Posts mit dem Label J.M. Dillard werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label J.M. Dillard werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 13. Juni 2010

Nemesis

Buchbesprechung Dillard, J.M.: Nemesis. Heyne 2002.

Photobucket

Mein herzlichster Dank geht in Richtung Hans Ötzthaler, der mir dieses Buch schenkte und das Wochenende durch seine Anwesenheit versüßte

Story: Der Beta-Quadrant erfährt durch einen neuerlichen Machtwechsel an der Spitze des Romulanischen Sternenmperiums wiederholte politische Instabilität. Kein Wunder also, dass die Sternenflottenspitze ihr Flaggschiff und ihren besten Captain zum diplomatischen Antrittsbesuch ins Rennen schickt.
Vagen Gerüchten zufolge ist der neue Prätor Shinzon zur allgemeinen Überraschung kein Romulaner, denn der denkwürdige Staatsstreich, der ihn an die Spitze des Herrschaftsapparates katapultierte, ging von einem Volk aus, das niemand auf dem Radar hatte: den Remanern.
Diese seit jeher recht stiefmütterlich behandelten Leib- und Arbeitssklaven der Romulaner schüttelten das Joch ihrer Unterdrücker ab und beginnen nun, den eher unscheinbaren Schwesterplaneten Romulus' ins Rampenlicht der Weltenöffentlichkeit zu rücken.
Umso größer ist Picards Überraschung, als sich hinter dem Namen Shinzon nicht etwa das vampirgleiche Gesicht eines remanischen Söldners verbirgt, sondern das eines Menschen, dessen Züge ihm stark bekannt vorkommen. Kein Wunder, denn es sind seine eigenen!
Shinzon ist nämlich nichts Geringeres als ein Klon; ein genetisches Ebenbild, das die Romulaner aus taktischen Gründen von Picard anfertigten, um irgendwann einmal einen Spion mitten im Herzen der Föderation platzieren zu können. Ironischerweise war es ein Machtwechsel, der Shinzon nach Remus verschlug, wo er einen aufsehensarmen Tod finden sollte.
Doch er fand etwas anderes: Die Solidarität eines unterdrückten Volkes, das in ihm wiederum den prophezeiten Befreier fand.
Schnell wird jedoch klar, dass Picard und sein Ableger Shinzon nur wenig eint, denn der junge Adoptionsremaner ist gewillt, bis zum Äußersten zu gehen, um seine Verbundenheit mit Remus durch Verzicht auf seine menschliche Herkunft zu demonstrieren: Sein riesiges Schiff, die Scimitar, ist nicht nur ein waffenstarrendes Kriegsschiff, sondern auch ein überdimensionierter Generator für Thalaronemissionen, die das Leben ganzer Planeten auslöschen kann – und die Erde ist sein erstes Ziel...

Lobenswerte Aspekte: Bereits mit der Einführung in dieses letzte Kinoabenteuer der TNG-Crew beginnt der Lesespaß: Autor John Logan plaudert ungezwungen aus dem Nähkästchen über den Entstehungsprozess des Drehbuches. Man baut sofort Sympathien zu dem engagierten Fan auf, der aus den eigenen Reihen stammt.
Das merkt man der eigentlichen Geschichte, die in dieser Form allerdings aus der bearbeitenden Feder der Novellisationsveteranin J.M. Dillard stammt, auch an. Denn die füttert den verwöhnten Fan mit genau der Kost, die ihm am besten mundet: knusprige Hintergrundinfos aus Freilandhaltung!
So wird das Star-Trek-Universum durch ein Kaleidoskop von neuen Namen für bekannte Gesichter bereichert: Angefangen beim romulanischen Prätor Hiren (vgl. S. 25), über den Commander Suran (vgl. S. 52) bis hin zum versterbenden Fähnrich Branson, der gegen Ende des Buches von der warmen Brücke der Enterprise in das kalte Vakuum des Weltalls gesogen wird (vgl. S. 66).
Doch damit nicht genug! Personen wie Hiren (vgl. S. 25f.), Donatra (vgl. S. 51ff.) oder Shinzon (S. 114f.) erhalten einen für die Gesamtseitenzahl erstaunlich detailreichen Background.
Wer nicht die DVD besitzt, in der auch die herausgeschnittenen Szenen als Bonus dargeboten werden, wird außerdem von der Vielfalt an nicht gekannten Szenen überrascht. Ergänzungen wie Wesley Crushers Rückkehr zur Hochzeit (vgl. S. 38), Picards Unterredung mit seinem zukünftigen ersten Offizier (vgl. S. 48ff.) oder die humorvolle Schlussszene um den neuen ersten Offizier Martin Madden (vgl. S. 230ff.) fehlen dem Film sehr und besonders in diesem Buch merkt man, wie wichtig diese und weitere Einblicke für das Gesamtverständnis und den Gesamteindruck eigentlich sind.
Der unbestreitbare Höhepunkt ist jedoch ein Kapitel, das es erst gar nicht bis in den Dreh schaffte und eine Frage tangiert, die ich mir stets stellte:
Was passiert eigentlich mit Worf, nachdem er Riker dazu verhalf, dem remanischen Vizekönig Vkruk zu folgen?
Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich ja schonmal bescheinigen, dass auch der Klingone durchaus Berichtenswertes erlebt und innerhalb dieser Nebengeschichte über sich und sein Weltbild hinauswächst (vgl. S. 194ff.). Worf macht hier nicht zuletzt wegen jener Ereignisse eine gute Figur, was ihm im Film nicht im gleichen Maß gelingen will.
Doch Worf ist nur eine von vielen gut bis sehr gut getrofffenen Figuren. Besonders das parallele Beziehungsgeflecht B4 vs. Data und Picard vs. Shinzon macht in Schriftform mehr her, als in der Leinwanddarstellung, die nur zu oft den Actionsequenzen Vorrang vor den Charakterstudien verlieh. Man merkt ganz besonders in diesem Punkt den diesem Werk eingangs in John Logans Vorwort beschriebenen Perfektionswillen tatsächlich an. Das spiegelt sich letztendlich besonders in der Spezies der Remanern wider.
Logans mutige Eigenkreation lernt dank einfühlsamer Beschreibung der Lebensumstände (vgl. z.B. S. 60ff.) und einer nachvollziehbaren Einbettung in das Romulanische Sternenimperium recht schnell Laufen.
Und doch sind die Remaner mehr, denn sie sind auch ein Gradmesser des Wesens der romulanischen Gesellschaft. In der Art und Weise, wie die Romulaner die Eingeborenen ihrer planetaren Zwillings behandeln, erscheinen sie auch selbst in einem Licht, dass nicht nur vorangegangene Einschätzungen bestätigt, sondern sogar auszubauen vermag.
Der unbestreitbare Höhepunkt des Romans ist jedoch fraglos der Tod Datas (vgl. S. 216f.). Etwas überhastet und losgelöst vom Gesamtkontext erscheint das Ableben des Androiden dort, während er in der Novellisation vergleichsweise passgerechter serviert wird. Auch der Akt selbst ist durch einen fast schon biblisch anmutenden Eindruck erweitert:
Die beiden letzten Personen, denen der blasse Maschinenmensch in die Augen blickt, sehen dort plötzlich genau jene breite Palette an Emotionen, nach der Data beständig trachtete (vgl. S. 208 und S. 215). Sein Leben endet also in einer erfolgreichen Suche und damit klingen versöhnlichere Töne an, die in einem Film nicht in diesem Maße transportiert werden können.
Abgerundet wird dieses Buch durch den Bericht Michael Klastorins, dem Produktionspublizisten des Films (vgl. S. 235ff.). Auch er steuert Anekdotenhaftes, Amüsantes und Internes bei, was dabei hilft, die frisch gewonnenen Eindrücke aus der Handlung um wissenswerte Informationen um die Entstehungsgeschichte zu erweitern. So kann man erfahren, dass Schildkröten für das Aussehen der eingeborenen Bevölkerung von Kolarus III Pate standen (vgl. S. 239), dass die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright das Set besuchte (vgl. S. 241) und dass selbst Tom Hardy unter seiner Maske leiden musste (S. 247ff.).
Wenn man das Buch schließlich viel zu schnell zu Ende gelesen hat, stellt sich ein Gefühl ein, dass dem Film abhanden gekommen ist: Man kann Abschied nehmen und bedauert keineswegs, sich mit dem letzten großen Leinwandabenteuer Picards und seiner Mannschaft beschäftigt zu haben.

Kritikwürdige Aspekte: In einem Vorab-Interview zum Kinofilm ließ Logan verlauten, dass man zu Beginn, auf der Hochzeit des Paares Troi-Riker einen Gorn sehen könne.
Doch Pustekuchen! Das Wesen schaffte es nicht auf Zelluloid! Nicht einmal in die Novellisation, in die so ein grau-grünes Riesenreptil leicht unterzubringen wäre, schrieb der gute Mann irgendeinen Vertreter dieser Spezies hinein!
Gegen Ende des Romans hingege wirkt das letzte Wiederaufgreifen von „Blue Skies“ etwas deplatziert. Natürlich kann man sich so ein Hintertürchen für eine mögliche Fortsetzung offen halten, doch das die Liedzeilen noch ein zweites Mal als Finale an den Buchausgang gekleistert wurden, wirkt schon etwas verzweifelt (vgl. S. 233).
Gleichsam fehl am Platz wirken die zusammenhangslosen Farbfotos im Mittelteil des Buches. Ohne Sinn und Verstand eingefügt merkt man bereits an den ideenlosen Bildunterschriften, dass diese ohnehin schlechten Aufnahmen als unmotiviert beigemengte Zugabe dienen.
Doch diese drei Punkte stellen auch schon das Schlimmste dar, was man von diesem filmbegleitenden Werk sagen muss. Es gibt zwar noch etwas, worüber ich nun schimpfen muss wie ein Rohrspatz, doch daran ist dieses Buch, dass viel eher umgekehrt den Film zum Begleiter haben sollte, vollkommen unschuldig.
Es geht nämlich um die Querverweise zwischen Büchern. So kann man hier lesen, dass der junge Lieutenant Crusher einem Engagement auf der Titan entgegensieht (vgl. S. 38). Nach mittlerweile vier Bänden der Reihe tauchte das Antlitz des TNG-Teeniestars jedoch auf noch keiner Seite auf!
Oder was ist mit Martin Madden, dem neuen ersten Offizier der Enterprise (vgl. S. 230)?
Ein sympathischer Typ mit jeder Menge Potential, doch die TNG-Fortsetzungsromane übergehen den Mann geflissentlich, obwohl J.M. Dillard den entscheidenen Band „Widerstand“ verfasste, in dem Worfs Rolle als XO erst gefestigt wurde! Gerade sie hätte doch eigentlich am besten wissen müssen, dass der rechte, rechte Platz an Picards Seite jemand anderem versprochen ist!
Zudem steht in diesem Buch recht unzweideutig, dass Surans Schiff zerstört wird und der Kampfesgenosse Donatras dabei den Tod findet (vgl. S. 173). In den Titanromanen steht der gute Mann (wenigstens zeitweise) in guter Star-Trek-Manier wie Spock, Kirk oder Tasha Yar plötzlich wieder mit beiden Beinen voll im Leben!
Jetzt könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass es sich bei den nicht in der finalen Filmfassung gelandeten Szenen um Gimmicks für die Hardcore-Fans handeln muss, die für die Autoren keinerlei Bedeutung haben.
Wieder falsch!
Es gibt nämlich reihenweise Vorlagen, die dankbar aufgenommen wurden. Worfs Adoption Spots, der Katze Datas etwa, wird gleich im ersten Titan-Roman „Eine neue Ära“ beschrieben. Dort wird auch Donatras Hintergrund aufgegriffen und selbst im zweiten Band „Der rote König“ tritt die romulanische Ärztin Venora (vgl. S. 220) auf.
Beverly Crushers Gespräch mit Picard (vgl. S. 228) ist ebenfalls in „Tod im Winter“ zu finden und die Namen mehrerer exklusiv hier benannter Personen lassen sich in „Quintessenz“ ausmachen.
Es ist also sehr bedauerlich, dass die Möglichkeiten dieses Werkes nur so sporadisch genutzt werden. Nur die Rosinen aus dem Kuchen zu picken ist nicht nur unfair, sondern auch ein Bruch mit den eigenen Spielregeln. Wer soll denn bitteschön die Kontinuität von Star-Trek-Romanen ernstnehmen, wenn selbst verdiente Autoren wie Dillard, Friedman oder David sie mit Füßen treten?

Photobucket

Ich habe Sie erwartet, Mr. Spot...

Übersetzung: Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts begann der Heyne-Verlag zum Unmut der hiesigen Leserschaft damit, die Publikation deutschsprachiger Romane zu reduzieren, um sie schließlich gänzlich einzustellen.
Dabei ließen sich deutliche Anzeichen des Qualitätszuwachses verzeichnen!
So verzichtet dieses Buch gänzlich auf den abscheulichen Terminus „desaktivieren“, der die Übersetzungen so viele schreckliche Jahre dominierte. Man kann statt dessen auf der Seite 152 sogar die korrekte deutschsprachige Variante des Wortes finden!
Doch bei aller Euphorie blieb dies noch immer in einem gewissen Rahmen. Gewohnheiten ändern sich bekanntlich nicht über Nacht und aus diesem Grunde lassen sich fröhlich unvertraut anmutende Übersetzungen wie „romulanisches Bier“ (S. 40), „Gesellschaftsraum“ (S. 77) oder „Insignienkommunikator“ (S. 131) ausmachen. Daneben stößt man auch immer wieder auf wahre Perlen der Fehlübersetzung wie den „memorialen Download“ (S. 84), den „Strahlblitz“ (S. 141) oder das „Schiffsmanifest“ (S. 223). Mit großer Hartnäckigkeit halten sich zudem die in Filmen und Serien unüblichen „Medo“-Kombinationen (vgl. S. 44 oder S. 131) und das Beharren auf dem englischen Begriff „Starfleet“ (S. 36), obwohl mit dem Wort „Sternenflotte“ ein selbst unter mäßig bewanderten Fernseheulen bekanntes Äquivalent existiert.
Ebenso hätte es nicht geschadet, die Seriennamen „Bewitched“ und „Married with Children“ (beide S. 261) mit „ihren deutschen Titeln „Verliebt in eine Hexe“ und „Eine schrecklich nette Familie“ zu übersetzen, denn schließlich ist so eine deutschsprachige Übersetzung primär dafür angedacht, Erzeugnisse anderer Märkte für den hiesigen zu verändern und dem Leser das Gefühl zu verleihen, das Original gar nicht zu benötigen. Muss man aber erst recherchieren, was mit beiden Titeln gemeint ist, erübrigt sich ein gewisser Teil dieses Denkansatzes bereits.

Anachronismen: Selbst als bekennender Trekkie ist man vor Anachronismen nicht gefeit. So liest sich die Behauptung, dass Datas Emotionsschip seit dem Kontakt zur Borgkönigin in „Der erste Kontakt“ durchgeschmort und irreparabel zerstört worden sei (vgl. S. 86) etwas befremdlich, denn noch im vorangegangenen Kinofilm „Der Aufstand“ versichert Geordi seinem Captain, dass der Androide seinen gefühlserzeugendes Stück Hardware zu Hause gelassen hätte.
Besonders weit aus dem Fenster lehnte sich wohl auch der Praktikant, der die Bildunterschriften zum Farbfotoblock in der Buchmitte verfasste. Dort ist nämlich folgender Satz zu lesen:

Zum ersten Mal in seiner Laufbahn missachtet Data (Brent Spiner) einen ausdrücklichen Befehl.

Das hatte ich anders in Erinnerung, denn abgesehen vom bereits erwähnten neunten Kinofilm zeugen Episoden wie „Die ungleichen Brüder“, „Beweise“ oder „Der Kampf um das klingonische Reich, Teil II“ davon, dass der Robotermann direkte Befehle problemlos mit zumindest ebenbürtigem Gleichmut strafen kann.
Erfrischend widersprüchlich ist im Übrigen die erste Staffel TNG; ganz besonders, wenn man sich noch frühe Episoden wie „Der große Abschied“ ansieht. Picards kindliche Begeisterung für das Holodeck, die er wie ein kleines Kind („Und dann, als ich durchs Fenster auf die Straße blickte, sah ich doch tatsächlich AUTOMOBILE!“) vor seinen Untergeben im Besprechungsraum auslebte, kann man als sehr lebendiges Gegenargument zur Behauptung heranziehen, dass Picard bereits in seiner Kindheit entsprechende Einrichtungen aufsuchte (vgl. S. 144).
Ebenfalls verwirrend sind die unterschiedlichen Deckangaben. Während Picard Lily Sloane im achten Kinofilm noch 24 Decks auf der Enterprise beschrieb, erhöht sich deren Zahl in diesem Roman immerhin auf 29 (vgl. S. 183).
Wenn man den Film noch im Hinterkopf hat, wundert man sich außerdem schnell darüber, dass die schwer beschädigte Scimitar bereits wieder getarnt ist, als Data zur Rettung Picards zum Remanerschiff hinüberhechtet (vgl. S. 209). Nicht nur, dass es weder im Film so zu sehen war, es ist darüber hinaus auch ein klein wenig waghalsig zu riskieren, für immer im freien Raum zu schweben!
Das kniffligste Rätsel jedoch stellten die Bewohner von Kolarus III dem Leser. Geordi LaForge beschreibt die Kultur als „[...] Präwarp-Zivilisation in einer frühen industriellen Entwicklungsphase“ (S. 67). Wenn wir als Vergleichswert die Erde heranziehen und die Eisenbahn als als Indikator für fortschreitende Industrialisierung, so kann man für die frühe Industrialisierung sicherlich großzügig die 150 Jahre zwischen 1825 und 1975 werten, ohne mit den Angaben aus dem Star-Trek-Universum und dem eigenen Empfinden zu brechen. Vielleicht ist mir ja irgendetwas entgangen, doch soweit ich weiß, nutzte die Menschheit in dieser Periode noch keine „Plasmawaffen“ (S. 73).

Photobucket

Frühe Industrialisierung: Cowboys mit Plasma-Colts?

Fazit: Es kommt nicht oft vor, dass die Novellisation eines Kinofilmes lesenswerter ist, als der Film, den das Buch behandelt, sehenswert ist. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass dieses Buch arm an Fehlern, verhältnismäßig gelungen in der Übersetzung und stimmig in den Extras ist.
Doch wenn schon allein der größte Kritikpunkt sein muss, dass andere Werke diesem nicht die verdiente Aufmerksamkeit schenken, dann muss es in der Tat außergewöhnlich sein.
Unter den Bücherversionen der Star-Trek-Kinofilme ist „Nemesis“ jedenfalls bislang das beste, das man kaufen kann und lesen muss.

Denkwürdige Zitate:

Biologie allein macht uns nicht zu dem, was wir sind.
Deanna Troi, S. 100

Mein Leben ist bedeutungslos, solange Sie am Leben sind. Was bin ich, während Sie existieren? Ein Schatten? Ein „Echo?
Shinzon, S. 133

Ich stelle mir vor, Bruce Willis zu sein!
Und ich stelle mir vor, Cybil [sic!] Shepard zu sein.
Patrick Stewart und Brent Spiner, S. 245



Wer sehnt sich nicht auch nach Haupthaar?

Bewertung: Never saw things going so right...

Photobucket

Weiterführende Leseliste:

Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X: Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

Freitag, 4. Dezember 2009

Widerstand

Buchbesprechung Dillard, J.M.: Widerstand. Cross cult, 2007/2009.

Photobucket

Story: Widerstand. Der ist bekanntlich zwecklos, wenn die Borg sich in der von Menschen dominierten Ecke der Galaxie blicken lassen. Dass es diesen Primitivlingen dennoch wieder und wieder gelungen ist, sich erfolgreich gegen die ein oder andere Invasion wehren, stößt so langsam aber sicher auf das Unverständnis der kybernetischen Erzbösewichte, die mit einer Menge Wut im Bauch zurückschlagen und die Menschheit auszuradieren drohen.
Doch davon bekommt kaum jemand Wind. Nur Captain Jean-Luc Picard wird auf seiner USS Enterprise NCC-1701-E hin und wieder von physisch und psychisch belastenden Attacken heimgesucht, in deren Verlauf er praktischerweise detailliert von den Plänen der skrupellosen Maschinenwesen unterrichtet wird.
Doch seine Vorstöße treffen auf taube Ohren in der Sternenflottenspitze. Dummerweise gehören diese auch noch Admiral Janeway, und so beschließt der größte Teil der Crew Picards zusammen mit ihrem Captain einzugreifen, bevor es zu spät und die Erde eine ähnlich beeindruckende Sehenswürdigkeit wie El-Auria ist.
Und tatsächlich bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen, als die Crew einen gigantischen Kubus an genau jener Stelle findet, an der Picard es vorausgesagt hatte. Nun gilt es, dem Schrecken Einhalt zu gebieten, solange es noch möglich ist. Eine schnelle Eingreiftruppe wird jedoch ebenso schnell dem Erdboden gleichgemacht und daher trifft der Captain der Enterprise eine folgenschwere Entscheidung.
Er beschließt, noch einmal in die Rolle seines elektronischen Alter-Egos „Locutus“ zu schlüpfen und selbst dafür zu sorgen, dass die pränatale Borgkönigin niemals das Licht der Welt erblickt. Doch der von persönlichen Gefühlen stark beeinflusste Plan geht völlig in die Hose und den Borg fällt mit Locutus ohne eigenes Zutun ein As in den sprichwörtlichen Ärmel. Picards aktuelle Gespielin Dr. Crusher und der erste Offizier Worf müssen nun gemeinsam auf eigene Faust den Captain und die gesamte Föderation retten...

Lobenswerte Aspekte: Widerstand. Dieses Thema beherrscht diesen Roman, wobei nicht nur der vermeintlich aussichtslose Kampf gegen die übermächtigen Borg gemeint ist, sondern auch die vielen kleinen persönlichen Widerstände, die das Handeln von Figuren wie Worf, Sara Naves oder sogar der Vulkanierin T'Lana stetig bestimmen.
Doch das allein bleibt nicht das einzige Thema des Werkes, denn es geht auch um die zentralen Fragen nach der Motivation des eigenen Handelns und der Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Nicht umsonst ist die Vergangenheit somit ein ständiger Begleiter an Bord der USS Enterprise: Picard verliert sich in Visionen der Borg, T'Lana kämpft mit den Erinnerungen an die Zerstörung ihres früheren Schiffes und Worf zweifelt noch immer an der fragwürdigen Entscheidung, die er in „Wandel des Herzens“ für Jadzia und gegen den cardassianischen Spion Lasaran getroffen hat.
Und wo wir gerade dabei sind: Bei T'Lanas vorherigem Posten, der USS Infatigable, musste ich andauernd an den Song im Monty-Python-Film „Die Ritter der Kokosnuss“ denken! Wie heißt es dort so schön?

In war we're tough and able
quite indefatigable




Was sich gut als Zitat auf der Widmungsplakette des Schiffes vorstellen lässt, erweist sich im Laufe der Seiten rasch als erschreckend unzutreffend und überhaupt lässt sich festhalten, dass die Neuauflage TNGs wie ein Spladderfilm daherkommt. Da wird gesägt (vgl. S. 110), geschmort (vgl. S. 91) und zermatscht (vgl. S. 223f.) – ohne das dem Werk die Seriosität abhanden kommt.
Und wie immer, wenn die Borg mit von der Partie sind, kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Was ab der dritten Staffel Voyager, der ENT-Episode „Regeneration“ und diversen Büchern wie etwa „Vendetta“ oder „Die Rückkehr“ schon zieht, verliert auch hier seinen Wirkung nicht und macht es dem Leser schwer, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen.
Neben vielen Referenzen auf die TNG-Filme (vgl. S. 5ff. oder S. 48) finden natürlich auch TNG Folgen wie „Wem gehört Data?“ (vgl. S. 23), „In den Händen der Borg“ (S. 94f.) oder „Angriffsziel Erde“ ihren festen Platz in der Erzählung. Dass daneben auch, wie bereits erwähnt, Querverweise auf DS9 und Voyager („Endspiel“, vgl. S. 33) Aufnahme finden, macht Sinn, wenn man sich den größeren Zusammenhang vor Augen führt: Worf diente ja eine Zeit lang in einer anderen Serie fremd und die Borg sind DAS zentrale Thema bei Voyager gewesen.
In diesem Zusammenhang ist es besonders angenehm, das vermeintliche innere Widersprüche der Star-Trek-Geschichte aufgelöst werden, denn eben jene Borg wurden von Q in der Episode „Zeitsprung mit Q“ noch mit der für ein allmächtiges Wesen unanzweifelbaren Bemerkung „Das ist doch richtig interessant! Das Wesen ist geschlechtslos. So etwas haben sie noch niemals gesehen. Dieses Wesen ist ihnen weit überlegen!“ angepriesen. Bei Voyager und dem Kinofilm „Der erste Kontakt“ sah das plötzlich anders aus: Die Borg-Königin und nicht zuletzt Seven of Nine bewiesen dem Zuschauer, dass sich selbst ein omnipotentes Wesen wie Q irren kann. Oder etwa doch nicht? "Widerstand" bietet einen Erklärungsansatz (vgl. z.B. S. 152) – zumindest teilweise.

Kritikwürdige Aspekte: Widerstand. Bei diesem Wort denke ich ganz automatisch an das französische Äquivalent: la résistance. Gut, bei einem französischsprachigen Captain und der Bedrohung durch die Borg kann man da, wenn man denn unbedingt möchte, durchaus Parallelen ziehen. Ich für meinen Teil hatte da so meine Probleme.
Probleme zum Beispiel mit der Grundfrage der Loyalität, die sich in diesem Buch vehement stellt. Wenn man nun mal spaßensweise dieses Fremdwort durch die deutsche Entsprechung „Treue“ ersetzt, versteht der deutsche Leser schnell die bedrückende Brisanz, die im Falle des impulsiven Brückenoffiziers Sara Nave sogar bis in den Tod reicht (vgl. 'Denkwürdige Zitate'). Also wenn entsprechender Gehorsam bis ins eigene Ableben eine Grundaussage dieses Buches ist, möchte ich an dieser Stelle wenigstens mahnend den Zeigefinger heben und zu Protokoll geben, dass ich diese Moral als nicht angebracht empfinde und dass Star Trek mir im Laufe der Jahre ein absolut gegensätzliches Bewusstsein eingeimpft hat.
Doch die vielen Filme und Serien dieser Reihe widersprechen sich ja selbst oft genug. Die große Masse an Folgen, Szenen und Informationen ist längst zu einer Datenflut geworden, bei der man schnell den Überblick verlieren kann.
Dieser Hoffnung muss sich auch die Autorin Jeanne Kalogridis, a.k.a. J.M. Dillard, hingegeben haben, denn die einzelnen Storyelemente sind nichts weiter als ein Stückwerk aus alten Kamellen. Schon auf den ersten Seiten beginnt dieses Aufwärmen von Star-Trek-Vortagseintopf. Hier kann man nämlich den Albtraum, den Picard zu Beginn des achten Kinofilm hat, noch einmal miterleben (vgl. S. 5ff.). An sich kein Wunder; schließlich hat Dillard ja auch den dazugehörigen Roman zum Film verfasst und wahrscheinlich ähneln sich beide Geschichten deshalb so sehr. Aber damit nicht genug!
Genauso wie im Film wird die Erde wieder einmal von den ach so bösen Borg bedroht, die Admiralität stellt Picards Zuverlässigkeit in Abrede und die Mannschaft pfeift auf die Befehle des Sternenflottenkommandos, um den Tag zu retten. Die Vulkanierin T'Lana bekommt dabei den undankbaren Part der Lily Sloane zugeschanzt.
Dazu wird der Braten mit jeweils einer Prise „In den Händen der Borg“ und „Angriffsziel Erde“ gewürzt – und fertig! Kein sehr originelles Produkt, aber immerhin Hausmannskost.
Als ob in Serien und Filmen zu klauen noch nicht genug ist, bedient sich Dillard auch noch kräftig in der Titan-Schublade. Ähnlich wie in der eigenständigen Bücherserie um den frisch gekürten Captain Riker lassen sich hier Vulkanier finden, die ihre Gefühle nicht unter Kontrolle haben, Sicherheitsoffiziere, die von den Borg traumatisiert wurden und mal ehrlich – Nave ist von Christine Vale kaum auseinanderzuhalten!
Ergänzt wird dieses Bild dann noch durch das wiederholte Auftreten eines Vulkaniers. Nach Spock in TOS, Tuvok in Voyager, T'Pol in Enterprise oder T'Prynn in Vanguard erschöpft sich dieses Motiv allmählich und verliert so langsam aber sicher seinen exotischen Reiz.
Doch auch der Verlauf und die plötzlichen Wendungen, die das Buch nimmt, sind nicht sehr kreativ. Tarntechnologie als vom Himmel fallendes Allheilmittel (vgl. S. 202ff.) und eine Enterprise-E, die ebenfalls die Untertassensektion abkoppeln kann (vgl. S. 189) – das ist alles schon mal da gewesen und wirkt zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Vor großen Überraschungen ist der Leser ohnehin schon aus dem Grund sicher, weil er weiß, dass Hauptcharaktere wie Picard, Crusher oder Worf ohnehin nicht sterben werden – schließlich tragen sie ja das Interesse des geneigten Lesers. Daher macht sich Dillard die Mühe, sympathische Nebencharaktere hochzupäppeln, ihnen ebenfalls eine Beziehung anzuheften und sie dann, quasi als so eine Art Stellvertretertod, in sinnloser Weise abzumurksen. Die Radikalität daran findet ja mein Wohlwollen und auch die Idee an sich ist nicht schlecht – doch auch dieses Prinzip erschöpft sich langsam, da bereits im „Offenbarung, Buch 1“ der selbe Winkelzug genutzt wurde.
Es zeigt sich also eine deutlich klaffende Lücke zwischen den Novellisationen, die Dillard sonst so vortrefflich zu schreiben versteht, und einem eigenen Buch: Im zweiten Fall ist plumpes Abschreiben von Gesehenem weitaus weniger lesenswert.

Photobucket

Locutus - schon tausend mal gesehen

Übersetzung: Wiederstand. Diese Schreibweise findet man gelegentlich bei der deutschsprachigen Version von Memory-Alpha, aber auf keiner Seite dieses Buches. Es hält sich mit schweren Rechtschreibfehlern zurück, und nur gelegentlich lassen sich hier (vgl. S. 196, vergessenes Fragezeichen) und dort (S. 20, vergessener Punkt) einige Zeichenfehler finden. Gut, statt „Medikit“ (S. 208) und „Hive-bewusstsein (S. 125) wären 'Medkit' und 'Hive-Bewusstsein' angebrachter gewesen, doch darüber kann man hinwegsehen, zumal diese Schreibenweisen mit einer gewissen Komsequenz weitergeführt wurden.
Einzig die grausige Formulierung „[...] zur Akzeptanz von deren Lebensweise […] (S. 31) ließ das Rückenmark kräuseln und widersprach einem gesunden grammatischen Verständnis der deutschen Sprache.

Anachronismen: Widerstand. Der regt sich in jedem, der halbwegs aufmerksam „Angriffsziel Erde“, den Auftakt der vierten TNG Staffel gesehen hat, und nun ab S. 261 miterleben muss, wie Dr. Crusher Picard erst einmal erzählen muss, was überhaupt passiert ist, während Picard zu Locutus geworden ist.
Gegen Ende der angesprochenen Folge ist nämlich, im Gegensatz dazu, noch folgender Dialog zu hören:

Riker: An was erinnern Sie sich, Captain?
Picard: Ich glaube, an alles...

Damit wäre Picard im Vorteil, denn nicht jeder Star Trek Autor kann sich an alles erinnern. Selbst J.M. Dillard nicht. Ganz besonders traurig fand ich in diesem Zusammenhang, dass sie dem Leser ihres Romans Martin Madden unterschlägt. Gut, mit diesem Namen kann vielleicht nicht jeder gleich etwas anfangen:
In den herausgeschnittenen Szenen aus „Nemesis“ kann man diesen neuen ersten Offizier sehen, wie er auf der Enterprise vorstellig wird. Die humoreske Szene, eigentlich als Abschluss des Filmes gedacht, wurde jedoch leider mit einigen anderen wegrationalisiert, so dass dem letztendlichen Film viel Witz, Handlung und Schlüssigkeit verloren gingen. In der Novellisation zum Film ist diese Szene enthalten (vgl. Dillard, J.M: Nemesis. Heyne, 2002, S. 230ff.) und es stellt sich mir schon die Frage, warum Dillard, die davon ja nun nachgewiesenermaßen weiß, keine Anstalten machte, ihn in die neue Romanserie miteinzubringen.
Gerade dieser Charakter hätte die Crew jedoch ungemein bereichern können und Worf zum ersten Offizier zu machen, anstatt auf diesen sympathischen Neuling zurückzugreifen, ist eine der traurigerweise vergebenen Chancen des Buches.
Dabei scheint es kurz so, als beziehe sich die Autorin auf genau diese Szene, denn auf Seite 228 nennt die neue Nummer eins, Worf, seinen Vorgesetzten ebenfalls „Jean-Luc“. Dieser fehlende Abstand kann aber auch ein genauso unnötiges Versehen sein, wie das auf S. 59. Dort nennt Picard, der nach eigener Aussagen Seven of Nine nie begegnet ist (vgl. S. 54), die deassimilierte junge Frau bei ihrem Kosenamen „Seven“.
Doch dies sei eher am Rande bemerkt, denn viel haarsträubender mutet an, dass Worf dem kommandierenden Offizier der bald abgetrennten Untertassensektion befiehlt, Kurs auf die Flotte zu nehmen, sobald der Einsatz fehlzuschlagen droht (vgl. 203f.). Und die aufmüpfige T'Lana ist technikunversierter Counselor genug, um nicht gegen diesen Befehl zu protestieren! Wie bitte schön soll denn eine auf sich allein gestellte Untertassensektion auf Warp beschleunigen, ohne einen entsprechenden Antrieb aufzuweisen? Egal wie, im TNG-Piloten „Der Mächtige/ Mission Farpoint“ hat es dieser innere Logikfehler immerhin auf Zelluloid geschafft.
Schließlich bleibt es mir, der ich schon seit viel zu vielen Jahren nebenbei als Kellner in einer Cocktailbar arbeite, noch festzuhalten, dass der ja schon im „Per Anhalter durch die Galaxis“ so vielgerühmte Gin Tonic nicht, wie fälschlicherweise behauptet, zu den Cocktails (vgl. S. 107), sondern zu den Longdrinks zählt.

Photobucket

Behind the deleted scenes - meeting Martin Madden

Fazit: 'Widerstand' ist ein spannendes Buch, das einen alten und längst totgeglaubten Erzfeind der Föderation ausgräbt und ihn neu inszeniert. Dabei geht es nicht nur um den Widerstand gegen die Maschinenwesen, sondern auch um das Überwinden eigener Restriktionen und der Akzeptanz persönlicher Entscheidungen. Trotz des hohen Blutverlustes der einzelnen Figuren bleibt das Buch dabei seriös und dass sich so wenige Fehler darin finden lassen, ist wirklich überaus angenehm.
Das große Manko liegt in der fehlenden Kreativität, denn die Geschichte ist so eine Art Patchwork aus verschiedenen Filmen, Folgen und Büchern. Dass schließlich Commander Martin Madden unter den Teppich gekehrt wurde, war besonders bedauerlich. Wer jedoch auf Originalität weniger wert legt als auf Spannung, ist mit diesem Roman sicherlich gut bedient.

Denkwürdige Zitate:

Nein! Nicht noch einmal. Nicht noch einmal!“ Picard, S. 7

Nicht noch einmal, nicht noch einmal.“ Picard, S. 171

Was für eine Logik liegt denn im Verrat an den eigenen Freunden und Mannschaftskameraden, nur um die eigene Haut zu retten? Wenn das Logik ist, dann zur Hölle damit.“ Sara Nave, S. 188

Bewertung: Spannend, aber nicht kreativ.

Photobucket

TNG 01: Tod im Winter
TNG 02: Widerstand
TNG 03: Quintessenz
TNG 04: Heldentod
TNG 05: Mehr als die Summe
Destiny 01: Götter der Nacht
Destiny 02: Gewöhnliche Sterbliche
Destiny 03: Verlorene Seelen
TNG 06: Den Frieden verlieren

Sonntag, 25. Oktober 2009

Generationen

Diese Rezension ist meinem Jugendfreund Stojan gewidmet, der heute 30 geworden ist.

Buchbesprechung Dillard, J.M.: Generationen. Heyne, 1994/1995.

Photobucket

Story: Wehmut ergreift Captain Kirk, als er die Sachen packt um seine geliebte USS Enterprise NCC-1701-A zu verlassen. Das Altenteil winkt und wer weiß, vielleicht beginnt ein neues Leben an der Seite seiner verflossenen Liebe Dr. Carol Marcus. Er nimmt Abschied von seinen alten Kameraden Spock und McCoy und geht schließlich auf die letzte Party an Bord seines Schiffes.
Wenig später findet sich Kirk auf der Jungfernfahrt der USS Enterprise NCC-1701-B wieder und reicht schweren Herzens der Staffelstab symbolisch an eine neue und jüngere Generation weiter. Doch er ist bei Weitem nicht mit sich im Reinen seit er den Dienst quittierte und einsehen musste, dass eine Heirat mit Carol niemals funktionieren würde. Außerdem fehlen ihm zum einen die alten Freunde, während sich zum anderen seine gesamte Existenz seit seiner Pensionierung sinnentleert anfühlt. Durch einen plötzlichen Notfall ergibt sich für Kirk jedoch die Chance, wieder in vertraute Verhaltensmuster zurückzufallen und dem revitalisierenden Nervenkitzel des Raumschiffskommandos zu frönen.
Doch gerade noch rechtzeitig besinnt sich der alte Haudegen und tritt ins zweite Glied zurück – eine noble, doch verhängnisvolle Entscheidung, denn sie markiert den historischen Tag des Ablebens der Sternenflottenlegende.
So sehen es die Geschichtsbücher der Föderation, doch das Universum hat andere Pläne mit dem Mann, der den Tod ein ums andere Mal ein Schnippchen geschlagen hat. Er findet sich, statt in Himmel oder Hölle zu landen, in einem temporalen Verzerrungsband, dem so genannten Nexus wieder, das auf dem ersten Blick ein Paradies zu sein scheint: Hier, wo Zeit keine Rolle spielt, ist Kirk in der Lage, alle fragwürdigen Entscheidungen seines Lebens zu revidieren und seiner zuletzt so bedeutungslosen Existenz neuen Glanz einzuhauchen.
Doch plötzlich erscheint ein Unbekannter aus dem realen Universum in dieser Traumwelt und macht Kirk klar, dass diese schöne neue Welt nur auf Trug und Schein basiert, und einem Mann wie ihm niemals Erfüllung bieten kann.
Als Kirk einsieht, dass dieser Fremde, der sich ihm als „[…] Jean-Luc Picard, Kommandant der Enterprise“ (S. 215) vorstellt, Recht hat, begleitet er ihn in dessen Realität, um im 24. Jahrhundert einen wahnsinnigen Wissenschaftler davon abzuhalten, Millionen von unschuldigen Leben für den Übergang in den Nexus zu opfern…

Lobenswerte Aspekte: Novellisationen von Star-Trek-Kinofilmen verwöhnen die Fans, denn meist haben sie inhaltlich mehr zu bieten, als die filmische Umsetzung selbst.
Dies beginnt hier bereits bei den vielen Referenzen, die so im Film nicht zu hören oder zu sehen sind. So wird, mehr oder weniger offen, auf TOS-Episoden wie „Die Reise nach Eden“ (vgl. S. 19), „Das Spinnennetz“ (vgl. S. 61) oder „Die Spitze des Eisbergs“ (vgl. S. 210) referiert.
Während im siebenten Star-Trek-Film der Vorgänger vor allem dadurch bedacht wird, dass die Explosion des klingonischen Bird of Preys haargenau die selbe wie im sechsten Kinofilm ist, bügelt das Buch fehlerhafte Darstellungen des Filmes eher aus, in dem zum Beispiel, in krassem Gegensatz zur entsprechenden Filmszene, klingonisches Blut als „violett“ (S. 124) beschrieben wird.
Mit der Erwähnung von McCoys Tochter (vgl. S. 17) ergeben sich gleich zwei Möglichkeiten. Einerseits kann es auf eine kurze Nebenbemerkung aus der TAS-Episode „Der Überlebende“ verweisen, andererseits aber auch auf das gleichnamige Buch aus der Feder Howard Weinsteins.
Daneben gibt es auch Verweise auf vorangegangene Novellisationen, die spezielle Informationen aufgreifen, die der findige Leser nur aus den Romanablegern des ersten (vgl. S. 9) und sechsten (vgl. S. 12) Films kennen kann, doch selbst der Otto-Normalverbraucher, der lediglich die Kinofilme kennt, kann sich auf ein Wiedersehen mit altbekannten Figuren freuen.
In diesem Punkt liegt auch der ausgesprochene Vorteil einer solchen schriftlichen Adaption, denn die Vielzahl an Personen, die dieses Buch so ungemein bereichern, wie etwa Dr. Carol Marcus (vgl. S. 10ff.), Uhura (vgl. S. 10), Sulu (vgl. S. 63ff.), Spock (S. 15) oder McCoy (S. 14ff.), konnten im Film niemals auf die gleiche Art und Weise untergebracht werden, denn abgesehen davon, dass wichtige Akteure wie Leonard Nimoy oder DeForest Kelley nicht an diesem Projekt mitwirken wollten, wäre der Miteinbezug eines jeden von ihnen rahmensprengend gewesen und hätte zu einer mehr als epischen Filmlänge geführt.
Aus genau diesem Grund sind in diesem Buch auch so viele Szenen zu finden, die es nicht in den Dreh geschafft haben. Zu diesen Einstellungen gehören der Abschied von der Enterprise A (vgl. S. 8ff.), Sorans Erlebnisse an Bord der Lakul (vgl. S. 43ff.), die Einblicke in den Kommandoalltag Captain Sulus (vgl. S. 63ff.), Spocks und McCoys Wiedersehen bei der ‚Bestattung’ Kirks (vgl. S. 71ff.), Datas Versuch, saurianischen Brandy zu kosten (vgl. S. 104f.), die Analyse der romulanischen Trikorderdaten im Maschinenraum (vgl. S. 106f.), Geordis Schicksal nach der Abtrennung der Kampfsektion (vgl. S. 181ff.), Kirks erste Nexuserlebnisse (vgl. S. 207ff.) und das zweite Gespräch zwischen Guinan und Picard (vgl. S. 237ff.).
Dazu kommen noch die viele Szenen, die zwar zu sehen waren, aber ausführlicher gestaltet sind. Erst im Zusammenspiel mit diesem Wissen erschließen sich viele Bemerkungen aus dem Film, und Sätze wie „Die Uhr! Diese Uhr habe ich Pille geschenkt!“ ergeben nach der Lektüre dieses Buches plötzlich einen tieferen Sinn.
Daneben werden auch noch brennende Fragen geklärt:
Warum beendete jemand wie Scotty seinen aktiven Dienst? (vgl. S. 9)
Warum explodiert ein robuster klingonischer Bird of Prey bereits nach einem lumpigen Photonentorpedotreffer? (vgl. S. 171)
Wie heißen die vielen kleinen Picards, denen Jean-Luc im Nexus begegnet? (S. 197ff.)
Allein der Namenswelt wurde ein größerer Spielraum zuteil als im Film, in dem zum Beispiel B’Etors Name kein einziges Mal fällt.* Hier ist dieser immerhin 47 (!) mal zu lesen, und auch die Namen der Familienangehörigen Sorans (vgl. S. 43), Teilen der Besatzung der Excelsior (vgl. S. 65ff.) oder der USS Enterprise NCC-1701-D (vgl. S. 88 und S. 123) oder des klingonischen Navigators (vgl. S. 160) kann man hier erfahren.
Geradezu genial war auch die Idee, den Nexus für die außergewöhnlichen Fähigkeiten Guinans in Folgen wie „Die alte Enterprise“ oder „Zeitsprung mit Q“ verantwortlich zu machen, denn dadurch wird der eher blasse Auftritt des dritten El-Aurianers Martus Mazur in der DS9-Episode „Rivalen“ gerechtfertigt – schließlich kann nicht jeder Angehörige dieser Spezies gleich auf Anhieb den allmächtigen Q in die Schranken weisen!
Wenn man jedoch einmal von diesen eher formalen Aspekten absieht, muss man diesem Roman zugestehen, dass er ein ungleich ‚runderes’ Bild abliefert, als der in der allgemeinen Kritik eher als ‚mittelmäßig’ angesehene Film. Die üppigere Handlung wirkt trotz der Aufstockung in sich geschlossen und gut aufeinander abgestimmt, wie man etwa an den Zwillingsszenen sehen kann, in denen jeweils die USS Excelsior (vgl. S. 66ff.) und die USS Enterprise (vgl. S. 174ff.) ihre Untertassensektion abtrennen. Ist es im einen Fall trotz der dramatischen Schilderung eine Übung (vgl. S. 70), so wird im anderen tödlicher Ernst daraus.
Auch der Abschied von Kirk ist viel, viel bewegender geschildert, weil hier dem 'Triumvirat' aus Kirk, Pille und Spock ein wirklicher Abschied ermöglicht wird, den es im Film nicht geben konnte und erst durch die zusätzlichen Szenen, Informationen und Handlungsträger gelingt es der Autorin Dillard, die zentralen Motive 'Zeit', 'Vergänglichkeit' und 'Umgang mit dem Tod' angemessen zu thematisieren, und wie ein Bogen spannen sich entsprechende Bemerkungen, Gedanken und Dialoge über alle zeitlichen Differenzen hinweg über die Geschichte.
Endlich ist es möglich, die einzelnen Motivationen der verschieden Figuren konkret nachzuvollziehen, denn diese sind schlüssig herausgearbeitet:
So wird der Zusammenbruch der Welt Kirks ebenso drastisch geschildert wie die Besessenheit Sorans oder die tiefe Trauer Picards um seine Familienangehörigen. Ihrem Handeln wird damit ein Muster zugrunde gelegt, das nicht nur zum Hinterfragen einlädt, sondern auch einer fantasielosen Einteilung in ‚gut’ oder ‚böse’ umgehend einen Riegel vorschiebt.
Nicht unerwähnt sollte die umfangreiche Ausstattung des Romans bleiben. Neben einem Farbfototeil in der Buchmitte, der sogar ein Bild aus einer Szene zeigt, die aus der Kinofilmfassung entfernt wurde, gibt es noch einen 38-seitigen Anhang zur Konzeptions- und Drehgeschichte des siebenten Kinofilms. Hier wird eine Menge an Informationen zum Generationswechsel bei den Star-Trek-Filmen geboten: interessante Fotos, detaillierte Skizzen und spannende Entwürfe gewähren Einblicke, die einem Making-Of sehr nahe kommen. Außerdem kann sich der möglicherweise schockierte Leser von Rick Berman erklären lassen, warum Kirk einfach sterben 'musste' (vgl. S. 252ff.)…

Photobucket

Antike Uhren: Geschenke mit Sinn

Kritikwürdige Aspekte: Wenn man das Buch so liest, und den Film noch deutlich vor dem inneren Auge hat, so fallen schnell einige Unterschiede auf: kleinere Abweichungen (vgl. S. 166f.) und seltsam unbekannt wirkende Handlungsorte (vgl. S. 153). Die größten Unvereinbarkeiten lassen sich im Finale finden, und es ist schon erstaunlich, wenn man dort davon liest, dass Soran Kirk erschießt, um anschließend von Picard niedergestreckt zu werden.
Manch einer mag sich darüber wundern und sich daran erinnern, dass Kirk doch in die Tiefe stürzte! Das aber ist nur die halbe Wahrheit.
Denn tatsächlich wurde das Ende genau so gedreht, wie es im Buch geschildert wurde, und erst, nachdem einige Probevorführungen diesem Finale harsche Kritik einbrachten, beschlossen die Produzenten, das Ende zu überarbeiten und noch einmal abzudrehen. Das Ergebnis dieses Zusatzaufwandes ist der Filmabschluss, den wir heute kennen.
Somit ist das hier geschilderte Finale jedoch eine überaus interessante Quelle für dieses alternative Ende und damit lohnt es sich eigentlich gar nicht, es in die kritikwürdigen Aspekte zu mischen.
Sagte ich „eigentlich“? Ach ja, ein schwerwiegendes Problem gibt es natürlich schon. Tatsächlich ist dieses Ende zu abstrus und zu abrupt, so dass die überarbeitete Version tatsächlich diesem grauenhaften Schluss vorzuziehen ist…
Als besonders merkwürdig empfand ich auch die zusätzliche Szene, in der Kirks erste Nexuserlebnisse geschildert werden (vgl. S. 207ff.). Hier wird nämlich behauptet, dass Kirk bereits erkannt hat, dass dieses Nexus nichts weiter als eine Illusion ist (vgl. S. 211).
Obwohl sich diese Vorstellung auf den ersten Blick vielleicht logisch anhören mag, schmälert sie auf den zweiten Picards Verdienst, seinerseits Kirk davon überzeugt zu haben und die gesamte Szene, in der beide Generationen aufeinandertreffen, verliert dadurch ungemein an Reiz.
Doch diese Szene beweist noch etwas anderes: Die zusätzlichen Handlungselemente, in denen TOS-Charaktere näher beleuchtet werden, übertreffen in ihrer Tiefe und Relevanz bei weitem jene, in denen Figuren aus TNG im Mittelpunkt stehen. Dieses wird zwar durch die eigentliche Zentrierung auf TNG im Film wieder relativiert, doch man kann schnell den Eindruck gewinnen, dass Dillard, die hauptsächlich TOS-Romane schrieb, hier die Gewichtung nach Vorliebe verteilte.
Im gleichen Atemzug kann man auch Leonard Nimoy gut verstehen, der ein Engagement im Film ausschlug, und dies unter anderem tat, weil ihm der Identifikationsgehalt bei der Figur Spock fehlte. Bei aller Aufmerksamkeit, die TOS sicherlich zuteil wurde, wirkt Spock außergewöhnlich sentimental und einfühlsam (vgl. S. 71ff.), und selbst wenn dies im Hinblick auf den Tod des besten Freundes irgendwo nachvollziehbar gewesen wäre, kann ich Nimoys Skepsis verstehen.
Skepsis löst dieses Werk auch beim Leser von Büchern wie „Sarek“ oder „Die Asche von Eden“ aus, denn von der Weiterverwendung der Enterprise oder gar ihrer Zerstörung ist hier nicht die Rede. Sogar die Weigerung Spocks, das Ableben des alten Weggefährten zu akzeptieren, wie es für Romane aus der Feder William Shatners, wie etwa „Der Rächer“ oder „Die Rückkehr“ so zentral ist, wird in Abrede gestellt, denn auf Seite 73 ist es Spock, der dem trauernden McCoy eindringlich folgendes versichert: "Er ist tot. Ob wir es glauben oder nicht.".
Bei aller Freude über die Extraausstattung dieses Buches ist der letzte Teil erschreckend einseitig und nichts weiter als propagandagleiche Selbstbeweihräucherung. Nirgendwo wird auch mal ein kritisches Wörtchen fallengelassen und an keiner Stelle werden verschiedene Standpunkte eingenommen. Es handelt sich eher um eine Rechtfertigung, und auch wenn Berman seine Entscheidung, Kirk Am Ende sterben zu lassen, hier noch tapfer verteidigt, wirken gegenteilige Äußerungen aus jüngerer Zeit, wie etwa die des damaligen Co-Autoren Ronald D. Moore, ehrlicher als die entsprechenden Absätze in diesem Werk.



Die schlechte Qualität spricht Bände: Eine der schlecht erhaltenen Kopien des alternativen Endes, wie sie auf Videoplattformen wie Youtube im Umlauf sind

Übersetzung: Als ich dieses Buch das erste Mal las, dauerte es noch knapp einen Monat, bevor der Film bei uns im Provinzkino anlief. Damals hatte ich das Buch innerhalb eines Tages nahezu verschlungen und als ich schließlich zum ersten Mal das Kinoplakat sah, wunderte ich es mich sehr, dass der Titel plötzlich um den Vorsatz „Treffen der“ ergänzt wurde!
Erst im Laufe der Jahre verstand ich, dass das Buch nicht an die Synchronisation und Titelvergabe des Kinofilms gekoppelt war und dass die Übersetzung bei Heyne mit den gängigen Bezeichnungen der Serie nicht konform lief.
So mutet es auch kaum verwunderlich an, dass man hier vom „Intervaller der dritten Kategorie“ (S. 89) statt vom ‚Disruptor vom Typ 3’, der „Galaxis-Klasse“ (S. 145) statt der ‚Galaxy-Klasse’, „Starfleet“ (S. 19) statt der ‚Sternenflotte’, dem „Gesellschaftsraum im zehnten Vorderdeck“ (S.97) statt ‚Zehn Vorne’, „dem Diskussegment“ (S. 174) statt der ‚Untertassensektion’ oder dem „Insignienkommunikator“ (S. 105) statt dem ‚Kommunikator’ spricht.
Verwirrender Höhepunkt ist dabei sicherlich der ‚Emotionschip’, der im Verlaufe des Romans „emotionaler Prozessor (S. 94) und schließlich sogar, ganz im Sinne der Heyne’schen Abkürzungstradition, als „Emo-Chip“ (S. 95) bezeichnet wird. Mal ganz abgesehen davon, dass dieses Add-On für Androiden durch die heutige Bedeutung des Wortes eine unfreiwillig komische Nuance erhielt, trug der verstorbene Sohn Sorans verwirrenderweise ebenfalls den Namen „Emo“ (S. 105).

Photobucket

Der kleine Soran: Ein gewalttätiger Emo?

Doch „Emo- bleibt nicht der einzige Präfix, den es so nur bei Heyne gibt. Ergänzt wird die Liste nämlich auch noch durch Kombinationen mit „Erg- (vgl. S. 166) und „Medo-“ (vgl. S. 40, S. 49 oder S. 90), die so im Film ebenfalls nicht zu hören sind.
Weitere Unregelmäßigkeiten folgen diesen etablierten Fehlern: Auf der Seite 147 verwechselte der Übersetzer Andreas Brandhorstwie“ mit ‚als’ und auf der Seite 190 das Verb ‚jubilieren’ mit ‚jubeln’ und auch stilistisch liegt im Roman einiges im Argen:
Egal ob merkwürdige Formulierungen wie „Airwagen“ (S. 153) und „Seeschiff (S. 55), oder fragwürdige Übersetzungen wie „Annihilation“ (S. 107) und „die Counselor“ (S. 185, S. 187, S. 192, S 192 und S. 233) – das Werk ist beileibe kein sonderlich gut übersetztes. Spätestens, wenn man anstelle der ‚Defiant’ von der „Reliant“ (S. 71) lesen muss, wird dies unmissverständlich klar.
Tragischer Höhepunkt ist dabei die Verwendung des Verbs "desaktivieren", das hier wahrlich extensiv in allen möglichen Variationen verramscht wird (vgl. S. 40, S. 85, S. 95, S. 123, S. 138, S. 147 und S. 229) und das in keinem Wörterbuch zu finden ist. Im Gegensatz zur korrekten Form "Deaktivierung" (S. 138), die sich allen unkorrekten Nennungen zum Trotz ebenfalls mitten in dieses Buch gestreut wurde! Wenn sich aber schon der fehlerhafte Gebrauch eines solchen Wortes bei einem Verlag eingebürgert hat, so sollte man doch wenigstens erwarten können, dass diese Formulierung konsequent übernommen wird, so dass man eine Absicht dahinter vermuten könnte!
Dass hingegen die Dialoge des Buches von denen des Films abweichen, ist wie gesagt verständlich. Dennoch mangelt es an einem gewissen Wiedererkennungswert, wenn man bekannte Sätze in abweichender Form liest (vgl. S. 33 oder S. 99) oder Kirks Hund nicht mehr 'Butler', sondern wie der Sohn Benjamin Siskos heißt (vgl. S. 216), und die vielen hausgemachten Fehler wirken besonders in diesem Vergleich erschreckend unpassend.

Anachronismen: Natürlich ist dieses Buch, das mitten in der Hochzeit Star Treks entstand, nicht vor Anachronismen gefeit. Doch die meisten von ihnen sind hausgemacht und hätten durch eine gründliche Recherche vermieden werden können.
So widersprechen sich Zeitangaben innerhalb des Buches: Gleich auf Seite 19 verweist der erste Satz darauf, dass dieses Kapitel ein Jahr nach dem vorherigen spielen würde. Da dieses im Jahr 2293 angesiedelt ist (vgl. S. 7), müsste die USS Enterprise NCC-1701-B im Jahr 2294 vom Stapel laufen. In diesem Jahr verschwindet jedoch Scotty laut „Besuch von der alten Enterprise“ bereits mit der Jenolan, und aus diesem Grund entschieden sich die Produzenten dafür, die Handlung im Jahr 2293 zu belassen.
Aber auch einige Angaben zu Personen aus dem 24. Jahrhundert stimmen nicht. So ist Geordi LaForge längst kein Lieutenant mehr (vgl. S. 122) und der gute alte Worf kann nicht zwölf Jahre auf der USS Enterprise NCC 1701-D gedient haben (vgl. S. 79), wenn diese insgesamt nur sieben Jahre existierte.
Daneben gibt es wieder einmal einen Beleg für die längst überholte Geldwirtschaft (vgl. S. 19) und dass die Untertassensektion der USS Excelsior Warpgeschwindigkeit aufnehmen kann, ohne an die Maschinensektion gekoppelt zu sein, ist eigentlich nicht möglich (vgl. S. 66). Doch wer weiß, vielleicht war dies eine Anspielung auf den TNG-Piloten „Der Mächtige/ Mission Farpoint“, in der der Enterprise das gleiche Kunststück gelang.
Ebenfalls mit dieser Folge ist auch ein Anachronismus verbunden, der mich stets im gleichen Maß auch am Film störte: Wie kann Geordi Riker damals einen Witz über die Ferengi erzählt haben (vgl. S. 108f.), wenn der Erstkontakt mit dieser Spezies erst in „Der Wächter“, also einige Folgen später, hergestellt wurde?
Im Endeffekt entstand insgesamt nur einziger unfreiwilliger Anachronismus. Dmitri Valtane, der in der Voyager-Folge „Tuvoks Flashback“ nochmals auftritt, wird hier fälschlicherweise mit dem Namen „Masoud“ (S. 64) bedacht. Doch ein sonderlich großes Einfühlungsvermögen bei Nachnamen kann man der Autorin, die einen Mannschaftskameraden Valtanes Djugaschwili nennt (vgl. S. 65) ohnehin nicht unbedingt zuschreiben…

Fazit: Die Novellisation zum Kinofilm „Treffen der Generationen“ bietet dem Leser viel mehr, als der Film überhaupt zu zeigen in der Lage ist. Extraszenen, Extra-Starauftritte und Extrainformationen werden zusätzlich auch noch mit einer umfassenderen Handlung gekoppelt, die das Potential der Drehbuchvorlage weitaus besser nutzt und den Abschied von Kirk um Längen liebevoller gestaltet.
Die Abstriche hingegen liegen im überstürzten Schluss, der das nicht zu Unrecht neu gedrehte Filmende völlig anders beschreibt und in der Übersetzung, die zu viele Heyne-Fehlübersetzungen beherbergt.
Dennoch, wenn man den letzten Propagandapart außen vorlässt, und auch über anderen Fehler generös hinweg sehen kann, bleibt eine überaus lesenswerte Novellisation übrig, deren Rahmenhandlung über den eigentlichen Film hinauswächst und sich dem Film nur im Finale geschlagen geben muss.

Denkwürdige Zitate:

"Sie sind ein Schatz, Uhura."
"Ich weiß, Sir."
Kirk und Uhura, S. 10

"Angesichts eines solchen Taktgefühls bin ich froh, daß Sie Chefingenieur und kein Psychiater geworden sind."
Kirk, S. 32

"Als Captain lernt man zuerst, wie man den Tod betrügt."
Kirk, S. 50

"Sie tun mir leid, Spock. Weil Sie uns alle überleben werden. Weil die Zeit Sie immer wieder mit dem Verlust eines guten Freundes konfrontiert. Das haben Sie davon, sich mit uns Menschen abzugeben. Keine Katras, die es für die Nachwelt zu bewahren gilt. Keine in der letzten Minute stattfindenden Reisen zum Mount Selaya, um uns zurückzubringen."
McCoy, S. 75

"Ich habe ein Ungeheuer erschaffen."
Geordi LaForge, S. 110

Bewertung: Handlung hui, Ende pfui.

Photobucket

Weiterführende Leseliste:

Star-Trek-Novellisationen

Star Trek I: Der Film
Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
Star Trek V: Am Rande des Universums
Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Star Trek VII: Generationen
Star Trek VIII: Der erste Kontakt
Star Trek IX: Der Aufstand
Star Trek X:Nemesis
Star Trek XI: Star Trek (2009)
Star Trek XII: Into Darkness

*In dieser Rezension fiel nicht einmal der Name Lursas.

Dienstag, 14. Juli 2009

Suraks Seele

Photobucket

Buchbespechung Dillard, J.M.: Suraks Seele. Heyne, 2003.

Story: Die Enterprise NX-01 stößt auf einen sterbenden Planeten. Ein natürlich von Archer geführtes Außenteam wird zum Augenzeugen dieses Untergangs einer ganzen Zivilisation, denn jede medizinische Hilfe, die das mäßig ausgerüstete Erdenschiff anbieten könnte, reicht nicht einmal aus, um die Krankheitsursache herauszufinden.
Und so bedarf es schon einem fremden Energiewesen, um der Crew verständlich zu machen, dass es eine Art Strahlung ist, die die Eingeborenen Oani vernichtete. Allerdings kann selbst dieser „Wanderer“ nicht genau erklären, was für eine Art Strahlung dies sein könnte und daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Mitglieder des Außenteams ebenfalls unter den Folgen dieser unbekannten Beeinflussung zu leiden beginnen: Phlox, Reed und schließlich auch Hoshi Sato fallen ins Koma.
Während die Crew unter Captain Archer auf einer Lösung dieses realen Problems hinarbeitet, sieht sich T’Pol einem philosophischen Dilemma ausgesetzt. In Notwehr musste sie den letzten Überlebenden der Oani betäuben, da er ein Mitglied ihrer Crew attackierte. Doch der Fremdling war bereits so geschwächt, dass er bereits durch die Wirkung eines Betäubungsstrahles das Zeitliche segnete. Daraufhin wendet sie sich ganz der pazifistischen Tradition ihres Volkes zu und verweigert fortan den Gebrauch sowie das Mitführen von Waffen. Erst als der Crew klar wird, dass der Wanderer selbst der Verursacher all dieser plötzlichen Krankheiten ist, muss die Vulkanierin ihre Prinzipien neu überdenken – oder schafft sie es selbst im Angesicht der tödlichen Bedrohung für die restliche Crew, einen friedlichen Weg zur Abwehr des Lebensenergie verzehrenden Wolkenwesens zu finden?

Lobenswerte Aspekte: "Suraks Seele" ist eine kleiner, aber feiner Star-Trek-Roman. Auf den insgesamt nur 179 Seiten Handlung baut sich Stück für Stück eine mitreißende Spannung auf, die durchaus das Potential zur Episodenhandlung hätte.
Die Figuren sind durchaus getroffen und auch typische Elemente der Serie, wie das gegenseitige Einschmieren mit Dekontaminationsgel sind von der Novellisationsveteranin Dillard geschickt übernommen worden. Daneben baut sie viele aus der Serie bekannte Ereignisse mit ein, die der Handlung zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen und stützt sich somit auf den serieneigenen Kanon. So ist es etwa interessant mitzuerleben, wie Phlox seinen zweiten Schlafzyklus erreicht.

Kritikwürdige Aspekte: Bei aller gegebenen Spannung ist die Geschichte merkbar konstruiert und durchsichtig. Das allein ist nicht schlimm, denn die lebhafte Erzählung kompensiert diesen Umstand und es bedarf schon eines wirklich beknackten Endes, um diesen Vorteil Null und Nichtig werden zu lassen. Diese finale esoterische und pseudo-ghandieske Widerstandsidee hätte ich persönlich nämlich eher bei Kanal Telemedial, nicht aber in einem Star-Trek-Roman erwartet.
Wer weiß, vielleicht hatten die aufgrund übermäßigem Genusses californischer Avocados ständig pupsenden Labrador-Hunde, die Dillard laut eigener Angabe in ihrem Schreibprozess behilflich waren (Danksagung, S. 186), doch bewusstseinserweiternder, als der Autorin klar war. Meiner Meinung jedenfalls kann wenigstens das chronische Einatmen toxischer Gase ein für Außenstehende so fragwürdiges Ende und die wiederholte Wiederverwertung von Energiewesen erklären.

Photobucket
Keine Macht den Avocados!

Doch Dillard ist bei weitem nicht die einzige Person, der hier fragwürdige Entscheidungen getroffen hat. Auch der Übersetzer bekleckert sich, in bester Heyne-Tradition, wahrlich nicht mit Ruhm. Abgesehen von den typischen Fehlern wie Medo-Kombinationen („Medo-Tasche“ S. 18, „Medo-Zentrum“ S. 40 oder „Medoaufzeichnungen“ S. 53), Übersetzungsverweigerungen („Starfleet“ S. 104) oder Übersetzungsabweichungen (S. 76 „Speiseraum“ statt „Messe“) lassen sich auch grammatische Fehler wie „Es tut mir Leid!“ (S. 23) oder „[…] Hoshi mit ihrer außergewöhnlichen lingustischen Wahrnehmung.“ (S. 20) finden. Doch die Menge dieser kleine Fehler ist – schon allein in Anbetracht des Umfangs dieses Werkes – marginal.
Als ungleich störender empfand ich den Gebrauch von exotischen Fremdwörtern. Erst ein Duden aus dem Jahr 1967 konnte mir verraten, dass mit „Lamantine“ (S. 19) ein französisches Wort für Seekühe (Grebe, Paul (Hrsg.): Duden. Mannheim, 1967, S. 415) gemeint ist, und dass sich hinter einem „Chignon“ (S. 137) ein „im Nacken getragener Haarknoten“ (a.a.O., S. 191) verbirgt. Auch dass ein „Kasack“ (S. 111) ein „viertellanges Frauenobergewand“ (a.a.O., S. 373) ist, muss erst mühsam nachgeschlagen werden, um hinter die Bedeutung des so achtlos in den Raum geworfenen Begriffs zu steigen.
Im Gegensatz zu im Alltag durchaus gebräuchlichen und verständlichen Fremdwörtern wie „Toga“ (S. 13), „Quarantäne“ (S. 115) oder „Amöbe“ (S. 180) fehlt den angegebenen Begriffen ein gemeinsprachlicher Hintergrund, und eine Verwendung von „Seekühe“, „Haarknoten“ oder einfach „Hemd“ wären absolut ausreichend gewesen.
Andererseits war ich überrascht, dass mit einer ehernen Heyne-Tradition gebrochen wurde. Auf der Seite 114 lässt sich tatsächlich die Formulierung „deaktivierte“ finden! Kein „desaktivierte“! Da wird man fast wehmütig, dass sich Heyne aus dem Star-Trek-Büchergeschäft zurückgezogen hat, denn in diesem Werk, im Übrigen einem der letzten, das der Verlag überhaupt veröffentlichte, klingt fast so etwas wie Lernfähigkeit und der Wille, Fehler zu verbessern an. Wenn es allerdings knapp dreißig Jahre dauerte, von einem falsch angebrachten „s“ abzulassen, möchte ich lieber nicht wissen, wie lange es gedauert hätte, die deutschprachige Variante „Sternenflotte“ einzuführen oder auf „Medo“-Kombinationen zu verzichten.
Eines schließlich hätte der Übersetzer auch noch korrigieren können.
Das amerikanische Autorinnen von russischen Namen keine Ahnung haben, ist aus europäischer Sicht ja zu erwarten. Doch ein deutscher Übersetzer, geboren in einem Land, dessen eine Hälfte immerhin mehr als 40 Jahre unter sowjetischer Kontrolle stand, hätte ruhig den Namen einer russischen Navigatorin „Borowski“ (S. 131) in „Borowska“ ändern können. Warum?
Nun, in den meisten slawischen Sprachen spiegeln auch die Namen die Zugehörigkeit zum Geschlecht wieder. Natürlich könnte man jetzt monieren, dass in der Zukunft solche Namen verändert werden, doch dass auch Chekov noch immer ‚Pavel Andreievich’ heißt, spricht eindeutig gegen eine solche Reform. Außerdem ist diese Namensangleichung auch grammatisch bedingt und eine Änderung schon allein daher ausgeschlossen.

Anachronismen: Dillard hat fleißig Enterprise gesehen, und an mehreren Stellen angedeutet, dass sie Folgen wie „Zwei Tage auf Risa“ oder „Der Siebente“ gesehen hat.
Allerdings holt der lange Schatten später gedrehter Episoden auch diesen Roman ein.
So wusste Dillard, während sie diesen Roman schrieb, noch nichts über die Xindi-Mission der Enterprise. Hier wird T’Pol in „Impulsiv“ die Strahlung der Substanz Trellium D zum Verhängnis und Phlox ist in der Folge „Auf ärztliche Anweisung“ der einzige, dessen Physiologie in der Lage ist, die Strahlung einer tödlichen Anomalie überleben. Eindrucksvoll widerlegen diese Ereignisse die von T’Pol im Buch aufgestellte Thesen, „Denobulaner sind Strahlung gegenüber empfindlicher als Menschen.“ Und „Vulkanier können Strahlung besser verkraften als Menschen.“ (beides S. 84)
Besonders viel Mühe gab sich Dillard bei der Beschreibung der Familie T’Pols. Wer die Episode „Zuhause“ noch einigermaßen gut im Gedächtnis hat, wird kaum Ähnlichkeiten mit der beschriebenen Person und der von Joanna Cassidy verkörperten Mutter T’Les erkennen können. Weder war ihr Haar „[…] ebenso schwarz wie die Augen […]“, noch verfügte sie über die „[…] dunklere Haut der meisten Vulkanier […]“ (beides S. 32). Auch die Beschreibungen des Vaters, als Sproß einer Sippe mit „[…] mehreren Familiengenerationen […]“ (S. 31) beißen sich mit den Konzeptionsideen, dass T’Pols Vater Romulaner war.
Schließlich ist auch die Absicht der vulkanischen Austauschoffizierin fragwürdig, „[…] zu Suraks strengsten ursprünglichen Lehren […]“ (S. 45) zurückzukehren, denn diese Schriftbelege werden erst zwei Jahre später in „Kir’Shara“ von Jonathan Archer höchstpersönlich wiederentdeckt.

Fazit: „Suraks Seele“ verliert sich nicht in einer endlos beschriebenen Geschichte und unzähligen eng beschriebenen Seiten. Stattdessen wird auf nur 179 Seiten ein rasanter Spannungsbogen entworfen, der durchaus in der Lage ist, den Leser zu fesseln.
Doch die spannende Geschichte des Buches verliert gegen Ende durch eine abstruse Lösung des Problems an Nachvollziehbarkeit. Esoterisch, lebensfremd und unglaubwürdig löst sich die Bedrohung auf und man fragt sich schon irgendwo, warum es überhaupt zu solchen Problemen gekommen ist.
Die Übersetzungsfehler und Anachronismen wiegen, schon allein aufgrund des geringen Umfangs, nicht allzu schwer und im Großen und Ganzen kann man dem Buch zwar keine übergeordnete Stellung unter den Star-Trek-Romanen einräumen, jedoch einen Unterhaltungsfaktor für ein Lesen „zwischendurch“ zugestehen.

Photobucket
Länger Leben durch Meditation?

Denkwürdige Zitate:

Ladies first.
Ladies first? Was ist das? Eine britische Redensart?
Ich bin mir nicht sicher. Meine Großmutter sagte das immer, wenn sie sich in einer Schlange vordrängen wollte.“
Malcolm Reed und Hoshi Sato, S. 87

Ah, in diesen Zeiten ein Hund sein...”
Malcolm Reed, S. 141

Bewertung: Nicht nachhaltig, aber spannend.

Photobucket

Weiterführende Leseliste:

Die bei Heyne erschienenen deutschsprachigen Enterprise-Romane:

Aufbruch ins Unbekannte
Das Rätsel der Fazi
Der Preis der Ehre
Suraks Seele