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Mittwoch, 19. Juni 2013

Vanguard 05: Vor dem Fall

Danksagung: Da ist sie: Meine einhundertste Rezension. Für diesen historischen Moment habe ich mir natürlich ein ganz besonderes Buch aufgespart, bei dessen Lektüre sich nicht gleich die Zehnägel kräuseln, die Augen verdrehen oder die Nase vom Rümpfen entzündet.
Aber natürlich wäre ich heute nicht an diesem Punkt, wenn mich nicht treue Leser, eifrige Kommentatoren und Freunde mich immer wieder ermutigt, getriezt und unterstützt hätten. Deshalb sage ich an dieser Stelle Andre, Andreas, Anonym, Anonymer Stefan, Ameise, Bernd Perplies, Bernhard, Cal, Captain Jerk, Carlito, Charlotte, chogaramirez (Sandy), Chris/ Christian, Damon, Diane Duane, Dinsdale, DomPatHug, ein Trekki, Enne, Erik, Frank, Hans Oetzthaler, Julian Wangler, K'olbasa, Kalami, Knusperfrosch, Markus, Notlob_1204, Oolp, Rolf, Rok, Spiny Norman, Strifes, The Naked Data, TrekFan1977, Velvet, wajdz, den hier Unerwähnten und den vielen stillen Lesern einfach mal:


Dankeschön!


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Buchbesprechung Mack, David: Vanguard 05. Vor dem Fall. Cross Cult, 2009/2010.

Story: Vergessen zieht ein uninteressanter Planet namens Golmira seine Bahn in der Taurus-Region. Seine Bewohner haben den Planeten abgenutzt, seine Ressourcen verbraucht und seine einstmals so blühende Oberfläche in eine trostlose Ruinenlandschaft verwandelt. Hin und wieder besuchten Fremde den Planeten, doch stets erkannten sie, wie ubedeutend der nackte Fels mit seinen zwei popeligen Monden eigentlich ist und verschwanden umgehend wieder.
Doch die matriarchalisch organisierten Denn bekommen eines Tages Besuch, der eine neue Hoffnung birgt. Zwei Menschen namens Quinn und McLellan erzählen ihnen von einer galaktischen Föderation, die ihren Heimatplaneten an deren Errungenschaften teilhaben lassen könnte. Das Einzige, woran sie im Gegenzug Interesse zeigen, sind einige alte Ruinen, die unter der Kontrolle eines nomadischen Wüstenvolkes namens Goçeba stehen.
Doch kurz nach den beiden Wohltätern tauchen neue Fremde auf: Sie haben merkwürdig anmutende Stirnwülste und erklären den Planeten ungefragt zu ihrem eigenen Territorium. Sie versklaven die Einheimischen, verschleppen sie in die Ödnis und buddeln selbst in den alten Stätten herum, die den Goçeba so heilig sind. Gemeinsam mit den Menschen nehmen die Denn und die Goçeba den Kampf gegen die so genannten 'Klingonen' auf, ohne auch nur zu ahnen, welche uralten, beinahe vergessenen Mächte die beiden fremden Fraktionen heraufbeschwören...

Lobenswerte Aspekte: Jedes Mal, wenn dieser Blog gerade eine kreative Pause einlegte, habe ich dieses Buch gelesen. Insgesamt drei Mal.
Und was soll ich sagen?!
Jedes Mal war dieses Buch aber auch der perfekte Wiedereinstieg in die Star-Trek-Bücherwelt. Die fesselnden Geschichten im TOS-Gewand sind nämlich im Moment das mit Abstand Beste, was die hiesige Star-Trek-Literaturlandschaft zu bieten hat. Wohlwissend um diese Stellung kann sich "Vor dem Fall" daher erlauben, den Cliffhänger des letzten Bandes "Offene Geheimnisse" erst auf Seite 99 wieder aufzugreifen – und das funktioniert auch noch ohne irgendwelchen Leerlauf! Bis dahin gelingt es nämlich den anderen Protagonisten des Romans, die Handlung ohne Probleme am Laufen zu halten.
Durch den atemberaubenden Wechsel zwischen den einzelnen Handelssträngen entsteht ein buntes Kaleidoskop der klassischen Star-Trek-Ära vor dem inneren Auge des Lesers, das ihn nicht mehr loslässt. Die 376 Seiten vergehen wie im Flug und tatsächlich ist man am Ende sogar etwas enttäuscht, dass das Abenteuer schon wieder vorbei ist.
Kernige Dialoge, die von humorvollen Wortwechseln über nachdenkliche Gespräche bis hin zu eingängigen Catchphrases wirklich alles enthalten verleihen dem Buch eine Lebendigkeit, die durch die Vielzahl an glaubwürdigen Charakteren gestützt wird.
Egal ob sexuelle Spannungen, komödiantische Passagen oder gar Action-Szenen: Alles wirkte um Längen glaubhafter als in der Novellisierung zu 'Star Trek: Into Darkness' und zeigte damit deutlich, dass sich die klassische Ära, wie sie in dieser Romanreihe am Leben erhalten wird, nicht vor der Abrams-Neuauflage zu verstecken braucht.
Im Gegenteil!
Ohne, dass Autor David Mack altbekannte Sujets aus der klassischen Serie kopiert, schafft er (zusammen mit den anderen Schreibern dieser Reihe) einen völlig eigenen, ungleich kreativeren Kosmos.
Das bedeutet natürlich nicht, dass er ohne größere Anleihen auskommt. Aber im Gegenteil zu Abrams pickt er sich nicht nur die Rosinen heraus, sondern nutzt die Querbezüge, um ein Star-Trek-Gefühl beim Rezipienten aufkeimen zu lassen. Das geschieht nahezu nebenbei, wenn man über beinahe unauffällige Begriffe wie "Ajilon Prime" (S. 89), "Ikospektogramm [sic!]" (S. 118) oder "transparentes Aluminium" (S. 225) stolpert. Aus so ziemlich jeder Serie zieht der Autor Begrifflichkeiten heran, die sich zu einem großen, runden Ganzen zusammenfügen, das das Prädikat 'Star Trek' auch wirklich verdient. Andere Ideen, wie die Basis von Plomeek-Suppe (vgl. S. 183), die Einsatzstationen todgeweihter Constitution-Klasse-Schiffe wie der USS Defiant oder der USS Intrepid (vgl. 145) oder die Einblicke in die politische Laufbahn des späteren Kanzlers Gorkon (vgl. S. 60ff.) vervollständigen das Puzzle der spärlichen Informationen aus den Kanon-Quellen zusätzlich.
Als ob das nicht genug wäre, scheut sich die junge Serie nicht, selbstbewusst Duftspuren ihrer Existenz zu setzen. So proklamiert sie für sich selbst, den Ursprung für später essentielle Erfindungen wie die Replikatortechnologie, medizinische Hautregeneration oder gar Langstreckenkommunikation zu bieten (vgl. S. 343). Ein mutiger Anflug von Größenwahn, den man der großartigen Reihe jedoch als Leser wohlwollend zugesteht.
Doch nicht nur die Serien und Filme fanden entsprechende Aufnahme. Die Erwähnungen von "T'Kuht" (S. 27), eine Mordserie auf Vulkan (vgl. S. 353) oder eine Seuche auf Nisus (vgl. S. 353) schlagen sogar Brücken zu älteren literarischen Vorlagen wie "Sarek", "Mord an der Vulkan-Akademie" oder "Die UMUK-Seuche".
Aber nicht allein das erweiterte Star Trek-Universum wird in diesem Buch zu einem appetitlichen Buffet komprimiert. Liest man Namen wie Hofstadter (S. 118, weiblich!), Wolowitz (S. 193), Cooper (S. 206) oder Koothrappali (S. 343) freut man sich (fernseh-)bildlich ein Loch in den Bauch, dass diese Serie, die so sehr wie kaum eine andere dem Kulturphänomen Star Trek huldigte, nun im Gegenzug genau dort Aufnahme fand – auch wenn "The Big Bang Theory" nur in Buchform übernommen wurde (übrigens muss Raj während der Arbeit Alkohol getrunken haben, denn es gelingt ihm, im Beisein mehrerer Frauen wie Dr. Carol Marcus zu sprechen).


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auffällig unauffällig: Der Big-Bang-Theory-Gastauftritt

Weitere Überraschungen erwarten den Leser, wenn er die Mitglieder der Denn-Terrorzelle kennenlernt, die Quinn für einen Guerillakrieg gegen die Klingonen ausbildet. Personen wie Bohnenstange (S. 159) oder Bubba (S. 160) erinnern deutlich an Vorbilder wie "Tripods – Die dreibeinigen Herrscher" oder "Forrest Gump" (vgl. dazu auch jen Szene S. 161f., in der ein Gewehr in Rekordzeit auseinander- und wieder zusammengebaut wird).
Ihr Ausbilder Quinn ist übrigens der deutliche Gewinner des Romans. Die viele Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, tut dem Ganoven gut, da sich bei ihm trotz der Rundumerneuerung tatsächlich dunkle Abgründe auftun, die vieles zu seiner Motivation beitragen (vgl. z.B. S. 155ff.).
Als zweiten Gewinner muss man hingegen die Vulkanierin T'Prynn ins Feld führen. Obwohl zu befürchten stand, dass sie seit ihrer Trennung von der katra Stens an Profil verlieren könnte, gewann sie genau durch diesen Konflikt an Facetten, die zuvor mühsam aufgebaut wurden (vgl. insbesondere S. 277ff. und 357ff.). Allein für diese 'architektonische' Meisterleistung in puncto 'Motivationsgebäude' gebührt den Autoren Respekt.
Sein Repertoire ist damit aber auch noch längst nicht ausgeschöpft. Das obligatorische Jungfrauen-Opfer, die Indiana-Jones Romantik bei den archäologischen Ausgrabungen und die Stirb-Langsam-Parallelen beim Anti-Helden Quinn stellen seine große Bandbreite unter Beweis. Die beinhaltet tatsächlich auch die Verwendung von klassischen Science-Fiction-Themen: Das Volk und die Gesellschaft der Denn bieten eine toll verpackte Parabel auf mögliche Zukunft der Erde, die unter den Folgen der Umweltsünden kurzsichtiger Machthaber zu leiden hat.
Solch ein tagesaktuelles Thema zu verwenden, um es in die Zukunft zu transportieren ist genau das, was nicht nur Star Trek im Speziellen, sondern Science Fiction im Allgemeinen ausmacht und als Qualitätsmerkmal der Marke 'Vanguard' herhalten kann.

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Wieder einmal en vogue: Kristallschädel zur Aufbewahrung von Alt-Aliens


Kritikwürdige Aspekte: Im fünften Band der Reihe ist mittlerweile so langsam aber sicher der Punkt erreicht, an dem ein Einstieg in die Vanguard-Thematik definitiv nicht mehr ohne Kenntnis der Vorgänger möglich ist. Quinns Wandel, T'Prynns Verlust oder Diego Reyes' Verrat erschließen sich erst in Gänze, wenn man auch die vorherigen Romane kennt. Natürlich ist die Reihe äußerst empfehlenswert, doch mit steigendem Umfang entwickelt sie sich logischerweise in eine Richtung, die zunehmend Eingeweihten vorbehalten bleibt. Vielleicht ist es aus der Warte heraus sogar begrüßenswert, dass 'Vanguard' abgeschlossen wird.
Der zweite große Kritikpunkt betrifft die Shedai, denn sie geraten doch arg kurz. Besonders, wenn man die ausführliche Aufbauarbeit der beiden vorangegangenen Bände berücksichtigt, fehlt für den späten und überschaubaren Auftritt (vgl. S. 309ff.) eigentlich jegliche Begründung. Fast könnte man meinen, dass dies dazu dient, den im Verlaufe der Handlung abgeschwächten Schrecken der Spezies zurückzuerlangen, doch die Gefangennahme eines Shedai am Ende des Bandes (vgl. S. 369ff.) widerspricht dieser Vermutung vehement.
Vergleichsweise Jammern auf hohem Niveau ist es hingegen bereits, das Ableben zweier liebgewonnener, beziehungsweise vertrauter Weggefährten hinnehmen zu müssen. Natürlich wird das mancharanische (!) Schiff Rocinante (vgl. S. 298ff.) durch einen Nachfolger ersetzt, doch gerade das Motiv des verrosteten Eimers, der nur durch Spucke und Hoffnung auf seinen Weltraumflügen zusammengehalten wird, bildete einen gelungenen Kontrapunkt zur sterilen, sauber-modernen Welt der Sternenflotte.
Als mindestens ebenso bedauerlich erweist sich das Ableben Zett Nilrics (vgl. S. 315ff.). Natürlich muss die Geschichte langsam auf das große Finale hinarbeiten, doch in ihm hatte Quinn einen bis dato ebenbürtigen Antogonisten, der den folgenden Ausführungen mindestens so sehr fehlen wird, wie die Rocinante.

Anachronismen: Wenn David Mack die Zügel in die Hand nimmt, bleiben Anachronismen üblicherweise aus. Allerdings bleibt er auch seinen eigenen Fehleinschätzungen treu. So kann man, wie bereits im zweiten Destiny-Band "Gewöhnliche Sterbliche" davon lesen, dass Tholianer einen Schwanz hätten (vgl. S. 49). Wie man in der Enterprise-Episode "Im finsteren Spiegel, Teil I" oder als Spieler von Star Trek Online erfahren muss, ist dies aber nicht unbedingt der Fall.

Übersetzung: Wenn man dieses Werk mit seinen Vorgängern vergleicht, kann man immerhin festhalten, dass das Fehlerlevel deutlich gesunken ist. Dennoch ist die Anzahl noch weit über dem, was ein angemessen lektoriertes Buch aufweisen sollte.
Entsprechende Pannen setzen schon mit einfache Satzzeichen wie den fehlenden Fragezeichen (vgl. z.B. S. 36), Ausrufezeichen (vgl. z.B. S. 73) oder Anführungszeichen (vgl. z.B. S. 12) ein und finden ihre Fortsetzung in falsch wiedergegebenen Wörtern wie "illege Weise" (S. 93), "Stehgreifreparaturen" (S. 121) oder "Beweisnaträge" (S. 158). Warum die Übersetzerin statt 'im Laufschritt' ausgerechnet "im Eilschritt" (S. 173) verwenden musste, hat sich mir ebenfalls nicht erschlossen.
Selbst wenn man die Schwächen der Übersetzerin bezüglich der deutschen Sprache ausklammert, bleibt noch immer ihr Umgang mit der Englischen. So gab sie sich ernsthaft Mühe, sämtliche Namen der männlichen Denn-Rekruten auch ins Deutsche zu übertragen und auch wenn ich "Spacko" (vgl. S. 160) für nicht sehr gelungen halten (das englische Original 'Spaz' legt eher die Bezeichnung 'Spast' nahe), waren alle anderen vergleichsweise gut eingefügt.
Sagte ich 'sämtliche' und 'alle'?
Ein Name fällt aus diesem Schema heraus: "Hopalong" (S. 255) hätte man ruhigen Gewissens mit einem deutschen Spitznamen belegen können. In ein ähnliches Muster fällt die Verwendung von "Shire" (S. 65) und die Nennung von "Grafschaften" (S. 72) nur wenige Seiten später.
Die Übersetzung bleibt also auch weiterhin das Sorgenkind der deutschsprachigen Vanguard-Ausgaben.

Fazit: Auch der fünfte Teil der Vanguard-Saga wird den hohen Erwartungen gerecht. Dem Star-Autor David Mack gelang es zum wiederholten Mal, den Fans die TOS-Ära als spannenden und richtungsweisenden Abschnitt der Star-Trek-Geschichte zu präsentieren.
Vielschichtige Dialoge, mitreißende Handlungsstränge und harmonierende Szenenwechsel bestimmen die Achterbahnfahrt, auf die der Urheber den Leser nimmt. "Vor dem Fall" bietet eine Mege Star-Trek-Feeling, bindet andere Leinwandprodukte mit ein und bietet Science Fiction für den anspruchsvolleren Leser.
Doch mit der Zeit ist ein Neueinstieg nicht mehr ohne weiteres möglich. Man muss schon alle Teile gelesen (oder gehört) haben, um der immer höhere Wellen schlagenden Handlung noch angemessen folgen zu können und den traurigen Verfall der einstmals furchterregenden Shedai miterleben zu können. Die Übersetzung ist inzwischen zwar weniger löchrig, aber noch immer weit davon entfernt, dem hohen Standard des Werkes zu genügen.

Denkwürdige Zitate:

"Da ich dir vorhin ja quasi das Leben gerettet habe, könnten wir doch vielleicht heute Nacht unsere Hängematten zusammenkno..."
"Flieg einfach nur das Schiff, Quinn."
"Ja, Ma'am."
Quinn und Bridy Mac, S. 26

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"T'Prynn! Eines ihrer Dingsbumse stört meine Ruhe!"
Pennington, S. 147

"Ich bin nicht in der Sternenflotte. Also zum Teufel mit der Obersten Direktive."
Quinn, S. 158

"Es ist unsere Pflicht, der Wahrheit zu dienen, und das tun wir, indem wir das Gesetz befolgen. Überlassen Sie die Gerechtigkeit dem Universum."
Desai, S. 198

"Sie verwechseln Witz mit Humor. Ein unter Menschen weit verbreiteter Fehler."
T'Prynn, S. 262

"Tja, ich hab gedacht, das das Quartier des Captains ein Doppelbett hat, könnten wir..."
"Flieg einfach nur das Schiff."
"Ja, Ma'am."
Quinn und Bridy Mac, S. 340

Bewertung: Sicherer Hafen mit kleineren Untiefen.

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor derm Fall

Sonntag, 5. Juli 2009

Vanguard 04: Offene Geheimnisse

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Buchbesprechung Ward, Dayton: Vanguard 04. Offene Geheimnisse, cross cult, 2009.

Story: In der Taurus-Region ist eine trügerische Ruhe eingekehrt. Doch kaum ist die Bedrohung der Shedai fürs erste gebannt, da marodieren auch schon Klingonen und Tholianer in der Gegend herum und auch die Sternenbasis 47 sieht ereignisintensiven Tagen entgegen.
Commodore Reyes wartet auf seine Verhandlung und wird von Admiral Nogura abgelöst – einem der ganz großen Strippenzieher innerhalb der Sternenflottenleitung. Und der zierliche Asiat räumt erst einmal gründlich auf: Commander Cooper muss sich nicht länger mit der Stationsverwaltung herumquälen, der vorlaute Jetanien wird in die Schranken verwiesen und der orionische Kaufmannsprinz Ganz muss seine Sachen packen und mit seinem Schiff die Station verlassen.
Trotz des neuen Besens gibt es dennoch genug Dreck, den selbst er nicht einfach wegfegen kann. So muss T’Prynn nach Vulkan gebracht werden, um von der katra ihres verstorbenen Verlobten Stens befreit zu werden. Derweil schafft es selbst Rana Desai nicht, den nobel handelnden Ex-Commodore Diego Reyes aus den Klauen der rachsüchtigen Justitia zu befreien und Ming Xiong wird von den Klingonen entführt, die sich durch ihn einen Sprung in ihren xenoarchäologischen Forschungen erhoffen – schließlich bergen die Waffensysteme der Shedai ein unheimlich großes militärisches Potential…
Doch gerade, als sich für die Föderation alles wieder zum guten wenden will, wird das Schiff, das den verurteilten Reyes zum Antritt seiner Haftstrafe auf der Erde geleiten soll, von einem unbekannten Piratenschiff angegriffen und zerstört. Reyes ist tot – oder etwa nicht??

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Lobenswerte Aspekte: Na endlich! Viel zu lange schon mussten die Freunde dieser genialen Reihe auf die Erscheinung des vierten Bandes in deutscher Sprache warten. Und das Warten hat sich definitiv gelohnt!
Der geneigte Leser kann in eine Welt aus vielschichtigen Charakteren und ihrer vielseitigen Interaktion eintauchen. Mitreißend und kanontreu wird eine Welt lebendig, die genial mit allen Serien und Filmen verknüpft wird. Hier kommt Nimbus III ins Spiel; dort trifft man auf den aufstrebenden General Chang. Man wird Zeuge der Kolonisation Cestus' III und erlebt den Untergang der Siedlung aus einer Kommandoperspektive mit. Sehr gelungen und gut durchdacht, denn Cestus III nimmt hier den Platz Denevas ein, das bereits im ersten Roman als unfreiwilliger Ort menschlicher Tragödien diente.

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Ganz neue Dimensionen: Jetzt mischen auch noch die Gorn mit?

Bemerkenswert ist, auf welche Weise der Roman eingeleitet und schließlich auch wieder beendet wird. Die Ereignisse um den Frieden von Organia als Grundlage zu nutzen ist so einfach wie genial.
Daneben räumt der Autor Dayton Ward mit Star-Trek-Klischees auf. Klingonen nehmen keine Gefangenen? Von wegen! Der häufig angesprochene Widerspruch wird hier aufgelöst – denn Klingonen sind eben doch nur Menschen – allerdings mit rosa Blut. Ward spielt mit den Kanoninformationen ohne ihnen untreu zu werden. So wird Reyes zu zehn Jahren Gefängnis in genau dem Knast verurteilt, in dem knapp ein Jahrhundert später auch Tom Paris einsitzen wird. Die Shedai setzten sich bereits mit dem Tkon Imperium auseinander und M’Benga wird endlich auf die USS Enterprise versetzt.
Daneben präsentiert das Buch auch Aspekte, die in Serien und Filmen eher stiefmütterlich behandelt wurden. So widmet man sich ausgiebig der Frage, wie das Ansehen der Vulkanier unter der Tatsache leidet, dass die verwandtschaftlichen Verhältnisse der spitzohrigen UFP-Mitglieder zu den Romulanern bekannt werden. Außerdem sind besonders die Exkurse auf Vulkan selbst beeindruckend, denn der Widerspruch zwischen Föderationsmitgliedschaft und der persönlichen Freiheit des Einzelnen sind ebenso subtil wie widersprüchlich dargelegt.
Doch auch ‚unverbürgte’ Informationen schafften den Weg in dieses Buch. Löblicherweise werden hier die aus den FASA-Rollenbspielbüchern stammenden Schiffsklassen Loknar und Saladin erwähnt, die es im eigentlichen Kanon bestenfalls zu Fußnoten gebracht haben…

Kritikwürdige Aspekte: Der vierte Band geht die Sache etwas ruhiger an als seine Vorgänger. Zuweilen kann man den Eindruck gewinnen, dass „Offene Geheimnisse“ nach den drei vorherigen, nahezu in sich geschlossenen Romanen den Beginn eines neuen Zyklus’ markiert, der erst eingeleitet werden muss. Das Buch bildet daher eine Art Anlauf, um auf den eigentliche Kern des Pudels, also der kommenden Handlungsstränge hinarbeitet. Doch das kann nicht als wirklicher Kritikpunkt geltend gemacht werden, denn Ward gelingt es trotz dieses subjektiven Eindrucks, Spannung und Tragik gleichermaßen aufkommen zu lassen.
Desweiteren sind weder Cover, Kapitelgliederung noch Handlung kritikwürdig – eher im Gegenteil. Was also soll man da noch negatives anbringen?
Der erfahrene Blogleser wird es wissen: Natürlich die Übersetzung. Es ist wirklich nicht so, dass sich der Übersetzer nicht angestrengt hätte. Christian Humberg hat einen angenehmen Stil und ich bin ihm durchaus dankbar, dass er „deaktivierte“ (S. 260) statt „desaktivierte“. Andererseits ist er behilflich, der cross-cult-Übersetzungstradition eigene Kontinuitätslinien zu verleihen. Die bereits in Titan angeklungene Dativiesierungkampagne wird unvermittelt fortgesetzt (z.B. S. 67„[…] Fortschritte von Xiong und seinem Team […]“, S. 291 „[…] Klärung von Lieutenant Xiongs Schicksal […]“ oder S. 191 „Laut dem Captain […]“). Ebenso unnötig wie gewohnt ist die abweichende Schreibweise zuvor bereits benannter Termini: aus dem Föderationsnachrichtendienst „FNS“ („Der Vorbote“, S. 326) wird hier „FND“ (S. 23). Daneben gibt es eine ganze Reihe unnötiger Schusselfehler: „Ich mochte ihn besser […]“ (S. 83), „Stolz“ (S. 176, groß statt klein geschrieben), oder „Damit sie sein Gewissen war […]“ (S. 388) sind nur einige Beispiele dieser hier und dort auftretenden Entgleisungen.
Am auffälligsten fand ich jedoch die häufig auftretende Umgehung von „die“ durch „welche“: Bereits im Einleitungstext findet sich auf Seite 5 der Satz „Letztendlich gestattet Reyes dem Journalist Tim Pennington die Veröffentlichung eines Tatsachenberichtes über die Bedrohung, welche die Shedai darstellen.“ Diese Möglichkeit ist in der deutschen Sprache gegeben, um Wortdopplungen zu vermeiden. Allerdings ist sie eher eine Ausnahmeerscheinung als ein alltäglicher Ausdruck. Dessen ungeachtet lassen sich in „Offene Geheimnisse“ immerhin 85 Konstruktionen dieser Art finden – also fast auf jeder vierten Seite. Zum Vergleich: Im zuvor von mir rezipierten Star-Trek-Werk „Die erste Mission“ tauchten solche Jonglierversuche nicht ein einziges Mal auf. Natürlich ist es nicht verboten, das Wort „“welche“ so einzusetzen, doch eine derartige Häufung wirkt im Umgang mit der deutschen Sprache etwas hilflos.
Eines bleibt schließlich auch noch anzukreiden. In der ein- und ausleitenden Bezugnahme auf den klingonischen Angriff auf die Sternenbasis 47 konnte sich der Übersetzer ins fertige Nest setzen, denn die Dialoge des Organiers Ayelborne waren, von einigen Adressatenformulierungen abgesehen, völlig identisch. Um so verwunderlicher, dass in der Föderationsvariante von „Apparaten“ (S. 15) die Rede ist, während die Klingonen „Instrumente“ (S. 437) zu hören bekommen. Wenn hier die Einteilung in „Grad Celsius“ für das Kriegervolk abweichend gewesen wäre (sie nutzen schließlich auch die Einteilung „qelI’qam“ statt „Meter“), hätte ich es durchaus verstanden, doch diese Abweichung ist vollkommen unnötig.
So oder so wäre diese Übersetzung nicht unbedingt eine Referenz, die man sich in die Vita schreiben sollte...

Anachronismen: Erstaunlicherweise sind tatsächlich Unstimmigkeiten zu finden, auch wenn sich der Autor redlich bemühte, sie zu vermeiden.
So wird Arcturus, die Heimat der Arcturianer, als unabhängiger „Freihandelsplanet“ (S. 172) beschrieben, obwohl die eher unbekannte Halbkanonrasse offiziell als Mitgliedsspezies der Föderation geführt wird! Natürlich kann man jetzt auf die zweifelhafte Kanoneinbindung verweisen, die durch die Hintergrundinformationen zu Star Trek Der Film gegeben wurden, doch wenn man sich vor Augen hält, dass die rigellianischen Chelonen, ihres Zeichens das Volk des Botschafters Jetanien, ihre Referenz in der selben Quelle haben, wirkt dies natürlich etwas uninformiert und kontraproduktiv.
Schade fand ich auch, dass der Auftritt des Admirals Komack einer anderen Person als der in TOS bekannt gewordenen Gestalt zugeschoben wird. Zwar bin ich mir relativ sicher, dass der Admiral aus der Episode „Weltraumfieber“ gemeint war, doch dieser trägt seit der Premiere des elften Kinofilms den Vornamen „James“ und nicht, wie im Buch beschrieben, „Franklin“. Also hat der Film es trotz gegenteiliger Versicherungen doch noch geschafft, den Romanzyklus Lügen zu strafen…

Fazit: Das halsbrecherische Erzähltempo vorangegangener Romane ist in „Offene Geheimnisse“ nicht zu finden. Dennoch ist das Buch seinen Vorgängern in den qualitativen Aspekten treu geblieben und verwöhnt seinen Leser mit einer spannenden und sauber recherchierten Geschichte, an deren Ende man sich nichts sehnlicher wünscht, als den nächsten Teil zu lesen.
Egal, ob man einige Anachronismen oder Rechtschreib- und Grammatikfehler findet – auch der vierte Roman der Vanguard-Reihe bietet Unterhaltung, wie keine andere Star-Trek-Buchreihe zuvor. Ein unbedingtes Muss für alle, die auch in der ‚richtigen’ Zeitlinie nicht auf Spannung, Dramatik und verdammt gute Geschichten verzichten wollen.

Denkwürdige Zitate:

Die Föderation ist ein Haufen schwacher Feiglinge, denen die innere Stärke fehlt, sich ihren Feinden in der Schlacht zu stellen. Stattdessen versucht sie, etwaige Gegner mit Worten zu Tode zu langweilen und versteckt sich hinter Lügen und Verrat.“ Lugok, S. 61

Diese Vulkanier sind anders als die, die Sie gewöhnt sind. Scherze und informelle Redewendungen bringen Sie hier nicht weiter.“
Wenn das so ist. Sind sie genau wie die Vulkanier, die ich gewöhnt bin.“
M’Benga und Pennington, S. 216

Ich habe mir T’Prynn nie als jemanden mit einem grünen Daumen vorgestellt. Das gefällt mir.
Die Pigmentierung der Haut auf T’Prynns Daumen entspricht ihrer restlichen Epidermis. Wenngleich die Färbung des vulkanischen Blutes eine derartige Beschreibung evozieren mag. Dennoch ist sie unzutreffend.“
Pennington und T’Nel, S. 252

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So sicher wie der Grüne Daumen

Wie erfrischend faschistisch.“ Pennington, S. 253

Man kann es nicht anders ausdrücken. Klingonen stinken.“ Xiong, S. 307

Bewertung: Keine Achterbahnfahrt, aber trotzdem genügend Loopings!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall

Sonntag, 31. Mai 2009

Vanguard 03: Ernte den Sturm

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Buchbesprechung Mack, David: Vanguard 03: Ernte den Sturm, cross cult, 2008.

Story: Ruhig und kaum beachtet liegt das Jinoteur-System irgendwo in der Taurus-Region. Doch als Forscher der Föderation entdeckten, dass sämtliche Monde der Planeten künstlich ausgerichtet wurden, rückt es in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses.
Klingonische Flotten scheitern an den planetaren Verteidigungssystemen und als auch ein tholianisches Schiff dort auftaucht, schickt auch endlich die Sternenflotte ein eigenes Schiff, um zu erkunden, welches Geheimnis sich hier verbirgt.
Währenddessen hat der Kommandant der Sternenbasis 47, Commodore Diego Reyes, weltlichere Sorgen. Seine Ex-Frau Jeanne ist zu Besuch auf der Station. Doch das vermeintlich private Dilemma wird rasch zu einem beruflichen, denn diese Frau, der er tief in seinem Herzen noch immer Gefühle entgegen bringt, ist niemand geringeres als der gewählte Leiter einer frisch gegründeten Kolonie in der Taurus-Region. Dumm nur, dass auf genau dieser Welt ein Artefakt vermutet wird, wie es schon zuvor auf Ravanar, Palgrenax und Erilon gefunden wurde. Noch dümmer, dass die ahnungslose Verflossene auf einer völligen Autonomie ihrer neuen Heimat besteht, denn es ist sofort jedem Beteiligten klar, dass der dann völlig sich selbst überlassene Planet bei den benachbarten Klingonen Begehrlichkeiten wecken würde.
Derweil stößt die USS Sagittarius im Jinoteur-System auf ein leeres Tholianerschiff und stürzt nur wenig später nach einem plötzlichen Beschuss auf dem Hauptplaneten ab. Die Crew hat ihre Antimaterievorräte verloren und die Außenteams werden plötzlich von einem übermächtigen Feind angegriffen, und das einzige Schiff, dass vom vulkanischen Geheimdienstoffizier T’Prynn als zuverlässig genug und nächstliegend eingestuft wird, ist die Rocinante des Weltraumvagabunden Cervantes Quinn. Er und sein Freund, der Reporter Tim Pennington, sind die einzige Hoffnung für die Crew des kleinen Schiffes der Archer-Klasse…
Hinter dem Angriff auf die Mannschaft Captain Nassirs stehen die Shedai, die nach Jahrtausende währenden Schlaf erwacht sind, um an den sterblichen humanoiden Störenfrieden grausame Rache zu nehmen. Ihr erster großer Schlag richtet sich schließlich genau auf jene Welt, die Reyes Exfrau gerade erreicht hat: Gamma Tauri IV.

Lobenswerte Aspekte: Im dritten Band der Vanguard-Reihe erhalten viele Charaktere mehr Tiefe: Angefangen beim orionischen Kaufmannsprinzen Ganz, hin zum Kommandanten Diego Reyes bis zur Gemeinschaft Penningtons und Quinns. Besonders letzteres Pärchen beeindruckte mich auf den letzten Seiten des Buches und ich gebe zu, überrascht worden zu sein. Quinn ist, allen stereotypisierenden Gefahren zum Trotz, äußerst differenziert dargestellt und besonders mit der Zigarre im Mund erinnerte er mich ab und zu an den viel zu früh verstorbenen George Peppard.
Doch auch andere Themen des Buches sind lobenswert und voller Symbolkraft. So beeindruckte mich ebenso das bewahrheitete Statement Sandesjos, für T’Prynn in Liebe zu brennen, wie das Dilemma Reyes, durch seine Bevorzugung der Pflicht vor Wahrheit unzählige Leben geopfert zu haben. Die zum Teil schockierenden Entwicklungen lassen dem Erscheinen des vierten Teils „Offene Geheimnisse“ ungeduldig entgegenfiebern.
Äußerst gelungen fand ich schließlich auch die deutsche Übersetzung des englischen Buchtitels "Summon the thunder".

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Wer Wind sät...

Ich gebe außerdem zu Protokoll, dass ich mich verliebt habe! Das auf dem Cover präsentierte Design der USS Sagittarius ist sehr gelungen, und besonders ihre liliputanischen Ausmaße machen das Design so unheimlich interessant. Es ist ebenein kleines Schiff mit engen Kabinen, auf dem sich zwei Personen eine Koje teilen müssen und auf dem es keine Krankenstation, sondern ein „Krankenzimmer“ (S. 91) gibt. Dass auf der kleinen Abbildung auf dem Buchtitel sogar die angesprochene Ladeluke auszumachen ist, unterstreicht die Qualität dieses Entwurfes. Wenn nun auch noch, wie bereits im ersten Band „Der Vorbote“ geschehen, ein aufklappbarer Mittelteil das Design des Schiffes erläutert hätte, so hätte ich es wahrhaft mit leuchtenden Augen wieder und wieder betrachtet (das am Ende des Buches abgedruckte Mini-Kompendium ist der Erwähnung kaum wert).
Daneben ist zumindest die Crew des Schiffes sehr liebevoll und detailliert beschreiben worden. Einer der drei Gaststars, Commander Terrell dient als erster Offizier auf diesem kleinen Schiff. Neben ihm werden auch Jabilo M’Benga und Dr. Carol Marcus in die Handlung integriert, wobei der Autor David Mack die Forschungen um das Meta-Genom mit viel Fingerspitzengefühl thematisch an das Genesisprojekt koppelt.

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Genesis live auf der Spur

Kritikwürdige Aspekte: Es gibt nur wenige Punkte, die eine Beanstandung zulassen.
Einer davon ist allerdings ein schwerer Logikfehler. Nachdem Commander Terrell von den Shedai lebensgefährlich getroffen seine Situation analysiert, gibt er dem Fortbestand seiner Existenz nur eine eingeschränkte Zeitspanne: „Bestenfalls bin ich dann wohl gegen Mittag tot.“ Erst das Dämpfungsfeld dämmt die Ausbreitung des Metagenoms ein, doch dieses Feld nimmt er nicht an Bord, als er von Pennington und Quinn gerettet wird. Eine relativ turbulente und zeitintensive Rettung eines weiteren Crewmitgliedes beginnt, doch der mittlerweile ohne Schutz der Infektion hilflos ausgelieferte zukünftige Captain der Reliant überlebt, ohne dass sich seine Lage auch nur im geringsten verschlechterte.
Als besonders traurig ist der Umstand zu bewerten, dass, getreu einer guten alten Star-Trek-Tradition die anfangs so Furcht einflößende Spezies der Shedai „geborgt“ wird.
Angefangen bei den Klingonen, die im sechsten Kinofilm „Das unentdeckte Land“ an Schrecken verlieren, über Spezies 8472, die sich schließlich zur Kooperation überreden lassen bis hin zu den Romulanern, die ihre Heimatwelt wegen einer Supernova verlieren – jede die Föderation bedrohende Spezies verliert im Verlauf der verschiedenen Serien an Schrecken. Egal ob Ferengi, Dominion oder Kazon, schließlich passiert allen außerirdischen Rassen, was auch den Borg während Voyager widerfuhr: Sie lassen die Bedrohung, die sie am Anfang erahnen ließen, mit der Zeit verwischen.
Auch den Shedai geht es nicht anders. Zwar wurde im Vorgängerroman „Rufe den Donner“ bereits eine Gegenwehr möglich gemacht, doch erst in diesem Band verliert die Spezies an Gefahr, zerfleischt sich selbst in einem Bürgerkrieg und selbst ihre gefürchtete Meta-Genom-Infektion erweist sich als unangenehm, aber heilbar.
Die Shedai werden entzaubert und es wird einiges an Aufwand kosten, ihren alten bedrohlichen Status wiederherzustellen.
Der letzte Kritikpunkt ist schließlich – wie so oft – mit der Übersetzung verbunden.
Bücher haben eigentlich die Funktion, ihren Leser in seinem grammatisch-orthografischen Wissen zu bestärken. Doch nicht dieser Roman! Er geht einen anderen – mutigeren -Weg und versucht zu beweisen, dass es in der Zukunft viele kleinkarierte Regeln nicht mehr geben wird.
Neben kleineren Fehlern („[…] zwischen deren drei Monde […]“ (S. 9), […] eine halbe Millionen Jahre […] (S. 42) und „[…] Passage des Kodexe […]“ (S. 171)) heißt das große Thema in diesem Roman „Die richtige Verwendung von ‚dass’ und ‚damit’“. „[…] damit Xiong es hören konnte […]“ (S. 150), „[…] damit auch die Phaser wieder Energie hatten […]“ (S. 330) und „Damit ein Vulkanier so einen Zusammenbruch erleidet […]“ (S. 402) sind nur drei Beispiele für einen viel zu häufig auftretenden Fehler, der von mangelhaftem Sprachverständnis zeugt. Wer immer noch an meiner Einschätzung zweifelt, der sollte sich den Satz „In solchen Momenten fühlte sich Sandesjo weniger wie die Geliebte der Vulkanierin als wie eine völlig Fremde.“ (S. 17) vor Augen halten, um zu verstehen, dass der Übersetzer auf den Straßen Berlins zwar nicht sonderlich auffallen würde, aber von Übersetzungen Abstand halten sollte, von denen einen gewisser Sprachstandard erwartet wird.

Anachronismen: Zuerst einmal muss ich gestehen, dass ich einen Aspekt der Handlung weniger glaubwürdig fand: Die Tatsache, dass Jeanne Vinueza, die Exfrau Reyes, als Mensch Telepathin sein soll. Natürlich kann man jetzt zu Recht auf die TOS-Episode „Die Spitze des Eisbergs“ hinweisen, in der Kirk auf gleich zwei solcher Menschen trifft. Ich hingegen würde auch die TNG-Episode „Der Fall Utopia-Planitia“ verweisen, in der die Empathin Deanna Troi die Möglichkeit kategorisch ausschließt, dass auch Menschen entsprechende Fähigkeiten hätten. Das Grundproblem ist also eher, dass hier ein genereller Aussagenkonflikt besteht, und Mack sich für eine Seite entscheiden hat – ob sie für jeden Leser gleichermaßen stimmig ist, sei jedoch dahingestellt.
Auch die Behauptung, dass Tholianer höheren Druck benötigen, lässt sich mit den Beobachtungen aus „In einem finsteren Spiegel, Teil 1“ nicht in Einklang bringen.
Wie schon bei der Rezension zum dritten Titan-Band „Die Hunde des Orion“ bemerkt, hapert es in der Absprache der Autoren der beiden Fortsetzungsromane untereinander. Zwar wird mit der Erwähnung des Al-Nath-Systems eine Brücke zu Vardemans "Das Klingon-Gambit" geschlagen, doch modernere Romane werden dabei scheinbar ausgespart. Während nämlich in Titan-Serie Jetaniens Spezies abweichend dargestellt wird, kommen bei Vanguard Zweifel an der Spezies der Steuerfrau Ensign Lavenas auf. Pacifica wird hier nämlich nicht als Heimat einer indigenen Spezies, sondern als Kolonisationswelt beschrieben (S. 381). Diese kleinen Fehler stören den ansonsten recht schlüssig präsentierten Anspruch der Bücher, Informationen aus anderen Romanen aufzunehmen und eine Brücke zwischen Kanon und Romanen zu schlagen.

Fazit: Im Großen und Ganzen ist der dritte Vanguard-Roman „Ernte den Sturm“ ein würdiger Nachfolger des genialen zweiten Bandes. Sehr spannend geschrieben, toll in Szene gesetzt und mit unerwarteten Wendungen versehen, schreit der Roman geradezu nach einer Fortsetzung.
Lediglich die Degradierung der Hauptbösewichter und das haarsträubende Grammatikverständnis des Übersetzers schaffen es, diesem Werk eigentlich unverdiente Schatten aufzuerlegen.

Denkwürdige Zitate:

Im Alter von 50 haben wir alle das Gesicht, das wir verdienen.“ Reyes senior, S. 118

Wenn es eine Sache gibt, die ich in der Sternenflotte gelernt habe, dann das nichts so schlimm sein kann, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte.“ Terrell, S. 138

Entweder hat Fek’Ihr selbst in unsere Sensorphalanx geschissen, oder Chefingenieur Ohq hat sich gerade vierzig Schläge mit dem Schmerzstab verdient.“ BelHoQ, S. 207

Eine Lüge aufzudecken, Jabilo, ist eines. An die Wahrheit zu kommen, etwas anderes.“ Dr. Fisher, S. 221

Captains, ich habe gerade Dr. Fishers forensischen Bericht über die heute getöteten Kolonisten erhalten. Die gute Nachricht ist, sie wurden nicht von den Klingonen umgebracht. Die schlechte Nachricht ist … dass sie nicht von den Klingonen getötet wurden.“ Reyes, S. 301

Natürlich tun wir das, Ming. Diese Situation verlangt nach einer dummen und völlig aussichtslosen Geste und ich denke, wir sind genau die richtige Crew dafür.“ Nassir, S. 362

Bewertung: Allen Fehlern zum Trotz genial!

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall

Mittwoch, 6. Mai 2009

Vanguard 02: Rufe den Donner

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Buchbesprechung Dilmore, Kevin; Ward, David: Vanguard 02: Rufe den Donner. Cross cult, 2006.

Story: Erilon und Palgrenax sind zwei völlig verschiedene Welten. Die eine wird von lebensfeindlichen Eismassen beherrscht, die andere von Staub und Vegetation. Der eine Planet ist gänzlich unbewohnt, der andere hingegen beherbergt ein primitives Volk. Auf Erilon wurde ein Forschungscamp der Sternenflotte aufgeschlagen; Palgrenax ist ein von den Klingonen eroberter Planet.
Und doch eint beide Orte eine unheimliche Bedrohung. In den Gewölben der uralten Ruinen, die auf beiden Welten zu finden sind, lauert ein fremdes Wesen, das damit begonnen hat, die fremden Eindringlinge wieder in ihre Schranken zu verweisen und ihre Neugier mit der Wucht tödlicher Gegenschläge zu beantworten.
Doch wie begegnet man einem übermächtigen Gegner, dem Phaserfeuer und bat’leth-Hiebe nichts anhaben können und mit dem eine Kommunikation aussichtslos erscheint? Wie wehrt man sich gegen das planetare Verteidigungssystem, das sogar in der Lage ist, den gesamten Planeten selbst zu zerstören?
Während Tholianer und Klingonen auf einen Krieg zusteuern, versucht die Besatzung der Sternenflottenstation Vanguard, dem Mysterium der fremden Artefakte auf den Grund zu gehen. Doch die Antworten auf die Fragen um das Metagenom müssen mit Blut erkauft werden…

Lobenswerte Aspekte: „Rufe den Donner“ ist unheimlich spannend geschrieben und es ist fast unmöglich, mit dem Lesen aufzuhören, da man von den beschriebenen Ereignissen selbst beim zweiten Lesen noch immer in einen Bann gezogen wird. Für Leute mit schwachen Nerven ist dieses Werk mit Sicherheit kein geeigneter Lesestoff.
Unter den ersten drei bislang erschienen Büchern dieser Reihe ist es das beste, und funktioniert auch ohne den Auftritt irgendwelcher „Gaststars“ problemlos. Wie sein Vorgänger vereint es gekonnt die unterschiedlichsten Informationen aus den verschiedensten Star-Trek-Serien und –Filmen. Besonders hervorzuheben sind dabei die ab und zu erwähnten Schicksale von Personen, die auf jenen Planeten eine neue Heimat fanden, von denen der gut informierte Leser weiß, dass diese längst von den Neuralparasiten aus der TOS-Episode „Spock außer Kontrolle“ heimgesucht wurden. Ebenfalls genial liest sich, wie die Autoren den Auftritt der Romulaner mit den Ereignissen aus der Folge „Spock unter Verdacht“ verknüpften. Eventuell aufkeimendes Unverständnis für das plötzliche Aufkreuzen eines romulanischen Schiffes wird somit geschickt unterbunden, während man gleichzeitig die Auswirkungen der Geschehnisse in der Taurusregion clever mit der allgemeinen politischen Situation verflochten sieht.
Die kluge Einführung gibt sogar Lesern eine Chance, die den ersten Teil noch nicht kennen, und der Suche nach dem Metagenom mit Fragezeichen begegnen. Doch in diesem Buch kann er auch ohne großes Vorwissen erfahren, in welchem Zusammenhang dieses Stück hoch entwickelter Gentechnik mit dem Volk der Shedai steht. Diese neue Rasse ist gekonnt beschrieben und ihre übermächtige Kampfkunst lässt die Gefahr, die für Föderation wie Klingonen besteht, erahnen.
Es ist den beiden Autoren Dilmore und Ward ebenfalls geglückt, den Geist der "Ära der fliegenden Fäuste" einzufangen, wie sie dem Zuschauer der TOS-Serie vertraut ist. Die Disziplinierungsmaßnahmen Dr. Leones oder der Überfall der Weltraumpiraten fügen sich nahtlos in dieses Bild ein und vermitteln einen lebendigen Abbild dieser Zeit.
Insgesamt lassen sich dazu auch beinahe sämtliche positive Aspekte hinzufügen, die bereits in der ersten Rezension zum Pilotband der Vanguard-Reihe zu lesen waren. Doch der zweite Teil schafft es, den hohen Standard seines Vorgängers zu übertreffen und die Meßlatte für kommende Roman noch ein paar Zentimeter höher zu hängen.

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Vanguard 02: Ein Risiko für jeden Herzschrittmacher

Kritikwürdige Aspekte: Inhaltlich gibt es nur wenig zu beanstanden, denn etwaige Widersprüche wie der Auftritt der Romulaner oder die Nutzung eines Schiffes der Daedalus-Klasse werden gut erklärt und logisch in den Gesamtkontext miteingebaut.
Doch zwei im Buch gegebene Informationen widersprechen sich, vielleicht aufgrund der Tatsache, dass zwei unterschiedliche Autoren an diesem Buch schrieben, ein wenig. Während auf der Seite 28 nämlich noch zu lesen war: „Die meisten Geschäfte und Bars […] hatten rund um die Uhr geöffnet, damit alle, die in dem Dreischichtensystem arbeiteten, versorgt werden konnten.“ heißt es auf S. 398: „Auch wenn die meisten zivilen Geschäfte - abgesehen von ein paar Kneipen, die sich über Stars Landing verteilten – bis zum Morgen geschlossen waren, gingen die Sternenflotten-Operationen rund um die Uhr weiter.“.
Schade fand ich ebenfalls, dass die Deutschen im Roman ziemlich negativ dargestellt werden. So ist Dietrich Meyer, Mitglied des Diplomatischen Corps, der Klassenklown, der sicherlich nicht zu Unrecht das d'k tahg Lugoks zu spüren bekam. Der andere Deutsche namens Müller hingegen fällt durch massive Wehrkraftzersetzung auf.

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the worst of the wurst – Deutschländer sind voll doof

Was nach dem ersten Band irgendwie fehlt, ist ein ausklappbarer Mittelteil mit bunten Schemata. Natürlich wäre es doof, noch einmal die Station zu zeigen, doch das Buch bietet ja auch andere lohnenswerte Objekte, die sicherlich einen genaueren Blick vertragen könnten: Das Shedai-Relikt, die USS Lovell, die Rocinante oder die Omari-Ekon.
Doch all diese Kritikpunkte fallen kaum ins Gewicht, da sie durch die mitreißende Handlung mehr als ausgeglichen werden. Nur ein hartnäckiger Kritikpunkt schafft es, selbst ein prinzipiell so gutes Buch zu ruinieren: Die Übersetzung.
Es ist wirklich – ich bitte diesen Ausdruck zu verzeihen - zum Kotzen. Die Übersetzerin und auch der Lektor müssen entweder massivem Zeitdruck ausgesetzt worden sein, oder sollten ihre Berufswahl noch einmal gründlich überdenken. Die Fehler ähneln denen des Vorgängerromans, übertreffen dessen Quote jedoch um Längen.
Was zuerst einmal auffällt, sind die vielen Buchstabendreher bei Eigennamen. So liest man, um nur einen Bruchteil wirklich zu benennen, etwa zuweilen von „Khatmai“ (S. 45) statt „Khatami“, „Zaho“ (S. 48) statt „Zhao“ oder „Saith“ (S. 23) statt „Sarith“. Den Botschafter „Jetanien“ findet man sogar in abweichenden Schreibweisen wie „Jentanien“ (S. 145) oder „Jetainen“ (S. 375), wobei anzumerken ist, dass letztere Schreibweise sogar über mehrere Seiten beibehalten wird. Trauriger Höhepunkt dieser offenkundigen Inkompetenz beim Schreiben von Nomina bildet allerdings die Tatsache, dass aus Lt. „McCormack“ auf der Seite 126 plötzlich „McCoy“ wird. Der Leser wird durch solche plötzlichen Sprünge verwirrt und irgendwann verliert er sogar das Vertrauen in die Übersetzerin, seltener genannte Namen überhaupt richtig wiedergeben zu haben.
Neben anderen ständig auftauchenden Fehlern wie etwa bei der Interpunktion, fiel vor allem eine Schwäche bei Genus-bedingten Wortendungen auf: Egal ob bei „[…] mit Glücksspiele […] verschwenden […]“ (S. 20) oder „Ihre fehlendes Ehrgefühl […]“ (S. 164), zusammen mit dass/damit-Schwächen (Vgl. die widersprüchlichen Informationen über die Öffnungszeiten der Läden auf Vanguard, S. 398) oder Substantivierungsfehlern („[…] brachte sie zum lachen […]“, S. 62) ergibt sich ein Gesamtbild, das einem souveränen Sprachgebrauch des Deutschen spottet.
Natürlich könnte ich noch weitere Fehler, wie eine uneinheitliche Schreibweise von aldebaranischem Whiskey (S. 27 bzw. S. 60), mäßig übersetzten Begriffen („Nurse“ S. 95, „Rotalarm“ S. 322, „Ensign“ S. 322) oder abweichenden Schreibweisen zum Pilotroman („Fontana Meadows“ S. 371 statt „Fontana-Auen“) ins Feld führen, aber der allerschlimmste Fehler ist und bleibt ein Ausdruck des bereits toten Stens. Dessen Katra sucht nämlich ständig den Geist seiner früheren Verlobten T’Prynn heim und beweist dabei nicht nur fehlende Zurückhaltung, sondern auch böse grammatische Schwächen. Ich habe zwar keine Ahnung, wie sich ein Imperativ im Vulkanischen anhört, aber dafür weiß ich genau, wie der des Verbs „unterwerfen“ im Deutschen auf keinen Fall lautet:

UNTERWERFE DICH. (S. 66, S. 67, S. 71, S. 72, S. 372, S. 374, S. 376, S. 379)

Anachronismen: Es sind bislang keine gravierenden Störungen der Zeitlinie zu finden. Ich persönlich fühlte mich zwar durch die Anwesenheit eines Schiffes der Daedalusklasse gestört, aber dessen Einsatz wurde so fundiert erklärt, dass man es nicht als einen "wahren" Anachronismus zählen kann.

Fazit: Der zweite Vanguard-Roman „Ernte den Sturm“ ist der beste bislang erschienene Roman der Reihe. Die packende und mitreißende Handlung entführt den Leser in eine gut mit dem Kanon verknüpfte Welt voller Überraschungen und ungewöhnlicher Einblicke. Doch dem genialen englischsprachigen Roman wird durch schlampige Übersetzungs- und Lektorenarbeit ein nicht zufriedenstellendes deutsches Pendant gegenübergestellt, das mit seinen extrem auffälligen Fehlern geradezu nach einer dringend notwendigen Überarbeitung schreit.

Denkwürdige Zitate:

Verdammt noch mal, Tim […] Du bist schlimmer als meine zweite Frau.“ Cervantes Quinn, S. 31

Und wieder wurde der Vorhang von einem der großen Geheimnisse der Diplomatie gelüftet.“ Botschafter Jetanien, S. 148

Ich habe schon Schiffe gesehen, die in einer Schlacht schwer beschädigt wurden […] Und ich habe Schiffe gesehen, die in einen Ionensturm geraten waren. Einmal habe ich sogar ein Schiff bergen müssen, das mit einem Mond zusammengestoßen war […] Commodore, keines der Schiffe sah so schlimm aus wie dieses Stück Schrott.“ Jon Cooper, S. 207

Bewertung: Von der schlampigen deutschen Übersetzung um die volle Punktzahl betrogen.

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse
Vanguard 05: Vor dem Fall

Freitag, 27. März 2009

Vanguard 01: Der Vorbote

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Buchbesprechung Mack, David: Vanguard 01. Der Vorbote, cross cult, 2008.


Story
: Als die USS Enterprise NCC-1701 von ihrer ersten Mission am Rande der Galaxie zurückkehrt, benötigt sie dringende Reparaturen. Doch der Weg zurück in den Raum der Föderation ist noch weit und die Überraschung ist groß, als Cpt. Kirk feststellt, dass die Sternenflotte hier, mitten im nirgendwo, wo sich die Grenzen der Tholianer mit denen der Klingonen treffen, im Eiltempo eine neue Sternenbasis hochgezogen hat. Kirk, Spock und die anderen Brückenmitglieder des Schiffes kommen langsam hinter das streng gehütete Geheimnis, warum diese Station überhaupt existiert – auch wenn eigentlich noch niemand etwas mit dieser neuen und mysteriösen Entdeckung anfangen kann. Außer den Tholianern natürlich…

Lobenswerte Aspekte: Die Geschichte ist äußerst gründlich recherchiert, klug konzipiert und geschickt in den zeitlichen Rahmen eingegliedert worden. Neben Star-Trek-Anspielungen wie der Archer-Klasse, den Fontana-Auen oder Pennington sind es auch die Charaktere, die neben der Enterprise-Crew ein Gefühl der Vertrautheit erwecken. So begegnet der Leser hinlänglich bekannten Personen wie Jabilo M’Benga, Clarke Terrell oder Commodore Matt Decker. Überhaupt ist anzumerken, dass die Berichte über die Enterprise-Crew nur einen der vielen Erzählstränge des Romans bilden, und dass sie hauptsächlich dazu dienen, als Referenzpunkt für eine Art Spin-Off zu fungieren. Dies ist jedoch sehr angenehm, denn anhand neuer und frischer Charaktere werden tiefe Einblicke in Privatleben, Alltagsimpressionen, Bordleben, Sternenflottenprotokolle oder Intrigen gewährt. Eine genial geschilderte Raumschlacht rundet diese Elemente ab und letztlich beweist das Buch eindringlich, dass man eine gute Geschichte auch im bunten TOS-Universum am Laufen halten kann, ohne unseriös zu wirken. Der fesselnde Spannungsbogen und die liebevoll gestalteten Charaktere verleihen dem Ganzen eine gewisse Lebendigkeit. Eine lesbische Psychovulkanierin; ein cholerischer Chelarier mit gewöhnungsbedürftigen Essgewohnheiten; ein alkoholsüchtiger Weltraumschmuggler oder ein aufbrausender Latino-Commodore mit einer todkranken Mutter auf dem Mond; - sie alle sind glaubwürdig dargestellt und füllen einen leeren Platz für Antihelden im ansonsten schwarz-weißen Kirk-Zeitalter aus. Auch die nähere Beschreibung der Tholianer, eines Erzfeindes der Föderation bis hin zur Zeit Cpt. Picards, ist äußerst gelungen und füllt eine bislang noch unbesetzte Nische.
Gleichermaßen hervorzuheben ist der Verzicht auf Anachronismen. So wechselt die Besatzung der Enterprise auf Vanguard ihre Uniformen und Kirk ist noch nicht der Superheld späterer Tage, sondern muss sich noch beweisen, um aus dem Schatten seines Vorgängers Christopher Pike zu treten.
Anderen Rassen wird ein breites Spektrum zugewiesen. Man kann auf Orioner, Tellariten, Andorianer oder Vulkanier treffen; daneben gibt es noch eine Reihe von Vertretern unbekannter Völker. Auch die Menschen tragen nicht nur amerikanische, sondern auch polnische, deutsche, afrikanische, chinesische oder sogar isländische Namen.
Schließlich sollte auch noch das Zusatzmaterial erwähnt werden. Im Anhang des Buches finden sich kurze Personalakten zu den Hauptcharakteren und ein interessantes Interview mit dem Autor. Höhepunkt ist jedoch das ausklappbare, farbige Stationsschema in der Mitte der Station (Sternenbasis 47!!), das viele Schilderungen verständlicher macht.

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Ideal zum Nachvollziehen sämtlicher Figurenbewegungen: Wieviele Meter sind es von den Fontana-Auen bis zum "Manons"?


Kritikwürdige Aspekte: Es gibt vor allem ein großes Manko am Roman: die vielen Rechtschreibfehler. Gerne verhunzt der Übersetzer Eigennamen (Terrell oder Endeavour). In anderen Momenten beweist er, dass der Umgang mit den deutschen Fällen („wie er […] die Spuren von seinem Besuch vermeiden könnte, […]“, S. 184) oder der deutschen Orthografie nicht zu seinen Stärken gehört. Schlimmstes Beispiel dieser Unfähigkeit bildet das häufige Auftreten von „Dilithium-Mienen“. Andererseits muss man auch den Umfang bemängeln, den der Übersetzer zu bewältigen hatte: 395 sehr eng und klein bedruckte Seiten sind kein Lesestoff für Zwischendurch (deshalb dauerte die Anfertigung dieser Kolumne diese Woche auch etwas länger).
Ansonsten gibt es wenig zu meckern, außer vielleicht, dass ein guter MacAllen Single Malt Whisky zum Betrinken benutzt wird…

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Während der Lektüre: Desöfteren setzt der Kritiker vor Entrüstung seine Dilithium-Miene auf

Anachronismen: Um überhaupt Anachronismen entdecken zu können, muss man entweder lange suchen, oder den neuen Kinofilm abwarten. De facto weicht lediglich der Fähigkeitsbereich der Tholianer etwas von der Darstellung in ENT ab, aber die Episode wird für den Schreiber zu spät erschienen sein. Allerdings steht das telepathische Können der farbenliebenden Rasse auch nicht in einem direkten Gegensatz zu der dortigen Präsentation (ENT "Im finsteren Spiegel, Teil I").

Fazit: Wer schon immer einmal wissen wollte, woher Scotty das „grüne Zeug“ aus der TOS-Episode „Stein und Staub“ hat, sollte den Start der Vanguard-Reihe unbedingt lesen. Doch der Roman ist nicht nur etwas für TOS-Fans; er vermittelt ein lebendiges und differenziertes Bild der Sternenflotte des 23. Jahrhunderts und entspricht (noch) dem Kanon. Viel Zusatzmaterial steigert das Lesevergnügen zusätzlich. Kurz gesagt wird eine spannende Geschichte mit einem der besten Star-Trek-Bücher eingeleitet, das seit längerer Zeit erschienen ist.

Denkwürdiges Zitat:

Verflucht unnütze Teile. […] Schildgeneratoren. Sie halten nie länger als einen Treffer.“ Kevin Judge, Chefingenieur der USS Bombay, S. 141f.

Bewertung: Lesenswerter Einstieg in eine neue alte Welt.

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Weiterführende Leseliste:

Vanguard 01: Der Vorbote
Vanguard 02: Rufe den Donner
Vanguard 03: Ernte den Sturm
Vanguard 04: Offene Geheimnisse

Vanguard 05: Vor dem Fall