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Dienstag, 20. August 2013

Schwarzes Feuer

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Buchbesprechung Cooper, Sonni: Schwarzes Feuer. Heyne, 1982/1986.

Story: Die USS Enterprise NCC-1701 wird zur Zielscheibe eines terroristischen Anschlags. Bei der verheerenden Explosion auf der Hauptbrücke des Schiffes sterben mehrere Crewmitglieder, während andere – unter ihnen der Captain James Tiberius Kirk – lebensgefährlich verletzt werden. Obwohl auch der erste Offizier Spock schwere Verletzungen davontrug, begibt er sich trotz aller Schmerzen umgehend auf die Suche nach dem Täter.
Da ihm die Hilfe der Sternenflotte in dieser Angelegenheit versagt bleibt, greift der Halbvulkanier zu drastischen Mitteln, die sogar soweit reichen, dass er zusammen mit dem Chefingenieur Montgomery Scott ein Föderationsschiff entwendet, um die Herkunft des mysteriösen Bombenlegers zu ergründen. Doch an den Zielkoordinaten angelangt, treffen die beiden Offiziere zu ihrer großen Überraschung auf Delegationen der Romulaner und Klingonen, deren Streitkräfte ebenfalls Ziel von heimtückischen Sprengstoffattacken wurden. Als man sich nach einigen anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten endlich auf eine Zusammenarbeit einigt, geraten die drei Fraktionen auch schon in Gefangenschaft. Das kriegerische Volk der Tomarii hatte diesen Hinterhalt ausgelegt, um mehr über ihre Feinde in spe zu erfahren und versklavt die ungleichen Bündnispartner, um deren Fähigkeiten im Kampf aus der Nähe betrachten zu können. Was niemand ahnt: Spock leidet noch immer an den Nachwirkungen der Explosion und steht kurz vor dem physischen Kollaps. Dennoch ist die langanhaltende Versklavung nur ein Zwischenstopp in einer Odyssee, die den Wissenschaftsoffizier letztendlich bis in die romulanische Heimatwelt Romulus treibt...

Lobenswerte Aspekte: "Schwarzes Feuer" ist nicht irgendeines dieser älteren Werke, das sich widerstandslos in die Reihe beliebiger Star-Trek-Romane schieben ließe, wo es im Regal versteckt als ein Buch unter vielen den Staub des Vergessens ansetzt.
Nein, "Schwarzes Feuer" war einer der ersten kommerziell erfolgreichen Star-Trek-Literatur-Vertreter, der es sogar in einige Bestsellerlisten schaffte. Es ebnete den Weg für spätere Publikationen, ging über eine Million Mal allein in den Vereinigten Staaten über den Ladentisch und wurde darüber hinaus auch in deutscher und italienischer Sprache veröffentlicht. Wie konnte dem Werk ein so großer Sprung gelingen?
Vieles hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass dieses Werk nicht von einem allzu professionellen Schreiberling verfasst wurde, sondern die Fleißarbeit eines Fans ist. Wie man in der Einleitung aus der Feder ihres "Mentors und geliebten Freundes" (vgl. S. 5) Ted Sturgeon lesen kann, ist Sonni Cooper eine Frau mit vielen Talenten: Sie schrieb ein Werk über die Lebensumstände der Pueblo-Indianer, war tief in der amerikanischen Star-Trek-Fanszene verwurzelt und stieg sogar bis zur persönlichen Assistenten eben jenes William Shatners auf, der in ihrer Lieblingsserie mit der Darstellung James Kirks unsterblich wurde. Noch heute weist ihre Website sie als Künstlerin aus, die in der Ziegelmetropole Santa Fé eine Bleibe gefunden hat.
Ob dieses Hintergrundes verwundert es wohl nur wenig, dass Cooper munter Querbezüge zur von ihr geliebten Originalserie herstellt (vgl. z.B. S. 13, S. 161, oder S. 219f.). Bemerkenswerter hingegen ist, dass sie sich die Mühe macht, Lücken auszufüllen, die gerade den Anhängern der Serie ob ihrer Kontinuität als besonders wichtig erscheinen müssen. So markiert dieses Werk den Punkt, an dem Chekov endlich zum Lieutenant aufsteigt (vgl. S. 102) oder die Crew der Enterprise in jene engen Uniformen gezwängt wird, die man aus dem ersten Kinofilm kennt (vgl. S. 101).
Darüber hinaus beweist Cooper eine erstaunliche Voraussicht, denn sowohl die Möglichkeit, die Untertassensektion abkoppeln zu können (vgl. S. 19), als auch Spocks romulanophile Anwandlungen (vgl. z.B. S. 185, S. 193 oder S. 218) etablierten sich erst ab 1987 einen offiziellen Charakter, als mit den beiden (drei, bzw. vier) Folgen "Der Mächtige" und "Wiedervereinigung?" als offizieller Kanon.
Ihre Anhängerschaft wird aber auch in einem Punkt deutlich, der vielen professionellen Autoren oft verschlossen bleibt. Viel besser als manch anderem Urheber gelingt es Cooper, der man durchaus eine Vorstellung des abgeschlossenen Kosmos, den die Menschheit im Star-Trek-Universum bildet, attestieren kann, kleinere Details einzuflechten, die anderen Fans das Bauchfell pinseln.
Denn wer sonst macht sich schon die Mühe, darauf zu achten, dass Spock aufgrund seines Äußeren nicht mit seinen Föderationskameraden interniert wird, sondern mit seinen romulanischen Widersachern (vgl. S. 52)?
Wer sonst ließe zu, dass ein Romulaner widerstandslos der Logik eines Vulkaniers folgen kann (vgl. S. 91)?
Und wem gelingt es besser als einem Fan nachzuvollziehen, dass Captain Kirk mit dem völlig neuen Design seines Schiffes so seine Probleme haben könnte (vgl. 98ff.)?
Vielleicht sollten mehr Bücher von echten Fans geschrieben werden...

Kritikwürdige Aspekte: Falls man einen Grund suchen sollte, warum man einem Fan das Verfassen offizieller Star-Trek-Literatur verwehren sollte, so findet er in diesem Werk ein stichhaltiges Argument.
Deutlich wird die fehlende Professionalität der Autorin in erster Linie in der Handlung. Knackpunkt darin ist die überambitionierte Fülle, denn auf den lediglich 283 Seiten ist ein Inhalt konzentriert, der eine gesamte Staffel, wenn nicht gar eigenständige Serie ausfüllen könnte. Dem Leser ist es bei der Lektüre allerdings nicht gestattet, an besonderen Szenen auch nur kurz innezuhalten, denn der Story-Bogen galoppiert in atemberaubendem Tempo voran, ohne auf lästige Unannehmlichkeiten wie Charaktermomente, ausgiebige Dialoge oder gar eindringliche Beschreibungen sonderlich viel Rücksicht zu nehmen. Die kurzen Kapitel folgen im Laufe der Seiten immer mehr einem gewissen Telegramm-Stil, der heutiger Twitter-Nutzung alle Ehre gereichen würde. Es verwundert jedenfalls am Ende nicht sonderlich, dass die ursprüngliche Fassung dieses Werkes vom Verlag als ungeeignet für eine Publikation befunden wurde (vgl. S. 7), denn auch in dieser überarbeiteten Version haben sich noch genug Anhaltspunkte für eine solche Bewertung erhalten. Die hohen Verkaufszahlen beweisen daher vor allem zwei Dinge: Star-Trek-Fans kaufen wirklich jeden Mist und die Lese- und Schreibkultur der Achtziger unterschied sich anno dazumal noch sehr stark von den heutigen.
Einen weiteren zentraler Angelpunkt bildet einer der unglaubwürdigsten Gegner der bislang zu einer Supermacht aufgebauscht wurde: Die Tomarii.
In ihrer Beschreibung erinnern die Wesen an eine wild gewordene Mischung aus "Captain Caveman", Tribbles und den Ewoks. Ihren Technologiestand findet man entgegen jeglicher Vernunft irgendwo zwischen Feuersteinspeerspitze und Materie-Antimaterie-Antrieb gleichzeitig angesiedelt, wobei ihr Vermehrungstrieb Kaninchen alle Ehre machen würde. Sich Spock und Scott unter dieser Spezies-Parodie versklavt oder einen großen Teil des Universums von ihnen unterworfen vorzustellen (immerhin angeblich ein stolzes Achtel der gesamten Milchstraßen-Galaxie, vgl. S. 79), fällt bei aller wohlwollenden Fantasie wirklich nicht leicht.
Zu viel Vorstellungskraft floss wohl auch bei der Konzeption der einzelnen Figuren, denn mit den allseits bekannten Helden der Mattscheibe haben die Beschreibungen oft nur wenig gemein.
Das lässt sich besonders gut am Wissenschaftsoffizier, Verräter und Renegaten Spock festmachen.
Plötzlich offenbaren sich an ihm nämlich Seiten, die der altgediente Fersehzuschauer so noch gar nicht kennt. Erschreckend unlogisch (vgl. die völlig auf Indizien beruhende 'Beweisführung' des Halbvulkaniers S. 36ff.), unangenehm bockig (vgl. 154ff.) und sogar auf den Spuren Casanovas wandelnd kommt der Wissenschaftsoffizier daher: Nicht weniger als drei verschiedene Frauen verfallen dem emotionsarmen Spitzohr im Zuge der nicht einmal dreihundert Seiten (vgl. S. 78, S. 93 und S. 204ff.). Oder dienten diese Weibsbilder nur als Projektionsfläche eines fantasiebegabten Fans?


Spocks Sonderstellung bedeutet jedoch nicht, dass auch andere Figuren von fragwürdigen Charakterzügen ausgenommen wären.
Der Chefingenieur Scotty zeigt überaus deutliche wie alarmierende Anzeichen von Alkoholsucht (vgl. z.. S. 26, S. 71, S. 74 u.v.m.), der eigentlich souveräne Captain Kirk spielt sich zuweilen widerlich autoritär auf (vgl. z.B. S. 98f., S. 111f., S. 149 u.v.m.) und die Spock-Vertretung Leonidas präsentiert sich als bestenfalls Abziehbild eines Klischee-Griechen (vgl. S. 116f.).
Doch nichts erreicht in puncto Schrecken die Handlung, denn abgesehen von der ausufernden Informationsdichte, dem fehlenden Feinschliff und einem wenig eleganten Schreibstil bietet sie auch nur wenig Schlüssiges. Abgesehen von der unglaubwürdigen Odyssee Spocks sind es kleinere Details wie der erste Fluchtversuch, der so unfassbar einfach ist und leicht von der Hand geht, dass es schon der geballten Inkompetenz aller Beteiligten bedarf, um ihn tatsächlich noch zu versauen (S. 83ff.). Auch nach mehrmaligen Lesen lässt sich das Ereignis nicht erschließen und was die Autorin mit dieser Szene bezweckte, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Dass sich schließlich sämtliche Aktionen des vermeintlichen Renegaten auf den letzten Seiten als Geheimdienstaktion entpuppen (vgl. S. 279), versprüht schließlich in etwa den Charme und die Originalität des neunten Dallas-Staffel-Finales.
Aber auch der Planet, von dem die versklavten Protagonisten zu entfliehen versuchen, vermag es trotz einer interessanten Grundidee nicht, den Leser zu überzeugen. In der Art der Beschreibung merkt man nämlich sehr deutlich, dass Cooper das Weltall sehr zweidimensional betrachtet (vgl. S. 126ff), doch die Tatsache, dass sie auf der einen Seite betont, dass diese Konstellation etwas ganz besonders Außergewöhnliches sei (vgl. S. 133), nur um im späteren Textverlauf einen weiteren, beinahe identisch gelegenen Planeten aus dem Hut zu zaubern (vgl. S. 192), schmälert die Glaubwürdigkeit der ohnehin reichlich abstrusen Geschichte noch weiter. Von technischen Fragen, die zum Beispiel die Verwendung von Warpgondeln (vgl. S. 268), die Nutzung von mysteriösen Fesselstrahlen (vgl. S. 50) oder gar von "Bandaufzeichnungen" (S. 27),  "Ausdrucken" (vgl. S. 104), "Kassetten" (vgl. S. 106 oder S. 112), ""Tonbändern" (vgl. S. 112) beziehungsweise "Computerkassetten" (S. 113 oder S. 189) betreffen, sollte man an dieser Stelle besser gar nicht erst anfangen zu reden...

Übersetzung: Da ein schlechtes Buch ohne eine schlechte Übersetzung ein zu krasser Stilbruch wäre, hat sich die Heyne-Übersetzer-Maschinerie mit Hans Maeter am Kontrollpult so richtig ins Zeug geworfen, um dieser ungewöhnlichen Herausforderung gerecht zu werden.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die üblichen Heyne-Begrifflichkeiten wie "Sterndatum" (S. 100), "Klaxon" (S. 232) oder "Terraner" (S. 40) lassen sich genauso finden wie englisch belassene Vokabel der Sorte "Starfleet" (ab S. 18), "Starship" (ab S. 18) oder "Captain's Log" (S. 100). Hinzu kommen zwitterhafte Mischformen á la "Star Fleet" (S. 23), "Sun Falkon" (S. 220) oder "Starship-Kommandanten" (S. 100), die in den Text hineingeschludert wurden. Es lassen sich ferner auch Bezeichnungen finden, die mit der deutschen Synchronisation keinerlei Schnittmenge haben, so dass man statt "Außenhülle", "Ultraschalldusche" oder "Krankenstation" eben etwas ungelenk als "äußere Schale" (S. 13), "sonische Dusche" (S. 26) oder "Bordlazarett" (S. 13) ins Deutsche übertrug. Abweichende Schreibweisen von "die Base" (S. 39) und "Raketenbasis" (S. 59), "maximum Warp" (S. 115) und "Maximum-Warp" (S. 119) oder "nicht-terranen" (S. 20) und "terranischen" (S. 37) ersticken ohnehin jeden Anflug von Einheitlichkeit, zumal die Verwendung von "medizinisches Team" (statt 'Medo-Team', S. 13), "Medi-Scanner" (S. 19) oder gar "deaktivierte" (S. 270!) darauf schließen lässt, dass die damaligen Heyne-Sprech-Vokabeln noch nicht jedem Mitarbeiter bekannt waren.
Neben Zeichenfehlern (vgl. S. 100 oder S. 101) lassen sich vergleichsweise viele Flüchtigkeitsfehler finden, in denen etwa "Invertur " statt "Inventur" (vgl. S. 198) "Kamp" statt "Kampf" (vgl. S. 147) oder "Geistestrainig" statt "Geistestraining" (vgl. S. 79) auftauchen (u.v.m.). Fragloser Höhepunkt ist sicherlich jener "massierter Angriff" (S. 251), dem Kirk mit unverständlichem Grausen entgegensieht.
Ansonsten lassen sich Fehler bei Star-Trek-spezifischen Termini wie "Tri-Tox" statt "Tri-Ox" (vgl. S. 144) hingegen seltener finden (wenn man von Begriffen der Synchronisation einmal absieht).
Vielleicht sollte auch deswegen an dieser Stelle einmal ein kleines bisschen Nachsicht geübt werden, denn wie man an der Verwendung von "T-negatives Blut" (S. 13) erkennen kann, ist es nicht immer ratsam, sklavisch auf die Synchronisation zu pochen, die ihrerseits ja auch so manchen Schundluder betrieb. Vielleicht sollte man manchmal (abseits aller sicherlich gerechtfertigten Kritik) auch mal Dankbarkeit dafür formulieren, dass es hier immerhin "Warp drei" und nicht "SOL drei" heißt (vgl. S. 115).

Anachronismen: Für wahre Fans ist es eine Ehrensache, seine eigenen Ausführungen nicht durch Anachronismen zu ruinieren. Von daher kann man Cooper für die überschaubare Anzahl an Kanonbrüchen kaum verantwortlich machen, denn diese Ungereimtheiten entstanden allesamt erst nach dem Erscheinen dieses Buches.
Zum Beispiel den Gebrauch von Geldmitteln unter den Menschen (vgl. S. 205).
Gene Roddenberrys sozialistische Anwandlungen manifestierten sich erst ab dem vierten Kinofilm, der jedoch erst vier Jahre nach Erscheinen von "Schwarzes Feuer" in den US-amerikanischen Kinos anlief. Frühe Bezüge auf Finanzen gab es allerdings in Episoden wie "Stunde der Erkenntnis", "Kennen Sie Tribbles?" oder in der TAS-Folge "Der Überlebende" noch zuhauf.
Zum Beispiel den angeblich nicht vorhandenen Bruder Spocks (vgl. S. 201). Cooper konnte natürlich nicht ahnen, dass ihr früherer Arbeitgeber William Shatner einen Star-Trek-Film zusammenwerkeln würde, der sogar vom Star-Trek-Erfinder Roddenberry als streckenweise akanonisch angesehen wurde und in dem dem halbvulkanischen Ersten Offizier der Enterprise ein vollbärtiger Halbbruder angedichtet wurde.
Zum Beispiel den Umstand, dass Romulaner zu Geistesverschmelzungen in der Lage wären (vgl. 64). Obgleich es bislang auch zu noch keiner endgültigen Verneinung dieses vulkanischen Erbes bei den emontionalen Vettern kam, wäre der Tal Shiar sicherlich schon längst auf die Idee gekommen, sich die Dienste ihrer telepathisch begabten Landsleute zu sichern. Außerdem hätten sie für die Enterprise-Episoden "Babel", "Vereinigt" oder "Die Aenar" auch kaum einen blinden Albino-Andorianer-Piloten benötigt.
Zum Beispiel die Mindesthöhe für Sternenflottenoffiziere, die bei 1,60m liegen soll (vgl. S. 116). Das wäre nicht nur rassistisch, sondern auch ein guter Grund, Personen wie Keenser die Akademietür vor der Nase zuzuschlagen. Von den vielen Besatzungsmitgliedern der USS Titan ganz zu schweigen.
Der einzige Punkt, in dem Cooper wirklich über das Ziel hinausschießt, entsteht mit der Schilderung der Besserungsanstalt, in die Spock nach seiner Verurteilung geschickt wird (vgl. S. 168ff.). Denn obwohl in Folgen wie "Der Zentralnervensystemmanipulator" oder "Wen die Götter zerstören" entsprechende Einrichtungen als außergewöhnlich human dargestellt werden, erinnert dieser Kerker eher an San Quentin, Alcatraz oder gar Rura Penthe.

Fazit: "Schwarzes Feuer" zeigt deutlich auf, wo die Vor- und Nachteile eines Werkes liegen, das nicht von einem professionellen Schreiber der Zunft, sondern einem echten Fan der Originalserie geschrieben wurde (mal abgesehen von Fanfiction, versteht sich). Cooper gelingt es auf der einen Seite, ein waches Auge auf Kontinuitätslinien und den Einhalt der Zeitlinie bis dato richten. Doch die Autorin hat sich andererseits auch etwas zu viel vorgenommen. Die ausufernde Handlung des Romans läuft unkontrolliert aus dem Rahmen wie der sprichwörtliche süße Brei aus seinem Topf. In seinem Lauf bleiben auch Figurenzeichnung, Storykonzeption sowie Technikverständnis auf der Strecke und die schwache deutsche Übersetzung tut ihr Übriges, um diesem Werk einen Platz in den Niederungen der Romanlandschaft zu verschaffen. Es verwundert jedenfalls nicht, dass "Schwarzes Feuer" Sonni Coopers erster und letzter Beitrag zur Star-Trek-Bücherlandschaft blieb.

Denkwürdige Zitate:

"Sie war sehr blond, klein und untersetzt. Sie wirkte fast quadratisch. Wissen Sie, was ich meine? Nicht fett, aber sehr kräftig für ihre Größe."
Hikaru Sulu, S. 25

"Captain, ich erkenne ein klingonisches Schiff, wenn ich es vor mir sehe."
Pavel Chekov, S. 122

"Wenn Sie herausfinden wollen, ob etwas unmöglich ist – versuchen Sie es!"
James T. Kirk, S. 129

"Ich bin Arzt, kein Versicherungsstatistiker."
Dr. Leonard H. McCoy, S. 130

"Scotty, Sie sehen zum Fürchten aus!"
Kirk, S. 147

"Alles, was ich jetzt brauche, ist wieder so eine Trantüte von Ingenieur! Warum gerade ich? Was habe ich verbrochen, um das zu verdienen?"
Kirk, S. 224

"Die Rolle des Frauenlieblings war normalerweise immer die Ihre, Captain."
Spock, S. 252


Bewertung: Überambitionierte Fleißarbeit.

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Montag, 22. Juli 2013

Die Kinder von Hamlin

Buchbesprechung Carter, Carmen: Die Kinder von Hamlin. Heyne, 1988/ 1990.

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Story: Die USS Enterprise NCC-1701-D ist mit einer mäßig spannenden Aufgabe betraut: Das majestätische Flaggschiff der Sternenflotte soll das Taxi für einen sturen Haufen hinterwäldlerischer Weltraum-Amish zu einem weit entfernten Kolonieplaneten spielen. Doch während dieser Routinemission entdecken die Sensoren des Raumschiffes einen Kampf in den vermeintlich leeren Weiten des benachbarten Sektors. Als sich die Besatzung unter dem Kommando Jean-Luc Picards der Szenerie nähert, muss sie entdecken, dass sich das Sternenflottenschiff USS Ferrel unmittelbar vor seiner Zerstörung befindet. Das gegnerische unbekannte Flugobjekt, ein seltsam anmutendes Gebilde aus schillernden Blasen, kann erst im letzten Moment davon abgebracht werden, das veraltete Schiff der Constellation-Klasse in einen Stück zusammengepressten Weltraumschrott zu verwandeln.
Nachdem es den Rückzug antritt, beginnt die Crew der USS Enterprise damit, die Überlebenden vom arg gebeutelten Sternenflottenkreuzer zu retten.Doch unter den erstaunlich überschaubaren neuen Passagieren befinden sich auch zwei Personen, die von den nur wenig redseligen übrigen Offizieren mit besonderer Abscheu bedacht werden. Schnell wird  Captain Picard bewusst, dass es sich bei Deelor und seiner Assistentin Ruth um Agenten des Sternenflottengeheimdienstes handeln  muss.
Ehe der Kommandant der Enterprise angemessen reagieren kann, übernimmt Deelor die Befehlsgewalt über das Schiff der Galaxy-Klasse. Er zwingt die Besatzung, an der Jagd auf den unbekannten Gegner teilzunehmen, weil er auf eine Beute der ganz besonderen Sorte hofft:
Die vor mhr als fünfzig Jahren auf mysteriöse Art und Weise verschwundenen Kinder einer Bergbaukolonie namens Hamlin...




Lobenswerte Aspekte: "Kann denn nicht einmal jemand  an die Kinder denken?!" Wer ein Buch erwartet hat, das Helen Lovejoys melodramatischer Aufmerksamkeitszuwendung für Heranwachsende teilt, wird eines Besseren belehrt, denn abgesehen von Wesley Crusher, einem mit diesem befreundeten, gleichaltrigen Nachfahren technophober Kartoffelbauern sowie einem zweijährigen Kaspar-Hauser-Waisen spielen Kinder in dem Buch keine wesentliche Rolle. Natürlich nervt der junge Superfähnrich ehrenhalber auch hier, doch im Vergleich zu so mancher TNG-Episode wirkt selbst der Jar Jar Binks des Star-Trek-Universums vergleichsweise sympathisch.
Autorin Carmen Carter, der es bereits mit ihrem Werk "McCoys Träume" gelang, lebhaft unter Beweis zu stellen, dass sie gute Star-Trek-Romane verfassen kann, beschrieb in der Danksagung, dass ihr im Vergleich zwischen beiden Werken in diesem Fall nur drei Monate zur Fertigstellung vergönnt waren (vgl. S. 287). Doch dieser immense Zeitdruck hat dem Buch unglaublich gut getan - es braucht den Vergleich mit ihrem Debüt keineswegs zu scheuen.
"Die Kinder von Hamlin" verfügt über eine vernünftige Kapiteleinteilung (keinesfalls eine Selbstverständlichkeit bei einem so frühen Star-Trek-Buch), spannende und wenig vorhersehbare Entwicklungen (gleichermaßen keine Selbstverständlichkeit bei einem so frühen Star-Trek-Buch) und trifft auch den Großteil der Charaktere zielsicher (ganz bestimmt keine Selbstverständlichkeit bei einem so frühen Star-Trek-Buch). Selbst der Umstand, dass Wesley Crusher hier den Androiden Data trotz dessen höheren Dienstgrades in seinen ausschweifenden Ausführungen abwürgt (vgl. S. 191), wirkt nicht deplatziert, sondern fügt sich nahtlos in die Geschichte eines Running Gags ein, der in ähnlicher Form des Öfteren in der Fernsehserie fiel. 
Die Handlung passt in die erste Staffel; nicht zuletzt, weil sich Carter Mühe gab, die 1988 noch spärlich gesäten Information zu einem großen Ganzen zu verbinden. So fallen mehrere Querbezüge auf Ereignisse innerhalb der ersten Staffel (vgl. z.B. S. 225, S. 40 oder S. 111), auf die Originalserie (vgl. S. 100) oder gar die stiefmütterlich gern unter den Tisch gekehrte Zeichentrickserie (vgl. S. 138). Darüber hinaus offenbart sie kassandrisch anmutende Weitsicht, denn ihre Konzeption des undurchsichtigen Geheimdienstlers Deelor riecht verdächtig nach Sektion 31.
Höhepunkt auch dieses Romans bleibt die fremde Spezies, um die sich die Ereignisse drehen. Die
Choraii sind eben kein Volk, die einem heutzutage gängigen Verständnis von Staatlichkeit entsprechen, sondern verkörpern etwas wirklich Fremdartiges, dass sich nicht so ohne Weiteres mit menschlichem Bewertungsmaßstäben erfassen lässt. Diese erfrischend reizvolle Unvertrautheit setzt sich in Schiffsbau, Wohnsituation und Handelsstruktur fort und auch wenn der ein oder anderen Aspekt an Klassiker wie "Abyss - Abgrund des Todes" oder "Unheimliche Begegnung der dritten Art" denken lässt, bleiben die Choraii selbst nach der letzten Seite ein fortwährendes Mysterium.

Kritikwürdige Aspekte: Nicht nur hierzulande, sondern vor allem auch in den USA erfreut sich die Legende des "Rattenfängers von Hameln" einer großen Beliebtheit. Deutschstämmige Einwanderer brachten die Erzählung an das gegenüberliegende Ufer des den große Teichs, wo sie bis heute bei Schulaufführungen, in Kinderbüchern oder Trickfilmserien regen Zuspruch findet. Nur der für englischsprachige Zungen vergleichsweise sperrige Ortsname 'Hameln' wurde in ein flotteres 'Ham(e)lin' umgewandelt.
Ob der Popularität dieses Themas verwundert es also nicht sonderlich, dass irgendwann einmal jemand darauf gekommen ist, diesen Stoff auch als Grundlage für eine Star-Trek-Geschichte zu adaptieren.
Daher richtet sich mein Vorwurf auch nicht an die Verwendung des Topos', sondern viel eher an der all zu deutlichen Offensichtlichkeit. Immerhin stellt es schon einen immens großen Zufall dar, dass ausgerechnet in einer Kolonie mit dem Namen 'Hamlin' Kinder entführt werden (vgl. S. 56). Um die Wahrscheinlichkeit noch mehr zu strapazieren, nutzt das edelmetallsüchtige Kidnappervolk auch noch ausgerechnet virtuoses Flötenspiel zur Kommunikation (vgl. S. 132). Obgleich sich eine solche literarische Verarbeitung normalerweise problemlos an einen Leser verkaufen lässt, wirkt sie bei einer Science-Fiction-Geschichte im Star-Trek-Universum völlig unangebracht. Immerhin lebt ganz besonders diese Franchise davon, ein idealisiertes, aber dabei doch glaubhaftes Bild der Zukunft zu vermitteln. Dieser allzu offensichtliche Kunstgriff jedoch rüttelt an dieser Glaubwürdigkeit und stellt das Werk damit in einen krassen Gegensatz zu dem, was 'StarTrek' eigentlich ausmacht.
Schließlich möchte man in diesem Universum auch nicht unbedingt von einem Enterprise-Noteinsatz beim Lummer-Planeten lesen, auf dem die Absturzüberlebenden James Button und sein Kompagnon Luke aus den Wrackteilen Schienenfahrzeuge bauen und auf der einzigen, mit zwei markanten Erhebungen ausgestatteten Landmasse ein umfassendes Nahverkehrsnetz aufbauen und damit die Oberste Direktive verletzen (obwohl ich zugeben muss, dass das jetzt irgendwie reizvoller als beabsichtigt klingt).



Ein wenig mehr Subtilität im Umgang mit einem solchen kulturellen Allgemeinplatz hätte dem Star-Trek-Roman schlichtweg besser zu Gesicht gestanden.
Ferner bleibt eine Person von den ansonsten sehr treffend geschilderten Charakteren ausgenommen:
Doktor Beverly Crusher ähnelt in ihrer Anlage zu sehr an ihre Nachfolgerin Doktor Katherine Pulaski.
Der von Diana Muldaur porträtierte Schiffsarzt wurde ihrerseits an einem anderen prominenten Vorbild orientiert:
Doktor Leonard McCoy.
So muss man hier miterleben, wie die Medizinerin erschreckend raubeinig gegenüber Patienten (vgl. z.B. S. 127, S. 165 oder S. 195) und erschreckend schroff gegenüber ihren Kollegen agiert (vgl. z.B. S. 157, S. 163 oder S. 175). Zudem entwickelt sie einen stark von ihrem Wesen abweichenden Hang zu brachialen Flüchen (vgl. S. 135 oder S. 157) und Bibelreferenzen (vgl. z.B. S. 174 oder S. 185), der eher der allseits bekannten Südstaatlermentalität eines bestimmten 'einfachen Landarztes' entsprechen würde und sobald ihr der Satz "Er ist tot." (S. 52) über die Lippen kommt, liest man im Geiste ohnehin schon längst ein "Jim" bzw. "Jean-Luc" mit.

Übersetzung: "Die Kinder von Hameln" – zugegeben, dass klingt trotz der geringen Buchstabenabweichungen gleich einige Nuancen weniger 'cool' als "Die Kinder von Hamlin".
Aber entgleitet damit der deutschen Sprache nicht bereits zum zweiten mal ein verlorenes Kind?
Immerhin handelt es sich um eine mehr als fünfhundert Jahre alte Sage, die ein wesentliches Produkt der hiesigen Kulturlandschaft darstellt. Schon allein aus diesem Grund müsste sich die deutsche Namensherkunft aufzwängen, zumal die Namen der Choraii-Schiffe ohne Rücksicht mit den damit verbundenen Wortspielen auch in unsere Sprache übertragen wurden (vgl. S. 107 und S. 265).
Andererseits umgibt den deutschsprachige Leser damit immerhin auch ein wohlwollender Hauch der Entfremdung, der die Rattenfänger-Thematik weniger offensichtlich ausfallen lässt. Während das Original also mit dem Holzhammer die Handlungsanleihen vorwegnimmt, nötigt das Werk in seiner Übersetzung seinem Rezipienten immerhin etwas Puzzlearbeit ab.
Ich kann daher nicht genau sagen, ob der Titel nun gut oder schlecht gewählt ist. Bei einem vollständig deutschen Titel hätte ich diesen Unterpunkt aber wohl gar nicht erst mitaufgenommen.

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Dafür gibt es an anderen Stellen genug zu kritisieren.
In allerbester Heyne-Tradition wird da eine eigene, von der deutschen Synchronisation unbeeindruckte Neusprech-Version eingeführt, die fremde Wörter (vgl. z.B. "Insignienkommunikator" S. 9, "Diskussegment" S. 22 oder "Galaxis-Klasse" S. 81), unbekannte Anglizismen (vgl. z.B. "Starbase" S. 15, "Starfleet Command"S. 53, oder "Horizon-Injektion" S. 105) und neue Rechtschreibfehler (vgl. z.B. "Förderations-Ingenieure" S. 25, "Sie haben fast einen Monat in Starbase 10 gewartet, […]" S. 63 oder "darn" S. 210) beinhaltet.
Der Verlag dringt dabei in grammatische Untiefen vor, die kaum ein Mensch zuvor für möglich gehalten hat:
Wie oft kann man den fürchterlichen Begriff "desaktivieren" wohl verwenden (Antwort: sechs Mal; z.B. S. 32, S. 130 oder S. 274)?
Wie viele Wörter lassen sich möglichst unsinnig mit dem Präfix "Medo-" kombinieren (Antwort: zehn Kombinationen; z.B. "-Jacke" S. 8, "-Akte" S. 91 oder "-Block" S. 202?
Und kann man Picards "Engaged!" noch langweiliger als mit "Energie!" übersetzen (Ja! mit "Transit." S. 167)?
In einem ist die Arbeit Andreas Brandhorsts allerdings ihrer Zeit voraus:
Obwohl dieses Buch erst 1990 erschien, wendet es bereits Schreibweisen an, die erst mit der Rechtschreibreform aus dem Jahr 1996. So erscheinen Begriffe wie "Cousine" oder "Holographie" in vorauseilendem Gehorsam bereits in diesem Werk als "Kusine" (S. 34) oder "Holografie" (S. 218).

Anachronismen: Eine Geschichte wie des Rattenfängers von Hameln in die ferne Zukunft zu transportieren, ist keine leichte Aufgabe. Doch dieses Buch legt sich selbst Steine in den Weg, in dem es auf Begrifflichkeiten zurückgreift, die schon heute nach finsterem Mittelalter klingen. Eine Zukunft für die man "Blätter des Ausdrucks" (vgl. S. 73), ein "Kassette" (vgl. S. 127) oder gar ein "Druckerterminal" (vgl. S. 188) benötigt, entzieht sich meiner Vorstellung des 'unentdeckten Landes' bereits. Schon erstaunlich, wie sich dieses Bild von den ausgehenden Achtzigern bis heute gewandelt hat.
Während für diesen Wandel der Zukunftsrezeption allerdings niemand ernsthaft verantwortlich gemacht werden kann, gibt es einige Widersprüche zum offiziellen Kanon, die bereits mit einem genaueren Blick auf die damals laufende erste Staffel hätten verhindert werden können.
So sollte eine Besatzungsstärke von sechsundvierzig bei einem Schiff der Constellation-Klasse eigentlich keine größere Verwunderung bei Picard auslösen (vgl. S. 40 und S. 47), dessen Bereitschaftsraum-Maskottchen Livingston übrigens auch kein "Löwenfisch" (S. 65), sondern ein Rotfeuerfisch ist.
Außerdem konnte der aufmerksame Zuschauer gleich in der dritten Episode "Der Wächter" den Erstkontakt der Föderation mit den Ferengi miterleben, weswegen es merkwürdig anmutet, dass diese Spezies bereits fünfzehn Jahre vor dieser Folge menschliche Sklaven an die Sternenflotte veräußert haben soll (vgl. S. 76). Vom Gebrauch längst überholter Geldmittel (vgl. S. 64) will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.
Allein dass Beverly Crusher auf einer landwirtschaftlichen Kolonie geboren sein soll (vgl. S. 283) wurde erst in "Mission ohne Gedächtnis" widerlegt. Laut den Angaben aus der fünften Staffel stammt die Chefärztin nämlich vom Mond.
Die Anachronismen halten sich eigentlich in Grenzen, weswegen es schade ist, dass "Die Kinder von Hamlin" sich die größten Stolpersteine selbst in den Weg legt.
So wirkt es schlichtweg unglaubwürdig, dass ein simpler Code aus sieben Ziffern genügt, um das gesamte Logbuch eines Captains einzusehen (vgl. S. 132). Zudem wird überhaupt nicht darauf eingegangen, dass in der flüssigen Atmosphäre eines Choraii-Schiffes Musik völlig anders als etwa auf der Brücke eines Sternenflottenschiffes klingen müsste (vgl. z.B. S. 132ff., S. 151 oder S. 160). Ferner fehlt es an einer Erklärung, warum die USS Enterprise - an einer Sternenbasis angedockt – die mürrischen Landeier aus Neu Oregonia mit Shuttles an Bord bringen musste (vgl. S. 192). Hat es ihr ebenfalls (für ein Roddenberry-Universum) reichlich anachronistisch anmutende Glaube (vgl. S. 233) ihnen verboten, heidnische Luftschleusen zu benutzen?

Fazit: Für ein so frühes Buch bietet "Die Kinder von Hamlin" erstaunlich hochwertige Unterhaltung. Die Charaktere treffen den Ton, die Handlung ist abwechslungsreich und mit den wirklich fremdartigen Volk der Choraii gelang der Autorin trotz Zeitdruck ein wirklich großer Wurf.
Der allzu offensichtliche Umgang mit der Thematik "Rattenfänger von Hameln", die schwache Übersetzung und vor allem die Logiklöcher, die Carter selbst in ihr Werk riss, mindern die Harmonie dieses Buches etwas. Dennoch bleibt es gerade im Hinblick auf seine Entstehungszeit ein überraschend angenehmer Höhepunkt unter den Frühwerken der TNG-Literatur.

Denkwürdige Zitate:

"Merde."
Jean-Luc Picard, S. 31

"Verschwenden Sie Ihr Glück nicht an uns. Behalten Sie es, Captain Picard. Sie brauchen es sicher dringender als wir."
Commander D'Amelio, S. 70

"Wenn man die Zeit hat, ein Projekt zu einem guten Abschluss zu bringen, so kann man sich ebenso gut die Mühe geben, Großartiges zu leisten."
William T. Riker, S. 102

"Manchmal ist die Verpackung wichtiger als der Inhalt."
Riker, S. 108

"Ich bin nicht gekommen, um zu arbeiten."
Wesley Crusher, S. 177

Bewertung: Eine Vier-Sterne-Melodie.

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Dienstag, 9. Juli 2013

Gespensterschiff

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Buchbesprechung Carey, Diane: Gespensterschiff. Heyne, 1987/1990.

Story: Schwarzes Meer, 1995. Der sowjetische Superflugzeugträger "Gorschkow" pflügt sich majestätisch seinen Weg durch die sauerstoffarmen Wellen des Schwarzen Meeres. Das atombetriebene Schiff repräsentiert den gesamten maritimen Stolz der Großen Vaterländischen Seestreitkräfte. Kein Wunder, denn mit an Bord befindet sich ein hypermoderner Pulsator, der feindlichen, westlichen Raketensystemen im Null-Komma-Nix den Garaus machen kann.
Doch just in dem Moment, in dem Captain Reykow und sein erster Offizier Vasska die neue Wunderwaffe zur Erbauung der mitgereisten Funktionäre ausprobieren, kommt ein riesiges fremdes Wesen auf sie zu. Ehe die beiden Männer überhaupt reagieren können, zerstört es das Schiff, tötet alles Leben an Bord und saugt die Seelen der sterbenden Crew in sich auf. Über dreihundert Jahre fristet die Crew, eingesperrt in ein einsames Gefängnis, eine qualvolle Existenz, bis das mächtige Wesen einen neuen Gegner ins Visier nimmt: Ein frisch eingeweihtes Raumschiff mit der Bezeichnung USS Enterprise NCC-1701-D. Reykow selbst erscheint als körperlose Emanation auf dem fremden Kreuzer, um die frisch zusammengewürfelte Crew zu ermutigen, den Kampf gegen das Wesen aufzunehmen. Doch obwohl die unbekannte Besatzung sogar einen telepatischen Counselor in ihren Reihen hat, gelingt es ihr nicht so recht, zu verstehen, was Reykow und seine gepeinigten Genossen von ihnen wollen.
Wird es dem fremden Captain Jean-Luc Picard gelingen, sie aus ihrem Verlies zu befreien und sie von ihrer grausamen, körperlosen Existenz zu befreien?

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Auf der Suche nach ewigem Frieden für die toten Überlebenden


Lobenswerte Aspekte: "Gespensterschiff" schlägt eine Brücke in eine spannende Phase der Erdgeschichte, die an Filme wie "Jagd auf Roter Oktober", "Hot Shots" oder "Der letzte Countdown" zurückdenken lässt. Im Spannungsfeld zwischen Marine-Romantik, kaltem Krieg und Völkerfreundschaft knüpft es an eine cineastische und literarische Traditionslinie an, die sich bereits mehr als einmal als schlüssiges Verkaufsargument entpuppte.
Warum auch nicht?
In dieser Kombination steckt ja auch eine Menge Potential und nicht von Ungefähr spielt ein Flugzeugträger namens Enterprise eine gewichtige Rolle im vierten Star-Trek-Kinofilm "Zurück in die Gegenwart".
Lesenswert ist dieses Buch jedoch in erster Linie ob der kleineren Details, die biografische Lücken zu den damals frisch eingeführten Charakteren der 'nächsten Generation' schließen. So kann man beispielsweise erfahren, dass Tasha Yar über litauische Wurzeln verfügt (vgl. S. 58), erhält Kenntnis über einen unterhaltsamen dunklen Fleck in William T. Rikers Beförderungsgeschichte (S. 40f.) und stellt überrascht fest, dass Deanna Troi ihren 'Imzadi' Riker in den ersten Folgen nur deshalb 'Bill' nannte, weil sie einem tief in ihr schlummernden Ödipuskomplex anhängt (S. 235f.).
Eben jene Halbbetazoidin, die in der ersten Staffel noch einen schweren Stand bei Schreibern und Altfans hatte, geht als klare Gewinnerin aus diesem Roman hervor. Soviel Platz zur Charakterentfaltung wie in diesem ersten eigenständigen Buch der TNG-Crew hatte die Bordpsychologin jedenfalls in keiner einzigen der sechsundzwanzig Folgen der ersten Staffel. Als Höhepunkt dieses Schaulaufens muss man die ebenso gelungene wie einfühlsame Schilderung ihre Eindrücke beim Kontakt mit fremden Lebensformen bezeichnen (vgl. S. 42).
Die Autorin scheut sich auch nicht, gleich in ihrer Widmung passiv ihre eigenen Fähigkeiten ins rechte Licht zu rücken. Nicht ganz zu Unrecht, denn gerade in technischer Hinsicht könnten sich einige männliche Kollegen der Zunft durchaus eine dicke Scheibe ihrer Fachkenntnis abschneiden, denn Carey gelingt es nicht nur, in simpler Eleganz den Unterschied zwischen Passiv- und Aktiv-Sensoren zu erläutern (vgl. S. 103), sondern beschreibt auch die Besonderheiten bei einer Abtrennung der Untertassensektion während eines Warpflugs so umfassend, dass sie dabei sogar die Kohlen für die fragwürdige Darstellung im Pilotfilm "Der Mächtige" aus dem Feuer holt (vgl. S. 129).
Und wo wir gerade auf dem schmalen Grat zur Metaebene wandeln:
Für einen so frühen Roman, der in der Frühzeit der Serie anzusiedeln ist, besteht der spannendste Teil eigentlich darin, ihre geschickt verpackte Kritik an den zunächst merkwürdig anmutenden Neuerungen dieser völlig vom Original abweichenden Neuinterpretation Star Treks herauszufiltern. Ihren augenzwinkernden Bemerkungen zu den unklaren Rollen des Ersten Offiziers (vgl. S. 25) und des Counselors (vgl. S. 65) sowie der Hautfarbe Datas (vgl. S. 27) treiben selbst den hartgesottenen Next-Generation-Fans die Mundwinkel in Richtung Haupthaaransatz.

Kritikwürdige Aspekte:

Riker: "Ich!?"
Picard: Sie  haben sich zum Dienst gemeldet und Sie sind qualifiziert."
Riker: "Ja, Sir!"
Picard: "Dann tun Sie Ihren Dienst, Commander."


Klingt aggressiv, komisch und fremd?
Dabei ist das keine schlechte Fanfiction! Tatsächlich stammt dieser Wortwechsel aus der noch etwas hölzernen ersten Staffel TNGs. Also aus genau der Ära, in der auch dieser Roman angesiedelt ist. Insofern muss man wohl jenen Stimmen, die diesem Roman unterstellen, dass die Figuren im Umgang miteinander etwas ruppig anmuten, mit gebotener Vorsicht begegnen.
Aber selbst wenn man dieses Zitat aus dem Pilotfilm "Der Mächtige/ Mission Farpoint" als Vergleichswert heranzieht, bleibt festzuhalten, dass das Miteinander der Crew in diesem Buch in wirklich gar keiner Relation zu den gelegentlichen Reibungspunkten früher Folgen steht. Die Figuren und ihr Sozialverhalten sind schlichtweg nicht getroffen. Das lässt sich an ein paar Personen exemplarisch festmachen.

Jean-Luc Picard. Ich kann nicht genau sagen, welche Laus dem Kommandeur der USS Enterprise in diesem Werk über die Leber gelaufen ist, doch der charismatische Franzose wirkt viel zu häufig erschreckend zickig und cholerisch (vgl. S. 23, 34, S. 51, S. 73, S. 81f., S. 83, S. 131, S. 134). Meist geschieht das in Situationen, von denen man als 'alter Hase' genau weiß, dass sich der Captain eigentlich nie so gehen lassen würde. Dadurch verliert seine Autoritätsaura völlig an Leuchtkraft. In der einzigen Situation hingegen, in der man eine härtere Gangart erwartet, enttäuscht dieses lasche Picard-Imitat auf ganzer Linie und reagiert trotz Insubordination und Materialverlust großväterlich sanftmütig (vgl. S. 268ff.). Um die Verwirrung perfekt zu machen, legt er eine erschreckende Mordlust wie Käpitän Ahab auf der Jagd nach dem Weißen Wal an den Tag, die er sich eigentlich für den finalen Kampf gegen die Borg aufheben müsste.
Da kann man als erschrockener Leser seinem Ersten Offizier William T. Riker nur kopfnickend beipflichten, wenn er seinem Vorgesetzen in diesem Zusammenhang vorwirft: "Das klingt nicht nach Ihnen, Sir." (S. 251)

William T. Riker. Was aber nicht bedeuten soll, dass Riker auch nur ansatzweise besser getroffen wäre. Er steht seinem Kommandanten in puncto Stimmungsschwankungen in nichts nach (vgl. z.B. S. 116), verliert sich in sinnfreien Eifersuchtsszenen (vgl. S. 24f) und präsentiert sich erschreckend wehleidig (vgl. S. 25).

Data. Vielleicht sollte man eher 'Lore' sagen, denn der Androide Data entfaltet eine verdächtig breite  Emotionspalette: Von traurig (vgl. S. 116), empfindlich (vgl. S. 228), lächelnd (vgl. S. 243), freudig (vgl. S. 125) bis hin zu grinsend (S. 184) hat man die künstliche Lebensform jedenfalls vor der Aktivierung seines Emotionschips nur selten so sentimental erlebt. Hinzu kommt, dass er scheinbar sogar Schmerz empfinden kann (vgl. S. 31), für einen Androiden eine erstaunliche Tolpatschigkeit an den Tag legt (vgl. S. 201f.) und sogar ein Herz zu besitzen scheint (vgl. S. 201).
So ziemlich alles, was man über das Spitzenprodukt aus dem Hause Soong erfährt, steht im direkten Widerspruch zu den späteren Informationen der Serie. Vor allem der Status als biologische Lebensform, den Carey ihm als Höhepunkt ihres Buches verlieh, hat gar nichts mit dem beliebten Charakter zu tun, der in seinem verzweifelten Streben nach Menschlichkeit erst zum Zuschauerliebling avancierte.

Geordi LaForge. Der blinde Steuermann offenbart sich als extrem angriffslustig und streckenweise sogar persönlich angreifend gegenüber seinem unmittelbaren Vorgesetzten, dem ersten Offizier Riker (vgl. z.B. S. 117f., S. 216 oder S. 227ff.). Das wirkt sogar noch schlimmer und unangenehmer als in der TOS-Folge "Notlandung der Galileo Sieben" – was man tatsächlich als eine ernstzunehmende Leistung interpretieren könnte.
Hinzu kommt eine für LaForge unangemessene Ausdrucksweise, die in dem Satz "Maschine, meine Fresse." (S. 36) gipfelt.  Im englischen Original liest sich das nicht viel besser. Hier muss man sogar von "Machines, my ass." lesen. Den schüchternen und auf Ausgleich bedachten Navigator begleitet kein nennenswerter Wiedererkennungswert.

Man könnte noch weitere Beispiele aufführen, doch der Übersichtlichkeit halber sei nur erwähnt, dass Doktor Beverly Crusher zu controllfreakig (S. 62f.), Worf zu unterwürfig (S. 34f.) oder Wesley zu unselbständig (S. 76ff.) agieren. Die Psychologin Deanna Troi droht sogar mit einem Suizid, sofern die restlichen Führungsoffiziere nicht ihrer Interpretation der Ereignisse folgen (vgl. S. 208). Den fragwürdigen Höhepunkt dieser Figurenvergewaltigung bildet die Gleichsetzung Tasha Yars mit einer Disney-Prinzessin (vgl. S. 152).
Gerade durch den wahren Zickenkrieg, den sich die Besatzung in diesem Werk viel zu häufig leistet, vermag die gut gemeinte Aufopferungsbereitschaft der eher gegeneinander arbeitenden Crew im Licht solcher Umstände nicht so recht seine Wirkung zu entfalten (vgl. S. 128f.)
An dieser Stelle muss ich wohl auch mal mit einer erschreckend weit verbreiteten Legende aufräumen: An vielen Orten (wie zum Beispiel Jeff Ayers' 'Voyagers of Imagination: The Star Trek Fiction Companion') kann man lesen, dass Carey selbst zu Protokoll gab, dass sie dieses Werk geschrieben hätte, noch bevor die Schauspieler gecastet waren und die Serie überhaupt im Fernsehen anlief. Insofern müsste man viel Nachsicht walten lassen.
Wenn das stimmen würde.
Anhand von Textbelegen lässt sich jedoch beweisen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. So deuten Erwähnungen von Personen wie Argyle (vgl. S. 129) UND MacDougal (vgl. S. 135), aber auch die aufgegriffene Ernennung Wesley Crushers zum Fähnrich ehrenhalber (vgl. S. 76f.) sowie Tasha Yars Herkunft (vgl. S. 153) darauf hin, dass ihre Kenntnisse zumindest bis zur sechsten Folge der ersten Staffel ("Der Reisende") reichten. Hinweise auf Deannas Mutter (vgl. S. 64) legen sogar den Verdacht nahe, dass sie es eventuell sogar bis zur elften Folge ("Die Frau seiner Träume") geschafft hat.
Auch die verschiedenen Schauspieler kannte sie bestens und spielt sogar mit diesem Wissen: Die Erwähnungen Sirtis' mediterraner (vgl. S. 110), bzw. griechischer (vgl. S. 65) Herkunft, Crosbys burschikosem Äußeren (vgl. S. 33) oder Stewarts bühnenhaften Tenors (S. 23) wären jedenfalls in der Form gar nicht möglich gewesen, wenn Carey die einzelnen Darsteller nicht in Aktion gesehen hätte.
Natürlich wäre es denkbar, dass die Autorin diese vergleichsweise häppchenartigen Informationen in ihr Werk einfügte, nachdem sie den Hauptteil der Handlung verfasste. Der geringe Umfang und der minimale Einfluss auf das Wesen der einzelnen Figuren sprächen jedenfalls für eine solche nachträgliche Einarbeitung. Doch diese minimalen Schönheitskorrekturen blieben dabei ein Tropfen auf den heißen Stein. Es bleibt festzuhalten, dass dieses Werk viel zu schnell auf den Markt geworfen wurde und dadurch keine große Schnittmenge mehr mit dem Endprodukt der Fernsehserie aufwies. Eine längere Bearbeitungszeit hätte Diane Carey zur Auseinandersetzung mit den einzelnen Charakteren sicherlich gut getan.
Das merkt man spätestens dann, wenn interne Schiffsabläufe thematisiert werden. Schenkt man den Ausführungen Careys Glauben, so muss man kritisieren, dass die Kommandokette auf dem Flaggschiff der Sternenflotte überhaupt nicht funktioniert. Das wird jedenfalls im zweiten Teil des Werkes überaus deutlich.
Picard lässt sich inmitten einer Notsituation zu Selbstversuchszwecken in ein Wachkoma versetzen (vgl. S. 210), während sich sein zweiter Offizier mit einem Shuttle zu Selbstopferungszwecken unerlaubt vom Schiff entfernt (vgl. S. 197ff.) und der Erste Offizier dem Androiden mitten in diesem Kommandovakuum auch noch auf diesen Kamikazetripp folgt (vgl. S. 229). Das Schiff treibt währenddessen schutzlos, energielos und führerlos durch das All, während ein fremdes Wesen nach dem Leben der Crew trachtet und in der kalten Dunkelheit des Weltraums lauert.
Dabei bleiben die Führungsspitze nicht das einzige Beispiel für Mängel in der Schiffshierarchie. Der junge Wesley Crusher zapft unbemerkt über einen Monat hinweg die Antimateriereserven des Schiffes in einem Sperrgebiet an (S. 173ff.) und Data zweckentfremdet während seiner Dienstzeit die Ops-Konsole für private Recherchen mit Sprachausgabe (vgl. S. 32). Die Crew wirkt wie ein anarchischer Haufen egozentrischer Individuen, der sich nicht sonderlich um die Einhaltung von Rangstufen oder Hackordnungen kümmert. Was heutzutage vielleicht irgendwie begrüßenswert und sympathisch klingt, passt aber nicht zur zukunftsorientierten Star-Trek-Ideologie, in der die unbedingte Einhaltung der Kommandostruktur eines Schiffes oder einer Station ein zentrales Merkmal für die Glaubwürdigkeit bedeutet. Stellt man diese wie hier in Frage, vermag sich ein Wiedererkennungsgefühl in irgendeiner Form auch partout nicht einzustellen.
Mehr noch: Es entreißt der philosophisch sicherlich relevanten Frage nach Sterbehilfe, die den Roman eigentlich bestimmen sollte, völlig den Boden und beraubt der gesamten Handlung die Nachvollziehbarkeit.
Passend dazu kulminiert das Buch schließlich in einem widerlich kitschigen Finale, in dem auch noch allen Ernstes und allen Gepflogenheiten der Franchise zum Trotz salutiert wird (vgl. S. 270f.).
Prädikat: Besonders Gruselig!

Übersetzung: Das Unheil kündigt sich bereits mit dem Titel des Buches an:
"Gespensterschiff" liest man da in Großbuchstaben auf dem Cover, obwohl es mit "Geisterschiff" einen ungleich geläufigeren Terminus innerhalb der deutschen Sprache gibt. Zumal innerhalb des Werkes nicht ein einziges Mal von 'Gespenstern', sondern durchweg von 'Geistern' geredet wird (vgl. z.B. S. 77, S. 109 oder S. 194).
Doch der Titel ist erst der Anfang einer wahren Übersetzungszumutung. Norbert Stresau, dem die Übertragung dieses Frühwerkes in die deutsche Sprache oblag, merkt man seine süddeutsche Herkunft umgehend an. Fürchterlich falsch klingende Satzteile wie "Er wollte sich nach der taktischen Konsole umwenden, […]" (S. 24) ", "[...] an der Reserve gehangen ist [...]" (S. 179) oder "[…] machten ihn frösteln […]" (S. 212) verraten seine Herkunft und mindern das Lesevergnügen bei Rezipienten, die sprachlich jenseits des Weißwurstäquators sozialisiert wurden.
Aber auch der verschnörkelte Stil des Textes nervt beim Lesen gewaltig. Beschreibungen wie "Geordi fühlte den Stachel seiner eigenen Hilflosigkeit." (S. 181), "Bittere Wut umwölkte Trois hübsche Augen." (S. 171) oder "Der Androide sah zu ihm auf, eine Bewegung, die Riker durchfuhr wie ein hölzerner Pflock." (S. 167) sind bei gelegentlichem Aufkommen sicherlich eine willkommene Abwechslung, doch ein ganzes Buch voll mit blumigen Umschreibungen wie diesen versetzt den potentiellen Käufer rasch an die Grenzen seiner Leidensfähigkeit. Natürlich ist so eine Stilfrage in erster Linie an den Autoren gekoppelt, doch an diesem Beispiel kann man gut erkennen, was passiert, wenn die Wirkung eines bereits anstrengenden englischen Originaltextes durch die weitaus breitere Ausdruckspalette der deutschen Sprache noch potenziert wird. Im Kontrast mit den äußerst grobschlächtigen Charakteren ergibt das ein zähes Wechselspiel, das ob seiner krassen Brüche den Lesefluss erheblich beeinträchtigt.
Obwohl das allein schon ausreichen würde, patzte Stresau ständig bei den einfachsten Übersetzungen. Stocksteife Übertragungen fern von jeder Sprachrealität prägen das Buch Seite für Seite. Aufgrund der Übersichtlichkeit zähle ich lediglich drei Beispiele von vielen auf, die beim Lesen übel aufstoßen.
So antwortet Picard auf die Türklingel "Ja, wer ist es es?" (S. 171, für "Yes, who is it?"), beendet seinen Satz mit "Fair genug." (S. 185, für die Redewendung "Fair enough.") oder beschreibt den Anblick "[...] mit nacktem Auge […]" (für "with naked eye" statt 'mit bloßem Auge' S. 74). Prinzipiell mag dies für das Englisch-Verständnis eines Grundschülers vielleicht richtig erscheinen, praktisch handelt es sich dabei jedoch nicht unbedingt für ein professionelles Statement eines Übersetzers, der mit seiner Arbeit Geld verdient. Um dieses Armutszeugnis zu komplettieren, muss man sich nur den wahren Zoo vor Augen halten, den die Besatzung bietet: Da wird gefaucht (vgl. S. 238), gebrüllt (vgl. S. 51), geschnaubt (vgl. S. 76), gekrächzt (vgl. S. 131) und gegrunzt (vgl. S. 171) wie sonst nur bei Daktari. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dabei das Bellen, das der Crew besonders häufig in den Mund gelegt wird (vgl. S. 30, S. 70, S. 74, S. 116, S. 121, S. 131, S. 228, S. 244, S. 257, S. 262).

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Da wirkt es beinahe erfrischend, Konstanten der Heyne-Übersetzungsmaschinerie wiederzuentdecken. Doch zusammen mit altbekannten Fehlbezeichnungen wie "Galaxis-Klasse" (S. 24, statt "Galaxy-Klasse"), "Insignienkommunikator" (S. 49, statt "Kommunikator"), oder "Medo-Ingenieur" (S. 82, statt "medizinischer Techniker") tauchen auch noch weitere Begriffe auf, die so selbst in anderen Heyne-Romanen nicht zu lesen sind. So geben merkwürdig anmutende Formulierungen wie die "[...] des medizinischen Föderationskonzils […]" (S. 194), "Warp-Hülle" (statt "Warp-Blase" S. 128) oder "Lebensmittelspender" (statt "Replikator", S. 36) allenthalben ihr Stelldichein.
Komplettiert wird dieses Feld durch die gleichzeitig ebenso typischen, wie unangebrachten Anglizismen á la "Starbase" (S. 40), "Starfleet" (S. 76) oder "Lightshow" (vgl. S. 215), die durch denglische Zwitterübersetzungen wie "Exhaustoren" (S. 143), "Junktor" (S. 155) oder "Antimaterie-Reservecenter" (S. 199) eine fragwürdige Gesellschaft erhalten.
Das Sahnehäubchen bilden allerdings die kleinen Fehlerteufel, denen man innerhalb des Buches des Öfteren begegnet. Abgesehen von fehlenden Anführungsstrichen (S. 158), kommt es auch schonmal vor, dass aus "neunundsiebzig" Prozent (S. 98) nur eine Seite später plötzlich "siebenundneunzig" Prozent (vgl. S. 99) werden. Zudem werden das Siezen und Duzen nicht konsequent beibehalten (vgl. S. 145).
Alles in allem verdient dieses Buch einen Spitzenplatz unter den am schlechtesten übersetzten Star-Trek-Büchern – selbst für Heyne-Verhältnisse. Ich persönlich kann mir das auch nur dadurch erklären, dass der Verlag seinen Übersetzern einem ähnlichen Zeitdruck aussetzte, wie Carey ihn eventuell in den USA erleben musste. Der Werbetext auf der Buchrückseite, der die ab September 1990 jede Woche im ZDF laufende neue Serie "Die nächste Generation" (!) anpreist, lässt diesen Schluss jedenfalls auch für dieses 1990 in Deutschland erschienene Werk zu.

Anachronismen: Eigenlob stinkt.
Diese simple nationale Binsenweisheit hat es scheinbar noch nicht über den Großen Teich geschafft, denn unmittelbar vor dem eigentlichen Beginn der Geschichte beschreibt die Autorin, dass sie aufgrund ihrer guten Quellen jene bei ihrem Publikum ach so beliebte Detailgenauigkeit bei philosophischen, wissenschaftlichen und militärischen Fragen an den Tag legt.
Den Gegenbeweis tritt die Autorin allerdings bereits auf den ersten Seiten an. Dort wird nämlich ein sowjetischer Flugzeugträger namens 'Gorschkow' beschrieben, der 1995 unter mysteriösen Umständen verschwand.
Mittlerweile liegt das Jahr 1995 in unserer unmittelbaren Vergangenheit, und was soll ich sagen?!
Es gab tatsächlich einen Flugzeugträger dieses Namens, der sogar in diesem Zeitraum von einer Explosion heimgesucht wurde!
Allerdings handelte es sich weniger um einen "Flugzeugträger" (S. 67), sondern um einen sogenannten "Flugdeckkreuzer" (durch diese semantische Spitzfindigkeit konnte die Sowjetunion das vertraglich fixierte Durchfahrtsverbot von 'Flugzeugträgern' durch die Dardanellen umgehen). Er gehörte zur "Kiew-Klasse", und nicht zur "Lenin-Klasse" (vgl.S. 8). Es hatte maximal 1665 Mann Besatzung und nicht fünftausend (vgl. S. 224). Es war weder atombetrieben (vgl. S. 8), noch mit MiGs bestückt (vgl. S. 9).
Eigentlich hieß das Schiff zur Entstehungszeit des Romans sogar "Baku" und wurde erst nach dem sowjetischen Marine-Oberhaupt benannt, als Aserbaidschan zusammen mit seiner Hauptstadt in die Unabhängigkeit entlassen werden musste.
Zwar wollte es der Zufall, dass das Schiff 1995 tatsächlich durch eine Explosion außer Dienst gestellt wurde, doch es existiert bis heute und gehört als "INS Vikramaditya" mittlerweile zur indischen Marine.
Aber das konnte Carey 1987 unmöglich ahnen.
Genausowenig konnte sie ahnen, dass die Sowjetunion 1992 aufhören würde zu existieren. Damit wurden dieser Roman und sein gesamter Inhalt urplötzlich hinfällig.
Doch dieser Fehler ist bei Lichte betrachtet ein gängiger Begleiter innerhalb des Star-Trek-Universums. Abgesehen von Chekovs ständigen Einwürfen in der Originalserie, kam es ebenfalls im vierten Kinofilm zu einer Erwähnung Leningrads, obwohl die Stadt seit 1991 in Sankt Petersburg zurückbenannt wurde. Scheinbar muss die Sowjetunion im Star-Trek-Universum irgendwann wie Phönix aus der Asche wiederauferstanden sein.
Also folgen wir doch einmal diesem Anachronismus bereitwillig und nehmen der Bequemlichkeit halber an, dass das mit der Sowjetunion irgendwie so in Ordnung geht (als Veteranen der Eugenischen Kriege dürfen wir uns so etwas erlauben).
Warum zum Teufel fliegen dann die Piloten der gestarteten sowjetischen Kampfjets vom Schwarzen Meer (vgl. S. 8) bis ins Mittelmeer (vgl. S. 18), um auf einem dafür nicht ausgerüsteten amerikanischen Flugzeugträger notzulanden?
Die Piloten (die nicht überlaufen wollten, vgl. S. 71) hätten in der gleichen Zeit problemlos Militärflughäfen auf der Krim, dem ukrainischen bzw. russischen Festland, in Georgien oder den sozialistischen Bruderstaaten Rumänien und Bulgarien (beide waren Mitglied im Militärbündnis des Warschauer Paktes) ansteuern können. Immerhin misst das Schwarze Meer an seiner breitesten Stelle gerade einmal 1.175km, was bedeutet, dass selbst eine MiG-31 (im Buch wird die nie in Produktion gegangene MiG-33 beschrieben, vgl. S. 19) mit einem Einsatzradius von 1.450km bei Unterschallgeschwindigkeit ohne Schwierigkeiten einen der eigenen Flughäfen hätte ansteuern können. Gerade mit ihrem angeblichen Militärfachwissen sollte Carey gewusst haben, dass es den Piloten unmöglich gewesen sein muss, den Luftraum des NATO-Mitglieds Türkei zu durchqueren.
Ebenso wenig konnte Carey damals ahnen, in welche Richtung sich Star Trek im Allgemeinen, und TNG im Speziellen entwickeln würden. So ziehen die angesprochenen Charaktere einen wahren Rattenschwanz an Anachronismen hinter sich her.
So erfährt man, dass Picard ein Marquis ist (vgl. S. 88) und auf Riker ob desses Verweigerungshaltung in puncto Außenteameinsätze neidisch sein soll (vgl. S. 105). Dabei kann man in "Das Pegasus-Projekt"erfahren, dass der Captain der Enterprise Riker genau aus diesem Grund überhaupt als Stellvertreter ausgewählt hatte.
Auch Geordi LaForge und dessen Visor verführten Carey zu unvorsichtigen Äußerungen. So kann man in diesem Buch lesen, dass dem Navigator das Tragen seiner Sehhilfe unablässige Schmerzen beschert (vgl. S. 87), dass er zu einem erlauchten Personenkreis von lediglich vier Sehbehinderten gehört, die überhaupt mit einem solchen Gerät umgehen können (S. 86) oder dass er das Gerät mehrmals am Tag abnehmen muss, um Erschöpfungszuständen zu entgehen (S. 87). Das steht natürlich in akutem Widerspruch zu später ausgestrahlten Episoden, in denen der Umgang mit Geordis Behinderung viel weiter in den Hintergrund gerückt wurde und seine Prothese zu einem Alltagsgegenstand wie etwa eine Brille verklärt wird.
Einer ähnlichen Entwicklung sah sich auch Worf ausgesetzt. Als Ursache für die Tatsache, dass er im Gegensatz zu seinen Ahnen der Originalserie Stirnwülste trägt, gibt Carey eine klingonischen Säuberungsaktion an (vgl. 34). Dank "Immer die Last mit dem Tribbles" oder dem Enterprise-Zweiteiler "Die Heimsuchung/ Die Abweichung" weiß der Star-Trek-Fan das heute natürlich besser. Aber schon nach der ersten Staffel TNG mit all ihren Fehlern, hätte man sich denken können, dass Rikers Notlüge, ausgerechnet der grummelige Klingone hätte eine wissenschaftliche Lösung für das Problem gefunden, nun wirklich keinen abtrünnigen Androiden aus seinem Versteck locken würde (vgl. S. 242).
Verwunderlich stimmt auch, dass Deanna Troi nicht mit der Silhouette eines Flugzeugträgers vertraut sein soll vgl. S. 57). Immerhin zierte ein vergoldetes Modell eines solchen Schiffes bereits seit Beginn der Serie den Besprechungsraum, in dem auch der Counselor mehrfach zu sehen war.
Wie aber bereits angemerkt, ist die Person, mit der das gesamte Buch fällt, der Androide Data. Er ist das völlige Gegenteil zu dem, was ihn in der Fernsehserie ausmacht. Seine Darstellung ähnelt eher kybernetischen Lebensformen wie den Borg (vgl. z.B. S. 198f). Bedenkt man allerdings, wie wenig den assimiliationsfreudigen Halbmaschinen im achten Kinofilm "Der erste Kontakt" das Plasmakühlmittel vertrugen und wie glimpflich Data im Vergleich zu ihnen davonkam, wird rasch klar, wie unnötig weit sich Carey mit ihrem Behauptungen aus dem Fenster lehnte.
Außerdem verwundert es natürlich schon, dass Geordi angeblich mit seinem Visor künstliche Lebensformen wie Soong-Androiden erkennen kann (vgl. S. 35f.). Immerhin gelang es ihm nicht, in "Soongs Vermächtnis" Datas Mutter Juliana Tainer als positronische Kopie zu enttarnen.
Ferner bleibt auch die Aussage, Datas Status als Lebensform und damit auch seine Befähigung, auf die Sternenflotte zu gehen, sei von Maschinen getroffen worden (vgl. S. 167), wird spätestens in "Wem gehört Data?" widerlegt, in der man erfahren kann, dass eine Kommission unter Beteiligung Bruce Maddox über die Einordnung Datas in die Gesellschaft entschieden hat.
Besonders schade fand ich persönlich, dass Carey mit dem Selbstgespräch Datas (vgl. S. 201) einen heimlichen Höhepunkt der Folge "Die Verschwörung" vorwegnahm.



Data blieb jedoch nicht der einzige technologische Aspekt, dessen Wesen sich der Autorin verschloss. So funktioniert Holo-Technologie schlichtweg nicht auf die beschriebene Weise (vgl. S. 49f.) und würden Kommunikatoren tatsächlich auf diese Weise auf ihren Träger kodiert sein (vgl. S. 201), so wären verschiedene Entwicklungen in Folgen wie "Terror auf Rutia IV", "Erwachsene Kinder" oder "Renaissance Mensch" überhaupt nicht möglich gewesen.
Während man darüber sicherlich hinwegsehen könnte, ist die Verwendung von "Warp zehn", "Warp zwölf" oder "Warp vierzehn Komma neun" (vgl. S. 94) im Hinblick auf die Einführung einer neuen Warpskala im Zuge der neuen TV-Serie schon harter Tobak.
Natürlich sind das alles Anachronismen, die sich erst später im Widerspruch zu diesem Buch entwickelten. Carey, der die undankbare Aufgabe zukam, das erste eigenständige TNG-Buch zu schreiben, war sicherlich einem immensen Zeitdruck ausgesetzt.
Ja mehr noch!
Vergleicht man ihre Interpretation mit den Informationen aus der zweiten TNG-Episode "Gedankengift", so muss man ihr sogar zugestehen, dass ihre Beschreibungen – mit Abstrichen - durchaus den dort gegebenen Informationen entsprechen. Schon allein, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, dass Data dort einer ansteckenden Krankheit zum Opfer fällt, machen die hiesigen Angaben zu Datas organischen Komponenten sogar Sinn. Allerdings erfreut sich diese Folge gerade wegen ihrer unpräzisen Einschätzungen im Hinblick auf spätere Entwicklungen nicht ganz zu Unrecht nur wenig Beliebtheit unter den Fans der Serie.
Das Gleiche ließe sich auch über das Buch sagen.
Einen letzten Anachronismus muss ich an dieser Stelle, die eigentlich das perfekte Ende für diesen Abschnitt bilden würde, aber noch kritisieren. Das schlecht getroffene Schiff auf dem Cover (das in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches steht) ist tatsächlich frech aus "Kampfstern Galactica" geklaut, obwohl im Text explizit erwähnt wird, dass Data eben kein 'Toaster' sei (vgl. S. 32).

Fazit: "Gespensterschiff" bietet ein gutes Beispiel dafür, warum Bücher nicht zum offiziellen Kanon gezählt werden. Autorin Diane Carey versuchte zwar wirklich redlich, Lücken zu füllen und Widersprüche aufzuklären, doch der Lauf der Zeit hat dieses Werk längst links liegen gelassen. Zu groß muten die Lücken zur eigentlichen Serie mittlerweile an, als dass dem Buch noch größere Aufmerksamkeit zuteil werden sollte. Doch wäre dies das einzige Problem, so wäre es immerhin noch ein nettes Zeitdokument, doch weitere eklatante Schwächen prägen dieses Werk.
Carey gelingt es nicht, die Figuren auch nur annähernd zu treffen; geschweige denn die Parameter der noch jungen Serie in ihrem Wesen zu erfassen. Ihr Schreibstil steht in einem viel zu großen Widerspruch zu den grob gezeichneten Charakteren. Hinzu kommt eine der schlechtesten Übersetzungsleistungen, die der Heyne-Verlag seinen Lesern je zumutete.
Wer also wirklich wissen will, wie schlimm sich die Qualen der sowjetischen Schiffsbesatzung in nie enden wollender Pein anfühlen müssen, braucht nur dieses Buch bis zum bitteren Ende zu lesen, um einen guten Eindruck davon zu erhalten. 

Denkwürdige Zitate:

"Erlaubnis erteilt, sich nicht in einem fort entschuldigen zu müssen, Counselor."
Jean-Luc Picard, S. 56

"Ziemlich fähige Puppe. Biene? Hase? Maus? Frauenzimmer? Weibsbild?"
Data, S. 60f.

"Captain, was soll ich eigentlich auf diesem Schiff, wenn Sie nicht auf meine Ratschläge hören?"
Deanna Troi, S. 93

"Null Problemo."
Data, S. 114

"Picard... verdammt soll er sein."
William T. Riker, S. 115

"Werfen wir die Perlen aus und sehen zu, ob die Sau uns folgt."
Jean-Luc Picard, S. 136

"Das ist ein Raumschiff, kein Spielplatz, Wes."
Geordi LaForge, S. 176

"Wenn ich mich mit solch bleichen ethischen Problemen hätte herumschlagen wollen, wäre ich Priester geworden."
Jean-Luc Picard, S. 187

"Sie behandeln mich noch immer wie ein Kind, obwohl ich auf der Brücke bin."
"Sie sind deshalb auf der Brücke, weil ich es so entschieden habe, und nicht, weil Sie es verdient haben. Ihr Talent sprengt den Rahmen Ihrer Weisheit, junger Mann. Früher oder später werden Sie die unangenehme Tatsache akzeptieren müssen, daß die Erfahrung der Leute um Sie herum mehr wert ist, als Ihre Begabung, und daß Sie, wie jedermann sonst auch, abwarten müssen, bis die Reihe an Sie kommt. Und nun denken Sie an Ihren Rang, halten Sie den Mund und und folgen Sie mir in den Maschinenraum, wo Sie Ihre Gaben einsetzen und den anderen erlauben werden, dasselbe zu tun."
Wesley Crusher und Jean-Luc Picard, S. 255

Bewertung: Eine Grenzerfahrung.

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Samstag, 15. Juni 2013

Der unsichtbare Gegner

Buchbesprechung Mitchell, Victoria E.: Der unsichtbare Gegner. Heyne, 1990/1995.


Story: Die gewohnten Betriebsabläufe an Bord der USS Enterprise NCC-1701 geraten ein wenig aus den Fugen, als der erste Offizier Spock im Zuge einer Konferenz die heimischen Stahlwände des familiären Raumschiffs verlässt. Just in dieses Vakuum fällt eine komplizierte diplomatische Mission, die die gesamte Crew an ihre Grenzen stoßen lässt.
Allerdings liegt das weniger an der eigensinnigen Kaldorni-Delegation, sondern vielmehr an der Frau des irdischen Botschafters, mit der Kirk vor mehr als fünfzehn Jahren eine intensive körperliche Beziehung teilte. Schnell wird dem argwöhnischen Captain bewusst, dass sie ein doppeltes Spiel betreibt.
Doch zu allem Überfluss hat sich mit den fremden Gesandten noch ein weiterer Unruhestifter auf das Schiff gesellt. Ein katzenartiger Formwandler sabotiert mehrfach das Schiff, ermordet unschuldige Passagiere und hinterlässt mentale Schreckensvisionen bei einem deltanisch-menschlichen Besatzungsmitglied. Die junge Janara Whitehorse ist jedoch nicht nur das Opfer dieses psychologisch-telepathischen Terrors, sondern auch die Tochter jener Frau, mit der Kirk dereinst das Bettlager teilte...

Lobenswerte Aspekte: Endlich wieder ein guter, alter Heyne-Roman! Frei nach dem Motto "Kann sich jemand an die Zeit erinnern, als wir noch Forscher waren?" darf man auf den 347 (!) Seiten wieder fremde Welten erforschen, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Da kann man die fragwürdigen Errungenschaften des Abramsverse oder die blutrünstigen Entwicklungen im Destiny-Dreiteiler mal gepflegt auf die lange Bank schieben und ein Buch genießen, dass noch so funktioniert, wie eine klassische Folge der Originalserie:
Ein Anfang aus Off und ein Ende ohne Relevanz.
Dazwischen ein paar nette Gedanken aus der Welt der Science Fiction, die dem Star-Trek-Universum auf den Rücken gebunden wurden wie der Katze das Marmeladenbrot.
In diesem Fall hat sich die Autorin Victoria "V.E." Mitchell insbesondere um die besonders fremdartig wirkenden Kaldorni bemüht.
Und die mimen endlich einmal eine rätselhafte Rasse, die eben nicht so viele Parallelen zur westlich-modernen Menschenwelt bietet, dass man sich darin problemlos wiederfinden kann. Stattdessen bieten sie ein schwer zu entwirrendes Knäuel an undurchschaubaren Ritualen, streng organisierten Kasten sowie andersartigen Anschauungen. Dennoch bleibt der Kulturkreis in seiner inneren Logik stets nachvollziehbar und gerade dadurch spannend.
Ähnliches Gewicht wird den viel zu selten thematisierten Deltanern verliehen. Die haupthaarfreie Spezies erhält durch diesen Roman einen viel breiteren Hintergrund, als man es aus dem ersten Kinofilm gewohnt ist. Im Kontext eines Buches funktioniert auch dieser weitreichende Einblick reibungslos.
Das nächste große Plus ist, dass dieses Werk wie ein klassischer Kriminalroman aufgebaut ist. Auf spannende Art wird der Leser in dessen Bann gezogen, auf falsche Bahnen gelenkt oder in die Gedankenwelt des Täters getunkt.
Bei dieser Vielzahl von Brandherden schafft es Mitchell aber immer wieder, dem Leser unter Beweis zu stellen, dass sie nicht nur ein fesselndes Buch basteln kann, sondern sich auch mit der Materie 'Star Trek' blendend auskennt. Referenzen auf Sulus Botanikfachwissen, Erwähnungen des Lebenserhaltungsgürtels, den man aus TAS kennen könnte oder die Anmerkung zu Miranda Jones künden deutlich von der Fachkenntnis der Urheberin.
Besonders Kirk-Fans wird das Buch freuen, denn mehr als sonst bildet der charmante Captain Dreh- und Angelpunkt eines ganzen Buches. Das gereifte Schiffsoberhaupt muss sich mit den Fehlern seiner wilden Vergangenheit auseinandersetzen (vgl. S. 36ff.), darf seine Neigung zur Polygamie austesten (vgl. S. 220ff.) und rückt vor allem durch die Abwesenheit Spocks in den Fokus der Aufmerksamkeit.
Damit einher geht auch der überraschend offene Umgang mit Erotik. An gleich mehreren Stellen werden Szenen beschrieben, die man in einem amerikanischen Roman so gar nicht erwartet hätte und den Star-Trek-Verhältnissen entsprechend beinahe pornografisch anmuten. Vom 'Skandal' in "Was summt den da?", in dem Kirks Stiefelanziehen dezent den vorherigen Koitus nahelegte, ist dieses Buch ungefähr so weit entfernt, wie "Sissi" von "Emanuelle".



Kritikwürdige Aspekte: Oh nein, nicht schon wieder ein Heyne-Roman! Vorbei die Zeiten clever ineinander verzahnter Handlungsstränge, mitreißender Entwicklungen und gefühlvoller Charakterszenen. Stattdessen erwartet den Leser eine mäßig konstruierte Geschichte mit einer einzigen Haptfigur:
James Tiberius Kirk.
Das Ganze präsentiert sich zudem ohne sonderlich erwähnenswerten Witz, Charme oder gar Einfühlungsvermögen wie etwa der Satz "Innere Gewalt erleichterte es ihm sich zu beherrschen." (S. 119) tatkräftig unter Beweis stellt.
Wie jetzt?
Ein Kirk, der vor seinem inneren Auge die eigenen Untergebenen verprügelt, wenn die nicht schnell genug seinen Befehlen Folge leisten?
Vor allem wenn man bedenkt, dass er diese Art Gedanken gegenüber seiner einstigen Gespielin hegt, muss man unweigerlich irgendwie an "Fifty Shades of Gray" denken. Also definitiv nichts, womit man Star Trek kreuzen sollte. 


 
Grau, aber ungleich weniger schattiert, kommen die anderen neu eingeführten Figuren des Buches daher. Kirks Ex-Betthupferl ist in etwa so vielschichtig und aufsehenerregend wie eine unbeschmierte Scheibe Brot. Ihre Tochter Janara erscheint nach den Ausführungen Mitchells wie eine Paraderolle für Kristen Stewart und so wie der Deltaner Tenaida beschrieben wird, markiert er auch nur eine Art frisurfreien Platzhalter für den abwesenden Ersten Offizier vom Planeten Vulkan. Wozu Spocks temporärer Ersatz Patrick Brady überhaupt an Bord geholt wurde, wird wohl das ewige Geheimnis der Autorin bleiben. Es gelingt dem Charakter jedenfalls nicht, irgendwelche Rechtfertigungen zu liefern. Genauso wenig gelang es Mitchell, die anderen Charaktere wie N'Gelen t'Stror Klee, Kristiann Norris oder gar Srrawll Ktenten mit Leben oder einer angemessenen Schreibweise zu füllen. 
 
Vorwerfen muss man ihr vor allem aber, dass sie auf gleiche Weise mit den altbekannten und beliebten restlichen Crew verfährt. Zuweilen darf Pille ob der vielen Verletzungen und Morde etwas zu Wort kommen, doch die anderen Besatzungsmitglieder wie Scotty, Uhura oder gar Sulu sind in diesem Werk zu bloßen Statisten verkommen.
Sobald jedoch mal irgendjemand zu Wort kommt, entstehen mehr Fragezeichen, als in einem Kriminalroman normalerweise üblich. Oder, um es mit der Stimme der Expertise zu sagen:

"Es gibt zwei Sorten von Menschen, die darüber nachdenken, wie man am besten Leute tötet: Psychopathen und Krimiautoren.
Ich gehöre zur besser bezahlten Sorte.
"

Zieht man diese weisen Worte aus dem Intro der Krimi-TV-Serie Castle an dieser Stelle einmal als Maßstab heran, kann man Mitchell immerhin zugestehen, dass sie definitiv keine Psychopathin ist.
Genauso wenig dürfte sie aber auch zu besser bezahlten Sorte gezählt werden, denn man kann ihr beim besten Willen nicht unterstellen, sich allzu lange mit dem Nachdenken über einen Mord beschäftigt zu haben.
Die gestaltwandelnde Superkatze begeht jedenfalls so oft am Stück die selben Fehler, dass man sich schon ernsthaft fragen muss, wie sie überhaupt so nah an ihre Beute gelangen konnte, ohne dass selbst telepathisch unbegabte Zeitgenossen sie umgehend enttarnt hätten. Mindestens ebenso inkompetent wirkt aber auch Chefermittler Kirk, der trotz deutlicher Beweise den Täter unbeobachtet auf dem Schiff sein Unwesen treiben lässt (vgl. S. 298f.).
Ja nicht einmal die Handlung ist wirklich stimmig. Woher weiß denn bitteschön Pille auf Seite 125, dass Montoya bereits gegangen ist? Oder habe ich etwas wirklich Überraschendes verpasst und der rüde Südstaatenmediziner ist der wahre Täter?
Neben eindeutigen Schwächen bezüglich der Figurenmotivation und der inneren Logik (vgl. dazu auch die unsinnige Erklärung zu personalisierten Phasern auf S. 319) verwundert der diplomatische Stil Kirks: Er verhandelt zwar mit dem Chefdiplomaten der Föderation sowie den Kaldorni, doch die andere echte Konfliktpartei, die Beystohn, scheinen wie der größte Teil der aufgeführten Personen nur eine Statistenrolle inne zu haben.

Übersetzung: Liest man ein Heyne-Buch, dann grüßt auch immer wieder das Murmeltier. Neben englisch belassenen Begriffen wie "Starbase" (S. 7) oder "Starfleet" (S. 7) findet man auch immer wieder Bezeichnungen, die immerhalb der deutschen Synchronisation völlig anders lauteten: So wird aus der guten alten 'Föderation' plötzlich die "Liga Verbündeter Planeten" (S. 9; Nanu, was ist denn mit dem 'galaktischen Völkerbund' passiert?!), "Synthetisierer" (S. 25, statt 'Nahrungsverteiler') oder das Wort "terranisch" (vgl. S. 16), das hierzulande eigentlich dem Spiegeluniversum vorbehalten ist.
Daneben finden sich wieder merkwürdige Kombinationen, die sich schon beim Lesen so falsch anfühlen, dass man aufschreien möchte. Neben "Erg-Zellen" (S. 268) sind das vor allem die viel zu vielen Kombinationen mit "Medo-", die den Hirnwindungen des Rezipienten Ärgerfalten bescheren: "Medo-Team" (S. 144), "Medo-Daten" (S. 261), "Medo-Apparatur" (S. 307), "Medo-Scanner" (S. 315) oder gar "Medo-Untersuchung" (S. 326).
Als ob das nicht schon genug Qualen wären, straft die Übersetzung den heutigen Leser mit antiquierten Vokabeln wie "Datenkassette" (S. 18), tapsigen Übernahmen wie "Memoriale Chips" (S. 105) oder unpassenden Berufsbezeichnungen wie "Diätiker" (vgl. S. 23). Um das Grauen abzurunden darf natürlich auch in diesem Buch das dämliche Zauberwort "desaktivieren" nicht fehlen (vgl. z.B. S. 74, S. 211 oder S. 248). Zudem vermisste ich im "Zölibateid" (S. 32) schmerzlich das Füge-s.
Ansonsten ist an dieser Stelle mal Lob angebracht. Der frühere Haus- und Hof-Übersetzer des Heyne-Verlags Andreas Brandhorst schafft es tatsächlich einmal, dem Siezen in einem Buch einen tieferen Sinn zu verleihen (vgl. S. 121). Die verstockten Rituale der dickköpfigen Kaldorni harmonisieren jedenfalls prächtig mit der Höflichkeitsform, die es im Englischen gar nicht gibt. Dennoch ist auch hier die Kritik durchaus angebracht, dass Brandhorst etwas zu häufig in den Originaltext eingreift, um diesem Eingriff seinerseits Rechtfertigung zu verleihen.

Anachronismen: Bücher aus dem Hause Heyne lassen sich nicht gerade oft in die offizielle Zeitlinie eingliedern. Selbst wenn dem Roman eine Bemerkung wie „Historischer Hinweis. Das hier geschilderte Abenteuer findet kurz nach den Ereignissen statt, über die in STAR TREK: Der Film berichtet wurde.“ (S. 6) vorgesetzt wurde, muss das nicht zwangsweise auch bedeuten, dass sich die Autorin an diese Maßgabe hält.
Sicher: Rand ist Transporteroffizier, Chapel bekleidet den Rang eines Doktors und Deltaner werden als Besatzungsmitglieder geführt. Aber warum beachtet niemand, dass Kirk den Rang eines Admirals bekleidet (vgl. S. 7, S. 8. S. 9) oder dass die Uniformen nicht mehr die frohe Farbenvielfalt bieten, die man hier noch miterleben kann (vgl. z.B. S. 160).
Aber auch einige technische Details erschließen sich während des Lesens nicht. So können die deltanischen Crewmitglieder untereinander für Außenstehende unverständliches Deltanisch sprechen (vgl. S. 177). Ebenso merkwürdig mutet es an, dass in der Turnhalle die Gravitation verändert werden kann (vgl. S. 141ff.), während dies in der Quartieren der kaldornischen Gäste völlig unmöglich sein soll (vgl. S. 28).
Auch die Erwähnung von Geldverkehr (vgl. S. 121 oder S. 253) hätte man sich sparen können.
Ein wenig zu utopisch für das Star-Trek-Universum ist außerdem die erwähnte Biofabrikatortechnologie (vgl. S. 97). Doch wenn man um die Transwarp-Transportertechnologie des Abramsverse weiß, blättert man wahrscheinlich ohnehin nur milde lächelnd weiter. Lediglich die auf Formwandlung bezogene Aussage, Kirk hätte "[...] noch nie von einem Geschöpf gehört, das solche Dinge mit derartiger Mühelosigkeit vollbringen konnte." (S. 279) ist dahingehend hochgradig zweifelhaft: Immerhin hatte der Kommandant der Enterprise bis zum ersten Kinofilm sogar mit eigenen Augen gesehen, wie Garth von Izar, Isis oder Korob und Sylvia die im Endeffekt recht mühevolle Transformation der Mörderkatze mühelos übertrafen.
Für einige Anachronismen konnte Mitchell freilich nichts. So war ihr die riesige Küche, die man im sechsten Kinofilm "Das unentdeckte Land" so prominent sehen konnte, natürlich nicht bekannt. Ansonsten wären dem Buch ja auch einige Passagen entgangen, die witzig gemeint sein sollen (vgl. S. 220ff.). Ebenso wenig dürfte dieser Satz in seiner Fehlerhaftigkeit im Jahr 1990 aufgestoßen sein:

"Um ganz ehrlich zu sein, Captain: Die Enterprise kümmert sich nur um die Hälfte des besagten Verkehrs in diesem Quadranten." (S. 9)

Schließlich waren Serien wie Deep Space Nine oder Voyager, die die Aufteilung der Milchstraße in Quadranten propagierten, noch Quark im Schaufenster.
Mit all diesen Fehlern kann man sich zur Not ja arrangieren, doch ein Schlüsselmoment des Romans gibt tatsächlich Anlass zu Sorge. Auf dem Höhepunkt der Spannung erfährt der Leser nämlich en detail, wie böse und hinterhältig Personen sind, die gegen den Willen anderer Gedanken lesen, Emotionen aufnehmen oder mentale Barrieren durchbrechen. Diese Rechte sind laut diesem Buch sogar im Grundgesetz der Föderation fest verankert (vgl. S. 192)!
Vernünftige Idee, mögen die Einen meinen.
Widersprüchlicher Schwachsinn, sage ich!
Im Jahr 1990 dürfte die Amerikanerin Victoria Mitchell von einer frischen, topaktuellen Serie gehört haben, die damals seit knapp drei Jahren im Fernsehen lief. Sie hieß "Star Trek: The Next Generation".
In den ersten drei Staffeln war dort bereits ein Schiffscounselor namens Deanna Troi zu sehen, die innerhalb des Serienkonzeptes eine spannende Rolle einnahm: Die Empathin bewahrte die USS Enterprise NCC-1701-D mehr als einmal vor der Zerstörung, indem sie die Intentionen fremder Raumschiffkommandanten telepathisch (in diesem Fall empathisch) in Erfahrung brachte.
Glaubt man hingegen diesem Buch, so kann man mit seiner Hilfe fortan im Wortlaut jene Gesetzestexte zitieren, laut derer Trois Handeln explizit als strafbar bezeichnet wird. Gäbe es derartige Grundrechte also tatsächlich, so wäre die logische Schlussfolgerung, dass es sich bei Deanna Troi um eine hinterhältige Kriminelle handelt. Folgt man den Schilderungen weiter, so ergibt sich, dass selbst Picard als Urheber von Befehlen, die jegliche Privatsphäre anderer Personen negierten, eine Mittäterschaft unterstellt werden müsste, die sein Kommando in Frage stellen würde.
Wie unsinnig diese schlecht erfundenen Gesetze sind, kann man spätestens ab dem Punkt erkennen, an dem Janara Whitehorse in die Rolle Deanna Trois schlüpft (vgl. S. 244f.) und Befehlen folgt, deren Illegalität ihr völlig bewusst ist (vgl. S. 199ff.). In diesem Moment widerspricht das Grundgesetz zu Telepathie aber nicht nur der ohnehin dürftigen inneren Logik des Buches, sondern auch der Wirklichkeit innerhalb Star Treks.

Fazit: Der Roman mit dem Titel "Der unsichtbare Gegner" glänzt durch seine Zentrierung auf Kirk, seine Spannung, und seinem offenen Umgang mit Sex. Besonders die vielen Zusatzinformationen, die man über die vermeintlich bekannten Deltaner und die neu eingeführten Kaldorni erhält, lohnen die Anschaffung.
Doch der wahre unsichtbare Gegner der Autorin sind die Zeichnung überzeugender Charaktere, das Konstruieren von nachvollziehbaren Motivationen ihrer Figuren sowie das Aufrechterhalten der inneren Logik. Auf der letzten Seite angekommen bleibt dieses Buch vor allem wegen seines Bruchs mit der Star-Trek-Wirklichkeit weit hinter seinem starken Auftakt zurück und verliert sich in seinen eigenen Ansprüchen: Es ist weder ein Roman nach der ersten Kinofilm, noch ein gelungener Krimi und schon gar kein Stück Star Trek, dass zwischen der Originalserie und dem nächsten Jahrhundert Bestand hätte.

Denkwürdige Zitate:

"Genau das braucht die Enterprise: Eine Art elektronischen Vulkanier."
Pille, S. 11

"Assistent: Hast Du auch die Möglichkeit eines Mordes berücksichtigt?"
Kirk, S. 41

"Ein interstellares Playgirl – und eine Agentin obendrein. Ich dachte, so was gibt’s nur in Krimis oder so."
Kirk, S. 282

Bewertung: Thema verfehlt.


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