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Sonntag, 5. Juli 2009

Vanguard 04: Offene Geheimnisse

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Buchbesprechung Ward, Dayton: Vanguard 04. Offene Geheimnisse, cross cult, 2009.

Story: In der Taurus-Region ist eine trügerische Ruhe eingekehrt. Doch kaum ist die Bedrohung der Shedai fürs erste gebannt, da marodieren auch schon Klingonen und Tholianer in der Gegend herum und auch die Sternenbasis 47 sieht ereignisintensiven Tagen entgegen.
Commodore Reyes wartet auf seine Verhandlung und wird von Admiral Nogura abgelöst – einem der ganz großen Strippenzieher innerhalb der Sternenflottenleitung. Und der zierliche Asiat räumt erst einmal gründlich auf: Commander Cooper muss sich nicht länger mit der Stationsverwaltung herumquälen, der vorlaute Jetanien wird in die Schranken verwiesen und der orionische Kaufmannsprinz Ganz muss seine Sachen packen und mit seinem Schiff die Station verlassen.
Trotz des neuen Besens gibt es dennoch genug Dreck, den selbst er nicht einfach wegfegen kann. So muss T’Prynn nach Vulkan gebracht werden, um von der katra ihres verstorbenen Verlobten Stens befreit zu werden. Derweil schafft es selbst Rana Desai nicht, den nobel handelnden Ex-Commodore Diego Reyes aus den Klauen der rachsüchtigen Justitia zu befreien und Ming Xiong wird von den Klingonen entführt, die sich durch ihn einen Sprung in ihren xenoarchäologischen Forschungen erhoffen – schließlich bergen die Waffensysteme der Shedai ein unheimlich großes militärisches Potential…
Doch gerade, als sich für die Föderation alles wieder zum guten wenden will, wird das Schiff, das den verurteilten Reyes zum Antritt seiner Haftstrafe auf der Erde geleiten soll, von einem unbekannten Piratenschiff angegriffen und zerstört. Reyes ist tot – oder etwa nicht??

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Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Viel zu lange schon mussten die Freunde dieser genialen Reihe auf die Erscheinung des vierten Bandes in deutscher Sprache warten. Und das Warten hat sich definitiv gelohnt!
Der geneigte Leser kann in eine Welt aus vielschichtigen Charakteren und ihrer vielseitigen Interaktion eintauchen. Mitreißend und kanontreu wird eine Welt lebendig, die genial mit allen Serien und Filmen verknüpft wird. Hier kommt Nimbus III ins Spiel; dort trifft man auf den aufstrebenden General Chang. Man wird Zeuge der Kolonisation Cestus' III und erlebt den Untergang der Siedlung aus einer Kommandoperspektive mit. Sehr gelungen und gut durchdacht, denn Cestus III nimmt hier den Platz Denevas ein, das bereits im ersten Roman als unfreiwilliger Ort menschlicher Tragödien diente.

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Ganz neue Dimensionen: Jetzt mischen auch noch die Gorn mit?

Bemerkenswert ist, auf welche Weise der Roman eingeleitet und schließlich auch wieder beendet wird. Die Ereignisse um den Frieden von Organia als Grundlage zu nutzen ist so einfach wie genial.
Daneben räumt der Autor Dayton Ward mit Star-Trek-Klischees auf. Klingonen nehmen keine Gefangenen? Von wegen! Der häufig angesprochene Widerspruch wird hier aufgelöst – denn Klingonen sind eben doch nur Menschen – allerdings mit rosa Blut. Ward spielt mit den Kanoninformationen ohne ihnen untreu zu werden. So wird Reyes zu zehn Jahren Gefängnis in genau dem Knast verurteilt, in dem knapp ein Jahrhundert später auch Tom Paris einsitzen wird. Die Shedai setzten sich bereits mit dem Tkon Imperium auseinander und M’Benga wird endlich auf die USS Enterprise versetzt.
Daneben präsentiert das Buch auch Aspekte, die in Serien und Filmen eher stiefmütterlich behandelt wurden. So widmet man sich ausgiebig der Frage, wie das Ansehen der Vulkanier unter der Tatsache leidet, dass die verwandtschaftlichen Verhältnisse der spitzohrigen UFP-Mitglieder zu den Romulanern bekannt werden. Außerdem sind besonders die Exkurse auf Vulkan selbst beeindruckend, denn der Widerspruch zwischen Föderationsmitgliedschaft und der persönlichen Freiheit des Einzelnen sind ebenso subtil wie widersprüchlich dargelegt.
Doch auch ‚unverbürgte’ Informationen schafften den Weg in dieses Buch. Löblicherweise werden hier die aus den FASA-Rollenbspielbüchern stammenden Schiffsklassen Loknar und Saladin erwähnt, die es im eigentlichen Kanon bestenfalls zu Fußnoten gebracht haben…

Kritikwürdige Aspekte: Der vierte Band geht die Sache etwas ruhiger an als seine Vorgänger. Zuweilen kann man den Eindruck gewinnen, dass „Offene Geheimnisse“ nach den drei vorherigen, nahezu in sich geschlossenen Romanen den Beginn eines neuen Zyklus’ markiert, der erst eingeleitet werden muss. Das Buch bildet daher eine Art Anlauf, um auf den eigentliche Kern des Pudels, also der kommenden Handlungsstränge hinarbeitet. Doch das kann nicht als wirklicher Kritikpunkt geltend gemacht werden, denn Ward gelingt es trotz dieses subjektiven Eindrucks, Spannung und Tragik gleichermaßen aufkommen zu lassen.
Desweiteren sind weder Cover, Kapitelgliederung noch Handlung kritikwürdig – eher im Gegenteil. Was also soll man da noch negatives anbringen?
Der erfahrene Blogleser wird es wissen: Natürlich die Übersetzung. Es ist wirklich nicht so, dass sich der Übersetzer nicht angestrengt hätte. Christian Humberg hat einen angenehmen Stil und ich bin ihm durchaus dankbar, dass er „deaktivierte“ (S. 260) statt „desaktivierte“. Andererseits ist er behilflich, der cross-cult-Übersetzungstradition eigene Kontinuitätslinien zu verleihen. Die bereits in Titan angeklungene Dativiesierungkampagne wird unvermittelt fortgesetzt (z.B. S. 67„[…] Fortschritte von Xiong und seinem Team […]“, S. 291 „[…] Klärung von Lieutenant Xiongs Schicksal […]“ oder S. 191 „Laut dem Captain […]“). Ebenso unnötig wie gewohnt ist die abweichende Schreibweise zuvor bereits benannter Termini: aus dem Föderationsnachrichtendienst „FNS“ („Der Vorbote“, S. 326) wird hier „FND“ (S. 23). Daneben gibt es eine ganze Reihe unnötiger Schusselfehler: „Ich mochte ihn besser […]“ (S. 83), „Stolz“ (S. 176, groß statt klein geschrieben), oder „Damit sie sein Gewissen war […]“ (S. 388) sind nur einige Beispiele dieser hier und dort auftretenden Entgleisungen.
Am auffälligsten fand ich jedoch die häufig auftretende Umgehung von „die“ durch „welche“: Bereits im Einleitungstext findet sich auf Seite 5 der Satz „Letztendlich gestattet Reyes dem Journalist Tim Pennington die Veröffentlichung eines Tatsachenberichtes über die Bedrohung, welche die Shedai darstellen.“ Diese Möglichkeit ist in der deutschen Sprache gegeben, um Wortdopplungen zu vermeiden. Allerdings ist sie eher eine Ausnahmeerscheinung als ein alltäglicher Ausdruck. Dessen ungeachtet lassen sich in „Offene Geheimnisse“ immerhin 85 Konstruktionen dieser Art finden – also fast auf jeder vierten Seite. Zum Vergleich: Im zuvor von mir rezipierten Star-Trek-Werk „Die erste Mission“ tauchten solche Jonglierversuche nicht ein einziges Mal auf. Natürlich ist es nicht verboten, das Wort „“welche“ so einzusetzen, doch eine derartige Häufung wirkt im Umgang mit der deutschen Sprache etwas hilflos.
Eines bleibt schließlich auch noch anzukreiden. In der ein- und ausleitenden Bezugnahme auf den klingonischen Angriff auf die Sternenbasis 47 konnte sich der Übersetzer ins fertige Nest setzen, denn die Dialoge des Organiers Ayelborne waren, von einigen Adressatenformulierungen abgesehen, völlig identisch. Um so verwunderlicher, dass in der Föderationsvariante von „Apparaten“ (S. 15) die Rede ist, während die Klingonen „Instrumente“ (S. 437) zu hören bekommen. Wenn hier die Einteilung in „Grad Celsius“ für das Kriegervolk abweichend gewesen wäre (sie nutzen schließlich auch die Einteilung „qelI’qam“ statt „Meter“), hätte ich es durchaus verstanden, doch diese Abweichung ist vollkommen unnötig.
So oder so wäre diese Übersetzung nicht unbedingt eine Referenz, die man sich in die Vita schreiben sollte...

Anachronismen: Erstaunlicherweise sind tatsächlich Unstimmigkeiten zu finden, auch wenn sich der Autor redlich bemühte, sie zu vermeiden.
So wird Arcturus, die Heimat der Arcturianer, als unabhängiger „Freihandelsplanet“ (S. 172) beschrieben, obwohl die eher unbekannte Halbkanonrasse offiziell als Mitgliedsspezies der Föderation geführt wird! Natürlich kann man jetzt auf die zweifelhafte Kanoneinbindung verweisen, die durch die Hintergrundinformationen zu Star Trek Der Film gegeben wurden, doch wenn man sich vor Augen hält, dass die rigellianischen Chelonen, ihres Zeichens das Volk des Botschafters Jetanien, ihre Referenz in der selben Quelle haben, wirkt dies natürlich etwas uninformiert und kontraproduktiv.
Schade fand ich auch, dass der Auftritt des Admirals Komack einer anderen Person als der in TOS bekannt gewordenen Gestalt zugeschoben wird. Zwar bin ich mir relativ sicher, dass der Admiral aus der Episode „Weltraumfieber“ gemeint war, doch dieser trägt seit der Premiere des elften Kinofilms den Vornamen „James“ und nicht, wie im Buch beschrieben, „Franklin“. Also hat der Film es trotz gegenteiliger Versicherungen doch noch geschafft, den Romanzyklus Lügen zu strafen…

Fazit: Das halsbrecherische Erzähltempo vorangegangener Romane ist in „Offene Geheimnisse“ nicht zu finden. Dennoch ist das Buch seinen Vorgängern in den qualitativen Aspekten treu geblieben und verwöhnt seinen Leser mit einer spannenden und sauber recherchierten Geschichte, an deren Ende man sich nichts sehnlicher wünscht, als den nächsten Teil zu lesen.
Egal, ob man einige Anachronismen oder Rechtschreib- und Grammatikfehler findet – auch der vierte Roman der Vanguard-Reihe bietet Unterhaltung, wie keine andere Star-Trek-Buchreihe zuvor. Ein unbedingtes Muss für alle, die auch in der ‚richtigen’ Zeitlinie nicht auf Spannung, Dramatik und verdammt gute Geschichten verzichten wollen.

Denkwürdige Zitate:

Die Föderation ist ein Haufen schwacher Feiglinge, denen die innere Stärke fehlt, sich ihren Feinden in der Schlacht zu stellen. Stattdessen versucht sie, etwaige Gegner mit Worten zu Tode zu langweilen und versteckt sich hinter Lügen und Verrat.“ Lugok, S. 61

Diese Vulkanier sind anders als die, die Sie gewöhnt sind. Scherze und informelle Redewendungen bringen Sie hier nicht weiter.“
Wenn das so ist. Sind sie genau wie die Vulkanier, die ich gewöhnt bin.“
M’Benga und Pennington, S. 216

Ich habe mir T’Prynn nie als jemanden mit einem grünen Daumen vorgestellt. Das gefällt mir.
Die Pigmentierung der Haut auf T’Prynns Daumen entspricht ihrer restlichen Epidermis. Wenngleich die Färbung des vulkanischen Blutes eine derartige Beschreibung evozieren mag. Dennoch ist sie unzutreffend.“
Pennington und T’Nel, S. 252

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So sicher wie der Grüne Daumen

Wie erfrischend faschistisch.“ Pennington, S. 253

Man kann es nicht anders ausdrücken. Klingonen stinken.“ Xiong, S. 307

Bewertung: Keine Achterbahnfahrt, aber trotzdem genügend Loopings!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall

Donnerstag, 2. April 2009

Das Netz der Romulaner

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Buchbesprechung Murdock, M.S.: Das Netz der Romulaner. Heyne 1983.

Story: Da ist was faul im Staate Romulus! Irgendetwas geht vor im abgeschotteten Imperium der entfernten Cousins der Vulkanier - doch niemand in der Föderation hat auch nur im Entferntesten eine Ahnung, was dies sein könnte.
Während die Enterprise NCC-1701 mit Computerproblemen an der Neutralen Zone patrouilliert, taucht plötzlich ein Warbird auf und verstrickt den Captain in ein langwieriges Katz- und Mausspiel. Doch als Kirk endlich erkennt, dass es sich um nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver zur Deckung eines großangelegten romulanischen Flotteneinfalls in den Föderationsraum handelt, ist es fast schon zu spät: während ein Sternenflottenadmiral die Chance für einen Erstschlag wittert, leitet der romulanische Praetor höchstpersönlich die Expedition mehrerer Kriegsschiffe zum Planeten Canara, einer Mitgliedswelt der Föderation

Lobenswerte Aspekte: Dem Roman gelingt eine bemerkenswerte Darstellung der Romulaner. Sie werden gleichzeitig als ehrenhaft-pflichtbewusst und intrigant-arrogant geschildert, ohne dass die Rasse dadurch an Glaubwürdigkeit verliert. In der Tat bieten die Beschreibungen einen so tiefen Einblick in die romulanische Wesenswelt, dass ihr Handeln und Wirken selbst in den moderneren Serien völlig plausibel wirkt.
Die Charaktere sind durch die Bank weg gut getroffen, wobei besonders die romulanischen Personen herausstechen. Selbst wenn man ab und an den Eindruck gewinnen kann, dass die ganze Geschichte etwas schwarz-weiß dargestellt wurde, zeigt das Ende doch eine gewisse Ambivalenz.
Der Autor schafft es zudem, die grundlegende Story durch die Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven äußerst interessant zu gestalten und es ist dem Werk anzumerken, dass der Handlung die höchste Priorität galt. Daher kann man durchaus das Fehlen jener vielen kleinen Nebeninformationen verschmerzen, die andere Romane dem Leser zuhauf bieten.
Schließlich erwähnt Murdock auch noch – gewollt oder ungewollt – die 47

Kritikwürdige Aspekte: Das Buch hat ein Happy End. Ich muss das anmerken, da ich nach der schönen Schilderung der romulanischen Gesellschaftsverhältnisse die ganze Zeit hoffte, dass der Hauptprotagonist S’Talon dem Ränkespiel des Praetors doch noch erliegen würde. Das hätte diesem Roman etwas geniales und unversöhnliches gegeben – etwas typisch romulanisches sozusagen.
Auch die Geschichte mit dem Computerfehler nervt einfach irgendwann. Dieser wurde nämlich auf Cygnet XIV generalüberholt und mit einer Persönlichkeit ausgestattet. Natürlich verliebt sich „die“ Computer in den attraktiven Kirk und verursacht nur Probleme. Die Probleme sind alle sehr nachvollziehbar, und auch die Idee ist gut – nur leider beißt sie sich mit anderen Informationen. Laut Kanon ist die Enterprise nämlich erst einmal, und nicht, wie im Buch behauptet, zweimal auf die Romulaner gestoßen. Außerdem frage ich mich, warum der Computer urplötzlich mit seinen Schikanen aussetzt, als die Handlung etwas turbulenter wird.
Daneben gibt es eine ganze Reihe kleinerer Verständnis- und Chronologiefehler. Murdock ist sehr stark in seiner Zeit verhaftet und hat somit niedliche Faux-Pas begangen: Auf der Enterprise gibt es noch immer Kassetten, Magnetbänder und Videos; und außerdem würden die beschriebenen Computersystemfehler nicht einmal mehr heute passieren können. Auch die Idee, dass ein Kleidungssynthesator den Klamottenschrank ersetzt, ist zwar sicherlich ein Traum für alle Frauen, aber sicherlich ein zu großer Ressourcenfresser. Hinzu kommt, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass Uhura jeden Tag ein neues Paar Stiefel einläuft.
Die Funktionsweise der einzelnen Schiffssysteme bildet scheinbar einen weiteren Erzfeind des Autors. So verwechselt er den Wirkungsgrad von Photonentorpedos und Phasern und den von Impulskraft und Warp. Als die Enterprise sich im Orbit des Planeten Canara befindet, soll Sulu zur Romulanischen Flotte aufschließen, die auf der anderen Seite des Orbits herumschwebt. Als ob es nicht unglaubwürdig genug wäre, dass eine Flotte, die bereit ist, planetare Ziele zu bombardieren, in Formation den Orbit umfliegt, anstatt sich strategisch zu verteilen! Doch Kirk befiehlt seinem Steuermann auch noch, dieses Manöver mit Warp eins zu vollziehen! Ich zweifle nicht an den wieselflinken Reaktionen Sulus, aber die Enterprise mit Überlichtgeschwindigkeit in die Mitte einer feindlichen Flotte zu steuern, hört sich meiner Meinung nach eher nach Kamikaze als nach einem sinnvollen taktischen Manöver an.
Schließlich fragte ich mich bei der Lektüre die ganze Zeit, warum die Crew nicht versuchte, die mit Gas gefluteten Zugangsröhren zur Notbrücke durch den Einsatz von EVA-Suits zu betreten?!
Und noch zwei kleinere Makel: Zum einen ist mir unklar, was die Illustration auf dem Buchcover mit der Geschichte zu tun hat. Dort ist hinter Spock, Kirk und dem Titel ein quallenartiges Wesen zu sehen, bei dem irgendein Spinnentier im Stammbaum mit herumgewurschtelt haben muss. Doch im gesamten Buch kommen diese Wesen nicht vor. Die einzigen beschriebenen Außerirdischen (Vulkanier, Romulaner und Canaraner) sind humanoid – wer also sind diese Weltraumquallen?
Eher putzig finde ich zum anderen die Auflösung des Konflikts: Die Wahrung des intergalaktischen Friedens, das Gegengift gegen eine tödliche Krankheit und die neue Grundlage des Reichtums eines Planeten fußt auf der Veredelung von Getreide!! Kommt daher etwa der Begriff Canar?

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Veredeltes Getreide für den Frieden in der Galaxie – Ein aufopferungsvoller Selbstversuch

Und wieder bleibt mir abschließend über eines ganz bsonders zu meckern: Die Übersetzung. Natürlich sind da mal wieder die kleinen Übersetzungsschnitzer wie „Maschinenpylone“ statt „Warpgondeln“, romulanisches „Bier“ statt „Ale“ (generell eine doofe Herleitung, denn „Bier“ ist nicht gleich „Ale“ – schließlich kann man zu „Whisky“ auch nicht einfach „Korn“ sagen) oder „Sterndatum“ statt „Sternzeit“. Daneben nerven Sätze wie „Wir fahren das Schiff von dort.“ (S. 125), „Sie schicken mich nach jenseits der der Neutralen Zone?“ (S. 29) oder „Da wäre noch etws, Sir.“ (S. 200). Die uneinheitlichen Schreibweisen „Kommodore“ und „Commodore“ tun ihr Übriges, um am Sachverstand von Translation und Lektorenarbeit zu zweifeln. Hinzu kommt, dass ich es recht verwirrend fand, den Maschinenraum nur „Maschine“ zu nennen, denn das führt schnell zu Verständnisschwierigkeiten.

Anachronismen: Wie hat es der Computer eigentlich geschafft, für Kirk Gefühle zu entwickeln? Immerhin basieren seine Schaltkreise noch auf Duotronik und selbst Datas positronisches Gehirn benötigt einen Emotionschip zur Erzeugung von Gefühlen!
Und wenn die Föderation in der Lage ist, Maschinen zu bauen, die telepathische Fähigkeiten haben, warum gibt es die bei TNG nicht mehr? Dort müssen Lebewesen diesen Job übernehmen! Warum wird die Enterprise als „Starship-Klasse“ bezeichnet, obwohl sie der „Constitution-Klasse“ angehört? Ganz einfach: Erst 1987 wurde in der TNG-Folge „Gedankengift“ enthüllt wurde, dass Kirks Enterprise diesem Typ angehört, und „Das Netz der Romulaner“ erschien bereits 1983. Daher sind diese Fehler nachvollziehbar und fallen nicht weiter ins Gewicht.

Fazit: Auch wenn es sicherlich einige Kritikpunkte zu diesem Buch gibt, ist schon allein die zeitlose Schilderung der Romulaner es wert, sich mit diesen Roman zu befassen, denn er ist gut geschrieben und recht unterhaltsam. „Das Netz der Romulaner“ verdient es auch heute noch, gelesen zu werden, denn er hält den Vergleich zu anderen, oftmals schwächeren Romanen mühelos stand.

Denkwürdige Zitate:

Mr. Spock! [...] Ich soll die Verse eines englischen Dichters genießen? Sie jagen ein Schwert durch meine irische Seele!“
Die derzeitige Krise erfordert von jedermann Opfer.“ Riley und Spock, S. 72

Wir werden uns wieder sehen, Hexce, auf jener Insel, die für alte Freunde und geachtete Feinde reserviert ist.“ Tiercellus zu Hexce, S. 206

Bewertung: Alt geworden und jung geblieben.

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Freitag, 27. März 2009

Vanguard 01: Der Vorbote

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Buchbesprechung Mack, David: Vanguard 01. Der Vorbote, cross cult, 2008.


Story
: Als die USS Enterprise NCC-1701 von ihrer ersten Mission am Rande der Galaxie zurückkehrt, benötigt sie dringende Reparaturen. Doch der Weg zurück in den Raum der Föderation ist noch weit und die Überraschung ist groß, als Cpt. Kirk feststellt, dass die Sternenflotte hier, mitten im nirgendwo, wo sich die Grenzen der Tholianer mit denen der Klingonen treffen, im Eiltempo eine neue Sternenbasis hochgezogen hat. Kirk, Spock und die anderen Brückenmitglieder des Schiffes kommen langsam hinter das streng gehütete Geheimnis, warum diese Station überhaupt existiert – auch wenn eigentlich noch niemand etwas mit dieser neuen und mysteriösen Entdeckung anfangen kann. Außer den Tholianern natürlich…

Lobenswerte Aspekte: Die Geschichte ist äußerst gründlich recherchiert, klug konzipiert und geschickt in den zeitlichen Rahmen eingegliedert worden. Neben Star-Trek-Anspielungen wie der Archer-Klasse, den Fontana-Auen oder Pennington sind es auch die Charaktere, die neben der Enterprise-Crew ein Gefühl der Vertrautheit erwecken. So begegnet der Leser hinlänglich bekannten Personen wie Jabilo M’Benga, Clarke Terrell oder Commodore Matt Decker. Überhaupt ist anzumerken, dass die Berichte über die Enterprise-Crew nur einen der vielen Erzählstränge des Romans bilden, und dass sie hauptsächlich dazu dienen, als Referenzpunkt für eine Art Spin-Off zu fungieren. Dies ist jedoch sehr angenehm, denn anhand neuer und frischer Charaktere werden tiefe Einblicke in Privatleben, Alltagsimpressionen, Bordleben, Sternenflottenprotokolle oder Intrigen gewährt. Eine genial geschilderte Raumschlacht rundet diese Elemente ab und letztlich beweist das Buch eindringlich, dass man eine gute Geschichte auch im bunten TOS-Universum am Laufen halten kann, ohne unseriös zu wirken. Der fesselnde Spannungsbogen und die liebevoll gestalteten Charaktere verleihen dem Ganzen eine gewisse Lebendigkeit. Eine lesbische Psychovulkanierin; ein cholerischer Chelarier mit gewöhnungsbedürftigen Essgewohnheiten; ein alkoholsüchtiger Weltraumschmuggler oder ein aufbrausender Latino-Commodore mit einer todkranken Mutter auf dem Mond; - sie alle sind glaubwürdig dargestellt und füllen einen leeren Platz für Antihelden im ansonsten schwarz-weißen Kirk-Zeitalter aus. Auch die nähere Beschreibung der Tholianer, eines Erzfeindes der Föderation bis hin zur Zeit Cpt. Picards, ist äußerst gelungen und füllt eine bislang noch unbesetzte Nische.
Gleichermaßen hervorzuheben ist der Verzicht auf Anachronismen. So wechselt die Besatzung der Enterprise auf Vanguard ihre Uniformen und Kirk ist noch nicht der Superheld späterer Tage, sondern muss sich noch beweisen, um aus dem Schatten seines Vorgängers Christopher Pike zu treten.
Anderen Rassen wird ein breites Spektrum zugewiesen. Man kann auf Orioner, Tellariten, Andorianer oder Vulkanier treffen; daneben gibt es noch eine Reihe von Vertretern unbekannter Völker. Auch die Menschen tragen nicht nur amerikanische, sondern auch polnische, deutsche, afrikanische, chinesische oder sogar isländische Namen.
Schließlich sollte auch noch das Zusatzmaterial erwähnt werden. Im Anhang des Buches finden sich kurze Personalakten zu den Hauptcharakteren und ein interessantes Interview mit dem Autor. Höhepunkt ist jedoch das ausklappbare, farbige Stationsschema in der Mitte der Station (Sternenbasis 47!!), das viele Schilderungen verständlicher macht.

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Ideal zum Nachvollziehen sämtlicher Figurenbewegungen: Wieviele Meter sind es von den Fontana-Auen bis zum "Manons"?


Kritikwürdige Aspekte: Es gibt vor allem ein großes Manko am Roman: die vielen Rechtschreibfehler. Gerne verhunzt der Übersetzer Eigennamen (Terrell oder Endeavour). In anderen Momenten beweist er, dass der Umgang mit den deutschen Fällen („wie er […] die Spuren von seinem Besuch vermeiden könnte, […]“, S. 184) oder der deutschen Orthografie nicht zu seinen Stärken gehört. Schlimmstes Beispiel dieser Unfähigkeit bildet das häufige Auftreten von „Dilithium-Mienen“. Andererseits muss man auch den Umfang bemängeln, den der Übersetzer zu bewältigen hatte: 395 sehr eng und klein bedruckte Seiten sind kein Lesestoff für Zwischendurch (deshalb dauerte die Anfertigung dieser Kolumne diese Woche auch etwas länger).
Ansonsten gibt es wenig zu meckern, außer vielleicht, dass ein guter MacAllen Single Malt Whisky zum Betrinken benutzt wird…

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Während der Lektüre: Desöfteren setzt der Kritiker vor Entrüstung seine Dilithium-Miene auf

Anachronismen: Um überhaupt Anachronismen entdecken zu können, muss man entweder lange suchen, oder den neuen Kinofilm abwarten. De facto weicht lediglich der Fähigkeitsbereich der Tholianer etwas von der Darstellung in ENT ab, aber die Episode wird für den Schreiber zu spät erschienen sein. Allerdings steht das telepathische Können der farbenliebenden Rasse auch nicht in einem direkten Gegensatz zu der dortigen Präsentation (ENT "Im finsteren Spiegel, Teil I").

Fazit: Wer schon immer einmal wissen wollte, woher Scotty das „grüne Zeug“ aus der TOS-Episode „Stein und Staub“ hat, sollte den Start der Vanguard-Reihe unbedingt lesen. Doch der Roman ist nicht nur etwas für TOS-Fans; er vermittelt ein lebendiges und differenziertes Bild der Sternenflotte des 23. Jahrhunderts und entspricht (noch) dem Kanon. Viel Zusatzmaterial steigert das Lesevergnügen zusätzlich. Kurz gesagt wird eine spannende Geschichte mit einem der besten Star-Trek-Bücher eingeleitet, das seit längerer Zeit erschienen ist.

Denkwürdiges Zitat:

Verflucht unnütze Teile. […] Schildgeneratoren. Sie halten nie länger als einen Treffer.“ Kevin Judge, Chefingenieur der USS Bombay, S. 141f.

Bewertung: Lesenswerter Einstieg in eine neue alte Welt.

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse

Vanguard 05: Vor dem Fall