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Dienstag, 13. August 2013

Typhon Pact II: Feuer

Buchbesprechung Martin, Michael A.: Typhon Pact. Bd. II. Feuer. Cross Cult, 2010/2013.

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Story: Was man so alles findet, wenn man im Weltall herumstromert! Die Crew der USS Titan jedenfalls stößt auf eine Reihe von künstlichen Klasse-M-Planeten, die allerdings kein Leben aufweisen. Schnell wird klar, dass es sich kaum um einen Zufall handeln kann. Doch die Sternenflotte ist nicht die einzige Macht, die auf dieses außergewöhnliche Phänomen aufmerksam wird. Bei ihrer Suche nach den Ursprüngen trifft das Schiff unter dem Kommando William T. Rikers auf eine Expeditionsflotte der Gorn, die bereits einen Schritt weiter sind: Sie haben ein antikes Artefakt ausfindig gemacht, das in der Lage ist, planetare Objekte nach Belieben zu verändern.
Doch solch große Macht lässt sich auch immer problemlos als Waffe einsetzen. Dieser Umstand wird der Besatzung des Forschungsschiffes nur allzu deutlich, als sie erkennen muss, dass die verzweifelten Gorn gerade dabei sind, die Wirkung ihrer neuesten Errungenschaft in der Praxis zu testen – an einer bewohnten Welt...

Lobenswerte Aspekte: Nu gugge ma, die Gorn! Wenig bis gar nichts hat der in unseren Breiten beheimatete Star-Trek-Anhänger bislang über die kaltblütigen Reptiloiden erfahren können, die unter der Hand des offiziellen Kanons immerhin als Mittelmacht innerhalb der Einflusssphäre der Föderation gehandelt werden.
In seinem ersten auf deutsch erschienenen Solowerk schafft es Michael A. Martin auch mal ohne die tatkräftige Unterstützung seines Schreiber-Sidekicks Andy Mangels, aus den wenigen zur Verfügung stehenden Informationen eine schlüssige Gesellschaft aus dinosauriergleichen Echsen zusammenzubasteln, deren Komplexität und Glaubwürdigkeit den Leser in den Bann schlägt. Quasi im Vorbeiflug erklärt er, warum die beiden einzigen Real-Serien-Auftritte der Gorn so unterschiedliche Erscheinungsformen der Spezies boten (vgl. S. 11), festigt eine Abneigung der schuppenbewehrten Kreaturen gegen Säugetiere, die bereits in der dritten Staffel "Enterprise" anklang (vgl. S. 79) und kramt eine Reihe von ebenfalls auf Kriechtieren basierenden Föderationsmitgliedern aus, deren Auftritte ansonsten nur auf den Hintergrund einiger Kinofilme beschränkt waren (vgl. S. 163ff.).
Höhepunkt sind allerdings die beinahe lehrbuchartig zusammengetragenen und dazuerfundenen Gorn-Informationen. Angefangen dabei, dass die Spezies über mehr als einen Magen verfügt (vgl. S. 143), über die Gliederung der Gesellschaft in zusammengezüchtete Kasten (vgl. S. 24), bis hin zu Gruselgeschichten für reptiloide Kleinkinder (vgl. S. 145) leuchtet Martin großzügig eine große Menge an dunklen Ecken aus, die dem Fan bis dato verschlossen oder seiner eigenen Fantasie überlassen blieben. Besonders aber die Interpretation einer charakteristischen Gorn-Ausprache allseits bekannter Ausdrücke wie "Borg" (vgl. S. 18), "Kirk" (vgl. S. 20) oder "Metronen" (vgl. S. 116) zeugt deutlich von einer Detailversessenheit, die entscheidend zu einem positiven Gesamtbild beträgt.
Angenehm fällt dabei ferner auf, dass die Gorn trotz aller Abneigungen, Antipathien und Vorurteile erschreckend menschlich bleiben (auch wenn das in diesem Zusammenhang beleidigend klingen mag). Im Endeffekt spiegeln sich bei allen kulturellen Abweichungen in den herpetologischen Betrachtungen Martins auch immer wieder Wesenszüge wider, die wir aus dem eigenen Erfahrungsbereich kennen. So gibt es ebenso Platz für innige Männerfreundschaften (vgl. S. 55ff.) wie für herzerweichende Liebesschnulzen (vgl. S. 438ff.) und Hauptprotagonist S'syrixx entpuppt sich im Endeffekt sogar als so eine Art reptiloider Edward Snowden (vgl. S. 85ff., S. 327 oder S. 456ff.)
Und obgleich sich in letzter Zeit häufige Referenzen auf die einzelnen Star-Trek-Fernsehserien und -Filme (vgl. z.B. S. 44ff., S. 303, S. 335 u.v.m.) längst zum allgemeinen Standard für Star-Trek-Romanautoren gemausert haben, packt Martin noch eine Schippe drauf: Wie man in seiner Danksagung (vgl. S. 477ff.) ausgiebig erfahren kann, bediente er sich Dutzender Quellen und war sich auch nicht zu schade, auch Querbezüge zu den Entwicklungen in anderen Romanreihen zu positionieren (vgl. z.B. S. 34 zum Titan-Vorgänger "Synthese", S. 19 zum TOS-Buch "Das Schlachtschiff" oder S. 159 zum Comic "Die Gorn-Krise"). Direkt schade, dass einige davon, wie etwa "The Dying of the Light" (vgl. S. 19), "A Time to Heal" (vgl. S. 182) oder "Inferno" (vgl. S. 379) bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienen sind, während dieses Buch bereits weit in die Föderationszukunft greift.
Immerhin gibt es nach langer Zeit mal wieder ein (Nicht-) Lebenszeichen von Data (vgl. S. 353), vom dem der geneigte Leser von Comics wie "Countdown" ja immerhin schon weiß, dass er wie Phönix aus der Asche wiederauferstehen wird.
Wäre sonst noch etwas zu erwähnen?
Nun, die wundersame Rettung S'syrixx aus dem mörderischen Vakuum des Alls (vgl. S. 123) erinnert ein wenig an "Per Anhalter durch die Galaxis" und die refrainartige Wiederholung von Formulierungen wie "Wir gehen rein und wieder raus, niemand wird verletzt." (S. 97, vgl. außerdem S. 45) lässt an Jonathan Coultons Song "Redshirt" denken.



Kritikwürdige Aspekte: Wann ist ein Mann ein Mann? So fragte Herbert Grönemeyer die Bundesrepublik herausfordernd im Jahre 1984. In diesem Falle könnte man gleichsam plakativ die daran angelehnte Frage stellen:
Wann ist ein Typhon-Pact-Roman ein Typhon-Pact-Roman?
Denn mal ehrlich:
Von eben jenem Bündnis, dass als Gegenentwurf zur Föderation in die Welt gesetzt wurde, erfährt man in diesem Werk herzlich wenig. Der vermeintliche Höhepunkt ist eine ständig wie ein Damoklesschwert über der Handlung schwebende Flotte aus den Schiffen verschiedener Mitglieder (vgl. S. 220ff.), deren Ankunft man als Leser allerdings nicht einmal miterlebt. Da bleibt kein Platz für Konflikte mit Wesen, deren Cleverness die der vergleichsweise schwerfälligen Gorn übersteigt. Trotz der Bedeutung des Artefakts machen sich nicht einmal die Romulaner wie noch in "Der Telepath" die Mühe, den Antrieb eines ihrer Schiffe überzustrapazieren, um der Sternenflotte gegenüber einen taktischen Vorteil zu erlangen – und das obwohl das Terraforming-Artefakt auch eine Lösung für die Zerstörung Romulus' bieten könnte.
Im Vergleich zu "Feuer" verdient also selbst der dritte Destiny-Band "Verlorene Seelen" eher das Prädikat "Typhon Pakt", denn dort kann man immerhin etwas Substanzielles über diese dubiose Allianz erfahren. Den einzigen zusätzlichen Eindruck, den man vom Zusammenschluss der unterschiedlichen Partner in diesem Werk erfahren kann, ist, dass man sich kaum vor diesem neuen Gegner zu fürchten braucht, denn nachdem bereits klar wurde, dass die romulanischen Bündnispartner so eine Art Nordkorea mit Tarnkappenbombern darstellen und die Breen laut "Nullsummenspiel" in ihrer Integrität von FKK-Sektierern bedroht werden, kann man nun erfahren, dass den angeblich so mächtigen Gorn allmählich das Kanonenfutter ausgeht. Und wie bedrohlich eine Militärmacht ohne Armee sein dürfte, kann man sich an einem Finger abzählen.
Nein, dieses Werk ist viel eher ein Titan-Roman mit Gorn-Schwerpunkt. Entsprechend sollte er auch verpackt werden. Wobei das Problem an den Gorn bleibt, dass sie, wie es Christian Humberg im abschließenden Essay unter dem Titel "Too Far Gorn" selbst beschreibt (vgl. S. 481ff.), nur in einer einzigen Folge der klassischen Serie überhaupt einmal näher betrachtet wurden. Entsprechend häufig wird "Ganz neue Dimensionen" auch als Referenzpunkt herangezogen (vgl. S. 116, S. 210, S. 314 u.v.m.), wobei es relativ auffällig zufällig erscheint, dass ein Schiff, das nach dem Captain des Erstkontakts der Gorn mit den Menschen benannt ist (vgl. S. 19), ebenso munter im Geschehen mitmischt, wie ein Nachfahre eben jenes Crewmitgliedes, das anno dazumal die Menschen mit seiner Stimmenimitation hereinlegen konnte (vgl. S. 58).  
Überhaupt fällt es sehr schwer, den verschiedenen Gorn-Charakteren zu folgen. Das liegt allerdings weniger an ihrer Fremdartigkeit oder ihren Wehwehchen, sondern eher darin begründet, dass sie in puncto Figurenmotivation viel zu wenig zu bieten haben. S'syrixx' völlig aus der Luft gegriffener plötzlicher Gottglauben (vgl. S. 346) wird in seiner Unnachvollziehbarkeit nur noch durch den erschreckend häufigen Wechsel seiner Kooperationen und ständigen Insubordinationen übertroffen (vgl. S. 85, S. 201ff., S. 422 u.v.m.). Das wechselhafte Verhalten des Erzbösewichts Gog'resssh (vgl. S. 120f., S. 277, S. 308ff. u.v.m.) kann man nicht einmal mehr mit seiner Verstrahlung rechtfertigen; Captain Krassrr handelt krass inkompetent für jemanden in seiner Position (vgl. S. 148, S. 131ff., S. 299ff.) und Z'shezhira präsentiert sich in der entscheidenden Situation einfach nur unfassbar dämlich (vgl. S. 272). Spätestens ab der Mitte des Buches verliert es dadurch stark an Glaubwürdigkeit, zumal die merkwürdigen Entscheidungen der einzelnen Charaktere zu ebenso merkwürdigen Entwicklungen führen, denen es deutlich an Plausibilität mangelt.
Was aber nicht bedeuten soll, dass lediglich die Gorn die Leidensfähigkeit des Lesers auf die Probe stellen. Aber anstelle der übervorbildlichen Multi-Kulti-Besatzung der USS Titan, die einer meiner Leser nicht ganz zu Unrecht einmal als "Freakshow" bezeichnete, war es in meinen Augen vor allem die Menschen-Frau Christine Vale, die mich besonders störte. Innerhalb dieses Buches nimmt sie nämlich die Position ein, das Geschehen durch vermeintlich witzige (vgl. z.B. S. 445), coole (vgl. z..B. S. 396) oder gar rührselige Sprüche (vgl. z.B. S. 200) zu unterstreichen. Durch diese Dialoganteile verkommt der Posten des ersten Offiziers der Titan immer mehr zu einer Rolle, die dem Helden in Action-Filmen zukommt. Ich für meinen Teil warte nur noch auf ein "Yippieh-Ya-Yeah, Schweinebacke!", wenn die Titan es demnächst mit tellaritischen Separatisten zu tun bekommt.
Der Tiefpunkt war allerdings die völlig absurde Argumentation zur Obersten Direktive (vgl. S. 254ff.). Nur weil ein Volk zur Nutzung von Materie-Antimaterie-Energieerzeugung in der Lage ist, bedeutet das noch lange nicht, dass der Planet sich auch kulturell darauf vorbereitet hat, im Weltall auf fremdes Leben zu stoßen. Nicht umsonst gibt es zu genau dieser Thematik eine TNG-Folge mit dem programmatischen Titel "Der erste Kontakt", die sich der Autor in diesem Zusammenhang besser noch einmal angesehen hätte.
Aber vielleicht ist dieses Versäumnis gar nicht so schlimm, denn es hätte Martin wohl nur dazu animiert, weitere, noch mehr an den Haaren herbeigezogene Rechtfertigungen in sein Werk mitaufzunehmen. Damit hätte er ein ohnehin schon unnötig umfangreiches Buch nur noch weiter gestreckt. Die vielen Längen lassen sich am besten an der Einbindung der Zipf-Verteilungen festmachen (vgl. S. 243ff.), die dem Autoren laut Danksagung besonders am Herzen lag (vgl. S. 478). Die entsprechende Passage hat bei Lichte besehen überhaupt nichts mit dem geschilderten Problem zu tun und liest sich eher wie eine Selbstbeweihräucherung des Autors, der hier dem Leser seinen eigenen Wissensstand unverfroren unter die Nase reibt.
Cross Cult tut schließlich sein Übriges, um den Längen des Werkes Nachdruck zu verleihen. Doch obwohl man sich die überflüssige Crewauflistung (vgl. S. 473ff.) auch getrost hätte sparen können, muss ich zugeben, dass mir Christian Humbergs Erläuterungen zur Konzeptionsgeschichte der Gorn (vgl. S. 481ff) dieses Mal wirklich gut gefielen. Der kurze Abriss war gleichermaßen flott wie unterhaltsam, und auch wenn seine Wortspiele um die Reptilienkrieger vielleicht für einige Geschmäcker zu doof wirken mögen, waren sie in meinen Augen gerade deswegen so sympathisch...

Übersetzung: Viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei. Dass es aber auch Ausnahmen von der Regel geben kann, beweisen mit diesem Buch Sabine Elbers und Andrea Bottlinger. Vor allem in Hinblick auf den Umfang des Buches war die Aufteilung sicherlich eine probate Lösung. Besonders die Formulierung "Schiwe sitzen" (vgl. S. 200), die ich mir erst einmal ergooglen musste, fand ich in diesem Zusammenhang eine gelungene Übertragung von "to sit shiva", auch wenn diese jiddische Redewendung heutzutage nicht mehr allzu gebräuchlich sein mag.
Natürlich bedeutet die Zweiteilung längst noch nicht, dass das Buch frei von Fehlern ist. Kleinere Fehler mit Absätzen (vgl. S. 351) oder Kommata (vgl. S. 397) bleiben ebenso wenig aus, wie die Verwendung von "abfeuert" (S. 392), obwohl ein "feuert" völlig ausreichend gewesen wäre. Oder die fragwürdige Verwendung von "damit" (vgl. S. 383). Oder aber auch die Bezeichnung "Materiedisintegrator" (S. 382), die dem deutschsprachigen Verb "desintegrieren" unsinnigerweise die Stirn bietet. Und auch wenn ich ansonsten eigentlich ein Freund umgangssprachlicher Formulierungen bin, fand ich den Rückgriff auf "angepissten" (S. 199) etwas unangemessen.
Seit der zweiten TNG-Folge "Gedankengift" weiß man dank Datas Ausführungen ferner, dass Personen aus einem Schiff oder einer Luftschleuse nicht "hinausgesaugt" (vgl. S. 123), sondern viel eher "hinausgeblasen" werden (zumal im englischen Original ebenfalls von "blast" die Rede ist).
Zudem habe ich immer mehr dass Gefühl, dass sich Cross Cult an Heyne ein schlechtes Beispiel nimmt und sich einen Grundstock an eigenen Begrifflichkeiten aufbaut, die der deutschen Fernsehübersetzung widersprechen. Obwohl die für das Buch maßgeblichen Episode "Ganz neue Dimensionen" Teil einer Serie ist, in der konsequent vom "Fähnrich" statt vom "Ensign" (vgl. z.B. S. 44) gesprochen wird und auch die Trennsegmente auf Raumschiffe statt "Schotten" (vgl. S. 68 und S. 214) meist als "Schotts" bezeichnet werden, stellt sich der Verlag der Synchronisationsrealität tapfer entgegen (die Verwendung von "Datentafel" auf S. 327 statt des "PADD"s kann man hingegen geflissentlich unter den Tisch fallen lassen, sofern sie nicht zur Gewohnheit wird). Aber auch einen anderen Trend finde ich zunehmend bedenklich: Die verstärkte Anglisierung.
Obgleich im Buch durchgängig vom "Typhon-Pakt" gesprochen wird (vgl. z.B. S. 83, S. 118, S. 464 u.v.m.), prangt auf dem Buchcover die Bezeichnung "Typhon Pact", obwohl lautlich kaum Unterschiede bestehen. Wahrscheinlich denkt man sich noch immer, dass englisch belassene Begrifflichkeiten wie "Ensign", "Pact" oder "Moiety" (S. 383) mehr Pepp haben als ihre lahmen deutschen Äquivalente. Warum dann der poetisch-schöne englische Titel "Seize the Fire" zu einem schmucklosen "Feuer" verstümmelt wurde, verschließt sich allerdings meinem Verständnis.
Und wo wir schon dabei sind: Ein Adjektiv namens "gornisch" (S. 97) hat es bei Star Trek bis dato noch nicht gegeben. Nicht, dass ich die Verwendung eines passenden Adjektives per se unangemessen finden würde, doch wenn man zu so einem Schritt bereit ist, sollte man auch ein Adjektiv wie "gnalish" (S. 331 oder S. 422) mit einem zusätzlichen 'c' ausstatten. Oder anders ausgedrückt:
Wer 'gornisch' sagt, muss auch 'gnalisch' sagen!

Anachronismen: Wie zitiert Christian Humberg den Autor Michael A. Martin auf Seite 485 so schön?

"Die Lizenz gehört ihnen, also ist ihre Entscheidung die entscheidende, nicht die des Autors."

Unfreiwillig exemplarisch kann man diesen O-Ton auch auf den offiziellen Kanon anwenden, der Martins Werk erst vor kurzem mit brachialer Gewalt rücksichtslos überrollt hat. Des Steins des Anstoßes ist sich Humberg auf Seite 483 selbst sogar bewusst:

"Ein zweiter Fall interdimensionalen Namedroppings liegt bei STAR TREK INTO DARKNESS vor, J.J. Abrams' zweitem Beitrag zum STAR-TREK-Franchise. In diesem 2013 gestarteten Film, der die Abenteuer der Classic-Besatzung eines weiteren Paralleluniversums schildert, erwähnt Dr. Leonard H. 'Pille' McCoy, er habe bei einer Kaiserschnittgeburt von acht Gorn helfen müssen - 'und diese kleinen Bastarde beißen!'"

Damit wird der entscheidende Anachronismus, der den gesamten Buchinhalt mit sich in den Abgrund reißt, gleich im Buch mitgeliefert.
Denn die achtlos in den Raum geworfene Randbemerkung der fahrlässigen Drehbuchschreiberlinge klassifiziert die Gorn zu einer lebend gebärenden Spezies und für ein Buch, dessen Geschichte vollständig auf der Zerstörung von lebenswichtigen Ei-Ablage-Gründen der Gorn fußt, bedeutet es unweigerlich den Todesstoß. Wozu ein Werk lesen, dessen Inhalt dem offiziellen Kanon widerspricht?
Oft ernte ich Unverständnis dafür, ältere Bücher nach neueren Standards zu bewerten. Aber genau das war einer der Beweggründe zur Eröffnung dieses Blogs. Schließlich ist der offizielle Kanon mehr als nur ein Bewertungsmaßstab (der sich außerdem nicht ohne weiteres von der Hand weisen lässt). Er ist ein Fahrplan für zukünftige Entwicklungen innerhalb der Franchise. Gerade für die vielen detailversessenen Fans (wie mich) bildet er den roten Faden, der die Rahmenbedingungen ganzer Universen festlegt.
Damit befinde ich mich aber auch oft im gleichen Dilemma:
Martins Beschreibungen der Gorn-Brutstätten sind in meinen Augen nämlich viel glaubwürdiger als die gedankenlose Dialogzeile aus dem zwölften Kinofilm. Allein schon die Tatsache, externe Faktoren bei der Nachkommenschaft verschiedener Kasten miteinzuplanen (schon allein Temperaturen können bei manchen Reptilien unseres Planeten über das Geschlecht entscheiden), fand ich vergleichsweise schlüssiger und das Konstrukt, dass Martin darum errichtete, war der beste Grund, das Buch überhaupt zu lesen.
Aber auch wenn das eher meine Wut gegen die absolut unnötige Behauptung in "Into Darkness" verstärkt, behalten Martins eigene Worte ihre Gültigkeit:
Die Lizenz gehört denen, die solchen Unsinn verzapfen, und nicht den ungleich kreativeren Autoren.

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'gornische Überraschungseier'
Fazit: Der erste deutschsprachige Soloroman aus der Feder Michael Martins ist keineswegs ein Typhon-Pact-Roman. Viel eher handelt es sich bei "Feuer" um einen weiteren Titan-Band, in dem einem Mitglied der Anti-Föderation etwas mehr Raum geboten wurde. Doch als ob Martin mit der Figurenmotivation, dem Umfang oder der Nachvollziehbarkeit nicht schon genug Krisenherde zu bewältigen hätte, versetzt ihm der zwölfte Kinofilm den ultimativen Todesstoß. Mit einer einzigen flapsigen Bemerkung über Entbindungspraktiken der Gorn verurteilt die Schreiberriege J.J. Abrams' das Werk zur Bedeutungslosigkeit und stellt damit den einzigen größeren Pluspunkt des Werkes in Abrede. Schade eigentlich!

Denkwürdige Zitate:

"Quäle dich nicht, mein Freund. So ist es nun einmal im Universum, der Prozess ist so alt wie das Leben selbst. Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Jäger und Beute. Fressen oder gefressen werden."
"Dann ist Überleben also ein Nullsummenspiel?"
"Meiner Erfahrung nach ist das für gewöhnlich so."
R'rerrgran und S'syrixx, S. 70

"Ich glaube, das Universum hat uns gerade einen dieser sprichwörtlichen 'Hasen in letzter Sekunde' gewährt."
Deanna Troi, S. 99

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"Ich glaube, ich sollte Sie warnen, Captain. Sie zeigen gerade einen Reflex, den ich bei Angehörigen der Sternenflotte schon sehr oft beobachten konnte."
"Was für ein Reflex soll das sein?"
"Der tief verwurzelte reflexartig auftretende Glaube, jeden im Universum retten zu können. Und gleichsam der Irrglaube, es tun zu müssen."
Dr. Shenti Yisec Eres Ree und William T. Riker, S. 198f.

"Ist das Befolgen der Obersten Direktive in diesem Fall nicht ähnlich absurd wie sich über den Natriumgehalt in einer Henkersmahlzeit Gedanken zu machen?"
Evesh, S. 240

"Ich bin empathisch, Chris. Nicht allwissend."
Troi, S. 325

"Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer."
Christine Vale, S. 330

Bewertung: Jüngstes Opfer des offiziellen Kanons.

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Weiterführende Leseliste:

Typhon Pact 01: Nullsummenspiel
Typhon Pact 02: Feuer

Dienstag, 16. Juli 2013

Starfleet Academy 01: Die Delta-Anomalie

Bucbesprechung Barba, Rick; Starfleet Academy. Bd. I. Die Delta-Anomalie. Cross Cult, 2010/2013.

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Story: Ein Serienmörder treibt in San Francisco sein Unwesen. Nur mit Müh' und Not gelingt es dem Kadetten James Tiberius Kirk seine orionische Akademie-Mitschülerin Gaila aus den Klauen des fremdartigen Triebtäters zu befreien.
Doch viele Mysterien umgeben den Fall. So sprach das maskierte Wesen mit einem der Kadetten in einer unbekannten Sprache. Merkwürdige Rußrückstände verblieben auf den Opfern des unbarmherzigen Verbrechers. Und der Killer kennt den Namen eines besonders ehrgeizigen und unangepassten Offiziers-Azubis.
Erst als Jim Kirk, Leonard McCoy und Nyota Uhura miteinander arbeiten und ihre Fähigkeiten kombinieren, gelingt es ihnen, dem wahren Schuldigen auf die Schliche zu kommen. Doch dieser hat nicht nur eine verdammt lange Reise hinter sich, sondern verfügt auch über das Potential, die gesamte Bevölkerung der Erde auszulöschen...

Lobenswerte Aspekte: Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern: Die Bücher der "Starfleet Kadetten"-Reihe richten sich an eine komplett neue Lesergeneration. Eine junge, dynamische und kaufkräftige Verbraucherschicht, deren Zugang zur Franchise die 'frischen, unverbrauchten' Filme J.J. Abrams sein sollten und deren Identifikationsfläche eher auf die jugendlichen Gesichter der von Chris Pine, Zachary Quinto oder Zoe Saldana dargestellten Charaktere abzielte, als auf die außer Mode geratenen Knittervisagen William Shatners, Leonard Nimoys oder Nichelle Nichols'. Dabei steht allerdings die Frage im Raum, ob die Reihe "Starfleet Academy" dabei das zweifelhafte Erbe der am Anspruch gescheiterten "Starfleet Kadetten"-Serie antritt, oder die Chance nutzt, um auf den Ruinen des 'Star Treks der Väter' wie ein Phönix aus der Asche zu steigen.



Natürlich bleibt der elfte Film dabei Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, zumal die Handlung dieses Werkes mitten in der im Film beschriebenen Ereignisse angesetzt wurde. Immer wieder werfen die dortigen Ereignisse ihren Schatten auf den Inhalt des Buches und versuchen, eine Brücke zwischen den unbeschwerten Akademie-Zeiten und der Übernahme des Kommandos über die USS Enterprise zu schlagen (vgl. z.B. S. 14, S. 17 oder S. 67ff.).
Doch dabei werden nicht nur die offiziellen Kanäle bemüht. Selbst aus dem ursprünglichen Material herausgeschnittene Szenen fanden Berücksichtigung (vgl. S. 139). Zusätzlich war sich der begabte Autor Rick Barba auch nicht zu schade, reichlich Querbezüge auf das etablierte 'alte' Universum einzuflechten: So gehört zu Kirks Akademie-Kameraden ein Tellarit (vgl. S. 13), man stürzt gemeinsam andorianisches Ale die trockenen Kehlen hinunter (vgl. S. 14) und selbst die gute, alte 'siebenundvierzig' findet in diesem Werk eine angemessene Erwähnung (vgl. S. 208). Der gekonnte Exkurs zur Gründungsgeschichte der Föderation unterstreicht sogar eher die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Zeitlinien, als die Unterschiede herauszukehren (vgl. S. 81).
Darin zumindest ähnelt das Werk einigen der hinlänglich bekannten Kadetten-Romanen. Als Jugendlicher kann man sich außerdem auch hier ein Beispiel an der atemberaubenden Flirt-Technik eines jugendlichen Leinwandhelden nehmen (vgl. S. 71ff.), den Prüfungsalltag der Sternenflottenakademie mit dem eigenen Bildungsweg vergleichen (vgl. z.B. S. 33ff., S. 50ff. oder S. 211ff.) und die Wohnheimatmosphäre der Nachwuchsoffiziere den eigenen Internatserlebnissen anpassen (vgl. S. 112ff.).
Davon abgesehen bietet sich allerdings nur wenig Schnittmenge mit den "Kadetten"-Büchern. Das Tempo ist ungleich rasanter, hier (vgl. S.  56ff.) und dort (vgl. S. 223) sind tatsächlich Todesopfer zu beklagen und der fesselnde Kriminalcharakter der Erzählung bietet mehr Spannung, als die Prequel-Groschenheftchen der Neunziger es jemals erreicht haben. Das Zielpublikum dieser Reihe ließe sich eher im höheren Teenager-Alter ansetzen und selbst als älterer Leser muss man neidlos anerkennen, dass der frische Wind durchaus junge und alte Leser anspricht.
Schließlich muss man dem Autor auch noch eine erschreckend gute Ortskenntnis in San Francisco bescheinigen. Immer wieder demonstriert der aus dem Mittleren Westen stammende Barba ein Detailswissen über die Westküstenmetropole, das über das bloße Studium von Stadtplänen hinausgeht (vgl. z.B. S.12ff, S. 70f. oder S. 87ff.). Nicht zuletzt deshalb verleiht er der gesamten Geschichte eine erstaunliche Glaubwürdigkeit, so dass man ihm noch nicht einmal verdenken kann, dass gegen Ende unerfahrenen Kadetten bei der Festsetzung eines Mörders der Vorzug gegenüber trainierten Polizeibeamten gegeben wird (vgl. S. 222ff.).

Kritikwürdige Aspekte: Auch wenn sich alle Seiten eifrig Mühe gaben, die "Starfleet Academy" trendgerecht aufzupolieren, gelang es nicht, den wahren Charakter dieses Werkes zu verschleiern.
"Die Delta-Anomalie" ist und bleibt ein Roman für Jugendliche, der sich nicht durch den Inhalt, sondern in erster Linie über die Verpackung zu verkaufen gedenkt.
Das nimmt seinen Anfang bereits im fürchterlich hässlichen, aber modern anmutenden Photoshop-Cover. Sobald man das Buch aufschlägt, wird es noch schlimmer, denn die Schrift ist so groß, dass es sogar Rentnern das Lesen ohne Sehhilfe ermöglicht und im selben Atemzug verschleiert, wie wenig Text da auf insgesamt 246 Seiten gestreckt wurde. Wahrscheinlich versucht man auf die Weise, die vermeintlich lesefaule Zielgruppe der schwer pubertierenden Popcorn-Kinogänger nicht durch einen allzu zu großen Aufwand abzuschrecken, während man gleichzeitig die Illusion aufrecht erhält, am Ende über zweihundert Seiten geschafft zu haben. Im Vergleich zu den "Starfleet Kadetten", war Heyne immerhin ehrlich genug, die Schriftgröße seiner Kinderbuchserie auf einem Normallevel zu halten und den Papierverbrauch auf ein Minimum zu beschränken.
Seine Fortsetzung findet dieses Motiv in den Charakteren. Die lassen sich ohne allzu große Schwierigkeiten erfassen, da sie weder sonderlich komplex, tief schürfend oder gar philosophisch anmuten. Kirk und Co. ähneln oberflächlichen Schuljungen, die sich nicht allzu lang an langweiligen Nachdenk-Themen wie der Obersten Direktive aufhalten (vgl. S. 76). Statt dessen dreht sich alles um erste Beziehungen, schlechte Aprilscherze und unsinnige Prüfungen, deren Nachvollziehbarkeit man wohl besser den altersweisen Erwachsenen überlässt.
Schwerer wiegt allerdings, dass Rick Barba eigenmächtig in fremden Jagdgründen wildert. So bedient er sich schamlos des Delta-Quadranten (vgl. z.B. S. 12ff., S. 153ff. oder S. 182ff.). In Ermangelung vorzeigbarer Androiden muss sogar der Computer als offensichtlicher Data-Ersatz herhalten (vgl. S. 109). Vor allem aber wird ein Gegner aus der Mottenkiste herausgekramt, der in dieser Epoche so wirklich gar nichts zu suchen hat: Die Borg (S.153ff.).
Als ob der Bezug auf den übermächtigen Feind nicht schon unglaubwürdig genug wäre, unterstellt Barba ihnen auch noch die Dummheit, einen eindeutigen Absender auf den Naniten zu platzieren (vgl. S. 152). Und würden sich Borg-Naniten allen Ernstes erfolgreich mit einem Staubsauger bekämpfen lassen (vgl. S. 216), so muss man sich schon fragen, warum man sich die Destiny-Trilogie überhaupt durchlesen sollte!
All das wirkt schlichtweg heillos an den Haaren herbeigezogen - besonders am Ende, in dem die Borg trotz deutlicher Überlegenheit von ihrem todgeweihten Opfer ablassen, um in Richtung Heimat zu entschwinden, weil die Menschen noch weiter untersucht werden müssen (vgl. S. 234f.).
Im Endeffekt erinnert die Handlung deutlich an die Enterprise-Episode "Regeneration". Allerdings bleibt sie im Gegensatz zu diesem Vorbild völlig belanglos und verpasst es, sich glaubhaft in einen größeren Rahmen einzufügen. Die Borg-Präsenz dieses Buches mutet so unnötig, unglaubwürdig und unangebracht an, dass sich der Eindruck verstärkt, dieses Universum würde sich lediglich die aufmerksamkeitswirksamsten Rosinen herauspicken, ohne auf Werte wie innere Logik, Nachvollziehbarkeit oder gar einen offiziellen Kanon Rücksicht zu nehmen.

Übersetzung: Wo viel gehobelt wird, da fallen auch besonders viele Späne. Zum Glück für die Übersetzerin Stephanie Pannen ist dieses Buch in puncto Umfang mehr Schein als Sein.
So fallen vergessene Fragezeichen wenig auf (vgl. S. 100) und auch die Verwendung von "Ohrhörer" (vgl. S. 83) statt 'Kopfhörer' wirkt vergleichsweise unspektakulär.
Der Wechsel vom Siezen zum Duzen kann in einem Nebensatz abgehandelt werden (vgl. S. 140) und auch die der deutschen Synchronisation unbekannte Verwendung des Synonyms "General Order Nummer Eins" für die "Oberste Direktive" (S. 77) fällt trotz der uneinfühlsamen Übertragung nur den Hardcore-Fans überhaupt auf.
Dabei wäre zumindest letzterer Fehler vermeindbar gewesen, wenn man zuvor die kostenfreie Memory-Alpha-Datenbank konsultiert hätte. Dort hätte man auch erfahren können, dass der hier in seiner deutschen Form unter "Beteigeuze" (S. 125) geführte Stern im Star-Trek-Universum bei seinem englischen Pendant "Betelgeuse" benannt wird und dass etwas, dass aus dem Delta-Quadranten stammt, schon allein aus dem Grund nicht als "deltanisch" (vgl. S. 184) bezeichnet wird, weil es gleich ein, zwei unterschiedliche Spezies gibt, die sich um dieses Adjektiv streiten.
Vor allem Eines rückt auch diese Reihe in eine von Heyne begründete Traditionslinie:
Obwohl es mit "Sternenflottenakademie" einen etablierten Terminus gibt, mit dem man die zentrale Ausbildungsstätte für Nachwuchsoffiziere hierzulande bezeichnet, läuft diese Bücherserie unter der Bezeichnung "Starfleet Academy". Vielleicht mag das cooler klingen und sich besser verkaufen, doch letztendlich ist es keinen Deut besser als eine Reihe mit dem Titel "Starfleet Kadetten".
Eher im Gegenteil!

Anachronismen: Für einen Roman, der bei einem jugendlichen Publikum ankommen soll, finden sich im Buch viel zu viele Begriffe, die im 23. Jahrhundert das Prädikat 'Antiquität' verdienen würden. So erinnern klingelnde Telefone (vgl. S. 52), Youtube-Videos (vgl. S. 51) oder Teppichmesser (S. 158) so stark an unsere Zeit, dass der Geist einer vermeintlich höher entwickelten Zukunft zumindest fragwürdig erscheint.
In diesem Zusammenhang steht auch die Transamerica-Pyramide. So mag es ja toll sein, wie gut sich der Autor in der Nebelhauptstadt auskennt, doch falls wirklich jemand eine Rasterkarte von ganz San Francisco erstellen möchte (vgl.S. 199), sollte er dafür besser eines der vielen Gebäude nutzen, die eine größere Höhe als das veraltete 'Hochhäuschen' erreichen (vgl. S. 148).
Daneben gibt es eine ganze Reihe an Ungereimtheiten, die ihrer Zeit unsinnigerweise voraus sind. So mutet der Gebrauch von so perfekt funktionierenden Holodecks mehr als hundert Jahre vor der 'Next Generation' zumindest merkwürdig an (vgl. S. 132 oder S. 138). Genauso unerklärlich bleibt, woher Kirk das Volk Ferengi kennen mag (vgl. S. 71), obwohl erst Jean-Luc Picard den Erstkontakt zu dieser Spezies herstellte.
Ähnlich verwirrend verhält es sich mit der Beförderungspolitik der Sternenflotte auf dieser Seite der Realität. Obgleich sie bereits im elften Kinofilm lächerlich rasch einen Kadetten zum Captain eines eigenen Raumschiffes machte, fand genau dieses Muster hier – aller Häme zum Trotz - seine unmittelbare Fortsetzung. So kann man schwarz auf weiß nachlesen, dass der Halbvulkanier Spock zwar erst vor einem Jahr die Akademie verließ (vgl. S. 129), jedoch schon längst den Rang eines Commanders bekleidet (vgl. S. 108).
Am betrüblichsten stimmt allerdings der offene Bruch mit den Idealen des Star-Trek-Urvaters Gene Roddenberry. Hatte Star Trek bis dato noch eine gesellschaftliche Utopie verkörpert, in dem die Erde traditionellen Lastern wie der Geldwirtschaft oder der Kriminalität abgeschworen hatte, liest man in dieser alternativen Zeitlinie vom fortwährenden Gebrauch von Geld (vgl. S. 20, S. 83, S. 98, S. 136), aber auch vom Fortbestand US-amerikanischer Gangs (vgl. S. 157). Diesem unverdienten Wandel zur Dystopie folgte Barba, obwohl laut der Voyager-Folge "Das ungewisse Dunkel, Teil I" der gesellschaftliche Wendepunkt der Menschheit auch das Abrams-Universum betreffen sollte...

Fazit: Ein wirklicher Neustart gelingt mit diesem ersten eigenständigen, auf der alternativen Zeitlinie basierenden Buch nicht. Obgleich Autor Rick Barba mit seinem Stil, seinem Tempo und seinen Querbezügen zum elften Kinofilm punkten kann,verliert sich der Auftakt darin, die Resteküche vorangegangener Star-Trek-Serien aufzuwärmen, anstatt zum ersten Mal mit einer eigenen Geschichte Akzente zu setzen. Zwar bleibt Barba mit dieser Copy/Paste-Masche dem Abramsverse treu, doch während er sich munter bei den verschiedenen Franchise-Vorfahren bedient, unterlaufen ihm so viele offensichtliche Fehler, dass es schon einer unvoreingenommen und vor allem unwissenden Leserschaft bedarf, um darüber hinwegzusehen.
Immerhin liest sich das Buch schnell weg, womit sich die Leidenszeit in Grenzen hält.

Denkwürdige Zitate:

"Meine Güte, Jim, ich bin Arzt, kein Babysitter."
Leonard McCoy, S. 22

"Lehrerliebling."
James Kirk zu Uhura, S. 61

"Ich meine, das Weltall ist kein Ponyhof, es geht um Leben und Tod."
Hannah, S. 141

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Bewertung: Schwacher Neustart mit Spannungsspitzen.

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Samstag, 13. Juli 2013

Nullsummenspiel

Buchbesprechung: Mack, David: Nullsummenspiel. Cross Cult, 2010/ 2013.

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Story: Als eine alte Flamme auftaucht, lässt sich der Stationsarzt und genetisch aufpolierte Sternenflottenaugment Julian Bashir dazu überreden, an einem geheimdienstlichen Sondereinsatz der besonderen Art mitzuwirken. Zusammen mit der von ihm kurierten Sarina Douglas bricht Bashir in das Territorium der mysteriösen Breen auf, um die Jungfernfahrt eines im Bau befindlichen Slipstream-Prototyps zu sabotieren.
Der Typhon-Pakt setzt alle Hoffnungen auf die neuartige Technologie, die man dem Erzrivalen entwendet hatte, um militärisch mit der Sternenflotte auf Augenhöhe agieren zu können. Also bahnen sich Douglas und Bashir ihren Weg durch die fremde Welt, stellen unerwarteten Kontakt zu einer Widerstandsbewegung her und sammeln wertvolle Informationen über den fremdartigen Gegner. Doch den beiden Menschen, die tief im Feindesland operieren, rennt nicht nur allmählich die Zeit davon. Längst hat der Geheimdienst die Witterung der beiden Eindringlinge aufgenommen und schafft es sogar, einem von beiden habhaft zu werden...

Lobenswerte Aspekte: Destiny Reoladed! Lange hat der deutschsprachige Leser warten müssen: Als am Ende des letzten Destiny-Bandes "Verlorene Seelen" der Typhon-Pakt als Gegenpol zur krebsgleich wucherndern Föderationsgeschwür begründet wurde, versprach dieser Umstand neues Leben für die angestaubte Bücherwelt, die sich ja durch die Auslöschung der Borg einem der spannendsten Gegner selbst entledigt hatte. Denn aus dem überraschenden Zusammenschluss von so unterschiedlichen Bündnispartnern ergab sich ein großes Potential.
Zum Einen versprechen die illustren Bundesgenossen durch ihre Divergenz bereits ein Maximum an Unterhaltung. Die hinterlistigen Romulaner im selben Raum mit den grobschlächtigen Gorn, den fanatischen Kinshaya, den zickigen Tholianern, den paranoiden Breen und den unberechenbaren Tzenkethi: Das allein klingt ja eigentlich schon wie die Einleitung eines Herrenklowitzes des vierundzwanzigsten Jahrhunderts.
Dabei könnten allein die Probleme in der Zusammenarbeit von so unterschiedlichen Fraktionen bereits einen eigenen Roman füllen. Als Gegenentwurf zur oft schon zu klinisch rein anmutenden Föderationswelt führt es auf seine eigene Weise die Vision Gene Roddenberrys über ein Universum fort, in dem dessen Bewohner ihre Differenzen überwinden und zusammenarbeiten. Damit hält man den mittlerweile etwas verkrusteten Strukturen der Menschen eine Spiegel vor, der durchaus seinen Reiz hat.
Zum Anderen hat die Sternenflotte durch diese Allianz, die getreu dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" (der Kirk der alternativen Zeitlinie lässt grüßen) beinahe schon logischerweise zueinander fand, endlich wieder einen ernst zu nehmenden Gegner auf militärischen Gebiet. So traurig das auch sein mag, aber Destiny lebte weniger vom Forschungsgeist seiner Charaktere, sondern viel mehr von der Spannung, die der totale Krieg gegen die Borg auslöste. Nun, da die Cardassianer am Boden liegen, die Klingonen mit den Menschen alliiert sind, das Dominion im Dornröschen-Schlaf zu verbleiben scheint und auch die Romulaner durch die Hobus-Supernova keine ernsthafte Bedrohung mehr darstellen, wurde Star-Trek-Star-Autor David Mack also vor der eigenen Haustür fündig und pferchte einfach die verbliebenden Mittelmächte des Alpha- und Betaquadranten zu einer gemeinsamen Supermacht zusammen.
Damit allein vermag dieses Buch aber noch keinen Blumentopf zu gewinnen. Auch wenn Destiny sich eigentlich um den heuschreckenartigen Borgeinfall drehte, gab es einen Aspekt, der die Trilogie zu etwas Besonderem machte: Die Caeliar.
Mack schaffte es, ein schwammiges Konzept aus der Science-Fiction-Schublade zu holen, daran herumzuschrauben und es auf Hochglanz poliert als spannendes Storyelement zu platzieren. Damit statuierte aber nicht nur ein eindrucksvolles Exempel großartiger Science Fiction, sondern setzte auch die Messlatte für künftige Romane hoch an.
Sollte es ihm noch einmal gelingen, ein ähnlich beeindruckendes Kaninchen aus dem Hut zu zaubern?
Tatsächlich gelang ihm genau das!
Deklariert man das Volk der Caliar der heimliche Höhepunkt der Destiny-Reihe, so kann man mit Fug und Recht Macks Breen-Konzeption als Krönung dieses Buches bezeichnen. Trotz der sporadischen und häufig auch widersprüchlichen Informationen zu dieser Spezies innerhalb der Serien und Filme gelang es Mack, die Breen glaubhaft und vor allem völlig dem Kanon entsprechend als multikulturelles Volk mit Konformitätsneurose darzustellen. Durch seine Erklärungen ergeben die bisherigen Darstellungen, verschiedenen Auftritte und sogar vermeintlichen Anachronismen plötzlich einen Sinn. Mack setzt die losen Informationen wie Puzzleteile passgerecht zusammen, während man als Leser mit schier fassungslosem Erstaunen feststellen muss, wie nahtlos seine Interpretation sogar die weit klaffenden Lücken des offiziellen Kanons schließt (vgl. z.B. S. 47ff.).
Bei aller Fremdartigkeit erkennt man in der Breen-Gesellschaft aber auch immer wieder Muster, die problemlos aus dem Leben normaler Menschen unserer Tage stammen könnten. Dazu zählen Dissidenten-Bewegungen (vgl. S. 181ff.) genauso wie spießig möblierte Neubaublockwohnungen (vgl. S. 158), aber auch auffällige Parallelen zur Online-Überwachung von Personen durch Google, NSA oder britischem Geheimdienst (vgl. z.B. S. 199ff.). Doch das lüftet in meinen Augen weniger den Schleier des Geheimnisvollen, der die Breen innerhalb der Franchise stets umgab, sondern bietet genau das, was gute Science-Fiction-Literatur ausmachen sollte: Die Abstraktion der Gegenwart durch einen Blick in die Zukunft. Insofern ist es nur folgerichtig, dass sich der Typhon-Pakt sogar klanglich an den "Warschauer Pakt" anlehnt und gleich mehr als einmal von einem "Kalten Krieg" (vgl. z.B. S. 16, S. 188 oder S. 301) gesprochen wird. Ohne große Umwege wird die Politik des "Gleichgewicht des Schreckens" kritisch beleuchtet, der die Erde bereits im zwanzigsten Jahrhundert an den Rand der Zerstörung geführt hatte.
Das bleibt allerdings nicht der einzige nachdenkliche Moment der größtenteils von explosiver Action bestimmten Handlung. Bemerkenswert bleibt Doktor Julian Bashirs Wandlung vom ethisch integeren Mediziner zum mordenden Geheimagenten, die sich im Rahmen der Story langsam entwickelt. Fast könnte man meinen, dass Bashirs Augment-Zugehörigkeit die Kontrolle übernimmt und sich der Stationsarzt in einen Khan-Derivat verwandelt, der selbst den Standards des letzten Kinofilms "Into Darkness" genügen würde. Oder deutet seine plötzliche Neigung zu Bärten (vgl. S. 31) eher in Richtung Spiegeluniversum?
Ansonsten lebt das Buch in erster Linie vom beeindruckenden Schreibgeschick seines Autoren. David Mack lässt wie gewohnt Informationen von der Mattscheibe (vgl. z.B. S. 43ff., S. 93, S. 374ff. uvm.) und der Bücherwelt (vgl. z.B. S. 14fff., S. 29f., S. 36 uvm.) einfließen, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Bashir wird sogar mit Attributen belegt, die auf Siddig El-Fadils Rolle in "Vertical Limit" verweisen (vgl. S. 259f.). Das alles geschieht, ohne dass der Roman an Tempo, Spannung oder Erzählfluss verlieren würde, so dass der Leser von den Ereignisse mitgerissen wird, bis er erschrocken auf der letzten Seite angelangt ist.

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Kritikwürdige Aspekte: Destiny reloaded? Mitnichten!
Der Typhon Pakt ist nicht Destiny. Kann er auch gar nicht sein, denn den mitreißenden Ton einer unabwendbaren Apokalypse trifft dieses eher politische Thema nachvollziehbarerweise nie. "Nullsummenspiel" ist eben kein Auftakt für eine neue Trilogie, sondern viel eher der Einstiegsband in eine neue Erzählära, in der sich verschiedene Autoren der Fortführung der Grundidee einer neuen Bedrohung widmen.
Dass man sich für den Auftakt die Mitarbeit des Vorzeige-Schreibers David Mack sicherte, erscheint besonders im Himblick auf den Erfolg der Destiny-Reihe nicht weiter verwundertlich, doch zu oft blitzt der Verdacht auf, dass der Stareinkauf mit diesem Werk nur Dienst nach Vorschrift ableistet, statt wirklich Herzblut in die Sache zu legen.
Seinen Anfang nimmt dieser schleichende Eindruck in der erstaunlichen Anzahl an Zufällen, die den Charakteren immer wieder in die Hände spielen. Im Einsatz fällt Bashir etwa ein, dass er zum Glück auf der USS Aventine die Zeit gefunden hatte, den adäquaten Umgang mit einem Bolzenschussgerät zu erlernen (vgl. S. 292). Zum Glück fällt Bashir an der Außenhülle eines Frachters versteckt auf, dass sein Untersatz Schildsysteme zum Schutz vor atmossphärischer Reibung einsetzt (vgl. S. 282). Und zum Glück ähneln die Konsolen auf einem Breen-Arbeitsvehikel denen von Sternenflottengefährten so sehr, dass Bashir bei der Bedienung keine Steine in den Weg gelegt werden (vgl.S. 324)
Als ob solche ständig auftretenden Glücksfälle noch nicht bemüht genug wirken würde, geht vieles in diesem Buch erstaunlich einfach: Die Infiltration einer völlig unbekannten Kultur, der rasch hergestellte Kontakt mit einer lokalen Dissidenten-Filiale oder die Sabotage einer Top-Secret-Hochsicherheitsanlage.
Beinahe scheint es, als ob Mack lediglich bei der Grob-Gestaltung des Breen-Entwurfs mit der notwendigen Sorgfalt vorging und die Lücken in der Handlung mit der Zweitverwertung von bekanntem Rohmaterial ausfüllte. So ist die Mitnahme von getarnter klingonischer Verstärkung (vgl. S. 173) seit "Der Überläufer" ein ebenso alter Hut wie an "1984" angelehnte Folterszenen (vgl. S. 277ff. oder S. 285ff.) seit "Geheime Mission auf Celtris III, Teil II". Auch dass Bashir nach seinen Agentenabenteuern in "Der Abgrund" schon wieder nach der Lizenz zum Töten greift (vgl. z.B. S. 37, S. 55 oder S. 77f), vermag es nicht, auch nur einen Fenrisal hinter dem Ofen vorzulocken.
So kann man auch auch dem finalen 'Cliffhanger', der mit der Sektion 31 ein weiteres hinlänglich bekanntes Element ins Spiel bringt, keine allzu große Originalität unterstellen. Im Endeffekt ist das Buch nur eine gute Idee in einer halbleeren Kiste, die mit viel Banalität großzügig ausgestopft wurde.
Diese Mittelmäßigkeit findet in den 'Essays' seine Fortsetzung, die aus der Feder Christian Humbergs stammen. Sie verraten wenig bis gar nichts, was man nicht schon zuvor erfahren konnte und lesen sich wie bessere Werbetexte. Vorbei scheinen die Zeiten, als sich Cross Cult noch mit klugen Analysen, detaillierten Centerfolds oder spannenden Interviews als besonders Fan-orientiert profilierte.
Doch zurück zum Buch. Sein allergrößtes Manko liegt in meinen Augen in den flachen Charakteren. Abgesehen von Bashir wirken angefangen bei Ezri Dax über Chot Nar bis hin zu Thot Keer sämtliche Figuren hölzern, oberflächlich und wie ein Mittel zum Zweck. Ihre Motive und Beweggründe bleiben größtenteils im Dunklen und selbst wenn einmal ein Fünkchen Lebensnähe aufkeimt, wirkt es sofort gekünstelt und gestellt. Selbst Sarina Douglas vermag es trotz des vielen Raumes nicht, nennenswerte Charakterszenen auf sich zu vereinen. Viel eher bestimmt explosions- und schießwütige Action die Story, während die zwischenmenschlichen (oder zwischenbreenige) Momente in den Hintergrund geraten. Es erinnert eher an einen Star-Trek-Film aus dem Abramsverse, als an eine Folge TNG oder Deep Space Nine.

Übersetzung: Exemplarisch für die Übersetzungsleistung in diesem Buch soll einmal dieser Satz von Seite 55 herhalten:

"Ich werde mit dir oder ohne dich nach Salavat gehen […]."

Wohl sicher nicht von ungefähr erinnert diese Formulierung an die hyperkorrekte Verwendung von "Mit dem oder ohne den Rest der Flotte?" im zehnten Kinofilm. Kerstin Fricke liefert wirklich gute Arbeit ab, auch wenn ich mir an der einen (vgl. S. 190) oder anderen Stelle (vgl. S. 200) ein "dass" anstelle des dortigen "damit" gewünscht hätte. Aber abgesehen von der englisch belassenen Kombination "Tzenkethi-Harrier" (vgl. S. 213) gibt es kaum was zu mäkeln. Wenn das zum neuen Standard bei Cross Cult wird, werde ich wohl in Zukunft wieder auf diesen Unterpunkt in meinen Rezensionen verzichten müssen...

Anachronismen: Unpassender als mit einem Chamberlain-Zitat (vgl. S. 7) hätte man das Buch, in dem die Föderation weniger passiv wirkt als in ihrer gesamten Serien- und Filmgeschichte, nicht starten können. Ausgerechnet die Galionsfigur der britischen Appeasement-Politik im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges zu bemühen, war aber wohl eher dem ebenso eigensinnigen wie sympathischen Humor David Macks geschuldet.
Obgleich seine Breen-Interpretation meines Erachtens vergleichsweise wasserdicht ist, gibt es einige Haarrisse.
So mutet der Arbeitskräftemangel, über den sich Thot Keer beschwert (vgl. S. 231ff.), etwas merkwürdig an, da die Breen laut "Indiskretionen" kein Problem damit haben, auf Sklavenarbeit zurückzugreifen. Trotz dieses Umstands werden die unfreiwilligen Hilfskräfte - trotz mannigfaltiger Möglichkeiten – auf keiner Seite erwähnt.
Ferner störte mich ein klein wenig, dass sich die multiethnischen Breen schließlich als eine Art Föderation im Kleinformat entpuppen und als solche Teil einer neuartigen Föderation sind, die der etablierten Föderation das Fürchten lehren soll. Bei so vielen Föderationen sind Identifikationskrisen wohl schon vorprogrammiert...

Fazit: David Mack entführt seine Leser in neue Welten, zeigt ihnen unbekannte Lebensformen und nimmt sie mit dorthin, wo nie ein Leser zuvor gewesen ist. Die Gesellschaft der Breen ist der unbestreitbare Höhepunkt des Buches, hinter dem Handlung, Charaktere und Originalität unweigerlich ins zweite Glied rücken.
Ohne Frage ist "Nullsummenspiel" spannend geschrieben, temporeich erzählt und fesselnd verpackt, doch im Vergleich ist es eher ein schwächeres Werk aus der Feder des Star-Trek-Star-Autoren. Aber selbst schwächere Bücher Macks sind immer noch im oberen Mittelfeld anzusiedeln und wer mit einem Action-Spektakel und nur wenigen Denkanstößen leben kann, wird Gefallen am Typhon-Pakt-Auftakt finden.

Denkwürdige Zitate:

"Erobern, desinfizieren, homogenisieren. Das ist die Art der Sternenflotte."
Julian Bashir, S. 36

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"Alles, was ich je wollte, war, großartige Raumschiffe zu bauen. Wenn ich gewisst hätte, dass ich es dabei mit Politikern zu tun bekomme, wäre ich Koch geworden."
Thot Keer, S. 63

"Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage... aber wir leben in unsicheren Zeiten, Frau Präsidentin."
K'mtok, S. 211

Bewertung: Ein Breen macht noch lange keinen Winter.

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Weiterführende Leseliste:

Typhon Pact 01: Nullsummenspiel
Typhon Pact 02: Feuer

Montag, 24. Juni 2013

Mission Gamma II: Dieser graue Geist

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Buchbesprechung Jarman, Heather: Mission Gamma II: Dieser graue Geist. Cross Cult, 2002/ 2011.


Story: Auf Deep Space 9 kommt es dieser Tage zum großen diplomatischen Showdown. Auf der einen Seite die Bajoraner, die nun endlich den aufgeschobenen Föderationsbeitritt umsetzen wollen. Auf der anderen Seite die Föderation, die kritisch jedes einzelne Haar in der Suppe zu finden gedenkt und mit Adleraugen auf Verfehlungen des bajoranischen Volkes lauert.
Als ob das noch nicht genug wäre, künden sich just in diesem Moment illustre zusätzliche Gäste an, die das Duell zu einer menage á trois mutieren lassen: Die Cardassianer tauchen im Fahrwasser des umtriebigen Dukat-Doppelgängers Gul Macet auf und sorgen für ein großes Tohuwabohu auf ihrer ehemaligen Station.
Derweil strandet der rüstige erste Offzier Elias Vaughn im Gamma-Quadranten. Eine Falle aus Nanobots legt die Schiffssysteme der Defiant lahm. Glücklicherweise werden sie von einer amphibisch anmutenden Spezies namens Yrythny gerettet, die ihnen auch die Möglichkeit bietet, die beschädigten Sektionen in ihrer Heimat zu beheben. Doch die Crew gerät damit nicht nur zwischen die Fronten eines bewaffneten Konflikts zweier verschiedener Spezies, sondern auch in Reichweite eines schwelenden Bürgerkrieges, der laut einer alten Prophezeiung lediglich von Ezri Dax verhindert werden kann.

Lobenswerte Aspekte: Auf der Buchrückseite steht es orange auf schwarz: "Unerforschte Gebiete". Das liest sich zwar ungefähr wie "Vorsicht, Wildwechsel!", "Kann Spuren von Nüssen enthalten" oder "Warnung! Diese Seite enthält für Minderjährige ungeeignetes Material.", doch man kann es durchaus als programmatisch für die gesamte Reihe geltend machen. Denn diese 'Mission Gamma' kuschelt sich wieder zurück an den Entdeckeridealismus Roddenberrys, wie er bei Deep Space Nine zuvor höchstens in den ersten beiden Staffeln zu spüren war. In diesem Buch gibt es daher keinen totalen Krieg, der die Handlung auf Teufel-komm-raus vorantreibt. Niemand wird von schwammigen Visionen der Apartheid im Amerika der Fünfziger Jahre heimgesucht, die irgendetwas mit den Plänen der wurmlochbewohnenden Propheten zu tun haben sollen. Und niemand muss mehr die Babylon-5-Keule schwingen, um auf auffällige Parallelen zwischen beiden Serien hinzuweisen.
Statt dessen verlässt man sich also auf althergebrachte Werte, die Star Trek in jungen Jahren bereits zu etwas besonderem gemacht haben: Die Erforschung des Weltraums; jener mythischen Grenze, der sich die Menschheit und die mit ihr verbündeten Spezies noch stellen müssen.
Ausdruck dieses Strebens bildet das Volk der Yrythny. Nicht Fisch noch Frosch lebt ihre Darstellung vielmehr von der gesellschaftlichen Beschreibung, die nur mit viel Desinteresse als 'Adelsherrschaft' oder 'Kastenwesen' beschrieben werden kann: Viel eher wird die gesellschaftliche Stellung danach bestimmt, ob die nichtsahnenden Kaulquappen just an derselben Stelle wieder anlanden, an der sie geboren wurden. Wer das nicht tut, verbringt den Rest seiner natürlichen Existenz als kastrierter Sklave mit nur dürftigen Rechten zur Selbstbestimmung. Ein wenig erinnert das Ganze an 'Metropolis' – vor allem, wenn man sich den Höhepunkt des Buches vor Augen hält: Die künstliche Weltraumstadt Luthia.
Die Stadt im Orbit der Heimatwelt der Yrythny besteht aus einem künstlichen Planetenring, dessen Bestandteile miteinander vernetzte Wohn-, Arbeits- und Forschungseinrichtungen bilden. Eine beeindruckende Vision, die es leider noch nicht auf die Leinwand geschafft hat.
Doch so schön das Bild eigentlich auch sein mag, dient es in Wirklichkeit nur als Staffage für ein detailiertes Innengemälde einer der Hauptfiguren. Ezris innerer Kampf mit dem schweren Erbe vorangegangener Dax-Wirte (vgl. z.B. S. 124, S. 131 oder S. 216) wird auf der wasserreichen Welt und ihrem Orbit ausgetragen. Überspitzt könnte man es als einen überfälligem Selbstfindungstripp auf dem 'Planet of Aquarius' bezeichnen. Die Yrythny sind bei Lichte besehen nur schmückendes Beiwerk in dieser Charakterstudie. Was sich nach einem Widerspruch anhört, bleibt jedoch im Rahmen einer gewissen Star-Trek-Tradition, die es seit TOS gibt, denn schon seit den Anfängen dieser ersten Serie dienten die Abenteuer bei der Erforschung des Weltalls vor allem dazu, das Potential der Menschen im Allgemeinen und der Seriencharaktere im Speziellen aufzuzeigen. Ein gelungene Rückbesinnung auf alte Werte!
Doch die Forschungsmission in den Weiten des noch viel zu unbekannten Gamma-Quadranten sind nur eine Seite der Medaille. Das Buch ist strikt zweigeteilt zwischen den Ereignissen im Gamma-Quadranten und denen auf Deep Space 9. Erst gegen Ende der Erzählungen werden beide Handlungsbögen wieder miteinander verknüpft.
Auf der ehemaligen cardassianischen Station herrscht wie immer ein buntes Treiben, dessen Takt durch die Betrittsverhandlungen mit der Föderation bestimmt wird. In diesem Zusammenhang gelangen auch Andorianer an Bord, die meines Erachtens trotz des Besuchs der Cardassianer, den eigentlichen Höhepunkt dieses Handlungsbogens stellen. Man erlebt hautnah die Intimität und Komplexität einer solchen Vierecksbeziehung mit, wie sie bei vier verschiedenen Geschlechtern vermeintlich üblich sein muss. Ab und an schleicht sich das Gefühl des Voyeurismus' ein, das sich nur schwer wieder abschütteln lässt. Doch die vielen neuen Informationen zu dem so stiefmütterlich behandelten Volk eröffnen einen neuen Kosmos, der dem Entdecken neuer Welten im Gamma-Quadranten in nichts nachsteht.
Ansonsten entdeckt der deutschsprachige Leser einige Namen wieder, von denen er in den später angesetzten Destiny-Teilen bereits gelesen haben dürfte. Besatzungsmitglieder der USS Aventine wie Bowers (vgl. S. 11), Leishman (vgl. S. 13) oder Dr. Tarses (vgl. S. 99) setzen erste, vorsichtige Duftspuren im Gedächtnis des Lesers. Sie bilden die Spitze eines wahren Eisbergs an Star-Trek-spezifischen Informationen, die mittlerweile zum guten Ton innerhalb der jüngeren Star-Trek-Literatur gehören. Daneben wagt die Autorin Heather Jarman aber auch hin und wieder einen Blick über den Tellerand und bringt Referenzen auf "Herr der Ringe" (vgl. S. 5) "Futurama" (vgl. S, 130, das "Haus des Soid") oder "Jagd auf Roter Oktober" (vgl. S. 397). Das alles entbehrt dabei nicht eines gewissen latenten Humors, der sich beispielsweise im Running Gag um einen klingonischen Groschenroman (vgl. S. 7ff., S. 167 oder S. 475f.), Treirs Spielchen mit Quark (vgl. S. 40ff. oder S. 150f.) oder der nachvollziehbaren Bemerkung, dass ohrlose Spezies Ferengis merkwürdig anmuten (vgl. S. 19) widerspiegelt. Das mag nach einer kleinen Randnotiz klingen, doch tatsächlich ist es für eine Schriftstellerin alles andere als einfach, den subtilen Witz der verschiedenen Star-Trek-Serien angemessen einzufangen.

Kritikwürdige Aspekte: Jarmans Werk ist ambitioniert, komplex und umfangreich. Wahrscheinlich genau aus diesem Grund wirkt es jedoch viel zu oft künstlich, konstruiert und unnachvollziehbar.
Zu offensichtlich muten manche der Anlehnungen an Altbekanntes aus der Vorbild gebenden Serie an, obwohl man den Neustart mit der achten Staffel in Buchform für wirkliches Neuland ausnutzen könnte.
Stattdessen fungiert Elias Vaughn als rüstiger Johannes Heesters der Sternenflotte aushilfsweise als Sisko-Vaterersatz für die junge Ezri Dax und machte als 102jähriger (!) Offizier in seiner Jugend selbstverständlich ebenfalls gemeinsame Sache mit dem guten alten Curzon-Vorwirt (vgl. S. 111). Ezri hingegen übernimmt den Yrythny gegenüber eine Position ein, die sich grob mit der des Abgesandten vergleichen lässt (vgl. S. 68ff.).
Überhaupt häufen sich bei der an sich spannenden Mission im Gamma-Quadranten zu viele abenteuerliche Zufälle:
Zufällig kartieren die Wanderer bereits seit Jahrhunderten ihre eigene Genvielfalt in der Kartoffelmiete (vgl. S. 291ff.).

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Die dümmsten Bauern genkartieren die dicksten Kartoffeln


Zufällig verdächtigt niemand trotz eindeutiger Beweise die Sternenflotte der terroristischen Anschläge (vgl. S. 268).
Und zufällig benötigt der Cheka Fazzle den nackten Oberkörper Tenmeis für ein Kunstwerk und ermöglicht der Sternenflotte so einen Hackangriff auf das Datennetzwerk seines Volkes (vgl. S. 205ff.).
Nicht unbedingt besser erwischt es den Handlungsbogen, der hinter einem eisernen Vorhang von den Geschehnissen des Gamma-Quadranten abgetrennt ist. Aber wie das hinter einer solchen Mauer schonmal üblich ist, weichen die Probleme auf der einen Seite von denen der anderen ab.
So muss man der Autorin schon zugestehen, dass es ihr großartig gelang, den Seifenopercharakter, der das Figurenspiel in Deep Space Nine stets bestimmte, für die beschriebenen Szenen auf der Station adäquat einzufangen. Genau das aber nervt mich an der Serie nicht minder als an diesem Buch.
In diesem Zusammenhang kommt es nämlich auch zu tragisch-theatralischen Situationen, die fraglos in ach so komplexe Charakterkonflikte münden, dafür jedoch nicht immer logischen Entwicklungen folgen. So vermag Ro Larens tapsiges Andorianer-Fettnäpfchen (vgl. 156ff.) nicht so recht dem ansonsten so akkuraten Verhalten der Sicherheitschefin zu entsprechen, aber auch Shakaar berechnende Intriganz (vgl. S. 447ff.) oder Quarks neuentdeckte Liebe zu Gemälden (vgl. S. 415ff.) wirken neben anderen Beispielen völlig neben der Spur. Am verstörendsten empfand ich die Passage, in der die Autorin scheinbar ihre eigene Bewunderung für Kira Nerys dem neuen Counselor an Bord in den Mund legte (vgl. S. 227ff.).
Als zu große Hürde für die Autorin entpuppen sich im Verlauf des Buches auch die Andorianer. Das fängt schon auf dem Cover an, auf dem eine sehr feminine Figur an eine Kreuzung aus einem Schlumpf mit einem Nietzscheaner erinnert und seine unmilitärische Bob-Marley-Gedächtnisfrisur aufmerksamkeitsheischend über das blasse Gesicht fallen lässt. Der finale Freitod seiner Partnerin Thriss zeichnete sich bei jeder Beschreibung der depressiven Wirrköpfin bereits deutlich ab und warum Shar seinen ach so heiligen Kopulationsakt nicht einfach vor der Mission in den Gamma-Quadranten hinter sich bringen konnte, fragt man sich so ziemlich jedes Mal, wenn das Thema angesprochen wird.

Übersetzung: Über knapp fünfhundert Seiten zieht das Buch sich hin. Der Umfang bietet eine beträchtliche Fehlerquelle und diesen Erwartungen wird der Roman natürlich auch gerecht. Da trifft man bei Lesen mal wieder auf fehlende Fragezeichen (vgl. z.B. S. 15) oder ein doppelt getrenntes Wort wie "Besatzungs-mit-glied" (S. 12). Daneben tauchen auch immer wieder fehlerhafte Formulierungen wie "[...] kein einzelner Ingenieur [...]" (S. 73, statt "kein einziger Ingenieur") oder „[...] plagen wir uns darum [...]“ (S. 83, statt "plagen wir uns damit") auf. Einige unglückliche Übersetzungen wie "Queste" (S. 105) für "quest"  oder "Baseball-Bälle" (S. 484, vgl. dazu aber „[...] der Baseball [...]“ auf S. 485) komplettieren dieses Bild.
Cross Cult beweist Beharrungsvermögen und verzichtet der deutschen Synchronisation von Deep Space Nine zum Trotz auf die Bezeichnung 'Fähnrich' und verwendet statt dessen in beiden Handlungssträngen munter das Wort "Ensign" (vgl. S. 10 und S. 23). Weitere Unkenntnis über die Serie wird im folgenden Satz demonstriert:

Beim nächsten Mal nehmen wir uns vielleicht Worfs altes Straße nach Kal'hyaH-Programm vor und drehen richtig auf.“ (S. 317)

Nicht nur, dass es "Kal'Hyah" heißen müsste; die Formulierung suggeriert ferner, dass dieses "Kal'Hyah" ein Ort sei. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein klingonisches Ritual, das mit einem menschlichen Junggesellenabschied vergleichbar wäre. Korrekt müsste der Satz also wiefolgt lauten:

Beim nächsten Mal nehmen wir uns vielleicht Worfs altes Weg zum Kal'Hyah-Programm vor und drehen richtig auf.

Ferner nervt es ebenfalls, dass das Adjektiv "befleckt" so gern groß geschrieben wird (vgl. S. 488), obwohl es sich dabei nicht im engeren Sinne um einen Eigennamen handelt. Und auch, wenn ich einen guten Genitiv zu schätzen weiß: „[...] der Job, wegen dessen [...]“ (S. 217) ist alles mögliche, aber weder richtig, noch ein guter Genitiv.
Ferner ist es natürlich schwierig, das Siezen und Duzen vernünftig in einen solchen – streckenweise sehr persönlichen – Roman zu integrieren. Leider gelingt das nicht unbedingt immer und wirkt mitunter sogar etwas verwirrend (vgl. S. 40ff.)
Aber ich will nicht nur schimpfen, denn wenn man von diesen kleineren Makeln absieht, so handelt es sich doch um einen überaus einfühlsam übersetzten Roman. Christian Humberg gelingt es mehrfach, den Stil des Werkes dezent, aber elegant mitzubestimmen.
Wörter wie "cranky", "Dukat-like", "folk hokum" oder "push and pull" mit "miesepetrig" (S. 414), "dukatisch" (S. 32), "Mumpitz" (S. 183) oder "Hü und Hott" (S. 209) zu übersetzen, zeugen jedenfalls von einem besonderen Gefühl nicht nur für die deutsche, sondern auch für die englische Sprache. Seinen Höhepunkt findet dieses Können in der Übertragung der im amerikanischen Sprachraum weit verbreiteten Redewendung "perception is nine tenth of reality" mit "Einbildung, sagt man, ist auch eine Bildung." (S. 174), die sich trotz ihrer deutlichen Abweichung angenehm in den Text einfügt und wohl leider nur denen auffallen wird, die auch das englische Original gelesen haben.

Anachronismen: Die Achillesferse dieses Buches bleiben die Andorianer. Sobald sie in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten, beginnt umgehend ein Feuerwerk an Ungereimtheiten mit dem offiziellen Kanon. So wollen Shars Vorliebe zu hoher Luftfeuchtigkeit (vgl. S. 73) oder die beschriebenen beinahe tropischen Bedingungen auf Andoria (vgl. S. 381) nicht so recht zu dem eisbedeckten Mond passen, den man in der ENT-Episode "Die Aenar" zu sehen bekommt. Und ja, es sollte 'Andoria' und nicht, wie im Buch ständig behauptet 'Andor' (vgl. z.B. S. 73, S. 105, S. 117, S. 118, S. 469 oder S. 478) heißen, denn Andor ist lediglich der Gasgigant, um den der Mond Andoria kreist, von dem die Andorianer stammen.
Liest man die Ausführungen zh'Thanes (vgl. S. 102ff.) und die Rückblenden über das emotionale Verhalten mancher Mitglieder dieser Spezies (vgl. S. 90ff.) muss man sich schon irgendwie fragen, warum es in der Serie "Enterprise" überhaupt noch Andorianer gab. Der beschriebene Zeitraum für Genverfall wie er im Buch suggeriert wird (vgl. S. 261ff.), erscheint jedenfalls arg kurz. Außerdem korrespondieren die vier Geschlechter kaum mit der Tatsache, dass sich der Andorianer Shran laut offiziellem Kanon nur ein Weibchen suchte, um Nachwuchs zu zeugen (vgl. "Dies sind die Abenteuer").
Die Erklärung dafür ist so einfach wie lapidar. Als das Buch 2002 in den USA erschien, war die bislang letzte Serie "Enterprise" gerade einmal angelaufen. Die Autoren der Star-Trek-Bücher hatten schlichtweg noch keine Idee, in welche Richtung sich diese Spezies noch entwickeln würde und die Produzenten waren zu eitel, um die Bücherwelt in ihre Planungen miteinzubeziehen. Somit hat die Wirklichkeit längst vieles von dem überholt, was in der achten Staffel Deep Space Nine in Buchform auf den deutschen Leser wartet.
Dennoch lassen sich auch vermeidbare Fehler finden. Sicherlich wird es Cross Cult freuen, dass es auch in der fernen Zukunft noch Ebooks mit Kopierschutz geben soll (vgl. S. 10), doch Picards Monolog im achten Kinofilm darüber, dass die Menschheit sich über so etwas hinaus entwickelt hätte, spricht eigentlich dagegen. Doch wer weiß, wie die Klingonen zur Copyright-Debatte stehen...
Da sind andere Fehler viel gravierender. Würden etwa Stirnhöcker wirklich auf die Haus-Zugehörigkeit bei den Klingonen schließen lassen (vgl. S. 219), so wäre das Haus Martok mit Mitgliedern wie Martok, Sirella, Worf, Alexander Rozhenko oder gar Jadzia Dax wohl so etwas wie ein klingonisches Hundertwasserhaus.
Aber am abenteuerlichsten war eindeutig der Einfall der Nanobots auf der Defiant. Die fiesen kleinen Miniaturroboter legten nämlich alle Schiffssysteme lahm; inklusive der Universalübersetzer, woraufhin keinerlei Kommunikation mit fremden Lebewesen mehr möglich war (vgl. S. 16ff.). Dumm nur, dass der aufmerksame Deep-Space-Nine-Seher aus Folgen wie "Kleine grüne Männchen" weiß, dass zumindest Nog das Zaubergerät direkt ins Ohr implantiert wurde und er auf keinen Fall wie beschrieben hätte handeln müssen, sondern viel eher so:

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Fazit: Dieses Buch kehrt an die Anfänge Star Treks zurück und besinnt sich wieder jener Werte, die die Franchise einmal so groß gemacht haben: Die Erforschung des Alls und der persönlichen Grenzen. Obwohl das über weite Strecken gut funktioniert, wirkt die Handlung aber oft zu konstruiert, zu weit von den gewohnten Charakteren entfernt oder wie eine gigantische Seifenoper im Weltraum. Im Grunde bleibt er damit ein durchschnittlicher DS9-Roman, würde nicht ein großes Manko seinen dunklen Schatten auf dieses Werk werfen:
Die Andorianer. Den drolligen kleinen Antennenträgern wird zwar willkommene Aufmerksamkeit zuteil, doch die Darstellung scheitert an unnachvollziehbaren Schilderungen, die zu allem Überfluss auch noch eine Reihe an Anachronismen nach sich ziehen. 

Denkwürdige Zitate:

"Das Ding markiert das Ende jedweden literarischen Anspruchs, das sage ich Ihnen!"
Senkowski, S. 10

"Ich hasse Diskussionen über die Oberste Direktive."
Vaughn, S. 77

"Das Unbekannte ist immer der Feind, Lieutenant."
Taran'atar, S. 90

"Alle denkenden Wesen treibt der Drang nach Nahrung und Vermehrung an. Diese zwei Konstanten machen das Leben erst interessant."
Quark, S. 155

"Meiner Erfahrung nach ist das das wichtigste Geschenk, das die Forschung uns bietet: dass wir die Welt in uns besser verstehen lernen, als die da draußen."
"Was wollen Sie damit sagen? Dass es bei der vielzitierten letzten Grenze weniger um die Erkundung des Alls geht, als um den Blick in uns selbst?"
"Etwa nicht?"
Vaugn und Ezri Dax, S. 468

Bewertung: Diese graue Maus.

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Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel Acht, 01: Offenbarung, Buch 1
DS9, Staffel Acht, 02: Offenbarung, Buch 2
DS9, Staffel Acht, 03: Der Abgrund
DS9, Staffel Acht, 04: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel Acht, 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel Acht, 06: Mission Gamma II: Dieser Graue Geist

Erwerbsempfehlung: Wer mal nicht unbedingt Amazon das sauer verdiente Geld in den Rachen werfen will, dem sei an dieser Stelle einmal ein sympathisches, kleines Bücherversandhaus empfohlen. Amrun greift kleinen Verlagen und Selbstverlegern unter die Arme und stellt in meinen Augen ein Projekt dar, das man im Gegensatz zu seelenlosen Großkonzernen mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen unbedingt unterstützen sollte.


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Mittwoch, 19. Juni 2013

Vanguard 05: Vor dem Fall

Danksagung: Da ist sie: Meine einhundertste Rezension. Für diesen historischen Moment habe ich mir natürlich ein ganz besonderes Buch aufgespart, bei dessen Lektüre sich nicht gleich die Zehnägel kräuseln, die Augen verdrehen oder die Nase vom Rümpfen entzündet.
Aber natürlich wäre ich heute nicht an diesem Punkt, wenn mich nicht treue Leser, eifrige Kommentatoren und Freunde mich immer wieder ermutigt, getriezt und unterstützt hätten. Deshalb sage ich an dieser Stelle Andre, Andreas, Anonym, Anonymer Stefan, Ameise, Bernd Perplies, Bernhard, Cal, Captain Jerk, Carlito, Charlotte, chogaramirez (Sandy), Chris/ Christian, Damon, Diane Duane, Dinsdale, DomPatHug, ein Trekki, Enne, Erik, Frank, Hans Oetzthaler, Julian Wangler, K'olbasa, Kalami, Knusperfrosch, Markus, Notlob_1204, Oolp, Rolf, Rok, Spiny Norman, Strifes, The Naked Data, TrekFan1977, Velvet, wajdz, den hier Unerwähnten und den vielen stillen Lesern einfach mal:


Dankeschön!


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Buchbesprechung Mack, David: Vanguard 05. Vor dem Fall. Cross Cult, 2009/2010.

Story: Vergessen zieht ein uninteressanter Planet namens Golmira seine Bahn in der Taurus-Region. Seine Bewohner haben den Planeten abgenutzt, seine Ressourcen verbraucht und seine einstmals so blühende Oberfläche in eine trostlose Ruinenlandschaft verwandelt. Hin und wieder besuchten Fremde den Planeten, doch stets erkannten sie, wie ubedeutend der nackte Fels mit seinen zwei popeligen Monden eigentlich ist und verschwanden umgehend wieder.
Doch die matriarchalisch organisierten Denn bekommen eines Tages Besuch, der eine neue Hoffnung birgt. Zwei Menschen namens Quinn und McLellan erzählen ihnen von einer galaktischen Föderation, die ihren Heimatplaneten an deren Errungenschaften teilhaben lassen könnte. Das Einzige, woran sie im Gegenzug Interesse zeigen, sind einige alte Ruinen, die unter der Kontrolle eines nomadischen Wüstenvolkes namens Goçeba stehen.
Doch kurz nach den beiden Wohltätern tauchen neue Fremde auf: Sie haben merkwürdig anmutende Stirnwülste und erklären den Planeten ungefragt zu ihrem eigenen Territorium. Sie versklaven die Einheimischen, verschleppen sie in die Ödnis und buddeln selbst in den alten Stätten herum, die den Goçeba so heilig sind. Gemeinsam mit den Menschen nehmen die Denn und die Goçeba den Kampf gegen die so genannten 'Klingonen' auf, ohne auch nur zu ahnen, welche uralten, beinahe vergessenen Mächte die beiden fremden Fraktionen heraufbeschwören...

Lobenswerte Aspekte: Jedes Mal, wenn dieser Blog gerade eine kreative Pause einlegte, habe ich dieses Buch gelesen. Insgesamt drei Mal.
Und was soll ich sagen?!
Jedes Mal war dieses Buch aber auch der perfekte Wiedereinstieg in die Star-Trek-Bücherwelt. Die fesselnden Geschichten im TOS-Gewand sind nämlich im Moment das mit Abstand Beste, was die hiesige Star-Trek-Literaturlandschaft zu bieten hat. Wohlwissend um diese Stellung kann sich "Vor dem Fall" daher erlauben, den Cliffhänger des letzten Bandes "Offene Geheimnisse" erst auf Seite 99 wieder aufzugreifen – und das funktioniert auch noch ohne irgendwelchen Leerlauf! Bis dahin gelingt es nämlich den anderen Protagonisten des Romans, die Handlung ohne Probleme am Laufen zu halten.
Durch den atemberaubenden Wechsel zwischen den einzelnen Handelssträngen entsteht ein buntes Kaleidoskop der klassischen Star-Trek-Ära vor dem inneren Auge des Lesers, das ihn nicht mehr loslässt. Die 376 Seiten vergehen wie im Flug und tatsächlich ist man am Ende sogar etwas enttäuscht, dass das Abenteuer schon wieder vorbei ist.
Kernige Dialoge, die von humorvollen Wortwechseln über nachdenkliche Gespräche bis hin zu eingängigen Catchphrases wirklich alles enthalten verleihen dem Buch eine Lebendigkeit, die durch die Vielzahl an glaubwürdigen Charakteren gestützt wird.
Egal ob sexuelle Spannungen, komödiantische Passagen oder gar Action-Szenen: Alles wirkte um Längen glaubhafter als in der Novellisierung zu 'Star Trek: Into Darkness' und zeigte damit deutlich, dass sich die klassische Ära, wie sie in dieser Romanreihe am Leben erhalten wird, nicht vor der Abrams-Neuauflage zu verstecken braucht.
Im Gegenteil!
Ohne, dass Autor David Mack altbekannte Sujets aus der klassischen Serie kopiert, schafft er (zusammen mit den anderen Schreibern dieser Reihe) einen völlig eigenen, ungleich kreativeren Kosmos.
Das bedeutet natürlich nicht, dass er ohne größere Anleihen auskommt. Aber im Gegenteil zu Abrams pickt er sich nicht nur die Rosinen heraus, sondern nutzt die Querbezüge, um ein Star-Trek-Gefühl beim Rezipienten aufkeimen zu lassen. Das geschieht nahezu nebenbei, wenn man über beinahe unauffällige Begriffe wie "Ajilon Prime" (S. 89), "Ikospektogramm [sic!]" (S. 118) oder "transparentes Aluminium" (S. 225) stolpert. Aus so ziemlich jeder Serie zieht der Autor Begrifflichkeiten heran, die sich zu einem großen, runden Ganzen zusammenfügen, das das Prädikat 'Star Trek' auch wirklich verdient. Andere Ideen, wie die Basis von Plomeek-Suppe (vgl. S. 183), die Einsatzstationen todgeweihter Constitution-Klasse-Schiffe wie der USS Defiant oder der USS Intrepid (vgl. 145) oder die Einblicke in die politische Laufbahn des späteren Kanzlers Gorkon (vgl. S. 60ff.) vervollständigen das Puzzle der spärlichen Informationen aus den Kanon-Quellen zusätzlich.
Als ob das nicht genug wäre, scheut sich die junge Serie nicht, selbstbewusst Duftspuren ihrer Existenz zu setzen. So proklamiert sie für sich selbst, den Ursprung für später essentielle Erfindungen wie die Replikatortechnologie, medizinische Hautregeneration oder gar Langstreckenkommunikation zu bieten (vgl. S. 343). Ein mutiger Anflug von Größenwahn, den man der großartigen Reihe jedoch als Leser wohlwollend zugesteht.
Doch nicht nur die Serien und Filme fanden entsprechende Aufnahme. Die Erwähnungen von "T'Kuht" (S. 27), eine Mordserie auf Vulkan (vgl. S. 353) oder eine Seuche auf Nisus (vgl. S. 353) schlagen sogar Brücken zu älteren literarischen Vorlagen wie "Sarek", "Mord an der Vulkan-Akademie" oder "Die UMUK-Seuche".
Aber nicht allein das erweiterte Star Trek-Universum wird in diesem Buch zu einem appetitlichen Buffet komprimiert. Liest man Namen wie Hofstadter (S. 118, weiblich!), Wolowitz (S. 193), Cooper (S. 206) oder Koothrappali (S. 343) freut man sich (fernseh-)bildlich ein Loch in den Bauch, dass diese Serie, die so sehr wie kaum eine andere dem Kulturphänomen Star Trek huldigte, nun im Gegenzug genau dort Aufnahme fand – auch wenn "The Big Bang Theory" nur in Buchform übernommen wurde (übrigens muss Raj während der Arbeit Alkohol getrunken haben, denn es gelingt ihm, im Beisein mehrerer Frauen wie Dr. Carol Marcus zu sprechen).


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auffällig unauffällig: Der Big-Bang-Theory-Gastauftritt

Weitere Überraschungen erwarten den Leser, wenn er die Mitglieder der Denn-Terrorzelle kennenlernt, die Quinn für einen Guerillakrieg gegen die Klingonen ausbildet. Personen wie Bohnenstange (S. 159) oder Bubba (S. 160) erinnern deutlich an Vorbilder wie "Tripods – Die dreibeinigen Herrscher" oder "Forrest Gump" (vgl. dazu auch jen Szene S. 161f., in der ein Gewehr in Rekordzeit auseinander- und wieder zusammengebaut wird).
Ihr Ausbilder Quinn ist übrigens der deutliche Gewinner des Romans. Die viele Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, tut dem Ganoven gut, da sich bei ihm trotz der Rundumerneuerung tatsächlich dunkle Abgründe auftun, die vieles zu seiner Motivation beitragen (vgl. z.B. S. 155ff.).
Als zweiten Gewinner muss man hingegen die Vulkanierin T'Prynn ins Feld führen. Obwohl zu befürchten stand, dass sie seit ihrer Trennung von der katra Stens an Profil verlieren könnte, gewann sie genau durch diesen Konflikt an Facetten, die zuvor mühsam aufgebaut wurden (vgl. insbesondere S. 277ff. und 357ff.). Allein für diese 'architektonische' Meisterleistung in puncto 'Motivationsgebäude' gebührt den Autoren Respekt.
Sein Repertoire ist damit aber auch noch längst nicht ausgeschöpft. Das obligatorische Jungfrauen-Opfer, die Indiana-Jones Romantik bei den archäologischen Ausgrabungen und die Stirb-Langsam-Parallelen beim Anti-Helden Quinn stellen seine große Bandbreite unter Beweis. Die beinhaltet tatsächlich auch die Verwendung von klassischen Science-Fiction-Themen: Das Volk und die Gesellschaft der Denn bieten eine toll verpackte Parabel auf mögliche Zukunft der Erde, die unter den Folgen der Umweltsünden kurzsichtiger Machthaber zu leiden hat.
Solch ein tagesaktuelles Thema zu verwenden, um es in die Zukunft zu transportieren ist genau das, was nicht nur Star Trek im Speziellen, sondern Science Fiction im Allgemeinen ausmacht und als Qualitätsmerkmal der Marke 'Vanguard' herhalten kann.

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Wieder einmal en vogue: Kristallschädel zur Aufbewahrung von Alt-Aliens


Kritikwürdige Aspekte: Im fünften Band der Reihe ist mittlerweile so langsam aber sicher der Punkt erreicht, an dem ein Einstieg in die Vanguard-Thematik definitiv nicht mehr ohne Kenntnis der Vorgänger möglich ist. Quinns Wandel, T'Prynns Verlust oder Diego Reyes' Verrat erschließen sich erst in Gänze, wenn man auch die vorherigen Romane kennt. Natürlich ist die Reihe äußerst empfehlenswert, doch mit steigendem Umfang entwickelt sie sich logischerweise in eine Richtung, die zunehmend Eingeweihten vorbehalten bleibt. Vielleicht ist es aus der Warte heraus sogar begrüßenswert, dass 'Vanguard' abgeschlossen wird.
Der zweite große Kritikpunkt betrifft die Shedai, denn sie geraten doch arg kurz. Besonders, wenn man die ausführliche Aufbauarbeit der beiden vorangegangenen Bände berücksichtigt, fehlt für den späten und überschaubaren Auftritt (vgl. S. 309ff.) eigentlich jegliche Begründung. Fast könnte man meinen, dass dies dazu dient, den im Verlaufe der Handlung abgeschwächten Schrecken der Spezies zurückzuerlangen, doch die Gefangennahme eines Shedai am Ende des Bandes (vgl. S. 369ff.) widerspricht dieser Vermutung vehement.
Vergleichsweise Jammern auf hohem Niveau ist es hingegen bereits, das Ableben zweier liebgewonnener, beziehungsweise vertrauter Weggefährten hinnehmen zu müssen. Natürlich wird das mancharanische (!) Schiff Rocinante (vgl. S. 298ff.) durch einen Nachfolger ersetzt, doch gerade das Motiv des verrosteten Eimers, der nur durch Spucke und Hoffnung auf seinen Weltraumflügen zusammengehalten wird, bildete einen gelungenen Kontrapunkt zur sterilen, sauber-modernen Welt der Sternenflotte.
Als mindestens ebenso bedauerlich erweist sich das Ableben Zett Nilrics (vgl. S. 315ff.). Natürlich muss die Geschichte langsam auf das große Finale hinarbeiten, doch in ihm hatte Quinn einen bis dato ebenbürtigen Antogonisten, der den folgenden Ausführungen mindestens so sehr fehlen wird, wie die Rocinante.

Anachronismen: Wenn David Mack die Zügel in die Hand nimmt, bleiben Anachronismen üblicherweise aus. Allerdings bleibt er auch seinen eigenen Fehleinschätzungen treu. So kann man, wie bereits im zweiten Destiny-Band "Gewöhnliche Sterbliche" davon lesen, dass Tholianer einen Schwanz hätten (vgl. S. 49). Wie man in der Enterprise-Episode "Im finsteren Spiegel, Teil I" oder als Spieler von Star Trek Online erfahren muss, ist dies aber nicht unbedingt der Fall.

Übersetzung: Wenn man dieses Werk mit seinen Vorgängern vergleicht, kann man immerhin festhalten, dass das Fehlerlevel deutlich gesunken ist. Dennoch ist die Anzahl noch weit über dem, was ein angemessen lektoriertes Buch aufweisen sollte.
Entsprechende Pannen setzen schon mit einfache Satzzeichen wie den fehlenden Fragezeichen (vgl. z.B. S. 36), Ausrufezeichen (vgl. z.B. S. 73) oder Anführungszeichen (vgl. z.B. S. 12) ein und finden ihre Fortsetzung in falsch wiedergegebenen Wörtern wie "illege Weise" (S. 93), "Stehgreifreparaturen" (S. 121) oder "Beweisnaträge" (S. 158). Warum die Übersetzerin statt 'im Laufschritt' ausgerechnet "im Eilschritt" (S. 173) verwenden musste, hat sich mir ebenfalls nicht erschlossen.
Selbst wenn man die Schwächen der Übersetzerin bezüglich der deutschen Sprache ausklammert, bleibt noch immer ihr Umgang mit der Englischen. So gab sie sich ernsthaft Mühe, sämtliche Namen der männlichen Denn-Rekruten auch ins Deutsche zu übertragen und auch wenn ich "Spacko" (vgl. S. 160) für nicht sehr gelungen halten (das englische Original 'Spaz' legt eher die Bezeichnung 'Spast' nahe), waren alle anderen vergleichsweise gut eingefügt.
Sagte ich 'sämtliche' und 'alle'?
Ein Name fällt aus diesem Schema heraus: "Hopalong" (S. 255) hätte man ruhigen Gewissens mit einem deutschen Spitznamen belegen können. In ein ähnliches Muster fällt die Verwendung von "Shire" (S. 65) und die Nennung von "Grafschaften" (S. 72) nur wenige Seiten später.
Die Übersetzung bleibt also auch weiterhin das Sorgenkind der deutschsprachigen Vanguard-Ausgaben.

Fazit: Auch der fünfte Teil der Vanguard-Saga wird den hohen Erwartungen gerecht. Dem Star-Autor David Mack gelang es zum wiederholten Mal, den Fans die TOS-Ära als spannenden und richtungsweisenden Abschnitt der Star-Trek-Geschichte zu präsentieren.
Vielschichtige Dialoge, mitreißende Handlungsstränge und harmonierende Szenenwechsel bestimmen die Achterbahnfahrt, auf die der Urheber den Leser nimmt. "Vor dem Fall" bietet eine Mege Star-Trek-Feeling, bindet andere Leinwandprodukte mit ein und bietet Science Fiction für den anspruchsvolleren Leser.
Doch mit der Zeit ist ein Neueinstieg nicht mehr ohne weiteres möglich. Man muss schon alle Teile gelesen (oder gehört) haben, um der immer höhere Wellen schlagenden Handlung noch angemessen folgen zu können und den traurigen Verfall der einstmals furchterregenden Shedai miterleben zu können. Die Übersetzung ist inzwischen zwar weniger löchrig, aber noch immer weit davon entfernt, dem hohen Standard des Werkes zu genügen.

Denkwürdige Zitate:

"Da ich dir vorhin ja quasi das Leben gerettet habe, könnten wir doch vielleicht heute Nacht unsere Hängematten zusammenkno..."
"Flieg einfach nur das Schiff, Quinn."
"Ja, Ma'am."
Quinn und Bridy Mac, S. 26

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"T'Prynn! Eines ihrer Dingsbumse stört meine Ruhe!"
Pennington, S. 147

"Ich bin nicht in der Sternenflotte. Also zum Teufel mit der Obersten Direktive."
Quinn, S. 158

"Es ist unsere Pflicht, der Wahrheit zu dienen, und das tun wir, indem wir das Gesetz befolgen. Überlassen Sie die Gerechtigkeit dem Universum."
Desai, S. 198

"Sie verwechseln Witz mit Humor. Ein unter Menschen weit verbreiteter Fehler."
T'Prynn, S. 262

"Tja, ich hab gedacht, das das Quartier des Captains ein Doppelbett hat, könnten wir..."
"Flieg einfach nur das Schiff."
"Ja, Ma'am."
Quinn und Bridy Mac, S. 340

Bewertung: Sicherer Hafen mit kleineren Untiefen.

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor derm Fall