Sonntag, 15. Mai 2011

Das höchste Maß an Hingabe

Buchbesprechung Mangels, Andy; Martin, Michael A.: Das höchste Maß an Hingabe. Cross Cult, 2011.

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Story: Die Sicherheit der Erde wird in der Delphischen Ausdehnung verteidigt.
Jedenfalls im Jahr 2153, denn nach einem Überraschungsanschlag einer Xindi-Sonde auf die Erde hat der Planet sieben Millionen Opfer zu beklagen. Die Mission der Enterprise NX-01, das Weltall zu erkunden, wird kurzerhand abgebrochen und durch einen neuen Auftrag ersetzt: Die mysteriösen Angreifer ausfindig zu machen und von einem weiteren, endgültigen Anschlag abzuhalten.
Die Sternenflottenoffiziere um Captain Jonathan Archer erhalten bei diesem besonderen Ausflug in jene Raumregion, in der die Gesetze der Physik auf den Kopf gestellt scheinen, Unterstützung durch eine elitäre Militäreinheit, die den eher auf Forschung ausgerichteten Sternenflottenmitgliedern als schlagkräftige Eingreiftruppe zur Seite stehen soll: Die MACOs.
Doch die langwierige Suche nach Hinweisen, persönliche Tragödien, die beengte Wohnraumsituation und die merkwürdigen Weltraumanomalien bereiten der gesamten Besatzung schlaflose Nächte und verschärfen ferner die latenten Spannungen zwischen Crew und Soldaten.
Als endlich Spuren ausfindig gemacht werden können, die auf Xindi-Aktivitäten in der unmittelbaren Umgebung hinweisen, herrscht plötzlich geschäftiges Treiben auf dem Schiff.
Ein Teil der Crew fällt zwar einer ungewöhnlichen Anomalie zum Opfer, die unter anderem Hoshi Sato und Trip Tucker außer Gefecht setzt und in ein alptraumreiches Koma mündet, doch die Einsatzfreude ihrer Schiffskameraden leidet kaum darunter. Archer, Hayes und Reed gehen zwecks näherer Untersuchungen mit einigen anderen MACOs und Sternenflottenoffizieren auf einen staubigen Handelsplaneten, während sich die Enterprise unter dem Kommmando T'Pols zurückzieht. Archer gelingt es, einen zweifelhaften Weltraumschmuggler zu entführen, der mit den Xindi einträgliche Geschäfte betreibt und mit seinem kleinen Schiff eine nahegelegene Basis der neuen Erzfeinde der Menschheit anzufliegen.
Derweil verfolgt ein von Mayweather gesteuertes, mit MACOs vollgepacktes Shuttle die Abgasspuren von Xindi-Schiffen und stößt auf eine automatisch betriebene Kemocit-Raffinerie.
In einer Gravitationspartikelwolke kommt es schließlich zum großen Showdown: Archer muss erkennen, dass er in eine plumpe Falle getappt ist und Mayweather sieht sich einem militärischen Himmelfahrtskommando ausgesetzt, das kaum ohne Todesopfer zu bewältigen ist...

Lobenswerte Aspekte: Zugegeben, ich zähle zu jenen Star-Trek-Fans, die die letzte Star-Trek-Serie großartig fanden. Angefangen von der Rückkehr zu den Anfängen der Föderation, über den Hauptdarsteller bis hin zum Temporalen Kalten Krieg: Ich denke, diese Serie wurde weit unter Wert verkauft.
Und dennoch haben manche Kritiker nicht ganz Unrecht. Die ersten beiden Staffeln waren, von einigen wenigen Höhepunkten abgesehen, belanglos. Viel zu oft blieb die Serie weit hinter dem Potential zurück (wenn es etwa um die Klärung verschiedener offener Fragen späterer Serien geht). Und: So richtig Fahrt aufgenommen hat die Serie erst mit der vierten Staffel.
Umso trauriger, dass es nie zu einer fünften Staffel Enterprise kam, denn die großartigen Ideen, die zu diesem ungeborenen Kind aufgefahren wurden, lesen sich noch heute großartig.
So sollte die Crew der Enterprise auf die Kzinti treffen, die Wolkenstadt Stratos besuchen und zur Eröffnung einer ersten Sternenbasis beitragen. Zudem sollten auch Figuren wie Flint, die Borg-Königin oder die Spiegeluniversums-Imperatorin Hoshi Sato nochmals thematisiert werden.
Am spannendsten waren allerdings jene Ideen, die sich um die Romulaner drehten, denn immerhin war der Konflikt mit diesen Cousins der Vulkanier ein gewichtiger Faktor zur Gründung der Föderation.
So sollte der "Future Guy" als Romulaner enttarnt, T'Pols Vater als Mitglied jener Spezies vorgestellt und das Sternenimperium als zentraler Bösewicht inszeniert werden.
Wirklich schade, dass dies alles in die Kategorie "ungelegte Eier" fällt.
Aber zum Glück gibt es da noch Bücher!
Dieses Medium bietet nämlich tatsächlich die Möglichkeit, all dieses ungenutzte Potential für den Leser erlebbar zu machen und schon aus diesem Grund muss man diese Buchreihe, die hierzulande mit "Das höchste Maß an Hingabe" startet, als eine der vielversprechendsten bezeichnen, denn die Lücke, die drei fehlende Staffeln im Fernsehen gerissen haben, bietet dem gedruckten Wort die Möglichkeit, in diese Bresche zu springen.
Überraschenderweise setzt dieses Werk allerdings in einer Staffel an, die ich bewusst einmal ausgespart habe. Die dritte Staffel, obwohl sie am Ende der zweiten eingeleitet und mit dem Anfang der vierten abgeschlossen wurde, bildet einen abgeschlossenen Handlungsstrang, der etwas losgelöst vom Rest der Serie erscheint.
Wie Scott Bakula auf der FedCon XX nochmals zu Protokoll gab, war die Story eine Reaktion auf die Geschehnisse des Elften Septembers und aus dem nationalen Schock wurde ein interplanetarer, wenn nicht sogar ein interdimensionaler.
Und wer die Staffel kennt, weiß auch, dass man schnell nicht mehr folgen kann, sobald man auch nur eine einzige Folge verpasst hat. Umso mutiger von Michael A. Martin und Andy Mangels, ihre Roman in diesen eng gestrickten Ereignis-Schlagabtausch zu mischen - direkt zwischen die frühen Folgen "Die Xindi" und "Die Anomalie" (eine spätere Einbindung wäre schon allein aufgrund der engen Handlungsabstände unheimlich schwierig gewesen).
Tatsächlich gelingt es den beiden Autoren, die bereits mit den beiden Titan-Startbändern "Eine neue Ära" und "Der rote König" auf sich aufmerksam machen konnten, einige Themen viel deutlicher herauszuarbeiten, als es in der Serie geschah.
En detail wird hier der Xindi-Rat beschrieben (so erhalten einige unbekannte Mitglieder wie der insektoide Wortführer oder der aquatische Assistent endlich einen Namen) und das großartige daran ist, dass die inneren Streitigkeiten der insgesamt fünf Spezies umfassenden Gemeinschaft hier einmal deutlich zu Tage treten. Der Gegensatz zwischen Insektoiden und Reptilianern etwa, der in "Countdown" verhältnismäßig überraschend seinen Weg an die Öberfläche findet, wird dem Leser hier viel verständlicher (vgl. S. 273ff.).
Auch die Erklärung, warum die MACOs ausgerechnet einen Hai als Wappentier nutzen, findet hier Aufklärung (vgl. S. 30) - auch wenn das unfreiwillig komische daran ist, dass der Kurzflossen-Mako nicht nur ein eher harmloser Zeitgenosse ist, sondern darüber hinaus unter der Bezeichnung "Makrelenhai" zuweilen auch auf der Speisekarte heimischer Restaurants zu finden ist.

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Fressen oder gefressen werden?

Ganz besonders großartig war die clevere Art und Weise, wie der legendäre (wenn auch langatmige) Science-Fiction-Klassiker "2001 -Odyssee im Weltraum" in diesem Werk Aufnahme fand (vgl. S. 265f.).
Aufbau, Konzeption und Aufmachung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Bereits optisch macht der Roman Boden gut, denn mit dem eindringlichen Cover und den stilvollen Kapitellogos gelingt es umso besser, in die Atmosphäre der Serie einzutauchen. Konzeptionell ist besonders jener Teil hervorzuheben, der die eigentliche Geschichte mit einem Exkurs ins 23. Jahrhundert umschließt und in deren Verlauf sich die Wege zweier Star-Trek-Legenden unbewusst kreuzen.
So wirklich überraschend war allerdings der Schluss der Haupthandlung, denn auf dem obligtatorischen Opferradar hatte ich bis Seite 289 noch einen ganz anderen MACO als jenen, der dann schließlich ins kalte Weltraumgras beißen musste...

Kritikwürdige Aspekte: Zu den schlechtesten Staffeln kann die dritte Enterprise-Season ja schon allein wegen seiner beiden Vorgänger nicht gezählt werden. Die Gründe, warum sie jedoch auch nicht zum ganz großen Höhepunkt gereicht, sind zahlreich, können jedoch auf drei Hauptprobleme reduziert werden:

Nummer Eins: Mit dieser Staffel wird das originelle Intro so scheußlich aufgepeppt, dass es Ohrenkrebs verursachen könnte, wenn es so etwas gäbe. Dem Fliegenden Spaghettimonster sei es gedankt, dass dies in Büchern keine Rolle spielt.



Nummer Zwei: Die MACOs sind ein Ärgernis, denn sie bringen ein Ärgernis ins Star-Trek-Universum, dass nur gelegentlich zu spüren war: Militaristischer Stumpfsinn. Es wirkt irgendwie wie der zum Scheitern verurteilte Versuch, ein Stück Stargate mit den Idealen der Sternenflotte zu kreuzen - ein Unterfangen, dass von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Nummer 3: Am schlimmsten jedoch wiegt die Charakterwandlung des Captains der Enterprise, denn Archers sanftmütige, neugierige und offene Art verkehrt sich plötzlich in eine fanatische, rücksichtslose und unnachvollziehbare Figur, die irgendwie ganz und gar nicht in die Ahnenreihe verdienter Sternenflottencaptains wie Kirk, Picard oder Janeway passen will.

Den MACOs gelingt es auch in diesem Roman nicht, das Bild des tumben Befehlsempfängers und Feuerwerksfanatikers abzulegen. Im Gegenteil; die Entscheidung Changs, mit einer Raumfähre eine völlig unerkundete Xindi-Raffinerie auszuschalten (S. 134ff.), Hayes vorauseilender Gehorsam beim Foltern fremder Lebewesen (vgl. S. 106) und die widerlichen Bestattungsrituale der Militäreinheit (vgl. S. 278ff.) gießen eher noch Öl ins Feuer.
Ein wenig besser aufgearbeitet findet man hingegen Archers neue Charaktereigenschaften, denn in Buchform bietet sich immerhin die Möglichkeit, seinen inneren Kampf zu demonstrieren (vgl. z.B. S. 173ff.). Doch wer die Folge "Die Anomalie" gesehen hat, kennt auch schon die zweifelhafte Grundstory: Ein widerporstiger Außerirdischer zwingt den armen Kommandanten, seine inneren Skrupel zu überwinden und Folter als probates Mittel der Informationsbeschaffung anzusehen. Dadurch, dass besagte Folge nach diesem Buch stattfinden soll, wirkt dies unglaubwürdig und man muss den beiden Autoren vorwerfen, dass sie die Chance verpassen, auf diesen besonderen Wendepunkt in Archers Verhalten adäquat hinzuarbeiten. Archers Vorgehen innerhalb des Buches stellt so nämlich nur einen Spiegel späterer Handlungen dar, anstatt diesen Hintergrund zu verleihen.
Damit sind wir bereits bei einem weiteren zentralen Kritikpunkt angelangt: Der unheimlichen Voraussicht, die an mehreren Stellen zu offen zur Schau gestellt wird.
Natürlich ist es schwierig, einen Roman in eine Staffel einzubetten, deren Ausgang man bereits kennt, doch Hayes' Wissen um eine spätere handfeste Auseinandersetzung mit Reed (vgl. S. 47), die Gewissheit der MACOs, dass die Zerstörung einer einzelnen Raffinerie den Bau der Xindi-Superwaffe verzögern würde (vgl. S. 135) oder Mayweathers Kenntnis darüber, dass er die Exkursion in die Delphische Ausdehnung überleben wird (vgl. S. 303) dürfte den beteiligten Personen anno dazumal noch gar nicht geläufig sein. Solch aposteriorisches Wissen sollte tunlichst vermieden werden, um die innere Glaubwürdigkeit zu wahren.
Einziger Gewinner des Romans ist in diesem Zusammenhang Malcolm Reed. Ausgerechnet dem wortkargen Sicherheitsoffizier obliegt es, als Gegenpol zu Archers Foltergelüsten zu fungieren - tatsächlich zählen diese seltenen Momente zu den stärksten Szenen des gesamten Buches (vgl. S. 108ff oder S. 139ff.). Zudem werden mit den Rückblicken in die Vergangenheit des Engländers seine Aquaphobie und Folterabneigung näher beleuchtet, was dem Charakter wesentlich zugute kommt (vgl. S. 141ff.).
Umso trauriger, dass Reed in der Folge wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird und der ihm gebotene Platz nur temporären Charakter hat. Doch warum sollte es ihm besser gehen als all den anderen? Hoshi und Trip müssen sogar in ein Koma versetzt werden (vgl. S. 34ff.), um die Schreiber nicht davon abzuhalten, möglichst wenig über die verblieben Personen zu sagen. Selbst das Figurenpotential von Außerirdischen wie Phlox und T'Pol liegt in diesem Buch völlig brach.

Übersetzung: Na endlich kann das Wort "Ensign" (vgl. z.B. S. 22) offen und frei benutzt werden, ohne dass ich mich darüber beschweren könnte - im Gegensatz zum anderen Cross-Cult-Idiom "Medikit" (vgl. z.B. S. 119, S. 139 oder S. 262).
Übersetzer Bernd Perplies hat darüber hinaus sogar einige Schreibfehler des amerikanischen Originals ausmerzen können, so dass "Lawrence Marvick" (vgl. S. 9) oder "Kemocit-Raffinerie" (S. 267) hier in den richtigen Schreibweisen zu finden sind.
Danke dafür!
Weniger Dankbarkeit mag man hingegen für einen altbekannten Fehler des Übersetzers finden, der bereits in der Rezension zu "Mehr als die Summe" angesprochen wurde. Was mag wohl am folgenden Satz von Seite fehlen?

"Verstehe ich es richtig, dass Ensign Mayweather Sie auf ihrer Außenmission bei der Xindi Tank-Station begleitet hat."

Man kann es ahnen! Es ist nicht, das Wort "Tankstelle" statt "Tank-Station" (im englischen Original "fuel-station"), sondern etwas das in diesem Satz auf Seite 133 zuviel ist:

"Warten Sie?"

Richtig, das Fragezeichen (vgl. zudem S. 186)! Hoffentlich wird das nicht zu einem Markenzeichen des Übersetzers.
Zudem waren auch die vielen Referenzen auf "Terraner" (vgl. z.B. S. 15, S. 276 und S. 277) nervend, da diese Bezeichnung in der deutschen Synchronisation den Spiegeluniversumsmenschen vorbehalten ist. Allerdings ist die Bezeichnung unterschiedslos auch im englischen Original verwendet worden. Nun ist natürlich anzumerken, dass die hinlänglich bekannte amerikanische Universität selbst dort definitiv "Stanford" und nicht "Standford" (S. 217) genannt wird und dass ein "Wasserpolospiel" (S. 217) mit "Wasserballspiel" eine geläufigere Bezeichnung hat, sollte ebenfalls nicht verschwiegen werden (schließlich sagt man hierzulande ja auch nicht "Soccer" zum "Fußball").

Anachronismen: Wozu gibt es eigentlich einen offiziellen Kanon?
Das kann man sich getrost fragen, wenn man dieses Buch liest.
So liest man etwa in der ein- und ausleitenden Handlungsklammer davon, dass ein ehemaliges Besatzungsmitglied der Enterprise im Jahr 2238 - also noch rechtzeitig zum Start der USS Enterprise NCC-1701 unter den Lebenden weilt.
Fein, dachte ich mir, da haben die Autoren wohl auch biographischen Angaben aus dem von Mike Sussman verfassten Display aufgenommen, der aus sentimentalen Gründen sicherstellen wollte, dass die Sternenflottenlegende die Taufe des neuen Namensträgers mit erleben kann.
Aber nix da!
Es stellt sich am Ende nämlich heraus, dass dieser erwähnte Greis niemand geringeres als Charles Tucker III. sein soll.
Da schrillen natürlich sämtliche Alarmglocken, denn wie jeder weiß, starb der Ingenieur der Enterprise bekanntlich 2161 beim letzten offiziellen Flug der NX-01 in "Dies sind die Abenteuer...".
Gut, da hat sich jemand vertan könnte man meinen, doch tatsächlich ist dies pure Absicht! Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich schonmal den Ausblick geben, dass der Tod des Mannes angeblich nur vorgetäuscht war.
Also hab ich mir die Mühe gemacht, die entsprechende Folge noch einmal anzusehen und akribisch auf Anzeichen dafür zu achten, ob diese These durch irgendetwas gestützt werden könnte.
Und tatsächlich: Tuckers zweideutiges Zwinkern, bevor er in die Scannerkammer geschoben wird, Archers und Phlox' verschwörerischer Blick im Anschluss daran, seine Versicherung an T’Pol immer für sie da zu sein und die Tatsache, dass nie eine Leiche des Chefingenieurs zu sehen war, können als Indizien dafür geltend gemacht werden.
Diesen Indizien stehen jedoch knallharte Fakten gegenüber. So sieht sich William T. Riker dieses Programm explizit aus dem Grund an, um den Tod Tuckers mitzuerleben und daraus Lehren für sein eigenes Handeln zu ziehen. Auch Deanna Troi spricht deutlich vom Ableben des Südstaatensprosses (und müsste es ja schließlich als Person aus einer später folgenden Zukunft mit am Besten wissen). Und nicht zu vergessen, dass auch die Trauer T'Pols recht überzeugend wirkte. Und warum sollte jemand Shrans Verfolgung durch zwielichtige Verbrecher inszenieren, um einen Techniker zu einem Undercoveragenten umzuschulen?
Ohne Frage war Trips Tod im überhasteten Serienfinale mehr als überflüssig, unpassend und äußerst bemüht, doch was auf der Leinwand geschehen ist, gilt nun einmal als offizieller Kanon.
Dem zu widersprechen und auch noch einen ziemlich weit hergeholten, hanebüchenen Erklärungsversuch anzubringen, erinnert so stark an die Romane Shatners, der sich ebenfalls nicht mit dem Tod seiner Rolle abfinden konnte, dass ich kaum die Motivation aufbringe, dieses Werk sonderlich ernst zu nehmen.
Die restlichen Anachronismen des Buches erhärten ohnehin den Eindruck, dass das alles gar nicht sonderlich ernst gemeint sein kann.
So erfahren wir, dass sich Hoshi Sato angeblich ein Quartier mit der schwangeren Selma Guitierrez teilt (vgl. S. 25). Davon ist allerdings in "Exil" nichts mehr zu sehen - oder konnte die ohnehin nicht sehr lebensfreudige Söldnerin ihrer verkappten Existenz bis dahin doch noch ein Ende setzen können?
Abgesehen von fragwürdigen Vergleichen des Symbols der Erde mit dem der UNO unseres Jahrhunderts (vgl. S. 279) hat mich doch am meisten verwundert, dass O'Neill bereits auf zwei Schiffen der Daedalus-Klasse gedient hat. Und nicht nur dass; es waren auch noch ausgerechnet die Archon und die Essex!
Das Problem daran ist, dass sämtliche Erwähnungen dieser Schiffsklasse auf eine Zeit nach Enterprise datieren, und da die NX-01 das erste Warp-Fünf-Schiff der Erde ist, erscheint es relativ unwahrscheinlich, dass diese Schiffe aus eigener Kraft Sigma Iota II, Beta III oder Mab-Bu VI hätten erreichen können. Zudem wurde die NX-Klasse bereits 2161 außer Dienst gestellt, während Schiffe der Daedalus-Klasse bis 2196 ihren Dienst verrichteten. Viel eher gilt es daher als wahrscheinlich, dass die Daedalus-Klasse jene nächste Generation von Raumschiffen stellte, die in "Dies sind die Abenteuer..." ehrfurchtsvoll Warp sieben zugetraut wurde.

Fazit: Trotz des großen Potentials einer Fortführung der Serie "Enterprise" in Buchform bleibt "Das höchste Maß an Hingabe" weit unter seinen Möglichkeiten und kann nur punktuell andeuten, zu was sie fähig wäre.
So erfährt etwa Archers innerer Kampf ebenso wie die Gesellschaft der Xindi eine ausführlichere Beschreibung und das Ende kann mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten.
Dass ausgerechnet die Wiedergeburt des totgeglaubten Tuckers eine dieser Überraschungen darstellt, ist dann doch zu übertrieben und zeugt von einem Willen zur Dehnung des offiziellen Kanons, die ansonsten nur bei Shatner-Romanen zu erleben ist. Außerdem verpasst es der Roman, echte Entwicklungsverläufe der Charaktere zu zeichnen, dem Zeitrahmen treu zu bleiben und das Potential der Figuren für sich zu nutzen.
Es bleibt immerhin die Hoffnung, dass die folgenden Enterprise-Romane diese Makel ablegen und endlich zeigen, dass die frühe Absetzung der Serie ungerechtfertigt war. Mehr als ein kleiner Richtungsweiser ist „Das höchste Maß an Hingabe“ trotz des unzutreffenden Titels jedenfalls nicht.

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Alte Liebe rostet nicht

Denkwürdige Zitate:

"Captain! Seit wann gehört Folter zu unserem Missionsprofil?"
Reed, S. 108

"Warum sind die Dinge in den guten alten flachbildprojizierten Science-Fiction-Filmen eigentlich nie so kompliziert?"
Archer, S. 222

"Und manche von uns haben das Glück, ein Schicksal zu finden, das sie zum Helden macht. Die Glücklosen bleiben derweil zurück und dürfen die Bruchstücke ihrer Leben zusammenklauben."
Guitierrez, S. 294

Bewertung: Holpriger Start.

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Freitag, 6. Mai 2011

Den Frieden verlieren

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Buchbesprechung Leisner, William: Den Frieden verlieren. Cross Cult, 2011.

Story: Der von den Borg aufgewirbelte Staub hat sich inzwischen gelegt und nun ist es für die angeschlagene Föderation an der Zeit, sich die Wunden zu lecken.
Zahlreiche Welten liegen in Trümmern, Flüchtlingen vegetieren zusammengedrängt auf engstem Raum und die Milliarden Opfer hinterlassen Billionen trauernde, traumatisierte und verstörte Angehörige.
Zu ihnen gehört auch Jasminder Choudhury, deren Familie auf Deneva den Tod fand. Ihre kürzlich begonnene Liaison mit Worf, dem ersten Offizier der USS Enterprise NCC-1701-E, leidet schnell darunter und mehr und mehr zieht sich die stets so ausgeglichene Sicherheitschefin in ihr Schneckenhaus zurück. Selbst als ihr Schiff einen Transporter ausmachen kann, der Flüchtlinge ihrer Heimatwelt beherbergt, trägt dies nicht sonderlich zur Aufhellung ihrer Stimmung bei, denn Choudhury ist sich nur zu gut bewusst, was sich in den letzten Stunden ihrer Familie und ihrer Heimatregion zugetragen hat.
Derweil verbringen Kadohata und die schwangere Beverly Crusher etwas gemeinsame Zeit auf dem malerischen Meeresplaneten Pacifica. Doch nicht die Traumstrände locken die beiden Frauen, sondern die prekäre humanitäre (bzw. ‚spezitäre’)Lage in den Flüchtlingscamps des Planeten, die von den Einheimischen als Ärgernis empfunden wird. Zusammengepfercht, unterversorgt und von einem grassierenden Krankheitserreger bedroht eskaliert die Lage mehr und mehr, bis sich Beverly in ihrer Not an ihren Mann wenden muss und sich Kadohata mit einer Waffe in der Hand zwischen den Fronten der einheimischen Sicherheitskräfte und eines wütenden Mobs aufgebrachter Lagerinsassen wiederfindet…

Lobenswerte Aspekte: Eine Frage schwebte unheilvoll über meinem Schädel, während ich dieses Buch förmlich verschlang:
Bin ich vielleicht eine Frau?
Die Umstände legen es nahe!
Selten, um genau zu sein nie hat mich ein Buch so berührt wie dieses. Vielleicht liegt es nur daran, dass das Thema Tod mich ohnehin gerade im Besonderen beschäftigt oder dass Schlaf in den letzten paar Wochen Mangelware für mich war, doch dieser Science-Fiction-Roman hat es tatsächlich geschafft, mich auf emotionaler Ebene zu berühren.
Als Mann gebe ich so etwas natürlich ungern zu, aber wenn man zuvor David Macks Destiny-Trilogie gelesen hat und weiß, mit welcher Wucht der Borg-Einfall den Alpha- und Beta-Quadranten erwischte, wird man sich nur schwer dem menschlichen und außerirdischen Leid entziehen können, dass hier so schonungslos wie nie zuvor präsentiert wird.
So bekam selbst ich, der ich (selbstverständlich zu Unrecht) zuweilen als Macho verschrien bin, hin und wieder feuchte Augen und fühlte mich wie ein Voyeur, der sich an dem Leid anderer Leute ergötzt. Des Öfteren nickte ich vom Mitgefühl gepackt mit dem Kopf, wenn das traditionelle Star-Trek-Motiv „Tod und Krieg sind immer sinnlos“ zur vollen Blüte reifte und soviel sei bemerkt: das war ziemlich oft (jedoch nicht unerträglich oft) der Fall.
Dienlich ist dies vor allem den Figuren, denn so erhält ein jeder von ihnen ausreichend Platz zur freien Entfaltung. „Den Frieden verlieren“ ist ein Charakterroman der angefangen bei Jasminder Choudhury, Miranda Kadohata oder T’Ryssa Chen selbst alte Hasen wie Jean-Luc Picard, Geordi La Forge oder Beverly Crusher zugute kommt.
In diesem Zusammenhang sind besonders die Rückblenden von besonderem Interesse, denn sie leuchten nicht nur weiße Flecken auf der biografischen Landkarte einiger Figuren aus, sondern schaffen den Balanceakt, die Motive und Entwicklungskurven der einzelnen Personen zu erklären (vgl. S. 17, S. 105 oder S. 15ff.).
Bei all der Trauer gibt es aber auch einen Silberstreif am Horizont für all jene, die nicht unbedingt Freunde der bedrückten Stimmung sind. Tatsächlich gelingt es dem Autor William Leisner eindrucksvoll, den von Mack eher vernachlässigten Charakter T’Ryssa Chen zu entstauben und zu einem kongenialen Crewmitglied zurechtzubiegen, dass ein wenig Pepp in die ernste Angelegenheit zu streuen vermag (vgl. z.B. S. 62, S. 118ff. oder S. 201ff.).
Vor allem dieser Chen betreffende Satz von Seite 300 hat es mir wirklich angetan:

„Hier haben Sie ihre Autorisierung“, fauchte sie und bedachte ihn mit einer Handgeste, die ein vulkanischer Gruß hätte sein können, wenn dazu nicht drei Finger gefehlt hätten.

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Erdengestik meets Vulkanischen Gruß

Interessant daran ist allerdings nicht nur das Gleichnis, sondern vor allem die abweichende Rezeption, mit der Vulkanier hier auf ein gängiges Erdensymbol blicken.
Denn um ehrlich zu sein dreht sich bei Star Trek das gesamte Universum viel zu oft um die Menschheit und es ist in dieser Hinsicht erfrischend, einmal andere Perspektiven zu erfahren. So ist neben dem Vergleich irdischer und vulkanischer Gestik vor allem die Rezeption des irdischen Mittelalters durch Betazoiden (vgl. S. 149) und die Entsexualisierung des risanischen Jamaharon durch eine Einheimische (vgl. S. 11f.) wahrhaft wohltuend.
Besondere Bedeutung kommt Leisners Roman allerdings dadurch zu, dass es einen Neuanfang markiert, denn abgesehen davon, dass dieses Buch eines von dreien ist, in dem zeitgleich der Typhon-Pakt das erste Mal angesprochen wird (vgl. S. 316ff.), markiert es den Startpunkt für wirklich neue Abenteuer.
Die Borg sind tot, die anderen Mächte verbünden sich um einen Gegenpol zur Föderation zu bilden und die eigene Organisation ist in ihren Grundfestene erschüttert. Das allein macht es schon spannend, doch Leisner gelingt das Kunststück, die Crew endlich zusammenwachsen zu lassen. Wie sagt Picard auf Seite 279 so schon programmatisch?

Ich glaube, dieses neue Team beginnt endlich, zusammenzufinden.

Und nicht nur dass! Die neue Zusammenarbeit mündet in einer Katharsis, die in einem direkten Gegensatz zur hier ebenfalls angesprochenen (und völlig deplatzierten) Meuterei in Peter DavidsHeldentod“ (vgl. S. 56 und S. 176) steht und eine neue Ära der Enterprise einläutet. Besonders die antithetisch zu verstehende Weigerung Worfs, seinem Captain erneut das Kommando zu entziehen bietet durch seine Lösung hoffnungsvollere Ansätze für kommende Romane (vgl. S. 28ff.). Eine neue Crew hat sich endlich zusammengerauft, arbeitet Hand in Hand und bringt dem verdientesten Schiff der Flotte eine Reputation zurück, die einige von Leisners Vorgängern für fragwürdige Entwicklungen (Zauberborg, Meutereien oder Liebesschnulzen) aufs Spiel gesetzt haben. Die neue Mannschaft wird zwar Data, Riker oder Troi niemals das Wasser reichen können, verfügt aber über genügend Potenzial, um eine eigene Geschichte zu schreiben.

Kritikwürdige Aspekte: Wer in diesem auf Destiny unmittelbar aufbauendem Werk eine spannende Handlung sucht, muss unweigerlich enttäuscht werden. Das Actionfeuerwerk, die Raumschlachten und Phasergefechte der drei Vorgänger bleiben dieses Mal aus und die Geschichte ist zwar nachvollziehbar, aber beim besten Willen kein Kracher.
Das kann auch gar nicht der Anspruch dieses Buches sein, denn wie David Mack in seinen Schlussworten in „Götter der Nacht“ bereits zu Recht anmerkte, oblag es Personen wie Kirsten Beyer, die von seinem Vorgänger verursachten Scherben zusammenzukehren. Leisner hat ihr in diesem Gleichnis wohl den Müllbeutel gehalten.
Gerade im Hinblick auf diesen Umstand wäre allerdings ein weiterer begleitender Essay, der der Einordnung der beschriebenen Ereignisse gedient hätte, äußerst hilfreich gewesen.
Was für eine Situation herrscht in der Föderation? Ist dies ein Präzedenzfall in der Geschichte der Sternenflotte? Wie verhält es sich mit dem Typhon-Pakt?
Gerade letztere Frage bietet die Möglichkeit, das Buch mit zwei anderen Werken zu vergleichen: „Einzelschicksale“ und den fünften Titan-Band „Stürmische See“ (ein drittes Buch, „Full Circle“ von Kirsten Beyer, in dem es um den Fortgang der Ereignisse für die Voyager geht, ist bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienen).
Während Titan dabei etwas außer Konkurrenz läuft, verdichtet sich relativ schnell den Eindruck, dass „Einzelschicksale“ eher auf die politischen Auswirkungen fixiert ist, während „Den Frieden verlieren“ die Aufgabe hat, die Ereignisse von der menschlichen, oder besser emotionalen Seite zu betrachten. Ein Indiz für diese These wäre, dass sich Hinweise auf „Einzelschicksale“ erst gegen Ende dieses Buches bemerkbar machen (vgl. 315ff.)
Einen weiteren Kritikpunkt wert sind die Abspaltungstendenzen verschiedener Föderationswelten wie sie in diesem Buch besprochen werden (vgl. S. 247ff. oder S. 317f.).
Nachdem bereits eine Vielzahl der Planeten, die man aus Filmen und Serien kannte, durch den Borg-Einfall in Destiny zerstört wurde, droht der Föderation nun Ungemach, weil verschiedene Welten mit dem Gedanken spielen, den Verein zu verlassen. Damit gehen die Star-Trek-Autoren das Risiko ein, das dem Zuschauer vertraute Bild des Star-Trek-Universums so weit zu entfremden, dass es seinen Wiedererkennungswert irgendwann verliert.
Überhaupt wirkt diese Entwicklung nicht allzu glaubwürdig. Heruntergebrochen auf die jüngeren Ereignisse der Erdengeschichte muss man doch festhalten, dass sich das Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg nicht an Frankreich anschloss oder Louisiana trotz Katrina noch immer zu den USA gehört. Es passt schlichtweg nicht, dass in einer Zukunft, in der die Menschheit nach Weiterentwicklung strebt, seine Wurzeln derartig verneint und zu solcher Illoyalität neigt.
Befremdlich wirkte außerdem der Vergleich des capellanischen Admirals Leonard James Akaar, im Zuge dessen Picard unterstellt wurde, der Kirk dieses Jahrhunderts zu sein (vgl. S. 313f.).
Ich denke, dass wohl nichts in diesem (Star-Trek-) Universum so unzutreffend sein könnte, wie diese sehr weit hergeholte Behauptung. Die Unterschiede zwischen beiden Charakteren ist immerhin ein zentraler Kern TNGs und für viele der Grund, der Serie bis heute treu zu sein.
In „The Staircase Implementation“, einer Folge der „Big Bang Theory“ erfasst es Leonard Hofstadter wohl am besten, als er die schwierige Frage wiefolgt beantwortet:

Original series over next generation, but Picard over Kirk.



Nicht nur eine Frage des Haarteils: Picard oder Kirk?

Übersetzung: An dieser Stelle soll nicht noch einmal über die Verwendung von „Ensign“ (vgl. S. 30) oder „Medikit“ (vgl. S. 153) eingegangen werden, da dies bereits zur Genüge in den Rezensionen von „Märtyrer“ und „Mission Gamma I: Zwielicht“ geschah. Es sei nur mahnend der Zeigefinder erhoben um anzumerken, dass sich Cross Cult mittlerweile dabei ist, sich eine Sammlung von Begriffen anzueignen, die das Potential hat, in Richtung „Starfleet“, „Insignienkommunikator“ oder „Medo-Offizier“ des Heyne-Verlags gehen.
Beide Begriffe gehen an der deutschen Synchronisation zu weit vorbei.
Immer noch ungewohnt ist für mich das Duzen unter Offizieren wie Beverly Crusher und Miranda Kadohata (vgl. S. 98) oder Geordi La Forge und Worf (vgl. S. 171ff.), denn trotz allem privaten Verständnis dafür und trotz aller persönlicher Abscheu unseren Siez-Protokollen gegenüber verstößt auch dies gegen die Gewohnheiten der deutschen Synchronisationstradition, in deren Verlauf die TNG-Crew immerhin fünfzehn Jahre ohne das fraglos angenehmere wie glaubwürdigere ‚Du’ auskamen.
Der Rest des Romans ist relativ frei von Fehlern, doch wie immer ist ‚relativ’ sehr relativ, denn ein Satz auf Seite 252 hab ich in einer solchen Form seit dem ersten Vanguard-Band „Der Vorbote“ nicht mehr gesehen:

Uns wurden nicht nur all diese Flüchtlinge aufgebürdet, und das ohne jedwede Unterstützung der Föderation, nein, gleichzeitig werden auch noch unsere Mienen und Produktionsbetriebe föderalisiert.


Anachronismen: Es sind die kleinen Gesten, die diesen Roman so liebenswert machen. Popelige Erwähnungen in den Serien wie die "Shallash" (S. 82), das "Hermosa-Edbeben" (vgl. S. 165f.) oder "Omicron Ceti" (S. 271, der Planet, der hier für die Umsiedlung von Flüchtlingen in Erwägung gezogen wird, sollte laut "Falsche Paradiese" gar nicht bewohnbar sein) werden geschickt in den größeren Kontext eingewoben und erfreuen jene Fans, die sie erkennen und werden von jenen, die nichts damit anfangen können, nicht als störend empfunden.
Nicht halb so lang ist hingegen die Liste an
Nun gut, auch in diesem Werk mal wieder vom lieben Geld zu lesen (vgl. S. 142 oder S. 275) obwohl in Filmen wie "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart" oder "Star Trek IIX: Der erste Kontakt" und Folgen wie "Die Karte" oder "Die neutrale Zone" dem monetären System längst eine klare Abfuhr erteilt wurde, doch eigentlich ist dass schon der schlimmste Faux-pas des äußerst detailreichen Buches.
Nur wenn man unbedingt will kann man auch noch die Herkunft Geordi La Forges aus dem somalischen Mogadischu als 'etwas bemüht' bezeichnen, denn der französische Nachname legt eher eine ehemalige französische Kolonie, Amerika oder gar Frankreich nahe. Das an sich ist aber nicht weiter tragisch, denn in ein anderes Land umzuziehen ist sogar heutzutage nicht weiter schwierig und eigentlich ist die Idee, der heute arg gebeutelten Stadt einen solchen Lichtblick zu schenken, recht angenehm.

Fazit: "Den Frieden verlieren" heißt in diesem Fall vor allem, mit alten Lesegewohnheiten zu brechen. Der Abschied vom Actionspektakel 'Destiny' fördert eine einfühlsame und anrührende Charakterzeichnung zu Tage, die einer Crew gilt, die im Verlaufe der Handlung endlich zusammenwächst und den Staffelstab aufnimmt, der bereits "Mehr als die Summe" überreicht worden ist.
Obwohl durchaus die Gefahr besteht, dass sich Star Trek in seiner Buchform in eine Richtung entwickelt, in der die Föderation kaum mehr wiederzuerkennen ist, verspricht dieser Neubeginn auch eine verheißungsvolle Zukunft, denn endlich hat eine vielseitige Mannschaft zueinander gefunden, die das Original zwar nicht ersetzen kann, aber immerhin in der Lage ist, die Abenteuer des Raumschiffes Enterprise würdig fortzusetzen.

Denkwürdige Zitate:

"Was auch immer dem Entstehen unterworfen ist, ist dem Vergehen unterworfen. Das ist eine der fundamentalen Wahrheiten dieser Existenz: Alles ist vergänglich."
Choudhury, S. 145

"Heute ist ein guter Tag zum Leben."
Worf, S. 214

"Ich glaube nicht, dass es in den vier jahren meiner Zeit als Botschafter auch nur eine Situation gab, in der ich mich nicht gefragt habe 'Was würde Captain Picard tun?'."
Worf, S. 217

Bewertung: Auferstanden aus Ruinen.

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Weiterführende Leseliste:

TNG 01: Tod im Winter
TNG 02: Widerstand
TNG 03: Quintessenz
TNG 04: Heldentod
TNG 05: Mehr als die Summe
Destiny 01: Götter der Nacht
Destiny 02: Gewöhnliche Sterbliche
Destiny 03: Verlorene Seelen
TNG 06: Den Frieden verlieren

Mittwoch, 4. Mai 2011

Die Neue Grenze/ New Frontier 03: Märtyrer

Buchbesprechung David, Peter: New Frontier 03. Märtyrer. Cross Cult, 2011 und David, Peter. Die Neue Grenze 03. Märtyrer. Heyne, 2001.

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Story: Eine alte Prophezeiung eines kleinen Planeten namens Zondar hat es vorausgesehen:
Eines schönen Tages kommt ein junger, im Gesicht durch eine Narbe entstellter Mann des Weges und wird zum Messias des gesamten hiesigen Volkes. Ferner wird er auch für die gesamten Sünden der planetaren Bevölkerung getötet und fährt nach getaner Arbeit in den Himmel auf, von wo er auch gekommen ist.
Soweit, so bekannt.
Es verwundert wohl kaum, dass dieses unfreiwillige Berufsbild Mackenzie Calhoun zufällt, dessen Erweckungserlebnis mit einem brennenden Dornbusch, ähm Weltraumvogel seinen religiösen Welt(raum)ruf begründet. Nach und nach wird er zum Götzen ganzer Zivilisationen und es verwundert nicht, dass andere babylonische Priester (hier Erlöser genannt) neidisch werden und dem falschen Propheten entgegentreten wollen.
So gibt es also eine ganze Reihe von Kreisen, die Calhoun nach dem Leben trachten und tatsächlich wird alsbald, nach einem wüsten Saufgelage auf dem Planeten Zondar, zur Begrüßung des Heilands die Leiche des verdienten Captains gefunden. Bevor die restliche Crew der USS Excalibur die näheren Umstände untersuchen kann, ist die Leiche aber plötzlich verschwunden.
Was ist geschehen?
Waren das die Hände des Teufels?
Soll sein Kopf auf einem Silbertablett geliefert werden?
Oder ist Sankt Calhoun auferstanden?

Lobenswerte Aspekte: Religion ist ein heikles Thema.
Es spaltet Freunde, Familien und ganze Völker. Nicht zu vergessen, dass der Star-Trek-Begründer Gene Roddenberry ein bekennender Atheist war.
So ist es kaum verwunderlich, dass sich Peter David daher mit seinem Buch „Märtyrer“ nicht weit aus dem Fenster lehnt und das Thema vergleichsweise neutral anzugehen versucht. Seine abschließende Szene, in der der Tod des Messias auf eine rein menschliche Ebene reduziert wird (vgl. S. 297 f.), relativiert jedenfalls die zuvor oft leicht ins Esoterische abdriftenden Religionsbezüge (vgl. S. 7ff, S. 143f. oder S. 278f.). Immer wieder gemixt (vgl. S. 63ff., S. 110 oder S. 163ff.) mit dem bekannten Motiv, „[...] dass jede weit genug fortgeschrittene Wissenschaft einem Volk, das sie nicht verstand, wie Magie erscheinen musste.“ (S. 274) ergibt sich aber ein vergleichsweise eher nüchternes Gesamtbild, dass sein Zentrum auf der Entmystifizierung religiösen Glaubens legt, ohne dabei wie wild mit dem erhobenen Zeigefinger in den persönlichen spirituellen Empfindungen des geneigten Lesers herumzufuchteln.
Immerhin ist dieses Buch primär für den amerikanischen Markt ausgelegt, und da bleibt nicht viel Spielraum für weitreichende Kritik. Aus diesem Grund umgeht Star-Trek-Star-Autor David das Dilemma, indem er ein anderes seiner zahlreichen Talente in die Waagschale wirft, um der erdrückend ernsten Thematik eine unterhaltsame Note zu verleihen: Seinen Humor.
Und nicht nur seinen!
Wenn man nun nämlich an gesellschaftsfähige Religionssatire mit Niveau denkt, kommt man abgesehen vom Fliegenden Spaghettimonster an "Das Leben des Brian", einem der genialsten Filme aller Zeiten, nicht vorbei.
Dass Monty Python zum kulturellen Standard diverser an Star Trek beteiligter Personen gehört, haben auf der FedCon XX David Mack oder Wil Wheaton in ihren Panels eindrucksvoll unter Beweis gestellt; Peter Davids offensichtliche Anleihen treten hingegen offen zutage, sobald vom "Messias" die Rede ist (vgl. z.B. S. 110, S. 115 oder S. 295).



"Er ist der Messias!"

Doch auch seine unglaublich gut gelungen Seitenhiebe auf arg an den Haaren herbei gezogenen Erzählstränge der klassischen Star-Trek Serie (vgl. S. 54f.) und seine Spitzen gegen unsere linksrheinischen Nachbarn (vgl. S. 94ff.) sind mehr als eine Erwähnung wert.
Eine weitere große Stärke ist der Aufbau des Buches. Der Titel "Märtyrer" wird durch die Dialoge und Monologe der Figuren mit einem soliden Fundament versehen, der über eine ausschließlich religiöse Bedeutung hinausgeht (vgl. z.B. S. 138). Spannung ist ab den ersten paar Seiten ein treuer Begleiter des Lesers und die Detailliebe des Autors geht sogar soweit, das er sich sogar Gedanken um die Details der zondarianischen Inneneinrichtung macht (S. 141).
Großer Star des Werkes sind allerdings die neuen Bösewichte.
Die als "Erlöser" bezeichnete Spezies von Glaubensfanatikern verleiht dem "Märtyrer"-Thema eine neue Schattierung und auch wenn entsprechende Völker in anderen Science-Fiction-Serien Gang und Gäbe sind, blieb im Star-Trek-Universum dieses Motiv bis jetzt eher unterrepräsentiert. Klar, es gab Einzelpersonen wie D'Jamat, den Abgesandten der Pah-Geister Dukat oder Kai Winn, doch eine ganze extremistische Spezies als dauerhafte Antagonisten blieb der Serie fremd, die sich lieber mit Religion auseinandersetzte, in dem sie in Folgen wie "Der Tempel des Apoll", "Das Gesetz der Edo" oder "Star Trek V: Am Rande des Universums" falsche Götter als Argument gegen blinden Glauben nutzte.
Doch gerade im Zeitalter von des Irakkrieges, Afghanistan oder dem Tod Osama Bin Ladens gewinnt ein neues Thema mehr und mehr an Brisanz: Das der religiöser Eiferer.
Unterdrücken, Morden und Sterben im Namen eines höheren Wesens ist heute längst trauriger Bestandteil unserer Lebenswelt (Kofferbomben in Köln, versuchte Koranverbrennungen in den USA, Selbstmordanschlag in Stockholm) und eine Stärke Star Treks war es stets, aktuelle Probleme unter dem Deckmantel der Science Fiction zu thematisieren.
In diesem Zusammenhang ist es schade, dass es nicht auch in der letzten Star-Trek-Serie Enterprise, die immerhin die Bezeichnung einer gegnerischen Spezies an die Taliban anlegte und um die Ereignisse von 9/11 abgedreht wurde, zu einer entsprechend mutigen Auseinandersetzung kam, wie sie David hier gelingt.

Kritikwürdige Aspekte: Obwohl David stets ein gutes Händchen für das Figurentheater hat, muss man ihm vorwerfen, in diesem Fall etwas zu dick aufgetragen zu haben.
Die vulkanische Ärztin zwangsverplichtet den durch die soziale Gepflogenheiten seiner Spezies kopulationsbereiten Captain zum Beischlaf (vgl. S. 59ff.), Shelby erzählt Fickelgeschichten aus ihrer Ferienlagerzeit (vgl. S. 100ff.) und McHenry erläutert in der intimen Atmosphäre der Brücke, warum Sex mit Zwittern das Non-Plus-Always-Ultra ist (vgl. S. 152ff.) - das ganze Buch hat in etwa den Flair eines schwedisch-niederländischen Softpornos.
Die ganze Schmierenkomödie um die Folgen für die Crew umspannt unerträglich viele Seiten und erinnert eher an einen Tag in der achten Klasse der Sonderschule für schwer pubertierbare, als an ernsthafte Figurenkonflikte. Also kichert man am besten infantil, sobald das Wort 'Sex' fällt und blättert weiter, bis etwas sinnvolles passiert.
Das ist vor allem gegen Ende der Fall, als die sexuelle Komponente der beinharten Action auf Planetenoberfläche und im Weltall weichen muss. Halb dafür verantwortlich sind die Erlöser, die mit ihrem mächtigen Raumschiff kommen, um den langsam zur Gefahr für ihren religiösen Alleinvertretungsanspruch gewordenen Calhoun zum Märtyrer zu machen.
Ujnd wie kommen sie ins zondarianische System?
Logisch, mit einem Raumschiff.
Und wie sieht das aus?
Wie eine Pyramide...
Der ein oder andere Science-Fiction-Freund mag sich daran erinnern, dass es da mal einen bekannten Film mit dem genialen James Spader und dem weniger genialen Kurt Russell gab, in dem so etwas bereits zu sehen war. Warum musste es ausgerechnet diese Form sein?
Waren, nachdem Kugeln bereits für Star Wars und Würfel für die Borg reserviert waren, nicht mehr genügend geometrische Formen übrig, so dass wir nun dankbar dafür sein müssen, dass nicht ein Torus, Ellipsoid oder Polyeder verbraten wurden? Oder hat Stargate vergessen, dass Weltraumpatent für pyramidale Flug-Objekte anzumelden?
Wäre "New Frontier" eine Fernsehserie, so wäre "Märtyrer" die erste Folge nach einem für den Fernsehgebrauch in zwei Teile getrennten Pilotfilm. So eine Art "Gedankengift", "Die Khon-Ma" oder "Die Parallaxe".
In diese Reihe eher zweifelhafter Gesinnungsbrüder lässt sich auch dieses Buch einbinden. Die Charaktere müssen erst zueinander finden, es gibt reiheweise Bemerkungen, die zweifelhaft erscheinen und am Ende denkt man, "Daraus hätte man aber mehr machen können." Dieses Muster kann problemlos auf dieses Buch angewendet werden, denn obwohl die Handlung stabil ist, gibt es eine Reihe von Baustellen, an denen noch gearbeitet werden muss.

Übersetzung: Im Vergleich mit der Cross Cult Übersetzung stinkt der ursprüngliche Heyne-Roman ziemlich ab. Dabei liegt das noch nicht einmal an den verstaubten, und der Synchronisation völlig konträren Namensgebung wie "Starfleet" (S. 32), "Insignienkommunikator" (S. 50) oder "Medo-Bett" (S. 239).
Viel eher entsteht dieser Eindruck, wenn man sich die vielen kleinen Unterschiede vor Augen hält, die zwischen beiden Ausgaben bestehen. Nach eifriger Sammlung sollen hier aus Platzgründen lediglich die Top-Drei der in meinen Augen besten Abweichungen aufgeführt werden:

Platz 3:

Englisches Original: "There's an old Earth saying about 'three strikes, you're out.'"
Heyne: "Auf der Erde kennt man einen alten Kinderreim, in dem es heißt: 'Ene mene mu, und raus bist du'."" (S. 80)
Cross Cult: "Auf der Erde sagte man früher gerne, mehr als drei Versuche hätte man nicht." (S. 76)

Platz 2:

Englisches Original: "The men and women assembled in that room were the cream of Zondarian society, the best and brightest that their people had to offer."
Heyne: "Die im Zimmer versammelten Männer und Frauen waren die Creme der zondarianischen Gesellschaft, die besten und intelligentesten Individuen, die ihr Volk hervorgebracht hatte." (S. 194)
Cross Cult: "Die im Zimmer versammelten Männer und Frauen waren die obersten Mitglieder der zondarianischen Gesellschaft, die besten und intelligentesten Individuen, die ihr Volk hervorgebracht hatte."(S. 182)

Platz 1:

Englisches Original: "The ship, shields down in the front, was beginning to feel the heat."
Heyne: "Da die Bugschiffe auf ein Minimum heruntergefahren waren, machte sich im Schiff allmählich die Hitze bemerkbar." (S. 299)
Cross Cult: "Da die Bugschilde ausgefallen waren, machte sich im Schiff allmählich die Hitze bemerkbar." (S. 186)

An diesen drei sehr in ihren Fehlerquellen sehr unterschliedlichen Beispielen und anhand weiterer kleinerer Differenzen wie "Oberster Erster" (Cross Cult, S. 67) statt "Sachwalter" (Heyne, S. 71), "Lügengeschichten " (Cross Cult, S. 55) statt "Münchhausiaden" (Heyne, S. 58) oder "Freak" (Cross Cult) statt "Monstrum" (Heyne, S. 265) wird deutlich, das hier keine Neuübersetzung vorliegt, sondern lediglich eine Überarbeitung der vorhandenen deutschen Übersetzung von Bernhard Kempen, die nicht nur sperrige Übersetzungsbegriffe ausmerzen sollte, sondern auch einem zeitgemäßen Sprachgebrauch diente. Dass "Märtyrer" trotz der gewissenhaften Kontrolle nicht frei von Fehlern sein kann, liegt auf der Hand.
So erschließt sich nicht von selbst, warum die Anrede von hermaphroditen Hermats in der Cross-Cult-Variante "Si'am" (vgl. S. 93) lautet, obwohl sogar Heyne im Zweifel für den Originalbegriff "Shir" eingestellt blieb (S. 98).
Manchmal helfen aber selbst Änderungen nicht.
So ist es kaum verwunderlich, dass nach Selars Satz "Elementar, Watson." (Cross Cult, S. 195) niemand außer Shelby ernsthaft lachen kann, denn die Pointe ist gnadenlos verpufft. Auch wenn die Heyne-Variante mit "Ganz einfach, Watson." (Heyne, S. 206) nicht viel besser abschneidet, geht in beiden Fällen Peter Davids sorgsam inszeniertes Wortspiel auf den berühmtesten fiktionalen Privatdetektiv der Literaturgeschichte verloren und mit ihm die Anspielungen auf "Elementary, Dear Data", den englischsprachigen Titel der TNG-Episode "Sherlock Data Holmes".
Da steht noch immer die Frage, warum es nun ausgerechnet "New Frontier" heißen muss oder warum dem Original und Heyne zum Trotz von der "Teestube" die Rede ist - doch das wurde bereits in den vorangegangenen Rezensionen besprochen.
Worüber man scheinbar nicht genug reden kann ist hingegen die Verwendung von "Fähnrich" (Heyne, S. 98) und "Ensign" (Cross Cult, S. 93).
Inzwischen scheint die Verwendung des Begriffes Fähnrich Gegenstand einer Diskussion zu sein, wie mir mein Leser ygrek mitteilte. Im Comicforum etwa verteidigt sich Cross Cult so:

"Die Fähnrich/Ensign-Debatte gibt es ja schon sehr lange. Wir mussten uns eben für eine Variante entscheiden. Bei der Übersetzung der TV-Serien haben es die deutschen Sender ja uneinheitlich gehandhabt: Erst gab es Fähnrich Crusher und später Ensign Ro. "

Tatsächlich hieß es nie "Ensign Ro". Wie ich bereits in einer vorangegangenen Rezension schrieb, hieß sogar die entsprechende Folge "Fähnrich Ro" (was der User "Der Klingone" ebenfalls zu recht anmerkt). Verfolgt man die Diskussion weiter, so trifft man auf altbekannte Standpunkte:

- bei Enterprise wird Ensign benutzt
- die englische Namensgebung ist in der Rangvergabe der Sternenflotte auch in der deutschen Synchronisation vorherrschend
- Im ersten Star Trek Kinofilm wird ebenfalls 'Ensign' genutzt

Das alles macht den Eindruck, als gäbe es kein Muster.
Doch das ist nicht wahr.
Hält man sich an die deutsche Synchronisation, die trotz ihrer vielen Unzulänglichkeiten und Widersprüche der Maßstab für deutschsprachige Bücher sein sollte, wird in der Erdensternenflotte des 22. Jahrhunderts (also ENT) von 'Ensign' gesprochen.
Ab dem 23. Jahrhundert jedoch heißt es in der modernen Sternenflotte sämtlicher Serien (TOS, TAS, TNG, DS9 und VOY) hingegen 'Fähnrich', ob man das nun mag oder nicht.
Natürlich gibt es da noch 'Ensign' Perez aus dem ersten Kinofilm. Doch da mit 'Fähnrich' Demora Sulu aus dem siebenten Kinofilm fällt die Rangvergabe wieder in den gewohnten Rahmen zurück.
Eine weitere Ausnahme soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.
Auch in der alternativen Zeitlinie, die mit dem elften Kinofilm eingeläutet wird, spricht man vom 'Ensign' Pavel Andreievich Chekov.

Anachronismen: Peter David hat eine unterhaltsame Art, mit Anachronismen umzugehen.
Vor allem mit solchen, für die er eigentlich nichts kann.
So hatte John Ordover, der Herausgeber hinter den Star Trek Romanen eigentlich eine Absprache mit den Star-Trek-Serien-Produzenten getroffen, dass sie auf eine Verwendung Shelbys verzichten würden. Da man dort allerdings entsprechende Vereinbarungen vergessen hatte, fand ebenjene Shelby in "Klingonische Tradition" plötzlich als Captain eines eigenen Raumschiffes Erwähnung.
Doch gekonnt überspielt David diesen Blackout der DS9-Schreiber, der seine eigene Romanserie mit dieser Kleinstreferenz ins Reich der Bedeutungslosigkeit katapultiert. Die Neuerwähnung wird einfach einem anderen Namensträger zugeschoben, dessen Existenz und Rang selbst der originalen Shelby nicht entgeht (vgl. S. 138).
Dass vergessen aber menschlich ist, beweist auch David mit seinen kleinen Ausreißern vom Kanon, denn keiner von ihnen resultiert aus Widersprüchen durch spätere Serien, die damit seine Geschichten null und nichtig gemacht hätten.
Im Gegenteil, den ersten Widerspruch lieferte David mit seinem New-Frontier-Einleitungsband "Kartenhaus" selbst. Dort nämlich bezeichnet er die Siedlung Calhoun noch als Stadt (Mack, David: Kartenhaus. Cross Cult, 2011, S. 17); in diesem Buch degradiert er sie jedoch zum Dorf (Cross Cult S. 32).
Warum sich Si Cwan so gut mit irdischen Gorillas im Allgemeinen und derem Revierverhalten im Speziellen auskennt, wird wohl für immer das Geheimnis des Autors bleiben (vgl. S. 107f.).
Ja selbst die gutgemeinte und eigentlich nachvollziehbare Idee, dass Dinge wie außerhalb des Transporterfokus situierte Extremitäten nicht mitgebeamt werden können, widerspricht Folgen wie "Der Ehrenkodex", "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart" oder "Star Trek".
Am schlimmsten allerdings ist die ungewohnte Stiefmütterlichkeit, mit der David TOS behandelt. Obwohl nämlich in anderen seiner Werke wie "Die Tochter des Captain", "Vendetta" oder "Heldentod" schnell der Eindruck entsteht, dass sich der Autor mit dieser Serie so ziemlich am besten auskennen würde.
Hier aber kennt die Sternenflotte die Erlöser nicht (vgl. S. 255ff.).
"Logisch, schließlich hat sich Peter David die Spezies gerade erst ausgedacht.", mag weise der ein oder andere Leser einwerfen.
Doch weit gefehlt, denn mit Alpha Carinae haben sie längst einen Planeten erobert (vgl. S. 121), der nicht nur im unmittelbaren Einflussgebiet der Föderation liegen muss, sondern bereits zu TOS-Zeiten von Sternenflottenoffizieren besucht wurde und in der Nähe voll automatisierter Handelsrouten liegt. Das kann man jedenfalls in "Computer M5" erfahren.
"Kann ja mal passieren", mag wieder der weise Leser einwerfen.
Gut, vielleicht muss man ihm dann auch nicht ankreiden, dass er statt von "Neural"zu berichten,den Eigennamen "Tyrees Welt" bevorzugt (vgl. S. 235) und dass er die Existenz von Mugatoweibchen schlichtweg verneint (vgl. S. 221), obwohl diese in der Episode "Der erste Krieg" eindeutig erwähnt werden.
"Nur in der deutschen Synchronisation," höre ich den weisen Leser wiederum einwerfen, "Im englischen Original ist davon nichts zu hören. Außerdem wurde der Name Neural ja nur um Drehbuch erwähnt und schaffte es nie auf die Leinwand.".
Na schön, zugegeben!
Aber intelligente Mugatos, die gleichberechtigt in der Sternenflotte dienen (vgl. S. 231)?
Wer ist bitteschön auf die Idee gekommen? Was ist aus den wilden, aggressiven und vor allem primitiven affenartigen Wesen geworden, die fast Captain Kirks Tod verursachten?
Ein plötzlicher Evolutionssprung?
Genetische Manipulation?
Oder etwa ein Virus?
Und was kommt als nächstes?
Eine Sprechrolle für Porthos?
Horta-Offiziere an Bord der Enterprise?
Oder gar von den Borg assimilierte Dobermänner?
Traurig ist auch, dass der vulkanische Nervengriff seine Exklusivität verliert, denn scheinbar jeder kann dieses ganz spezielle Stück Vulkaniertradition durch bloßes Zuschauen erlernt (225f.) und imitiert werden (vgl. S. 272). Diese Inflation ist aber so unnötig wie unwürdig und dass es ausgerechnet Peter David ist, der diesem Klassiker der Star-Trek-Geschichte seinen Reiz nimmt, stimmt betrüblich.

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Nachbohren bei Mugatos: Intelligente Wesen oder wilde Hohlbirnen?

Ausgabenvergleich: Abgesehen von der Übersetzung, die bereits gesondert besprochen wurde, gelingt es Cross Cult auch beim Cover zu punkten.
Während Heyne ein langweiliges Klassenfoto eines mäßig motivierten Fotografen ins Rennen wirft, strahlt das Cross-Cult-Cover bereits in seinem Aufbau Action und Spannung aus. Zweikämpfe, Raumkämpfe und ein göttliches Licht sind eine Art Wahlversprechen für den Einkauf des Kunden, das gehalten wird.
Zudem sind die Qualität von Papier und Cover der älteren Ausgabe um Längen voraus. Während ich beide Bücher wochenlang bei Wind und Wetter in meinem Rucksack umhertrug und häufig darin umherblätterte, sah das Heyne-Buch bereits nach wenigen Tagen elendig aus, während das Cross-Cult-Werk bestenfalls leichte Rundungen an den oberen Ecken erleiden muss (zum Glück steht noch ein zweites, unberührtes Heyne-Werk in meinem Bücherschrank).

Fazit: Wer Religion bei Star Trek mal etwas zeitgemäßer aufgearbeitet finden will, muss auf die Bücherwelt umsteigen. Genau dafür lohnt sich nämlich "Märtyrer", zumal Peter Davids Talent, Spannung und Humor als Stützpfeiler seiner Geschichten zu nutzen, hier deutlich wird.
Übertrieben und aufgesetzt wirkt hingegen die Fixierung auf Sex, die der Figurenkonstellation genauso wenig zum Vorteil gereicht, wie die vielen unnötigen Anachronismen. Ja selbst die Übersetzung ist bei Cross Cult und Heyne nicht immer überzeugend (bei Heyne allerdings deutlich weniger als bei Cross Cult).
Alles in allem ist das Werk bestenfalls solide, aber sicher nicht herausragend oder gar "Davids bester Star Trek-Roman.", wie Peter Schipfmann auf dem Buchrücken behauptet.

Denkwürdige Zitate:

"Es gibt nur sehr wenig in diesem Universum, das einfach ist."
Shelby, S. 169

"Im Gegensatz zur Einsamkeit wird das Glück zu sehr überschätzt."
Selar, S. 134

"Sex ist etwas anderes als eine Schlacht, M'k'n'zy."
Sh'nab, S. 34



Hatte Rammstein etwa Unrecht?

Bewertung: Der typische Teil nach dem Piloten.

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Weiterführende Leseliste:

New Frontier 01: Kartenhaus
New Frontier 02: Zweifrontenkrieg
New Frontier 03: Märtyrer

Dienstag, 15. Februar 2011

New Frontier 02: Zweifrontenkrieg (Die Neue Grenze 02: U.S.S. Excalibur)

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Buchbesprechung David, Peter: New Frontier 02. Zweifrontenkrieg. Cross Cult, 1997/2011. Bei Heyne erschienen als Die Neue Grenze. U.S.S. Excalibur. 1997/2000.

Story: Die USS Excalibur ist angekommen.
Jedenfalls örtlich, denn mittlerweile hat das Schiff der Ambassador-Klasse das Gebiet des zusammenbrechenden Thallonianischen Imperiums erreicht. Doch die Mannschaft benötigt noch eine ganze Weile, um zueinander zu finden.
So stört sich der Erste Offizier Elizabeth Shelby noch immer an der Art und Weise, wie ihr eigener Captain Entscheidungen an ihrem Posten vorbei trifft. Besonders deutlich wird dies in einer Situation, in der herzlose Geiselnehmer das unschuldige Leben von erwachsenen Flüchtlingen und nichtsahnenden Kindern bedrohen.
Calhouns aggressiven Verhandlungsmethoden verlaufen zunächst im Sande. Sein Bluff fliegt auf und zwingt die Besatzung des Schiffes, auf die Forderungen der Terroristen nach Technologie einzugehen. Doch der Xenexianer bastelt längst an einem Ausweichplan – natürlich ohne seine Nummer Eins darin einzuweihen...
Derweil tappen der Sicherheitschef Zak Kebron und Si Cwan in eine Falle. Nachdem sie mit einem Runabout einer Fährte folgen, die eventuell zum Aufenthaltsort der kleinen Schwester Si Cwans führen könnte, verzettelt sich der ehemalige Prinz in einen tödlichen Kampf mit alten Rivalen. Rache kontrolliert sein Handeln und so bringt er nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch den Brikar, der eigentlich zu seinem Schutz abgestellt wurde. Am Ende kann auch dieser Fels in der Brandung nicht verhindern, dass sie die letzten Sekunden eines todbringenden Countdowns miterleben...

Lobenswerte Aspekte: Ich sage es sicher nicht zum ersten Mal:
Peter David ist einer der ganz großen Namen unter den Star-Trek-Autoren. Scheinbar mühelos gelingt es ihm immer wieder, seinen Lesern großartige Bücher zuteil werden zu lassen. Egal ob in Schreibstil und Aufbau (vgl. z.B. S. 225ff.), der Verwendung von stilvoll umgesetzten Referenzen (vgl. z.B. S. 260) oder denkwürdigen Dialogen (vgl. z.B. S. 279ff.) - es lässt sich kaum leugnen, dass der verdiente Autor seine Kunst bis ins Detail versteht und dass einige seiner Kollegen sich eine dicke Scheibe von ihm abschneiden sollten.
An drei separaten Punkte möchte ich dies noch einmal näher erläutern.
Erstens.
Im wahrsten Sinne des Wortes erweckt David Star-Trek-Legenden zum Leben. Als in der TOS-Episode „Das Letzte seiner ArtJanice Rand ihrem Kameraden Hikaru Sulu sein vegetarisches Mittagessen ins stählerne Gewächshaus bringt, stößt dieser nämlich folgenden Satz aus:

Möge der große galaktische Geist ihren Planeten segnen.

Der macht allerdings erst Sinn, wenn man der bescheidenen deutschen Synchronisation den wohlverdienten Rücken kehrt und sich das Ganze noch einmal auf Englisch anhört:

May the great bird of the galaxy bless your planet.

Hinter dem merkwürdig anmutenden Spruch steckt ein Insider-Gag der TOS-Produktionscrew, die den internen Spitznamen Gene Roddenberrys so in die Serie aufnahm. Später ging ein Okudagram, das erstmals in der TNG-Episode „Gedankengift“ zu erahnen war, noch einen Schritt weiter:
Ein Vogel mit dem Körper eines Papageien und dem Kopf des Star-Trek-Erfinders symbolisierte jenen segenbringenden „Großen Vogel der Galaxis“.
Bedenkt man Davids Jonglierfähigkeiten mit dem offiziellen Kanon, so ist davon auszugehen, dass auch ihm diese Tatsache bekannt war. Daher kommt ihm nun der Verdienst zu, dieser kleinen, eigentlich als Witz gemeinten Bemerkung einen greifbaren Hintergrund zu verleihen (vgl. S. 301ff.). Man kann sogar soweit gehen, zu behaupten, dass er damit nicht nur das Andenken Roddenberrys bewahrt, sondern auch eine Brücke von der klassischen Fernsehserie ins nächste Jahrhundert schlägt.
Zweitens.
Die ehemals so kindgerechten Sonnenschein-Charaktere der Starfleet-Kadetten-Reihe bekommen einen ziemlich düsteren und vielschichtigen Hintergrundanstrich verpasst. Zugegeben, die vermeintliche Tragödie in Zak Kebrons Vergangenheit (vgl. S. 83) entpuppt sich recht schnell als dick aufgetragene Rührseligkeitsmasche zur Bekehrung eines wahnsinnigen Ex-Adeligen (vgl. S. 129), doch Soletas vulkanisch-romulanische Empfängnistragödie (vgl. S. 103ff.) erweist sich als heikler Inhalt, der in den Jugendtaschenbüchern wohl nicht ganz zu Unrecht außen vorblieb.
Ja selbst McHenrys innige Fummelei mit dem Weltraumtransvestiten Burgoyne 172 (vgl. S. 311f.) zeigt deutlich, dass der Autor mehr aus seinen altgedienten Charakteren herausholen kann.
Davon profitieren sogar die längst bekannten 'Stars' Shelby, Selar und Lefler. An ihnen kann man nämlich Stück für Stück neue Persönlichkeitsnuancen ausmachen, die sich im Rahmen ihrer kurzen TV-Präsenz unmöglich zeigen konnten. Sie gewinnen mit jedem einzelnen Auftritt an Leben und Authentizität.
Zusammen mit Neukreationen wie Mackenzie Calhoun entstehen so spannungsgeladene Figurenkonstellationen zwischen Konfliktpotenzial und Harmoniestreben, die vor allem hohe Erwartungen an die kommende Bände wecken.
Drittens.
Die Geschichte lebt von einem glaubwürdigen Bösewicht, der darüber hinaus auch noch in einem engen verwandschaftlichen Verhältnis zum Haupthelden Mackenzie Calhoun steht:
Seinem Bruder D'ndai.
Die großartige Figur entwickelt sich erst im Laufe der Handlung zum jenem fiesen Antagonisten, der Kabale statt Liebe praktiziert und die im Vorgängerband noch ungleich gemeiner und mächtiger wirkenden Nebenbösewichter auf nur wenigen Seiten dieses Romans eindeutig in den Schatten zu stellen vermag (vgl. S. 228ff.). Mit seinem hinterhältigen Verrat am eigen Fleisch und Blut nimmt die Geschichte erst so richtig Fahrt auf.
All diese Punkte verbindet David in einer so fantasievollen wie mitreißenden Erzählung. Geiselnahmen, explodierende Planeten sowie Kämpfe auf Leben und Tod markieren eine abwechslungs- und umfangreiche Handlung, die sich auf 300 Seiten abspielt, ohne zu kurz zu wirken. Vor allem das ist ein Kunststück, das zu oft seinesgleichen sucht.

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Kritikwürdige Aspekte: Davids Schreibertalent hat allerdings auch einen Haken.
An mehreren Stellen wird nämlich deutlich, dass die Konzeptionsarbeit des Autors ein wenig zu gründlich war, denn immer wieder werden die Figuren von merkwürdigen Vorahnungen eingeholt, die sie dann stets zu Recht innehalten lassen (vgl. z.B. S. 23, S. 35ff. oder S. 297f.). Dass nahezu jede Person unter dem Fluch eines Kassandra-Syndroms zu leiden scheint, ist mehr als unglaubwürdig und wirkt häufig gekünstelt.
Dieser Eindruck setzt sich bei den hiesigen 'Gaststars' fort. Warum nun ausgerechnet Burgoyne 172 eine so wichtige Rolle in Scottys Leben spielen muss (vgl. S. 54ff.) oder warum es auch in diesem Jahrhundert wieder einen Akademiespaßvogel namens Finnegan gibt (vgl. S. 62; allerdings gab es den bereits im Starfleet-Kadetten-Roman „Worfs erstes Abenteuer“), leuchtet nicht so recht ein.
Etwas unpassend zum genialen Aufbau wirkte zudem, dass es sich bei „Zweifrontenkrieg“ um ein wahres Splatterbuch handelt.
Wie in den entsprechenden filmischen Pendants spritzt das Blut nur so durch den luftleeren Weltraum (vgl. z.B. S. 70ff., S. 115ff. oder S. 185) und in detaillierten Beschreibungen kann man seine Fließrichtung genau mitverfolgen. Die Auslöser dieses Schlachtfestes werden dabei oft so überhöht oder brutal dargestellt, dass auch ihre Glaubwürdigkeit zuweilen darunter leidet. Es hat fast den Anschein, als ob die jahrelange Tätigkeit Davids für den Comic-Verlag Marvel hier deutliche Spuren hinterlassen hat.

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Lustig anzusehen, aber weniger Spaß als Fließtext: abbe Finger und Blut in Strömen

Ja selbst die Cliffhanger-Mentalität solcher Bildergeschichten wurde erfolgreich auf das Bücherformat übertragen.
Es wäre für den Lesefluss nämlich tatsächlich zuträglicher gewesen, diesen Band zusammen mit seinem Vorgänger „Kartenhaus“ in einem zu veröffentlichen. Zu eng sind beide Teile miteinander verwoben, als dass man dieses Werk wirklich ohne seinen Vorgänger beurteilen könnte. Beide zusammen erinnern an Episoden wie „Der Mächtige“ und „Mission Farpoint“, die getrennt wurden, um den neunzigminütigen Pilotfilm in seriengerechte Häppchen zu unterteilen und damit den Ansprüchen für Fernsehwiederholungen gerecht zu werden.
Bei Büchern riecht das allerdings eher nach Profitgier.
Zur Verteidigung muss man allerdings einwerfen, dass damals natürlich noch niemand überhaupt wusste, ob diesem Buchreihenversuch Erfolg beschieden werden würde. So wurden aus den beiden Bänden, die hierzulande die ersten Abenteuer der USS Excalibur einläuteten, im amerikanischen Ursprungsland stolze vier Bücher und man kann schon mit Fug und Recht Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen, dass weder Heyne noch Cross Cult diese Balkanisierung übernahmen. Gerade im Hinblick auf die jetzige Neuauflage hätte ich persönlich es aber begrüßt, dieses Mal beide eigenständigen Romane in einem Buch zusammengefasst zu erwerben, denn der Schock, allein für drei Bände einer zuvor bereits in Deutschland erschienenen Reihe 38,40€ hinzublättern („Ein Stich zur rechten Zeit“ nicht eingerechnet), hätte durch eine kostensparende Doppelausgabe sicherlich gelindert werden können.

Übersetzung: Auch wenn die Übersetzung Bernhard Kempens im Prinzip nur überarbeitet wurde, gewinnt die Cross-Cult-Variante den direkten Vergleich mühelos.
Zum einen, weil so fürchterliche Begriffe wie „Diskussegments“ (S. 56), „Psi-Medikern“ (S. 110) oder „Erste Direktive“ (S. 212) ausgemerzt wurden. Zum anderen, weil merkwürdige Formulierungen wie „[...] niemand anderer auf der Brücke [...]“ (S. ) durch „[...] niemand sonst auf der Brücke [...]“ (S. 87), „Vielleicht wünschten Sie sich tief innen [...]“ (S. 259) durch „Vielleicht wünschten Sie sich in Ihrem Innern [...]“ (S. 239) oder „Spiegelfechterei“ (S. 263) durch „Haarspaltereien“ (S. 243) ersetzt wurden.
Besonders die Veränderung von „Meine Fresse!“ (S. 179) zu „Dass ich nicht lache!“ (S. 163) spricht für die Qualität der Überarbeitung.
Zum Glück wurde ferner auch aus „Jufim“ (S. 87) wieder „Juif“ (S. 80), wie die Figur bereits im englischen Original genannt wird. Warum allerdings aus dem englischen „team room“ einerseits das „Casino“ (S. 56), andererseits jedoch die „Teestube“ (S. 52) wurde, erschließt sich meinen Vergleichen nicht. Vielleicht ist es ja künstlerische Freiheit.
So oder so gelingt es Cross Cults Version nicht, fehlerfrei zu bleiben.
Doch wer nach dem offensichtlichsten Fehler sucht, muss das Buch schon bis zum Ende lesen, denn erst auf der letzten Seite lautet der letzte Satz:

Dann begaben sie sich zut Teestube, um sich einen Drink zu genehmigen.“ (S. 313)

Anachronismen: Ich möchte eigentlich gar nicht näher auf flügelschlagende Vögel in der Weltraumluft (vgl. S. 306), eine folgenlose Materie-Antimaterie-Explosion „Wenige tausend Meter [...]“ (S. 160) über einer dichtbesiedelten Stadt oder wie jemand mit zerschmetterten Fingern (vgl. S. 74) noch effektiv dazu in der Lage sein kann, jemanden zu würgen (vgl. S. 120) einzugehen.
Das sind dumme kleine Fehler die man einerseits schnell überliest und andererseits in der Form auch in jeder Star-Trek-Episode vorstellbar wären.
Am widersprüchlichsten war ein Dialog zwischen Calhoun und Shelby, in der Mackenzie seiner Ex auseinanderlegt, warum er das Föderationsgesetz auf seiner Seite hat, wenn er die Hauptstadt einer frisch entdeckten Kultur bombardiert (vgl. S. 150f.).
Nicht nur, dass diese Ausführungen an den Haaren herbeigezogen sind und definitiv nicht ohne vorherige Kriegserklärung auf ein unbekanntes Volk anwendbar sind; sein Erster Offizier stimmt seinen wirren Schlussfolgerungen sogar zu!
Das bricht mit dem Ideal einer Föderation, die in diesem Sektor unterwegs ist, um Hilfe zu leisten und den versöhnlichen Gedanken der Humanität (ich weiß, der Begriff ist rassistisch) auch in den letzten Winkel der Milchstraße zu tragen.

Ausgabenvergleich: Nachdem die Übersetzung bereits eindeutig zugunsten Cross Cults gewertet werden musste, behält der kleinere Verlag auch in allen weiteren Punkten stets die Oberhand.
So ist zum Beispiel die Papierqualität bei Heyne in der Tat erschreckend. Obwohl der Druck erst aus dem Jahr 2000 stammt, wirkt das Material bereits so vergilbt und verblichen, dass selbst Vergleiche zu DDR-Taschenbüchern aus den Siebziger Jahren zu Ungunsten Heynes ausfallen müssen.
Dass hingegen der nahezu unzerstörbare und auf Hochglanz polierte Cross-Cult-Einband kein Standard für Heyne ist, beweisen die Publikationen des Verlags bis heute. Das neue Titelbild stimmt sogar recht versöhnlich, auch wenn sich an solchen Themen des persönlichen stets die Geister scheiden.
Gut, Si Cwan sieht aus wie Hellboy ohne Hornstümpfe und Zak Kebron erinnert stark an Das Ding von den Fantastischen Vier, doch insgesamt verschafft das Ensemble einen besseren Eindruck vom Geschehen als der Buchtitel von „U.S.S. Excalibur“ (das die abgebildeten Personen außerdem in den falschen Uniformen zeigt).
Immerhin sieht der thallonianische Prinz in „Zweifrontenkrieg“ nicht aus wie Lenin mit Sonnenbrand (wie auf dem Heyne-Cover von „Märtyrer“) und auch der Brikar wirkt hier stabiler als sein vergleichsweise zerbrechlich anmutendes Pendant auf dem Cover des viertes Bandes „Waffen“.
Was dem Cross Cult Band aber fehlt, um seinen Vorgänger deutlich in die Schranken zu verweisen, ist ein Begleittext, wie es ihn in „Kartenhaus“ gab.
Vielleicht lag es ja nur daran, dass es an Themen mangelte, doch ein Interview mit dem Autor, ein Schlagwortlexikon der Serie oder gar eine Kurzvorstellung der Charaktere hätte diesem Buch gut zu Gesicht gestanden und deutlicher von der bereits vor zehn Jahren publizierten Version abgehoben.

Fazit: Wieder einmal zeichnet sich Peter David dadurch aus, gewohnte Wertarbeit abzuliefern und schließt jenen Handlungsbogen ab, der in „Kartenhaus“ gespannt wurde. Knackige Dialoge, spannende Figuren und eine enge Bindung an den Kanon und die Produktionsgeschichte Star Treks sind längst unverkennbare Markenzeichen seiner Arbeit geworden, die er in diesem Buch mit bewundernswerter Leichtigkeit unterbringt.
Cross Cult steigert das Leseerlebnis zusätzlich, indem der Verlag die angestaubte Heyne-Übersetzung von einigen hartnäckigen Schmutzpartikeln befreit und der alten Reihe ein neues Gesicht verleiht (oder auch zwei).
Und doch verzettelt sich David etwas in unnötigen Widersprüchen, unglaubwürdigen Vorahnungen seiner Charaktere und literweise Blut. Diese Punkte stehen in starkem Kontrast zu den Stärken des Buches und kratzen ein wenig am ansonsten recht positiven Gesamteindruck.

Denkwürdige Zitate:

Sie sind der Gandhi der Weltraumfahrt, Captain.
Shelby, S. 15

Ist es nicht genau das, was die Oberste Direktive von uns verlangt? Dass wir herumsitzen, nichts tun und auf Zehenspitzen durch die Galaxis huschen, um nur keine Fußabdrücke zu hinterlassen?
Calhoun, S. 193

Vielleicht nicht. Aber manchmal gerät man in eine Situation, in der man sagen muss: 'Verdammt, ich oder keiner'. Und wenn man nicht damit leben kann, dass es keiner tut, muss man es eben selbst tun.
Calhoun, S. 193

Wer zugibt, nichts zu wissen, hat den ersten Schritt zur Erkenntnis getan.
Soleta, S. 239

Bewertung: Wertarbeit mit kleinen Kratzern.

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Weiterführende Leseliste:

New Frontier 01: Kartenhaus
New Frontier 02: Zweifrontenkrieg
New Frontier 03: Märtyrer

Donnerstag, 10. Februar 2011

Ein Stich zur rechten Zeit

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Buchbesprechung Robinson, Andrew: Ein Stich zur rechten Zeit. Cross Cult, 2000/ 2011.

Story: Das Cardassia des jungen Elim Garak ist ein idyllischer Ort voll anmutiger Blütenpracht, beeindruckender Denkmäler und üppiger Parkanlagen. Oft tollte der unschuldige Knabe zwischen den riesigen Monumenten des Verwaltungszentrums seiner Heimatstadt herum und genoss eine unbeschwerte Kindheit bei seinen Eltern, die zusammen mit ihrem Sprössling eine Kellerwohnung unter dem unscheinbaren Beamten Enabran Tain bewohnten.
Doch jene unbeschwerten Stunden sind längst gezählt.
Unvermittelt findet sich der Heranwachsende auf einer Eliteschule wieder, die Kindern seiner Gesellschaftsschicht unter normalen Umständen verschlossen bleibt. Am sogenannten Bamarren-Institut herrscht ein rauer Ton. Deutlich spürt Elim die Vorurteile gegen seine Kaste und beginnt Schritt für Schritt, seine dunklen Talente auszubauen, in der starren Hierarchie der Bildungseinrichtung aufzusteigen und deutliche Führungsqualitäten zu entwickeln.
Der nicht mehr ganz so kleine Elim schlägt sich also recht wacker, weshalb für ihn die Welt zusammenbricht, als ihm eine Versetzung und sozialer Aufstieg verwehrt bleiben.
Seine Fehltritte sind kaum der Rede wert und er erkennt schnell, dass sein 'Onkel' und Gönner Enabran Tain für seinen plötzlichen Schulabgang verantwortlich ist. Der unscheinbare Beamte hat größere Pläne für den jungen Mann:
Er durchläuft eine Ausbildung bei der Staatssicherheit Cardassias, dem gefürchteten Obsidianischen Orden, und steigt schnell zu einem der effektivsten und tödlichsten Geheimwaffen des Geheimdienstes auf.
Und doch sind es wieder die kleinen Verfehlungen, denen Elim treu bleibt. Langsam aber sicher treiben sie einen Keil zwischen ihn und Tain, der den lautlosen Aufstieg des begnadeten Spions in einem ebenso aufsehensarmen Abstieg zu verwandeln droht...

Lobenswerte Aspekte: Ich erzähle es gern und immer wieder:
Ich bin kein großer Freund von DS9.
Ich habe alle Folgen gesehen, eine Handvoll für gut befunden und den Rest oft genug verurteilt.
Bei den wenigen Folgen, die meiner Gunst sicher sein konnten, spielte eine Person häufig eine größere Rolle:
Elim Garak.
Der 'freundliche Killer von nebenan' war oft genug ein Garant für spannende Unterhaltung, hinterhältige Ränkespiele und persönliche Abgründe. Ein guter Grund, der Serie trotz aller Defizite treu zu bleiben. Mehr als Sisko, mehr als Odo und auch mehr als Quark verkörperte die von Andrew Robinson so genial verkörperte Figur nämlich all das, was ich mir öfter zu sehen gewünscht hätte.
Ohne pseudoreligiöse Phrasen, ohne Superkräfte und ohne platten Slapstick baute er im gleichen Moment Sympathien und Antipathien auf, ohne dabei auf denkwürdige Sinnsprüche, glaubwürdige Nahkampffähigkeiten oder beißenden Witz zu verzichten. Diesem komplexen Reiz kann man sich bis heute nur schwer entziehen und nicht umsonst ist Garak daher stets der gemeinsame Nenner am Ende einer jeden Diskussion mit vehementen Verteidigern der TNG-Nachfolgeserie.
Für einen Roman, der das Schicksal dieses Garaks nach dem Serienfinale „Daß, was du zurückläßt“ behandelt, war daher wohl kaum ein Autor geeigneter als jener Schauspieler, dessen außergewöhnliche Interpretation diesem Charakter überhaupt erst Leben einhauchte.
So schneiderte Andrew Robinson mit überraschendem Können ein glaubwürdiges Werk zusammen, das auch getrost unter dem Titel „Garak: Die Biografie“ oder „Memoiren eines Spions“ hätte laufen können. Geschickt nutzt er den sich ihm bietenden Freiraum, um einen Ausblick in die Zukunft zu werfen, einen Rückblick zu wagen und die vielen kleinen Informationen über Garaks Vergangenheit zu einer schlüssigen Lebensgeschichte zu koppeln. Das Buch löst quasi auf, was die Serie zu enthüllen schuldig blieb.
Dafür Hut ab!
Das eigene Wissen ist in diesem Zusammenhang allerdings ein unerlässlicher Begleiter.
Denn um es vorab deutlich zu sagen:
Ohne eigenes, detailliertes Vorwissen erschließt sich dem unwissenden Leser viel zu wenig, um am umfangreichen Roman viel Freude haben zu können. Oft nimmt der Autor auf verschiedene Folgen wie „In eigener Sache“ (vgl. S. 181ff.), „Nachempfindung“ (vgl. S. 275ff.) oder „Das Implantat“ (vgl. S. 316f.) direkt Bezug und viel zu zahlreich sind kleinere Bezüge etwa auf Shakespeares Julius Caesar (vgl. S. 336), Hebitianer (vgl. S. 175ff.) oder cardassianische Bürger wie Gul Madred (vgl. S. 261ff.), Corbin Entek (vgl. S. 344) sowie Gul Evek (vgl. S. 389).
Aus diesem Grund sollte man während des Lesens zumindest von Zeit zu Zeit Abstecher zu Memory Alpha wagen, denn sonst könnte man verpassen, wie geschickt der vermeintlich unerfahrene Autor mit der Materie und vor allem seiner Rolle zu spielen versteht.
Garak als Gärtner (vgl. S. 285ff.) ist dabei so plausibel wie sein Beruf als Schneider (vgl. S. 363ff.); seine Beteiligung am Fall des Vaters Gul Dukats (vgl. S. 309ff.) so offensichtlich wie sein Bruch mit Enabran Tain (vgl. S. 341ff.).

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Für Leute, die selbst mit Gießplänen Planzen vertrocknen lassen können, ist eine Mehrarbeit durch Schneiderei nur schwer vorzustellen

Allerdings ist „Ein Stich zur rechten Zeit“ mitnichten nur ein Garak-Roman. Er bietet detaillierte und schlüssige Informationen zur cardassianischen Gesellschaft, die von bildungspolitischen (vgl. S. 19f.), religiösen (S. 255ff.) bis hin zu ökologischen (S. 318) Angaben reichen. Ein wahrer Leckerbissen für die Fans, der zudem hilft, jenes Volk besser zu verstehen, das mit seiner blutigen Expansionspolitik dem Planeten Bajor so tiefe Wunden gerissen hat. Tatsächlich entsteht aus den gründlichen Beschreibungen eine eigene Welt, die sich stark von der uns bekannten abhebt und ein eigenes Bild erschafft, ohne sich in Widerspruch zu den bereits zugänglichen Einblicken zu verstricken.
Im Gegenteil!
Die Verquickungen zwischen Inhalt und Vorbild sind so groß, dass sie sogar in der Form Ausdruck finden.
So ist die legendäre Dreiteilung der Cardassianer (drei Pylonen, drei Monde, drei politische Apparate) ebenfalls im Aufbau wiederzufinden, denn auch das Buch gliedert sich in insgesamt drei große Teile. Drei kleine, aus Folgen entnommenen Einleitungszitate, sind den Sektionen dabei entsprechend programmatisch vorangestellt und geben drei lose Themen vor, denen die folgenden Seiten mehr oder weniger streng folgen.
Innerhalb der einzelnen Teile springt die Handlung wiederum zwischen drei zentralen Handlungsebenen.
In der spannendsten und wichtigsten Erzählung werden Garaks Erlebnisse von seiner Schulausbildung bis zum Exil auf Deep Space Nine geschildert. Die anderen beiden konzentrieren sich auf Garaks Abenteuer unmittelbar vor der Invasion Cardassias und auf den Alltag des langjährigen Exilanten inmitten seines zerstörten Heimatplaneten.
Das alles schildert Robinson aus der Ich-Perspektive in losen Briefen an Doktor Bashir. Mit Bekanntwerden des Adressaten macht auch eine Szene aus „Offenbarung, Buch 1“ viel mehr Sinn. Auf Seite 199 fragt Nog den Bordarzt nämlich folgendes:

Sie sind auf Seite 256 eines Briefes? Wer schreibt denn sowas?

Die Antwort ist so kristallklar wie die Augen jenes Mannes, der vom Cover direkt in die Augen des geneigten Käufers zu sehen scheint: Garak.
Womit wir bei der deutschen Ausgabe des Buches angelangt sind.
Auf die mussten die hiesigen Lesratten nämlich recht lange warten. Immer wieder verzögerte sich die Veröffentlichung, da noch Fragen mit dem amerikanischen Rechteinhabern offen waren, Druckprobleme auftauchten oder die New-Frontier-Bände früher ausgeliefert wurden.
Aber das Warten hat sich definitiv gelohnt!
Das kann man an drei Punkten deutlich sehen.
Zum einen ist das deutsche Cover von Cross Cult im Vergleich zu seinem amerikanischen Pendant nicht nur hochwertiger, sondern auch weniger kitschig. Man erhält gleich beim ersten Blick auf das Äußere des Buches eine Ahnung von seinem Inneren und besonders die Naht, die den oberen vom unteren Bildteil trennt, passt zu der Darstellung der Raumstation und Cardassias ebenso wie zu Beruf und Leben des abgebildeten Mannes.
Zum anderen bin ich besonders für die kleine Karte zur Verteilung der einzelnen Stadtviertel innerhalb Cardassia Citys (vgl. S. 5) dankbar. Zugegeben, zuerst zweifelte ich am Wert der groben Darstellung, aber immer wieder ertappte ich in der Folgezeit mich dabei, wie ich während der Lektüre zurückblätterte, um den Weg des Romanhelden mitverfolgen zu können.
Dieses außergewöhnliche Gimmick ist tatsächlich etwas Frisches, was es so nicht einmal im Original gab und dieser Ausgabe damit einen ganz besonders kreativen Anstrich verleiht.
Der krönende Abschluss ist schließlich der finale Beitrag Julian Wanglers unter der Überschrift „Dunkel, tragisch und glaubwürdig – Die Seele der Cardassianer“ (S. 425 - 435). So differenziert wie es Memory Alpha schlicht nicht leisten kann, wirft der Essay einen Blick auf die Spezies und hinter die Kulissen derselben, der hilft, den Platz dieses Werkes im größeren Kontext zu sehen. Ein äußerst gelungener Ausklang für eine gelungene deutsche Ausgabe eines fantastischen Romans.

Kritikwürdige Aspekte: Aller Anfang ist schwer.
Der komplizierte Aufbau des Romans bereitet auf den ersten Seiten einige Startschwierigkeiten.
Die Überwindung lohnt sich definitiv, doch zu Beginn sind die vielen Sprünge zwischen den Erzählsträngen mitunter etwas nervenaufreibend. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die konventionellen Merkmale einer Biografie durch die zeitlichen Sprünge absichtlich gedehnt und verzerrt werden, aber dieser Bruch fordert Geduld ein, die das Buch mit Zins und Zinseszins zurückerstattet.
Nach einer Weile gewöhnt man sich an die einzelnen Geschichten, und sobald sie Fahrt aufnehmen, stört man sich kaum mehr an den rasanten Wechseln.
Schließlich benötigte die Figur Garaks innerhalb der Serie auch eine ganze Weile, bis sie vom ersten Auftritt in „Die Khon-Ma“ zu jenem Aushängeschild wurde, das meiner Meinung nach in der Episode „Im fahlen Mondlicht“ seinen absoluten Höhepunkt erreichte. Garak betrieb dort ein Ränkespiel mit Hintertürchen, Vorspielen falscher Tatsachen und abgrundtiefer Zwielichtigkeit.
Robinson schafft es in „Ein Stich zur rechten Zeit“ nie, dieses Niveau zu halten. Natürlich ist Garak einwandfrei zu identifizieren und natürlich fehlt es nicht an Momenten, die so typisch für den undurchsichtigen Agenten sind. Intrigen jedoch gehen nicht von Garak aus und warum er später überhaupt entsprechende Fähigkeiten an den Tag legen kann, mag nicht so recht deutlich werden.
Zudem schwebt ständig die Frage über dem Text, warum sich der laut Destiny-Trilogie künftige Staatschef Cardassias die Mühe macht, ein solch selbstbelastendes Pamphlet zu verfassen, das einmal gegen ihn verwendet werden könnte (davon, dass er auf S. 13ff. das Geheimnis um den Kriegseintritt der Romulaner ausplaudert, ganz zu schweigen!). Nach den ellenlangen Schilderungen über die gewissenhafte Ausbildung kann man fast den Eindruck gewinnen, als hätte die intensive Ausbildung doch nur wenig Früchte getragen.
Die vielen gelüfteten Geheimnisse nehmen den Schleier von jener geheimnisumwitterten Figur und was übrig bleibt, ist ein Blick auf einen verletzlichen Mann, der zwar nun in seinen früheren Handlungen nachvollziehbar wirkt, aber dafür auch eine dunkle Seite nach der anderen verliert.
Die Informationsflut zur Person Garaks hat also ihren Preis: Die Schattengestalt büßt an Abgründen ein. Nicht zu stark, aber ausreichend um genau jener Ambivalenz vermissen zu lassen, die den Charakter innerhalb der Serie definierte.

Übersetzung: Anika Klüver leistet einmal mehr mit einem umfangreichen Buch sehr gute Arbeit. Natürlich könnte ich mich über einige Formulierungen wie „[...] eines der Dinge, das [...]“ (S. 42), „[...] in Kobixine [...]“ (S. 329, statt 'auf') oder „[...] und schlug mich ins Gesicht [...]“ (S. 354) beschweren, doch am Umfang gemessen sind das Peanuts.
Das einzige, was mich etwas stört, ist der deutsche Titel.
Nicht ganz umsonst ist schließlich auf Seite 278:

'Ein Stich zur rechten Zeit spart...' Was? Wie ging diese Redewendung?

Vielleicht „... den Scheidungsanwalt?
Nein, tatsächlich lautet diese englische Redewendung:

A Stitch in Time saves Nine.

oder auch

A Stitch in Time may save Nine.

Wer jetzt allerdings an die TV-Quoten-Corsage einer bestimmten Voyager-Figur denkt liegt falsch, denn dieser Ausspruch ließe sich am besten wohl mit

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

übersetzen, auch wenn dabei der eigentliche Bezug zum Schneidern verloren geht („Ein Stich zur rechten Zeit erspart neun [weitere]“). Als bloße, seelenlose Übersetzung des englischen Titels bleibt er im Deutschen jedoch etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück und verwehrt dem Leser ein Aha-Erlebnis, da sich der Ausspruch nicht nur auf die handwerklichen Talente Garaks, sondern gleich auf sein ganzes Leben bezieht.
Sehr gefreut hat mich stattdessen, dass die als 'Weißer Stern der Nacht' bezeichnete Pflanze auch im deutschen den Titel „Todesstern“ (S. 294) trägt und damit auch auf deutsch ein kleiner Seitenhieb auf 'die andere Weltraumsaga' erhalten blieb.

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Späte Rache für den ignorierten Dienstplan: Die Blüte des Todessterns treibt aus

Anachronismen: Rührende Dankesworte beenden den eigentlichen Roman auf Seite 423:

Zu guter Letzt an Margaret Clark, meine unerschrockene und gründlich informierte Lektorin, die mir nicht nur die Art von kreativer Führung gab, die mir half, das Rückgrat des Buches zu finden, sondern die auch wusste, dass Hasperat ein bajoranisches und nicht etwa ein cardassianisches Gericht ist – und mich vor ewiger Star Trek-Schande bewahrte.

So so, Hasperat.
Es ist beinahe schade, dass man weder Ms. Clark eine entsprechend gründliche Lektorarbeit, noch diesem Werk das Fehlen solcher Ausrutscher bescheinigen kann.
So verwundert etwa, dass das laut der Episode „Zu neuer Würde“ eher im Umgang mit Disruptoren vertraute Volk der Cardassianer plötzlich Phaser benutzt (vgl. S. 108).
Ebenso merkwürdig klingt es, dass edosianische Orchideen eine endemische Pflanzenart Cardassias sein sollen (vgl. S. 287). Tatsächlich bezieht sich 'edosianisch' wohl eher auf den TAS-Charakter Arex, dessen Spezies laut Produktionsmaterialien des Star-Trek-Trickfilm-Ablegers ebenfalls mit diesem Adjektiv bezeichnet wurde.
Am erschreckendsten war allerdings die Behauptung, dass Ratten auf der Erde Überträger der Pest gewesen sein sollen. Schließlich dienten selbst infizierte Ratten nur als Träger für den eigentlichen Überträger des tödlichen Bakteriums: dem Pestfloh.
Solch gefährliches Halbwissen ausgerechnet aus dem Munde des ausgebildeten Mediziners Julian Bashirs zu hören, lässt an seiner genetischen Aufwertung leise Zweifel anmelden (vgl. S. 339).

Fazit: Für seinen ersten Roman hat Garak-Darsteller Andrew Robinson an seiner Rolle Maß genommen, und einen biografisch anmutenden Roman zusammengeflickt, der nicht nur ein lebendiges Bild des ehemaligen Schneiders, sondern auch der gesamten cardassianischen Gesellschaft zeichnet. Kleine Nebensatzinformationen werden zu ganzen Kapitel verwoben und am Ende versteht der Leser die Spezies im Allgemeinen, und Garak im Speziellen besser.
Mit diesem Buch ist aber vor allem dem deutschen Cross-Cult-Verlag ein großer Wurf gelungen, denn die hiesige Ausgabe übertrifft durch sein abweichendes Cover, die Karte Cardassia Citys und den abschließenden Worten Julian Wanglers das amerikanische Vorbild um Ellenlängen.
Der größte Makel des Buches bleibt allerdings, dass Garak zwar problemlos wiederzuerkennen ist, jedoch seine intriganten Abgründe nicht angemessen zur Geltung kommen. Er bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, während ihm der Großteil jener mysteriösen Aura genommen wird, die ihn im Verlauf der Serie eigentlich ausmachte.

Denkwürdige Zitate:

Würden Sie in dasselbe Cardassia zurückkehren?
Was meinen Sie mit 'dasselbe'?
In ein Cardassia mit den politischen und sozialen Elementen, die die derzeitige Situation ermöglicht haben.
Mein lieber Doktor, das ist auch das Cardassia, das mich ermöglicht hat.
Bashir und Garak, S. 68

Das demokratische Prinzip des einen Mannes scheint der politische und soziale Albtraum des anderen zu sein.
Garak, S. 71

Liebe macht Narren aus uns allen.
Garak, S. 99

Politische Meinungen haben oft Konsequenzen.
Garak, S. 245

Bewertung: Unverzichtbare Pflichtlektüre.

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