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Sonntag, 7. Juni 2009

Der Rächer

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Buchbesprechung Shatner, William: Der Rächer, Heyne 1997/200.

Story: Wieder einmal schwebt die Föderation in größter Gefahr!
Dieses Mal hat eine Gruppe von Öko-Terroristen ein heimtückisches Virogen entwickelt, das sich in erster Linie gegen Pflanzen richtet. Es ruiniert die Ökosysteme ganzer Welten und zerstört damit die Grundlage allen Lebens. Auf immer mehr Welten werden Ausbrüche dieses geheimnisvollen Erregers registriert und die gesamte Infrastruktur der Föderation droht plötzlich zusammenzubrechen. Zwischen Blockaden, Hilfstransporten und Grenzpatrouillendienst bleibt der Sternenflotte kein angemessener Handlungsspielraum mehr, um Herr über die immer mehr ins Chaos abgleitende Situation zu bleiben.
Die USS Enterprise NCC-1701-E hat den Auftrag, die Blockade des Alta-Vista-Systems zu übernehmen. Doch der Ausbruchsversuch zweier vermeintlicher infizierter Personen bringt Picard und seine Crew auf die heiße Spur: Sie können die Spur der Urheber nach Vulkan zurückverfolgen. Doch der Preis, den Picard dafür zahlen muss, ist hoch. Er selbst infiziert sich mit dem hochgradig ansteckenden Pflanzenkiller und wird fortan auf der Shuttlebay in Quarantäne gehalten.
Währenddessen sieht sich ein Hilfsteam auf einem der am schwersten betroffenen Planeten einem ganz anderen Problem gegenüber. Der Typ, der aus dem Nichts auftaucht, ein Naturheilmittel gegen die wie wild um sich wütende Epidemie mitbringt und reihenweise die Herzen der Frauen bricht, hat eine auffallend große Ähnlichkeit mit einer historischen Persönlichkeit: James T. Kirk. Als der Planet angegriffen wird, übernimmt genau dieser Mann die Gegenwehr und schnell wird allen Beteiligten klar, dass diese Ähnlichkeit kein Zufall ist. Kirk erkennt den künstlichen Charakter des Virogens und folgt dessen Spure bis nach Vulkan.
Botschafter Spock hat in der Zwischenzeit auf dem Konferenzplaneten Babel ein holografisches Geständnis zugespielt bekommen, auf dem ein ehemaliger Mitarbeiter seines Vaters offenbart, dass Sarek ermordet wurde. Zusammen mit seinem treuen Mitarbeiter Srell deckt Spock Stück für Stück eine Verschwörung auf, die den Zusammenbruch der Föderation vorbereitet und an der sein Erzeuger unmittelbar beteiligt war. Nur ein alter Bekannter auf Vulkan, seinerzeit ein Intimus seiner Eltern und eine Art Onkel für ihn, kennt viele der Antworten.
Alle drei Parteien treffen sich schließlich auf Vulkan wieder und gemeinsam gehen sie gegen die unsichtbaren Feinde vor, die allerdings Verbündete haben, von denen kaum jemand auch nur ahnen könnte…

Lobenswerte Aspekte: Das Jahr 1997 stand im Zeichen der Furcht. Ebola beherrschte die Nachrichten und der erst zwei Jahre zuvor erfolgte Filmstart von „Twelve Monkeys“ war noch immer in aller Munde. „Der Rächer“ passt perfekt in diese Zeit und die Bedrohung der gesamten durch Krankheitsausbrüche und die Thematik des sorgsamen Umgangs mit der Umwelt beherrschten die Nachrichten.
Shatner hat sich also eines beliebten und noch immer hochaktuellen Themas angenommen. Denn auch in Zeiten der Vogelgrippe, des Milzbrands und der Schweinegrippe sollte uns bewusst sein, dass eine virale Ausbreitung auf unserem globalisierten Planeten eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere gesamte Zivilisation ist. Shatner und seine helfenden Elfen Judith und Garfield Reeves schaffen es, diese Atmosphäre in die Zukunft zu tragen und somit in Star-Trek-typischer Manier ein aktuelles Thema in dieses Universum einzuweben.
Ähnlich wie im Vorgänger „Die Rückkehr“ gibt es auch hier eine besonders interessante Verknüpfung: Kirks Jugenderlebnisse auf Tarsus IV werden in einen größeren Zusammenhang gestellt und auch wenn ich die These, dass der Planet für das erste Symmetrikerexperiment missbraucht wurde, nicht immer schlüssig fand, muss ich doch zugeben, dass die Idee sehr reizvoll ist.
Geradezu genial fand ich den Lösungsansatz, wie man am besten aus Holo-Gefängniszellen ausbricht. Er bewies nicht nur ein interessantes Verständnis der Technologieform; die Idee, dass nicht nur Kirk, sondern auch drei andere Personen auf die Lösung kamen, wirkt mitunter geradezu versöhnlich. Besonders diese Stelle und wenige andere, an denen auch anderen Personen Freiräume gestattet wurden, um aus dem übermächtigen Schatten Kirks herauszutreten, wirkten genau dadurch erfrischend und glaubhaft.
Kirk wirkt in diesem Buch eher wie im fünften oder sechsten Kinofilm – forsch, tatendurstig – aber auch einfühlsam und komisch. Im Gegensatz zur schwachen Darstellung als Borg-Vergewaltigungsopfer in „Die Rückkehr“ erscheint er hier nahezu sympathisch und angenehm. Ganz besonders das zweifellos eindringlichste Motto der Figur, nämlich niemals aufzugeben, wird zu einem Grundtenor dieses Werkes, der zuweilen eine Brücke vom alten Mann aus einem vergangenen Jahrhundert zu einem neuen Leben in einer neuen Zukunft schlägt.
Doch auch andere Kontinuitätslinien sind auffällig. Wieder einmal wird eine Riege von Gaststars aufgeboten, um der Handlung Glanz zu verleihen. So trifft der aufmerksame Leser neben der TNG-Crew auch auf Spock, Pille, Ki Mendrossen, das MHN, T’Pring, Stonn oder Hugh.
Auch das wiederholte Wiedersehen zwischen Pille, Spock und Kirk verlief diesmal nicht ganz so kitschig und das erste Aufeinandertreffen Spocks und Kirks war sogar clever inszeniert und würde Vergleichen mit anderen Star-Trek-Filmen durchaus genügen.

Kritikwürdige Aspekte: Wo wir gerade bei Kontinuität sind: Auch in der Selbstbeweihräucherung Shatners in puncto Darstellung des legendären James Tiberius Kirks legte der Autor keine falsche Bescheidenheit an den Tag. Hier wird dick aufgetragen, da über die Maßen auf den Putz gehauen und schließlich die Figur völlig überhöht.
Die Föderation ist dem Untergang geweiht, und weil es in dieser Generation nur Nulpen und Vollpfosten gibt, die Raumschiffe kommandieren, wartet das Universum nur auf die Rückkehr des seiner eigenen Perfektion bewussten Toupetträgers. Spock ist verzweifelt, Picard den Tränen nahe und die ganze Föderation sehnt den neuen Messias herbei…
Wer mag da wohl wiederauferstehen und die Zukunft vor der drohenden Apokalypse retten? Natürlich, William Shatner! Oder, wenn der grad nicht kann (manchmal zwickt es ihm böse im Rücken, hab ich mal gelesen), seine Projektionsfläche: der heldenhafte Jim Kirk!
Aber ein treuer Leser meines Blogs schrieb im Kommentarbereich zu „Die Rückkehr“:

Dieses Buch spielt für mich in einer alternativen Gegenwart - dem Shatnerversum - hier kann der selbstverliebte ü70er schalten und walten wie er will.“ DomPatHug, 27. April 2009

Weil ich nun gerade solchen hilfreichen Kommentaren offen gegenüber stehe und getreulich versuche, so eine Rezension auch mal aus einem anderen Blickwinkel heraus anzugehen, hab ich mir das zu Herzen genommen und gebe zu, dass dieses Buch unter dieser Prämisse durchaus lesbar ist. Nun gut, Star Trek XI hat sich wenigstens zur Verlegung der Rahmenhandlung in ein Paralleluniversum bekannt, aber bei Shatner implodiert zumindest die Heimatwelt der Vulkanier nicht!
Also sah ich mit einem eher belustigten Gesichtausdruck dabei zu, wie sich eine juvenile Sternenflottenmieze in eine sechzigjährige Knackwurst verliebt. Mit Erheiterung erfuhr ich von den Haarfantasien Shatners:

Er hatte längeres Haar als auf dem Bild, und sie waren nach hinten gebunden.“ S. 79.

Und schließlich prustete ich vor Lachen, als Kirk als erster Mensch mit einem Vulkanier verschmolz – gegen den Willen des telepathisch überbegabten spitzohrigen Symmetrikers!
Höhepunkt ist jedoch ohne Frage, dass nun Spock und Kirk auch noch so eine Art Gedankenverschmelzungsblutsbrüder sind – Eine Wendung, die ich bei Karl-May-Festspielen, aber dann doch nicht bei Star Trek erwartet hätte…
Hinzu kommt, dass das Buch neben diesen Egotrips diverse Logikschlaglöcher aufzuweisen hat, die das Lesen zu einer recht holprigen Fahrt machen.
Im 24. Jahrhundert, dessen größter technologischer Fortschritt meiner bescheidenen Meinung nach in der Erfindung von Replikatoren liegt, sollte eine Pflanzen vernichtende Virenseuche eigentlich kein so großes Chaos auslösen. Und wenn so ein großes Unglück schon die gesamte Föderation in Atem hält und so sehr schwächt – warum bemerkt man beim zeitgleich laufenden DS9 nichts davon?
Zudem fand ich die Behauptung, man könne Pflanzenextrakte und Salben gegen Nanosonden einsetzen, äußerst gewagt. Wenn es tatsächlich so eine Art homöopathisches Anti-Borg-Nivea gibt, dann sind die Borg eigentlich nichts weiter als eine Art heftiger Schnupfen, an dem nur dummerweise unzählige Welten des Deltaquadranten leiden. Das wird der Sache einfach nicht gerecht und nimmt den Borg den Schrecken, den andere Serien ihnen zugestehen. Doch wer weiß schon, auf welcher Grundlage das Parfüm hergestellt wurde, das Dr. Phlox an dem Tag aufgetragen hatte, als die Borg erfolglos versuchten, ihn zu assimilieren (ENT „Regeneration“)?

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Altes Laub für neues Leben

Schließlich fand ich die abschließende Moral der Geschichte merkwürdig. Einerseits ruft Kirk zu verantwortungsvollerem Umgang mit der Umwelt anderer Systeme auf, aber andererseits legitimiert er das Vorgehen der Öko-Terroristen, da diese durch ihre Aktionen das gesellschaftliche Interesse weckten. Nun, das Buch wurde wohl eindeutig vor dem 9. September 2001 geschrieben, denn auch wenn diese Anschläge das Bewusstsein für die Probleme in der muslimischen Welt geschärft haben, wage ich zu bezweifeln, dass Shatner eine ähnliche Lehre aus diesen Ereignissen ziehen würde.
Bleibt schließlich noch, an der Übersetzung zu kritteln. Diese ist gar nicht so schlecht wie in „Die Rückkehr“, und wenn man sich an den doofen Gewohnheitsfehlern „Starfleet“ (S. 20), „Insignienkommunikator“ (S. 235) oder „Diskussegment“ (S. 342) nicht aufhält, findet man nur wenige schwerwiegendere Fehler wie falsche Adjektive („Das Cupric-Gruppe […]“, S. 295), dass/damit-Schwächen („[…] damit ich ihnen die Nachricht überbringe […]“, S. 44) Eigennamenschreibfehler („Earl Gray“, S. 273) oder Unkenntnisbeweise für Star-Trek-Begriffe („ShirKa“, S. 246 statt „Shi’Kahr“).
Natürlich nerven erneut die vielen Medo-Kombinationen in diesem auf medizinischen Aspekten fußenden Roman: Obwohl es selbst im Deutschen als „Medkit“ übernommen wurde, finden wir hier das „Medokit“ (S. 364) und seine Mutantenbrüder „Medotechniker“ (S. 252), „Medo-Logbuch“ (S. 275), „Medo-Abteilung“ (S. 275), „Medo-Einrichtung“ (S. 277) und „Medo-Schiffe“ (S. 396). Ich weiß wirklich nicht, wer dafür verantwortlich ist, dass sich diese Bezeichnungen bei Star-Trek-Romanen so durchgesetzt haben, doch diese Person sollte sich bewusst sein, dass diese ganzen in den Serien und Filmen völlig anders bezeichneten Begriffe die Kluft zwischen Buch und Kanon unnötig vergrößert haben.
Doch so eine Übersetzung hat natürlich auch ihre natürlichen Grenzen. Wortspiele, wie um den Begriff „the real McCoy“ – der übrigens nix mit der fürchterlichen Eurodance-Truppe zu tun hat, die meine Generation in unserer Jugend nervte - sind nun mal nur unter großen Verlusten ins Deutsche übertragbar – und dafür kann auch kein Übersetzer der Welt etwas.




Anachronismen: Sicherlich erinnert sich der ein oder andere noch daran, dass die „Tellariten“ in der TOS-Episode „Reise nach Babel“ von der deutschen Synchronisation noch rücksichtslos als „Tellurier“ bezeichnet wurden. Erst in der Enterprise-Serie änderte sich dies grundlegend. Als „Telluriten“ (S. 32) wurden sie allerdings nie bezeichnet.
Doch die bislang jüngste Star-Trek-Serie mauserte sich schließlich zum Hauptstolperstein für diesen Roman, was allerdings auch verständlich ist, da sie erst weit nach der Veröffentlichung von „Der Rächer“ überhaupt entstand.
So führt diese Serie den Beweis, dass kaum noch jemand weiß, was sich in den frühen Tagen der Erdenraumfahrt zugetragen hat. Selbst der Hobbyhistoriker Picard weiß laut dieses Buches nicht, dass es nach dem 21. Jahrhundert sehr wohl eine Isolationsbewegung auf der Erde gegeben hat (ENT, „Terra Prime“).
Obwohl sein Kapitänskollege Kirk zeitlich viel näher an dieser Weltraumpionierzeit geboren wurde, offenbart auch er große Bildungslücken, als er nach terroristischen Aktivitäten auf Vulkan fragt. Weder ihm, noch dem eifrigen Spock-Assistenten Srell fällt der Anschlag auf die Erdenvertretung im Jahr 2154 ein (ENT „Der Anschlag“), obwohl die dahinter stehende Organisation durchaus der Erwähnung wert gewesen wäre.
Überhaupt kollidiert das Vulkanierbild zu oft mit dem bei ENT und den bereits in anderen Serien und Filmen zuvor postitulierten Eigenschaften der Vulkanier.
So beschreibt Shatner die Gedankenverschmelzung zwischen Vater und Sohn als elementaren Baustein in der elterlichen Beziehung. In der ENT-Folge „Stigma“ hingegen ist zu erfahren, dass nur ein Teil des grünblütigen Volkes überhaupt in der Lage ist, diese Prozedur durchzuführen.
In der dritten Staffel gibt T’Pol in „Impulsiv“ einem jungen MACO-Soldaten Folgendes zu verstehen: „Wir haben Emotionen aber für gewöhnlich halten wir sie unterdrückt – unter Kontrolle.“ Warum sich Riker jedoch aus dem Fenster lehnt, und sich auf S. 344 dazu hinreißen lässt, seiner späteren Frau den Satz „Es sind Vulkanier, Deanna. Natürlich waren da keine Emotionen spürbar.“ um die Ohren zu schlagen, wird wohl ein Geheimnis bleiben, zumal auch in mehreren anderen Kanonerwähnungen die emotionale Kontrolle der Vulkanier angesprochen wird (Star Trek V: Das unentdeckte Land, TNG „Botschafter Sarek“, DS9 „Freies Schussfeld“ oder VOY „Gewalt“).
Warum schließlich für Rikers Kollegen Lieutenant Commander Data Gefahr bestehen soll, wenn er sich ohne Schutzkleidung zu lange dem offenen Weltraum aussetzt, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Abgesehen von Datas letztem Kurzausflug in Star Trek: Nemesis überlebt sein baugleicher Bruder Lore eine ganze Zeit im offenen Raum, bis ihn endlich ein Pakled-Frachter aufliest (TNG „Die ungleichen Brüder“).
Ein pikanter Kanonbruch bietet sich allerdings erst seit dem neuesten Kinofilm. Die technisch höchst fragwürdige, doch nunmehr Tatsache gewordene Überlichtgeschwindigkeitstransporterbenutzung Pine-Kirks und Pegg-Scottys widerspricht der Behauptung dieses Shatner-Kirks, dass normale Transporter Materie maximal über eine Reichweite von 25.000km transportieren könnten. Da die entsprechende Formel vom Montgomery Scott dieser Zeitlinie stammte, muss sie eigentlich auch für das Shatnerversum gelten…

Fazit: Mit ein wenig Toleranz für das Ego Shatners kann man „Der Rächer“ tatsächlich lesen. Zwar sind viele Details und Storyentwicklungen mit 'abstrus' noch sehr wohlwollend umschrieben, doch einige andere der hier auf das Tapet gebrachten Ideen können sich durchaus sehen lassen.
Noch immer sind die hier beschrieben Auswirkungen viel zu weitreichend, doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist dieses Buch geradezu herausragend und da auch die Übersetzung einigermaßen passabel ist, kann festgehalten werden, dass dieser der bislang angenehmste Roman aus der Feder Shatners war. Sicherlich noch weit weg von Weltliteratur; noch lange nicht in Sichtweite von Star-Trek-Autoren wie David Mack oder Peter David; doch mit den meisten Werken Vornholts, Vardemans oder Weinsteins hält dieser Band mühelos Schritt.

Denkwürdige Zitate:

Er hat schon eine Verschmelzung hinter sich. Mit dem Führer.“ Stron über Picard, S. 159

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Verschmelzungen mit Sarek gehören in einem aus der Mode gekommenen Seitenarm unserer Galaxie nun mal zum letzten Schrei

Aber… in seinem Logbuch steht, daß er Sie begraben hat.“
Hat er auch.“
Und…?“
Er hat es allem Anschein nach nicht sehr gut gemacht.“ Christine MacDonald und Kirk, S. 155

Auf abwesende Freunde.“
Und auf Dr. McCoy.“ Kirk und Spock, S. 220

Je länger ich in der Flotte bin, desto niedriger wird mein Dienstgrad.“ Kirk, S. 236

Die E? Was soll das? Fallen der Flotte keine Namen mehr ein?“, Kirk, S. 335

Und während wir darüber streiten, gehen Kulturen unter. Ich habe keine Geduld mehr zum Streiten. Die Zeit ist der endgültige, nicht mehr erneuerbare Rohstoff und sie läuft immer schneller davon.“ Kirk, S. 397f.

Bewertung: Zu ertragen, aber bestenfalls unteres Mittelfeld.

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Weiterführende Leseliste:

Shatner 01: Die Asche von Eden
Shatner 02: Die Rückkehr
Shatner 03: Der Rächer
Shatner 04: Das Gespenst
Shatner 05: Dunkler Sieg
Shatner 06: Die Bewahrer
Shatner 07: Sternendämmerung
Shatner 08: Sternennacht
Shatner 09: Sternenfluchten

Freitag, 24. April 2009

Die Rückkehr

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Buchbesprechung Shatner, William: Die Rückkehr. Heyne 1996.

Story: Captain Kirk ist wirklich tot, – und die NCC-1701-D ist eben grade auf Veridian III abgestürzt. Ein Team von Technikern sichert unter der Leitung Rikers letzte Schiffssysteme, während Botschafter Spock eingetroffen ist, um von seinem alten Captain Abschied zu nehmen. Doch plötzlich wird das Bergungsteam von einem unbekannten Feind angegriffen – die Reste der Enterprise werden bombardiert und der Körper des toten Kirks wird vor den Augen seines Freundes davongebeamt.
Hinter dem mysteriösen Angreifer verbirgt sich eine militante romulanische Splittergruppe, die sich mit den Borg verbündet hat, um die Föderation auszulöschen.
Sie beleben die tote Sternenflottenlegende Kirk, um sein Gehirn zu waschen und ihn auf den einzigen Mann zu hetzen, der einer Invasion der Borg entgegenwirken könnte: Jean-Luc Picard

Lobenswerte Aspekte: „Die Rückkehr“ erschien im selben Jahr wie Star Trek: Der erste Kontakt und wenn man bedenkt, dass so ein Buch seine Zeit zur Konzeption und braucht, ist es erstaunlich, wie viele Details aus dem Film im Buch ebenfalls auftauchen. Hüben wie drüben werden z.B. Projektilwaffen gegen die fast unsterblichen Maschinenwesen eingesetzt und auch Picard ist mit seinen Gefühlen den Borg gegenüber nicht im Reinen.
Commander Riker und Admiral McCoy sind beide wirklich gut getroffen und immer wieder fällt auf, dass ein immenses Faktenwissen miteingeflochten wurde. Daran Schuld sind sicher das Autorenpaar Judy und Steven Garfield Reeves, die Shatner beim Schreiben unter die Arme griffen.
Genial ist übrigens meiner Meinung nach die Idee, V’ger und die Borg miteiander in Verbindung zu bringen. Ich hab zwar irgendwie darauf gewartet, dass auch noch enthüllt wird, dass die Borg-Königin niemand anderes als die Deltanerin Ilia ist, aber zugegebenermaßen bietet bereits der Ansatz schon eine Möglichkeit, diesen Gedanken in späteren Werken auszuführen.

Kritikwürdige Aspekte: Das absolut Störendste an diesem Buch ist die andauernde Selbstbeweihräucherung Kirks. Wenn man die verschiedenen Lobeshymnen auf den Charakter liest, kann man sich Shatners wütende Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung seiner in Star Trek XI sehr lebhaft vorstellen.



Shatner oder nicht Shatner? Eine längst beantwortete Frage

Im Großen und Ganzen liest sich das Buch wie ein Hip-Hop-Song: Alle anderen sind schlechte Kopien und Kirk ist der größte, der schönste, der schlauste! – Nur wo sind seine Leute da draußen?
Die kommen natürlich auch in einem widerlich kitschigen Moment zusammen: der alte Spock und der an den Rollstuhl gefesselte McCoy dürfen ihren guten alten Freund noch einmal sehen, bevor er wieder stirbt – oder doch nicht? Das Ende des Buches lässt diese Frage im Raum stehen und arbeitet, ohne auch nur eine Sekunde Zweifel daran aufkommen zu lassen, auf ein weiteres Leben Kirks hin.
Doch wie viele Tode kann dieser alte Mann denn noch überleben? Erinnern wir uns: In Star Trek VI: Treffen der Generationen sah Kirk schon nicht mehr allzu jung aus, und laut Memory Alpha war er bereits 60 Jahre alt. Ich möchte den sechzig Jahre alten Menschen sehen, der gegen Worf, der bereits große Erfahrungen in dieser Disziplin hat (und auf Forcas III einen entsprechenden Wettbewerb gewann) und knapp 30 Jahre jünger ist, einen Bat’leth-Kampf so klar überlegen gewinnt.

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Eine schlechte Collage – obwohl der Fall auf den ersten Blick eindeutig aussieht, wird Kirk den Klingonenmann noch besiegen

Überhaupt ist dieser lahme Kampf ein gutes Beispiel für die Schwächen des Buches: Die spannenden Stellen sind nicht spannend, die lustigen nicht lustig. In Kombination mit einer Storyline, die so abgehoben und syrreal wirkt, macht es das Lesen zu einem entnervenden Prozess, bei dem man sich irgendwann nur noch wünscht, dass es endlich zu Ende ist.
Als ganz besonders schlimm empfand ich persönlich die Stellen, in der die Fantasie des Schreiberkollektivs scheinbar völlig durchgegangen ist. Assimilierte Dobermänner? Hallo?! Borg-Hyperwürfel? Geht’s noch? Ein Riesenborg wie in Elite-Force II? Get a live!
Erschreckend ist, dass Shatner offen mit den Konventionen der Star-Trek-Autoren bricht. Im Anhang des ersten Vanguard Buches schreibt David Mack von seinen ersten Romanideen, und wie er sie verwarf, weil sie einigen goldenen Regeln des Schreibens von Star-Trek-Romanen widersprachen. Solche Regeln sind natürlich sinnvoll, um die Kluft zwischen Büchern und Kanon nicht zu groß werden zu lassen. Aus diesem Grund sind Bücher, in denen so weitreichende (Quadranten umspannende) Veränderungen beschrieben werden, dass sie früher oder später mit einer Serie oder einem Film in Konflikt geraten müssen, kontraproduktiv und können einfach nicht ernst genommen werden. Würde beispielsweise jemand in einem Buch schreiben, dass sich das Romulanische Imperium plötzlich auflöst und die entfernten Cousins der Vulkanier zu Mitgliedern der Föderation werden, kann man an einem Finger abzählen, wann dieser Fantasie in einem Film oder einer Episode widersprochen wird. Solche Werke werden vom Kanon überholt und vom Publikum nur ungern gelesen.
Shatner ist es gelungen, genau solch ein Buch zu schreiben, dass so tiefgehende Auswirkungen auf die Star-Trek-Chronologie beschreibt, dass es früher oder später vom Lauf verschiedener Serien (DS9, VOY) und den Star-Trek-Kinofilmen widerlegt werden musste. Die beiden Reeves hätten ihm eigentlich so richtig mit einem Holzlöffel auf die Finger klopfen und diesem mittlerweile buchgewordenen Ausdruck von Größenwahn ein Ende setzen müssen, bevor es zum Druck gekommen ist.
Das alles wären schon viel zu viele Gründe, das Buch gar nicht erst zu lesen, aber es gibt noch mehr! Erschreckend sind die vielen kleinen Fehler, die nicht in den die Parameter des Star-Trek-Universums passen. Seit wann haben Schiffe der Defiant-Klasse Holodecks? Und was ist mit denen auf Deep Space Nine? Als das Programm ausgeschaltet wird, sehen sie nicht die eigentümliche Technologie der Holosuiten, sondern das gelbe Gitter auf schwarzen Grund.
Warum sollten die Romulaner ein Schiff „Arche“ (S. 54) nennen? Woher kennen sie überhaupt diesen Aspekt der Erdenmythologie?
Und was ist mit der Föderation los? Warum hat eine Forschungseinrichtung der Föderation „Garnisionsmauern“ (S. 126)? Besonders unnachvollziehbar finde ich, dass Picard und Crusher drei volle Tage mit Helm und Rüstung herumlaufen, schwitzen und keine Möglichkeit haben, ihre Klamotten zu wechseln oder zu duschen – trotzdem gelingt es der Chefärztin noch immer, weiches und duftendes Haar zu haben. Ich habe das gleiche im Selbstexperiment versucht, aber das Ergebnis war zu meiner Überraschung ein völlig anderes!!

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Und wieder ein aufopferungsvolles Selbstexperiment mit fatalen Folgen

Mein Lieblingsfragezeichen gilt aber dem Einsatz von Antimaterie. Diese wird nämlich freigesetzt und das, was eigentlich passieren müsste, wäre, dass es zu einer unaufhaltsamen Kettenreaktion kommt die die gesamte Planetenoberfläche wegradiert. Stattdessen trennt sie lediglich einem Klingonen ein Bein ab. Was soll das? Ist Antimaterie plötzlich harmlos geworden?
Neben der Realität werden auch die Charaktere recht stiefmütterlich behandelt. Mal abgesehen vom Superkirk wurden besonders Picard, Spock, Data und LaForge unheimlich schlecht getroffen, zumal man ständig das Gefühl hatte, als ob die vier letzteren absichtlich eine Stufe unter die Integrität des Landburschen aus Iowa gestellt wurden. Der ist nämlich noch übertrieben stärker, noch anziehender auf Frauen und noch integrer als zu TOS-Zeiten beschrieben.
Die vielen Querverweise und Anspielungen auf andere Ereignisse in anderen Star-Trek-Serien und –Filmen sind irgendwann zuviel und wirken streckenweise nur noch wie der verzweifelte Versuch, diese rahmensprengende Geschichte irgendwie in einen Gesamtkontext zu fesseln. Diese Verzweiflung ist besonders daran zu merken, dass die Autoren die schillerndsten Ortschaften der Galaxie aufsuchen (Deep Space Nine, Romulus, Qo’noS, Veridian, die „Borg-Heimatwelt“) und die wichtigsten Personen (Quark, Bashir, Spock, McCoy, die gesamte TNG-Crew) der bekannten Galaxis treffen lassen. Jene Bemühung erscheint dem Leser irgendwann aufgesetzt und wie der viel zu oft erprobte Versuch, einer schlechten Story durch den Einsatz von Gaststars unverdienten Glanz zu verleihen.
Abschließend bleibt schließlich ein wohlbekannter Kritikpunkt, für den allerdings nicht einmal William Shatner etwas kann: Die Übersetzung.
Es ist das alte Lied: Unnachvollziehbare Übertragungen wie „Diskus“ statt „Untertassensektion“ (S. 80), „Wrigleys Freudenwelt“ statt „Wrigleys Vergnügungsplanet“ (S. 140) oder „Jumja-Stock“ statt „Jumja-Stick“ (S. 247) zeugen davon, dass der Übersetzer von Star Trek keine Ahnung hatte. Wortschöpfungen wie „angelegentlich“ (S. 354) oder „Unflat“ (S. 96) oder gar der Satz „Dann knallte er in den Schmutz, als sei er statt von von [sic!] einer Bordsteinkante von einer drei Meter hohen Mauer gesprungen.“ (S. 42) zeugen hingegen von seiner Schwäche im Umgang mit der deutschen Sprache. Ich meine, dass es schon doof ist, in den Schmutz zu „knallen“, aber zweimal „von“ in diesem Satz ist schon einmal zu viel.
Besonders peinlich finde ich schließlich den auf Shuttlebays bezogenen Satz „Wahrscheinlich deswegen, weil die meisten Schiffe der Galaxis nur drei hatten.“ (S. 317). Nicht nur, dass dies streng genommen gar kein richtiger Satz ist; er offenbart auch noch einen bösen Übersetzungsfehler, der mit dem Unwissen des Übersetzers in puncto Star-Trek zu tun hat. Gemeint ist schließlich nicht die Milchstraße, sondern die Galaxy-Klasse, aus deren Reihe die ebenda beschriebene USS Challenger entstammt. Somit steht der Satz symbolhaft für diese – selbst im Vergleich zu anderen Star-Trek-Büchern – extrem schwache und schludrige Übersetzung.

Anachronismen: Für die meisten Anachronismen können die Autoren nichts, denn sie betreffen zumeist Punkte, die in nach 1996 gedrehten oder gesendeten Folgen geklärt wurden. So mutet es nur merkwürdig an, dass die Borg miteinander reden, statt, effektiv und störungsfrei, das Hive-Bewusstsein zu nutzen. Auch der Vertrag zwischen den Borg und den Romulanern wird erst im Voyager-Zweiteiler „Skorpion“ ad absurdum geführt. Schließlich ist auch die Verbindung von Borg und V’ger durch verschiedene Andeutungen während Star Trek Voyager mehr als fraglich. Gleiches gilt auch für die Beschreibung der Heimatwelt der Borg.
Die im Buch gerühmte Unzerstörbarkeit der Defiant-Klasse wird besonders eindrucksvoll in der Deep-Space-Nine-Episode „Im Angesicht des Bösen“ widerlegt. Auch die Beschreibung Romulus’ entpuppt in Star Trek: Nemesis und diversen Star-Trek-Episoden (TNG, DS9, ENT) als falsch.
Schließlich ist die kurzzeitige Umbenennung der USS Monitor in USS Enterprise nicht nur unlogisch und eklig kitschig, sondern auch schlichtweg nie passiert (vgl. DS9 „Immer die Last mit den Tribbles“).
Doch auch wenn eigentlich niemand etwas für diese Fehler kann, bleiben sie nervig und man fragt sich während des Lesens massiv, warum man sich so etwas zu Gemüte führt, obwohl man ganz genau weiß, dass es mit den Geschehnissen aus den Serien und den Filmen nicht vereinbar ist.

Fazit: Das Buch ist ein Beweis für die offensichtliche Talentarmut Shatners. Auch wenn ich seine Schauspielleistungen noch recht ansprechend finde, sind seine musikalischen und literarischen Fähigkeiten mit „armselig“ noch sehr wohlwollend umschrieben – da konnte nicht einmal das Co-Autoren-Paar Reeves was ausrichten. Um es im Jargon dieses Buches zu sagen: Das Lesen dieses Werkes ist eine Verschwendung von Ressourcen.

Denkwürdige Zitate:

Die Flotte flüchtet nicht.“ Willam Riker, S. 22

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Bewertung: Assimilierte Borgkacke fast außerhalb jeder Wertung.

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Weiterführende Leseliste:

Shatner 01: Die Asche von Eden
Shatner 02: Die Rückkehr
Shatner 03: Der Rächer
Shatner 04: Das Gespenst
Shatner 05: Dunkler Sieg
Shatner 06: Die Bewahrer
Shatner 07: Sternendämmerung
Shatner 08: Sternennacht
Shatner 09: Sternenfluchten