Mittwoch, 18. März 2009

Aufbruch ins Unbekannte

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Buchbesprechung Carey, Diane: Aufbruch ins Unbekannte; Heyne 2001.


Story
: Das Buch ist im Prinzip die Novellisation des Enterprise-Pilotfilms „Aufbruch ins Unbekannte" und beschreibt die Umstände der Jungfernfahrt der NX-01. Captain Archer trifft auf verwegene Klingonen, genetisch aufgewertete Suliban und rigelianische Zuhälter. Er muss schnell feststellen, dass seine Mission, den Klingonen Klaang auf seinen Heimatplaneten Qo'noS zurückzubringen schwieriger ist, als erwartet…

Lobenswerte Aspekte: Nach den Pilotfilmadaptionen Deep Space Nines („Der Botschafter“) und Voyagers („Der Beschützer“) begegnet uns endlich einmal ein Roman, der den Originaltitel der Episode verwendet. Viele Dialoge sind weitreichender als in der Folge und dem Leser werden offene Fragen beantwortet. So erfahren wir etwa, dass das Raumschiffmodell, mit dem der junge Archer zu Beginn der Episode spielt, ein Entwurf seines Vaters ist, den dieser nicht mehr benötigte.
Zusätzlich zur eigentlichen Erzählung befindet sich im „Anhang“ des Buches ein kleines „Making-Of“, das nähere Informationen zur Entstehungsgeschichte der Serie und zum Designkonzept gibt.

Kritikwürdige Aspekte: Wieder einmal ist das Buch scheußlichst übersetzt. So ist von klingonischen „Warbirds“ (S. 24) die Rede (Nachtrag: leider ist dies in der Serie ebenso) und die Cabal wird mit „Kabale“ (S. 126) übersetzt. Wo bleibt da aber die Liebe?
Der schlimmste Satz lautet allerdings: „Die Entladung verfehlte ihn um einige Zentimeter und bohrte sich in die Wind.“ (S. 186). Das alles spricht nicht unbedingt für gründliche Lektorenarbeit.
Die Charaktere wirken daneben zuweilen hölzern und besonders Reed, dem Carey scheinbar zusätzlich Leben einhauchen wollte, wirkt zu aufgesetzt. Seine britische Herkunft wird zu sehr überbetont und seine Gesprächsfreude passt irgendwie nicht zu seinem sonst so reservierten Wesen.
Überhaupt gibt es ja für Fans nur einen Grund, sich Novellisationen durchzulesen: Hintergrundinformationen. So ist es besonders interessant zu erfahren, dass in „Treffen der Generationen“ die Excelsior ihre Untertassensektion lösen kann oder dass im „Zorn des KhanJoachim der gemeinsame Sohn des genetischen Übermenschen und Marla McGivers ist. Doch scheinbar hatte die Autorin zuviel Angst, dass ihr Werk von der sich im Dreh befindlichen Serie eingeholt werden könnte, und somit verzichtete sie auch auf Zusatzinformationen, die dem Roman wenigstens etwas Interessantes gegeben hätten. So plätschert eine dem Leser bekannte Handlung mühselig vor sich hin, ohne dass man etwa erfährt, wie der Planet heißt, auf dem sich die Sulibanhelix befindet oder welche Lebewesen den Handelsposten auf Rigel X betrieben haben.

Anachronismen: Aufgrund der bereits angesprochenen Furcht der Autorin, einen Blick über den Tellerand hinaus zu wagen, gibt es auch nur wenige Anachronismen. Der einzige wirklich bedeutende Schnitzer ist eigentlich die Behauptung Archers, sein gesamtes Leben in San Francisco zugebracht zu haben. Schließlich erfährt der interessierte Zuschauer der Serie, dass der spätere Captain aus dem US-Bundesstaat New York stammt („Sturmfront“) und sein Vater im Warp-Fünf-Komplex in Bozeman arbeitete, wo der juvenile Jonathan auch persönlich auf Zefrem Cochrane traf ("Eigenarten").

Fazit: „Aufbruch ins Unbekannte“ ist eine langweilige Novellisation eines erstklassigen Pilotfilmes, der mit den sonst üblichen zusätzlichen Informationen geizt. Lediglich der Anhang ist noch interessant, zumal die der Serie zugrunde liegenden Gedankenspiele durch die Absetzung von Enterprise nach der vierten Staffel eigentlich obsolet sind. Aber gerade deswegen lesen sie sich recht gut und man kann erkennen, dass doch einiges an Potential in der Serie steckte.

Denkwürdiges Zitat:

Jemand hat einmal gesagt, zwei Dinge hätten zu Anfang die Entwicklung des Internets vorangetrieben: Pornographie und Star Trek.“ Rick Berman, S. 205.

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Nur auf den ersten Blick unlogisch: Bücherlesen und im Internet surfen


Bewertung: Bonusmaterial auf einer DVD mit halbherzig gemachten Filmen macht den Braten auch nicht mehr fett.

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Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele

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