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Montag, 29. Juni 2009

Die Anfänge 01. Die erste Mission

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Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Die erste Mission. Heyne, 1986/1989.

Story: Eine Ära geht zu Ende: Der legendäre Captain Pike wird zum Commodore befördert und ein impulsiver junger Mann übernimmt das Kommando, der sich seine Sporen erst noch verdienen muss. Dieser Jungspund, der auf den klangvollen Namen James Tiberius Kirk hört, hat einen schweren Stand bei der alteingesessenen Crew: der erste Offizier Spock denkt über eine Versetzung nach, Uhura verlässt wegen seines Verhaltens die Brücke und selbst der gutmütige Chefingenieur Montgomery Scott hält den neunundzwanzigjährigen Emporkömmling für einen „unerfahrenen Grün…“ (S. 69).
Kirk, der kurz zuvor nur knapp eine katastrophale Mission überlebte, darf seinerseits weder den von ihm präferierten Gary Mitchell zum ersten Offizier ernennen, noch eine von ihm erträumte langjährige Forschungsmission betreuen.
Der erste Auftrag unter seinem Kommando besteht darin, eine Art Zirkusgesellschaft auf ihrer Tour durch verschiedene Sternenbasen zu begleiten. Und so ist es kein Wunder, dass dem unerfahrenen Spätzwanziger ein Missgeschick nach dem anderen widerfährt und seine Autorität auf tönernen Füßen steht.
Doch auf dem Weg zur Sternenbasis 13, einer Föderationsstation, die am Ende einer langgezogenen Ausbuchtung des Föderationsraumes liegt, die tief in klingonisches Gebiet ragt, stößt er auf ein fremdes Schiff. Das merkwürdige Gefährt wird von Wesen bevölkert, die einer anderen Galaxie entstammen und mit denen keine herkömmliche Kommunikation möglich ist. Erst eine Gedankenverschmelzung mit Spock schafft Klarheit; doch durch die Flut fremder Gefühle wird Spocks Leben bedroht. Als schließlich eine ganze klingonische Flotte aufkreuzt, um eine Renegatin zu stellen, spitzt sich die Lage dramatisch zu, denn ein einziger Treffer an der Außenhülle des unbekannten Schiffes kann die Zerstörung hunderter umliegender Welten nach sich ziehen…

Lobenswerte Aspekte: Wer nach Star Trek XI gern wissen möchte, wie die ersten Abenteuer der berühmtesten Raumschiffbesatzung des 23. Jahrhunderts tatsächlich abliefen, findet in der dreiteiligen Romanserie „Die Anfänge“ eine Anlaufstelle. Immerhin hatten Abrams und seine Kollegen bereits während der Entstehungsphase verlauten lassen, dass der ‚neue’ Film weder dem offiziellen Kanon, noch den unzähligen Star-Trek-Büchern widersprechen würde. Wer nun vom Paralleluniversum genug hat, und einen Eindruck davon erhalten will, wie diese Frühphase aussah, kann also getrost ins Bücherregal greifen, und sich ruhigem Gewissens Vonda McIntyres Roman „Die erste Mission“ zu Gemüte führen.
Tatsächlich spielt die Handlung geschickt mit einigen Elementen, die aus Film und Fernsehen über Kirks Vorleben bereits hinlänglich bekannt waren: sein Bruder George Samuel tritt ebenso auf wie sein bester Freund Gary Mitchell oder seine große Liebe Carol Marcus. Die gesamte Crew tritt auf und besonders die Informationen über Hikaru Sulu oder Janice Rand sind interessant geschildert und verleihen den beiden weniger beachteten Charakteren einen Hintergrund.
Außerdem wird klar, wie sehr sich Abrams' Film aus diesem Buch bedient hat. Dass Kirks Mutter Winona heißt, erfahren wir nämlich bereits in diesem Buch. Selbst Kirks anfängliches Interesse für Uhura klingt schon auf den ersten paar Seiten an. Sulu fabriziert ebenfalls einen Navigationsfehler und Uhuras Sorge um Spock wirft interessante Fragen auf.
Toll fand ich auch die im Zuge der Bildbearbeitung erwähnten „Corellianer“ (S. 100) – eine mehr oder minder gut verschleierte Anspielung auf das Grafikprogramm Corel Draw. Doch darüber hinaus sind auch die Anspielung auf Captain Hunter (S. 27, Jeffrey Hunter spielte Pike) oder die auf Seite 21 präsentierten Einschätzungen Spocks über menschliche Bademoden durchaus der Erwähnung wert.

Kritikwürdige Aspekte: Also wer diesem unfähigen Abziehbild James T. Kirks allen Ernstes ein eigenes Kommando verpasst hat, sollte selbst vom Admiral zum untersten Plasmaleitungsschrubber degradiert werden. Kirk ist einfach nicht wiederzuerkennen und erreicht lediglich in wenigen Passagen auch nur ansatzweise die Aura jenes großen Mannes, der mit seinem Namen verbunden wird. Selbst Shatners Eigeneinschätzung in seinem eigenen Romanzyklus ist als gelungener zu bezeichnen!
Nun, auch wenn das erste Kommando der Weltraumlegende sicherlich nicht von einem Tag auf den anderen einen Superheldenstatus rechtfertigt, muss doch festgehalten werden, dass die Autorin keinerlei Einfühlungsvermögen für Charakterdarstellungen zeigt und statt dessen einfache Klischeebilder präsentiert, wie die des Frauenschwarms Kirk oder des mit Gefühlen überforderten Spocks.
Der erste Offizier wirkt erschreckend altbacken und mental absolut unfähig. Auch seine Intelligenz scheint betroffen, denn er beschreibt den Vulkanier Stephen als Vetter (S. 438), obwohl das verwandtschaftliche Verhältnis beider nicht einmal mehr mit „Großcousin“ beschrieben werden könnte. Das ist dem überaus peniblen Charakter gegenüber nun wirklich ungerecht.
Doch auch die anderen Crewmitglieder werden nicht von Fehlbeschreibungen verschont: Uhura ist pflichtvergessen, Janice Rand ein überfordertes Kind und McCoy ein zahnloses Dekoobjekt. Wüsste man es nicht besser, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Darstellung der einzelnen Charaktere ihrerseits aus einem Paralleluniversum stammt, denn der Wiedererkennungswert tendiert zu oft gegen null. Pike ist einfach nur ein Arsch, Kirk ein unfähiger Rüpel und Chekov ein Stalinist.
Die sich bietende Chance, mit den einzelnen Figuren und ihren Entwicklungen zu spielen, blieb sträflich ungenutzt, obwohl sich einige interessante Ansätze anboten, wenn nicht sogar aufdrängten: Scott, der sich zwischen der Enterprise und einem fähigen Kommandanten entscheiden muss; Rand, die sich erst mit den Aufgaben eines Adjutanten zurechtfinden soll oder Uhura, die als eine Art Ersatz für die Position eines Schiffscounselors fungieren kann. Doch all diese Aspekte werden in den Hintergrund, nicht in den Vordergrund gerückt und nehmen der Erzählung den Reiz.
Höhepunkt der völlig verkorksten Darstellung sind allerdings die Klingonen. Sicherlich hat sich McIntyre viele Gedanken bei der Konzeption gemacht, doch die im Buch präsentierte Rasse hat mit dem ausgiebig im Fernsehen vorgestellten Kriegervolk in etwa soviel zu tun wie ein Ameisenbär mit dem Tyrannosaurus Rex. Klingonen sind eben keine Geheimdienstspezialisten, Kopftuchfanatiker oder Oligarchen.
Größtes Problem des Romans ist allerdings die hanebüchene Handlung, die sich auf immerhin 477 Seiten erstreckt. Fliegende Weltraumkatzen, die sich singend verständigen, in einer riesigen Ansammlung von Seifenblasen wohnen und das Universum bewegen können sind ja schon hirnrissig genug. Doch dass diese verschrobene Idee auch noch mit einem Weltraumzirkus, einem homophilen Hippievulkanier und einer homophoben Klingonenrebellin, die keine Lust mehr auf das Burkatragen hat, gekreuzt wird, ist zuviel des Guten.
Besonders die ausgerechnet von Spock zu Besten gegebene Herleitung, warum die Fremden aus einer anderen Galaxie stammen müssen (vgl. S. 313), wirkt so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass man spätestens ab diesem Punkt den Hardcovereinband entnervt gegen den eigenen Vorderschädel schlägt – immerhin hatte sich Spock in der TOS-Episode „Stein und Staub“ noch problemlos mit den ebenfalls extragalaktischen Kelvanern verständigen können.
Das allein wären bereits recht schwerwiegende Kritikpunkte, und ich will lieber nicht auf den zahlreichen technischen (die Gravitation von Objekten im Raum zieht Schiffe aus dem Warp?), kulturellen (Klingonen haben noch eine Kaiserin??) oder bürokratischen (es gibt eine Erstkontaktgenehmigung für Sternenflottenoffiziere, die ablaufen kann???) Logiklöchern herumreiten, denn eines finde ich an dieser Reihe besonders schlimm.
Rechtzeitig zum Start des elften Kinofilms hat sich Heyne nach langjähriger Abstinenz mal wieder auf dem Star-Trek-Büchermarkt betätigt. Doch anstatt einen neuen deutschsprachigen Roman zu veröffentlichen, versucht der Verlag, aus dem neuerlichen Hype Profit zu schlagen und präsentiert die drei Romane der Reihe „Die Anfänge“ vereint in einem Band. Mit aufgewärmter Zweit- bzw. sogar Drittverwertung eigener alter Rechte hofft man scheinbar in bester Ferengimanier, trotz Abkehr vom zu unlukrativen Publikum doch noch ein Stück vom großen Merchandise-Kuchen abzubekommen. Aber die knapp 1470 Seiten, in einem klobigen und unhandlichen Paperback zusammengezwängt, sind noch nicht einmal überarbeitet worden.
So trifft man dementsprechend auf die typischen Hausfehler der Heyne-Übersetzung. Es heißt nicht „Sternenflotte“, „deaktivierte“ oder „Untertassensektion“, sondern „Starfleet“ (S. 18), „desaktivierte“ (S. 246) und „Diskussektion“ (S. 80). Verbunden mit den unsinnigen Medo-Komposita wie „Medo-Team“ (S. 11), „Medo-Akten“ (S. 114) oder „Medo-Sensoren“ (S. 329) rufen sie beim Leser ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit dafür hervor, dass mittlerweile cross cult diese ökonomische Nische neu besetzt hat und den Leser mit solchen Ausgeburten stiefmütterlicher Behandlung von Trek-Termini verschont.
Hinzu kommt, dass die Unkenntnis des Übersetzers Cocktails betreffend wahrlich haarsträubend anmutet. So wird der alterwürdige „Mint Julep“ kurzerhand zu einem „Gewürzwhiskey“ (S. 453) degradiert und aus der „Bloody Mary“ wird mal eben die „Jungfrau Maria“ (S. 41). Weniger Schuld trifft ihn schließlich jedoch daran, dass die „Constitution-Klasse“ ständig als „Constellation-Klasse“ (ab S. 11) deklariert wird. Diesen Fehler und einige grammatische sowie orthographische Fehlgriffe (etwa „[…] um nicht mit den Fingern auf die Armlehen zu trommeln.“, S. 103 oder „siberianisch“ statt „sibirisch“, S. 249) hätte man wenigstens ausmerzen können, um diese mittlerweile dritte Veröffentlichung dieser Bücher zu rechtfertigen.

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Leicht zu verwechseln: Schiffe mit zwei Warpgondeln und solche mit vier

Anachronismen: Wer die Voyagerepisode „“ gesehen hat, weiß, dass Kirks historische Fünfjahresmission 2270 endete, was nach Adam Riese praktisch bedeutet, dass sie 2265 begann. Also muss dieser Roman folglich in diesem besagten Jahr spielen.
Dumm nur, dass McIntyre Kirks Alter mehrmals mit 29 angibt (z.B. S. 13). Folgen wie „Die Spitze des Eisbergs“ oder „Wie schnell die Zeit vergeht“ sowie Filme wie „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ und „Star Trek XI“ lassen Kirks Geburt jedoch auf das Jahr 2233 fallen, was die Handlung plötzlich ins Jahr 2262 verlegt.
Als ob das allein nicht schon verwirrend genug wäre, markiert die Zeit unmittelbar vor Kirks Kommandoannahme den Zeitpunkt, an dem Carol Marcus und Kirk einander kennen lernen. Die Autorin versäumt es nicht, auch die dramatische Trennung der beiden gleich mit zu thematisieren. Das Problem: In der ebenfalls von ihr verfassten Romanversion des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ gibt sie David Marcus’ Alter mit zwanzig an (S. 178), was bedeuten würde, dass Carol Marcus ihren gemeinsamen Sohn 2265 zur Welt bringen würde. Da sie im selben Buch allerdings auch davon spricht, dass Kirk Khan vor 15 Jahren auf Ceti Alpha V das letzte Mal gesehen hätte (S. 180), würde dieser Film 2283 spielen, was für David wiederum bedeutet, dass er bereits 2263, also weit vor der Romanze Carols mit James T. Kirk geboren worden war. Ist er vielleicht niemals Kirks Sohn gewesen?
Um die Verwirrung komplett zu machen, sollte ergänzend erwähnt werden, dass andere Angaben, wie die „Offizielle Star Trek Chronologie“ der Okudas (S. 46) oder im David-Marcus-Artikel bei Memory Alpha das Jahr 2261 als Geburtsjahr führen. Diese Rechnung bezieht sich auf das Alter des leider bereits 1989 verstorbenen Schauspielers Merritt Buttrick, und stützt nur die These, dass, gemessen an McIntyres Darstellung, David ein Kuckuckskind wäre und überhaupt keine genetischen Gemeinsamkeiten mit dem legendären Sternenflotten haben kann.
Kleinere Unregelmäßigkeiten lassen sich daneben auch noch finden: Der Planet Vulkan verfügt sehr wohl über größere Wasserflächen (S. 20; wie man in der ENT-Folge „Kir’Shara“ sehr schön vom Orbit aus sehen kann) und eigentlich sollte Kirk mehr als nur einen Neffen haben (S. 67; vgl. TOS: „Der alte Traum“). Außerdem mutet es sehr befremdlich an, dass der Turbolift trotz gegenteiliger Erfahrungen Bashirs und O’Briens eben doch auf rein akustische Befehlseingabe reagiert (S. 44; DS9 „Immer die Last mit den Tribbles“), obwohl die Handlung des Buches mindestens zwei Jahre vor den in „Kennen Sie Tribbles?“ geschilderten Ereignissen einsetzt.
Trotz der Tatsache, dass der Roman als eine Referenz für den elften Kinofilm gelten kann, beißt sich eine seiner Informationen mit diesem Buch. Entweder ist Spock nämlich ein - im wahrsten Sinne des Wortes - 'alter' Lügner oder die Drehbuchschreiber haben etwas überlesen. Denn als Kirk das Kommando der USS Enterprise übernimmt, ist sein Vater bereits tot (S. 67) und kann den Triumph seines Sohnes eben nicht miterleben.
Das nervigste Element dieses Romans ist allerdings sein ständiger Bezug auf monetäre Finanzwirtschaft. McIntyre selbst verfasste auch die Novellisation zum vierten Star-Trek-Film „Zurück in die Vergangenheit“; und daher sollte sie eigentlich aus erster Hand wissen, dass dort von Kirk selbst bestätigt wird, dass es in der Zukunft kein Geld mehr gibt!
Dem zum Trotz finden sich unzählige Belege für Geld und seine Bedeutung in diesem Buch: Man braucht es, um Päckchen zu verschicken (S. 21), um sich medizinisch versorgen zu lassen (S. 143) oder sogar, um Bildung zu erwerben (S. 189)! Was ist mit den Idealen einer sich selbst verwirklichenden Menschheit geworden?
Die Zukunft klingt hier noch kapitalistischer als heute, obwohl diese Beispiele nur einen Bruchteil der im Roman angeführten Nennungen ausmachen. Natürlich war es schon immer ein Markenzeichen Star Treks, die Zukunft als Parabel auf die Probleme der heutigen Zeit darzustellen und natürlich gab es auch bei Star Trek einige Belege für Finanzwirtschaft, doch McIntyres Beschreibungen sind nicht nur voller Ungereimtheiten, sondern erinnern eher an die Ferengi, als an eine Welt voller idealistischer Menschen.

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Zuviel Geld in einem Buch

Fazit: Es ist in der Tat löblich, die Anfangsjahre als Roman zu thematisieren. Und tatsächlich hatte dieses Buch somit einen erheblichen Einfluss auf den offiziellen Kanon, nicht zuletzt dank seiner Leser Roberto Orci und Alex Kurtzman, die sich fleißig an den Details dieses Romans bedienten. Doch auch ohne diesen ‚Adelsschlag’ ist dieses Werk genau wegen dieser Zusatzinformationen so lesenswert.
Doch dieser Einblick hat seinen Preis. Die Charaktere sind unheimlich schlecht getroffen, die Handlung ist haarsträubend und die vielen kleinen Fehler nervtötend.
McIntyre überbetont den Gebrauch von Geld und tritt die Zeitlinie, die durch ihr Werk eigentlich bereichert werden sollte, mit Füßen. Dadurch verlieren sich die Vorteile des Buches, denn auch wenn es interessante Informationen enthält, sollte das Hauptaugenmerk eines Romans nicht auf kleinen Details, sondern auf dem großen Inhalt liegen.

Denkwürdige Zitate:

Ich liebe dich, Jim. Aber wir leben nicht auf einem Wüstenplaneten.“ Carol Marcus, S. 18

Ja ich glaube schon. Während einer Überbevölkerungskrise erfordert die Geburt eines Kindes den Tod eines Erwachsenen, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Aus diesem Grund wurde eine Art Lotterie entwickelt, mit der man entschied, wer sterben mußte. Ihre Bräuche sind … faszinierend. Nicht besonders wirkungsvoll, aber interessant. “ Spock erklärt sich die Erdentradition, zur Geburt eines Kindes Zigarren zu rauchen, S. 38

Mhm. Schmeckt toll. Schokolade. Mag ich besonders gern. Der wichtigste irdische Beitrag fürs gastronomische Spektrum der Galaxis.“ Vanli, S. 57

"Vulkanier und Kinder. Tritt nie vor Vulkaniern und Kindern auf – ein Rat meines Vaters.“ Amelinda Lukarian, S. 279

Ihre Zivilisation – wenn es überhaupt angebracht ist, einen solchen Ausdruck zu verwenden – hat einen hohen Degenerationsgrad erreicht.“ Klingonischer ‚Direktor’, S. 452

Bewertung: Ein zu schwer verdauliches Stück Star-Trek-Geschichte.

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Weiterführende Leseliste:

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze

Sonntag, 31. Mai 2009

Vanguard 03: Ernte den Sturm

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Buchbesprechung Mack, David: Vanguard 03: Ernte den Sturm, cross cult, 2008.

Story: Ruhig und kaum beachtet liegt das Jinoteur-System irgendwo in der Taurus-Region. Doch als Forscher der Föderation entdeckten, dass sämtliche Monde der Planeten künstlich ausgerichtet wurden, rückt es in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses.
Klingonische Flotten scheitern an den planetaren Verteidigungssystemen und als auch ein tholianisches Schiff dort auftaucht, schickt auch endlich die Sternenflotte ein eigenes Schiff, um zu erkunden, welches Geheimnis sich hier verbirgt.
Währenddessen hat der Kommandant der Sternenbasis 47, Commodore Diego Reyes, weltlichere Sorgen. Seine Ex-Frau Jeanne ist zu Besuch auf der Station. Doch das vermeintlich private Dilemma wird rasch zu einem beruflichen, denn diese Frau, der er tief in seinem Herzen noch immer Gefühle entgegen bringt, ist niemand geringeres als der gewählte Leiter einer frisch gegründeten Kolonie in der Taurus-Region. Dumm nur, dass auf genau dieser Welt ein Artefakt vermutet wird, wie es schon zuvor auf Ravanar, Palgrenax und Erilon gefunden wurde. Noch dümmer, dass die ahnungslose Verflossene auf einer völligen Autonomie ihrer neuen Heimat besteht, denn es ist sofort jedem Beteiligten klar, dass der dann völlig sich selbst überlassene Planet bei den benachbarten Klingonen Begehrlichkeiten wecken würde.
Derweil stößt die USS Sagittarius im Jinoteur-System auf ein leeres Tholianerschiff und stürzt nur wenig später nach einem plötzlichen Beschuss auf dem Hauptplaneten ab. Die Crew hat ihre Antimaterievorräte verloren und die Außenteams werden plötzlich von einem übermächtigen Feind angegriffen, und das einzige Schiff, dass vom vulkanischen Geheimdienstoffizier T’Prynn als zuverlässig genug und nächstliegend eingestuft wird, ist die Rocinante des Weltraumvagabunden Cervantes Quinn. Er und sein Freund, der Reporter Tim Pennington, sind die einzige Hoffnung für die Crew des kleinen Schiffes der Archer-Klasse…
Hinter dem Angriff auf die Mannschaft Captain Nassirs stehen die Shedai, die nach Jahrtausende währenden Schlaf erwacht sind, um an den sterblichen humanoiden Störenfrieden grausame Rache zu nehmen. Ihr erster großer Schlag richtet sich schließlich genau auf jene Welt, die Reyes Exfrau gerade erreicht hat: Gamma Tauri IV.

Lobenswerte Aspekte: Im dritten Band der Vanguard-Reihe erhalten viele Charaktere mehr Tiefe: Angefangen beim orionischen Kaufmannsprinzen Ganz, hin zum Kommandanten Diego Reyes bis zur Gemeinschaft Penningtons und Quinns. Besonders letzteres Pärchen beeindruckte mich auf den letzten Seiten des Buches und ich gebe zu, überrascht worden zu sein. Quinn ist, allen stereotypisierenden Gefahren zum Trotz, äußerst differenziert dargestellt und besonders mit der Zigarre im Mund erinnerte er mich ab und zu an den viel zu früh verstorbenen George Peppard.
Doch auch andere Themen des Buches sind lobenswert und voller Symbolkraft. So beeindruckte mich ebenso das bewahrheitete Statement Sandesjos, für T’Prynn in Liebe zu brennen, wie das Dilemma Reyes, durch seine Bevorzugung der Pflicht vor Wahrheit unzählige Leben geopfert zu haben. Die zum Teil schockierenden Entwicklungen lassen dem Erscheinen des vierten Teils „Offene Geheimnisse“ ungeduldig entgegenfiebern.
Äußerst gelungen fand ich schließlich auch die deutsche Übersetzung des englischen Buchtitels "Summon the thunder".

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Wer Wind sät...

Ich gebe außerdem zu Protokoll, dass ich mich verliebt habe! Das auf dem Cover präsentierte Design der USS Sagittarius ist sehr gelungen, und besonders ihre liliputanischen Ausmaße machen das Design so unheimlich interessant. Es ist ebenein kleines Schiff mit engen Kabinen, auf dem sich zwei Personen eine Koje teilen müssen und auf dem es keine Krankenstation, sondern ein „Krankenzimmer“ (S. 91) gibt. Dass auf der kleinen Abbildung auf dem Buchtitel sogar die angesprochene Ladeluke auszumachen ist, unterstreicht die Qualität dieses Entwurfes. Wenn nun auch noch, wie bereits im ersten Band „Der Vorbote“ geschehen, ein aufklappbarer Mittelteil das Design des Schiffes erläutert hätte, so hätte ich es wahrhaft mit leuchtenden Augen wieder und wieder betrachtet (das am Ende des Buches abgedruckte Mini-Kompendium ist der Erwähnung kaum wert).
Daneben ist zumindest die Crew des Schiffes sehr liebevoll und detailliert beschreiben worden. Einer der drei Gaststars, Commander Terrell dient als erster Offizier auf diesem kleinen Schiff. Neben ihm werden auch Jabilo M’Benga und Dr. Carol Marcus in die Handlung integriert, wobei der Autor David Mack die Forschungen um das Meta-Genom mit viel Fingerspitzengefühl thematisch an das Genesisprojekt koppelt.

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Genesis live auf der Spur

Kritikwürdige Aspekte: Es gibt nur wenige Punkte, die eine Beanstandung zulassen.
Einer davon ist allerdings ein schwerer Logikfehler. Nachdem Commander Terrell von den Shedai lebensgefährlich getroffen seine Situation analysiert, gibt er dem Fortbestand seiner Existenz nur eine eingeschränkte Zeitspanne: „Bestenfalls bin ich dann wohl gegen Mittag tot.“ Erst das Dämpfungsfeld dämmt die Ausbreitung des Metagenoms ein, doch dieses Feld nimmt er nicht an Bord, als er von Pennington und Quinn gerettet wird. Eine relativ turbulente und zeitintensive Rettung eines weiteren Crewmitgliedes beginnt, doch der mittlerweile ohne Schutz der Infektion hilflos ausgelieferte zukünftige Captain der Reliant überlebt, ohne dass sich seine Lage auch nur im geringsten verschlechterte.
Als besonders traurig ist der Umstand zu bewerten, dass, getreu einer guten alten Star-Trek-Tradition die anfangs so Furcht einflößende Spezies der Shedai „geborgt“ wird.
Angefangen bei den Klingonen, die im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ an Schrecken verlieren, über Spezies 8472, die sich schließlich zur Kooperation überreden lassen bis hin zu den Romulanern, die ihre Heimatwelt wegen einer Supernova verlieren – jede die Föderation bedrohende Spezies verliert im Verlauf der verschiedenen Serien an Schrecken. Egal ob Ferengi, Dominion oder Kazon, schließlich passiert allen außerirdischen Rassen, was auch den Borg während Voyager widerfuhr: Sie lassen die Bedrohung, die sie am Anfang erahnen ließen, mit der Zeit verwischen.
Auch den Shedai geht es nicht anders. Zwar wurde im Vorgängerroman „Rufe den Donner“ bereits eine Gegenwehr möglich gemacht, doch erst in diesem Band verliert die Spezies an Gefahr, zerfleischt sich selbst in einem Bürgerkrieg und selbst ihre gefürchtete Meta-Genom-Infektion erweist sich als unangenehm, aber heilbar.
Die Shedai werden entzaubert und es wird einiges an Aufwand kosten, ihren alten bedrohlichen Status wiederherzustellen.
Der letzte Kritikpunkt ist schließlich – wie so oft – mit der Übersetzung verbunden.
Bücher haben eigentlich die Funktion, ihren Leser in seinem grammatisch-orthografischen Wissen zu bestärken. Doch nicht dieser Roman! Er geht einen anderen – mutigeren -Weg und versucht zu beweisen, dass es in der Zukunft viele kleinkarierte Regeln nicht mehr geben wird.
Neben kleineren Fehlern („[…] zwischen deren drei Monde […]“ (S. 9), […] eine halbe Millionen Jahre […] (S. 42) und „[…] Passage des Kodexe […]“ (S. 171)) heißt das große Thema in diesem Roman „Die richtige Verwendung von ‚dass’ und ‚damit’“. „[…] damit Xiong es hören konnte […]“ (S. 150), „[…] damit auch die Phaser wieder Energie hatten […]“ (S. 330) und „Damit ein Vulkanier so einen Zusammenbruch erleidet […]“ (S. 402) sind nur drei Beispiele für einen viel zu häufig auftretenden Fehler, der von mangelhaftem Sprachverständnis zeugt. Wer immer noch an meiner Einschätzung zweifelt, der sollte sich den Satz „In solchen Momenten fühlte sich Sandesjo weniger wie die Geliebte der Vulkanierin als wie eine völlig Fremde.“ (S. 17) vor Augen halten, um zu verstehen, dass der Übersetzer auf den Straßen Berlins zwar nicht sonderlich auffallen würde, aber von Übersetzungen Abstand halten sollte, von denen einen gewisser Sprachstandard erwartet wird.

Anachronismen: Zuerst einmal muss ich gestehen, dass ich einen Aspekt der Handlung weniger glaubwürdig fand: Die Tatsache, dass Jeanne Vinueza, die Exfrau Reyes, als Mensch Telepathin sein soll. Natürlich kann man jetzt zu Recht auf die TOS-Episode „Die Spitze des Eisbergs“ hinweisen, in der Kirk auf gleich zwei solcher Menschen trifft. Ich hingegen würde auch die TNG-Episode „Der Fall Utopia-Planitia“ verweisen, in der die Empathin Deanna Troi die Möglichkeit kategorisch ausschließt, dass auch Menschen entsprechende Fähigkeiten hätten. Das Grundproblem ist also eher, dass hier ein genereller Aussagenkonflikt besteht, und Mack sich für eine Seite entscheiden hat – ob sie für jeden Leser gleichermaßen stimmig ist, sei jedoch dahingestellt.
Auch die Behauptung, dass Tholianer höheren Druck benötigen, lässt sich mit den Beobachtungen aus „In einem finsteren Spiegel, Teil 1“ nicht in Einklang bringen.
Wie schon bei der Rezension zum dritten Titan-Band „Die Hunde des Orion“ bemerkt, hapert es in der Absprache der Autoren der beiden Fortsetzungsromane untereinander. Zwar wird mit der Erwähnung des Al-Nath-Systems eine Brücke zu Vardemans "Das Klingon-Gambit" geschlagen, doch modernere Romane werden dabei scheinbar ausgespart. Während nämlich in Titan-Serie Jetaniens Spezies abweichend dargestellt wird, kommen bei Vanguard Zweifel an der Spezies der Steuerfrau Ensign Lavenas auf. Pacifica wird hier nämlich nicht als Heimat einer indigenen Spezies, sondern als Kolonisationswelt beschrieben (S. 381). Diese kleinen Fehler stören den ansonsten recht schlüssig präsentierten Anspruch der Bücher, Informationen aus anderen Romanen aufzunehmen und eine Brücke zwischen Kanon und Romanen zu schlagen.

Fazit: Im Großen und Ganzen ist der dritte Vanguard-Roman „Ernte den Sturm“ ein würdiger Nachfolger des genialen zweiten Bandes. Sehr spannend geschrieben, toll in Szene gesetzt und mit unerwarteten Wendungen versehen, schreit der Roman geradezu nach einer Fortsetzung.
Lediglich die Degradierung der Hauptbösewichter und das haarsträubende Grammatikverständnis des Übersetzers schaffen es, diesem Werk eigentlich unverdiente Schatten aufzuerlegen.

Denkwürdige Zitate:

Im Alter von 50 haben wir alle das Gesicht, das wir verdienen.“ Reyes senior, S. 118

Wenn es eine Sache gibt, die ich in der Sternenflotte gelernt habe, dann das nichts so schlimm sein kann, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte.“ Terrell, S. 138

Entweder hat Fek’Ihr selbst in unsere Sensorphalanx geschissen, oder Chefingenieur Ohq hat sich gerade vierzig Schläge mit dem Schmerzstab verdient.“ BelHoQ, S. 207

Eine Lüge aufzudecken, Jabilo, ist eines. An die Wahrheit zu kommen, etwas anderes.“ Dr. Fisher, S. 221

Captains, ich habe gerade Dr. Fishers forensischen Bericht über die heute getöteten Kolonisten erhalten. Die gute Nachricht ist, sie wurden nicht von den Klingonen umgebracht. Die schlechte Nachricht ist … dass sie nicht von den Klingonen getötet wurden.“ Reyes, S. 301

Natürlich tun wir das, Ming. Diese Situation verlangt nach einer dummen und völlig aussichtslosen Geste und ich denke, wir sind genau die richtige Crew dafür.“ Nassir, S. 362

Bewertung: Allen Fehlern zum Trotz genial!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall