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Freitag, 9. Oktober 2009

Die Spiegelwelt 2

Vorbemerkungen: „Die Spiegelwelt 2“ bildet den vorläufigen Abschluss der gemeinsamen Comic-Buchbetrachtung von Turon47 und seinem Autorengast, dem ausgebildeten Kunstpädagogen Hans Ötzthaler, die sich besonders auf die Spiegeluniversumsdarstellung konzentrierte.
Unser besonderer Danke geht wieder einmal in Richtung K’olbasa, der uns diese beiden Hefte aus seinem beeindruckenden Fundus zur Verfügung stellte.

Buchbesprechung Barr, Mike W.; Sutton, Tom; Villagran, Ricardo: Die Spiegelwelt 1, Carlsen, 1991/1994.

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Story: Wieder einmal befindet sich Kirk außerhalb unseres Universums. Im Spiegeluniversum angekommen, mimt er seinen barbarischen Zwilling, um einer geplanten Invasion den Riegel vorzuschieben.
Marlena Moreau führt ihn in die Untergrundbewegung der Menschheit ein, von wo aus er einen waghalsigen Plan schmiedet: Während er zusammen mit der USS Excelsior einen Dissidenten von einem Strafplaneten zu befreien versucht, soll der ebenfalls zur Gruppe gestoßene Mr. Spock die Klingonen für eine Breitbandallianz mit den Romulanern gegen das Terranische Imperium bewegen. Nach langen und zähen Verhandlungen gelingt die schließlich, doch zum einen ist längst eine Armada von Erdenschiffen unterwegs, um Kirk das Handwerk zu legen und zum anderen verfolgen die Klingonen eigene Pläne. Sie wollen nach einer hoffentlich erfolgreichen Schlacht die Gelegenheit nutzen, um sich die Technologie der Excelsior unter den Nagel zu reißen und Kirk zu töten...

Lobenswerte Aspekte:

Turon47: Tatsächlich gelingt es diesen vier Comics, die Spiegeluniversumswelt um einige wissens- und sehenswerte Nuancen zu bereichern. So erhält er Leser Alltagsimpressionen von der Spiegel-Erde (vgl. S. 9), erfährt, wie Gefängnisse dort funktionieren (vgl. S. 36) oder sieht mit an, wie es dem anderen Kirk nach diesen ganzen Querelen ergeht (vgl. S. 72). Als besonders einfühlsam muss ich die Ideen bezeichnen, ein Schiff ISS Nixon zu nennen (vgl. S. 61), oder Defensivsysteme von Gefängnissen zur Sabotageeindämmung mit der Lebenserhaltung für die Insassen zu koppeln (vgl. 39) und schließlich kann dieses Werk mit einem Erklärungsansatz punkten, der anderen Comics, Büchern und allen Episoden ums ach so böse Spiegeluniversum fehlt:
Hier wird geklärt, warum die Menschheit eigentlich so verroht, gewalttätig und aggressiv expansiv ist. Die Schuld tragen nämlich die Romulaner, denen es in ihrem Krieg gegen die Erde gelang, den Heimatplaneten der Terraner zu besetzen und grausam zu unterjochen. Logischerweise folgte dem irgendwann eine Rebellion, die die despotische Fremdherrschaft abschüttelte, und alle Menschen im festen Willen vereinte, von nun an nur noch selbst zu erobern und niemals wieder erobert zu werden (vgl. S. 11f.).
Einige Storyelemente waren ebenfalls gut, und für ein Werk, das noch vor TNG entstand, nahezu prophetisch gewählt. Nachdem im ersten Band Carol Marcus durch die Hand Kirks verstarb, war es nämlich durchaus überraschend zu sehen, dass der tot geglaubte David Marcus in seiner Spiegelversion doch noch lebt und irgendwie nimmt dies die Folgenideen von DS9-Episoden wie "Durch den Spiegel" oder "Der zerbrochene Spiegel" vorweg, in denen die Verlustgefühle Benjamin oder Jake Siskos durch die alternative Existenz Jennifer Siskos auf die Probe gestellt werden.
Auch kleinere hellseherische Anwandelungen, wie Sulus Inbesitznahme des Captain-Stuhls der USS Excelsior (S. 39) oder die Schaffung einer "[...] Allianz, die das Empire in die Knie zwingen könnte" (S. 41).
Auch die Story ist, zumindest in den ersten drei Heften dieses Teils, etwas komplexer. Mehr Twists, mehr Spannung und vor allem Spocks Wandlung von Saulus zum Paulus und Saaviks doppeltes Spiel verhelfen der Geschichte zu einigen Höhepunkten.
Mit der Erwähnung von "Tri-Ox" (S. 23), "Gamma Triangulis" (S. 33) oder der "Farragut" (S. 37) werden Folgen wie "Weltraumfieber", "Die Stunde der Erkenntnis" oder "Tödliche Wolken" verlinkt, und alle bisherigen Kinofilme werden ebenfalls berücksichtigt, auch wenn der Bezug auf dern ersten Film durch eine kurze Erwähnung der "ISS Nogura" (S. 72) vergleichsweise gering ausfällt.

Hans Ötzthaler: Den meisten formalästhetischen und bildnerischen Aspekte, die bereits in der vorangegangenen Rezension von mir ins Feld geführt wurden, bleiben auch diese vier Hefte treu, die in diesem zweiten Band zusammengefasst wurden. In Farbgebung, Kontrastvariation und Einzelbildeinsatz bleiben sie auf einem engen Schmusekurs mit den Vorgängerheften und weichen dafür umso mehr von neueren Comics wie "Countdown" oder "Spiegelbilder" ab.
Selbst die Spannungskurve verliert in den ersten drei Hefte kaum an Steigung, was sicherlich auch am streckenweise sehr sensiblen Umgang mit dem Spiegeluniversum liegt. So bildet etwa die Allianz zwischen Klingonen und Romulanern eine interessante Wendung, zumal Intrigen zwischen den einzelnen Parteien ein stetiges Element sind (vgl. S. 51), durch das sich diese brüchige Allianz von Bündnissen des anderen deutlich Universums abhebt.
Zudem ist auch die Vielzahl von unterschiedlichen Handlungsorten und die damit verbundenen neu eingeführten Charaktere lobend zu erwähnen, da durch diese Maßnahme der Lesespaß besonders gefördert wird. In diesem Zusammenhang ist schließlich für Trekkies besonders die große Menge an gezeigten Raumschiffen interessant, unter denen sich unter anderem zu meiner großen Freude auch die ISS Reliant befand (vgl. S. 80).
Am herausragendsten war allerdings jener der Handlung durchaus angemessene Schritt, die 'bösen' Hauptprotagonisten der Erzählung sterben zu lassen - eine logische Entscheidung, die darüber hinaus dem allgemeinen Schicksalsverlauf von Individuen des Spiegeluniversums entspricht.

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Es kann nur einen geben!

Kritikwürdige Aspekte:

Turon47: Bei allem Lob für die Storyideen muss man deren Umsetzung stark kritisieren. Spocks Wandlung ist an den Haaren herbeigezogen, Saaviks Doppelgängerspiel war zu durchsichtig und Spiegeluniversums-Bewohnern wie David Marcus oder Marlena Moreau fehlt es ebenso an Seele, wie an erkennbaren Charakterzügen. Statt Styles auch im anderen Universum als inkompetenten Gegner zu nutzen, wird der unbekannten Figur Blain dieser schwarze Peter zugeschoben (vgl. S. 12f. und S. 49f.), obwohl mit dem englischen Captain deutlich mehr Kontinuität und Witz in die Handlung eingebracht worden wären.
Verkorkster Höhepunkt ist allerdings das letzte der vier Hefte, das nur lose Verbindungen mit seinen Vorgängern teilt. Als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, ergießt sich eimerweise Kitsch in die letzten Seiten, der bei aller Liebe für Happy Ends einfach zu sehr "Friede, Freude, Eierkuchen" mit den Errungenschaften moderner Pressefreiheit kreuzt.
Auch dieser Band ist genauso schlecht gebunden wie sein Vorgänger, und auch hier ziert eine wirklich hochwertige Coverarbeit ein Comic, dessen Stil mit diesen Zeichnungen wirklich gar nichts zu tun hat.
Ich für meinen Teil empfand diesen Stil als noch schlechter als im ersten Band und hatte gleich mehrmals das Gefühl, dass hier "Masse statt Klasse" das zentrale Motto war. Die Innenstadt San Franciscos (vgl. S. 15), die Große Halle der Klingonen (vgl. S. 42) und die zuvor von meinem Kollegen bereits gelobten Flottenansichten (vgl. S. 29, S. 65 oder S. 90) waren zwar interessante Ansichtsobjekte, doch deren Detailarmut war ärgerlich. Besonders wenn man sich die USS Surak ansieht (vgl. S. 93), muss man mit Erschrecken festhalten, dass die zuweilen so verspielte Detailverliebtheit Star Treks (die, wie man im ersten Kinofilm sehen kann, allerdings auch übertrieben werden kann) hier völlig ignoriert wird. Spocks neues Kommando sieht ein wenig aus wie eine Kreuzung aus Oberth- und Constitution-Klasse mit Kotflügeln auf den Warpgondeln und einem großen Löffel als Maschinensektion; zu mehr Einzelheiten reicht die Darstellung jedoch schon nicht mehr. Gerade dieses breit gefächerte Interessenfeld, das im Internet zahllose Seiten beschäftigt, wird hier mit klobigen und zumeist skizzenhaften Abbildungen keinesfalls in ausreichendem Maße befriedigt, und selbst detailliertere Bilder (vgl. S. 91) blieben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Zudem ist es sehr fraglich, ob man im Spiegeluniversum tatsächlich über die technischen Möglichkeiten verfügt, um ein unbekanntes Schiff wie die USS Excelsior innerhalb von nur wenigen Tagen zu kopieren und diese Kopie sogar betriebsfähig zu machen (vgl. S. 66). Nur eines ist noch widersprüchlicher: Scottys vorsorglicher Einsatz, um diese Kopie außer Gefecht zu setzen (vgl. S. 71)...

Hans Ötzthaler:

Rein formalästhetisch gibt es die gleichen Kritikpunkte wie beim ersten Comic-Band. Sulus Narbe hat noch immer nicht die richtige Form (vgl. S. 9) und noch immer hält es den Vergleich mit anderen Comics nicht aus. So wirkt es etwa fast ironisch, dass auf den letzten Seiten die Hefte der "Superman returns"-Reihe beworben wurden, die im Gegensatz zu diesen Zeichnungen qualitativ in einer völlig anderen Liga spielen.
Des Weiteren hätte ich mir bei der Darstellung der Planeten zuweilen etwas mehr Liebe gewünscht. Ein wenig mehr als bloße Schraffuren hätten ihnen gut getan, denn sie wirken zu oft einfach nur wie bunte Flummis, die nutzlos im Weltall herumschwirren. Der Mond, als grüner Erdtrabant ist ja vielleicht noch verständlich (vgl. S. 90), doch eine ockerfarbene Erde mit Parallelschraffur ohne kleinste Details ist einfach nur ein Zeugnis zeichnerischer Faulheit.
Andererseits gibt es auch deutliche Unterschiede zum Vorgänger:
So wird die offen zur Schau gestellte Brutalität, ihrerseits unbestreitbar eine Art Markenzeichen des Spiegeluniversums, nicht mehr in dem Maße erreicht, in dem der Vorgänger darauf zurückgriff. Eigentlich sieht man sogar nur noch sehr selten Gewalt, und wenn es tatsächlich doch zu der ein oder anderen Auseinadersetzung kommt, werden die Protagonisten entweder 'nur' k.o. geschlagen oder bewusstlos (vgl. S. 13, S. 37, S. 47, S. 69). Dadurch fehlt diesen Heften etwas der Originalität, die sie von anderen Star-Trek-Comics abzuheben vermag.
Besonders ist hierbei der Schaukampf zu erwähnen, in dem ein American Gladiator gegen einen zu dünn geratenen Hulk antritt (vgl. S. 10ff.); bei einem solchen angeblich auf Leben und Tod geführten Kampf hätte man wenigstens andeutungsweise etwas Blut oder wenigstens einige Schrammen und Narben zeigen können, außerdem sind die Waffen der beiden Kontrahenten so überdimensioniert, dass sie sogar den Durchmesser des Ringes zu sprengen scheinen und für einen Zweikampf völlig ungeeignet wirken.
Abgesehen von solchen konzeptionellen und zeichnerischen Mitteln ist auch die Geschichte an sich nicht mehr so schlüssig wie zuvor, was sich besonders im vierten Heft besonders zeigt.
Die einzelnen Handlungsstränge sind hier bei aller sorgsam aufgebauten Spannung ab einem gewissen Punkt einfach vorhersehbar, werden anschließend konfus und gehen am Ende sogar ins Dämliche über.
Doch auch in anderen Heften sind manche der Situationen schlichtweg bekloppt:
Ausgerechnet Kirks Sohn leitet den Widerstand (vgl. S. 16f.) – eine kitschige und vor allem unnötige Wendung, die viel zu brachial zufällig erscheint. Das einzig positive daran war, dass David Marcus in der Folge keine größere Rolle mehr spielte, auch wenn es in meinen Augen keineswegs gestört hätte, wenn er auch im Spiegeluniversum den Tod gefunden hätte.
Es war zudem zwar schön, mal wieder eine Andorianerin zu sehen (vgl. S. 80), die auch noch ein recht hübsches Gesicht hatte, doch die um sie herum aufgebaute Geschichte einer Insider-Exklusiv-Story ist, gelinde gesagt, ungefähr so schlüssig wie Schwarzwälder Kirschtorte mit Spinatfüllung.
Dass die abstruse Geschichte auch noch geplant sein soll, wird am Ende dadurch angedeutet, dass Kirk der jungen Frau Blumen schickt. Oder hat er vielleicht einfach nur mit ihr geschlafen? Oder beinhalten der fremdartig wirkende Strauß eventuell aphrodisierende Pflanzen? Die Körperstellung der beglückt wirkenden Journalistin (vgl. S. 96) legt das jedenfalls nahe…
Abgesehen davon ist das gesamte Ende viel zu weit hergeholt, und ein offenes Ende, etwa direkt nach dem Ableben des Spiegeluniversums-Kirks, wäre angenehmer gewesen, als dieser unwürdige Abschluss. Eigentlich hätte man sich sogar das gesamte vierte Heft sparen können, denn dieser letzte Teil wirkt wie ein Fremdkörper und ist ohne Frage der langweiligste Teil der gesamten Reihe.

Übersetzung: Die meisten Fehler aus dem ersten Band werden nahtlos fortgeführt: Saavik wird konsequent als "Mr." angeredet (vgl. S. 33, S. 46, 2x S. 55, S. 73 und S. 79), man sagt "Schilde heben!" (S. 62) statt einfach "Schilde hoch" oder beläßt Begriffe wie "Empire" (S. 3) unübersetzt.
Daneben finden sich auch noch Begriffe, die von der offiziellen Seriensynchronisation abweichen, wie etwa "saurischer Brandy" statt "saurianischer Brandy" oder die "Grundsatzerklärung der Marskolonien" (S. 88) statt "die fundamentale Deklaration der Marskolonien" .
Wiederum sind die Titel der vier Originalhefte, die hier zum zweiten Sammelband zusammengefasst wurden, auf englisch belassen worden (vgl. S. 3, S. 26, S. 49 und S. 74) und nur über diesen Bildern finden sich mäßige Übersetzungen der Titel. Dass im letzten Teil schließlich der aufgebrachte Mob auf englisch "Keep Kirk!" (S. 85) skandiert, ist zwar logisch, jedoch dem Lesevergnügen etwas abträglich.

Anachronismen: Dieses Comic spart an unangemessenen Eingriffen in den offiziellen Kanon genauso wenig wie sein Vorgänger.
Gleich auf der ersten Seite wird Imperatoren, wie Hoshi Sato es in "In einem dunklen Spiegel, Teil II" werden wollte, widersprochen, in dem man dem Terranischen Imperium durch einen "Hohen Rat" erschreckend demokratische Züge verleiht (vgl. S. 3) und auch die sicherlich clever entworfene Zeitlinie, nach der der verlorene Krieg gegen die Romulaner den Fokuspunkt für die Auseinanderentwicklung der beiden alternativen Realitäten bildet, wird durch diese Episode die Daseinsberechtigung abgesprochen, zumal Dr. Phlox bei seinen vergleichenden Studien markante Unterschiede bereits zu früheren Zeitpunkten feststellt (Shakespeare natürlich ausgenommen).
Die Klingonen hingegen gründen zwar tatsächlich eine Allianz, doch wie man in "Die andere Seite" erfahren kann, spielen dabei nicht die Romulaner (vgl. S. 52), sondern die Cardassianer eine entscheidende Rolle. Auch die Tatsache, dass hier Kahless der IV., seines Zeichens Urenkel des legendären Reichsgründers, die Regierungsgeschäfte innehat, korreliert nicht unbedingt mit den Angaben aus Folgen wie "Das Schwert des Kahless" oder "Der rechtmäßige Erbe", denen zufolge selbst bei der seit "Der Blutschwur" bekannten Langlebigkeit von Klingonen diese Person niemals in einem so zeitnahen Verwandtschaftverhältnis zu dem Mann stehen kann, der im 9. Jahrhundert wirkte.
Ebenso verwunderlich ist der vom Klingonen Konom ausgesprochene Satz "Lek Vroktau Kronauk" (S. 43), der weder zu dem von John M. Ford für Romane wie "Der letzte Schachzug" oder "Was kostet dieser Planet" entworfene Klingonaase, noch in das "offizielle", von Mark Okrand entworfene Klingonisch passen will. Es mutet daher tatsächlich etwas merkwürdig an, dass die anderen anwesenden Klingonen diesen Ausspruch tatsächlich verstehen.
Am weitreichendsten sind allerdings die im letzten der vier Hefte geschilderten Ereignisse, die ihr Schärfchen zum viel zu kitschigen Ende beitragen. Entgegen aller in Star Trek IV "Zurück in die Gegenwart" geschilderten Begebenheiten, bleibt Kirk Admiral (vgl. S. 93), bekommt den Oberbefehl über die Excelsior (vgl. S. 96) und Spock bekommt ebenfalls ein eigenes Schiff (vgl. S. 95f.).
Natürlich ist dies vor allem der Tatsache geschuldet, dass dieses Comic direkt nach dem dritten Kinofilm "Auf der Suche nach Mr. Spock" entstand, doch die Autoren haben sich bei der Wahl ihrer eindeutig aus dem Fenster gelehnt und sich zu Spekulationen über den Fortgang der Star-Trek-Saga hinreißen lassen, die es geradezu provozierten, dass es schließlich ganz anders kam. Wer weiß, vielleicht spielt ja eine Unterhaltung aus dem vierten Film direkt auf solche Mutmaßungen an, wie sie in diesem Buch schließlich zu Unrecht getätigt wurden:

McCoy: "Die bürokratische Mentalität ist das einzige, auf das man sich im Universum verlassen kann... ...wir kriegen einen Frachter!"
Sulu: "Bei allem Respekt Doktor, ich rechne mit der Excelsior."
Scotty: "Excelsior? Warum in Gottes Namen wollen Sie diesen hässlichen Pott?"

Erst beim Anblick der NCC-1701-A spricht Kirk die ganze Wahrheit aus, die diesem Comic schließlich den Boden unter den Füßen wegreißt:

"Meine Freunde, wir sind zu Hause."

Fazit: Vieles, was bereits positiv zum ersten Band bemerkt wurde, trifft natürlich auch auf diesen zweiten Band der „Spiegelwelt“-Serie zu. Dennoch kann er durchaus mit eigenen Höhepunkten aufwarten, die sich nicht verstecken müssen.
Zu ihnen kann etwa der Versuch gezählt werden, zum ersten Mal in der Star-Trek-Geschichte den Grund für die markanten Unterschiede zwischen beiden Universen zu erklären und auch die Entscheidung, die Spiegeluniversums-Crew der Enterprise sterben zu lassen, ist ein durchaus gelungener Zug.
Doch angefangen bei der Bindung, bis hin zur krassen Detailarmut hat dieser Band nicht nur die negativen Aspekte seines Vorgängers übernommen, sondern sogar noch ausgebaut.
Zu wenige Gewaltdarstellungen werden mit noch mehr Anachronismen gewürzt und dieser Kombination gelingt es letztendlich, die gesamte Geschichte zu ruinieren. Federführend ist dabei das letzte der vier Hefte, das ein unwürdiges Ende heraufbeschwört, dass es in dieser Form nicht gegeben haben kann.

Denkwürdige Zitate:

"Sulu, diese Narbe soll sie ihrem Gegenstück ähnlicher machen. Wenn Sie daran kratzen, geht sie ab!"
"Aber es juckt, Doc!"
"Hände Weg, oder Sie kriegen eine dauerhafte!"
McCoy und Sulu, S. 9

"Beim Geiste Lenins..."
Chekov, S. 20

"@#%§*!!"
Captain Kolar, S. 70

"Verdammt, ich würde ihm gern das Lächeln vom Gesicht wischen... notfalls chirurgisch."
McCoy, S. 79

Bewertung: Definitiv nicht „zu Hause“.

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Weiterführende Leseliste:

Star Trek Comics (Auswahl)

Die Spiegelwelt 1
Die Spiegelwelt 2
Countdown
Spiegelbilder
Tor zur Apokalypse
Spock

Freitag, 2. Oktober 2009

Spiegelbilder

Buchbesprechung Messina, David; Pechelli, Sara; Tipton, David; Tipton, Scott: Spiegelbilder. Cross cult, 2009.

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Vorbemerkungen: Ich bin ein großer Freund von Romanen, doch ich gebe zu, dass ich Comics als Literaturprodukte zwar schätze, jedoch nicht über den nötigen Sachverstand verfüge, um hier Aufbau, Stil und künstlerischen Wert taxieren zu können. Ich bevorzuge eher das mir hinlänglich bekannte Terrain von Romanen, wo sich die Handlung auf rein literarischer Ebene entfaltet, und dem Leser ein sehr individuelles Verständnis geboten wird, während die Verwendung von Bildern völlig andere Standards erfordert.
Aus diesem Grund habe ich wieder einmal die Hilfe meines guten alten Freundes Hans Ötzthaler in Anspruch genommen, um meine Kompetenzlücken durch einen ausgebildeten Kunstpädagogen auszugleichen.

Story: Neben unserem vergleichsweise friedlichen Universum gibt es noch eine Vielzahl weiterer, und in einem davon ist die Menschheit nichts weiter als ein brutales, grausames und blutrünstiges Volk, dass sich der rücksichtslosen Expansion verschrieben hat.
In diesem Universum existieren auch die Gegenstücke bekannter Persönlichkeiten, auch wenn sie sich stark von ihren Entsprechungen unterscheiden.
Der junge aufstrebende Commander James T. Kirk dient unter dem verdienten Captain Christopher Pike, und kennt nur ein Ziel: Das Kommando über die ISS Enterprise NCC-1701 zu übernehmen. Pike steht ihm dabei im Weg und den jungen ersten Offizier plagen keinerlei Skrupel, etwa durch einen Attentatsversuch in der Befehlskette aufzusteigen.
Doch Pike erweist sich als hartnäckiger Brocken, und Kirks Situation wird langsam brenzlig. Mehr als je zuvor benötigt er eine Apparatur, die er vor kurzem erwerben konnte: Einen Strahler, der Widersacher einfach per Knopfdruck auszulöschen vermag.
Doch dieses Gerät muss zuerst einmal überhaupt auf das Schiff gebracht, an den Sicherheitsüberprüfungen vorbeigeschleust und installiert werden - ein Spiel gegen die Zeit, denn Pike hat dazu angesetzt, den Emporkömmling Kirk aus dem Weg zu räumen. Wird Kirk es noch rechtzeitig schaffen, den Strahler zu installieren und Pike zu beseitigen?

Lobenswerte Aspekte:

Turon47: Die dunkle, finstere und bedrohliche Stimmung aus "Ein Paralleluniversum", der ersten Spiegeluniversumsfolge Star Treks, ist beeindruckend eingefangen worden. An vielen kleinen Details kann der Leser dabei nicht nur stimmungsrelevante Hinweise auf die dieser alternativen Zeitlinie innewohnenden Brutalität finden, sondern auch ganz offensichtliche:
Das Schiff Picards heißt nämlich nicht 'Stargazer', sondern 'Starbreaker' (S. 53), die Wand der Krankenstation zieren nicht wie in "Der schlafende Tiger" antiquierte medizinische Instrumente, sondern alte Disruptoren (S. 13) und die Frage, ob bolianisches Bier wirklich aus Bolianern hergestellt wird (vgl. S. 39) entbehrt hier keineswegs einer gewissen Berechtigung.
Vieles wurde aus der "Mutter aller Spiegeluniversumsfolgen" übernommen: Die Einrichtung der Quartiere des Captains (vgl. S. 44) und Spocks (vgl. S. 19), der Agonie-Simulator (vgl. S. 94) und sogar eine in dieser Episode getroffene Aussage Spocks wird tatkräftig bewiesen:

"Aber Dr. McCoy hat sehr viele menschliche Züge. er ist sentimental und schwach. Sie werden mir nicht sagen, was ich wissen will - aber er wird es."

Daneben ist das Werk auch gut mit jener Zeitlinie verknüpft, die man aus den Serien und Filmen kennt, denn viele Ereignisse, Personen und Schicksale aus diesem Universum sind schließlich im anderen ähnlich verlaufen. So treffen wir, abgesehen von den etablierten Charakteren wie Scotty, Sulu oder Uhura, auch auf die Gegenstücke bekannter Figuren wie Kelso (S. 5), hören vom 'verunfallten' Dr. Piper (S. 26) und sehen auch Jack Crusher sterben (S. 61). Dass der junge Chekov in dieser wohl vor TOS angesiedelten Geschichte fehlt, fand ich nur logisch - immerhin werden innerhalb der 114 Seiten genug Plätze für aufstrebende Offiziere frei.
Zu den besonderen optischen Highlights gehören zum einen die tripedalen Fremdlinge (vgl. S. 5f.), die mich stark an die Edosianer aus TAS erinnerten und das käfergleiche orionische Raumschiff (vgl. S. 30ff.).
Besonders gut gefiel mir das "Zwischenspiel", das, von der Co-Zeichnerin Sara Pichelli geschaffen, eine ebenso überfällige, wie losgelöste Brücke zu späteren Spiegeluniversumsepisoden wie "Die andere Seite", "Durch den Spiegel", "Der zerbrochene Spiegel", "Erkenntnis" oder "Die Tarnvorrichtung" schlägt. Hier wird allerdings im Gegensatz zu den DS9-Darstellungen der Blick nicht auf die Menschen unter der Knute der Allianz, sondern auf das allmählich zerbröselnde Terranische Imperium geworfen, und Picards böser Zwilling darf nicht nur "Merde" sagen (S. 57), sondern auch das nach ihm benannte Manöver erfinden (vgl. S. 64ff.).
Im großen und ganzen setzt das Comic auf das Erfolg versprechende Konzept von Sex'n'Violence, das allerdings hier aufgrund des Spiegeluniversums tatsächlich funktioniert. Das Werk ist für Star-Trek-Verhältnisse außergewöhnlich freizügig; man kann hier neben schlampigen weiblichen Yeomen (vgl. S. 22f. und 71ff.), auch völlig nackte Orionerinnen (vgl. S. 41) und die sich abzeichnenden Nippel Christine Chapels bewundern (S. 102) - ein durchaus gewagter, nichtsdestotrotz gelungener Schritt.
Daneben gibt es unheimlich viel Blut zu sehen; angefangen bei den Verletzungen Pikes (vgl. S. 9ff.), über den Mord Picards an seinem Captain (vgl. S. 48f. und S.63), bis hin zum finalen Zweikampf zwischen Kirk und Pike (S. 107) - ein gewisser Splattereffekt ist nicht von der Hand zu weisen.
Doch dies alles passt zu einem Universum, dass als roh, instinktorientiert und barbarisch charakterisiert werden kann, und verleiht damit dem Comic einen eigenen Reiz.

Hans Ötzthaler: „Weh tun muss es!“ Das dachten sich wahrscheinlich die Macher vom Vorgänger „Countdown“, als dieser ihnen beim Schuhezubinden aus dem Ohr fiel. Mit diesem Frell im Hinterkopf nahm ich mir zaghaft den neuen Comic zur Hand und bin überrascht!
Zwar gibt es rein formalästhetisch kaum Unterschiede zwischen „Countdown“ und „Spiegelbilder“, doch einiges fällt auf. Die düstere Atmosphäre trägt nicht allein die Bedrohung dieses Universums, in dem ein jeder jederzeit und überall kalt gemacht werden kann. Die Story ist eng gewoben und spannend erzählt, die Erzählstränge laufen eng beieinander und löschen sich gegenseitig aus … oder auch nicht, wodurch gerade Spannung aufgebaut wird. Die Farbigkeit in einheitlichem Halbdunkel mit - diesmal - sinnigen Hell-Dunkel-Kontrasten, Glanzeffekten und scharfen Schlagschatten erzeugt den Eindruck, die Protagonisten bekämpften ein vehement eindringendes Dämmern. Die Ausweglosigkeit der Handlungs-Kausalitäten, die für Freunde der Franchise vorhersehbar sein dürfte, wird durch den gekonnten Umgang mit Licht und Schatten unter gleichzeitiger Verwendung von Komplementärkontrasten unterstützt.
Zwei weitere, im Unterschied zu „Countdown“, besser bzw. überhaupt verwendete Kontraste sind der Größen- und der Entfernungskontrast. Hatten im Vorgänger noch unterschiedlich entfernte Objekte die gleichen Farbintensitäten, so wird das hier deutlich unterschieden. Dadurch wird gleichermaßen der Größenkontrast gefördert und etwaige Situationen wie etwa das Aufeinandertreffen der I.S.S Starbreaker und dem cardassianischen Kriegsschiff Almara (S. 52ff.) als wahrlich knifflig und gefährlich wahrnehmbar.
Die Personen sind fast immer erkennbar und der Einheitsgesichterbrei des Vorgängers wurde größtenteils überwunden. Und auch Gefühle sind eindeutig zuordenbar, zumal es weit mehr als nur Hass, Wut und Verachtung gibt, wie etwa Scotty sich eindeutig vor Pike und Kirk fürchtet. (S.72f.)
Rein zoologisch interessant ist das außerirdische dreibeinige, dreiarmige, violettfarbige Wesen zu Beginn des Comics (S.5f.) zu nennen. Es hat zwischen den Beinen mehrere Lendenschürze und zwischen den mehr als zwei Rippenbögen ziehen sich Muskelpakete zu jedem Bein nach unten. Die großen, weit auseinander stehenden Augen lassen auf ein Leben im Dunkeln schließen, in dem auch der Blick nach hinten wichtig ist. Der sehr faltige Hals legt nahe, dass der Kopf um wenigstens 120° drehbar ist. Und das Vorhandensein von zwei Daumen an jeder Hand unterstützt die Radiärsymmetrie des Körpers. Dieses Wesen ist - wenigstens intuitiv - durchdacht und neben dem „New-Orion-Beetle“ der orionischen Schmuggler (S.32f. und 42) und der überaus faszinierenden Zwischengeschichte mit Picard und Crusher ein Highlight dieses Comics.
Hinzu kommen die bloße Gewalt und der offensichtliche Sex und sein Ismus, welche allesamt in diese Welt passen. „Oh ja, weh tun muss es!

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Brave new world: endlich eine saubere Möglichkeit zur Entsorgung kritischer Stimmen

Kritikwürdige Aspekte:

Turon47: Wirklich viel kann ich zur künstlerischen Gestaltung kaum bemerken. Nur eines muss ich als Laie festhalten: Die Figuren waren oft sehr gut, genauso oft jedoch überhaupt nicht getroffen. Streckenweise hatte ich sogar Probleme, Kirk und Pike während ihres finalen Duells überhaupt auseinanderzuhalten.
Zwei größere zeichnerische Details ließen mich allerdings verwundert die Stirn runzeln. Warum geben die technischen Systeme der Enterprise undeutbare Schriftzeichen wieder (vgl. S. 9, S. 18 und S. 29), während die Flottenbefehle plötzlich wieder in traditioneller lateinischer Schrift gehalten sind (vgl. S. 75)?
Auch das so detailliert und folgengetreu gezeichnete Quartier des Captains warf Fragen auf. Wenn Commander Kirk sich soviel Mühe macht, in seinem Quartier den Tantalusstrahler installieren zu lassen (vgl. S. 103), warum zieht er dann später in das ehemalige Quartier Pikes (vgl. S. 44)?
Diesen gestalterischen Fragen schließen sich erzählerische Fragen an. Wenn Kirk schon die Orioner vernichtet, um keine Zeugen zu haben (vgl. S. 42), warum lässt er dann Scott am Leben, der das Gerät einbaute und damit seine Funktionsweise kennt? Wieso hört der mit einem besonders guten Hörsinn ausgestattete Vulkanier Sorek nicht das Geflüster seiner Untergebenen (vgl. S. 50f.)? Warum verschwor sich der laut Darstellung in "Ein Parallel-Universum" überhaupt nicht machtbesessene Spiegeluniversums-Spock mit Kirk, um erster Offizier zu werden?
Von diesen kleineren inhaltlichen Fragwürdigkeiten abgesehen ist diese Geschichte, die sich selbst zum Ziel setzte, die Anfänge der Karriere des Spiegeluniversums-Kirks näher zu beleuchten, auch die Geschichte der verpassten Gelegenheiten, denn viele bekannte Fragmente aus der Spiegeluniversumshistorie bleiben unaufgelöst.
Was ist mit Kirks erster Aktion, der "Niederschlagung der Gorlan-Revolte durch Zerstörung des Heimatplaneten der Rebellen"? Oder der "Exekution von fünftausend Kolonisten auf Vega IX"? Was ist mit dem Tisch, auf dem McCoy vor einem Jahr Säure verschüttete? Woher kommt der riesige Schmiss Sulus?
Diese noch immer offenen Fragen hätten quasi im Vorbeigehen, mit kleinen Storyeinschüben, Randbemerkungen oder Hintergrundzeichnungen angesprochen werden können. Damit hätte man vielleicht kleine Easter-Eggs schaffen können, die dem Comic noch mehr Leben eingehaucht hätten.
Immerhin haben die geistigen Väter dieses Comics in diesem Werk ebenfalls Unterschlupf gefunden. So sind beispielsweise der Zeichner David Messina (S. 68 und S. 69, "Heil Picard!"), die Co-Zeichnerin Sara Pichelli (S. 68 und 69, Juhuu!") oder der Texter Scott Tipton (S. 68 und 69, dicker bärtiger Mann) im "Zwischenspiel" unter die Besatzung der 'Starbreaker' gemischt worden.

Hans Ötzthaler: “Wo sind die Eier.“ Eine Geschichte wie die Star Treks hat doch nun schon Geschichte geschrieben. Da wäre zum einen die Filmgeschichte. Dann der Kuss zwischen einem Weißen und einer Schwarzen. Literarische Ergüsse und auch mal gute Bücher, viele Comics, Spielzeug, Rollenspiele, Inneneinrichtungen sowie Lebensweisheiten und Zitate in allen Bereichen. Warum zitiert dann dies der Comic nicht? Nichts ist zu sehen auf den vielen Bildern. Keine kleinen Andeutungen, versteckte Huldigungen, nichts an Satzzitaten und null Querverweise auf andere Charaktere wie etwa auf den Erfinder der Folterzelle (syn. Agoniekammer).
Wieso lässt Kirk Mr. Scott und Henshaw am Leben, wo diese doch wissen, wie der Tantalusstrahler funktioniert? Hingegen tötet er die Orioner, obwohl die das nicht wissen.
Schade ist, dass die Flächen per Mausklick mit Farbe gefüllt wurden und man das allzu leicht sieht. Sind Personen etwas weiter entfernt, leidet sofort ihre Mimik darunter, wenn es da überhaupt noch was geben sollte, was Mimik entstehen lassen könnte.
Leider sind auch, wie im Vorgänger, der Zauberstab und andere Bildbearbeitungsprogrammfunktionen ganz offensichtlich verwendet worden. So sind zum Beispiel mal wieder Raumschiffe einfach gespiegelt, was an der Beleuchtung erkennbar ist, und dann dupliziert worden. (S.56f.) Zeichnerische Qualitäten sind leider kaum erkennbar, weil der Computer alles tüncht.
Die Raumschiffe, so schön sie auch oft sind, haben gerne Mängel wie etwa die Klingonenschiffe (S.66); Mängel, die eigentlich Konstruktionsfehler zu sein scheinen.
Obwohl dieses Werk im Vergleich zum Vorgänger wesentlich besser ist, scheinen die Macher Angst zu haben, Spielereien und Kniefälle einzubauen. Sie schrecken sogar davor zurück, Star Trek sich selbst zitieren zu lassen. So bleibt am Ende die Frage übrig “Wo sind die Eier? – bei Paramount.“

Übersetzung: Es ist nicht unbedingt so, dass die Übersetzer dieses Buches im Vergleich zum Arbeitspensum eines ganzen Romans übermäßig viel zu tun gehabt hätten. Die Dialoge und Einschübe sind mehr als überschaubar und die konsequente Großschreibung erstickt potentielle Fehlerquellen bereits im Keim.
Dass sich dennoch zwei - zugegebenerweise lustige - kleine Schusselfehler eingeschlichen haben, ist um so verwunderlicher, zumal einer im, am Umfang gemessen, größten zusammenhängenden Textteil zu finden ist: "Der Enterprise wird hiermit befohlen, umgehend ihren Kurz zu ändern [...]"
Der andere ist nicht weniger spaßig: Hier wird Wesleys Vater nach seinem ‚überstürzten’ Tod „Jack Crasher“ (S. 68) genannt.

Anachronismen: Abgesehen von den bereits unter "Kritikwürdige Aspekte" erwähnten Punkten verwundert vor allem die Verwendung der Galor-Klasse (vgl. S. 55ff.). Während die Klingonen immerhin Schiffe ins Rennen schicken, die im späten 24. Jahrhundert bereits ausgemustert sind (vgl. "Die Prophezeiung"), scheinen die Cardassianer auf einen Schiffstyp begrenzt zu sein.
Dafür scheinen die Klingonen in diesem Werk auch nicht das Augment-Problem, das ausführlich in den ENT-Episoden "Die Heimsuchung" und "Die Abweichung" beschrieben wurde, zu haben: Ihre toten Besatzungsmitglieder tragen zwar Uniformen, die denen aus TOS sehr nahe kommen, doch stirnwulstfrei ist keine der abgebildeten Leichen.
Beide 'Anachronismen' sind bei aller Zweifelei jedoch interpretationsfähig, und man muss diesem Werk daher zugute halten, dass es (bislang) mit dem Kanon konform zu gehen scheint.

Fazit: Das Comic "Spiegelbilder" macht nicht nur seinem Vorgänger, sondern auch potentiellen Nachfolgern das Leben schwer, denn in Stil, Figuren und Formsprache hat es sich die perfekte Nische für die Darstellung Messinas gewählt.
Dem Comic gelingt es tatsächlich, zu überraschen, denn es ist nicht mit anderen derartigen Produkten im Star-Trek-Universum vergleichbar. Seine offensichtliche Konzentration auf Sex und Gewalt, seine problemlose Integration in den offiziellen Kanon und die Tatsache, dass es Lücken füllt, die im Spiegeluniversum ohnehin Klärung bedurften, machen es zu etwas besonderem, selbst wenn das Werk etwas hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und zeichnerische Makel seines Vorgängers teilt.

Denkwürdige Zitate:

"Haben Sie jemals bolianisches Bier gekostet?"
"Nein, ich hab gehört, dass man's aus echten Bolianern macht..."
Sulu und Kirk, S. 38

Bewertung: Sexy!

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