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Montag, 5. August 2013

Mission Gamma III: Kathedrale

Buchbesprechung Mangels, Andy; Martin, Michael A.: Mission Gamma III. Kathedrale. Cross Cult,  2002/2011.

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Story: Bajor und seine Außenstelle Deep Space 9 putzen sich für den anstehenden Föderationsbeitritt heraus. Doch während die Bajoraner froh und glücklich ob des anstehenden politischen Großereignisses wirken, brodelt es unter der nationalen Oberfläche. Das bajoranische Glaubenssystem sieht nämlich nicht nur einer lähmenden Kai-Wahl entgegen, sondern muss sich auch mit religiösen Spaltern herumschlagen, die nach der Veröffentlichung des Buches 'Ohalu' massenhaft die Gesellschaft durchdringen. Doch während der Großteil der Reformierten längst Schlüsselpositionen innerhalb von Militär, Politik und Religion besetzt hat, findet sich Kira Nerys als Urheberin dieser Entwicklungen noch immer isoliert in ihrem eigenen Volk wieder. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die ständigen Sticheleien ihres ehemaligen Geliebten und amtierenden Premierministers Shakaar Edon und den ständigen Anwerbeversuchen seitens der Ohalu-Jünger. Ihre ohnehin wacklige Stellung als Stationskommandantin erfährt innerhalb dieser Wirren ernsthafte Belastungsproben.
Derweil entdecken Besatzungsmitglieder der USS Defiant auf ihrer Erkundungsmission im Gamma-Quadranten ein interdimensionales Gebilde mit ungeheuerlichen Ausmaßen. Es wird von zwei verschiedenen Spezies beansprucht, die zwar mit primitiven Waffen, aber mit fanatischem Eifer um das Objekt kämpfen. Das Schiff unter dem Kommando Elias Vaughns gerät zwischen diese Frontlinien, als klar wird, dass das fremde Objekt die Verantwortung dafür trägt, dass Ezri ihren Symbionten abstößt, Julian Bashir zu einem Dummkopf mutiert und Nog plötzlich das verloren geglaubte Bein nachwächst. Als die drei auch noch beginnen, unkontrolliert zwischen verschiedenen parallelen Universen zu springen ist es an Vaughn, das Leben seiner Offiziere durch einen beherzten Vorstoß zurück zum schwer bewachten Objekt zu wagen....

Lobenswerte Aspekte: "All religion has to have its way" bemerkten dereinst drei Barden namens David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash in ihrem überraschenderweise gleichnamigen Song "Cathedral" recht treffend (das Buch erschien im englischen Original ebenfalls unter dem Titel "Cathedral").



Aus genau diesem Grunde tritt die Handlung wohl einmal rasch beiseite, als der aufmerksame Leser Zeuge der größten Kirchenspaltung der bajoranischen Geschichte wird. Kira Nerys mutiert zu einem Martin Luther wider Willen, als ihre den fünfundneunzig Thesen entsprechende Veröffentlichung der Schriften Ohalus endlich die Massen ihrer Heimatwelt erreicht um zur materiellen Gewalt zu werden. Die Erwähnung der bereits aus "Ein Stich zur rechten Zeit" bekannten cardassianischen Sektierer-Religion der Orelianer (vgl. S. 184ff.) kann als netter Zug interreligiöser Verständigung auf unserem eigenen Planeten interpretiert werden, zumal sich auch auf der vertrauten Erde größere Religionen wie Christentum, Islam oder Judentum trotz inniger Feindschaft auf gemeinsame Wurzeln zurückführen lassen.
Das bleibt aber nicht der einzige Querbezug in die Wissenswelt des Rezipienten. Mangels und Martin zitieren aus den verschiedenen Star-Trek-Serien und -Filmen wie zwei Sonntagsprediger aus der Bibel: Hier wird ein Gleichnis aus der Fernsehserie Deep Space Nine bemüht (vgl. z.B. S. 45, S. 50 oder S. 119), dort die Stammmutterschaft der Heiligen Hoshi Sankt Sato für die Translationswissenschaften herangezogen (vgl. S. 148) und schließlich sogar einer jener klassischen Vergleiche Star Treks bemüht, der den hohen Standards der allgemeinen Verständlichkeit problemlos genügt (vgl. S. 76f.). Aber auch Referenzen an die Nerd-Ikonen der verschrobenen Leserschaft fehlen keineswegs. So finden selbst MC Escher (vgl. S. 36) oder Carl Sagan (vgl. S. 63) wohlverdiente Erwähnung, die wohl nur Weird Al Yankovics Geek-Hymne "White and Nerdy" toppen kann. 
Aber selbst der Bezug auf das aus Voyager hinlänglich bekannte Erden-Genie Leonardo da Vinci (vgl. S. 117ff.) ist mit Bedacht gewählt und clever positioniert – sie passt gleichermaßen zur Vita und dem Selbstverständnis des genetisch aufgewerteten Stationsmediziners Julian Bashir.
Überhaupt ist das der größte Pluspunkt dieses Werkes: Die Tilgung weißer Flecken auf den biografischen Landkarten der einzelnen Charaktere dient dabei allerdings nicht nur dem Blick zurück, sondern auch dem nach vorn. Sämtliche Figuren reifen im Verlaufe der in äußerst flüssigem Stil gehaltenen Seiten und verleihen der Buch gewordenen Staffel Acht der Fernsehserie 'Deep Space Nine' eine Daseinsberechtigung, die über das sture Nacherzählen bekannter (und damit langweiliger) Routinen hinausreicht.
Eine der spannendsten Ideen bildet schließlich die Rückentwicklung, der sich Bashir, Dax, Ezri und Nog stellen müssen. Eine vielversprechende Wendung, die mal wieder tatkräftig unter Beweis stellt, was bereits im Vorgänger angerissen wurde: Die letzte Grenze ist eben nicht das weite All, sondern der Mensch und seine Fähigkeit, auf Veränderungen angemessen zu reagieren.

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Kritikwürdige Aspekte: "Open up the gates of the church and let me out of here!" beschwören erwähnte Barden Crosby, Stills und Nash ihre Zuhörer eindringlich in ihrem Song "Cathedral" und auch das kann man problemlos auf dieses Buch anwenden.
Besonders die religiöse Komponente, die vielleicht noch die amerikanische Lebenswirklichkeit treffen mag, bleibt dem europäischen Leser vergleichsweise verschlossen. Mehr als einmal wünscht man sich den Star-Trek-Urvater Gene Roddenberry herbei, auf dass er mahnend seinen atheistischen Zeigefinger gegen diesen Unsinn erhebe. Die Selbstfindungsversuche münden nämlich in einem unsagbar peinlichen Brückendialog mit Fremdschämfaktor, den ich mir beim Besten Willen zuvor nicht im Star-Trek-Universum vorstellen konnte (vgl. S. 365ff.).
Aber damit nicht genug, denn die gesamte bajoranische Glaubensgemeinschaft ist so offensichtlich an die katholische Kirche angelehnt, dass die Autoren im sechzehnten Jahrhundert sicherlich noch öffentlich als Ketzer verbrannt worden wären, weil sie auf infame Art und Weise die göttliche Ordnung verballhornten. Ihre Querverbindungen zum großen (bajoranischen) Schisma, zu Predigten (vgl. S. 277) oder gar Konklaven (vgl. S. 239ff.) sind für selbst für Science-Fiction-Verhältnisse viel zu durchschaubar-plump, zumal die Ökumene mit den cardassianischen Lutheranern (vgl. S. 331ff.) dem Ganzen sicherlich noch die Krone aufsetzt.
Zugegebenerweise war ich nie ein Freund der pseudo-religiösen Komponente der Fernsehserie 'Deep Space Nine', doch hätte ich damals schon gewusst, in welche Bresche spätere Bücher wie dieses schlagen würden, hätte ich anno dazumal versöhnlichere Töne angeschlagen. Also nochmal zum Mitschreiben: Religion hat in Star Trek nichts zu suchen! Außer natürlich, sie wird wie in "Der Tempel des Apoll", "Die Stunde der Erkenntnis" oder "Der Gott der Mintakaner" als Irrweg ausgeschildert.



Auch der unsagbar "kreative" Moment, in dem Bajor sämtliche Drehkörper auf einmal zurückgegeben wurden, war ein Armutszeugnis der Erzählkunst. Es gräbt nicht nur kommenden Romanen das Wasser ab, sondern ist bei Lichte besehen eigentlich ein alter Hut. Spontane Rückgaben verloren geglaubter Drehkörper gab es nämlich schon in der Episode "Das Motiv der Propheten" und dem Auftakt-Roman dieser Serie "Offenbarung, Buch I".
Aber hey!
Was soll's?!
Immerhin ist der Seifenopercharakter der Serie ja treffend eingearbeitet worden!
Tatsächlich sogar soweit, dass dieses Buch das erste in dieser Reihe war, in dem mich die Geschehnisse des Alpha-Quadranten mehr interessierten, als die im Gamma-Quadranten, nach dem selbige Erzählriege ("Mission Gamma") ja eigentlich benannt wurde. Das lag allerdings weniger daran, dass das Geschehen auf Deep Space 9 spannender gewesen wäre, sondern war eher darin begründet, dass der Handlungsbogen in "Kathedrale" so ziemlich das langweiligste Stück Story war, dass mir jemals untergekommen ist.
Da ist ein Objekt, das Probleme verursacht. Die Probleme werden erkannt und behoben. Dazwischen ein wenig "Pew! Pew!" und fertig ist eine gesamte Geschichte.
Von wegen!
Bedenkt man nämlich die erschreckend hohe Seitenzahl, auf der sich diese breit geschilderte Belanglosigkeit zutrug, kann man das Martyrium nachvollziehen, dem sich der Leser trotz des flüssigen Stils des dynamischen Schreiber-Duos zu stellen hat. Und auch das Thema Paralleluniversen hat seit Episoden wie "Parallelen", "Ein Parallel-Universum" oder "Temporale Sprünge" längst nicht mehr den Nimbus einer sonderlich kreativen Erzählebene inne.
Das gesamte Konzept krankt also schon seit Beginn. Das kann man auch wunderbar im Titel erkennen, denn die Frage, ob das fremde Objekt nun eine "Kathedrale" oder ein "Anathema" ist (vgl. S. 153), bleibt nämlich nicht der Interpretation des Lesers überlassen, sondern lässt sich bereits im Titel glasklar ablesen.
Alles in allem plätschert das gesamte Buch ereignisarm vor sich hin, ohne dass irgendetwas von Belang passiert. Wirklich spannende Entwicklungen bleiben auf Anspielungen beschränkt (vgl. S. 331) oder werden auf den letzten Seiten angeschnitten (vgl. S. 375f.) und zukünftigen Romanen überlassen. Dazwischen erstreckt sich erzählerische Leere und das Buch erzeugt bestenfalls Vorfreude auf die kommenden Werke. Es empfiehlt sich daher, diesen bloßen Lückenfüller zu übergehen und mit dem letzten Band dieser Reihe fortzufahren.

Übersetzung: Die Mittelmäßigkeit dieses Werkes setzt sich auch in seiner Übersetzung fort. Übersetzer Christian Humberg leistet natürlich in gewohnt gekonnter Manier seinen Beitrag dazu, den guten Stil des Werkes redlich ins Deutsche zu übertragen, doch zuweilen erwächst der Eindruck, er habe über den zu vielen Zeilen mit der Zeit das Interesse an einer gewissenhaften Übertragung verloren. Anders lassen sich einige Trantütigkeiten wie die falsche Schreibweise von "hypyrianischer" (S. 74) oder Sätze wie "Wer wollte den nun schon wieder ihre Zeit für sich beanspruchen?" (S. 83) oder "Also müssen Sie raus aus Stadt, klar?" (S. 216) nicht erklären. Von Fehlern wie vergessenen Fragezeichen (vgl. S. 156), der unnötigen Großschreibung des Adjektives "befleckt" (vgl. z.B. S. 25, S. 126 oder S. 244) oder der Pluralform von "Schott", die wohl nur eine Landratte so bilden kann (vgl. S. 198), ganz zu schweigen.
Als Historiker ist mir besonders die beständig verwendete Formulierung "Stein von Rosette" (vgl. S. 79. S. 150 oder S. 206) übel aufgestoßen. Nicht, dass die Bezeichnung falsch wäre, doch nicht umsonst hat jeder einzelne meiner Altertums-Dozenten das Relikt (wie übrigens im englischen Original auch) als "Stein von Rosetta" bezeichnet – nicht zuletzt, um kindische Wortwitze darüber im Keim zu ersticken.

Anachronismen: Wo soll ich nur anfangen?
Traditionell würden sich die Andorianer anbieten, die mal wieder abweichend von der Darstellung in "Enterprise" präsentiert werden (vgl. S. 87). Aber das ist halb so wild, denn nicht der ohnehin verständliche Fehler ("Enterprise" steckte noch in den Kinderschuhen, als dieses Buch geschrieben wurde) ist das Problem, sondern die vielen Logiklöcher, die die Autoren selbst in ihr Werk rissen.
So passt Bashirs durchgängig geschwollene Ausdrucksweise innerhalb seiner persönlichen Logbucheinträge kaum zu seinem rapide abnehmenden Geisteszustand (vgl. S. 261ff.). Selbst wenn die darauf folgende Aufnahme schon eher den richtigen Ton trifft (vgl. S. 265), muss man festhalten, dass der radikale Sprung zwischen beiden Momentaufnahmen völlig übergangsfrei daherkommt.
Zudem verwundert es, dass Doktor Bashir sich nicht in eben der selben Kathedrale befunden hat, als er in der DS9-Folge "Ferne Stimmen" in seinem eigenen Freud'schen Es gefangen war – immerhin sucht sein Unterbewusstsein in beiden Fällen eine angemessene Erscheinungsform.
Gut, an der Darstellung in der Serie  kann niemand mehr etwas ändern, aber wäre es zumindest nicht logischer gewesen, wenn Bashir da Vincis Vorbild zwar genutzt hätte, doch der Folge entsprechend DS9 zu seiner Kathedrale umfunktioniert hätte? Die gotisch anmutenden Pylonen hätten jedenfalls ins Bild einer klassischen 'Kathedrale' gepasst.
Das alles ist jedoch nichts im Vergleich zum Shuttle Sagan. An ihm messen die Ingenieure der Defiant immerhin die selben Symptome wie bei den Insassen (vgl. S. 79), doch während die Passagiere Groundhopping zwischen den Realitäten veranstalten und zwecks Heilung zur 'Kathedrale' reisen, verbleibt das Schiff nicht nur brav im Shuttlebay, sondern wird am Ende sogar noch aktiv für die Rettung ihrer vorherigen Fahrgäste missbraucht (vgl. S. 354). Das alles passt perfekt ins Bild der dürftig hingeschmierten Gamma-Quadranten-Handlung, entspricht jedoch nicht unbedingt dem, was ein halbwegs auf innere Logik vertrauender Leser von Star-Trek-Romanen verdient.

Fazit: Was nützt die schönste Figurenentwicklung, wenn die Handlung nicht über den Status sanfter Berieselung hinausreicht? Wozu die Mühe, den Roman in den breiten Kanon einzuarbeiten,wenn er nicht einmal einfachsten Ansprüchen an die innere Logik genügt? Warum bemüht man eine wissenschaftliche Erklärung zur Rückentwicklung von Personen, wenn man im Endeffekt alle Seriosität mit religiöser Rhetorik wieder verwäscht?
Solcherlei Fragen müssen sich die Autoren Mangels und Martin gefallen lassen, denn ihr Buch Kathedrale krankt an solcherlei internen Widersprüchen. Besonders aber die Abstinenz erzählwürdiger Ereignisse macht diesen Band zu einem bloßen Lückenfüller, denn man auch getrost auslassen kann.

Denkwürdige Zitate:

"Diese Jugend heutzutage... Hört nur noch Krach und hält das für Musik."
Ezri Dax, S. 34

"Danke, Isaac Newton."
Julian Bashir, S. 44

"Holla, holla! Ich schenke hier nur aus. Das Philosophieren überlasse ich den Leuten, die ihr Latinum bei mir lassen."
Quark, S. 136

"Weiß überhaupt jemand im Gamma-Quadranten, wie man teilt?"
Ezri Dax, S. 233

"Dort, im Herzen der Föderation, ist mangelndes Talent nicht gerade ein großes Problem."
Julian Bashir, S. 260

"Wir können Raumschiffe ans Ende der Galaxis schicken, aber wenn's ums Unkraut geht, sind wir machtlos."
Joseph Sisko, S. 362

Bewertung: Viel Lärm um Nichts.

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Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel 8, Bd. 01: Offenbarung, Buch I
DS9, Staffel 8, Bd. 02: Offenbarung, Buch II
DS9, Staffel 8, Bd. 03: Sektion 31: Der Abgrund
DS9, Staffel 8, Bd. 04: Portale: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel 8, Bd. 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel 8, Bd. 06: Mission Gamma II: Dieser graue Geist
DS9, Staffel 8, Bd. 07: Mission Gamma III: Kathedrale

Sonntag, 26. Dezember 2010

Mission Gamma I: Zwielicht

Buchbesprechung George III., David R.: Mission Gamma. Bd. 1. Zwielicht, Cross Cult, 2010.

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Story: Monate sind ins Land gegangen, seitdem Kira Nerys' Gewissenstat, das umstrittene Buch Ohalu über die bajoranische Variante von Wikileaks öffentlich zugänglich zu machen, sie die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft ihres Volkes kostete.
Doch der Kommandantin der Station Deep Space Nine ist weder ihr Glaube an die Propheten, noch der an das bajoranische Volk zu nehmen. Aus diesem Grund erscheint der plötzliche Besuch eines unkommunikativen Sternenflottenadmirals gepaart mit dessen nahezu inquisitorischer Neugier wie eine weitere unnötige Prüfung ihrer Leidensfähigkeit. Dass der hochrangige Besuch weniger eine Befleckte, als viel eher eine Schwester im Geiste in ihr sehen könnte, wäre Kira sicherlich als Letztes eingefallen.
Währenddessen muss sich auch jemand anderes mit Admiralsbesuch herumschlagen. Der Andorianer Shar hat zu seinem Leidwesen wieder einmal Besuch von seiner Mutter erhalten. Diesmal hat die Admiralin Charivretha zh'Thane für ihren Sprößling Shar eine ganz besondere Überraschung im Gepäck:
Alle seine Bindungspartner haben die fürsorgliche Erzeugerin begleitet, um den jungen Offizier davon zu überzeugen, mit ihnen nach Andoria zurückzukehren, um dort den Vier-Personen-Paarungsakt mit ihnen zu vollziehen. Der heißblütige Andorianer muss sich also zwischen Familientradition und einer Forschungsmission entscheiden, die zum ersten Mal seit dem Dominionkrieg wieder in den Gamma-Quadranten führen soll.
Endlich wieder zu forschen ist der Impuls, der auch Elias Vaughn antreibt. Den ersten Offizier der Station, der während der Dauer der 'Mission Gamma' zum Captain der umgerüsteten Defiant ernannt wurde, plagen neben familiären Problemen eine Vielzahl weiterer, tief sitzender Erinnerungen, derer er sich noch gar nicht bewusst ist. Erst in der Ödnis eines mittlerweile unbewohnten Planeten, der als Ursprungsort eines todbringenden Energieimpulses ausgemacht wird, sieht sich erneut mit längst verschüttet geglaubten, schmerzhaften Episoden seiner Vergangenheit konfrontiert, die er sich nicht erklären kann...

Lobenswerte Aspekte: Der erste Blick auf „Zwielicht“ ist trügerisch.
Das immense Gewicht, die horrende Seitenzahl und die Tatsache, dass es gerade einmal der Auftakt einer in sich geschlossenen, vierteiligen Buchserie sein soll, kann auf den ersten Blick recht abschreckend wirken.
Wenn man sich jedoch überwindet, wird man die ein oder andere Überraschung erleben. So empfand ich die Geschichte verglichen mit den Vorgängerromanen als nahezu abgeschlossen. Die Handlung wird nicht mit einem abrupten, unsinnigen und nur vermeintlich spannungssteigernden Höhepunkt abgewürgt, sondern hat ausreichend Platz, um den Leser für seinen Durchhaltewillen zu belohnen.
Belohnt wird ferner, wer sich etwas im Star-Trek-Universum auskennt. Neben den längst zum Standard gereiften Referenzen auf Folgen („Auge des Universums“ vgl. S. 111, „Der Streik“ vgl. S. 128f. oder „Die Belagerung von AR-558“ vgl. S. 131) glänzt Autor David R. George III durch versteckte Kleinsthinweise wie auf die Vorliebe der Jem'Hadar zu stehen (vgl. S. 75), die Beschreibung der Form eines Spanners (vgl. S. 99, allerdings passt die Beschreibung eher auf einen Flusskopler) oder die verschiedenen Verben der Ferengi-Sprache für Regen (vgl. S. 172) werden wohl nur für Kenner auf Folgen wie „Das winzige Raumschiff“, „Empok Nor“ oder „Die Reise nach Risa“ zurückzuführen sein.
Was aber nicht bedeuten soll, dass dieses Werk frei von Überraschungen ist. Beispielsweise ergänzt der Autor den offiziellen Kanon um die Erwerbsregeln 53 („Vertrauen Sie niemandem, der sie überragt“) und 235 („Ducken Sie sich, denn der Tod ist groß.“, beide S. 130).
Und auch alle, die erwartet haben, dass das neuerliche Beitrittsgesuch Bajors zur Föderation nun problemlos über die Bühne gehen sollte, sieht sich eines besseren belehrt. Konfessionelle Machtkämpfe und tief sitzender Hass gegen die Cardassianer drohen die geplante Aufnahme zu sabotieren und werfen düstere Schatten in die Zukunft.
Eine Zukunft, in der Ezri Dax ja bekanntlich zum Captain ernannt werden wird. In diesem Buch kann man den Reifungsprozess der jungen Trill vom Counselor zur fähigen Kommandantin hautnah mitverfolgen. Und wer von ihren Kommandoentscheidungen und ihren Schwierigkeiten liest, ihren eigenen Weg zu finden, kann dem späteren Befehlshaber der USS Aventine mit weitaus weniger Argwohn begegnen. Direkt schade, dass Cross Cult Destiny VOR diesem Buch herausbringen musste.
Aber so ziemlich jeder Charakter reift in diesem Buch wie ein französischer Käse in der Höhle.
Egal ob Nog, der seinen Hass Jem'Hadars gegenüber verstärkt, Prynn Tenmei, die ihrem Vater Elias Vaughn zu verzeihen beginnt oder Shar, der verzweifelt gegen sein genetisches Erbe ankämpft - allen Charakteren gelingt es, unter der einfühlsamen Feder des Autoren zu wachsen und gedeihen.
Selbst der Austauschstudent Taran'atar erhält diese Gelegenheit und nebenbei bemerkt: Das Kapitel, in dem der gezüchtete Supersoldat den Kindergarten der Station besucht, ist der heimliche Höhepunkt des Buches. Die großartige Szene ist ein grandioses Plädoyer für die zeitlose Unvoreingenommenheit von Kindern und der erste Moment, in dem die heile Welt und die einfachen Erklärungsmuster des Retortenkriegers Risse zeigen.

Kritikwürdige Aspekte: Vielleicht ist „Zwielicht“ auf den ersten Blick doch nicht so trügerisch.
Mit sage und schreibe zweiundsiebzig Kapiteln und fünfhundertachtundsiebzig Seiten Text ist es kein Buch, dass man mal so eben nebenbei lesen könnte. Das allein wäre ja zu verschmerzen, denn es gibt hierzulande glücklicherweise genug willige Leseratten, die sich von quantitativen Argumenten nicht abschrecken lassen.
Aus diesem Grunde sollte man also mal auf qualitativer Ebene genauer hinsehen. Da muss man schon anmerken, dass dieser Roman einen verdammt langen Anlauf benötigt, bevor es überhaupt in irgendeiner Form mitreißend wird. Schier endlos anmutende Passagen zur Einführung, ausgedehnte Erläuterungen sowie ellenlange Rückblenden sorgen im Zusammenspiel dafür, dass erst ab Seite 210 so etwas wie Spannung aufzukommen vermag.
Die bezieht sich dabei lediglich auf die Komplikationen der Defiant-Forschungsmission im Gamma-Quadranten, während die anderen Teile der Handlung um den Föderationsbeitritt Bajors, Shars Reproduktionsscheu oder Kasidys Expeditionen ins Bajoraner-Reich zwar unterhaltsam, niemals jedoch fesselnd sind.
Und auch die vermeintliche Forschungsmission versteht nur an deren Beginn zu überzeugen. Dax' außerkörperliche Erfahrungen, Vaughns Reise ins Ich und die Survivalerfahrung Prynns und Shars gehen bei weitem nicht so sehr unter die Haut, wie die Schilderungen um die Katastrophe auf dem Heimatplaneten der Vahni Vahltupali.
Betrachtet man also den Umfang des Buches, die endlose Entwicklung der Handlung und die vielen akribischen Schilderungen, wirkt es schließlich beinahe wie ein schlechter Witz, dass der Abschluss des Erzählstrangs um die neuen Abenteuer der Defiant lächerlich wenige Seiten umfasst und in etwa so glaubhaft wirkt, wie Präsident Bushs Beweise für ABC-Waffen im Irak.
Dabei kann man das sogar noch irgendwie verschmerzen.
Noch unglaubwürdiger war in meinen Augen nämlich nur eines: Die sich anbahnende Romanze Ro Larens mit Quark.
Nichts gegen Armin Shimerman, doch der von ihm porträtierte Barchef hatte in etwa den erotischen Reiz und die sexuelle Anziehungskraft, die auch Mr. Bean ausstrahlte. Dass ihm ausgerechnet Ro Laren ins Netz gehen soll, ist zwar eine nette Geste (die vielleicht zeigen soll, dass auch männliche Star-Trek-Fans äußere Unzulänglichkeiten herunterspielen können, um eine flotte Mieze abzugreifen), wirkt aber nicht sehr glaubwürdig für eine Frau, deren letzter bekannter Kopulationspartner immerhin William Riker war.
Es ist ja noch nicht einmal, dass man es Quark nicht gönnt, aber die Beziehung ist etwa so realistisch wie eine Beziehung zwischen Sisko und Janeway, Deanna Troi und Harry Kim oder Chekov und T'Pol. Beide so teenagerhaft verknallt zu erleben, schmeckt eher nach schlechter Fanfiction, als nach guter Charakterentwicklung.

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Schmunzette auf Teenagerniveau: Quark ♥ Ro!

Übersetzung: Der Umfang des Werkes ist sicherlich kein Spaziergang für den Übersetzer. Auf der Facebook- und Twitter-Präsenz der Star-Trek-Roman-Abteilung konnte man im Vorfeld von einigen im Lektorat ausgebügelten Fehlern lesen und um so erfreulicher, dass sie sich trotz der wahren Flut an potentiellen Fehlerquellen in Grenzen halten.
Was natürlich nicht gleich heißen soll, dass es nichts zu beanstanden gäbe.
Hier und da begegnet uns ein falsches Satzzeichen (Punkt statt Fragezeichen, S. 60), eine falsch verwendete Zeitform („danke“ statt 'dankte', S. 238), ein unglücklich gewählter Kasus („wegen dessen“, S. 229), Schnitzer in der Groß- und Kleinschreibung („Schlimmer“, S. 266) oder Tippfehler („Versorgungstirm“, S. 456). Die Verteilung und Häufigkeit geben jedoch keineswegs Anlass zur Kritik.
Statt dessen habe ich mich sogar aufrichtig darüber gefreut, dass mit „blümerant“ (S. 264) ein vom Aussterben bedrohtes deutsches Wort Aufnahme gefunden hat. Ferner gefiel mir, dass ich mich mal schlau machen musste, wass „haptisch“ (S. 492) überhaupt bedeutet. Besonders angetan war ich allerdings von der kreativen Übersetzung „Sternenflottenfuzzis“ (S. 138) für „starfleet type“, die ich aus dem Munde Quarks als äußerst nachvollziehbar empfand.
Getrübt haben mich drei andere Dauerfehler.
So wird in den Erwerbsregeln eigentlich durchweg geduzt, und nicht, wie hier zu lesen, gesiezt (vgl. 130).
Zudem existiert mit dem deutschen Begriff „Fähnrich“ ein allgemein bekanntes Äquivalent für den Begriff „Ensign“ (z.B. S. 176). Während der englischsprachige Begriff nämlich im 22. Jahrhundert (also in der Serie Enterprise) verwendet wurde, fand in den zeitlich naheliegenderen Serien stets der deutschsprachige Rang Anwendung. Neben Fähnrich Harry Kim, Fähnrich Wesley Crusher und Fähnrich Pavel Chekov war es insbesondere Ro Laren, die diese Bezeichnung sogar in den Titel einer deutschsprachigen Episode hievte: „FÄHNRICH Ro“.
Englisch belassen kann man hingegen ruhig das auch im deutschen so genannte „Medkit“. Die hier aufgeführten zahlreichen Erwähnungen von „Medikit“ (S. 334, S. 347, S. 388, S. 389, S. 391, S. 394 und S. 466) erinnern schließlich zu sehr an die schrecklichen „Medo“-Kombinationen der alten Star-Trek-Übersetzungen des Heyne-Verlags.

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Zwar noch nicht ganz richtig - doch die gute Absicht ist erkennbar

Anachronismen: „Zwielicht“ liegt in einem Graubereich zwischen Kanon und guter Idee. Damit meine ich noch nicht einmal die Bücherwelt, derer man spätestens in dem Augenblick gewahr wird, wenn man mit Bowers und Leishman von zwei Offizieren liest, die in Destiny noch immer unter Ezri Dax dienen.
Nein, das Problem liegt ganz woanders.
Es ist blau, hat Fühler und spielte eine gewichtige Rolle in Star Trek: Enterprise.
Die Rede ist selbstverständlich von den Andorianern.
So erfuhr der Zuschauer in „Die Aenar“ erstmals, wie die Heimatwelt der schlumpffarbenen Außerirdischen tatsächlich aussieht. Er sah dort mit eigenen Augen, dass Andoria ein eisbedeckter Mond um einen Gasriesen ist, der seine Bewohner nicht mit allzu hohen Temperaturen verwöhnt. Nur gelegentlich verursachen als Hitzewellen empfundene Erwärmungen Angaben knapp über dem Gefrierpunkt.
In diesem Zusammenhang ist es schon verwunderlich, dass an gleich zwei Stellen behauptet wird (vgl. S. 178 und S. 448), dass Andorianer höhere Temperaturen und Luftfeuchtigkeitswerte bevorzugen würden.
Zudem wird bereits in der TOS-Folge „Wenn die Götter zerstören“ festgehalten, dass Andorianer nicht auf intravenöse Injektionen reagieren (vgl. S. 389)
Ebenso fragwürdig mutet die Praxis an, vier Geschlechter zu Fortpflanzung zu benötigen. Immerhin deutet in „Dies sind die Abenteuer...“ nichts darauf hin, dass außer der Aenar Jhamel und Shran noch jemand an der Erzeugung Tallas beteiligt gewesen wäre und auch die Bemerkungen Shrans zu Talas in „Babel“ legen nahe, dass bei Andorianern Männlein und Weiblein zur sexuellen Reproduktion völlig ausreichend sind.
Allerdings gab Data in „Datas Tag“ zu Protokoll, dass eine andorianische Hochzeit vier Personen umfassen würde.
Auf diese Informationen gründet sich ein Andorianer-Bild in der Star-Trek-Literatur, dass zwischen vier verschiedenen Geschlechtern unterscheidet: zwei eher weiblichen namens shen und zhen und zwei eher männlichen namens chan und thaan. Aus diesem Grund lautet der Nachname Shars auch ch'Thane: der Präfix „ch'“ steht für sein Geschlecht.
Leider ist dieses Bild nur noch schwer mit dem offiziellen Kanon vereinbar.
Die 2005 gesendete vierte Staffel der Serie konnte auf das 2002 in den USA erschienen Buch natürlich keinen Einfluss nehmen und ganz persönlich empfinde ich es als besonders fahrlässig von den damaligen Enterprise-Autoren, die hier aufgeführten Ideen nicht umgekehrt für ihre eigenen Drehbücher aufzugreifen. Die Vierteilung der Geschlechter ist immerhin ein Aspekt, der die andorianische Gesellschaft fremdartiger und damit auch interessanter macht.
Das in „Zwielicht“ präsentierte Andorianer-Bild ziehe ich dem der Serie bei weitem vor – auch wenn das bedeutet, die Informationen aus der bislang letzten Star-Trek-Serie an den Rand ihrer Strapazierfähigkeit interpretieren zu müssen. Denn unter uns: Die anderen beiden Eltern Tallas hat man bloß nie zu Gesicht bekommen, weil es nie eine fünfte Staffel Enterprise gab...
Eine andere Sache sorgt außerdem für Stirnrunzeln.
Obwohl auf Seite 49 noch absolut richtig von 800 Millionen cardassianischen Opfern durch den finalen Akt des Dominion-Krieges berichtet wird, schraubt sich diese Angabe auf Seite 61 auf lediglich 800.000 herunter. Daran ist allerdings weniger der Autor David R. George III. Schuld, als vielmehr der Übersetzer Christian Humberg, der im Eifer des Gefechtes die Mengenangabe falsch übertragen hat.

Fazit: „Zwielicht“ ist tatsächlich ein Spiel von Licht und Schatten.
Zum einen ist es ein unerlässlicher Bestandteil der Star-Trek-Bücherwelt, in dem besonders der Charakterentwicklung sehr, sehr viel Platz gelassen wird und dafür, dass es den Auftakt einer vierteiligen Reihe bilden soll, wirkt es sogar vergleichsweise in sich geschlossen.
Andererseits benötigt es ein zu große Warmlaufphase und der Umfang steht in einem scharfen Kontrast zum völlig überfallartigen Ende. Auch Quarks und Ro Larens kitschige Romanze wirkt etwas fehl am Platz.
Lesenswert ist es allerdings schon allein wegen der näheren Betrachtung andorianischer Kultur, die zwar vielleicht mit dem offiziellen Kanon auf Kriegsfuß steht, dafür aber die eindeutig interessantere Geschichte zu bieten hat.

Denkwürdige Zitate:

Ich betreibe eine Bar, keine karitative Probierstube.
Quark, S. 261

Die Sternenflotte sollte ihre Shuttles aus dem Material bauen, aus dem ihre Überlebenskoffer bestehen.
Vaughn, S. 348

Die Schuld liegt immer bei den Bauern, nie beim König.
Quark, S. 420

Selbst ein Folterknecht ist Gesellschaft.
Vaughn, S. 546

Bewertung: Licht und Schatten.

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Weiterführende Leseliste:
DS9, Staffel Acht, 01: Offenbarung, Buch 1
DS9, Staffel Acht, 02: Offenbarung, Buch 2
DS9, Staffel Acht, 03: Der Abgrund
DS9, Staffel Acht, 04: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel Acht, 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel Acht, 06: Mission Gamma II: Dieser Graue Geist

Donnerstag, 12. November 2009

Offenbarung. Buch 1

Buchbesprechung Perry, S. D.: Offenbarung. Buch 1. Cross Cult, 2007/2009.

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Story: Die Raumstation Deep Space Nine sucht nach den Abgängen von Spitzenkräften wie Ben Sisko, Odo, Worf oder O'Brien noch immer nach ihrer Identität. Inmitten von Umbau und Aufrüstungsarbeiten lernt sich die neu zusammengestellte Crew erst kennen.
Und Konflikte sind vorprogrammiert: Kira und die neue Sicherheitschefin Ro Laren zicken sich an, Quark hat ein Auge auf Ro geworfen, Nog steht unter Stress und in der Beziehung zwischen Ezri und Bashir beginnt es langsam zu kriseln. Kira verliert auch noch eine alte Freundin durch ein Attentat direkt vor dem Quark's.
Doch zu den kleinen menschlichen Grabenkämpfen gesellen sich urplötzlich größere, denn eine Gruppe von Jem'Hadar-Schiffen greift ohne Vorwarnung die Station an und erwischt sie auf dem kalten Fuße: Nur mit Müh und Not sowie fremder Hilfe gelingt es, dem Blitzangriff zu trotzen. Doch der Preis ist hoch. Die zur Bewachung abgestellte USS Aldebaran wird zerstört, die Defiant kampfunfähig gemacht und Deep Space Nine muss Verluste an Besatzung und Einrichtung hinnehmen.
Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Jake hat eine Prophezeiung aufgetan, die ihm einen Weg aufzeigt, seinen Vater zurückzuholen, die Enterprise hat einen verschollenen Drehkörper gefunden und Ro hat einen wichtigen Schritt zur Lösung des Mordfalles getan, der vor dem Quark's stattfand.
Doch eben jener Fall ist von viel größerer Tragweite, als die meisten Bewohner der Station überhaupt ahnen können...

Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Endlich ein Auflösungsversuch, nachdem das doofe Serienfinale „Das, was Du zurückläßt“ ja viel zu viele Fragen unbeantwortet gelassen hat. Erinnern wir uns:
Sisko ist auf unbestimmte Zeit auf eine Art Klassenfahrt bei den Propheten, Rom wird Nagus, Odo kehrte in den Tümpel zurück, aus dem er kam und die arme Kasidy ist ebenso schwanger wie allein.
Dass so ein offenes Ende voll Moppelkotze ist, haben sich jedoch nicht nur die Fans gedacht, sondern auch die vielen fleißigen Star-Trek-Bücherautoren. Bei so einer Menge Potential musste einfach auf die ein oder andere Art und Weise eine Fortsetzung folgen, und auch wenn der Verlag Cross Cult sich eine Menge Zeit für das eigentlich im Oktober zur Erscheinung angedachte Werk ließ, hat sich das lange Warten dennoch gelohnt.
Denn „Offenbarung“ ist spannend geschrieben und Stephani Danelle Perry beweist auf so ziemlich jeder einzelnen Seite ihr überaus beeindruckendes Hintergrundwissen zur Serie Deep Space Nine. Doch auch andere Serien kommen nicht zu kurz; von TOS (vgl. S. 121) bis ENT (vgl. S. 253) wird hier eine unheimlich große Bandbreite an Informationen aus den verschiedensten Serien aufgenommen.
Erinnern wir uns zurück an eine Zeit, in der DS9 das erste Mal über den Äther lief: Die Crew der damals so überaus populären USS Enterprise NCC 1701-D leistete der abgewrackten Raumstation am Rande des bekannten Universums Entwicklungshilfe und der Auftritt Picards läutete den Lauf der Serie ein. Doch damit nicht genug.
Mit Miles O'Brien ließ sie eine überaus sympathische und altbekannte Figur zurück, die hier dem Zuschauer den Einstieg in die Nachfolgerserie vereinfachen sollte.
Nun, nach den sieben Staffeln ist natürlich alles anders. Obwohl – ist es das wirklich?
Die USS Enterprise NCC 1701-E unter dem Kommando Jean-Luc Picards ist auf dem Weg nach Deep Space Nine und mit Ro Laren ist ein für den Leser und Fernseher altbekanntes Gesicht mit von der Partie.
Zuerst allerdings schrillten sämtliche Alarmglocken in meinem Hinterkopf, als ich erfuhr, dass ausgerechnet Ro Laren und Kira Nerys zusammen auf der Raumstation arbeiten sollten.
Wie man nämlich bei Memory Alpha schnell nachlesen kann, sollte eigentlich Ro Laren die ranghöchste Bajoranerin spielen, doch als Michelle Forbes den Produzenten einen Korb gab, modifizierten diese ihre Rolle leicht und die Figur Kira Nerys war geboren.
Die vielen Ähnlichkeiten sind frappierend, besonders wenn man die Darstellung Nana Visitors im Kontrast zu ihrem Alter, ihrer Attraktivität und ihrem schauspielerischen Talent sieht.
Doch im Laufe der Serie bekam Kira einen Vorteil, den Ro Laren nicht im gleichen Maße hatte: Der Charakter konnte sich entwickeln und reifen.
Und genau diesen Vorteil nutzt Perry ausgiebig. En Detail erarbeitet sie während der Handlung die feinen Unterschiede zwischen beiden und dabei ist es so glaubwürdig wie hilfreich, dass sich beide nicht mögen. Gerade das Zusammenspiel dieser beiden macht einen großen Reiz dieser Geschichte aus.

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Kleine Notizen können vergesslichen Menschen eine echte Lebenshilfe sein

Aber auch die anderen Charaktere sind gut getroffen. Angefangen beim noch immer profitgeilen Quark, über den impulsiven Nog, bis hin zum etwas plüschigen Jake hat man stets einen hohen Wiedererkennungsgrad.
Dennoch sind die neu eingeführten Charaktere der eigentliche Clou des Buches. Besonders über den Andorianer Shar habe ich mich gefreut, und die Art und Weise, auf die ein wirklich popeliger Nebendarsteller der Folge „Heilige Visionen“ hier zu einem der zentralen Charaktere hochgezogen wird, ist schlichtweg genial (vgl. S. 216).
Besonders gelungen sind zudem die Bolianerin Jast oder die verschiedenen Crewmitglieder der USS Aldebaran. Sie alle sind nämlich eingehend beschrieben und erwecken ein Sympathiegefühl beim ahnungslosen Leser, der im Verlaufe weniger Seiten auch schon wieder Abschied von ihnen nehmen muss, denn sie alle finden einen sinnlosen Tod. Drastisch und radikal, aber durchaus gelungen!
Desweiteren hervorzuheben sind die vielen kleinen Zusatzinformationen, die dem Leser geboten werden. So erfährt man ausführlicher von den traumatischen Feuererlebnissen, die Geordi LaForge in „Der einzige Überlebende“ erwähnte (vgl. S. 149), wie Jakes vollständiger Name lautet (vgl. S. 23) oder wozu die Antennen von Andorianern nütze sind (vgl. S. 188f. und S. 202f.). Auch dass Simon Tarses aus „Das Standgericht“ auf DS9 einen neuen Job gefunden hat (vgl. S. 47), war erfreulich zu hören.

Kritikwürdige Aspekte: Im Laufe der Seiten tauchen unglaublich viele Bezüge auf andere Bücher auf (vgl. S. 132, S. 147 oder S. 142), und besonders im Umgang mit Charakteren wie Elias Vaughn und Ro Laren sollte man sich schon gut in der Star-Trek-Bücherwelt auskennen.
Doof nur, dass die meisten der entsprechenden Werke (noch) gar nicht auf deutsch erschienen sind, und somit nur den englischen Büchern zu entnehmen sind. Dem hiesigen Leser fehlen dadurch zu viele Bezüge und das ungute Gefühl einer unnötigen Wissenslücke ist beim Lesen ein ständiger Begleiter.
Leider liegt der größte Nachteil des Buches darin, dass es eigentlich kein wirkliches Buch ist, denn das Ende fehlt ihm völlig. Mit wachsender Nähe zum viel zu abrupten Finale des Romans wird immer deutlicher, dass sich die Handlung zwar endlich verdichtet, doch die immer weniger werdenden Seiten zeugen schnell davon, dass es nur ein Buch zum Anfüttern ist, das auf einen zweiten Teil hinarbeitet.
Man kann mich gern als altmodischen Spießer bezeichnen, aber ich persönlich empfinde diese neuerliche Mode kleinerer Mehrteiler-Romane eher als Abzocke, denn als spannungssteigerndes Element. Ein solch umfangarmes Werk wie „Offenbarung“ hätte man auch problemlos mit seinem Nachfolger zusammenlegen können, denn für sich allein ist es nichts halbes und nichts ganzes – ein loses Stückwerk, an das man sich nur fragmentarisch erinnert, wenn endlich (und sicherlich wieder mit Verspätung) der zweite Band erscheint.

Übersetzung: Schon nach wenigen Zeilen wird klar, das Christian Humberg wieder zugeschlagen hat: An Formulierungen wie „darstellten“ (S. 5), „welcher“ (S. 7) oder „[...] der diesen [...]“ (S. ), die in ihrem Kontext irgendwie fehl am Platz wirken, kann man schnell den Stil erkennen, der bereits im vierten Vanguard-Band „Offene Geheimnisse“ auffiel.
Doch, einmal vom chronologischen Einleitungsteil abgesehen, verlieren sich entsprechende Fehler und Humbergs Übersetzung, deren Stärke eindeutig in seiner Wortwahl liegt, verleiht dem Roman eine angenehme Flüssigkeit. Formulierungen wie „[...] falsche Fuffziger [...]“ (S. ) oder „Mumpitz“ (S. 271). die es zwar so im amerikanischen Englisch nicht gibt, passen jedoch gut zur jeweiligen Situation und beweisen, dass man sich als Übersetzer durchaus die ein oder andere Freiheit nehmen darf, um der deutschen Sprache trotz des Originaltextes genügend Spielraum zu bieten.
Kleinere Fehler oder Streitfälle wie „EMZ“ (S. 8) statt 'DMZ', „Ensign“ (S. 118) statt 'Fähnrich' oder „Sythale“ (S. 251) statt 'Synthale' verlieren daher an Bedeutung, zumal es hier der erste Roman seit langem erschienen ist, in dem es endlich einmal „Runabout“ (S. 47) statt 'Flitzer' heißt.

Anachronismen: Obgleich der Roman, der ja nach Deep Space Nine ansetzt, nicht sonderlich anfällig für Fehler in der Zeitlinie sein dürfte, sind mindestens drei kleine Ungereimtheiten zu finden.
Kiras Traum vom cardassianischen Frachter Kamal beinhaltet auch cardassianische Wärter, die sie zeitlich anhand ihrer Uniformen einordnen kann (vgl. S. 37). Logisch eigentlich, schließlich tragen die Löffelköpfe in der TNG-Episode „Der Rachefeldzug“ ganz andere Uniformen, als etwa später bei Deep Space Nine.
Dumm nur, dass bei Odos Trip in die eigene Vergangenheit (vgl. „Die Schuld“) eindeutig die selben cardassianischen Uniformen zu sehen sind, die auch in den verschiedenen Episoden der Serie zu sehen waren.
Gut, eigentlich war das Schlamperei am Set der Folge, aber dummerweise wird dadurch dem achtsamen Blick Perrys widersprochen.

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For the Uniform?

Der nächste kleinere Fehler ist vielleicht sogar nur ein Tippfehler, denn obwohl sich der Andorianer Shar ob der Temperatur auf der Station unwohl fühlt (vgl. S. 59), sehnt sich der blauhäutige Wissenschaftler plötzlich in sein „[...] warmes Quartier [...]“ (S. 76) zurück. Nun, 'warm' wäre nun wirklich das letzte Wort, dass man mit der andorianischen Heimatwelt, wie sie in „Die Aenar“ zu sehen war, in Verbindung bringen müsste.
Am merkwürdigsten fand ich allerdings, dass bei den Bajoranern das Alphabet zwar in einer anderen Reihenfolge als das menschliche verläuft, doch der Meter ein allgemeines Kulturgut des Universums sein muss. Die mysteriösen Angaben, denen Ro nämlich hinterherforscht, geben zwar abweichende Zahlen für die Stellung der Buchstaben im Alphabet an, doch die Angabe von 1,5 Metern bleibt, selbst allen unterschiedlichen Längenmaßeinheiten, die es allein auf der Erde gibt, die selbe (vgl. S. 220).

Fazit: Wer auch mit einem gewissen Gefühl der Enttäuschung das Serienfinale von Deep Space Nine gesehen hat, dem sei die „Offenbarung, Buch 1“ ans Herz gelegt.
Endlich geht es weiter, denn die vielen offenen Fragen schreien geradezu nach einer längst überfälligen Beantwortung.
Und tatsächlich herrscht Aufbruchstimmung wie beim Pilotfilm: Die Enterprise ist auf dem Weg zur Station und mit Ro Laren ist ein vertrautes Gesicht mit dabei. Auch die neu eingeführten Charaktere überzeugen auf ganzer Linie. Viele neue Informationen für den neugierigen Fan bereichern die Handlung und ebenso zahlreiche Querverweise auf Deep Space Nine, andere Star Trek Serien und Bücher schaffen eine Aura der Vertrautheit. Selbst die Übersetzung ist richtig gut gelungen und die wenigen Anachronismen stören auch nicht weiter.
Nur eines nervt: Wer ein normales, in sich geschlossenes Werk erwartet, oder sowieso die Hälfte wieder vergessen hat, wenn Cross Cult endlich den zweiten Band herausbringt, sollte vielleicht beide Bücher zusammen erwerben, denn diesem Buch fehlt ein Abschluss, der eine Moral und eine Katharsis bietet.

Denkwürdiges Zitat:

Ich vermisse dich, Jake.
Ich vermisse dich auch. Also küsst Du mich jetzt, oder was?
Nog und Jake, S. 260

Bewertung: Ein vielversprechender Anfang, aber eben nur ein Anfang.

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Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel Acht, 01: Offenbarung, Buch 1
DS9, Staffel Acht, 02: Offenbarung, Buch 2
DS9, Staffel Acht, 03: Der Abgrund
DS9, Staffel Acht, 04: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel Acht, 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel Acht, 06: Mission Gamma II: Dieser Graue Geist