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Dienstag, 9. Juli 2013

Gespensterschiff

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Buchbesprechung Carey, Diane: Gespensterschiff. Heyne, 1987/1990.

Story: Schwarzes Meer, 1995. Der sowjetische Superflugzeugträger "Gorschkow" pflügt sich majestätisch seinen Weg durch die sauerstoffarmen Wellen des Schwarzen Meeres. Das atombetriebene Schiff repräsentiert den gesamten maritimen Stolz der Großen Vaterländischen Seestreitkräfte. Kein Wunder, denn mit an Bord befindet sich ein hypermoderner Pulsator, der feindlichen, westlichen Raketensystemen im Null-Komma-Nix den Garaus machen kann.
Doch just in dem Moment, in dem Captain Reykow und sein erster Offizier Vasska die neue Wunderwaffe zur Erbauung der mitgereisten Funktionäre ausprobieren, kommt ein riesiges fremdes Wesen auf sie zu. Ehe die beiden Männer überhaupt reagieren können, zerstört es das Schiff, tötet alles Leben an Bord und saugt die Seelen der sterbenden Crew in sich auf. Über dreihundert Jahre fristet die Crew, eingesperrt in ein einsames Gefängnis, eine qualvolle Existenz, bis das mächtige Wesen einen neuen Gegner ins Visier nimmt: Ein frisch eingeweihtes Raumschiff mit der Bezeichnung USS Enterprise NCC-1701-D. Reykow selbst erscheint als körperlose Emanation auf dem fremden Kreuzer, um die frisch zusammengewürfelte Crew zu ermutigen, den Kampf gegen das Wesen aufzunehmen. Doch obwohl die unbekannte Besatzung sogar einen telepatischen Counselor in ihren Reihen hat, gelingt es ihr nicht so recht, zu verstehen, was Reykow und seine gepeinigten Genossen von ihnen wollen.
Wird es dem fremden Captain Jean-Luc Picard gelingen, sie aus ihrem Verlies zu befreien und sie von ihrer grausamen, körperlosen Existenz zu befreien?

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Auf der Suche nach ewigem Frieden für die toten Überlebenden


Lobenswerte Aspekte: "Gespensterschiff" schlägt eine Brücke in eine spannende Phase der Erdgeschichte, die an Filme wie "Jagd auf Roter Oktober", "Hot Shots" oder "Der letzte Countdown" zurückdenken lässt. Im Spannungsfeld zwischen Marine-Romantik, kaltem Krieg und Völkerfreundschaft knüpft es an eine cineastische und literarische Traditionslinie an, die sich bereits mehr als einmal als schlüssiges Verkaufsargument entpuppte.
Warum auch nicht?
In dieser Kombination steckt ja auch eine Menge Potential und nicht von Ungefähr spielt ein Flugzeugträger namens Enterprise eine gewichtige Rolle im vierten Star-Trek-Kinofilm "Zurück in die Gegenwart".
Lesenswert ist dieses Buch jedoch in erster Linie ob der kleineren Details, die biografische Lücken zu den damals frisch eingeführten Charakteren der 'nächsten Generation' schließen. So kann man beispielsweise erfahren, dass Tasha Yar über litauische Wurzeln verfügt (vgl. S. 58), erhält Kenntnis über einen unterhaltsamen dunklen Fleck in William T. Rikers Beförderungsgeschichte (S. 40f.) und stellt überrascht fest, dass Deanna Troi ihren 'Imzadi' Riker in den ersten Folgen nur deshalb 'Bill' nannte, weil sie einem tief in ihr schlummernden Ödipuskomplex anhängt (S. 235f.).
Eben jene Halbbetazoidin, die in der ersten Staffel noch einen schweren Stand bei Schreibern und Altfans hatte, geht als klare Gewinnerin aus diesem Roman hervor. Soviel Platz zur Charakterentfaltung wie in diesem ersten eigenständigen Buch der TNG-Crew hatte die Bordpsychologin jedenfalls in keiner einzigen der sechsundzwanzig Folgen der ersten Staffel. Als Höhepunkt dieses Schaulaufens muss man die ebenso gelungene wie einfühlsame Schilderung ihre Eindrücke beim Kontakt mit fremden Lebensformen bezeichnen (vgl. S. 42).
Die Autorin scheut sich auch nicht, gleich in ihrer Widmung passiv ihre eigenen Fähigkeiten ins rechte Licht zu rücken. Nicht ganz zu Unrecht, denn gerade in technischer Hinsicht könnten sich einige männliche Kollegen der Zunft durchaus eine dicke Scheibe ihrer Fachkenntnis abschneiden, denn Carey gelingt es nicht nur, in simpler Eleganz den Unterschied zwischen Passiv- und Aktiv-Sensoren zu erläutern (vgl. S. 103), sondern beschreibt auch die Besonderheiten bei einer Abtrennung der Untertassensektion während eines Warpflugs so umfassend, dass sie dabei sogar die Kohlen für die fragwürdige Darstellung im Pilotfilm "Der Mächtige" aus dem Feuer holt (vgl. S. 129).
Und wo wir gerade auf dem schmalen Grat zur Metaebene wandeln:
Für einen so frühen Roman, der in der Frühzeit der Serie anzusiedeln ist, besteht der spannendste Teil eigentlich darin, ihre geschickt verpackte Kritik an den zunächst merkwürdig anmutenden Neuerungen dieser völlig vom Original abweichenden Neuinterpretation Star Treks herauszufiltern. Ihren augenzwinkernden Bemerkungen zu den unklaren Rollen des Ersten Offiziers (vgl. S. 25) und des Counselors (vgl. S. 65) sowie der Hautfarbe Datas (vgl. S. 27) treiben selbst den hartgesottenen Next-Generation-Fans die Mundwinkel in Richtung Haupthaaransatz.

Kritikwürdige Aspekte:

Riker: "Ich!?"
Picard: Sie  haben sich zum Dienst gemeldet und Sie sind qualifiziert."
Riker: "Ja, Sir!"
Picard: "Dann tun Sie Ihren Dienst, Commander."


Klingt aggressiv, komisch und fremd?
Dabei ist das keine schlechte Fanfiction! Tatsächlich stammt dieser Wortwechsel aus der noch etwas hölzernen ersten Staffel TNGs. Also aus genau der Ära, in der auch dieser Roman angesiedelt ist. Insofern muss man wohl jenen Stimmen, die diesem Roman unterstellen, dass die Figuren im Umgang miteinander etwas ruppig anmuten, mit gebotener Vorsicht begegnen.
Aber selbst wenn man dieses Zitat aus dem Pilotfilm "Der Mächtige/ Mission Farpoint" als Vergleichswert heranzieht, bleibt festzuhalten, dass das Miteinander der Crew in diesem Buch in wirklich gar keiner Relation zu den gelegentlichen Reibungspunkten früher Folgen steht. Die Figuren und ihr Sozialverhalten sind schlichtweg nicht getroffen. Das lässt sich an ein paar Personen exemplarisch festmachen.

Jean-Luc Picard. Ich kann nicht genau sagen, welche Laus dem Kommandeur der USS Enterprise in diesem Werk über die Leber gelaufen ist, doch der charismatische Franzose wirkt viel zu häufig erschreckend zickig und cholerisch (vgl. S. 23, 34, S. 51, S. 73, S. 81f., S. 83, S. 131, S. 134). Meist geschieht das in Situationen, von denen man als 'alter Hase' genau weiß, dass sich der Captain eigentlich nie so gehen lassen würde. Dadurch verliert seine Autoritätsaura völlig an Leuchtkraft. In der einzigen Situation hingegen, in der man eine härtere Gangart erwartet, enttäuscht dieses lasche Picard-Imitat auf ganzer Linie und reagiert trotz Insubordination und Materialverlust großväterlich sanftmütig (vgl. S. 268ff.). Um die Verwirrung perfekt zu machen, legt er eine erschreckende Mordlust wie Käpitän Ahab auf der Jagd nach dem Weißen Wal an den Tag, die er sich eigentlich für den finalen Kampf gegen die Borg aufheben müsste.
Da kann man als erschrockener Leser seinem Ersten Offizier William T. Riker nur kopfnickend beipflichten, wenn er seinem Vorgesetzen in diesem Zusammenhang vorwirft: "Das klingt nicht nach Ihnen, Sir." (S. 251)

William T. Riker. Was aber nicht bedeuten soll, dass Riker auch nur ansatzweise besser getroffen wäre. Er steht seinem Kommandanten in puncto Stimmungsschwankungen in nichts nach (vgl. z.B. S. 116), verliert sich in sinnfreien Eifersuchtsszenen (vgl. S. 24f) und präsentiert sich erschreckend wehleidig (vgl. S. 25).

Data. Vielleicht sollte man eher 'Lore' sagen, denn der Androide Data entfaltet eine verdächtig breite  Emotionspalette: Von traurig (vgl. S. 116), empfindlich (vgl. S. 228), lächelnd (vgl. S. 243), freudig (vgl. S. 125) bis hin zu grinsend (S. 184) hat man die künstliche Lebensform jedenfalls vor der Aktivierung seines Emotionschips nur selten so sentimental erlebt. Hinzu kommt, dass er scheinbar sogar Schmerz empfinden kann (vgl. S. 31), für einen Androiden eine erstaunliche Tolpatschigkeit an den Tag legt (vgl. S. 201f.) und sogar ein Herz zu besitzen scheint (vgl. S. 201).
So ziemlich alles, was man über das Spitzenprodukt aus dem Hause Soong erfährt, steht im direkten Widerspruch zu den späteren Informationen der Serie. Vor allem der Status als biologische Lebensform, den Carey ihm als Höhepunkt ihres Buches verlieh, hat gar nichts mit dem beliebten Charakter zu tun, der in seinem verzweifelten Streben nach Menschlichkeit erst zum Zuschauerliebling avancierte.

Geordi LaForge. Der blinde Steuermann offenbart sich als extrem angriffslustig und streckenweise sogar persönlich angreifend gegenüber seinem unmittelbaren Vorgesetzten, dem ersten Offizier Riker (vgl. z.B. S. 117f., S. 216 oder S. 227ff.). Das wirkt sogar noch schlimmer und unangenehmer als in der TOS-Folge "Notlandung der Galileo Sieben" – was man tatsächlich als eine ernstzunehmende Leistung interpretieren könnte.
Hinzu kommt eine für LaForge unangemessene Ausdrucksweise, die in dem Satz "Maschine, meine Fresse." (S. 36) gipfelt.  Im englischen Original liest sich das nicht viel besser. Hier muss man sogar von "Machines, my ass." lesen. Den schüchternen und auf Ausgleich bedachten Navigator begleitet kein nennenswerter Wiedererkennungswert.

Man könnte noch weitere Beispiele aufführen, doch der Übersichtlichkeit halber sei nur erwähnt, dass Doktor Beverly Crusher zu controllfreakig (S. 62f.), Worf zu unterwürfig (S. 34f.) oder Wesley zu unselbständig (S. 76ff.) agieren. Die Psychologin Deanna Troi droht sogar mit einem Suizid, sofern die restlichen Führungsoffiziere nicht ihrer Interpretation der Ereignisse folgen (vgl. S. 208). Den fragwürdigen Höhepunkt dieser Figurenvergewaltigung bildet die Gleichsetzung Tasha Yars mit einer Disney-Prinzessin (vgl. S. 152).
Gerade durch den wahren Zickenkrieg, den sich die Besatzung in diesem Werk viel zu häufig leistet, vermag die gut gemeinte Aufopferungsbereitschaft der eher gegeneinander arbeitenden Crew im Licht solcher Umstände nicht so recht seine Wirkung zu entfalten (vgl. S. 128f.)
An dieser Stelle muss ich wohl auch mal mit einer erschreckend weit verbreiteten Legende aufräumen: An vielen Orten (wie zum Beispiel Jeff Ayers' 'Voyagers of Imagination: The Star Trek Fiction Companion') kann man lesen, dass Carey selbst zu Protokoll gab, dass sie dieses Werk geschrieben hätte, noch bevor die Schauspieler gecastet waren und die Serie überhaupt im Fernsehen anlief. Insofern müsste man viel Nachsicht walten lassen.
Wenn das stimmen würde.
Anhand von Textbelegen lässt sich jedoch beweisen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. So deuten Erwähnungen von Personen wie Argyle (vgl. S. 129) UND MacDougal (vgl. S. 135), aber auch die aufgegriffene Ernennung Wesley Crushers zum Fähnrich ehrenhalber (vgl. S. 76f.) sowie Tasha Yars Herkunft (vgl. S. 153) darauf hin, dass ihre Kenntnisse zumindest bis zur sechsten Folge der ersten Staffel ("Der Reisende") reichten. Hinweise auf Deannas Mutter (vgl. S. 64) legen sogar den Verdacht nahe, dass sie es eventuell sogar bis zur elften Folge ("Die Frau seiner Träume") geschafft hat.
Auch die verschiedenen Schauspieler kannte sie bestens und spielt sogar mit diesem Wissen: Die Erwähnungen Sirtis' mediterraner (vgl. S. 110), bzw. griechischer (vgl. S. 65) Herkunft, Crosbys burschikosem Äußeren (vgl. S. 33) oder Stewarts bühnenhaften Tenors (S. 23) wären jedenfalls in der Form gar nicht möglich gewesen, wenn Carey die einzelnen Darsteller nicht in Aktion gesehen hätte.
Natürlich wäre es denkbar, dass die Autorin diese vergleichsweise häppchenartigen Informationen in ihr Werk einfügte, nachdem sie den Hauptteil der Handlung verfasste. Der geringe Umfang und der minimale Einfluss auf das Wesen der einzelnen Figuren sprächen jedenfalls für eine solche nachträgliche Einarbeitung. Doch diese minimalen Schönheitskorrekturen blieben dabei ein Tropfen auf den heißen Stein. Es bleibt festzuhalten, dass dieses Werk viel zu schnell auf den Markt geworfen wurde und dadurch keine große Schnittmenge mehr mit dem Endprodukt der Fernsehserie aufwies. Eine längere Bearbeitungszeit hätte Diane Carey zur Auseinandersetzung mit den einzelnen Charakteren sicherlich gut getan.
Das merkt man spätestens dann, wenn interne Schiffsabläufe thematisiert werden. Schenkt man den Ausführungen Careys Glauben, so muss man kritisieren, dass die Kommandokette auf dem Flaggschiff der Sternenflotte überhaupt nicht funktioniert. Das wird jedenfalls im zweiten Teil des Werkes überaus deutlich.
Picard lässt sich inmitten einer Notsituation zu Selbstversuchszwecken in ein Wachkoma versetzen (vgl. S. 210), während sich sein zweiter Offizier mit einem Shuttle zu Selbstopferungszwecken unerlaubt vom Schiff entfernt (vgl. S. 197ff.) und der Erste Offizier dem Androiden mitten in diesem Kommandovakuum auch noch auf diesen Kamikazetripp folgt (vgl. S. 229). Das Schiff treibt währenddessen schutzlos, energielos und führerlos durch das All, während ein fremdes Wesen nach dem Leben der Crew trachtet und in der kalten Dunkelheit des Weltraums lauert.
Dabei bleiben die Führungsspitze nicht das einzige Beispiel für Mängel in der Schiffshierarchie. Der junge Wesley Crusher zapft unbemerkt über einen Monat hinweg die Antimateriereserven des Schiffes in einem Sperrgebiet an (S. 173ff.) und Data zweckentfremdet während seiner Dienstzeit die Ops-Konsole für private Recherchen mit Sprachausgabe (vgl. S. 32). Die Crew wirkt wie ein anarchischer Haufen egozentrischer Individuen, der sich nicht sonderlich um die Einhaltung von Rangstufen oder Hackordnungen kümmert. Was heutzutage vielleicht irgendwie begrüßenswert und sympathisch klingt, passt aber nicht zur zukunftsorientierten Star-Trek-Ideologie, in der die unbedingte Einhaltung der Kommandostruktur eines Schiffes oder einer Station ein zentrales Merkmal für die Glaubwürdigkeit bedeutet. Stellt man diese wie hier in Frage, vermag sich ein Wiedererkennungsgefühl in irgendeiner Form auch partout nicht einzustellen.
Mehr noch: Es entreißt der philosophisch sicherlich relevanten Frage nach Sterbehilfe, die den Roman eigentlich bestimmen sollte, völlig den Boden und beraubt der gesamten Handlung die Nachvollziehbarkeit.
Passend dazu kulminiert das Buch schließlich in einem widerlich kitschigen Finale, in dem auch noch allen Ernstes und allen Gepflogenheiten der Franchise zum Trotz salutiert wird (vgl. S. 270f.).
Prädikat: Besonders Gruselig!

Übersetzung: Das Unheil kündigt sich bereits mit dem Titel des Buches an:
"Gespensterschiff" liest man da in Großbuchstaben auf dem Cover, obwohl es mit "Geisterschiff" einen ungleich geläufigeren Terminus innerhalb der deutschen Sprache gibt. Zumal innerhalb des Werkes nicht ein einziges Mal von 'Gespenstern', sondern durchweg von 'Geistern' geredet wird (vgl. z.B. S. 77, S. 109 oder S. 194).
Doch der Titel ist erst der Anfang einer wahren Übersetzungszumutung. Norbert Stresau, dem die Übertragung dieses Frühwerkes in die deutsche Sprache oblag, merkt man seine süddeutsche Herkunft umgehend an. Fürchterlich falsch klingende Satzteile wie "Er wollte sich nach der taktischen Konsole umwenden, […]" (S. 24) ", "[...] an der Reserve gehangen ist [...]" (S. 179) oder "[…] machten ihn frösteln […]" (S. 212) verraten seine Herkunft und mindern das Lesevergnügen bei Rezipienten, die sprachlich jenseits des Weißwurstäquators sozialisiert wurden.
Aber auch der verschnörkelte Stil des Textes nervt beim Lesen gewaltig. Beschreibungen wie "Geordi fühlte den Stachel seiner eigenen Hilflosigkeit." (S. 181), "Bittere Wut umwölkte Trois hübsche Augen." (S. 171) oder "Der Androide sah zu ihm auf, eine Bewegung, die Riker durchfuhr wie ein hölzerner Pflock." (S. 167) sind bei gelegentlichem Aufkommen sicherlich eine willkommene Abwechslung, doch ein ganzes Buch voll mit blumigen Umschreibungen wie diesen versetzt den potentiellen Käufer rasch an die Grenzen seiner Leidensfähigkeit. Natürlich ist so eine Stilfrage in erster Linie an den Autoren gekoppelt, doch an diesem Beispiel kann man gut erkennen, was passiert, wenn die Wirkung eines bereits anstrengenden englischen Originaltextes durch die weitaus breitere Ausdruckspalette der deutschen Sprache noch potenziert wird. Im Kontrast mit den äußerst grobschlächtigen Charakteren ergibt das ein zähes Wechselspiel, das ob seiner krassen Brüche den Lesefluss erheblich beeinträchtigt.
Obwohl das allein schon ausreichen würde, patzte Stresau ständig bei den einfachsten Übersetzungen. Stocksteife Übertragungen fern von jeder Sprachrealität prägen das Buch Seite für Seite. Aufgrund der Übersichtlichkeit zähle ich lediglich drei Beispiele von vielen auf, die beim Lesen übel aufstoßen.
So antwortet Picard auf die Türklingel "Ja, wer ist es es?" (S. 171, für "Yes, who is it?"), beendet seinen Satz mit "Fair genug." (S. 185, für die Redewendung "Fair enough.") oder beschreibt den Anblick "[...] mit nacktem Auge […]" (für "with naked eye" statt 'mit bloßem Auge' S. 74). Prinzipiell mag dies für das Englisch-Verständnis eines Grundschülers vielleicht richtig erscheinen, praktisch handelt es sich dabei jedoch nicht unbedingt für ein professionelles Statement eines Übersetzers, der mit seiner Arbeit Geld verdient. Um dieses Armutszeugnis zu komplettieren, muss man sich nur den wahren Zoo vor Augen halten, den die Besatzung bietet: Da wird gefaucht (vgl. S. 238), gebrüllt (vgl. S. 51), geschnaubt (vgl. S. 76), gekrächzt (vgl. S. 131) und gegrunzt (vgl. S. 171) wie sonst nur bei Daktari. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dabei das Bellen, das der Crew besonders häufig in den Mund gelegt wird (vgl. S. 30, S. 70, S. 74, S. 116, S. 121, S. 131, S. 228, S. 244, S. 257, S. 262).

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Da wirkt es beinahe erfrischend, Konstanten der Heyne-Übersetzungsmaschinerie wiederzuentdecken. Doch zusammen mit altbekannten Fehlbezeichnungen wie "Galaxis-Klasse" (S. 24, statt "Galaxy-Klasse"), "Insignienkommunikator" (S. 49, statt "Kommunikator"), oder "Medo-Ingenieur" (S. 82, statt "medizinischer Techniker") tauchen auch noch weitere Begriffe auf, die so selbst in anderen Heyne-Romanen nicht zu lesen sind. So geben merkwürdig anmutende Formulierungen wie die "[...] des medizinischen Föderationskonzils […]" (S. 194), "Warp-Hülle" (statt "Warp-Blase" S. 128) oder "Lebensmittelspender" (statt "Replikator", S. 36) allenthalben ihr Stelldichein.
Komplettiert wird dieses Feld durch die gleichzeitig ebenso typischen, wie unangebrachten Anglizismen á la "Starbase" (S. 40), "Starfleet" (S. 76) oder "Lightshow" (vgl. S. 215), die durch denglische Zwitterübersetzungen wie "Exhaustoren" (S. 143), "Junktor" (S. 155) oder "Antimaterie-Reservecenter" (S. 199) eine fragwürdige Gesellschaft erhalten.
Das Sahnehäubchen bilden allerdings die kleinen Fehlerteufel, denen man innerhalb des Buches des Öfteren begegnet. Abgesehen von fehlenden Anführungsstrichen (S. 158), kommt es auch schonmal vor, dass aus "neunundsiebzig" Prozent (S. 98) nur eine Seite später plötzlich "siebenundneunzig" Prozent (vgl. S. 99) werden. Zudem werden das Siezen und Duzen nicht konsequent beibehalten (vgl. S. 145).
Alles in allem verdient dieses Buch einen Spitzenplatz unter den am schlechtesten übersetzten Star-Trek-Büchern – selbst für Heyne-Verhältnisse. Ich persönlich kann mir das auch nur dadurch erklären, dass der Verlag seinen Übersetzern einem ähnlichen Zeitdruck aussetzte, wie Carey ihn eventuell in den USA erleben musste. Der Werbetext auf der Buchrückseite, der die ab September 1990 jede Woche im ZDF laufende neue Serie "Die nächste Generation" (!) anpreist, lässt diesen Schluss jedenfalls auch für dieses 1990 in Deutschland erschienene Werk zu.

Anachronismen: Eigenlob stinkt.
Diese simple nationale Binsenweisheit hat es scheinbar noch nicht über den Großen Teich geschafft, denn unmittelbar vor dem eigentlichen Beginn der Geschichte beschreibt die Autorin, dass sie aufgrund ihrer guten Quellen jene bei ihrem Publikum ach so beliebte Detailgenauigkeit bei philosophischen, wissenschaftlichen und militärischen Fragen an den Tag legt.
Den Gegenbeweis tritt die Autorin allerdings bereits auf den ersten Seiten an. Dort wird nämlich ein sowjetischer Flugzeugträger namens 'Gorschkow' beschrieben, der 1995 unter mysteriösen Umständen verschwand.
Mittlerweile liegt das Jahr 1995 in unserer unmittelbaren Vergangenheit, und was soll ich sagen?!
Es gab tatsächlich einen Flugzeugträger dieses Namens, der sogar in diesem Zeitraum von einer Explosion heimgesucht wurde!
Allerdings handelte es sich weniger um einen "Flugzeugträger" (S. 67), sondern um einen sogenannten "Flugdeckkreuzer" (durch diese semantische Spitzfindigkeit konnte die Sowjetunion das vertraglich fixierte Durchfahrtsverbot von 'Flugzeugträgern' durch die Dardanellen umgehen). Er gehörte zur "Kiew-Klasse", und nicht zur "Lenin-Klasse" (vgl.S. 8). Es hatte maximal 1665 Mann Besatzung und nicht fünftausend (vgl. S. 224). Es war weder atombetrieben (vgl. S. 8), noch mit MiGs bestückt (vgl. S. 9).
Eigentlich hieß das Schiff zur Entstehungszeit des Romans sogar "Baku" und wurde erst nach dem sowjetischen Marine-Oberhaupt benannt, als Aserbaidschan zusammen mit seiner Hauptstadt in die Unabhängigkeit entlassen werden musste.
Zwar wollte es der Zufall, dass das Schiff 1995 tatsächlich durch eine Explosion außer Dienst gestellt wurde, doch es existiert bis heute und gehört als "INS Vikramaditya" mittlerweile zur indischen Marine.
Aber das konnte Carey 1987 unmöglich ahnen.
Genausowenig konnte sie ahnen, dass die Sowjetunion 1992 aufhören würde zu existieren. Damit wurden dieser Roman und sein gesamter Inhalt urplötzlich hinfällig.
Doch dieser Fehler ist bei Lichte betrachtet ein gängiger Begleiter innerhalb des Star-Trek-Universums. Abgesehen von Chekovs ständigen Einwürfen in der Originalserie, kam es ebenfalls im vierten Kinofilm zu einer Erwähnung Leningrads, obwohl die Stadt seit 1991 in Sankt Petersburg zurückbenannt wurde. Scheinbar muss die Sowjetunion im Star-Trek-Universum irgendwann wie Phönix aus der Asche wiederauferstanden sein.
Also folgen wir doch einmal diesem Anachronismus bereitwillig und nehmen der Bequemlichkeit halber an, dass das mit der Sowjetunion irgendwie so in Ordnung geht (als Veteranen der Eugenischen Kriege dürfen wir uns so etwas erlauben).
Warum zum Teufel fliegen dann die Piloten der gestarteten sowjetischen Kampfjets vom Schwarzen Meer (vgl. S. 8) bis ins Mittelmeer (vgl. S. 18), um auf einem dafür nicht ausgerüsteten amerikanischen Flugzeugträger notzulanden?
Die Piloten (die nicht überlaufen wollten, vgl. S. 71) hätten in der gleichen Zeit problemlos Militärflughäfen auf der Krim, dem ukrainischen bzw. russischen Festland, in Georgien oder den sozialistischen Bruderstaaten Rumänien und Bulgarien (beide waren Mitglied im Militärbündnis des Warschauer Paktes) ansteuern können. Immerhin misst das Schwarze Meer an seiner breitesten Stelle gerade einmal 1.175km, was bedeutet, dass selbst eine MiG-31 (im Buch wird die nie in Produktion gegangene MiG-33 beschrieben, vgl. S. 19) mit einem Einsatzradius von 1.450km bei Unterschallgeschwindigkeit ohne Schwierigkeiten einen der eigenen Flughäfen hätte ansteuern können. Gerade mit ihrem angeblichen Militärfachwissen sollte Carey gewusst haben, dass es den Piloten unmöglich gewesen sein muss, den Luftraum des NATO-Mitglieds Türkei zu durchqueren.
Ebenso wenig konnte Carey damals ahnen, in welche Richtung sich Star Trek im Allgemeinen, und TNG im Speziellen entwickeln würden. So ziehen die angesprochenen Charaktere einen wahren Rattenschwanz an Anachronismen hinter sich her.
So erfährt man, dass Picard ein Marquis ist (vgl. S. 88) und auf Riker ob desses Verweigerungshaltung in puncto Außenteameinsätze neidisch sein soll (vgl. S. 105). Dabei kann man in "Das Pegasus-Projekt"erfahren, dass der Captain der Enterprise Riker genau aus diesem Grund überhaupt als Stellvertreter ausgewählt hatte.
Auch Geordi LaForge und dessen Visor verführten Carey zu unvorsichtigen Äußerungen. So kann man in diesem Buch lesen, dass dem Navigator das Tragen seiner Sehhilfe unablässige Schmerzen beschert (vgl. S. 87), dass er zu einem erlauchten Personenkreis von lediglich vier Sehbehinderten gehört, die überhaupt mit einem solchen Gerät umgehen können (S. 86) oder dass er das Gerät mehrmals am Tag abnehmen muss, um Erschöpfungszuständen zu entgehen (S. 87). Das steht natürlich in akutem Widerspruch zu später ausgestrahlten Episoden, in denen der Umgang mit Geordis Behinderung viel weiter in den Hintergrund gerückt wurde und seine Prothese zu einem Alltagsgegenstand wie etwa eine Brille verklärt wird.
Einer ähnlichen Entwicklung sah sich auch Worf ausgesetzt. Als Ursache für die Tatsache, dass er im Gegensatz zu seinen Ahnen der Originalserie Stirnwülste trägt, gibt Carey eine klingonischen Säuberungsaktion an (vgl. 34). Dank "Immer die Last mit dem Tribbles" oder dem Enterprise-Zweiteiler "Die Heimsuchung/ Die Abweichung" weiß der Star-Trek-Fan das heute natürlich besser. Aber schon nach der ersten Staffel TNG mit all ihren Fehlern, hätte man sich denken können, dass Rikers Notlüge, ausgerechnet der grummelige Klingone hätte eine wissenschaftliche Lösung für das Problem gefunden, nun wirklich keinen abtrünnigen Androiden aus seinem Versteck locken würde (vgl. S. 242).
Verwunderlich stimmt auch, dass Deanna Troi nicht mit der Silhouette eines Flugzeugträgers vertraut sein soll vgl. S. 57). Immerhin zierte ein vergoldetes Modell eines solchen Schiffes bereits seit Beginn der Serie den Besprechungsraum, in dem auch der Counselor mehrfach zu sehen war.
Wie aber bereits angemerkt, ist die Person, mit der das gesamte Buch fällt, der Androide Data. Er ist das völlige Gegenteil zu dem, was ihn in der Fernsehserie ausmacht. Seine Darstellung ähnelt eher kybernetischen Lebensformen wie den Borg (vgl. z.B. S. 198f). Bedenkt man allerdings, wie wenig den assimiliationsfreudigen Halbmaschinen im achten Kinofilm "Der erste Kontakt" das Plasmakühlmittel vertrugen und wie glimpflich Data im Vergleich zu ihnen davonkam, wird rasch klar, wie unnötig weit sich Carey mit ihrem Behauptungen aus dem Fenster lehnte.
Außerdem verwundert es natürlich schon, dass Geordi angeblich mit seinem Visor künstliche Lebensformen wie Soong-Androiden erkennen kann (vgl. S. 35f.). Immerhin gelang es ihm nicht, in "Soongs Vermächtnis" Datas Mutter Juliana Tainer als positronische Kopie zu enttarnen.
Ferner bleibt auch die Aussage, Datas Status als Lebensform und damit auch seine Befähigung, auf die Sternenflotte zu gehen, sei von Maschinen getroffen worden (vgl. S. 167), wird spätestens in "Wem gehört Data?" widerlegt, in der man erfahren kann, dass eine Kommission unter Beteiligung Bruce Maddox über die Einordnung Datas in die Gesellschaft entschieden hat.
Besonders schade fand ich persönlich, dass Carey mit dem Selbstgespräch Datas (vgl. S. 201) einen heimlichen Höhepunkt der Folge "Die Verschwörung" vorwegnahm.



Data blieb jedoch nicht der einzige technologische Aspekt, dessen Wesen sich der Autorin verschloss. So funktioniert Holo-Technologie schlichtweg nicht auf die beschriebene Weise (vgl. S. 49f.) und würden Kommunikatoren tatsächlich auf diese Weise auf ihren Träger kodiert sein (vgl. S. 201), so wären verschiedene Entwicklungen in Folgen wie "Terror auf Rutia IV", "Erwachsene Kinder" oder "Renaissance Mensch" überhaupt nicht möglich gewesen.
Während man darüber sicherlich hinwegsehen könnte, ist die Verwendung von "Warp zehn", "Warp zwölf" oder "Warp vierzehn Komma neun" (vgl. S. 94) im Hinblick auf die Einführung einer neuen Warpskala im Zuge der neuen TV-Serie schon harter Tobak.
Natürlich sind das alles Anachronismen, die sich erst später im Widerspruch zu diesem Buch entwickelten. Carey, der die undankbare Aufgabe zukam, das erste eigenständige TNG-Buch zu schreiben, war sicherlich einem immensen Zeitdruck ausgesetzt.
Ja mehr noch!
Vergleicht man ihre Interpretation mit den Informationen aus der zweiten TNG-Episode "Gedankengift", so muss man ihr sogar zugestehen, dass ihre Beschreibungen – mit Abstrichen - durchaus den dort gegebenen Informationen entsprechen. Schon allein, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, dass Data dort einer ansteckenden Krankheit zum Opfer fällt, machen die hiesigen Angaben zu Datas organischen Komponenten sogar Sinn. Allerdings erfreut sich diese Folge gerade wegen ihrer unpräzisen Einschätzungen im Hinblick auf spätere Entwicklungen nicht ganz zu Unrecht nur wenig Beliebtheit unter den Fans der Serie.
Das Gleiche ließe sich auch über das Buch sagen.
Einen letzten Anachronismus muss ich an dieser Stelle, die eigentlich das perfekte Ende für diesen Abschnitt bilden würde, aber noch kritisieren. Das schlecht getroffene Schiff auf dem Cover (das in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches steht) ist tatsächlich frech aus "Kampfstern Galactica" geklaut, obwohl im Text explizit erwähnt wird, dass Data eben kein 'Toaster' sei (vgl. S. 32).

Fazit: "Gespensterschiff" bietet ein gutes Beispiel dafür, warum Bücher nicht zum offiziellen Kanon gezählt werden. Autorin Diane Carey versuchte zwar wirklich redlich, Lücken zu füllen und Widersprüche aufzuklären, doch der Lauf der Zeit hat dieses Werk längst links liegen gelassen. Zu groß muten die Lücken zur eigentlichen Serie mittlerweile an, als dass dem Buch noch größere Aufmerksamkeit zuteil werden sollte. Doch wäre dies das einzige Problem, so wäre es immerhin noch ein nettes Zeitdokument, doch weitere eklatante Schwächen prägen dieses Werk.
Carey gelingt es nicht, die Figuren auch nur annähernd zu treffen; geschweige denn die Parameter der noch jungen Serie in ihrem Wesen zu erfassen. Ihr Schreibstil steht in einem viel zu großen Widerspruch zu den grob gezeichneten Charakteren. Hinzu kommt eine der schlechtesten Übersetzungsleistungen, die der Heyne-Verlag seinen Lesern je zumutete.
Wer also wirklich wissen will, wie schlimm sich die Qualen der sowjetischen Schiffsbesatzung in nie enden wollender Pein anfühlen müssen, braucht nur dieses Buch bis zum bitteren Ende zu lesen, um einen guten Eindruck davon zu erhalten. 

Denkwürdige Zitate:

"Erlaubnis erteilt, sich nicht in einem fort entschuldigen zu müssen, Counselor."
Jean-Luc Picard, S. 56

"Ziemlich fähige Puppe. Biene? Hase? Maus? Frauenzimmer? Weibsbild?"
Data, S. 60f.

"Captain, was soll ich eigentlich auf diesem Schiff, wenn Sie nicht auf meine Ratschläge hören?"
Deanna Troi, S. 93

"Null Problemo."
Data, S. 114

"Picard... verdammt soll er sein."
William T. Riker, S. 115

"Werfen wir die Perlen aus und sehen zu, ob die Sau uns folgt."
Jean-Luc Picard, S. 136

"Das ist ein Raumschiff, kein Spielplatz, Wes."
Geordi LaForge, S. 176

"Wenn ich mich mit solch bleichen ethischen Problemen hätte herumschlagen wollen, wäre ich Priester geworden."
Jean-Luc Picard, S. 187

"Sie behandeln mich noch immer wie ein Kind, obwohl ich auf der Brücke bin."
"Sie sind deshalb auf der Brücke, weil ich es so entschieden habe, und nicht, weil Sie es verdient haben. Ihr Talent sprengt den Rahmen Ihrer Weisheit, junger Mann. Früher oder später werden Sie die unangenehme Tatsache akzeptieren müssen, daß die Erfahrung der Leute um Sie herum mehr wert ist, als Ihre Begabung, und daß Sie, wie jedermann sonst auch, abwarten müssen, bis die Reihe an Sie kommt. Und nun denken Sie an Ihren Rang, halten Sie den Mund und und folgen Sie mir in den Maschinenraum, wo Sie Ihre Gaben einsetzen und den anderen erlauben werden, dasselbe zu tun."
Wesley Crusher und Jean-Luc Picard, S. 255

Bewertung: Eine Grenzerfahrung.

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Sonntag, 1. November 2009

Die Anfänge 03. Die letzte Grenze

Buchbesprechung Carey, Diane: Die Anfänge 03. Die letzte Grenze. Heyne 1988/1990.

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Story: James T. Kirk ist zehn Jahre alt und lebt zusammen mit seinem Bruder George Samuel und seiner Mutter irgendwo in Iowa.
Und während der selbstbewusste Junge zu den Sternen blickt und davon träumt, einmal seinen Vater auf der Sternenbasis zu besuchen, auf der dieser seinen Dienst versieht, schreibt Kirk senior Briefe an seine Söhne.
Eines schönen Tages verlässt er allerdings ungewollt den tristen Alltag seiner Station und wird von Captain Robert April für eine Mission rekrutiert, die hilflose Kolonisten eines in einem Ionensturm gefangenen Schiffes vor dem drohenden Strahlentod retten soll. Doch der Sturm ist undurchdringlich, der Weg weit und die Zeit knapp – wie soll diese Aktion gelingen?
April wäre jedoch nicht April, wenn er nicht noch ein As in seinem Uniformärmel versteckt hätte. Ein nagelneues Sternenschiff, das mit zukunftsweisender Technologie ausgestattet ist, soll zur Galionsfigur eines Gestalt gewordenen Sternenflottenideals werden, und mit der Rettungsmission ein neues Zeitalter der Raumfahrt einläuten.
Doch Kirk senior sieht auch die Schattenseiten des ambitionierten Projekts. Mit seiner Waffengewalt und seinem gigantischen militärischen Potential repräsentiert es auch genau das Gegenteil: Unterdrückung, Zwang und Macht. Doch die Besatzung zieht an einem Strang und gemeinsam bricht die enthusiastische Crew auf, um der Rosenberg zu helfen.
Leider die Mannschaft hat die Rechnung ohne die Saboteure der Romulaner gemacht, die ebenfalls an Bord gelangt sind.
Das noch unbenannte Schiff springt plötzlich auf Warp, und als die Besatzung wieder die Kontrolle erlangt, findet sie sich mitten im romulanischen Hoheitsgebiet wieder, Auge in Auge mit einem romulanischen Schlachtkreuzer. Die beiden Großmächte des Beta-Quadranten stehen plötzlich vor einem Krieg, und es liegt an April und seinem ersten Offizier George Kirk, diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Doch wie soll dies gelingen, ohne die eigenen Ideale und Werte in Frage zu stellen?

Lobenswerte Aspekte: Nach den zwei eher mäßigen Bänden „Die erste Mission“ und „Fremde vom Himmel“ der Reihe „Die Anfänge“ fragt man sich schon, ob die Lektüre des dritten und letzten Bandes überhaupt noch gerechtfertigt ist. Doch soviel sei schon mal verraten: Auch wenn es den ein oder anderen Kritikpunkt gibt, hat sich das Durchhalten tatsächlich gelohnt! Irgendwie jedenfalls...
Im Mittelpunkt steht nämlich mal nicht der oft beschriebene Kirk (auch wenn er in der ein oder anderen Szene als Briefe missinterpretierender Nebendarsteller auftaucht), sondern sein Erzeuger, der Sicherheits-Rambo George Kirk, der erst vor kurzem im elften Kinofilm ein Gesicht für den imaginationsfaulen Fan erhalten hat. Und tatsächlich kann man sich während des Lesens dieses Gesicht richtig gut bei jener Figur vorstellen, deren plötzliche ‚Versetzung’ in den Dienst unter Captain Robert April, der wiederum dem ein oder anderen Hardcore-Trekkie noch aus der TAS-Episode „Flucht aus einem anderen Universum“ bekannt sein könnte, im Mittelpunkt des Leseinteresses steht. Und als ob das noch nicht genug Lücken in der Star Trek Geschichte füllen würde, wird das Schicksal beider Personen auch noch mit dem des berühmt-berüchtigten Schiffes verknüpft, das später einmal unter dem Kommando James Tiberius Kirks stehen sollte: der USS Enterprise – deren Name erst im Laufe der Handlung auf das (noch) Unbenannte Flug-Objekt übertragen wird.
Viele widersprüchliche Angaben in der angesprochenen Trickfilm-Folge werden quasi im Vorbeiflug aufgelöst und der Autorin Diane Carey gelingt es in einem Drahtseilakt, die Ur- und Frühgeschichte der Föderation in eine nachvollziehbare Atmosphäre zu tauchen, in der viele der in unseren Augen heute bereits zum Schmunzeln animierenden technischen Errungenschaften der TOS-Ära als bahnbrechende Neuerungen gelten.
Selbst die Romulaner, deren Darstellung in eine Zeitlinie gearbeitet ist, die sich an Spocks Angaben in „Spock unter Verdacht“ orientiert, gewähren interessante historische Einblicke. Neben technologischen Überraschungen wie den Weltraumflugzeugträgern, die zu dieser Zeit noch immer genutzt werden, sind auch die nähere Beleuchtung der romulanischen Gesellschaft und die Nutzung des Rihannsu, der Sprache der Romulaner, positiv herauszustellen, auch wenn der normale Leser mit Sätzen wie „Vaed’rae hwaeveyiir Zwaan.“ (S. 407) oder „Hwiiy’lou g’tu hwiiy.“ (S. 387) erst einmal recht wenig anfangen kann.
Die Story ist zwar nicht annähernd so verschachtelt und klar strukturiert wie im Vorgänger, doch jene Szenen, bei denen ich mich ab und zu fragte, was die Autorin mit ihrer Einbindung überhaupt beabsichtigte, ergeben ein anderes, größes Bild: Hier läuft eben nicht alles nach Plan, sondern unvorhersehbare Komplikationen verschärfen die Situation immer weiter und lenken ab, bis eine im Prinzip simple Idee den gordischen Knoten zum Zerbersten bringt – auch eine probate Variante, mit Spannung umzugehen.
Und wenn „Fremde vom Himmel“ schon ein Buch als literarisches Element aufnimmt, so spielt dieses Werk eben mit den antiquierten Briefen, die der konservative Sternenflottensöldner Kirk hier seinen beiden Söhnen schickt. Sie lockern den Inhalt genauso auf, wie die verschiedenen Teile, in die der gesamte Roman gegliedert ist. Deren Überschriften, die ebenso wie der Buchtitel mit dem Intro der ersten Fernsehserie verbunden sind, vermitteln eine gewisse Kontinuität, auch wenn das Werk den Ereignissen der einzelnen Episoden vorangestellt ist.
Nun gut, vielleicht nicht jeder Episode, denn „Griff in die Geschichte“ reicht beispielsweise noch weiter in die Historie der Menschheit, als dieses Buch es tut. Umso cleverer, dass Carey genau diese Folge nutzt, um sie zum Aufhänger ihrer extrem klein gehaltenen Nebenhandlung zu machen.
Andere Informationen referieren ungleich subtiler an die erste Star-Trek-Serie, und nur das geübte Auge kann anhand von Kleinstanspielungen wie „rigelianischer Dolch“ (S. 21) oder „transparentes Aluminium“ (S. 446) auf bestimmte Folgen oder Filme schließen. Höhepunkt war in meinen Augen jedoch, dass dieses Buch einen eher unfreiwilligen Bezug zur ENT-Episode „Das Minenfeld“ bietet, von der die Autorin 1988 beim besten Willen noch keine Ahnung haben konnte:
Abgesehen davon, dass einer der Hauptcharaktere ausgerechnet Lt. Reed heißt (vgl. S. 71), ist die Neuerung, dass Haftminen, die sich an anderen Schiffen festsetzen, alle nicht romulanischen Entschärfungspezialisten durch sofortige Explosion bestrafen (vgl. S. 395), recht bemerkenswert, denn man könnte sie mit einigem Wohlwollen und aufgrund der vielen Handlungsparallelen als Lehre interpretieren, die das Romulanische Sternenimperium aus den Erfolgen Reeds und Archers in jener Folge zogen, denn eine Mine, die vom Gegner so problemlos außer Gefecht gesetzt werden kann, ist militärisch gesehen hochgradig unsinnig.

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Nicht scharf genug: Romulanische Mi(e)nen des 22. Jahrhunderts

Was diesen Roman jedoch so überaus lesenswert macht, sind die vielen Informationen, mit denen nicht nur die Anfangszeit der Föderation beleuchtet wird. Man erfährt hier nämlich genauso gut, wofür eigentlich das Kürzel "USS" steht (vgl. S. 93), was "NCC" heißt, warum die Registrationsnummer dieses Schiffes ausgerechnet "1701" ist (vgl. beides S. 93) und wie der Mädchenname von Sarah April lautete (vgl. S. 39). Die Verfasserin spielt außerdem geschickt mit den Angaben früherer Werke wie „Das Netz der Romulaner“, nach denen die Schiffsklasse der Enterprise schlicht mit „Starship“ angegeben wurde, und korrigiert diese Angaben mit gr0ßer Behutsamkeit (vgl. S. 93 oder S. 475).
Ihre Charaktere sind allesamt nachvollziehbar, deren Einbindung überaus geschickt und ihr Werk spannend. Wo gibt es also kritisches anzumerken?

Kritikwürdige Aspekte: Natürlich kommt immer dann Freude auf, wenn man es mit Romulanern zu tun hat, denn diese intriganten Vetter der Vulkanier geben ein ideales Feindbild ab, das von der ach typisch menschlichen Friedensliebe so sehr abweicht.
Doof nur, wenn sie sich unterhalten, als ob sie selbst Menschen wären, und uns brachial daran erinnern, dass das Star-Trek-Universum den menschlichen Maßstab auf die gesamte Milchstraße verallgemeinert. Redewendungen aus romulanischen Mündern wie etwa „Er ist wie ein Schwert über ihrem Kopf.“ (S. 57), „[…] Taube unter Falken […]“ (S. 58) oder „[…] Sprossen der Karriereleiter […]“ (S. 370) klingen merkwürdig und ich hätte sie vielleicht noch Kirk oder Pille zugetraut, doch selbst der Halbmensch Spock hätte sich keine solche Blöße gegeben und pro forma wenigstens darauf hingewiesen, gerade eine primitive menschliche Redewendung zu benutzen.
Doch auch andere Logiklöcher stören beim Lesen. So ist mir immer noch nicht so ganz klar, warum alle Crewmitglieder in der Episode „Spock unter Verdacht“ so verdammt erstaunt waren, dass die Romulaner so aussehen, wie ihre vulkanischen Anverwandten – schließlich hat Kirks eigener Vater doch eigenhändig einen von ihnen aus dem feindlichen Territorium mitgebracht! Ja gut, natürlich könnte man jetzt darauf verweisen, dass im Schlussteil erklärt wird, dass alles selbstverständlich der obersten Geheimhaltungsstufe unterlag, doch es ist schlichtweg unglaubwürdig, dass eine solch wichtige Information nicht verbreitet wurde!
Und wenn Captain April schon so viel auf Ideale und Schöngeisterei hält, warum hält er den Vertrag zur Neutralen Zone nicht ein, und übergibt sein illegal hier eingedrungenes Schiff nicht ordnungsgemäß dem Gegner, wie es die Paragraphen laut „Die unsichtbare Falle“ verlangen?
Auf keiner Seite findet sich eine Antwort auf diese Fragen.
Doch auch einige technische Mysterien bleiben ungeklärt.
Wenn die Programme des Computers gelöscht werden, warum reinstalliert man nicht einfach eines (vgl. S. 341)? Gibt es in der Zukunft etwa keine Backups mehr?
Wie kann man beamen (vgl. S. 324ff.) und Haftminen auf der Außenhülle anbringen (vgl. S. 390ff.), wenn ein Sternenflottenschiff die Schilde hochgefahren hat?
Doch der Höhepunkt dieser wirren Angaben betrifft den juvenilen Verräter Woods, der eindeutig den Spion Saffire bei seinem Sabotageakt unterstützt und über dessen Pläne Bescheid weiß (vgl. S. 179), plötzlich jedoch wieder unschuldig wird und von Sankt Kirk höchstpersönlich die Absolution erteilt bekommt (vgl. S. 435). Was war da los? Gibt es vielleicht mehrere Personen namens Woods auf dem Schiff? Hat er vielleicht auch einen bösen Zwillingsbruder? War da eventuell etwas falsch übersetzt? Oder hat sich die Autorin Diane Carey während des Schreibens plötzlich umentschieden und nur vergessen, Woods Namen aus der Sabotageszene zu tilgen?
Doch wenn man diese mit Logikschlaglöchern versehene Handlungsautobahn bis zu ihrem Ende abgefahren hat, dann hat man schon irgendwie dass Gefühl, dass die Straße ohne Grund einfach im Nichts aufhört und man auf einer grasgrünen Wiese landet, auf der bunte Blumen blühen und kleine süße Hoppelhäschen das Unkraut vertilgen.
Vorahnungsvolle Angstzustände löst nämlich bereits die Erwähnung eines ganzen Schiffes voller unschuldiger Kinder aus, das in einem Ionensturm gefangen, dem Tode geweiht ist und nur durch den Heldenmut von Sternenflottenoffizieren gerettet werden könnte.
Also mal ehrlich, das ist ja nun wirklich eines der abgelatschtesten Themen der Welt! Es appelliert in einer typisch amerikanischen Manier an die niedrigsten Instinkte der Menschen (Beschützerinstinkt, Kindchenschema, Mutterinstinkt) und mündet stets in kitschigster Manier in einer rührseligen Katharsis, die nach der gefühlten tausendsten Wiederholung nur noch Abscheu und Ekel auslöst.
Doch auch wenn dieses Motiv zunächst durch den unfreiwilligen Ausflug in das Staatsgebiet der Romulaner beiseite geschoben wird, endet das Buch in genau diesem vor lauter Zuckerguss klebrigen Happy-End. Es ist völlig vorhersehbar und ohne jeden erzählerischen Reiz - ein brachialer Tritt in die Tränendrüse, der vor allem von verpassten Gelegenheiten zeugt: Warum stirbt Kirk senior nicht einfach? Oder wenigstens T’Cael? Warum ist April nicht gezwungen, vielleicht doch das ein oder andere Föderationsideal zu hintergehen?
Solche Wege hätten das Buch zu etwas außergewöhnlichem gemacht oder zumindest den Umfang des Buches gerechtfertigt, doch mit diesem familienfreundlichen Finale kann man es problemlos in eine Traditionslinie mit Fernsehserien wie den „Waltons“, „Unsere kleine Farm“ oder „Eine himmlische Familie“ setzen.
Aber auch die Parallelen zu einer anderen Fernsehsendung sind frappierend. Wer sich wie ich noch an die „He-Man an the Masters of the Universe“-Trickfilme erinnert (die übrigens, wie TAS auch, auf das Konto Lou Scheimers gehen), kennt bestimmt auch noch die Stellen, in denen die halbwegs intelligenten Kinder immer ausgeschaltet haben:
Am Ende steht der mit Steroiden vollgepumpte Hüter von Eternia nämlich noch mal vor der Kamera, und erklärt dem doofen Zuschauer, der nicht rechtzeitig genug umschalten konnte, was eigentlich die Moral jener Geschichte war, die man sich gerade angesehen hat. Das war damals schon zu peinlich um es zu ertragen, aber anno dazumal scheinbar modern.
Denn der Schluss des 1988 erschienenen Buches schlägt in eine ähnliche Kerbe, und die angefügten Wortmeldungen von Jaques Costeau, Roger Rosenblatt und Ayn Rand zeigen dem Leser noch mal ganz klar, in welche Intentionen die Autorin verfolgte und es drängt sich das Gefühl auf, dass die mehr als offenkundige Moral des Werkes wird mit einem dicken Rotstift noch einmal doppelt unterstrichen wird, weil der Leser vielleicht zu doof sein könnte, den tieferen Sinn überhaupt zu verstehen.

Übersetzung: Wie man schnell an Stellen wie den Passagen um das „Starship“ (S. 75ff.) feststellen kann, war die Übersetzung dieses Wälzers definitiv keine leichte Aufgabe. Besonders die vielen Eigennamen bereiteten offensichtliche Schwierigkeiten, und die Übersetzungen von Personennamen wie „Kettensäge“ (S. 22) und „Seelenkralle“ (S. 71) statt ‚Chainsaw’ und ‚Spirit Claw’ sind bestenfalls gut gemeint, zumal in der deutschen Synchronisation der TAS-Episode „Kulkulkan der Mächtige“ der ebenfalls zu einem Indianer gehörende Name „Walking Bear“ klugerweise unangetastet belassen wurde.
Dieser Roman folgt stur der Heyne-Übersetzungsschule, und zu den wenigen tatsächlich unübersetzten Begriffen gehören zum Beipirel „Starfleet“ (S. 16) und „Starbase“ (S. 80), obwohl für sie deutschsprachigen Äquivalente existieren.
Doch auch mit den merkwürdigen Formulierungen, die in den Heyne-Büchern den Vorzug gegenüber den durch Synchronisation etablierten Begriffen gegeben wird, spart man an keiner Stelle. Hier ein „interstellarer Hüpfer“ (S. 35), dort ein „Diskussegment“ (S. 71); an dieser Stelle einige Kombinationen mit dem Suffix Erg- (vgl. S. 106, S. 141 oder S. 386), an jener einige mit Medo-. Letztere Gruppe ist allerdings in ihrer Schreibweise recht abweichend, wenn es darum geht, sie mit dem Wort Scanner zu verbinden. Mal wird liest man vom „Medo-Scanner“ (vgl. S. 116 und S. 206) und mal von der zusammen geschriebenen Form „Medoscanner “ (vgl. S. 161 und S. 388). Dabei scheint die Schreibweise davon abzuhängen, ob eine Frau oder ein Mann dieses Gerät benutzt. Wie sexistisch!
Auf ein Wort, das hier immerhin acht mal vorkommt, sollte vielleicht noch einmal gesondert eingegangen werden.
Nach Überprüfung einiger Duden aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts kann ich mit Sicherheit sagen, dass es das Verb „desaktivieren“ nicht gibt und niemals gab, egal ob mal es substantiviert oder beugt!
Dieser Makel, der sich auch noch so oft wiederholt, ist einer der traurigsten Belege für die Übersetzungsriege des Verlags, die natürlich auch vor anderen Fehlern nicht gefeit gewesen ist.
Die (inoffizielle) Währungseinheit der Föderation, die „credits“, werden mit „Kreditkarten“ (S. 24) übersetzt und statt von einer „fünften Kolonne“ spricht man hier von einer „fünften Kolonie“ (S. 227). Daneben lassen sich noch einige Fehler wie „Dicht unter der Decke befanden sich einige Monitoren […]“ (S. 81) oder „Er hat vergessen, daß die Föderation der direkten, unmittelbaren Manifestation einer menschlichen Überzeugung gleichkomme, […]“ (S. 355).
Die ungünstig gewählten Begriffe „Primus“ (S. 52) und „Alcazar“ (S. 143) erinnern eher an Bands, als an das Sternenimperium, doch die abstoßendste Formulierung des Romans ist jedoch die Bezeichnung der Romulaner als „Roms“ (vgl. z.B. S. 221), die an abwertende rassistische englische Bezeichnungen wie „Japs“ oder „Chins“ erinnern, und nicht nur dem Umgangston in der Föderation widersprechen dürften, sondern auch der deutschen Übersetzung getrost entnommen werden können.
Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der unbestreitbare Gipfel ist der Satz „Stalin ermordete Millionen von Menschen, und niemand hinderte ihn daran, weil die Welt den Kampf satt hatte. Im Vergleich zu ihm spielte Hitler nur die Rolle eines historischen Statisten.“ (S. 265), der Diane Carey ihre historische Kompetenz abstreiten lässt, und hierzulande eigentlich schon als Verharmlosung des Holocausts strafrechtlich verfolgt werden müsste.

Anachronismen: Wie so viele Werke auch, bezog dieser Roman den Großteil seiner Informationen aus der „Spaceflight Chronology“, einem Standardwerk der frühen achtziger Jahre, dass ab der ersten Staffel TNG vom Kanon eingeholt wurde. So nimmt es nicht Wunder, dass die meisten Informationen, wie etwa die Ersteinführung des Transporters (vgl. S. 72 und "Daedalus"), nicht unbedingt mit den Informationen aus den Serien übereinstimmen, wobei nicht nur die letzte Serie ENTERPRISE zum Stolperstein wurde.
Schon allein die zeitliche Einordnung stimmt hinten wie vorne nicht. Gleich der erste Brief von Papa Kirk ist vom 10. Mai 2183 datiert (vgl. S. 16), und Kirk selbst hält sogar fest, dass er zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt war (vgl. S. 127), was wiederum den Schluss zulässt, dass die Serie entweder im Jahr 2216 oder 2217 spielen müsste, oder dass Kirk im „Zorn des Khan“ in Wirklichkeit nicht seinen zweiundfünfzigsten, sondern seinen einhundertundzweiten Gebutstag gefeiert hätte. Das haut nun wirklich nicht hin! Wie kommt man überhaupt auf eine solche zeitliche Einordnung? Vielleicht kann uns ja das Intro der Original-Serie eine Antwort darauf geben:



Wir schreiben das Jahr 2200!
Nun ja, da hat wohl jemand einiges zu wörtlich genommen.
Nicht allzu wörtlich wurde allerdings der vierte Kinofilm genommen, aus dem zwar das „transparente Aluminium“, nicht aber die Abschaffung der Geldwirtschaft übernommen wurde (vgl. S. 20, S. 75, S. S. 260 und S. 442).
T’Caels Verwunderung über die verschiedenen Hautfarben bei Menschen löst ebenfalls eine größere Verunsicherung aus. Schließlich haben die Vulkanier, ihres Zeichens Vorfahren der Romulaner, auch verschiedene Hautfarben, wie man beispielsweise an Tuvok gut sehen kann und außerdem war in der Episode „Das Pegasus-Projekt“ mit Commander Sirol ein dunkelhäutiger Romulaner zu sehen.
Doch diese Folge feierte sechs Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches ihre Premiere und so sind solche Fehler nicht verwunderlich, denn es ist zum Beispiel klar, dass die Mannschaft Enterprise NX-01 zwar über Phasenpistolen und Phasenkanonen verfügte, obwohl die Crew der USS Enterprise hier noch Laserpistolen (vgl. S. 434) und „schwere Laserbatterien“ (vgl. S. 79) nutzt.
Andererseits ist dies jedoch auch einer der inneren Widersprüche des offiziellen Kanons, da im urpsrünglichen TOS-Piloten "Der Käfig" wurden ebenfalls Laser benutzt wurden.
Ebenso wenig unverständlich ist, dass die NX-01 als Namensvetter in der angeblich kompletten Liste George Kirks fehlt (vgl. S. 177), doch eine einzige Information schafft es trotzdem, der gesamten Geschichte einen vernichtenden Schlag zu versetzen.
Kirks genialer Einfall, die romulanische Invasionsflotte durch einen Bluff um eine von der Föderation entwickelte Tarntechnologie von einem Angriff abzuhalten, ist damals durchaus brillant gewesen, denn diese Falschaussage war für die Romulaner sicher Motivation genug, ebenfalls eine entsprechende Technologie zu entwickeln.
Im Rahmen der Originalserie funktionierte dies auch, doch in der eingangs bereits erwähnten ENT-Episode „Das Minenfeld“ stößt die Enterprise NX-01 bereits auf ein romulanisches Schiff, dass sich tarnen kann. Die Folge, die damit übrigens auch einigen Kanoninformationen widerspricht, versetzte der Pointe dieses Werkes damit einen unverdienten Todesstoß, und reißt den Roman erst auf den letzten Seiten in den gnadenlosen Strudel der nicht-kanonischen Werke hinab.

Fazit: „Die letzte Grenze“ ist ein Buch, das auf besonders hinterhältige Weise vom Kanon aufs Kreuz gelegt wurde. Erst auf dem Höhepunkt des Werkes wird Kirks geniale Idee, Tarnanlagen ins Feld zu führen, durch die bereits zuvor in ENT gezeigt Verwendung der Technologie als absurd hingestellt.
Die vielen Logiklöcher, die verkorkste zeitliche Einordnung, das kitschige Ende und die schon ins rassistisch abgleitenden Bemerkungen zerren weiter an dem Roman.
Doch er hat auch seine Vorzüge. Die Geschichte ist komplex, ohne extrem verschachtelt zu sein und startet ein wahres Feuerwerk an Hintergrundinformationen. Besonders die Romulaner werden mit viel Spielraum bedacht und Kirks Vater gibt eine Figur ab, die sich nicht vor der Darstellung im elften Kinofilm zu verstecken braucht.
Auch wenn es nur um eine Nasenlänge dem Vorgänger „Fremde vom Himmel“ voraus ist, kann man dennoch festhalten, dass dies der lesenswerteste Band der Reihe „Die Anfänge“ ist.

Denkwürdige Zitate:

Himmel, ich bin Arzt und kein … kein … was weiß ich.
McCoy, S. 14

Es ist das Schiff, Pille. Ja daran liegt es. Die Droge namens Raumschiff macht süchtig und zerstört echtes, persönliches Glück.
Kirk, S. 129

Oh, ich glaube, du paßt sehr gut zu mir. Denk nur an meine Vorzüge. Ich bin nicht nur würdevoll und ehrenhaft, sondern auch reizend, unterhaltsam, witzig und großzügig. Hinzu kommt, daß ich bei jedem Bad darauf achte, mich zwischen den Zehen zu waschen.
Fußhygiene? Ich soll dich heiraten, weil du großen Wert auf Fußhygiene legst?
Das ist eine meiner besten Eigenschaften.“
Robert April und Sarah Poole, S. 301

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Der April weiß, was Frauen wollen

Mit anderen Worten: Vielleicht hat unser lieber George noch nicht ins Gras gebissen. Wenn es dort unten überhaupt Gras gibt.
Lt. Reed, S. 321

Wer in dieser Galaxis lebt, muß immer wieder problematische Entscheidungen treffen.
T’Cael, S. 427

Bewertung: Das beste der Reihe, doch nur geringfügig besser als der Vorgänger.

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Weiterführende Leseliste:

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze

Dienstag, 19. Mai 2009

Das Schlachtschiff

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Buchbesprechung Carey, Diane: Das Schlachtschiff. Heyne, 1986.

Story: Es war an einem lauen Frühlingsabend, als ich in das Bücherregal griff, um ein weiteres Star-Trek-Buch zu lesen und zu rezensieren. Zielsicher schnappte ich mir ein Buch mit dem Titel „Das Schlachtschiff“, das von einer Schriftstellerin namens Diane Carey verfasst wurde.
Schon bald las ich von einer jungen Frau namens Piper, die ihren Kobayashi-Maru-Test ableistete und der es fast gelang, diesen erfolgreich zu bestehen. Meine Augen folgten der jungen Offizierin auf die USS Enterprise, von wo aus es ihr allmählich gelang, einer riesigen Verschwörung auf den Grund zu kommen: Ein Vizeadmiral hatte die gesamte Sternenflotte unterwandert, um mit einer neuen Generation Schlachtkreuzer seine eigenen Herrschaftsambitionen durchzusetzen. Voller Entsetzen erfuhr ich, dass dieser Rittenhouse allen Ernstes plante, andere Völker wie Klingonen, Romulaner und Orioner mit Waffengewalt in die Föderation zu zwingen, um endlich Frieden in der Galaxis zu schaffen. Doch die Entführung der Star Empire, des Prototyps dieser neuen Schlachtkreuzerklasse, machte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung: Sternenflottenangehörige, die die Föderation in ihrem Fortbestand bedroht sahen, griffen beherzt ein, um sich der Bedrohung zu stellen. Ich verstand schon bald, dass einer der Schiffsentführer seine frühere Beziehung zu Piper nutzen wollte, um über sie den berühmten Captain James T. Kirk für die Sache des Widerstands zu gewinnen. Doch am Ende waren Pipers eigene Fähigkeiten gefragt, um die Star Empire und ihre Besatzung, die plötzlich von einem ganzen Kampfverband angegriffen wurden, zu retten…

Lobenswerte Aspekte: Zugegeben, es gibt Textsorten wie Nacherzählungen, Rezensionen oder wissenschaftliche Arbeiten, in denen es sich nicht unbedingt anbietet, allein die Ich-Form zu verwenden. Einen gesamten Star-Trek-Roman auf diese Art und Weise zu schreiben, ist allerdings eine Herausforderung, die Carey tatsächlich meisterte. Weg von den Fesseln eines rein deskriptiven Erzählers – hin zu einem sehr persönlichen Einblick in das Leben eines unbekannten Sternenflottenoffiziers. Mit einer solchen Herangehensweise geht ebenfalls eine Atmosphäre einher, die an Folgen wie „Beförderungen“ denken lässt und eine erfrischende Perspektive bietet.
Der Roman ist spannend und informativ, und Einschübe wie die Schemata zum Aufbau von Judikative, Exekutive und Legislative der Föderation waren nicht nur interessant, sondern auch auflockernd. Einen weiteren Pluspunkt verdient sich das Buch durch kleine Skizzen der Shuttle-ähnlichen Arco-Klasse-Angriffsschlitten und der Tychoklasse-Kampfgleiter.

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Hätte Piper sich die übergeordnete Verwaltungsebene ebenfalls angesehen, hätte sie die wirkliche Reichweite der Gefahr erkannt

Daneben glänzt der Roman durch gut beschriebene Figuren, unter denen natürlich Piper die zentrale Rolle einnimmt. Sie wirkt in den vielen lebensbedrohlichen Situation menschlich, ohne auch nur für kurze Zeit übermenschlich zu erscheinen. Außerdem gelingt die Gratwanderung, dem Charakter gleichzeitig die Autorität eines Kommandooffiziers zu geben, ohne ihm die Weiblichkeit zu nehmen. Denn mal ehrlich: Spätestens seit Tasha Yar weiß der geneigte Star-Trek-Fan nur zu gut, dass sich Autorität und feminines Auftreten nur allzu oft gegenseitig ausschließen.
Ebenfalls erwähnenswert ist auch die gelungene Beschreibung der Nachwirkungen eines Treffers durch einen auf Betäubung gestellten Phaser. Die Symptome lasen sich irgendwie, als ob man gleichzeitig an den Nachwirkungen eines Monsterkaters leidet und trotzdem gegen einen Elektrozaun pinkeln würde. Man kann sich auf jeden Fall vorstellen, dass so etwas sicherlich keine angenehme Erfahrung ist.

Kritikwürdige Aspekte: Wieder einmal gab es eine ganze Reihe kleiner Unstimmigkeiten, die das Werk etwas aushebelten. So verfügt die Star Empire über Waffensysteme, gegen die selbst die der Souvereign-Klasse alt aussehen würden! Also ist es kein Wunder, dass selbst die Enterprise NCC-1701 im offenen Kampf keine Chance gegen das Schiff hätte, nicht einmal dann, wenn die Pompeji, ein Schiff der Saladin-Klasse, sie unterstützen würde. Was macht Rittenhouse also daraufhin? Diese Frage soll uns ein kleiner Auszug aus einem Gespräch zwischen Piper und dem Vulkanier Sarda beantworten:

Raumschiffe aus einem anderen Quadranten?“
Bestätigung. Die Potemkin, Lincoln und Hornet.“
Das ist außergewöhnlich, nicht wahr?“
In der Tat.“

Da kann man nur zustimmen. Selbst wenn man annimmt, dass sich zwei der Schiffe momentan im Alpha-Quadranten aufhalten, bleibt immer noch eines, dass sich im Gamma- oder Delta-Quadranten befinden muss. Noch vor der Entdeckung des bajoranischen Wurmloches und noch vor dem Verschwinden der Voyager befinden sich andere Föderationsschiffe dort! Das ist in der Tat außergewöhnlich!
Und Stichwort Sarda: Die äußere Erscheinungsform des Vulkaniers bricht, ähnlich der Tuvoks, mit dem gewohnten Bild. Unendlich Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination ist ja gut und schön, aber einen Vulkanier mit bronzefarbenem Haar und bernsteinfarben Augen bekommt man bei Star Trek definitiv nicht allzu oft zu Gesicht.
Auch mit der Figur Bomas war ich nicht sehr zufrieden, was noch nicht einmal an seiner Darstellung, sondern an der für ihn entwickelten Biografie lag. Wenn Boma, der Spock in der Episode „Notlandung der Galileo 7“ das Leben schwer machte, wirklich wegen Insubordination angeklagt worden wäre, hätten dies auch mit anderen Mitgliedern des Außenteams, wie etwa dem gleichsam aufmüpfigen McCoy geschehen müssen.
Doch das mit der Insubordination ist so eine Sache. Natürlich würden die Ereignisse um diesen föderationsinternen Putschversuch die gesamte Organisation verunsichern. Aber Carey beschreibt die Auswirkungen gerade so, als würde es sich um ein Ereignis wie 9/11 selbst, und nicht um einen coup d’etat handeln. Immerhin gab es einen ähnlichen Vorfall bereits im zuvor erschienen Buch „Das Netz der Romulaner“. Und auch wenn die Thematik der Meuterei innerhalb der Sternenflotten in der TNG-Episode „Die Verschwörung“ aufgrund der persönlichen Intervention Roddenberrys verworfen wurde, fand die Idee nach dessen Tod in „Die Front“, dem Auftakt zu einem DS9-Zweiteiler, seine Verwirklichung. Verschwörungen sind also ein ständiger Begleiter der Föderation, und es mutet tatsächlich wie eine leere Phrase an, wenn Piper behauptet „Anschließend wird nichts mehr so sein wie vorher.“ (S. 250). Volker Pispers lässt leise grüßen!
Mit einer Mischung aus Faszination und Ungläubigkeit begegnete ich schließlich Proxima, der Heimatwelt Pipers. Die zuweilen ausgiebig beschriebene Flora und Fauna ähnelte im Prinzip jener der Erde des mittleren Trias. Schon allein der Planet, der laut Memory Alpha eigentlich auf das 4,22 Lichtjahre von der Erde entfernte Alpha Centauri hinweist, ist in seiner Beschreibung als abgelegene und weit entfernte Kolonie recht widersprüchlich. Besonders starke Verwunderung löste jedoch ein Satz inmitten des Romans bei mir aus: „Überall um mich herum summten Wespen, die wir fürs Bestäuben unseres terranischen Getreides importiert hatten.“ (S. 162) Abgesehen davon, dass dort eigentlich „für das“ und nicht „fürs“ stehen sollte, habe ich mich sofort gefragt, warum man ausgerechnet Wespen dafür importierte – immerhin kann man auf später folgenden Seiten lesen, dass auch Bienen eingeführt wurden. Dann weiß natürlich jeder Mensch mit einer halbwegs gesunden Allgemeinbildung, dass Getreide windbestäubt werden, und daher nicht auf die Hilfe von Insekten angewiesen sind. Hinzu kommt, dass entsprechende Erfahrungen mit Kaninchen, Katzen und Hunden im „terranischen“ Australien die Kolonialexperten der Jahrhunderte später gegründeten Föderation davon überzeugt haben sollten, dass der Import exogener Arten in ein funktionierendes Ökosystem fatale Folgen haben kann. Erst gegen Ende ihres Werkes liefert uns die Autorin Diane Carey einen Hinweis, warum sie eine solche Vorgehensweise für erforderlich hielt: Piper verrät dem erstaunten Kirk nämlich „Auf meinem Heimatplaneten ist es fast immer windstill, Sir.“ (S. 264).
Das verändert die Sachlage natürlich vollends, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich Wespen, sofern es sich nicht um eine fleisch- und obstverzehrende Art handelt, nur den Nektar oder den Pflanzensaft bestimmter Gewächse als Nahrungsquelle nutzen. Windbestäuber bilden jedoch überhaupt keinen Nektar aus, und somit würde Getreide, dass von der Erde auf eine solche Welt importiert wurde, eingehen, egal wie viele Wespen man zur absehbaren Freude der Kolonisten dort aussetzt. Ich glaube auch nicht, dass die vielen Flügelschläge, die eine Wespe pro Sekunde zu erzeugen in der Lage ist, ausreichen würden, um eine ausreichende Luftbewegung zu verursachen, die das Dilemma behebt…

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Eine kleine Naturbeobachtung: wie vermehrt sich Getreide?

Zwei gestalterische Mängel hat „Das Schlachtschiff" ebenfalls vorzuweisen: Zum einen fand ich das zu stark in den schlimmen schlimmen Achtzigern verhaftete Deckblatt scheußlich und zum anderen sind die Kaptiteleinteilungen doch ungewöhnlich. Während die durchschnittliche Länge eines Kapitels ca. 20 eng beschriebene Seiten umfasst, bringt es Kapitel acht auf stolze sechzig Seiten.
Abschließend muss auch wieder die Übersetzung erwähnt werden. Natürlich gibt es Sachen, die wirklich schwer zu übersetzen sind. So kann man die Wortspiele, die Scott um den Namen Piper macht oder die tiefere Bedeutung der „Jesus-Klammer“ nur unter großen Verlusten ins Deutsche übertragen.
Ob man die Föderation wirklich als „interstellarer Völkerbund“ (S. 111) bezeichnen muss oder statt „Untertassensektion“, „Sternenbasis“ oder „Impulsgeschwindigkeit“ allen Ernstes „Diskussegment“ (S. 9), „Starbase“ (S. 14) oder „Sublichtgeschwindigkeit“ (S. 94) verwendet, habe ich bereits zur Genüge erläutert.
Ansonsten gibt es im Roman nur wenige Rechtschreibfehler wie „Prozellankiste“ (S. 101), „Computer, beginn mit der angegebenen Korrelation“ (S. 119) oder „Palko Est“ statt „Palkeo Est“ (S. 194). Auch die Tatsache, dass der Übersetzer Boris Vallejo Schiffsnamen wie „Star Empire“ „Majestic“ oder „Hornet“ unübersetzt ließ, aber Shuttles mit Übersetzungen wie „Holzschuh“, „Honigbrötchen“ (dass Schiff fällt und landet sicherlich immer mit der Oberseite) oder „Kaulquappe“ kann man als künstlerische Freiheit auslegen. Die Übersetzung ist damit zwar nicht unbedingt sonderlich gut, aber doch wenigstens nicht so schlecht wie andere.

Anachronismen: Durch die frühe Veröffentlichung des Buches im Jahr 1986 entstanden natürlich einige Abweichungen vom „offiziellen“ Zeitverlauf. So konnten beispielsweise bereits einige Informationen aus dem vierten Kinofilm „Zurück in die Gegenwart“ nicht mehr berücksichtigt werden.
Kein Wunder also, dass der Vulkanier Sarda für seine Mitarbeit an der Star Empire bezahlt wurde oder dass der Bau dieses Mega-Schlachtkreuzers Kosten verursachte. Schließlich gab es in genügend zuvor erschienenen TOS-Episoden Belege für eine auf Geld basierende Wirtschaft.
Als dann 1987 die neue Star-Trek-Serie „Das nächste Jahrhundert“ erschien, wurde bekannt, dass die neue Enterprise NCC-1701-D der Galaxy-Klasse entstammte, genau wie die Magellan, die bereits knapp einhundert Jahre zuvor der „Galaxie-Klasse“ (S. 12) angehören sollte. Auch die Holo-Technologie, die im Buch schon soweit fortgeschritten ist, dass tragbare Bilderzeugungsgeneratoren an x-beliebigen Orten eingesetzt werden können, bleibt bei TNG noch größtenteils auf das Holodeck begrenzt (zumal für so was ja auch riesige Energiemengen notwendig wären).
Sogar das Bild der Vulkanier wird in dieser Serie gewandelt. So sieht sich die Feststellung
Sardas „Vulkanier verehrten keine Götter“(S. 51) mit gegenteiligen Informationen aus der Doppelfolge „Der Schachzug“ konfrontiert.
Seine auf Menschen und Vulkanier bezogene Behauptung: „Spock wurde zum Wegbereiter echter Interaktion zwischen unseren Völkern.“ (S. 165) wird schließlich von der Enterprise-Serie widerlegt, in der T’Pol diese Vorreiterrolle einnimmt. Diese Serie rüttelt stark am Vulkanierbild, dass in Careys Buch gezeichnet wird, denn die dort propagierte Gewaltverachtung der spitzohrigen Föderationsmitglieder wird hier von ihren resoluten Vorfahren entschieden ins Reich der Legenden verwiesen. Doch bereits in der ersten Star-Trek-Serie überhaupt, die Carey gekannt haben muss, wurde in Folgen wie „Reise nach Babel“ festgehalten, dass sich die Anatomie von Vulkaniern und Menschen, im Gegensatz zu einer Bemerkung im Roman, deutlich unterscheiden.
Ein ähnliches Unbehagen entsteht, wenn man von der Gorn liest, die eine Sternenflottenuniform trägt. Wenn man von den spärlichen Informationen ausgeht, die Carey dem Leser gibt, so spielt die Handlung etwa im letzten Drittel der historischen Fünfjahresmission der USS Enterprise. Da der Erstkontakt zu den Gorn erst während dieses Einsatzes hergestellt wurde, kann man schon daran zweifeln, dass ein Gorn nach diesen Auseinandersetzungen so schnell in die Sternenflotte eintritt.

Fazit: „Das Schlachtschiff“ ist ein recht erfrischender Roman mit einer etwas ungewohnten, aber nicht abwegigen Perspektive. Durchaus spannend geschrieben und mit einer Extraausstattung versehen, die seiner Zeit weit voraus war, gelingt es dem Buch, eine kleine Sonderrolle unter den vielen Star-Trek-Büchern einzunehmen. Die Übersetzungsfehler sind überschaubar und wenn man über die vielen Anachronismen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, hinwegsehen kann, verspricht dieses Werk durchaus unterhaltsame Stunden.

Denkwürdige Zitate:

Das ist Unsinn, völliger Unsinn! Auch ein Raumschiff lässt sich missbrauchen. Selbst die Medizin. Für alle guten Dinge gibt es immer mehr als nur eine Verwendung“ Piper, S. 99

Seit die ersten Phönizier in See stachen, verzichteten Kapitäne auf die Sympathie ihrer Untergebenen.“ Piper, S. 101

Oh, natürlich […] Und wenn ich Dich mit einem Phaser erschieße, so geben wir dem Erfinder der Strahlenwaffen die Schuld, nicht wahr!“ Piper, S. 104

Der Krieg ist eine Investition für den Frieden, Captain Kirk, ein notwendiges Opfer für das Gemeinwohl.“ Vizeadmiral Rittenhouse, S. 110

Der Ausdruck ‚bienenfleißig’ bleibt leider ohne Signifikanz für mich. […] Aber wenn Du damit andeutest, daß der Vizeadmiral im militärischen Zweig der Föderation außergewöhnlich aktiv ist, so stimme ich Dir zu.“ Sarda, S. 117

Bewertung: Ein etwas anderer Roman mit eigenem Charme.

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Mittwoch, 18. März 2009

Aufbruch ins Unbekannte

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Buchbesprechung Carey, Diane: Aufbruch ins Unbekannte; Heyne 2001.


Story
: Das Buch ist im Prinzip die Novellisation des Enterprise-Pilotfilms „Aufbruch ins Unbekannte" und beschreibt die Umstände der Jungfernfahrt der NX-01. Captain Archer trifft auf verwegene Klingonen, genetisch aufgewertete Suliban und rigelianische Zuhälter. Er muss schnell feststellen, dass seine Mission, den Klingonen Klaang auf seinen Heimatplaneten Qo'noS zurückzubringen schwieriger ist, als erwartet…

Lobenswerte Aspekte: Nach den Pilotfilmadaptionen Deep Space Nines („Der Botschafter“) und Voyagers („Der Beschützer“) begegnet uns endlich einmal ein Roman, der den Originaltitel der Episode verwendet. Viele Dialoge sind weitreichender als in der Folge und dem Leser werden offene Fragen beantwortet. So erfahren wir etwa, dass das Raumschiffmodell, mit dem der junge Archer zu Beginn der Episode spielt, ein Entwurf seines Vaters ist, den dieser nicht mehr benötigte.
Zusätzlich zur eigentlichen Erzählung befindet sich im „Anhang“ des Buches ein kleines „Making-Of“, das nähere Informationen zur Entstehungsgeschichte der Serie und zum Designkonzept gibt.

Kritikwürdige Aspekte: Wieder einmal ist das Buch scheußlichst übersetzt. So ist von klingonischen „Warbirds“ (S. 24) die Rede (Nachtrag: leider ist dies in der Serie ebenso) und die Cabal wird mit „Kabale“ (S. 126) übersetzt. Wo bleibt da aber die Liebe?
Der schlimmste Satz lautet allerdings: „Die Entladung verfehlte ihn um einige Zentimeter und bohrte sich in die Wind.“ (S. 186). Das alles spricht nicht unbedingt für gründliche Lektorenarbeit.
Die Charaktere wirken daneben zuweilen hölzern und besonders Reed, dem Carey scheinbar zusätzlich Leben einhauchen wollte, wirkt zu aufgesetzt. Seine britische Herkunft wird zu sehr überbetont und seine Gesprächsfreude passt irgendwie nicht zu seinem sonst so reservierten Wesen.
Überhaupt gibt es ja für Fans nur einen Grund, sich Novellisationen durchzulesen: Hintergrundinformationen. So ist es besonders interessant zu erfahren, dass in „Treffen der Generationen“ die Excelsior ihre Untertassensektion lösen kann oder dass im „Zorn des KhanJoachim der gemeinsame Sohn des genetischen Übermenschen und Marla McGivers ist. Doch scheinbar hatte die Autorin zuviel Angst, dass ihr Werk von der sich im Dreh befindlichen Serie eingeholt werden könnte, und somit verzichtete sie auch auf Zusatzinformationen, die dem Roman wenigstens etwas Interessantes gegeben hätten. So plätschert eine dem Leser bekannte Handlung mühselig vor sich hin, ohne dass man etwa erfährt, wie der Planet heißt, auf dem sich die Sulibanhelix befindet oder welche Lebewesen den Handelsposten auf Rigel X betrieben haben.

Anachronismen: Aufgrund der bereits angesprochenen Furcht der Autorin, einen Blick über den Tellerand hinaus zu wagen, gibt es auch nur wenige Anachronismen. Der einzige wirklich bedeutende Schnitzer ist eigentlich die Behauptung Archers, sein gesamtes Leben in San Francisco zugebracht zu haben. Schließlich erfährt der interessierte Zuschauer der Serie, dass der spätere Captain aus dem US-Bundesstaat New York stammt („Sturmfront“) und sein Vater im Warp-Fünf-Komplex in Bozeman arbeitete, wo der juvenile Jonathan auch persönlich auf Zefrem Cochrane traf ("Eigenarten").

Fazit: „Aufbruch ins Unbekannte“ ist eine langweilige Novellisation eines erstklassigen Pilotfilmes, der mit den sonst üblichen zusätzlichen Informationen geizt. Lediglich der Anhang ist noch interessant, zumal die der Serie zugrunde liegenden Gedankenspiele durch die Absetzung von Enterprise nach der vierten Staffel eigentlich obsolet sind. Aber gerade deswegen lesen sie sich recht gut und man kann erkennen, dass doch einiges an Potential in der Serie steckte.

Denkwürdiges Zitat:

Jemand hat einmal gesagt, zwei Dinge hätten zu Anfang die Entwicklung des Internets vorangetrieben: Pornographie und Star Trek.“ Rick Berman, S. 205.

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Nur auf den ersten Blick unlogisch: Bücherlesen und im Internet surfen


Bewertung: Bonusmaterial auf einer DVD mit halbherzig gemachten Filmen macht den Braten auch nicht mehr fett.

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Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele