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Samstag, 15. Juni 2013

Der unsichtbare Gegner

Buchbesprechung Mitchell, Victoria E.: Der unsichtbare Gegner. Heyne, 1990/1995.


Story: Die gewohnten Betriebsabläufe an Bord der USS Enterprise NCC-1701 geraten ein wenig aus den Fugen, als der erste Offizier Spock im Zuge einer Konferenz die heimischen Stahlwände des familiären Raumschiffs verlässt. Just in dieses Vakuum fällt eine komplizierte diplomatische Mission, die die gesamte Crew an ihre Grenzen stoßen lässt.
Allerdings liegt das weniger an der eigensinnigen Kaldorni-Delegation, sondern vielmehr an der Frau des irdischen Botschafters, mit der Kirk vor mehr als fünfzehn Jahren eine intensive körperliche Beziehung teilte. Schnell wird dem argwöhnischen Captain bewusst, dass sie ein doppeltes Spiel betreibt.
Doch zu allem Überfluss hat sich mit den fremden Gesandten noch ein weiterer Unruhestifter auf das Schiff gesellt. Ein katzenartiger Formwandler sabotiert mehrfach das Schiff, ermordet unschuldige Passagiere und hinterlässt mentale Schreckensvisionen bei einem deltanisch-menschlichen Besatzungsmitglied. Die junge Janara Whitehorse ist jedoch nicht nur das Opfer dieses psychologisch-telepathischen Terrors, sondern auch die Tochter jener Frau, mit der Kirk dereinst das Bettlager teilte...

Lobenswerte Aspekte: Endlich wieder ein guter, alter Heyne-Roman! Frei nach dem Motto "Kann sich jemand an die Zeit erinnern, als wir noch Forscher waren?" darf man auf den 347 (!) Seiten wieder fremde Welten erforschen, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Da kann man die fragwürdigen Errungenschaften des Abramsverse oder die blutrünstigen Entwicklungen im Destiny-Dreiteiler mal gepflegt auf die lange Bank schieben und ein Buch genießen, dass noch so funktioniert, wie eine klassische Folge der Originalserie:
Ein Anfang aus Off und ein Ende ohne Relevanz.
Dazwischen ein paar nette Gedanken aus der Welt der Science Fiction, die dem Star-Trek-Universum auf den Rücken gebunden wurden wie der Katze das Marmeladenbrot.
In diesem Fall hat sich die Autorin Victoria "V.E." Mitchell insbesondere um die besonders fremdartig wirkenden Kaldorni bemüht.
Und die mimen endlich einmal eine rätselhafte Rasse, die eben nicht so viele Parallelen zur westlich-modernen Menschenwelt bietet, dass man sich darin problemlos wiederfinden kann. Stattdessen bieten sie ein schwer zu entwirrendes Knäuel an undurchschaubaren Ritualen, streng organisierten Kasten sowie andersartigen Anschauungen. Dennoch bleibt der Kulturkreis in seiner inneren Logik stets nachvollziehbar und gerade dadurch spannend.
Ähnliches Gewicht wird den viel zu selten thematisierten Deltanern verliehen. Die haupthaarfreie Spezies erhält durch diesen Roman einen viel breiteren Hintergrund, als man es aus dem ersten Kinofilm gewohnt ist. Im Kontext eines Buches funktioniert auch dieser weitreichende Einblick reibungslos.
Das nächste große Plus ist, dass dieses Werk wie ein klassischer Kriminalroman aufgebaut ist. Auf spannende Art wird der Leser in dessen Bann gezogen, auf falsche Bahnen gelenkt oder in die Gedankenwelt des Täters getunkt.
Bei dieser Vielzahl von Brandherden schafft es Mitchell aber immer wieder, dem Leser unter Beweis zu stellen, dass sie nicht nur ein fesselndes Buch basteln kann, sondern sich auch mit der Materie 'Star Trek' blendend auskennt. Referenzen auf Sulus Botanikfachwissen, Erwähnungen des Lebenserhaltungsgürtels, den man aus TAS kennen könnte oder die Anmerkung zu Miranda Jones künden deutlich von der Fachkenntnis der Urheberin.
Besonders Kirk-Fans wird das Buch freuen, denn mehr als sonst bildet der charmante Captain Dreh- und Angelpunkt eines ganzen Buches. Das gereifte Schiffsoberhaupt muss sich mit den Fehlern seiner wilden Vergangenheit auseinandersetzen (vgl. S. 36ff.), darf seine Neigung zur Polygamie austesten (vgl. S. 220ff.) und rückt vor allem durch die Abwesenheit Spocks in den Fokus der Aufmerksamkeit.
Damit einher geht auch der überraschend offene Umgang mit Erotik. An gleich mehreren Stellen werden Szenen beschrieben, die man in einem amerikanischen Roman so gar nicht erwartet hätte und den Star-Trek-Verhältnissen entsprechend beinahe pornografisch anmuten. Vom 'Skandal' in "Was summt den da?", in dem Kirks Stiefelanziehen dezent den vorherigen Koitus nahelegte, ist dieses Buch ungefähr so weit entfernt, wie "Sissi" von "Emanuelle".



Kritikwürdige Aspekte: Oh nein, nicht schon wieder ein Heyne-Roman! Vorbei die Zeiten clever ineinander verzahnter Handlungsstränge, mitreißender Entwicklungen und gefühlvoller Charakterszenen. Stattdessen erwartet den Leser eine mäßig konstruierte Geschichte mit einer einzigen Haptfigur:
James Tiberius Kirk.
Das Ganze präsentiert sich zudem ohne sonderlich erwähnenswerten Witz, Charme oder gar Einfühlungsvermögen wie etwa der Satz "Innere Gewalt erleichterte es ihm sich zu beherrschen." (S. 119) tatkräftig unter Beweis stellt.
Wie jetzt?
Ein Kirk, der vor seinem inneren Auge die eigenen Untergebenen verprügelt, wenn die nicht schnell genug seinen Befehlen Folge leisten?
Vor allem wenn man bedenkt, dass er diese Art Gedanken gegenüber seiner einstigen Gespielin hegt, muss man unweigerlich irgendwie an "Fifty Shades of Gray" denken. Also definitiv nichts, womit man Star Trek kreuzen sollte. 


 
Grau, aber ungleich weniger schattiert, kommen die anderen neu eingeführten Figuren des Buches daher. Kirks Ex-Betthupferl ist in etwa so vielschichtig und aufsehenerregend wie eine unbeschmierte Scheibe Brot. Ihre Tochter Janara erscheint nach den Ausführungen Mitchells wie eine Paraderolle für Kristen Stewart und so wie der Deltaner Tenaida beschrieben wird, markiert er auch nur eine Art frisurfreien Platzhalter für den abwesenden Ersten Offizier vom Planeten Vulkan. Wozu Spocks temporärer Ersatz Patrick Brady überhaupt an Bord geholt wurde, wird wohl das ewige Geheimnis der Autorin bleiben. Es gelingt dem Charakter jedenfalls nicht, irgendwelche Rechtfertigungen zu liefern. Genauso wenig gelang es Mitchell, die anderen Charaktere wie N'Gelen t'Stror Klee, Kristiann Norris oder gar Srrawll Ktenten mit Leben oder einer angemessenen Schreibweise zu füllen. 
 
Vorwerfen muss man ihr vor allem aber, dass sie auf gleiche Weise mit den altbekannten und beliebten restlichen Crew verfährt. Zuweilen darf Pille ob der vielen Verletzungen und Morde etwas zu Wort kommen, doch die anderen Besatzungsmitglieder wie Scotty, Uhura oder gar Sulu sind in diesem Werk zu bloßen Statisten verkommen.
Sobald jedoch mal irgendjemand zu Wort kommt, entstehen mehr Fragezeichen, als in einem Kriminalroman normalerweise üblich. Oder, um es mit der Stimme der Expertise zu sagen:

"Es gibt zwei Sorten von Menschen, die darüber nachdenken, wie man am besten Leute tötet: Psychopathen und Krimiautoren.
Ich gehöre zur besser bezahlten Sorte.
"

Zieht man diese weisen Worte aus dem Intro der Krimi-TV-Serie Castle an dieser Stelle einmal als Maßstab heran, kann man Mitchell immerhin zugestehen, dass sie definitiv keine Psychopathin ist.
Genauso wenig dürfte sie aber auch zu besser bezahlten Sorte gezählt werden, denn man kann ihr beim besten Willen nicht unterstellen, sich allzu lange mit dem Nachdenken über einen Mord beschäftigt zu haben.
Die gestaltwandelnde Superkatze begeht jedenfalls so oft am Stück die selben Fehler, dass man sich schon ernsthaft fragen muss, wie sie überhaupt so nah an ihre Beute gelangen konnte, ohne dass selbst telepathisch unbegabte Zeitgenossen sie umgehend enttarnt hätten. Mindestens ebenso inkompetent wirkt aber auch Chefermittler Kirk, der trotz deutlicher Beweise den Täter unbeobachtet auf dem Schiff sein Unwesen treiben lässt (vgl. S. 298f.).
Ja nicht einmal die Handlung ist wirklich stimmig. Woher weiß denn bitteschön Pille auf Seite 125, dass Montoya bereits gegangen ist? Oder habe ich etwas wirklich Überraschendes verpasst und der rüde Südstaatenmediziner ist der wahre Täter?
Neben eindeutigen Schwächen bezüglich der Figurenmotivation und der inneren Logik (vgl. dazu auch die unsinnige Erklärung zu personalisierten Phasern auf S. 319) verwundert der diplomatische Stil Kirks: Er verhandelt zwar mit dem Chefdiplomaten der Föderation sowie den Kaldorni, doch die andere echte Konfliktpartei, die Beystohn, scheinen wie der größte Teil der aufgeführten Personen nur eine Statistenrolle inne zu haben.

Übersetzung: Liest man ein Heyne-Buch, dann grüßt auch immer wieder das Murmeltier. Neben englisch belassenen Begriffen wie "Starbase" (S. 7) oder "Starfleet" (S. 7) findet man auch immer wieder Bezeichnungen, die immerhalb der deutschen Synchronisation völlig anders lauteten: So wird aus der guten alten 'Föderation' plötzlich die "Liga Verbündeter Planeten" (S. 9; Nanu, was ist denn mit dem 'galaktischen Völkerbund' passiert?!), "Synthetisierer" (S. 25, statt 'Nahrungsverteiler') oder das Wort "terranisch" (vgl. S. 16), das hierzulande eigentlich dem Spiegeluniversum vorbehalten ist.
Daneben finden sich wieder merkwürdige Kombinationen, die sich schon beim Lesen so falsch anfühlen, dass man aufschreien möchte. Neben "Erg-Zellen" (S. 268) sind das vor allem die viel zu vielen Kombinationen mit "Medo-", die den Hirnwindungen des Rezipienten Ärgerfalten bescheren: "Medo-Team" (S. 144), "Medo-Daten" (S. 261), "Medo-Apparatur" (S. 307), "Medo-Scanner" (S. 315) oder gar "Medo-Untersuchung" (S. 326).
Als ob das nicht schon genug Qualen wären, straft die Übersetzung den heutigen Leser mit antiquierten Vokabeln wie "Datenkassette" (S. 18), tapsigen Übernahmen wie "Memoriale Chips" (S. 105) oder unpassenden Berufsbezeichnungen wie "Diätiker" (vgl. S. 23). Um das Grauen abzurunden darf natürlich auch in diesem Buch das dämliche Zauberwort "desaktivieren" nicht fehlen (vgl. z.B. S. 74, S. 211 oder S. 248). Zudem vermisste ich im "Zölibateid" (S. 32) schmerzlich das Füge-s.
Ansonsten ist an dieser Stelle mal Lob angebracht. Der frühere Haus- und Hof-Übersetzer des Heyne-Verlags Andreas Brandhorst schafft es tatsächlich einmal, dem Siezen in einem Buch einen tieferen Sinn zu verleihen (vgl. S. 121). Die verstockten Rituale der dickköpfigen Kaldorni harmonisieren jedenfalls prächtig mit der Höflichkeitsform, die es im Englischen gar nicht gibt. Dennoch ist auch hier die Kritik durchaus angebracht, dass Brandhorst etwas zu häufig in den Originaltext eingreift, um diesem Eingriff seinerseits Rechtfertigung zu verleihen.

Anachronismen: Bücher aus dem Hause Heyne lassen sich nicht gerade oft in die offizielle Zeitlinie eingliedern. Selbst wenn dem Roman eine Bemerkung wie „Historischer Hinweis. Das hier geschilderte Abenteuer findet kurz nach den Ereignissen statt, über die in STAR TREK: Der Film berichtet wurde.“ (S. 6) vorgesetzt wurde, muss das nicht zwangsweise auch bedeuten, dass sich die Autorin an diese Maßgabe hält.
Sicher: Rand ist Transporteroffizier, Chapel bekleidet den Rang eines Doktors und Deltaner werden als Besatzungsmitglieder geführt. Aber warum beachtet niemand, dass Kirk den Rang eines Admirals bekleidet (vgl. S. 7, S. 8. S. 9) oder dass die Uniformen nicht mehr die frohe Farbenvielfalt bieten, die man hier noch miterleben kann (vgl. z.B. S. 160).
Aber auch einige technische Details erschließen sich während des Lesens nicht. So können die deltanischen Crewmitglieder untereinander für Außenstehende unverständliches Deltanisch sprechen (vgl. S. 177). Ebenso merkwürdig mutet es an, dass in der Turnhalle die Gravitation verändert werden kann (vgl. S. 141ff.), während dies in der Quartieren der kaldornischen Gäste völlig unmöglich sein soll (vgl. S. 28).
Auch die Erwähnung von Geldverkehr (vgl. S. 121 oder S. 253) hätte man sich sparen können.
Ein wenig zu utopisch für das Star-Trek-Universum ist außerdem die erwähnte Biofabrikatortechnologie (vgl. S. 97). Doch wenn man um die Transwarp-Transportertechnologie des Abramsverse weiß, blättert man wahrscheinlich ohnehin nur milde lächelnd weiter. Lediglich die auf Formwandlung bezogene Aussage, Kirk hätte "[...] noch nie von einem Geschöpf gehört, das solche Dinge mit derartiger Mühelosigkeit vollbringen konnte." (S. 279) ist dahingehend hochgradig zweifelhaft: Immerhin hatte der Kommandant der Enterprise bis zum ersten Kinofilm sogar mit eigenen Augen gesehen, wie Garth von Izar, Isis oder Korob und Sylvia die im Endeffekt recht mühevolle Transformation der Mörderkatze mühelos übertrafen.
Für einige Anachronismen konnte Mitchell freilich nichts. So war ihr die riesige Küche, die man im sechsten Kinofilm "Das unentdeckte Land" so prominent sehen konnte, natürlich nicht bekannt. Ansonsten wären dem Buch ja auch einige Passagen entgangen, die witzig gemeint sein sollen (vgl. S. 220ff.). Ebenso wenig dürfte dieser Satz in seiner Fehlerhaftigkeit im Jahr 1990 aufgestoßen sein:

"Um ganz ehrlich zu sein, Captain: Die Enterprise kümmert sich nur um die Hälfte des besagten Verkehrs in diesem Quadranten." (S. 9)

Schließlich waren Serien wie Deep Space Nine oder Voyager, die die Aufteilung der Milchstraße in Quadranten propagierten, noch Quark im Schaufenster.
Mit all diesen Fehlern kann man sich zur Not ja arrangieren, doch ein Schlüsselmoment des Romans gibt tatsächlich Anlass zu Sorge. Auf dem Höhepunkt der Spannung erfährt der Leser nämlich en detail, wie böse und hinterhältig Personen sind, die gegen den Willen anderer Gedanken lesen, Emotionen aufnehmen oder mentale Barrieren durchbrechen. Diese Rechte sind laut diesem Buch sogar im Grundgesetz der Föderation fest verankert (vgl. S. 192)!
Vernünftige Idee, mögen die Einen meinen.
Widersprüchlicher Schwachsinn, sage ich!
Im Jahr 1990 dürfte die Amerikanerin Victoria Mitchell von einer frischen, topaktuellen Serie gehört haben, die damals seit knapp drei Jahren im Fernsehen lief. Sie hieß "Star Trek: The Next Generation".
In den ersten drei Staffeln war dort bereits ein Schiffscounselor namens Deanna Troi zu sehen, die innerhalb des Serienkonzeptes eine spannende Rolle einnahm: Die Empathin bewahrte die USS Enterprise NCC-1701-D mehr als einmal vor der Zerstörung, indem sie die Intentionen fremder Raumschiffkommandanten telepathisch (in diesem Fall empathisch) in Erfahrung brachte.
Glaubt man hingegen diesem Buch, so kann man mit seiner Hilfe fortan im Wortlaut jene Gesetzestexte zitieren, laut derer Trois Handeln explizit als strafbar bezeichnet wird. Gäbe es derartige Grundrechte also tatsächlich, so wäre die logische Schlussfolgerung, dass es sich bei Deanna Troi um eine hinterhältige Kriminelle handelt. Folgt man den Schilderungen weiter, so ergibt sich, dass selbst Picard als Urheber von Befehlen, die jegliche Privatsphäre anderer Personen negierten, eine Mittäterschaft unterstellt werden müsste, die sein Kommando in Frage stellen würde.
Wie unsinnig diese schlecht erfundenen Gesetze sind, kann man spätestens ab dem Punkt erkennen, an dem Janara Whitehorse in die Rolle Deanna Trois schlüpft (vgl. S. 244f.) und Befehlen folgt, deren Illegalität ihr völlig bewusst ist (vgl. S. 199ff.). In diesem Moment widerspricht das Grundgesetz zu Telepathie aber nicht nur der ohnehin dürftigen inneren Logik des Buches, sondern auch der Wirklichkeit innerhalb Star Treks.

Fazit: Der Roman mit dem Titel "Der unsichtbare Gegner" glänzt durch seine Zentrierung auf Kirk, seine Spannung, und seinem offenen Umgang mit Sex. Besonders die vielen Zusatzinformationen, die man über die vermeintlich bekannten Deltaner und die neu eingeführten Kaldorni erhält, lohnen die Anschaffung.
Doch der wahre unsichtbare Gegner der Autorin sind die Zeichnung überzeugender Charaktere, das Konstruieren von nachvollziehbaren Motivationen ihrer Figuren sowie das Aufrechterhalten der inneren Logik. Auf der letzten Seite angekommen bleibt dieses Buch vor allem wegen seines Bruchs mit der Star-Trek-Wirklichkeit weit hinter seinem starken Auftakt zurück und verliert sich in seinen eigenen Ansprüchen: Es ist weder ein Roman nach der ersten Kinofilm, noch ein gelungener Krimi und schon gar kein Stück Star Trek, dass zwischen der Originalserie und dem nächsten Jahrhundert Bestand hätte.

Denkwürdige Zitate:

"Genau das braucht die Enterprise: Eine Art elektronischen Vulkanier."
Pille, S. 11

"Assistent: Hast Du auch die Möglichkeit eines Mordes berücksichtigt?"
Kirk, S. 41

"Ein interstellares Playgirl – und eine Agentin obendrein. Ich dachte, so was gibt’s nur in Krimis oder so."
Kirk, S. 282

Bewertung: Thema verfehlt.


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Montag, 13. Dezember 2010

Die Jarada

Buchbesprechung Mitchell, V.E.: Die Jarada. Heyne, 1992/1995.

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Story: Eine wahre Sternstunde der Diplomatie steht der Föderation ins Haus. Nach vielen vergeblichen Anläufen scheinen die isolationsfanatischen Jarada endlich bereit, einen grundlegenden Vertrag mit der Vereinten Föderation der Planeten abzuschließen.
Natürlich ist Jean-Luc Picard der Ansprechpartner Nummer Eins für beide Seiten. Zum einen ist er in seiner Funktion als Kommandant des Flaggschiffes der Sternenflotte prädestiniert für diesen Job und zum anderen akzeptieren ihn auch die insektenähnlichen Jarada, da es ihm vor einiger Zeit schon einmal gelang, die komplizierten Begrüßungsrituale des Volkes fehlerfrei vorzutragen.
Doch die Dinge laufen etwas zu glatt für den erfahrenen Diplomaten. Der Vertragstext wirkt verwirrend, die Begrüßung zu unterwürfig und auch die Separierung des Außenteams bereitet dem Captain Unbehagen.
Die leisen Zweifel werden zur schrecklichen Gewissheit, als jeglicher Kontakt zum Außenteam aus dem ersten Offizier William T. Riker, Worf, Dr. Beverly Crusher, Keiko Ishikawa und dem Botaniker Tanaka abbricht und die USS Enterprise zum Ziel plötzlicher Kamikazeangriffe wird.
Auch auf der Planetenoberfläche gerät die Lage völlig aus dem Ruder. Die kurz zuvor noch zuvorkommenden Gastgeber sind scheinbar von unkontrollierbarer Raserei ergriffen und die Leben der voneinander getrennten Besatzungsmitglieder schweben in akuter Gefahr...

Lobenswerte Aspekte: Es gibt wohl kaum eine Tiergruppe auf unserem Planeten, die sich einer derartigen Unbeliebtheit erfreut wie Insekten.
Die uns zahlenmäßig so absolut überlegenen Krabbelviecher sind nicht nur der Albtraum vieler schreckhafter Hausfrauen, sondern auch für den Rest der Menschheit zumindest fremdartig und geheimnisvoll.
Was liegt also näher, als den Schrecken und das Mysterium dieser Lebensformen schamlos auszunutzen und sie zu einem Gegenspieler in einer Science-Fiction-Serie auszubauen?
Naturlich nix!
Da mutet es fast schon traurig an, dass dieser Gedanke bei Star Trek lediglich in den Xindi-Insektoiden Ausdruck fand, die ihrerseits wiederum nur ein Fünftel, beziehungsweise ein Sechstel der Multispezies ausmachten.
Aber zum Glück gibt es die Jarada!
Kaum erkennbar waren sie bereits in „Der große Abschied“ auf dem Hauptbildschirm bestenfalls zu erahnen, doch für mehr als den Auslöser der eigentlichen Holodeckhandlung hat es anno dazumal nicht gereicht.
In diesem sehr spannungsreichen Buch ist der Blick auf die fremde Spezies detaillierter, als es die erste Staffel TNG es jemals hätte schaffen können (tatsächlich verhinderten Kostengründe den im Drehbuch geplanten Auftritt). Zwar bietet selbst das Cover keine Darstellung des Volkes, doch immerhin vermögen es die detaillierten Beschreibungen, ein Abbild vor dem inneren Auge entstehen zu lassen (vgl. S. 21f.).
Zugegeben: im Endergebnis ergibt sich so eine Art Bienenameise mit einer Beinzahl, die eher den Spinnentieren (richtig; Spinnen sind KEINE Insekten!) entspricht; allerdings wirkt die übrige Präsentation verhältnismäßig insektoid. So dienen etwa, wie bei Ameisen, Gerüche als Wegweiser (vgl. S. 34) und weibliche Jarada folgen dem Beispiel der Gottesanbeterinnen unseres Planeten, und töten ihren männlichen Sexualpartner nach dem Akt (vgl. 167).
In diesem Zusammenhang wirkt auch die Namenswelt der Jarada (vgl. S. 64f.) sehr überzeugend, denn die Kombination der einzelnen Teile wirkt für ein so hierarchisch organisierten Staatsapparat ebenso glaubwürdig, wie die blinde Raserei, derer sich das Außenteam erwehren muss.
Die Insektengesellschaft ist also eindrucksvoll recherchiert und steigert das Leseerlebnis. Aber nicht
nur auf entomologischer Ebene versteht das Werk zu glänzen, sondern auch durch seine Einbindung in die Star-Trek-Chronologie.
Deutlich wird dies in erster Linie durch die geschickt eingesetzten Referenzen. Diese beziehen sich nämlich nicht, wie man vermuten könnte, vorrangig auf TNG, sondern schlagen eine Brücke zur ersten Star-Trek-Fernsehserie. Autor V.E. Mitchell gelingt dabei das Kunststück, die einmalige Referenz auf „Fizzbin“ (S. 44) und den zweimaligen Verweis auf „Tribbles“ (S. 166 und S. 214) so behutsam zu integrieren, dass sie nicht wie Fremdkörper wirken, sondern die eigentliche Aussage der Textpassagen unterstreichen.
Dennoch bleibt Mitchell nicht nur auf TOS beschränkt. Ihrem Werk verleiht sie nämlich dadurch Gewicht, dass es eine Lücke schließt, die in der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ unter den Tisch des Produzenten gefallen ist.
Erst hier erfährt der geneigte Leser (oder ahnt es bereits nach dem ersten Übelkeitsanfall S. 103) nämlich von der Schwangerschaft Keiko O'Briens, bzw. Keiko Ishikawas (vgl. S. 334). Somit kann sich die Urheberin rühmen, einen Mosaikstein zum Gesamtbild hinzugefügt zu haben, der nicht nur TNG, sondern sogar DS9 betrifft.

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Tribbles - ein zeitloses Kleinod aller Serien

Kritikwürdige Aspekte: Verwirrt hat mich streckenweise schon, dass einer der Hauptcharaktere ausgerechnet „Breen“ (S. 108) heißen muss und damit immer wieder Verwechslungen mit der gleichnamigen Spezies provoziert, die während des Dominionkrieges so dreist wie erfolgreich die Erde angriff.
Wenn man jedoch bedenkt, dass der vollständige Name des Charakters ja eigentlich „Zelk'helvtrobreen“ (vgl. S. 46) lautet und ferner berücksichtigt, dass auch Schlagerbarde Guildo Horn eigentlich ein 'Horst Köhler' ist, kann man getrost darüber hinwegsehen.
Dass die im Buch hin und wieder auftretende Figur allen Ernstes O'Brien sein soll, wirkt da schon zweifelhafter. Unbestreitbar neigt der findige Transporterchief und spätere Chefingenieur gelegentlich zu cholerischen und impulsiven Verhaltensweisen, doch so kratzbürstig und unsympathisch wirkte der verdiente Unteroffizier selbst im Verlaufe aller Episoden TNGs und Deep Space Nines nie. Ganz besonders sein rassistisches, ja fast schon faschistoides Verhalten den insektoiden Jarada gegenüber (vgl. S. 316f.) passt überhaupt nicht zu der Person, die noch in „Der Rachefeldzug“ ähnliche Emotionen den Cardassianer gegenüber deutlich differenzierter behandelte.
Noch enervierender ist nur noch das andauernde Pochen auf nationale Unterschiede zwischen Keiko und Miles.
Gut, Miles O'Brien ist ein Ire, Keiko Ishikawa eine Japanerin.
Na und?
Die ständige Debatte um unterschiedliche gesellschaftliche Traditionen, die dieses Buch viel zu oft bestimmt, passt einfach nicht in die Star-Trek-Welt, in der multikulturelle Partnerschaften zum galaktischen Alltag gehören und oftmals sogar Bindungen über Speziesgrenzen hinweg (Worf und Jadzia, Trip Tucker und T'Pol, Spock und Uhura) sowie deren Spätfolgen (Spock, Deanna Troi oder Alexander Rozhenko) thematisiert werden.
Daher mutet es völlig fehl am Platz an, wenn Mitchell allen Ernstes die japanische Gesellschaft offen mit einem Insektenstaat vergleicht (vgl. S. 96). Eine beleidigende Bemerkung, die mich etwas an die Heuschrecken-Aussage Franz Münteferings erinnerte.
Um die Betonung der irischen Wurzeln O'Briens steht es nicht viel besser, denn sie bildet einen Widerspruch zur Weigerung Colm Meaneys, in der DS9-Folge „Macht der Phantasie“ statt dem Rumpelstilzchen, das schließlich in der Episode auftauchte, wie geplant einem irischen Leprechaun zu begegnen. Meaney selbst erfasste das Problem mit einer Weitsicht, die auch Mitchell gut getan hätte:

Der Gebrauch von Karrikaturen oder Klischees über irgendeine Nation ist weder etwas, dass Star Trek ausmacht, noch ausmachen sollte.
(sehr frei übersetzt nach Memory Alpha)

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Der Ire als solcher: whiskeytrinkend, grün, mit einem Topf voll Gold

Übersetzung: Das Beherrschen der englischen Sprache ist in unserer Kultur längst zu einem Mindeststandard geworden. Egal ob die Musik im Radio, die Slogans der Fernsehwerbung oder die ausschließlich auf die englischen Seiten Memory Alphas verweisenden Links dieses Blogs (zu meiner Verteidigung: diese Seiten sind detailierter, fehlerärmer und zahlreicher als die des deutschen Pendants) – wir verstehen die Trend-Sprache unserer Zeit zumeist so gut, dass wir uns ihrer oft bedienen.
Wörter wie „cool“, „downloaden“ oder „Player“ bilden längst allgemein verständliche Fremd- oder gar Lehnwörter des Deutschen und bereichern die Sprache, die ähnliche Beeinflussung durch Latein oder Französisch ebenfalls problemlos überlebte.
Und natürlich kann man als halbwegs erfahrener Leser der Heyne-Bücher erschließen, dass mit „Starfleet“ (S. 16) jene Organisation gemeint sein könnte, die in der deutschen Synchronisation zumeist als 'Sternenflotte' bezeichnet wird. Auch die Bezeichnung „Scanning“ (S. 14) liegt noch nahe genug am 'scannen' der Synchronisation, um verstanden zu werden.
Liest man allerdings ständig vom „Medo-Scanning“ (S. 29), der „Scanning-Überwachung“ (S. 150) oder über „Scanningergebnisse“ (S. 250), wünscht man sich irgendwann, dass es zu den Einstellungsvoraussetzungen für Übersetzer von Star-Trek-Büchern des Heyne-Verlages gehört hätte, wenigstens einmal die Fernsehserie gesehen zu haben, über die man dort schreibt.
Auf diese Weise wären vielleicht auch so grässliche Bezeichnungen wie „Gesellschaftsraum des zehnten Vorderdecks“ (S. 11) statt 'Zehn Vorne', „Landegruppe“ (S. 9) statt 'Außenteam' oder „Synthesizer“ (S. 139) statt 'Replikator' erspart geblieben.
Um ein Beispiel dafür zu finden, dass es auch ganz anders geht, muss man allerdings nicht erst die vergleichsweise höherwertigen Übersetzungen Cross Cults heranziehen.
Es genügt bereits ein Blick in dieses Buch.
Neben dem „Insignienkommunikator“ (S. 87) findet man dort auch das ungleich ökonomischere „Kommunikator“ (S. 11), anstelle der „Kreisbahn“ (S. 8) den glanteren „Standardorbit“ (S. 14) und während man in zu vielen anderen Werken vom „Starfleet Command“ lesen muss, heißt es hier wenigstens halb richtig „Starfleet-Oberkommando“ (S. 126).
Doch diese Ausnahmeerscheinungen sind bestenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein. Spätestens, wenn man so verquere Formulierungen wie „[...] Wirkung eines Datenmelkens [...]“ (S. 217) liest, läuft ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Ja selbst der Befehl „Abtreten.“ (S. 138) klingt falsch, denn jeder halbwegs über das Militär informierte Mensch wird hier wie ich oder die deutsche Synchronisation das „Wegtreten!“ bevorzugen.
Bedenkt man schließlich, dass die Formulierung

Who counsels the Counselor?

grottenschlecht und ohne jegliches Einfühlungsvermögen mit

Wer hilft dem Helfer Counselor.“ (S. 140)

übersetzt wurde, hat man ein gutes Argument in der Hand, um nur noch das englischsprachige Original zu lesen. Schließlich tragen freiwillige Fehler wie „desaktivieren“ (S. 203) und unfreiwillige wie „Tricoder“ (S. 30) auch nicht unbedingt dazu bei, als Fürsprecher deutscher Übertragungen zu fungieren. Besonders wenn „Dr. Sela“ (S. 328) auftaucht, wird dies deutlich.
Denn Tasha Yars halbromulanische Tochter hat nicht etwa promoviert, um doch noch auf der USS Enterprise dienen zu können - tatsächlich ist 'Dr. Selar' gemeint, die bereits in „Das fremde Gedächtnis“ einen Kurzauftritt absolvierte und noch immer zum medizinischen Stab des Schiffes zu gehören scheint.
Oder wäre 'Medo-Stab' das bessere Wort?
Nein!
Denn obwohl man oft genug von „Medo-Tricorder“ (S. 29), „Medo-Offizier“ (S. 43) oder „Medo-Gruppe“ (S. 318) lesen muss, bricht der Roman mit der Tradition, enthält dem Leser ein 'o' vor und spricht plötzlich vom „Med-Laboratorium“ (S. 303).
Wenn man schon so einen Kunstpräfix verwendet, sollte man wenigstens auf Einheitlichkeit Wert legen.
Doch zurück zum Einfluss des englischen auf unsere Sprache. Besonders Leuten, denen der Film „Starship Troopers“ oder gar das Buch „Sternenkrieger“ ein Begriff ist, dürfte die Bezeichnung 'Bugs' geläufig sein. Dieser Spottname wird auch den Jarada auch im englischen Original zuteil; in der deutschen Übersetzung liest man hingegen lediglich vom „Käfer“ (S. 89). Der Bezug auf ein längst zu den Standardwerken der Science-Fiction gehörendes Buch geht in der unzulänglichen Übersetzung dieses Werkes verloren.
Sehr schade!

Anachronismen: Liest man dieses Buch, so erscheint der Spottname Lwaxana Trois für Worf in einem völlig anderen Licht. Es wird nämlich behauptet, Klingonen seien für manche Tonhöhen empfänglicher als Menschen (vgl. S. 42).
Da macht die Bezeichnung„Mr. Wuff“ gleich viel mehr Sinn, obwohl der Gebrauch von Schallduschen sowie die Reaktionsfaulheit Worfs auf die hohen Töne Datas in „Traumanalysen“ gegen diese Hypothese sprechen.
Und Stichwort 'Hören': Der angeblich unwiederbringlich zerstörte Kommunikator Dr. Crushers (vgl. S. 184ff.) funktioniert plötzlich wieder (vgl. S. 326) – ein schwerer innerer Logikfehler, den man am besten geflissentlich überliest.
Die größte Ansammlung an Widersprüchen vereint allerdings Keiko auf sich.
Als eine der zentralen Figuren des Werkes kommt ihr natürlich größere Aufmerksamkeit zugute. Was im ersten Moment gut klingt, geht von vorn bis hinten in die Hose.
Verwirrend ist bereits Status der Beziehung zwischen Miles O'Brien und Keiko Ishikawa. Beide feiern zwar das halbjährige Jubiläum ihres Kennenlernens (vgl. S. 11), sind allerdings bereits verheiratet (vgl. S. 131).
Das mutet zwar etwas schnell und überstürzt an, aber das ist an und für sich ja noch menschlich, zumal Rosalind Chao vor der Hochzeitsfolge „Datas Tag“ überhaupt nicht auftaucht.
Fragwürdig daran ist jedoch, warum Keiko noch immer den Namen 'Ishikawa' trägt (vgl. S. 42), obwohl sie mit der Eheschließung den Nachnamen ihres Gatten übernahm.
Auch die Angaben, die Botanikerin sei auf der Sternenflottenakademie gewesen (vgl. S. 256) und verfüge sogar über eine Sternenflottenuniform (vgl. S. 265) decken sich überhaupt nicht mit all jenen Informationen, die bereits in TNG und später auch in DS9 zum Besten gegeben wurden.

Fazit: Star Trek ist stets offen für fremde Kulturen.
Jedenfalls in den Serien und Filmen.
Hier hingegen beweisen seitenlange Diskussionen über kulturelle Unterschiede nur zwischen Menschen, dass die Star-Trek-Bücherwelt nicht gleich auf jeden Zug aufspringen muss, der den Gene-Roddenberry-Gedächtnis-Bahnhof verlässt.
Der Verzicht auf eine angemessene Übersetzung und die geringere Schnittmenge zu den in TNG und DS9 gezeigten Figuren Keiko und Miles O'Brien tun ihr Übriges, um einem allzu großen Wiedererkennungswert vorzubeugen.
Warum also dieses Buch überhaupt lesen?
Nun ja, weil es zum Beispiel eine Tiergruppe zum Gegner erhebt, der durch seine bloße Existenz Abenteuer verspricht. Weil es spannend ist und mit kleinen Referenzen auf die Originalserie eine geschickte Brücke zum maßgeblichen Vorgänger schlägt.
Und weil es eine biografische Lücke stopft, die einige Fans interessieren könnte. Wer gelegentlich also beim Lesen das ein oder andere Auge zudrücken kann, bereitwillig offensichtliche Makel zu ignorieren gewillt ist und mal was über eine Spezies hören möchte, die bislang nur beiläufige Erwähnung fand, wird seine Freude an „Die Jarada“ haben.

Denkwürdige Zitate:

Das ist meine Funktion, vergiß das nicht. Irgendwer muß doch dafür sorgen, daß ihr Galionsfiguren vom Offizierstab den Kontakt zur Realität haltet.
Troi, S. 12

Vertrauen ist immer ein Risiko.
Picard, S. 125

Insekten darf man eben nicht über den Weg trauen.
Chang, S. 151

Sie sollten die Zeit wirklich nicht damit vergeuden, Ihrem Untergebenen den Panzer zu polieren.
Vish, S. 296

Bewertung: Löblicher Versuch mit deutlichen Abstrichen.

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Freitag, 18. Juni 2010

Starfleet-Kadetten 10. Die Atlantis Station

Buchbesprechung Mitchell, V.E.: Starfleet Kadetten. Band 10. Die Atlantis Station. Heyne, 1994/1996.

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Story: In einer Art Praxissemester müssen junge Kadetten der Sternenflottenakademie unter Beweis stellen, dass sie in der Lage sind, das breite Spektrum ihres zukünftigen Berufsfeldes abzudecken.
So ergeht es auch Geordi LaForge, dessen Start in diese Bewährungsprobe allerdings unter einem ungünstigen Stern steht: Er erscheint zu spät zum Starttermin, gerät in eine Gruppe von recht anstrengenden Kommilitonen und erhält nicht einmal die Gelegenheit, seine Flugkünste unter Beweis zu stellen.
Gegenstand ihrer 'Mission' ist die Erkundung der „Isla del Fuego“, einer Vulkaninsel im Atlantik. Nach einigen einleitenden Untersuchungen erhärtet sich Geordis Verdacht, dass einer erneuter Ausbruch des aktiven Feuerschlots unmittelbar bevorsteht. Zwei seiner Kameraden stützen diese Analyse mit ihren eigenen Erkenntnissen, doch der Rest der Gruppe zweifelt daran und nimmt die Warnungen nicht ernst.
Als das „Team“ jedoch die Tiefseeforschungsstation „Atlantis“ erreicht, tritt ein, was LaForge voraussah: Der Vulkan bricht aus, Erdbeben erschüttern die Umgebung und die weit unter dem Meeresspiegel liegende Station muss evakuiert werden. Doch „Neptuns Spind“, wie das Wunderwerk der Technik unter seinen Bewohnern auch genannt wird, entpuppt sich als wahre Todesfalle, denn längst haben eindringende Wassermassen den flüchtenden Kadetten den Weg zu ihrem Shuttle abgeschnitten. Geordi und seinen Kameraden bleibt nichts anderes übrig, als sich einen Weg durch die eisigen Wassermassen zu bahnen...

Lobenswerte Aspekte: Auf der Widmungsplakette der USS Enterprise NCC-1701-D ist folgender Sinnspruch zu finden:

to boldly go, where no one has gone before

Das machte Sinn und war für den Zuschauer Programm; Zefram Cochranes Worte passten wie die Faust aufs Auge zur Fernsehserie. In diesem Buch nutzt Autorin Victoria E. Mitchell ebenfalls eine Widmung, um die Richtung anzudeuten, in die es gehen soll:

Für alle Fans von Star Trek – The Next Generation, die wissen, daß in Wirklichkeit Geordi der Held ist“ (S. 8)

Das klingt schon mal vielversprechend! Geordi ist als Hauptfigur viel zu oft verschmäht und ihn gleich mit einer weiteren zentralen Rolle in einem Starfleet-Kadetten-Roman zu versehen macht das recht kurze Büchlein noch lesenswerter.
Natürlich muss man bei dieser eigentlich für Kinder und Jugendliche angedachten Reihe Abstriche in puncto Stil, Handlung und Aufbau machen, weswegen es umso erstaunlicher ist, wie die Verfasserin es schafft, hier ein recht kompliziertes Thema publikumsgerecht zu verpacken. Der Fokus liegt nämlich gar nicht so sehr darauf, dass Geordi durch seine Blindheit mit einer Behinderung lebt, sondern viel eher auf dem Problem der damit einhergehenden beabsichtigten und unbeabsichtigten (vgl. s. 68ff.) sozialen Ausgrenzung. Das ist schon eine Etage höher als das, was man normalerweise aus Sitcoms, Teenie-Soaps oder Zeichentrickfilmen gewohnt ist.
Stichwort Zeichentrickfilm: Das erwähnte Aquashuttle erinnert als solches sehr an die TAS-Folge „Die Entführung“; ein kleiner Knicks vor der Serie, die sich nie zwischen Erwachsenen und Kindern entscheiden konnte. Mit viel Fantasie und einer Menge guten Willens kann man auf einer der vielen Zeichnungen innerhalb des Buches erkennen, dass es sich irgendwie um eine Weiterentwicklung dieses Gefährts handeln muss (vgl. Abb. S. 57).
Die Bebilderung ist nicht der große Renner, doch hin und wieder blitzt eine gewisse Pfiffigkeit auf. Die Abbildung des abgetauchten, dennoch aber gut zu erkennenden Andorianers ist eine putzige Idee (vgl. Abb. S. 105), die geschickt mit der fremdartigen Anatomie des Volkes spielt.
Dabei ist anzumerken, dass die blauhäutigen Föderationsmitglieder äußerst vorausschauend beschrieben sind. Die Empfindlichkeit ihrer Fühler besonders bei Verletzung (vgl. S. 90) und die
revitalisierende Wirkung von Kälte (vgl. S. 108) zählen schließlich zu jenen Aspekten, die erst im Laufe der Fernsehserie „Enterprise“ zu Tage traten, von der Mitchell 1994 noch gar nichts wissen konnte.
Die große Stärke ist allerdings die Story. Man liest nämlich nicht, wie sonst zu oft, eine lahme Kurzgeschichte, bei der man die ganze Zeit weiß oder zumindest ahnt, dass alles nur eine Holodecksimulation oder eine Übung ist.
Eher im Gegenteil. „Die Atlantis-Station“lebt von einer 'echten' Geschichte, im Zuge derer es sogar zu Toten kommt; ein Umstand, den man innerhalb der Starfleet-Kadetten-Reihe kaum ein zweites Mal erleben kann.

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For Absent Friends: ein Schluck auf Geordi LaForge, von dem wohl nix neues mehr auf der Leinwand zu sehen sein wird

Kritikwürdige Aspekte: Kalte Wassermassen die stählerne Flure entlangdonnern – das klingt nicht nur nach Camerons Titanic, das liest sich auch so! Gott sei Dank, dass sich für den bis zuletzt einsamen LaForge in den 140 Seiten nicht noch eine angedeutete Beziehung anbahnt, denn die hätte dann unweigerlich ins Wasser fallen müssen. Doch auch hier gilt: Titanic war 1997, „Die Atlantis-Station“ 1994.
Also wenden wir uns lieber den eigentlichen Problemen zu.
Wer bereits den Vorgängerband „Erobert die Flagge“ gelesen hat, wird das ein oder andere bekannte Gesicht vermissen, denn wenigstens ein bekannter Charakter hätte der gesamten Serie etwas mehr Kontinuität verliehen. Es ist ja auch nicht so, dass es keine dem entsprechenden Planstellen gegeben hätte; hüben wie drüben finden wir jeweils einen Vulkanier und einen Andorianer.
Zum Glück fehlt hingegen der der Zwergpygmäe, doch zu meinem großen Ärger wird er durch einen Samurai ersetzt, um wenigstens einen exotischen Kadetten aus dem Hut zu zaubern, an dem den kindlichen Leser klargemacht werden kann, wie toll und bunt unser eigener Planet ist. Doch plagiative Klischees und nervtötende Lebensweisheiten, irgendwo zwischen „The Last Samurai“, frühen amerikanischen Ostpazifik-Weltkriegsschinken und „Teenage Mutant Hero Turtles“, begleiten Yoshi Nakamura auf viel zu vielen Seiten (vgl. z.B. S. 101). Ich hatte eigentlich nur noch darauf gewartet, dass der junge Mann den Rest seiner Kameraden durch eine heroische Kamikaze-Aktion rettet, denn das hätte gut zu den restlichen Vorurteilen gepasst, die sich hier von Seite zu Seite wälzten. Oder er hätte aus Wut über die Fehlbarkeit seiner Mitstudenten Harakiri verübt!
Egal welches klassische Klischee sich Mitchell ausgesucht hätte, dass Bild dazu hätte mich definitiv interessiert...
So schön die Bebilderung dieser Werke auch ist, so sehr stört in gleichem Maße, dass die Unterschiede zum Gelesenen so groß sind. Da unterscheidet sich die im Text beschriebene Reihenfolge, in der die einzelnen Personen vom Wasser erfasst werden,(vgl. S. 104 und Abb. S. 105) genauso wie die Verwendung von Atemmasken (vgl. S. 116), die auf Schwarz-Weiß-Darstellungen ebenfalls nicht auszumachen sind (vgl. Abb. S. 119). Wenn es jedoch egal gewesen ist, was für Bilder den Text begleiten sollen, hätte man genauso gut ein paar Stück Rauhfasertapete zwischen den Text kleistern können, um die Fantasie der Leser anzuregen.



Ich wusste es - Mist!

Übersetzung: Auf den paar Seiten Text bleibt nicht viel Platz für Fehler. Allerdings fällt gleich als erstes die Uneinheitlichkeit zwischen zwischen dem Buchtitel und den Erwähnungen der Atlantis-Station innerhalb des Werkes auf (vgl. S. 14, S. 20 oder S. 59).
Ansonsten erwarten den Leser ein Stelldichein von alten Bekannten.
Englische Begriffe werden nämlich deutschen Synonymen zum Trotz englisch belassen, wie man an „Starfleet“ (S. 9), „Robot“ (S. 75) oder „Starbase“ (S. 87) sehen kann.
Begriffe hingegen, die in den Star-Trek-Serien unübersetzt blieben, wie etwa „Vulcan's Forge“ werden etwa mit „Vulkans Schmiede“ (S. 121) ins Deutsche herübergerettet. Selbst der Visor, der in der deutschen Synchronisation mit einem männlichen Artikel versehen wurde, wird hier mal eben sächlich (vgl. S. 10).
Beim Wort „Airbus“ (S. 33), das mit einem männlichen Artikel versehen wurde, hat man als Europäer hingegen ein Bild vor Augen, als ein Amerikaner, die wohl kaum „Boeing“ zu ihren Shuttles sagen würden. Bei so etwas wäre ein wenig mehr Kreativität des Übersetzers wünschenswert gewesen.
Ansonsten bleibt das Buch von großen Fehlern verschont. Wenn man sogar die korrekte Form „deaktiviert“ (S. S. 132) in diesem Buch findet, muss man sich bei Heyne ja schon freuen, doch ein kleines Manko lässt sich auf der letzten Seite doch noch finden.
Der Terminus der „Einschläferung“ bleibt auch in seiner Verbform (Partizip II) „eingeschläfert“ (S. 140) Tieren vorbehalten, und sollte nicht auf intelligentes Leben übertragen werden. Man muss ja nicht gleich von „Euthanasie“ sprechen, doch ein geübter Übersetzer sollte in der Lage sein, hier bessere Formulierungen zu finden.

Anachronismen: Nanu? Was muss man da gleich auf Seite 12 lesen? Klone auf der Sternenflottenakademie? Warum hat sich Dr. Julian Bashir in „Dr. Bashirs Geheimnis“ überhaupt geschämt, genetisch aufgewertet zu sein, wenn es von den Stenarios-Klonen gleich sechs Stück gibt, von denen auch noch jeder zu wissen scheint?
Wenn hingegen, wie behauptet, bei den Andorianern blinde Babys gleich bei Geburt „eingeschläfert“ werden würden (S. 140), stellt sich nur eine Frage: Gibt es deswegen bereits in der Folge „Vereinigt“ so wenige Aenar?

Fazit: Unter den Starfleet-Kadetten-Romanen ist „Die Atlantis Station“ eindeutig einer der besseren. Das Zusammenspiel von schlüssiger Handlung, vielschichtiger Moral und einer Hauptfigur, über die ohnehin zu selten etwas zu hören ist, ergibt einen empfehlenswerten Band, bei dem die wenigen Übersetzungsfehler, seltenen Anachronismen und kleineren konzeptionellen Schnitzer nicht weiter ins Gewicht fallen. Vielleicht kein Koi-Karpfen im Teich der Star-Trek-Literatur, aber immerhin der Goldfisch im Aquarium der Kadetten-Reihe.

Denkwürdiges Zitat:

Warum wollte ich unbedingt auf einem Planeten leben? Raumstationen sind doch viel sicherer!
Lissa Jordan, S. 91

Bewertung: Frischer Wind in den Segeln der Starfleet-Kadetten-Reihe.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene BesatzungStarfleet Kadetten 12: Das EchsenvolkStarfleet Kadetten 13: ArcadeStarfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das WurmlochStarfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: ZigeunerweltStarfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Donnerstag, 30. April 2009

Tore auf einer toten Welt

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Buchbesprechung Mitchell, V.E.: Tore auf einer toten Welt, Heyne 1993.

Story: Die USS Enterprise NCC-1701 wurde beauftragt, eine archäologische Expedition zum Planeten Careta IV zu befördern. Auf dessen Oberfläche stoßen Besatzung und Archäologenteam auf ein merkwürdiges Artefakt, das von einem geheimnisvollen Tarnschild verborgen wurde. Es stellt sich schließlich heraus, dass es sich um ein fremdartiges Transportersystem handelt, das nicht von den Tricordern erfasst werden kann. Doch nachdem Chekov zusammen mit einem Mitglied des Forschungsteams innerhalb dieses fremden Gerätes verschwindet, beschließt Captain Kirk, ebenfalls das Portal zu passieren um nach den beiden Vermissten zu suchen.
Doch Kirk muss kurz darauf am eigenen Leib erfahren, dass dieser mysteriöse Transporter all jene, die ihn betreten, in krebsartige Wesen verwandelt. Ihm bleibt nichts weiter übrig, als seine gesamte Willenskraft aufbringen, um diesen neuen Körper und dessen von Instinkten getriebenen Aktionen zu beherrschen. Doch auf der kalten und nahrungsarmen Welt läuft dem Captain und den anderen transformierten Besatzungsmitgliedern die Zeit davon…

Lobenswerte Aspekte: Die Idee, eine Rasse von „Krebsmenschen“ einzuführen, die nicht nur unglaublich viel älter als die Menschheit ist, sondern auch völlig andersartig, hat einen gewissen Charme. Besonders die Sozialstruktur der Rasse, die der besseren Kontrolle einzelner Individuen dient, ist klug durchdacht und geschickt beschrieben. Wie in einem Puzzle setzen sich die Erkenntnisse während des Lesens schließlich zu einem großen Ganzen zusammen.
Den Kampf, den das Bewusstsein Kirks mit dem fremden Unterbewusstsein des Kh!lict führt, ist natürlich in Filmform sehr schlecht umzusetzen und daher drängt sich die Buchform natürlich auf. Diese Auseinandersetzung bleibt dabei nachvollziehbar und man nimmt den Autoren sogar ab, dass es sich um Kirk in einer Krebsform handelt.
Schließlich bleibt mir noch zu erwähnen, dass mich die Tatsache, dass die Krebsmenschen die Mitglieder des Außenteams, die als fremde Intelligenz schlichtweg nicht in ihr Weltbild passten, einfach ignorierten, an den Großmeister der Science-Fiction-Persiflage erinnerten: Douglas Adams himself.
Eigentlich habe ich an dieser Stelle erwartet, dass der tüchtige Spock den PAL-Feldgenerator findet, und das Problem auf diese Art löst.

Kritikwürdige Aspekte: „Tore auf einer toten Welt“ ist natürlich ein ziemlich hochtrabender und nicht unbedingt zutreffender Titel, da es auf Careta IV nachweislich pflanzliches und tierisches Leben gibt. Wenn es nur darum ging, einen Titel mit möglichst alliterativem Klang zu wählen, dann hätte man das ganze wenigstens konsequent „Tore auf einer total toten Tundrawelt“ nennen können. Alternativ wäre auch so etwas wie „Im Krebsgang“ sehr vorausschauend gewesen.
Das knapp 300 Seiten zählende Buch liest sich nicht sehr gut, ist streckenweise sogar ausgesprochen langweilig und die Kapitelabstände sind schlecht gewählt.

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Genau zwischen die Pfosten - Ein Tor, das Fans schnell wieder vergessen haben

Störend ist außerdem, dass sich alles mal wieder um eine ausgestorbene Zivilisation dreht. Nach Folgen aus Star-Trek-Serien wie „Der alte Traum“ „Die Iconia-Sonden“ „Meuterei“ „Die Zähne des Drachen“ oder „Transformation“ oder Büchern wie der Vanguard-Reihe, „Das Klingon-Gambit“ oder „Die Rückkehr“ ist das Thema schon ein wenig ausgetreten. Und wenn Zivilisationen schon aussterben müssen, warum finden nachfolgende Ausgrabungen immer wieder Steingebäude? Sind solche Zivilisationen vielleicht deshalb ausgestorben, weil sie nicht erkannten, dass man Behausungen auch aus anderen Materialien errichten kann?
Neben diesem sind mir aber auch noch einige andere Logikfehler aufgefallen. Wenn die Kh!lict, die über das Aussenden von Farbverläufen kommunizieren, wieso haben sie dann einen auf Lauten basierenden Eigennamen entwickelt? Oder einen Namen für ihre Lieblingsspeise?
Überhaupt ist mir die Bezeichnung „Kh!lict“ etwas aufgestoßen. Da ein „!“ inmitten eines Wortes auf einen Klicklaut hinweisen soll, frage ich mich, wieso die gesamte Besatzung das Wort benutzt, als würden sie ständig Klicklaute in ihre Kommunikation einbauen.

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Indianer Hannes II: Der Tempel der toten Welt mit den Toren

Merkwürdig fand ich auch, dass Spock in diesem Roman die Logik streckenweise verlässt. Zwei Mitglieder eines Außenteams verschwinden, und an der Stelle, an die sie wahrscheinlich teleportiert wurden, befinden sich zwar keine Menschen, aber urplötzlich zwei Krebswesen, die das selbe Körpergewicht aufweisen, wie die beiden verloren gegangenen Personen. Also da wäre ja selbst ein schweinsnäsiger Tellarit schlau genug gewesen, sich die Frage zu stellen, ob die Leute vielleicht tranformiert wurden! Doch Spock, der für meinen Geschmack zu oft unbeherrscht wirkt, ist in diesem Werk ohnehin schlecht getroffen.
Wunderlich fand ich auch, dass ein auf Betäubung gestellter Phaser einen der Kh!lict tötete, aber später konsequent immer wieder auf die selbe Handwaffe zurückgegriffen wird, um die vielfüßigen Wesen temporär außer Gefecht zu setzen.
Eher positiv überrascht war ich dieses Mal von der Übersetzung. Nicht dass es keine Fehler gab, aber im Vergleich zu anderen Büchern hielten sie sich in Grenzen. Wenn man von üblichen Nachlässigkeiten wie „Starfleet“ (S. 23) einmal absieht, dann sind es zumeist schwierigere Begriffe, die nicht unbedingt dem Star-Trek-Jargon aus Film und Fernsehen entsprachen. So sollte man neben technischen Bezeichnungen wie „E-M-Flux“ (S. 231) oder „Energieflux“ (S. 233) vor allem die Spezialitäten japanische Küche erwähnen, die nur unzureichend in unsere Sprache übertragen wurden, wie etwa „Sishusorten“ statt „Sushisorten“ oder „Zitronen-Soy-Tofu-Salat“ statt „Zitronen-Soja-Tofu-Salat“ (beides S. 163). Doch solche fremdländischen Delikatessen waren in den Suoernarktregalen des Deutschlands der ausgehenden Neunziger eher selten anzutreffen und daher kann man bei diesen Fehlern durchaus Nachsicht walten lassen. Dass die Königskrabben hingegen Krabben, und keine „Königskrebse“ (S. 134) sind, sollte dennoch verbessert werden, um nicht zukünftigen Generationen von Biologiestudenten das Leben unnötig schwer zu machen.
Abschließend sollte noch festgehalten werden, dass die andauernden Dritte-Reichs-Vergleiche nervend waren. Ich denke, dass es keine Diskussion darüber geben kann, welche tiefe und nie wieder gut zu machende Schuldlage in Deutschland in Bezug auf diese Zeit besteht, aber im Vergleich zu den Krebsmenschen hinkten diese ständige Verbindungssuche dann doch ein wenig.

Anachronismen: Mir sind kaum welche aufgefallen, da sich die Geschichte weit von der Föderation entfernt auf einem einsamen Planeten abspielt. Doch etwas hat mich schon verwundert: An einer Stelle wird beschrieben, dass sich Chekov beim Anblick einer außerirdischen Archäologin an eine Hexenmaske erinnert fühlte, „die man bei den Schöpfungsspielen auf Devron 5 verwendete“ (S. 65). Mal abgesehen davon, dass Planeten mit römischen Ziffern versehen werden, ist im TNG-Serienfinale „Gestern, Heute, Morgen“ zu erfahren, dass sich das Devron-System zu jener Zeit in der Romulanischen Neutralen Zone befindet, zu der niemand Zutritt hat. Folglich hat Chekov entweder gegen die Friedensvereinbarungen von 2160 verstoßen oder es gibt noch ein anderes Devron-System.

Fazit: Dieser Roman liest sich zwar nicht allzu besonders gut, aber geizt mit den sonst so verbreiteten Übersetzungsfehlern und Anachronismen. Viele seiner Grundideen sind außerordentlich gut, auch wenn sie oft nicht bis zum bitteren Ende durchdacht sind. Wenn man sich bis zum bitteren Ende vorangekämpft hat, muss man einsehen, dass auch dieses Werk auf Altbewährtes setzt, auch wenn einige Einfälle im Grunde zweifellos gut sind. Alles in allem ist „Tore auf einer toten Welt“ ein mittelprächtiger Roman der nur an wenigen Stellen in der Lage ist, den Leser wirklich zu fesseln.

Denkwürdige Zitate:

Und Sie wollen, daß ich Ihnen helfe, dieses Geheimnis zu lüften?“
Im Moment nehme ich jede Hilfe an, die ich bekommen kann, und sei sie noch so gering und unbedeutend.“ McCoy und Spock, S.131

Ich bin Arzt, kein Meeresbiologe.“ McCoy, S. 198

Immer bereit, Mr. Spock.“ Tallieur, S. 217

Bewertung: Das Tor zu einem mäßig interessanten Leseabend.

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