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Dienstag, 13. August 2013

Typhon Pact II: Feuer

Buchbesprechung Martin, Michael A.: Typhon Pact. Bd. II. Feuer. Cross Cult, 2010/2013.

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Story: Was man so alles findet, wenn man im Weltall herumstromert! Die Crew der USS Titan jedenfalls stößt auf eine Reihe von künstlichen Klasse-M-Planeten, die allerdings kein Leben aufweisen. Schnell wird klar, dass es sich kaum um einen Zufall handeln kann. Doch die Sternenflotte ist nicht die einzige Macht, die auf dieses außergewöhnliche Phänomen aufmerksam wird. Bei ihrer Suche nach den Ursprüngen trifft das Schiff unter dem Kommando William T. Rikers auf eine Expeditionsflotte der Gorn, die bereits einen Schritt weiter sind: Sie haben ein antikes Artefakt ausfindig gemacht, das in der Lage ist, planetare Objekte nach Belieben zu verändern.
Doch solch große Macht lässt sich auch immer problemlos als Waffe einsetzen. Dieser Umstand wird der Besatzung des Forschungsschiffes nur allzu deutlich, als sie erkennen muss, dass die verzweifelten Gorn gerade dabei sind, die Wirkung ihrer neuesten Errungenschaft in der Praxis zu testen – an einer bewohnten Welt...

Lobenswerte Aspekte: Nu gugge ma, die Gorn! Wenig bis gar nichts hat der in unseren Breiten beheimatete Star-Trek-Anhänger bislang über die kaltblütigen Reptiloiden erfahren können, die unter der Hand des offiziellen Kanons immerhin als Mittelmacht innerhalb der Einflusssphäre der Föderation gehandelt werden.
In seinem ersten auf deutsch erschienenen Solowerk schafft es Michael A. Martin auch mal ohne die tatkräftige Unterstützung seines Schreiber-Sidekicks Andy Mangels, aus den wenigen zur Verfügung stehenden Informationen eine schlüssige Gesellschaft aus dinosauriergleichen Echsen zusammenzubasteln, deren Komplexität und Glaubwürdigkeit den Leser in den Bann schlägt. Quasi im Vorbeiflug erklärt er, warum die beiden einzigen Real-Serien-Auftritte der Gorn so unterschiedliche Erscheinungsformen der Spezies boten (vgl. S. 11), festigt eine Abneigung der schuppenbewehrten Kreaturen gegen Säugetiere, die bereits in der dritten Staffel "Enterprise" anklang (vgl. S. 79) und kramt eine Reihe von ebenfalls auf Kriechtieren basierenden Föderationsmitgliedern aus, deren Auftritte ansonsten nur auf den Hintergrund einiger Kinofilme beschränkt waren (vgl. S. 163ff.).
Höhepunkt sind allerdings die beinahe lehrbuchartig zusammengetragenen und dazuerfundenen Gorn-Informationen. Angefangen dabei, dass die Spezies über mehr als einen Magen verfügt (vgl. S. 143), über die Gliederung der Gesellschaft in zusammengezüchtete Kasten (vgl. S. 24), bis hin zu Gruselgeschichten für reptiloide Kleinkinder (vgl. S. 145) leuchtet Martin großzügig eine große Menge an dunklen Ecken aus, die dem Fan bis dato verschlossen oder seiner eigenen Fantasie überlassen blieben. Besonders aber die Interpretation einer charakteristischen Gorn-Ausprache allseits bekannter Ausdrücke wie "Borg" (vgl. S. 18), "Kirk" (vgl. S. 20) oder "Metronen" (vgl. S. 116) zeugt deutlich von einer Detailversessenheit, die entscheidend zu einem positiven Gesamtbild beträgt.
Angenehm fällt dabei ferner auf, dass die Gorn trotz aller Abneigungen, Antipathien und Vorurteile erschreckend menschlich bleiben (auch wenn das in diesem Zusammenhang beleidigend klingen mag). Im Endeffekt spiegeln sich bei allen kulturellen Abweichungen in den herpetologischen Betrachtungen Martins auch immer wieder Wesenszüge wider, die wir aus dem eigenen Erfahrungsbereich kennen. So gibt es ebenso Platz für innige Männerfreundschaften (vgl. S. 55ff.) wie für herzerweichende Liebesschnulzen (vgl. S. 438ff.) und Hauptprotagonist S'syrixx entpuppt sich im Endeffekt sogar als so eine Art reptiloider Edward Snowden (vgl. S. 85ff., S. 327 oder S. 456ff.)
Und obgleich sich in letzter Zeit häufige Referenzen auf die einzelnen Star-Trek-Fernsehserien und -Filme (vgl. z.B. S. 44ff., S. 303, S. 335 u.v.m.) längst zum allgemeinen Standard für Star-Trek-Romanautoren gemausert haben, packt Martin noch eine Schippe drauf: Wie man in seiner Danksagung (vgl. S. 477ff.) ausgiebig erfahren kann, bediente er sich Dutzender Quellen und war sich auch nicht zu schade, auch Querbezüge zu den Entwicklungen in anderen Romanreihen zu positionieren (vgl. z.B. S. 34 zum Titan-Vorgänger "Synthese", S. 19 zum TOS-Buch "Das Schlachtschiff" oder S. 159 zum Comic "Die Gorn-Krise"). Direkt schade, dass einige davon, wie etwa "The Dying of the Light" (vgl. S. 19), "A Time to Heal" (vgl. S. 182) oder "Inferno" (vgl. S. 379) bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienen sind, während dieses Buch bereits weit in die Föderationszukunft greift.
Immerhin gibt es nach langer Zeit mal wieder ein (Nicht-) Lebenszeichen von Data (vgl. S. 353), vom dem der geneigte Leser von Comics wie "Countdown" ja immerhin schon weiß, dass er wie Phönix aus der Asche wiederauferstehen wird.
Wäre sonst noch etwas zu erwähnen?
Nun, die wundersame Rettung S'syrixx aus dem mörderischen Vakuum des Alls (vgl. S. 123) erinnert ein wenig an "Per Anhalter durch die Galaxis" und die refrainartige Wiederholung von Formulierungen wie "Wir gehen rein und wieder raus, niemand wird verletzt." (S. 97, vgl. außerdem S. 45) lässt an Jonathan Coultons Song "Redshirt" denken.



Kritikwürdige Aspekte: Wann ist ein Mann ein Mann? So fragte Herbert Grönemeyer die Bundesrepublik herausfordernd im Jahre 1984. In diesem Falle könnte man gleichsam plakativ die daran angelehnte Frage stellen:
Wann ist ein Typhon-Pact-Roman ein Typhon-Pact-Roman?
Denn mal ehrlich:
Von eben jenem Bündnis, dass als Gegenentwurf zur Föderation in die Welt gesetzt wurde, erfährt man in diesem Werk herzlich wenig. Der vermeintliche Höhepunkt ist eine ständig wie ein Damoklesschwert über der Handlung schwebende Flotte aus den Schiffen verschiedener Mitglieder (vgl. S. 220ff.), deren Ankunft man als Leser allerdings nicht einmal miterlebt. Da bleibt kein Platz für Konflikte mit Wesen, deren Cleverness die der vergleichsweise schwerfälligen Gorn übersteigt. Trotz der Bedeutung des Artefakts machen sich nicht einmal die Romulaner wie noch in "Der Telepath" die Mühe, den Antrieb eines ihrer Schiffe überzustrapazieren, um der Sternenflotte gegenüber einen taktischen Vorteil zu erlangen – und das obwohl das Terraforming-Artefakt auch eine Lösung für die Zerstörung Romulus' bieten könnte.
Im Vergleich zu "Feuer" verdient also selbst der dritte Destiny-Band "Verlorene Seelen" eher das Prädikat "Typhon Pakt", denn dort kann man immerhin etwas Substanzielles über diese dubiose Allianz erfahren. Den einzigen zusätzlichen Eindruck, den man vom Zusammenschluss der unterschiedlichen Partner in diesem Werk erfahren kann, ist, dass man sich kaum vor diesem neuen Gegner zu fürchten braucht, denn nachdem bereits klar wurde, dass die romulanischen Bündnispartner so eine Art Nordkorea mit Tarnkappenbombern darstellen und die Breen laut "Nullsummenspiel" in ihrer Integrität von FKK-Sektierern bedroht werden, kann man nun erfahren, dass den angeblich so mächtigen Gorn allmählich das Kanonenfutter ausgeht. Und wie bedrohlich eine Militärmacht ohne Armee sein dürfte, kann man sich an einem Finger abzählen.
Nein, dieses Werk ist viel eher ein Titan-Roman mit Gorn-Schwerpunkt. Entsprechend sollte er auch verpackt werden. Wobei das Problem an den Gorn bleibt, dass sie, wie es Christian Humberg im abschließenden Essay unter dem Titel "Too Far Gorn" selbst beschreibt (vgl. S. 481ff.), nur in einer einzigen Folge der klassischen Serie überhaupt einmal näher betrachtet wurden. Entsprechend häufig wird "Ganz neue Dimensionen" auch als Referenzpunkt herangezogen (vgl. S. 116, S. 210, S. 314 u.v.m.), wobei es relativ auffällig zufällig erscheint, dass ein Schiff, das nach dem Captain des Erstkontakts der Gorn mit den Menschen benannt ist (vgl. S. 19), ebenso munter im Geschehen mitmischt, wie ein Nachfahre eben jenes Crewmitgliedes, das anno dazumal die Menschen mit seiner Stimmenimitation hereinlegen konnte (vgl. S. 58).  
Überhaupt fällt es sehr schwer, den verschiedenen Gorn-Charakteren zu folgen. Das liegt allerdings weniger an ihrer Fremdartigkeit oder ihren Wehwehchen, sondern eher darin begründet, dass sie in puncto Figurenmotivation viel zu wenig zu bieten haben. S'syrixx' völlig aus der Luft gegriffener plötzlicher Gottglauben (vgl. S. 346) wird in seiner Unnachvollziehbarkeit nur noch durch den erschreckend häufigen Wechsel seiner Kooperationen und ständigen Insubordinationen übertroffen (vgl. S. 85, S. 201ff., S. 422 u.v.m.). Das wechselhafte Verhalten des Erzbösewichts Gog'resssh (vgl. S. 120f., S. 277, S. 308ff. u.v.m.) kann man nicht einmal mehr mit seiner Verstrahlung rechtfertigen; Captain Krassrr handelt krass inkompetent für jemanden in seiner Position (vgl. S. 148, S. 131ff., S. 299ff.) und Z'shezhira präsentiert sich in der entscheidenden Situation einfach nur unfassbar dämlich (vgl. S. 272). Spätestens ab der Mitte des Buches verliert es dadurch stark an Glaubwürdigkeit, zumal die merkwürdigen Entscheidungen der einzelnen Charaktere zu ebenso merkwürdigen Entwicklungen führen, denen es deutlich an Plausibilität mangelt.
Was aber nicht bedeuten soll, dass lediglich die Gorn die Leidensfähigkeit des Lesers auf die Probe stellen. Aber anstelle der übervorbildlichen Multi-Kulti-Besatzung der USS Titan, die einer meiner Leser nicht ganz zu Unrecht einmal als "Freakshow" bezeichnete, war es in meinen Augen vor allem die Menschen-Frau Christine Vale, die mich besonders störte. Innerhalb dieses Buches nimmt sie nämlich die Position ein, das Geschehen durch vermeintlich witzige (vgl. z.B. S. 445), coole (vgl. z..B. S. 396) oder gar rührselige Sprüche (vgl. z.B. S. 200) zu unterstreichen. Durch diese Dialoganteile verkommt der Posten des ersten Offiziers der Titan immer mehr zu einer Rolle, die dem Helden in Action-Filmen zukommt. Ich für meinen Teil warte nur noch auf ein "Yippieh-Ya-Yeah, Schweinebacke!", wenn die Titan es demnächst mit tellaritischen Separatisten zu tun bekommt.
Der Tiefpunkt war allerdings die völlig absurde Argumentation zur Obersten Direktive (vgl. S. 254ff.). Nur weil ein Volk zur Nutzung von Materie-Antimaterie-Energieerzeugung in der Lage ist, bedeutet das noch lange nicht, dass der Planet sich auch kulturell darauf vorbereitet hat, im Weltall auf fremdes Leben zu stoßen. Nicht umsonst gibt es zu genau dieser Thematik eine TNG-Folge mit dem programmatischen Titel "Der erste Kontakt", die sich der Autor in diesem Zusammenhang besser noch einmal angesehen hätte.
Aber vielleicht ist dieses Versäumnis gar nicht so schlimm, denn es hätte Martin wohl nur dazu animiert, weitere, noch mehr an den Haaren herbeigezogene Rechtfertigungen in sein Werk mitaufzunehmen. Damit hätte er ein ohnehin schon unnötig umfangreiches Buch nur noch weiter gestreckt. Die vielen Längen lassen sich am besten an der Einbindung der Zipf-Verteilungen festmachen (vgl. S. 243ff.), die dem Autoren laut Danksagung besonders am Herzen lag (vgl. S. 478). Die entsprechende Passage hat bei Lichte besehen überhaupt nichts mit dem geschilderten Problem zu tun und liest sich eher wie eine Selbstbeweihräucherung des Autors, der hier dem Leser seinen eigenen Wissensstand unverfroren unter die Nase reibt.
Cross Cult tut schließlich sein Übriges, um den Längen des Werkes Nachdruck zu verleihen. Doch obwohl man sich die überflüssige Crewauflistung (vgl. S. 473ff.) auch getrost hätte sparen können, muss ich zugeben, dass mir Christian Humbergs Erläuterungen zur Konzeptionsgeschichte der Gorn (vgl. S. 481ff) dieses Mal wirklich gut gefielen. Der kurze Abriss war gleichermaßen flott wie unterhaltsam, und auch wenn seine Wortspiele um die Reptilienkrieger vielleicht für einige Geschmäcker zu doof wirken mögen, waren sie in meinen Augen gerade deswegen so sympathisch...

Übersetzung: Viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei. Dass es aber auch Ausnahmen von der Regel geben kann, beweisen mit diesem Buch Sabine Elbers und Andrea Bottlinger. Vor allem in Hinblick auf den Umfang des Buches war die Aufteilung sicherlich eine probate Lösung. Besonders die Formulierung "Schiwe sitzen" (vgl. S. 200), die ich mir erst einmal ergooglen musste, fand ich in diesem Zusammenhang eine gelungene Übertragung von "to sit shiva", auch wenn diese jiddische Redewendung heutzutage nicht mehr allzu gebräuchlich sein mag.
Natürlich bedeutet die Zweiteilung längst noch nicht, dass das Buch frei von Fehlern ist. Kleinere Fehler mit Absätzen (vgl. S. 351) oder Kommata (vgl. S. 397) bleiben ebenso wenig aus, wie die Verwendung von "abfeuert" (S. 392), obwohl ein "feuert" völlig ausreichend gewesen wäre. Oder die fragwürdige Verwendung von "damit" (vgl. S. 383). Oder aber auch die Bezeichnung "Materiedisintegrator" (S. 382), die dem deutschsprachigen Verb "desintegrieren" unsinnigerweise die Stirn bietet. Und auch wenn ich ansonsten eigentlich ein Freund umgangssprachlicher Formulierungen bin, fand ich den Rückgriff auf "angepissten" (S. 199) etwas unangemessen.
Seit der zweiten TNG-Folge "Gedankengift" weiß man dank Datas Ausführungen ferner, dass Personen aus einem Schiff oder einer Luftschleuse nicht "hinausgesaugt" (vgl. S. 123), sondern viel eher "hinausgeblasen" werden (zumal im englischen Original ebenfalls von "blast" die Rede ist).
Zudem habe ich immer mehr dass Gefühl, dass sich Cross Cult an Heyne ein schlechtes Beispiel nimmt und sich einen Grundstock an eigenen Begrifflichkeiten aufbaut, die der deutschen Fernsehübersetzung widersprechen. Obwohl die für das Buch maßgeblichen Episode "Ganz neue Dimensionen" Teil einer Serie ist, in der konsequent vom "Fähnrich" statt vom "Ensign" (vgl. z.B. S. 44) gesprochen wird und auch die Trennsegmente auf Raumschiffe statt "Schotten" (vgl. S. 68 und S. 214) meist als "Schotts" bezeichnet werden, stellt sich der Verlag der Synchronisationsrealität tapfer entgegen (die Verwendung von "Datentafel" auf S. 327 statt des "PADD"s kann man hingegen geflissentlich unter den Tisch fallen lassen, sofern sie nicht zur Gewohnheit wird). Aber auch einen anderen Trend finde ich zunehmend bedenklich: Die verstärkte Anglisierung.
Obgleich im Buch durchgängig vom "Typhon-Pakt" gesprochen wird (vgl. z.B. S. 83, S. 118, S. 464 u.v.m.), prangt auf dem Buchcover die Bezeichnung "Typhon Pact", obwohl lautlich kaum Unterschiede bestehen. Wahrscheinlich denkt man sich noch immer, dass englisch belassene Begrifflichkeiten wie "Ensign", "Pact" oder "Moiety" (S. 383) mehr Pepp haben als ihre lahmen deutschen Äquivalente. Warum dann der poetisch-schöne englische Titel "Seize the Fire" zu einem schmucklosen "Feuer" verstümmelt wurde, verschließt sich allerdings meinem Verständnis.
Und wo wir schon dabei sind: Ein Adjektiv namens "gornisch" (S. 97) hat es bei Star Trek bis dato noch nicht gegeben. Nicht, dass ich die Verwendung eines passenden Adjektives per se unangemessen finden würde, doch wenn man zu so einem Schritt bereit ist, sollte man auch ein Adjektiv wie "gnalish" (S. 331 oder S. 422) mit einem zusätzlichen 'c' ausstatten. Oder anders ausgedrückt:
Wer 'gornisch' sagt, muss auch 'gnalisch' sagen!

Anachronismen: Wie zitiert Christian Humberg den Autor Michael A. Martin auf Seite 485 so schön?

"Die Lizenz gehört ihnen, also ist ihre Entscheidung die entscheidende, nicht die des Autors."

Unfreiwillig exemplarisch kann man diesen O-Ton auch auf den offiziellen Kanon anwenden, der Martins Werk erst vor kurzem mit brachialer Gewalt rücksichtslos überrollt hat. Des Steins des Anstoßes ist sich Humberg auf Seite 483 selbst sogar bewusst:

"Ein zweiter Fall interdimensionalen Namedroppings liegt bei STAR TREK INTO DARKNESS vor, J.J. Abrams' zweitem Beitrag zum STAR-TREK-Franchise. In diesem 2013 gestarteten Film, der die Abenteuer der Classic-Besatzung eines weiteren Paralleluniversums schildert, erwähnt Dr. Leonard H. 'Pille' McCoy, er habe bei einer Kaiserschnittgeburt von acht Gorn helfen müssen - 'und diese kleinen Bastarde beißen!'"

Damit wird der entscheidende Anachronismus, der den gesamten Buchinhalt mit sich in den Abgrund reißt, gleich im Buch mitgeliefert.
Denn die achtlos in den Raum geworfene Randbemerkung der fahrlässigen Drehbuchschreiberlinge klassifiziert die Gorn zu einer lebend gebärenden Spezies und für ein Buch, dessen Geschichte vollständig auf der Zerstörung von lebenswichtigen Ei-Ablage-Gründen der Gorn fußt, bedeutet es unweigerlich den Todesstoß. Wozu ein Werk lesen, dessen Inhalt dem offiziellen Kanon widerspricht?
Oft ernte ich Unverständnis dafür, ältere Bücher nach neueren Standards zu bewerten. Aber genau das war einer der Beweggründe zur Eröffnung dieses Blogs. Schließlich ist der offizielle Kanon mehr als nur ein Bewertungsmaßstab (der sich außerdem nicht ohne weiteres von der Hand weisen lässt). Er ist ein Fahrplan für zukünftige Entwicklungen innerhalb der Franchise. Gerade für die vielen detailversessenen Fans (wie mich) bildet er den roten Faden, der die Rahmenbedingungen ganzer Universen festlegt.
Damit befinde ich mich aber auch oft im gleichen Dilemma:
Martins Beschreibungen der Gorn-Brutstätten sind in meinen Augen nämlich viel glaubwürdiger als die gedankenlose Dialogzeile aus dem zwölften Kinofilm. Allein schon die Tatsache, externe Faktoren bei der Nachkommenschaft verschiedener Kasten miteinzuplanen (schon allein Temperaturen können bei manchen Reptilien unseres Planeten über das Geschlecht entscheiden), fand ich vergleichsweise schlüssiger und das Konstrukt, dass Martin darum errichtete, war der beste Grund, das Buch überhaupt zu lesen.
Aber auch wenn das eher meine Wut gegen die absolut unnötige Behauptung in "Into Darkness" verstärkt, behalten Martins eigene Worte ihre Gültigkeit:
Die Lizenz gehört denen, die solchen Unsinn verzapfen, und nicht den ungleich kreativeren Autoren.

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'gornische Überraschungseier'
Fazit: Der erste deutschsprachige Soloroman aus der Feder Michael Martins ist keineswegs ein Typhon-Pact-Roman. Viel eher handelt es sich bei "Feuer" um einen weiteren Titan-Band, in dem einem Mitglied der Anti-Föderation etwas mehr Raum geboten wurde. Doch als ob Martin mit der Figurenmotivation, dem Umfang oder der Nachvollziehbarkeit nicht schon genug Krisenherde zu bewältigen hätte, versetzt ihm der zwölfte Kinofilm den ultimativen Todesstoß. Mit einer einzigen flapsigen Bemerkung über Entbindungspraktiken der Gorn verurteilt die Schreiberriege J.J. Abrams' das Werk zur Bedeutungslosigkeit und stellt damit den einzigen größeren Pluspunkt des Werkes in Abrede. Schade eigentlich!

Denkwürdige Zitate:

"Quäle dich nicht, mein Freund. So ist es nun einmal im Universum, der Prozess ist so alt wie das Leben selbst. Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Jäger und Beute. Fressen oder gefressen werden."
"Dann ist Überleben also ein Nullsummenspiel?"
"Meiner Erfahrung nach ist das für gewöhnlich so."
R'rerrgran und S'syrixx, S. 70

"Ich glaube, das Universum hat uns gerade einen dieser sprichwörtlichen 'Hasen in letzter Sekunde' gewährt."
Deanna Troi, S. 99

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"Ich glaube, ich sollte Sie warnen, Captain. Sie zeigen gerade einen Reflex, den ich bei Angehörigen der Sternenflotte schon sehr oft beobachten konnte."
"Was für ein Reflex soll das sein?"
"Der tief verwurzelte reflexartig auftretende Glaube, jeden im Universum retten zu können. Und gleichsam der Irrglaube, es tun zu müssen."
Dr. Shenti Yisec Eres Ree und William T. Riker, S. 198f.

"Ist das Befolgen der Obersten Direktive in diesem Fall nicht ähnlich absurd wie sich über den Natriumgehalt in einer Henkersmahlzeit Gedanken zu machen?"
Evesh, S. 240

"Ich bin empathisch, Chris. Nicht allwissend."
Troi, S. 325

"Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer."
Christine Vale, S. 330

Bewertung: Jüngstes Opfer des offiziellen Kanons.

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Weiterführende Leseliste:

Typhon Pact 01: Nullsummenspiel
Typhon Pact 02: Feuer

Sonntag, 8. August 2010

Destiny 02: Gewöhnliche Sterbliche

Buchbesprechung Mack, David: Gewöhnliche Sterbliche. cross cult 2008/2010.

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Story: Obwohl der zweite Band der Destiny-Trilogie direkt an den Vorgänger „Götter der Nacht“ anknüpft, reduziert sich die Menge der Haupthandlungsstränge auf drei:

1. Nach der Zerstörung der Caeliar-Heimatwelt und der unfreiwilligen Zeitreise in die Vergangenheit setzen die omnipotenten Superwesen die Uhr zurück auf Null. Sie krempeln die Ärmel hoch und suchen in den Weiten der Milchstraße nach einem neuen Heimatplaneten.
Allerdings muss ihre potentielle neue Bleibe eine ganze Reihe von Kriterien erfüllen: Abgeschiedenheit, M-Klasse, keine Spuren intelligenten Lebens und so weiter, und so fort.
Hilfe erhält der Chefwissenschaftler Inyx aus einer Richtung, aus der er sie nicht erwartet hätte: Erika Hernandez, die Anführerin jener Menschen, die im Prinzip für die planetare Katastrophe verantwortlich waren, leistet wertvolle Unterstützung.
Ihre überlebenden Kolleginnen sehen in dieser Art Beschäftigungstherapie ihres ehemaligen Captains jedoch nichts weiter als Kolloboration mit dem Feind und im Laufe der vielen folgenden Jahre der Gefangenschaft entfernt sich die alternde Frau immer mehr von ihren Kameradinnen. Als eine nach der anderen dem fortschreitenden Alter auf ihre Weise Tribut zollt und schließlich das Zeitliche segnet, schließt Hernandez, als der Tod auch bei ihr vorbeischaut, einen wahren Pakt mit dem Teufel...

2. Die USS Titan und ihre Besatzungsmitglieder teilen nach ihrer Entdeckung der neuen Heimatwelt der Caeliar das Schicksal ihrer Vorbesucher von der USS Columbia NX-02: Gegen ihren Willen werden sie für den Fortbestand der Isolation inhaftiert.
Während das Schiff und der Großteil der Besatzung im Orbit festgehalten werden, erlebt ein Außentrupp unter Leitung des ersten Offiziers Christine Vale live mit, zu welchen wahren Wundern ihre Wärter imstande sind.
Bei allem Respekt für die technischen Errungenschaften der Caeliar bleibt die Ausarbeitung eines Fluchtplanes die oberste Priorität für das Team auf der Oberfläche. Und tatsächlich gelingt es ihnen, ihren 'Gastgebern' ein Schnippchen zu schlagen und trotz der ständigen Überwachung ihr gewagtes Vorhaben in die Tat umzusetzen. Weit kommen Troi, Keru, Tuvok und die anderen dennoch nicht. Inyx selbst setzt ihren Bemühungen ein jähes Ende und konfisziert die Tricorder, die sie bis dato noch mit sich führen durften.
Damit wird Zeit zum akuten Faktor, denn die Ehefrau des Captains leidet nicht nur unter dem Freiheitsentzug. Ihre missglückte Schwangerschaft führt zu so akuten Problemen, dass Dr. Ree unverzüglich eingreifen muss, um wenigstens das Leben der Captainsgattin zu retten...

3.: Inzwischen haben Captain Dax und Captain Picard zueinander gefunden – rein dienstlich natürlich. Sie entdecken gemeinsam, dass der Azur-Nebel so eine Art Knotenpunkt für eine ganze Reihe von versteckten Subraumtunneln ist. Am Ende einer dieser Passagen warten die Borg und unternehmen von dort aus ihre ständigen Angriffe gegen das Gebiet der Föderation.
Während eiligst eine Flotte aus eigenen Schiffen und denen verbündeter Streitkräfte zusammengetrommelt wird, die den Kriegsschauplatz in den Delta-Quadranten verlagern soll, untersuchen die USS Aventine und die USS Enterprise einen Eingang nach dem nächsten, um jenen Schleichweg ausfindig zu machen, der von den Borg genutzt wird.
Aber der letzte gemeinsame Ausflug droht die gemeinsame Reise vorschnell zu beenden. Ein Kampfgeschwader der Hirogen nähert sich und einige der beutehungrigen Extremjäger gelangen an Bord der beiden Sternenflottenschiffe...

Lobenswerte Aspekte: Natürlich ist es irgendwann ermüdend, eine Lobeshymne nach der anderen auf David Mack zu singen, aber wenn man ehrlich ist, muss man schon eingestehen, dass dieser Mann so eine Art Stephen King unter den Star-Trek-Roman-Schreiberlingen ist – vielleicht nicht unbedingt ein Kandidat für den Literatur-Nobel-Preis, doch immerhin jemand, der wahrlich spannende Geschichten zu bieten hat.
Wie in Kings Roman auch liegen Spannung und Schrecken eng beieinander und machen es dem Leser äußerst schwer, sich dem Bann dieser Geschichte zu entziehen. Radikale Fanatiker-Borg, jagdbesessene Killer-Hirogen oder selbst der Befreiungsversuch der Titan-Landegruppe sind lebendige Zeugnisse gelungener Spannungserzeugung. Die Handlung schlägt Haken wie ein Kaninchen auf der Flucht, wobei man einschränkend natürlich eingestehen muss, dass das Niveau des ersten Teils nicht erreicht wird.
Das liegt in erster Linie jedoch weniger an Mack, als viel mehr an der Tatsache, dass die zweiten Teile von Trilogien generell dazu neigen, die Charaktere, deren Beziehungen sowie deren Hintergründe näher zu beleuchten. Das kann man etwa bei Herr der Ringe in „Die zwei Türme“, bei Star Wars in „Das Imperium schlägt zurück“ oder bei Douglas Adams' „Das Restaurant am Ende des Universums“ erahnen.
Legt man nun diesen Maßstab an, erkennt man rasch, dass die Story um Erika Hernandez und die Caeliar die eigentlichen Kronjuwelen dieses Werkes darstellen. Die im goldenen Käfig gehaltene Heldin des Romans setzt sich mit ihrem Stockholm-Syndrom gegenüber jener Spezies auseinander, an deren radikaler Dezimierung sie eine Mitschuld trägt. Die Tragik ihres Lebens und der beinahe faustische Fortbestand ihrer Existenz ist der Höhepunkt der clever ineinander verschachtelten Handlung.

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Dem Stockholm-Syndrom live vor Ort auf der Spur (Archivaufnahme)

Und wenn wir schon über die Moral reden, dann darf natürlich das Thema Sex nicht fehlen. Bereits auf dem Cover der deutschsprachigen Ausgabe wird an den sich deutlich abzeichnenden Nippeln der Hauptfigur die Komponente der Kopulation mehr als deutlich. Das setzt sich im Werk fort. So offen wie nie zuvor in einem Star-Trek-Roman setzen sich hier Frauen mit ihren sexuellen Bedürfnissen auseinander (vgl. S. 115ff.) und selbst Geordi und Worf dürfen ihre Frottier- (vgl. S. 127ff.) und Sado-Maso-Fantasien (vgl. S. 208ff.) ausleben, ohne dass der Leser an irgendwelchen Geschlechtsakten Anteil nimmt. Das ist ein Schritt weiter weg vom Image der Nerd-Franchise und sogar einige Etagen über dem traurigen Niveau, durch viel zu enge Korsetts für Jeri Ryan die Einschaltquoten von Voyager zu erhöhen.
Doch kehren wir ab, von diesen Höh'n, um zu Mack zurückzusehen!
Eines nämlich macht die Arbeit des Autors besonders (schwierig). Im Gegensatz zu seinem Kollegen King muss er nämlich ein ganzes Universum berücksichtigen, dass seinem kreativen Aktionsradius enge Grenzen setzt. Aber Mack scheint im Kanon wie der Fisch im Wasser zu schwimmen. Geschickt setzt er immer wieder Beweise um die Kenntnis vieler Informationen die sich in Serien wie TOS (vgl. S. 291), TNG (vgl. S. 174), DS9 (vgl. S. 231) oder Voyager (vgl. S. 167) ein.
Damit aber nicht genug! Auch die Informationen aus vorangegangenen Büchern wie „Die Gesetze der Föderation“ (vgl. S. 90), „Heldentod“ (vgl. S. 98) oder „Offenbarung“ (vgl. S. 126) finden hier ihre Aufnahme. Es ist sicherlich von Vorteil, den Inhalt dieser Werke zu kennen, um die größere Rahmenhandlung in ihrer Gänze erfassen zu können.
Außerordentlich gelungen fand ich den Umgang mit der Roman-Reihe „Vanguard“, die ja bekanntermaßen zu meinem großen Favoriten gehört. Einer der Hauptverantwortlichen für diese Serie ist – wie sollte es anders sein – jener David Mack, der auch die Destiny-Trilogie erschuf.
Logisch dass er es sich nicht nehmen lässt, sein 'Kind' miteinzubringen. Doch noch gelungener als die kurze Referenz durch die tholianische Botschafterin (vgl. S. 236) war die Verbindung zu Jetanien. Der rigellianische Chelone, der als Chefdiplomat auf der Station seinen Lebensunterhalt verdient, entstammt nämlich einer Spezies, über die man nur sehr wenig erfahren kann, da sich der einzige Auftritt der Wesen im offiziellen Kanon nur über wenige Sekunden des ersten Kinofilms erstreckte. Bei Vanguard erhält die Spezies einen Background und den transportiert Mack in Destiny weiter. Aus einer Andeutung über Kontaktgifte bei Jetanien in „Offene Geheimnisse“ wird hier tödlicher Ernst (vgl. S. 380).
Aber nicht nur die neueren Werke finden Berücksichtigung. Selbst ältere, mittlerweile angestaubte Referenzwerke der Star-Trek-Antike wie „Die Welten der Föderation“ oder dem „Star Trek Star Fleet Technical Manual“ finden mit der Erwähnung eines Kaferianers (vgl. S. 331) und eines Schiffes mit dem Namen Saladin (S. 363) eine angemessene Würdigung.
Mack wagt sich sogar noch weiter hinaus, denn auf Seite 107 lässt sich ein Querbezug zu einer Serie finden, die ihrerseits mit besonders häufigen Anspielungen auf Star Trek glänzt. Der 'braune Ton' aus der South-Park-Episode „Jetzt gibt’s was auf die Ohren“. Diese Anleihe passt recht gut in die Art Humor, die sich an der ein oder anderen Stelle immer wieder bemerkbar macht.
Die schönste aller Referenzen wird allerdings Deutschland zuteil: Seine Hauptstadt Berlin, von Star Trek eher unter 'ferner liefen' geführt, erhält in diesem Buch den Status des Amtssitzes des Gorn-Botschafters!

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Warum die Gorn ausgerechnet Berlin zu ihrem Botschaftsstandort auserwählten, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben

Kritikwürdige Aspekte: Wie bereits angedeutet, ist das Werk zwar spannend, hat allerdings im Vergleich zu „Götter der Nacht“ eindeutig an Tempo verloren. Zuweilen dümpelt die Handlung in Erwartung kommender Entwicklungen etwas vor sich hin.
Umso überfallartiger wirken da die letzten fünfzig Seiten, in denen nicht nur die Hirogen, sondern endlich auch die Borg ins Rampenlicht gestellt werden. Deren Abwesenheit mutet nämlich schon recht merkwürdig an, denn obwohl deren berserkerartiger Einfall ins Föderationsgebiet der Hauptgegenstand der gesamten Trilogie ist, umklammern ihre hiesigen Auftritte zu Beginn und am Ende des Buches eher eine Handlung, deren unbestreitbare Stars die Caeliar und ihre Geisel Erika Hernandez sind.

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Rarer Feind: Die neuen Borg

Deren Beschreibungen zogen scheinbar zu viel Aufmerksamkeit von der Darstellung der etablierten Charakteren. Picard, Dax, LaForge, Crusher, Worf und selbst Chakotay sind bestenfalls blasse Abbilder ihrer selbst und die lange Zeit faden Handlungsstränge um sie herum führen ganz zwangsläufig dazu, die Aufmerksamkeit auf den ungleich bewegenderen Abenteuern auf Neu-Erigol zu fokussieren.
Nicht einmal die gerade neu eingeführten Charaktere wissen zu überzeugen, selbst wenn sich Jasminder Choudhoury mit Worf paart (bzw. prügelt), Kadohata ihrer Familie zur Flucht in eine Hippie-Kommune rät (vgl. S. 273ff.) oder T'Ryssa statt eines einzigen nichts sagenden Auftrittes gleich drei davon vorweisen kann (vgl. S. 73f., S. 331 oder S. 366).
In ihrem Hass auf die Borg wirken die ehemaligen Drohnen Picard und Seven of Nine zwar vereint, doch die Zurschaustellung von Ausweglosigkeit und Hass passt nicht so recht ins Bild der beiden, die eigentlich allein durch ihre Existenz am besten wissen müssten, dass Widerstand eben nicht zwecklos ist.
Und dann ist da noch das leidige Thema Krieg. Bei Star Trek ist die ganze Galaxie voller neuer Welten, unbekannter Lebensformen und neuer Zivilisationen. Sie alle zu erforschen birgt schon genügend Potential für unzählige Star-Trek-Romane.
Statt dessen muss mal wieder der existenzbedrohende Nervenkitzel eines galaktischen Krieges dafür herhalten, den Leser bei der Stange zu halten. Null und nichtig wirkt der veraltet wirkende Vorspann TNGs. Von nahezu prophetischer Voraussicht geprägt erscheinen die wehmütigen Worte Picards in Star Trek IX:

Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, in der wir noch Forscher waren?

Selbst der Geist der neuen Titan-Bücher-Serie, sich nach den ganzen Kriegen wieder vermehrt der Erforschung der noch immer viel zu unbekannten Milchstraße zu widmen, wird mit dem Einbezug des Forschungsschiffes USS Titan ad absurdum geführt.
Mal ganz abgesehen davon, dass dadurch eine wichtige Komponente des Flairs von Star Trek verloren geht, so wirlich neu ist das alles immer noch nicht.
Der Krieg gegen die Borg unterscheidet sich weniger in Qualität als Quantität von TNG und Voyager, die Gefahr für die körperliche Liebe mit Worf wird auf fast identische Weise in „Gefährliche Liebschaften“ deutlich und von fremden Mächten besessene Besatzungsmitglieder (vgl. S. 214) gab es schon allein bei TNG mindestens drei mal („Die geheimnisvolle Kraft“, „Ungebetene Gäste“ und „Beweise“)
Der einzige Lichtblick dieser Reihe sind also die Caliar, die aus einem grauen Einheitsbrei herausstechen.

Übersetzung: Es kostete mich schon einiges an Absstraktion und Englischkentnissen, um den „Azur-Nebel“ (S. 11) als das selbe stellare Objekt zu identifizieren, das in „Tuvoks Flashback“ noch als „Azure-Nebel“ ganz anders ausgesprochen wurde.
Nun spricht es natürlich Bände, wenn das, was ich als erstes zu kritisieren habe, ein popeliger Umstand ist, der hier viel besser als in einer Serie behandelt wird.
Denn außer einem hier vergessenen Fragezeichen (vgl. S. 122), einem da unnötigen Anführungsstrich (vgl. S. 231) oder einem dort fehlenden Punkt (vgl. S. 234 oder S. 346) fällt nicht viel auf, was zu beanstanden wäre.
Nun ja, vielleicht drei kleine Sachen:
Der Plural von Schott wurde bei Star Trek in seiner deutschen Synchronisation Star Treks gemeinhin mit „Schotts“ und nicht mit „-schotten“ (S. 19) gebildet.
Auf „Auslandshilfe“ (S. 236) zurückzugreifen mag in den heutigen politischen Alltag passen, doch in einer Welt, in der Nationalitäten überholt sind und ganze Zivilisationen miteinander verhandeln, wirkt er doch reichlich antiquiert.
Dass sich plötzlich auch Crusher und Worf duzen (vgl. S. 208ff.), ist zwar nach all der gemeinsamen Dienstzeit nachvollziehbar, mutet aber merkwürdig an, wenn man durch das jahrelange Siezen in den verschiedenen Serien so fehlgeleitet ist.
So weit, so vernachlässigungswürdig.
Ganz besonders wenn man nämlich den Umfang dieses Werkes bedenkt, kommt man nicht umhin, hier der Übersetzerin Stephanie Pannen wirklich gute Arbeit zu bescheinigen.

Anachronismen: Die Armut an Übersetzungsmängeln setzt sich bei den Anachronismen fort. Wenn man wirlich etwas finden will, muss man schon weit ausholen.
Doch selbst dann ist mehr als ein miskroskopisch kleiner Halbfehler kaum zu finden.
Auf Seite 236 liest man vom „stachelbewehrten Schwanz“ der tholianischen Botschafterin. Nun gab es im Zuge aller Star-Trek-Serien und -Filme nur eine einzige Gelegenheit, einen Tholianer überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Im Enterprise-Zweiteiler „Die dunkle Seite des Spiegels“ kann man für einige Sekunden ein Mitglied dieser Spezies ausmachen, doch bei aller Ausnutzung von Zeitlupen und Standbildern konnte ich auf keinem einen Schwanz ausmachen- einen stachelbewehrten schon gar nicht.
Eher amüsiert hat mich der scheinbar aus dem deutschen Sprachraum stammende Manfred Vogel. Abgesehen von der düsteren Zukunftsaussicht, in der Mütter ihren Söhnen wieder diesen grausamen Vornamen verleihen, kenne ich diesen Namen recht gut:
Manfred Vogel war nämlich 1975 für den Halleschen FC Chemie Torschützenkönig der DDR-Oberliga.

Fazit: Der zweite Teil der Destiny-Trilogie büßt im Vergleich zu seinem Vorgänger etwas an Fahrtwind ein und auch der erwartete Ausbau der Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren bleibt teilweise aus. Mit wirklich neuen Ideen geht Mack eher sparsam um.
Sparsam vielleicht, aber dafür wenigstens ausgiebig. Lichtstreif am Horizont und tragender Balken dieses Werkes ist nämlich der Handlungsstrang um Erika Hernandez und die Caeliar, der besonders in diesem Band an Tiefe gewinnt.

Denkwürdige Zitate:

Aber Sie wissen ja, was man sagt: Der Rang ist wie Sex – er verändert alles.
Ezri Dax, S. 25

Sie reden, als ob Sie mir einen Gebrauchtwagen verkaufen wollen. Kommen Sie direkt zu den Risiken.“
Erika Hernandez, S. 262

Das Kommandieren eines Raumschiffes ist wie Witze erzählen, Nummer Eins. Das Timing ist alles.
Captain Picard, S. 388

Bewertung: Gelungener Caeliar-Roman.

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Weiterführende Leseliste:

Destiny 01: Götter der Nacht
Destiny 02: Gewöhnliche Sterbliche
Destiny 03: Verlorene Seelen

Sonntag, 4. Juli 2010

Destiny 01: Götter der Nacht

Buchbesprechung Mack, David: Destiny 01: Götter der Nacht. cross cult, 2008/2010.

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Story: Wieder einmal klopfen die Borg an die Tür der Föderation.
Nein, dieses Bild trifft es nicht ganz.
Also nochmal:
Die Borg kommen unangemeldet vorbei, klingeln nicht einmal und reißen beim Eintreten gleich die ganze Veranda nieder.
Schon besser!
Um den Motiven und Beweggründen der radikalisierten Borg auf den Grund zu gehen, richtet sich der prüfende Blick des Lesers auf die Ereignisse an Bord von vier verschiedenen Schiffen, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben.
Daher werfe ich mal einfach vier verschiedene Inhaltsangaben ins Rennen:

1. Die Columbia NX-02 befindet sich 2156 mitten im Kampf gegen die Romulaner. Die hinterlistigen Blutsverwandten der Vulkanier nutzen ein heimtückisches Computervirus, um die Kontrolle über die Bordsysteme des Schiffes zu übernehmen und die Besatzung zu zwingen, ihre eigenen Schiffe zu zerstören. Nur mit knapper Not kann die Columbia doch noch entkommen und in einer zwölf Jahre andauernden Unterlichtgeschwindigkeitsreise das nächste System erreichen. Am Ziel angekommen entpuppen sich die Eingeborenen als so hoch entwickelt, dass sie den popeligen Eindringlingen im Interesse ihrer eigenen Ungestörtheit die Weiterreise versagen. Schließlich wissen sie um die Tratschleidenschaft unterentwickelter Spezies! Captain Erika Hernandez findet sich daher rasch in einem goldenen Käfig wieder und macht sich keine großen Hoffnungen mehr darauf, ihre Heimat je wieder zu sehen. Nur ein paar ihrer Untergebenen werfen die Flinte nicht gleich ins Korn und planen eine folgenschwere Meuterei.

2. Im Jahr 2281 untersucht die hypermoderne USS Aventine unter dem Kommando Captain Ezri Dax' die Absturzstelle der Columbia NX-02 im Gamma-Quadranten. Es gibt kaum Hinweise darauf, was mit der Besatzung passierte und das ungewisse Gefühl, dass es im Wrack spuken würde, verunsichert die Mannschaft. Doch Captain Dax hat eine Ahnung, dass die Anwesenheit dieses Schiffes an diesem Ort mit den jüngsten Borgeinfällen im Zusammenhang stehen könnte, die ihr den Posten des kommandierenden Offiziers überhaupt erst ermöglicht haben.
Plötzlich jedoch sterben zwei ihrer Besatzungsmitglieder auf brutale Weise und als auch auf der USS Aventine ein Crewman auf ähnlich grausame Art eliminiert wird, ist dem jungen Captain klar, dass ein unbekannter Eindringling an Bord sein Unwesen treibt.

3. Währenddessen trüben dunkle Wolken das Eheleben der Rikers. Ihre gemeinsamen Bemühungen, Nachwuchs zu produzieren, drohen in einer weiteren Fehlgeburt zu enden und die ohnehin kriselnde Beziehung wird durch die Weigerung Deannas, eine (wenigstens für sie) lebenswichtige Abtreibung durchführen zu lassen, zusätzlich verschärft. Die Kommandohierarchie gerät ins Wanken und zu allem Überfluss lassen sich in der unmittelbaren Umgebung Hinweise auf einen Transwarpkanal der Borg oder zumindest etwas sehr ähnliches finden. Doch je näher die Titan dem Ziel kommt, desto offensichtlicher wird es, dass der Urheber dieser Anomalie nicht gestört werden möchte.

4. Zur gleichen Zeit kämpft die USS Enterprise NCC-1701-E als eines der Schiffe in der vordersten Frontlinie den verzweifelten Kampf gegen die Borg. Zur Verärgerung Picards ist die Enterprise als einziges Schiff der Sternenflotte im Besitz einer Waffe, die in der Lage ist, Borgkuben zu vernichten. Doch die Enterprise kann nicht überall sein und die andauernden Angriffe der Borg stellen eine gigantische Belastungsprobe für die Föderation dar. Picard versucht verzweifelt, den Ursprungort der Angriffe ausfindig zu machen...

Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Wohl kaum einer Star-Trek-Romanserie wurde so heiß entgegengefiebert, wie der Destiny-Trilogie und nun ist sie endlich da!
Und schon mit den ersten Seiten beginnt sie, auf ganzer Linie zu überzeugen und den geneigten Leser in ihren Bann zu schlagen. In geschickten Wechseln springt die Handlung wie eine Billiardkugel über die Bande: von Dax zu Picard, von Picard zu Riker, von Riker zu Hernandez und von Hernandez wieder zu Dax.
Das klingt im ersten Moment sicher nach einer Menge Wuselei, doch dem Wunderkind David Mack gelingt es eindrucksvoll, den verschiedenen Erzählebenen nicht nur Eigenständigkeit, sondern auch einen gemeinsamen Nenner zu verleihen. Schnell wird klar, dass es sich hier um ein größeres Ganzes handelt, dem alle Protagonisten nur im Zusammenspiel auf die Schliche kommen können.
Und David Mack wäre nicht David Mack, wenn er nicht auf jeder einzelnen Seite beweisen würde, wie gut er sich in der Materie 'Star Trek' auskennt. Spielend jongliert er mit den großen Themen dieses Romans, der nichts anderes ist, als ein gigantisches Crossover aus Enterprise, Titan, TNG und Deep Space Nine. Unzählige Referenzen, Kurzanspielungen und Rückblicke verweisen auf die Sachkenntnis des Autors und es wäre müßig, sie alle aufzuzählen, denn schließlich waren es Werke Macks wie „Der Vorbote“ oder „Ernte den Sturm“, die den entsprechend hohen Standard setzten, der mittlerweile zum guten Ton für alle jene gehört, die selbst einen Roman veröffentlichen wollen.
Daher soll heute mal ein anderes Kriterium als Gradmesser für Macks Einfühlungsvermögen in die Serien und Filme dienen. Dazu erlauben wir uns einen gemeinsamen (zugegebenerweise halbherzigen) Blick über den Tellerrand: In der Futurama-Episode „Der letzte Trekkie“ weist Fry auf eines der zentralen Paradigmen der Original-Serie TOS hin:

"Das ist üblich, bei jeder Episode: Jemand taucht auf, mit einem komplizierten Plan; dann erklärt er ihn mit einer einfachen Analogie."

Tatsächlich kann man so etwas als eine eherne Tradition bezeichnen, die nicht nur TOS, sondern auch TNG und später folgende Serien nutzten, um dem Zuschauer nicht das Gefühl zu geben, vom ganzen Techno-Gebrabbel völlig abgehängt zu werden.
„Was auf dem Bildschirm funktioniert, kann in einem Buch nicht schaden“, muss sich David Mack gedacht haben, als er folgenden Austausch zwischen Rennan Konya, Beverly Crusher und Geordi LaForge auf der Seite 139 verfasste:

Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass die Phaser darauf ausgelegt sind, Energieströme zu synchronisieren, und transphasische Waffen bauen auf das Gegenteil.
Äpfel und Orangen.
Wohl eher wie Äpfel und Forellen.

Aha! Keine Ahnung, wovon der sensible betozoide Sicherheitsrambo da eigentlich redet, doch der Arzt und der Chefingenieur können Licht ins Dunkel bringen: Der beschriebene Vorgang unterscheidet sich also nicht nur so sehr wie Kernobstgewächse von Zitrusfrüchten, sondern sogar wie Fisch von Obst! Fleisch und Grünzeug! Sehr einleuchtend!
Der österreichische Hauptmechaniker der USS Columbia, Karl Graylock, geht in seinen unblumigen Ausführungen auf Seite 299 sogar noch weiter:

Die Plattform erschafft ein intensives Subraumphasenstörungsfeld. Und die Impulse im Inneren der Säule sind Solitonwellen, genau wie Inyx gesagt hat. Ich denke, dass dieses Ding die Wellen durch den Subraum schickt und sie wie einen Bohrer benutzt, um ein Loch zu erzeugen, […] Der Phasenstörer arbeitet wie Mutter und Schraube und zieht die zwei Enden des Lochs zusammen, bis sie sich treffen.““

Bravo! Einfache Metaphern, die selbst ein mäßig handwerklich begabter Mann zu begreifen in der Lage ist! Mal eben mit Bohrer, Schrauben und Muttern die Funktionsweise eines künstlichen Wurmlochs zu veranschaulichen, ist schon eine Leistung, die einer entsprechenden Würdigung bedarf.
Damit ist allerdings nicht gesagt, dass das Niveau auf die Ebene eines Elektrikerlehrlings mit Lernschwäche herabgesenkt hätte. Ganz im Gegenteil!
William Shakespeare (vgl. S. 314), Walt Whitman (vgl. S. 260) und sogar Bertolt Brecht (S. 7), dessen „Mutter Courage“ hier das Einleitungszitat beisteuert, finden eine passende Einarbeitung in den Kontext und verlangen dem Leser zumindest etwas lohnenswerte Recherche ab. Gleichsam lohnend ist auch der Blick auf das Bild Pierre Drolets, dass den Autor David Mack überhaupt dazu trieb, dieses überaus spannende Werk zu verfassen.

Kritikwürdige Aspekte: David Mack bleibt sich treu. Wieder einmal überlässt er seiner Anhängerschar ein Buch, dem ein Ende fehlt. Die knapp 400 Seiten vergehen wie im Flug, doch am Ende findet man auf Seite 403 jenen bösen Satz, den man, gerade erst angeheizt von den kürzlich beschriebenen Entwicklungen, nicht wahrhaben will:

STAR TREK – DESTINY
wird fortgesetzt in
Buch II
Gewöhnliche Sterbliche

Neeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiin!! Ähnlich lautende Sätze waren bereits im vierten Titan-Band „Schwert des Damokles“ und dem fünften TNG-Relaunch-Werk „Mehr als die Summe“ der totale Stimmungskiller! Nun ist die Wartezeit auf den nächsten Band zwar überschaubar, doch gerade wegen des erhöhtes Suchtpotentials muss ich darauf hinweisen, dass man dieses Buch besser zu einer Zeit zu lesen beginnen sollte, in der die Veröffentlichung des dritten Bandes der Reihe unmittelbar bevorsteht.
Trotz seines auf dem ersten Blick großen Umfanges liest sich „Götter der Nacht“ nämlich fast wie von allein.
Doch der Leser muss für diese gnadenlose Spannung einen tödlichen Preis zahlen. Acamar, Ramatis, Barolia, Korvat und Admiral Owen Paris müssen für die Aufrechterhaltung der Dramatik das Zeitliche segnen. Für meinen Geschmack ist das in etwa so radikal wie die Idee, gleich den gesamten Planeten Vulkan auszuradieren, nur um ein paar jüngere Cineasten ins Kino zu locken. Doch wenn man Destiny liest, begreift man Abrams Schritt im elften Kinofilm schnell als logische Weiterentwicklung jener Radikalität, die bereits in diesem Buch seinen Anfang nimmt.
Ein Übermaß solcher Radikalität muss man in diesem Werk ebenfalls den MACOs zubilligen. Im Vergleich zu ihrem Pendant auf der Enterprise wirken diese Krisenreaktionskräfte der Columbia geradzu fanatisch!
Hatte ich sie mir zuvor eher wie eine erwachsenere Version der GSG9 vorgestellt, wirken sie hier plötzlich wie eine maoistische Guerilla-Terroristen-Truppe aus dem kolumbianischen Drogen-Dschungel. Die hirnlosen Charaktere irgendwo zwischen Kadavergehorsam und Führerwahn erinnern jedenfalls nur selten an ihre Vorbilder aus "Enterprise". Erst wenn man den Zweiteiler „Die dunkle Seite des Spiegels“ in den Kreis der möglichen Vorbilder aufnimmt, kann man gewisse Parallelen ziehen, doch die Vermutung liegt nahe, dass dies nicht in der Intention des Autors lag.
An Personen wie Foyle, Yacovino oder Pembleton manifestiert sich erstmals ein Problem, das man so bei David Mack nicht erwartet hätte: Eine ganze Reihe wichtiger Figuren offenbart deutliche Schwächen.
So wirkt der aus Folgen wie „Zuhause“, „Die Heimsuchung“ oder „Die Abweichung“ bekannte Captain der USS Columbia nur wie ein Schatten vorangegangener Darstelllungen. Etwas trostlos, schwach und kommandomüde wirkt die Frau wie eine Fehlbesetzung auf dem Kommandosessel und kann nur selten dem ungleich sympathischeren und kompetenteren Bild gerecht werden, dass auf Zelluloid von ihr gezeichnet wurde.
Eine ähnlich Fehlbesetzung in leitender Position tritt mit 'Captain' Ezri Dax auf. Also mal ehrlich, diese Figur wirkt stets so unsicher, ängstlich und aufgeregt, dass ich sogar Angst hätte, mit dieser Frau als Beifahrerin nachts in einem Panzer durch Berlin zu fahren! Sie bietet nichts von jener deutlichen Autorität wie sie Kirk, Picard, Sisko, Janeway und sogar Riker im Überfluss versprühen.
An diesem Punkt holt Jadzia ihren nachfolgenden Wirt wohl zu sehr ein. Die von Terry Farrell verkörperte Jadzia wäre tatsächlich eine Idealbesetzung dieses Postens gewesen, doch mit dem Wechsel zu Ezri und Nicole de Boer bedeutete es auch grundlegende Veränderungen für das neue Wesen, das aus der Vereinigung von Symbiont und Wirt entstand. Ihm sollte ein eigener Weg zustehen; ein eigenes Leben und eigene Entscheidungen. Gerade deshalb war die Entscheidung Ezris für Bashir und gegen Worf so interessant: Sie betonte den Unterschied.
Ezri Dax nun aber in Jadzias viel zu große Fußstapfen treten zu lassen, ist dem Charakter gegenüber unfair und funktioniert nur mäßig. Den harten Kommandanten eines neuen Superraumschiffes kann man ihr - trotz der Schilderungen aus "Offenbarung" - nur bedingt abnehmen.
Doch selbst jene Figuren, die schon tausend Mal nachvollziehbar beschrieben wurden, verlieren an Profil und Zurechnungsfähigkeit. Picard muss von seiner neuen Frau erst zur Vernunft geprügelt werden (vgl. S. 260), Riker heult sich mit dicken Krokodilstränen vor seinem ersten Offizier aus, die ohnehin alles von Anfang an gesagt hat (vgl. S. 64) und die ausgebildete Psychiaterin Deanna Troi kämpft scheinbar mit pränatalen Depressionen (vgl. s. 68ff.). Eine fürchterliche Nebenhandlung, die die für uns Europäer ohnehin schwer verständliche Abtreibungsdebatte in den USA mehr schlecht als recht thematisiert, denn der entsprechende Handlungsstrang auf der Titan so ekelhaft durchsichtig gestrickt, dass sich selbst ein mäßig fantasiebegabter Rosamunde-Pilcher-Freund problemlos ausmalen kann, dass die Caeliar ihr am Ende doch noch zu einer erfolgreichen Schwangerschaft und rosenfarbner Mutterschaft verhelfen werden.
Genauso schade ist, dass mit T'Ryssa das belebende Element des letzten TNG-Romans bedauerlicherweise in eine undankbare Nebenrolle verdrängt wurde. Ihr minimaler Kurzauftritt (S. 201) wird weder der Figur noch dem Potential gerecht, dass in der Halbvulkanierin steckt.
Etwas merkwürdig mutet außerdem die Namenswahl an, denn da spielen mindestens zwei alte Bekannte mit. Allein auf dem Kamikazeschiff USS Ranger dient nicht nur Nero (vgl. S. 183), sondern auch Schultheiss (vgl. S. 185)!

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Ein Schultheiss auf Nero und den Freitod der Ranger-Besatzung!

Weniger Wiedererkennungswert bieten die vielen Referenzen auf zuvor erschienene Bücher. Die Bände der Titan- und der TNG-Relaunch-Reihe sollte man gelesen haben und auch die Lektüre von „Die Gesetze der Föderation“ empfiehlt sich, um den ersten Abschnitt des Kapitels 15 richtig einordnen zu können. Bezüge auf Titel wie „The Brave and the Bold, Book II“ (vgl. S. 143), den Voyager-Roman „Full Circle“ (vgl. S.271ff.) und natürlich die obligatorische „A time to...“-Serie (vgl. S. 197f.) erschließen sich dem deutschen Publikum wenn überhaupt nur zaghaft, da die entsprechenden Werke bislang noch nicht in der hiesigen Landessprache erschienen sind.
Ganz besonders fade ausgefallen sind dieses Mal die „Zugaben“. Über den zweifelhaften Wert der aussagearmen „Timeline“ (S. 420/421) habe ich mich bereits in der Rezension zu „Mehr als die Summe“ ausgelassen. Aber auch die Auflistungen der „vorkommenden Besatzungsmitglieder“ der Schiffe USS Columbia (S. 404), USS Enterprise (S.405), USS Titan (S. 406) und der USS Aventine (S. 407), ist ein nicht minder schlechter Witz, denn sowohl auf der Columbia (Karin Gunnardóttir, Sidra Valerian, Brynn Melia), der Enterprise (Gary Weinrib, Rennan Konya), der Titan (Sariel Rager, Fo Hachesa, Aili Lavena) und der Aventine (Nevin Riordan, Naomi Darrow, Ensign Hockney) fehlen etliche, zum Teil handlungsrelevante Namen in der Liste.
Selbst Julian Wanglers Beitrag über die Chronologie der Borgangriffe (vgl.S. 411ff.) schert nicht aus dem Rahmen der Belanglosigkeit aus, denn wenn man über die entsprechenden Informationen nicht bereits selbst verfügt, lassen sie sich auch problemfrei im Internet recherchieren.

Übersetzung: Beim Lesen fühlt man sich schon etwas an den längst überwunden geglaubten Flair der Heyne-Übersetzung erinnert. Nicht nur, dass man auf das Wort „terranisch“ (S. 10) stößt, das in den verschiedenen Serien eigentlich den Spiegeluniversumsmenschen vorbehalten ist; auch die „Schotten“ (S. 382) feiern ein unnötiges Revival, wobei noch nicht einmal der Volksstamm von den britischen Inseln gemeint ist, sondern die Mehrzahl von „Schott“, obgleich in all den verschiedenen Serien der Plural „Schotts“ genutzt wurde.
In sämtlichen dieser Serien und Filmen habe ich ferner niemals das Adjektiv „subräumlich“ (S. 11) vernommen; von sehr frei übersetzten Begriffen wie „Raumfachwerk“ (S. 22) „Türglocke“ (S. 62) „Frachtbuchten“ (S. 311) ganz zu schweigen.
Hinzu kommen einige kleinere Fehler. So liest man auf Seite 314 „stüzen“ und auf Seite 141 „Rums“. Was sich wie der Genitiv oder Plural eines alkoholischen Getränkes anhört, soll in Wirklichkeit als onomatopoetischer Ausdruck für eine Explosion herhalten, obwohl bereits jeder halbwegs informierte Bildbetrachter des Lustigen Taschenbuches weiß, dass es korrekt „Rumms!“ heißen müsste. Daneben lassen sich weitere Flüchtigkeitsfehler wie in diesem Satz auf Seite 136 finden:

Wenn Choudhury recht hat, werden wir die Borg in wenige Stunden wiedersehen.

Ja sogar den Einsatz des Genitives, den ich eigentlich sehr schätze und selbst recht überschwänglich unterbringe, muss ich dieses Mal bemängeln:

Ich habe wegen dessen, was mit Yott und Komer geschehen ist, um eine Verlängerung gebeten, aber ich würde mich nicht darauf verlassen.

Da sich „wegen“ in diesem Fall (S. 149) auf etwas bereits Vergangenes bezieht, müsste hier eindeutig die Dativform „dem“ stehen, selbst wenn im süddeutschen Raum der zweite Fall den dritten oft verdrängt.
Verdrängen sollte man auch einige andere Übersetzungsmängel, die Unkenntnis über die Materie Star Trek vermitteln. So ein „Orione“ (S. 326) wird nämlich eher als „Orioner“ bezeichnet, und den Plural von „petaQ" richtig abzuschreiben, sollte eigentlich auch kein größeres Problem sein (vgl. S. 270).
Besonders gewundert hat mich auf Seite 347 die Anrede „Foyer“. Redet Yacovino allen Ernstes mit einer Eingangshalle? Oder verwurschtelte da die Übersetzerin Stephanie Pannen die beiden Protagonisten „Foyle“ und „Thayer“ zu einer Person, um Buchstaben zu sparen? Oder meinte Sie gar „Feuer“? Ein Mysterium, dessen Aufklärung Pannen uns schuldig bleibt.
Nun will ich nicht nur meckern. Die eigenmächtige Paarung von „Unfall“ und „Zufall“ (S. 270), die es in der englischen Sprache so ja nicht geben kann, ist clever gemacht und zeigt einen Aktionswillen, den ich mir bei der bereits erwähnten Analogie mit den Äpfeln und Orangen (vgl. S. 139) gewünscht hätte, denn im Deutschen gibt es eine ähnlich lautende Redewendung: Äpfel mit Birnen vergleichen.

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Von links nach rechts: Apfel, Orange, Birne, Forelle

Anachronismen: Wer Vanguard bereits kennt, der weiß, dass Anachronismen in David Macks Werken eher die Ausnahme denn die Regel bilden. Intensive Recherchen und geballtes Fachwissen des Autors verhindern, dass sich Widersprüche dieser Art trotz intensiver Suche überhaupt finden lassen.
Allerdings ist „Götter der Nacht“ nur der Startpunkt eines Dreiteilers, der sich viel zu klären vorgenommen hat, weswegen ich bis zum letzten Band „Verlorene Seelen“ eine endgültige Aussage vorbehalte.

Fazit: Wie nicht anders zu erwarten beglückt David Mack den Käufer von „Götter der Nacht“ mit einem spannenden, gut abgestimmten und authentischen Start in eine Trilogie epischen Ausmaßes.
Doch Mack geht für sein Ziel über Milliarden von Leichen und wütet im bekannten Star-Trek-Universum wie ein Berserker – der Vergleich mit Abrams elftem Kinofilm ist nicht unbedingt abwegig.
Die großen Schwachpunkte bilden allerdings die für den Autor ungewöhnlichen Schwächen in der Figurendarstellung und eine Übersetzung, die unliebsame Erinnerungen an Heyne wach werden lässt.

Denkwürdige Zitate:

Sie sehen das Schlachtfeld, Jean-Luc. Ich muss den Krieg sehen.
Admiral Nechayev, S. 136

Im Wesentlichen ist es so, Frau Präsidentin, wenn die Föderation das hätte, was man in der Geschichte der Erde eine 'Weltuntergangsuhr' genannt hat, ständen ihre Zeiger jetzt bei einer Minute vor Mitternacht.
Admiral Akaar, S. 267

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Neulich kurz vor zwölf in der Föderation

Bewertung: Ein verheißungsvoller Start mit ungewohnten Mängeln.

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Weiterführende Leseliste:

Destiny 01: Götter der Nacht
Destiny 02: Gewöhnliche Sterbliche
Destiny 03: Verlorene Seelen

Freitag, 28. August 2009

Schwert des Damokles

Buchbesprechung Thorne, Geoffrey: Titan 04. Schwert des Damokles. cross cult, 2007/2009.

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Story: Die Crew der Titan wird jäh aus einem fesselnden Forschungsprojekt gerissen, als sie den verstümmelten Notruf eines Föderationsraumschiffes auffängt. Die einzige in Frage kommende Quelle ist das Schwesterschiff USS Charon, doch neben der Transmission empfängt die Kommunikationsabteilung einen unüberschaubaren Wust seltsamer Übertragungen aus einer unbekannten Kultur insektoider Wesen. Captain Riker bleibt kaum eine Wahl - er lässt einen Kurs auf den vermuteten Ursprungsort setzen, von dem beide Signale zu stammen scheinen, um das Rätsel zu lösen.
Die Stimmung an Bord ist derweil auf einen unerwarteten Tiefpunkt gesunken. Will Riker und seine Ehefrau Deanna Troi durchleben eine Ehekrise, der efrosianische Chefingenieur Xin Havreii hat Probleme, sich selbst in die Befehlskette einzuordnen und der cardassianische Kadett Zurin Dakal ist weit davon entfernt, von seinen Kollegen als vollwertiges Besatzungsmitglied respektiert zu werden. Das kollegiale Miteinander ist auf eine schwere Zerreißprobe gestellt, die die psychische Belastbarkeit der gesamten Crew auf das Äußerste strapaziert.
Noch bevor die Titan an ihrem Ziel eintrifft, wird sie plötzlich aus dem Subraum geschleudert. Ein Impuls unbekannter Herkunft setzt die herrschenden physikalischen Gesetze ds Raums außer Kraft und die Titan ist auf einmal zum untätigen Treiben im Raum verurteilt. Die Besatzung muss zusammenarbeiten, um Antworten und Lösungen auf das Problem zu finden.
Gemeinsam erkennt die Crew um Riker schließlich die Ursache für ihre missliche Lage: Die fremde Kultur nutzt die Warptechnologie auf eine so gefährliche Art und Weise als Energiequelle, dass sie auch den umliegenden Subraum gefährdet.
Riker sieht nur einen Ausweg: Entgegen seiner Interpretation der Ersten Direktive muss er Kontakt zu den Orishanern aufnehmen, um sie von der Gefahr ihrer Energiequelle zu unterrichten. Doch weder die Kommunikation noch der Warpantrieb stehen zur Verfügung - wie soll unter diesen Umständen gelingen, mit dem fremden Volk in Verbindung zu treten?
Es ist der bajoranische Wissenschaftsoffizier Najem Jaza, der auf die Idee kommt, im Schutze der Isolation des Schuttlebays das Picard-Manöver zu nutzen, um mit einem Shuttle die physikalisch auf den Kopf gestellte Region des Raums zu verlassen. Zusammen mit Havreii, Troi, Vale, Keru und des jungen Fähnrichs Mondan macht er sich auf den gefahrvollen Einsatz, der zunächst erfolgversprechend beginnt. Die Ellington entkommt dem Wirkungsbereich der Anomalie und nähert sich dem Planeten.
Doch anstatt die Probleme zu beseitigen, verschärft der Einsatz die Lage nur noch weiter. Nachdem das Shuttle von einem Raumschiff angegriffen wird, das die Kraft von Warpfeldern als Waffe nutzt, wird es in eine unbekannte Verwerfung gezogen und stürzt auf dem Planeten Orisha ab.
Doch die einzelnen Crewmitglieder finden sich nicht nur in verschiedenen Zeitebenen wieder, sondern erleben auch einen Planeten, der von der totalen Auslöschung bedroht ist. Stück für Stück setzen die einzelnen Außenteammitglieder die Rätsel dieses Puzzles zusammen und müssen erkennen, dass einer von ihnen den Planeten nie wieder verlassen kann...


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Der kleine Bruder von dem Damokles ihm seinem Schwert

Lobenswerte Aspekte: "Schwert des Damokles" knüpft an viele positive Elemente seiner Vorgänger nahtlos an. Neben der glänzenden Einführung in das neue Abenteuer muss ich insbesondere den Buchtitel lobend erwähnen, der vielleicht nicht sonderlich subtil, dafür aber überaus passend ist.
Die Tradition, die verschiedenen Serien als Referenzen für die eigene Geschichte zu nutzen habe ich bereits in den vorangegangenen Werken positiv herausgehoben. Auch in diesem Buch ist sie wiederum eindrucksvoll genutzt worden, und egal ob die Xindi mit den Orishanern verglichen werden (S. 107), Dakal als "Dunsel" gehänselt wird (S. 68) oder Keru sich ligonischer Kampfsporttechniken bedient (S. 251) - wirklich jede Serie findet in irgendeiner Form Berücksichtigung. Dabei ist es auch angenehm, dass Fehltritte der verschiedenen Fernsehablegern, wie etwa die Bezeichnung der Bajoraner als "Bajora", mit einem Augenzwinkern in den allgemeinen Kanon integriert werden (vgl. S. 61), ohne ignoriert zu werden. Selbst die gute alte 47 findet in diesem Buch die wohlverdiente Berücksichtigung (S. 326) und Dr. Sorans Ausspruch "Die Zeit ist das Feuer in dem wir verbrennen." in der Form eines el-aurianischen Sprichwortes zu übernehmen (S. 9), zeugt von Cleverness und einem Einfühlungsvermögen für Querverweise.
Wie in anderen Büchern der Titan-Reihe (z.B. "Der rote König") finden sogar Publikationen anderer Autoren Berücksichtigung, auch wenn die Erwähnung Calhouns (aus Peter Davids Reihe "Die neue Grenze") etwas kurz geraten ist (S. 114), da er einfach nur Bestandteil einer Aufzählung von Personen ist, die mit der Obersten Direktive der Föderation brachen. Abgesehen davon habe ich mich sehr über die Aufnahme der Brikar, einer meiner Lieblingsbücherrassen des Star-Trek-Universums, die zuerst im ebenfalls von Peter David verfassten Werk "Worfs erstes Abenteuer" auftauchten, gefreut.
Allerdings geht Thorne in dieser Aufzählung sogar noch einen Schritt weiter, als nur seine Schreiberkollegen zu berücksichtigen. Mit der Aufnahme Captain Joshua Grants in diese Liste erhebt er sogar einen Charakter des 1993 erschienenen Computerspiels "Judgement Rites" in den Adel dieser illustren Gesellschaft, die immerhin auch etablierte Figuren wie Pike, Kirk, McCoy, Gill, Tracey, Jameson, Sisko, Ransom oder Picard umfasst.



Erinnerungen an eine Zeit, als Star-Trek-Computerspiele noch cool waren

Daneben bringt er auch eine ganze Reihe eigener Ideen unter, die dieses Werk unglaublich bereichern. Die beiden Spezies Orishaner und Seleneaner sind in ihrer detaillierten Beschreibung wirklich außerordentlich gut gelungen und selbst die Düsterlinge, denen die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Abteilung der Titan am Anfang des Romans gilt, sind sicherlich ausbaufähige Storyelemente, die eine nährere Beschäftigung nachfolgender Autoren ohne weiteres rechtfertigen würden.
Zudem gelingt dem Autor das Kunststück, eine Science-Fiction-Geschichte mit glaubwürdigem Hintergrund abzuliefern. Für manche Leser sind es sicherlich nur Details am Rande, doch die Tatsache, dass Vale die Geschichten um solarwindbetriebene bajoranische Raumfahrzeuge für Ammenmärchen hält (S. 134), dass die Übersetzungsmatrix zuweilen unklare Begriffe auslässt oder nichthumanoide Wesen Schwierigkeiten haben, humanoide Spezies auseinanderzuhalten (S. 66) verleihen der gesamten Geschichte eine Nachvollziehbarkeit, die sich bei solchen Romanen leider viel zu selten einstellt. Außerdem sind die einzelnen Figuren stark voneinander differenziert und jeder einzelne hat andere Perspektiven, wird durch spezifische Charakteristika gekennzeichnet und folgt eigenen Motiven.
Symbolisch will ich dafür nur eine Szene nennen:
Nachdem Radowskis Neigungen für Keru bereits in "Der rote König" anklangen, meldet der versierte Transporteroffizier bei seinem Rettungsversuch weder das Überleben des ersten Offizier der Titan, noch der Ehefrau des Captains an die Brücke weiter. Stattdessen leitet er den Satz "Mr. Keru und der Rest sind wieder an Bord." (S. 335) an die Schaltzentrale des Schiffes weiter. Ohne beleidigend wirken zu wollen, unterstelle ich diesem Beispiel eine sich im Roman des öfteren offenbarende "Menschlichkeit", die dem angesprochenen Aspekt der Nachvollziehbarkeit stützt.

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Man weiß nie was man bekommt...

Kritikwürdige Aspekte: Einer der meiner Meinung nach belastendsten Züge des Romans sind die zu häufig auftretenden Rückbesinnungen Vales an ihre Mutter. Das, was man bei einem männlichen ersten Offizier ja noch getrost als verkappten Ödipuskomplex erklären könnte, wirkt streckenweise schizophren und passt kaum zum rabiaten Auftreten der dieses Mal rothaarigen Ersatzkommandantin. Streckenweise erinnerte dieses ständige Rückblicken eher an Forrest Gumps philosophische Retroperspektive seines Lebens, als an die Frau, die im ersten Roman - sicherlich zum Mißfallen ihrer Erzeugerin - noch mit Kraftausdrücken sonder gleichen um sich warf.
Einen anderen Fehler empfand ich als besonders peinlich. Als Troi ihren Bericht über Orisha präsentiert, vergleicht sie die Bewohner des Planeten mit anderen insektoiden Spezies wie den Xindi, Nasta oder Lactranern (S. 107). Abgesehen davon, dass nur eine der ursprünglich sechs Xindi-Rassen tatsächlich insektoid war und die Nesta meines Wissens nach zuvor nicht erwähnt wurden, sind die Lactraner in der TAS-Episode "Auf der Suche nach Überlebenden" eher schneckenartig dargestellt. Schnecken, als Vertreter der Weichtiere, bilden eine eigene Tiergruppe, die mit Insekten nichts zu tun hat. Vielleicht hätte Thorne hier auf Aaamazzariten, Jarada oder Penzatti zurückgreifen sollen, um Fehler zu vermeiden, die ein gründlicher Biologieunterricht verhindert hätte.
Seltsam mutet der Abkürzungswahn dieses Werkes an. Bei Buchstabenkombinationen wie TBV (S. 76), OD (S. 115), XO (S. 121), HUD (S. 135) oder UMUK (S. 136) fühlte ich mich streckenweise tatsächlich an einen Klassiker der fantastischen Vier erinnert.
An der Übersetzung muss ich dieses Mal nicht allzu viel herumkritteln. Natürlich gibt es, vor allem bei so einem Umfang, hier und dort Fehler, doch sie hielten sich in Grenzen und selbst die Dativisierungskampagnien vorangegangener Titan-Bänder ist in diesem Werk kaum spürbar. Gut, ab und zu gibt es Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung (S. 96 "Mangels" oder S. 287 "Gerecht") und ich bin ferner der Überzeugung, dass "Randomisierung" (S. 120) hier im falschen Kontext verwendet wird, doch ansonsten gibt es wenig zu beanstanden. Nur selten, etwa bei den Bezeichnung "terranisch" (S. 97) statt "irdisch" oder "zweiter Kampf von Chin'toka" (S. 81) statt "zweite Schlacht von Chin'toka", waren überhaupt Vergleiche zu der stümperhaften Heyne-Übersetzung möglich. Im Großen und Ganzen gibt es, trotz einiger weniger weiterer Fehler, von meiner Seite sogar Lob für diesen bislang am besten übersetzten Band der Titan-Reihe.
Zwei inhaltliche Sachen störten mich allerdings massiv an diesem Werk, und ich möchte abschließend diese beiden genauer betrachten.
Mich stört mittlerweile, dass es einen gewissen Besatzungsschwund bei der Titan gibt. Nachdem im letzten Band bereits Orilly Malar 'Entwicklungshilfe' für andere Spezies leisten durfte, ist jetzt halt Najem Jaza dran. Der Verlust des charismatischen Wissenschaftsoffiziers wirft vor allem zwei Fragen auf: "a.) Wer ist als nächstes dran?" und "Kehrt die Titan überhaupt in den Föderationsraum zurück oder wird jedes Crewmitglied dem Ruf des Unbekannten folgen?". Der Ansatz hat zwar eine gewisse Tradition im Star-Trek-Universum ("Pokerspiele", "Die alte Enterprise" oder "Eine Heimstätte"), wirkt jedoch nach zwei aufeinander folgenden Roman dennoch bedenklich.
Mein größtes Problem mit diesem Buch liegt in seinem Hauptaugenmerk. Die Grundfrage des Romans, die im "Beipackzettel", d.h. dem Julian Wangler verfassten Essay am Ende des Buches, treffend als Frage nach "[...] Vereinbarkeit von Glaube und Weltlichkeit, Glaube und Wissenschaft [...]" (S. 353) gestellt wird, ist für mich stets mit einem Bauchschmerzgefühl verbunden.
Ich persönlich denke nämlich, dass es hier einfach keinerlei Schnittstellen gibt, und bevorzuge eine Trennung, wie sie auch der bekennende Atheist Roddenberry propagierte.
Doch Thorne sah den Widerspruch zwischen TOS-Folgen wie "Der Tempel des Apoll" oder "Die Stunde der Erkenntnis" und der Serie Deep Space Nine, die ja unter anderem im Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft ihre Nische gefunden hatte. Er wollte eine Brücke schlagen, die die beiden extremen Positionen miteinander vereinbaren könnte.
Allerdings sehe ich bereits hier ein Problem. Zum einen gibt es sogar TOS-Episoden wie "Brot und Spiele", die christliche Religion glorifizieren, und zum anderen ist dieses Charakteristikum Deep Space Nines neben der unnötigen Zentrierung der Serie auf bildgewaltige Kriegserlebnisse nicht nur ein Gegensatz zu den Wünschen des Star-Trek-Erfinders Gene Roddenberrys, sondern auch der Grund, warum sie in meinen Augen die schwächste aller Star-Trek-Serien ist.
Natürlich ist das Element 'Religiösität' reizvoll, zumal die Idee der Propheten, die ein künstliches Wurmloch generieren können, viel Potential bietet. Doch obwohl es auch einige sehr gute Folgen gibt, sind es Episoden wie "Heilige Visionen", "Schatten und Symbole" oder "Bis daß der Tod uns scheide", die beweisen, dass bestenfalls esoterische Heiligenmärchen, keinesfalls jedoch gelungene Auseinandersetzungen mit dem Spannungsfeld Wissenschaft und Religion dabei herausgekommen sind. Das Serienfinale "Das was Du zurückläßt" war der traurige Höhepunkt dieser Entwicklung.
Das andere Problem liegt meines Erachtens darin, dass Deep Space Nine und "Schwert des Damokles" als Produkte amerikanischer Science Fiction eher als Ausdruck einer Nation, in der Religion eine viel bedeutendere Rolle als hierzulande spielt, zu verstehen sind. Im Land der Fernsehprediger, des Bible Belts und des Geldscheines, auf dem der Slogan "In God we trust" prangert, nehmen christliche Werte eine übergeordnete Stellung ein, die auch ein Ausdruck des Lebensgefühls ist.
Präsidentschaftskandidaten suchen alle vier Jahre die Unterstützung der verschiedenen Kirchen, um konservative Wählerstimmen zu gewinnen und der Verfassungseid ist ohne den Schwur auf die Bibel gar nicht vorstellbar. Der Sinnspruch der Dollar-Note ist mehr als nur ein Motto - er ist das Credo eines Großteils der Nation.
Es besteht also eine gewisse Notwendigkeit, populäre Kulturobjekte mit Religion zu vereinbaren, um die breite gesellschaftliche Akzeptanz und nicht zuletzt das eigene Weltbild zu erhalten. Sicherlich schafft Thorne diese Gratwanderung, doch ich behaupte, dass dieser Balanceakt für den durchschnittlichen deutschen Leser von Star-Trek-Romanen nur von geringer Bedeutung ist. Hierzulande gilt die Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Glaube als konzeptioneller Gegensatz, und Versuche, wie der 2005 im US-Bundesstaat Kansas initiierte Einbezug der Schöpfungslehre in den Biologieunterricht bestärken diese Sicht. Ein Roman, der in so starker Art und Weise amerikanischen Gesellschaftsansprüchen genügt, passt somit kaum in das multikulturelle und offene Star-Trek-Bild, das sich mir im Laufe der Jahre erschlossen hat.
Natürlich darf Religion in offenen Kreisen wie dem Popkulturphänomen "Star Trek" ebenso offen thematisiert werden, aber ich denke, wenn ein einsamer Bajoraner innere Stärke durch eine Plakette erhält, auf der "Suchet, und ihr werdet finden" (Matthäus 7,7 bzw. Lukas 11,9, außerdem Titan 4,351) dann riecht das für meinen Geschmack zu sehr nach einseitiger Betonung christlicher Werte und ebenso einseitiger Orientierung auf den amerikanischen Büchermarkt.

Anachronismen: Es gibt kaum etwas, was an diesem Werk zu beanstanden wäre. Trotzdem tritt hier ein Fall auf, den ich mir nicht erklären kann, zumal er in anderen Serien bei ähnlichen Situation nicht eintrat.
Als die USS Titan die letzte Botschaft der USS Cheron empfängt, fallen die Übersetzungsmatrices des Schwesternschiffes der Titan aus, so dass die auf Latein gemurmelten finalen Worte Captain Fortis' nicht übersetzt werden. Doch warum springen die der Titan nicht einfach ein? Funktioniert so etwas nur einseitig? Stammte die Kommandantin vielleicht vom Planeten 892-IV?
Ich meine, dass es ja schon unwahrscheinlich ist, in den letzten verbleibenden Sekunden unbedingt Latein zu sprechen, aber wie konnte die USS Voyager im Deltaquadranten Kontakt zu anderen Schiffen aufnehmen, wenn die Übersetzungssoftware nur eingleisig funktioniert??

Fazit: Der Roman "Schwert des Damokles" kann mit einer ganzen Reihe positiver Elemente aufwarten. Der Autor Geoffrey Thorne hat mit viel Einfühlungsvermögen eine Geschichte erschaffen, die in Figurendarstellung, Glaubwürdigkeit, Zeitlinie und Konzeption höchsten Ansprüchen genügt. Zusammen mit einer guten Übersetzung liest sich das Buch wie im Flug.
Abgesehen von kleineren Fehlern ist es jedoch die schwer verdauliche Moralkeule, die zumindest fragwürdig erscheint, denn der Balanceakt zwischen Religion und Wissenschaft, der sich selbst als Brückenschlag zwischen TOS und DS9 versteht, kann diesem Anspruch nicht genügen.

Denkwürdige Zitate:

"Optimismus ohne Fakten ist verschwendeter Intellekt." aMershik, S. 65

"Hoffnung ist eine Illusion.
"Hoffnung in einem Einheitscluster. Exkremente in dem anderen. Beobachten wir doch mal, welcher sich zuerst füllt."
aMershik, S.68/69

"Nun. Hoffen wir auf das Beste und bereiten uns auf das Schlimmste vor."
"Mit anderen Worten: Standardvorgehensweise."
Riker und Vale, S. 100

"Pessimismus ist eine Verschwendung von Intellekt." Troi, S. 174

"Ihr habt doch nicht wirklich gedacht, dass wir aufhören würden, Erykons Weg zu folgen, nur weil wir jetzt wissen, dass das Auge nicht wirklich von Erykon kam. Erykon ist. Wir sind Kinder von Erykon."
A'Yujae'Tak, S. 339

Bewertung: Es gibt [mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit] keinen Gott.

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Weiterführende Leseliste:

Titan 01: Eine neue Ära
Titan 02: Der rote König
Titan 03: Die Hunde des Orion
Titan 04: Schwert des Damokles
Titan 05: Stürmische See

Dienstag, 21. April 2009

Titan 01: Eine neue Ära

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Buchbesprechung Mangels, Andy; Martins, Michael A.: Titan 01. Eine neue Ära. cross cult, 2005.

Story: Das romulanische Imperium hat auch schon bessere Tage gesehen. Zerfleischt von inneren Auseinandersetzungen und Intrigen und verunsichert durch die ständige Bedrohung des frisch erwachten remanischen Selbstbewusstseins hat die stolze Welt merklich gelitten.
Die Föderation schickt Carepakete und einen Repräsentanten: Niemand geringeres als der frisch gekürte Sternenflottencaptain William Riker befehligt den Hilfskonvoi unter Führung der frisch vom Stapel gelaufenen USS Titan und gerät in den Mittelpunkt von Ränkespielen, Überlebenskämpfen und den Eitelkeiten der einzelnen Beteiligten.

Doch die Aufgabe wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die Crew nach Botschafter Spock und einem verschwundenen vulkanischen Agenten suchen muss. Dieser Agent ist zufällig der hinlänglich aus der Fermsehserie "Star-Trek : Voyager" bekannte Tuvok, der auf der Suche nach Botschafter Spock aus Versehen in den Brennpunkt der sozialen Unruhen geriet, die entstanden, nachdem Shinzon den gesamten Senat ermorden ließ. Der Vulkanier verbringt daraufhin mehrere Wochen in den dunklen Verliesen eines barbarischen Gefangenenlagers und überlebt nur, indem er, entgegen seiner vulkanischen Natur, giftige Käfer isst und schließlich von einem einflussreichen remanischen Mitgefangenen beschützt wird.

Riker gelingt es irgendwann doch noch, beide Vulkanier auf sein Schiff zu bringen und löst damit ungewollt die Eskalation der Ereignisse aus. Remanische Einheiten fliegen auf Romulus zu und sind bereit, die Durchsetzung ihrer Ziele notfalls durch die Auslöschung der größeren romulanischen Siedlungen zu erzwingen. Riker steht dem hilflos gegenüber, denn die einzige Verbündete, Commander Donatra, hat den Großteil ihrer Schiffe in einer merkwürdigen Anomalie verloren. Die Titan gerät mitten ins Schussfeld und ist nun auf eine brillante Idee Rikers angewiesen, um das Schiff und den brüchigen Frieden doch noch zu retten…

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Aus der Vergangenheit lernen: ein Lösungsansatz, der bei Starship Troopers fehlte

Lobenswerte Aspekte: Titan markiert für den gemeinen Star-Trek-Roman-Leser tatsächlich den Beginn einer neuen Ära, in der gleichermaßen Handlungsstränge aus vorangegangenen Romanen und Episoden sowie Filmen der verschiedenen Star-Trek-Serien verknüpft wurden. Diese Vorgehensweise, die meiner Meinung nach in der Vanguard Reihe ihren Höhepunkt erreichte (zugegeben: Vanguard erschien zwar in Deutschland früher, Titan ist jedoch im englischen Original älter), belebte nicht nur die hierzulande tief im Dornröschenschlaf gefesselte Star-Trek-Bücher-Landschaft neu; weg von sich gegenseitig widersprechenden Büchern die zusätzlich dazu auch noch oft genug mit dem offiziellen Kanon unverträglich waren.

So stützen sich etwa der Charakter des ersten Offiziers Christine Vale oder der des unvereinigten Trills Ranul Keru auf einen im Laufe mehrerer Bücher etablierten Charakter. Sicherlich ist für den deutschen Ottonormalverbraucher von großem Nachteil, dass keines der entsprechenden Werke bislang in Deutschland erschienen ist, aber die gute Absicht ist unverkennbar. Und wer weiß, vielleicht findet sich ja doch noch ein Verleger für Reihen wie „a Time to…“ in unseren Gefilden.
Aus der Serie und den Filmen stößt, abgesehen von vielen nur genannten Personen (z.B. Saavik, M’Ret, Adm. Janeway, Adm. Batanides etc.), auch eine ganze Reihe „Gaststars“ dazu, die beim Leser ein gewisses Gefühl der Vertrautheit erwecken. So begegnet man beim Lesen zusätzlich zu solchen aus Star Trek Nemesis bekannten Gestalten wie Tal’Aura, Commander Donatra oder Commander Suran auch anderweitig bekannten Figuren wie Captain Picard, Worf, Geordi LaForge, Spock, Adm. Ross, Tomalak oder Senator Pardek. Daneben erhielten andere Charaktere, wie der auf dem Boden des romulanischen Senats zerschellte Prätor, einen Namen und geschickt verstanden es die Autoren, die Motive und Ziele der verschiedenen Interessengruppen innerhalb des romulanischen Reiches zu schildern und die multiplen Geschehnisse des Romans selbst mit Folgen, die dem letzten TNG-Kinofilm vorangingen, wie etwa dem TNG-Zweiteiler „Wiedervereinigung“ oder der DS9-Folge „Unter Waffen schweigen die Gesetze“ zu verknüpfen.
Darüber hinaus gibt es auch ein Wiedersehen mit altbekannten Sternenflottenoffizieren, die im Verlaufe des Buches ein Teil der Titan-Crew werden: Melora Pazlar (DS9, „Das Melora-Problem“), Krankenschwester Alyssa Ogawa, Adm. Leonard James Akaar (TOS „Im Namen des jungen Tiru“) und schließlich sogar Tuvok, dessen Identität zu Beginn des Romans noch zurückgehalten wird.

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass „Eine neue Ära“ von all den verschiedenen Charakteren, die an Bord des Föderationsschiffes Titan arbeiten, lebt. Der Mix der verschiedenen Kulturen (nur etwa 15% der Crew sind Menschen) und die daraus resultierenden Möglichkeiten bieten eine Menge Potential. Endlich befreit sich Star-Trek vom Image eines Homo-Sapiens-Clubs und bietet auch den anderen Mitgliedern der Föderation Platz auf einem Raumschiff. Denn mal ehrlich: Dass es eine Föderation mit mehr als hundert Mitgliedern gibt, aber auf allen Föderationsschiffen fast nur Menschen zu sehen sind, ist doch reichlich unglaubwürdig. Titan räumt damit auf, und besonders der neue Chefarzt Dr. Ree, ein saurierähnlicher Pakwah-tanh, ist äußerst gelungen, da er wie kein zweiter so symbolisch für die Problematik einer so unterschiedlichen Crew steht.
Wie diese Crew mit den normalen Dienstabläufen und den kleinen Alltagsproblemen an Bord fertig wird, ist gleichsam interessant; egal ob es sich um die Umweltverhältnisse in den einzelnen Quartieren, den Umgang mit den ehemaligen Feinden oder ungewohnten Problemen während einer Kampfsituation handelt. In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass ich die Idee des „blauen Tischs“, an dem sich die Wissenschaftsoffiziere zum Essen und Austauschen treffen, nur logisch finde.

Aber auch andere logische Zusammenhänge fallen bei der Lektüre auf. Die Tarnanzüge aus Star Trek: Der Aufstand für einen Geheimeinsatz zu nutzen, liegt auf der Hand, auch wenn sich schon mal die Frage stellt, warum vorher noch nie jemand auf die Idee gekommen ist. Auch dass Worf die Pflege Spots übernimmt, passt, trotz der in der Zukunft sicherlich heilbaren Katzenallergie des Klingonen, in die allgemeine Chronologie. Doch nicht nur Fragen, die sich aus dem Kanon ergeben, werden beantwortet. Die gleich zu Beginn geschickt angebrachte Lösung für das Dilemma, welche der beiden in verschiedenen Büchern verwendete Bezeichnungen für die Hauptstadt des romulanischen Reiches die richtige ist, beweist, dass Romane durchaus in der Lage sind, die Lücken zwischen den Informationen aus Serien und Filmen zu schließen, ohne unglaubwürdig zu werden.

Abschließend sollte auch noch angemerkt werden, dass dieses Buch durch seine „Extraausstattung“ besticht. Die ausklappbaren Schemata der USS Titan (die übrigens von einem Fan im Zuge eines Preisauschreibens entworfen wurde) und die im Anhang gegebenen Zusatzinformationen runden den Inhalt dieses Buches weiter ab und bilden eine gelungene Ergänzung zu einem Buch, das an einer viel zu spannenden Stelle aufhört.

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Ein gefundenes Fressen für Designfetischisten: Das Titan-Centerfold

Kritikwürdige Aspekte: Obwohl der große Reiz dieses Romans in der Divergenz der Crew liegt, sind einige der ohnehin zu zahlreichen Charaktere maßlos überzeichnet worden. Dies wird an zwei Beispielen besonders deutlich: An Ranul Keru und Dr. Bralik.

Ersterer, als homosexueller taktischer Offizier und Sicherheitschef ließ mich während des Lesens desöfteren missmutig mit den Zähnen knirschen. Nicht einmal durch seine Homosexualität - Star Trek war schon immer an der Integration von sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen interessiert und somit halte ich dies nicht für einen Bruch, sondern für einen nachvollziehbaren nächsten Schritt. Was mich an ihm stört, sind die übertrieben geschilderten Verkupplungsversuche und die noch immer anhaltende Trauer um den verstorbenen Exfreund Sean Hawk. Im Vergleich zu ihm, war der ebenfalls gelegentlich sehr in der Vergangenheit verhaftete Benjamin Sisko eine wahre Frohnatur und ein richtiger Lebemensch! Die Schilderungen der, wohl oder übel früher oder später in eine Partnerschaft mündenden, Annäherung zwischen ihm und Kent Norellis würde niemand zwischen Mann und Frau ebenso schildern, da sie sich, ohnehin frei von jeglicher Nachvollziehbarkeit, viel zu aufgeladen von Klischeevorstellungen über Schwule präsentierte.

Dr. Bralik hingegen ist nervig, aber das ist nicht der Punkt meiner Kritik. Ihre Lebensgeschichte als Ferengifrau, die sich durch die Härten des Lebens kämpfte, vor den Reformen Roms in einer Mine arbeitete, verwitwete, Geologie studierte um schließlich in der Sternenflotte zu landen, wirkt viel zu extrem. Im Prinzip hätte sie nicht einmal zu diesen Minen gelangen dürfen, denn Quarks Mutter Ishka hielt in der Folge "Familienangelegenheiten" zu den Reiseaktivitäten von Ferengifrauen fest: "Das würd' ich gern, aber die Tradition der Ferengi gestattet es den Weiblichen nicht, zu reisen.". Nicht, dass es dennoch nicht irgendwo vorstellbar wäre, aber die Ansammlung von so vielen extremen Charakteren mit so bunten und überladenen Biografien an einem einzigen Ort wirkt besonders unglaubwürdig. Man hat das Gefühl, von den Autoren in eine Geisterbahn mitgenommen worden zu sein, in der eine aufwändig inszenierte Attraktion die nächste jagt und man sich irgendwann nach einem simplen, guten alten Kartenabreißer mit einem Bettlaken über dem Kopf sehnt.

Doch diese beiden Personen blieben nicht die einzigen, die mich zuweilen störten. Besonders an einer gelungenen Integration der Figur Christine Vales in den Roman zweifelte ich mehrere Male. Zum einen bereitete mir ihre Blitzbeförderung Bauchschmerzen: Vor einigen Wochen erst zum Lieutenant Commander befödert, wird ihr dank Rikers Abwerbungsversuchen auch noch der Rang eines Commanders verliehen! Wie lange mussten Worf, Data, Geordi, Sisko oder die gesamte Voyager-Crew auf Beförderungen warten, während diese Frau die Rankpins hinterhergeworfen bekommt, als wären es Wertpapiere der Telekom?
Zum anderen empfand ich ihre zu oft zu vulgären Gedanken und Aussprüche nervig. Egal ob es sich um Ausdrücke wie „Scheiße“(S. 260) oder „Hintern“ (S. 118) handelte; egal ob sie nur meinte, dass der Klingone endlich die „[…] Hand von meinem Arsch […]“ (S. 118) nehmen sollte oder darüber nachdachte, den Föderationsalliierten einen „[…]Strahl gegen die wülstige Stirn kotzen[…]“ (S. 117) zu müssen: Eine solche Ausdrucksweise ist eine Spur zu vulgär und lässt sich kaum mit dem sonst so gehobenen Sprachstil in Star Trek in Verbindung bringen.

Generell ließen mich aber auch die Klingonen mit einigen Fragezeichen zurück. Sprechen sich Englisch, bzw. Deutsch? Oder springt der Universalübersetzer ein, um die klingonische Grammatik und das klingonische Vokabular in verstehbare Sätze zu übertragen? Egal welche Variante der Fall ist, warum zum Teufel spricht Khegh immer wieder von „PetaQs“? Entweder hätte der Klingone von allein gewusst, dass der Plural „PetaQpu“ lautet, oder der Computer hätte es ohne lange darüber zu reflektieren mit "Nichtsnutze" oder zur Not sogar mit „Feiglinge“ übersetzt!

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PetaQ! Ein klarer Fall für den Klingonenduden

Und was ist mit der guten alten Miranda-Klasse geschehen? Während sie im Dominion-Krieg noch an wirklich jeder verdammten Front in erster Linie kämpften, zieht sie Riker, obwohl ihm drei dieser Schiffe zur Verfügung stehen, wie ein elender PetaQ aus dem Gefecht heraus!
Ebenfalls unklar ist mir, warum Troi einen Counselor-Stab von vier Personen für ein Schiff mit 350 Besatzungsmitgliedern beantragte, obwohl sie auf der Enterprise den gleichen Job für eintausend Personen allein verrichtete.

Wie fast immer muss die Übersetzung des Werkes ebenfalls in die Kritik miteinbezogen werden. Neben einigen Zeichenfehlern, gelegentlich auftretenden Wiederholungsfehlern und einem fragwürdigen Personalpronomen (S. 215, „die Commander“) heißt der große grammatische Schwerpunkt dieses Romans eindeutig „Verwendung des Genitivs“. Entweder will uns der Übersetzer mit seiner Arbeit davon überzeugen, dass es in der Zukunft der Menschheit keinen Platz mehr für den zweiten Fall mehr gibt, oder er kennt ihn selbst kaum noch. So oder so ist es extrem auffällig, wie er mit „von“-Konstruktionen versucht, dem unbeliebten Casus aus dem Weg zu gehen. So liest man an einigen Stellen schon mal über die „[…] Rhetorik von Pardeks Fraktion […]“ (S. 200) oder der „[…] Enthüllung von Pardeks Ermordung […]“ (vgl. u.a. auch „Denkwürdige Zitate“, Eintrag Nr. 1), obwohl es nicht nur einfacher, sondern auch wohlklingender gewesen wäre, von der "Rhetorik der Fraktion Pardeks" oder der "Enthüllung der Ermordung Pardeks" zu sprechen. Schmerzlicher Höhepunkt dieser Dativisierungskampagne ist jedoch zweifelsohne der Satz „Ihre Stimme hallte durch die hohen gewölbten Hallen von Titans primärem Hangardeck“ (S. 60), der frei nach dem Motto „Der Genitiv ist tot – pissen wir noch einmal auf sein Grab!“ (frei nach Kalkofe) zu funktionieren scheint.

Geärgert hat mich an diesem Roman außerdem, dass man die bereits in anderen Büchern immer wieder gern verwendete Übersetzung von Raumschiffbenennungen aufrechterhält. Die „USS Sunrise“ wird hier zur USS „Sonnenaufgang“. Es ist zwar schön und gut, deutschen Begriffen vor englischen den Vorzug zu geben, und ich bin auch wirklich und von ganzem Herzen dankbar, dass weder Medo-Teams auftauchen, noch Starfleet angefunkt wird; aber eigentlich müsste klar sein, dass eine unausgesprochene Konvention die Namen von Schiffen englisch belässt – schließlich gäbe es sonst die „USS Unternehmen“, die Station „Tiefenraum Neun“ oder die „USS Reisender“.
Nachtrag: Inzwischen habe ich herausfinden müssen, dass genanntes Schiff auch im englischen Original "USS Der Sonnenaufgang" heißt. Absolution für den armen Übersetzer und Schande über den Autoren Andy Mangels, dessen Deutschkenntnisse vielleicht größer waren als sein Einfühlungsvermögen zur Benennung von Schiffen in deutscher Sprache. Hierzulande heißen Schiffe nunmal eher "Panther", "Bismarck" oder "Schleswig-Holstein", aber auf dem Sonnenaufgang fußt kaum ein Name für ein Schiff...

Doch zurück zum eigentlichen Roman. Mal abgesehen von den Schwierigkeiten bei der Integration der vielen Charaktere, den kleineren Fehlern und den schon zur Gewohnheit gewordenen Übersetzungsmängeln stört mich ein Punkt ganz besonders.
Natürlich ist so ein Auftaktroman auf die Nähe bekannter Personen angewiesen und es ist auch verständlich, dass die Autoren versuchten, dem Leser ein vertrautes Umfeld zu bieten, um so die Geschichte um die USS Titan mit zusätzlicher Glaubwürdigkeit auszustatten.
Doch viel zu oft greifen die Autoren dabei auf Altbekanntes zurück. So versuchen die Remaner etwa, das Föderationsschiff zu rammen – umgekehrt hatte Picard dies einige Wochen zuvor bereits geschafft.
Nun gut, eine solche Wiederholung, die dann auch noch mit vertauschten Rollen abgewickelt wird, ist durchaus verständlich, aber dass während des Gefechtes auch noch ein Baby geboren wird, hat mich schon etwas stark an das Voyager-Finale „Endspiel“ erinnert.
Stichwort Voyager: Ein Föderationsschiff, dass plötzlich und unerwartet aus dem eigenen Raum verschwindet und weit weit weg vom Föderationsterritorium seinen Weg zurück nach hause finden muss – warum zum Teufel muss der Titan so etwas auch passieren? Und das auch noch mit dem Delta-Quadranten-Veteranen Tuvok an Bord! Das spricht nicht gerade für die Kreativität der Autoren…
Und dann sind da noch die Neyel! Das gefühlte zweihunderttausendste Beispiel für eine Population von Menschen, die vor dem ersten Warpflug ihre Heimat verließen und nun weit von ihr entfernt wiedergetroffen werden! Hat man denn nicht einmal außerhalb der galaktischen Barriere Ruhe vor Menschen?
Ohne schlechtes Gewissen werden einige Elemente wieder aufgewärmt, die es zur Genüge bereits gegeben hat, und man fragt sich schon, ob dies die versprochene Rückbesinnung auf alte Werte und Forschungsaufgaben sein soll. ‚Eine neue Ära' stellt dieses Werk jedenfalls nicht dar, aber ein Buch mit dem Titel ‚Eine verdammt vertraute Ära’ hätte sich wohl schlechter verkauft.

Anachronismen: Das Buch hat den Vorteil, dass es nach dem letzten TNG-Kinofilm erschien und dadurch für einige Zeit sicher davor war, vom Kanon eingeholt zu werden. Die Autoren hatten viele Freiheiten und waren gut genug informiert, um deutliche Anachronismen zu vermeiden.
Doch eines frage ich mich immer wieder: Warum ist in Nemesis die angesprochene „Große Blüte“, also die Raumverzerrung, die nach der Explosion der Scimitar entstand, im Film nicht auszumachen? Dort wird das Schiff zwar zerstört, es gab sogar eine Schockwelle, aber die beschriebene Anomalie ist nirgends zu sehen, und selbst die romulanischen Shuttles konnten die stark lädierte Enterprise erreichen, ohne, wie ihre großen Warbird-Brüder, gleich in einer anderen Galaxie zu verschwinden.

Fazit: Der erste Roman der Titan Serie glänzt mit sauber recherchiertem Wissen, seinen Charakteren und den Gimmicks, die mit in dieses Buch gegeben wurden. Andererseits neigt es zur Überzeichnung von Charakteren, ist gespickt mit Übersetzungsmängeln und erfindet sich, entgegen der Erwartungen, nicht neu.
Trotzdem ist es die Fortsetzung der Star-Trek-Geschichte unter einem gut getroffenen Captain Riker; sicherlich einer der sympathischsten Figuren der gesamten Serien und Filme. Gut und spannend geschrieben erweckt sie, trotz aller vorhandenen Mängel, die Begierde, mehr zu erfahren und den kommenden, hoffentlich innovativeren, Geschichten zu folgen.

Denkwürdige Zitate:

Manieren sind nur eine andere Form von sozialer Unterwerfung, um jegliche Individualität zu unterdrücken.“ Dr. Bralik, S. 161

wa’ Dol nIvDaq matay’ DI’ maQap, ’Aj“ („Zusammen werden wir in einem größeren Ganzen erfolgreich sein.“) Alter klingonischer Sinnspruch, S. 132/133

Ein klingonischer Diplomat. […] Wenn das kein Widerspruch in sich ist.“ Tomalak, S. 327

Ich vermute, dass sich Remaner einander nicht ähnlicher sind, als die Mitglieder anderer Spezies. Ich habe Angehörige meines Volkes gesehen, die das Gute in Person waren. Ich habe andere gesehen, die das pure Böse darstellten. Und ich habe die gesehen, die von einer auf die andere Stufe wechselten und alle Stufen dazwischen.“ Mekrikuk, S. 340f.

Bewertung: Vielleicht keine neue Ära, aber möglicherweise der Beginn einer lesenswerten neuen Serie.

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Weiterführende Leseliste:

Titan 01: Eine neue Ära
Titan 02: Der rote König
Titan 03: Die Hunde des Orion
Titan 04: Schwert des Damokles

Titan 05: Stürmische See