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Montag, 19. Oktober 2009

Der letzte Schachzug

Buchbesprechung Ford, John M.: Der letzte Schachzug. Heyne, 1984/1988.

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Story: Die Klingonische Gesellschaft ist für Menschen schwer zu verstehen. Auf der einen Seite von dekadenten Adeligen geführt, kontrolliert ein starker Geheimdienst die Bevölkerung. Dem Tod wird nicht, wie etwa auf der Erde üblich, mit Angst oder Trauer begegnet und die gesamte Existenz einzelner Individuen kann mit dem großen Spiel, dem entfernt Schach ähnelnden komerex zha gleichgesetzt werden.
Vrenn, ein junges Waisenkind, ist ein ausgezeichneter Klin-Zha-Spieler und wird nach überwältigenden Erfolgen vom unumstrittenen Großmeister dieser Disziplin adoptiert. Im mondänen Wohnsitz des Generals Kethas lernt Vrenn die Feinheiten des Spiels genauer kennen und reift zu einem versierten Taktiker heran.
Schon rasch nach Antritt seines Militärdienstes steigt er in rasantem Tempo die Karriereleiter empor und als er ein eigenes Kommando angeboten bekommt, wähnt er sich am Ziel seiner Träume angekommen. Doch die Sache hat einen Haken: Der Preis für sein erstes eigenes Schiff ist der Verrat an seinem Ziehvater Kethas.
Aber Krenn, wie sich der junge Captain nun nennt, ist bereit, dieses Opfer zu bringen und rasch wird er zu einem der erfolgreichsten Kommandanten der Flotte. Kein Wunder also, dass man ihm einen besonderen Auftrag übergibt: Mit einem Kreuzer, dessen Waffensysteme deaktiviert sind, soll er in das Gebiet der Föderation fliegen, und den ersten Diplomaten der Menschen nach Qo'noS geleiten.
Obwohl er mit Argwohn an diese Aufgabe geht und die Mission durch ein nahe stehendes Besatzungsmitglied fast in einem Fiasko endet, knüpft Krenn freundschaftliche Bande zu dem außergewöhnlichen Menschen. Als er ihn nach Jahren wieder zur Erde bringen soll, bedauert er diesen Schritt zutiefst.
Doch die diplomatische Reise bringt mehr Erkenntnisse als gedacht, denn sowohl auf der Seite der Sternenflotte, als auch auf der der Klingonen sind Kräfte am werkeln, die dem brüchigen Frieden ein Ende setzen wollen...

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butlh ghajbogh nuv'e' yIHo'

Lobenswerte Aspekte: Wenn man bedenkt, dass dieses Buch bereits 1984 auf dem amerikanischen Büchermarkt auftauchte, kann man eigentlich nur anerkennend mit der Zunge schnalzen.
Schon allein die Idee, einen Roman im Roman zu schreiben, ist für diese Pionierzeit der Star-Trek-Romane herausragend, vor allem dann, wenn man sich einmal vergleichend andere zeitnahe Publikationen wie "Das Klingon-Gambit" oder "Das Netz der Romulaner" ansieht. Das Werk ist sinnvoll in verschiedene Teile gegliedert und deren Einleitung mit klingonischen Sinnsprüchen passt sich gut in die laufende Handlung ein.
Gewagt, aber überaus gelungen ist der Schachzug, Kirk, McCoy und Spock zu Nebenfiguren einer inhaltlich und zeitlich völlig abweichenden Handlung zu degradieren, wobei kleinere und größere Referenzen innerhalb des Klingonenen-Romans auf Pille (vgl. S. 187ff.) oder Spock (vgl. S. 203ff.) immer mal wieder die eigentlichen Helden ins Gedächtnis zurückrufen. Doch gerade die Tatsache, dass Crewmitglieder der Enterprise nur genutzt werden um die eigentlichen Story einzuleiten (vgl. S. 7ff.), um sie mit nichts weiter als einem Logbucheintrag Kirks zu beenden (vgl. S. 329f.), macht diesen Roman so besonders und zu einem Vorreiter von eigenständigen Romanserien wie Peter Davids Reihe "Die neue Grenze", denn die Entwicklung unabhängiger Charaktere auf diese Weise darzustellen, eröffnet neue Perspektiven.
Dabei soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass sich dieses Werk von seinem Original entfernen würde - ganz im Gegenteil! Mit Verweisen auf Triskelion (vgl. S. 29), saurianischen Brandy (vgl. S. 127) oder den klingonischen Teufel (vgl. S. 266) wird einfühlsam und subtil auf TOS-Epsioden wie "Meister der Sklaven", "Kirk:2=?" oder "Das Gleichgewicht der Kräfte" verwiesen, ohne sich in quälenden Endlos-Rückblenden zu verlieren. Besonders beeindruckend ist die Integration Carter Winstons in die Geschichte (vgl. S. 286ff.), da mit seinem Auftritt auch dem Trickfilmableger TAS ein Platz im Reigen der offiziellen Quellen zuteil wird.
Schließlich sind auch der ironische Umgang mit vorhersehbaren Handlungselementen (vgl. S. 172), die augenzwinkernde Betrachtung von Demonstrationskultur auf der Erde (vgl. S. 176) und die Erwähnung von Schiffen der Mann-Klasse (vgl. S. 147), der Rickenbakker-Klasse (vgl. S. 157) und der Baton-Rouge-Klasse (vgl. S. 214) berücksichtigt die "Star Trek Spaceflight Chronology", die zur damaligen Zeit noch als Standardwerk für das Star-Trek-Universum galt, und erst im Laufe von TNG bedeutungslos wurde.

Kritikwürdige Aspekte: Auch wenn Kirk anders denken mag, und Spock "[...] fast zweihundert Kopien [...]" (S. 329) des Buches für die Schiffsbibliothek der USS Enterprise bereitstellte, hält dieses Werk bei weitem kein inhaltliches Feuerwerk bereit. Die Handlung ist mäßig, die Figuren sind nicht immer überzeugend und die Namenswelt im Deutschen etwas gewöhnungsbedürftig: Über einen "Kothke" (vgl. S. 92) kann man vielleicht, ab einem gewissen Reifegrad noch hinwegsehen, doch warum ein Manager ausgerechnet "Akten" (S. 33) heißen muss, ohne dass man den Namen durch eine Schriftanpassung etwas abhebt, bleibt ein Geheimnis des Romans.
Noch mysteriöser die unverständliche Moral. Natürlich geht es, wie es Mitte der achtziger Jahre 'hip' war, um Atomwaffen und das Gleichgewicht des Schreckens, doch der viel zu umständliche Weg, um diese Balance zu erhalten, verzerrt die Lehre, die der Leser aus der Handlung ziehen soll, viel zu stark.
Der Spannungsgrad ist starken Schwankungen ausgesetzt; während die Kapitel über Krenns Aduleszenz und sein Dienst auf den verschiedenen Schiffen spannend zu lesen sind, sind die Geschehnisse auf der Erde vergleichsweise langatmig und zäh, und gute Ansätze, wie die Rückkehr von Charakteren wie Kelly oder Zharn, werden durch einen Mangel an Informationen zu ihrer Vergangenheit und die halbherzige Einbindung in den größeren Handlungskorpus gehörig gegen den Baum gefahren.

Übersetzung: Wie heißt es auf Seite 15 so schön?

"Ein italienisches Sprichwort lautet: traduttore, tradittore - der Übersetzer ist ein Verräter."

Recht hat der Mann! Auch hier wird natürlich fleißig an der gewohnten Synchronisation gehässiger Verrat begangen. Wieder einmal tauchen Begriffe auf, die in der deutschen Synchronisation der Reihe nicht zu hören sind. So liest man von "Kriegsschwalben" (S. 86), vom "Diskus" (S. 149), dem "Solaren Senat" (S. 173) oder "terrestrischen Streitkräften" (S. 283). Auch "romulanisches Bier" (S. 8) und Rands Ernennung zum "Verwaltungsoffizier" (S. 7) sollten in dieser Auflistung nicht fehlen, die auch durch die merkwürdige Formulierung "Flugboot" (S. 152) Ergänzung finden sollte. Natürlich dürfen auch verschiedene Formen des "Desaktivierens" (vgl. S. 62, S. 129 oder S. 258) und die unnötige Verwendung des Präfixes "Erg-" (vgl. S. 263 und S. 288) keinesfalls vergessen werden!
Doch weder die merkwürdige Wortwahl und falschen Begriffe noch die wenigen Flüchtigkeitsfehler (z.B. S. 50: "Maibli" statt "Mabli"), sondern die verwirrende Übersetzung stören beim Lesen.
So wird der englische Begriff "Marines", der in etwa mit "Fusstruppen" oder "Infanterie" wiedergegeben werden kann, hier schlecht mit "Marine" (S. 91) übersetzt, was im Deutschen jedoch in einem direkten Gegensatz zur häufig erwähnten Flotte steht, und der Übersichtlichkeit keineswegs zugute kommt. Und wenn man schon die "Sternenflotte" mit "Starfleet" (S. 9) so beibehält, wie im englischen Original, warum macht man sich dann die Mühe, Schiffsnamen wie "Blaues Feuer" (S. 85)", "Todeshand" (S. 87) und Fechter" (S. 122) in unsere Sprache zu übertragen, nur um die "Flying Fortress" (S. 157) englisch zu belassen? Immerhin existiert mit der Bezeichnung "Fliegende Festung" ein gebräuchliches deutsches Äquivalent!

Anachronismen: Aber weder die Handlungsschwierigkeiten und Figurenschwäche, noch die Spannungsschwankungen und Übersetzungsmängel spielen den Königsmörder für dieses Buch, sondern seine Unzahl an Anachronismen - und mit 'Unzahl' meine ich, dass ich bei allem guten Willen wirklich nur einen Bruchteil dieser vielen Fehler überhaupt wiedergeben kann.
Wie aber konnte es dazu kommen?
In erster Linie liegt dies darin begründet, dass der Autor John M. Ford den Klingonen, wie man sie als böse Gegenspieler aus TOS bis dahin kannte, mehr Hintergrund verleihen wollte.
Aus diesem Grund schuf er beispielsweise eine eigene Sprache für das Kriegervolk, die er Klingonaase nannte (vgl. S. 177). Und tatsächlich nehmen häufig verwendete Begriffe wie "Kai" (vgl. S. 109 oder S. 136), "g'dayt" (vgl. S. 98 oder 143) oder "khest" (vgl. S. 91 oder S. 148) hier den Gebrauchswert ein, den Begriffe wie "petaQ" oder "Qapla'" bei späteren Serien besetzen.
Da liegt jedoch auch gleich das Problem. Die spätestens seit dem dritten Kinofilm "Auf der Suche nach Mr Spock" 'offizielle' Klingonensprache, das vom Linguisten Marc Okrand entworfene 'thlIngan Hol', hat das Klingonaase in den Abgrund des Vergessens gestoßen, und folgende Serien wie TNG, DS9, Voyager und sogar Enterprise hielten sich an Okrands Entwurf fest, ohne Fords Sprachvariante auch nur einen Funken Aufmerksamkeit zu schenken. Somit plagt man sich während des gesamten Buches mit einer halbausgegorenen Fantasiesprache herum, der jegliche Relevanz fehlt.
Doch es kommt noch schlimmer. Auch wenn die TOS-Klingonen ganz anders aussahen als in den Filmen und der Serie, schloss sich spätestens seit den ENT-Folgen "Die Heimsuchung" und "Die Abweichung" der Kreis, und die kulturellen, sozialen und sprachlichen Eigenarten der Spezies wurden damit de facto in eine Traditionslinie gesetzt.
Die Beschreibungen Fords erzählen allerdings von einer ganz anderen Gesellschaft, die in so vielen Punkten vom heute etablierten Klingonenbild abweichen, dass sie kaum wiederzuerkennen sind. In ihrer Dekadenz, Todesverachtung, Aristokratie, Taktikbesessenheit und Intrigenspinnerei sind die hier beschriebenen Figuren eher mit Romulanern wie dem Captain in "Spock unter Verdacht" vergleichbar, kaum aber mit den kampfeswütigen Stirnwulstträgern, die man sonst kennt, und gerade diese Überschneidungen lassen jene Unterschiede schmerzlich vermissen, die beide Spezies beispielsweise bei TNG deutlich voneinander unterschied.
Viele kleine Details verstärken diesen Eindruck noch weiter: Klingonen haben Götter (vgl. S. 14 und "Die Front") und einen Imperator (vgl. S. 245 und "Der rechtmäßige Erbe"), schlafen auf Matratzen (vgl. S. 69 und "Wiedervereinigung, Teil 1") und glauben an ein Jenseits auf Raumschiffen (vgl. S. 78 und "Die Barke der Toten"). Hinzu kommt, dass sie statt klingonischem Blutwein dauernd saurianischen Brandy trinken (vgl. S. 126 und S. 132) oder einen StaSi-gleichen Geheimdienst unterhalten (vgl. S. 133ff.), doch noch weniger glaubhaft sind die Ausssagen, dass klingonische Captains viel Büroarbeiten erledigen müssen (vgl. S. 217), Kaffee den Erfindern des Raktajinos unbekannt ist (vgl. S. 71) und dass die ach so tapferen Krieger vor dem großen Geschäft stets die Klotür abschließen (vgl. S. 236).

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bathl ghob yIab

Zu den sprachlichen und kulturellen Fehlgriffen gesellen sich schließlich auch noch einige temporale. Der Roman, dessen Handlung um 2220 herum angesiedelt sein soll, markiert angeblich die nicht nur die Erfindung des Transporters (vgl. S. 218ff.), sondern auch den Durchbruch der Warp-Fünf-Grenze (vgl. S. 10), was jedoch schon längst Alltag auf der 2151 vom Stapel laufenden Enterprise unter dem Kommando Jonathan Archers ist. Dieser stellte auch den Erstkontakt zu den Klingonen her (vgl. S. 10) und legte die Strecke, für die Krenn hier bei Warp vier über ein Jahr brauchen soll, bei etwa gleicher Geschwindigkeit innerhalb weniger Tage zurück (vgl. S. 134 und "Broken Bow"). Doch wer weiß, vielleicht kannte Archer ja auch eine Abkürzung? Oder ist er auf ein Wurmloch gestoßen? Eines, dass ihn vielleicht in der Zeit zurückkatapultierte?
Das würde jedenfalls auch erklären, warum die Gründung der Föderation, an der Archer ja laut "Stunde Null" beteiligt war, mal eben in die dreißiger Jahre des 22. Jahrhunderts verlegt wurde.
Doch diese Fehler sind vor allem in der Verwendung der "Spaceflight Chronology" begründet, die 1987 bereits mit der ersten Staffel TNG ad absurdum geführt wurde, 1984 jedoch noch eines der maßgeblichen Werke zur Star-Trek-Zeitlinie darstellte. Dass Ford ferner den Aussagen später gedrehter Folgen und Filme widersprach, liegt in der Natur der Dinge, und kann dem leider bereits verstorbenen Autor eigentlich nicht vorgeworfen werden.
Bei allem Verständnis stören jedoch die Verweise auf Geldwirtschaft (vgl. S. 15, S. 146, S. 180, S. 185, S. 191, S. 192, S. 264, S. 265 und S. 300), der Fortbestand des Fernsehens (vgl. S. 175 und "Die Neutrale Zone") und der USA (vgl. S. 164 und "Kontakte"), die Verortung der Babelkonferenz auf der Erde (vgl. S. 283 und "Babel One") oder die abweichende Beschreibung von Rigelianern (vgl. S. 265 und "Dämonen"). Dass dann auch noch die RADE, die uns bei ENT unter dem Namen Terra Prime und in Crispins Roman 'Sarek' als IGEM vorgestellt wurde, auftaucht (vgl. S. 267), macht den schalen und abgestandenen Geschmack dieses Werkes perfekt und es scheint dabei fast unerheblich, dass Ford immerhin der erste war, der mit dieser Idee auftrumpfen konnte.
Den Abschluss dieser Fehlersammlung soll, wie im Buch auch, mit dem Logbucheintrag des Captains der Enterprise enden (S. 329):

"Ich denke auch an die vielen und nun nicht mehr löschbaren Logbucheinträge, in denen ich die Klingonen als 'grausame und heimtückische Mörder' bezeichnete. [...]
Nun, unsere Erfahrungen mit den Klingonen sind nicht gerade sonderlich angenehm, aber ich glaube, in Zukunft werden ich in Bezug auf meine Lochbuch-Formulierungen vorsichtiger sein.

In der Zukunft? Dem Unentdeckten Land? Das hab ich aber ganz anders in Erinnerung...

Fazit: Für seine Zeit war dieses Buch sicherlich ein außergewöhnliches Werk, doch mittlerweile ist es längst ein trauriges Beispiel für einen weiteren Roman, der vom offiziellen Kanon rücksichtslos eingeholt wurde.
In Sprache, Kultur und Zeit, aber auch in anderen Bereichen widerspricht "Der letzte Schachzug" mittlerweile allem, was TOS, TAS und den ersten zwei Kinofilmen an Star Trek folgte. Die magere Story, der unbeständige Spannungsbogen und die abweichende Übersetzung tun ihr Übriges, um dem Lesen heute den Sinn zu nehmen und den wenigen positiven Aspekten gelingt es nicht, das verzerrte Bild wieder zurecktzurücken.

Denkwürdige Zitate:

"Eine Frage, die töricht erscheinen mag, ist törichter Ignoranz vorzuziehen."
Kethas, S. 73

"Es gibt da eine Sache, die in den Büchern unerwähnt bleibt. Ich meine die Stelle - die einzige Stelle - an der Orionerinnen nicht grün sind."
Kothke, S. 92

"Ich mache mich jetzt auf den Weg, um die Windeln meines Enkels Leonard zu wechseln und ich verspreche ihnen, dass ich dabei an Sie denken werden."
Thomas Jackson McCoy, S. 191

"Ihre Technik findet gewiß das Interesse unserer Physiker. Bestimmt werden sie sich fragen, warum Ihr Transportersystem einen so gräßlichen Lärm macht."
Krenn, S. 214f.

Bewertung: Kein 'Kai' dem Buch!

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Donnerstag, 3. September 2009

Was kostet dieser Planet?

Buchbesprechung Ford, John M.: Was kostet dieser Planet?, Heyne 1987/1996.

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Story: Ohne Dilithiumkristalle kein Warpantrieb – diese einfache Formel ist in der Föderation genauso bekannt, wie im klingonischen Imperium.
Daher setzt ein regelrechtes Wettrennen ein, als beide Seiten auf den Planeten Pi Pharosi II, bzw. Direidi stoßen, der zwar bevölkert, dafür aber unermesslich reich am von allen Seiten so begehrten Rohstoff ist. Gemäß des Friedensvertrags von Organia müssen beide Parteien unter Beweis stellen, wer die geeignetere Seite zur Steigerung des Lebensstandards der Bewohner und damit auch des Abbaus sämtlicher Bodenschätze ist. Daher macht sich eine Delegation der Klingonen zum Planeten auf, während zeitgleich die Föderation natürlich nicht untätig zuschauen will. Mit der USS Enterprise NCC-1701 und dessen Captain James Tiberius Kirk schickt sie eines ihrer Aushängeschilder zum diplomatischen Showdown, um die lebenswichtige Ressource nicht dem Erzfeind zu überlassen.
Doch die beiden diplomatischen Corps haben ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die einheimischen Direidi setzen sich geschickt zur Wehr, mit der einzigen Waffe, die ihnen zur Verfügung steht: Humor.

Lobenswerte Aspekte: Wenn man das Buch so liest, fällt schnell auf, dass den einzelnen Charakteren recht passende Ausdrucksformen verpasst wurden. So erweist sich der Chefingenieur Montgomery Scott als glühender Anhänger des schottischen Nationalsports Golf (vgl. 147ff.), während sich McCoy – zu meinem größten Verständnis - als Morgenmuffel entpuppt (vgl. S. 9ff.). Kirk schlägt sich mit anderen Problemen herum, z.B. seiner Wampe, die verursacht, dass gewisse Kleidungsstücke in der Bauchregion spannen (vgl. S. 235).
Doch auch einige andere Figuren sind recht gut nachempfunden. Als Paradebeispiel möchte ich den im Roman fiktiv dargestellten MacMain herausheben, der irgendwo zwischen Indiana Jones, Flash Gordon und Ocean’s Eleven anzusiedeln ist (vgl. S. 64ff.)
Eher rar sind hingegen andere Star-Trek-Bezüge, wie Anspielungen auf die Fernsehserie oder Kinofilme, gesät. Für viel mehr als Referenzen auf die ausgestorbenen Meeressäuger (S. 86) aus Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart, die Faust-und-Degen-Action aus „Das Gleichgewicht der Kräfte“ (S. 267) und die für dieses Buch maßgeblich Pate stehende Episode „Kennen Sie Tribbles“ (S. 145) hat es nicht gereicht, obwohl dies beim Lesen eigentlich nicht schwer ins Gewicht fällt.
Umso bemerkenswerter sind die Anspielungen, die scheinbar auf andere Folgen gemünzt sind: Die lateinische Phrase „Non sequitur“ (S. 263) scheint auf den englischen Originaltitel der Voyager-Folge „Der Zeitstrom“ hinzuarbeiten und den Miteinbezug Gilberts und Sullivans könnte man als Hommage an den neunten Star-Trek-Kinofilm „Der Aufstand“ interpretieren, in dem Picard, Worf und Data den Gassenhauer „A british tar“ intonieren.
Doch weit gefehlt: „Was kostet dieser Planet?“ erschien 1987 auf dem us-amerikanischen Büchermarkt und damit acht Jahre vor der Erstausstrahlung von „Der Zeitstrom“ und elf Jahre bevor „Der Aufstand“ seine Kinopremiere feierte.
Anstatt in die Zukunft abzuschweifen, schafft sich das Werk in seiner Entstehungszeit einen Sockel, von dem aus es deutlich seine Einflüsse erkennen lässt. In diesem Zusammenhang stehen auch die Erwähnung Reagans (S. 198), die erheiternd anmutende Verwendung von Videokassetten (S. 279) und die offensichtliche Anleihe bei Monty Python (vgl. 148), der damals wohl bekanntesten Komikertruppe der Welt.
Nicht zuletzt wegen letztgenannter Bezüge muss ich daher zugeben, an mehreren Stellen geschmunzelt zu haben, auch wenn das Buch dem selbst erwählten Slogan „Der witzigste STAR TREK-Roman aller Stern-Zeiten“ nicht unbedingt gerecht wird.

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Videokassetten aus dem 20. Jahrhundert - In diesem Jahrhundert veraltet, im übernächsten wieder state of the art?

Kritikwürdige Aspekte: Es war 1996, als mein guter alter Jugendfreund Hans Oetzthaler mir dieses Buch in ehrlich gemeintem guten Willen zum Geburtstag schenkte. Ich hatte bereits damals eine größere Menge Star-Trek-Bücher regelrecht verschlungen und das Geschenk schien wie für mich gemacht.
Ungefähr in der Woche nach Erhalt machte ich mich begierig daran, es zu verschlingen, doch ich gab das Lesen bereits nach zwanzig oder dreißig Seiten auf. Ich legte es zurück ins Bücherregal und versuchte im Laufe der Jahre immer wieder, es von neuem zu lesen. Doch nie kam ich über die ersten Seiten hinaus, da meine Motivation mit jeder neu angefangenen Seite wieder abnahm.
Schnell wurde es zu einem meiner Paradebeispiele, warum Star-Trek-Bücher an den wirklichen Kanon nicht herankommen. Doch ich hatte mich geirrt.
Nachdem ich mich zum Lesen durchgerungen habe (und es trotz mehrerer Motivationsabfälle endlich einmal durchhielt) muss ich feststellen, dass dieses Werk kein gewöhnliches ist, sondern den Versuch markiert, den etwas anderen Star-Trek-Roman auf die Beine zu stellen, der statt biederer Konzentration auf den Ernst des zukünftigen und heutigen Lebens und todbringenden Weltraumschlachten Humor in die verstockte Figurenwelt bringen soll.
Soweit der Anspruch, doch im Großen und Ganzen ist das mächtig in die Hose gegangen. ‚Der Witz’ rangiert irgendwo zwischen Dick & Doof, Sat1 Wochenshow, Die nackte Kanone und Dadaismus. Qualitativ hochwertiger Humor á la Monty Python kommt von selbst nicht auf und an Science-Fiction-Persiflagen wie Douglas Adams’ göttlichen Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ reicht dieses Buch bei weitem nicht heran.
So muss man sich mit Fäkalhumor (S. 15), dämlichen Wortspielen auf Kindergartenniveau (allenthalben), Klopf-Klopf-Witzen (S. 77) oder Tortenschlachten (S. 268ff.) abfinden, die den Zenit der Komik schon längst überschritten hatten, als mein Großvater geboren wurde.
Hinzu kommt, dass die Erzählstränge schlecht miteinander verwoben und sehr unübersichtlich sind. Abgesehen von der fehlenden inneren Logik des Geschehens wirken die kleinen Geschichtchen und Abenteuer wie halbherzig zusammengeflicktes Stückwerk, dem das märchenhafte Ende nur die sprichwörtliche Krone aufsetzt.
Dass sich der leider bereits verstorbene Autor John M. Ford auch noch für ein Musical in Schriftform entschieden hat, ist überhaupt einer der tragischsten Aspekte des Werkes. Diese Idee funktioniert schon allein in der Übersetzung nicht, und ich bin mir sicher, dass sich selbst im englischen Original allerspätestens nach der dritten Gesangseinlage ein quälender Nervfaktor einstellt.
Fragwürdig ist auch die Namenswahl des Autors. Obwohl ich anfangs noch sehr angetan vom ‚vulkanischen’ Namen T’Vau war, der auf ein beliebtes Unterhaltungsmedium zurückzuführen ist, verflog diese anfängliche Sympathie rasch. So ignorierte Ford als Amerikaner, dass ein russischer Name wie ‚Trofimow’ bei einer weiblichen Trägerin ‚Trofimowa’ lauten müsste, Prinzessin Deedee erinnerte mich stark an Dexters Labor und die Bezeichnungen der Klingonen klingen wegen ihrer Dreigliedrigkeit und den Vokalkombinationen vielleicht Vietnamesisch, nur selten jedoch Klingonisch.
Natürlich muss man sich vor Augen halten, dass es zu jener Zeit bereits den Konflikt zwischen einer vom Autoren erschaffenen Sprache Klingonaase und dem von Marc Okrand unter wissenschaftlich-linguistischen Richtlinien entwickelten Sprache ‚tlhIngan’ gab. Doch in diesem Werk wirkt die von Ford selbst entwickelte Sprachvariante (bei allem Respekt und Interesse, das ich tatsächlich für dieses ‚Klingonenfranzösisch’ aufbringe) wie ein unausgegorener Abklatsch seines etablierten großen Bruders, was sich etwa am Wort „Tlhingan“ (S. 131) deutlich zeigt: Irgendwo stark am Original angelehnt, ist es trotzdem weder in Schreibweise noch Aussprache dasselbe. Warum sonst würde ‚Proke’ Uhura eine gute Sprachkenntnis des Klingonischen diagnostizieren, wenn sie im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ Wörterbücher benötigt?
Doch andere Filme werfen gleichermaßen Fragen auf, die tiefe Logiklöcher in diesen Roman reißen. Im elften Kinofilm ist die Rede von sechs Millionen Vulkaniern, die den Heimatplaneten der Spezies bewohn(t)en. Spock kennt jedoch T’Vau genauso, wie er bereits Steven in „Die erste Mission“ und andere Artgenossen in anderen Werken kannte. Natürlich ist er ein überlegener Intellekt, aber jeden verdammten Bewohner seiner Heimat zu kennen, ist vielleicht doch etwas unglaubwürdig.
Doch nicht nur das! Genauso unglaubwürdig sind auch die kruden technische Ideen des Autors. Egal ob das Beate-Uhse-Raumschiff (S. 8ff.), der heute schon veraltete bisduotronische-Polyprozessor-Computer (S. 19), 4D-Dilithiumkristalle (S. 24) oder die Behauptung, dass Warpantriebe mittels Energiestrahlverstärkung durch Dilithiumkritalle funktionieren (S. 134) – den meisten seiner Ideen und Erklärungen kann man entweder nur kopfschüttelnd begegnen, oder sie, getreu des Roman-Credos, als weiteren schlechten Witz abtun.
Diesem Bild bleibt natürlich auch die Übersetzung treu. Englische Begriffe werden, deutschsprachigen Äquivalenten zum Trotz beibehalten („Starfleet“, S. 9;„Starbase“,S. 57 oder „Stunner“ S. 240); andere Begriffe werden in Ignoranz zu parallelen Bezeichnungen in Film und Fernsehen fortgeführt („Diskussegment“, S. 41; „romulanisches Bier“ S. 9 oder „Terraner“ S. 114). Gemixt mit Wortneuschöpfungen durch Kombinationen von Präfixen wie Medo- (vgl. S. 124 oder S. 206) oder Erg- (vgl. S. 41 oder S. 133) oder falsch übernommenen Begriffen wie „desaktivierter“ (S. 241) lässt der Verlag das gewohnte Bild stiefmütterlicher Beachtung der Star-Trek-Franchise aufkommen.
Andererseits hatte die Übersetzung es auch nicht leicht. Wer schon einmal Filme wie „Hot Shots“, „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“ oder „UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung“ im englischen Original gesehen hat, der weiß, wie unübersetzbar manche der komisch gemeinten Bemerkungen tatsächlich sind. Vor dem gleichen Problem stand auch der Übersetzer dieses Werkes, denn an verschiedenen Stellen kann man merken, dass englische Wortspiele um „Reds“ oder „Snapshots“ mit „Rothäute“ (S. 104) oder „Schnappschüsse“ (S. 114) nur sehr dürftig übersetzt werden können.

Anachronismen: Obwohl bereits auf einige anachronistische Momente wie die klingonische Sprache, Uhuras Kenntnisse derselben oder Spocks Bekanntenkreis eingegangen wurde, bleiben noch genug Unstimmigkeiten, die man erwähnen sollte.
Die Klingonen werden dabei nicht nur in ihrer Sprache recht widersprüchlich zur bekannten Norm geschildert. Kennen wir die Kriegerrasse sonst als eine Gesellschaft, die sich von Gagh, Pipiusklaue oder Rokeg-Blutpastete ernährt, wird das leibliche Wohl der Vertreter in diesem Buch mit Eiertoast (S. 16) oder Steak (S. 17) gesichert. Auch die Verwendung von Rettungskapseln, wie sie zur Einführung Kadens genutzt wird, ist laut der ENT-Episode „Schlafende Hunde“ zumindest fragwürdig.
Doch die Klingonen sind nicht die einzigen, die schlecht getroffen werden. So kann man auf gleich zwei Seiten miterleben, wie die Vulkanierin T’Vau mit den Fingern isst (vgl. S. 12 und S. 21), obwohl T’Pol in „Broken Bow“ zu Protokoll gab, dass dies ein absolutes Tabu in ihrer Gesellschaft sei.
Zudem wird in der Serie Enterprise durch den Charakter Erika Hernandez klargestellt, dass es bereits vor Kirk weibliche Captains gab, und diese Kariere in der Sternenflotte des 23. Jahrhunderts damit kein Ding der Unmöglichkeit ist (vgl. S. 103).
Und Stichwort Sternenflotte und Föderation: Warum wundert sich niemand, dass es eine menschliche Kolonie auf einem Planeten mit indigener Bevölkerung gibt? Natürlich hat Kirk des Öfteren bewiesen, dass er es mit der Ersten Direktive nicht so genau nimmt, aber eine solch drastische Aktion wirft schon die Frage auf, welche Bedeutung dieses zentrale Gesetz überhaupt hat, wenn sich niemand daran hält.
Zudem tappt der Roman in die altbekannte Falle, in längst überholten Finanzsystemen zu schwelgen. Nicht weniger als zehn Belege monetärer Wirtschaft (S. 8, S. 12, S. 23, S. 24, 2x S. 27, S. 144, S. 152 und S. 154) stehen in direktem Kontrast zur Angabe in Star Trek IV, nach der Geld in der Zukunft nicht mehr existiert.

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qagh Sopbe'!

Fazit: Was als „Der witzigste STAR TREK-Roman aller Stern-Zeiten!“ angepriesen wird, kann seinem Anspruch auf keiner Seite gerecht werden. Bei aller Einzigartigkeit dieses Werkes ist er bestenfalls mäßig witzig, unübersichtlich und voller Widersprüche zum Kanon. Die vielen technischen, sprachlichen und musikalischen Sonderwege führen ihn weiter ins Abseits.
Daher ist es nicht verwunderlich, wenn man zum Lesen dieses Buches mehrere Anläufe benötigt, denn es ist bestenfalls ein Nischenwerk, das eine nähere Beschäftigung allerdings kaum rechtfertigt.

Denkwürdige Zitate:

"Gmltfrbl." McCoy, S. 10

"Kampfarchäologen, erstes Bataillon." Kirk, S. 93

Warum müssen diese Leute dauernd singen?Sulu, S. 135

"Es gibt nur einen Grund, warum die Enterprise noch keinen Schrottplatz ziert - weil mit Kaugummi zusammengehaltene Pappe derzeit schlechte Preise erzielt!", Maglus, S. 146

Bewertung: So witzig wie eine akute Magen-Darm-Grippe.

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