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Dienstag, 4. Juni 2013

Star Trek: Into Darkness

Buchbesprechung: Foster, Alan Dean: Star Trek Into Darkness. Cross Cult, 2013.

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Sie denken, Ihre Welt wäre sicher?
Das ist eine Illusion.
Eine tröstliche Lüge, erzählt zu Ihrem Schutz.
Genießen Sie diese letzten Momente des Friedens.
Denn ich bin zurückgekehrt,
Um mich zu rächen.

Mit diesem düsteren Voice-Over jener Person, bei der es sich gerüchtehalber um Khan handeln sollte, begann für die hiesigen Star-Trek-Fans die Wartezeit auf den zwölften Kinofilm "Into Darkness". Genauso gut könnte man sie als Einleitungstext für meine Rückkehr ins Rezensionsbusiness werten, denn nach der außerplanmäßigen Besprechung eines trivialen Lebensratgebers folgt nun die erste 'echte' Romanbesprechung – passenderweise zur Novellisation des neuen Films. Dabei werde ich nicht mehr auf den Film eingehen. Wer dennoch eine gewohnt ausführliche Kritik von mir zum zwölften Teil lesen möchte, kann das hier auf der Seite der Star-Trek-Tafelrunde "Hermann Darnell" Potsdam Babelsberg nachholen, für die ich ebenfalls schreibe.

Story: Nachdem James T. Kirk im Zuge einer Mission zu einer Prä-Warp-Zivilisation die Oberste Direktive bricht, um seinem Ersten Offizier Spock das Leben zu retten, muss er auf der Erde Rechenschaft für seinen schludrigen Kommandostil ablegen. Die Strafe dafür ist drakonisch: Sein Kommando über die USS Enterprise wird ihm entzogen und Kirk selbst auf den Rang eines Ersten Offiziers zurückgestuft. Sein früherer Stellvertreter Spock wird strafversetzt und niemand geringeres als Admiral Christopher Pike übernimmt wieder den Kommandosessel auf der Enterprise.
Als derweil London von einem Terroranschlag gegen eine geheime Spionageeinrichtung der Sternenflotte erschüttert wird, gerät schnell ein Mann names John Harrison ins Visier des unnachgiebigen Oberbefehlshabers Admiral Alexander Marcus, der die höchstrangigsten Offiziere zusammentrommelt, um zu einem Gegenschlag auszuholen. Doch Harrison ist Marcus einen Schritt voraus: Er platzt mitten in dieses Treffen und schaltet mehrere Commander, Captains und Admirale aus, noch bevor sie gegen ihn aktiv werden können. Dann verschwindet er spurlos.
Unter den Opfern dieses zweiten Anschlags befindet sich auch Pike, der unter den Augen seiner Protegés Spock und Kirk das Zeitliche segnet. Ob des Verlustes in Rage versetzt, übernimmt Kirk die Enterprise und bläst mit Erlaubnis Admiral Marcus' zur Jagd auf den Erzbösewicht, die ihn bis nach Qo'noS führt. Dort angekommen, muss er allerdings erkennen, dass sich hinter Harrison mehr verbirgt, als ein wahnsinniger Bombenleger. Während andere die Zügel an sich reißen, wird schnell deutlich, dass Kirk nur ein Bauer in einem viel größeren Spiel ist...

Lobenswerte Aspekte: Nahezu mit Warpgeschwindigkeit ist dieses Buch rechtzeitig zum Kinostart von "Into Darkness" noch schnell auf Deutsch erschienen. Während der Streifen also in den Lichtspielhäusern so vor sich hindümpelt, sieht man in den Auslagen so mancher Buchhandlung den Roman zu Film liegen und nicht von Ungefähr fragt sich so mancher Anhänger:
Sollte ich mir das Buch vor dem Kinobesuch durchlesen?
Immerhin gab es auch ein Vorabcomic, in dem der Leser sanft an der Hand genommen und in Richtung Film geführt wurde. Bedenkt man ferner, dass Star-Trek-Novellisationen wie die zum ersten Streifen (ebenfalls aus der Feder Alan Dean Fosters), der zum "Treffen der Generationen" oder gar jener zu "Nemesis" den Filmen sogar einiges voraus hatten, liegt es auf der Hand, eventuell gleich mit dem Buch anzufangen.
Doch Autor Alan Dean Foster selbst erhob jüngst mahnend seinen Zeigefinger und riet in einem Interview dazu, zuerst den Film zu sehen, bevor man sein Buch liest. Schließlich ist "Into Darkness" das maßgebliche Original und dessen Novellisation nur eine Auftragsarbeit, in der die Ideen anderer zu Papier gebracht werden.
Was aber nicht gleich bedeutet, dass es sich bei seinem gleichsam spannend geschriebenen Werk nur um das seelenlose Wiederkäuen der 'genialen Ideen' von Roberto Orci, Alex Kurtzman und Damon Lindelof handelt.
Im Gegenteil!
Foster gibt sich redlich Mühe, Handlungslöcher zu stopfen. Erklärungen zu liefern und Figurenmotivation überhaupt angemessen zu etablieren.
So versuchte er laut eigener Aussage, Khans Beweggründe im Buch deutlicher herauszustellen. Doch nicht nur der genetisch aufpolierte Khan Noonien Singh (vgl. z.B. S. 53f., S. 191ff. oder S. 260ff.), sondern auch der aufgewühlte Vulkanier Spock (vgl. z.B. S. 26f., S. 247ff. oder S. 300ff.), der skrupellose Admiral Alexander Marcus (vgl. z.B. S. 85ff. oder S. 252ff.) oder seine blasse Tochter Carol (vgl. S. 166f.) erhalten deutlich mehr Spielraum, als es im zweistündigen Kinofilm überhaupt möglich gewesen wäre.
Ebenso machte sich Foster die Mühe, einige schwerwiegenden Plotholes mit einem Hintergrund auszufüllen um somit ihre Wucht abzufedern. Als Leser nimmt man dieses Geschenk dankend an und erfährt auf dieem Weg etwas mehr über die Außenmission und die Kultur auf Nibiru (vgl. S. 32), warum Pille ausgerechnet Khans Blut und nicht das eines x-beliebigen Augments aus der Tiefkühltruhe zur Rettung Kirks benötigt (vgl. S. 299) und aus welchem Grund die Ketha-Provinz (aus der immerhin einmal ein Kanzler namens Martok stammen wird) in dieser Zeitlinie unbewohnt sein soll (vgl. S. 88).
Darüber hinaus sind einige Szenen ungleich ausführlicher, als man dies aus dem Film gewohnt ist. Auch dies dient der Motivationsfindung, macht die Figuren nachvollziehrbarer und erfreut das Herz eines jeden Trekkies. Besonders die Diskussionen im Daystrom-Konferenzraum (vgl. S. 74ff.) entbehren der gehetzten Stimmung des Films und verraten ein wenig mehr über die Organisation der Sternenflotte, den Oberbefehlshaber Marcus und den ominösen John Harrison. Aber auch die ein oder andere Szene, die den Sprung auf die Leinwand ob der vielen Kürzungen nicht geschafft hat, fügt sich in dieses Buch ein. Obwohl ich im Trailer Kirks Kommentar, dass es 'bei der Sternenflotte vielleicht auch um Rache gehen sollte' nicht unbedingt mochte, musste ich beim Lesen im Stillen anerkennen, dass sie nicht nur ihre Daseinsberechtigung hat, sondern ob ihrer Funktion als Triebfeder dem fertig gekürzten Film auch wirklich fehlte (vgl. S. 93).



Und schließlich erfährt der geneigte Leser auch endlich, welcher Spezies der drollig-nervige Wesley-Crusher-Ersatz Keenser angehört: Der laufende Blumenkohl ist ein 'Roylaner' (vgl. S. 170).
Und auch ein weiteres altbekanntes Gesicht erhält endlich einenen Namen, das bis dato unter "Schnubbelchen" ("Cupcake" im englischen Original) geführt wurde. Nach einem Besatzungsmitglied, das in "Die Stunde der Erkenntnis" durch Ableben glänzte, wurde der Schrank mit dem Spiegeluniversumsbart auf den Namen 'Hendorff' getauft. Das Schicksal scheint dem Charakter jedoch auch in der alternativen Zeitlinien treu zu bleiben, denn Hendorff verstirbt auf der Oberfläche des klingonischen Heimatplaneten (vgl. S. 151).
Als altem TOS-Hasen ließ der Autor es sich auch nicht nehmen, einige Seitenhiebe gegen das neue Abramsverse auszuteilen. So offenbarte er in streckenweise erschreckenden Momenten der Ehrlichkeit, dass Spocks Rechtfertigung Uhura gegenüber tatsächlich null Sinn ergibt (vgl. S. 137) oder beschreibt die klingonischen Schiffe als "hässlich funktional" (vgl. S. 140).
Zudem gelingt es ihm besser als den Leinwandzauberern, die Dynamik zwischen dem von Logik getriebenen Wissenschaftsoffizier Spock und dem raubeinigen Medicus Leonard McCoy einzufangen (vgl. z.B. S. 99). In dieser Hinsicht hat es sich jedenfalls gelohnt, nochmals jemanden zu verpflichten, der seine schriftstellerischen Sporen bereitsin den Siebzigern mit 'Star Trek' verdiente.

Kritikwürdige Aspekte: Der allgemeine Konsens bezeichnet Star Trek "Into Darkness" als Popcorn-Kino. Also eher seichte Kleinhirn-Berieselung mit mehr Actionszenen und weniger clever gestrickter Handlung. Wer das bezweifelt und diesen als Blockbuster konzipierten Streifen ernsthaft als nachdenkliches Science-Fiction-Machwerk sieht, das seinen Platz neben "Alarm im Weltall", "2001- Odyssee im Weltraum" oder "Blade Runner" verdient, der hält wohl auch "GI Joe", "Battleship" oder gar "Twilight" für ansprechende, niveauvolle Unterhaltung. Falls so eine Person diese Zeilen im Moment gerade liest, möchte ich an dieser Stelle doch noch einmal eindringlich darum bitten, das Lesen einzustellen, dieses Browserfenster zu schließen und nie, nie wieder wiederzukommen.

Source: i.chzbgr.com via Turon on Pinterest


Der Rest wird sich wahrscheinlich ebenso wie ich die alles entscheidende Frage stellen:
Wozu braucht Gott ein Raumschiff?
Wozu braucht man allen Ernstes ein Buch für einen solchen Film?
Denn mal ehrlich: Dieser Film hat eine Novellisation in etwa genauso nötig wie "The Fast and The Furious", "Resident Evil" oder gar "Transformers" (tatsächlich stammt das Buch zu diesem Film ebenfalls vom Fließband-Autor Alan Dean Foster). Es verwundert aus dieser Warte also nicht unbedingt, dass Cross Cult laut eigener Aussage Schwierigkeiten hatte, Buchhandlungen davon zu überzeugen, ihren Film-Roman im Sortiment aufzunehmen. Gerade gegen Ende des Buches merkt man deutlich, wie wenig Foster eigentlich zu berichten hatte. Was sich auf der Leinwand in einigen Längen hinzieht, wird im dazugehörigen Roman auf vergleichsweise wenigen Seiten abgehandelt.
Hatte der Novellist da die Laune verloren?
Drängte der immense Zeitdruck zur Fertigstellung auch ihn?
Ist das ein Beispiel für Mut zur Lücke?
Durfte er die dreihundert Seiten nur minimal überschreiten?
Hat sich Foster einfach nur vom erhöhten Tempo des Films anstecken lassen?
Oder gab die dünne Handlung einfach nicht mehr her?
All diese Fragen wird man als Endverbraucher kaum beantworten können, weswegen wir uns also lieber einer Frage widmen wollen, für die wir die nötige Expertise aufbringen:
Warum liest man als Star-Trek-Fan überhaupt so ein Buch zum Film?
Nun, gerade als Trekkie geht es in erster Linie wohl um das, was man im Kino eben nicht sieht.
Bücher wie "Nemesis" konnten trotz eines schlechten Films immerhin beweisen, wieviel Potential in der Handlung eigentlich steckte und wie sehr die Schere des Director's Cut einen Film verhunzen kann. Wer aber mit ähnlichen Erwartungen "Into Darkness" nähert, muss unweigerlich enttäuscht werden.
So sucht man auf den lediglich 310 Seiten (297 wenn man die unbedruckten Füllseiten herausrechnet) vergeblich nach der Duschszene Khans, die Abrams nach dem Film präsentierte.

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Auch einige Einstellungen, die im Trailer angeschnitten wurden, jedoch nicht in die Endfassung mitaufgenommen wurden, fehlen. So bleibt es ein Rätsel, wer jene Frau ist, der Kirk im Konferenzraum zu Hilfe eilt. Auch das eingangs erwähnte Voice-Over Khans fand im Buch noch nicht einmal auf dem Buchrücken Berücksichtigung.

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Noch trauriger stimmt, dass trotz des ohnehin überschaubaren Umfangs allen Ernstes ganze Szenen fehlen, die man im Kino miterleben kann. So malen die Nibirianer keine Enterprise in die rote Muttererde ihres Heimatplaneten (vgl. S. 32). Ebenfalls verschwunden sind die beiden Caitianerinnen, mit denen Kirk vor seiner Degradierung eine Ménage à trois zelebriert (vgl. S. 41). Kleinere Details gehen ebenso verloren: Scotty wird nach dem K.O.-Schlag Kirks nicht von seinem Captain angeschnallt (vgl. S. 283), Khan klaut nach der Bruchlandung auf der Erde keinen Mantel (vgl. S. 294) und Uhura glänzt bei Kirks Löffelabgabe durch Abwesenheit (vgl. S. 287ff. - dadurch wirkt ihr hetzerischer Kommentar auf Seite 293 plötzlich reichlich unangebracht).

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Wieder andere Szenen weichen vom Gesehenen deutlich ab, obwohl Foster im Interview noch großspurig tönte, dass so etwas in einem Filmroman ja auf keinen Fall passieren dürfe.
Dennoch sollen Kirk und Khan vor ihrem Sprung zur USS Vengeance bäuchlings liegen (vgl. S. 234), Carol Marcus ohne das Protokoll zu beachten auf die Brücke der Enterprise stürmen (S. 214) und Khan mit offenen Augen eingefroren worden sein (vgl. S. 305).
Immerhin versuchte sich Foster darin, mit weiterreichenden Erklärungen die Gunst des Lesers zu erkaufen. Doch die Erläuterungen zum Unterwasserparkplatz der Enterprise (vgl. S. 20) zum Transwarpbeamen (vgl. S. 86f.) oder zur investigativen Trägheit der Klingonen (vgl. S. 175) blieben immer noch zu weit hinter den Grundanforderungen an die Logik zurück, um als Verkaufsargument ins Feld geführt werden zu können.
Dabei wäre es gar nicht so schwer gewesen, den Beschränkungen der Vorlage und eines Filmromans zu entsprechen und dennoch ein Werk zu erschaffen, dass den vielen Fans Freude bereitet. So hätte man einfügen können, warum Praxis bereits explodiert ist. Man hätte etablieren können, dass die haarfreie Chekov-Vertretung tatsächlich Deltanerin ist. Oder man hätte den Abschiedsbrief Harewoods im Wortlaut abdrucken und mit einigen interessanten Informationen würzen können.
Das würde allerdings den Gedanken nahelegen, dass dieses Buch ein Werk für Fans sei; sozusagen ein Bonus für die treuen Anhänger, die die Marke 'Star Trek' mit ihrer Begeisterung und ihrem Wissensdurst überhaupt so interessant machen.
Stattdessen richtet sich der Filmroman an das gleiche Publikum wie auch der Film:
An unverbrauchte Neueinsteiger, denen das 'alte Star Trek' stets zu verstaubt und nerdig war. Für mehr als ein paar vernachlässigungswürdige Erwähnungen von Hendorff, Vasquez (S. 70) oder K'normianern (vgl. S. 128) ist in dieser Rechnung kein Platz.
Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man zusätzlich darauf achtet, wie sehr dieses Buch mit den anderen beiden größeren Werken verbunden ist, die zeitnah auf den Kinofilm zuarbeiteten. Eine mickrige Nennung des Namens 'Mudd' (die im Buch noch nicht einmal übernommen wurde) sowie eine fragwürdige Referenz auf die Gorn (vgl. S. 178f.) stellen die einzigen Querbezüge zum Prequel-Comic "Countdown to Darkness" und dem Videospiel "Star Trek" her. Die fehlende Vernetzung untereinander zeigt, wie gering das Interesse der Verantwortlichen tatsächlich aussfällt, die Sehnsucht der Hardcore-Fans nach Informationen, Hintergründen und Verknüpfungen zu entsprechen. Schließlich stört das Bild des besserwisserischen Nitpickers dabei, dem breiten Publikum einen Blockbuster zu verkaufen.
Egal, ob als Film oder Buch.

Übersetzung: Um die schlimmsten Befürchtungen zu gleich Beginn zu entkräften: "Into Darkness" lässt trotz der thematischen Nähe keinen Vergleich mit der qualitativ unterirdischen Novellisation zum zweiten Kinofilm zu.
Natürlich ist sie nicht frei von Fehlern, wie die vielen fehlende Fragezeichen (vgl. S. 46, S. 90 oder S. 101), die orthografisch falschen/ uneinheitlichen Schreibweisen von "K'normianisch" (vgl. S. 128 "k'Normianische" oder S. 148 "K'Normianer") oder gar die Formulierung „Mit todernster Mine [...]“ (S. 124) deutlich zeigen.
Wer aber Cross Cults 'Star Trek Romanen' auf Facebook folgt, weiß um den Zeitdruck, dem Übersetzerin Susanne Döpke ausgesetzt war. Meldungen wie "Hier haben wir übrigens die Übersetzerin zu 'Star Trek Into Darkness' angekettet..." (10. April 2013), "Unsere Filmromanübersetzerin Susanne Döpke sitzt an den letzten Seiten und der Körper wehrt sich. Die Erschöpfung naht... [...]“ (13. April 2013) oder „Unsere Übersetzerin ist fertig mit dem Filmroman zu 'Star Trek Into Darkness'. Was für eine Tour de Force... Nun haben wir wieder ihre Handschellen abgenommen.“ (16. April 2013) halfen dabei, Nachsicht walten zu lassen.
Und dennoch bleibt ein alter, beinahe klassischer Kritikpunkt bei Filmromanen bestehen. Wer wie ich den Film mittlerweile bereits vier mal gesehen hat (jeweils zweimal auf deutsch und englisch) wird schnell merken, dass die Dialoge im Buch nicht mit denen im Film übereinstimmen. Das schmälert natürlich den Wiedererkennungswert vieler Szenen.
Beispiel gefällig?
Im englischen Original wirft Pike Kirk vor:
"Do you have any idea what a pain in the ass you are?"
In der deutschen Synchronisation klingt die Szene bereits ganz anders. Dort fragt der Admiral:
"Wissen Sie eigentlich, was für 'ne Nervensäge Sie sind?"
Schlägt man im Filmroman nach, so liest sich der gleiche Satz wiefolgt:
"Haben Sie auch nur eine Ahnung davon, was für ein Quälgeist Sie sind?" (S. 48).
Endergebnis:
Ohne über die Qualität der Übersetzung streiten zu wollen, verfügt der geneigte Fan damit über drei verschiedene Versionen des selben Satzes. Wer den Film in Erinnerung hat, erkennt die sorgsam eingeprägten Zitate nicht mehr wieder und man fragt sich schon, warum Cross Cult nicht einfach mit dem verantwortlichen Synchronstudio zusammenarbeitet.
Auffälligerweise zeigen  sich Überschneidungen immer in jenen Dialogen, die man bereits aus den deutschsprachigen Trailern kennt. Dort wurden jedoch munter jene Fehler übernommen, die bereits im Vorfeld zur Zielscheibe der Kritik wurden. Jeder, der im Deutschunterricht wenigstens ab und zu ein wenig aufgepasst hat, weiß nämlich, dass die Frage auf eine Behauptung wie "Weil ich … besser bin." (S. 193) natürlich "Besser worin?", und nicht "Besser in was?" (S. 194) lauten muss.
Wenn man schon keine Einigung mit dem Synchronstudio hinbekommt, so hätte man wenigstens in der Sterbeszene Kirks die Original-Dialoge aus der Quelle spiegeln können, aus der jene im Film frech geklaut haben. Doch auch Zitate aus der deutschsprachigen Synchronisation von "Der Zorn des Khan" sucht man in diesem Buch vergebens.
Abgesehen davon hat der Zeitdruck bisweilen zu recht schwerfälligen und holzigen Begriffen wie „"Industriestärkevisier" (S. 9), "Rankine-Annullierer" (S. 12), "annihiliert" (S. 116) oder "Himmelskarten" (S. 120) geführt. Mein persönlicher Höhepunkt war dahingehend "Interschiffskommunikationsfrequenzen" (S. 202) - die "Donaudampfschifffahrtsgesellschaft" oder das "Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz" lassen leise grüßen!
Als völlig gegen die Wand gefahren muss man den Versuch werten, Scottys schottischen Dialekt zu retten (vgl. S. 172). Nach dem weisen Motto 'weniger ist oft mehr' hätte man darauf besser verzichten sollen, zumal er in der deutschen Translationsgeschichte ohnehin nie berücksichtigt wurde. Jetzt auf einmal damit anzufangen und dabei selbst dem Film zu widersprechen, lässt die Sprechweise automatisch wie einen Fremdkörper erscheinen.
In die gleiche Kerbe schlagen auch die Umgangsformen des Chefingenieurs. Vor allem im Gespräch mit seinem zwergwüchsigen Busenkumpel Keenser, offenbart er nie gekannte Kratzbürstigkeit, die meilenweit von freundschaftlichem Necken entfernt ist. So bezeichnet Scotty ihn als "[...] du kleines feiges Vieh“ (S. 171) oder "[...] du runzliger kleiner Hundesohn!" (S. 174). Aber auch andere Personen und andere Wortwechsel sind von derbem Sprachgebrauch geprägt (vgl. S. 188. S. 204, S. 291 uvm.).
Bei Scotty hätte ich mir ferner auch eine korrekte Schreibweise des schottisch-gälischen "pòg mo thòin" (vgl. S. 239) gewünscht, aber die Wurzel dieses Übels liegt wahrscheinlich schon im amerikanischen Original begründet, wo die eigentlich irische Redewendung massive Verbreitung gefunden hat.
Hinzu kommt, dass natürlich wieder vom "Ensign" (vgl. S. 98, S. 101, S. 102 uvm.) statt von einem „Fähnrich“ die Rede ist. Das gute alte "PADD" wird plötzlich zu einem "Arbeits-Tablet" (S. 112) und  warum die Sternenflotte als Reaktion auf die Zerstörung Vulkans gleich auf „[...] weit entfernte Quadranten [...]“ (S. 192) losgeht, bleibt wohl für immer ein ungelöstes Rätsel. Immerhin bleibt den Menschen, die ja direkt auf der Grenze von Alpha- zu Beta-Quadranten wohnen, dann nur noch der Gamma- und der Delta-Quadrant übrig. Und sollte Khan wirklich bis zum Dominion oder zu den Borg abgetrieben worden sein, wäre der Film sicherlich anders verlaufen...

Anachronismen: Um es an dieser Stelle mal gleich lobend zu erwähnen: Im Buch ist einer der gravierenden Fehler des Films ausgemerzt worden. Hier heißt die Heimatwelt der kriegerischen Klingonen nämlich nicht 'Kronos', sondern stilecht "Qo'noS" (vgl. S. 86, S. 118, S. 125 uvm.).
Doch über den Film und seine Anachronismen habe ich bereits in meiner Tafelrunden-Rezension ausführlich gesprochen, weshalb ich nun auf einige Punkte im Speziellen eingehen möchte, die vor Allem im Buch in den Vordergrund rücken. Es gelingt Foster zwar, einige von Ihnen zu entkräften, doch noch immer zieren viele Fragenzeichen den Film genauso wie das Buch:
Warum muss Uhura trotz Universalübersetzer Klingonisch sprechen?
Warum gibt Kirk beim Anblick dreier klingonischer Bird of Preys umgehend kampflos auf, obwohl er im vorangegangenen Film beim Kobayashi-Maru-Test in einer verdammt ähnlichen Lage nicht an ausweglose Situationen glaubt?
Wie kann ein reptiloider Gorn Achtlinge lebend gebären?
Oft wird außerdem ein Kritikpunkt angeführt, dem dieses Buch noch zusätzlich Zündstoff bietet. So wird beschrieben, die Enterprise hätte nach ihrem Gefecht mit der USS Vengeance "[...] nicht genug Schub, um es bis zum Mond zu bringen, geschweige denn bis zur Erde." (S. 229). Trotzdem beginnt sie ohne nähere (vor allem aber glaubwürdige) Erklärung nur 43 Seiten später (vgl. S. 272ff.) auf die Heimat der Menschen herabzustürzen.
Neben diesen Unzulänglichkeiten unterminiert "Into Darkness" seine Glaubwürdigkeit weiter, in dem es ausgerechnet jene Zeitlinie mit schwarzen, spitzen Lederstiefeln tritt, auf der es eigentlich fußen müsste.
Erinnern wir uns: Diese Branche der Zeit wurde feierlich eröffnet, nachdem ein Romulaner 2233 die USS Kelvin angriff. Das bedeutet, dass die vorherigen Ereignisse, wie sie zum Beispiel in der Fernsehserie "Star Trek: Enterprise" beschrieben wurden (Mitte des 22. Jahrhunderts), noch immer ihre Gültigkeit besitzen. J.J. Abrams untermauerte dies, in dem er im elften Film auf Admiral Archer und dessen Beagle referenzierte.
Doch plötzlich scheint all das nicht mehr zu gelten.
Davon, dass die Klingonen plötzlich wieder Stirnwülste besitzen, ist im Buch nichts zu lesen, doch warum nutzt Admiral Marcus ausgerechnet den Jupiter als Standort für eine geheime Basis?
Immerhin liegt laut Episoden wie "Lautloser Feind", "Familienbande" oder "Die Anomalie" eine der geschäftigsten Erdenbasen an diesem Verkehrsknotenpunkt.
Aber auch die Vorgängerserie "Voyager" beschrieb ein Ereignis, das eklatante Auswirkungen auf das Abramsverse gehabt haben müsste: Laut den Auskünften Tom Paris' in "Das ungewisse Dunkel, Teil I" verlor Geld im ausgehenden 22. Jahrhundert seine Bedeutung. Trotz der Auswirkungen, die in Star Trek IV: "Zurück in die Gegenwart", Star Trek VIII "Der erste Kontakt" oder der DS9-Folge "Die Karte" angesprochen wurden, liest man hier von privaten Kurierdiensten (vgl. S. 54), kommerziellem Schiffsverkehr (vgl. S. 81), oder finanziell belastenden Scheidungen (vgl. S. 177).

Fazit: Der Filmroman "Into Darkness" ist ein hektisch auf den Markt geworfenes Buch, dem die Seele vieler Novellisationen fehlt, die sich zuvor mit Star-Trek-Filmen beschäftigten. Zwar bemüht sich Alan Dean Foster, durch ausführliche Erklärungen Handlungslöcher zu minimieren, Figurenmotivationen zu untermauern oder Hintergrundinformationen zu liefern, doch er bleibt dabei zu oft zu halbherzig.
Das Fehlen ganzer Szenen, die unbefriedigenden Erklärungen und das Aufreißen weiterer unnötiger Handlungsschlaglöcher rechtfertigt nicht unbedingt, sich mit diesem Werk näher zu beschäftigen. Auch die Übersetzung vermag es nicht zu überzeugen, was allerdings primär weniger an ihrer Qualität, sondern viel eher an der fehlenden Deckungsgleichheit mit der deutschen Synchronisation liegt.
Wer sich jedenfalls wie ich im Vorfeld fragte, wozu solch ein Film einen begleitenden Roman benötigt, dem sei gesagt:
Das tut es gar nicht!

Denkwürdige Zitate:

"Eine nähere Untersuchung hat ergeben, dass ich gesehen habe, was ich glaubte, gesehen zu haben ... glaube ich."
Scotty, S. 82

"Die galaktische Uhr tickt, meine Herren."
Admiral Marcus, S. 91

"Wenn man den Klingonen beide Hände reicht, ist es wahrscheinlich, dass anschließend ein oder zwei Finger fehlen."
Admiral Marcus, S. 92

"Captain! Ich denke, es ist meine Pflicht, Sie darauf hinzuweisen, dass es gegen alle empfohlenen Verfahrensweisen seit Anbeginn der Kriegsführung verstößt, das Schiff seiner beiden höchsten Offiziere zu berauben, während es sich in feindlichem Territorium befindet."
"Und das wird wohl nicht das letzte Mal bleiben, Mr. Sulu. Während meiner und Mr. Spocks Abwesenheit haben Sie das Kommando. Es sei denn natürlich, Ihre Bemerkung soll bedeuten, dass Sie sich nicht für kompetent genug halten?"
"Nein, Sir."
Sulu und Kirk, S. 125

"KHAAAAANNNNNNNNN!"
Spock, S. 290


Bewertung: Schlechter als die Vorlage.

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Weiterführende Leseliste:

Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X: Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

Sonntag, 13. Juni 2010

Nemesis

Buchbesprechung Dillard, J.M.: Nemesis. Heyne 2002.

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Mein herzlichster Dank geht in Richtung Hans Ötzthaler, der mir dieses Buch schenkte und das Wochenende durch seine Anwesenheit versüßte

Story: Der Beta-Quadrant erfährt durch einen neuerlichen Machtwechsel an der Spitze des Romulanischen Sternenmperiums wiederholte politische Instabilität. Kein Wunder also, dass die Sternenflottenspitze ihr Flaggschiff und ihren besten Captain zum diplomatischen Antrittsbesuch ins Rennen schickt.
Vagen Gerüchten zufolge ist der neue Prätor Shinzon zur allgemeinen Überraschung kein Romulaner, denn der denkwürdige Staatsstreich, der ihn an die Spitze des Herrschaftsapparates katapultierte, ging von einem Volk aus, das niemand auf dem Radar hatte: den Remanern.
Diese seit jeher recht stiefmütterlich behandelten Leib- und Arbeitssklaven der Romulaner schüttelten das Joch ihrer Unterdrücker ab und beginnen nun, den eher unscheinbaren Schwesterplaneten Romulus' ins Rampenlicht der Weltenöffentlichkeit zu rücken.
Umso größer ist Picards Überraschung, als sich hinter dem Namen Shinzon nicht etwa das vampirgleiche Gesicht eines remanischen Söldners verbirgt, sondern das eines Menschen, dessen Züge ihm stark bekannt vorkommen. Kein Wunder, denn es sind seine eigenen!
Shinzon ist nämlich nichts Geringeres als ein Klon; ein genetisches Ebenbild, das die Romulaner aus taktischen Gründen von Picard anfertigten, um irgendwann einmal einen Spion mitten im Herzen der Föderation platzieren zu können. Ironischerweise war es ein Machtwechsel, der Shinzon nach Remus verschlug, wo er einen aufsehensarmen Tod finden sollte.
Doch er fand etwas anderes: Die Solidarität eines unterdrückten Volkes, das in ihm wiederum den prophezeiten Befreier fand.
Schnell wird jedoch klar, dass Picard und sein Ableger Shinzon nur wenig eint, denn der junge Adoptionsremaner ist gewillt, bis zum Äußersten zu gehen, um seine Verbundenheit mit Remus durch Verzicht auf seine menschliche Herkunft zu demonstrieren: Sein riesiges Schiff, die Scimitar, ist nicht nur ein waffenstarrendes Kriegsschiff, sondern auch ein überdimensionierter Generator für Thalaronemissionen, die das Leben ganzer Planeten auslöschen kann – und die Erde ist sein erstes Ziel...

Lobenswerte Aspekte: Bereits mit der Einführung in dieses letzte Kinoabenteuer der TNG-Crew beginnt der Lesespaß: Autor John Logan plaudert ungezwungen aus dem Nähkästchen über den Entstehungsprozess des Drehbuches. Man baut sofort Sympathien zu dem engagierten Fan auf, der aus den eigenen Reihen stammt.
Das merkt man der eigentlichen Geschichte, die in dieser Form allerdings aus der bearbeitenden Feder der Novellisationsveteranin J.M. Dillard stammt, auch an. Denn die füttert den verwöhnten Fan mit genau der Kost, die ihm am besten mundet: knusprige Hintergrundinfos aus Freilandhaltung!
So wird das Star-Trek-Universum durch ein Kaleidoskop von neuen Namen für bekannte Gesichter bereichert: Angefangen beim romulanischen Prätor Hiren (vgl. S. 25), über den Commander Suran (vgl. S. 52) bis hin zum versterbenden Fähnrich Branson, der gegen Ende des Buches von der warmen Brücke der Enterprise in das kalte Vakuum des Weltalls gesogen wird (vgl. S. 66).
Doch damit nicht genug! Personen wie Hiren (vgl. S. 25f.), Donatra (vgl. S. 51ff.) oder Shinzon (S. 114f.) erhalten einen für die Gesamtseitenzahl erstaunlich detailreichen Background.
Wer nicht die DVD besitzt, in der auch die herausgeschnittenen Szenen als Bonus dargeboten werden, wird außerdem von der Vielfalt an nicht gekannten Szenen überrascht. Ergänzungen wie Wesley Crushers Rückkehr zur Hochzeit (vgl. S. 38), Picards Unterredung mit seinem zukünftigen ersten Offizier (vgl. S. 48ff.) oder die humorvolle Schlussszene um den neuen ersten Offizier Martin Madden (vgl. S. 230ff.) fehlen dem Film sehr und besonders in diesem Buch merkt man, wie wichtig diese und weitere Einblicke für das Gesamtverständnis und den Gesamteindruck eigentlich sind.
Der unbestreitbare Höhepunkt ist jedoch ein Kapitel, das es erst gar nicht bis in den Dreh schaffte und eine Frage tangiert, die ich mir stets stellte:
Was passiert eigentlich mit Worf, nachdem er Riker dazu verhalf, dem remanischen Vizekönig Vkruk zu folgen?
Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich ja schonmal bescheinigen, dass auch der Klingone durchaus Berichtenswertes erlebt und innerhalb dieser Nebengeschichte über sich und sein Weltbild hinauswächst (vgl. S. 194ff.). Worf macht hier nicht zuletzt wegen jener Ereignisse eine gute Figur, was ihm im Film nicht im gleichen Maß gelingen will.
Doch Worf ist nur eine von vielen gut bis sehr gut getrofffenen Figuren. Besonders das parallele Beziehungsgeflecht B4 vs. Data und Picard vs. Shinzon macht in Schriftform mehr her, als in der Leinwanddarstellung, die nur zu oft den Actionsequenzen Vorrang vor den Charakterstudien verlieh. Man merkt ganz besonders in diesem Punkt den diesem Werk eingangs in John Logans Vorwort beschriebenen Perfektionswillen tatsächlich an. Das spiegelt sich letztendlich besonders in der Spezies der Remanern wider.
Logans mutige Eigenkreation lernt dank einfühlsamer Beschreibung der Lebensumstände (vgl. z.B. S. 60ff.) und einer nachvollziehbaren Einbettung in das Romulanische Sternenimperium recht schnell Laufen.
Und doch sind die Remaner mehr, denn sie sind auch ein Gradmesser des Wesens der romulanischen Gesellschaft. In der Art und Weise, wie die Romulaner die Eingeborenen ihrer planetaren Zwillings behandeln, erscheinen sie auch selbst in einem Licht, dass nicht nur vorangegangene Einschätzungen bestätigt, sondern sogar auszubauen vermag.
Der unbestreitbare Höhepunkt des Romans ist jedoch fraglos der Tod Datas (vgl. S. 216f.). Etwas überhastet und losgelöst vom Gesamtkontext erscheint das Ableben des Androiden dort, während er in der Novellisation vergleichsweise passgerechter serviert wird. Auch der Akt selbst ist durch einen fast schon biblisch anmutenden Eindruck erweitert:
Die beiden letzten Personen, denen der blasse Maschinenmensch in die Augen blickt, sehen dort plötzlich genau jene breite Palette an Emotionen, nach der Data beständig trachtete (vgl. S. 208 und S. 215). Sein Leben endet also in einer erfolgreichen Suche und damit klingen versöhnlichere Töne an, die in einem Film nicht in diesem Maße transportiert werden können.
Abgerundet wird dieses Buch durch den Bericht Michael Klastorins, dem Produktionspublizisten des Films (vgl. S. 235ff.). Auch er steuert Anekdotenhaftes, Amüsantes und Internes bei, was dabei hilft, die frisch gewonnenen Eindrücke aus der Handlung um wissenswerte Informationen um die Entstehungsgeschichte zu erweitern. So kann man erfahren, dass Schildkröten für das Aussehen der eingeborenen Bevölkerung von Kolarus III Pate standen (vgl. S. 239), dass die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright das Set besuchte (vgl. S. 241) und dass selbst Tom Hardy unter seiner Maske leiden musste (S. 247ff.).
Wenn man das Buch schließlich viel zu schnell zu Ende gelesen hat, stellt sich ein Gefühl ein, dass dem Film abhanden gekommen ist: Man kann Abschied nehmen und bedauert keineswegs, sich mit dem letzten großen Leinwandabenteuer Picards und seiner Mannschaft beschäftigt zu haben.

Kritikwürdige Aspekte: In einem Vorab-Interview zum Kinofilm ließ Logan verlauten, dass man zu Beginn, auf der Hochzeit des Paares Troi-Riker einen Gorn sehen könne.
Doch Pustekuchen! Das Wesen schaffte es nicht auf Zelluloid! Nicht einmal in die Novellisation, in die so ein grau-grünes Riesenreptil leicht unterzubringen wäre, schrieb der gute Mann irgendeinen Vertreter dieser Spezies hinein!
Gegen Ende des Romans hingege wirkt das letzte Wiederaufgreifen von „Blue Skies“ etwas deplatziert. Natürlich kann man sich so ein Hintertürchen für eine mögliche Fortsetzung offen halten, doch das die Liedzeilen noch ein zweites Mal als Finale an den Buchausgang gekleistert wurden, wirkt schon etwas verzweifelt (vgl. S. 233).
Gleichsam fehl am Platz wirken die zusammenhangslosen Farbfotos im Mittelteil des Buches. Ohne Sinn und Verstand eingefügt merkt man bereits an den ideenlosen Bildunterschriften, dass diese ohnehin schlechten Aufnahmen als unmotiviert beigemengte Zugabe dienen.
Doch diese drei Punkte stellen auch schon das Schlimmste dar, was man von diesem filmbegleitenden Werk sagen muss. Es gibt zwar noch etwas, worüber ich nun schimpfen muss wie ein Rohrspatz, doch daran ist dieses Buch, dass viel eher umgekehrt den Film zum Begleiter haben sollte, vollkommen unschuldig.
Es geht nämlich um die Querverweise zwischen Büchern. So kann man hier lesen, dass der junge Lieutenant Crusher einem Engagement auf der Titan entgegensieht (vgl. S. 38). Nach mittlerweile vier Bänden der Reihe tauchte das Antlitz des TNG-Teeniestars jedoch auf noch keiner Seite auf!
Oder was ist mit Martin Madden, dem neuen ersten Offizier der Enterprise (vgl. S. 230)?
Ein sympathischer Typ mit jeder Menge Potential, doch die TNG-Fortsetzungsromane übergehen den Mann geflissentlich, obwohl J.M. Dillard den entscheidenen Band „Widerstand“ verfasste, in dem Worfs Rolle als XO erst gefestigt wurde! Gerade sie hätte doch eigentlich am besten wissen müssen, dass der rechte, rechte Platz an Picards Seite jemand anderem versprochen ist!
Zudem steht in diesem Buch recht unzweideutig, dass Surans Schiff zerstört wird und der Kampfesgenosse Donatras dabei den Tod findet (vgl. S. 173). In den Titanromanen steht der gute Mann (wenigstens zeitweise) in guter Star-Trek-Manier wie Spock, Kirk oder Tasha Yar plötzlich wieder mit beiden Beinen voll im Leben!
Jetzt könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass es sich bei den nicht in der finalen Filmfassung gelandeten Szenen um Gimmicks für die Hardcore-Fans handeln muss, die für die Autoren keinerlei Bedeutung haben.
Wieder falsch!
Es gibt nämlich reihenweise Vorlagen, die dankbar aufgenommen wurden. Worfs Adoption Spots, der Katze Datas etwa, wird gleich im ersten Titan-Roman „Eine neue Ära“ beschrieben. Dort wird auch Donatras Hintergrund aufgegriffen und selbst im zweiten Band „Der rote König“ tritt die romulanische Ärztin Venora (vgl. S. 220) auf.
Beverly Crushers Gespräch mit Picard (vgl. S. 228) ist ebenfalls in „Tod im Winter“ zu finden und die Namen mehrerer exklusiv hier benannter Personen lassen sich in „Quintessenz“ ausmachen.
Es ist also sehr bedauerlich, dass die Möglichkeiten dieses Werkes nur so sporadisch genutzt werden. Nur die Rosinen aus dem Kuchen zu picken ist nicht nur unfair, sondern auch ein Bruch mit den eigenen Spielregeln. Wer soll denn bitteschön die Kontinuität von Star-Trek-Romanen ernstnehmen, wenn selbst verdiente Autoren wie Dillard, Friedman oder David sie mit Füßen treten?

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Ich habe Sie erwartet, Mr. Spot...

Übersetzung: Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts begann der Heyne-Verlag zum Unmut der hiesigen Leserschaft damit, die Publikation deutschsprachiger Romane zu reduzieren, um sie schließlich gänzlich einzustellen.
Dabei ließen sich deutliche Anzeichen des Qualitätszuwachses verzeichnen!
So verzichtet dieses Buch gänzlich auf den abscheulichen Terminus „desaktivieren“, der die Übersetzungen so viele schreckliche Jahre dominierte. Man kann statt dessen auf der Seite 152 sogar die korrekte deutschsprachige Variante des Wortes finden!
Doch bei aller Euphorie blieb dies noch immer in einem gewissen Rahmen. Gewohnheiten ändern sich bekanntlich nicht über Nacht und aus diesem Grunde lassen sich fröhlich unvertraut anmutende Übersetzungen wie „romulanisches Bier“ (S. 40), „Gesellschaftsraum“ (S. 77) oder „Insignienkommunikator“ (S. 131) ausmachen. Daneben stößt man auch immer wieder auf wahre Perlen der Fehlübersetzung wie den „memorialen Download“ (S. 84), den „Strahlblitz“ (S. 141) oder das „Schiffsmanifest“ (S. 223). Mit großer Hartnäckigkeit halten sich zudem die in Filmen und Serien unüblichen „Medo“-Kombinationen (vgl. S. 44 oder S. 131) und das Beharren auf dem englischen Begriff „Starfleet“ (S. 36), obwohl mit dem Wort „Sternenflotte“ ein selbst unter mäßig bewanderten Fernseheulen bekanntes Äquivalent existiert.
Ebenso hätte es nicht geschadet, die Seriennamen „Bewitched“ und „Married with Children“ (beide S. 261) mit „ihren deutschen Titeln „Verliebt in eine Hexe“ und „Eine schrecklich nette Familie“ zu übersetzen, denn schließlich ist so eine deutschsprachige Übersetzung primär dafür angedacht, Erzeugnisse anderer Märkte für den hiesigen zu verändern und dem Leser das Gefühl zu verleihen, das Original gar nicht zu benötigen. Muss man aber erst recherchieren, was mit beiden Titeln gemeint ist, erübrigt sich ein gewisser Teil dieses Denkansatzes bereits.

Anachronismen: Selbst als bekennender Trekkie ist man vor Anachronismen nicht gefeit. So liest sich die Behauptung, dass Datas Emotionsschip seit dem Kontakt zur Borgkönigin in „Der erste Kontakt“ durchgeschmort und irreparabel zerstört worden sei (vgl. S. 86) etwas befremdlich, denn noch im vorangegangenen Kinofilm „Der Aufstand“ versichert Geordi seinem Captain, dass der Androide seinen gefühlserzeugendes Stück Hardware zu Hause gelassen hätte.
Besonders weit aus dem Fenster lehnte sich wohl auch der Praktikant, der die Bildunterschriften zum Farbfotoblock in der Buchmitte verfasste. Dort ist nämlich folgender Satz zu lesen:

Zum ersten Mal in seiner Laufbahn missachtet Data (Brent Spiner) einen ausdrücklichen Befehl.

Das hatte ich anders in Erinnerung, denn abgesehen vom bereits erwähnten neunten Kinofilm zeugen Episoden wie „Die ungleichen Brüder“, „Beweise“ oder „Der Kampf um das klingonische Reich, Teil II“ davon, dass der Robotermann direkte Befehle problemlos mit zumindest ebenbürtigem Gleichmut strafen kann.
Erfrischend widersprüchlich ist im Übrigen die erste Staffel TNG; ganz besonders, wenn man sich noch frühe Episoden wie „Der große Abschied“ ansieht. Picards kindliche Begeisterung für das Holodeck, die er wie ein kleines Kind („Und dann, als ich durchs Fenster auf die Straße blickte, sah ich doch tatsächlich AUTOMOBILE!“) vor seinen Untergeben im Besprechungsraum auslebte, kann man als sehr lebendiges Gegenargument zur Behauptung heranziehen, dass Picard bereits in seiner Kindheit entsprechende Einrichtungen aufsuchte (vgl. S. 144).
Ebenfalls verwirrend sind die unterschiedlichen Deckangaben. Während Picard Lily Sloane im achten Kinofilm noch 24 Decks auf der Enterprise beschrieb, erhöht sich deren Zahl in diesem Roman immerhin auf 29 (vgl. S. 183).
Wenn man den Film noch im Hinterkopf hat, wundert man sich außerdem schnell darüber, dass die schwer beschädigte Scimitar bereits wieder getarnt ist, als Data zur Rettung Picards zum Remanerschiff hinüberhechtet (vgl. S. 209). Nicht nur, dass es weder im Film so zu sehen war, es ist darüber hinaus auch ein klein wenig waghalsig zu riskieren, für immer im freien Raum zu schweben!
Das kniffligste Rätsel jedoch stellten die Bewohner von Kolarus III dem Leser. Geordi LaForge beschreibt die Kultur als „[...] Präwarp-Zivilisation in einer frühen industriellen Entwicklungsphase“ (S. 67). Wenn wir als Vergleichswert die Erde heranziehen und die Eisenbahn als als Indikator für fortschreitende Industrialisierung, so kann man für die frühe Industrialisierung sicherlich großzügig die 150 Jahre zwischen 1825 und 1975 werten, ohne mit den Angaben aus dem Star-Trek-Universum und dem eigenen Empfinden zu brechen. Vielleicht ist mir ja irgendetwas entgangen, doch soweit ich weiß, nutzte die Menschheit in dieser Periode noch keine „Plasmawaffen“ (S. 73).

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Frühe Industrialisierung: Cowboys mit Plasma-Colts?

Fazit: Es kommt nicht oft vor, dass die Novellisation eines Kinofilmes lesenswerter ist, als der Film, den das Buch behandelt, sehenswert ist. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass dieses Buch arm an Fehlern, verhältnismäßig gelungen in der Übersetzung und stimmig in den Extras ist.
Doch wenn schon allein der größte Kritikpunkt sein muss, dass andere Werke diesem nicht die verdiente Aufmerksamkeit schenken, dann muss es in der Tat außergewöhnlich sein.
Unter den Bücherversionen der Star-Trek-Kinofilme ist „Nemesis“ jedenfalls bislang das beste, das man kaufen kann und lesen muss.

Denkwürdige Zitate:

Biologie allein macht uns nicht zu dem, was wir sind.
Deanna Troi, S. 100

Mein Leben ist bedeutungslos, solange Sie am Leben sind. Was bin ich, während Sie existieren? Ein Schatten? Ein „Echo?
Shinzon, S. 133

Ich stelle mir vor, Bruce Willis zu sein!
Und ich stelle mir vor, Cybil [sic!] Shepard zu sein.
Patrick Stewart und Brent Spiner, S. 245



Wer sehnt sich nicht auch nach Haupthaar?

Bewertung: Never saw things going so right...

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Weiterführende Leseliste:

Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X: Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

Sonntag, 3. Januar 2010

Star Trek II: Der Zorn des Khan

Aus aktuellem Anlass: An all die Besucher, die glauben, hier irgendwo Beweise zu finden, dass Karl-Theodor zu Guttenberg sich bei seiner Abschiedsrede im zweiten Star-Trek-Kinofilm "Der Zorn des Khan" bediente:

Es stimmt nicht.

Den Satz

"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."

hat es in diesem Film nirgendwo gegeben und als jemand, der bei den Filmdialogen tatsächlich mitsprechen kann, glaube ich fest daran, dies beurteilen zu können.
Also lest lieber diesen Beitrag Daniel Bröckerhoffs, der sich mit der Entstehung dieses Mythos' beschäftigt, als Euch aus bloßer Skandalsucht statt ernstem Interesse diese Rezension durchzulesen.

Danke.

Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Star Trek II. Der Zorn des Khan. Heyne 1981/1992.

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Story: Der Akademiealltag hat Admiral Kirk inzwischen wieder fest im Griff. Verwaltungsarbeit, Bürokram, Ausschusssitzungen - und ab und zu mal, so als eine Art Aufmunterung für zwischendurch, darf der alternde Fuffziger Kadetten in der Kobayashi-Maru-Simulation den letzten Funken Optimismus aus dem Ego treiben.
Da kommt die Aussicht auf ein mehrwöchiges Manöver weit weg vom heimischen Büro gerade recht, zumal dieser Kurztripp nicht unter Mitwirkung der guten alten, doch mittlerweile längst zum Schulschiff degradierten USS Enterprise NCC-1701 laufen soll, sondern auch den Abschied von seiner alten Crew markiert.
Doch mitten in den Tiefen des Alls bekommt Kirk plötzlich einen Kurzanruf seiner Ex, die sich darüber beschwert, dass Kirk ihr irgendetwas namens 'Genesis' wegnehmen würde nur um kurz danach gleich wieder aufzulegten (Anm. des Verfassers: Dramatisation! Beschreibung muss nicht hundertprozentig mit der Buch- oder Filmdarstellung übereinstimmen!!).
Kirk schmeißt daraufhin seinen Diaprojektor an, um seinen Freunden Spock und Pille zu zeigen, dass sich hinter dem Namen eben doch nicht die gleichnamige TNG-Episode, die SEGA-Konsole oder die britische Band verbergen, sondern ein neues Föderationsprojekt, dass aus unbelebten Planeten blühende Kolonien zaubert.
Das militärische Potential liegt auf der Hand, denn Genesis kann nicht nur unbewohnte Planeten bewohnbar machen, sondern auch bewohnte Planeten von ihren Einwohnern befreien – ein Tor zur ethnischen Säuberung von galaktischem Ausmaß. Die Gefahr ist also so offensichtlich, dass sich Kirk einen Blankoscheck von der Sternenflottenspitze besorgt und das Schiff geradewegs in Richtung des Raumlabors, in dem sich seine Ex Carol Marcus gerade befinden müsste, steuert. Doch Marcus ist nicht nur seine Verflossene, sondern auch die Mutter seines Sohnes, der, ohne etwas von seinem prominenten Vater zu ahnen, noch immer bei seiner Erzeugerin wohnt.
Auf dem langen Weg zur Regulus-I-Station [sic!, vgl. S. 33] wird die Enterprise plötzlich von einem Schiff aus der eigenen Flotte angegriffen: Die USS Reliant NCC-1864 wurde von einem alten Erzfeind Kirks gekapert: Khan Noonien Singh, der nun den toupetbedeckten Kopf des Admirals als Genugtuung für den Tod seiner Frau verlangt und als Zugabe auch noch die Herausgabe sämtlicher Genesis-Daten fordert.
Kirk sitzt in der Zwickmühle. Das stark beschädigte Schiff voller unerfahrener Kadetten ist nur bedingt in der Lage, dem genetisch aufgewerteten Supermenschen Khan Paroli bieten zu können, seine Ex-Frau meldet sich nicht mehr und zu allem Überfluss benötigt der in die Jahre gekommene hochdekorierte Offizier eine Brille.
Schließlich jedoch fällt ihm doch noch ein letzter Ausweg ein: Sofern Khan nicht daran gedacht hat, diese Möglichkeit zu eliminieren, könnte die Enterprise mit der Leitziffer der Reliant die Kontrollen des Schiffes übernehmen, und das Schlachtenglück zu seinen Gunsten lenken...

Lobenswerte Aspekte: Der zweite Star-Trek-Film bringt dem Zuschauer neben einigen alttbekannten auch eine Vielzahl neuer Charaktere näher. Da hätten wir Dr. Carol Marcus, ihren Sohn David, Peter Preston, natürlich Saavik und Khans Sidekick Joachim. In Anbetracht der Tatsache, dass der Film keine zwei Stunden auf die Uhr bringt, und zu einem großen Teil aus Raumschlachten (oder deren Simulation) besteht, kann man sich ausmalen, dass den einzelnen Nebenfiguren hier nur wenig Spielraum überlassen wurde, um sich durch irgendwelche charakterliche Tiefe auszuzeichnen. Naturgemäß ist dies in den Begleitbüchern anders, und auch diese Novellisation macht dabei keine Ausnahme.
Logisch, dass diese Sonderausstattung in erster Linie Saavik zu Gute kommt. Hin (vgl. S. 25) und wieder (vgl. S. 80) wird der geneigte Leser mit sporadischen, nichtsdestotrotz jedoch spannenden biografischen Einblicken angefüttert und die Figur wird nicht nur deutlich von anderen Vulkaniern abgehoben, sondern auch mit vielversprechenden Charakterfehlern gespickt, die ein großes Interesse schüren, den weiteren Werdegang dieser Figur zu verfolgen. Nur logisch also, dass die attraktive junge Frau Spock ersetzen sollte (vgl. S. 215), denn dessen Tod am Ende des zweiten Star-Trek-Kinofilms war in erster Linie dem Unwillen Leonard Nimoys geschuldet, auch weiterhin als Darsteller für den Wissenschaftsoffizier der USS Enterprise zur Verfügung zu stehen.
Besonders hervorzuheben ist neben Saavik definitiv auch Joachim, dessen Wandel vom hörigen Anhänger Khans zum von Zweifeln geplagten Mittäter hier ausführlich beschrieben wird. Als Gegenpol zu Khans intensiven Gewaltanwendung bieten seine Auftritte dem Leser einen Anhaltspunkt dafür, dass genetische Manipulation die Essenz des Menschseins trotz allem nicht zu verdecken in der Lage ist.
Neben diesen beiden Figuren sollten allerdings die anderen, eher geheimen Helden des Buches auf keinen Fall unterschlagen werden: Die wissenschaftliche Crew Dr. Carol Marcus'.
Gut, im Film wird wenigstens Jedda kurz benannt, doch man kann während des Zuschauens kaum erahnen, dass der behaarte HiWi ein Deltaner sein soll. Die beiden wichtigsten Säulen des Genesis-Projektes, die Doktoren Vance Madison und Delwin March finden hingegen auf Celluloid keinerlei Erwähnung. Das ist im Buch anders und neben diesen beiden durchgeknallten Forschern werden selbst der Koch Yoshi und der Steward Jan beschrieben.
Mit dem dazugewonnenen Platz vertieft die Autorin Vonda McIntyre außerdem einige zentrale Aspekte der Filmhandlung. Hierbei soll nur der wechselseitige Stolz von Papa Kirk und Sohnemann David ins Feld geführt werden (vgl. S. 211 oder S. 234), der um einiges einfühlsamer als im Film betrachtet werden kann.
Die Autorin McIntyre, der die Star-Trek-Bücherwürmer aufgrund ihres Romans „Der Entropie-Effekt“ den Erfolg und damit auch die Weiterführung der Star-Trek-Romanableger verdanken, hat sich in dieser Verschriftlichung eines Kinofilms nicht nur darauf beschränkt, den Charakteren mehr Spielraum zu geben. Sie beweist ihr literarisches Geschick mit dem besten Argument, das es auf der Welt gibt: Sie beruft sich auf andere Autoritäten.
So lassen sich in einer an sich eher unspektakulären Romanversion eines Filmes Verweise auf die ganz großen Namen der englischsprachigen Literaturgeschichte finden: Dickens (vgl. S. 28), Shakespeare (vgl. S. 45), Carroll (vgl. S. 113), Melville (vgl. s. 216) oder Barrie (vgl. S. 236).
Mittlerweile hat sich dieses Buch jedoch längst fest im Star-Trek-Bücherkanon etabliert. Andere Werke, wie DuanesDas Schlachtschiff“ nehmen genauso auf dieses Werk Bezug (vgl. S. 62), wie die Vanguard-Reihe, in der es ein Wiedersehen mit Clark Terrell und Carol Marcus gibt.

Kritikwürdige Aspekte: „In der Kürze liegt die Würze. So sagt man in unserem Teil der Galaxie, und wenn ich es einmal so formulieren dürfte: Diesem Roman fehlt die Würze.
Nicht dass die vielen Nebeninformationen schlecht wären, doch eines der großen Kunststücke des meiner Meinung nach besten TOS-Kinofilm liegt darin, trotz der wenigen zur Verfügung stehenden Erzählzeit eine große Menge an Handlung, Wendungen und Informationen zu konzentrieren.
Wenn man sich nun das Buch zu Gemüte führt, merkt man schnell, dass Bennetts und Meyers großer Verdienst darin lag, den Film so zusammenzustauchen, dass etwas schlüssiges und zugleich kompaktes dabei herauskam, das dennoch einen Flair sonder gleichen bietet.
Der Roman lässt dies vermissen, denn er verliert sich zu oft in lang gezogenen Beschreibungen, die dem größeren Erzählrahmen kaum oder selten zugute kommen. Besonders die ausufernden Beschreibungen der Geschichte Delwin Marchs, Vance Madisons und Peter Prestons bergen zwar Potential, ziehen sich jedoch auch unnötig in die Länge.



So kurz kann's gehen: Star Trek II in 117 Sekunden und als Oper


Übersetzung: Was will man eigentlich zur Übersetzung dieses Buches sagen, wenn das Original „Der Zorn des Khan“ in der deutschen Synchronisation schon so bescheiden übersetzt ist?
Nur zur Erinnerung: In diesem halbherzigen Übersetzungsversuch kann/ muss man Sätze wie „Die Daten von Kobayashi Maru!“, „Verteidigungsfelder in Energie!“ oder „Seine Struktur deutet auf zweidimensionales Denken hin.“ hören, die sowohl in Grammatik, als auch an Wortschatz so richtig daneben liegen.
Mein persönlicher Höhepunkt, bei dem sich mir jedesmal beim Zuhören die Hirnrinde kräuselt, ist ein Satz Uhuras. Der lautet im Deutschen so:

Empfange eine sprachliche Mitteilung! Sie sagen ihr Laderaum überlaste ihr Nachrichtensystem!

Ihr Laderaum? Wie macht er das? Oder passiert das bei LKWs auch immer, dass der CB-Funk ausfällt, wenn der Anhänger voll beladen ist?? Und was bitteschön soll denn die Reliant, die nichts anderes tut, als irgendwo im Nirgendwo der Galaxie nach Planeten zu suchen, geladen haben? Felsen ohne Spuren von Vorlebensformen?? Eine Auflösung dieses haarsträubenden Blödsinns bietet ein Umschalten auf das englische Original. Dort vermeldet Uhura nämlich:

I'm getting a voice message. They say their Chambers coil is overloading their com-system!

Aha! Eine Chambers-Spule! Macht jetzt auch nicht soviel Sinn für mich, weil ich gar nicht weiß, wozu diese Spule überhaupt da ist, doch es klingt für mich erst einmal glaubwürdiger als überfüllte Laderäume. Entsprechende Dankbarkeit kommt daher auch auf, wenn man auf Seite 142 von ebenjener „Chambers-Spule" liest.
Doch dieses Wohlwollen verfliegt schnell, wenn man bemerkt, dass dieses Werk seinem filmischen Zwillingsbruder an dämlicher Übersetzung in nichts nachsteht - und damit meine ich noch nicht einmal die kleinen Abweichungen, die entstehen, wenn man die Übersetzung des Filmes und die des Buches in unterschiedliche Hände legt.
Natürlich hören sich Sätze wie „es war die schönste, es war die schlimmste Zeit.“ (S. 28), „Rache ist ein Gericht, das kalt serviert werden muß.“ (S. 141) oder „Die Bedürfnisse der vielen...“ „... sind wichtiger als die Bedürfnisse der wenigen“ (S. 222) im ersten Moment irgendwie fremdartig an, doch darüber kann man irgendwie hinwegsehen.
Viel schlimmer muten die merkwürdigen Formulierungen wie „Eintragung“ (S. 7), „[...] Raum auf Alpha Ceti [...]“ (S. 29) oder der Satz „Wer hat den verdammten Lift festgehalten?“ (S. 94) an. Ebenso deutliche Übersetzungschnitzer lassen sich auch in Wörtern wie „biologische Daseinsformen“ (S. 33) oder merkwürdigen Übertragungen wie „Kollektores“ (S. 14) „Manuale“ (S. 85) und „Materia“ (S. 216) erkennen. Andere Begriffe erfahren erst gar keine Übernahme ins Deutsche, wie etwa „Starfleet“ (S. 10) oder „Starship-Captain“ (S. 186), während Bezeichnungen wie „Klaxon“ (S. S. 11), „romulanisches Bier“ (S. 39) oder „Lande-Kommando“ (S. 60) dem bekannten Star-Trek-Jargon offen widersprechen. Auch die Übersetzung eines englischsprachigen Schiffsnamens (vgl. S. 63) und die falsche Verwendung von „Transmitter“ (S. 157, S. 166, S. 214 etc.) statt 'Transporter' nerven gehörig.
Wer jetzt denkt, dass das schon allein eine echte Belastung ist, dem sollte der schlimmste aller Übersetzungsfehler ans Herz gelegt werden. Die vielen kleinen orthografischen Fehler sind das wirklich haarsträubenste an diesem Roman – und dabei meine ich noch nicht einmal Fehler wie „rethorisch“ (S. 18) oder „Pfeisignal“ (S. 66).
Viel mehr schlampte der Übersetzer Hans Maeter und mit ihm das Lektorat gehörig bei den zahlreichen Eigennamen, denn so ziemlich jeder von ihnen wird im Laufe des Buches irgendwann einmal falsch geschrieben.
Aus 'Saavik' wird da schonmal „Assvik“ (S. 13), aus 'Kirk' „Krik“ (S. 64), aus 'Grenni' „Genni“ (S. 145) und aus 'Carol Marcus' „Carol Magnus“ (S. 199) – um nur einige Beispiele zu nennen. Besonders auf den Captain der „Realiant“ (S. 203) muss es Maeter abgesehen haben, denn der nun wirklich nicht allzu komplizierte Name erscheint in den Varianten „Terrence“ (S. 31), „Terretts“ (S. 58) oder „Terrels“ (S. 169) – ein wahres Armutszeugnis für gründliche Arbeit, denn die Brücke von 'Khan' auf „Kahn“ (S. 147) zu schlagen, ist zwar irgendwie lustig, doch mitnichten angebracht.

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Khan! Kann! Kaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahn!


Anachronismen: Während des Lesens stellt sich ein Gefühl verdammt oft ein: Man liest die Beschreibungen einer bestimmten Szene und fragt sich immer wieder „War das im Film nicht ganz anders?
Und ob! So war die Ratte auf der Regula-I-Station eher schwarz (vgl. S. 159), Kirk erkennt David erst im Inneren des Planetoiden (vgl. S. 168) und Kirk hat keine Blumen im Haar, als er zurück auf sein Schiff gebeamt wird (vgl. S. 192).
Allerdings fallen diese stets vernachlässigungswürdigen Details nicht weiter ins Gewicht. Viel eher erwecken jene Szenen ein Gefühl des Verlustes, die nicht zu sehen sind, obwohl sie einen Brücke zu anderen, folgenden Filmen schlagen. So fehlt nicht nur der Moment, in dem Spock Pille die Hand auflegt, um ihm seine Katra aufzubürden, sondern auch jene Einstellung, in der Kirk Saavik von seiner Lösungsvariante für den Kobayashi-Maru-Test erzählt, und dabei einen Apfel verspeist.
Ebenjener Apfel schlägt nämlich in Abrams elften Star-Trek-Kinofilm eine Brücke diesem Ereignis, indem Kirk in Verneinung der Ernsthaftigkeit jener Situation während seines Tests selbiges Kernobst verspeist.

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Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß:
An dem Tage, da ihr davon esset, werden Eure Augen aufgetan, und Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.


Dennoch bietet dieses Buch doch noch die ein oder andere Ranke zur Handlung des 2009 erschienenen Films aus, denn Kirks Statement, dass er dabei „[...] fast von der Akademie geflogen wäre“ (S. 190) stimmt ebenso, wie die Informationen, dass ein Klassenkamerad die Manipulationen vornahm (vgl. S. 190f.) und dass Kadett Kirk diesen Charaktertest vor seinem grandiosen Sieg bereits zwei mal ablegte (vgl. S. 191).
Daneben gibt es aber auch noch einige andere Passagen, die auf erstaunliche Weise auf den letzten TOS-Film referieren. Sulus Versetzung als Captain auf die Excelsior (vgl. S. 64) wird nämlich ebenso wir die an Peter Pan angelehnte Kurswahl Kirks (vgl. S. 236) erst im sechsten Kinofilm "Das unentdeckte Land" zum Faktum.
Doch mein beliebtester Spruch aus Star Trek II „Der Zorn des Khan“ bleibt immer noch die Aussage des Admirals „Aber wir sind das einzige Schiff im Quadranten!“.
Egal, ob im Alpha- oder Beta-Quadranten – das ist ziemlich wenig und der Begriff „Sternenflotte“ wirkt irgendwie etwas deplatziert, wenn das stimmen sollte.
Das muss sich auch McIntyre gedacht haben, denn in der dementsprechenden Szene ist nicht mehr von einem Quadranten, sondern einem „Oktanten“ (S. 98) die Rede – also keinem Viertel der Milchstraße, sondern nur einem Achtel. Nun, das wirkt schon etwas glaubwürdiger, auch wenn es noch immer ganz schön wenig ist.
Klassisch ist auch der ganz große Anachronismus des Filmes. Obwohl Walter Koenig erst zur zweiten Staffel TOS zur regulären Crew der USS Enterprise stieß, kann sich Chekov an ihn „[...] mit aller Klarheit erinnern [...]“ (S. 52). Aber um Ausreden ist man ja nicht verlegen, wenn es darum geht, die vielen Widersprüche bei Star Trek aufzulösen. So wird spekuliert, dass Chekov zwar schon auf der Enterprise diente, jedoch noch nicht zur Brückencrew gehörte. Am einleuchtendsten ist in diesem Zusammenhang wohl Koenigs eigene, oft auf Conventions geäußerte Erklärung:

„[...] sein Charakter ließ Khan bei dessen Besuch auf der Enterprise übermäßig lange darauf warten, dass das Badezimmer frei würde, und daher behielt Khan sein Gesicht in so guter Erinnerung.

[Frei nach dem englischsprachigen Memory-Alpha.Artikel zu „Der Zorn des Khan“ übersetzt]

Zu den Mythen des Star-Trek-Universums gehört hingegen, dass Joachim der gemeinsame Sohn Khans und Marla McGivers Sohn sei. Obwohl oft behauptet, findet sich zu dieser Konstruktion keinerlei Beleg – eher im Gegenteil, gleich mehrere Stellen implizieren, dass dies nicht der Fall sei (vgl. S. 85, S. 137. S. 142 oder S. 204).
Ganz besonders fern von allen Star-Trek Idealen ist die Figur Peter Preston. Als so eine Art früher Wesley Crusher weckt der juvenile Offizier oft Antipathiegefühle. Besonders die Tatsache, dass er erst 14 Jahre alt sein soll (vgl. S. 67) erinnerte eher an Kindersoldaten in Afrika oder die Hitlerjugend in den letzten Monaten des zweiten Weltkrieges, als an einen Sprößling einer zukünftigen Menschheit, die aus den offensichtlichen Fehlgriffen ihrer Vergangenheit gelernt hätte.
Wie bereits in „Das Schlachtschiff“ angemerkt, sind Schiffe der „Galaxis-Klasse“ (S. 63, oder auf Englisch „Galaxy-Class“) ihrer Zeit etwas voraus, denn Schiffe dieser Reihe tauchen eigentlich erst bei Captain Picard in TNG auf.

Fazit: Die Novellisation des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ kann in erster Linie mit dem zusätzlichen Platz punkten, der den interessanten Nebencharakteren nur hier geboten wird. Doch die Gratwanderung zwischen präziser Knappheit und angemessener Ausweitung gelingt nicht, und somit steht dieses Buch rasch im Widerspruch zum gut gekürzten filmischen Vorbild.
Der große Haken des Werkes bleibt allerdings die schlampige deutsche Übersetzung, die völlig lieblos heruntergeschrieben wurde und mit einer katastrophalen Fehlerquote aufwartet, die selbst unter den Star-Trek-Büchern ihresgleichen sucht.

Denkwürdige Zitate:

Ich bin Starfleet-Offizier und kein Theater-Kritiker.
Kirk zu Pille, S. 17

Sie müssen lernen, Pille. Wir können die Zügel nicht ewig halten. Im Kosmos herumzugaloppieren ist ein Sport für die Jungen.
Was soll denn das heißen?
Kirk und McCoy, S. 19

Lenin selbst hat einmal gesagt: 'Vorsicht ist der bessere Teil der Tapferkeit'.
Kommen Sie! Und außerdem war das von Shakespeare.
Chekov und Terrell, S. 45

Bewertung:

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Tiefste Provinz.

Weiterführende Leseliste:


Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X: Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

Sonntag, 25. Oktober 2009

Generationen

Diese Rezension ist meinem Jugendfreund Stojan gewidmet, der heute 30 geworden ist.

Buchbesprechung Dillard, J.M.: Generationen. Heyne, 1994/1995.

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Story: Wehmut ergreift Captain Kirk, als er die Sachen packt um seine geliebte USS Enterprise NCC-1701-A zu verlassen. Das Altenteil winkt und wer weiß, vielleicht beginnt ein neues Leben an der Seite seiner verflossenen Liebe Dr. Carol Marcus. Er nimmt Abschied von seinen alten Kameraden Spock und McCoy und geht schließlich auf die letzte Party an Bord seines Schiffes.
Wenig später findet sich Kirk auf der Jungfernfahrt der USS Enterprise NCC-1701-B wieder und reicht schweren Herzens der Staffelstab symbolisch an eine neue und jüngere Generation weiter. Doch er ist bei Weitem nicht mit sich im Reinen seit er den Dienst quittierte und einsehen musste, dass eine Heirat mit Carol niemals funktionieren würde. Außerdem fehlen ihm zum einen die alten Freunde, während sich zum anderen seine gesamte Existenz seit seiner Pensionierung sinnentleert anfühlt. Durch einen plötzlichen Notfall ergibt sich für Kirk jedoch die Chance, wieder in vertraute Verhaltensmuster zurückzufallen und dem revitalisierenden Nervenkitzel des Raumschiffskommandos zu frönen.
Doch gerade noch rechtzeitig besinnt sich der alte Haudegen und tritt ins zweite Glied zurück – eine noble, doch verhängnisvolle Entscheidung, denn sie markiert den historischen Tag des Ablebens der Sternenflottenlegende.
So sehen es die Geschichtsbücher der Föderation, doch das Universum hat andere Pläne mit dem Mann, der den Tod ein ums andere Mal ein Schnippchen geschlagen hat. Er findet sich, statt in Himmel oder Hölle zu landen, in einem temporalen Verzerrungsband, dem so genannten Nexus wieder, das auf dem ersten Blick ein Paradies zu sein scheint: Hier, wo Zeit keine Rolle spielt, ist Kirk in der Lage, alle fragwürdigen Entscheidungen seines Lebens zu revidieren und seiner zuletzt so bedeutungslosen Existenz neuen Glanz einzuhauchen.
Doch plötzlich erscheint ein Unbekannter aus dem realen Universum in dieser Traumwelt und macht Kirk klar, dass diese schöne neue Welt nur auf Trug und Schein basiert, und einem Mann wie ihm niemals Erfüllung bieten kann.
Als Kirk einsieht, dass dieser Fremde, der sich ihm als „[…] Jean-Luc Picard, Kommandant der Enterprise“ (S. 215) vorstellt, Recht hat, begleitet er ihn in dessen Realität, um im 24. Jahrhundert einen wahnsinnigen Wissenschaftler davon abzuhalten, Millionen von unschuldigen Leben für den Übergang in den Nexus zu opfern…

Lobenswerte Aspekte: Novellisationen von Star-Trek-Kinofilmen verwöhnen die Fans, denn meist haben sie inhaltlich mehr zu bieten, als die filmische Umsetzung selbst.
Dies beginnt hier bereits bei den vielen Referenzen, die so im Film nicht zu hören oder zu sehen sind. So wird, mehr oder weniger offen, auf TOS-Episoden wie „Die Reise nach Eden“ (vgl. S. 19), „Das Spinnennetz“ (vgl. S. 61) oder „Die Spitze des Eisbergs“ (vgl. S. 210) referiert.
Während im siebenten Star-Trek-Film der Vorgänger vor allem dadurch bedacht wird, dass die Explosion des klingonischen Bird of Preys haargenau die selbe wie im sechsten Kinofilm ist, bügelt das Buch fehlerhafte Darstellungen des Filmes eher aus, in dem zum Beispiel, in krassem Gegensatz zur entsprechenden Filmszene, klingonisches Blut als „violett“ (S. 124) beschrieben wird.
Mit der Erwähnung von McCoys Tochter (vgl. S. 17) ergeben sich gleich zwei Möglichkeiten. Einerseits kann es auf eine kurze Nebenbemerkung aus der TAS-Episode „Der Überlebende“ verweisen, andererseits aber auch auf das gleichnamige Buch aus der Feder Howard Weinsteins.
Daneben gibt es auch Verweise auf vorangegangene Novellisationen, die spezielle Informationen aufgreifen, die der findige Leser nur aus den Romanablegern des ersten (vgl. S. 9) und sechsten (vgl. S. 12) Films kennen kann, doch selbst der Otto-Normalverbraucher, der lediglich die Kinofilme kennt, kann sich auf ein Wiedersehen mit altbekannten Figuren freuen.
In diesem Punkt liegt auch der ausgesprochene Vorteil einer solchen schriftlichen Adaption, denn die Vielzahl an Personen, die dieses Buch so ungemein bereichern, wie etwa Dr. Carol Marcus (vgl. S. 10ff.), Uhura (vgl. S. 10), Sulu (vgl. S. 63ff.), Spock (S. 15) oder McCoy (S. 14ff.), konnten im Film niemals auf die gleiche Art und Weise untergebracht werden, denn abgesehen davon, dass wichtige Akteure wie Leonard Nimoy oder DeForest Kelley nicht an diesem Projekt mitwirken wollten, wäre der Miteinbezug eines jeden von ihnen rahmensprengend gewesen und hätte zu einer mehr als epischen Filmlänge geführt.
Aus genau diesem Grund sind in diesem Buch auch so viele Szenen zu finden, die es nicht in den Dreh geschafft haben. Zu diesen Einstellungen gehören der Abschied von der Enterprise A (vgl. S. 8ff.), Sorans Erlebnisse an Bord der Lakul (vgl. S. 43ff.), die Einblicke in den Kommandoalltag Captain Sulus (vgl. S. 63ff.), Spocks und McCoys Wiedersehen bei der ‚Bestattung’ Kirks (vgl. S. 71ff.), Datas Versuch, saurianischen Brandy zu kosten (vgl. S. 104f.), die Analyse der romulanischen Trikorderdaten im Maschinenraum (vgl. S. 106f.), Geordis Schicksal nach der Abtrennung der Kampfsektion (vgl. S. 181ff.), Kirks erste Nexuserlebnisse (vgl. S. 207ff.) und das zweite Gespräch zwischen Guinan und Picard (vgl. S. 237ff.).
Dazu kommen noch die viele Szenen, die zwar zu sehen waren, aber ausführlicher gestaltet sind. Erst im Zusammenspiel mit diesem Wissen erschließen sich viele Bemerkungen aus dem Film, und Sätze wie „Die Uhr! Diese Uhr habe ich Pille geschenkt!“ ergeben nach der Lektüre dieses Buches plötzlich einen tieferen Sinn.
Daneben werden auch noch brennende Fragen geklärt:
Warum beendete jemand wie Scotty seinen aktiven Dienst? (vgl. S. 9)
Warum explodiert ein robuster klingonischer Bird of Prey bereits nach einem lumpigen Photonentorpedotreffer? (vgl. S. 171)
Wie heißen die vielen kleinen Picards, denen Jean-Luc im Nexus begegnet? (S. 197ff.)
Allein der Namenswelt wurde ein größerer Spielraum zuteil als im Film, in dem zum Beispiel B’Etors Name kein einziges Mal fällt.* Hier ist dieser immerhin 47 (!) mal zu lesen, und auch die Namen der Familienangehörigen Sorans (vgl. S. 43), Teilen der Besatzung der Excelsior (vgl. S. 65ff.) oder der USS Enterprise NCC-1701-D (vgl. S. 88 und S. 123) oder des klingonischen Navigators (vgl. S. 160) kann man hier erfahren.
Geradezu genial war auch die Idee, den Nexus für die außergewöhnlichen Fähigkeiten Guinans in Folgen wie „Die alte Enterprise“ oder „Zeitsprung mit Q“ verantwortlich zu machen, denn dadurch wird der eher blasse Auftritt des dritten El-Aurianers Martus Mazur in der DS9-Episode „Rivalen“ gerechtfertigt – schließlich kann nicht jeder Angehörige dieser Spezies gleich auf Anhieb den allmächtigen Q in die Schranken weisen!
Wenn man jedoch einmal von diesen eher formalen Aspekten absieht, muss man diesem Roman zugestehen, dass er ein ungleich ‚runderes’ Bild abliefert, als der in der allgemeinen Kritik eher als ‚mittelmäßig’ angesehene Film. Die üppigere Handlung wirkt trotz der Aufstockung in sich geschlossen und gut aufeinander abgestimmt, wie man etwa an den Zwillingsszenen sehen kann, in denen jeweils die USS Excelsior (vgl. S. 66ff.) und die USS Enterprise (vgl. S. 174ff.) ihre Untertassensektion abtrennen. Ist es im einen Fall trotz der dramatischen Schilderung eine Übung (vgl. S. 70), so wird im anderen tödlicher Ernst daraus.
Auch der Abschied von Kirk ist viel, viel bewegender geschildert, weil hier dem 'Triumvirat' aus Kirk, Pille und Spock ein wirklicher Abschied ermöglicht wird, den es im Film nicht geben konnte und erst durch die zusätzlichen Szenen, Informationen und Handlungsträger gelingt es der Autorin Dillard, die zentralen Motive 'Zeit', 'Vergänglichkeit' und 'Umgang mit dem Tod' angemessen zu thematisieren, und wie ein Bogen spannen sich entsprechende Bemerkungen, Gedanken und Dialoge über alle zeitlichen Differenzen hinweg über die Geschichte.
Endlich ist es möglich, die einzelnen Motivationen der verschieden Figuren konkret nachzuvollziehen, denn diese sind schlüssig herausgearbeitet:
So wird der Zusammenbruch der Welt Kirks ebenso drastisch geschildert wie die Besessenheit Sorans oder die tiefe Trauer Picards um seine Familienangehörigen. Ihrem Handeln wird damit ein Muster zugrunde gelegt, das nicht nur zum Hinterfragen einlädt, sondern auch einer fantasielosen Einteilung in ‚gut’ oder ‚böse’ umgehend einen Riegel vorschiebt.
Nicht unerwähnt sollte die umfangreiche Ausstattung des Romans bleiben. Neben einem Farbfototeil in der Buchmitte, der sogar ein Bild aus einer Szene zeigt, die aus der Kinofilmfassung entfernt wurde, gibt es noch einen 38-seitigen Anhang zur Konzeptions- und Drehgeschichte des siebenten Kinofilms. Hier wird eine Menge an Informationen zum Generationswechsel bei den Star-Trek-Filmen geboten: interessante Fotos, detaillierte Skizzen und spannende Entwürfe gewähren Einblicke, die einem Making-Of sehr nahe kommen. Außerdem kann sich der möglicherweise schockierte Leser von Rick Berman erklären lassen, warum Kirk einfach sterben 'musste' (vgl. S. 252ff.)…

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Antike Uhren: Geschenke mit Sinn

Kritikwürdige Aspekte: Wenn man das Buch so liest, und den Film noch deutlich vor dem inneren Auge hat, so fallen schnell einige Unterschiede auf: kleinere Abweichungen (vgl. S. 166f.) und seltsam unbekannt wirkende Handlungsorte (vgl. S. 153). Die größten Unvereinbarkeiten lassen sich im Finale finden, und es ist schon erstaunlich, wenn man dort davon liest, dass Soran Kirk erschießt, um anschließend von Picard niedergestreckt zu werden.
Manch einer mag sich darüber wundern und sich daran erinnern, dass Kirk doch in die Tiefe stürzte! Das aber ist nur die halbe Wahrheit.
Denn tatsächlich wurde das Ende genau so gedreht, wie es im Buch geschildert wurde, und erst, nachdem einige Probevorführungen diesem Finale harsche Kritik einbrachten, beschlossen die Produzenten, das Ende zu überarbeiten und noch einmal abzudrehen. Das Ergebnis dieses Zusatzaufwandes ist der Filmabschluss, den wir heute kennen.
Somit ist das hier geschilderte Finale jedoch eine überaus interessante Quelle für dieses alternative Ende und damit lohnt es sich eigentlich gar nicht, es in die kritikwürdigen Aspekte zu mischen.
Sagte ich „eigentlich“? Ach ja, ein schwerwiegendes Problem gibt es natürlich schon. Tatsächlich ist dieses Ende zu abstrus und zu abrupt, so dass die überarbeitete Version tatsächlich diesem grauenhaften Schluss vorzuziehen ist…
Als besonders merkwürdig empfand ich auch die zusätzliche Szene, in der Kirks erste Nexuserlebnisse geschildert werden (vgl. S. 207ff.). Hier wird nämlich behauptet, dass Kirk bereits erkannt hat, dass dieses Nexus nichts weiter als eine Illusion ist (vgl. S. 211).
Obwohl sich diese Vorstellung auf den ersten Blick vielleicht logisch anhören mag, schmälert sie auf den zweiten Picards Verdienst, seinerseits Kirk davon überzeugt zu haben und die gesamte Szene, in der beide Generationen aufeinandertreffen, verliert dadurch ungemein an Reiz.
Doch diese Szene beweist noch etwas anderes: Die zusätzlichen Handlungselemente, in denen TOS-Charaktere näher beleuchtet werden, übertreffen in ihrer Tiefe und Relevanz bei weitem jene, in denen Figuren aus TNG im Mittelpunkt stehen. Dieses wird zwar durch die eigentliche Zentrierung auf TNG im Film wieder relativiert, doch man kann schnell den Eindruck gewinnen, dass Dillard, die hauptsächlich TOS-Romane schrieb, hier die Gewichtung nach Vorliebe verteilte.
Im gleichen Atemzug kann man auch Leonard Nimoy gut verstehen, der ein Engagement im Film ausschlug, und dies unter anderem tat, weil ihm der Identifikationsgehalt bei der Figur Spock fehlte. Bei aller Aufmerksamkeit, die TOS sicherlich zuteil wurde, wirkt Spock außergewöhnlich sentimental und einfühlsam (vgl. S. 71ff.), und selbst wenn dies im Hinblick auf den Tod des besten Freundes irgendwo nachvollziehbar gewesen wäre, kann ich Nimoys Skepsis verstehen.
Skepsis löst dieses Werk auch beim Leser von Büchern wie „Sarek“ oder „Die Asche von Eden“ aus, denn von der Weiterverwendung der Enterprise oder gar ihrer Zerstörung ist hier nicht die Rede. Sogar die Weigerung Spocks, das Ableben des alten Weggefährten zu akzeptieren, wie es für Romane aus der Feder William Shatners, wie etwa „Der Rächer“ oder „Die Rückkehr“ so zentral ist, wird in Abrede gestellt, denn auf Seite 73 ist es Spock, der dem trauernden McCoy eindringlich folgendes versichert: "Er ist tot. Ob wir es glauben oder nicht.".
Bei aller Freude über die Extraausstattung dieses Buches ist der letzte Teil erschreckend einseitig und nichts weiter als propagandagleiche Selbstbeweihräucherung. Nirgendwo wird auch mal ein kritisches Wörtchen fallengelassen und an keiner Stelle werden verschiedene Standpunkte eingenommen. Es handelt sich eher um eine Rechtfertigung, und auch wenn Berman seine Entscheidung, Kirk Am Ende sterben zu lassen, hier noch tapfer verteidigt, wirken gegenteilige Äußerungen aus jüngerer Zeit, wie etwa die des damaligen Co-Autoren Ronald D. Moore, ehrlicher als die entsprechenden Absätze in diesem Werk.



Die schlechte Qualität spricht Bände: Eine der schlecht erhaltenen Kopien des alternativen Endes, wie sie auf Videoplattformen wie Youtube im Umlauf sind

Übersetzung: Als ich dieses Buch das erste Mal las, dauerte es noch knapp einen Monat, bevor der Film bei uns im Provinzkino anlief. Damals hatte ich das Buch innerhalb eines Tages nahezu verschlungen und als ich schließlich zum ersten Mal das Kinoplakat sah, wunderte ich es mich sehr, dass der Titel plötzlich um den Vorsatz „Treffen der“ ergänzt wurde!
Erst im Laufe der Jahre verstand ich, dass das Buch nicht an die Synchronisation und Titelvergabe des Kinofilms gekoppelt war und dass die Übersetzung bei Heyne mit den gängigen Bezeichnungen der Serie nicht konform lief.
So mutet es auch kaum verwunderlich an, dass man hier vom „Intervaller der dritten Kategorie“ (S. 89) statt vom ‚Disruptor vom Typ 3’, der „Galaxis-Klasse“ (S. 145) statt der ‚Galaxy-Klasse’, „Starfleet“ (S. 19) statt der ‚Sternenflotte’, dem „Gesellschaftsraum im zehnten Vorderdeck“ (S.97) statt ‚Zehn Vorne’, „dem Diskussegment“ (S. 174) statt der ‚Untertassensektion’ oder dem „Insignienkommunikator“ (S. 105) statt dem ‚Kommunikator’ spricht.
Verwirrender Höhepunkt ist dabei sicherlich der ‚Emotionschip’, der im Verlaufe des Romans „emotionaler Prozessor (S. 94) und schließlich sogar, ganz im Sinne der Heyne’schen Abkürzungstradition, als „Emo-Chip“ (S. 95) bezeichnet wird. Mal ganz abgesehen davon, dass dieses Add-On für Androiden durch die heutige Bedeutung des Wortes eine unfreiwillig komische Nuance erhielt, trug der verstorbene Sohn Sorans verwirrenderweise ebenfalls den Namen „Emo“ (S. 105).

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Der kleine Soran: Ein gewalttätiger Emo?

Doch „Emo- bleibt nicht der einzige Präfix, den es so nur bei Heyne gibt. Ergänzt wird die Liste nämlich auch noch durch Kombinationen mit „Erg- (vgl. S. 166) und „Medo-“ (vgl. S. 40, S. 49 oder S. 90), die so im Film ebenfalls nicht zu hören sind.
Weitere Unregelmäßigkeiten folgen diesen etablierten Fehlern: Auf der Seite 147 verwechselte der Übersetzer Andreas Brandhorstwie“ mit ‚als’ und auf der Seite 190 das Verb ‚jubilieren’ mit ‚jubeln’ und auch stilistisch liegt im Roman einiges im Argen:
Egal ob merkwürdige Formulierungen wie „Airwagen“ (S. 153) und „Seeschiff (S. 55), oder fragwürdige Übersetzungen wie „Annihilation“ (S. 107) und „die Counselor“ (S. 185, S. 187, S. 192, S 192 und S. 233) – das Werk ist beileibe kein sonderlich gut übersetztes. Spätestens, wenn man anstelle der ‚Defiant’ von der „Reliant“ (S. 71) lesen muss, wird dies unmissverständlich klar.
Tragischer Höhepunkt ist dabei die Verwendung des Verbs "desaktivieren", das hier wahrlich extensiv in allen möglichen Variationen verramscht wird (vgl. S. 40, S. 85, S. 95, S. 123, S. 138, S. 147 und S. 229) und das in keinem Wörterbuch zu finden ist. Im Gegensatz zur korrekten Form "Deaktivierung" (S. 138), die sich allen unkorrekten Nennungen zum Trotz ebenfalls mitten in dieses Buch gestreut wurde! Wenn sich aber schon der fehlerhafte Gebrauch eines solchen Wortes bei einem Verlag eingebürgert hat, so sollte man doch wenigstens erwarten können, dass diese Formulierung konsequent übernommen wird, so dass man eine Absicht dahinter vermuten könnte!
Dass hingegen die Dialoge des Buches von denen des Films abweichen, ist wie gesagt verständlich. Dennoch mangelt es an einem gewissen Wiedererkennungswert, wenn man bekannte Sätze in abweichender Form liest (vgl. S. 33 oder S. 99) oder Kirks Hund nicht mehr 'Butler', sondern wie der Sohn Benjamin Siskos heißt (vgl. S. 216), und die vielen hausgemachten Fehler wirken besonders in diesem Vergleich erschreckend unpassend.

Anachronismen: Natürlich ist dieses Buch, das mitten in der Hochzeit Star Treks entstand, nicht vor Anachronismen gefeit. Doch die meisten von ihnen sind hausgemacht und hätten durch eine gründliche Recherche vermieden werden können.
So widersprechen sich Zeitangaben innerhalb des Buches: Gleich auf Seite 19 verweist der erste Satz darauf, dass dieses Kapitel ein Jahr nach dem vorherigen spielen würde. Da dieses im Jahr 2293 angesiedelt ist (vgl. S. 7), müsste die USS Enterprise NCC-1701-B im Jahr 2294 vom Stapel laufen. In diesem Jahr verschwindet jedoch Scotty laut „Besuch von der alten Enterprise“ bereits mit der Jenolan, und aus diesem Grund entschieden sich die Produzenten dafür, die Handlung im Jahr 2293 zu belassen.
Aber auch einige Angaben zu Personen aus dem 24. Jahrhundert stimmen nicht. So ist Geordi LaForge längst kein Lieutenant mehr (vgl. S. 122) und der gute alte Worf kann nicht zwölf Jahre auf der USS Enterprise NCC 1701-D gedient haben (vgl. S. 79), wenn diese insgesamt nur sieben Jahre existierte.
Daneben gibt es wieder einmal einen Beleg für die längst überholte Geldwirtschaft (vgl. S. 19) und dass die Untertassensektion der USS Excelsior Warpgeschwindigkeit aufnehmen kann, ohne an die Maschinensektion gekoppelt zu sein, ist eigentlich nicht möglich (vgl. S. 66). Doch wer weiß, vielleicht war dies eine Anspielung auf den TNG-Piloten „Der Mächtige/ Mission Farpoint“, in der der Enterprise das gleiche Kunststück gelang.
Ebenfalls mit dieser Folge ist auch ein Anachronismus verbunden, der mich stets im gleichen Maß auch am Film störte: Wie kann Geordi Riker damals einen Witz über die Ferengi erzählt haben (vgl. S. 108f.), wenn der Erstkontakt mit dieser Spezies erst in „Der Wächter“, also einige Folgen später, hergestellt wurde?
Im Endeffekt entstand insgesamt nur einziger unfreiwilliger Anachronismus. Dmitri Valtane, der in der Voyager-Folge „Tuvoks Flashback“ nochmals auftritt, wird hier fälschlicherweise mit dem Namen „Masoud“ (S. 64) bedacht. Doch ein sonderlich großes Einfühlungsvermögen bei Nachnamen kann man der Autorin, die einen Mannschaftskameraden Valtanes Djugaschwili nennt (vgl. S. 65) ohnehin nicht unbedingt zuschreiben…

Fazit: Die Novellisation zum Kinofilm „Treffen der Generationen“ bietet dem Leser viel mehr, als der Film überhaupt zu zeigen in der Lage ist. Extraszenen, Extra-Starauftritte und Extrainformationen werden zusätzlich auch noch mit einer umfassenderen Handlung gekoppelt, die das Potential der Drehbuchvorlage weitaus besser nutzt und den Abschied von Kirk um Längen liebevoller gestaltet.
Die Abstriche hingegen liegen im überstürzten Schluss, der das nicht zu Unrecht neu gedrehte Filmende völlig anders beschreibt und in der Übersetzung, die zu viele Heyne-Fehlübersetzungen beherbergt.
Dennoch, wenn man den letzten Propagandapart außen vorlässt, und auch über anderen Fehler generös hinweg sehen kann, bleibt eine überaus lesenswerte Novellisation übrig, deren Rahmenhandlung über den eigentlichen Film hinauswächst und sich dem Film nur im Finale geschlagen geben muss.

Denkwürdige Zitate:

"Sie sind ein Schatz, Uhura."
"Ich weiß, Sir."
Kirk und Uhura, S. 10

"Angesichts eines solchen Taktgefühls bin ich froh, daß Sie Chefingenieur und kein Psychiater geworden sind."
Kirk, S. 32

"Als Captain lernt man zuerst, wie man den Tod betrügt."
Kirk, S. 50

"Sie tun mir leid, Spock. Weil Sie uns alle überleben werden. Weil die Zeit Sie immer wieder mit dem Verlust eines guten Freundes konfrontiert. Das haben Sie davon, sich mit uns Menschen abzugeben. Keine Katras, die es für die Nachwelt zu bewahren gilt. Keine in der letzten Minute stattfindenden Reisen zum Mount Selaya, um uns zurückzubringen."
McCoy, S. 75

"Ich habe ein Ungeheuer erschaffen."
Geordi LaForge, S. 110

Bewertung: Handlung hui, Ende pfui.

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Weiterführende Leseliste:

Star-Trek-Novellisationen

Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X:Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

*In dieser Rezension fiel nicht einmal der Name Lursas.