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Sonntag, 1. November 2009

Die Anfänge 03. Die letzte Grenze

Buchbesprechung Carey, Diane: Die Anfänge 03. Die letzte Grenze. Heyne 1988/1990.

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Story: James T. Kirk ist zehn Jahre alt und lebt zusammen mit seinem Bruder George Samuel und seiner Mutter irgendwo in Iowa.
Und während der selbstbewusste Junge zu den Sternen blickt und davon träumt, einmal seinen Vater auf der Sternenbasis zu besuchen, auf der dieser seinen Dienst versieht, schreibt Kirk senior Briefe an seine Söhne.
Eines schönen Tages verlässt er allerdings ungewollt den tristen Alltag seiner Station und wird von Captain Robert April für eine Mission rekrutiert, die hilflose Kolonisten eines in einem Ionensturm gefangenen Schiffes vor dem drohenden Strahlentod retten soll. Doch der Sturm ist undurchdringlich, der Weg weit und die Zeit knapp – wie soll diese Aktion gelingen?
April wäre jedoch nicht April, wenn er nicht noch ein As in seinem Uniformärmel versteckt hätte. Ein nagelneues Sternenschiff, das mit zukunftsweisender Technologie ausgestattet ist, soll zur Galionsfigur eines Gestalt gewordenen Sternenflottenideals werden, und mit der Rettungsmission ein neues Zeitalter der Raumfahrt einläuten.
Doch Kirk senior sieht auch die Schattenseiten des ambitionierten Projekts. Mit seiner Waffengewalt und seinem gigantischen militärischen Potential repräsentiert es auch genau das Gegenteil: Unterdrückung, Zwang und Macht. Doch die Besatzung zieht an einem Strang und gemeinsam bricht die enthusiastische Crew auf, um der Rosenberg zu helfen.
Leider die Mannschaft hat die Rechnung ohne die Saboteure der Romulaner gemacht, die ebenfalls an Bord gelangt sind.
Das noch unbenannte Schiff springt plötzlich auf Warp, und als die Besatzung wieder die Kontrolle erlangt, findet sie sich mitten im romulanischen Hoheitsgebiet wieder, Auge in Auge mit einem romulanischen Schlachtkreuzer. Die beiden Großmächte des Beta-Quadranten stehen plötzlich vor einem Krieg, und es liegt an April und seinem ersten Offizier George Kirk, diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Doch wie soll dies gelingen, ohne die eigenen Ideale und Werte in Frage zu stellen?

Lobenswerte Aspekte: Nach den zwei eher mäßigen Bänden „Die erste Mission“ und „Fremde vom Himmel“ der Reihe „Die Anfänge“ fragt man sich schon, ob die Lektüre des dritten und letzten Bandes überhaupt noch gerechtfertigt ist. Doch soviel sei schon mal verraten: Auch wenn es den ein oder anderen Kritikpunkt gibt, hat sich das Durchhalten tatsächlich gelohnt! Irgendwie jedenfalls...
Im Mittelpunkt steht nämlich mal nicht der oft beschriebene Kirk (auch wenn er in der ein oder anderen Szene als Briefe missinterpretierender Nebendarsteller auftaucht), sondern sein Erzeuger, der Sicherheits-Rambo George Kirk, der erst vor kurzem im elften Kinofilm ein Gesicht für den imaginationsfaulen Fan erhalten hat. Und tatsächlich kann man sich während des Lesens dieses Gesicht richtig gut bei jener Figur vorstellen, deren plötzliche ‚Versetzung’ in den Dienst unter Captain Robert April, der wiederum dem ein oder anderen Hardcore-Trekkie noch aus der TAS-Episode „Flucht aus einem anderen Universum“ bekannt sein könnte, im Mittelpunkt des Leseinteresses steht. Und als ob das noch nicht genug Lücken in der Star Trek Geschichte füllen würde, wird das Schicksal beider Personen auch noch mit dem des berühmt-berüchtigten Schiffes verknüpft, das später einmal unter dem Kommando James Tiberius Kirks stehen sollte: der USS Enterprise – deren Name erst im Laufe der Handlung auf das (noch) Unbenannte Flug-Objekt übertragen wird.
Viele widersprüchliche Angaben in der angesprochenen Trickfilm-Folge werden quasi im Vorbeiflug aufgelöst und der Autorin Diane Carey gelingt es in einem Drahtseilakt, die Ur- und Frühgeschichte der Föderation in eine nachvollziehbare Atmosphäre zu tauchen, in der viele der in unseren Augen heute bereits zum Schmunzeln animierenden technischen Errungenschaften der TOS-Ära als bahnbrechende Neuerungen gelten.
Selbst die Romulaner, deren Darstellung in eine Zeitlinie gearbeitet ist, die sich an Spocks Angaben in „Spock unter Verdacht“ orientiert, gewähren interessante historische Einblicke. Neben technologischen Überraschungen wie den Weltraumflugzeugträgern, die zu dieser Zeit noch immer genutzt werden, sind auch die nähere Beleuchtung der romulanischen Gesellschaft und die Nutzung des Rihannsu, der Sprache der Romulaner, positiv herauszustellen, auch wenn der normale Leser mit Sätzen wie „Vaed’rae hwaeveyiir Zwaan.“ (S. 407) oder „Hwiiy’lou g’tu hwiiy.“ (S. 387) erst einmal recht wenig anfangen kann.
Die Story ist zwar nicht annähernd so verschachtelt und klar strukturiert wie im Vorgänger, doch jene Szenen, bei denen ich mich ab und zu fragte, was die Autorin mit ihrer Einbindung überhaupt beabsichtigte, ergeben ein anderes, größes Bild: Hier läuft eben nicht alles nach Plan, sondern unvorhersehbare Komplikationen verschärfen die Situation immer weiter und lenken ab, bis eine im Prinzip simple Idee den gordischen Knoten zum Zerbersten bringt – auch eine probate Variante, mit Spannung umzugehen.
Und wenn „Fremde vom Himmel“ schon ein Buch als literarisches Element aufnimmt, so spielt dieses Werk eben mit den antiquierten Briefen, die der konservative Sternenflottensöldner Kirk hier seinen beiden Söhnen schickt. Sie lockern den Inhalt genauso auf, wie die verschiedenen Teile, in die der gesamte Roman gegliedert ist. Deren Überschriften, die ebenso wie der Buchtitel mit dem Intro der ersten Fernsehserie verbunden sind, vermitteln eine gewisse Kontinuität, auch wenn das Werk den Ereignissen der einzelnen Episoden vorangestellt ist.
Nun gut, vielleicht nicht jeder Episode, denn „Griff in die Geschichte“ reicht beispielsweise noch weiter in die Historie der Menschheit, als dieses Buch es tut. Umso cleverer, dass Carey genau diese Folge nutzt, um sie zum Aufhänger ihrer extrem klein gehaltenen Nebenhandlung zu machen.
Andere Informationen referieren ungleich subtiler an die erste Star-Trek-Serie, und nur das geübte Auge kann anhand von Kleinstanspielungen wie „rigelianischer Dolch“ (S. 21) oder „transparentes Aluminium“ (S. 446) auf bestimmte Folgen oder Filme schließen. Höhepunkt war in meinen Augen jedoch, dass dieses Buch einen eher unfreiwilligen Bezug zur ENT-Episode „Das Minenfeld“ bietet, von der die Autorin 1988 beim besten Willen noch keine Ahnung haben konnte:
Abgesehen davon, dass einer der Hauptcharaktere ausgerechnet Lt. Reed heißt (vgl. S. 71), ist die Neuerung, dass Haftminen, die sich an anderen Schiffen festsetzen, alle nicht romulanischen Entschärfungspezialisten durch sofortige Explosion bestrafen (vgl. S. 395), recht bemerkenswert, denn man könnte sie mit einigem Wohlwollen und aufgrund der vielen Handlungsparallelen als Lehre interpretieren, die das Romulanische Sternenimperium aus den Erfolgen Reeds und Archers in jener Folge zogen, denn eine Mine, die vom Gegner so problemlos außer Gefecht gesetzt werden kann, ist militärisch gesehen hochgradig unsinnig.

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Nicht scharf genug: Romulanische Mi(e)nen des 22. Jahrhunderts

Was diesen Roman jedoch so überaus lesenswert macht, sind die vielen Informationen, mit denen nicht nur die Anfangszeit der Föderation beleuchtet wird. Man erfährt hier nämlich genauso gut, wofür eigentlich das Kürzel "USS" steht (vgl. S. 93), was "NCC" heißt, warum die Registrationsnummer dieses Schiffes ausgerechnet "1701" ist (vgl. beides S. 93) und wie der Mädchenname von Sarah April lautete (vgl. S. 39). Die Verfasserin spielt außerdem geschickt mit den Angaben früherer Werke wie „Das Netz der Romulaner“, nach denen die Schiffsklasse der Enterprise schlicht mit „Starship“ angegeben wurde, und korrigiert diese Angaben mit gr0ßer Behutsamkeit (vgl. S. 93 oder S. 475).
Ihre Charaktere sind allesamt nachvollziehbar, deren Einbindung überaus geschickt und ihr Werk spannend. Wo gibt es also kritisches anzumerken?

Kritikwürdige Aspekte: Natürlich kommt immer dann Freude auf, wenn man es mit Romulanern zu tun hat, denn diese intriganten Vetter der Vulkanier geben ein ideales Feindbild ab, das von der ach typisch menschlichen Friedensliebe so sehr abweicht.
Doof nur, wenn sie sich unterhalten, als ob sie selbst Menschen wären, und uns brachial daran erinnern, dass das Star-Trek-Universum den menschlichen Maßstab auf die gesamte Milchstraße verallgemeinert. Redewendungen aus romulanischen Mündern wie etwa „Er ist wie ein Schwert über ihrem Kopf.“ (S. 57), „[…] Taube unter Falken […]“ (S. 58) oder „[…] Sprossen der Karriereleiter […]“ (S. 370) klingen merkwürdig und ich hätte sie vielleicht noch Kirk oder Pille zugetraut, doch selbst der Halbmensch Spock hätte sich keine solche Blöße gegeben und pro forma wenigstens darauf hingewiesen, gerade eine primitive menschliche Redewendung zu benutzen.
Doch auch andere Logiklöcher stören beim Lesen. So ist mir immer noch nicht so ganz klar, warum alle Crewmitglieder in der Episode „Spock unter Verdacht“ so verdammt erstaunt waren, dass die Romulaner so aussehen, wie ihre vulkanischen Anverwandten – schließlich hat Kirks eigener Vater doch eigenhändig einen von ihnen aus dem feindlichen Territorium mitgebracht! Ja gut, natürlich könnte man jetzt darauf verweisen, dass im Schlussteil erklärt wird, dass alles selbstverständlich der obersten Geheimhaltungsstufe unterlag, doch es ist schlichtweg unglaubwürdig, dass eine solch wichtige Information nicht verbreitet wurde!
Und wenn Captain April schon so viel auf Ideale und Schöngeisterei hält, warum hält er den Vertrag zur Neutralen Zone nicht ein, und übergibt sein illegal hier eingedrungenes Schiff nicht ordnungsgemäß dem Gegner, wie es die Paragraphen laut „Die unsichtbare Falle“ verlangen?
Auf keiner Seite findet sich eine Antwort auf diese Fragen.
Doch auch einige technische Mysterien bleiben ungeklärt.
Wenn die Programme des Computers gelöscht werden, warum reinstalliert man nicht einfach eines (vgl. S. 341)? Gibt es in der Zukunft etwa keine Backups mehr?
Wie kann man beamen (vgl. S. 324ff.) und Haftminen auf der Außenhülle anbringen (vgl. S. 390ff.), wenn ein Sternenflottenschiff die Schilde hochgefahren hat?
Doch der Höhepunkt dieser wirren Angaben betrifft den juvenilen Verräter Woods, der eindeutig den Spion Saffire bei seinem Sabotageakt unterstützt und über dessen Pläne Bescheid weiß (vgl. S. 179), plötzlich jedoch wieder unschuldig wird und von Sankt Kirk höchstpersönlich die Absolution erteilt bekommt (vgl. S. 435). Was war da los? Gibt es vielleicht mehrere Personen namens Woods auf dem Schiff? Hat er vielleicht auch einen bösen Zwillingsbruder? War da eventuell etwas falsch übersetzt? Oder hat sich die Autorin Diane Carey während des Schreibens plötzlich umentschieden und nur vergessen, Woods Namen aus der Sabotageszene zu tilgen?
Doch wenn man diese mit Logikschlaglöchern versehene Handlungsautobahn bis zu ihrem Ende abgefahren hat, dann hat man schon irgendwie dass Gefühl, dass die Straße ohne Grund einfach im Nichts aufhört und man auf einer grasgrünen Wiese landet, auf der bunte Blumen blühen und kleine süße Hoppelhäschen das Unkraut vertilgen.
Vorahnungsvolle Angstzustände löst nämlich bereits die Erwähnung eines ganzen Schiffes voller unschuldiger Kinder aus, das in einem Ionensturm gefangen, dem Tode geweiht ist und nur durch den Heldenmut von Sternenflottenoffizieren gerettet werden könnte.
Also mal ehrlich, das ist ja nun wirklich eines der abgelatschtesten Themen der Welt! Es appelliert in einer typisch amerikanischen Manier an die niedrigsten Instinkte der Menschen (Beschützerinstinkt, Kindchenschema, Mutterinstinkt) und mündet stets in kitschigster Manier in einer rührseligen Katharsis, die nach der gefühlten tausendsten Wiederholung nur noch Abscheu und Ekel auslöst.
Doch auch wenn dieses Motiv zunächst durch den unfreiwilligen Ausflug in das Staatsgebiet der Romulaner beiseite geschoben wird, endet das Buch in genau diesem vor lauter Zuckerguss klebrigen Happy-End. Es ist völlig vorhersehbar und ohne jeden erzählerischen Reiz - ein brachialer Tritt in die Tränendrüse, der vor allem von verpassten Gelegenheiten zeugt: Warum stirbt Kirk senior nicht einfach? Oder wenigstens T’Cael? Warum ist April nicht gezwungen, vielleicht doch das ein oder andere Föderationsideal zu hintergehen?
Solche Wege hätten das Buch zu etwas außergewöhnlichem gemacht oder zumindest den Umfang des Buches gerechtfertigt, doch mit diesem familienfreundlichen Finale kann man es problemlos in eine Traditionslinie mit Fernsehserien wie den „Waltons“, „Unsere kleine Farm“ oder „Eine himmlische Familie“ setzen.
Aber auch die Parallelen zu einer anderen Fernsehsendung sind frappierend. Wer sich wie ich noch an die „He-Man an the Masters of the Universe“-Trickfilme erinnert (die übrigens, wie TAS auch, auf das Konto Lou Scheimers gehen), kennt bestimmt auch noch die Stellen, in denen die halbwegs intelligenten Kinder immer ausgeschaltet haben:
Am Ende steht der mit Steroiden vollgepumpte Hüter von Eternia nämlich noch mal vor der Kamera, und erklärt dem doofen Zuschauer, der nicht rechtzeitig genug umschalten konnte, was eigentlich die Moral jener Geschichte war, die man sich gerade angesehen hat. Das war damals schon zu peinlich um es zu ertragen, aber anno dazumal scheinbar modern.
Denn der Schluss des 1988 erschienenen Buches schlägt in eine ähnliche Kerbe, und die angefügten Wortmeldungen von Jaques Costeau, Roger Rosenblatt und Ayn Rand zeigen dem Leser noch mal ganz klar, in welche Intentionen die Autorin verfolgte und es drängt sich das Gefühl auf, dass die mehr als offenkundige Moral des Werkes wird mit einem dicken Rotstift noch einmal doppelt unterstrichen wird, weil der Leser vielleicht zu doof sein könnte, den tieferen Sinn überhaupt zu verstehen.

Übersetzung: Wie man schnell an Stellen wie den Passagen um das „Starship“ (S. 75ff.) feststellen kann, war die Übersetzung dieses Wälzers definitiv keine leichte Aufgabe. Besonders die vielen Eigennamen bereiteten offensichtliche Schwierigkeiten, und die Übersetzungen von Personennamen wie „Kettensäge“ (S. 22) und „Seelenkralle“ (S. 71) statt ‚Chainsaw’ und ‚Spirit Claw’ sind bestenfalls gut gemeint, zumal in der deutschen Synchronisation der TAS-Episode „Kulkulkan der Mächtige“ der ebenfalls zu einem Indianer gehörende Name „Walking Bear“ klugerweise unangetastet belassen wurde.
Dieser Roman folgt stur der Heyne-Übersetzungsschule, und zu den wenigen tatsächlich unübersetzten Begriffen gehören zum Beipirel „Starfleet“ (S. 16) und „Starbase“ (S. 80), obwohl für sie deutschsprachigen Äquivalente existieren.
Doch auch mit den merkwürdigen Formulierungen, die in den Heyne-Büchern den Vorzug gegenüber den durch Synchronisation etablierten Begriffen gegeben wird, spart man an keiner Stelle. Hier ein „interstellarer Hüpfer“ (S. 35), dort ein „Diskussegment“ (S. 71); an dieser Stelle einige Kombinationen mit dem Suffix Erg- (vgl. S. 106, S. 141 oder S. 386), an jener einige mit Medo-. Letztere Gruppe ist allerdings in ihrer Schreibweise recht abweichend, wenn es darum geht, sie mit dem Wort Scanner zu verbinden. Mal wird liest man vom „Medo-Scanner“ (vgl. S. 116 und S. 206) und mal von der zusammen geschriebenen Form „Medoscanner “ (vgl. S. 161 und S. 388). Dabei scheint die Schreibweise davon abzuhängen, ob eine Frau oder ein Mann dieses Gerät benutzt. Wie sexistisch!
Auf ein Wort, das hier immerhin acht mal vorkommt, sollte vielleicht noch einmal gesondert eingegangen werden.
Nach Überprüfung einiger Duden aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts kann ich mit Sicherheit sagen, dass es das Verb „desaktivieren“ nicht gibt und niemals gab, egal ob mal es substantiviert oder beugt!
Dieser Makel, der sich auch noch so oft wiederholt, ist einer der traurigsten Belege für die Übersetzungsriege des Verlags, die natürlich auch vor anderen Fehlern nicht gefeit gewesen ist.
Die (inoffizielle) Währungseinheit der Föderation, die „credits“, werden mit „Kreditkarten“ (S. 24) übersetzt und statt von einer „fünften Kolonne“ spricht man hier von einer „fünften Kolonie“ (S. 227). Daneben lassen sich noch einige Fehler wie „Dicht unter der Decke befanden sich einige Monitoren […]“ (S. 81) oder „Er hat vergessen, daß die Föderation der direkten, unmittelbaren Manifestation einer menschlichen Überzeugung gleichkomme, […]“ (S. 355).
Die ungünstig gewählten Begriffe „Primus“ (S. 52) und „Alcazar“ (S. 143) erinnern eher an Bands, als an das Sternenimperium, doch die abstoßendste Formulierung des Romans ist jedoch die Bezeichnung der Romulaner als „Roms“ (vgl. z.B. S. 221), die an abwertende rassistische englische Bezeichnungen wie „Japs“ oder „Chins“ erinnern, und nicht nur dem Umgangston in der Föderation widersprechen dürften, sondern auch der deutschen Übersetzung getrost entnommen werden können.
Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der unbestreitbare Gipfel ist der Satz „Stalin ermordete Millionen von Menschen, und niemand hinderte ihn daran, weil die Welt den Kampf satt hatte. Im Vergleich zu ihm spielte Hitler nur die Rolle eines historischen Statisten.“ (S. 265), der Diane Carey ihre historische Kompetenz abstreiten lässt, und hierzulande eigentlich schon als Verharmlosung des Holocausts strafrechtlich verfolgt werden müsste.

Anachronismen: Wie so viele Werke auch, bezog dieser Roman den Großteil seiner Informationen aus der „Spaceflight Chronology“, einem Standardwerk der frühen achtziger Jahre, dass ab der ersten Staffel TNG vom Kanon eingeholt wurde. So nimmt es nicht Wunder, dass die meisten Informationen, wie etwa die Ersteinführung des Transporters (vgl. S. 72 und "Daedalus"), nicht unbedingt mit den Informationen aus den Serien übereinstimmen, wobei nicht nur die letzte Serie ENTERPRISE zum Stolperstein wurde.
Schon allein die zeitliche Einordnung stimmt hinten wie vorne nicht. Gleich der erste Brief von Papa Kirk ist vom 10. Mai 2183 datiert (vgl. S. 16), und Kirk selbst hält sogar fest, dass er zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt war (vgl. S. 127), was wiederum den Schluss zulässt, dass die Serie entweder im Jahr 2216 oder 2217 spielen müsste, oder dass Kirk im „Zorn des Khan“ in Wirklichkeit nicht seinen zweiundfünfzigsten, sondern seinen einhundertundzweiten Gebutstag gefeiert hätte. Das haut nun wirklich nicht hin! Wie kommt man überhaupt auf eine solche zeitliche Einordnung? Vielleicht kann uns ja das Intro der Original-Serie eine Antwort darauf geben:



Wir schreiben das Jahr 2200!
Nun ja, da hat wohl jemand einiges zu wörtlich genommen.
Nicht allzu wörtlich wurde allerdings der vierte Kinofilm genommen, aus dem zwar das „transparente Aluminium“, nicht aber die Abschaffung der Geldwirtschaft übernommen wurde (vgl. S. 20, S. 75, S. S. 260 und S. 442).
T’Caels Verwunderung über die verschiedenen Hautfarben bei Menschen löst ebenfalls eine größere Verunsicherung aus. Schließlich haben die Vulkanier, ihres Zeichens Vorfahren der Romulaner, auch verschiedene Hautfarben, wie man beispielsweise an Tuvok gut sehen kann und außerdem war in der Episode „Das Pegasus-Projekt“ mit Commander Sirol ein dunkelhäutiger Romulaner zu sehen.
Doch diese Folge feierte sechs Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches ihre Premiere und so sind solche Fehler nicht verwunderlich, denn es ist zum Beispiel klar, dass die Mannschaft Enterprise NX-01 zwar über Phasenpistolen und Phasenkanonen verfügte, obwohl die Crew der USS Enterprise hier noch Laserpistolen (vgl. S. 434) und „schwere Laserbatterien“ (vgl. S. 79) nutzt.
Andererseits ist dies jedoch auch einer der inneren Widersprüche des offiziellen Kanons, da im urpsrünglichen TOS-Piloten "Der Käfig" wurden ebenfalls Laser benutzt wurden.
Ebenso wenig unverständlich ist, dass die NX-01 als Namensvetter in der angeblich kompletten Liste George Kirks fehlt (vgl. S. 177), doch eine einzige Information schafft es trotzdem, der gesamten Geschichte einen vernichtenden Schlag zu versetzen.
Kirks genialer Einfall, die romulanische Invasionsflotte durch einen Bluff um eine von der Föderation entwickelte Tarntechnologie von einem Angriff abzuhalten, ist damals durchaus brillant gewesen, denn diese Falschaussage war für die Romulaner sicher Motivation genug, ebenfalls eine entsprechende Technologie zu entwickeln.
Im Rahmen der Originalserie funktionierte dies auch, doch in der eingangs bereits erwähnten ENT-Episode „Das Minenfeld“ stößt die Enterprise NX-01 bereits auf ein romulanisches Schiff, dass sich tarnen kann. Die Folge, die damit übrigens auch einigen Kanoninformationen widerspricht, versetzte der Pointe dieses Werkes damit einen unverdienten Todesstoß, und reißt den Roman erst auf den letzten Seiten in den gnadenlosen Strudel der nicht-kanonischen Werke hinab.

Fazit: „Die letzte Grenze“ ist ein Buch, das auf besonders hinterhältige Weise vom Kanon aufs Kreuz gelegt wurde. Erst auf dem Höhepunkt des Werkes wird Kirks geniale Idee, Tarnanlagen ins Feld zu führen, durch die bereits zuvor in ENT gezeigt Verwendung der Technologie als absurd hingestellt.
Die vielen Logiklöcher, die verkorkste zeitliche Einordnung, das kitschige Ende und die schon ins rassistisch abgleitenden Bemerkungen zerren weiter an dem Roman.
Doch er hat auch seine Vorzüge. Die Geschichte ist komplex, ohne extrem verschachtelt zu sein und startet ein wahres Feuerwerk an Hintergrundinformationen. Besonders die Romulaner werden mit viel Spielraum bedacht und Kirks Vater gibt eine Figur ab, die sich nicht vor der Darstellung im elften Kinofilm zu verstecken braucht.
Auch wenn es nur um eine Nasenlänge dem Vorgänger „Fremde vom Himmel“ voraus ist, kann man dennoch festhalten, dass dies der lesenswerteste Band der Reihe „Die Anfänge“ ist.

Denkwürdige Zitate:

Himmel, ich bin Arzt und kein … kein … was weiß ich.
McCoy, S. 14

Es ist das Schiff, Pille. Ja daran liegt es. Die Droge namens Raumschiff macht süchtig und zerstört echtes, persönliches Glück.
Kirk, S. 129

Oh, ich glaube, du paßt sehr gut zu mir. Denk nur an meine Vorzüge. Ich bin nicht nur würdevoll und ehrenhaft, sondern auch reizend, unterhaltsam, witzig und großzügig. Hinzu kommt, daß ich bei jedem Bad darauf achte, mich zwischen den Zehen zu waschen.
Fußhygiene? Ich soll dich heiraten, weil du großen Wert auf Fußhygiene legst?
Das ist eine meiner besten Eigenschaften.“
Robert April und Sarah Poole, S. 301

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Der April weiß, was Frauen wollen

Mit anderen Worten: Vielleicht hat unser lieber George noch nicht ins Gras gebissen. Wenn es dort unten überhaupt Gras gibt.
Lt. Reed, S. 321

Wer in dieser Galaxis lebt, muß immer wieder problematische Entscheidungen treffen.
T’Cael, S. 427

Bewertung: Das beste der Reihe, doch nur geringfügig besser als der Vorgänger.

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Weiterführende Leseliste:

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze

Dienstag, 15. September 2009

Die Anfänge 02. Fremde vom Himmel

Buchbesprechung Wander Bonanno, Margaret: Die Anfänge 02. Fremde vom Himmel. Heyne 1987/1990.

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Story: Ein Bestseller stürmt die Büchercharts der siebziger Jahre des dreiundzwanzigsten Jahrhunderts:
Fremde vom Himmel“ beschreibt die Ereignisse um den Absturz eines vulkanischen Kundschafterschiffes, dass knapp neunzehn Jahre vor dem eigentlichen Erstkontakt auf der Erde bruchlandet.
Jeder, der was auf sich hält, liest das spannende Werk und auch Admiral James T. Kirk kann sich dem galaktischen Gruppenzwang nicht länger entziehen und legt sich eine altertümliche Real-Buch-Variante zu, um damit zu beginnen, das Buch zu lesen.
Doch mit Beginn der Rezeption setzen merkwürdige Träume und erschreckende Déjà-vu-Erlebnisse ein, die hartnäckig an der Psyche der Sternenflottenlegende kratzen und sogar den Geist Spocks erreichen, der seinerseits weit ab vom Schuss auf Weltraummanöver weilt. Dieser Zustand verschlimmert sich so stark, dass Kirk von seinem alten Freund und Kupferstecher McCoy höchstpersönlich in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird.
Erst eine Gedankenverschmelzung mit Spock, der, ob der sonderlichen Träume besorgt, endlich wieder zur Erde zurückkehrt, bringt Licht ins Dunkel der merkwürdigen Visionen. Unter Aufsicht Pilles erleben Kirk und Spock dadurch einige Tage am Beginn ihrer historischen Fünfjahresmission wieder, die aus ihren Gedächtnissen gelöscht wurden. Schnell wird deutlich, dass die Horrorvisionen vom grausamen Tod der vulkanischen Schiffsbrüchigen nicht einer gewissen Grundlage entbehren, denn die wieder ausgegrabenen Erinnerungsfragmente beweisen, dass ein Außenteam bestehend aus Captain Kirk, Mr. Spock, Gary Mitchell, Lee Kelso und Dr. Elisabeth Dehner tief in die historischen Ereignisse verstrickt gewesen ist...

Lobenswerte Aspekte: Wen man sich das Werk der Autorin Margaret Wander Bonannos so durchliest, merkt man schnell, dass sich hier eine Story aufbaut, die mit dem offiziellen Kanon so eng verflochten ist, dass man ohne fundierte Kenntnisse sogar Schwierigkeiten hat, die einzelnen Beschreibungen zu verstehen. Man sollte wissen, warum Vulkanier sich gegenseitig schlagen, um wieder gesund zu werden (vgl. S. 166f. und „Der erste Krieg“) oder was mit Gary Mitchell später („Die Spitze des Eisbergs“) passieren wird, um die komplexe Geschichte in Gänze zu erfassen.
Als kleinen Bonus für den neugierigen Leser werden auch Fragen geklärt, die den durchschnittlichen Original-Serien-Fan brennend interessieren:
Wo war McCoy in jener ersten Episode (vgl. S 194)? Warum war der leitende Mediziner überhaupt beim Kobayashi-Maru-Test zu Beginn des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ anwesend (vgl. S. 121)? Woher stammt der Transporteroffizier Lieutenant Kyle (vgl. S. 134)?
Über solche Fragen hinaus gelingt es der Autorin in beeindruckender Weise, fast das gesamte Kontingent der in TOS erwähnten Spezies auszuschöpfen: von Andorianern (S. 40) und Tellariten (S. 120) über Troyianer (S. 64) und Medusaner (S. 127) bis hin zu Trelanern (S. 64) und Horta (S. 199) erhält jeder zumindest eine Erwähnung.
Neben Referenzen aus TOS oder dem ersten Kinofilmen lassen sich daneben sogar Bezüge auf den Zeichentrickableger TAS finden. Mit der Erwähnung des Kahs-wan-Rituals (S. 84) aus der Episode „Das Zeitportal“ baut Bonanno eine Brücke zwischen dem großen Kanon und der damals noch umstrittenen Cartoon-Version.
Doch wer glaubt, dass die Integrationsbemühungen der Urheberin hier enden, irrt gewaltig. Neben den unzähligen Anspielungen auf den offoziellen Kanon lassen sich auch direkte Verknüpfungen mit Werken anderer Star-Trek-Autoren finden. Abgesehen von der Bezeichnung der K’t’inga-Klasse, die auf Roddenberrys Novellisierung des ersten Star-Trek-Kinofilms zurückgeht, lassen sich auch konkretere Anlehnungen auf Bücher wie „Geiseln für den Frieden“ (vgl. S. 66) oder „Der letzte Schachzug“ (vgl. S. 31) finden.
Der Kreis schließt sich mit der obligatorischen Erwähnung der 47; doch auch andere Punkte, wie die ausführliche und gut gelungene Betrachtung des zu früh verstorbenen Charakters Lee Kelso oder die Erklärungen zur ‚vulkanischen Minute’ (vgl. S. 56) oder die Verwandschaft Spocks zu einer Hippie-Ikone sind eine gesonderte Erwähnung wert.
Im Großen und Ganzen hat Bonanno ein spannendes, in sich schlüssiges und gut aufgebautes Werk geschrieben – was kann da noch zu kritisieren sein?

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Eben doch Herbert - der gute alte Spock

Kritikwürdige Aspekte: Eine ganze Menge. Die Liste der Kritikpunkte ist lang und kann mit einem der offensichtlichen Mankos einleuchtend eingeleitet werden:
Die zugrunde liegende Geschichte ist ein alter Hut. Ein verdammt alter sogar. Die zentrale Grundfrage des Romans, ob denn die Menschheit reif genug für einen Kontakt mit einer höher entwickelten Spezies sei, wurde schon zur Genüge in anderen Filmen (E.T.), Fernsehserien (V – Die außerirdischen Besucher kommen) und in etlichen Star-Trek-Episoden (TOS „Morgen ist gestern“, DS9 „Kleine grüne Männchen“ oder VOY „Vom Ende der Zukunft“) erörtert. Auch die Beschreibungen der Tangaufzuchtanlage im pazifischen Ozean sind nicht neu; die Darstellung erinnerte mich etwas an die 1966 erschienene Kurzgeschichte „Gefahrenzustand“ aus der Feder des polnischen Science-Fiction-Autoren Witold Zygalski.
Fremde vom Himmel“ reiht sich außerdem in eine ganze Kette von Star-Trek-Stories ein, in der die Erde besucht wird. Nachdem Kirk, ein wahrer Veteran im Eingreifen in die Erdgeschichte („Morgen ist Gestern“, „Griff in die Geschichte“ „Ein Planet genannt Erde“ „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“) zu einem wahren Vorreiter dieser Verfahrensweise wurde, standen ihm andere, wie Picard („Gefahr aus dem 19. Jahrhundert“, „Der erste Kontakt“), Sisko („Gefangen in der Vergangenheit“), Janeway („Vom Ende der Zukunft“) oder Archer („Carpenter Street“) in nichts nach und pfuschten ebenfalls fleißig in der irdischen Historie herum. Natürlich ist so ein Exkurs ab und zu interessant, doch die frappierende Häufigkeit dieser „Versehen“ wirkt allmählich fragwürdig.
Noch schlimmer erscheinen jedoch die heute bereits völlig anachronistisch anmutenden Bezüge auf die aktuelle Tagespolitik. Von den hier aufgegriffenen Themen wie dem Kalten Krieg (vgl. S. 84), der IRA (vgl. S. 287) oder der Solidarność-Bewegung (vgl. S. 285) sind wir nämlich bereits jetzt zeitlich schon so weit entfernt, dass wir mit einiger Sicherheit davon ausgehen können, dass sie um 2045 keine besondere Rolle mehr spielen dürften.
Spätestens aber, wenn ‚Disketten’ (S. 38) erwähnt werden und Vulkanier Pluto noch immer zu den Planeten zählen (vgl. S. 55), erkennt der Leser unserer Tage deutlich, dass dieses 1987 erschiene Werk zu früh auf den Markt kam, und nun vom Leben bestraft wird.
Denn auch wenn TOS oder diverse Kinofilme etwas entsprechendes impliziert (vgl. z.B. „Kennen Sie Tribbles“ oder „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“), wage ich daran zu zweifeln, dass die Sowjetunion wieder entstehen, die Ukraine ihr angehören oder der Sozialismus in unserem Nachbarland Polen jemals wieder Fuß fassen wird, wie es das Buch andeutet.
Obgleich ich mich selbst, als ehemaliger Erasmus-Student, über die Erwähnung gleich zweier polnischer Städte sehr gefreut habe, muss ich doch daran herumkritisieren, dass „Poznań“ falsch geschrieben wurde (S. 281) und es einen Nachnamen wie Miklowcik im Polnischen schlichtweg nicht gibt, wie spätestens eine Recherche in umfangreichen und seriösen Online-Datenbanken zu Familiennamen nahe legt.

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Viva Polonia! Poznań und Gdańsk sind Star Trek!

Daneben gibt es noch eine Vielzahl von Story-Elementen, die äußerst fragwürdig sind. Der überaus gefühlsbetonte und äußerst persönliche Computer Kirks (vgl. S. 68f.), intrakranielle Sensoren für leitende Sternenflottenbeamte (vgl. S. 133) oder infraweiße Strahlung (vgl. S. 214) sind nur drei Beispiele für Momente, in denen die Autorin die Freiheiten arg strapaziert, die ihr zum Schreiben eines solchen Buches zur „Frühgeschichte“ des Star-Trek-Universums sicherlich zustanden. Dennoch finde ich, dass die Autorin diesen Freiraum völlig ausreizt, wenn sie von einer angeblich historischen militärischen Strafexpedition der Sternenflotte zum Planeten Vulkan berichtet, die dazu dient, deren Bewohner zu zwingen, an der Sternenflottenbelegschaft zu partizipieren (vgl. 324), denn dies passt nicht zum Bild der Organisation, wie es in Serie und Kinofilmen gezeichnet wird.
Dass dann auch noch ein Ende den Roman abschließt, in dem in märchenhafter Manier der Werdegang der einzelnen Figuren umrissen wird, ist wahrlich der Schlussakkord im Moll. Kitschig, und einem allgemeinen „Friede, Freude, Eierkuchen“-Motiv unterworfen, präsentiert sich hier eine Art Retroperspektive zukünftiger Ereignisse, die sich, gerade im Hinblick auf Jen-Saunor, den mysteriösen Autor des fiktiven Werkes „Fremde vom Himmel“, wie der alte Erdenschlusssatz „Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.“ lesen.
Gleichermaßen ambivalent wie die Story und der zeitliche Bezug ist auch der Bezug auf den offiziellen Kanon. Die Rahmenhandlung dreht sich nämlich um den Absturz eines vulkanischen Forschungsschiffes im Jahr 2045 auf der Erde – 18 Jahre vor den in „Der erste Kontakt“ geschilderten Ereignissen und 89 Jahre nach den in „Carbon Creek“ skizzierten Geschehnissen. Im Grunde sind damit auch die beiden Erzfeinde dieses Buches genannt: Besonders am achten Kinofilm und der bislang letzten Fernsehserie beißt sich das Buch die Zähne aus, denn ein großer Teil der hier geschilderten Informationen steht in einem eklatanten Widerspruch zu den dort geschilderten Ereignissen. Bereits aus der erwähnten Rahmenhandlung ergeben sich nämlich so viele Folgefehler, dass es nur eine Frage der Zeit war, wann dieses Werk Lügen gestraft werden musste. Dabei sollte außerdem bemerkt werden, dass die Stimmung bei ENT und in „Der erste Kontakt“ weitaus mehr Spannungspotential bietet, als die konfliktarme Darstellung der kommenden Erdgeschichte in diesem Buch.
Als ob diese ganzen Gründe nicht schon abschreckend genug sind, gibt sich die Übersetzung alle Mühe, den Roman noch unlesenswerter zu machen. Unterlassenen Übersetzungen wie „Starfleet“ (S. 70) oder „Starfleet Command“ (S. 168) stehen abweichende Übersetzungen wie „Selbstvernichtungsanlage“ (S. 40) oder „Rotalarm“ (S. 99) gegenüber und nervigerweise reihen sich auch zwei andere Bekannte in den verhunzten Übersetzungsmurks ein: „Medo“-Kombination und „Des“-Präfixe.
Die verschiedenen zusammengesetzten Wörter mit dem Vorsatz „Medo“ entziehen sich in diesem Buch noch mehr meinem Verständnis als sonst. Während häufig Bildungen mit Bindestrichen zu finden sind („Medo-Offizier“ S. 133, „Medo-Personal“ S. 316 oder „Medo-Gruppe“ S. 322), lassen sich auf anderen Seiten bindestrichlose Varianten ausmachen („Medopack“ S. 27, „Medozentrum“ S. 49 oder „Medoscanner“ S. 126). In unmittelbarer Nachbarschaft dazu stehen Kürzel wie „MedAb“ (S. 185) in direktem Gegensatz zu Bezeichnungen wie „Medo-Abteilung“ (S. 212), und warum es auf S. 183 „Medizin-Praktikum“ und nicht „Medo-Praktikum“ heißt, ist mir ein - ehrlich gesagt -Rätsel.
Ebenso rätselhaft bleibt, warum so oft vom Adjektiv „desaktiv“(S. 87), verschiedenen Formen des mir unbekannten Verbes „desaktivieren“ (S. 93, S. 110 und S. 167) oder dem Substantiv „Desaktivierung“ (S. 112 und S. 176) die Rede ist. Völlig unnötigerweise werden „deaktiv“, „deaktivieren“ und „Deaktivierung“ ins Spannungsfeld zwischen „destabil“ (S. 111) und „Desorientierung“ (S. 468) gesetzt, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, wie das Verb tatsächlich in Film, Serien und Duden lautet.
Gleichermaßen belastend wirken auch die vielen Fehler bei der Schreibung von Eigennamen. So liest man schon mal „Fletscher Christian“ (S. 134) statt „Fletcher Christian“, „Kay“ (S. 168) statt „Ky“, „Kirsta” (S. 174) statt „Krista“ oder eben „Posnan“ (S. 281) statt „Poznań“ (von „Gdansk“ statt „Gdańsk“ rede ich ja gar nicht, aber ein „s“ kann mit viel gutem Willen durchaus von einem „z“ unterschieden werden).
Als ob das noch nicht genug wäre, stößt man auch noch auf viele kleine Fehler (z.B. „Allen“ S. 182 oder „Lasermoduln“ S. 417), merkwürdige Formulierungen („[…] in Außenwelt […]“ S. 80 oder „Airschiff“ S. 172) oder unnötige Übersetzungen von Eigennamen („TiefUnten“ S. 131).
Schade fand ich außerdem, dass die zentrale Erdorganisation mit „Geeinte Erde“ (S. 460) übersetzt wurde, anstatt sie durch Formulierungen wie „Vereinte Erde“ wenigstens die Nähe zu den „Vereinten Nationen“ zu rücken, wie es im englischen Original der Fall ist.
Auch der Sprachstil Kirks ist etwas rabiat. Ich für meinen Teil verbinde Ausdrücke wie „verdünnisieren“ (S. 178) oder „Klugscheißer“ nicht einmal in der deutschen Synchronisation mit dieser Figur.
Bei all der Meckerei bleibt eines jedoch als positiv herauszustellen: Die Übersetzungsanmerkungen auf den Seiten 130 und 347 sind hilfreich und lobenswert. Solche Lese- und Verständnishilfen sind viel zu rar gesät und gehören zu den wenigen Lichtblicken der Heyne-Translation, auch wenn sich der Verlag in seiner Neuauflage der Trilogie nicht die Mühe machte, wenigstens offensichtlichen Rechtschreibfehler zu beseitigen.

Anachronismen: Wie bereits angedeutet, gibt es eine ganze Reihe von Anachronismen, die das gesamte Werk auf tönerne Füße stellen und viele Anschlussfehler verursachen. Exemplarisch dafür kann man diesen Satz stehen lassen:

2068 wurden diplomatische Beziehungen mit der ersten vulkanischen Delegation aufgenommen und seitdem gab es in Hinsicht auf die Allianz zwischen Erde und Vulkan nicht die geringsten Probleme.“ (S.10)

In diesen wenigen Zeilen wird der gesamte konzeptionelle Gegensatz zur Enterprise-Serie deutlich, denn rivalisierende Informationen gab es dort (und auch in anderen Serien) zuhauf.
So sind die Behauptungen, dass es 2045 keine Nationalstaaten mehr gab und der dritte Weltkrieg bereits beendet sei (vgl. S. 15), im Angesicht von Informationen aus Folgen wie „Kontakte“ oder „Die dunkle Seite des Spiegels“ schlichtweg unwahr.
Gleichermaßen unglaubwürdig ist auch die Bemerkung, Savar hätte miterlebt, wie die Vulkanier die Lichtmauer durchbrachen (S. 42), denn Dialoge in „Erstflug“ legen nahe, dass er demnach selbst für vulkanische Verhältnisse erstaunlich alt gewesen sein dürfte – zumal ja auch die Romulaner irgendwie nach Romulus gelangt sein müssen.
Dem Reich der Mythen und urbanen Legenden über die Bundesgenossen der Menschheit entstammen wohl jene Äußerungen, die helle Augen bei Vulkaniern als genetische Besonderheit ausweisen. Wenn dem so wäre, wären so illustre Personen wie T’Les, V’Las oder sogar Surak Produkte genetischer Mutationen.
Doch generell waren Bonannos Informationen über Vulkan nicht sonderlich ausgewogen. Der Planet liegt nämlich nicht zehn (S. 157), sondern sechzehn Lichtjahre von der Erde entfernt („Zuhause“) und wenn die Einwohnerzahl 2045 bei 14 Milliarden lag (S. 462), muss in der alternativen Zeitlinie etwas schreckliches passiert sein, denn dort betrug die Einwohnerzahl im Jahr 2258 nur noch sechs Milliarden („Star Trek“).
Auf der Erde hingegen wird in dieser Zeit noch immer das Fernsehen genutzt, obwohl der allwissende Android Data in „Die neutrale Zone“ festhielt, dass dieses Medium seinen Zenit bereits 2040 überschritten hatte. Doch obwohl das Fernsehen dem allgemeinen Trend noch etwas hinterherhinkt ist man an anderer Stelle bereits einen Schritt voraus: Doch die Sternzeit kann nicht, wie behauptet, im Jahr 2087 (vgl. S. 297) eingeführt worden sein, da selbst Captain Archer während seiner Dienstzeit auf der Enterprise noch immer auf traditionelle Datumsangaben zurückgreifen muss („Broken Bow“).
Die Centaureaner gehören hingegen zu den umstrittenen Spezies des Star-Trek-Universums. Obwohl in den verschiedenen Serien nie von einer im Alpha-Centauri-System lebenden Spezies, sondern nur von menschlichen Kolonien berichtet wurde („Borderland“), verortete das Rollenspielwerk FASA hier eine Spezies und beschrieb eine Entdeckungsgeschichte, die mit den Beschreibungen in „Fremde vom Himmel“ übereinstimmt. Doch die detaillierten Angaben wurden spätestens mit dem achten Kinofilm ad absurdum geführt, als unumstößlich festgelegt wurde, dass Zefram Cochrane auf der Erde geboren wurde.
Doch auch die Spezies der Coridianer wurde nicht sehr treffend beschrieben (S. 130), obwohl bei Enterprise aus Versehen zwei verschiedene Masken benutzt wurden („Im Schatten von P’Jem“ und „Dämonen“).
Bei den vielen Rassen, die in der Föderation untergekommen sind, kann man allerdings schon mal schnell den Überblick verlieren. Aber es sind mitnichten gleich 500 Mitgliedswelten (vgl. S. 448), die in dieser Weltraum-UNO organisiert sind, sondern lediglich 150 („Der erste Kontakt“) – während Kirks kurzer Dienstzeit dürften es sogar bedeutend weniger gewesen sein.
Die gute Nachricht zum Schluss: der Leser muss nicht auf gewohnte Anachronismen verzichten, denn mit der Erwähnung von Steuergeldern (S. 64) und bei gepfefferten Preisen für echte Bücher (S. 64) kommt auch dem guten alten Geld genau die Beachtung zu, die es laut Kirks eigener Aussage gar nicht mehr bekommen sollte.

Fazit: „Fremde vom Himmel“ zeichnet sich durch eine gewisse Schizophrenie aus.
Zum einen eng mit dem Kanon verwoben, widerspricht das Buch ihm zum anderen jedoch ständig.
Während es einerseits unglaublich spannend zu lesen ist, ist die Story andererseits altbekannt. Obwohl er eine weit entfernte Zukunft beschreibt, nutzte er offen die aktuellen politischen Gegebenheiten seiner Zeit, die heutzutage keine Rolle mehr spielen.
Diese Widersprüche, gepaart mit einer schlechten Übersetzung, rechtfertigen das Lesen nur in begrenztem Maß. Sofern man dieses Werk direkt nach „Die erste Mission“ liest, bedeutet dies sicherlich eine Steigerung, doch den Vergleich zu besseren Star-Trek-Romanen hält es nicht aus.

Denkwürdige Zitate:

Die Gründung der Föderation war eine historische Notwendigkeit.“ Kirk, S. 35

Zerstörung vor Entdeckung.“ Savar, S. 39

Hören Sie, Sawyer! Vielleicht haben's Tatya und Yoshi den ganzen Tag über miteinander getrieben und wünschten sich Hintergrundmusik! Es gibt Dutzende von möglichen Erklärungen, und eine ist harmloser als die andere. Warum wittern Sie sofort Verschwörungen?“ Nyere, S. 63

Ich glaube, ich war gestern ziemlich … brüsk, nicht wahr?
Wenn man mit Vulkaniern zu tun hat, darf man zwei Dinge nie in Frage stellen, Jim: ihre Kompetenz und Ehrlichkeit. Du hast es gestern geschafft, gleich beides in Zweifel zu ziehen. Tja, ich wußte schon immer, daß Du sehr begabt bist...
Kirk und Gary Mitchell, S. 215

Nun, wahrscheinlich beobachten sie uns schon seit Jahren und wissen nicht so recht, ob sie weinen oder lachen sollen“ Jeremy Grayson, S. 322

Denn unsere Bestimmung liegt dort, wo noch kein Seefahrer gewesen ist...“ T'Lera, S. 454

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Schiffe und Raumschiffe: When worlds collide

Es ist keine Lüge, die Wahrheit für sich zu behalten, und manchmal sollte das Wahre unausgesprochen bleiben.“ T'Lera, S. 479

Bewertung: Ein Kind der Zeit.

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Weiterführende Leseliste

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze

Montag, 29. Juni 2009

Die Anfänge 01. Die erste Mission

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Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Die erste Mission. Heyne, 1986/1989.

Story: Eine Ära geht zu Ende: Der legendäre Captain Pike wird zum Commodore befördert und ein impulsiver junger Mann übernimmt das Kommando, der sich seine Sporen erst noch verdienen muss. Dieser Jungspund, der auf den klangvollen Namen James Tiberius Kirk hört, hat einen schweren Stand bei der alteingesessenen Crew: der erste Offizier Spock denkt über eine Versetzung nach, Uhura verlässt wegen seines Verhaltens die Brücke und selbst der gutmütige Chefingenieur Montgomery Scott hält den neunundzwanzigjährigen Emporkömmling für einen „unerfahrenen Grün…“ (S. 69).
Kirk, der kurz zuvor nur knapp eine katastrophale Mission überlebte, darf seinerseits weder den von ihm präferierten Gary Mitchell zum ersten Offizier ernennen, noch eine von ihm erträumte langjährige Forschungsmission betreuen.
Der erste Auftrag unter seinem Kommando besteht darin, eine Art Zirkusgesellschaft auf ihrer Tour durch verschiedene Sternenbasen zu begleiten. Und so ist es kein Wunder, dass dem unerfahrenen Spätzwanziger ein Missgeschick nach dem anderen widerfährt und seine Autorität auf tönernen Füßen steht.
Doch auf dem Weg zur Sternenbasis 13, einer Föderationsstation, die am Ende einer langgezogenen Ausbuchtung des Föderationsraumes liegt, die tief in klingonisches Gebiet ragt, stößt er auf ein fremdes Schiff. Das merkwürdige Gefährt wird von Wesen bevölkert, die einer anderen Galaxie entstammen und mit denen keine herkömmliche Kommunikation möglich ist. Erst eine Gedankenverschmelzung mit Spock schafft Klarheit; doch durch die Flut fremder Gefühle wird Spocks Leben bedroht. Als schließlich eine ganze klingonische Flotte aufkreuzt, um eine Renegatin zu stellen, spitzt sich die Lage dramatisch zu, denn ein einziger Treffer an der Außenhülle des unbekannten Schiffes kann die Zerstörung hunderter umliegender Welten nach sich ziehen…

Lobenswerte Aspekte: Wer nach Star Trek XI gern wissen möchte, wie die ersten Abenteuer der berühmtesten Raumschiffbesatzung des 23. Jahrhunderts tatsächlich abliefen, findet in der dreiteiligen Romanserie „Die Anfänge“ eine Anlaufstelle. Immerhin hatten Abrams und seine Kollegen bereits während der Entstehungsphase verlauten lassen, dass der ‚neue’ Film weder dem offiziellen Kanon, noch den unzähligen Star-Trek-Büchern widersprechen würde. Wer nun vom Paralleluniversum genug hat, und einen Eindruck davon erhalten will, wie diese Frühphase aussah, kann also getrost ins Bücherregal greifen, und sich ruhigem Gewissens Vonda McIntyres Roman „Die erste Mission“ zu Gemüte führen.
Tatsächlich spielt die Handlung geschickt mit einigen Elementen, die aus Film und Fernsehen über Kirks Vorleben bereits hinlänglich bekannt waren: sein Bruder George Samuel tritt ebenso auf wie sein bester Freund Gary Mitchell oder seine große Liebe Carol Marcus. Die gesamte Crew tritt auf und besonders die Informationen über Hikaru Sulu oder Janice Rand sind interessant geschildert und verleihen den beiden weniger beachteten Charakteren einen Hintergrund.
Außerdem wird klar, wie sehr sich Abrams' Film aus diesem Buch bedient hat. Dass Kirks Mutter Winona heißt, erfahren wir nämlich bereits in diesem Buch. Selbst Kirks anfängliches Interesse für Uhura klingt schon auf den ersten paar Seiten an. Sulu fabriziert ebenfalls einen Navigationsfehler und Uhuras Sorge um Spock wirft interessante Fragen auf.
Toll fand ich auch die im Zuge der Bildbearbeitung erwähnten „Corellianer“ (S. 100) – eine mehr oder minder gut verschleierte Anspielung auf das Grafikprogramm Corel Draw. Doch darüber hinaus sind auch die Anspielung auf Captain Hunter (S. 27, Jeffrey Hunter spielte Pike) oder die auf Seite 21 präsentierten Einschätzungen Spocks über menschliche Bademoden durchaus der Erwähnung wert.

Kritikwürdige Aspekte: Also wer diesem unfähigen Abziehbild James T. Kirks allen Ernstes ein eigenes Kommando verpasst hat, sollte selbst vom Admiral zum untersten Plasmaleitungsschrubber degradiert werden. Kirk ist einfach nicht wiederzuerkennen und erreicht lediglich in wenigen Passagen auch nur ansatzweise die Aura jenes großen Mannes, der mit seinem Namen verbunden wird. Selbst Shatners Eigeneinschätzung in seinem eigenen Romanzyklus ist als gelungener zu bezeichnen!
Nun, auch wenn das erste Kommando der Weltraumlegende sicherlich nicht von einem Tag auf den anderen einen Superheldenstatus rechtfertigt, muss doch festgehalten werden, dass die Autorin keinerlei Einfühlungsvermögen für Charakterdarstellungen zeigt und statt dessen einfache Klischeebilder präsentiert, wie die des Frauenschwarms Kirk oder des mit Gefühlen überforderten Spocks.
Der erste Offizier wirkt erschreckend altbacken und mental absolut unfähig. Auch seine Intelligenz scheint betroffen, denn er beschreibt den Vulkanier Stephen als Vetter (S. 438), obwohl das verwandtschaftliche Verhältnis beider nicht einmal mehr mit „Großcousin“ beschrieben werden könnte. Das ist dem überaus peniblen Charakter gegenüber nun wirklich ungerecht.
Doch auch die anderen Crewmitglieder werden nicht von Fehlbeschreibungen verschont: Uhura ist pflichtvergessen, Janice Rand ein überfordertes Kind und McCoy ein zahnloses Dekoobjekt. Wüsste man es nicht besser, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Darstellung der einzelnen Charaktere ihrerseits aus einem Paralleluniversum stammt, denn der Wiedererkennungswert tendiert zu oft gegen null. Pike ist einfach nur ein Arsch, Kirk ein unfähiger Rüpel und Chekov ein Stalinist.
Die sich bietende Chance, mit den einzelnen Figuren und ihren Entwicklungen zu spielen, blieb sträflich ungenutzt, obwohl sich einige interessante Ansätze anboten, wenn nicht sogar aufdrängten: Scott, der sich zwischen der Enterprise und einem fähigen Kommandanten entscheiden muss; Rand, die sich erst mit den Aufgaben eines Adjutanten zurechtfinden soll oder Uhura, die als eine Art Ersatz für die Position eines Schiffscounselors fungieren kann. Doch all diese Aspekte werden in den Hintergrund, nicht in den Vordergrund gerückt und nehmen der Erzählung den Reiz.
Höhepunkt der völlig verkorksten Darstellung sind allerdings die Klingonen. Sicherlich hat sich McIntyre viele Gedanken bei der Konzeption gemacht, doch die im Buch präsentierte Rasse hat mit dem ausgiebig im Fernsehen vorgestellten Kriegervolk in etwa soviel zu tun wie ein Ameisenbär mit dem Tyrannosaurus Rex. Klingonen sind eben keine Geheimdienstspezialisten, Kopftuchfanatiker oder Oligarchen.
Größtes Problem des Romans ist allerdings die hanebüchene Handlung, die sich auf immerhin 477 Seiten erstreckt. Fliegende Weltraumkatzen, die sich singend verständigen, in einer riesigen Ansammlung von Seifenblasen wohnen und das Universum bewegen können sind ja schon hirnrissig genug. Doch dass diese verschrobene Idee auch noch mit einem Weltraumzirkus, einem homophilen Hippievulkanier und einer homophoben Klingonenrebellin, die keine Lust mehr auf das Burkatragen hat, gekreuzt wird, ist zuviel des Guten.
Besonders die ausgerechnet von Spock zu Besten gegebene Herleitung, warum die Fremden aus einer anderen Galaxie stammen müssen (vgl. S. 313), wirkt so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass man spätestens ab diesem Punkt den Hardcovereinband entnervt gegen den eigenen Vorderschädel schlägt – immerhin hatte sich Spock in der TOS-Episode „Stein und Staub“ noch problemlos mit den ebenfalls extragalaktischen Kelvanern verständigen können.
Das allein wären bereits recht schwerwiegende Kritikpunkte, und ich will lieber nicht auf den zahlreichen technischen (die Gravitation von Objekten im Raum zieht Schiffe aus dem Warp?), kulturellen (Klingonen haben noch eine Kaiserin??) oder bürokratischen (es gibt eine Erstkontaktgenehmigung für Sternenflottenoffiziere, die ablaufen kann???) Logiklöchern herumreiten, denn eines finde ich an dieser Reihe besonders schlimm.
Rechtzeitig zum Start des elften Kinofilms hat sich Heyne nach langjähriger Abstinenz mal wieder auf dem Star-Trek-Büchermarkt betätigt. Doch anstatt einen neuen deutschsprachigen Roman zu veröffentlichen, versucht der Verlag, aus dem neuerlichen Hype Profit zu schlagen und präsentiert die drei Romane der Reihe „Die Anfänge“ vereint in einem Band. Mit aufgewärmter Zweit- bzw. sogar Drittverwertung eigener alter Rechte hofft man scheinbar in bester Ferengimanier, trotz Abkehr vom zu unlukrativen Publikum doch noch ein Stück vom großen Merchandise-Kuchen abzubekommen. Aber die knapp 1470 Seiten, in einem klobigen und unhandlichen Paperback zusammengezwängt, sind noch nicht einmal überarbeitet worden.
So trifft man dementsprechend auf die typischen Hausfehler der Heyne-Übersetzung. Es heißt nicht „Sternenflotte“, „deaktivierte“ oder „Untertassensektion“, sondern „Starfleet“ (S. 18), „desaktivierte“ (S. 246) und „Diskussektion“ (S. 80). Verbunden mit den unsinnigen Medo-Komposita wie „Medo-Team“ (S. 11), „Medo-Akten“ (S. 114) oder „Medo-Sensoren“ (S. 329) rufen sie beim Leser ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit dafür hervor, dass mittlerweile cross cult diese ökonomische Nische neu besetzt hat und den Leser mit solchen Ausgeburten stiefmütterlicher Behandlung von Trek-Termini verschont.
Hinzu kommt, dass die Unkenntnis des Übersetzers Cocktails betreffend wahrlich haarsträubend anmutet. So wird der alterwürdige „Mint Julep“ kurzerhand zu einem „Gewürzwhiskey“ (S. 453) degradiert und aus der „Bloody Mary“ wird mal eben die „Jungfrau Maria“ (S. 41). Weniger Schuld trifft ihn schließlich jedoch daran, dass die „Constitution-Klasse“ ständig als „Constellation-Klasse“ (ab S. 11) deklariert wird. Diesen Fehler und einige grammatische sowie orthographische Fehlgriffe (etwa „[…] um nicht mit den Fingern auf die Armlehen zu trommeln.“, S. 103 oder „siberianisch“ statt „sibirisch“, S. 249) hätte man wenigstens ausmerzen können, um diese mittlerweile dritte Veröffentlichung dieser Bücher zu rechtfertigen.

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Leicht zu verwechseln: Schiffe mit zwei Warpgondeln und solche mit vier

Anachronismen: Wer die Voyagerepisode „“ gesehen hat, weiß, dass Kirks historische Fünfjahresmission 2270 endete, was nach Adam Riese praktisch bedeutet, dass sie 2265 begann. Also muss dieser Roman folglich in diesem besagten Jahr spielen.
Dumm nur, dass McIntyre Kirks Alter mehrmals mit 29 angibt (z.B. S. 13). Folgen wie „Die Spitze des Eisbergs“ oder „Wie schnell die Zeit vergeht“ sowie Filme wie „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ und „Star Trek XI“ lassen Kirks Geburt jedoch auf das Jahr 2233 fallen, was die Handlung plötzlich ins Jahr 2262 verlegt.
Als ob das allein nicht schon verwirrend genug wäre, markiert die Zeit unmittelbar vor Kirks Kommandoannahme den Zeitpunkt, an dem Carol Marcus und Kirk einander kennen lernen. Die Autorin versäumt es nicht, auch die dramatische Trennung der beiden gleich mit zu thematisieren. Das Problem: In der ebenfalls von ihr verfassten Romanversion des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ gibt sie David Marcus’ Alter mit zwanzig an (S. 178), was bedeuten würde, dass Carol Marcus ihren gemeinsamen Sohn 2265 zur Welt bringen würde. Da sie im selben Buch allerdings auch davon spricht, dass Kirk Khan vor 15 Jahren auf Ceti Alpha V das letzte Mal gesehen hätte (S. 180), würde dieser Film 2283 spielen, was für David wiederum bedeutet, dass er bereits 2263, also weit vor der Romanze Carols mit James T. Kirk geboren worden war. Ist er vielleicht niemals Kirks Sohn gewesen?
Um die Verwirrung komplett zu machen, sollte ergänzend erwähnt werden, dass andere Angaben, wie die „Offizielle Star Trek Chronologie“ der Okudas (S. 46) oder im David-Marcus-Artikel bei Memory Alpha das Jahr 2261 als Geburtsjahr führen. Diese Rechnung bezieht sich auf das Alter des leider bereits 1989 verstorbenen Schauspielers Merritt Buttrick, und stützt nur die These, dass, gemessen an McIntyres Darstellung, David ein Kuckuckskind wäre und überhaupt keine genetischen Gemeinsamkeiten mit dem legendären Sternenflotten haben kann.
Kleinere Unregelmäßigkeiten lassen sich daneben auch noch finden: Der Planet Vulkan verfügt sehr wohl über größere Wasserflächen (S. 20; wie man in der ENT-Folge „Kir’Shara“ sehr schön vom Orbit aus sehen kann) und eigentlich sollte Kirk mehr als nur einen Neffen haben (S. 67; vgl. TOS: „Der alte Traum“). Außerdem mutet es sehr befremdlich an, dass der Turbolift trotz gegenteiliger Erfahrungen Bashirs und O’Briens eben doch auf rein akustische Befehlseingabe reagiert (S. 44; DS9 „Immer die Last mit den Tribbles“), obwohl die Handlung des Buches mindestens zwei Jahre vor den in „Kennen Sie Tribbles?“ geschilderten Ereignissen einsetzt.
Trotz der Tatsache, dass der Roman als eine Referenz für den elften Kinofilm gelten kann, beißt sich eine seiner Informationen mit diesem Buch. Entweder ist Spock nämlich ein - im wahrsten Sinne des Wortes - 'alter' Lügner oder die Drehbuchschreiber haben etwas überlesen. Denn als Kirk das Kommando der USS Enterprise übernimmt, ist sein Vater bereits tot (S. 67) und kann den Triumph seines Sohnes eben nicht miterleben.
Das nervigste Element dieses Romans ist allerdings sein ständiger Bezug auf monetäre Finanzwirtschaft. McIntyre selbst verfasste auch die Novellisation zum vierten Star-Trek-Film „Zurück in die Vergangenheit“; und daher sollte sie eigentlich aus erster Hand wissen, dass dort von Kirk selbst bestätigt wird, dass es in der Zukunft kein Geld mehr gibt!
Dem zum Trotz finden sich unzählige Belege für Geld und seine Bedeutung in diesem Buch: Man braucht es, um Päckchen zu verschicken (S. 21), um sich medizinisch versorgen zu lassen (S. 143) oder sogar, um Bildung zu erwerben (S. 189)! Was ist mit den Idealen einer sich selbst verwirklichenden Menschheit geworden?
Die Zukunft klingt hier noch kapitalistischer als heute, obwohl diese Beispiele nur einen Bruchteil der im Roman angeführten Nennungen ausmachen. Natürlich war es schon immer ein Markenzeichen Star Treks, die Zukunft als Parabel auf die Probleme der heutigen Zeit darzustellen und natürlich gab es auch bei Star Trek einige Belege für Finanzwirtschaft, doch McIntyres Beschreibungen sind nicht nur voller Ungereimtheiten, sondern erinnern eher an die Ferengi, als an eine Welt voller idealistischer Menschen.

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Zuviel Geld in einem Buch

Fazit: Es ist in der Tat löblich, die Anfangsjahre als Roman zu thematisieren. Und tatsächlich hatte dieses Buch somit einen erheblichen Einfluss auf den offiziellen Kanon, nicht zuletzt dank seiner Leser Roberto Orci und Alex Kurtzman, die sich fleißig an den Details dieses Romans bedienten. Doch auch ohne diesen ‚Adelsschlag’ ist dieses Werk genau wegen dieser Zusatzinformationen so lesenswert.
Doch dieser Einblick hat seinen Preis. Die Charaktere sind unheimlich schlecht getroffen, die Handlung ist haarsträubend und die vielen kleinen Fehler nervtötend.
McIntyre überbetont den Gebrauch von Geld und tritt die Zeitlinie, die durch ihr Werk eigentlich bereichert werden sollte, mit Füßen. Dadurch verlieren sich die Vorteile des Buches, denn auch wenn es interessante Informationen enthält, sollte das Hauptaugenmerk eines Romans nicht auf kleinen Details, sondern auf dem großen Inhalt liegen.

Denkwürdige Zitate:

Ich liebe dich, Jim. Aber wir leben nicht auf einem Wüstenplaneten.“ Carol Marcus, S. 18

Ja ich glaube schon. Während einer Überbevölkerungskrise erfordert die Geburt eines Kindes den Tod eines Erwachsenen, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Aus diesem Grund wurde eine Art Lotterie entwickelt, mit der man entschied, wer sterben mußte. Ihre Bräuche sind … faszinierend. Nicht besonders wirkungsvoll, aber interessant. “ Spock erklärt sich die Erdentradition, zur Geburt eines Kindes Zigarren zu rauchen, S. 38

Mhm. Schmeckt toll. Schokolade. Mag ich besonders gern. Der wichtigste irdische Beitrag fürs gastronomische Spektrum der Galaxis.“ Vanli, S. 57

"Vulkanier und Kinder. Tritt nie vor Vulkaniern und Kindern auf – ein Rat meines Vaters.“ Amelinda Lukarian, S. 279

Ihre Zivilisation – wenn es überhaupt angebracht ist, einen solchen Ausdruck zu verwenden – hat einen hohen Degenerationsgrad erreicht.“ Klingonischer ‚Direktor’, S. 452

Bewertung: Ein zu schwer verdauliches Stück Star-Trek-Geschichte.

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Weiterführende Leseliste:

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze