Posts mit dem Label Mission Gamma werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mission Gamma werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 5. August 2013

Mission Gamma III: Kathedrale

Buchbesprechung Mangels, Andy; Martin, Michael A.: Mission Gamma III. Kathedrale. Cross Cult,  2002/2011.

 photo Kathedrale_01_zpsb1ad16d1.jpg

Story: Bajor und seine Außenstelle Deep Space 9 putzen sich für den anstehenden Föderationsbeitritt heraus. Doch während die Bajoraner froh und glücklich ob des anstehenden politischen Großereignisses wirken, brodelt es unter der nationalen Oberfläche. Das bajoranische Glaubenssystem sieht nämlich nicht nur einer lähmenden Kai-Wahl entgegen, sondern muss sich auch mit religiösen Spaltern herumschlagen, die nach der Veröffentlichung des Buches 'Ohalu' massenhaft die Gesellschaft durchdringen. Doch während der Großteil der Reformierten längst Schlüsselpositionen innerhalb von Militär, Politik und Religion besetzt hat, findet sich Kira Nerys als Urheberin dieser Entwicklungen noch immer isoliert in ihrem eigenen Volk wieder. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die ständigen Sticheleien ihres ehemaligen Geliebten und amtierenden Premierministers Shakaar Edon und den ständigen Anwerbeversuchen seitens der Ohalu-Jünger. Ihre ohnehin wacklige Stellung als Stationskommandantin erfährt innerhalb dieser Wirren ernsthafte Belastungsproben.
Derweil entdecken Besatzungsmitglieder der USS Defiant auf ihrer Erkundungsmission im Gamma-Quadranten ein interdimensionales Gebilde mit ungeheuerlichen Ausmaßen. Es wird von zwei verschiedenen Spezies beansprucht, die zwar mit primitiven Waffen, aber mit fanatischem Eifer um das Objekt kämpfen. Das Schiff unter dem Kommando Elias Vaughns gerät zwischen diese Frontlinien, als klar wird, dass das fremde Objekt die Verantwortung dafür trägt, dass Ezri ihren Symbionten abstößt, Julian Bashir zu einem Dummkopf mutiert und Nog plötzlich das verloren geglaubte Bein nachwächst. Als die drei auch noch beginnen, unkontrolliert zwischen verschiedenen parallelen Universen zu springen ist es an Vaughn, das Leben seiner Offiziere durch einen beherzten Vorstoß zurück zum schwer bewachten Objekt zu wagen....

Lobenswerte Aspekte: "All religion has to have its way" bemerkten dereinst drei Barden namens David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash in ihrem überraschenderweise gleichnamigen Song "Cathedral" recht treffend (das Buch erschien im englischen Original ebenfalls unter dem Titel "Cathedral").



Aus genau diesem Grunde tritt die Handlung wohl einmal rasch beiseite, als der aufmerksame Leser Zeuge der größten Kirchenspaltung der bajoranischen Geschichte wird. Kira Nerys mutiert zu einem Martin Luther wider Willen, als ihre den fünfundneunzig Thesen entsprechende Veröffentlichung der Schriften Ohalus endlich die Massen ihrer Heimatwelt erreicht um zur materiellen Gewalt zu werden. Die Erwähnung der bereits aus "Ein Stich zur rechten Zeit" bekannten cardassianischen Sektierer-Religion der Orelianer (vgl. S. 184ff.) kann als netter Zug interreligiöser Verständigung auf unserem eigenen Planeten interpretiert werden, zumal sich auch auf der vertrauten Erde größere Religionen wie Christentum, Islam oder Judentum trotz inniger Feindschaft auf gemeinsame Wurzeln zurückführen lassen.
Das bleibt aber nicht der einzige Querbezug in die Wissenswelt des Rezipienten. Mangels und Martin zitieren aus den verschiedenen Star-Trek-Serien und -Filmen wie zwei Sonntagsprediger aus der Bibel: Hier wird ein Gleichnis aus der Fernsehserie Deep Space Nine bemüht (vgl. z.B. S. 45, S. 50 oder S. 119), dort die Stammmutterschaft der Heiligen Hoshi Sankt Sato für die Translationswissenschaften herangezogen (vgl. S. 148) und schließlich sogar einer jener klassischen Vergleiche Star Treks bemüht, der den hohen Standards der allgemeinen Verständlichkeit problemlos genügt (vgl. S. 76f.). Aber auch Referenzen an die Nerd-Ikonen der verschrobenen Leserschaft fehlen keineswegs. So finden selbst MC Escher (vgl. S. 36) oder Carl Sagan (vgl. S. 63) wohlverdiente Erwähnung, die wohl nur Weird Al Yankovics Geek-Hymne "White and Nerdy" toppen kann. 
Aber selbst der Bezug auf das aus Voyager hinlänglich bekannte Erden-Genie Leonardo da Vinci (vgl. S. 117ff.) ist mit Bedacht gewählt und clever positioniert – sie passt gleichermaßen zur Vita und dem Selbstverständnis des genetisch aufgewerteten Stationsmediziners Julian Bashir.
Überhaupt ist das der größte Pluspunkt dieses Werkes: Die Tilgung weißer Flecken auf den biografischen Landkarten der einzelnen Charaktere dient dabei allerdings nicht nur dem Blick zurück, sondern auch dem nach vorn. Sämtliche Figuren reifen im Verlaufe der in äußerst flüssigem Stil gehaltenen Seiten und verleihen der Buch gewordenen Staffel Acht der Fernsehserie 'Deep Space Nine' eine Daseinsberechtigung, die über das sture Nacherzählen bekannter (und damit langweiliger) Routinen hinausreicht.
Eine der spannendsten Ideen bildet schließlich die Rückentwicklung, der sich Bashir, Dax, Ezri und Nog stellen müssen. Eine vielversprechende Wendung, die mal wieder tatkräftig unter Beweis stellt, was bereits im Vorgänger angerissen wurde: Die letzte Grenze ist eben nicht das weite All, sondern der Mensch und seine Fähigkeit, auf Veränderungen angemessen zu reagieren.

 photo kathedrale_02_zpsd5cee3f2.jpg


Kritikwürdige Aspekte: "Open up the gates of the church and let me out of here!" beschwören erwähnte Barden Crosby, Stills und Nash ihre Zuhörer eindringlich in ihrem Song "Cathedral" und auch das kann man problemlos auf dieses Buch anwenden.
Besonders die religiöse Komponente, die vielleicht noch die amerikanische Lebenswirklichkeit treffen mag, bleibt dem europäischen Leser vergleichsweise verschlossen. Mehr als einmal wünscht man sich den Star-Trek-Urvater Gene Roddenberry herbei, auf dass er mahnend seinen atheistischen Zeigefinger gegen diesen Unsinn erhebe. Die Selbstfindungsversuche münden nämlich in einem unsagbar peinlichen Brückendialog mit Fremdschämfaktor, den ich mir beim Besten Willen zuvor nicht im Star-Trek-Universum vorstellen konnte (vgl. S. 365ff.).
Aber damit nicht genug, denn die gesamte bajoranische Glaubensgemeinschaft ist so offensichtlich an die katholische Kirche angelehnt, dass die Autoren im sechzehnten Jahrhundert sicherlich noch öffentlich als Ketzer verbrannt worden wären, weil sie auf infame Art und Weise die göttliche Ordnung verballhornten. Ihre Querverbindungen zum großen (bajoranischen) Schisma, zu Predigten (vgl. S. 277) oder gar Konklaven (vgl. S. 239ff.) sind für selbst für Science-Fiction-Verhältnisse viel zu durchschaubar-plump, zumal die Ökumene mit den cardassianischen Lutheranern (vgl. S. 331ff.) dem Ganzen sicherlich noch die Krone aufsetzt.
Zugegebenerweise war ich nie ein Freund der pseudo-religiösen Komponente der Fernsehserie 'Deep Space Nine', doch hätte ich damals schon gewusst, in welche Bresche spätere Bücher wie dieses schlagen würden, hätte ich anno dazumal versöhnlichere Töne angeschlagen. Also nochmal zum Mitschreiben: Religion hat in Star Trek nichts zu suchen! Außer natürlich, sie wird wie in "Der Tempel des Apoll", "Die Stunde der Erkenntnis" oder "Der Gott der Mintakaner" als Irrweg ausgeschildert.



Auch der unsagbar "kreative" Moment, in dem Bajor sämtliche Drehkörper auf einmal zurückgegeben wurden, war ein Armutszeugnis der Erzählkunst. Es gräbt nicht nur kommenden Romanen das Wasser ab, sondern ist bei Lichte besehen eigentlich ein alter Hut. Spontane Rückgaben verloren geglaubter Drehkörper gab es nämlich schon in der Episode "Das Motiv der Propheten" und dem Auftakt-Roman dieser Serie "Offenbarung, Buch I".
Aber hey!
Was soll's?!
Immerhin ist der Seifenopercharakter der Serie ja treffend eingearbeitet worden!
Tatsächlich sogar soweit, dass dieses Buch das erste in dieser Reihe war, in dem mich die Geschehnisse des Alpha-Quadranten mehr interessierten, als die im Gamma-Quadranten, nach dem selbige Erzählriege ("Mission Gamma") ja eigentlich benannt wurde. Das lag allerdings weniger daran, dass das Geschehen auf Deep Space 9 spannender gewesen wäre, sondern war eher darin begründet, dass der Handlungsbogen in "Kathedrale" so ziemlich das langweiligste Stück Story war, dass mir jemals untergekommen ist.
Da ist ein Objekt, das Probleme verursacht. Die Probleme werden erkannt und behoben. Dazwischen ein wenig "Pew! Pew!" und fertig ist eine gesamte Geschichte.
Von wegen!
Bedenkt man nämlich die erschreckend hohe Seitenzahl, auf der sich diese breit geschilderte Belanglosigkeit zutrug, kann man das Martyrium nachvollziehen, dem sich der Leser trotz des flüssigen Stils des dynamischen Schreiber-Duos zu stellen hat. Und auch das Thema Paralleluniversen hat seit Episoden wie "Parallelen", "Ein Parallel-Universum" oder "Temporale Sprünge" längst nicht mehr den Nimbus einer sonderlich kreativen Erzählebene inne.
Das gesamte Konzept krankt also schon seit Beginn. Das kann man auch wunderbar im Titel erkennen, denn die Frage, ob das fremde Objekt nun eine "Kathedrale" oder ein "Anathema" ist (vgl. S. 153), bleibt nämlich nicht der Interpretation des Lesers überlassen, sondern lässt sich bereits im Titel glasklar ablesen.
Alles in allem plätschert das gesamte Buch ereignisarm vor sich hin, ohne dass irgendetwas von Belang passiert. Wirklich spannende Entwicklungen bleiben auf Anspielungen beschränkt (vgl. S. 331) oder werden auf den letzten Seiten angeschnitten (vgl. S. 375f.) und zukünftigen Romanen überlassen. Dazwischen erstreckt sich erzählerische Leere und das Buch erzeugt bestenfalls Vorfreude auf die kommenden Werke. Es empfiehlt sich daher, diesen bloßen Lückenfüller zu übergehen und mit dem letzten Band dieser Reihe fortzufahren.

Übersetzung: Die Mittelmäßigkeit dieses Werkes setzt sich auch in seiner Übersetzung fort. Übersetzer Christian Humberg leistet natürlich in gewohnt gekonnter Manier seinen Beitrag dazu, den guten Stil des Werkes redlich ins Deutsche zu übertragen, doch zuweilen erwächst der Eindruck, er habe über den zu vielen Zeilen mit der Zeit das Interesse an einer gewissenhaften Übertragung verloren. Anders lassen sich einige Trantütigkeiten wie die falsche Schreibweise von "hypyrianischer" (S. 74) oder Sätze wie "Wer wollte den nun schon wieder ihre Zeit für sich beanspruchen?" (S. 83) oder "Also müssen Sie raus aus Stadt, klar?" (S. 216) nicht erklären. Von Fehlern wie vergessenen Fragezeichen (vgl. S. 156), der unnötigen Großschreibung des Adjektives "befleckt" (vgl. z.B. S. 25, S. 126 oder S. 244) oder der Pluralform von "Schott", die wohl nur eine Landratte so bilden kann (vgl. S. 198), ganz zu schweigen.
Als Historiker ist mir besonders die beständig verwendete Formulierung "Stein von Rosette" (vgl. S. 79. S. 150 oder S. 206) übel aufgestoßen. Nicht, dass die Bezeichnung falsch wäre, doch nicht umsonst hat jeder einzelne meiner Altertums-Dozenten das Relikt (wie übrigens im englischen Original auch) als "Stein von Rosetta" bezeichnet – nicht zuletzt, um kindische Wortwitze darüber im Keim zu ersticken.

Anachronismen: Wo soll ich nur anfangen?
Traditionell würden sich die Andorianer anbieten, die mal wieder abweichend von der Darstellung in "Enterprise" präsentiert werden (vgl. S. 87). Aber das ist halb so wild, denn nicht der ohnehin verständliche Fehler ("Enterprise" steckte noch in den Kinderschuhen, als dieses Buch geschrieben wurde) ist das Problem, sondern die vielen Logiklöcher, die die Autoren selbst in ihr Werk rissen.
So passt Bashirs durchgängig geschwollene Ausdrucksweise innerhalb seiner persönlichen Logbucheinträge kaum zu seinem rapide abnehmenden Geisteszustand (vgl. S. 261ff.). Selbst wenn die darauf folgende Aufnahme schon eher den richtigen Ton trifft (vgl. S. 265), muss man festhalten, dass der radikale Sprung zwischen beiden Momentaufnahmen völlig übergangsfrei daherkommt.
Zudem verwundert es, dass Doktor Bashir sich nicht in eben der selben Kathedrale befunden hat, als er in der DS9-Folge "Ferne Stimmen" in seinem eigenen Freud'schen Es gefangen war – immerhin sucht sein Unterbewusstsein in beiden Fällen eine angemessene Erscheinungsform.
Gut, an der Darstellung in der Serie  kann niemand mehr etwas ändern, aber wäre es zumindest nicht logischer gewesen, wenn Bashir da Vincis Vorbild zwar genutzt hätte, doch der Folge entsprechend DS9 zu seiner Kathedrale umfunktioniert hätte? Die gotisch anmutenden Pylonen hätten jedenfalls ins Bild einer klassischen 'Kathedrale' gepasst.
Das alles ist jedoch nichts im Vergleich zum Shuttle Sagan. An ihm messen die Ingenieure der Defiant immerhin die selben Symptome wie bei den Insassen (vgl. S. 79), doch während die Passagiere Groundhopping zwischen den Realitäten veranstalten und zwecks Heilung zur 'Kathedrale' reisen, verbleibt das Schiff nicht nur brav im Shuttlebay, sondern wird am Ende sogar noch aktiv für die Rettung ihrer vorherigen Fahrgäste missbraucht (vgl. S. 354). Das alles passt perfekt ins Bild der dürftig hingeschmierten Gamma-Quadranten-Handlung, entspricht jedoch nicht unbedingt dem, was ein halbwegs auf innere Logik vertrauender Leser von Star-Trek-Romanen verdient.

Fazit: Was nützt die schönste Figurenentwicklung, wenn die Handlung nicht über den Status sanfter Berieselung hinausreicht? Wozu die Mühe, den Roman in den breiten Kanon einzuarbeiten,wenn er nicht einmal einfachsten Ansprüchen an die innere Logik genügt? Warum bemüht man eine wissenschaftliche Erklärung zur Rückentwicklung von Personen, wenn man im Endeffekt alle Seriosität mit religiöser Rhetorik wieder verwäscht?
Solcherlei Fragen müssen sich die Autoren Mangels und Martin gefallen lassen, denn ihr Buch Kathedrale krankt an solcherlei internen Widersprüchen. Besonders aber die Abstinenz erzählwürdiger Ereignisse macht diesen Band zu einem bloßen Lückenfüller, denn man auch getrost auslassen kann.

Denkwürdige Zitate:

"Diese Jugend heutzutage... Hört nur noch Krach und hält das für Musik."
Ezri Dax, S. 34

"Danke, Isaac Newton."
Julian Bashir, S. 44

"Holla, holla! Ich schenke hier nur aus. Das Philosophieren überlasse ich den Leuten, die ihr Latinum bei mir lassen."
Quark, S. 136

"Weiß überhaupt jemand im Gamma-Quadranten, wie man teilt?"
Ezri Dax, S. 233

"Dort, im Herzen der Föderation, ist mangelndes Talent nicht gerade ein großes Problem."
Julian Bashir, S. 260

"Wir können Raumschiffe ans Ende der Galaxis schicken, aber wenn's ums Unkraut geht, sind wir machtlos."
Joseph Sisko, S. 362

Bewertung: Viel Lärm um Nichts.

 photo 2er.png

Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel 8, Bd. 01: Offenbarung, Buch I
DS9, Staffel 8, Bd. 02: Offenbarung, Buch II
DS9, Staffel 8, Bd. 03: Sektion 31: Der Abgrund
DS9, Staffel 8, Bd. 04: Portale: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel 8, Bd. 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel 8, Bd. 06: Mission Gamma II: Dieser graue Geist
DS9, Staffel 8, Bd. 07: Mission Gamma III: Kathedrale

Montag, 24. Juni 2013

Mission Gamma II: Dieser graue Geist

 photo grau_03_zps1bdff75d.jpg

Buchbesprechung Jarman, Heather: Mission Gamma II: Dieser graue Geist. Cross Cult, 2002/ 2011.


Story: Auf Deep Space 9 kommt es dieser Tage zum großen diplomatischen Showdown. Auf der einen Seite die Bajoraner, die nun endlich den aufgeschobenen Föderationsbeitritt umsetzen wollen. Auf der anderen Seite die Föderation, die kritisch jedes einzelne Haar in der Suppe zu finden gedenkt und mit Adleraugen auf Verfehlungen des bajoranischen Volkes lauert.
Als ob das noch nicht genug wäre, künden sich just in diesem Moment illustre zusätzliche Gäste an, die das Duell zu einer menage á trois mutieren lassen: Die Cardassianer tauchen im Fahrwasser des umtriebigen Dukat-Doppelgängers Gul Macet auf und sorgen für ein großes Tohuwabohu auf ihrer ehemaligen Station.
Derweil strandet der rüstige erste Offzier Elias Vaughn im Gamma-Quadranten. Eine Falle aus Nanobots legt die Schiffssysteme der Defiant lahm. Glücklicherweise werden sie von einer amphibisch anmutenden Spezies namens Yrythny gerettet, die ihnen auch die Möglichkeit bietet, die beschädigten Sektionen in ihrer Heimat zu beheben. Doch die Crew gerät damit nicht nur zwischen die Fronten eines bewaffneten Konflikts zweier verschiedener Spezies, sondern auch in Reichweite eines schwelenden Bürgerkrieges, der laut einer alten Prophezeiung lediglich von Ezri Dax verhindert werden kann.

Lobenswerte Aspekte: Auf der Buchrückseite steht es orange auf schwarz: "Unerforschte Gebiete". Das liest sich zwar ungefähr wie "Vorsicht, Wildwechsel!", "Kann Spuren von Nüssen enthalten" oder "Warnung! Diese Seite enthält für Minderjährige ungeeignetes Material.", doch man kann es durchaus als programmatisch für die gesamte Reihe geltend machen. Denn diese 'Mission Gamma' kuschelt sich wieder zurück an den Entdeckeridealismus Roddenberrys, wie er bei Deep Space Nine zuvor höchstens in den ersten beiden Staffeln zu spüren war. In diesem Buch gibt es daher keinen totalen Krieg, der die Handlung auf Teufel-komm-raus vorantreibt. Niemand wird von schwammigen Visionen der Apartheid im Amerika der Fünfziger Jahre heimgesucht, die irgendetwas mit den Plänen der wurmlochbewohnenden Propheten zu tun haben sollen. Und niemand muss mehr die Babylon-5-Keule schwingen, um auf auffällige Parallelen zwischen beiden Serien hinzuweisen.
Statt dessen verlässt man sich also auf althergebrachte Werte, die Star Trek in jungen Jahren bereits zu etwas besonderem gemacht haben: Die Erforschung des Weltraums; jener mythischen Grenze, der sich die Menschheit und die mit ihr verbündeten Spezies noch stellen müssen.
Ausdruck dieses Strebens bildet das Volk der Yrythny. Nicht Fisch noch Frosch lebt ihre Darstellung vielmehr von der gesellschaftlichen Beschreibung, die nur mit viel Desinteresse als 'Adelsherrschaft' oder 'Kastenwesen' beschrieben werden kann: Viel eher wird die gesellschaftliche Stellung danach bestimmt, ob die nichtsahnenden Kaulquappen just an derselben Stelle wieder anlanden, an der sie geboren wurden. Wer das nicht tut, verbringt den Rest seiner natürlichen Existenz als kastrierter Sklave mit nur dürftigen Rechten zur Selbstbestimmung. Ein wenig erinnert das Ganze an 'Metropolis' – vor allem, wenn man sich den Höhepunkt des Buches vor Augen hält: Die künstliche Weltraumstadt Luthia.
Die Stadt im Orbit der Heimatwelt der Yrythny besteht aus einem künstlichen Planetenring, dessen Bestandteile miteinander vernetzte Wohn-, Arbeits- und Forschungseinrichtungen bilden. Eine beeindruckende Vision, die es leider noch nicht auf die Leinwand geschafft hat.
Doch so schön das Bild eigentlich auch sein mag, dient es in Wirklichkeit nur als Staffage für ein detailiertes Innengemälde einer der Hauptfiguren. Ezris innerer Kampf mit dem schweren Erbe vorangegangener Dax-Wirte (vgl. z.B. S. 124, S. 131 oder S. 216) wird auf der wasserreichen Welt und ihrem Orbit ausgetragen. Überspitzt könnte man es als einen überfälligem Selbstfindungstripp auf dem 'Planet of Aquarius' bezeichnen. Die Yrythny sind bei Lichte besehen nur schmückendes Beiwerk in dieser Charakterstudie. Was sich nach einem Widerspruch anhört, bleibt jedoch im Rahmen einer gewissen Star-Trek-Tradition, die es seit TOS gibt, denn schon seit den Anfängen dieser ersten Serie dienten die Abenteuer bei der Erforschung des Weltalls vor allem dazu, das Potential der Menschen im Allgemeinen und der Seriencharaktere im Speziellen aufzuzeigen. Ein gelungene Rückbesinnung auf alte Werte!
Doch die Forschungsmission in den Weiten des noch viel zu unbekannten Gamma-Quadranten sind nur eine Seite der Medaille. Das Buch ist strikt zweigeteilt zwischen den Ereignissen im Gamma-Quadranten und denen auf Deep Space 9. Erst gegen Ende der Erzählungen werden beide Handlungsbögen wieder miteinander verknüpft.
Auf der ehemaligen cardassianischen Station herrscht wie immer ein buntes Treiben, dessen Takt durch die Betrittsverhandlungen mit der Föderation bestimmt wird. In diesem Zusammenhang gelangen auch Andorianer an Bord, die meines Erachtens trotz des Besuchs der Cardassianer, den eigentlichen Höhepunkt dieses Handlungsbogens stellen. Man erlebt hautnah die Intimität und Komplexität einer solchen Vierecksbeziehung mit, wie sie bei vier verschiedenen Geschlechtern vermeintlich üblich sein muss. Ab und an schleicht sich das Gefühl des Voyeurismus' ein, das sich nur schwer wieder abschütteln lässt. Doch die vielen neuen Informationen zu dem so stiefmütterlich behandelten Volk eröffnen einen neuen Kosmos, der dem Entdecken neuer Welten im Gamma-Quadranten in nichts nachsteht.
Ansonsten entdeckt der deutschsprachige Leser einige Namen wieder, von denen er in den später angesetzten Destiny-Teilen bereits gelesen haben dürfte. Besatzungsmitglieder der USS Aventine wie Bowers (vgl. S. 11), Leishman (vgl. S. 13) oder Dr. Tarses (vgl. S. 99) setzen erste, vorsichtige Duftspuren im Gedächtnis des Lesers. Sie bilden die Spitze eines wahren Eisbergs an Star-Trek-spezifischen Informationen, die mittlerweile zum guten Ton innerhalb der jüngeren Star-Trek-Literatur gehören. Daneben wagt die Autorin Heather Jarman aber auch hin und wieder einen Blick über den Tellerand und bringt Referenzen auf "Herr der Ringe" (vgl. S. 5) "Futurama" (vgl. S, 130, das "Haus des Soid") oder "Jagd auf Roter Oktober" (vgl. S. 397). Das alles entbehrt dabei nicht eines gewissen latenten Humors, der sich beispielsweise im Running Gag um einen klingonischen Groschenroman (vgl. S. 7ff., S. 167 oder S. 475f.), Treirs Spielchen mit Quark (vgl. S. 40ff. oder S. 150f.) oder der nachvollziehbaren Bemerkung, dass ohrlose Spezies Ferengis merkwürdig anmuten (vgl. S. 19) widerspiegelt. Das mag nach einer kleinen Randnotiz klingen, doch tatsächlich ist es für eine Schriftstellerin alles andere als einfach, den subtilen Witz der verschiedenen Star-Trek-Serien angemessen einzufangen.

Kritikwürdige Aspekte: Jarmans Werk ist ambitioniert, komplex und umfangreich. Wahrscheinlich genau aus diesem Grund wirkt es jedoch viel zu oft künstlich, konstruiert und unnachvollziehbar.
Zu offensichtlich muten manche der Anlehnungen an Altbekanntes aus der Vorbild gebenden Serie an, obwohl man den Neustart mit der achten Staffel in Buchform für wirkliches Neuland ausnutzen könnte.
Stattdessen fungiert Elias Vaughn als rüstiger Johannes Heesters der Sternenflotte aushilfsweise als Sisko-Vaterersatz für die junge Ezri Dax und machte als 102jähriger (!) Offizier in seiner Jugend selbstverständlich ebenfalls gemeinsame Sache mit dem guten alten Curzon-Vorwirt (vgl. S. 111). Ezri hingegen übernimmt den Yrythny gegenüber eine Position ein, die sich grob mit der des Abgesandten vergleichen lässt (vgl. S. 68ff.).
Überhaupt häufen sich bei der an sich spannenden Mission im Gamma-Quadranten zu viele abenteuerliche Zufälle:
Zufällig kartieren die Wanderer bereits seit Jahrhunderten ihre eigene Genvielfalt in der Kartoffelmiete (vgl. S. 291ff.).

 photo Grau_01_zpsc7799974.jpg
Die dümmsten Bauern genkartieren die dicksten Kartoffeln


Zufällig verdächtigt niemand trotz eindeutiger Beweise die Sternenflotte der terroristischen Anschläge (vgl. S. 268).
Und zufällig benötigt der Cheka Fazzle den nackten Oberkörper Tenmeis für ein Kunstwerk und ermöglicht der Sternenflotte so einen Hackangriff auf das Datennetzwerk seines Volkes (vgl. S. 205ff.).
Nicht unbedingt besser erwischt es den Handlungsbogen, der hinter einem eisernen Vorhang von den Geschehnissen des Gamma-Quadranten abgetrennt ist. Aber wie das hinter einer solchen Mauer schonmal üblich ist, weichen die Probleme auf der einen Seite von denen der anderen ab.
So muss man der Autorin schon zugestehen, dass es ihr großartig gelang, den Seifenopercharakter, der das Figurenspiel in Deep Space Nine stets bestimmte, für die beschriebenen Szenen auf der Station adäquat einzufangen. Genau das aber nervt mich an der Serie nicht minder als an diesem Buch.
In diesem Zusammenhang kommt es nämlich auch zu tragisch-theatralischen Situationen, die fraglos in ach so komplexe Charakterkonflikte münden, dafür jedoch nicht immer logischen Entwicklungen folgen. So vermag Ro Larens tapsiges Andorianer-Fettnäpfchen (vgl. 156ff.) nicht so recht dem ansonsten so akkuraten Verhalten der Sicherheitschefin zu entsprechen, aber auch Shakaar berechnende Intriganz (vgl. S. 447ff.) oder Quarks neuentdeckte Liebe zu Gemälden (vgl. S. 415ff.) wirken neben anderen Beispielen völlig neben der Spur. Am verstörendsten empfand ich die Passage, in der die Autorin scheinbar ihre eigene Bewunderung für Kira Nerys dem neuen Counselor an Bord in den Mund legte (vgl. S. 227ff.).
Als zu große Hürde für die Autorin entpuppen sich im Verlauf des Buches auch die Andorianer. Das fängt schon auf dem Cover an, auf dem eine sehr feminine Figur an eine Kreuzung aus einem Schlumpf mit einem Nietzscheaner erinnert und seine unmilitärische Bob-Marley-Gedächtnisfrisur aufmerksamkeitsheischend über das blasse Gesicht fallen lässt. Der finale Freitod seiner Partnerin Thriss zeichnete sich bei jeder Beschreibung der depressiven Wirrköpfin bereits deutlich ab und warum Shar seinen ach so heiligen Kopulationsakt nicht einfach vor der Mission in den Gamma-Quadranten hinter sich bringen konnte, fragt man sich so ziemlich jedes Mal, wenn das Thema angesprochen wird.

Übersetzung: Über knapp fünfhundert Seiten zieht das Buch sich hin. Der Umfang bietet eine beträchtliche Fehlerquelle und diesen Erwartungen wird der Roman natürlich auch gerecht. Da trifft man bei Lesen mal wieder auf fehlende Fragezeichen (vgl. z.B. S. 15) oder ein doppelt getrenntes Wort wie "Besatzungs-mit-glied" (S. 12). Daneben tauchen auch immer wieder fehlerhafte Formulierungen wie "[...] kein einzelner Ingenieur [...]" (S. 73, statt "kein einziger Ingenieur") oder „[...] plagen wir uns darum [...]“ (S. 83, statt "plagen wir uns damit") auf. Einige unglückliche Übersetzungen wie "Queste" (S. 105) für "quest"  oder "Baseball-Bälle" (S. 484, vgl. dazu aber „[...] der Baseball [...]“ auf S. 485) komplettieren dieses Bild.
Cross Cult beweist Beharrungsvermögen und verzichtet der deutschen Synchronisation von Deep Space Nine zum Trotz auf die Bezeichnung 'Fähnrich' und verwendet statt dessen in beiden Handlungssträngen munter das Wort "Ensign" (vgl. S. 10 und S. 23). Weitere Unkenntnis über die Serie wird im folgenden Satz demonstriert:

Beim nächsten Mal nehmen wir uns vielleicht Worfs altes Straße nach Kal'hyaH-Programm vor und drehen richtig auf.“ (S. 317)

Nicht nur, dass es "Kal'Hyah" heißen müsste; die Formulierung suggeriert ferner, dass dieses "Kal'Hyah" ein Ort sei. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein klingonisches Ritual, das mit einem menschlichen Junggesellenabschied vergleichbar wäre. Korrekt müsste der Satz also wiefolgt lauten:

Beim nächsten Mal nehmen wir uns vielleicht Worfs altes Weg zum Kal'Hyah-Programm vor und drehen richtig auf.

Ferner nervt es ebenfalls, dass das Adjektiv "befleckt" so gern groß geschrieben wird (vgl. S. 488), obwohl es sich dabei nicht im engeren Sinne um einen Eigennamen handelt. Und auch, wenn ich einen guten Genitiv zu schätzen weiß: „[...] der Job, wegen dessen [...]“ (S. 217) ist alles mögliche, aber weder richtig, noch ein guter Genitiv.
Ferner ist es natürlich schwierig, das Siezen und Duzen vernünftig in einen solchen – streckenweise sehr persönlichen – Roman zu integrieren. Leider gelingt das nicht unbedingt immer und wirkt mitunter sogar etwas verwirrend (vgl. S. 40ff.)
Aber ich will nicht nur schimpfen, denn wenn man von diesen kleineren Makeln absieht, so handelt es sich doch um einen überaus einfühlsam übersetzten Roman. Christian Humberg gelingt es mehrfach, den Stil des Werkes dezent, aber elegant mitzubestimmen.
Wörter wie "cranky", "Dukat-like", "folk hokum" oder "push and pull" mit "miesepetrig" (S. 414), "dukatisch" (S. 32), "Mumpitz" (S. 183) oder "Hü und Hott" (S. 209) zu übersetzen, zeugen jedenfalls von einem besonderen Gefühl nicht nur für die deutsche, sondern auch für die englische Sprache. Seinen Höhepunkt findet dieses Können in der Übertragung der im amerikanischen Sprachraum weit verbreiteten Redewendung "perception is nine tenth of reality" mit "Einbildung, sagt man, ist auch eine Bildung." (S. 174), die sich trotz ihrer deutlichen Abweichung angenehm in den Text einfügt und wohl leider nur denen auffallen wird, die auch das englische Original gelesen haben.

Anachronismen: Die Achillesferse dieses Buches bleiben die Andorianer. Sobald sie in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten, beginnt umgehend ein Feuerwerk an Ungereimtheiten mit dem offiziellen Kanon. So wollen Shars Vorliebe zu hoher Luftfeuchtigkeit (vgl. S. 73) oder die beschriebenen beinahe tropischen Bedingungen auf Andoria (vgl. S. 381) nicht so recht zu dem eisbedeckten Mond passen, den man in der ENT-Episode "Die Aenar" zu sehen bekommt. Und ja, es sollte 'Andoria' und nicht, wie im Buch ständig behauptet 'Andor' (vgl. z.B. S. 73, S. 105, S. 117, S. 118, S. 469 oder S. 478) heißen, denn Andor ist lediglich der Gasgigant, um den der Mond Andoria kreist, von dem die Andorianer stammen.
Liest man die Ausführungen zh'Thanes (vgl. S. 102ff.) und die Rückblenden über das emotionale Verhalten mancher Mitglieder dieser Spezies (vgl. S. 90ff.) muss man sich schon irgendwie fragen, warum es in der Serie "Enterprise" überhaupt noch Andorianer gab. Der beschriebene Zeitraum für Genverfall wie er im Buch suggeriert wird (vgl. S. 261ff.), erscheint jedenfalls arg kurz. Außerdem korrespondieren die vier Geschlechter kaum mit der Tatsache, dass sich der Andorianer Shran laut offiziellem Kanon nur ein Weibchen suchte, um Nachwuchs zu zeugen (vgl. "Dies sind die Abenteuer").
Die Erklärung dafür ist so einfach wie lapidar. Als das Buch 2002 in den USA erschien, war die bislang letzte Serie "Enterprise" gerade einmal angelaufen. Die Autoren der Star-Trek-Bücher hatten schlichtweg noch keine Idee, in welche Richtung sich diese Spezies noch entwickeln würde und die Produzenten waren zu eitel, um die Bücherwelt in ihre Planungen miteinzubeziehen. Somit hat die Wirklichkeit längst vieles von dem überholt, was in der achten Staffel Deep Space Nine in Buchform auf den deutschen Leser wartet.
Dennoch lassen sich auch vermeidbare Fehler finden. Sicherlich wird es Cross Cult freuen, dass es auch in der fernen Zukunft noch Ebooks mit Kopierschutz geben soll (vgl. S. 10), doch Picards Monolog im achten Kinofilm darüber, dass die Menschheit sich über so etwas hinaus entwickelt hätte, spricht eigentlich dagegen. Doch wer weiß, wie die Klingonen zur Copyright-Debatte stehen...
Da sind andere Fehler viel gravierender. Würden etwa Stirnhöcker wirklich auf die Haus-Zugehörigkeit bei den Klingonen schließen lassen (vgl. S. 219), so wäre das Haus Martok mit Mitgliedern wie Martok, Sirella, Worf, Alexander Rozhenko oder gar Jadzia Dax wohl so etwas wie ein klingonisches Hundertwasserhaus.
Aber am abenteuerlichsten war eindeutig der Einfall der Nanobots auf der Defiant. Die fiesen kleinen Miniaturroboter legten nämlich alle Schiffssysteme lahm; inklusive der Universalübersetzer, woraufhin keinerlei Kommunikation mit fremden Lebewesen mehr möglich war (vgl. S. 16ff.). Dumm nur, dass der aufmerksame Deep-Space-Nine-Seher aus Folgen wie "Kleine grüne Männchen" weiß, dass zumindest Nog das Zaubergerät direkt ins Ohr implantiert wurde und er auf keinen Fall wie beschrieben hätte handeln müssen, sondern viel eher so:

 photo grau_02_zps759158b2.jpg


Fazit: Dieses Buch kehrt an die Anfänge Star Treks zurück und besinnt sich wieder jener Werte, die die Franchise einmal so groß gemacht haben: Die Erforschung des Alls und der persönlichen Grenzen. Obwohl das über weite Strecken gut funktioniert, wirkt die Handlung aber oft zu konstruiert, zu weit von den gewohnten Charakteren entfernt oder wie eine gigantische Seifenoper im Weltraum. Im Grunde bleibt er damit ein durchschnittlicher DS9-Roman, würde nicht ein großes Manko seinen dunklen Schatten auf dieses Werk werfen:
Die Andorianer. Den drolligen kleinen Antennenträgern wird zwar willkommene Aufmerksamkeit zuteil, doch die Darstellung scheitert an unnachvollziehbaren Schilderungen, die zu allem Überfluss auch noch eine Reihe an Anachronismen nach sich ziehen. 

Denkwürdige Zitate:

"Das Ding markiert das Ende jedweden literarischen Anspruchs, das sage ich Ihnen!"
Senkowski, S. 10

"Ich hasse Diskussionen über die Oberste Direktive."
Vaughn, S. 77

"Das Unbekannte ist immer der Feind, Lieutenant."
Taran'atar, S. 90

"Alle denkenden Wesen treibt der Drang nach Nahrung und Vermehrung an. Diese zwei Konstanten machen das Leben erst interessant."
Quark, S. 155

"Meiner Erfahrung nach ist das das wichtigste Geschenk, das die Forschung uns bietet: dass wir die Welt in uns besser verstehen lernen, als die da draußen."
"Was wollen Sie damit sagen? Dass es bei der vielzitierten letzten Grenze weniger um die Erkundung des Alls geht, als um den Blick in uns selbst?"
"Etwa nicht?"
Vaugn und Ezri Dax, S. 468

Bewertung: Diese graue Maus.

 photo 3er.png

Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel Acht, 01: Offenbarung, Buch 1
DS9, Staffel Acht, 02: Offenbarung, Buch 2
DS9, Staffel Acht, 03: Der Abgrund
DS9, Staffel Acht, 04: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel Acht, 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel Acht, 06: Mission Gamma II: Dieser Graue Geist

Erwerbsempfehlung: Wer mal nicht unbedingt Amazon das sauer verdiente Geld in den Rachen werfen will, dem sei an dieser Stelle einmal ein sympathisches, kleines Bücherversandhaus empfohlen. Amrun greift kleinen Verlagen und Selbstverlegern unter die Arme und stellt in meinen Augen ein Projekt dar, das man im Gegensatz zu seelenlosen Großkonzernen mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen unbedingt unterstützen sollte.


 photo amrun_zpsf64e1a0a.png

Sonntag, 26. Dezember 2010

Mission Gamma I: Zwielicht

Buchbesprechung George III., David R.: Mission Gamma. Bd. 1. Zwielicht, Cross Cult, 2010.

Photobucket

Story: Monate sind ins Land gegangen, seitdem Kira Nerys' Gewissenstat, das umstrittene Buch Ohalu über die bajoranische Variante von Wikileaks öffentlich zugänglich zu machen, sie die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft ihres Volkes kostete.
Doch der Kommandantin der Station Deep Space Nine ist weder ihr Glaube an die Propheten, noch der an das bajoranische Volk zu nehmen. Aus diesem Grund erscheint der plötzliche Besuch eines unkommunikativen Sternenflottenadmirals gepaart mit dessen nahezu inquisitorischer Neugier wie eine weitere unnötige Prüfung ihrer Leidensfähigkeit. Dass der hochrangige Besuch weniger eine Befleckte, als viel eher eine Schwester im Geiste in ihr sehen könnte, wäre Kira sicherlich als Letztes eingefallen.
Währenddessen muss sich auch jemand anderes mit Admiralsbesuch herumschlagen. Der Andorianer Shar hat zu seinem Leidwesen wieder einmal Besuch von seiner Mutter erhalten. Diesmal hat die Admiralin Charivretha zh'Thane für ihren Sprößling Shar eine ganz besondere Überraschung im Gepäck:
Alle seine Bindungspartner haben die fürsorgliche Erzeugerin begleitet, um den jungen Offizier davon zu überzeugen, mit ihnen nach Andoria zurückzukehren, um dort den Vier-Personen-Paarungsakt mit ihnen zu vollziehen. Der heißblütige Andorianer muss sich also zwischen Familientradition und einer Forschungsmission entscheiden, die zum ersten Mal seit dem Dominionkrieg wieder in den Gamma-Quadranten führen soll.
Endlich wieder zu forschen ist der Impuls, der auch Elias Vaughn antreibt. Den ersten Offizier der Station, der während der Dauer der 'Mission Gamma' zum Captain der umgerüsteten Defiant ernannt wurde, plagen neben familiären Problemen eine Vielzahl weiterer, tief sitzender Erinnerungen, derer er sich noch gar nicht bewusst ist. Erst in der Ödnis eines mittlerweile unbewohnten Planeten, der als Ursprungsort eines todbringenden Energieimpulses ausgemacht wird, sieht sich erneut mit längst verschüttet geglaubten, schmerzhaften Episoden seiner Vergangenheit konfrontiert, die er sich nicht erklären kann...

Lobenswerte Aspekte: Der erste Blick auf „Zwielicht“ ist trügerisch.
Das immense Gewicht, die horrende Seitenzahl und die Tatsache, dass es gerade einmal der Auftakt einer in sich geschlossenen, vierteiligen Buchserie sein soll, kann auf den ersten Blick recht abschreckend wirken.
Wenn man sich jedoch überwindet, wird man die ein oder andere Überraschung erleben. So empfand ich die Geschichte verglichen mit den Vorgängerromanen als nahezu abgeschlossen. Die Handlung wird nicht mit einem abrupten, unsinnigen und nur vermeintlich spannungssteigernden Höhepunkt abgewürgt, sondern hat ausreichend Platz, um den Leser für seinen Durchhaltewillen zu belohnen.
Belohnt wird ferner, wer sich etwas im Star-Trek-Universum auskennt. Neben den längst zum Standard gereiften Referenzen auf Folgen („Auge des Universums“ vgl. S. 111, „Der Streik“ vgl. S. 128f. oder „Die Belagerung von AR-558“ vgl. S. 131) glänzt Autor David R. George III durch versteckte Kleinsthinweise wie auf die Vorliebe der Jem'Hadar zu stehen (vgl. S. 75), die Beschreibung der Form eines Spanners (vgl. S. 99, allerdings passt die Beschreibung eher auf einen Flusskopler) oder die verschiedenen Verben der Ferengi-Sprache für Regen (vgl. S. 172) werden wohl nur für Kenner auf Folgen wie „Das winzige Raumschiff“, „Empok Nor“ oder „Die Reise nach Risa“ zurückzuführen sein.
Was aber nicht bedeuten soll, dass dieses Werk frei von Überraschungen ist. Beispielsweise ergänzt der Autor den offiziellen Kanon um die Erwerbsregeln 53 („Vertrauen Sie niemandem, der sie überragt“) und 235 („Ducken Sie sich, denn der Tod ist groß.“, beide S. 130).
Und auch alle, die erwartet haben, dass das neuerliche Beitrittsgesuch Bajors zur Föderation nun problemlos über die Bühne gehen sollte, sieht sich eines besseren belehrt. Konfessionelle Machtkämpfe und tief sitzender Hass gegen die Cardassianer drohen die geplante Aufnahme zu sabotieren und werfen düstere Schatten in die Zukunft.
Eine Zukunft, in der Ezri Dax ja bekanntlich zum Captain ernannt werden wird. In diesem Buch kann man den Reifungsprozess der jungen Trill vom Counselor zur fähigen Kommandantin hautnah mitverfolgen. Und wer von ihren Kommandoentscheidungen und ihren Schwierigkeiten liest, ihren eigenen Weg zu finden, kann dem späteren Befehlshaber der USS Aventine mit weitaus weniger Argwohn begegnen. Direkt schade, dass Cross Cult Destiny VOR diesem Buch herausbringen musste.
Aber so ziemlich jeder Charakter reift in diesem Buch wie ein französischer Käse in der Höhle.
Egal ob Nog, der seinen Hass Jem'Hadars gegenüber verstärkt, Prynn Tenmei, die ihrem Vater Elias Vaughn zu verzeihen beginnt oder Shar, der verzweifelt gegen sein genetisches Erbe ankämpft - allen Charakteren gelingt es, unter der einfühlsamen Feder des Autoren zu wachsen und gedeihen.
Selbst der Austauschstudent Taran'atar erhält diese Gelegenheit und nebenbei bemerkt: Das Kapitel, in dem der gezüchtete Supersoldat den Kindergarten der Station besucht, ist der heimliche Höhepunkt des Buches. Die großartige Szene ist ein grandioses Plädoyer für die zeitlose Unvoreingenommenheit von Kindern und der erste Moment, in dem die heile Welt und die einfachen Erklärungsmuster des Retortenkriegers Risse zeigen.

Kritikwürdige Aspekte: Vielleicht ist „Zwielicht“ auf den ersten Blick doch nicht so trügerisch.
Mit sage und schreibe zweiundsiebzig Kapiteln und fünfhundertachtundsiebzig Seiten Text ist es kein Buch, dass man mal so eben nebenbei lesen könnte. Das allein wäre ja zu verschmerzen, denn es gibt hierzulande glücklicherweise genug willige Leseratten, die sich von quantitativen Argumenten nicht abschrecken lassen.
Aus diesem Grunde sollte man also mal auf qualitativer Ebene genauer hinsehen. Da muss man schon anmerken, dass dieser Roman einen verdammt langen Anlauf benötigt, bevor es überhaupt in irgendeiner Form mitreißend wird. Schier endlos anmutende Passagen zur Einführung, ausgedehnte Erläuterungen sowie ellenlange Rückblenden sorgen im Zusammenspiel dafür, dass erst ab Seite 210 so etwas wie Spannung aufzukommen vermag.
Die bezieht sich dabei lediglich auf die Komplikationen der Defiant-Forschungsmission im Gamma-Quadranten, während die anderen Teile der Handlung um den Föderationsbeitritt Bajors, Shars Reproduktionsscheu oder Kasidys Expeditionen ins Bajoraner-Reich zwar unterhaltsam, niemals jedoch fesselnd sind.
Und auch die vermeintliche Forschungsmission versteht nur an deren Beginn zu überzeugen. Dax' außerkörperliche Erfahrungen, Vaughns Reise ins Ich und die Survivalerfahrung Prynns und Shars gehen bei weitem nicht so sehr unter die Haut, wie die Schilderungen um die Katastrophe auf dem Heimatplaneten der Vahni Vahltupali.
Betrachtet man also den Umfang des Buches, die endlose Entwicklung der Handlung und die vielen akribischen Schilderungen, wirkt es schließlich beinahe wie ein schlechter Witz, dass der Abschluss des Erzählstrangs um die neuen Abenteuer der Defiant lächerlich wenige Seiten umfasst und in etwa so glaubhaft wirkt, wie Präsident Bushs Beweise für ABC-Waffen im Irak.
Dabei kann man das sogar noch irgendwie verschmerzen.
Noch unglaubwürdiger war in meinen Augen nämlich nur eines: Die sich anbahnende Romanze Ro Larens mit Quark.
Nichts gegen Armin Shimerman, doch der von ihm porträtierte Barchef hatte in etwa den erotischen Reiz und die sexuelle Anziehungskraft, die auch Mr. Bean ausstrahlte. Dass ihm ausgerechnet Ro Laren ins Netz gehen soll, ist zwar eine nette Geste (die vielleicht zeigen soll, dass auch männliche Star-Trek-Fans äußere Unzulänglichkeiten herunterspielen können, um eine flotte Mieze abzugreifen), wirkt aber nicht sehr glaubwürdig für eine Frau, deren letzter bekannter Kopulationspartner immerhin William Riker war.
Es ist ja noch nicht einmal, dass man es Quark nicht gönnt, aber die Beziehung ist etwa so realistisch wie eine Beziehung zwischen Sisko und Janeway, Deanna Troi und Harry Kim oder Chekov und T'Pol. Beide so teenagerhaft verknallt zu erleben, schmeckt eher nach schlechter Fanfiction, als nach guter Charakterentwicklung.

Photobucket

Schmunzette auf Teenagerniveau: Quark ♥ Ro!

Übersetzung: Der Umfang des Werkes ist sicherlich kein Spaziergang für den Übersetzer. Auf der Facebook- und Twitter-Präsenz der Star-Trek-Roman-Abteilung konnte man im Vorfeld von einigen im Lektorat ausgebügelten Fehlern lesen und um so erfreulicher, dass sie sich trotz der wahren Flut an potentiellen Fehlerquellen in Grenzen halten.
Was natürlich nicht gleich heißen soll, dass es nichts zu beanstanden gäbe.
Hier und da begegnet uns ein falsches Satzzeichen (Punkt statt Fragezeichen, S. 60), eine falsch verwendete Zeitform („danke“ statt 'dankte', S. 238), ein unglücklich gewählter Kasus („wegen dessen“, S. 229), Schnitzer in der Groß- und Kleinschreibung („Schlimmer“, S. 266) oder Tippfehler („Versorgungstirm“, S. 456). Die Verteilung und Häufigkeit geben jedoch keineswegs Anlass zur Kritik.
Statt dessen habe ich mich sogar aufrichtig darüber gefreut, dass mit „blümerant“ (S. 264) ein vom Aussterben bedrohtes deutsches Wort Aufnahme gefunden hat. Ferner gefiel mir, dass ich mich mal schlau machen musste, wass „haptisch“ (S. 492) überhaupt bedeutet. Besonders angetan war ich allerdings von der kreativen Übersetzung „Sternenflottenfuzzis“ (S. 138) für „starfleet type“, die ich aus dem Munde Quarks als äußerst nachvollziehbar empfand.
Getrübt haben mich drei andere Dauerfehler.
So wird in den Erwerbsregeln eigentlich durchweg geduzt, und nicht, wie hier zu lesen, gesiezt (vgl. 130).
Zudem existiert mit dem deutschen Begriff „Fähnrich“ ein allgemein bekanntes Äquivalent für den Begriff „Ensign“ (z.B. S. 176). Während der englischsprachige Begriff nämlich im 22. Jahrhundert (also in der Serie Enterprise) verwendet wurde, fand in den zeitlich naheliegenderen Serien stets der deutschsprachige Rang Anwendung. Neben Fähnrich Harry Kim, Fähnrich Wesley Crusher und Fähnrich Pavel Chekov war es insbesondere Ro Laren, die diese Bezeichnung sogar in den Titel einer deutschsprachigen Episode hievte: „FÄHNRICH Ro“.
Englisch belassen kann man hingegen ruhig das auch im deutschen so genannte „Medkit“. Die hier aufgeführten zahlreichen Erwähnungen von „Medikit“ (S. 334, S. 347, S. 388, S. 389, S. 391, S. 394 und S. 466) erinnern schließlich zu sehr an die schrecklichen „Medo“-Kombinationen der alten Star-Trek-Übersetzungen des Heyne-Verlags.

Photobucket

Zwar noch nicht ganz richtig - doch die gute Absicht ist erkennbar

Anachronismen: „Zwielicht“ liegt in einem Graubereich zwischen Kanon und guter Idee. Damit meine ich noch nicht einmal die Bücherwelt, derer man spätestens in dem Augenblick gewahr wird, wenn man mit Bowers und Leishman von zwei Offizieren liest, die in Destiny noch immer unter Ezri Dax dienen.
Nein, das Problem liegt ganz woanders.
Es ist blau, hat Fühler und spielte eine gewichtige Rolle in Star Trek: Enterprise.
Die Rede ist selbstverständlich von den Andorianern.
So erfuhr der Zuschauer in „Die Aenar“ erstmals, wie die Heimatwelt der schlumpffarbenen Außerirdischen tatsächlich aussieht. Er sah dort mit eigenen Augen, dass Andoria ein eisbedeckter Mond um einen Gasriesen ist, der seine Bewohner nicht mit allzu hohen Temperaturen verwöhnt. Nur gelegentlich verursachen als Hitzewellen empfundene Erwärmungen Angaben knapp über dem Gefrierpunkt.
In diesem Zusammenhang ist es schon verwunderlich, dass an gleich zwei Stellen behauptet wird (vgl. S. 178 und S. 448), dass Andorianer höhere Temperaturen und Luftfeuchtigkeitswerte bevorzugen würden.
Zudem wird bereits in der TOS-Folge „Wenn die Götter zerstören“ festgehalten, dass Andorianer nicht auf intravenöse Injektionen reagieren (vgl. S. 389)
Ebenso fragwürdig mutet die Praxis an, vier Geschlechter zu Fortpflanzung zu benötigen. Immerhin deutet in „Dies sind die Abenteuer...“ nichts darauf hin, dass außer der Aenar Jhamel und Shran noch jemand an der Erzeugung Tallas beteiligt gewesen wäre und auch die Bemerkungen Shrans zu Talas in „Babel“ legen nahe, dass bei Andorianern Männlein und Weiblein zur sexuellen Reproduktion völlig ausreichend sind.
Allerdings gab Data in „Datas Tag“ zu Protokoll, dass eine andorianische Hochzeit vier Personen umfassen würde.
Auf diese Informationen gründet sich ein Andorianer-Bild in der Star-Trek-Literatur, dass zwischen vier verschiedenen Geschlechtern unterscheidet: zwei eher weiblichen namens shen und zhen und zwei eher männlichen namens chan und thaan. Aus diesem Grund lautet der Nachname Shars auch ch'Thane: der Präfix „ch'“ steht für sein Geschlecht.
Leider ist dieses Bild nur noch schwer mit dem offiziellen Kanon vereinbar.
Die 2005 gesendete vierte Staffel der Serie konnte auf das 2002 in den USA erschienen Buch natürlich keinen Einfluss nehmen und ganz persönlich empfinde ich es als besonders fahrlässig von den damaligen Enterprise-Autoren, die hier aufgeführten Ideen nicht umgekehrt für ihre eigenen Drehbücher aufzugreifen. Die Vierteilung der Geschlechter ist immerhin ein Aspekt, der die andorianische Gesellschaft fremdartiger und damit auch interessanter macht.
Das in „Zwielicht“ präsentierte Andorianer-Bild ziehe ich dem der Serie bei weitem vor – auch wenn das bedeutet, die Informationen aus der bislang letzten Star-Trek-Serie an den Rand ihrer Strapazierfähigkeit interpretieren zu müssen. Denn unter uns: Die anderen beiden Eltern Tallas hat man bloß nie zu Gesicht bekommen, weil es nie eine fünfte Staffel Enterprise gab...
Eine andere Sache sorgt außerdem für Stirnrunzeln.
Obwohl auf Seite 49 noch absolut richtig von 800 Millionen cardassianischen Opfern durch den finalen Akt des Dominion-Krieges berichtet wird, schraubt sich diese Angabe auf Seite 61 auf lediglich 800.000 herunter. Daran ist allerdings weniger der Autor David R. George III. Schuld, als vielmehr der Übersetzer Christian Humberg, der im Eifer des Gefechtes die Mengenangabe falsch übertragen hat.

Fazit: „Zwielicht“ ist tatsächlich ein Spiel von Licht und Schatten.
Zum einen ist es ein unerlässlicher Bestandteil der Star-Trek-Bücherwelt, in dem besonders der Charakterentwicklung sehr, sehr viel Platz gelassen wird und dafür, dass es den Auftakt einer vierteiligen Reihe bilden soll, wirkt es sogar vergleichsweise in sich geschlossen.
Andererseits benötigt es ein zu große Warmlaufphase und der Umfang steht in einem scharfen Kontrast zum völlig überfallartigen Ende. Auch Quarks und Ro Larens kitschige Romanze wirkt etwas fehl am Platz.
Lesenswert ist es allerdings schon allein wegen der näheren Betrachtung andorianischer Kultur, die zwar vielleicht mit dem offiziellen Kanon auf Kriegsfuß steht, dafür aber die eindeutig interessantere Geschichte zu bieten hat.

Denkwürdige Zitate:

Ich betreibe eine Bar, keine karitative Probierstube.
Quark, S. 261

Die Sternenflotte sollte ihre Shuttles aus dem Material bauen, aus dem ihre Überlebenskoffer bestehen.
Vaughn, S. 348

Die Schuld liegt immer bei den Bauern, nie beim König.
Quark, S. 420

Selbst ein Folterknecht ist Gesellschaft.
Vaughn, S. 546

Bewertung: Licht und Schatten.

Photobucket

Weiterführende Leseliste:
DS9, Staffel Acht, 01: Offenbarung, Buch 1
DS9, Staffel Acht, 02: Offenbarung, Buch 2
DS9, Staffel Acht, 03: Der Abgrund
DS9, Staffel Acht, 04: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel Acht, 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel Acht, 06: Mission Gamma II: Dieser Graue Geist