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Dienstag, 28. Dezember 2010

These are the Voyages...

Seit ein paar Tagen ist das Weihnachtsfest vorbei. Die ganze Besinnlichkeit, die viele Zeit mit der Familie und nicht zuletzt die vielen Geschenke haben mich dazu bewogen, zur Feier des Tages einmal etwas anderes zu rezensieren, als immer nur Romane.
Diese Buchbesprechung ist in erster Linie meinem Freund und Kupferstecher K'olbasa vom der Star-Trek-Tafelrunde Potsdam gewidmet, der meine Frau und mich nicht nur an Heiligabend bewirtete und beschäftigte, sondern auch dieses Buch geschenkt hat.
Vielen Dank für alles, K'olbasa!
In zweiter Linie ist es ein verspäteter Weihnachtsgruß an all die treuen Leser da draußen, die selbst an eher ruhigen Tagen immer wieder vorbeischauen.
Danke für alles, ihr treuen Leser!

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Buchbesprechung Kurts, Charles: These are the Voyages.... Pocket Books, 1996.

Story: Gut, eine eigentliche Handlung sucht man in diesem Buch vergebens.
Natürlich erzählen die berühmten Sternenflottencaptains Kirk, Spock, Picard, Sisko und Janeway von ihren Einsatzorten und ihren Kameraden doch mehr als einige äußerst kurze Einblicke in verschiedene Missionen werden dem Leser nicht gewährt.
Doch warum auch – ausnahmsweise ist hier das Lesen zweitrangig, denn „These are the Voyages...“ ist eher etwas zum Anschauen, als zum Lesen...

Lobenswerte Aspekte: Auch wenn es einige Leute abstreiten, verheimlichen oder vergessen haben:
In jedem von uns steckt irgendwo ein Kind.
Au diesem Grund schauen wir schon mal verstohlen über den Bauzaun hinweg auf die Planierraupe, die auf der Baustelle um die Ecke so scheinbar fleißig wie offensichtlich sinnfrei massenhaft Erdreich von einer Ecke zur anderen schiebt. Oder öffnen in einem scheinbar unbeobachteten Moment heimlich alle Türchen des Weihnachtskalenders, um den Inhalt weit vor dem Fest vollständig zu verdrücken. Es kann sich aber bei dieser Wetterlage auch schlichtweg darin manifestieren, dass man den allgegenwärtigen Schnee nutzt, um Bälle daraus zu formen und sie freudig strahlend in Richtung Freundin wirft.
Wer also noch nicht völlig mit seinem kindlichen Ich abgeschlossen hat, wird an diesem Buch seine helle Freude haben.
Es geht sogar noch einfacher: Anstatt nur das Kind in sich selbst zu wecken, genügt es schon, ganz einfach ein Kind zu sein!
Seien wir doch mal ehrlich: Dank Clone-Wars und Star-Wars-Lego ist eine ganze Generation potentieller Star-Trek-Fans gerade dabei, eine völlig falsche Richtung einzuschlagen, nur weil es nichts gibt, was Star Trek diesem Jungpublikum bieten kann.
'Moment einmal!', wird da vielleicht jener Hardcore-Trekkie ausrufen, der den Star-Trek-Trickfilmableger „The animated Series“ (TAS) aus den Siebzigern allen Ernstes für kindgerechte Kost hält.
'Humbug!' entgegne ich solchen Leuten, 'Humbug!'. Viel zu viele der Folgen sind nicht geeignet, um kleinen Kindern überhaupt zugemutet zu werden. Außerdem verhindert das mittlerweile stattliche Alter der Serie, ihre Qualität und die Tatsache, dass ein farbenblinder Regisseur den Großteil der Folgen beaufsichtigte, dass Kinder dieses Jahrtausends der Serie sonderlich viel Aufmerksamkeit schenken.
Was nicht bedeuten soll, dass die Kinder von Heute, respektive Jugend von Morgen verwöhnt ist. Im Gegenteil. Schon mit einfachen Mitteln kann es gelingen, sie wieder für das weitaus wissenschaftlichere und eindeutig bessere Stück Science Fiction zu begeistern.
„These are the Voyages...“ ist so ein Mittel, denn es handelt sich nicht um ein Buch im klassischen Sinn, sondern um ein sogenanntes „Pop-up-“ beziehungsweise „Steh-auf-Bilderbuch“. Blättert man darin herum, so entfalten sich mit jeder neue Seite Objekte aus Pappe, die durch das Aufklappen einen gewissen Grad an Räumlichkeit erzeugen.
Egal ob jung oder alt – das Aufschlagen jeder einzelnen Seite bereitet bereits Freude, die noch dadurch verstärkt wird, dass auch andere Gimmicks, wie Drehfelder, Laschen zum ziehen oder das Linsenrasterbild auf dem Buchcover die Möglichkeit zu Interaktion bieten. Dort bewegt man die Schwanzflosse eines Buckelwals, hier verwandelt man Picard in Locutus und da saust die Enterprise dem Betrachter mit Warp entgegen!
Abgesehen von einer kleinen Ausnahme (Odos Darstellung ist im Vergleich zum Rest vielleicht ein wenig popelig) sind die einzelnen Steh-auf-Bilder von recht hoher Qualität, was schon allein deshalb so bemerkenswert ist, weil größtenteils Zeichnungen, beziehungsweise gemalte Figuren verwendet wurden. Wer die teilweise schludrigen Ratebilder aus den vielen Star-Trek-Comics von Gold Key bis IDW kennt, wird die Darstellungen dieses Buches zu schätzen wissen.
So richtig viel Spass hat man allerdings erst, wenn man sich dieses Werk zusammen mit Kindern ansieht.
Die Töchter und Söhne, Nichten und Neffen, Patenkinder und Bekanntenbälger können mit diesem Buch spielerisch einen Eindruck davon bekommen, wer Captain Kirk, was ein Klingone oder welches Schiff die Enterprise-D ist. Danach interessiert es sie von ganz allein, mehr über Star Trek zu erfahren (die klassische Episode „Kennen Sie Tribbles?“ eignet sich im Anschluss an die gemeinsame Lektüre ganz besonders). Und so ist nach einem spaßigen Nachmittag für beide Parteien wieder ein Kind aus den Klauen der dunklen Seite der Macht errettet und in die offenen Arme der Föderation geleitet worden. Ein kleiner Sieg für Anstand, Moral und den großen Vogel der Galaxis...

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Ein Spaß für die ganze Familie!

Kritikwürdige Aspekte: Die heile Föderationswelt dieses Buches kann leicht Risse und Kratzer bekommen.
Das ist noch nicht einmal figurativ gemeint, denn tatsächlich tauchen an jenen Stellen, an denen die Pop-ups sich immer wieder auf- und wieder niederfalten, schon nach kurzer Zeit Gebrauchsspuren auf. Fettige Finger, häufiges Ziehen an den Laschen oder unvorsichtiges Zusammenfalten tun ihr Übriges.
Ganz besonders im Umgang mit Kindern ist es daher ratsam, vor dem gemeinsamen Durchblättern Verhaltensregeln aufzustellen. Sobald man nämlich bewusst macht, wie fragil die einzelnen Bildbestandteile sind, gehen Kinder damit auch sorgsamer um.
Dennoch würde ich dringend davon abraten, jungen Mädchen und Jungen dieses Buch einfach zu schenken oder zur Selbstbeschäftigung zu überlassen. Gerade weil sich ihnen der Zusammenhang zwischen den einzelnen Serien, Figuren und Objekten noch nicht erschließt und Papier so ein empfindliches Material ist, sollten stets Erwachsene zusammen mit den Kindern darin herumstöbern.
So erhöht sich die Lebensdauer des Buches und bei weiteren gemeinsamen Bücherstunden kann das erworbene Wissen gemeinsam gefestigt und ausgebaut werden.
Dass Kindermund Wahrheit kundtut, ist ein allgemein bekanntes Kulturgut. Daher sollte man sich besonders als „Wachsener“, der sich der Preise, Materialkosten und des Arbeitsaufwandes bewusst ist nicht aus allen Wolken fallen, wenn die „Kleinlinge“ nicht ganz zu Unrecht Enttäuschung darüber äußern, dass dieses Buch so schnell zu Ende ist.
Tatsächlich verfügt es nämlich nicht über mehr als vier Seiten. Die sind fraglos prächtig und unterhaltsam, doch man kann sich schon fragen, warum Deep Space Nine und Voyager auf eine gemeinsame Seite gequetscht wurden.
Zudem fehlen auf dieser Seite einige etablierte Charaktere wie Tasha Yar, Ro Laren, Dr. Pulaski, Rom oder Nog; über andere, die jene Serie später komplettierten, wie Worf, Ezri, Vic Fontaine, Seven of Nine oder Icheb sollte man hingegen hinwegsehen. Schließlich erschien dieses Werk anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums Star Treks 1996, als entsprechende Entwicklungen noch zu frisch oder noch gar nicht abzusehen waren.
Trotzdem fehlen TAS die TNG-Filme (wenn schon die Original-Filme eine eigene Seite bekommen haben). Immerhin steht 2016 das fünfzigjährige Jubiläum ins Haus – vielleicht erscheint dann ja ein ähnliches Buch, dass diese Lücken ausmerzt und ein paar mehr Seiten bietet, auf denen nicht nur die bereits genannten Ableger Aufnahme finden, sondern auch Serien wie Enterprise oder Filme wie Star Trek XI.
Sofern dies geschehen sollte, würde es sich anbieten, das Konzept etwas zu verbessern. Besonders die aufklappbaren Seitenelemente mit Bildern muss man nämlich stark überstrecken, um sie richtig sehen oder betätigen zu können. Auch dass trägt nicht unbedingt dazu bei, die Lebensspanne des Buches zu verlängern kann mit Fug und Recht als Achilles-Ferse des Werkes bezeichnet werden.

Übersetzung: Selbst ist der Mann.
Oder die Frau.
„These are the Voyages...“ ist bislang noch nicht auf Deutsch erschienen und die einzelnen, teilweise recht intim anmutenden Berichte einzelner Captains sind daher nur in englischen Original erhältlich. Aber die überschaubaren Texte sind nicht sehr kompliziert und etwaige unbekannte Wörter können problemlos selbständig erschlossen werden.
Wenn schon Erwachsene damit keine Probleme haben sollten, so stört es Kinder noch weniger. Spontanübersetzungen durch den Vorleser stellen keine große Hürde dar und ohnehin sind die Bilder der Star des Buches. Der Text ist also absolut zweitrangig, zumal man ohnehin schnell merken wird, wie stark die Fantasie der jungen Betrachter mit jedem neuen Objekt angeregt wird. Oft reichen da schon die Namen der abgebildeten Personen völlig aus – Nachfragen kommen von ganz allein.

Anachronismen: Bei so wenig Text bleibt auch nur wenig Platz für zweifelhafte Äußerungen. Tatsächlich sind die Personenbeschreibungen so vage und inhaltsfrei, dass es keinen Platz für Widersprüche gibt. Auch die kurzen Einführungstexte aus der Feder der einzelnen Kommandanten sind entsprechend bündig und voller nichts sagender Allgemeinplätze, dass nichts widersprüchliches darin auszumachen wäre.

Fazit: Um kommende Generationen von Star-Trek-Fans bei der Stange zu halten, empfiehlt es sich, bereits frühzeitig damit zu beginnen, dem schädlichen Einfluss Star Wars' entgegenzu wirken. Mit diesem Buch kann dies gelingen, denn das hochwertige Buch faszieniert große und kleine Leser beziehungsweise Betrachter.
Dass es etwas empfindlich und vor allem sehr kurz ist, mag auffallen, jedoch nicht stören. „These are the Voyages...“ ist eine wahre Perle in jeder Büchersammlung deren Anschaffung sich definitiv lohnt.

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Gerettete Seelen

Denkwürdige Zitate:

Wie bereits angemerkt, lohnt sich ein Textauszug nicht. Daher lass ich noch einmal Bilder sprechen.

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TOS, S. 1

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Kinofilme, S. 2

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TNG, S. 3

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DS9 und Voyager, S. 4

Bewertung: Ein Spaß für groß und klein.

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Donnerstag, 3. September 2009

Was kostet dieser Planet?

Buchbesprechung Ford, John M.: Was kostet dieser Planet?, Heyne 1987/1996.

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Story: Ohne Dilithiumkristalle kein Warpantrieb – diese einfache Formel ist in der Föderation genauso bekannt, wie im klingonischen Imperium.
Daher setzt ein regelrechtes Wettrennen ein, als beide Seiten auf den Planeten Pi Pharosi II, bzw. Direidi stoßen, der zwar bevölkert, dafür aber unermesslich reich am von allen Seiten so begehrten Rohstoff ist. Gemäß des Friedensvertrags von Organia müssen beide Parteien unter Beweis stellen, wer die geeignetere Seite zur Steigerung des Lebensstandards der Bewohner und damit auch des Abbaus sämtlicher Bodenschätze ist. Daher macht sich eine Delegation der Klingonen zum Planeten auf, während zeitgleich die Föderation natürlich nicht untätig zuschauen will. Mit der USS Enterprise NCC-1701 und dessen Captain James Tiberius Kirk schickt sie eines ihrer Aushängeschilder zum diplomatischen Showdown, um die lebenswichtige Ressource nicht dem Erzfeind zu überlassen.
Doch die beiden diplomatischen Corps haben ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die einheimischen Direidi setzen sich geschickt zur Wehr, mit der einzigen Waffe, die ihnen zur Verfügung steht: Humor.

Lobenswerte Aspekte: Wenn man das Buch so liest, fällt schnell auf, dass den einzelnen Charakteren recht passende Ausdrucksformen verpasst wurden. So erweist sich der Chefingenieur Montgomery Scott als glühender Anhänger des schottischen Nationalsports Golf (vgl. 147ff.), während sich McCoy – zu meinem größten Verständnis - als Morgenmuffel entpuppt (vgl. S. 9ff.). Kirk schlägt sich mit anderen Problemen herum, z.B. seiner Wampe, die verursacht, dass gewisse Kleidungsstücke in der Bauchregion spannen (vgl. S. 235).
Doch auch einige andere Figuren sind recht gut nachempfunden. Als Paradebeispiel möchte ich den im Roman fiktiv dargestellten MacMain herausheben, der irgendwo zwischen Indiana Jones, Flash Gordon und Ocean’s Eleven anzusiedeln ist (vgl. S. 64ff.)
Eher rar sind hingegen andere Star-Trek-Bezüge, wie Anspielungen auf die Fernsehserie oder Kinofilme, gesät. Für viel mehr als Referenzen auf die ausgestorbenen Meeressäuger (S. 86) aus Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart, die Faust-und-Degen-Action aus „Das Gleichgewicht der Kräfte“ (S. 267) und die für dieses Buch maßgeblich Pate stehende Episode „Kennen Sie Tribbles“ (S. 145) hat es nicht gereicht, obwohl dies beim Lesen eigentlich nicht schwer ins Gewicht fällt.
Umso bemerkenswerter sind die Anspielungen, die scheinbar auf andere Folgen gemünzt sind: Die lateinische Phrase „Non sequitur“ (S. 263) scheint auf den englischen Originaltitel der Voyager-Folge „Der Zeitstrom“ hinzuarbeiten und den Miteinbezug Gilberts und Sullivans könnte man als Hommage an den neunten Star-Trek-Kinofilm „Der Aufstand“ interpretieren, in dem Picard, Worf und Data den Gassenhauer „A british tar“ intonieren.
Doch weit gefehlt: „Was kostet dieser Planet?“ erschien 1987 auf dem us-amerikanischen Büchermarkt und damit acht Jahre vor der Erstausstrahlung von „Der Zeitstrom“ und elf Jahre bevor „Der Aufstand“ seine Kinopremiere feierte.
Anstatt in die Zukunft abzuschweifen, schafft sich das Werk in seiner Entstehungszeit einen Sockel, von dem aus es deutlich seine Einflüsse erkennen lässt. In diesem Zusammenhang stehen auch die Erwähnung Reagans (S. 198), die erheiternd anmutende Verwendung von Videokassetten (S. 279) und die offensichtliche Anleihe bei Monty Python (vgl. 148), der damals wohl bekanntesten Komikertruppe der Welt.
Nicht zuletzt wegen letztgenannter Bezüge muss ich daher zugeben, an mehreren Stellen geschmunzelt zu haben, auch wenn das Buch dem selbst erwählten Slogan „Der witzigste STAR TREK-Roman aller Stern-Zeiten“ nicht unbedingt gerecht wird.

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Videokassetten aus dem 20. Jahrhundert - In diesem Jahrhundert veraltet, im übernächsten wieder state of the art?

Kritikwürdige Aspekte: Es war 1996, als mein guter alter Jugendfreund Hans Oetzthaler mir dieses Buch in ehrlich gemeintem guten Willen zum Geburtstag schenkte. Ich hatte bereits damals eine größere Menge Star-Trek-Bücher regelrecht verschlungen und das Geschenk schien wie für mich gemacht.
Ungefähr in der Woche nach Erhalt machte ich mich begierig daran, es zu verschlingen, doch ich gab das Lesen bereits nach zwanzig oder dreißig Seiten auf. Ich legte es zurück ins Bücherregal und versuchte im Laufe der Jahre immer wieder, es von neuem zu lesen. Doch nie kam ich über die ersten Seiten hinaus, da meine Motivation mit jeder neu angefangenen Seite wieder abnahm.
Schnell wurde es zu einem meiner Paradebeispiele, warum Star-Trek-Bücher an den wirklichen Kanon nicht herankommen. Doch ich hatte mich geirrt.
Nachdem ich mich zum Lesen durchgerungen habe (und es trotz mehrerer Motivationsabfälle endlich einmal durchhielt) muss ich feststellen, dass dieses Werk kein gewöhnliches ist, sondern den Versuch markiert, den etwas anderen Star-Trek-Roman auf die Beine zu stellen, der statt biederer Konzentration auf den Ernst des zukünftigen und heutigen Lebens und todbringenden Weltraumschlachten Humor in die verstockte Figurenwelt bringen soll.
Soweit der Anspruch, doch im Großen und Ganzen ist das mächtig in die Hose gegangen. ‚Der Witz’ rangiert irgendwo zwischen Dick & Doof, Sat1 Wochenshow, Die nackte Kanone und Dadaismus. Qualitativ hochwertiger Humor á la Monty Python kommt von selbst nicht auf und an Science-Fiction-Persiflagen wie Douglas Adams’ göttlichen Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ reicht dieses Buch bei weitem nicht heran.
So muss man sich mit Fäkalhumor (S. 15), dämlichen Wortspielen auf Kindergartenniveau (allenthalben), Klopf-Klopf-Witzen (S. 77) oder Tortenschlachten (S. 268ff.) abfinden, die den Zenit der Komik schon längst überschritten hatten, als mein Großvater geboren wurde.
Hinzu kommt, dass die Erzählstränge schlecht miteinander verwoben und sehr unübersichtlich sind. Abgesehen von der fehlenden inneren Logik des Geschehens wirken die kleinen Geschichtchen und Abenteuer wie halbherzig zusammengeflicktes Stückwerk, dem das märchenhafte Ende nur die sprichwörtliche Krone aufsetzt.
Dass sich der leider bereits verstorbene Autor John M. Ford auch noch für ein Musical in Schriftform entschieden hat, ist überhaupt einer der tragischsten Aspekte des Werkes. Diese Idee funktioniert schon allein in der Übersetzung nicht, und ich bin mir sicher, dass sich selbst im englischen Original allerspätestens nach der dritten Gesangseinlage ein quälender Nervfaktor einstellt.
Fragwürdig ist auch die Namenswahl des Autors. Obwohl ich anfangs noch sehr angetan vom ‚vulkanischen’ Namen T’Vau war, der auf ein beliebtes Unterhaltungsmedium zurückzuführen ist, verflog diese anfängliche Sympathie rasch. So ignorierte Ford als Amerikaner, dass ein russischer Name wie ‚Trofimow’ bei einer weiblichen Trägerin ‚Trofimowa’ lauten müsste, Prinzessin Deedee erinnerte mich stark an Dexters Labor und die Bezeichnungen der Klingonen klingen wegen ihrer Dreigliedrigkeit und den Vokalkombinationen vielleicht Vietnamesisch, nur selten jedoch Klingonisch.
Natürlich muss man sich vor Augen halten, dass es zu jener Zeit bereits den Konflikt zwischen einer vom Autoren erschaffenen Sprache Klingonaase und dem von Marc Okrand unter wissenschaftlich-linguistischen Richtlinien entwickelten Sprache ‚tlhIngan’ gab. Doch in diesem Werk wirkt die von Ford selbst entwickelte Sprachvariante (bei allem Respekt und Interesse, das ich tatsächlich für dieses ‚Klingonenfranzösisch’ aufbringe) wie ein unausgegorener Abklatsch seines etablierten großen Bruders, was sich etwa am Wort „Tlhingan“ (S. 131) deutlich zeigt: Irgendwo stark am Original angelehnt, ist es trotzdem weder in Schreibweise noch Aussprache dasselbe. Warum sonst würde ‚Proke’ Uhura eine gute Sprachkenntnis des Klingonischen diagnostizieren, wenn sie im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ Wörterbücher benötigt?
Doch andere Filme werfen gleichermaßen Fragen auf, die tiefe Logiklöcher in diesen Roman reißen. Im elften Kinofilm ist die Rede von sechs Millionen Vulkaniern, die den Heimatplaneten der Spezies bewohn(t)en. Spock kennt jedoch T’Vau genauso, wie er bereits Steven in „Die erste Mission“ und andere Artgenossen in anderen Werken kannte. Natürlich ist er ein überlegener Intellekt, aber jeden verdammten Bewohner seiner Heimat zu kennen, ist vielleicht doch etwas unglaubwürdig.
Doch nicht nur das! Genauso unglaubwürdig sind auch die kruden technische Ideen des Autors. Egal ob das Beate-Uhse-Raumschiff (S. 8ff.), der heute schon veraltete bisduotronische-Polyprozessor-Computer (S. 19), 4D-Dilithiumkristalle (S. 24) oder die Behauptung, dass Warpantriebe mittels Energiestrahlverstärkung durch Dilithiumkritalle funktionieren (S. 134) – den meisten seiner Ideen und Erklärungen kann man entweder nur kopfschüttelnd begegnen, oder sie, getreu des Roman-Credos, als weiteren schlechten Witz abtun.
Diesem Bild bleibt natürlich auch die Übersetzung treu. Englische Begriffe werden, deutschsprachigen Äquivalenten zum Trotz beibehalten („Starfleet“, S. 9;„Starbase“,S. 57 oder „Stunner“ S. 240); andere Begriffe werden in Ignoranz zu parallelen Bezeichnungen in Film und Fernsehen fortgeführt („Diskussegment“, S. 41; „romulanisches Bier“ S. 9 oder „Terraner“ S. 114). Gemixt mit Wortneuschöpfungen durch Kombinationen von Präfixen wie Medo- (vgl. S. 124 oder S. 206) oder Erg- (vgl. S. 41 oder S. 133) oder falsch übernommenen Begriffen wie „desaktivierter“ (S. 241) lässt der Verlag das gewohnte Bild stiefmütterlicher Beachtung der Star-Trek-Franchise aufkommen.
Andererseits hatte die Übersetzung es auch nicht leicht. Wer schon einmal Filme wie „Hot Shots“, „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“ oder „UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung“ im englischen Original gesehen hat, der weiß, wie unübersetzbar manche der komisch gemeinten Bemerkungen tatsächlich sind. Vor dem gleichen Problem stand auch der Übersetzer dieses Werkes, denn an verschiedenen Stellen kann man merken, dass englische Wortspiele um „Reds“ oder „Snapshots“ mit „Rothäute“ (S. 104) oder „Schnappschüsse“ (S. 114) nur sehr dürftig übersetzt werden können.

Anachronismen: Obwohl bereits auf einige anachronistische Momente wie die klingonische Sprache, Uhuras Kenntnisse derselben oder Spocks Bekanntenkreis eingegangen wurde, bleiben noch genug Unstimmigkeiten, die man erwähnen sollte.
Die Klingonen werden dabei nicht nur in ihrer Sprache recht widersprüchlich zur bekannten Norm geschildert. Kennen wir die Kriegerrasse sonst als eine Gesellschaft, die sich von Gagh, Pipiusklaue oder Rokeg-Blutpastete ernährt, wird das leibliche Wohl der Vertreter in diesem Buch mit Eiertoast (S. 16) oder Steak (S. 17) gesichert. Auch die Verwendung von Rettungskapseln, wie sie zur Einführung Kadens genutzt wird, ist laut der ENT-Episode „Schlafende Hunde“ zumindest fragwürdig.
Doch die Klingonen sind nicht die einzigen, die schlecht getroffen werden. So kann man auf gleich zwei Seiten miterleben, wie die Vulkanierin T’Vau mit den Fingern isst (vgl. S. 12 und S. 21), obwohl T’Pol in „Broken Bow“ zu Protokoll gab, dass dies ein absolutes Tabu in ihrer Gesellschaft sei.
Zudem wird in der Serie Enterprise durch den Charakter Erika Hernandez klargestellt, dass es bereits vor Kirk weibliche Captains gab, und diese Kariere in der Sternenflotte des 23. Jahrhunderts damit kein Ding der Unmöglichkeit ist (vgl. S. 103).
Und Stichwort Sternenflotte und Föderation: Warum wundert sich niemand, dass es eine menschliche Kolonie auf einem Planeten mit indigener Bevölkerung gibt? Natürlich hat Kirk des Öfteren bewiesen, dass er es mit der Ersten Direktive nicht so genau nimmt, aber eine solch drastische Aktion wirft schon die Frage auf, welche Bedeutung dieses zentrale Gesetz überhaupt hat, wenn sich niemand daran hält.
Zudem tappt der Roman in die altbekannte Falle, in längst überholten Finanzsystemen zu schwelgen. Nicht weniger als zehn Belege monetärer Wirtschaft (S. 8, S. 12, S. 23, S. 24, 2x S. 27, S. 144, S. 152 und S. 154) stehen in direktem Kontrast zur Angabe in Star Trek IV, nach der Geld in der Zukunft nicht mehr existiert.

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qagh Sopbe'!

Fazit: Was als „Der witzigste STAR TREK-Roman aller Stern-Zeiten!“ angepriesen wird, kann seinem Anspruch auf keiner Seite gerecht werden. Bei aller Einzigartigkeit dieses Werkes ist er bestenfalls mäßig witzig, unübersichtlich und voller Widersprüche zum Kanon. Die vielen technischen, sprachlichen und musikalischen Sonderwege führen ihn weiter ins Abseits.
Daher ist es nicht verwunderlich, wenn man zum Lesen dieses Buches mehrere Anläufe benötigt, denn es ist bestenfalls ein Nischenwerk, das eine nähere Beschäftigung allerdings kaum rechtfertigt.

Denkwürdige Zitate:

"Gmltfrbl." McCoy, S. 10

"Kampfarchäologen, erstes Bataillon." Kirk, S. 93

Warum müssen diese Leute dauernd singen?Sulu, S. 135

"Es gibt nur einen Grund, warum die Enterprise noch keinen Schrottplatz ziert - weil mit Kaugummi zusammengehaltene Pappe derzeit schlechte Preise erzielt!", Maglus, S. 146

Bewertung: So witzig wie eine akute Magen-Darm-Grippe.

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Sonntag, 23. August 2009

Die Beute der Romulaner

Buchbesprechung Hawke, Simon: Die Beute der Romulaner, Heyne 1993/1996.

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Story: Das Glück scheint sich an der Seite der Föderation pudelwohl zu fühlen. So oder zumindest so ähnlich müssen auch Picard und die Crew der USS Enterprise NCC-1701-D empfunden haben, als sie bei einer Routinepatrouille entlang der Romulanischen Neutralen Zone über den hilflos im All treibenden Prototypen einer neuen Warbirdreihe stolpern.
Die Besatzung des Raumschiffes ist tot, die Technik voll funktionsfähig und die Rechtslage eindeutig – das Schiff gehört den Findern. Nur die Gewissenbisse der Crew und das diplomatische Einfühlungsvermögen Picards verhindern, dass die Enterprise den wehlosen Kreuzer zu einer genauen Examination zur nächsten Sternenbasis abschleppt. Stattdessen begnügen sich die Brückenoffiziere einvernehmlich damit, lediglich die Datenbanken des Schiffes in den Hauptcomputer der Enterprise zu überspielen.
Doch schon bald entpuppt sich der vermeintliche Glücksfund als perfide Falle: Die romulanischen Besatzungsmitglieder erwachen plötzlich wieder zum Leben und das Flaggschiff der Sternenflotte wird im Handstreich genommen. Picard muss sich fortan als Gefangener mit Valak, einem jungen und ambitionierten romulanischen Subcommander auseinandersetzen, der die gesamte Aktion bis ins kleinste Detail geplant hat und nichts dem Zufall überlassen will. Die Crew wird rigoros überwacht und teilweise auf das Schiff der Romulaner verlegt, so dass eine Befreiung absolut unmöglich erscheint.
Doch bevor Valak zusammen mit seiner Beute die triumphale Rückkehr in das Romulanische Sternenimperium antreten kann, will er einem weiteren Rätsel auf den Grund gehen. Der inmitten der Neutralen Zone liegende Planet Hermeticus II ist von der Sternenflotte mit einem Mantel aus Geheimnissen umhüllt. Nur wenig ist über den unbewohnbaren Planeten bekannt, außer, dass eine Quarantäne über ihn verhängt wurde. Klar, dass dies bei den Romulanern auf Argwohn stößt, und daher befiehlt Valak beide Schiffe dorthin, um einer dort vermuteten geheimen Föderationsbasis den Garaus zu machen.
Und tatsächlich ist das erste, was sich im Orbit von Hermiticus II orten lässt, ein Schiff der Föderation! Obwohl das Schiff der Constitution-Klasse über keinerlei Energieanzeigen mehr verfügt lässt sich das Misstrauen Valaks nicht aufweichen, zumal der romulanische Commander schon bald erkennt, dass der Planet innen hohl und bewohnbar ist. Als sich Valak schließlich entscheidet, zusammen mit Picard hinunterzubeamen, ist er sich noch nicht bewusst, dass er diesen Planeten nicht mehr verlassen wird…

Lobenswerte Aspekte: Dieses spannende Buch lebt lange Zeit von der Interaktion seines Hauptbösewichts, dem kalten und berechnenden Romulaner Valak mit der Sternenflottenlegende Jean-Luc Picard. Valaks Mischung aus ehrgeizigem Jäger und selbstverliebtem Emporkömmling lässt vor dem geistigen Auge des geneigten Lesers einen glaubwürdigen Gegenspieler entstehen, der bis zu einem gewissen Punkt eindrucksvoll einen dem Captain der Enterprise ebenbürtigen Widersacher mimt. Tatsächlich schafft es der Autor Simon Hawke, dem Charakter so abstoßende Elemente beizufügen, dass die Figur rasch als unangenehm empfunden werden kann.
Auch sein Vorgehen erscheint streckenweise losgelöst von den vielen pro-forma-Bösewichtern der Star-Trek-Geschichte, denn im Gegensatz zu vielen anderen Fieslingen wie Silik, Kudak’Etan oder Cullah lässt er bei der Übernahme des Schiffes Verstand walten und separiert die Crew in zwei Gruppen: diejenigen, die für den reibungslosen Betrieb an Bord unbedingt notwendig sind und die Mütter, Kinder und sonstigen ‚nutzlosen’ Personen. Während erstere an Bord verbleiben dürfen, müssen zweitere als Geiseln auf dem romulanischen Schiff ausharren. Da stellt sich mir nur eine Frage:
Warum ist eigentlich noch nie jemand zuvor darauf gekommen?
Daneben ist positiv hervorzuheben, wie einfühlsam Hawke auch noch kommende Serienereignisse zu antizipieren vermag. Obwohl sein Roman erst 1993 erschien, verleiht er Riker eine Aversion gegen Geheimdienstoffiziere (vgl. S. 91), wie sie im Fernsehen erst in der Episode „Das Pegasus-Projekt“ auftrat.
Daneben referiert der Autor ebenfalls auf andere Episoden, wie etwa „Fähnrich Ro“ (S. 33) „Soongs Vermächtnis“ (S. 62) oder „Datas Tag“ (S. 81). Selbst die Tatsache, dass der Erdexperte Valak ausgerechnet Mark Twain, dem Picard im zweiteiligen Staffelcliffhanger „Gefahr aus dem 19. Jahrhundert“ bereits persönlich begegnete, zitierte (S. 69), kann man ohne weiteres der Fachkenntnis Hawkes zurechnen. Dieses Expertentum reicht sogar soweit, dass er korrekt wiedergeben kann, das wie vielfache der Lichtgeschwindigkeit Warp 9,6 ist (S. 25)!
Doch damit nicht genug! Obwohl mich die Idee des ausgehöhlten Planeten Hermeticus II im ersten Moment abwegigerweise an die Dysonsphäre aus „Besuch von der alten Enterprise“ erinnerte, schlägt Hawke eine andere Brücke: er bringt das Konzept mit der vom Physiker Gerard O’Neill entwickelten Idee für autark funktionierende Weltraumkolonien in Verbindung (S. 169). Was sich auf den ersten Blick sicherlich als ein Musterbeispiel für Berücksichtigung anderer Science-Fiction-Literaten liest, wirkt auf den zweiten ungleich prophetischer. Spätestens seit dem 2003 (leider nur in Amerika) erschienenen Star Trek Roman „The Sundered“ ist diese Idee nämlich ein fester Bestandteil des serieneigenen Bücherkosmos’ geworden, zumal die Autoren Michael Martin und Andy Mangels dieser Idee durch ihre Verfassertätigkeit an „Der Rote König“, dem zweiten Teil der Titan-Saga, zusätzliches Gewicht verliehen.
Es ist also kein Wunder, dass die hellsichtigen Träume Picards auch auf den Roman abfärben…

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Dysonssphäre oder nicht Dysonssphäre? Das ist hier die Frage...

Kritikwürdige Aspekte: Bei allem Lob für den romulanischen Kommandanten Valak muss eines an seiner Figur von mir arg kritisiert werden: So stark und unbesiegbar er zu Beginn der Geschichte wirkt, so schwach und armselig erscheint er an ihrem Ende. Mal ganz abgesehen davon, dass dies in der Intention des Autors lag, ist dieser Sprung viel zu krass und unglaubwürdig gezeichnet, um nachvollziehbar zu sein. Und Stickwort Nachvollziehbarkeit: Der Plan der Romulaner, sich mittels Drogen in den Scheintod zu versetzen, die Lebenserhaltungssysteme auszuschalten und nach einer bestimmten Zeit wieder aufzuwachen, ist gelinde gesagt hirnrissig. Was wäre, wenn diese Systeme erst eine Stunde später aktiviert worden wären? Was, wenn das Schiff erst einen Tag später gefunden worden wäre? Dass die Romulaner bei so einem Plan das Leben ihrer Soldaten aufs Spiel setzen mag ich ja noch glauben, aber der Prototyp einer ganzen Warbirdklasse ist dann doch ein zu hoher Einsatz, selbst für den Prätor des Sternenimperiums.
Während der Trend bei Valak eindeutig nach unten zeigt, ist es bei Picard genau andersherum. Am Beginn der Geschichte wirkt er schwach, wenig vorausblickend und merkwürdig passiv. Erst gegen Ende präsentiert sich als der souveräne Captain, den man aus Film und Fernsehen gewohnt ist. Doch auch seine Crew ist während dieses Abenteuers eindeutig neben der Spur. Dr. Crusher ist scheinbar zu doof, um eine künstlich herbeigeführte Lebensfunktionsminderung von einem Erstickungstod zu unterscheiden und Rikers Plan, sich Waffen durch einen Weltraumspaziergang zu einem anderen Schiff zu besorgen, ist ebenso waghalsig wie unnötig. Wenn man schon in den Innereien der Enterprise herumtigert, ist es wohl sinnvoller, heimlich eines der schiffseigenen Arsenale zu erreichen! Und warum nutzt eigentlich keiner der Offiziere den Phaser, der in seinem Quartier herumliegen müsste (vgl. „Traumanalyse“)?
Doch damit nicht genug. Wer den unsäglich kitschig-unrealistischen Ausbruchsversuch der auf dem romulanischen Warbird gefangenen Besatzungsmitglieder gelesen hat, wird meine oft wiederholte Frage nach Nachvollziehbarkeit verstehen. Auch das Ende, das der Crew glücklicherweise eine lebenslange Internierung auf Hermeticus II erspart, wirkt an den Haaren herbeigezogen. Zum Glück reichen den mächtigen Ambimorphen nämlich die Menschen, die sich bereits in ihrem Planetenzoo befinden aus, so dass sie auf Sonderexponate wie einen Androiden, einen Klingonen oder einen Franzosen verzichten können. Überhaupt wirken die Superwesen wie eine Mischung aus den Metronen und Formwandlern, zumal die Vergleich der Erscheinungsformen der Wesen mit „Protoplasma“ (S. 290) bemerkenswerte Parallelen zur Darstellung Odos im fünften Starfleet-Kadetten-Band „Das Sternengespenst“ (vgl. dort S. 34) aufweist. Und formwandeln können sie natürlich auch - egal ob die Gestalt Menschen, Romulanern oder einer Straßenbeleuchtung entspricht. So oder so scheint die Unterwanderung der Föderation durch formwandelnde Geschöpfe eine beliebte Freizeitgestaltungsmöglichkeit für außerirdische Spezies zu sein.
Obwohl Hawke sich mit der Beschreibung des Verhältnisses von Warp zu Lichtgeschwindigkeit gut informierte, haperte es dafür an anderen Stellen. Am auffälligsten ist sicherlich die Beschreibung des Planeten Hermeticus II. Der Planet der H-Klasse (ich bezweifle allerdings, dass das ‚H’, wie auf S. 87 behauptet, für ‚Hermeticus’ steht) soll sich nämlich im Deltaquadranten befinden (S. 84)! Nicht nur, dass die Romulanische Neutrale Zone nicht soweit reichen dürfte, es sollte auch sehr schwierig und zeitaufwändig sein, dorthin zu gelangen, zumal die Crew der Voyager knappe 70 Jahre für ihren Weg veranschlagte...
Die Übersetzung ist ein übliches Kind des Heyne-Verlags. „Starfleet“ (S. 15) statt „Sternenflotte“, „Kriegsschwalbe“ (S. 40) statt „Warbird“ oder „Gelbalarm“ (S. 45) statt „gelber Alarm“ zeugen von der Ignoranz gegenüber der gängigen Fernsehübersetzung. Wenige Rechtschreibfehler (z.B. S. 184 „Im wesentlich“) werden von einem großen Fehler überschattet: den „Außenschotten“ (z.B. S. 207). Entgegen der gängigen Pluralform ‚Schotts’ entschied man sich hier für eine an den Volksstamm erinnernden Mehrzahl, die immerhin einen gewissen Schmunzelfaktor bietet.
Abschließend sollte noch über etwas geschimpft werden, mit dem das Lesen dieses Buches üblicherweise begonnen wird. Das Cover ist eines der so ziemlich furchterregendsten, die ich bislang gesehen habe, und warum dem Prototyp der D’Kazanak-Klasse zum Trotz ein Warbird der D’deridex darauf verewigt wurde, ist mir schleierhaft. Auch der beringte Planet lässt sich nicht mit der Darstellung von Hermeticus II vereinbaren und der eindringliche Blick der Person, die wohl Valak darstellen soll, gehört nicht unbedingt zu den ganz großen Aufmachern der Star-Trek-Bücher-Chronologie. Tatsächlich ist diese künstlerische Interpretation ein guter Grund dafür dankbar zu sein, dass Bücher im Regal nur den Rücken präsentieren.

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Vorsicht! Diese Straßenbeleuchtung könnte ambimorph sein...

Anachronismen: Der Roman bot die einzigartige Chance, eine nähere Betrachtung der Romulaner und ihrer Gesellschaft zu bieten. Doch dieser Aufgabe wurde der Autor Simon Hawke kaum gerecht. In der Tat wurden seine Angaben rasch eingeholt und viele seiner Angaben stoßen daher beim Lesen unangenehm auf.
So behauptet er, dass für den Prätor der Ehrentitel „Lord“ zur Ansprache genutzt werden muss (S. 19). Ich persönlich kann mich nicht erinnern, dass Shinzon im zehnten Kinofilm "Nemesis" entsprechend tituliert wurde, doch wer weiß; vielleicht verzichtete man darauf, weil er Mensch und außerdem Repräsentant der Remaner war. Definitiv falsch ist jedoch, den 'Romulanischen Senat', als der er in „Die Aenar“, „"Das Gesicht des Feindes“, „Unter Waffen schweigen die Gesetze“ oder „Das Nadelöhr“ übereinstimmend bezeichnet wird, in Anlehnung an die gemeinsamen vulkanischen Wurzeln als „Hohen Rat“ zu deklarieren.
Außerdem ist es nicht wahr, dass seit dem Waffenstillstandsvertrag von 2160 keinerlei Verträge mehr zwischen der Föderation und dem Sternenimperium geschlossen wurden. Abgesehen davon, dass ein solcher Schwebezustand bereits an sich unglaubwürdig klingt, wird in der TNG-Episode „Das Pegasus-Projekt“ mit dem 2311 geschlossenen Vertrag von Algeron ein eindringlicher Gegenbeweis geliefert.
Anachronistisch mutet auch die auf S. 265 angesprochene Scheu der Romulaner an, die eigenen Leute opfern. Wie man im Zweiteiler „Wiedervereinigung“ deutlich sehen kann, sind die entfernten Verwandten der Vulkanier entgegen der im Buch erbrachten Behauptungen sehr wohl bereit, auch auf Mitglieder der eigenen Spezies zu schießen.
Neben der verkorksten Darstellung der Romulaner schafft es der Autor ebenfalls, auch die Sternenflottendarstellung zu verpatzen. So ist Worf nicht, wie behauptet, Lieutenant Commander, denn diesen Rang erhält er erst im siebenten Kinofilm „Treffen der Generationen.
Der gröbste Fehler liegt meiner Ansicht nach jedoch in der Miteinbeziehung der USS Independence, eines Schiffes der Constitution-Klasse. Dieser Raumschifftyp, dessen bekannteste Vertreter sicherlich die USS Enterprise NCC-1701 und die USS Enterprise NCC-1701-A gehören, soll vor erst dreißig Jahren außer Dienst gestellt worden sein. Geht man von der Annahme aus, dass die Geschehnisse um 2368 spielen, wären noch 2238 Schiffe dieser Reihe im aktiven Dienst gewesen. Dies wiederum widerspricht den Ereignissen des sechsten Kinofilms „Das unentdeckte Land“, in dem die Enterprise wegen ihres hohen Alters außer Dienst gestellt werden sollte. Es wäre günstiger gewesen, der Autor hätte sich hier eines Schiffes der Excelsior- oder Ambassador-Klasse bedient, um unnötige Verzerrungen der ohnehin schon viel zu oft strapazierten Star-Trek-Zeitlinie zu vermeiden und damit sein eigenes Werk selbst zu degradieren.

Fazit: „Die Beute der Romulaner“ ist ein Roman mit vielen Schwächen. Die Geschichte strotzt vor Schlaglöchern, die Figuren sind nicht konsequent gezeichnet und viele Schilderungen offenbaren bestenfalls Halbwissen auf Seiten des Autors. Selbst das Buchcover spricht nicht unbedingt eine Leseempfehlung aus.
Die Stärken dieses Romans liegen anderweitig verborgen und es heißt nicht umsonst, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen soll (frei nach „The Rocky Horror Picture Show“). Die – allen Widrigkeiten zum Trotz - spannende Geschichte liest sich gut und Hawkes geradezu hellseherischen Ideen sind für den aufmerksamen Leser sicherlich eine nähere Beschäftigung wert.

Denkwürdige Zitate:

Man kann nicht einmal einem toten Romulaner über den Weg trauen.
Riker, S. 93

Ich habe Ihnen bereits gesagt, Picard, daß ich keine übernatürlichen Erklärungen akzeptieren werde
Das gleiche gilt für mich. Eine hochentwickelte Wissenschaft wird allerdings jedem übernatürlich erscheinen, der sie nicht versteht
Ich glaube, das genaue Zitat lautet: >Jede Technologie, die einigermaßen fortgeschritten ist, dürfte denen, die sie nicht verstehen, wie Magie vorkommen.<. Arthur C. Clarke, ein Philosoph und Wissenschaftler von der Erde
Gibt es überhaupt keine romulanischen Sprichworte, die Sie zitieren könnten?
Valak und Picard, S. 133

Im Gegensatz zu euch Faulpelzen auf der Brücke haben wir im Maschinenraum kaum Gelegenheit dazu, Fett anzusetzen, weil wir ständig arbeiten müssen.
Klar, wir sitzen nur gelangweilt rum und spielen Computerspiele auf dem Hauptbildschirm.
LaForge und Riker, S. 238

Bewertung: Ein Roman zwischen präkognitiven Erkenntnissen und konzeptionellen Engpässen.

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Samstag, 25. Juli 2009

Sarek

Für midori

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Buchesprechung Crispin, A.C.: Sarek. Heyne, 1994/1998.

Story: Seit der Explosion des klingonischen Mondes Praxis sind nur wenige Monate vergangen. Auf der Erde herrscht eine Stimmung zwischen Misstrauen und Auflehnung - ein idealer Nährboden für radikale Bewegungen. Die "Interessengemeinschaft Erde den Menschen" tritt offen für einen Zwangsausschluss der Vulkanier aus der Föderation ein und rechnet sich bei den anstehenden Wahlen gute Chancen auf einflussreiche Ämter aus.

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Weltweite Demonstrationen mit Holotransparenten gegen die Abgesandten des Antichrists

Sarek von Vulkan, den berühmtesten Diplomaten des Planeten beschäftigen jedoch gewichtigere Probleme. Er hat Indizien für eine romulanische Invasion des Föderationsraumes ausgemacht, die mit einem geheimnisvollen Volk inmitten der romulanischen Neutralen Zone zusammenhängen: Den Freelanern.
Dieses Volk umgibt seit jeher ein Hauch von Mysterium, denn niemand weiß, wie die Spezies unter den Körper und Gesicht völlig verhüllenden Gewändern aussieht. Doch Sarek hat eine längst zur Gewissheit gewordene Vermutung. Freelan ist ein illegaler romulanischer Außenposten, auf dem entführte Vulkanier dazu erzogen werden, ihr telepathisches Potential gegen die Feinde des Sternenimperiums einzusetzen.
Je mehr Sarek forscht, umso deutlicher wird, wie weit die Kreise reichen, die diese Verschwörung zieht. Freelan, Deneb IV, Qo'noS und selbst die Erde werden zur Zielscheibe einer Intrige, die die instabile Situation nach dem Zusammenbruch des klingonischen Reiches ausnutzen will. Selbst der legendäre Sternenflottencaptain James Tiberius Kirk wird in den Strudel dieser Ereignisse gerissen, als sein Neffe Peter das Opfer einer Entführung wird.
Während Sarek also die Puzzlestücke dieses Ränkespiels eines nach dem anderen zusammensetzt, wird er mit einem einfachen biologischen Problem konfrontiert, dass ihn jedoch fast aus der Bahn wirft. Die Lebensspanne Amanda Graysons, seiner langjährigen Frau und die Mutter seines (mittlerweile) einzigen Sohnes Spock, nähert sich nach plötzlicher Krankheit ihrem Ende. Ihr Tod führt nicht nur zu einem tiefen persönlichen Verlust, sondern auch zu einem neuerlichen Zerwürfnis mit seinem Sohn Spock, der nicht versteht, warum Sarek seine sterbende Frau in den letzten Tagen ihres Leidenskampfes verlässt, um seiner gewohnten Arbeit nachzugehen.
Doch die romulanischen Pläne kennen keine Rücksicht auf persönliche Probleme und so müssen Vater und Sohn ihre Differenzen überwinden, um gemeinsam gegen die Bedrohung zu reagieren. Doch die USS Enterprise NCC-1701-A muss sich nicht nur gegen einen romulanischen Kreuzer, sondern auch gegen eine Flotte marodierender Klingonenschiffe erwehren, die sich der letzten Hoffnung auf eine friedliche Lösung entgegenstellt...

Lobenswerte Aspekte: Schon aufgrund des Umfangs dieses Werkes (524 Seiten reiner Text) hatte ich eigentlich vor, die Rezeption erst einmal auf die lange Bank zu schieben. Doch ein Forenbeitrag ließ mich auf dieses Werk aufmerksam werden. "midori" empfahl mir:

"lies mal ann c crispin - ich könnte 50 rote stifte leerschreiben und ich bin eigentlich keine besserwissernatur."

Dazu gab sie mir ein (nachempfundenes) Leseexempel aus dem angesprochenen Buch:

"Der mond t'kuth hängt wie eine eitrige pestbäule an vulkans rotem himmel und droht, auf sarek hinunterzufallen und ihn unter sich zu zermalmen."

Damit war meine Neugier geweckt. Das Lesebeispiel war aufdringlich farbenfroh, der Text auf dem Buchrücken klang abstrus und erste Recherchen zur Person hinterließen albtraumhafte Eindrücke (nicht erschrecken!!). Ich gestehe, dass ich wieder einmal vorschnell die Arbeit eines etablierten Autors abwertete, ohne sie zu kennen.
Doch als ich mich schließlich dazu durchgerungen hatte, "Sarek" zu beginnen, wurden meine Vorurteile rasch in Luft aufgelöst. Aber warum?
Zuerst einmal muss ich dem Buch eine unglaublich gut aufgebaute Spannung attestieren. Ich hatte tatsächlich Probleme, den Wälzer aus der Hand zu legen, da eine körperinterne Anspannung nach einer katharsischen Auflösung schrie. In fast schon süchtiger Manie verschlang ich die einzelnen Kapitel, auch wenn ihre Abstände untereinander sehr großzügig bemessen waren. Der Roman lebt von einer einzigartigen Atmosphäre, in der man versinken kann.
Die Figuren waren alle ebenso gut getroffen - die etablierten Personen wie Spock, Sarek oder Jim Kirk in gleichem Maße wie die nur peripher in Erscheinung getretenen Kamarag, Peter Kirk oder T'Pau. Von eigenen Kreationen wie Valdyr, Savel oder Taryn kann ich nur voller Lob berichten, denn sie fügen sich, mit großem Einfühlungsvermögen in den Kreis eingeflochten, nahtlos ein.
Daneben beweist Crispin ein großes Einfühlungsvermögen im Umgang mit dem alles beherrschenden Kanon. Sie bettet ihre durchdachte Geschichte geschickt in die Geschehnisse ein und berücksichtigt Filme und Serien gleichermaßen: Hier spricht sie noch von Spocks Un-Tod im dritten Film, während sie ein paar Seiten später die „Reise nach Babel“ thematisiert. Eben noch auf Khitomer, trifft Spock bereits den späteren romulanischen Senator Pardek aus der TNG-Doppelfolge „Wiedervereinigung“.
Abgesehen davon schließt die Autorin sogar tief klaffende Lücken innerhalb des Kanons, ohne direkt auf die eigentlichen Ereignisse zu verweisen. So erfährt der interessierte Leser, dass die Bezeichnung der ersten Ehefrau Sareks als „vulkanische Prinzessin“ auf den mehrdeutigen vulkanischen Titel „Reldai“ zurückgeht, und wahrscheinlich deshalb im fünften Kinofilm entsprechend verwendet wurde. Auch Spocks breites Grinsen im Star-Trek-Piloten „Der Käfig“ wird als Mangel an Beherrschung (vgl. S. 344) interpretiert. Doch ohne Querverweise sind diese Informationen nur für den Leser verknüpfbar, der über ein ausreichendes Faktenwissen verfügt, um einen Zusammenhang mit solch kleinteiligen Informationen herstellen zu können.
Crispin überließ dem Zufall nur wenig. Die meisten Zeitangaben lassen sich eins zu eins ebenso in der „Offiziellen Star-Trek-Chronologie“ der Okudas finden und sogar die 47 findet ihren verdienten Platz in diesem Werk (vgl. S. 102).
Besonders gut gelungen ist es ihr, die Leerstellen im offiziellen Kanon zu füllen (vgl. Nachwort, S. 531). Klärungsbedarf bei bestimmten Aspekten innerhalb der Beziehung Sareks zu Amanda und viele weiße Flecken in der Biografie Spocks werden ausgemerzt und es wundert nicht, dass sich einige biografische Details auf erschreckende Art und Weise lesen lassen, als wären sie aus dem elften Kinofilm entlehnt (Vgl. S. 343ff.). Doch andersherum wird ein Schuh daraus und es ist kein Wunder, dass sie Orci und Kurtzman bei der begabten Autorin bedienten, um Ideen für ihre eigene Story zu sammeln. Die Emotionalität, mit der Spock auf den Tod seiner Mutter reagiert (Vgl. S. 121), erinnert jedenfalls eher an den jungen Commander aus dem elften, als an den besonnenen Botschafter aus dem sechsten Teil.
Schließlich glänzt der Roman auch mit der gewaltigen Menge an Hintergrundinformationen. Abgesehen von topographischen Angaben über Vulkan oder Qo’noS kommt man auch in den Genuss, die Namen vieler zuvor namentlich unbekannter Protagonisten wie Kamarag, Admiral Smillie oder Winona Kirk zu kommen, die hier entweder aufgegriffen oder eingeführt werden. Außerdem erfährt der interessierte Rezipient, dass Kamarag und Kruge verwandschaftliche Bande einten, dass Amanda Sarek auf die Suche nach Spocks Katra schickte und wie der Heimatplanet der Klingonen nach der Praxiskatastrophe aussah. Daneben sind es vor allem aber die tiefen Einblicke in die Kultur der Vulkanier und das Leben Sareks, die dieses Buch so außergewöhnlich machen.
Doch bei all der Lobhudelei kann man schnell den Kern der Kontroverse übersehen. Jeder Autor hat seinen eigenen Stil und seine eigene Vorgehensweise, ein solches Buch aufzubauen. Unbestreitbar ist Crispin mit dem Wechsel zwischen Haupt-Plot, Nebenhandlung, Tagebucheinträgen und Rückblicken ein abwechslungsreicher Mix gelungen, der durch die vielen Perspektivsprünge und Handlungsortswechsel eine gewisse Aussagekraft über die Fähigkeiten der Autorin zulässt.
Doch besonders ihr farbenfroher und stark von blumigen Metaphern geprägter Stil ist so gewöhnungsbedürftig wie geschmacksabhängig. Doch ist das ein Problem?
Im Roman gibt es zwei Sätze, die nun einmal exemplarisch für den gesamten Stil herhalten sollen. Auf Seite 161 findet man etwa „Spock, versuche bitte, deinem Vater nicht zu zürnen.“ Ungewohnt, antiquiert und unzeitgemäß könnte man auf der einen Seite meinen, doch die Formulierung passt durchaus, wenn man sich vor Augen hält, dass der Adressat ein Vulkanier ist, dessen Bildungsstand eine solche Kommunikationsform geradezu provoziert. Damit wird eine Distanz zwischen Menschen, die eine gradlinige Gesprächsführung preferieren, und Vulkaniern, die einen gehobenen Standard bevorzugen geschaffen, der durchaus nachvollziehbar ist.
Sechs Seiten zuvor kann man folgenden Satz lesen: „Spocks Stimme war scharf wie eine Obsidianscherbe.“ Nur selten benutzt heutzutage noch ein Autor eine solche Metapher, doch in einem Science-Fiction-Rahmen empfinde ich diese Ausnahmeerscheinungen nicht als Belastung, sondern als eine individuelle Ausdrucksform, um sich vom Gleichklang der Romane anderer Autoren abzuheben. Mir persönlich hat diese außergewöhnliche Sprachverwendung sehr gut gefallen, denn sie verlangt auch dem Leser ein Verständnisniveau ab, dass in entsprechenden Werken nur selten zum Tragen kommt.
Doch das von „midori“ selbst dem Schreibstil des Romans nachempfundene Beispiel entbehrt nicht einem gewissen Satireeffekt, denn gerade der vulkanische Mond (ja ich weiß, Vulkan hat keine Monde, und es handelt sich in Wirklichkeit um einen Nachbarplaneten) T’Rukh zieht im Roman nahezu magnetartig negative Umschreibungen an. So ist zu lesen, dass der Planet „aufgequollen“ (S. 8) sei, eine „[…] geschwollene Kugel […]“ (S. 101), die „[…] grelles Licht […]“ (S. 351) ausstrahlt. Seine Trabanten werden als „[…] kränkliches Auge […]“ (S. 8), seine Vulkane gar als „[..] eitriger Abszeß auf dem schwefelgelben Antlitz des Planeten“ (S. 9) beschrieben. Auf Seite 139 ist sogar zu lesen, dass das „[…] unheimliche Licht T’Rukhs wie ein ausgetrockneter Totenschädel wirkte.“.
Diese vielen negativ konotierten Umschreibungen sind zwar zugegebenerweise streckenweise auffallend und vielleicht sogar belastend, doch sie helfen dabei, dem beschriebenen Planeten Vulkan die Aura einer lebensfeindlichen und abweisenden Welt zu verleihen. Bei einer sicherlich berechtigten Diskussion um Formulierungen sollte man jedoch nicht den eigentlichen Sinn dieses abstoßenden Himmelskörpers in all seiner Hässlichkeit aus den Augen verlieren: T’Rukh war in seiner Erscheinungsform bereits das gesamte Leben Sareks zugegen und hat ihn durch gute und schlechte Zeiten begleitet. Er sah dessen Familie kommen und gehen, leben und sterben und wird auch dann noch den Himmel zieren, wenn selbst Sarek selbst das Zeitliche segnet (jedenfalls in der „normalen“ Realität). Allein dieses Motiv ist, besonders in Paarung mit den anstößigen Umschreibungen, bemerkenswert lyrisch und verdient daher eine gesonderte Erwähnung.
Besonders lobenswert finde ich daneben, dass der Stil Crispins auch über die Übersetzung gerettet wurde. Natürlich lassen sich die ‚üblichen Verdächtigen’ wie Zeichenfehler, englisch belassene Begriffe wie „Starfleet“ (S. 36), übersetzte Begriffe wie „Raubvogel“ (S. 464, statt „Bird of Prey“), falsch übersetzte Begriffe wie „Diskussegment“ (S. 464, statt „Untertassensektion“) oder Medo-Kombinationen wie „Medo-Zentrum“ (S. 64) oder „Medo-Offizier“ (S. 148) finden und statt ‚Erde’ oder ‚Menschen’ stößt man schon mal auf „Terra“ (S. 244) oder „Terraner“ (S. 38). Außerdem wird die Katra mit einem falschen Geschlecht belegt (vgl. etwa S. 79 oder S. 158) und nur gelegentlich trifft man auf zumindest zweifelhafte Formulierungen wie „[…] gekauert war […]“ (S. 115), „Selbst wenn er selbst […]“ (S. 498) oder „Intelligenzwesen“ (S. 503). Ansonsten ist die Übersetzung angenehm und fehlerarm, was bei dem Umfang sicherlich keine Selbstverständlichkeit ist. Kein Wunder also, dass dieses Werk 1998 einen siebenten Platz bei die Nominierung für den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie „Beste Übersetzung“ erreichen konnte.

Kritikwürdige Aspekte: Wie bereits erwähnt, schreckt das Buch allein durch seinen Umfang ab. Natürlich lohnt sich die Überwindung, doch es gibt zu viele Beispiele innerhalb der Star-Trek-Roman-Welt, die eine solche Überwindung bestrafen. Auch die Einteilung in lediglich zwölf Kapitel auf 524 Seiten ist eine kleine Herausforderung, die ein Lesen in größeren zeitlichen Abständen definitiv erschwert.
Obwohl ich die Übersetzung mit Absicht in den Bereich „Lobenswerte Aspekte“ verbannt habe, muss ich dennoch auch auf die Grenzen der Übersetzung hinweisen. Abgesehen von einer unsinnig übersetzten Satzstellungsbemerkung (S. 240) sind es besonders die Wortspiele um die Bezeichnung „Miss“ (vgl. dazu S. 419 und S. 481), die sich nicht harmonisch in die deutsche Sprache integrieren lassen. Sie legen nahe, dass dieser Roman trotz der guten Übersetzungsleistung eher im englischen Original gelesen werden sollte.
Ungünstig ist auch, dass es auffällige Parallelen zwischen dem Buch und der vierten Staffel Enterprise gibt. Die IGEM („Interessengemeinschaft Erde den Menschen“) liest sich als Organisation wie „Terra Prime“-reloaded, obwohl das Buch bereits erschien, als die bislang letzte Star-Trek-Fernsehserie noch nicht einmal in Planung war. Da diese jedoch vor der Romanhandlung angesetzt wurde, wirkt diese Bewegung wie ein müder Abklatsch ihres viel fanatischer angelegten Vorgängers und führt nebenbei zu einigen historischen Unstimmigkeiten. Dass die gesamte Organisation wieder in der Versenkung verschwindet, als sich der Plan der Romulaner in Luft auflöst ist sogar unglaubwürdig und es ist schade, dass dieser Erzählstrang trotz seiner anfänglichen Zentrierung so schnell aus dem Fokus und ins erzählerischer Abseits gedrängt wird.
Außerdem war ich erstaunt, dass bereits in dieser Zeit Soran der Assistent Sareks war. Natürlich ist es außer Frage, dass in der Galaxis Namen zweimal oder mehrfach auftreten können, doch der Umstand, dass Soran im gleichen Jahr nochmals auftauchen wird, trägt nicht gerade zur Steigerung der Übersichtlichkeit bei.
Mein größtes Problem mit diesem Roman liegt auf einer völlig anderen Ebene, als man erwarten würde. Weder Stil, noch Anachronismen oder offensichtliche Ähnlichkeiten stoßen mir auf. Mich persönlich störte die extensive Fokussierung auf die telepathischen Fähigkeiten der Vulkanier. Denn mal ehrlich: Der Warpantrieb ist Science Fiction, aber Telepathie ist Fantasy, und Star Trek ist ja nicht Star Wars, um beide Elemente miteinander zu vermischen. Ich fand diese Aspekte an Star Trek stets zumindest fragwürdig und daher bevorzuge ich Bücher, die diese Fähigkeiten möglichst ausklammern.
Doch sie sind Teil der Geschichte, und daher lassen sie sich selten vermeiden. „Sarek“ wäre nicht dasselbe Buch, wenn nicht diese Eigenart der Vulkanier zentriert werden könnte, doch die Geschichte beschreibt offen, dass die Ereignisse im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ ebenfalls nur unter Berücksichtigung der hier geschilderten Intrige zu verstehen sind (vgl. S. 252). Jene telepathische Lenkung, durch die Personen dazu bewegt werden, den Zielen der Romulaner zuzuarbeiten, soll ebenfalls Admiral Cartwright und andere hochrangige Verschwörer kontrolliert und zu ihren Taten angetrieben haben.
Diese Interpretation geht für meinen Geschmack jedoch zu weit, denn die speziesübergreifende Verschwörung zur Kriegsvorbereitung ist einer der zentralen gesellschaftskritischen Grundaussagen des Filmes und dieser den Boden unter den Füßen zu entreißen, empfinde ich als ebenso weit hergeholt wie unnötig.

Anachronismen: Obwohl sich Crispin viele Gedanken um Konzeption und Kanoneinbindung gemacht hat, ist es merkwürdig, dass es dennoch eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten gibt. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Zum einen sind es jene, die der Autorin selbst hätten bewusst sein müssen und zum anderen sind es die logischen Folgen jener neuen Informationen, die in späteren Serien und Filmen ihren 1994 erschienenen Aussagen widersprachen. Die erstere Gruppe ist als ‚unnötig’, die zweite hingegen als ‚unvorhersehbar’ deklariert.

Unnötige Anachronismen:

Es ist das alte Lied: Obwohl im vierten Kinofilm „Zurück in die Gegenwart“ explizit das Gegenteil zu hören war, gibt es auch in diesem Buch eindeutige Bezüge auf ein pekuniäres Finanzsystem im 23. Jahrhundert. So ist von „Kautionen“ (S. 50) ebenso die Rede wie von „Kreditbetrug“ (S. 303). Sarek verhandelt um „Importzölle“ (S. 54), während Kirk über ein „[…] respektables Einkommen […]“ (S. 178) verfügt, das er dazu nutzen kann, um sich „[…] ein kleines Schiff mieten […], (S. 303) zu können.
Anachronistisch mutet auch der Einsatz von „Disketten“ (S. 98) an.

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Umgang unklar - wozu benutzt man Disketten?

Obwohl Crispin gut zur Lebensgeschichte Sareks recherchiert hat, gibt sie dessen Blutgruppe fälschlich mit „Q-positiv“ (S. 456) an, obwohl Spock und sein Vater laut Eigenaussage die Blutgruppe T-negativ teilen (in der deutschen Synchronisation wird mal eben XY-negativ daraus).
Besonders tragisch ist es, dass Crispin den Ereignissen des sechsten Kinofilms so manchen Trugschluss abringt. So ist es schließlich selbst bis in die letzte Serie schlichtweg nicht vorgekommen, dass getarnte Schiffe über Schilde verfügen. Das Schiff, mit dem Jim Kirk, Spock, McCoy, Peter Kirk und Valdyr von Qo’noS fliehen können, verfügt über den Luxus (S. 416), den nicht einmal Changs Schiff hatte – ansonsten wäre es ja wohl kaum durch einen einzigen Torpedotreffer in die Breduille gekommen.
Doch zum Glück helfen auch die Trümmer des ehemaligen Mondes Praxis beim Fluchtversuch und trotz seiner andauernden Meteoritenschauer kann man ihm so etwas Positives abgewinnen. Doch entgegen den Behauptungen des Buches zerstörte Praxis die Ozonschicht des Planeten und daher wird dieser nicht, wie mehrmals behauptet, durch Trümmerstücke, sondern durch Atmospärenverlust bedroht!
Auch mit der zeitlichen Einordnung der Kinofilme kannte sich Crispin nicht sonderlich gut aus. So gibt sie zu Protokoll, Spocks Wiederauferstehung sei vor dreieinhalb Jahren vollzogen worden (S. 158). Die Ereignisse aus dem späten dritten und beginnenden vierten Film (also 2285/2286) sind jedoch eher sechs, sieben oder gar acht Jahre her, da „Das unentdeckte Land2293 spielt.
In diesem Jahr wird übrigens auch die gute alte Enterprise (übrigens Constitution-, und nicht wie auf S. 502 "Constellation-Klasse") eingemottet. Wer erinnert sich nicht an die rührselige Schlussszene, in der Kirk dem Rückkehrbefehl widerspricht, und noch einen letzten Flug des verdienten Schiffes initiiert? Dass sein Schiff noch immer in Betrieb ist, wie im Roman zu lesen, ist jedoch fragwürdig, zumal im selben Jahr der Nachfolger des Schiffes, die USS Enterprise NCC-1701-B, von Stapel laufen wird.

Unvorhersehbare Anachronismen:

Im Tagebuch Amanda Graysons ist 19. September 2293 der letzte Eintrag. Kurz darauf verstirbt die Diplomatengattin und dem Roman bleibt noch immer Handlung für mindestens eine Woche übrig. Ich lehne mich nicht aus dem Fenster wenn ich mal behaupte, dass es mindestens Oktober sein muss, als die im Buch beschriebene zweite Khitomer-Konferenz stattfindet. Doch wie uns der siebente Star-Trek-Kinofilm „Treffen der Generationen“ zeigt, muss im selben Jahr auch noch das nächste Schiff mit dem Namen Enterprise eingesetzt werden, und Kirk bleibt nur noch wenig Zeit, um zur Erde zurückzufliegen, seinen Ruhestand einzuläuten und die Jungfernfahrt der Enterprise-B mitzuerleben…
Ebenfalls fragwürdig sind die Beziehungen zwischen Menschen und Vulkaniern beschrieben. Auf der Seite 43 findet man den Satz „Die vulkanische Präsenz auf der Erde führte bislang selten zu Kontroversen […]“. Jeder Enterprise-Fan wird andere Bilder vor Augen haben: ein wütender Jonathan Archer in „Broken Bow“, xenophobe Erdenbürger in „Zuhause“ oder antivulkanische Proteste in „Dämonen“.
Auch dass es auf Andoria Wüstenpflanzen (oder auf Andor, wie die Autorin behauptet) gibt, die das vulkanische Klima vertragen könnten, wird in Enterprise negiert. Andor ist ein Eisplanet ohne die klimatischen Bedingungen Vulkans. Zwar gibt es auch Eiswüsten und Shran spricht in „Die Aenar“ von „regelrechten Hitzewellen“, doch diese pendeln um eine Temperatur von 0°C – einem Höchstwert, dem die vulkanischen Verhältnisse spotten.
Schließlich bleibt auch anzuzweifeln, dass Klingonen dazu neigen, Hochzeiten je nach sozialem Stand zu arrangieren (S. 73). Martok, laut eigener Aussage in „Der Dahar-Meister“ kein Vertreter des Adels, heiratete schließlich, den im Buch geschilderten Angaben entsprechend, weit über seinem Stand, als er mit Sirella einen direkten Abkömmling der klingonischen Kaiserfamilie („Klingonische Tradition“) ehelichtet.

Fazit: Man kann viel über „Sarek“ behaupten. Man kann behaupten, dass das Buch zu dick ist. Man kann behaupten, dass Ann Crispin irgendwie aussieht wie Roseanne Barr in „Die Teufelin“. Man kann sogar behaupten, dass ihr Stil abschreckend ist.
Doch ich sage das nicht. Im Gegenteil! „Sarek“ ist einer der besten Star-Trek-Romane, die ich bislang gelesen und rezensiert habe. Er ist der glänzend aufgebaut, brillant geschrieben und gut übersetzt – und hebt sich schon allein dadurch von vielen anderen Erzählungen ab.
Natürlich hat das Buch auch seine Mängel in den vielen Anachronismen und der etwas zu weit reichenden Geschichte, doch wer den Mut aufbringt, sich diesem Werk zu widmen, wird nicht enttäuscht werden, den dieser Mischung aus Spannung, Informationsgehalt und Lesevergnügen gelingt es, selbst 524 Seiten Text zu kurz erscheinen zu lassen.

Denkwürdige Zitate:

Die Vulkanier sind die Brut des Teufels. Jeder kann sehen, daß Satan ihnen sein Zeichen aufgedrückt hat. Haben sie keine Augen im Kopf, junge Frau?“ ältere Frau, S. 42

Ich habe seit Jahrzehnten auf Vulkan gelebt und niemals verstanden, wie Vulkanier ohne eine Spur von Eitelkeit so arrogant sein können.“ Amanda Grayson, S. 109

Die Rache ist wie ein Targ und erhebt sich hungrig nach langem Schlaf.“ Valdyr, S. 237

Es ist allgemein bekannt, daß Vulkanier niemals lügen.
Glauben die Leute hier immer noch an diesen ausgemachten Unsinn?“ Malak und McCoy, S. 411

Ich bin Arzt, kein Jongleur.“ McCoy, S. 416

Starfleet würde mich zum Fähnrich degradieren, wenn ich eine Person von ihrer Stellung einem solchen Risiko aussetze.“
Ich bin bereit, ein solches Risiko einzugehen.“ James T. Kirk und Sarek, S. 430

Bewertung: Ohne Untertreibung: Ein Klassiker.

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Dienstag, 14. Juli 2009

Suraks Seele

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Buchbespechung Dillard, J.M.: Suraks Seele. Heyne, 2003.

Story: Die Enterprise NX-01 stößt auf einen sterbenden Planeten. Ein natürlich von Archer geführtes Außenteam wird zum Augenzeugen dieses Untergangs einer ganzen Zivilisation, denn jede medizinische Hilfe, die das mäßig ausgerüstete Erdenschiff anbieten könnte, reicht nicht einmal aus, um die Krankheitsursache herauszufinden.
Und so bedarf es schon einem fremden Energiewesen, um der Crew verständlich zu machen, dass es eine Art Strahlung ist, die die Eingeborenen Oani vernichtete. Allerdings kann selbst dieser „Wanderer“ nicht genau erklären, was für eine Art Strahlung dies sein könnte und daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Mitglieder des Außenteams ebenfalls unter den Folgen dieser unbekannten Beeinflussung zu leiden beginnen: Phlox, Reed und schließlich auch Hoshi Sato fallen ins Koma.
Während die Crew unter Captain Archer auf einer Lösung dieses realen Problems hinarbeitet, sieht sich T’Pol einem philosophischen Dilemma ausgesetzt. In Notwehr musste sie den letzten Überlebenden der Oani betäuben, da er ein Mitglied ihrer Crew attackierte. Doch der Fremdling war bereits so geschwächt, dass er bereits durch die Wirkung eines Betäubungsstrahles das Zeitliche segnete. Daraufhin wendet sie sich ganz der pazifistischen Tradition ihres Volkes zu und verweigert fortan den Gebrauch sowie das Mitführen von Waffen. Erst als der Crew klar wird, dass der Wanderer selbst der Verursacher all dieser plötzlichen Krankheiten ist, muss die Vulkanierin ihre Prinzipien neu überdenken – oder schafft sie es selbst im Angesicht der tödlichen Bedrohung für die restliche Crew, einen friedlichen Weg zur Abwehr des Lebensenergie verzehrenden Wolkenwesens zu finden?

Lobenswerte Aspekte: "Suraks Seele" ist eine kleiner, aber feiner Star-Trek-Roman. Auf den insgesamt nur 179 Seiten Handlung baut sich Stück für Stück eine mitreißende Spannung auf, die durchaus das Potential zur Episodenhandlung hätte.
Die Figuren sind durchaus getroffen und auch typische Elemente der Serie, wie das gegenseitige Einschmieren mit Dekontaminationsgel sind von der Novellisationsveteranin Dillard geschickt übernommen worden. Daneben baut sie viele aus der Serie bekannte Ereignisse mit ein, die der Handlung zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen und stützt sich somit auf den serieneigenen Kanon. So ist es etwa interessant mitzuerleben, wie Phlox seinen zweiten Schlafzyklus erreicht.

Kritikwürdige Aspekte: Bei aller gegebenen Spannung ist die Geschichte merkbar konstruiert und durchsichtig. Das allein ist nicht schlimm, denn die lebhafte Erzählung kompensiert diesen Umstand und es bedarf schon eines wirklich beknackten Endes, um diesen Vorteil Null und Nichtig werden zu lassen. Diese finale esoterische und pseudo-ghandieske Widerstandsidee hätte ich persönlich nämlich eher bei Kanal Telemedial, nicht aber in einem Star-Trek-Roman erwartet.
Wer weiß, vielleicht hatten die aufgrund übermäßigem Genusses californischer Avocados ständig pupsenden Labrador-Hunde, die Dillard laut eigener Angabe in ihrem Schreibprozess behilflich waren (Danksagung, S. 186), doch bewusstseinserweiternder, als der Autorin klar war. Meiner Meinung jedenfalls kann wenigstens das chronische Einatmen toxischer Gase ein für Außenstehende so fragwürdiges Ende und die wiederholte Wiederverwertung von Energiewesen erklären.

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Keine Macht den Avocados!

Doch Dillard ist bei weitem nicht die einzige Person, der hier fragwürdige Entscheidungen getroffen hat. Auch der Übersetzer bekleckert sich, in bester Heyne-Tradition, wahrlich nicht mit Ruhm. Abgesehen von den typischen Fehlern wie Medo-Kombinationen („Medo-Tasche“ S. 18, „Medo-Zentrum“ S. 40 oder „Medoaufzeichnungen“ S. 53), Übersetzungsverweigerungen („Starfleet“ S. 104) oder Übersetzungsabweichungen (S. 76 „Speiseraum“ statt „Messe“) lassen sich auch grammatische Fehler wie „Es tut mir Leid!“ (S. 23) oder „[…] Hoshi mit ihrer außergewöhnlichen lingustischen Wahrnehmung.“ (S. 20) finden. Doch die Menge dieser kleine Fehler ist – schon allein in Anbetracht des Umfangs dieses Werkes – marginal.
Als ungleich störender empfand ich den Gebrauch von exotischen Fremdwörtern. Erst ein Duden aus dem Jahr 1967 konnte mir verraten, dass mit „Lamantine“ (S. 19) ein französisches Wort für Seekühe (Grebe, Paul (Hrsg.): Duden. Mannheim, 1967, S. 415) gemeint ist, und dass sich hinter einem „Chignon“ (S. 137) ein „im Nacken getragener Haarknoten“ (a.a.O., S. 191) verbirgt. Auch dass ein „Kasack“ (S. 111) ein „viertellanges Frauenobergewand“ (a.a.O., S. 373) ist, muss erst mühsam nachgeschlagen werden, um hinter die Bedeutung des so achtlos in den Raum geworfenen Begriffs zu steigen.
Im Gegensatz zu im Alltag durchaus gebräuchlichen und verständlichen Fremdwörtern wie „Toga“ (S. 13), „Quarantäne“ (S. 115) oder „Amöbe“ (S. 180) fehlt den angegebenen Begriffen ein gemeinsprachlicher Hintergrund, und eine Verwendung von „Seekühe“, „Haarknoten“ oder einfach „Hemd“ wären absolut ausreichend gewesen.
Andererseits war ich überrascht, dass mit einer ehernen Heyne-Tradition gebrochen wurde. Auf der Seite 114 lässt sich tatsächlich die Formulierung „deaktivierte“ finden! Kein „desaktivierte“! Da wird man fast wehmütig, dass sich Heyne aus dem Star-Trek-Büchergeschäft zurückgezogen hat, denn in diesem Werk, im Übrigen einem der letzten, das der Verlag überhaupt veröffentlichte, klingt fast so etwas wie Lernfähigkeit und der Wille, Fehler zu verbessern an. Wenn es allerdings knapp dreißig Jahre dauerte, von einem falsch angebrachten „s“ abzulassen, möchte ich lieber nicht wissen, wie lange es gedauert hätte, die deutschprachige Variante „Sternenflotte“ einzuführen oder auf „Medo“-Kombinationen zu verzichten.
Eines schließlich hätte der Übersetzer auch noch korrigieren können.
Das amerikanische Autorinnen von russischen Namen keine Ahnung haben, ist aus europäischer Sicht ja zu erwarten. Doch ein deutscher Übersetzer, geboren in einem Land, dessen eine Hälfte immerhin mehr als 40 Jahre unter sowjetischer Kontrolle stand, hätte ruhig den Namen einer russischen Navigatorin „Borowski“ (S. 131) in „Borowska“ ändern können. Warum?
Nun, in den meisten slawischen Sprachen spiegeln auch die Namen die Zugehörigkeit zum Geschlecht wieder. Natürlich könnte man jetzt monieren, dass in der Zukunft solche Namen verändert werden, doch dass auch Chekov noch immer ‚Pavel Andreievich’ heißt, spricht eindeutig gegen eine solche Reform. Außerdem ist diese Namensangleichung auch grammatisch bedingt und eine Änderung schon allein daher ausgeschlossen.

Anachronismen: Dillard hat fleißig Enterprise gesehen, und an mehreren Stellen angedeutet, dass sie Folgen wie „Zwei Tage auf Risa“ oder „Der Siebente“ gesehen hat.
Allerdings holt der lange Schatten später gedrehter Episoden auch diesen Roman ein.
So wusste Dillard, während sie diesen Roman schrieb, noch nichts über die Xindi-Mission der Enterprise. Hier wird T’Pol in „Impulsiv“ die Strahlung der Substanz Trellium D zum Verhängnis und Phlox ist in der Folge „Auf ärztliche Anweisung“ der einzige, dessen Physiologie in der Lage ist, die Strahlung einer tödlichen Anomalie überleben. Eindrucksvoll widerlegen diese Ereignisse die von T’Pol im Buch aufgestellte Thesen, „Denobulaner sind Strahlung gegenüber empfindlicher als Menschen.“ Und „Vulkanier können Strahlung besser verkraften als Menschen.“ (beides S. 84)
Besonders viel Mühe gab sich Dillard bei der Beschreibung der Familie T’Pols. Wer die Episode „Zuhause“ noch einigermaßen gut im Gedächtnis hat, wird kaum Ähnlichkeiten mit der beschriebenen Person und der von Joanna Cassidy verkörperten Mutter T’Les erkennen können. Weder war ihr Haar „[…] ebenso schwarz wie die Augen […]“, noch verfügte sie über die „[…] dunklere Haut der meisten Vulkanier […]“ (beides S. 32). Auch die Beschreibungen des Vaters, als Sproß einer Sippe mit „[…] mehreren Familiengenerationen […]“ (S. 31) beißen sich mit den Konzeptionsideen, dass T’Pols Vater Romulaner war.
Schließlich ist auch die Absicht der vulkanischen Austauschoffizierin fragwürdig, „[…] zu Suraks strengsten ursprünglichen Lehren […]“ (S. 45) zurückzukehren, denn diese Schriftbelege werden erst zwei Jahre später in „Kir’Shara“ von Jonathan Archer höchstpersönlich wiederentdeckt.

Fazit: „Suraks Seele“ verliert sich nicht in einer endlos beschriebenen Geschichte und unzähligen eng beschriebenen Seiten. Stattdessen wird auf nur 179 Seiten ein rasanter Spannungsbogen entworfen, der durchaus in der Lage ist, den Leser zu fesseln.
Doch die spannende Geschichte des Buches verliert gegen Ende durch eine abstruse Lösung des Problems an Nachvollziehbarkeit. Esoterisch, lebensfremd und unglaubwürdig löst sich die Bedrohung auf und man fragt sich schon irgendwo, warum es überhaupt zu solchen Problemen gekommen ist.
Die Übersetzungsfehler und Anachronismen wiegen, schon allein aufgrund des geringen Umfangs, nicht allzu schwer und im Großen und Ganzen kann man dem Buch zwar keine übergeordnete Stellung unter den Star-Trek-Romanen einräumen, jedoch einen Unterhaltungsfaktor für ein Lesen „zwischendurch“ zugestehen.

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Länger Leben durch Meditation?

Denkwürdige Zitate:

Ladies first.
Ladies first? Was ist das? Eine britische Redensart?
Ich bin mir nicht sicher. Meine Großmutter sagte das immer, wenn sie sich in einer Schlange vordrängen wollte.“
Malcolm Reed und Hoshi Sato, S. 87

Ah, in diesen Zeiten ein Hund sein...”
Malcolm Reed, S. 141

Bewertung: Nicht nachhaltig, aber spannend.

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Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele

Sonntag, 5. Juli 2009

Vanguard 04: Offene Geheimnisse

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Buchbesprechung Ward, Dayton: Vanguard 04. Offene Geheimnisse, cross cult, 2009.

Story: In der Taurus-Region ist eine trügerische Ruhe eingekehrt. Doch kaum ist die Bedrohung der Shedai fürs erste gebannt, da marodieren auch schon Klingonen und Tholianer in der Gegend herum und auch die Sternenbasis 47 sieht ereignisintensiven Tagen entgegen.
Commodore Reyes wartet auf seine Verhandlung und wird von Admiral Nogura abgelöst – einem der ganz großen Strippenzieher innerhalb der Sternenflottenleitung. Und der zierliche Asiat räumt erst einmal gründlich auf: Commander Cooper muss sich nicht länger mit der Stationsverwaltung herumquälen, der vorlaute Jetanien wird in die Schranken verwiesen und der orionische Kaufmannsprinz Ganz muss seine Sachen packen und mit seinem Schiff die Station verlassen.
Trotz des neuen Besens gibt es dennoch genug Dreck, den selbst er nicht einfach wegfegen kann. So muss T’Prynn nach Vulkan gebracht werden, um von der katra ihres verstorbenen Verlobten Stens befreit zu werden. Derweil schafft es selbst Rana Desai nicht, den nobel handelnden Ex-Commodore Diego Reyes aus den Klauen der rachsüchtigen Justitia zu befreien und Ming Xiong wird von den Klingonen entführt, die sich durch ihn einen Sprung in ihren xenoarchäologischen Forschungen erhoffen – schließlich bergen die Waffensysteme der Shedai ein unheimlich großes militärisches Potential…
Doch gerade, als sich für die Föderation alles wieder zum guten wenden will, wird das Schiff, das den verurteilten Reyes zum Antritt seiner Haftstrafe auf der Erde geleiten soll, von einem unbekannten Piratenschiff angegriffen und zerstört. Reyes ist tot – oder etwa nicht??

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Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Viel zu lange schon mussten die Freunde dieser genialen Reihe auf die Erscheinung des vierten Bandes in deutscher Sprache warten. Und das Warten hat sich definitiv gelohnt!
Der geneigte Leser kann in eine Welt aus vielschichtigen Charakteren und ihrer vielseitigen Interaktion eintauchen. Mitreißend und kanontreu wird eine Welt lebendig, die genial mit allen Serien und Filmen verknüpft wird. Hier kommt Nimbus III ins Spiel; dort trifft man auf den aufstrebenden General Chang. Man wird Zeuge der Kolonisation Cestus' III und erlebt den Untergang der Siedlung aus einer Kommandoperspektive mit. Sehr gelungen und gut durchdacht, denn Cestus III nimmt hier den Platz Denevas ein, das bereits im ersten Roman als unfreiwilliger Ort menschlicher Tragödien diente.

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Ganz neue Dimensionen: Jetzt mischen auch noch die Gorn mit?

Bemerkenswert ist, auf welche Weise der Roman eingeleitet und schließlich auch wieder beendet wird. Die Ereignisse um den Frieden von Organia als Grundlage zu nutzen ist so einfach wie genial.
Daneben räumt der Autor Dayton Ward mit Star-Trek-Klischees auf. Klingonen nehmen keine Gefangenen? Von wegen! Der häufig angesprochene Widerspruch wird hier aufgelöst – denn Klingonen sind eben doch nur Menschen – allerdings mit rosa Blut. Ward spielt mit den Kanoninformationen ohne ihnen untreu zu werden. So wird Reyes zu zehn Jahren Gefängnis in genau dem Knast verurteilt, in dem knapp ein Jahrhundert später auch Tom Paris einsitzen wird. Die Shedai setzten sich bereits mit dem Tkon Imperium auseinander und M’Benga wird endlich auf die USS Enterprise versetzt.
Daneben präsentiert das Buch auch Aspekte, die in Serien und Filmen eher stiefmütterlich behandelt wurden. So widmet man sich ausgiebig der Frage, wie das Ansehen der Vulkanier unter der Tatsache leidet, dass die verwandtschaftlichen Verhältnisse der spitzohrigen UFP-Mitglieder zu den Romulanern bekannt werden. Außerdem sind besonders die Exkurse auf Vulkan selbst beeindruckend, denn der Widerspruch zwischen Föderationsmitgliedschaft und der persönlichen Freiheit des Einzelnen sind ebenso subtil wie widersprüchlich dargelegt.
Doch auch ‚unverbürgte’ Informationen schafften den Weg in dieses Buch. Löblicherweise werden hier die aus den FASA-Rollenbspielbüchern stammenden Schiffsklassen Loknar und Saladin erwähnt, die es im eigentlichen Kanon bestenfalls zu Fußnoten gebracht haben…

Kritikwürdige Aspekte: Der vierte Band geht die Sache etwas ruhiger an als seine Vorgänger. Zuweilen kann man den Eindruck gewinnen, dass „Offene Geheimnisse“ nach den drei vorherigen, nahezu in sich geschlossenen Romanen den Beginn eines neuen Zyklus’ markiert, der erst eingeleitet werden muss. Das Buch bildet daher eine Art Anlauf, um auf den eigentliche Kern des Pudels, also der kommenden Handlungsstränge hinarbeitet. Doch das kann nicht als wirklicher Kritikpunkt geltend gemacht werden, denn Ward gelingt es trotz dieses subjektiven Eindrucks, Spannung und Tragik gleichermaßen aufkommen zu lassen.
Desweiteren sind weder Cover, Kapitelgliederung noch Handlung kritikwürdig – eher im Gegenteil. Was also soll man da noch negatives anbringen?
Der erfahrene Blogleser wird es wissen: Natürlich die Übersetzung. Es ist wirklich nicht so, dass sich der Übersetzer nicht angestrengt hätte. Christian Humberg hat einen angenehmen Stil und ich bin ihm durchaus dankbar, dass er „deaktivierte“ (S. 260) statt „desaktivierte“. Andererseits ist er behilflich, der cross-cult-Übersetzungstradition eigene Kontinuitätslinien zu verleihen. Die bereits in Titan angeklungene Dativiesierungkampagne wird unvermittelt fortgesetzt (z.B. S. 67„[…] Fortschritte von Xiong und seinem Team […]“, S. 291 „[…] Klärung von Lieutenant Xiongs Schicksal […]“ oder S. 191 „Laut dem Captain […]“). Ebenso unnötig wie gewohnt ist die abweichende Schreibweise zuvor bereits benannter Termini: aus dem Föderationsnachrichtendienst „FNS“ („Der Vorbote“, S. 326) wird hier „FND“ (S. 23). Daneben gibt es eine ganze Reihe unnötiger Schusselfehler: „Ich mochte ihn besser […]“ (S. 83), „Stolz“ (S. 176, groß statt klein geschrieben), oder „Damit sie sein Gewissen war […]“ (S. 388) sind nur einige Beispiele dieser hier und dort auftretenden Entgleisungen.
Am auffälligsten fand ich jedoch die häufig auftretende Umgehung von „die“ durch „welche“: Bereits im Einleitungstext findet sich auf Seite 5 der Satz „Letztendlich gestattet Reyes dem Journalist Tim Pennington die Veröffentlichung eines Tatsachenberichtes über die Bedrohung, welche die Shedai darstellen.“ Diese Möglichkeit ist in der deutschen Sprache gegeben, um Wortdopplungen zu vermeiden. Allerdings ist sie eher eine Ausnahmeerscheinung als ein alltäglicher Ausdruck. Dessen ungeachtet lassen sich in „Offene Geheimnisse“ immerhin 85 Konstruktionen dieser Art finden – also fast auf jeder vierten Seite. Zum Vergleich: Im zuvor von mir rezipierten Star-Trek-Werk „Die erste Mission“ tauchten solche Jonglierversuche nicht ein einziges Mal auf. Natürlich ist es nicht verboten, das Wort „“welche“ so einzusetzen, doch eine derartige Häufung wirkt im Umgang mit der deutschen Sprache etwas hilflos.
Eines bleibt schließlich auch noch anzukreiden. In der ein- und ausleitenden Bezugnahme auf den klingonischen Angriff auf die Sternenbasis 47 konnte sich der Übersetzer ins fertige Nest setzen, denn die Dialoge des Organiers Ayelborne waren, von einigen Adressatenformulierungen abgesehen, völlig identisch. Um so verwunderlicher, dass in der Föderationsvariante von „Apparaten“ (S. 15) die Rede ist, während die Klingonen „Instrumente“ (S. 437) zu hören bekommen. Wenn hier die Einteilung in „Grad Celsius“ für das Kriegervolk abweichend gewesen wäre (sie nutzen schließlich auch die Einteilung „qelI’qam“ statt „Meter“), hätte ich es durchaus verstanden, doch diese Abweichung ist vollkommen unnötig.
So oder so wäre diese Übersetzung nicht unbedingt eine Referenz, die man sich in die Vita schreiben sollte...

Anachronismen: Erstaunlicherweise sind tatsächlich Unstimmigkeiten zu finden, auch wenn sich der Autor redlich bemühte, sie zu vermeiden.
So wird Arcturus, die Heimat der Arcturianer, als unabhängiger „Freihandelsplanet“ (S. 172) beschrieben, obwohl die eher unbekannte Halbkanonrasse offiziell als Mitgliedsspezies der Föderation geführt wird! Natürlich kann man jetzt auf die zweifelhafte Kanoneinbindung verweisen, die durch die Hintergrundinformationen zu Star Trek Der Film gegeben wurden, doch wenn man sich vor Augen hält, dass die rigellianischen Chelonen, ihres Zeichens das Volk des Botschafters Jetanien, ihre Referenz in der selben Quelle haben, wirkt dies natürlich etwas uninformiert und kontraproduktiv.
Schade fand ich auch, dass der Auftritt des Admirals Komack einer anderen Person als der in TOS bekannt gewordenen Gestalt zugeschoben wird. Zwar bin ich mir relativ sicher, dass der Admiral aus der Episode „Weltraumfieber“ gemeint war, doch dieser trägt seit der Premiere des elften Kinofilms den Vornamen „James“ und nicht, wie im Buch beschrieben, „Franklin“. Also hat der Film es trotz gegenteiliger Versicherungen doch noch geschafft, den Romanzyklus Lügen zu strafen…

Fazit: Das halsbrecherische Erzähltempo vorangegangener Romane ist in „Offene Geheimnisse“ nicht zu finden. Dennoch ist das Buch seinen Vorgängern in den qualitativen Aspekten treu geblieben und verwöhnt seinen Leser mit einer spannenden und sauber recherchierten Geschichte, an deren Ende man sich nichts sehnlicher wünscht, als den nächsten Teil zu lesen.
Egal, ob man einige Anachronismen oder Rechtschreib- und Grammatikfehler findet – auch der vierte Roman der Vanguard-Reihe bietet Unterhaltung, wie keine andere Star-Trek-Buchreihe zuvor. Ein unbedingtes Muss für alle, die auch in der ‚richtigen’ Zeitlinie nicht auf Spannung, Dramatik und verdammt gute Geschichten verzichten wollen.

Denkwürdige Zitate:

Die Föderation ist ein Haufen schwacher Feiglinge, denen die innere Stärke fehlt, sich ihren Feinden in der Schlacht zu stellen. Stattdessen versucht sie, etwaige Gegner mit Worten zu Tode zu langweilen und versteckt sich hinter Lügen und Verrat.“ Lugok, S. 61

Diese Vulkanier sind anders als die, die Sie gewöhnt sind. Scherze und informelle Redewendungen bringen Sie hier nicht weiter.“
Wenn das so ist. Sind sie genau wie die Vulkanier, die ich gewöhnt bin.“
M’Benga und Pennington, S. 216

Ich habe mir T’Prynn nie als jemanden mit einem grünen Daumen vorgestellt. Das gefällt mir.
Die Pigmentierung der Haut auf T’Prynns Daumen entspricht ihrer restlichen Epidermis. Wenngleich die Färbung des vulkanischen Blutes eine derartige Beschreibung evozieren mag. Dennoch ist sie unzutreffend.“
Pennington und T’Nel, S. 252

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So sicher wie der Grüne Daumen

Wie erfrischend faschistisch.“ Pennington, S. 253

Man kann es nicht anders ausdrücken. Klingonen stinken.“ Xiong, S. 307

Bewertung: Keine Achterbahnfahrt, aber trotzdem genügend Loopings!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall