Posts mit dem Label ENT werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ENT werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. Mai 2011

Das höchste Maß an Hingabe

Buchbesprechung Mangels, Andy; Martin, Michael A.: Das höchste Maß an Hingabe. Cross Cult, 2011.

Photobucket

Story: Die Sicherheit der Erde wird in der Delphischen Ausdehnung verteidigt.
Jedenfalls im Jahr 2153, denn nach einem Überraschungsanschlag einer Xindi-Sonde auf die Erde hat der Planet sieben Millionen Opfer zu beklagen. Die Mission der Enterprise NX-01, das Weltall zu erkunden, wird kurzerhand abgebrochen und durch einen neuen Auftrag ersetzt: Die mysteriösen Angreifer ausfindig zu machen und von einem weiteren, endgültigen Anschlag abzuhalten.
Die Sternenflottenoffiziere um Captain Jonathan Archer erhalten bei diesem besonderen Ausflug in jene Raumregion, in der die Gesetze der Physik auf den Kopf gestellt scheinen, Unterstützung durch eine elitäre Militäreinheit, die den eher auf Forschung ausgerichteten Sternenflottenmitgliedern als schlagkräftige Eingreiftruppe zur Seite stehen soll: Die MACOs.
Doch die langwierige Suche nach Hinweisen, persönliche Tragödien, die beengte Wohnraumsituation und die merkwürdigen Weltraumanomalien bereiten der gesamten Besatzung schlaflose Nächte und verschärfen ferner die latenten Spannungen zwischen Crew und Soldaten.
Als endlich Spuren ausfindig gemacht werden können, die auf Xindi-Aktivitäten in der unmittelbaren Umgebung hinweisen, herrscht plötzlich geschäftiges Treiben auf dem Schiff.
Ein Teil der Crew fällt zwar einer ungewöhnlichen Anomalie zum Opfer, die unter anderem Hoshi Sato und Trip Tucker außer Gefecht setzt und in ein alptraumreiches Koma mündet, doch die Einsatzfreude ihrer Schiffskameraden leidet kaum darunter. Archer, Hayes und Reed gehen zwecks näherer Untersuchungen mit einigen anderen MACOs und Sternenflottenoffizieren auf einen staubigen Handelsplaneten, während sich die Enterprise unter dem Kommmando T'Pols zurückzieht. Archer gelingt es, einen zweifelhaften Weltraumschmuggler zu entführen, der mit den Xindi einträgliche Geschäfte betreibt und mit seinem kleinen Schiff eine nahegelegene Basis der neuen Erzfeinde der Menschheit anzufliegen.
Derweil verfolgt ein von Mayweather gesteuertes, mit MACOs vollgepacktes Shuttle die Abgasspuren von Xindi-Schiffen und stößt auf eine automatisch betriebene Kemocit-Raffinerie.
In einer Gravitationspartikelwolke kommt es schließlich zum großen Showdown: Archer muss erkennen, dass er in eine plumpe Falle getappt ist und Mayweather sieht sich einem militärischen Himmelfahrtskommando ausgesetzt, das kaum ohne Todesopfer zu bewältigen ist...

Lobenswerte Aspekte: Zugegeben, ich zähle zu jenen Star-Trek-Fans, die die letzte Star-Trek-Serie großartig fanden. Angefangen von der Rückkehr zu den Anfängen der Föderation, über den Hauptdarsteller bis hin zum Temporalen Kalten Krieg: Ich denke, diese Serie wurde weit unter Wert verkauft.
Und dennoch haben manche Kritiker nicht ganz Unrecht. Die ersten beiden Staffeln waren, von einigen wenigen Höhepunkten abgesehen, belanglos. Viel zu oft blieb die Serie weit hinter dem Potential zurück (wenn es etwa um die Klärung verschiedener offener Fragen späterer Serien geht). Und: So richtig Fahrt aufgenommen hat die Serie erst mit der vierten Staffel.
Umso trauriger, dass es nie zu einer fünften Staffel Enterprise kam, denn die großartigen Ideen, die zu diesem ungeborenen Kind aufgefahren wurden, lesen sich noch heute großartig.
So sollte die Crew der Enterprise auf die Kzinti treffen, die Wolkenstadt Stratos besuchen und zur Eröffnung einer ersten Sternenbasis beitragen. Zudem sollten auch Figuren wie Flint, die Borg-Königin oder die Spiegeluniversums-Imperatorin Hoshi Sato nochmals thematisiert werden.
Am spannendsten waren allerdings jene Ideen, die sich um die Romulaner drehten, denn immerhin war der Konflikt mit diesen Cousins der Vulkanier ein gewichtiger Faktor zur Gründung der Föderation.
So sollte der "Future Guy" als Romulaner enttarnt, T'Pols Vater als Mitglied jener Spezies vorgestellt und das Sternenimperium als zentraler Bösewicht inszeniert werden.
Wirklich schade, dass dies alles in die Kategorie "ungelegte Eier" fällt.
Aber zum Glück gibt es da noch Bücher!
Dieses Medium bietet nämlich tatsächlich die Möglichkeit, all dieses ungenutzte Potential für den Leser erlebbar zu machen und schon aus diesem Grund muss man diese Buchreihe, die hierzulande mit "Das höchste Maß an Hingabe" startet, als eine der vielversprechendsten bezeichnen, denn die Lücke, die drei fehlende Staffeln im Fernsehen gerissen haben, bietet dem gedruckten Wort die Möglichkeit, in diese Bresche zu springen.
Überraschenderweise setzt dieses Werk allerdings in einer Staffel an, die ich bewusst einmal ausgespart habe. Die dritte Staffel, obwohl sie am Ende der zweiten eingeleitet und mit dem Anfang der vierten abgeschlossen wurde, bildet einen abgeschlossenen Handlungsstrang, der etwas losgelöst vom Rest der Serie erscheint.
Wie Scott Bakula auf der FedCon XX nochmals zu Protokoll gab, war die Story eine Reaktion auf die Geschehnisse des Elften Septembers und aus dem nationalen Schock wurde ein interplanetarer, wenn nicht sogar ein interdimensionaler.
Und wer die Staffel kennt, weiß auch, dass man schnell nicht mehr folgen kann, sobald man auch nur eine einzige Folge verpasst hat. Umso mutiger von Michael A. Martin und Andy Mangels, ihre Roman in diesen eng gestrickten Ereignis-Schlagabtausch zu mischen - direkt zwischen die frühen Folgen "Die Xindi" und "Die Anomalie" (eine spätere Einbindung wäre schon allein aufgrund der engen Handlungsabstände unheimlich schwierig gewesen).
Tatsächlich gelingt es den beiden Autoren, die bereits mit den beiden Titan-Startbändern "Eine neue Ära" und "Der rote König" auf sich aufmerksam machen konnten, einige Themen viel deutlicher herauszuarbeiten, als es in der Serie geschah.
En detail wird hier der Xindi-Rat beschrieben (so erhalten einige unbekannte Mitglieder wie der insektoide Wortführer oder der aquatische Assistent endlich einen Namen) und das großartige daran ist, dass die inneren Streitigkeiten der insgesamt fünf Spezies umfassenden Gemeinschaft hier einmal deutlich zu Tage treten. Der Gegensatz zwischen Insektoiden und Reptilianern etwa, der in "Countdown" verhältnismäßig überraschend seinen Weg an die Öberfläche findet, wird dem Leser hier viel verständlicher (vgl. S. 273ff.).
Auch die Erklärung, warum die MACOs ausgerechnet einen Hai als Wappentier nutzen, findet hier Aufklärung (vgl. S. 30) - auch wenn das unfreiwillig komische daran ist, dass der Kurzflossen-Mako nicht nur ein eher harmloser Zeitgenosse ist, sondern darüber hinaus unter der Bezeichnung "Makrelenhai" zuweilen auch auf der Speisekarte heimischer Restaurants zu finden ist.

Photobucket

Fressen oder gefressen werden?

Ganz besonders großartig war die clevere Art und Weise, wie der legendäre (wenn auch langatmige) Science-Fiction-Klassiker "2001 -Odyssee im Weltraum" in diesem Werk Aufnahme fand (vgl. S. 265f.).
Aufbau, Konzeption und Aufmachung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Bereits optisch macht der Roman Boden gut, denn mit dem eindringlichen Cover und den stilvollen Kapitellogos gelingt es umso besser, in die Atmosphäre der Serie einzutauchen. Konzeptionell ist besonders jener Teil hervorzuheben, der die eigentliche Geschichte mit einem Exkurs ins 23. Jahrhundert umschließt und in deren Verlauf sich die Wege zweier Star-Trek-Legenden unbewusst kreuzen.
So wirklich überraschend war allerdings der Schluss der Haupthandlung, denn auf dem obligtatorischen Opferradar hatte ich bis Seite 289 noch einen ganz anderen MACO als jenen, der dann schließlich ins kalte Weltraumgras beißen musste...

Kritikwürdige Aspekte: Zu den schlechtesten Staffeln kann die dritte Enterprise-Season ja schon allein wegen seiner beiden Vorgänger nicht gezählt werden. Die Gründe, warum sie jedoch auch nicht zum ganz großen Höhepunkt gereicht, sind zahlreich, können jedoch auf drei Hauptprobleme reduziert werden:

Nummer Eins: Mit dieser Staffel wird das originelle Intro so scheußlich aufgepeppt, dass es Ohrenkrebs verursachen könnte, wenn es so etwas gäbe. Dem Fliegenden Spaghettimonster sei es gedankt, dass dies in Büchern keine Rolle spielt.



Nummer Zwei: Die MACOs sind ein Ärgernis, denn sie bringen ein Ärgernis ins Star-Trek-Universum, dass nur gelegentlich zu spüren war: Militaristischer Stumpfsinn. Es wirkt irgendwie wie der zum Scheitern verurteilte Versuch, ein Stück Stargate mit den Idealen der Sternenflotte zu kreuzen - ein Unterfangen, dass von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Nummer 3: Am schlimmsten jedoch wiegt die Charakterwandlung des Captains der Enterprise, denn Archers sanftmütige, neugierige und offene Art verkehrt sich plötzlich in eine fanatische, rücksichtslose und unnachvollziehbare Figur, die irgendwie ganz und gar nicht in die Ahnenreihe verdienter Sternenflottencaptains wie Kirk, Picard oder Janeway passen will.

Den MACOs gelingt es auch in diesem Roman nicht, das Bild des tumben Befehlsempfängers und Feuerwerksfanatikers abzulegen. Im Gegenteil; die Entscheidung Changs, mit einer Raumfähre eine völlig unerkundete Xindi-Raffinerie auszuschalten (S. 134ff.), Hayes vorauseilender Gehorsam beim Foltern fremder Lebewesen (vgl. S. 106) und die widerlichen Bestattungsrituale der Militäreinheit (vgl. S. 278ff.) gießen eher noch Öl ins Feuer.
Ein wenig besser aufgearbeitet findet man hingegen Archers neue Charaktereigenschaften, denn in Buchform bietet sich immerhin die Möglichkeit, seinen inneren Kampf zu demonstrieren (vgl. z.B. S. 173ff.). Doch wer die Folge "Die Anomalie" gesehen hat, kennt auch schon die zweifelhafte Grundstory: Ein widerporstiger Außerirdischer zwingt den armen Kommandanten, seine inneren Skrupel zu überwinden und Folter als probates Mittel der Informationsbeschaffung anzusehen. Dadurch, dass besagte Folge nach diesem Buch stattfinden soll, wirkt dies unglaubwürdig und man muss den beiden Autoren vorwerfen, dass sie die Chance verpassen, auf diesen besonderen Wendepunkt in Archers Verhalten adäquat hinzuarbeiten. Archers Vorgehen innerhalb des Buches stellt so nämlich nur einen Spiegel späterer Handlungen dar, anstatt diesen Hintergrund zu verleihen.
Damit sind wir bereits bei einem weiteren zentralen Kritikpunkt angelangt: Der unheimlichen Voraussicht, die an mehreren Stellen zu offen zur Schau gestellt wird.
Natürlich ist es schwierig, einen Roman in eine Staffel einzubetten, deren Ausgang man bereits kennt, doch Hayes' Wissen um eine spätere handfeste Auseinandersetzung mit Reed (vgl. S. 47), die Gewissheit der MACOs, dass die Zerstörung einer einzelnen Raffinerie den Bau der Xindi-Superwaffe verzögern würde (vgl. S. 135) oder Mayweathers Kenntnis darüber, dass er die Exkursion in die Delphische Ausdehnung überleben wird (vgl. S. 303) dürfte den beteiligten Personen anno dazumal noch gar nicht geläufig sein. Solch aposteriorisches Wissen sollte tunlichst vermieden werden, um die innere Glaubwürdigkeit zu wahren.
Einziger Gewinner des Romans ist in diesem Zusammenhang Malcolm Reed. Ausgerechnet dem wortkargen Sicherheitsoffizier obliegt es, als Gegenpol zu Archers Foltergelüsten zu fungieren - tatsächlich zählen diese seltenen Momente zu den stärksten Szenen des gesamten Buches (vgl. S. 108ff oder S. 139ff.). Zudem werden mit den Rückblicken in die Vergangenheit des Engländers seine Aquaphobie und Folterabneigung näher beleuchtet, was dem Charakter wesentlich zugute kommt (vgl. S. 141ff.).
Umso trauriger, dass Reed in der Folge wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird und der ihm gebotene Platz nur temporären Charakter hat. Doch warum sollte es ihm besser gehen als all den anderen? Hoshi und Trip müssen sogar in ein Koma versetzt werden (vgl. S. 34ff.), um die Schreiber nicht davon abzuhalten, möglichst wenig über die verblieben Personen zu sagen. Selbst das Figurenpotential von Außerirdischen wie Phlox und T'Pol liegt in diesem Buch völlig brach.

Übersetzung: Na endlich kann das Wort "Ensign" (vgl. z.B. S. 22) offen und frei benutzt werden, ohne dass ich mich darüber beschweren könnte - im Gegensatz zum anderen Cross-Cult-Idiom "Medikit" (vgl. z.B. S. 119, S. 139 oder S. 262).
Übersetzer Bernd Perplies hat darüber hinaus sogar einige Schreibfehler des amerikanischen Originals ausmerzen können, so dass "Lawrence Marvick" (vgl. S. 9) oder "Kemocit-Raffinerie" (S. 267) hier in den richtigen Schreibweisen zu finden sind.
Danke dafür!
Weniger Dankbarkeit mag man hingegen für einen altbekannten Fehler des Übersetzers finden, der bereits in der Rezension zu "Mehr als die Summe" angesprochen wurde. Was mag wohl am folgenden Satz von Seite fehlen?

"Verstehe ich es richtig, dass Ensign Mayweather Sie auf ihrer Außenmission bei der Xindi Tank-Station begleitet hat."

Man kann es ahnen! Es ist nicht, das Wort "Tankstelle" statt "Tank-Station" (im englischen Original "fuel-station"), sondern etwas das in diesem Satz auf Seite 133 zuviel ist:

"Warten Sie?"

Richtig, das Fragezeichen (vgl. zudem S. 186)! Hoffentlich wird das nicht zu einem Markenzeichen des Übersetzers.
Zudem waren auch die vielen Referenzen auf "Terraner" (vgl. z.B. S. 15, S. 276 und S. 277) nervend, da diese Bezeichnung in der deutschen Synchronisation den Spiegeluniversumsmenschen vorbehalten ist. Allerdings ist die Bezeichnung unterschiedslos auch im englischen Original verwendet worden. Nun ist natürlich anzumerken, dass die hinlänglich bekannte amerikanische Universität selbst dort definitiv "Stanford" und nicht "Standford" (S. 217) genannt wird und dass ein "Wasserpolospiel" (S. 217) mit "Wasserballspiel" eine geläufigere Bezeichnung hat, sollte ebenfalls nicht verschwiegen werden (schließlich sagt man hierzulande ja auch nicht "Soccer" zum "Fußball").

Anachronismen: Wozu gibt es eigentlich einen offiziellen Kanon?
Das kann man sich getrost fragen, wenn man dieses Buch liest.
So liest man etwa in der ein- und ausleitenden Handlungsklammer davon, dass ein ehemaliges Besatzungsmitglied der Enterprise im Jahr 2238 - also noch rechtzeitig zum Start der USS Enterprise NCC-1701 unter den Lebenden weilt.
Fein, dachte ich mir, da haben die Autoren wohl auch biographischen Angaben aus dem von Mike Sussman verfassten Display aufgenommen, der aus sentimentalen Gründen sicherstellen wollte, dass die Sternenflottenlegende die Taufe des neuen Namensträgers mit erleben kann.
Aber nix da!
Es stellt sich am Ende nämlich heraus, dass dieser erwähnte Greis niemand geringeres als Charles Tucker III. sein soll.
Da schrillen natürlich sämtliche Alarmglocken, denn wie jeder weiß, starb der Ingenieur der Enterprise bekanntlich 2161 beim letzten offiziellen Flug der NX-01 in "Dies sind die Abenteuer...".
Gut, da hat sich jemand vertan könnte man meinen, doch tatsächlich ist dies pure Absicht! Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich schonmal den Ausblick geben, dass der Tod des Mannes angeblich nur vorgetäuscht war.
Also hab ich mir die Mühe gemacht, die entsprechende Folge noch einmal anzusehen und akribisch auf Anzeichen dafür zu achten, ob diese These durch irgendetwas gestützt werden könnte.
Und tatsächlich: Tuckers zweideutiges Zwinkern, bevor er in die Scannerkammer geschoben wird, Archers und Phlox' verschwörerischer Blick im Anschluss daran, seine Versicherung an T’Pol immer für sie da zu sein und die Tatsache, dass nie eine Leiche des Chefingenieurs zu sehen war, können als Indizien dafür geltend gemacht werden.
Diesen Indizien stehen jedoch knallharte Fakten gegenüber. So sieht sich William T. Riker dieses Programm explizit aus dem Grund an, um den Tod Tuckers mitzuerleben und daraus Lehren für sein eigenes Handeln zu ziehen. Auch Deanna Troi spricht deutlich vom Ableben des Südstaatensprosses (und müsste es ja schließlich als Person aus einer später folgenden Zukunft mit am Besten wissen). Und nicht zu vergessen, dass auch die Trauer T'Pols recht überzeugend wirkte. Und warum sollte jemand Shrans Verfolgung durch zwielichtige Verbrecher inszenieren, um einen Techniker zu einem Undercoveragenten umzuschulen?
Ohne Frage war Trips Tod im überhasteten Serienfinale mehr als überflüssig, unpassend und äußerst bemüht, doch was auf der Leinwand geschehen ist, gilt nun einmal als offizieller Kanon.
Dem zu widersprechen und auch noch einen ziemlich weit hergeholten, hanebüchenen Erklärungsversuch anzubringen, erinnert so stark an die Romane Shatners, der sich ebenfalls nicht mit dem Tod seiner Rolle abfinden konnte, dass ich kaum die Motivation aufbringe, dieses Werk sonderlich ernst zu nehmen.
Die restlichen Anachronismen des Buches erhärten ohnehin den Eindruck, dass das alles gar nicht sonderlich ernst gemeint sein kann.
So erfahren wir, dass sich Hoshi Sato angeblich ein Quartier mit der schwangeren Selma Guitierrez teilt (vgl. S. 25). Davon ist allerdings in "Exil" nichts mehr zu sehen - oder konnte die ohnehin nicht sehr lebensfreudige Söldnerin ihrer verkappten Existenz bis dahin doch noch ein Ende setzen können?
Abgesehen von fragwürdigen Vergleichen des Symbols der Erde mit dem der UNO unseres Jahrhunderts (vgl. S. 279) hat mich doch am meisten verwundert, dass O'Neill bereits auf zwei Schiffen der Daedalus-Klasse gedient hat. Und nicht nur dass; es waren auch noch ausgerechnet die Archon und die Essex!
Das Problem daran ist, dass sämtliche Erwähnungen dieser Schiffsklasse auf eine Zeit nach Enterprise datieren, und da die NX-01 das erste Warp-Fünf-Schiff der Erde ist, erscheint es relativ unwahrscheinlich, dass diese Schiffe aus eigener Kraft Sigma Iota II, Beta III oder Mab-Bu VI hätten erreichen können. Zudem wurde die NX-Klasse bereits 2161 außer Dienst gestellt, während Schiffe der Daedalus-Klasse bis 2196 ihren Dienst verrichteten. Viel eher gilt es daher als wahrscheinlich, dass die Daedalus-Klasse jene nächste Generation von Raumschiffen stellte, die in "Dies sind die Abenteuer..." ehrfurchtsvoll Warp sieben zugetraut wurde.

Fazit: Trotz des großen Potentials einer Fortführung der Serie "Enterprise" in Buchform bleibt "Das höchste Maß an Hingabe" weit unter seinen Möglichkeiten und kann nur punktuell andeuten, zu was sie fähig wäre.
So erfährt etwa Archers innerer Kampf ebenso wie die Gesellschaft der Xindi eine ausführlichere Beschreibung und das Ende kann mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten.
Dass ausgerechnet die Wiedergeburt des totgeglaubten Tuckers eine dieser Überraschungen darstellt, ist dann doch zu übertrieben und zeugt von einem Willen zur Dehnung des offiziellen Kanons, die ansonsten nur bei Shatner-Romanen zu erleben ist. Außerdem verpasst es der Roman, echte Entwicklungsverläufe der Charaktere zu zeichnen, dem Zeitrahmen treu zu bleiben und das Potential der Figuren für sich zu nutzen.
Es bleibt immerhin die Hoffnung, dass die folgenden Enterprise-Romane diese Makel ablegen und endlich zeigen, dass die frühe Absetzung der Serie ungerechtfertigt war. Mehr als ein kleiner Richtungsweiser ist „Das höchste Maß an Hingabe“ trotz des unzutreffenden Titels jedenfalls nicht.

Photobucket

Alte Liebe rostet nicht

Denkwürdige Zitate:

"Captain! Seit wann gehört Folter zu unserem Missionsprofil?"
Reed, S. 108

"Warum sind die Dinge in den guten alten flachbildprojizierten Science-Fiction-Filmen eigentlich nie so kompliziert?"
Archer, S. 222

"Und manche von uns haben das Glück, ein Schicksal zu finden, das sie zum Helden macht. Die Glücklosen bleiben derweil zurück und dürfen die Bruchstücke ihrer Leben zusammenklauben."
Guitierrez, S. 294

Bewertung: Holpriger Start.

Photobucket

Freitag, 18. September 2009

Der Preis der Ehre

Buchbesprechung Stern, Dave: Der Preis der Ehre. Heyne 2002.

Photobucket

Story: Lieutenant Reeds Dienst auf der Enterprise NX-01 war in den letzten Tagen alles andere als abwechslungsarm. Er hat eine romantische Beziehung begonnen, seinen Captain auf einen verwüsteten Außenposten einer unbekannten Spezies begleitet und einen seiner Untergebenen verloren.
Zu allem Überfluss hat sich Reed genauer gesagt in eine seiner Untergebenen verliebt, die nach einer Außenmission auf einer unbekannten Welt unter mysteriösen Umständen verstirbt. Der Sicherheitschef muss sich nun die einzelnen Teile dieses anspruchsvollen Puzzles selbst Stück für Stück zusammenfügen und der Umstand, dass sein Schiff dabei genau in die Fronten eines Krieges zweier unbekannter Rassen gerät, macht seine Untersuchungen nicht einfacher.
Schließlich kommt Reed dem Geheimnis doch noch auf die Spur. Des Rätsels Lösung liegt in den Artefakten einer uralten Zivilisation, deren Überresten auf dem Außenposten archäologisch untersucht wurden und somit macht sich Reed zu dieser Stelle auf, um endlich Antworten zu erhalten. In den Ausgrabungsstätten auf der Planetoidenoberfläche kommt es zu einem Showdown: Reed wird angegriffen, überrumpelt, und sieht sich schließlich einer auf ihn gerichteten Waffen gegenüber. Er wird gezwungen, sich der fremden Technologie auszusetzen und trifft plötzlich auf jemanden, mit dem er nicht mehr gerechnet hat...

Lobenswerte Aspekte: Na klar - wer Dave Stern heißt, ist prädestiniert dafür, Science-Fiction zu verfassen. Doch das Genre ist herausfordernd und wenn man sich als Autor in das Star-Trek-Universum wagt, sogar ein besonders heißes Pflaster, das mit kritischen Fans, einer eigenen Atmosphäre und seinem reichlichen Pensum an Hintergrundinformationen schnell zum Stolperstein für einen Schriftsteller werden kann.
Doch Stern ist ein alter Hase und versteht sein Handwerk meisterlich. Die Konzeption der Geschichte mit ihren ständigen zeitlichen Sprüngen, Rückblicken und Erinnerungsmomenten ist zwar sehr anspruchsvoll, aber noch immer überschaubar gestaltet. Wie die Hauptfigur Malcolm Reed muss sich der Leser die einzelnen Handlungsstränge selbst erarbeiten und zusammenfügen. Am Ende gelangt man zusammen mit Reed zur tief in den einzelnen Kapiteln verschachtelten Lösung, auch wenn diese sicherlich zuvor abzusehen ist. Doch die Enterprise ist ein so eine Art Fahranfänger auf der Milchstraße, und muss die vielen Fehler erst noch begehen, die uns aus späteren Zeiten bereits hinlänglich bekannt sind. So gesehen ist gerade die Konzentration auf die antike Technologie fraglos ein interessanter Aspekt.
Wenn nämlich bei Deep Space Nine in der Episode "Die Abtrünnigen" eine archäologische Brücke zur TNG-Folge "Die Iconia-Sonden" geschlagen werden kann, ist es nur legitim, dass sich ein ENT-Roman in gleicher Weise an die zeitlich nächste Serie herankuschelt. Dies wäre natürlich TOS und die Verbindungen zur letzten je gedrehten Episode des bunten Star-Trek-Ursprungs "Gefährlicher Tausch" ist so einfach wie genial. Als Serie, die weit vor den Abenteuern Kirks spielt, ist es immerhin nur recht und billig, auch die Ursprünge dortiger Geschehnisse näher zu beleuchten, und die Frage, woher die Technologie des Planeten Camus II überhaupt stammte, wird hier in beeindruckender Art und Weise aufgelöst.

Photobucket
Gefährlicher Tausch reloaded

Besonderes Lob verdient außerdem die Zentrierung des Geschehen auf Reed. Aus seiner Perspektive gab es auch in der Serie viel zu wenig zu sehen und Stern schafft es, seinen Hauptcharakter glaubhaft und mit den Beschreibungen aus der Serie konform zu halten, ohne in kitschige oder plakative Momente abzugleiten.
Doch auch die kleinen Höhepunkte des Werkes sind erwähnenswert. Es sind nämlich jene fast unscheinbaren Stellen, die dieses Buch ausmachen. Nur wenige subtile Referenzen beziehen sich auf zuvor in der Serie erwähnte Ereignisse und sie sind stets so dezent und einfühlsam platziert, dass sie die Geschichte ausschmücken ohne aufgesetzt zu wirken. So lassen sich Bezüge wie der vermeintliche Ruf der Enterprise (S. 170), Schießübungsprobleme Harts (S. 61) oder Interkomrufe Mayweathers (S.- 135) meist nur auf den zweiten Blick mit Episoden wie "Durch die Wüste", "Schlafende Hunde" oder "Der kalte Krieg" in Verbindung bringen. Daneben gibt es auch ganz profane Bemerkungen, die bei genauerer Überlegung recht philosophisch anmuten. So kann man in etwas scheinbar banalem, wie beispielsweise der Dialogbemerkung, dass Sarkassianer Kulturen mit Begräbnisriten für primitiv halten, tatsächlich die eigene Kultur hinterfragen und etablierte Traditionen in einem neuen Licht sehen. Selbst die Tatsache, dass die Handlungen der Figuren Roan und Alana Hart auf so unterschiedliche Weise von militärischen Massakern geprägt wurden, und auf welche Weise diese Tatsache beide Personen unterschiedlich reagieren lässt, ist spannend geschildert und drängt dem Leser die Frage auf, wie man selbst am besten mit Schuld und Verantwortung umgeht.

Kritikwürdige Aspekte: Schade ist natürlich, dass man nicht, wie etwa in "Das Rätsel der Fazi" auf bekannte Nebenrollen einging, sondern neue erschuf. Natürlich ist das möglich, bei einer Besatzung von achtzig Mann jedoch etwas fragwürdig. Tatsächlich erinnerte mich die tragische Heldin Alana Hart eher an einen MACO und Wortspielereien mit dem Titel des einzigen gesungenen Intros der Star-Trek-Geschichte liegen nahe.



Faith of the Hart - näher am Original? (man beachte die 'innovative' Textinterpretation und Grammatik)

Doch eigentlich gibt es neben den später näher zu erläuternden Anachronismen nur ein großes Manko: Die Übersetzung des Heyne-Verlags. Wieder einmal werden deutschen Entsprechungen zum Trotz Begriffe wie "Starfleet" (S. 8) oder "Starbase" (S. 102) unübersetzt übernommen und dass ohne Rücksicht auf anders lautende Dialoge in allen Star-Trek-Serien an einem ungebräuchlichen Genus für das Wort "Shuttle" (vgl. S. 141 und S. 203) festgehalten wurde, ist ärgerlich. Doch dann auch noch andere etablierte Begriffe wie "Erden-Schiff" oder "Bereitschaftsraum" durch "Terranisches Schiff" (S. 209) und "Situationsraum" (S. 134) zu ersetzen, kann man kaum noch anders als 'ignorant' bezeichnen.
Als wäre dies nicht genug, gesellen sich noch kleinere Schussligkeitsfehler wie "Alane" (S. 23) oder "Minschara" (S. 263) zu größeren grammatischen Flüchtigkeitsergebnissen wie "[...] von der Verteidiger Talbot." oder "Er hatte beobachtete, [...]" (S. 242).
Positiver Höhepunkt der Übersetzung ist sicherlich der Verzicht auf die fehlerhafte Verbform "desaktivieren" (vgl. S. 235 und S. 240) und der Reeds Fehler, Hoshi Sato als "Ensign Hoshi" (S. 186) vorzustellen, ist einfach stumpf aus dem englischen Original übernommen worden.

Anachronismen: Die vielen Anachronismen sind der störendste Moment dieses Buches, und die Fehler beginnen bereits, bevor der eigentliche Roman einsetzt, denn die Datenangaben sind grundweg falsch. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der einzige deutschsprachige ENT-Roman des Heyne-Sortiments, der überhaupt Daten benutzt, Logbuchauszüge vom 15. Januar 2151 verwendet, obwohl die Enterprise erst am 12. April des Jahres vom Stapel läuft ("Broken Bow"). Entgegen dem offiziellen Kanon ist hier von gleich zwei Shuttle-Hangars die Rede (vgl. S. 16 und S. 112) und auch die Sternenbasen, die Tucker anspricht (S. 102), kann es eigentlich noch nicht geben, da die Enterprise in der Episode "Die Verbindung" nach einem Standort für die erste Sternenbasis der Sternenflotte Ausschau hält.

Fazit: Der vorletzte Band der Enterprise-Bücherreihe aus dem Hause Heyne ist das beste, was man zu dieser Serie im deutschsprachigen Bücherraum kaufen kann. Die Story ist komplex verschachtelt, aber dennoch spannend, logisch und gut aufgebaut. Äußerst gelungen wird mit der TOS-Episode "Gefährlicher Tausch" angebändelt und geschickt wob Stern auch verschiedene Informationen aus den bisher erschienenen Episoden in seinen Roman ein. Nur die Übersetzungsfehler und Anachronismen können das runde Bild schmälern, doch auch sie halten sich in Grenzen.
Mit "Der Preis der Ehre" braucht der Autor Dave Stern daher den Vergleich mit anderen Büchern aus der Feder Mangels, Macks oder Davids nicht zu scheuen.

Denkwürdige Zitate:

"Der Weg zur Hölle und so weiter..."
"Eine weitere Redensart, Commander?"
"Eine die ich besonders mag. Sie bedeutet, dass bei den besten Vorsätzen der Schuss manchmal nach hinten losgeht."
"Ein Schuss, der nach hinten losgeht?"
"Lassen wir das."
Trip und T'Pol, S. 143

"Zum Teufel auch, ich weiß gar nicht, warum wir solche Besprechungen veranstalten. Du läßt dich ohnehin nicht umstimmen, wenn du einmal eine Entscheidung getroffen hast?"
Trip Tucker, S. 171

Bewertung: Der beste Heyne-Enterprise-Roman.

Photobucket

Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele

Dienstag, 14. Juli 2009

Suraks Seele

Photobucket

Buchbespechung Dillard, J.M.: Suraks Seele. Heyne, 2003.

Story: Die Enterprise NX-01 stößt auf einen sterbenden Planeten. Ein natürlich von Archer geführtes Außenteam wird zum Augenzeugen dieses Untergangs einer ganzen Zivilisation, denn jede medizinische Hilfe, die das mäßig ausgerüstete Erdenschiff anbieten könnte, reicht nicht einmal aus, um die Krankheitsursache herauszufinden.
Und so bedarf es schon einem fremden Energiewesen, um der Crew verständlich zu machen, dass es eine Art Strahlung ist, die die Eingeborenen Oani vernichtete. Allerdings kann selbst dieser „Wanderer“ nicht genau erklären, was für eine Art Strahlung dies sein könnte und daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Mitglieder des Außenteams ebenfalls unter den Folgen dieser unbekannten Beeinflussung zu leiden beginnen: Phlox, Reed und schließlich auch Hoshi Sato fallen ins Koma.
Während die Crew unter Captain Archer auf einer Lösung dieses realen Problems hinarbeitet, sieht sich T’Pol einem philosophischen Dilemma ausgesetzt. In Notwehr musste sie den letzten Überlebenden der Oani betäuben, da er ein Mitglied ihrer Crew attackierte. Doch der Fremdling war bereits so geschwächt, dass er bereits durch die Wirkung eines Betäubungsstrahles das Zeitliche segnete. Daraufhin wendet sie sich ganz der pazifistischen Tradition ihres Volkes zu und verweigert fortan den Gebrauch sowie das Mitführen von Waffen. Erst als der Crew klar wird, dass der Wanderer selbst der Verursacher all dieser plötzlichen Krankheiten ist, muss die Vulkanierin ihre Prinzipien neu überdenken – oder schafft sie es selbst im Angesicht der tödlichen Bedrohung für die restliche Crew, einen friedlichen Weg zur Abwehr des Lebensenergie verzehrenden Wolkenwesens zu finden?

Lobenswerte Aspekte: "Suraks Seele" ist eine kleiner, aber feiner Star-Trek-Roman. Auf den insgesamt nur 179 Seiten Handlung baut sich Stück für Stück eine mitreißende Spannung auf, die durchaus das Potential zur Episodenhandlung hätte.
Die Figuren sind durchaus getroffen und auch typische Elemente der Serie, wie das gegenseitige Einschmieren mit Dekontaminationsgel sind von der Novellisationsveteranin Dillard geschickt übernommen worden. Daneben baut sie viele aus der Serie bekannte Ereignisse mit ein, die der Handlung zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen und stützt sich somit auf den serieneigenen Kanon. So ist es etwa interessant mitzuerleben, wie Phlox seinen zweiten Schlafzyklus erreicht.

Kritikwürdige Aspekte: Bei aller gegebenen Spannung ist die Geschichte merkbar konstruiert und durchsichtig. Das allein ist nicht schlimm, denn die lebhafte Erzählung kompensiert diesen Umstand und es bedarf schon eines wirklich beknackten Endes, um diesen Vorteil Null und Nichtig werden zu lassen. Diese finale esoterische und pseudo-ghandieske Widerstandsidee hätte ich persönlich nämlich eher bei Kanal Telemedial, nicht aber in einem Star-Trek-Roman erwartet.
Wer weiß, vielleicht hatten die aufgrund übermäßigem Genusses californischer Avocados ständig pupsenden Labrador-Hunde, die Dillard laut eigener Angabe in ihrem Schreibprozess behilflich waren (Danksagung, S. 186), doch bewusstseinserweiternder, als der Autorin klar war. Meiner Meinung jedenfalls kann wenigstens das chronische Einatmen toxischer Gase ein für Außenstehende so fragwürdiges Ende und die wiederholte Wiederverwertung von Energiewesen erklären.

Photobucket
Keine Macht den Avocados!

Doch Dillard ist bei weitem nicht die einzige Person, der hier fragwürdige Entscheidungen getroffen hat. Auch der Übersetzer bekleckert sich, in bester Heyne-Tradition, wahrlich nicht mit Ruhm. Abgesehen von den typischen Fehlern wie Medo-Kombinationen („Medo-Tasche“ S. 18, „Medo-Zentrum“ S. 40 oder „Medoaufzeichnungen“ S. 53), Übersetzungsverweigerungen („Starfleet“ S. 104) oder Übersetzungsabweichungen (S. 76 „Speiseraum“ statt „Messe“) lassen sich auch grammatische Fehler wie „Es tut mir Leid!“ (S. 23) oder „[…] Hoshi mit ihrer außergewöhnlichen lingustischen Wahrnehmung.“ (S. 20) finden. Doch die Menge dieser kleine Fehler ist – schon allein in Anbetracht des Umfangs dieses Werkes – marginal.
Als ungleich störender empfand ich den Gebrauch von exotischen Fremdwörtern. Erst ein Duden aus dem Jahr 1967 konnte mir verraten, dass mit „Lamantine“ (S. 19) ein französisches Wort für Seekühe (Grebe, Paul (Hrsg.): Duden. Mannheim, 1967, S. 415) gemeint ist, und dass sich hinter einem „Chignon“ (S. 137) ein „im Nacken getragener Haarknoten“ (a.a.O., S. 191) verbirgt. Auch dass ein „Kasack“ (S. 111) ein „viertellanges Frauenobergewand“ (a.a.O., S. 373) ist, muss erst mühsam nachgeschlagen werden, um hinter die Bedeutung des so achtlos in den Raum geworfenen Begriffs zu steigen.
Im Gegensatz zu im Alltag durchaus gebräuchlichen und verständlichen Fremdwörtern wie „Toga“ (S. 13), „Quarantäne“ (S. 115) oder „Amöbe“ (S. 180) fehlt den angegebenen Begriffen ein gemeinsprachlicher Hintergrund, und eine Verwendung von „Seekühe“, „Haarknoten“ oder einfach „Hemd“ wären absolut ausreichend gewesen.
Andererseits war ich überrascht, dass mit einer ehernen Heyne-Tradition gebrochen wurde. Auf der Seite 114 lässt sich tatsächlich die Formulierung „deaktivierte“ finden! Kein „desaktivierte“! Da wird man fast wehmütig, dass sich Heyne aus dem Star-Trek-Büchergeschäft zurückgezogen hat, denn in diesem Werk, im Übrigen einem der letzten, das der Verlag überhaupt veröffentlichte, klingt fast so etwas wie Lernfähigkeit und der Wille, Fehler zu verbessern an. Wenn es allerdings knapp dreißig Jahre dauerte, von einem falsch angebrachten „s“ abzulassen, möchte ich lieber nicht wissen, wie lange es gedauert hätte, die deutschprachige Variante „Sternenflotte“ einzuführen oder auf „Medo“-Kombinationen zu verzichten.
Eines schließlich hätte der Übersetzer auch noch korrigieren können.
Das amerikanische Autorinnen von russischen Namen keine Ahnung haben, ist aus europäischer Sicht ja zu erwarten. Doch ein deutscher Übersetzer, geboren in einem Land, dessen eine Hälfte immerhin mehr als 40 Jahre unter sowjetischer Kontrolle stand, hätte ruhig den Namen einer russischen Navigatorin „Borowski“ (S. 131) in „Borowska“ ändern können. Warum?
Nun, in den meisten slawischen Sprachen spiegeln auch die Namen die Zugehörigkeit zum Geschlecht wieder. Natürlich könnte man jetzt monieren, dass in der Zukunft solche Namen verändert werden, doch dass auch Chekov noch immer ‚Pavel Andreievich’ heißt, spricht eindeutig gegen eine solche Reform. Außerdem ist diese Namensangleichung auch grammatisch bedingt und eine Änderung schon allein daher ausgeschlossen.

Anachronismen: Dillard hat fleißig Enterprise gesehen, und an mehreren Stellen angedeutet, dass sie Folgen wie „Zwei Tage auf Risa“ oder „Der Siebente“ gesehen hat.
Allerdings holt der lange Schatten später gedrehter Episoden auch diesen Roman ein.
So wusste Dillard, während sie diesen Roman schrieb, noch nichts über die Xindi-Mission der Enterprise. Hier wird T’Pol in „Impulsiv“ die Strahlung der Substanz Trellium D zum Verhängnis und Phlox ist in der Folge „Auf ärztliche Anweisung“ der einzige, dessen Physiologie in der Lage ist, die Strahlung einer tödlichen Anomalie überleben. Eindrucksvoll widerlegen diese Ereignisse die von T’Pol im Buch aufgestellte Thesen, „Denobulaner sind Strahlung gegenüber empfindlicher als Menschen.“ Und „Vulkanier können Strahlung besser verkraften als Menschen.“ (beides S. 84)
Besonders viel Mühe gab sich Dillard bei der Beschreibung der Familie T’Pols. Wer die Episode „Zuhause“ noch einigermaßen gut im Gedächtnis hat, wird kaum Ähnlichkeiten mit der beschriebenen Person und der von Joanna Cassidy verkörperten Mutter T’Les erkennen können. Weder war ihr Haar „[…] ebenso schwarz wie die Augen […]“, noch verfügte sie über die „[…] dunklere Haut der meisten Vulkanier […]“ (beides S. 32). Auch die Beschreibungen des Vaters, als Sproß einer Sippe mit „[…] mehreren Familiengenerationen […]“ (S. 31) beißen sich mit den Konzeptionsideen, dass T’Pols Vater Romulaner war.
Schließlich ist auch die Absicht der vulkanischen Austauschoffizierin fragwürdig, „[…] zu Suraks strengsten ursprünglichen Lehren […]“ (S. 45) zurückzukehren, denn diese Schriftbelege werden erst zwei Jahre später in „Kir’Shara“ von Jonathan Archer höchstpersönlich wiederentdeckt.

Fazit: „Suraks Seele“ verliert sich nicht in einer endlos beschriebenen Geschichte und unzähligen eng beschriebenen Seiten. Stattdessen wird auf nur 179 Seiten ein rasanter Spannungsbogen entworfen, der durchaus in der Lage ist, den Leser zu fesseln.
Doch die spannende Geschichte des Buches verliert gegen Ende durch eine abstruse Lösung des Problems an Nachvollziehbarkeit. Esoterisch, lebensfremd und unglaubwürdig löst sich die Bedrohung auf und man fragt sich schon irgendwo, warum es überhaupt zu solchen Problemen gekommen ist.
Die Übersetzungsfehler und Anachronismen wiegen, schon allein aufgrund des geringen Umfangs, nicht allzu schwer und im Großen und Ganzen kann man dem Buch zwar keine übergeordnete Stellung unter den Star-Trek-Romanen einräumen, jedoch einen Unterhaltungsfaktor für ein Lesen „zwischendurch“ zugestehen.

Photobucket
Länger Leben durch Meditation?

Denkwürdige Zitate:

Ladies first.
Ladies first? Was ist das? Eine britische Redensart?
Ich bin mir nicht sicher. Meine Großmutter sagte das immer, wenn sie sich in einer Schlange vordrängen wollte.“
Malcolm Reed und Hoshi Sato, S. 87

Ah, in diesen Zeiten ein Hund sein...”
Malcolm Reed, S. 141

Bewertung: Nicht nachhaltig, aber spannend.

Photobucket

Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele

Mittwoch, 8. April 2009

Das Rätsel der Fazi

Photobucket

Buchbesprechung Rusch, Kathryn; Smith, Dean Wesley: Das Rätsel der Fazi, Heyne 2002.

Story: Die Enterprise NX-01 stößt auf einen unbekannten Planeten, der von einer unbekannten Rasse namens Fazi bewohnt wird. Doch diese sind nicht die einzig vernunftbegabte Spezies auf dem Planeten. Auf einem anderen Kontinent gibt es eine weitere Zivilisation, die sich völlig von der klar strukturierten Kultur der Fazi unterscheidet. Doch sämtliche Kontaktaufnahmen enden im Fiasko; die Fazi geraten durch ihre strikten Protokolle zur Zerreißprobe für die Nerven Archers, während die spinnenartigen Hipon nicht auf normalem Weg mit Humanoiden kommunizieren können: Alle Crewmitglieder, die in Kontakt mit der telepathischen Rasse kommen, verlieren den Verstand…

Lobenswerte Aspekte: Um es gleich in die Welt hinauszuposaunen: Dieser gut geschriebene Roman geizt mit Übersetzungs- und Rechtschreibungsfehlern! Wenn man von Wiederholungstaten wie „Starfleet“ statt „Sternenflotte“ absieht, so ist dieses Buch eine wahrlich wohltuende einsame Insel in einem weiten Meer von fehlerstarrenden Star-Trek-Romanen.
Das Besondere an diesem Werk bildet jedoch die Fokussierung auf Crewman Elizabeth Cutler. Dieser äußerst sympathische Charakter, der uns in drei Folgen der ersten Staffel Enterprise begegnete, tauchte im weiteren Verlauf der Serie nicht mehr auf, weil die Schauspielerin Kellie Waymire 2003 im Alter von lediglich 36 Jahren plötzlich verstarb. Schon allein dass ihr nun in diesem Buch soviel Platz gelassen wird und ihr Charakter auch recht treffend wiedergegeben wurde, macht diesen Roman durchaus lesenswert.
Doch generell sind fast alle Charakterdarstellungen in diesem Buch sehr gelungen. Neben Mayweather und Hoshi sind besonders die „Wortduelle“ zwischen T’Pol und Trip hervorzuheben, die sich wirklich äußerst nah am Original befinden.
Die übersichtlichen Kapitel ermöglichen besonders gut, dieses Buch während kurzer Straßenbahn- oder Busfahrten nebenbei zu lesen, ohne dass man gezwungen wird, an besonders verworrenen Punkten aufzuhören, nur weil man schnell aussteigen muss. Tatsächlich gelang es mir bis auf eine Ausnahme (in der ich, ins Lesen vertieft, eine Station zu weit fuhr), stets das Kaptitel rechtzeitig zum Erreichen der Haltestelle zu beenden. Die Kapitellänge ist also entweder toll konzipiert oder doch wenigstens ein genialer Zufall.
Auch die Atmosphäre der Serie, die den Aufbruch der Menschen ins All beschreibt, ist gut getroffen. Neben den nachvollziehbaren technischen Mängeln (wie denen des Transporters) des Schiffes bemerkt man bei den einzelnen Figuren ihren Enthusiasmus, und kann deren gelegentlichen Schwierigkeiten miterleben, mit der beengten Situation an Bord des Raumschiffes klarzukommen. Einige Szenen erinnern sogar an die TNG-Folge „Beförderungen“, da oft der Fokus von den etablierten Brückenoffizieren auf eine kleine Gruppe von Rollenspielern gelenkt wird, die größtenteils eher untergeordnete Positionen innehaben.
Dieses Rollenspiel ist, sobald man sich an die Idee gewöhnt hat, dass solche Leute sich so durchaus selbst die Zeit vertreiben könnten, ganz unterhaltsam und erinnert zuweilen an die eigenen spannende Abenteuer und haarsträubende Würfelergebnisse.

Photobucket

Zwei rote, und acht weiße Bolzen! Was wollen die Würfel uns damit sagen??

Kritikwürdige Aspekte: Es fällt zuallererst einmal auf, dass verschiedene Storyelemente und die Diskussion um eine noch nicht existierende erste Direktive an die Folge „Lieber Doktor“ erinnern. Das liegt sicherlich an der Entstehungszeit des Romans, der wohl erschienen ist, bevor diese Folge ausgestrahlt wurde. Das würde jedenfalls auch erklären, warum die verschiedenen Tiere, die Dr. Phlox aus medizinischen Gründen auf der Krankenstation hält, nicht auf die dort wild herumrandalierende Riesenkrabbenspinne reagieren.
Darüber hinaus fehlten mir ab und zu die Zeitangaben im Logbuch, denn es ist verwirrend, die Geschehnisse in einen chronologischen Rahmen einzuordnen. Dass es nach der Folge „Geistergeschichten“ spielen muss, ist klar, aber man kann nur anhand von Indizien darauf schließen, dass die Handlung vor „Verschmelzung“, „Der kalte Krieg“ und „Die Saat“ angesiedelt sein müsste.
Dann gibt es natürlich noch kleinere Fehler wie die Beförderung Cutlers: Obwohl sie in der Serie durchgängig als „Crewman“ bezeichnet wird, trägt sie hier urplötzlich den Rang eines Fähnrichs. Auch die Konstruktion eines Adapters für eine telepathische Kommunikation und den Bau eines psionischen Schutzschildes fand ich sehr verwirrend – geriet diese Technologie denn wieder in Vergessenheit? Das Fehlen dieser Technologie bei TOS, TNG, DS9 und VOY ließe dann nämlich nur noch einen logischen Schluss zu:
Dass bereits Kirk und Co., die sich so verdammt oft gegen Psi-Einwirkungen anderer Rassen und Personen wehren mussten (Gary Mitchell, Vianer, Platonier, Charlie Evans, Talosianer etc.), selbst Schuld waren! Sie haben es scheinbar schlichtweg versäumt, ihre eigenen Datenbanken nach Erfindungen vorangegangener Epochen zu überprüfen!
Der Hauptkritikpunkt liegt meines Ermessens allerdings in der Erzählweise. Die Geschichte benötigt einen langen Anlauf und bevor es überhaupt zu einer halbwegs spannenden Situation kommt, muss der Leser schon mal das halbe Buch gelesen haben. Das ist natürlich etwas viel – ein Auto, dass mit einer Beschleunigung von null auf fünfzig innerhalb einer halben Stunde arbeitet, wird sicherlich auch niemand kaufen wollen.
Schließlich bleibt zu bemerken, dass mir an einigen Stellen Archers Vorgehensweise rätselhaft, wenn nicht sogar doof vorkam. Er tapst von einem Führungsfehler in den nächsten und erscheint zuweilen einfach nicht als dieselbe konsequente Person, die man aus der Serie kennt.

Anachronismen: Abgesehen von den oben bereits geschilderten Problemen, die sich für die darauf folgenden Serien ergeben, gibt es keine großen chronologischen Brüche. Selbst die Tatsache, dass Archer seinen Kommandosessel als besonders angenehm empfindet, beißt sich, trotz meiner ersten Zweifel, nicht zwangsläufig mit den Ereignissen in der Episode „Eigenarten“, da die dort beschriebene Umgestaltung des Stuhls ja auch den übertriebenen Enthusiasmus Tuckers zurückgeht.

Fazit: Der Roman glänzt durch die Abstinenz von Übersetzungs- und Rechtschreibfehler und die Zentrierung auf Elizabeth Cutler. Andererseits verzichtet er nicht auf die üblichen kleinen Anschluss- und Logikfehler und braucht ewig, um auf den Punkt zu kommen. Dennoch bietet er interessante Einblicke ins Bordleben und unterhält auf eine andere Weise, als auf Action, Spannung und/oder Erotik zu setzen. Wenn man also bereit ist, auch mal einen Roman zu lesen, der den Crewalltag und einen mäßig spannenden Erstkontaktversuch beschreibt, kann man sich mit diesem Werk durchaus anfreunden.

Denkwürdige Zitate:

Ein vollständig automatisch arbeitender Translator wird nie möglich sein.“ Hoshi Sato, S. 10

Ziel tief, Sherriff, […] die Marsianer reiten Ponys.“ Travis Mayweather, S. 57

An Bord von Raumschiffen wird man Freizeit und Erholung nie viel Platz einräumen.“ Anderson, S. 91

Vulkanier kennen keine >Annahmen<.“
Von wegen. Die ganze Zeit gehen Vulkanier von irgendwelchen Annahmen aus. Sie nehmen an, mehr zu wissen als andere, überlegen zu sein…“ T’Pol und Trip, S. 152

Bewertung: Ein netter Kellie Waymire Gedächtnisroman ohne großen Spannungsbogen.

Photobucket


Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele

Mittwoch, 18. März 2009

Aufbruch ins Unbekannte

Photobucket

Buchbesprechung Carey, Diane: Aufbruch ins Unbekannte; Heyne 2001.


Story
: Das Buch ist im Prinzip die Novellisation des Enterprise-Pilotfilms „Aufbruch ins Unbekannte" und beschreibt die Umstände der Jungfernfahrt der NX-01. Captain Archer trifft auf verwegene Klingonen, genetisch aufgewertete Suliban und rigelianische Zuhälter. Er muss schnell feststellen, dass seine Mission, den Klingonen Klaang auf seinen Heimatplaneten Qo'noS zurückzubringen schwieriger ist, als erwartet…

Lobenswerte Aspekte: Nach den Pilotfilmadaptionen Deep Space Nines („Der Botschafter“) und Voyagers („Der Beschützer“) begegnet uns endlich einmal ein Roman, der den Originaltitel der Episode verwendet. Viele Dialoge sind weitreichender als in der Folge und dem Leser werden offene Fragen beantwortet. So erfahren wir etwa, dass das Raumschiffmodell, mit dem der junge Archer zu Beginn der Episode spielt, ein Entwurf seines Vaters ist, den dieser nicht mehr benötigte.
Zusätzlich zur eigentlichen Erzählung befindet sich im „Anhang“ des Buches ein kleines „Making-Of“, das nähere Informationen zur Entstehungsgeschichte der Serie und zum Designkonzept gibt.

Kritikwürdige Aspekte: Wieder einmal ist das Buch scheußlichst übersetzt. So ist von klingonischen „Warbirds“ (S. 24) die Rede (Nachtrag: leider ist dies in der Serie ebenso) und die Cabal wird mit „Kabale“ (S. 126) übersetzt. Wo bleibt da aber die Liebe?
Der schlimmste Satz lautet allerdings: „Die Entladung verfehlte ihn um einige Zentimeter und bohrte sich in die Wind.“ (S. 186). Das alles spricht nicht unbedingt für gründliche Lektorenarbeit.
Die Charaktere wirken daneben zuweilen hölzern und besonders Reed, dem Carey scheinbar zusätzlich Leben einhauchen wollte, wirkt zu aufgesetzt. Seine britische Herkunft wird zu sehr überbetont und seine Gesprächsfreude passt irgendwie nicht zu seinem sonst so reservierten Wesen.
Überhaupt gibt es ja für Fans nur einen Grund, sich Novellisationen durchzulesen: Hintergrundinformationen. So ist es besonders interessant zu erfahren, dass in „Treffen der Generationen“ die Excelsior ihre Untertassensektion lösen kann oder dass im „Zorn des KhanJoachim der gemeinsame Sohn des genetischen Übermenschen und Marla McGivers ist. Doch scheinbar hatte die Autorin zuviel Angst, dass ihr Werk von der sich im Dreh befindlichen Serie eingeholt werden könnte, und somit verzichtete sie auch auf Zusatzinformationen, die dem Roman wenigstens etwas Interessantes gegeben hätten. So plätschert eine dem Leser bekannte Handlung mühselig vor sich hin, ohne dass man etwa erfährt, wie der Planet heißt, auf dem sich die Sulibanhelix befindet oder welche Lebewesen den Handelsposten auf Rigel X betrieben haben.

Anachronismen: Aufgrund der bereits angesprochenen Furcht der Autorin, einen Blick über den Tellerand hinaus zu wagen, gibt es auch nur wenige Anachronismen. Der einzige wirklich bedeutende Schnitzer ist eigentlich die Behauptung Archers, sein gesamtes Leben in San Francisco zugebracht zu haben. Schließlich erfährt der interessierte Zuschauer der Serie, dass der spätere Captain aus dem US-Bundesstaat New York stammt („Sturmfront“) und sein Vater im Warp-Fünf-Komplex in Bozeman arbeitete, wo der juvenile Jonathan auch persönlich auf Zefrem Cochrane traf ("Eigenarten").

Fazit: „Aufbruch ins Unbekannte“ ist eine langweilige Novellisation eines erstklassigen Pilotfilmes, der mit den sonst üblichen zusätzlichen Informationen geizt. Lediglich der Anhang ist noch interessant, zumal die der Serie zugrunde liegenden Gedankenspiele durch die Absetzung von Enterprise nach der vierten Staffel eigentlich obsolet sind. Aber gerade deswegen lesen sie sich recht gut und man kann erkennen, dass doch einiges an Potential in der Serie steckte.

Denkwürdiges Zitat:

Jemand hat einmal gesagt, zwei Dinge hätten zu Anfang die Entwicklung des Internets vorangetrieben: Pornographie und Star Trek.“ Rick Berman, S. 205.

Photobucket
Nur auf den ersten Blick unlogisch: Bücherlesen und im Internet surfen


Bewertung: Bonusmaterial auf einer DVD mit halbherzig gemachten Filmen macht den Braten auch nicht mehr fett.

Photobucket


Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele