Montag, 10. Januar 2011

Titan 05: Stürmische See

Buchbesprechung Bennett, Christopher L.: Titan. Bd. 05. Stürmische See, Cross Cult, 2009/2010.

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Story: Die Borg haben wie die Heuschrecken das Gebiet der Föderation mit Tod, Verwüstung und Zerstörung überzogen. Ein langjähriger und mühsamer Wiederaufbau liegt vor der Planetengemeinschaft, der die Ressourcen über Jahre hinweg binden wird – auch die übrig gebliebenen Schiffe der einst so stolzen Sternenflotte.
Einige Raumschiffe sind allerdings explizit von dieser Regelung ausgenommen: Die Vertreter der Luna-Klasse, die bereits vor der Krise ausgesandt wurden, um wieder den alten Werten von Forschung, Entdeckung und Wissenschaft gerecht zu werden. Auch die USS Titan, die im Zuge der Borg-Bedrohung mit dem Schlüssel zur Beilegung der Krise in den Föderationsraum zurückkehrte, macht sich wieder auf den Weg ins Unbekannte.
Das neue Ziel bildet eine faszinierende Ozeanwelt ohne Landmassen, die den Forschern viele biologische, physikalische und geologische Rätsel aufgibt. Für ein Besatzungsmitglied ist der neue Einsatzort jedoch ganz besonders aufregend. Die aquatische Selkie Aili Lavena kann hier in der für sie angenehmsten Umgebung endlich einmal frei agieren und in der Weite des planetenumspannenden Ozeans herumtollen. Dabei stößt sie auf eine indigene, walartige Spezies, die sich im weiteren Verlauf der Untersuchungen als intelligent herausstellt.
Captain Riker steht daher vor einem Dilemma. Bricht er mit seiner Forschungsarbeit die Erste Direktive? Hat er sie nicht schon längst gebrochen? Wie sehen mögliche Konsequenzen seines Eingreifens aus?
Eine Konsequenz zieht er sofort. Die Bedrohung durch einen nahenden Meteoriteneinschlag befiehlt er auszuschalten, um mögliche Opfer zu vermeiden und guten Willen zu beweisen. Doch der gut gemeinte Rettungsversuch schlägt ins völlige Gegenteil um: Der Meteor wird nicht zerstört, sondern in mehrere Bruchstücke geteilt, der Einschlag fordert hunderte Tote, läßt den Kontakt zu Captain Riker auf der Oberfläche abreißen und durch den Einsatz ihrer Technik bringen die Sternenflottenoffiziere die schwimmenden Eingeborenen gegen sich auf. Zudem bewirkte der Einsatz von Energiewaffen, dass die Meteoritenkerne das sensible Ökosystem des Planeten nachhaltig stören. Die gesamte Welt gerät völlig aus den Fugen.
Und nicht nur die Welt – auch auf der Titan herrscht Tohuwabohu. Der erste Offizier Christine Vale befehligt ein hilflos im All treibendes Schiff, Riker und Aili Lavena sind noch immer spurlos verschwunden, der sauroide Dr. Ree hat aus nur schwer nachvollziehbaren Gründen die hochschwangere Deanna Troi mit einem warpfähigen Shuttle entführt und der mental labile Tuvok hat dessen Verfolgung aufgenommen. Als endlich eine Lösung in Sicht ist, die Ausgangssituation wieder einigermaßen herzustellen, sträuben sich erneut die walartigen Planetenbewohner gegen den für sich so fremdartigen Einsatz von Technik...

Lobenswerte Aspekte: Es ist Anfang Januar und draußen herrscht für die meisten Leute ein unangenehmes Wetter. Die Temperaturen sind gerade für einige Tage über den Gefrierpunkt geklettert und die dichten Eispanzer und Schneewehen auf den Bürgersteigen wurden teilweise durch einen grauen, splittgesprenkelten Matsch ersetzt.
Ich für meinen Teil sehe das nicht so verbissen wie die meisten Passanten, die schlecht gelaunt an mir vorbeistapfen und sich pausenlos über das triste Wetter beschweren.
Stattdessen behaupte ich, diese Leute sehen einfach nur nicht genau hin!
Denn in dieser spannenden Wettersituation entstehen kleine Seen und Meere, die unregelmäßig geformte Inseln voneinander trennen. An anderen Stellen durchschneiden kleine Rinnsale Flüssen gleich die größeren kompakten Landmassen. Landengen, Nehrungen und Fjorde bieten sich auf jedem einzelnen Meter Weg, den man zurücklegt.
Man fühlt sich wie ein Riese, der durch ein unbekanntes Land schreitet, das vor ihm noch niemand entdeckt hat. Wie Gulliver hat man die Möglichkeit, fremde Länder zu bereisen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Da scheint es nur passend, das genau zu dieser Jahreszeit ein Titan-Band erscheint.
Nachdem Destiny das bekannte Star-Trek-Universum in einen Scherbenhaufen verwandelt hat, erfüllt das kleine Schiff der Luna-Klasse unter dem Kommando Captain William T. Rikers als einziges innerhalb der Bücherwelt noch den Anspruch, neue Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen.
Titan steht längst für all das, was Star Trek laut Roddenberry ausmachen soll: Der Vorstoß ins Unbekannte, das Vordringen und Erleuchten des Dunklen oder die Möglichkeit zu forschen.
Nach verlustreichen Handlungspurzelbäumen wie in Destiny ist dieses Motiv irgendwie verloren, so dass sogar Riker sich stellvertretend für das Publikum erst einmal überzeugen lassen muss (vgl. S. 10ff.), um dem, was eigentlich selbst ihm längst klar ist, dann doch überraschend schnell nachzukommen: Raus aus dem Ruinenfeld und statt Trümmerfrau lieber Forscher spielen!
Und als ob das nach dem ganzen Kreigsgeplänkel nicht ohnehin längst bitter nötig wäre, gibt sich als zusätzliches Schmankerl auch noch Christopher L. Bennett die Ehre.
Zur Erinnerung:
Das ist der Mann, der nicht nur mit „Die Hunde des Orion“ den bislang besten Titan-Roman fabrizierte, sondern auch mit „Mehr als die Summe“ den einzigen wirklich empfehlenswerten Band des TNG-Relaunchs. Da sind knisternde Spannung, genialer Aufbau und mitreißende Handlung schon garantiert.
Damit aber nicht genug. Durch seine frischen Ideen gelingt es Bennett immer wieder, das Lesen zu einem Erlebnis zu machen. Mutig kreuzt er wissenschaftliche Erkenntnisse gekonnt mit dem Star-Trek-Universum und erschafft stets eine neue Perspektive. Irgendwie fühlt es sich nach der letzten Seite stets so an, als wäre man durch die Lektüre etwas klüger geworden – kein Selbstläufer innerhalb eines Genres, dem zu oft (zu Unrecht) Banalität nachgesagt wird.
Aber eines nach dem anderen.
Es empfiehlt sich, nach jedem gelesenen Kapitel dieses Werkes einen Blick in die persönlichen Anmerkungen zu werfen, die der Autor über das Internet zugänglich machte.
Besonders dann fällt auf, wie viel Arbeit und Rechercheleistung in all dem liegt, was viel zu viele Menschen als bloßes Technobabbel interpretieren und meist geflissentlich überlesen. Dabei kann man leicht übersehen, dass diese Angaben nicht, wie in vielen anderen Star-Trek-Werken, auf tönernen Füßen stehen, sondern sogar oft von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Aufsätzen gestützt werden (vgl. z.B. S. 28, S. 213ff. oder S. 252). Die hier beschriebene Wasserwelt ist jedenfalls das Lesen wert, selbst wenn man auf Landengen, Nehrungen und Fjorde verzichten muss.
Außerdem mahnt der Autor nicht ganz zu Unrecht an, dass wir selbst im Moment viel zu großen Schindluder mit unseren Ozeanen treiben. Aili Lavenas Grusel vor der Zeit, als die Meere der Erde und ähnlicher Planeten „[...] mit beständigem, ohrenbetäubendem Lärm terrorisiert [...]“ (S. 128) wurden, entbehrt auf jeden Fall nicht einer gewissen Grundlage, wie man etwa in Douglas Adams' sehr empfehlenswerten Sachbuch „Die letzten ihrer Art“ nachlesen kann.
Wirklich faszinierend ist allerdings das Konzept des Bioengineerings, dass Bennett in diesem Buch der Technologie als Antithese gegenüberstellt. Parallelen zur BBC-Sendung „Blue Moon“ sind nicht zu übersehen (vgl. S. 85ff.), doch der dahinter stehende Grundgedanke geht noch etwas darüber hinaus.
Wozu wird Technologie überhaupt benötigt? Kann sie eventuell ersetzt werden? Reicht der Gebrauch von hoch entwickelten technologischen Hilfsmitteln, um sich anderen überlegen zu fühlen?
Um diese Grundfragen wird ein spannendes Gerüst gewoben, das sogar kulturelle Missverständnisse einschließt. In diesem Zusammenhang kann man schon mal davon ausgehen, das elektronisches Equipment von erfahrenen Bioingenieuren als bedrohlich empfunden wird (vgl. S. 102), dass Hupen als Waffen verstanden werden können (vgl. S. 152), oder dass Kommunikation ohne Hilfsmittel auch über lange Strecken als Selbstverständlichkeit angesehen wird (S. 294f.).

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Die Hupe: Ein unterschätztes Mordwerkzeug?

All diese Einblicke bilden das Fundament für den Eindruck, tatsächlich einer wirklich fremdartigen Spezies gegenüberzutreten. Nach all den humanoiden Zweifüßern der Star-Trek-Serien und -Filme sind Bennetts Ausführungen im Rahmen der Titan-Forschungsmission jedenfalls ein echter Leckerbissen, der beweist, dass es da draußen tatsächlich noch Wunder und Überraschungen gibt.
Wunder und Überraschungen, die sich mit dem offiziellen Kanon decken.
Natürlich gehört es mittlerweile zum guten Ton unter den Star-Trek-Schreibern, alle Serien von TOS (vgl. z.B. S. 16), TAS (vgl. z.B. S. 62), TNG (vgl. z.B. S. 95), DS9 (vgl. z.B. 185), Voyager (vgl. z.B. S. 30) oder Enterprise (vgl. z.B. S. 335).
Bennett aber scheint das nicht auszureichen.
In spielerischer Anmut referiert er etwa auf die 33. Erwerbsregel (vgl. S. 60), ohne sie zu nennen (es ist natürlich „Es ist nie verkehrt, sich bei seinem Boss einzuschmeicheln.“) oder nimmt mit Sätzen wie „Alles was sie hatten, waren Dilithium-Kristalle und wofür waren die schon gut?“ (S. 333) Bezug auf klassische Folgen wie „Brautschiff Enterprise“. Zudem gibt er Randspezies wie Chelonen (vgl. S. 42), Kazariten (vgl. S. 70), Arkeniten (vgl. S. 85) oder Itheniten (vgl. S. 229) ein wenig Raum, um den sporadischen, und nur wenig bekannten Informationen über sie Platz zur Entfaltung zu bieten.
Erwähnenswert ist zudem die Hauptfigur.
Gut, in einer Serie wie Titan, in der multikulturelle Besatzungen der eigentliche Star sind, gibt es keine wirklichen Hauptfiguren, doch in diesem Band bleibt viel Verantwortung an Aili Lavena hängen. Die Selkie, die übrigens auch das (in meinen Augen bislang schönste) Cover ziert, bietet ebenfalls einen Einblick in eine fremdartige Kultur. Zudem verleiht es dem Buch, in dem der Nachwuchs Deanna Trois und William Rikers endlich das Licht der Welt erblickt, unheimlich Charakter, dass der wahre Star ein bislang eher stiefmütterlich behandeltes Besatzungsmitglied ist.

Kritikwürdige Aspekte: Wale, Wellen, Wetter.
Bin ich da der einzige, der dabei an „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ denken muss?
Es ist sehr betrüblich, dass dieser offensichtliche Bezug hier keinerlei Beachtung findet. Keine Bemerkung (die ich am Ende des Buches schon erwartete), dass die mysteriöse Walsonde diesem Planeten enstammte.
Ja, nicht einmal eine Bemerkung, dass einst eine solche Sonde vorbeischaute, um 'Hallo!' zu sagen!
Wer jetzt aber denkt, der Turon 47 hat nichts zu meckern, und saugt sich was aus den Fingern, liegt völlig falsch.
Extrem störend ist zum Beispiel der autobiografischer Aspekt des Werkes. So lachhaft es klingt, aber der liegt bei einer Katze names Natasha - „zufällig“ auch den Name des Neugeborenen der Rikers.
Mit dieser kleinen Respektsbekundung hätte ich mich ja problemlos abgefunden, denn ich muss ja auch ehrlich gestehen, Katzen wirklich zu mögen.
Aber monatelanges Trauern, weil sich unter den Opfern der Borginvasion auch eine arkenitische Mieze befunden haben soll (vgl. S. 179ff.)?
Das geht doch etwas zu weit. Es ist selbstverständlich nicht schön, dass Bennett sein Lieblingshaustier verloren hat, und auch mich hat der Tod diverser Haustiere mitgenommen, doch die Rechtfertigung, im Angesicht einer solchen Katastrophe den Tod eines Pelztieres mit den Opfern eines Massenmordes gleichzusetzen, halte ich für reichlich übertrieben. Eine Holocaust-Tragödie, angelegt während des zweiten Weltkrieges, in der es um den Wellensittich einer jüdischen Überlebenden geht, der die Luftangriffe auf Berlin nicht überlebt hat, würde doch schließlich auch niemand ernst nehmen können und man muss ganz zwangsläufig an ein kleines Lied des österreichischen Kabarettisten Georg Kreisler denken:



Wenn jetzt ein Krieg ausbricht, was geschieht dann mit mein' Hund?

Doch dieses Beispiel ist nur die Spitze eines Eisberges. Was an diesem Werk nämlich so richtig nervt, ist das ständige Psychogebabbel. Das andauernde Gerede über projizierte Schuld, Selbstflucht und Selbsthass geht irgendwann nur noch tierisch auf den Wecker, denn wirklich jeder innerhalb der Titan-Besatzung schleppt ein völlig unnachvollziehbares pathologisches Problem mit sich herum. Ja selbst die Counselors des Schiffes; so dass man sich nach Tuvoks Freudscher Analyse (vgl. S. 269ff.) schon zu Recht fragen kann, ob hier blinde Einäugige führen oder andersherum.
Damit aber nicht genug.
In einer weiter entwickelten Gesellschaft wirkt es außerdem nicht sehr glaubwürdig, dass der Menschheit die amerikanische Prüderie, hier völlig falsch als „menschliche Sittsamkeit“ (S. 103) bezeichnet, über die Jahrhunderte erhalten geblieben sein soll. Als Europäer, dem nackte Brüste bereits im Nachmittagsprogramm der hiesigen Fernsehanstalten begegnen, wirkt das ganze Brimborium um vermeintliche Scham völlig fremdartig.
Und auch wenn es in diesem Zusammenhang lobenswert scheint, dass der Autor dies anprangert, schießt er bei seinem Versuch, entsprechende Sachverhalte anzusprechen, mächtig über das Ziel hinaus.
Statt damit aufzuräumen, mündet es darin, Schwangerensex (vgl. S. 60ff.), eine Erektion Rikers (vgl. S. 221) oder die Exkremente des selben (vgl. S. 282) ausgiebig zu thematisieren. Davon, dass die Beziehungen innerhalb der dreihundert Mann (und Frau, Neutren sowie Hermaphroditen) Besatzung sich lesen , wie ein „Who fucks Who?“ der Titan sei mal ganz abgesehen.
Das alles fühlt sich nicht so sehr nach Star Trek an. Selbst Frauenheld Kirk ging vergleichsweise diskret ans Werk und wenn entsprechende Praktiken auch auf der mit tausend Mann Besatzung ungleich größeren USS Enterprise NCC-1701-D genauso üblich waren, wundert es nicht, dass bereits ein TNG-Porno angekündigt ist.

Übersetzung: Eigentlich ist dieses Buch recht solide übersetzt.
Stephanie Pannen leistet gute Arbeit und lässt anfängliche Schwierigkeiten vergessen. Abgesehen von wirklich kleinsten, vernachlässigungswürdigen Fehler möchte ich daher den Hauptfeind der Übersetzung herausheben:
Die englische Sprache.
Klingt im ersten Moment einleuchtend, denn viele Begrifflichkeiten lassen sich nur unter Verlusten ins Deutsche übertragen. Gerade deswegen muss ich mal exemplarisch ein Beispiel lobend herausheben.
Auf Seite 39 ist nämlich folgender Dialog zwischen Vale und Torvig zu lesen:

Zumindest können Sie uns mit Ihrem, ähm, Fächer da erfrischen.
Danke Commander. Aber Sie wissen doch, dass ich mich in den verschiedensten Fächern auskenne.

Der lautet auf englisch so:

If nothing else, you can keep us cool with your, umm, fan there.
Thank you, Commander. I am a fan of yours.

Sicherlich ist es nicht dasselbe und vielleicht ist es auch nicht mehr so witzig. Nichtsdestotrotz ist es noch immer ein Wortspiel und darüber hinaus eines, dass verständlich bleibt. Die Eigenitiative der Übersetzerin ist daher absolut angemessen.
Schwieriger ist die Sachlage allerdings bei „Tailheads“, die hier eher schlecht als recht mit „Rüsselköpfe“ (S. 115) übersetzt werden. Da kann man zwar schimpfen, muss aber auch zugute halten, dass „Schwanzköpfe“ nicht unbedingt ein sonderlich geschickter Ersatz wäre, wie man spätestens ab Seite 193 feststellen muss. Dort wäre eine entsprechende Verwendung ebenso unangebracht wie in diesem kleinen Video.



Kindgerechte Aufarbeitung: Wer hat den besten Schwanz?

Ebenfalls alternativlos ist die vergleichsweise schnöde Bezeichnung der „squales“ als „Kalwale“ (S. 62). Tatsächlich ist der Begriff noch eine der fantasievolleren im Vergleich mit „Qualen“, „Walmaren“ oder „Kralen“.
Allerdings hätte man sie die Mühe sparen können, den planeteneigenen Wirbelsturm „Fleckie“ (S. 83) zu nennen. Ein wirklicher Star-Trek-Fan kann schließlich an der Originalbezeichnung „Spot“ eine Brücke zum Haustier Datas schlagen, was dadurch sicherlich gerechtfertigt hätte, diesen Begriff englisch zu belassen.
Dafür präsentiert sich der Rang des „Ensign“ (51) auf englisch, obwohl in diesem Jahrhundert (um 2381) in den Serien und Filmen durchgängig die deutschsprachige Bezeichnung „Fähnrich“ verwendet wurde.
Und natürlich klingt auch „Droplet“ (S. 27) cooler als ein „Tröpfchen“, doch es wäre vielleicht eine Möglichkeit, entsprechende Bedeutungsnuancen dem deutschsprachigen Leser zu vermitteln, in dem man Anmerkungen beifügt, die entsprechende Anspielungen erklären. Zwar ist das Beherrschen der englischen Sprache längst ein Kulturgut geworden, über dass jeder Mensch verfügen sollte, aber dann könnte man sich auch gleich den Aufwand sparen, ganze Bücher zu übersetzen.

Anachronismen: So wirklich viele Widersprüche lassen sich eigentlich nicht finden. Der einzige, den ich benennen könnte, zielt auch Vales Bedenken ab, die Schiffsphaser zu nutzen, um angreifende Kalwale zu betäuben (vgl. S. 305).
Wäre die Prozedur nämlich tatsächlich so kompliziert, wäre es realtiv unglaubwürdig, dass sie bereits über einhundert Jahre früher (also in einer technologisch weniger entwickelten Periode) eingesetzt wurde, um die Bewohner eines Stadtteils auf Sigma Iota II kurzfristig außer Gefecht zu setzen („Epigonen“).

Fazit: Der fünfte Titanband bietet Erholung von den verlustreichen Saltos und Purzelbäumen, die Destiny im Star-Trek-Universum geschlagen hat. Endlich wieder zieht ein Sternenflottenschiff zu Forschungszwecken ins noch immer spärlich erforschte All.
Niemand geringeres als Erfolgsgarant Christopher L. Bennett nimmt den Leser bei der Hand und zeigt ihm eine glänzend recherchierte Welt, spannende Lebensformen und eine unvorstellbare Zivilisation ganz ohne Technik.
Die Übersetzung ist überzeugend, die Anachronismen spärlich und nur ab und an stören die zu häufigen pathologischen Selbsterkenntnisgespräche und Aufarbeitungsversuche amerikanischer Prüderie.

Denkwürdige Zitate:

Und was, wenn wir dort draußen über die nächsten Borg oder das nächste Dominion stolpern?
Versuchen Sie, ihnen nicht zu verraten, wo wir leben.
Riker und Adm. Masc, S. 15

Wieso erlöst Du mich nicht einfach aus meinem Elend und sagst es mir endlich, Weib?
Xin Havreii, S. 124

Ich denke, dass man manchmal irgendetwas unternehmen muss, selbst wenn die Chancen auf Profit dabei schlecht stehen. Denn dann kann man wenigstens sagen, dass man es versucht hat.
Ist das eine Erwerbsregel?
Nein, meine Liebe. Es ist eine Lebensregel.
Bralik und Waen, S. 157

Die Dame, wie mich dünkt, gelobt zuviel!
Riker, S. 223

Symbiose. Das Leben da oben spürt den Schmerz des Lebens darunter.
Keru, S. 261

Oh, Tuvok, Sie alter Softie.
Troi, S. 324

Bewertung: Spaceward Ho!

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Weiterführende Leseliste:

Titan 01: Eine neue Ära
Titan 02: Der rote König
Titan 03: Die Hunde des Orion
Titan 04: Schwert des Damokles
Titan 05: Stürmische See

Kommentare:

  1. Hallo Turon,

    Deine Rezension ist wieder mal ein Gesamtkunstwerk allererster Güte! Keine Ahnung, wie Du das immer in so kurzer Zeit fertigbekommst.

    Ich habe gerade erst angefangen, das Buch zu lesen. Ich war im Vorfeld ein wenig besorgt, dass Bennett aus dem Roman wieder so eine unerträgliche Familienpackung à la "Mehr als die Summe" gemacht hat, da ja Riker und Troi hier Eltern werden. Nach dem, was ich aus Deiner Rezi herauslesen konnte, scheint das Thema Kinderkriegen aber nicht übermäßig präsent zu sein...

    Bin jetzt einigermaßen beruhigt und freue mich auf ein spannendes Unterwasserabenteuer mit der Titan-Crew.

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  2. Danke für die Blumen, Ameise! Ich verleg mal meinen Kommentar dazu auf Deinen Blog...

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  3. Hi Turon, ich befinde mich rein lesetechnisch zwar grade ganz woanders, aber ich habe schon immer mit einem Auge auf die Kritik zu diesem Roman gewartet, da ich den eigentlich in den nächsten Wochen angehen wollte. Jetzt lese ich den sehr positiven Anfang der Rezension und denke mir "juhu, das wird sicher ein Spass..."^^ Und dann kommt dieser Absatz:

    "Doch dieses Beispiel ist nur die Spitze eines Eisberges. Was an diesem Werk nämlich so richtig nervt, ist das ständige Psychogebabbel. Das andauernde Gerede über projizierte Schuld, Selbstflucht und Selbsthass geht irgendwann nur noch tierisch auf den Wecker, denn wirklich jeder innerhalb der Titan-Besatzung schleppt ein völlig unnachvollziehbares pathologisches Problem mit sich herum."

    Neineineineinnein... Genau DAS hat mich an den bisherigen Titan Romanen, bis auf den ersten, wirklich übermässig genervt... Und dabei möchte ich doch die Titan Reihe so gerne mögen... Die ellenlagen Passagen der Romane wo die einzelnen Psychosen der Besatzung bis ins Detail exerziert werden wurden von mmir irgendwann einfach nur noch genervt überblättert. Der arme Riker tut mir in der Seele weh, wenn ich drann denke, dass er die anscheinend einzige, fliegende Anstalt befehligen muss. Kein Wunder dass das Flottenkomando die alle so weit weg wie möglich haben möchte. ;)

    Aber ich sehe, es fällt auch anderen auf. Habe erst vor kurzen den TOS Roman Herr der Schatten gelesen, meiner Meinung nach ein sehr unterhaltsamer Roman mit tonnenweise spritzigen und interessanten Dialogen OHNE dass Kirk, Pille & Spock abstruse Psychosen zu bewältigen haben... Ansonsten wie immer Top Rezension und die Kritik zu Kobayashi Maru hat mich wirklich neugierig gemacht.

    Beste Grüße

    Carlito

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  4. Moin Carlito,

    Ja der "Psychoterror" ist meiner Meinung nach der größte Makel (Kolleginnen wie die Ameise sehen das anders, vgl. hier: http://st-rezi.blogspot.com/2011/01/titan-5-sturmische-see.html )
    Davon kann sich Titan nicht befreien und auch ich sehe darin langsam einen echten Stressfaktor. Natürlich muss sich ein Buch, dass sich unter anderem um Troi dreht, auch um die Tätigkeit eines Counselors drehen, aber ich hab nicht gleich Freud-gleiche Überinterpretationen erwartet.
    Ich versuche, das weiter im Auge zu behalten; und wer weiß, vielleicht erscheint der wirklich schöne Satz "Der arme Riker tut mir in der Seele weh, wenn ich drann denke, dass er die anscheinend einzige, fliegende Anstalt befehligen muss. " bald in einer meiner Rezensionen...

    Und nur nochmal zur Klärung (für alle Ungläubigen): "Kobayashi Maru" ist tatsächlich sehr empfehlenswert, sonst würde ich ja nicht 5 Punkte darauf verschwenden. Vielleicht hat da ja der Informationsfanatiker in mir die Bewertung bestimmt, aber ich für meinen Teil hatte meinen Spaß ;)

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