf die Komplikationen der Defiant-Forschungsmission im Gamma-Quadranten, während die anderen Teile der Handlung um den Föderationsbeitritt Bajors, Shars Reproduktionsscheu oder Kasidys Expeditionen ins Bajoraner-Reich zwar unterhaltsam, niemals jedoch fesselnd sind.
Und auch die vermeintliche Forschungsmission versteht nur an deren Beginn zu überzeugen. Dax' außerkörperliche Erfahrungen, Vaughns Reise ins Ich und die Survivalerfahrung Prynns und Shars gehen bei weitem nicht so sehr unter die Haut, wie die Schilderungen um die Katastrophe auf dem Heimatplaneten der Vahni Vahltupali.
Betrachtet man also den Umfang des Buches, die endlose Entwicklung der Handlung und die vielen akribischen Schilderungen, wirkt es schließlich beinahe wie ein schlechter Witz, dass der Abschluss des Erzählstrangs um die neuen Abenteuer der Defiant lächerlich wenige Seiten umfasst und in etwa so glaubhaft wirkt, wie Präsident Bushs Beweise für ABC-Waffen im Irak.
Dabei kann man das sogar noch irgendwie verschmerzen.
Noch unglaubwürdiger war in meinen Augen nämlich nur eines: Die sich anbahnende Romanze Ro Larens mit Quark.
Nichts gegen Armin Shimerman, doch der von ihm porträtierte Barchef hatte in etwa den erotischen Reiz und die sexuelle Anziehungskraft, die auch Mr. Bean ausstrahlte. Dass ihm ausgerechnet Ro Laren ins Netz gehen soll, ist zwar eine nette Geste (die vielleicht zeigen soll, dass auch männliche Star-Trek-Fans äußere Unzulänglichkeiten herunterspielen können, um eine flotte Mieze abzugreifen), wirkt aber nicht sehr glaubwürdig für eine Frau, deren letzter bekannter Kopulationspartner immerhin William Riker war.
Es ist ja noch nicht einmal, dass man es Quark nicht gönnt, aber die Beziehung ist etwa so realistisch wie eine Beziehung zwischen Sisko und Janeway, Deanna Troi und Harry Kim oder Chekov und T'Pol. Beide so teenagerhaft verknallt zu erleben, schmeckt eher nach schlechter Fanfiction, als nach guter Charakterentwicklung.

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Schmunzette auf Teenagerniveau: Quark ♥ Ro!

Übersetzung: Der Umfang des Werkes ist sicherlich kein Spaziergang für den Übersetzer. Auf der Facebook- und Twitter-Präsenz der Star-Trek-Roman-Abteilung konnte man im Vorfeld von einigen im Lektorat ausgebügelten Fehlern lesen und um so erfreulicher, dass sie sich trotz der wahren Flut an potentiellen Fehlerquellen in Grenzen halten.
Was natürlich nicht gleich heißen soll, dass es nichts zu beanstanden gäbe.
Hier und da begegnet uns ein falsches Satzzeichen (Punkt statt Fragezeichen, S. 60), eine falsch verwendete Zeitform („danke“ statt 'dankte', S. 238), ein unglücklich gewählter Kasus („wegen dessen“, S. 229), Schnitzer in der Groß- und Kleinschreibung („Schlimmer“, S. 266) oder Tippfehler („Versorgungstirm“, S. 456). Die Verteilung und Häufigkeit geben jedoch keineswegs Anlass zur Kritik.
Statt dessen habe ich mich sogar aufrichtig darüber gefreut, dass mit „blümerant“ (S. 264) ein vom Aussterben bedrohtes deutsches Wort Aufnahme gefunden hat. Ferner gefiel mir, dass ich mich mal schlau machen musste, wass „haptisch“ (S. 492) überhaupt bedeutet. Besonders angetan war ich allerdings von der kreativen Übersetzung „Sternenflottenfuzzis“ (S. 138) für „starfleet type“, die ich aus dem Munde Quarks als äußerst nachvollziehbar empfand.
Getrübt haben mich drei andere Dauerfehler.
So wird in den Erwerbsregeln eigentlich durchweg geduzt, und nicht, wie hier zu lesen, gesiezt (vgl. 130).
Zudem existiert mit dem deutschen Begriff „Fähnrich“ ein allgemein bekanntes Äquivalent für den Begriff „Ensign“ (z.B. S. 176). Während der englischsprachige Begriff nämlich im 22. Jahrhundert (also in der Serie Enterprise) verwendet wurde, fand in den zeitlich naheliegenderen Serien stets der deutschsprachige Rang Anwendung. Neben Fähnrich Harry Kim, Fähnrich Wesley Crusher und Fähnrich Pavel Chekov war es insbesondere Ro Laren, die diese Bezeichnung sogar in den Titel einer deutschsprachigen Episode hievte: „FÄHNRICH Ro“.
Englisch belassen kann man hingegen ruhig das auch im deutschen so genannte „Medkit“. Die hier aufgeführten zahlreichen Erwähnungen von „Medikit“ (S. 334, S. 347, S. 388, S. 389, S. 391, S. 394 und S. 466) erinnern schließlich zu sehr an die schrecklichen „Medo“-Kombinationen der alten Star-Trek-Übersetzungen des Heyne-Verlags.

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Zwar noch nicht ganz richtig - doch die gute Absicht ist erkennbar

Anachronismen: „Zwielicht“ liegt in einem Graubereich zwischen Kanon und guter Idee. Damit meine ich noch nicht einmal die Bücherwelt, derer man spätestens in dem Augenblick gewahr wird, wenn man mit Bowers und Leishman von zwei Offizieren liest, die in Destiny noch immer unter Ezri Dax dienen.
Nein, das Problem liegt ganz woanders.
Es ist blau, hat Fühler und spielte eine gewichtige Rolle in Star Trek: Enterprise.
Die Rede ist selbstverständlich von den Andorianern.
So erfuhr der Zuschauer in „Die Aenar“ erstmals, wie die Heimatwelt der schlumpffarbenen Außerirdischen tatsächlich aussieht. Er sah dort mit eigenen Augen, dass Andoria ein eisbedeckter Mond um einen Gasriesen ist, der seine Bewohner nicht mit allzu hohen Temperaturen verwöhnt. Nur gelegentlich verursachen als Hitzewellen empfundene Erwärmungen Angaben knapp über dem Gefrierpunkt.
In diesem Zusammenhang ist es schon verwunderlich, dass an gleich zwei Stellen behauptet wird (vgl. S. 178 und S. 448), dass Andorianer höhere Temperaturen und Luftfeuchtigkeitswerte bevorzugen würden.
Zudem wird bereits in der TOS-Folge „Wenn die Götter zerstören“ festgehalten, dass Andorianer nicht auf intravenöse Injektionen reagieren (vgl. S. 389)
Ebenso fragwürdig mutet die Praxis an, vier Geschlechter zu Fortpflanzung zu benötigen. Immerhin deutet in „Dies sind die Abenteuer...“ nichts darauf hin, dass außer der Aenar Jhamel und Shran noch jemand an der Erzeugung Tallas beteiligt gewesen wäre und auch die Bemerkungen Shrans zu Talas in „Babel“ legen nahe, dass bei Andorianern Männlein und Weiblein zur sexuellen Reproduktion völlig ausreichend sind.
Allerdings gab Data in „Datas Tag“ zu Protokoll, dass eine andorianische Hochzeit vier Personen umfassen würde.
Auf diese Informationen gründet sich ein Andorianer-Bild in der Star-Trek-Literatur, dass zwischen vier verschiedenen Geschlechtern unterscheidet: zwei eher weiblichen namens shen und zhen und zwei eher männlichen namens chan und thaan. Aus diesem Grund lautet der Nachname Shars auch ch'Thane: der Präfix „ch'“ steht für sein Geschlecht.
Leider ist dieses Bild nur noch schwer mit dem offiziellen Kanon vereinbar.
Die 2005 gesendete vierte Staffel der Serie konnte auf das 2002 in den USA erschienen Buch natürlich keinen Einfluss nehmen und ganz persönlich empfinde ich es als besonders fahrlässig von den damaligen Enterprise-Autoren, die hier aufgeführten Ideen nicht umgekehrt für ihre eigenen Drehbücher aufzugreifen. Die Vierteilung der Geschlechter ist immerhin ein Aspekt, der die andorianische Gesellschaft fremdartiger und damit auch interessanter macht.
Das in „Zwielicht“ präsentierte Andorianer-Bild ziehe ich dem der Serie bei weitem vor – auch wenn das bedeutet, die Informationen aus der bislang letzten Star-Trek-Serie an den Rand ihrer Strapazierfähigkeit interpretieren zu müssen. Denn unter uns: Die anderen beiden Eltern Tallas hat man bloß nie zu Gesicht bekommen, weil es nie eine fünfte Staffel Enterprise gab...
Eine andere Sache sorgt außerdem für Stirnrunzeln.
Obwohl auf Seite 49 noch absolut richtig von 800 Millionen cardassianischen Opfern durch den finalen Akt des Dominion-Krieges berichtet wird, schraubt sich diese Angabe auf Seite 61 auf lediglich 800.000 herunter. Daran ist allerdings weniger der Autor David R. George III. Schuld, als vielmehr der Übersetzer Christian Humberg, der im Eifer des Gefechtes die Mengenangabe falsch übertragen hat.

Fazit: „Zwielicht“ ist tatsächlich ein Spiel von Licht und Schatten.
Zum einen ist es ein unerlässlicher Bestandteil der Star-Trek-Bücherwelt, in dem besonders der Charakterentwicklung sehr, sehr viel Platz gelassen wird und dafür, dass es den Auftakt einer vierteiligen Reihe bilden soll, wirkt es sogar vergleichsweise in sich geschlossen.
Andererseits benötigt es ein zu große Warmlaufphase und der Umfang steht in einem scharfen Kontrast zum völlig überfallartigen Ende. Auch Quarks und Ro Larens kitschige Romanze wirkt etwas fehl am Platz.
Lesenswert ist es allerdings schon allein wegen der näheren Betrachtung andorianischer Kultur, die zwar vielleicht mit dem offiziellen Kanon auf Kriegsfuß steht, dafür aber die eindeutig interessantere Geschichte zu bieten hat.

Denkwürdige Zitate:

Ich betreibe eine Bar, keine karitative Probierstube.
Quark, S. 261

Die Sternenflotte sollte ihre Shuttles aus dem Material bauen, aus dem ihre Überlebenskoffer bestehen.
Vaughn, S. 348

Die Schuld liegt immer bei den Bauern, nie beim König.
Quark, S. 420

Selbst ein Folterknecht ist Gesellschaft.
Vaughn, S. 546

Bewertung: Licht und Schatten.

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Weiterführende Leseliste:
DS9, Staffel Acht, 01: Offenbarung, Buch 1
DS9, Staffel Acht, 02: Offenbarung, Buch 2
DS9, Staffel Acht, 03: Der Abgrund
DS9, Staffel Acht, 04: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel Acht, 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel Acht, 06: Mission Gamma II: Dieser Graue Geist

Freitag, 19. November 2010

Einzelschicksale

Vorab eine kleine Entschuldigung für die verspätete Rezension:
Nachdem es bei Cross Cult wieder einmal Probleme mit der Veröffentlichung des Romans gab, und sich der Erscheinungstermin Woche um Woche verschob, fiel die Ankunft des Buches in einen Zeitraum, in dem ich stark in die Organisation einer Geburtstagsfeier verstrickt war. Da gab es keine freien Mußestunden, die man mit einem Roman ausfüllen konnte. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben:



Ein Eindruck von der Feier: Turon47 (l.) und sein Kollege Hans Oetzthaler (r.) in passenden Kostümen

Buchbesprechung DeCandido, Keith R.A.: Einzelschicksale. Cross Cult, 2010/2009.

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Story: Die Trümmer der Borginvasion werden noch immer zusammengefegt und Chaos regiert den Alpha-Quadranten. Manche Welten sind zerstört, andere verwüstet. Manche Planeten sind Flüchtlingslager, andere haben sich noch nicht einmal von den Narben vorangegangener Konflikte erholen können. Die Föderation und das Klingonische Imperium sind mit dem Wiederaufbau beschäftigt, das Romulanische Sternenimperium ist geteilt wie Deutschland nach 1945 und die meisten Mittelmächte wie die Gorn, die Breen oder die Tzenkethi sind militärisch oder politisch geschwächt.
Doch nicht nur an den Machtblöcken der Region nagt der finale Einfall der Borg. Die kleinsten Rädchen einer jeden Gesellschaft stehen ebenso vor neuen Herausforderungen: Die Bürger.
Bergbaubetriebe benötigen neues Führungspersonal, Vulkanier können ob der Unlogik der Borg ihre Gefühle kaum mehr kontrollieren und ein Universitätsprofessor vom Mars wird für den dipolomatischen Dienst reaktiviert (um nur einen Bruchteil an Personen aufzuführen).
Dabei gelingt es dem letztgenannten Akademiker, die Föderation vor einer plötzlichen Überraschung zu bewahren. Inmitten des galaktischen Tohuwabohus gelingt es ihm, den gemeinsamen Nenner in der einseitigen Aufkündigung eines Hilfsgüterlieferungsabkommens mit Romulus, der Sabotage einer Topalin-Raffenerie auf Capella IV und einer Dilithium-Mine auf Maxia Zeta IV und des drohenden Austritts der Zaldaner aus der Föderation zu finden. Zusammen mit der Crew der USS Aventine, dem Raumschiff des frischgebackenen Captains Ezri Dax, gelingt es Professor Sonek Pran eine Verschwörung aufzudecken, die die Machtverhältnisse dieses Teils der Galaxie zu Ungunsten der Föderation verschieben könnte...

Lobenswerte Aspekte: „Einzelschicksale“ ist ein Potpourri aus Informationen, die in allen Serien und Filmen gestreut wurden. Darin findet man Begriffe wie „Sehlat“ (S. 30), „Nitrilin“ (S. 290) oder „Kligat“ (S. 288) so selbstverständlich verwendet, als wären sie ein verbreitetes Kulturgut, dessen Kenntnis bei jedem Leser vorausgesetzt werden kann.
Dadurch entsteht die spannende Situation, dass Autor deCandido ein in sich schlüssiges und auf den vorhandenen Informationen aufbauendes Universum schildert, dass genau dadurch nachvollziehbar wird. Denn erst mit der genauen Kenntnis und Anwendung aller zur Verfügung stehenden Hilfsmittel ist es möglich, diese beeindruckend genau recherchierte Welt zum Leben zu erwecken.
„Einzelschicksale“ ist auch ein Potpourri aus Gaststars. Neben lediglich erwähnten, vertraut klingenden Namen wie Offenhouse (vgl. S. 69), Toreth (vgl. S. 99f.) oder Sonya Gomez (vgl. S. 112f.), kann der geneigte Leser ein Wiedersehen mit bekannten Randfiguren wie wie Drex (vgl. S. 77ff.), Fabian Stevens (vgl. S. 111ff.) oder Klag (S. 234ff.) feiern. Auch größere Figuren wie Nanietta Bacco (aus dem Buch „Die Gesetze der Föderation“), Martok oder Ezri Dax spielen einen wichtigen Part innerhalb der vielschichtigen Handlung. Lediglich den bereits über 150 Lenzen zählenden Admiral McCoy (vgl. S. 194) hätte selbst William Shatner nicht unglaubwürdiger inszenieren können.
Trotz der vielen bekannten Namen liegt der Fokus des Buches zumeist auf vergleichsweise unbedeutenden Einzelpersonen, die zuvor kaum oder gar nicht erwähnt wurden. Der klug gewählte Titel „Einzelschicksale“ ist dahingehend programmatisch, denn in immer wiederkehrenden Einschüben liest man den Abschiedsbrief eines unfreiwillig geretteten Überlebenden Denevas (vgl. S. 87f.), von Unruhen auf Alpha Centauri (vgl. S. 109f.) oder von spontanen Racheerschießungen überlebender Ex-Borg (vgl. S. 169ff.) - ein riesiges Puzzle, dass es tatsächlich schafft, ein beklemmendes Gefühl des Verlustes und moralischen Zwickmühle zu entfachen.
Über die höchste Relevanz verfügen zumeist jene „Einzelschicksale“, die mit der Figur Sonek Prans und seiner Familie verbunden sind. Der Hauptheld dieser Erzählung ist ein Sinnbild für den 'Melting Pot' der Föderation; ein lebendiges Zeugnis der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichsten Spezies: je zu einem Viertel bajoranisch, betazoid, menschlich und vulkanisch. Ganz nebenbei empfand ihn DeCandido in seinen äußeren Beschreibungen (vgl. z.B. S. 31) dem amerikanischen Sänger und Star-Trek-Fan Arlo Guthrie nach (vgl. S. 391), wie man auf diesem Bild erahnen kann.
Jedoch beschränkt sich der ironische Umgang mit der Materie nicht allein auf Anleihen außerhalb der Star-Trek-Welt. Der Autor beweist sein Fachwissen durch gezielte Seitenhiebe auf interne Produktionshintergründe, wie etwa auf die Ähnlichkeiten zwischen Trill und Kriosianern (vgl. S. 30), auf die Evolution der Andorianer-Fühler von TOS bis 'Enterprise' (vgl. S. 49) oder die Bezeichnung „Vazkiz Felsen“ (286) auf Capella IV – eine Anspielung auf die Vasquez Rocks, bei denen die im Buch noch einmal aufgegriffene Episode „Im Namen des jungen Tiru“ gedreht wurde.
Er ließ sich ferner nicht nehmen, seine eigene Kampfsporttätigkeit (vgl. S. 402) auf einen der Charaktere des Buches zu projizieren (vgl. S. 215ff.).
Außerdem zeigt KRAD, wie er sich selbst gern abkürzt, eine erstaunliche Ambivalenz (für einen Amerikaner). Seinen Roman mit einem Kissinger-Zitat einzuleiten (vgl. S. 7) und dann ein Lied Victor Jaras (vgl. S. 103ff.) als Augenöffner für die Verletzlichkeit der menschlichen Seele einzusetzen, nenne ich mutigen Umgang mit der eigenen Geschichte. Schließlich war es die aktive und illegale Unterstützung des damaligen US-Außenministers für Pinochet, die die Erschießung Jaras überhaupt ermöglichte – eine Zusammenhang, die am klugen Aufbau des Romans und der hintergründigen Figur Soneks gemessen auch DeCandido bewusst gewesen sein dürfte.
Wem die bislang angeführten Gründe noch nicht genug sind, das Buch zu lesen, sollte sich vor Augen halten, dass es zudem ein Neuanfang der ganz besonderen Art ist.
Nachdem die Hauptfigur bereits einleitet, dass militärische Auseinandersetzungen die Keimzelle zu Weiterentwicklung und Kooperation sein können (S. 30ff.) findet dieser Gedanke seinen Höhepunkt in einer Entwicklung, die kommende Romane maßgeblich beeinflussen wird:
Der Typhon-Pakt.
Dieser politische und wirtschaftliche Zusammenschluss aus Tholianern, Gorn, Kinshaya, Breen und Tzenkethi baut nach dem Wegfall der Borg als Bedrohung einen neuen Gegner auf. Besonders genial daran erscheint, dass DeCandido eine Vorlage aus David Macks Destiny-Trilogie nutzt, um die Entstehung dieser ungleichen Allianz zu erklären. Dass ausgerechnet die so sehr auf Ausgleich versessene Präsidentin Bacco die Staatsoberhäupter in einen Zusammenschluss trieb (vgl. S. 366ff.) ist eine Pointe, die das wahre Leben selbst nicht hätte besser schreiben können.
Damit steht die Föderation vor ungewissen Zeiten. Angeschlagen, demoralisiert und beschäftigt drängt sich die Frage auf, welche Abenteuer, Skandale und Auseinandersetzungen der Organisation mit diesem neuen Gegner noch bevorstehen.
Man kann es als Leser da durchaus mit den Gedanken Sonek Prans von S. 388 halten:

Eins muss ich zugeben, ich freue mich schon darauf, es herauszufinden.

Oder man drückt es wie in dem mal wieder überaus lesenswerten Essay Julian Wanglers aus:

Ein neuer kalter Krieg bahnt sich an.“ (S. 400)

Die Vorfreude bei mir ist jedenfalls geweckt, zumal die von Wangler gut herausgestellte Tatsache, dass die Föderation es bislang nur mit einen zentralen Gegner zu tun hatte (vgl. S. 401), eine gehörige Portion Potential zu bieten hat.
Wem das noch nicht genug Entwicklungszündstoff ist, kann sich ja einmal vor Augen halten, dass in einer eher trockenen Verlustliste (vgl. S. 121) zwei bekannte Namen unter den vielen Opfern besonders auffallen: Miral Paris und B'Elanna Torres'.
Das Ableben dieser beiden Figuren wird die Voyager-Fortsetzung in Buchform weiter beschäftigen und verschafft damit dem Werk „Einzelschicksale“ den Status einer Weggabelung, derer sich wohl kaum ein Freund der Star-Trek-Bücherwelt entziehen kann.

Kritikwürdige Aspekte: Man muss ein Bücherwurm sein, um dieses Werk ausgiebig genießen zu können. Unablässig ist die Rezeption von „Die Gesetze der Föderation“ und natürlich der Destiny-Trilogie. Auch andere bei Cross Cult erschienene Bücher wie „Heldentod“ (vgl. S. 98), „Der rote König“ (S. 178ff.) oder „Quintessenz“ (S. 80) lohnen sich zu lesen, um diverse Querverweise hier verstehen zu können. Daneben zielen kleinere Referenzen auch auf alte Heyne-Publikationen wie „Planet der Waffen“ (vgl. S. 80), „Das Pandora-Prinzip“ (vgl. S. 113) oder „Mein Feind, mein Verbündeter“ (vgl. S. 140) ab.
Also ob das noch nicht genug wäre, beziehen viele Anspielungen auf andere, bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienene Bücher. Insbesondere Lost-Era-Romane (vgl. z.B. S. 64, S. 178 oder S. 243), Starfleet Corps of Engineers (vgl. z.B. S. 25, 111ff. oder S. 113) sowie die „A Time to...“-Reihe (vgl. z.B. S. 200, S. 255ff. oder S. 334ff.) finden Erwähnung, aber auch andere wie etwa J.G. HertzlersThe Left Hand of Destiny“ (vgl. S. 80), der erste Teil der Vulcan's Soul-SerieExodus“ (vgl. S. 145) oder DeCandidos eigenes Werk „Diplomatic Implausibility“. Dadurch fehlen dem deutschsprachigen Leser Informationen, die einem Gesamtbild zuträglich wären, weswegen sich gelegentliche Abstecher zu Memory-Beta in Lesepausen durchaus lohnen.
Man muss aber auch eine Fernseheule sein, um diesen Roman in seiner Komplexität erfassen zu können. Auch wenn die Vielzahl der Referenzen der Erschaffung einer abgeschlossenen Welt dienen, so verliert man schnell den Überblick, da die Informationen förmlich auf das Hirn niederprasseln, zumal beim Umfang dieses Buches ohnehin schnell die Puste ausgehen kann.
So kann es zum Beispiel schnell geschehen, dass man kleinere Fehler im Buch schlichtweg übersieht. Man könnte etwa überlesen, dass DeCandido einen achtzehnjährigen Talisker für einen Scotch hält (vgl. 332) oder den polnischen Vornamen Zbigniew für einen Nachnamen (vgl. S. 335). Aber dieser Kleinigkeiten sind kaum der Erwähnung wert und vermögen es nicht, sich entscheidend auf die endgültige Bewertung auszuwirken.
Da bleibt eher festzuhalten, dass wie bereits in „Die Gesetze der Föderation“ ein Werk entstanden ist, dass dem Leser viel abverlangt und auf nur oberflächlich informierte Fans abschreckend wirken muss.
Restlos zu überzeugen vermag zudem die Handlung nicht. Die ist nämlich etwas zu seicht gestrickt und gelegentlich fragt man sich schon, wie ein so durchsichtiges Komplott überhaupt so funktionieren könnte. Der obligatorische Tritt in die Tränendrüse ob der ach so vielen Opfer ist ebenfalls eine Gratwanderung, deren Grenzen der Autor nicht immer zu treffen vermag.
Erst die Verpackung (damit ist nicht nur das großartige Cover gemeint) vermag es, der eher durchschnittlichen Geschichte einen würdigen Rahmen zu verleihen. Aufbau, Stil, Handwerkskunst sind großartig, doch der Inhalt vermag es nicht immer, damit Schritt zu halten.

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Einen doppelten Talisker auf alle Europäer, die einen Single Malt von einem Scotch unterscheiden können

Übersetzung: Man muss dem kleinen Cross-Cult-Verlag schon zugestehen, dass er sich mittlerweile in puncto Übersetzungen stark verbessert hat. Vergeben und vergessen sind Ausrutscher wie „Rufe den Donner“, denn in diesem recht umfangreichen Buch sind Fehler Mangelware. Daher ein dickes Lob an Übersetzerin und Lektorat!
Ganz besonders die Übersetzung von „razorbeast“ mit „Messerbiest“ (vgl. S. 320) muss ich mal ganz ausdrücklich loben, denn sie hält sich haarklein an die TNG-Vorlage aus „Erwachsene Kinder.“
Natürlich ist der Mensch nun aber nicht völlig frei von Fehlern.
Es beginnt mit Sätzen wie „Er beamte von Paris hoch.“ (S. 91; es müsste 'aus Paris' lauten), „Es braucht nicht viel, damit sie beleidigt sind […].“ (S. 249; dass!) oder der Bezeichnung „Pfefferminz-Julep“ (S. 343, Mint-Julep!).
Der auf Seite 332 versteckte Satz

Sonek hatte keinerlei romantische Gedanken gegenüber Rupi gehegt - was zumindest teilweise daran gelegen hatte, dass er sie und Farin in seinen Augen ein ziemlich glückliches Paar gewesen waren -, sondern sie einfach nur als Freundin angesehen.

fiel nicht nur mir, sondern auch meiner Kollegin Ameise sofort auf.
Besonders verwundert hat mich, dass ausgerechnet ein Kroate konsequent als „Hadžiç“ (z.B. S. 144) bezeichnet wird, obwohl der Buchstabe 'ç' im kroatischen überhaupt nicht existiert und selbst Memory-Beta die korrekte Schreibweise „Hadžić“ führt. Da aber sicherlich nicht allzu viele Kroaten dieses Buch auf Deutsch lesen werden und der Fehler wenigstens konsequent beibehalten wurde, kann man über die Fehlerzahl im Hinblick auf das Pensum der Übersetzungsarbeit hinwegsehen.

Anachronismen: Die gründliche Arbeit deCandidos macht es schwer, überhaupt Fehler zu finden.
Gegenstand des einzigen Widerspruchs, den ich überhaupt ausmachen konnte, ist der Planet Krios. Diese Welt, bereits in der Enterprise-Episode „Kostbare Fracht“ erwähnt, steht schon in der TNG-Folge „Verräterische Signale“ unter der Kontrolle des Klingonischen Imperiums, dass gegen seine aufständischen Bewohner mit brutaler Härte vorgeht.
Doch der klingonische Botschafter Kell gibt zu Protokoll, dass man den Planeten über kurz oder lang wohl in die Unabhängigkeit entlassen würde, um Ressourcen zu sparen.
Dieser Gedanke scheint schließlich in „Eine hoffnungslose Romanze“ Wirklichkeit geworden zu sein, denn dort unterstützt die Enterprise die königliche Familie des Planeten Krios – von den klingonischen Besatzern scheint auf Krios nichts mehr geblieben zu sein.
In diesem Buch ist Krios jedoch noch immer eine klingonische Kolonie – von nichtklingonischen einheimischen Bewohnern hingegen erfährt man nichts.
Aber wer weiß – vielleicht gibt es in den Weiten der Galaxie ja mehr als einen Planeten mit dem Namen Krios...

Fazit: Vom Cover bis zum Inhalt ist „Einzelschicksale“ ein ansehnliches Werk. Ein wahres Potpourri aus Referenzen, Gaststars und kleinen Geschichten aus dem Leben in der Zukunft des Star-Trek-Universums. Geschickt erschafft der Autor den Flair einer Star-Trek-Zukunft, lässt auch mal unbekannte Einzelpersonen zu Wort kommen und bietet eine großartige Überleitung für kommende Schreiber.
Nachteilig sind nur die mäßige Handlung, die wahre Informationsflut und die Tatsache, dass die vielen Anspielungen auf andere Bücher, die bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienen sind, unverständlich bleiben.
„Einzelschicksale“ macht also Lust auf mehr, steigert die Spannung auf die kommende Typhon-Pakt-Reihe und zeigt gleichzeitig, wieviel Arbeit Cross Cult mit der Veröffentlichung weiterer Romane noch vor sich hat.

Denkwürdige Zitate:

Nur um das einmal festzuhalten: Die Vorstellung der Sternenflotte von 'direkt morgen früh' unterscheidet sich grundlegend von meiner Vorstellung von 'direkt morgen früh'.
Sonek, S. 68

Rache ist nicht logisch.
vulkanischer Patient, S. 230

Oh, die politischen Umstände haben sich geändert, aber das ist nebensächlich. Ich spreche vom Universum, Sam. Sicher, es gab einige kosmetische Veränderungen, aber was bedeutet das schon für das Universum? Es ist in etwa so, wie wenn jemand sich die Fingernägel schneidet. Für den Fingernagel ist es ziemlich chaotisch, aber der Rest des Körpers bemerkt es kaum. Auch das wird vorübergehen.
Ezri Dax, S. 385

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Chaos für die Nägel - aber keine Notiz vom Universum?

Bewertung: Größerer Kontext übertüncht kleinere inhaltliche Mängel.

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Freitag, 8. Oktober 2010

Dämonen der Luft und Finsternis

Buchbesprechung deCandido, Keith R. A.: Dämonen der Luft und Finsternis. Cross Cult, 2001/2010.

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Story: Das Universum rückt näher zusammen: Wo eben noch der Warpantrieb nötig war, um von einem System zum anderen zu gelangen, öffnen sich plötzlich allenorts Portale, die Wurmlöchern gleich Abkürzungen innerhalb der Milchstraße bieten. Die Iconianer, jene in Legenden beschriebenen 'Dämonen der Luft und Finsternis' sind zurück - mit verheerenden Folgen. Frachter, die eben noch im Sol-System herumflogen, finden sich plötzlich im Heimatquadranten des Dominions wieder, unerwartete Besucher ohne passendes Federkleid füllen die Krankenhäuser von Armus IX und der von den Malon bequemerweise in einem der Portale verklappte Antimaterieabfall führt zur Zwangsevakuierung einer Menschenkolonie in unmittelbarer Nähe zu DS9.
Doch das Stationspersonal muss nicht nur mit der Mammutaufgabe der Rettung von über drei Millionen Kolonisten zurechtkommen, sondern auch noch mit den kleinen Alltagsproblemen, die jeder mit sich herumschleppt.
So muss sich der Andorianer Shar vor seiner Mutter für seine Entscheidung rechtfertigen, in der Sternenflotte zu dienen, während Kira auf einem Kurztripp in den Delta-Quadranten nicht nur die Urheber der Weltraumverschmutzung zu finden versucht, sondern auch ihren Glauben. Der Jem'Hadar Taran'atar hingegen erkennt während des Kampfes gegen einen am Portal lauernden Hirogen ansatzweise die Motive Odos, ihn auf diese Mission zu senden.
Weitgehend ungerührt von diesen Ereignissen führt hingegen Quark im Auftrag des Orionsyndikats die Verhandlung mit den iconianischen Abgesandten, die allen politischen Mächten ihr Portalnetz zum Verkauf anbieten. Doch groß ist die Verwunderung, als er den Verhandlungsführer der Gegenseite erkennt: Niemand geringeres als sein Vetter und Rivale Gaila wurde engagiert, um das Angebot mit der Weltraummafia auszudiskutieren.
Obwohl die Gespräche gut laufen, muss Quark rasch erkennen, dass Gaila ihm noch immer nachträgt, dass sein eigener Cousin ihn nicht nur finanziell ruinierte, sondern auch zum Ziel von Killerkommandos der Generalin Nassuc machte. Noch bevor es also zu einem Vertragsabschluss kommen kann, findet sich Quark unsinnigen Anschuldigungen ausgesetzt, die seine grünhäutigen Geschäftspartner davon überzeugen, den kleinen Ferengi sofort und für immer mundtot zu machen...

Lobenswerte Aspekte: Keith R. A. DeCandido bleibt seinem Stil treu: Wie bereits in „Die Gesetze der Föderation“ oder „Quintessenz“ setzt der Autor auch in diesem Buch auf geballtes Hintergrundwissen. Die zahlreichen Anspielungen (z.B. um das Beamen bei annähernder Lichtgeschwindigkeit in "Das fremde Gedächtnis", vgl. S. 227), Querverweise (z.B. auf den in „Die Gesetze der Föderation“ angesprochenen Konflikt zwischen Deltanern und Correanern, vgl. S. 29) und Rückblicke (z.B. der ironische Seitenhieb auf Kiras Schwangerschaft, vgl. S. 40) sind so zahlreich wie die Gaststars, zu denen übrigens so erlesene Personen wie Scotty (vgl. S. 34), Garak (vgl. S. 238) oder Mackenzie Calhoun (vgl. S. 31) zählen.
Einer dieser Stars ist hervorzuheben: Gul Macet. Dieser Cardassianer aus der TNG-Episode „Der Rachefeldzug“ ist vor allem deshalb so erwähnenswert, weil er von niemand geringerem als Marc Alaimo verkörpert wurde. Der Schauspieler, der zuvor bereits mehrere Rollen bei TNG übernommen hatte, wurde in erster Linie durch seine Darstellung Gul Dukats berühmt und deCandido versteht es geschickt, mit diesem Umstand literarischen Schabernack zu treiben. Zudem erklärt er diese augenscheinliche Ähnlichkeit, derer selbst Kira (vgl. S. 111) und Nog (vgl. S. 234) gewahr werden, durch Vetternschaft (vgl. S. 121) und lindert dadurch die Erklärungsnot des offiziellen Kanons.
Aber Referenzen auf Folgen, Bücher oder Schauspieler reichen deCandido nicht aus. Der Autor von Büchern und Comics diverser anderer Reihen ließ es sich nicht nehmen, auch eine kleine Ostereier zu verstecken, die diesen Werken gelten.
So hat es mich als großem Freund der Science-Fiction-Serie „Farscape“ sehr gefreut, dass Ro auf einem Schiff namens „Zelbinion“ diente, obgleich ich mir sehr wohl denken kann, warum „[...] dessen Namensgebung ihr niemand hatte erklären können.“.

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Doch noch entdeckt: Die Zelbinion

Generell muss man sagen, dass dem Autor ein unterhaltsamer Roman gelungen ist. Natürlich kann nicht jeder der unzähligen Charaktere auf DS9 in so einem Buch ausreichend betrachtet werden und daher ist es nur verständlich, dass sich deCandido die Rosinen herauspickt. Insbesondere Shar, Kira, Taran'atar, Quark und Ro Laren erfahren nähere Ausleuchtung, die mal tiefsinniger (bei den ersten drei Figuren), aber auch mal kurzweiliger (bei den beiden letztgenannten) ausfällt.
Das heißt allerdings noch lange nicht, dass die anderen Charaktere unerwähnt oder gar unbeschäftigt bleiben. So muss sich Vaughn als Krisenmanager beweisen (vgl. z.B. S. 189ff.) und der Trill Ezri erfährt ernsthafte Persönlichkeitsprobleme, die sich aus der eher unfreiwilligen Vereinigung mit dem Dax-Symbionten ergaben (vgl. S. 130ff.).
Als wäre dies noch nicht genug, holt deCandido auch noch einen weiteren, neuen Charakter mit ins Boot - ein Umstand, der folgenden Autoren vielleicht die Arbeit erschweren könnte, hier jedoch gut ins Konzept passt und der Station eine sexy Note verleiht (vgl. S. 239ff.).

Kritikwürdige Aspekte: Auch wenn ich mich prinzipiell über eine Verflechtung mit dem Kanon und an möglichst vielen Referenzen erfreue, muss ich zugeben, dass man hier schnell von der Informationsflut ertränkt werden kann. Grund dafür sind die unzähligen Namen, die vielen Spezies oder zahlreichen Orte, die man irgendwann nur noch unreflektiert hinnimmt. Das ist sehr schade, denn so können kleine Anspielungen wie die auf Farscape (oder jene, die meine Kollegin Ameise in ihrer Rezension ausfindig machen konnte) in der Masse der neuen Eigennamen schnell untergehen.
Trotzdem schafft es dieses Buch auch eindrucksvoll, das Gefühl zu vermitteln, dass man irgendetwas verpasst hat. Grund dafür sind die fehlenden anderen Bücher, die zur „Gateway“-Reihe gehören.
„Dämonen der Luft und Finsternis“ ist nämlich nur ein Roman aus einer ganzen Reihe, die sich mit den Iconia-Portalen näher beschäftigt. Zwar weist der Übersetzer Christian Humberg auf diesen Umstand hin und versichert in einer Fußnote, „Eine Kenntnis der anderen Titel ist für das Verständnis der bei Cross Cult laufenden Buchserien nicht nötig.“ (S. 316) und erwähnt dort ferner, dass der New-Frontier-Teil dieser Reihe wohl ebenfalls auf deutsch erscheinen wird, doch eine Auflösung der epochenübergreifenden Handlung wird dem Leser dadurch verwehrt. Man fragt sich am Ende des Buches nämlich schon irgendwo, ob die Portale nun für immer bleiben oder warum die Voyager sie nicht einfach nutzt, um nach hause zurückzukehren.
In dieser Reihe begründet liegt auch der krassen Bruch innerhalb des Werkes, denn eigentlich gibt es gleich zwei Bücher in einem: Teil 1 "Dämonen der Luft und Finsternis" und Teil 2, "Horn und Elfenbein". Zwar bin ich Cross Cult sehr dankbar dafür, dass sie den zweiten Teil (vgl. S. 253ff.) in diese Ausgabe integrierten, aber ich muss schon zugeben, dass sich dieser stark in Qualität und Aussage vom ersten, eher auf Abenteuer fixierten Teil abhebt.
Zentrales Thema hier ist nämlich die bajoranische Religion um die Propheten – ein heikles Thema in meinen Augen. Der religiöse Aspekt Deep Space Nines war für mich stets ein Makel an der Serie, zumal Folgen wie „Heilige Visionen“ eher erschreckend esoterisch daherkamen, als sich ernsthaft mit der Materie 'Religiösität' auseinanderzusetzen.
Dummerweise setzt sich dies plötzlich in Buchform fort. Anstatt den eingeschlagenen Kurs einer kritischen Auseinandersetzung, der mit „Offenbarung“ eingschlagen wurde, weiterzufahren, knüpft „Horn und Elfenbein“ offen an der erwähnten Episode an (vgl. S. 291ff.) und verliert sich in einer schwülstigen Propheten-Vision, ohne diese adäquat in Beziehung zur Problematik des Paria-Status' der Stationskommandantin zu setzen. Da bleibt nur die Hoffnung, dass kommende Romane diese Lücke schließen.
Als Europäer störte mich ferner der Disneypark an Vorurteilen, den der nach seinem Namen selbst italienischstämmige deCandido hier 'Europa Nova' nennt. Neben kitschigen Stereotypen um flirtende Südländer (vgl. S. 136f.) espressosüchtige Großfamilien (vgl. S. 137f.) oder novoneogotischer Architektur (vgl. S. 73) kann man dieses 'Neue Europa' kaum mehr als ein größeres Bauerndorf mit italienischem, oder bestenfalls spanischen Ortsnamen schimpfen. Wenn es dem Autor nur darum gegangen sein sollte, seine Klischees auszuleben, hätte er den Planeten auch Italia Minor oder Mezzogiorno Nova nennen können.
Was mir allerdings noch mehr als political correctness gefehlt hat, war ein abschließender Essay, wie ihn Julian Wangler oft für die verschiedenen bislang erschienenen Werke verfasste. So etwas wäre sicherlich hilfreich gewesen, und selbst Themen gäbe es zur Genüge.
Beispielsweise hätte man etwas über die Andorianer und ihre Populationskrise verfassen können, untergegangene Zivilsationen wie Iconianer näher betrachten müssen oder die Geschichte Bajors näher erläutern sollen.
Das Fehlen dieses Schlusspunktes ist betrüblich, denn diese finalen Bemerkungen waren stets etwas, was die Cross-Cult-Bücher von den Heyne-Vorgängern und sogar den amerikanischen Originalen abhob.

Übersetzung: Wenn Christian Humberg übersetzt, gibt es kaum etwas zu beanstanden. Die Fehler sind minimal wie etwa „sinbd“ (S. 159); und auch wenn Bezeichnungen wie „Fremdoffizier“ (S. 31) und „Medikit“ (statt 'Medkit', S. 40) etwas an Heyne erinnern, liegen qualitativ Welten, wenn nicht Galaxien, zwischen beiden Produkten.
Allerdings frage ich mich schon, warum „Root Beer“ (S. 64) unübertragen blieb, während aus „birch beer“ „Kräuterbier“ (S. 249) wurde. Auch was sich hinter dem Begriff „ignorante Stoffel“ (S. 31) verbirgt, muss man mir ollem Zoni wohl nochmal erklären.
Aber diese beiden Beispiele sind ein Zeugnis jener Eigeninitiative, die ich mir bei Übersetzern wünsche, und daher kann man sie auch nicht ankreiden.
Dann schon eher, dass die Begriffe „Shelliak“ (statt 'Sheliak', S. 62) und „Paluku“ (statt 'Palukoo', S. 287) in fehlerhaften Schreibweisen aus dem Original entnommen wurde. Nicht umsonst gibt es heutzutage Memory Alpha; hier hätte mich eine Korrektur wirklich einmal gefreut.

Anachronismen: Viel gibt es bei einem so gründlichen Autoren wirklich nicht zu beanstanden.
Der einzig wirklich erwähnenswerte Widerspruch ist der Umstand, dass die Orionerin Treir als unabhängige Sklavin des einflussreichen Malic beschrieben wird. Sie ist eine previligierte Hure in einer patriarchalisch organisierten Mafia, der sie Dank Quark und Ro Laren entkommen konnte.
Betrachtet man die Enterprise-Episode „Die Verbindung“, ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Die starken Pheromone der Orionerinnen lassen sie zu den eigentlichen Lenkern und Herrschern einer orionischen Gesellschaft werden, in der Männer nur betörte Vollstrecker weiblicher Befehle sind.
Für diesen Widerspruch kann man deCandido allerdings keinen Vorwurf machen, denn sein 2001 in den USA erschienenes Buch konnte unmöglich die Entwicklung der 2004 erstmalig ausgestrahlten Folge vorwegnehmen.
Dafür ließ der Autor jedoch an anderer Stelle Nachlässigkeit walten: Während er den Malon ein eigenes Entfernungsmaß zugesteht (vgl. S. 17), verwenden die Bajoraner der Vorzeit sehr menschliche Kilometer (vgl. S. 288).

Fazit: In gewohnter Art und Weise hat sich Keith R.A. deCandido wieder einmal der Kanon zunutze gemacht und daraus einen unterhaltsamen und würdigen vierten Band der Deep-Space-Nine-Reihe zusammengeschustert.
Allerdings weicht „Dämonen der Luft und Finsternis“ etwas vom Weg ab, den die vorherigen Bände eingeschlagen haben und kehrt besonders im zweiten und schwächeren Teil „Horn und Elfenbein“ zu den esoterischen Ansätzen zurück, die bereits in der Serie mehr schlecht als recht funktionierten.
Ferner fehlt dem Ende die Auflösung jenes Handlungsstranges, der sich mit den Iconia-Portalen beschäftigt und auch die Schlussessays, die die bisherigen Star-Trek-Romane von Cross Cult so besonders gemacht haben, hätten dem Leser das Verständnis erleichtern können.

Denkwürdige Zitate:

Die etablierten Routinen sind nur Richtwerte. Dein Job als Ingenieur besteht darin, bessere Alternativen zu finden.
Scotty, S. 26

Er ist nah. Das fühle ich in der … Uff!
Alpha-Hirogen, S. 170

Wissen Sie, wer diese Wesen waren?
Ihre Schlacht ist geschlagen. Sie können ihr Leben nicht zurückgewinnen. Unser Kampf dauert jedoch noch an.“
Kira und Taran'atar, S. 174

Wenn Sie Commander werden, operiert man Ihnen den Knochen aus dem Leib, der dafür sorgt, dass Sie Ihre Befehle erklären.
Vaughn, S. 194

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Commander Turon47

Bewertung: Ein gutes Argument für die Gateway-Reihe.

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Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel Acht, 01: Offenbarung, Buch 1
DS9, Staffel Acht, 02: Offenbarung, Buch 2
DS9, Staffel Acht, 03: Der Abgrund
DS9, Staffel Acht 04: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel Acht, 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel Acht, 06: Mission Gamma II: Dieser Graue Geist

Sonntag, 4. Juli 2010

Destiny 01: Götter der Nacht

Buchbesprechung Mack, David: Destiny 01: Götter der Nacht. cross cult, 2008/2010.

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Story: Wieder einmal klopfen die Borg an die Tür der Föderation.
Nein, dieses Bild trifft es nicht ganz.
Also nochmal:
Die Borg kommen unangemeldet vorbei, klingeln nicht einmal und reißen beim Eintreten gleich die ganze Veranda nieder.
Schon besser!
Um den Motiven und Beweggründen der radikalisierten Borg auf den Grund zu gehen, richtet sich der prüfende Blick des Lesers auf die Ereignisse an Bord von vier verschiedenen Schiffen, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben.
Daher werfe ich mal einfach vier verschiedene Inhaltsangaben ins Rennen:

1. Die Columbia NX-02 befindet sich 2156 mitten im Kampf gegen die Romulaner. Die hinterlistigen Blutsverwandten der Vulkanier nutzen ein heimtückisches Computervirus, um die Kontrolle über die Bordsysteme des Schiffes zu übernehmen und die Besatzung zu zwingen, ihre eigenen Schiffe zu zerstören. Nur mit knapper Not kann die Columbia doch noch entkommen und in einer zwölf Jahre andauernden Unterlichtgeschwindigkeitsreise das nächste System erreichen. Am Ziel angekommen entpuppen sich die Eingeborenen als so hoch entwickelt, dass sie den popeligen Eindringlingen im Interesse ihrer eigenen Ungestörtheit die Weiterreise versagen. Schließlich wissen sie um die Tratschleidenschaft unterentwickelter Spezies! Captain Erika Hernandez findet sich daher rasch in einem goldenen Käfig wieder und macht sich keine großen Hoffnungen mehr darauf, ihre Heimat je wieder zu sehen. Nur ein paar ihrer Untergebenen werfen die Flinte nicht gleich ins Korn und planen eine folgenschwere Meuterei.

2. Im Jahr 2281 untersucht die hypermoderne USS Aventine unter dem Kommando Captain Ezri Dax' die Absturzstelle der Columbia NX-02 im Gamma-Quadranten. Es gibt kaum Hinweise darauf, was mit der Besatzung passierte und das ungewisse Gefühl, dass es im Wrack spuken würde, verunsichert die Mannschaft. Doch Captain Dax hat eine Ahnung, dass die Anwesenheit dieses Schiffes an diesem Ort mit den jüngsten Borgeinfällen im Zusammenhang stehen könnte, die ihr den Posten des kommandierenden Offiziers überhaupt erst ermöglicht haben.
Plötzlich jedoch sterben zwei ihrer Besatzungsmitglieder auf brutale Weise und als auch auf der USS Aventine ein Crewman auf ähnlich grausame Art eliminiert wird, ist dem jungen Captain klar, dass ein unbekannter Eindringling an Bord sein Unwesen treibt.

3. Währenddessen trüben dunkle Wolken das Eheleben der Rikers. Ihre gemeinsamen Bemühungen, Nachwuchs zu produzieren, drohen in einer weiteren Fehlgeburt zu enden und die ohnehin kriselnde Beziehung wird durch die Weigerung Deannas, eine (wenigstens für sie) lebenswichtige Abtreibung durchführen zu lassen, zusätzlich verschärft. Die Kommandohierarchie gerät ins Wanken und zu allem Überfluss lassen sich in der unmittelbaren Umgebung Hinweise auf einen Transwarpkanal der Borg oder zumindest etwas sehr ähnliches finden. Doch je näher die Titan dem Ziel kommt, desto offensichtlicher wird es, dass der Urheber dieser Anomalie nicht gestört werden möchte.

4. Zur gleichen Zeit kämpft die USS Enterprise NCC-1701-E als eines der Schiffe in der vordersten Frontlinie den verzweifelten Kampf gegen die Borg. Zur Verärgerung Picards ist die Enterprise als einziges Schiff der Sternenflotte im Besitz einer Waffe, die in der Lage ist, Borgkuben zu vernichten. Doch die Enterprise kann nicht überall sein und die andauernden Angriffe der Borg stellen eine gigantische Belastungsprobe für die Föderation dar. Picard versucht verzweifelt, den Ursprungort der Angriffe ausfindig zu machen...

Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Wohl kaum einer Star-Trek-Romanserie wurde so heiß entgegengefiebert, wie der Destiny-Trilogie und nun ist sie endlich da!
Und schon mit den ersten Seiten beginnt sie, auf ganzer Linie zu überzeugen und den geneigten Leser in ihren Bann zu schlagen. In geschickten Wechseln springt die Handlung wie eine Billiardkugel über die Bande: von Dax zu Picard, von Picard zu Riker, von Riker zu Hernandez und von Hernandez wieder zu Dax.
Das klingt im ersten Moment sicher nach einer Menge Wuselei, doch dem Wunderkind David Mack gelingt es eindrucksvoll, den verschiedenen Erzählebenen nicht nur Eigenständigkeit, sondern auch einen gemeinsamen Nenner zu verleihen. Schnell wird klar, dass es sich hier um ein größeres Ganzes handelt, dem alle Protagonisten nur im Zusammenspiel auf die Schliche kommen können.
Und David Mack wäre nicht David Mack, wenn er nicht auf jeder einzelnen Seite beweisen würde, wie gut er sich in der Materie 'Star Trek' auskennt. Spielend jongliert er mit den großen Themen dieses Romans, der nichts anderes ist, als ein gigantisches Crossover aus Enterprise, Titan, TNG und Deep Space Nine. Unzählige Referenzen, Kurzanspielungen und Rückblicke verweisen auf die Sachkenntnis des Autors und es wäre müßig, sie alle aufzuzählen, denn schließlich waren es Werke Macks wie „Der Vorbote“ oder „Ernte den Sturm“, die den entsprechend hohen Standard setzten, der mittlerweile zum guten Ton für alle jene gehört, die selbst einen Roman veröffentlichen wollen.
Daher soll heute mal ein anderes Kriterium als Gradmesser für Macks Einfühlungsvermögen in die Serien und Filme dienen. Dazu erlauben wir uns einen gemeinsamen (zugegebenerweise halbherzigen) Blick über den Tellerrand: In der Futurama-Episode „Der letzte Trekkie“ weist Fry auf eines der zentralen Paradigmen der Original-Serie TOS hin:

"Das ist üblich, bei jeder Episode: Jemand taucht auf, mit einem komplizierten Plan; dann erklärt er ihn mit einer einfachen Analogie."

Tatsächlich kann man so etwas als eine eherne Tradition bezeichnen, die nicht nur TOS, sondern auch TNG und später folgende Serien nutzten, um dem Zuschauer nicht das Gefühl zu geben, vom ganzen Techno-Gebrabbel völlig abgehängt zu werden.
„Was auf dem Bildschirm funktioniert, kann in einem Buch nicht schaden“, muss sich David Mack gedacht haben, als er folgenden Austausch zwischen Rennan Konya, Beverly Crusher und Geordi LaForge auf der Seite 139 verfasste:

Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass die Phaser darauf ausgelegt sind, Energieströme zu synchronisieren, und transphasische Waffen bauen auf das Gegenteil.
Äpfel und Orangen.
Wohl eher wie Äpfel und Forellen.

Aha! Keine Ahnung, wovon der sensible betozoide Sicherheitsrambo da eigentlich redet, doch der Arzt und der Chefingenieur können Licht ins Dunkel bringen: Der beschriebene Vorgang unterscheidet sich also nicht nur so sehr wie Kernobstgewächse von Zitrusfrüchten, sondern sogar wie Fisch von Obst! Fleisch und Grünzeug! Sehr einleuchtend!
Der österreichische Hauptmechaniker der USS Columbia, Karl Graylock, geht in seinen unblumigen Ausführungen auf Seite 299 sogar noch weiter:

Die Plattform erschafft ein intensives Subraumphasenstörungsfeld. Und die Impulse im Inneren der Säule sind Solitonwellen, genau wie Inyx gesagt hat. Ich denke, dass dieses Ding die Wellen durch den Subraum schickt und sie wie einen Bohrer benutzt, um ein Loch zu erzeugen, […] Der Phasenstörer arbeitet wie Mutter und Schraube und zieht die zwei Enden des Lochs zusammen, bis sie sich treffen.““

Bravo! Einfache Metaphern, die selbst ein mäßig handwerklich begabter Mann zu begreifen in der Lage ist! Mal eben mit Bohrer, Schrauben und Muttern die Funktionsweise eines künstlichen Wurmlochs zu veranschaulichen, ist schon eine Leistung, die einer entsprechenden Würdigung bedarf.
Damit ist allerdings nicht gesagt, dass das Niveau auf die Ebene eines Elektrikerlehrlings mit Lernschwäche herabgesenkt hätte. Ganz im Gegenteil!
William Shakespeare (vgl. S. 314), Walt Whitman (vgl. S. 260) und sogar Bertolt Brecht (S. 7), dessen „Mutter Courage“ hier das Einleitungszitat beisteuert, finden eine passende Einarbeitung in den Kontext und verlangen dem Leser zumindest etwas lohnenswerte Recherche ab. Gleichsam lohnend ist auch der Blick auf das Bild Pierre Drolets, dass den Autor David Mack überhaupt dazu trieb, dieses überaus spannende Werk zu verfassen.

Kritikwürdige Aspekte: David Mack bleibt sich treu. Wieder einmal überlässt er seiner Anhängerschar ein Buch, dem ein Ende fehlt. Die knapp 400 Seiten vergehen wie im Flug, doch am Ende findet man auf Seite 403 jenen bösen Satz, den man, gerade erst angeheizt von den kürzlich beschriebenen Entwicklungen, nicht wahrhaben will:

STAR TREK – DESTINY
wird fortgesetzt in
Buch II
Gewöhnliche Sterbliche

Neeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiin!! Ähnlich lautende Sätze waren bereits im vierten Titan-Band „Schwert des Damokles“ und dem fünften TNG-Relaunch-Werk „Mehr als die Summe“ der totale Stimmungskiller! Nun ist die Wartezeit auf den nächsten Band zwar überschaubar, doch gerade wegen des erhöhtes Suchtpotentials muss ich darauf hinweisen, dass man dieses Buch besser zu einer Zeit zu lesen beginnen sollte, in der die Veröffentlichung des dritten Bandes der Reihe unmittelbar bevorsteht.
Trotz seines auf dem ersten Blick großen Umfanges liest sich „Götter der Nacht“ nämlich fast wie von allein.
Doch der Leser muss für diese gnadenlose Spannung einen tödlichen Preis zahlen. Acamar, Ramatis, Barolia, Korvat und Admiral Owen Paris müssen für die Aufrechterhaltung der Dramatik das Zeitliche segnen. Für meinen Geschmack ist das in etwa so radikal wie die Idee, gleich den gesamten Planeten Vulkan auszuradieren, nur um ein paar jüngere Cineasten ins Kino zu locken. Doch wenn man Destiny liest, begreift man Abrams Schritt im elften Kinofilm schnell als logische Weiterentwicklung jener Radikalität, die bereits in diesem Buch seinen Anfang nimmt.
Ein Übermaß solcher Radikalität muss man in diesem Werk ebenfalls den MACOs zubilligen. Im Vergleich zu ihrem Pendant auf der Enterprise wirken diese Krisenreaktionskräfte der Columbia geradzu fanatisch!
Hatte ich sie mir zuvor eher wie eine erwachsenere Version der GSG9 vorgestellt, wirken sie hier plötzlich wie eine maoistische Guerilla-Terroristen-Truppe aus dem kolumbianischen Drogen-Dschungel. Die hirnlosen Charaktere irgendwo zwischen Kadavergehorsam und Führerwahn erinnern jedenfalls nur selten an ihre Vorbilder aus "Enterprise". Erst wenn man den Zweiteiler „Die dunkle Seite des Spiegels“ in den Kreis der möglichen Vorbilder aufnimmt, kann man gewisse Parallelen ziehen, doch die Vermutung liegt nahe, dass dies nicht in der Intention des Autors lag.
An Personen wie Foyle, Yacovino oder Pembleton manifestiert sich erstmals ein Problem, das man so bei David Mack nicht erwartet hätte: Eine ganze Reihe wichtiger Figuren offenbart deutliche Schwächen.
So wirkt der aus Folgen wie „Zuhause“, „Die Heimsuchung“ oder „Die Abweichung“ bekannte Captain der USS Columbia nur wie ein Schatten vorangegangener Darstelllungen. Etwas trostlos, schwach und kommandomüde wirkt die Frau wie eine Fehlbesetzung auf dem Kommandosessel und kann nur selten dem ungleich sympathischeren und kompetenteren Bild gerecht werden, dass auf Zelluloid von ihr gezeichnet wurde.
Eine ähnlich Fehlbesetzung in leitender Position tritt mit 'Captain' Ezri Dax auf. Also mal ehrlich, diese Figur wirkt stets so unsicher, ängstlich und aufgeregt, dass ich sogar Angst hätte, mit dieser Frau als Beifahrerin nachts in einem Panzer durch Berlin zu fahren! Sie bietet nichts von jener deutlichen Autorität wie sie Kirk, Picard, Sisko, Janeway und sogar Riker im Überfluss versprühen.
An diesem Punkt holt Jadzia ihren nachfolgenden Wirt wohl zu sehr ein. Die von Terry Farrell verkörperte Jadzia wäre tatsächlich eine Idealbesetzung dieses Postens gewesen, doch mit dem Wechsel zu Ezri und Nicole de Boer bedeutete es auch grundlegende Veränderungen für das neue Wesen, das aus der Vereinigung von Symbiont und Wirt entstand. Ihm sollte ein eigener Weg zustehen; ein eigenes Leben und eigene Entscheidungen. Gerade deshalb war die Entscheidung Ezris für Bashir und gegen Worf so interessant: Sie betonte den Unterschied.
Ezri Dax nun aber in Jadzias viel zu große Fußstapfen treten zu lassen, ist dem Charakter gegenüber unfair und funktioniert nur mäßig. Den harten Kommandanten eines neuen Superraumschiffes kann man ihr - trotz der Schilderungen aus "Offenbarung" - nur bedingt abnehmen.
Doch selbst jene Figuren, die schon tausend Mal nachvollziehbar beschrieben wurden, verlieren an Profil und Zurechnungsfähigkeit. Picard muss von seiner neuen Frau erst zur Vernunft geprügelt werden (vgl. S. 260), Riker heult sich mit dicken Krokodilstränen vor seinem ersten Offizier aus, die ohnehin alles von Anfang an gesagt hat (vgl. S. 64) und die ausgebildete Psychiaterin Deanna Troi kämpft scheinbar mit pränatalen Depressionen (vgl. s. 68ff.). Eine fürchterliche Nebenhandlung, die die für uns Europäer ohnehin schwer verständliche Abtreibungsdebatte in den USA mehr schlecht als recht thematisiert, denn der entsprechende Handlungsstrang auf der Titan so ekelhaft durchsichtig gestrickt, dass sich selbst ein mäßig fantasiebegabter Rosamunde-Pilcher-Freund problemlos ausmalen kann, dass die Caeliar ihr am Ende doch noch zu einer erfolgreichen Schwangerschaft und rosenfarbner Mutterschaft verhelfen werden.
Genauso schade ist, dass mit T'Ryssa das belebende Element des letzten TNG-Romans bedauerlicherweise in eine undankbare Nebenrolle verdrängt wurde. Ihr minimaler Kurzauftritt (S. 201) wird weder der Figur noch dem Potential gerecht, dass in der Halbvulkanierin steckt.
Etwas merkwürdig mutet außerdem die Namenswahl an, denn da spielen mindestens zwei alte Bekannte mit. Allein auf dem Kamikazeschiff USS Ranger dient nicht nur Nero (vgl. S. 183), sondern auch Schultheiss (vgl. S. 185)!

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Ein Schultheiss auf Nero und den Freitod der Ranger-Besatzung!

Weniger Wiedererkennungswert bieten die vielen Referenzen auf zuvor erschienene Bücher. Die Bände der Titan- und der TNG-Relaunch-Reihe sollte man gelesen haben und auch die Lektüre von „Die Gesetze der Föderation“ empfiehlt sich, um den ersten Abschnitt des Kapitels 15 richtig einordnen zu können. Bezüge auf Titel wie „The Brave and the Bold, Book II“ (vgl. S. 143), den Voyager-Roman „Full Circle“ (vgl. S.271ff.) und natürlich die obligatorische „A time to...“-Serie (vgl. S. 197f.) erschließen sich dem deutschen Publikum wenn überhaupt nur zaghaft, da die entsprechenden Werke bislang noch nicht in der hiesigen Landessprache erschienen sind.
Ganz besonders fade ausgefallen sind dieses Mal die „Zugaben“. Über den zweifelhaften Wert der aussagearmen „Timeline“ (S. 420/421) habe ich mich bereits in der Rezension zu „Mehr als die Summe“ ausgelassen. Aber auch die Auflistungen der „vorkommenden Besatzungsmitglieder“ der Schiffe USS Columbia (S. 404), USS Enterprise (S.405), USS Titan (S. 406) und der USS Aventine (S. 407), ist ein nicht minder schlechter Witz, denn sowohl auf der Columbia (Karin Gunnardóttir, Sidra Valerian, Brynn Melia), der Enterprise (Gary Weinrib, Rennan Konya), der Titan (Sariel Rager, Fo Hachesa, Aili Lavena) und der Aventine (Nevin Riordan, Naomi Darrow, Ensign Hockney) fehlen etliche, zum Teil handlungsrelevante Namen in der Liste.
Selbst Julian Wanglers Beitrag über die Chronologie der Borgangriffe (vgl.S. 411ff.) schert nicht aus dem Rahmen der Belanglosigkeit aus, denn wenn man über die entsprechenden Informationen nicht bereits selbst verfügt, lassen sie sich auch problemfrei im Internet recherchieren.

Übersetzung: Beim Lesen fühlt man sich schon etwas an den längst überwunden geglaubten Flair der Heyne-Übersetzung erinnert. Nicht nur, dass man auf das Wort „terranisch“ (S. 10) stößt, das in den verschiedenen Serien eigentlich den Spiegeluniversumsmenschen vorbehalten ist; auch die „Schotten“ (S. 382) feiern ein unnötiges Revival, wobei noch nicht einmal der Volksstamm von den britischen Inseln gemeint ist, sondern die Mehrzahl von „Schott“, obgleich in all den verschiedenen Serien der Plural „Schotts“ genutzt wurde.
In sämtlichen dieser Serien und Filmen habe ich ferner niemals das Adjektiv „subräumlich“ (S. 11) vernommen; von sehr frei übersetzten Begriffen wie „Raumfachwerk“ (S. 22) „Türglocke“ (S. 62) „Frachtbuchten“ (S. 311) ganz zu schweigen.
Hinzu kommen einige kleinere Fehler. So liest man auf Seite 314 „stüzen“ und auf Seite 141 „Rums“. Was sich wie der Genitiv oder Plural eines alkoholischen Getränkes anhört, soll in Wirklichkeit als onomatopoetischer Ausdruck für eine Explosion herhalten, obwohl bereits jeder halbwegs informierte Bildbetrachter des Lustigen Taschenbuches weiß, dass es korrekt „Rumms!“ heißen müsste. Daneben lassen sich weitere Flüchtigkeitsfehler wie in diesem Satz auf Seite 136 finden:

Wenn Choudhury recht hat, werden wir die Borg in wenige Stunden wiedersehen.

Ja sogar den Einsatz des Genitives, den ich eigentlich sehr schätze und selbst recht überschwänglich unterbringe, muss ich dieses Mal bemängeln:

Ich habe wegen dessen, was mit Yott und Komer geschehen ist, um eine Verlängerung gebeten, aber ich würde mich nicht darauf verlassen.

Da sich „wegen“ in diesem Fall (S. 149) auf etwas bereits Vergangenes bezieht, müsste hier eindeutig die Dativform „dem“ stehen, selbst wenn im süddeutschen Raum der zweite Fall den dritten oft verdrängt.
Verdrängen sollte man auch einige andere Übersetzungsmängel, die Unkenntnis über die Materie Star Trek vermitteln. So ein „Orione“ (S. 326) wird nämlich eher als „Orioner“ bezeichnet, und den Plural von „petaQ" richtig abzuschreiben, sollte eigentlich auch kein größeres Problem sein (vgl. S. 270).
Besonders gewundert hat mich auf Seite 347 die Anrede „Foyer“. Redet Yacovino allen Ernstes mit einer Eingangshalle? Oder verwurschtelte da die Übersetzerin Stephanie Pannen die beiden Protagonisten „Foyle“ und „Thayer“ zu einer Person, um Buchstaben zu sparen? Oder meinte Sie gar „Feuer“? Ein Mysterium, dessen Aufklärung Pannen uns schuldig bleibt.
Nun will ich nicht nur meckern. Die eigenmächtige Paarung von „Unfall“ und „Zufall“ (S. 270), die es in der englischen Sprache so ja nicht geben kann, ist clever gemacht und zeigt einen Aktionswillen, den ich mir bei der bereits erwähnten Analogie mit den Äpfeln und Orangen (vgl. S. 139) gewünscht hätte, denn im Deutschen gibt es eine ähnlich lautende Redewendung: Äpfel mit Birnen vergleichen.

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Von links nach rechts: Apfel, Orange, Birne, Forelle

Anachronismen: Wer Vanguard bereits kennt, der weiß, dass Anachronismen in David Macks Werken eher die Ausnahme denn die Regel bilden. Intensive Recherchen und geballtes Fachwissen des Autors verhindern, dass sich Widersprüche dieser Art trotz intensiver Suche überhaupt finden lassen.
Allerdings ist „Götter der Nacht“ nur der Startpunkt eines Dreiteilers, der sich viel zu klären vorgenommen hat, weswegen ich bis zum letzten Band „Verlorene Seelen“ eine endgültige Aussage vorbehalte.

Fazit: Wie nicht anders zu erwarten beglückt David Mack den Käufer von „Götter der Nacht“ mit einem spannenden, gut abgestimmten und authentischen Start in eine Trilogie epischen Ausmaßes.
Doch Mack geht für sein Ziel über Milliarden von Leichen und wütet im bekannten Star-Trek-Universum wie ein Berserker – der Vergleich mit Abrams elftem Kinofilm ist nicht unbedingt abwegig.
Die großen Schwachpunkte bilden allerdings die für den Autor ungewöhnlichen Schwächen in der Figurendarstellung und eine Übersetzung, die unliebsame Erinnerungen an Heyne wach werden lässt.

Denkwürdige Zitate:

Sie sehen das Schlachtfeld, Jean-Luc. Ich muss den Krieg sehen.
Admiral Nechayev, S. 136

Im Wesentlichen ist es so, Frau Präsidentin, wenn die Föderation das hätte, was man in der Geschichte der Erde eine 'Weltuntergangsuhr' genannt hat, ständen ihre Zeiger jetzt bei einer Minute vor Mitternacht.
Admiral Akaar, S. 267

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Neulich kurz vor zwölf in der Föderation

Bewertung: Ein verheißungsvoller Start mit ungewohnten Mängeln.

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Weiterführende Leseliste:

Destiny 01: Götter der Nacht
Destiny 02: Gewöhnliche Sterbliche
Destiny 03: Verlorene Seelen