Montag, 27. Mai 2013

Sorge Dich nicht, beame!

 Buchbesprechung Bottlinger, Andrea; Humberg, Christian: Sorge Dich nicht, beame! cross cult, 2012.

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Vorwort: Beinahe erschrocken musste ich vor Kurzem feststellen, dass meine letzte Rezension bereits ganze zwei Jahre her ist.
Das hat allerdings einige Personen nicht davon abgehalten, immer wieder ungläubig vorbeizuschauen, Kommentare abzugeben und mich persönlich anzuschreiben.
Nun hat sich in letzter Zeit ziemlich viel in meinem Leben verändert. Neue Perspektiven haben sich mir eröffnet, ein anderer Blog und sein liebenswertes Schreiberkollektiv hat mich in seinen Bann gezogen und mal ehrlich: Wenn man nur noch Star-Trek-Romane liest, wird man irgendwann betriebsblind und verliert rasch seine Objektivität.
Doch alte Liebe rostet nicht und jeder gute Schuster kehrt irgendwann wieder zu seinen Leisten zurück. Oder er wird zurückgekehrt. Ich wusste, dass ich wieder in Aktion treten musste, nachdem sich auf dem Besucherzähler dieses Blogs und dem der Tafelrunde Einträge wie dieser häuften:

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Nun gut, "Sorge Dich nicht, beame" ist zwar kein Roman, aber durchaus geeignet, um ein kleines Comeback zu startet. Ihr Leser wolltet es ja nicht anders...

Story: Es gibt wahre Heerscharen von Lebensratgebern da draußen. Hilfsleistungen in Buchform für einsame Frauen jenseits der dreißig, esoterische Führer für leichtgläubige Seelensuchtouristen und Ratgeber für übergewichtige Genussmenschen mit dem Willen zur Körpermassereduzierung. Weil aber ein Lebensreiseführer für die immer selbstbewusster auftretenden Geeks und Nerds noch fehlt, sprangen Andrea Bottlinger und Christian Humberg selbstlos in diese Bresche und verfassten ob der großen Konkurrenz einen nicht so ganz ernst gemeinten Lebensratgeber für eingeweihte Personenkreise.
Personen, die wissen, wie wenig Darth Vader tatsächlich als pädagogisches Vorbild taugt. Personen, denen man nicht mehr erzählen muss, dass für Kirk Beziehungen eine gewisse Halbwertzeit nicht überschreiten. Und natürlich Personen, die wissen, dass Han zuerst geschossen hat.

Source: i.chzbgr.com via Turon on Pinterest


Lobenswerte Aspekte: Es ist schon beeindruckend, was die beiden Autoren da zusammen auf die Beine gestellt haben. Nicht nur, dass die Sci-Fi-Giganten Star Trek und star wars thematisiert werden; auch andere Serien und Filme wie Battlestar Galactica, Babylon 5, Firefly, Farscape, Buffy, Alien, Red Dwarf, Spider Man, Iron Man und viele andere mehr finden in diesem Werk Erwähnung. In wirklich jedem Dorf wird mal kurz ein Köter gestreichelt und das Herz des allseits informierten Geeks schlägt wahre Purzelbäume bei der Lektüre so vieler Autoritätsargumente.
Aber auch Personenkreise, die mehr von einem solchen Buch erwarten, können bedient werden. So gibt es ein oder zwei interessante Thesen, die erwähnt werden sollten: Zum Beispiel die Behauptung, dass Musik bei Star Trek in erster Linie ein humoristisches Element sei (vgl. S. 152ff.). Kontrovers, aber durchaus einiger Gedanken wert (Selbstverständlich stimme ich nicht zu).
Dem gesamten Buch ist der unablässige Enthusiasmus des dynamischen Autorenduos durchaus anzumerken. In dem qualitativ hochwertig hergestellten Buch kann man sich daher auch nur zurechtfinden, wenn der eigene Wissenstand mit dem der Autoren Schritt zu halten vermag. Es ist ein Werk von Eingeweihten für Eingeweihte. Ein Buch von einer Star-Wars-Anhängerin für Star-Wars-Anhänger und einem Trekkie für Trekkies.
Daraus einen Ratgeber zu basteln ist per se gar keine schlechte Idee. Immerhin hat beispielsweise Star Trek vielen etwas auf den Lebensweg mitgegeben: Der eine interessierte sich fortan vermehrt für Physik, ein anderer studierte aus diesem Grund Philosophie und wieder andere haben über die Serie Zugang zur nationalen Fantastik-Szene erhalten. Das Potential für einen augenzwinkernden Lebensleitfaden ist also in der Tat gegeben. Immerhin gab es bereits Versuche wie "Das Picard-Prinzip", aber gerade der spielerische Umgang mit der Materie gereicht den gekonnt schreibenden Urhebern zum Vorteil.

Kritikwürdige Aspekte: Um es vorweg zu nehmen: Ich mag cross cult! Was dieser Verlag seit dem unrühmlichen Rückzug Heynes für die deutschsprachige Star-Trek-Literatur geleistet hat, ist herausragend. Auch wenn ich nicht immer mit den Inhalten einverstanden bin, möchte ich den Umstand nicht missen, dass dieser kleine Betrieb uns Fans den Zugang zu Star Trek in Romanform weiterhin ermöglicht. Und nicht nur das: Ohne cross cult gäbe es auch diesen Blog nicht. Erst Vanguard hat den Stein des Anstoßes geliefert, eine ausführliche Rezension darüber zu verfassen.
Und ich mag Christian Humberg. Ein großartiger Übersetzer, auf dessen Arbeit ich ja schon oft genug überschwängliche Loblieder gesungen habe.
Ich habe auch nichts gegen Andrea Bottlinger. Irgendwie ist mir die Frau sogar sympathisch. Der verträumt-abwesende Blick auf ihrem Promofoto machte nicht unbedingt einfacher, was ich an dieser Stelle einmal laut aussprechen muss:
Das Buch "Sorge Dich nicht, beame" ist absoluter Bockmist. Zweihundertundvierzig Seiten reine Papierverschwendung, wenn man einmal von der einseitigen Werbung für den "Phantast" absieht.
Wie kann ich so etwas nur behaupten?
Nun, meine Mängelliste ist lang, doch der Übersichtlichkeit halber will ich mich auf fünf in meinen Augen zentrale Kritikpunkte beschränken.

1. "Sorge Dich nicht, beame" schwimmt wie ein Stück modriges Treibholz auf dem Scheitelpunkt der aktuellen Geek-Modewelle. 'Geek' heißt aus marktwirtschaftlicher Sicht, dass es eine Menge x an Science-Fiction- und Fantasy-Reihen gibt, die ein gemeinsames, potentiell investierwilliges Publikum anziehen, das man melken kann wie noch in den Neunzigern die Star-Trek-Fans. Die FedCon-Betreiber sind daher längst zu FedCon-Geeks geworden, die gute alte SpaceView wurde eingestampft und als "Geek!" mit Frankenstein-gleicher Einfühlsamkeit wiederbelebt und auch das Sortiment von Cross Cult (Walking Dead, Doctor Who oder Castle) hatte von Anfang an eine so breite Ausrichtung, dass man selbst den Verlag als gutes Beispiel dieser Entwicklung heranziehen kann.
Doch Modewellen sind ob ihrer Kurzlebigkeit mit Vorsicht zu genießen und längst nicht alle Fans sehen dieser Ausrichtung wohlwollend entgegen. Zudem bedeutet 'Geek' nicht, dass man als Angehöriger der Zielgruppe wirklich alles mögen muss, was in diese Richtung weist. Tatsächlich halte ich das legendenumrankte Geek-Publikum für einen Marketing-Mythos, in dem sich die Verantwortlichen grundlos sonnen.
Doch Serien wie die "Big Bang Theory" oder "Community" boomen sonder gleichen und bestärken Herausgeber und Autoren in ihrem Glauben an entsprechende Luftschlösser. Die Ausrichtung auf Geeks kann man jedenfalls auf dem Cover  von "Sorge Dich nicht, beame" ablesen: Munter mixt es Spock mit Yoda und selbstverständlich prangt der Schriftzug "Big Bang" (für das vollständige "Big Bang Theory" haben die Rechte wahrscheinlich nicht gereicht) auf den üppigen Brüsten des blonden Cover-Girls. Der äußere Eindruck setzt sich beim Lesen fort. Wie bereits unter den positiven Aspekten erwähnt, erwähnt man möglichst viele verschiedene Franchises, um dem vermeintlichen Geek-Erwartungen gerecht zu werden.
Tatsächlich hat das beim Lesen aber eher gestört. Zu plump waren die visuellen Anspielungen und zu weit hergeholt die Beispiele im Text, um dem Grundanliegen gerecht zu werden. Viel eher glich es einer Angeber-Liste unter dem Titel "Guck mal, was ich alles gesehen habe". Untertitel: "Ich bin ein Geek wie Du."
Das ist unterste Schublade.

2. "Sorge Dich nicht, beame" hat zwei dicke Fische aus dem Kult-Karpfenteich gerissen und zu einer Mahlzeit püriert. Dabei sage ich es bestimmt schon zum tausendsten Mal:
Hört endlich auf, star wars und Star Trek in einen Topf zu werfen!
Zugegeben, seit Abrams verschwimmen die Unterschiede zwischen den beiden großen Science-Fiction-Franchises, doch das Eine ist immer noch ein unterhaltsames Weltraum-Märchen, während das Andere eine vergleichsweise anspruchsvolle Vision bietet, die Zukunft zu betrachten. Ständig die star-wars-Keule zu schwingen, wenn man über Star Trek spricht, ist schlichtweg unseriös, wie man wunderbar in der affigen Kinobesprechung zu Star Trek: "Into Darkness" von Steven Gätjen sehen kann.
Die beiden grundverschiedenen Franchises ob ihrer Zuordnung zur Science Fiction dauernd durcheinander zu werfen, ist in etwa so, als würde man zu einem Schalke-Spiel im Dortmund-Trikot gehen; schließlich ist ja beides Fußball.
Ja, es gibt markante Unterschiede zwischen beiden Formaten.
Ja, es gibt Animositäten zwischen beiden Fangruppen.
Und ja, wenn Bottlinger und Humberg auf die Vorschläge cross cults gehört hätten, und wie vorgesehen ein Buch geschrieben hätten, in dem vergleichend besprochen worden wäre, 'welcher Captain cooler ist' oder 'welches Raumschiff mehr kann', hätte ich es ob der Herangehensweise besser gefunden. Sofern Star Trek gewonnen hätte natürlich.

Source: i.chzbgr.com via Turon on Pinterest
Source: i.chzbgr.com via Turon on Pinterest


3. Der augenzwinkernde Lebensratgeber "Sorge Dich nicht, beame" versprüht in etwa den Witz und die Heiterkeit eines totgefahrenen Igels auf der A2 (um die Tristesse perfekt zu machen: Höhe Ausfahrt Wollin). Natürlich ist Humor subjektiv, aber für dieses Buch auch definitv ein Fremdwort. Schenkelklopfer und ironisch-bissige Kommentare sucht man auf den über zweihundert Seiten vergebens, auch wenn sich die Autoren offensichtlich verzweifelt bemüht haben, komisch zu sein. Das Ergebnis steht allerdings sogar noch eine Niveaustufe unter "Wochen-Show", "Heute-Show" oder "Traumschiff Surprise" - die ohnehin schon zu den Niederungen jeglicher Humorkultur zählen. Wenn ein "Monty Python" das Standardmaß für den Lachfaktor ist, so kann man diesem Werk ohne Gewissensbisse eine verdiente 'Null' zusprechen. Oder um es in der Nerd-Sprache zu halten: Dieses Werk ist der Jim Belushi der deutschsprachigen Star-Trek-Literatur.
Keinen Deut besser sind die eigentlich handwerklich ansprechenden Illustrationen, die jedoch mit ihrem fragwürdigen und vor allem aber infantilen Humor (vgl. z.B. S.75, S. 140 oder S. 200ff.) jegliche Sympathien verspielen. Vielleicht finden Kindergarten-Kinder so etwas noch witzig; die gebildete, erwachsene Zielgruppe unterfordert man auf diese Weise jedoch maßlos.
Oder reflektieren die Schwarz-Weiß-Bilder nur die Vorstellungen über die kaufstarke Zielgruppe?

4. "Sorge Dich nicht, beame" wartet nicht nur mit den unsinnigsten Ratschlägen, sondern auch mit den unpassendsten Beispielen dafür auf.
Abgesehen davon, dass sich star wars mit seinen gerade einmal drei Frauenrollen (Amidala, Anakins Mutter Shmi und Leia) schon statistisch für eine Berücksichtigung bei Themen wie "Partnerschaft" oder "Familie" disqualifiziert, erwischt es Star Trek noch schlimmer. Als weibliches role model zum Thema "Partnerschaft" wird allen Ernstes Kathryn Janeway herangezogen (vgl. S. 22).
Janeway?
Die Frau, die über sieben Staffeln, 168 Folgen und einen Kinofilm unbemannt bleibt? 
Genau die!
Also ob es in diesem Bereich keine qualifizierteren Personen gegeben hätte!
Zum Beispiel Nyota Uhura, die in der neuen alternativen Zeitlinie nicht nur das Musterbeispiel einer emanzipierten Frau gibt, sondern auch das grün durchblutete Herz des ersten Offiziers Spocks erobern konnte.
Zum Beispiel Jadzia Dax, die nicht nur ob ihrer unbekümmerten Art und wissenschaftlichen Ausbildung zu einer Vorzeigefigur des Star-Trek-Universums wurde, sondern auch durch ihre Ehe mit dem griesgrämigen Sicherheitsoffizier Worf.
Zum Beispiel Deanna Troi, die nicht nur hervorragende Arbeit als Schiffscounselor und Psychologin leistete, sondern auch den Rang eines Commanders bekleidete und schlussendlich ihren Imzadi William Riker ehelichte.
Mir würden noch weitere besser geeignete Beispiele wie Beverly Crusher, Kira Nerys, B'Elanna Torres, Ezri Dax oder sogar Hoshi Sato einfallen, also warum zum Teufel wählte Christian Humberg ausgerechnet Janeway?
Ganz einfach: Um sich über sie lustig machen zu können und ein schlechtes Beispiel parat zu haben. Das ist zwar völlig einseitig und zielt völlig an der in Star Trek zur Schau gestellten Wirklichkeit vorbei, aber es spielt den Absichten des Autors in die Hände. Wozu sollte man sich mit der Realität aufhalten, wenn man küchenpsychologisch seine eigenen Ansichten beweisen will?
Den Preis für den absolut dämlichsten Vergleich in diesem Buch verdient allerdings die Gegenüberstellung von Yoda mit Jogi Löw (vgl. S. 116). Das ist nicht nur völlig humorfrei, sondern auch noch total verzweifelt an den den Haaren herbeigezogen. Die Passage wirkte so uninspiriert, haltlos und austauschbar, dass wir das an dieser Stelle einmal selbst ausprobieren:

Das Modell Yoda am Beispiel von Osama Bin Laden

These: Der ehemalige Anführer von Al-Qaida ist ein Mentor von Yodas Schlag.
Okay, sofern Sie oft auf völlig willkürliche und unwitzige Behauptungen hereinfallen, folgt nun die küchenpsychologische Beweisführung: Bin Laden schulte junge Menschen, die bereit waren, für die 'Macht' auf eine Hand, ein Bein oder die Integrität ihres gesamten Körpers zu verzichten. Er entsagte den Annehmlichkeiten einer technisierten (westlichen) Welt und zog sich eremitenartig in eine weit entfernte, unbesiedelte Region zurück, um der Rache eines hochgerüsteten Ungläubigen zu entkommen. Von dorther entsendet er selbst ausgebildete Kämpfer, um dem Beherrscher des Universums das Leben schwer zu machen.
Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass er mit dem heutigen Feind einstmals zusammengearbeitet hatte.
Kommt Ihnen das etwa nicht aus dem Kino bekannt vor? Echt nicht?
Dann haben sie sich einen Funken Menschenverstand bewahrt!

5. „Sorge Dich nicht, beame“ ist streckenweise beleidigend und verpasst es, das Potenzial zu nutzen, das insbesondere Star Trek bietet. Vor allem Christian Humbergs Vergleiche empfand ich als streckenweise sogar den Tatbestand der Verleumdung erfüllend. Aus seiner Richtung hätte ich Äußerungen wie "Star-Trek-Freunde gehen nicht ins Stadion [...]" (S. 70) oder der Vergleich von Star-Trek-Musik mit der am Ballermann (vgl. S. 155) einfach nicht erwartet.

Star-Trek-Freunde im Stadion
Umso trauriger, dass Humberg selbst der Meinung ist, dass die Kernaussagen dieses Buches tatsächlich ernst gemeint seien.
Daher noch einmal der deutliche Hinweis von einem glücklich verheirateten Menschen: Nutzt dieses Buch um Himmels Willen nicht als Leitfaden zur Partnersuche, als Wegweiser für den Arbeitsalltag oder als Grundlage für nachbarschaftliches Miteinander!
Wenn man ein solches Buch schon mit einer gehörigen Portion Ernst versehen möchte, hätten sich andere Themen doch viel besser angeboten.
Warum nicht ein Kapitel zum Entsagen von Gefühlen?
Oder über Ehre und den ständigen Kampf wie bei den Klingonen?
Warum nicht ein Kapitel über Leute, die einen mit Massentrends wie dem Geek-Begriff assimilieren wollen?
Ein Buch der verpassten Gelegenheiten.

Übersetzung: Da dieses Buch in deutscher Sprache erschienen ist und nicht übersetzt werden musste, halten sich die Fehler in Grenzen.
Sollte man meinen!
Aber so ein Fehlerteufel lässt sich nicht so einfach vertreiben, weswegen man schon mal träge Formulierungen wie "Serienepisoden" (S. 13, das ist fast so gut wie "Haarfrisuren"), unmögliche Steigerungsformen wie "falscher" (S. 74) oder vergessene Fragezeichen (S. 174) finden kann. Das wäre nicht so schlimm und auch gar nicht der Erwähnung wert, wenn nicht die beiden selbsterklärten Star-Trek- und star-wars-Experten traurige Fehler miteingebaut hätten, die ihr Werk mit weiteren Fragezeichen versehen.
Wenn man die Heimatwelt Leias als "Adleraan" (S. 20) und den Bordfriseur der Enterprise als "Mott" (S. 120) führt, darf der Leser auch leise zweifeln...

Anachronismen: Ob der vielen Argumente, die benutzt werden, um die Beweisführung der Autoren zu stützen, kommt es recht häufig vor, dass zweifelhafte Aussagen getroffen werden, denen man sich mit etwas Hintergrundwissen nicht so vorbehaltslos anschließen kann.
So etwa die Aussage, "Ein Sheldon käme in der Sternenflotte weit." (S. 71). Das ist völliger Unsinn, denn die Aufnahmetests der Sternenflotte sind nicht nur auf Intelligenz ausgerichtet, sondern beinhalten auch sportliche und psychologische Grundanforderungen, denen Sheldon Cooper aus der "Big Bang Theory" keineswegs genügen würde.
Ähnlich verhält es sich mit der Behauptung, dass in Gene Roddenberrys Universum nicht frisch gekocht werden würde (vgl. S. 134f.). Dabei müsste es der Haus-und-Hof-Übersetzer der Deep-Space-Nine-Bücherreihe besser wissen. Immerhin ist Ben Sisko begeisterter Koch (vgl. "Das Equilibrium") und in Star Trek VI: "Das unentdeckte Land" kann man sogar einen Blick in die Großküche des Schiffes werfen. In der letzten Folge "Enterprise" schlüpft William T. Riker höchstpersönlich in die Rolle des Schiffskochs der NX-01. Und von Neelix wollen wir lieber erst gar nicht zu sprechen anfangen.
Selbst die These, star wars wäre in puncto Wohnraum non-konformistischer als Star Trek (vgl. S 136ff.), stimmt auch nur dann, wenn man die Quartiere auf den verschiedenen Sternenflottenschiffen als Standard heranzieht. Bedenkt man aber, dass Picard Miteigentümer eines Weingutes ist (vgl. "Familienbegegnung"), Sisko sein eigenes Haus auf Bajor gebaut hat (vgl. "Im Ungewissen") und selbst Barclay in San Francisco ein ansehnliches Appartment bewohnt (vgl. "Das Pfadfinder-Projekt"), wird auch diese Argumentationskette rasch hinfällig. Schließlich mussten die beengten Wohnverhältnisse auf dem Millennium-Falcon auch nicht als Gesamteindruck für die star-wars-Unterbringungen im Allgemeinen herhalten.
Natürlich reicht meine Expertise nur für Star Trek, doch selbst mir fiel die löchrige Argumentation bei star wars auf: Nur weil man Chewbacca einmal Dejarik spielen sieht, erklären die Autoren die Schach-Abart gleich zu seinem Hobby (vgl. S. 189). Ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie viel wichtiger den Autoren die eigenen Argumentation vor den Fakten ansetzten.
Daneben nervte ab einem bestimmten Punkt auch die ständige Schleichwerbung für Bücher im Allgemeinen und insbesondere jene Bücherreihe, an der Christian Humberg als Übersetzer mitwirkte (vgl. z.B. S. 93, S. 171 oder S. 204) - immerhin gehören die literarischen Star-Trek-Produkte nicht in den offiziellen Kanon. Als Geek oder Nerd sollte man sich dieser Tatsache bewusst sein, weshalb sich der Eindruck der unverhohlenen platzierten Werbung förmlich aufdrängt.
Beschließen möchte ich diese Rezension schließlich mit einer Frage, die die Autoren in den Raum stellen und die ich an dieser Stelle mal einfach beantworten werde:
"Wäre es zu weit hergeholt, Kahless mit dem Bundespräsidenten zu vergleichen?" (S. 231)
Ja!

Fazit: Wenn Andrea Bottlinger und Christian Humberg auf die Vorschläge ihres Verlages gehört hätten, wäre mir die neue Negativtiefstbewertung sicherlich erspart geblieben. Obwohl die gute Idee, das handwerkliche Rüstzeug oder der große Enthusiasmus der Autoren beim Lesen deutlich spürbar werden, scheitert das Werk in fünf zentralen Punkten:
Nr. 1: Es schwimmt antriebslos im Strom der zweifelhaften Geek-Modewelle
Nr. 2: Es vermengt auf unsinnige Art und Weise Star Trek mit star wars
Nr. 3: Es ist in etwa so witzig und spritzig wie eine Fiebergrippe
Nr. 4: Es beinhaltet zweifelhafte Ratschläge, die mit unpassenden Beispielen untermalt wurden
Nr. 5: Es beleidigt Fans und verschenkt Potenzial
Hinzu kommt, dass es Rechtschreibfehler aufweist, die einem solchen Druckerzeugnis einfach fehlen müssen und leicht widerlegbare Argumente nutzt, um die eigenen küchenpsychologischen Erkenntnisse zu untermauern. Um einen Vergleich zu ziehen, wie er in diesem Buch des Öfteren zu lesen ist: "Sorge Dich nicht, Beame" gehört in jedes Nerd-Bücherregal wie Jar Jar Binks in den Galaktischen Senat.

Denkwürdiges Zitat:

"Verschwinden sie schnellstens aus diesem Buch!"
S. 111

Bewertung: Sorge Dich nicht, lies etwas Vernünftiges!


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Kommentare:

  1. Ahhh....was lange währt! Schön, dass Du diesen Blog wiederbelebst, Deine Rezensionen haben mir (zumindest hier) gefehlt. Und jetzt, "Keine Atempause, Geschichte wird gemacht..."

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  2. So, nachdem ich Deine (zu Recht) vernichtende Rezi gelesen habe, kann ich nun auch etwas zum Inhalt sagen. Ich fand Deine zum Teil bissige Kritik erfrischend und amüsant, ohne dass sie dadurch an Glaubhaftigkeit verloren hat. Dein fast schon wütender Ausbruch ob des ewig-gestrigen Vergleichs zwischen ST & sw kann man nur unterstreichen. Aber auch in allen anderen, von Dir aufgeführten "Aspekten" kann ich Deinem Statement gut folgen. Und wenn ich mir es recht überlege, so richtig kann ich nicht mal was mit dem Titel des Buches anfangen, "Sorge Dich nicht, Beame" - doch, ich sorge mich um die Zukunft eines Franchise, dass zum Fastview einer Geekgeneration erklärt wird, und dessen humanistische und positiven Zukunftsaussichten mit trashigen und düsteren Visionen einer apokalyptischen Menschheitsperspektive in einen Topf geworfen werden. Ich habe fertig!

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  3. Sehr schön, dass Du doch noch weitermachst! :-)

    Erst vergangene Woche war ich wieder hier, weil ich wissen wollte, was Du über "Die Gesetze der Föderation" denkst. Dabei bin ich dann über meinen eigenen Kommentar gestolpert. Wie doch die Zeit vergeht. Bei DS9 dürfte ich dich jetzt aufgeholt haben, wenn der Blog Deinen Lesefortschritt richtig wiedergibt. Außerdem habe ich auf Ebook umgestellt (und einiges noch ein zweites Mal gekauft). Was denkst Du über Star-Trek-Ebooks?

    Zur Rezension: Ich glaube, ich habe hier noch nie eine Rezension von Dir gelesen, die 0 Sterne bekam. Ich habe mir das Buch nicht gekauft, weil ich schon befürchtet habe, dass es so wird, wie Du hier schreibst. Ich denke, dass Thema ist sicher gut, um in der Geek im komprimierter Form eine Doppelseite zu befüllen, aber für einen ganz Roman gibt das Thema dann doch zu wenig her.

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    1. Moin Bernhard,

      Sehr schön, dass Du zurückgefunden hast! Zugegeben, ich habe einen kleinen Rückstand bei den jüngeren Star-Trek-Romanen, weil ich in letzter Zeit ein wenig mehr auf meine Ausgaben achten musste. Aber es geht wieder bergauf und ich hoffe inständig, Dich in Kürze wieder einzuholen...

      An sich bin ich ein Freund von E-Books, auch wenn mein Reader ein veraltetes Modell ist, dass mir meine Frau überlassen hat. Ich habe ihn noch nie eingeschaltet. Das lag allerdings eher an der fehlenden Zeit, als an der fehlenden Laune. Aber auch hier geht es wieder bergauf: Ich hab momentan viel Leerlauf (Zugfahrten, Busfahrten, Wartezeiten), den ich mit Lesen zu überbrücken gedenke.

      In der Tat habe ich noch nie null Punkte verliehen. Allerdings sei der Ehre halber gesagt, dass es sich bei 'Sorge Dich nicht, beame!" eher um einen 'augenzwinkernden Lebensratgeber' handelt, als um einen Roman. Er wurde mir allerdings mit der Bitte um Wiederaufnahme meiner Rezensionstätigkeit geschenkt (Dankeschön, K'olbasa!), weswegen ich zum Auftakt mal über den Tellerrand schaue. Aber auch wenn ich wirklich lange mit mir gerungen habe, würde ich es den mit einem Punkt abgekanzelten Romanen gegenüber als unfair empfinden, dieses Buch mit einer höheren Punktzahl zu versehen...

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  4. Jar Jar Binks ist - mit Verlaub gesagt - einer der aufrichtigsten Senatoren im Senat. Er mag ein bisschen schlicht in der Birne sein, aber im Gegensatz zum Großteil seiner Kollegen hat er ein reines Herz und kämpft wirklich für die gute Sache, statt nur an seinen eigenen Vorteil zu denken. Insofern sollte man sich eigentlich wünschen, dass es mehr Jar Jars im Senat gäbe.

    Machterfüllte Grüße
    Ein "Star Wars"-Fan ("Star Wars" schreibt man übrigens nicht kleiner als "Star Trek".)

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    1. Hallo Frank,

      Jar Jar Binks ist - mit Verlaub gesagt - eine der flachsten (ich will auch mal ein unsteigerbares Wort steigern dürfen) Charaktere der Filmgeschichte. Er ist als Figur nicht nachvollziehbar und ein guter Grund, sich die Prequel-Filme nicht anzusehen. Aber ähnliches sagt man ja auch über den Jar Jar Binks des Star-Trek-Universums: Wesley Crusher...

      Davon ab finde ich schön, dass Dir die bewusste Kleinschreibung (das muss man groß schreiben) von star wars überhaupt aufgefallen ist. Aber solcherlei Seitenhiebe liest man schonmal auf einer Seite, die "Star Trek Roman Rezensionen" heißt. Ich würde mich - um den Schalke-Dortmund-Vergleich noch einmal zu bemühen - nicht gleich darüber mit Star-Wars-Anhängern prügeln wollen...

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