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Donnerstag, 15. Juli 2010

Der Entropie-Effekt

Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Der Entropie-Effekt. Heyne, 1981/1983.

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Story: Spock, der erste Offizier der USS Enterprise NCC 1701 und amtlicher Wissenschaftsoffzier des Schiffes, entdeckt im Zuge von Sondierungen einer Raumanomalie, dass das uns bekannte Universum in seiner jetzigen Form zusammenbricht und sein Verfallsdatum bestenfalls noch einhundert Jahre beträgt.
Seine Arbeit wird jedoch durch eine plötzliche Abkommandierung des Schiffes unterbrochen. Aleph Prima, eine Bergbau-Basis, ruft den Kreuzer der Constitution-Klasse herbei, um einen mörderischen Schwerverbrecher in eine Rehabilitationskolonie in der unmittelbaren Umgebung zu überführen.
Während Kirk dem vermeintlichen Chaffeursdienst skeptisch gegenübersteht, setzt sich Spock energisch dafür ein. Seine Motivation ist simpel, denn bei dem Gefangenen handelt es sich um niemand geringeren als Dr. Georges Mordreaux, einen visionären Physiker, der die Ausbildung des Halbvulkaniers entscheidend prägte. Mit ihm hofft er, seine Erkenntnisse um das drohende Ableben des Universums auf wissenschaftlicher Ebene diskutieren zu können.
Aber erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Mordreaux ist „zur eigenen Sicherheit“ mit Drogen vollgepumpt, ein ziviler Rechtsverdreher ergänzt die Besatzung und als plötzlich der in seiner Zelle gewähnte Gefangene mit einer Schusswaffe auf der Brücke auftaucht, eskaliert die Situation vollends. Der unwahrscheinlichste Fall tritt ein: Der Schwerverbrecher erschießt Jim Kirk und die Sicherheitschefin Mandala Flynn mit einer grausamen Terroristenwaffe und verschwindet. Allerdings hat der Attentäter ein wasserdichtes Alibi: Er hat seine Zelle nie verlassen...

Lobenswerte Aspekte: Ob man es glauben mag, oder nicht: Dieses Buch ist ein Stück Star-Trek-Geschichte. Nach nur mäßigen Erfolgen vorangegangener Novellisationen und zaghaften (doch qualitativ unangemessenen) ersten Erzählungen, schien zum zwanzigjährigen Jubiläum der Serie die Zeit reif, für einen erneuten Versuch, Star Trek auf Papier zu bannen.
Nachdem bereits der Roman zu Film „The Motion Picture“ erschien, wurde schließlich „Der Entropie-Effekt“ zu einem Verkaufserfolg, was in erster Linie wohl darauf zurückzuführen ist, dass die Story weitaus komplexer daherkommt, als etwa in vorangegangenen Werken wie „Notruf aus dem All“.
Komplex schon allein deswegen, weil Zeitreisen von zentraler Bedeutung sind. Das Kopfschmerzthema wird gut aufgearbeitet, was jedoch nicht weiter verwundert, wenn man sich vor Augen hält, dass die Geschichte laut eines Interviews ursprünglich als Drehbuch für eine Folge der nie produzierten vierten Staffel der Originalserie angedacht war. Bis ins Fernsehen schaffte es der Entwurf zwar nicht, doch immerhin war es Drehbüchern von Vonda McIntyre vergönnt, eine Zeit lang auf dem Schreibtisch Gene Roddenberrys zu liegen.
Und das nicht ohne Grund, denn McIntyre erhielt vor allem deswegen den Zuschlag, weil sie als Fan die einzelnen etablierten Charaktere mit dem gebürenden Respekt behandeln würde. Dreh- und Angelpunkt ihrer Geschichte ist daher Spock, der bereits bei den ersten Zuschauern so beliebte spitzohrige erste Offizier des Schiffes. Das Werk bietet ihm viele Freiräume zur persönlichen Entfaltung und darüber hinaus auch interessante Einblicke in seine Biografie.
Wenn wir aber schon von diesem Stück Geschichte sprechen, sollte eine Figur besonders herausgehoben werden: Sulu.
Der Steuermann der Enterprise erhält hier nicht nur eine längst überfällige romantische Beziehung, sondern, was noch viel wichtiger ist, endlich einen Vornamen! Der in Star Trek VI: „Das unentdeckte Land“ endgültig Kanon gewordene Vorname 'Hikaru' (vgl. S. 10) ist eines der rar gesäten Beispiele für den Umstand, dass die Star-Trek-Bücherwelt den in Filmen und Serien gewährten Informationen Vorschub leisten. Einen solchen Umstand gab es in dem Ausmaß erst wieder mit Star Trek XI, der Uhura und Kirks Mutter ganz offiziell mit einem Vornamen versah.
Das passt irgendwie ins Gesamtbild, denn auch folgende (schon einmal in der Rezension zu „Die Asche von Eden“ zitierte) Äußerung aus einem Interview mit Alex Kurtzman und Roberto Orci zur Konzeptionsgeschichte des elften Kinofilms fügt sich nahtlos ein:

And, reading the novels helped, a lot of Star Trek novels.
Roberto Orci, Z. 117

Vielleicht stand ja dieses Werk für eine der zentralen Ideen der Neuinszenierung Pate. Dort grübelt nämlich McCoy auf Seite 203 über die Schwierigkeiten von Zeitreisen nach:

Vielleicht würde sich auch nichts ändern. Vielleicht würde dieser Zeitverlauf unverändert weitergehen, und Jim Kirk und Mandala Flynn waren für immer tot, und wenn es Spock gelingen sollte, irgend etwas zu tun, so würde das nichts anderes sein als der Beginn einer alternativen Version der Realität.

Selbst die nachfolgende Bücherwelt konnte sich der Sogwirkung dieses ersten Romans nicht entziehen. Sulus Wunsch, auf die Aerfen versetzt zu werden, spielt in „Die erste Mission“ noch einmal eine Rolle, die Super-Uni 'Makropyrios' wird in „Fremde vom Himmel“ nochmal aufgegriffen und Mandala Flynns Traum vom eigenen Kommando erfüllt sich letztendlich in der Novellisation „Der Zorn des Khan“.
Wer Lust und Laune hat, die angesprochenen Entwicklungen weiterzuspinnen, kann sogar einige Trends ausmachen.
Wird Sulus feurige Flamme Flynn etwa die zukünftige Mutter von Demora Sulu?
Stammt daher Amy Winehouses „They tried to make me go to Rehab“ (vgl. S. 30)?
Ist McCoys Einsatz als kommandierender Offizier auf der Brücke ein Vorbild für spätere Nacheiferer wie Dr. Crusher oder das MHN der Voyager?
Hat das alles wieder ins rechte Lot rückende Ende schließlich sogar die Autoren des Voyager-Zweiteilers „Ein Jahr Hölle“ beeinflusst?
Und Stichwort Voyager: Das leidige Indianer-Thema schlägt mal wieder zu! Nach dem Beziehungs-Fiasko in der Episode „Der Obelisk“ und dem Steuermann Dawson Walking Bear aus der TAS-Folge „Kulkulkan – Der Mächtige“ glaubte man eigentlich, dass sich das Thema erledigt hätte.
Aber Kirks Ex-Flamme Hunter steht eher dafür, dass es eine nachvollziehbare Kontinuitätslinie zur TNG-Folge „Am Ende der Reise“ und schließlich selbst Chakotay gibt.
Gut, Hunter ist weiblich, Chakotay männlich; Hunter hat eine Feder, Chakotay ein Tattoo; Hunter lebt in einem Hippie-Harem und Chakotay schleppt schließlich eine Borg ab – aber sonst ...



Rehab Sieben?

Kritikwürdige Aspekte: Trotz aller Zeitreisen: So wirklich in die Zukunft versetzt fühlt man sich mit diesem Buch nicht, denn nicht zuletzt Mordreaux' Zitat beweist (vgl. Denkwürdige Zitate), dass sich der Mensch eigentlich in die Vergangenheit zurücksehnt.
In jene guten alten Tage, in denen noch „Bänder gelöscht“ (S. 37) und Bücher auf „Kassette“ vertrieben (S. 38) und in Scottys Büro stapelweise „Computerausdrucke“ genutzt wurden (S. 153) – sie sind Gott sei Dank vorbei!
Schon heute sind digitale Dokumente, E-Books und iPads (im Grunde genommen also PADDs) ein Standard, der 'das unentdeckte Land' vor archaischen Kommunikationsinstrumenten wie hier beschrieben schützen sollte.
Ebenso im Zeichen der Zeit ist der zur Schau gestellte Pseudo-Radikalismus.
Captain Kirk ist tot? Die Zukunft für immer verändert?
Humbug!
Nur zwei Kinofilme später werden Zeitsprünge so richtig en vogue! In zwei weiteren Filmen wird munter in der Zeitlinie herumgepfuscht und in wirklich jeder einzelnen Serie scheuen sich die Protagonisten nur selten, dem alten (oder zukünftigen) Kirk nachzueifern.
Nun muss man McIntyre selbstverständlich zugute halten, dass sie so ziemlich die erste war, die dieses umfangreiche Thema heruntergebrochen, zusammengestaucht und in ein Buch gestopft hat. Doch bereits zuvor wurden temporale Eingriffe in Folgen wie „Griff in die Geschichte“, „Morgen ist gestern“ oder „Portal in die Vergangenheit“ selbst in der klassischen Serie bis zum Abwinken behandelt und die vielen später folgenden Vereinnahmungen haben das Motiv so sehr ausgelutscht, dass ein erfahrener Leser heute bereits nach wenigen Zeilen weiß, dass sich spätestens am Schluss alles in Wohlgefallen auflösen wird.
Ungleich schwerer wiegt allerdings die Behandlung der verschiedenen Charaktere. Wie bereits erwähnt, lautete einer der Beweggründe zur Verpflichtung McIntyres, dass sie als Fan den Hauptcharakteren mit dem nötigen Respekt gegenübertreten würde. Obwohl sie diesen Job eigentlich recht gut meistert, gibt es zwei Figuren, die wie faules Obst aus dem Früchtekorb herausstechen.
Eine davon ist ein tragisches Opfer, denn eigentlich hätte sie McIntyres volle Aufmerksamkeit verdient: Niemand geringeres als der allseits beliebte Chefingenieur Scotty stinkt ganz schön ab! Vom Triumvirat aus Kirk, Spock und Pille wird er vernachlässigt und der schwarze Peter der versuchten Meuterei gegen die eigenen Kameraden bleibt ausgerechnet bei dem Mann hängen, der im dritten Kinofilm „Auf der Suche nach Mr. Spock“ die USS Excelsior zur Rettung Spocks sabotiert.
Übertroffen wird Scotty nur noch von seinem wirren Komplizen Ian Braithewaite – ein unfertiger Charakter ohne glaubwürdigen Hintergrund, denn der Mann verfügt über rein gar keine Attribute, wie sie fiktionale Paragraphenjongleure wie Perry Mason, Ben Matlock oder Danny Crane ausmachen. Viel eher gleicht sein Auftreten einer Mischung aus einem Ermittler der spanischen Inquisition ohne Spanischkenntnisse, Luis de Funes ohne Humor und Inspektor Gadget ohne Gadgets. Derart tapsige Ermittlungsversuche, grundlose Verdächtigungen und völlig unnachvollziehbare Schlussfolgerungen nerven, zumal mir sein Ende im alternativen Zeitrahmen (vgl. 247f.) nicht einleuchten will: Ist der Mann jetzt tot oder ebenfalls zurück in die Vergangenheit gesprungen? Falls letzteres zutrifft, was stellt er dort für Unsinn an? Oder springt er von nun an ständig in verschiedene Körper, um anderen Personen zu helfen, die richtige Abbiegung im Leben zu nehmen?
Abgerundet wird der Vorbeimarsch der Fehlbesetzungen schließlich durch die Manschaftsränge innerhalb Sicherheitsabteilung der USS Enterprise (vgl. S. 80f.), denn im Ernst: Die ist eine einzige Freakshow!
Ein potentieller Terrorist, ein Extreme-Dinosaur, ein vermeintlicher Vorfahre Spots sowie eine zu Riesenwüchsigkeit neigende Bodybuilderin, die sich in Wirklichkeit viel lieber um Blumen kümmern möchte. Hier wäre eventuell weniger Hang für extreme Charaktere der Gesamtdarstellung dienlicher gewesen.
Abschließend muss ich noch über das Cover meckern.
Zuerst einmal über das Amerikanische, dass neben dem angesprochenen Interview zu sehen ist. Natürlich ist es gut, dass man darauf einen Eindruck erhält, wie sich die Autorin das angesprochene Äußere Sulus in etwa vorstellt – irgendwo zwischen Bruce Lee, David Carradine in Kung Fu und Ohara. Doch Uniformen und Schiff verweisen auf eine Epoche, die das Buch in eine Zeit nach dem ersten Kinofilm versetzt. Die Ränge Kirks und Spocks suggerieren hingegen etwas völlig anderes.
Aus dem deutschen Frontbild werde ich hingegen noch weniger schlau: Die Enterprise suggeriert ebenfalls eine zeitliche Einordnung nach 2270, doch die Uniformen sprechen die deutliche Sprache der Originalserie.
So richtig störend daran sind allerdings das Phasergewehr und Ilia, die zwar toll aussehen, doch mit dem Inhalt so wirklich überhaupt nix zu tun haben, denn es kommt zwar ein 'Ilya' vor (vgl. S. 51), aber der hat abgesehen vom Klang nur wenig mit der Pheromone verbreitenden Deltanerin gemein.

Übersetzung: Wie beschrieb es meine treue Leserin und Rezensentenkollegin Ameise so treffend?

Hallo Turon, ich bin mal auf deine Rezension zu "Der Entropie-Effekt"
gespannt! Ich wette, es wird ein laaaanges Kapitel über die miese Übersetzung geben..
“ (shoutbox am 09. Juli 2010)

Um meinen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden, sage ich es frei und ohne jegliche Beschönigung heraus: Dieses Werk ist eine der so ziemlich beschissensten Übersetzungen, die mir jemals untergekommen ist.
Wie fern jeglichen Sprachgefühls muss man sein, um „event horizon“ mit „Geschehens-Horizont“ (S. 12) „malfunction“ mit „Malfunktion“ (S. 90) oder „Prima“ statt „Prime“ (S. 6) zu übersetzen? Ich meine, wenn es wenigstens „Primus“ gewesen wäre, aber „Aleph Prima“ hört sich nach einem zungengelähmten Lispler an, der Schwierigkeiten hat, „Alles prima!“ richtig auszusprechen. Ich bin mir außerdem nicht sicher, ob ich auch ein Buch lesen würde, in dem von "Cardassia Prima" die Rede ist.
Doch wer sich das Buch zu Gemüte führt, muss sich mit haarsträubenden Begriffen wie „ultimativ vorrangiger Befehl “ (S. 15), „Veterinär-Freund“ (S. 74) oder „Intensiv-Apparaturen“ (S. 222) abfinden, von unkreativen Übertragungen wie „dreitägiger Bart“ (S. 140) statt, „Drei-Tage-Bart“, „Peitschen-Effekt“ (S. 124) für „slingshot effect“ oder „Ich werde ihn mit Seidenhandschuhen anfassen.“ (S. 188) statt „Ich werde ihn mit Samthandschuhen anfassen.“ ganz zu schweigen.
Eher putzig waren im Gegensatz dazu doppelt gemoppelte Wortneuschöpfungen wie „Abschirmschilde“ (S. 5), „Bedienungsknöpfe“ (S. 201) oder „Hörkassette“ (S. 158), die sich problemlos in die selbe Kategorie (Pleonasmen) wie „weißer Schimmel“, „Haarfrisur“ oder „ABM-Maßnahmen“ einreiht und wenigstens aus dem ermüdenden Reigen durch Bindestriche kombionierter Wörter ausschert.

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Ein atemberaubendes Stück futuristischer Technologie: Hörkassetten

Dass die in der deutschen Synchronisation üblichen Bezeichnungen größtenteils ignoriert werden, kann man an hölzern klingenden Varianten wie „Sterndatum“ (S. 15) statt „Sternzeit“, „Nerv-Pressur“ (S. 119) beziehungsweise konkurrierend dazu „Nerven-Pressur“ (S. 218) statt „Nervengriff“ oder „Transporter-Beam“ (S. 216) statt „Transporter-Strahl“ sehen.
Besonders letzterer Begriff ist ein trauriges Beispiel für einen deutlichen Hang zu unnötigen Anglizismen. So trifft man auf klare Entlehnungen aus dem Englischen wie „Starfleet“ (S. 11), „Beam“ (S. 51) oder „Hijacking“ (S. 210) – von den übertrieben häufigen 'Goodbyes' ganz zu schweigen (vgl. z.B. S. 65, S. 184 oder S. 235). Besonders nervig stoßen dabei jedoch Zwitterwesen wie „Cassetten“ (S. 23), „Starbasis“ (S. 25) oder das merkwürdig getrennte „Biofeed-back-Technologie“ (S. 99) auf, die irgendwo zwischen beiden Sprachen liegen, und dennoch beiden allzeit fremd bleibt.
Das alles ist jedoch nur die Spitze des Eisberges. Ermittler „Braithewait“ (S. 189), Bordarzt „MacCoy“ (S. 141) oder der Physiker „Mordreyus“ (S. 110) beweisen mit ihrer Schreibweise eindrücklich, dass schon die korrekte Übertragung von Eigennamen den Übersetzer heillos überforderte. Das bleibt jedoch nicht nur auf Eigennamen beschränkt, denn auch der Job eines „Nachschub-Leichters“ (S. 68), der Zustand der „Statis“ (S. 109) oder der Rang des „LIEUTEANTS“ (S. 205) offenbaren entsprechende Schwächen. Besonders interessant ist dahingehend der „Ornanismus“ (S. 233). Was soll das sein? Vielleicht ein „Ornament“? Oder etwa „Ornithologie“? Vielleicht ist dem Übersetzer da aber, wie bereits in „Förderation“ (S. 191), lediglich ein 'r' zuviel in die Buchstabensuppe gefallen...
Spätestens jedoch, wenn „Paradoxes“ (S. 183) als Plural ausgelegt wird, der Autor „einen ethischen Konsensus“ (S. 221) für die korrekte Formulierung hält oder „hahnebüchener Unsinn“ (S. 239) für die korrekte Schreibweise; erhält jener Satz einen faden Beigeschmack, der „Captein“ (S. 154) „Krik“ (S. 92) auf Seite 22 in den Mund und den Verstand gelegt wird:

„Also“, sagte Kirk, „immer mehr geheimnisvoll.“ Er blickte Spock an und erwartete einen zurechtweisenden Blick wegen seiner schlechten Grammatik.

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Im Auftrag Spocks: Ein zurechtweisender Blick für die schlechte Grammatik UND die beschissene Orthografie dieses Buches

Anachronismen: Miles O'Brien hat mir immer leid getan. Er hat für die Sternenflotte auf Setlik III, der USS Enterprise und Deep Space Nine mehrfach sein Leben riskiert und allen fälligen Gefahrenzulagen zum Trotz war es dem zweifachen Familienvater nicht einmal vergönnt, in den Offziersstand aufgenommen zu werden.
Dass dies geht, beweist hier Mandala Flynn, die den Rang eines Commanders bekleidet (vgl. S. 6), obwohl sie die Sternenflottenakademie noch nicht einmal besuchte (vgl. S. 44f.)!
Doch auch die Beziehung zwischen Kirk und seiner zweiten Indianerfrau Hunter ist nicht frei von Rätseln, denn das eine Mal heißt es, dass sich beide aus der Schule (vgl. S. 19), später allerdings von der Akademie kennen würden (vgl. S. 51ff.).
Doch auch Spock, dessen Spezies laut „Kodos der Henker“ oder „Das Eis bricht“ angeblich keinen Alkohol trinkt, soll nicht nur von McCoy dabei gesehen worden sein (vgl. S112), sondern erinnert sich sogar selbst an diesen rabenschwarzen Tag (vgl. S. 117)! Dabei behaupten Vulkanier doch, nie zu lügen (vgl. S. 242)...
Ebenfalls verwunderlich ist die Existenz der Mutantin Jenniver Aristeides'. Nicht nur, dass sie das Produkt einer genetischen Manipulation ist, die laut Folgen wie „Der schlafende Tiger“, „Dr. Bashirs Geheimnis“ oder „Borderland“ unmöglich sein müsste; sie misst darüber hinaus auch noch 250cm, verfügt über einen stark ausgeprägten Knochenbau und übernatürliche Muskelmassen (vgl. S. 59). Natürlich ist das auf ihre Heimat zurückzuführen, auf der viel höhere Gravitation herrscht. Admiral Hostetler-Richman in „Die Gesetze der Föderation“ (vgl. a.a.O., S. 35) entstammt ebenfalls einer solchen Welt, doch ihr Körperbau entspricht völlig entgegengesetzten Ausmaßen: Die Beine der zierlichen Frau erreichen beim Sitzen auf Erdenmöbeln noch nicht einmal den Boden.
Ebenso widersprüchlich ist die Ausführung Kirks, warum sein Schiff nicht innerhalb des Systems auf Warp springen könnte, um den gefährlichen Transport des gefährlichen Passagiers so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen. Schließlich ist spätestens seit dem achten Kinofilm „Der erste Kontakt“ oder „Erstflug“ sehr wohl, dass amn selbst innerhalb eines Systems mit niedriger Geschwindigkeit reisen kann, ohne den Warpantrieb zu überlasten. Wobei sich allerdings schon die Frage stellt, ob das Schiff nun über einen (vgl. S. 196) oder mehrere „Warp-Antriebe“ (S. 174) verfügt.
Zum Schluss muss es natürlich auch noch um das Thema gehen, um das sich die ganze Welt dreht. Beziehungsweise 'drehte', denn die Zukunft der Menschheit ist laut Informationen aus „Zurück in die Gegenwart“, „Der erste Kontakt“ oder „Die Karte“ vom Übel des Geldverkehrs befreit, um höheren Entwicklungszielen Genüge zu leisten.
Davon ist im Roman nur wenig zu spüren: Sulu will in einem Restaurant auf „Alpeh Prima“ (S. 61) die anstehende gemeinsame „Rechnung“ (S. 38) mit Flynn begleichen, Raumschiffes fahren mit „Billigflagge“ und Kolonien der Menschheit können „bankrott “ gehen (beides S. 158).

Fazit: „Der Entropie-Effekt“ ist ein Stück Star-Trek-Geschichte – für den offiziellen Kanon UND die Bücherwelt. So etwas zu lesen lohnt sich, selbst wenn heute Zeitreisen ein alter Hut sind und der ein oder andere Charakter eine schlechte Figur macht. Selbst die Anachronismen sind verständlich in einer Zeit, als es nur die Originalserie, die Trickfilmserie und den ersten Kinofilm gab.
Doch die miese Übersetzung vergällt dem Freund unserer Sprache den Lesespaß ein paar mal zu oft. Die deutsche Version wirkt lustlos hingekliert und versteht nicht einmal den Minimalstandards von Taschenbüchern zu genügen.

Denkwürdige Zitate:

Don Juan Kirk, Casanova der Raumstraßen ...
Leonard McCoy, S. 74

Gott verdamme Sie, Spock! Verdamme Sie! Verdamme Sie!
Leonard McCoy, S. 115

Die Gegenwart mag Ihnen utopisch vorkommen, aber ich versichere Ihnen., daß fast jedes menschliche Wesen, das Ihnen genügend vertraut, um seine Hoffnungen und Träume mit ihnen zu diskutieren, ein tief verwurzeltes Verlangen eingestehen wird, in einer anderen Zeit zu leben, eine Überzeugung, daß es sich irgendwie am falschen Ort fühlt und an einen anderen gehört, den es nicht erreichen kann.
Georges Mordreaux, S. 147

Bewertung: Star-Trek-Historie mit argen Schönheitsfehlern.

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Sonntag, 3. Januar 2010

Star Trek II: Der Zorn des Khan

Aus aktuellem Anlass: An all die Besucher, die glauben, hier irgendwo Beweise zu finden, dass Karl-Theodor zu Guttenberg sich bei seiner Abschiedsrede im zweiten Star-Trek-Kinofilm "Der Zorn des Khan" bediente:

Es stimmt nicht.

Den Satz

"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."

hat es in diesem Film nirgendwo gegeben und als jemand, der bei den Filmdialogen tatsächlich mitsprechen kann, glaube ich fest daran, dies beurteilen zu können.
Also lest lieber diesen Beitrag Daniel Bröckerhoffs, der sich mit der Entstehung dieses Mythos' beschäftigt, als Euch aus bloßer Skandalsucht statt ernstem Interesse diese Rezension durchzulesen.

Danke.

Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Star Trek II. Der Zorn des Khan. Heyne 1981/1992.

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Story: Der Akademiealltag hat Admiral Kirk inzwischen wieder fest im Griff. Verwaltungsarbeit, Bürokram, Ausschusssitzungen - und ab und zu mal, so als eine Art Aufmunterung für zwischendurch, darf der alternde Fuffziger Kadetten in der Kobayashi-Maru-Simulation den letzten Funken Optimismus aus dem Ego treiben.
Da kommt die Aussicht auf ein mehrwöchiges Manöver weit weg vom heimischen Büro gerade recht, zumal dieser Kurztripp nicht unter Mitwirkung der guten alten, doch mittlerweile längst zum Schulschiff degradierten USS Enterprise NCC-1701 laufen soll, sondern auch den Abschied von seiner alten Crew markiert.
Doch mitten in den Tiefen des Alls bekommt Kirk plötzlich einen Kurzanruf seiner Ex, die sich darüber beschwert, dass Kirk ihr irgendetwas namens 'Genesis' wegnehmen würde nur um kurz danach gleich wieder aufzulegten (Anm. des Verfassers: Dramatisation! Beschreibung muss nicht hundertprozentig mit der Buch- oder Filmdarstellung übereinstimmen!!).
Kirk schmeißt daraufhin seinen Diaprojektor an, um seinen Freunden Spock und Pille zu zeigen, dass sich hinter dem Namen eben doch nicht die gleichnamige TNG-Episode, die SEGA-Konsole oder die britische Band verbergen, sondern ein neues Föderationsprojekt, dass aus unbelebten Planeten blühende Kolonien zaubert.
Das militärische Potential liegt auf der Hand, denn Genesis kann nicht nur unbewohnte Planeten bewohnbar machen, sondern auch bewohnte Planeten von ihren Einwohnern befreien – ein Tor zur ethnischen Säuberung von galaktischem Ausmaß. Die Gefahr ist also so offensichtlich, dass sich Kirk einen Blankoscheck von der Sternenflottenspitze besorgt und das Schiff geradewegs in Richtung des Raumlabors, in dem sich seine Ex Carol Marcus gerade befinden müsste, steuert. Doch Marcus ist nicht nur seine Verflossene, sondern auch die Mutter seines Sohnes, der, ohne etwas von seinem prominenten Vater zu ahnen, noch immer bei seiner Erzeugerin wohnt.
Auf dem langen Weg zur Regulus-I-Station [sic!, vgl. S. 33] wird die Enterprise plötzlich von einem Schiff aus der eigenen Flotte angegriffen: Die USS Reliant NCC-1864 wurde von einem alten Erzfeind Kirks gekapert: Khan Noonien Singh, der nun den toupetbedeckten Kopf des Admirals als Genugtuung für den Tod seiner Frau verlangt und als Zugabe auch noch die Herausgabe sämtlicher Genesis-Daten fordert.
Kirk sitzt in der Zwickmühle. Das stark beschädigte Schiff voller unerfahrener Kadetten ist nur bedingt in der Lage, dem genetisch aufgewerteten Supermenschen Khan Paroli bieten zu können, seine Ex-Frau meldet sich nicht mehr und zu allem Überfluss benötigt der in die Jahre gekommene hochdekorierte Offizier eine Brille.
Schließlich jedoch fällt ihm doch noch ein letzter Ausweg ein: Sofern Khan nicht daran gedacht hat, diese Möglichkeit zu eliminieren, könnte die Enterprise mit der Leitziffer der Reliant die Kontrollen des Schiffes übernehmen, und das Schlachtenglück zu seinen Gunsten lenken...

Lobenswerte Aspekte: Der zweite Star-Trek-Film bringt dem Zuschauer neben einigen alttbekannten auch eine Vielzahl neuer Charaktere näher. Da hätten wir Dr. Carol Marcus, ihren Sohn David, Peter Preston, natürlich Saavik und Khans Sidekick Joachim. In Anbetracht der Tatsache, dass der Film keine zwei Stunden auf die Uhr bringt, und zu einem großen Teil aus Raumschlachten (oder deren Simulation) besteht, kann man sich ausmalen, dass den einzelnen Nebenfiguren hier nur wenig Spielraum überlassen wurde, um sich durch irgendwelche charakterliche Tiefe auszuzeichnen. Naturgemäß ist dies in den Begleitbüchern anders, und auch diese Novellisation macht dabei keine Ausnahme.
Logisch, dass diese Sonderausstattung in erster Linie Saavik zu Gute kommt. Hin (vgl. S. 25) und wieder (vgl. S. 80) wird der geneigte Leser mit sporadischen, nichtsdestotrotz jedoch spannenden biografischen Einblicken angefüttert und die Figur wird nicht nur deutlich von anderen Vulkaniern abgehoben, sondern auch mit vielversprechenden Charakterfehlern gespickt, die ein großes Interesse schüren, den weiteren Werdegang dieser Figur zu verfolgen. Nur logisch also, dass die attraktive junge Frau Spock ersetzen sollte (vgl. S. 215), denn dessen Tod am Ende des zweiten Star-Trek-Kinofilms war in erster Linie dem Unwillen Leonard Nimoys geschuldet, auch weiterhin als Darsteller für den Wissenschaftsoffizier der USS Enterprise zur Verfügung zu stehen.
Besonders hervorzuheben ist neben Saavik definitiv auch Joachim, dessen Wandel vom hörigen Anhänger Khans zum von Zweifeln geplagten Mittäter hier ausführlich beschrieben wird. Als Gegenpol zu Khans intensiven Gewaltanwendung bieten seine Auftritte dem Leser einen Anhaltspunkt dafür, dass genetische Manipulation die Essenz des Menschseins trotz allem nicht zu verdecken in der Lage ist.
Neben diesen beiden Figuren sollten allerdings die anderen, eher geheimen Helden des Buches auf keinen Fall unterschlagen werden: Die wissenschaftliche Crew Dr. Carol Marcus'.
Gut, im Film wird wenigstens Jedda kurz benannt, doch man kann während des Zuschauens kaum erahnen, dass der behaarte HiWi ein Deltaner sein soll. Die beiden wichtigsten Säulen des Genesis-Projektes, die Doktoren Vance Madison und Delwin March finden hingegen auf Celluloid keinerlei Erwähnung. Das ist im Buch anders und neben diesen beiden durchgeknallten Forschern werden selbst der Koch Yoshi und der Steward Jan beschrieben.
Mit dem dazugewonnenen Platz vertieft die Autorin Vonda McIntyre außerdem einige zentrale Aspekte der Filmhandlung. Hierbei soll nur der wechselseitige Stolz von Papa Kirk und Sohnemann David ins Feld geführt werden (vgl. S. 211 oder S. 234), der um einiges einfühlsamer als im Film betrachtet werden kann.
Die Autorin McIntyre, der die Star-Trek-Bücherwürmer aufgrund ihres Romans „Der Entropie-Effekt“ den Erfolg und damit auch die Weiterführung der Star-Trek-Romanableger verdanken, hat sich in dieser Verschriftlichung eines Kinofilms nicht nur darauf beschränkt, den Charakteren mehr Spielraum zu geben. Sie beweist ihr literarisches Geschick mit dem besten Argument, das es auf der Welt gibt: Sie beruft sich auf andere Autoritäten.
So lassen sich in einer an sich eher unspektakulären Romanversion eines Filmes Verweise auf die ganz großen Namen der englischsprachigen Literaturgeschichte finden: Dickens (vgl. S. 28), Shakespeare (vgl. S. 45), Carroll (vgl. S. 113), Melville (vgl. s. 216) oder Barrie (vgl. S. 236).
Mittlerweile hat sich dieses Buch jedoch längst fest im Star-Trek-Bücherkanon etabliert. Andere Werke, wie DuanesDas Schlachtschiff“ nehmen genauso auf dieses Werk Bezug (vgl. S. 62), wie die Vanguard-Reihe, in der es ein Wiedersehen mit Clark Terrell und Carol Marcus gibt.

Kritikwürdige Aspekte: „In der Kürze liegt die Würze. So sagt man in unserem Teil der Galaxie, und wenn ich es einmal so formulieren dürfte: Diesem Roman fehlt die Würze.
Nicht dass die vielen Nebeninformationen schlecht wären, doch eines der großen Kunststücke des meiner Meinung nach besten TOS-Kinofilm liegt darin, trotz der wenigen zur Verfügung stehenden Erzählzeit eine große Menge an Handlung, Wendungen und Informationen zu konzentrieren.
Wenn man sich nun das Buch zu Gemüte führt, merkt man schnell, dass Bennetts und Meyers großer Verdienst darin lag, den Film so zusammenzustauchen, dass etwas schlüssiges und zugleich kompaktes dabei herauskam, das dennoch einen Flair sonder gleichen bietet.
Der Roman lässt dies vermissen, denn er verliert sich zu oft in lang gezogenen Beschreibungen, die dem größeren Erzählrahmen kaum oder selten zugute kommen. Besonders die ausufernden Beschreibungen der Geschichte Delwin Marchs, Vance Madisons und Peter Prestons bergen zwar Potential, ziehen sich jedoch auch unnötig in die Länge.



So kurz kann's gehen: Star Trek II in 117 Sekunden und als Oper


Übersetzung: Was will man eigentlich zur Übersetzung dieses Buches sagen, wenn das Original „Der Zorn des Khan“ in der deutschen Synchronisation schon so bescheiden übersetzt ist?
Nur zur Erinnerung: In diesem halbherzigen Übersetzungsversuch kann/ muss man Sätze wie „Die Daten von Kobayashi Maru!“, „Verteidigungsfelder in Energie!“ oder „Seine Struktur deutet auf zweidimensionales Denken hin.“ hören, die sowohl in Grammatik, als auch an Wortschatz so richtig daneben liegen.
Mein persönlicher Höhepunkt, bei dem sich mir jedesmal beim Zuhören die Hirnrinde kräuselt, ist ein Satz Uhuras. Der lautet im Deutschen so:

Empfange eine sprachliche Mitteilung! Sie sagen ihr Laderaum überlaste ihr Nachrichtensystem!

Ihr Laderaum? Wie macht er das? Oder passiert das bei LKWs auch immer, dass der CB-Funk ausfällt, wenn der Anhänger voll beladen ist?? Und was bitteschön soll denn die Reliant, die nichts anderes tut, als irgendwo im Nirgendwo der Galaxie nach Planeten zu suchen, geladen haben? Felsen ohne Spuren von Vorlebensformen?? Eine Auflösung dieses haarsträubenden Blödsinns bietet ein Umschalten auf das englische Original. Dort vermeldet Uhura nämlich:

I'm getting a voice message. They say their Chambers coil is overloading their com-system!

Aha! Eine Chambers-Spule! Macht jetzt auch nicht soviel Sinn für mich, weil ich gar nicht weiß, wozu diese Spule überhaupt da ist, doch es klingt für mich erst einmal glaubwürdiger als überfüllte Laderäume. Entsprechende Dankbarkeit kommt daher auch auf, wenn man auf Seite 142 von ebenjener „Chambers-Spule" liest.
Doch dieses Wohlwollen verfliegt schnell, wenn man bemerkt, dass dieses Werk seinem filmischen Zwillingsbruder an dämlicher Übersetzung in nichts nachsteht - und damit meine ich noch nicht einmal die kleinen Abweichungen, die entstehen, wenn man die Übersetzung des Filmes und die des Buches in unterschiedliche Hände legt.
Natürlich hören sich Sätze wie „es war die schönste, es war die schlimmste Zeit.“ (S. 28), „Rache ist ein Gericht, das kalt serviert werden muß.“ (S. 141) oder „Die Bedürfnisse der vielen...“ „... sind wichtiger als die Bedürfnisse der wenigen“ (S. 222) im ersten Moment irgendwie fremdartig an, doch darüber kann man irgendwie hinwegsehen.
Viel schlimmer muten die merkwürdigen Formulierungen wie „Eintragung“ (S. 7), „[...] Raum auf Alpha Ceti [...]“ (S. 29) oder der Satz „Wer hat den verdammten Lift festgehalten?“ (S. 94) an. Ebenso deutliche Übersetzungschnitzer lassen sich auch in Wörtern wie „biologische Daseinsformen“ (S. 33) oder merkwürdigen Übertragungen wie „Kollektores“ (S. 14) „Manuale“ (S. 85) und „Materia“ (S. 216) erkennen. Andere Begriffe erfahren erst gar keine Übernahme ins Deutsche, wie etwa „Starfleet“ (S. 10) oder „Starship-Captain“ (S. 186), während Bezeichnungen wie „Klaxon“ (S. S. 11), „romulanisches Bier“ (S. 39) oder „Lande-Kommando“ (S. 60) dem bekannten Star-Trek-Jargon offen widersprechen. Auch die Übersetzung eines englischsprachigen Schiffsnamens (vgl. S. 63) und die falsche Verwendung von „Transmitter“ (S. 157, S. 166, S. 214 etc.) statt 'Transporter' nerven gehörig.
Wer jetzt denkt, dass das schon allein eine echte Belastung ist, dem sollte der schlimmste aller Übersetzungsfehler ans Herz gelegt werden. Die vielen kleinen orthografischen Fehler sind das wirklich haarsträubenste an diesem Roman – und dabei meine ich noch nicht einmal Fehler wie „rethorisch“ (S. 18) oder „Pfeisignal“ (S. 66).
Viel mehr schlampte der Übersetzer Hans Maeter und mit ihm das Lektorat gehörig bei den zahlreichen Eigennamen, denn so ziemlich jeder von ihnen wird im Laufe des Buches irgendwann einmal falsch geschrieben.
Aus 'Saavik' wird da schonmal „Assvik“ (S. 13), aus 'Kirk' „Krik“ (S. 64), aus 'Grenni' „Genni“ (S. 145) und aus 'Carol Marcus' „Carol Magnus“ (S. 199) – um nur einige Beispiele zu nennen. Besonders auf den Captain der „Realiant“ (S. 203) muss es Maeter abgesehen haben, denn der nun wirklich nicht allzu komplizierte Name erscheint in den Varianten „Terrence“ (S. 31), „Terretts“ (S. 58) oder „Terrels“ (S. 169) – ein wahres Armutszeugnis für gründliche Arbeit, denn die Brücke von 'Khan' auf „Kahn“ (S. 147) zu schlagen, ist zwar irgendwie lustig, doch mitnichten angebracht.

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Khan! Kann! Kaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahn!


Anachronismen: Während des Lesens stellt sich ein Gefühl verdammt oft ein: Man liest die Beschreibungen einer bestimmten Szene und fragt sich immer wieder „War das im Film nicht ganz anders?
Und ob! So war die Ratte auf der Regula-I-Station eher schwarz (vgl. S. 159), Kirk erkennt David erst im Inneren des Planetoiden (vgl. S. 168) und Kirk hat keine Blumen im Haar, als er zurück auf sein Schiff gebeamt wird (vgl. S. 192).
Allerdings fallen diese stets vernachlässigungswürdigen Details nicht weiter ins Gewicht. Viel eher erwecken jene Szenen ein Gefühl des Verlustes, die nicht zu sehen sind, obwohl sie einen Brücke zu anderen, folgenden Filmen schlagen. So fehlt nicht nur der Moment, in dem Spock Pille die Hand auflegt, um ihm seine Katra aufzubürden, sondern auch jene Einstellung, in der Kirk Saavik von seiner Lösungsvariante für den Kobayashi-Maru-Test erzählt, und dabei einen Apfel verspeist.
Ebenjener Apfel schlägt nämlich in Abrams elften Star-Trek-Kinofilm eine Brücke diesem Ereignis, indem Kirk in Verneinung der Ernsthaftigkeit jener Situation während seines Tests selbiges Kernobst verspeist.

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Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß:
An dem Tage, da ihr davon esset, werden Eure Augen aufgetan, und Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.


Dennoch bietet dieses Buch doch noch die ein oder andere Ranke zur Handlung des 2009 erschienenen Films aus, denn Kirks Statement, dass er dabei „[...] fast von der Akademie geflogen wäre“ (S. 190) stimmt ebenso, wie die Informationen, dass ein Klassenkamerad die Manipulationen vornahm (vgl. S. 190f.) und dass Kadett Kirk diesen Charaktertest vor seinem grandiosen Sieg bereits zwei mal ablegte (vgl. S. 191).
Daneben gibt es aber auch noch einige andere Passagen, die auf erstaunliche Weise auf den letzten TOS-Film referieren. Sulus Versetzung als Captain auf die Excelsior (vgl. S. 64) wird nämlich ebenso wir die an Peter Pan angelehnte Kurswahl Kirks (vgl. S. 236) erst im sechsten Kinofilm "Das unentdeckte Land" zum Faktum.
Doch mein beliebtester Spruch aus Star Trek II „Der Zorn des Khan“ bleibt immer noch die Aussage des Admirals „Aber wir sind das einzige Schiff im Quadranten!“.
Egal, ob im Alpha- oder Beta-Quadranten – das ist ziemlich wenig und der Begriff „Sternenflotte“ wirkt irgendwie etwas deplatziert, wenn das stimmen sollte.
Das muss sich auch McIntyre gedacht haben, denn in der dementsprechenden Szene ist nicht mehr von einem Quadranten, sondern einem „Oktanten“ (S. 98) die Rede – also keinem Viertel der Milchstraße, sondern nur einem Achtel. Nun, das wirkt schon etwas glaubwürdiger, auch wenn es noch immer ganz schön wenig ist.
Klassisch ist auch der ganz große Anachronismus des Filmes. Obwohl Walter Koenig erst zur zweiten Staffel TOS zur regulären Crew der USS Enterprise stieß, kann sich Chekov an ihn „[...] mit aller Klarheit erinnern [...]“ (S. 52). Aber um Ausreden ist man ja nicht verlegen, wenn es darum geht, die vielen Widersprüche bei Star Trek aufzulösen. So wird spekuliert, dass Chekov zwar schon auf der Enterprise diente, jedoch noch nicht zur Brückencrew gehörte. Am einleuchtendsten ist in diesem Zusammenhang wohl Koenigs eigene, oft auf Conventions geäußerte Erklärung:

„[...] sein Charakter ließ Khan bei dessen Besuch auf der Enterprise übermäßig lange darauf warten, dass das Badezimmer frei würde, und daher behielt Khan sein Gesicht in so guter Erinnerung.

[Frei nach dem englischsprachigen Memory-Alpha.Artikel zu „Der Zorn des Khan“ übersetzt]

Zu den Mythen des Star-Trek-Universums gehört hingegen, dass Joachim der gemeinsame Sohn Khans und Marla McGivers Sohn sei. Obwohl oft behauptet, findet sich zu dieser Konstruktion keinerlei Beleg – eher im Gegenteil, gleich mehrere Stellen implizieren, dass dies nicht der Fall sei (vgl. S. 85, S. 137. S. 142 oder S. 204).
Ganz besonders fern von allen Star-Trek Idealen ist die Figur Peter Preston. Als so eine Art früher Wesley Crusher weckt der juvenile Offizier oft Antipathiegefühle. Besonders die Tatsache, dass er erst 14 Jahre alt sein soll (vgl. S. 67) erinnerte eher an Kindersoldaten in Afrika oder die Hitlerjugend in den letzten Monaten des zweiten Weltkrieges, als an einen Sprößling einer zukünftigen Menschheit, die aus den offensichtlichen Fehlgriffen ihrer Vergangenheit gelernt hätte.
Wie bereits in „Das Schlachtschiff“ angemerkt, sind Schiffe der „Galaxis-Klasse“ (S. 63, oder auf Englisch „Galaxy-Class“) ihrer Zeit etwas voraus, denn Schiffe dieser Reihe tauchen eigentlich erst bei Captain Picard in TNG auf.

Fazit: Die Novellisation des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ kann in erster Linie mit dem zusätzlichen Platz punkten, der den interessanten Nebencharakteren nur hier geboten wird. Doch die Gratwanderung zwischen präziser Knappheit und angemessener Ausweitung gelingt nicht, und somit steht dieses Buch rasch im Widerspruch zum gut gekürzten filmischen Vorbild.
Der große Haken des Werkes bleibt allerdings die schlampige deutsche Übersetzung, die völlig lieblos heruntergeschrieben wurde und mit einer katastrophalen Fehlerquote aufwartet, die selbst unter den Star-Trek-Büchern ihresgleichen sucht.

Denkwürdige Zitate:

Ich bin Starfleet-Offizier und kein Theater-Kritiker.
Kirk zu Pille, S. 17

Sie müssen lernen, Pille. Wir können die Zügel nicht ewig halten. Im Kosmos herumzugaloppieren ist ein Sport für die Jungen.
Was soll denn das heißen?
Kirk und McCoy, S. 19

Lenin selbst hat einmal gesagt: 'Vorsicht ist der bessere Teil der Tapferkeit'.
Kommen Sie! Und außerdem war das von Shakespeare.
Chekov und Terrell, S. 45

Bewertung:

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Tiefste Provinz.

Weiterführende Leseliste:


Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X: Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

Montag, 29. Juni 2009

Die Anfänge 01. Die erste Mission

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Buchbesprechung McIntyre, Vonda: Die erste Mission. Heyne, 1986/1989.

Story: Eine Ära geht zu Ende: Der legendäre Captain Pike wird zum Commodore befördert und ein impulsiver junger Mann übernimmt das Kommando, der sich seine Sporen erst noch verdienen muss. Dieser Jungspund, der auf den klangvollen Namen James Tiberius Kirk hört, hat einen schweren Stand bei der alteingesessenen Crew: der erste Offizier Spock denkt über eine Versetzung nach, Uhura verlässt wegen seines Verhaltens die Brücke und selbst der gutmütige Chefingenieur Montgomery Scott hält den neunundzwanzigjährigen Emporkömmling für einen „unerfahrenen Grün…“ (S. 69).
Kirk, der kurz zuvor nur knapp eine katastrophale Mission überlebte, darf seinerseits weder den von ihm präferierten Gary Mitchell zum ersten Offizier ernennen, noch eine von ihm erträumte langjährige Forschungsmission betreuen.
Der erste Auftrag unter seinem Kommando besteht darin, eine Art Zirkusgesellschaft auf ihrer Tour durch verschiedene Sternenbasen zu begleiten. Und so ist es kein Wunder, dass dem unerfahrenen Spätzwanziger ein Missgeschick nach dem anderen widerfährt und seine Autorität auf tönernen Füßen steht.
Doch auf dem Weg zur Sternenbasis 13, einer Föderationsstation, die am Ende einer langgezogenen Ausbuchtung des Föderationsraumes liegt, die tief in klingonisches Gebiet ragt, stößt er auf ein fremdes Schiff. Das merkwürdige Gefährt wird von Wesen bevölkert, die einer anderen Galaxie entstammen und mit denen keine herkömmliche Kommunikation möglich ist. Erst eine Gedankenverschmelzung mit Spock schafft Klarheit; doch durch die Flut fremder Gefühle wird Spocks Leben bedroht. Als schließlich eine ganze klingonische Flotte aufkreuzt, um eine Renegatin zu stellen, spitzt sich die Lage dramatisch zu, denn ein einziger Treffer an der Außenhülle des unbekannten Schiffes kann die Zerstörung hunderter umliegender Welten nach sich ziehen…

Lobenswerte Aspekte: Wer nach Star Trek XI gern wissen möchte, wie die ersten Abenteuer der berühmtesten Raumschiffbesatzung des 23. Jahrhunderts tatsächlich abliefen, findet in der dreiteiligen Romanserie „Die Anfänge“ eine Anlaufstelle. Immerhin hatten Abrams und seine Kollegen bereits während der Entstehungsphase verlauten lassen, dass der ‚neue’ Film weder dem offiziellen Kanon, noch den unzähligen Star-Trek-Büchern widersprechen würde. Wer nun vom Paralleluniversum genug hat, und einen Eindruck davon erhalten will, wie diese Frühphase aussah, kann also getrost ins Bücherregal greifen, und sich ruhigem Gewissens Vonda McIntyres Roman „Die erste Mission“ zu Gemüte führen.
Tatsächlich spielt die Handlung geschickt mit einigen Elementen, die aus Film und Fernsehen über Kirks Vorleben bereits hinlänglich bekannt waren: sein Bruder George Samuel tritt ebenso auf wie sein bester Freund Gary Mitchell oder seine große Liebe Carol Marcus. Die gesamte Crew tritt auf und besonders die Informationen über Hikaru Sulu oder Janice Rand sind interessant geschildert und verleihen den beiden weniger beachteten Charakteren einen Hintergrund.
Außerdem wird klar, wie sehr sich Abrams' Film aus diesem Buch bedient hat. Dass Kirks Mutter Winona heißt, erfahren wir nämlich bereits in diesem Buch. Selbst Kirks anfängliches Interesse für Uhura klingt schon auf den ersten paar Seiten an. Sulu fabriziert ebenfalls einen Navigationsfehler und Uhuras Sorge um Spock wirft interessante Fragen auf.
Toll fand ich auch die im Zuge der Bildbearbeitung erwähnten „Corellianer“ (S. 100) – eine mehr oder minder gut verschleierte Anspielung auf das Grafikprogramm Corel Draw. Doch darüber hinaus sind auch die Anspielung auf Captain Hunter (S. 27, Jeffrey Hunter spielte Pike) oder die auf Seite 21 präsentierten Einschätzungen Spocks über menschliche Bademoden durchaus der Erwähnung wert.

Kritikwürdige Aspekte: Also wer diesem unfähigen Abziehbild James T. Kirks allen Ernstes ein eigenes Kommando verpasst hat, sollte selbst vom Admiral zum untersten Plasmaleitungsschrubber degradiert werden. Kirk ist einfach nicht wiederzuerkennen und erreicht lediglich in wenigen Passagen auch nur ansatzweise die Aura jenes großen Mannes, der mit seinem Namen verbunden wird. Selbst Shatners Eigeneinschätzung in seinem eigenen Romanzyklus ist als gelungener zu bezeichnen!
Nun, auch wenn das erste Kommando der Weltraumlegende sicherlich nicht von einem Tag auf den anderen einen Superheldenstatus rechtfertigt, muss doch festgehalten werden, dass die Autorin keinerlei Einfühlungsvermögen für Charakterdarstellungen zeigt und statt dessen einfache Klischeebilder präsentiert, wie die des Frauenschwarms Kirk oder des mit Gefühlen überforderten Spocks.
Der erste Offizier wirkt erschreckend altbacken und mental absolut unfähig. Auch seine Intelligenz scheint betroffen, denn er beschreibt den Vulkanier Stephen als Vetter (S. 438), obwohl das verwandtschaftliche Verhältnis beider nicht einmal mehr mit „Großcousin“ beschrieben werden könnte. Das ist dem überaus peniblen Charakter gegenüber nun wirklich ungerecht.
Doch auch die anderen Crewmitglieder werden nicht von Fehlbeschreibungen verschont: Uhura ist pflichtvergessen, Janice Rand ein überfordertes Kind und McCoy ein zahnloses Dekoobjekt. Wüsste man es nicht besser, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Darstellung der einzelnen Charaktere ihrerseits aus einem Paralleluniversum stammt, denn der Wiedererkennungswert tendiert zu oft gegen null. Pike ist einfach nur ein Arsch, Kirk ein unfähiger Rüpel und Chekov ein Stalinist.
Die sich bietende Chance, mit den einzelnen Figuren und ihren Entwicklungen zu spielen, blieb sträflich ungenutzt, obwohl sich einige interessante Ansätze anboten, wenn nicht sogar aufdrängten: Scott, der sich zwischen der Enterprise und einem fähigen Kommandanten entscheiden muss; Rand, die sich erst mit den Aufgaben eines Adjutanten zurechtfinden soll oder Uhura, die als eine Art Ersatz für die Position eines Schiffscounselors fungieren kann. Doch all diese Aspekte werden in den Hintergrund, nicht in den Vordergrund gerückt und nehmen der Erzählung den Reiz.
Höhepunkt der völlig verkorksten Darstellung sind allerdings die Klingonen. Sicherlich hat sich McIntyre viele Gedanken bei der Konzeption gemacht, doch die im Buch präsentierte Rasse hat mit dem ausgiebig im Fernsehen vorgestellten Kriegervolk in etwa soviel zu tun wie ein Ameisenbär mit dem Tyrannosaurus Rex. Klingonen sind eben keine Geheimdienstspezialisten, Kopftuchfanatiker oder Oligarchen.
Größtes Problem des Romans ist allerdings die hanebüchene Handlung, die sich auf immerhin 477 Seiten erstreckt. Fliegende Weltraumkatzen, die sich singend verständigen, in einer riesigen Ansammlung von Seifenblasen wohnen und das Universum bewegen können sind ja schon hirnrissig genug. Doch dass diese verschrobene Idee auch noch mit einem Weltraumzirkus, einem homophilen Hippievulkanier und einer homophoben Klingonenrebellin, die keine Lust mehr auf das Burkatragen hat, gekreuzt wird, ist zuviel des Guten.
Besonders die ausgerechnet von Spock zu Besten gegebene Herleitung, warum die Fremden aus einer anderen Galaxie stammen müssen (vgl. S. 313), wirkt so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass man spätestens ab diesem Punkt den Hardcovereinband entnervt gegen den eigenen Vorderschädel schlägt – immerhin hatte sich Spock in der TOS-Episode „Stein und Staub“ noch problemlos mit den ebenfalls extragalaktischen Kelvanern verständigen können.
Das allein wären bereits recht schwerwiegende Kritikpunkte, und ich will lieber nicht auf den zahlreichen technischen (die Gravitation von Objekten im Raum zieht Schiffe aus dem Warp?), kulturellen (Klingonen haben noch eine Kaiserin??) oder bürokratischen (es gibt eine Erstkontaktgenehmigung für Sternenflottenoffiziere, die ablaufen kann???) Logiklöchern herumreiten, denn eines finde ich an dieser Reihe besonders schlimm.
Rechtzeitig zum Start des elften Kinofilms hat sich Heyne nach langjähriger Abstinenz mal wieder auf dem Star-Trek-Büchermarkt betätigt. Doch anstatt einen neuen deutschsprachigen Roman zu veröffentlichen, versucht der Verlag, aus dem neuerlichen Hype Profit zu schlagen und präsentiert die drei Romane der Reihe „Die Anfänge“ vereint in einem Band. Mit aufgewärmter Zweit- bzw. sogar Drittverwertung eigener alter Rechte hofft man scheinbar in bester Ferengimanier, trotz Abkehr vom zu unlukrativen Publikum doch noch ein Stück vom großen Merchandise-Kuchen abzubekommen. Aber die knapp 1470 Seiten, in einem klobigen und unhandlichen Paperback zusammengezwängt, sind noch nicht einmal überarbeitet worden.
So trifft man dementsprechend auf die typischen Hausfehler der Heyne-Übersetzung. Es heißt nicht „Sternenflotte“, „deaktivierte“ oder „Untertassensektion“, sondern „Starfleet“ (S. 18), „desaktivierte“ (S. 246) und „Diskussektion“ (S. 80). Verbunden mit den unsinnigen Medo-Komposita wie „Medo-Team“ (S. 11), „Medo-Akten“ (S. 114) oder „Medo-Sensoren“ (S. 329) rufen sie beim Leser ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit dafür hervor, dass mittlerweile cross cult diese ökonomische Nische neu besetzt hat und den Leser mit solchen Ausgeburten stiefmütterlicher Behandlung von Trek-Termini verschont.
Hinzu kommt, dass die Unkenntnis des Übersetzers Cocktails betreffend wahrlich haarsträubend anmutet. So wird der alterwürdige „Mint Julep“ kurzerhand zu einem „Gewürzwhiskey“ (S. 453) degradiert und aus der „Bloody Mary“ wird mal eben die „Jungfrau Maria“ (S. 41). Weniger Schuld trifft ihn schließlich jedoch daran, dass die „Constitution-Klasse“ ständig als „Constellation-Klasse“ (ab S. 11) deklariert wird. Diesen Fehler und einige grammatische sowie orthographische Fehlgriffe (etwa „[…] um nicht mit den Fingern auf die Armlehen zu trommeln.“, S. 103 oder „siberianisch“ statt „sibirisch“, S. 249) hätte man wenigstens ausmerzen können, um diese mittlerweile dritte Veröffentlichung dieser Bücher zu rechtfertigen.

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Leicht zu verwechseln: Schiffe mit zwei Warpgondeln und solche mit vier

Anachronismen: Wer die Voyagerepisode „“ gesehen hat, weiß, dass Kirks historische Fünfjahresmission 2270 endete, was nach Adam Riese praktisch bedeutet, dass sie 2265 begann. Also muss dieser Roman folglich in diesem besagten Jahr spielen.
Dumm nur, dass McIntyre Kirks Alter mehrmals mit 29 angibt (z.B. S. 13). Folgen wie „Die Spitze des Eisbergs“ oder „Wie schnell die Zeit vergeht“ sowie Filme wie „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ und „Star Trek XI“ lassen Kirks Geburt jedoch auf das Jahr 2233 fallen, was die Handlung plötzlich ins Jahr 2262 verlegt.
Als ob das allein nicht schon verwirrend genug wäre, markiert die Zeit unmittelbar vor Kirks Kommandoannahme den Zeitpunkt, an dem Carol Marcus und Kirk einander kennen lernen. Die Autorin versäumt es nicht, auch die dramatische Trennung der beiden gleich mit zu thematisieren. Das Problem: In der ebenfalls von ihr verfassten Romanversion des zweiten Star-Trek-Kinofilms „Der Zorn des Khan“ gibt sie David Marcus’ Alter mit zwanzig an (S. 178), was bedeuten würde, dass Carol Marcus ihren gemeinsamen Sohn 2265 zur Welt bringen würde. Da sie im selben Buch allerdings auch davon spricht, dass Kirk Khan vor 15 Jahren auf Ceti Alpha V das letzte Mal gesehen hätte (S. 180), würde dieser Film 2283 spielen, was für David wiederum bedeutet, dass er bereits 2263, also weit vor der Romanze Carols mit James T. Kirk geboren worden war. Ist er vielleicht niemals Kirks Sohn gewesen?
Um die Verwirrung komplett zu machen, sollte ergänzend erwähnt werden, dass andere Angaben, wie die „Offizielle Star Trek Chronologie“ der Okudas (S. 46) oder im David-Marcus-Artikel bei Memory Alpha das Jahr 2261 als Geburtsjahr führen. Diese Rechnung bezieht sich auf das Alter des leider bereits 1989 verstorbenen Schauspielers Merritt Buttrick, und stützt nur die These, dass, gemessen an McIntyres Darstellung, David ein Kuckuckskind wäre und überhaupt keine genetischen Gemeinsamkeiten mit dem legendären Sternenflotten haben kann.
Kleinere Unregelmäßigkeiten lassen sich daneben auch noch finden: Der Planet Vulkan verfügt sehr wohl über größere Wasserflächen (S. 20; wie man in der ENT-Folge „Kir’Shara“ sehr schön vom Orbit aus sehen kann) und eigentlich sollte Kirk mehr als nur einen Neffen haben (S. 67; vgl. TOS: „Der alte Traum“). Außerdem mutet es sehr befremdlich an, dass der Turbolift trotz gegenteiliger Erfahrungen Bashirs und O’Briens eben doch auf rein akustische Befehlseingabe reagiert (S. 44; DS9 „Immer die Last mit den Tribbles“), obwohl die Handlung des Buches mindestens zwei Jahre vor den in „Kennen Sie Tribbles?“ geschilderten Ereignissen einsetzt.
Trotz der Tatsache, dass der Roman als eine Referenz für den elften Kinofilm gelten kann, beißt sich eine seiner Informationen mit diesem Buch. Entweder ist Spock nämlich ein - im wahrsten Sinne des Wortes - 'alter' Lügner oder die Drehbuchschreiber haben etwas überlesen. Denn als Kirk das Kommando der USS Enterprise übernimmt, ist sein Vater bereits tot (S. 67) und kann den Triumph seines Sohnes eben nicht miterleben.
Das nervigste Element dieses Romans ist allerdings sein ständiger Bezug auf monetäre Finanzwirtschaft. McIntyre selbst verfasste auch die Novellisation zum vierten Star-Trek-Film „Zurück in die Vergangenheit“; und daher sollte sie eigentlich aus erster Hand wissen, dass dort von Kirk selbst bestätigt wird, dass es in der Zukunft kein Geld mehr gibt!
Dem zum Trotz finden sich unzählige Belege für Geld und seine Bedeutung in diesem Buch: Man braucht es, um Päckchen zu verschicken (S. 21), um sich medizinisch versorgen zu lassen (S. 143) oder sogar, um Bildung zu erwerben (S. 189)! Was ist mit den Idealen einer sich selbst verwirklichenden Menschheit geworden?
Die Zukunft klingt hier noch kapitalistischer als heute, obwohl diese Beispiele nur einen Bruchteil der im Roman angeführten Nennungen ausmachen. Natürlich war es schon immer ein Markenzeichen Star Treks, die Zukunft als Parabel auf die Probleme der heutigen Zeit darzustellen und natürlich gab es auch bei Star Trek einige Belege für Finanzwirtschaft, doch McIntyres Beschreibungen sind nicht nur voller Ungereimtheiten, sondern erinnern eher an die Ferengi, als an eine Welt voller idealistischer Menschen.

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Zuviel Geld in einem Buch

Fazit: Es ist in der Tat löblich, die Anfangsjahre als Roman zu thematisieren. Und tatsächlich hatte dieses Buch somit einen erheblichen Einfluss auf den offiziellen Kanon, nicht zuletzt dank seiner Leser Roberto Orci und Alex Kurtzman, die sich fleißig an den Details dieses Romans bedienten. Doch auch ohne diesen ‚Adelsschlag’ ist dieses Werk genau wegen dieser Zusatzinformationen so lesenswert.
Doch dieser Einblick hat seinen Preis. Die Charaktere sind unheimlich schlecht getroffen, die Handlung ist haarsträubend und die vielen kleinen Fehler nervtötend.
McIntyre überbetont den Gebrauch von Geld und tritt die Zeitlinie, die durch ihr Werk eigentlich bereichert werden sollte, mit Füßen. Dadurch verlieren sich die Vorteile des Buches, denn auch wenn es interessante Informationen enthält, sollte das Hauptaugenmerk eines Romans nicht auf kleinen Details, sondern auf dem großen Inhalt liegen.

Denkwürdige Zitate:

Ich liebe dich, Jim. Aber wir leben nicht auf einem Wüstenplaneten.“ Carol Marcus, S. 18

Ja ich glaube schon. Während einer Überbevölkerungskrise erfordert die Geburt eines Kindes den Tod eines Erwachsenen, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Aus diesem Grund wurde eine Art Lotterie entwickelt, mit der man entschied, wer sterben mußte. Ihre Bräuche sind … faszinierend. Nicht besonders wirkungsvoll, aber interessant. “ Spock erklärt sich die Erdentradition, zur Geburt eines Kindes Zigarren zu rauchen, S. 38

Mhm. Schmeckt toll. Schokolade. Mag ich besonders gern. Der wichtigste irdische Beitrag fürs gastronomische Spektrum der Galaxis.“ Vanli, S. 57

"Vulkanier und Kinder. Tritt nie vor Vulkaniern und Kindern auf – ein Rat meines Vaters.“ Amelinda Lukarian, S. 279

Ihre Zivilisation – wenn es überhaupt angebracht ist, einen solchen Ausdruck zu verwenden – hat einen hohen Degenerationsgrad erreicht.“ Klingonischer ‚Direktor’, S. 452

Bewertung: Ein zu schwer verdauliches Stück Star-Trek-Geschichte.

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Weiterführende Leseliste:

Die Anfänge 01: Die erste Mission
Die Anfänge 02: Fremde vom Himmel
Die Anfänge 03: Die letzte Grenze