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Sonntag, 28. November 2010

Starfleet-Kadetten 11. Die verschwundene Besatzung

Buchbesprechung Friedman, Michael Jan: Starfleet Kadetten. Bd.11. Die verschwundene Besatzung. Heyne, 1996/1995.

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Story: Auf einem toten Planeten entdeckt ein Außenteam der USS Tripoli ein merkwürdiges Geschöpf: Auf einer Steinplatte ruhend liegt dort eine Maschine, deren äußere Form eine (mehr oder weniger) exakte Kopie eines Menschen bildet.
Da sich hingegen die erwarteten Kolonisten nicht auf der Planetenoberfläche aufspüren lassen, schaltet die Gruppe den Blechmann ein, um die ersehnten Antworten über das Schicksal jener Gruppe zu erhalten. Aber der Android kann keine hilfreichen Informationen liefern.
Obwohl man keine befriedigenden Aussagen über das mysteriöse Verschwinden der 411 Bewohner Omicron Thetas erhält, markiert dieser Moment die Geburtsstunde eines außergewöhnlichen Sternenflottenoffiziers: Data.
Kurz nach seiner Aktivierung bewirbt sich der Android auf Anraten des Captains der Tripoli an der Akademie der Sternenflotte. Doch Datas Weg ist so weit wie steinig, und die Mühlen der interstellaren Bürokratie mahlen langsam.
Erst nach geschlagenen drei Jahren kann er sich auf den Weg zur Erde machen. Aber Data und drei andere Bewerber, die sich an Bord eines Schiffes der Oberth-Klasse befinden, bekommen früher als erwartet eine Ahnung davon, welch große Verantwortung mit ihrer Berufswahl einhergeht.
Kurz nachdem die USS Yosemite nämlich auf ein fremdes, möglicherweise feindlich gesinntes Schiff trifft, verschwindet plötzlich die gesamte Besatzung mit Ausnahme der vier jungen Akademieanwärter. Der Android muss seine Führungsqualitäten unter Beweis stellen, Kampfdrohnen abwehren und das Rätsel um die fehlende Crew lösen...

Lobenswerte Aspekte: In der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ zeichneten sich vor allem jene Folgen durch einen hohen Grad an Attraktivität aus, in denen der Android Data den Handlungsmittelpunkt bildete. Und ohne Frage zählen Episoden wie „Sherlock Data Holmes“, „Datas Tag“ oder der Zweiteiler „Kampf um das klingonische Imperium“ zu den Glanzlichtern der gesamten Serie.
Dieses erfolgreiche Zugpferd auch für eine Bücherserie einzuspannen ist daher nur ein logischer Schritt. Die Reihe „Starfleet Kadetten“ drängt sich in diesem Zusammenhang geradezu auf. Nur hier können biografische Lücken geschlossen werden, denn eine ereignisreiche Kindheit war dem Maschinenmann ja ohnehin nicht vergönnt. Daher verwundert es nicht weiter, dass dieses Werk mit einem wahrhaft epochalen Paukenschlag beginnt: Der Aktivierung Datas (vgl. S. 9ff.).
Der Leser erhält einen Einblick in die näheren Begleitumstände, lernt die beteiligten Akteure kennen und wird Zeuge des ersten gesprochenen Wortes aus dem Munde der legendären Figur. Ein wahrhaft historischer Moment im Star-Trek-Universum!
Gelungen ist zudem auch die Darstellung drei fremden Spezies in diesem Buch. Angefangen bei den Yann (vgl. S. 26), über die Opsarra (vgl. S. 56ff.) bis hin zu den T'chakat (vgl. S. 108) bestechen alle vorgestellten Rassen durch ihre Fremdartigkeit in Aussehen, Kultur und Habitus – keine Selbstverständlichkeit in einer Reihe, die eigentlich für Kinder gedacht ist.

Kritikwürdige Aspekte: Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Großen, legendären Figuren scheint es ähnlich zu gehen.
Das kann man deutlich an Data erkennen, denn dieses Buch ist ein einziger Blick auf den später ausgeformten Charakter der Figur. Diese Zukunft bestimmt auch den Data der vergangenen Weihnachten in seinem Handeln mehr als die eigentliche Handlung. So ist es kaum verwunderlich, dass dem angehenden Kadetten (!) eine große Karriere prophezeit wird, von der der Leser längst weiß, dass sie den Tatsachen entsprechen wird (dass der Terminus 'lange Karriere' in diesem Zusammenhang etwas unglücklich gewählt ist, beweist schließlich Star Trek X).
Das allein wäre ja noch zu verschmerzen, doch Datas gesamtes Handeln und Denken passt kaum zu jemandem, dem menschliche Verhaltensweisen und individuelles Handeln noch fremd sind, oder zumindest unvertraut. Das tapsige und zuweilen übereifrige Verhalten aus der ersten Staffel fehlt dem Androiden, und vergleichsweise besonnene und sogar einfühlsame Charakterzüge an den Tag legt. Er wirkt eher der fünften, sechsten oder gar siebenten Staffel entsprungen, nicht aber an der Figur angelehnt, die in „Der Mächtige/ Mission Farpoint“ ihren ersten Auftritt hatte.
Data wächst hier, wie in den vielen Folgen TNGs über seine Programmierung heraus. Das ist zwar rein prinzipiell nicht schlecht, doch damit nimmt Michael Jan Friedman der Serie etwas voraus. Der lange und steinige Weg der Entwicklung, den Data in Folgen wie „Wem gehört Data?“, „Beweise“ oder „Traumanalyse“ zurücklegte, wirkt irrelevant, denn dem Buch zufolge waren all diese Anlagen bereits seit dem ersten Tag vorhanden. Eine unwürdige Negation der Reifung, die den Charakter überhaupt erst so reizvoll erscheinen ließ.

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Ein Blick zurück auf die zukünftige Enterprise?

Statt dessen vergibt Friedman leichtfertig die Chance, Datas spannende Frühphase angemessen zu beschreiben und ein erstes Abenteuer in diese große Entwicklungslinie einzuarbeiten. Schlimmer noch, die beschriebene Person gleicht dem zu Gefühlen unfähigen Androiden nicht die Bohne!
Neid (vgl. S. 28), Unbehagen (vgl. 89) oder Genuss (vgl. S. 119) sind nur drei Beispiele aus der erstaunlich großen Gefühlspalette, die Data durchlebt. Man kann sogar Mut (vgl. S. 121) dazuzählen, da ja spätestens seit Star Trek VII bekannt ist, dass auch Mut eine Emotion sein kann.
Mut zu einer wirklich neuen Handlung kann man Friedman jedenfalls nicht vorwerfen. Spielzeugroboter aus chinesischer Billigproduktion, ein leeres Schiff wie in „Fast unsterblich“ und ein Aufeinandertreffen mit auffälliger Ähnlichkeit zu „Der Wächter“ tragen kaum zum Aufbau von Spannung bei.
Am schlimmsten allerdings wiegt der Kitsch, der wohl selbst für Kinder viel zuviel des Guten ist. Wenn es nämlich eine Sorte Satz gibt, die ich in wirklich keinem Star-Trek-Buch lesen will, dann diese:

Data, ich möchte gern Deine Freundin sein, Wärst Du gern mein Freund?“ (S. 120)

Übersetzung: Wie nicht anders zu erwarten, sticht auch dieses Werk nicht aus dem Einheitsbrei der Übersetzungstraditionen des Heyne-Verlags heraus. Der Vielzahl an englisch belassenen Begriffen wie „Starfleet“ (S. 22), „Starbases“ (S. 25) oder „Starfleet Command“ (S. 60) stehen schaurig klingende Übersetzungen wie „Erdgeborene“ (S. 26) „Trägheitsabsorber“ (S. 36) oder „Fremdwesen“ (S. 90) kontrastiv gegenüber.
Darüber hinaus ist es stets bewundernswert, wie man bei einem so geringen Textumfang noch immer so verhältnismäßig viele Fehler unterbringen kann. Besonders die Kombination von „Dasjenige, weshalb [...]“ (S. 38) und die Verwendung von „[...] in allen Decks [...]“ (S. 105) statt 'auf allen Decks' sind weitere Faktoren, die beweisen, dass die Übersetzung an der Zielgruppe in keiner Weise orientiert ist.

Anachronismen: Die Hintergrundrecherchen zu seinem umfangarmen Buch hat der Autor Michael Jan Friedman sorgfältiger vorgenommen als die Planungen für die Handlung. So nutzt er Referenzwerke wie die Star-Trek-Enzyklopädie, um die Tripoli als Schiff der Hokule'a-Klasse zu identifizieren, erwähnt die Stargazer und auch die USS Yosemite hat in „Todesangst beim Beamen“ einen gewichtigen Auftritt.
Allerdings haben Schiffe der Oberth-Klasse, wie man in „Der einzige Überlebende“ erfahren kann, lediglich dreizehn Decks, weswegen es merkwürdig anmutet, dass sich der Maschinenraum der Yosemite auf Deck 17 befinden soll (vgl. 73).
Auch Datas vermeintliche Unfähigkeit zu lügen (vgl. S. 54) wird in „Beweise“ deutlich widerlegt.
Am meisten hat mich allerdings eine andere Ungereimtheit gewurmt. Wenn das Volk der T'chakat so hoch entwickelt ist, dass es durch Schilde hindurch beamen kann – wieso muss es dann Kommunikatoren nutzen, um Lebensformen an Bord eines zu erfassen?

Fazit: Wo Data drauf steht, muss nicht zwangsläufig auch Data drin sein. Das könnte man verkürzt als Gesamtfazit ziehen, denn der beschriebene Data hat nur vom Namen her mit jener Figur zu tun, die im Laufe der Serie zu einem einzigartigen Idividuum reifte. Statt dessen bietet sich das Bild einer bereits voll ausgereiften Persönlichkeit, die der Figur nicht gerecht werden kann und in seiner Beschreibung an zu vielen Gefühlen krankt.
Die zusammengeklaute Handlung, die kitschigen Einschübe und die gewohnt schwache Übersetzung lassen die historische 'Erweckung' Datas zum einzigen Fürsprecher des Bandes werden.

Denkwürdiges Zitat:

Aber ohne Lebenserhaltung...
Werden wir alle sterben. Vielleicht aber auch nicht alle. Sondern nur die, die atmen müssen, um zu überleben.
Felai und Odril, S. 107

Bewertung: Data oder nicht Data... Nicht Data!

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station

Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Freitag, 18. Juni 2010

Starfleet-Kadetten 10. Die Atlantis Station

Buchbesprechung Mitchell, V.E.: Starfleet Kadetten. Band 10. Die Atlantis Station. Heyne, 1994/1996.

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Story: In einer Art Praxissemester müssen junge Kadetten der Sternenflottenakademie unter Beweis stellen, dass sie in der Lage sind, das breite Spektrum ihres zukünftigen Berufsfeldes abzudecken.
So ergeht es auch Geordi LaForge, dessen Start in diese Bewährungsprobe allerdings unter einem ungünstigen Stern steht: Er erscheint zu spät zum Starttermin, gerät in eine Gruppe von recht anstrengenden Kommilitonen und erhält nicht einmal die Gelegenheit, seine Flugkünste unter Beweis zu stellen.
Gegenstand ihrer 'Mission' ist die Erkundung der „Isla del Fuego“, einer Vulkaninsel im Atlantik. Nach einigen einleitenden Untersuchungen erhärtet sich Geordis Verdacht, dass einer erneuter Ausbruch des aktiven Feuerschlots unmittelbar bevorsteht. Zwei seiner Kameraden stützen diese Analyse mit ihren eigenen Erkenntnissen, doch der Rest der Gruppe zweifelt daran und nimmt die Warnungen nicht ernst.
Als das „Team“ jedoch die Tiefseeforschungsstation „Atlantis“ erreicht, tritt ein, was LaForge voraussah: Der Vulkan bricht aus, Erdbeben erschüttern die Umgebung und die weit unter dem Meeresspiegel liegende Station muss evakuiert werden. Doch „Neptuns Spind“, wie das Wunderwerk der Technik unter seinen Bewohnern auch genannt wird, entpuppt sich als wahre Todesfalle, denn längst haben eindringende Wassermassen den flüchtenden Kadetten den Weg zu ihrem Shuttle abgeschnitten. Geordi und seinen Kameraden bleibt nichts anderes übrig, als sich einen Weg durch die eisigen Wassermassen zu bahnen...

Lobenswerte Aspekte: Auf der Widmungsplakette der USS Enterprise NCC-1701-D ist folgender Sinnspruch zu finden:

to boldly go, where no one has gone before

Das machte Sinn und war für den Zuschauer Programm; Zefram Cochranes Worte passten wie die Faust aufs Auge zur Fernsehserie. In diesem Buch nutzt Autorin Victoria E. Mitchell ebenfalls eine Widmung, um die Richtung anzudeuten, in die es gehen soll:

Für alle Fans von Star Trek – The Next Generation, die wissen, daß in Wirklichkeit Geordi der Held ist“ (S. 8)

Das klingt schon mal vielversprechend! Geordi ist als Hauptfigur viel zu oft verschmäht und ihn gleich mit einer weiteren zentralen Rolle in einem Starfleet-Kadetten-Roman zu versehen macht das recht kurze Büchlein noch lesenswerter.
Natürlich muss man bei dieser eigentlich für Kinder und Jugendliche angedachten Reihe Abstriche in puncto Stil, Handlung und Aufbau machen, weswegen es umso erstaunlicher ist, wie die Verfasserin es schafft, hier ein recht kompliziertes Thema publikumsgerecht zu verpacken. Der Fokus liegt nämlich gar nicht so sehr darauf, dass Geordi durch seine Blindheit mit einer Behinderung lebt, sondern viel eher auf dem Problem der damit einhergehenden beabsichtigten und unbeabsichtigten (vgl. s. 68ff.) sozialen Ausgrenzung. Das ist schon eine Etage höher als das, was man normalerweise aus Sitcoms, Teenie-Soaps oder Zeichentrickfilmen gewohnt ist.
Stichwort Zeichentrickfilm: Das erwähnte Aquashuttle erinnert als solches sehr an die TAS-Folge „Die Entführung“; ein kleiner Knicks vor der Serie, die sich nie zwischen Erwachsenen und Kindern entscheiden konnte. Mit viel Fantasie und einer Menge guten Willens kann man auf einer der vielen Zeichnungen innerhalb des Buches erkennen, dass es sich irgendwie um eine Weiterentwicklung dieses Gefährts handeln muss (vgl. Abb. S. 57).
Die Bebilderung ist nicht der große Renner, doch hin und wieder blitzt eine gewisse Pfiffigkeit auf. Die Abbildung des abgetauchten, dennoch aber gut zu erkennenden Andorianers ist eine putzige Idee (vgl. Abb. S. 105), die geschickt mit der fremdartigen Anatomie des Volkes spielt.
Dabei ist anzumerken, dass die blauhäutigen Föderationsmitglieder äußerst vorausschauend beschrieben sind. Die Empfindlichkeit ihrer Fühler besonders bei Verletzung (vgl. S. 90) und die
revitalisierende Wirkung von Kälte (vgl. S. 108) zählen schließlich zu jenen Aspekten, die erst im Laufe der Fernsehserie „Enterprise“ zu Tage traten, von der Mitchell 1994 noch gar nichts wissen konnte.
Die große Stärke ist allerdings die Story. Man liest nämlich nicht, wie sonst zu oft, eine lahme Kurzgeschichte, bei der man die ganze Zeit weiß oder zumindest ahnt, dass alles nur eine Holodecksimulation oder eine Übung ist.
Eher im Gegenteil. „Die Atlantis-Station“lebt von einer 'echten' Geschichte, im Zuge derer es sogar zu Toten kommt; ein Umstand, den man innerhalb der Starfleet-Kadetten-Reihe kaum ein zweites Mal erleben kann.

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For Absent Friends: ein Schluck auf Geordi LaForge, von dem wohl nix neues mehr auf der Leinwand zu sehen sein wird

Kritikwürdige Aspekte: Kalte Wassermassen die stählerne Flure entlangdonnern – das klingt nicht nur nach Camerons Titanic, das liest sich auch so! Gott sei Dank, dass sich für den bis zuletzt einsamen LaForge in den 140 Seiten nicht noch eine angedeutete Beziehung anbahnt, denn die hätte dann unweigerlich ins Wasser fallen müssen. Doch auch hier gilt: Titanic war 1997, „Die Atlantis-Station“ 1994.
Also wenden wir uns lieber den eigentlichen Problemen zu.
Wer bereits den Vorgängerband „Erobert die Flagge“ gelesen hat, wird das ein oder andere bekannte Gesicht vermissen, denn wenigstens ein bekannter Charakter hätte der gesamten Serie etwas mehr Kontinuität verliehen. Es ist ja auch nicht so, dass es keine dem entsprechenden Planstellen gegeben hätte; hüben wie drüben finden wir jeweils einen Vulkanier und einen Andorianer.
Zum Glück fehlt hingegen der der Zwergpygmäe, doch zu meinem großen Ärger wird er durch einen Samurai ersetzt, um wenigstens einen exotischen Kadetten aus dem Hut zu zaubern, an dem den kindlichen Leser klargemacht werden kann, wie toll und bunt unser eigener Planet ist. Doch plagiative Klischees und nervtötende Lebensweisheiten, irgendwo zwischen „The Last Samurai“, frühen amerikanischen Ostpazifik-Weltkriegsschinken und „Teenage Mutant Hero Turtles“, begleiten Yoshi Nakamura auf viel zu vielen Seiten (vgl. z.B. S. 101). Ich hatte eigentlich nur noch darauf gewartet, dass der junge Mann den Rest seiner Kameraden durch eine heroische Kamikaze-Aktion rettet, denn das hätte gut zu den restlichen Vorurteilen gepasst, die sich hier von Seite zu Seite wälzten. Oder er hätte aus Wut über die Fehlbarkeit seiner Mitstudenten Harakiri verübt!
Egal welches klassische Klischee sich Mitchell ausgesucht hätte, dass Bild dazu hätte mich definitiv interessiert...
So schön die Bebilderung dieser Werke auch ist, so sehr stört in gleichem Maße, dass die Unterschiede zum Gelesenen so groß sind. Da unterscheidet sich die im Text beschriebene Reihenfolge, in der die einzelnen Personen vom Wasser erfasst werden,(vgl. S. 104 und Abb. S. 105) genauso wie die Verwendung von Atemmasken (vgl. S. 116), die auf Schwarz-Weiß-Darstellungen ebenfalls nicht auszumachen sind (vgl. Abb. S. 119). Wenn es jedoch egal gewesen ist, was für Bilder den Text begleiten sollen, hätte man genauso gut ein paar Stück Rauhfasertapete zwischen den Text kleistern können, um die Fantasie der Leser anzuregen.



Ich wusste es - Mist!

Übersetzung: Auf den paar Seiten Text bleibt nicht viel Platz für Fehler. Allerdings fällt gleich als erstes die Uneinheitlichkeit zwischen zwischen dem Buchtitel und den Erwähnungen der Atlantis-Station innerhalb des Werkes auf (vgl. S. 14, S. 20 oder S. 59).
Ansonsten erwarten den Leser ein Stelldichein von alten Bekannten.
Englische Begriffe werden nämlich deutschen Synonymen zum Trotz englisch belassen, wie man an „Starfleet“ (S. 9), „Robot“ (S. 75) oder „Starbase“ (S. 87) sehen kann.
Begriffe hingegen, die in den Star-Trek-Serien unübersetzt blieben, wie etwa „Vulcan's Forge“ werden etwa mit „Vulkans Schmiede“ (S. 121) ins Deutsche herübergerettet. Selbst der Visor, der in der deutschen Synchronisation mit einem männlichen Artikel versehen wurde, wird hier mal eben sächlich (vgl. S. 10).
Beim Wort „Airbus“ (S. 33), das mit einem männlichen Artikel versehen wurde, hat man als Europäer hingegen ein Bild vor Augen, als ein Amerikaner, die wohl kaum „Boeing“ zu ihren Shuttles sagen würden. Bei so etwas wäre ein wenig mehr Kreativität des Übersetzers wünschenswert gewesen.
Ansonsten bleibt das Buch von großen Fehlern verschont. Wenn man sogar die korrekte Form „deaktiviert“ (S. S. 132) in diesem Buch findet, muss man sich bei Heyne ja schon freuen, doch ein kleines Manko lässt sich auf der letzten Seite doch noch finden.
Der Terminus der „Einschläferung“ bleibt auch in seiner Verbform (Partizip II) „eingeschläfert“ (S. 140) Tieren vorbehalten, und sollte nicht auf intelligentes Leben übertragen werden. Man muss ja nicht gleich von „Euthanasie“ sprechen, doch ein geübter Übersetzer sollte in der Lage sein, hier bessere Formulierungen zu finden.

Anachronismen: Nanu? Was muss man da gleich auf Seite 12 lesen? Klone auf der Sternenflottenakademie? Warum hat sich Dr. Julian Bashir in „Dr. Bashirs Geheimnis“ überhaupt geschämt, genetisch aufgewertet zu sein, wenn es von den Stenarios-Klonen gleich sechs Stück gibt, von denen auch noch jeder zu wissen scheint?
Wenn hingegen, wie behauptet, bei den Andorianern blinde Babys gleich bei Geburt „eingeschläfert“ werden würden (S. 140), stellt sich nur eine Frage: Gibt es deswegen bereits in der Folge „Vereinigt“ so wenige Aenar?

Fazit: Unter den Starfleet-Kadetten-Romanen ist „Die Atlantis Station“ eindeutig einer der besseren. Das Zusammenspiel von schlüssiger Handlung, vielschichtiger Moral und einer Hauptfigur, über die ohnehin zu selten etwas zu hören ist, ergibt einen empfehlenswerten Band, bei dem die wenigen Übersetzungsfehler, seltenen Anachronismen und kleineren konzeptionellen Schnitzer nicht weiter ins Gewicht fallen. Vielleicht kein Koi-Karpfen im Teich der Star-Trek-Literatur, aber immerhin der Goldfisch im Aquarium der Kadetten-Reihe.

Denkwürdiges Zitat:

Warum wollte ich unbedingt auf einem Planeten leben? Raumstationen sind doch viel sicherer!
Lissa Jordan, S. 91

Bewertung: Frischer Wind in den Segeln der Starfleet-Kadetten-Reihe.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
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Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
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Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene BesatzungStarfleet Kadetten 12: Das EchsenvolkStarfleet Kadetten 13: ArcadeStarfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das WurmlochStarfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
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Mittwoch, 6. Januar 2010

Starfleet Kadetten 09. Erobert die Flagge!

BuchbesprechungVornholt, John: Starfleet Kadetten 09. Erobert die Flagge! Heyne 1994/1996.

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Story: Kadett Geordi LaForge ist keiner von jenen adretten, sportlichen und blonden Typen, die sich an der Akademie in den Vordergrund drängen. Eher schon ein graues Mäuschen, doch seine Überlebenstaktik ist so einfach wie erfolgreich: Aus dem Hintergrund sondiert er die Lage und eliminiert etwaige Hindernisse dann gezielt.
Diese Vorgehensweise verschafft seinem Team einen unerwarteten Sieg bei einem jahrgangsinternen Völkerballduell und mit diesem Überraschungserfolg gewinnt er nicht nur die Herzen der anderen Außenseiter seiner Klasse, sondern auch die Rivalitäten der ergebnisorientierten Sportlerelite.
Bei einem spontan angesetzten Wettkampf auf einer Welt mit weitaus geringerer Schwerkraft rechnen sich diese die Gewinnchancen aus, obgleich auch Geordi als eine der Teamspitzen ausgewählt wird. Doch sein vorangegangener Erfolg wird als Anfängerglück gedeutet und als sich LaForge auch noch ein Team fast nur aus Nulpen und Bewegungslegasthenikern zusammenbastelt, wird er nur müde belächelt.
Zur großen Überraschung aller gewinnt Geordis Mannschaft das erste Spiel „Erobert die Flagge“ knapp, doch für das Endspiel gegen das Spitzenteam des höchstleistungsverrückten Vorzeigekadetten Jack Pettey müssen sich die Mitglieder des grünen Teams noch viel viel mehr anstrengen...

Lobenswerte Aspekte: Nach den vielen und vor allem drögen Starfleet-Kadetten-Romanen um Jake Sisko, der ja bekanntlich nie die Akademie besuchte, endlich wieder eine richtige Akademiegeschichte! Und nicht nur das. Mittelpunkt der Beschreibungen ist auch noch Geordi LaForge, über den es nicht allzu viele Romane gibt.
Und man kann lernen, dass der gute alte Boothby nicht nur Picard in dessen Akademiezeit eine wichtige Stütze war. Gut, auch Wesley Crusher oder Kathryn Janeway können dieses Lied singen, doch es ist beruhigend zu wissen, dass seine Expertise auch Leuten wie Geordi zugute kam. Die Brücke zu Picard wird doch noch geschlagen (vgl. S. 138) und sogar Wil Riker (vgl. S. 137) darf sich in den Reigen derer mischen, die dem jungen LaForge zum Endsieg gratulieren.
Oops – hab ich damit zu viel gespoilert? Das Ende verraten, die Spannung genommen??
Unsinn!
Die Schilderungen um die popeligen Ball- und Fangespiele, die man sonst nur aus World-of-Warcraft kennt, sind tatsächlich für einen Roman der Reihe äußerst spannend geschildert. Ich für meinen Teil hatte zuvor keine Ahnung, dass die Beschreibung anderer Leute körperlicher Ertüchtigung mir so eine Menge Spaß bieten kann.
Grandios auch der Pulk an verschiedenen Spezies, die sich in diesem Buch tümmeln!
Da hört oder sieht man schon auf den ersten paar Seiten Tholianer (vgl. S. 9), Tellariten (vgl. S. 10), Saurianer (vgl. S. 11), Andorianer (vgl. S. 13) oder Delosianer (S. 16). Da wirkt eine Vulkanierin echt unspektakulär, doch Autor John Vornholt beweist an ihnen immenses Faktenwissen: So spielt er mit dem Hinweis auf die Unaussprechlichkeit vulkanischer Vornamen auf TOS (vgl. S. 30f, „Falsche Paradiese“) und mit dem Hinweis auf die „[...] Bedürfnisse vieler [...]“ (S. ) sogar auf einen der Star-Trek-Kinofilm (vgl. S. 67, „Der Zorn des Khan“) an.

Kritikwürdige Aspekte: So spannend der Verlauf der Spiele auch ist, das Ende ist dessen nicht würdig. Ein Eidechsenmann, der sich als Flagge verkleidet? Also mal im Ernst, das glaubt mir hierzulande ja noch nicht einmal ein Kindergartenkind, wenn ich es ihm erzählen würde. Und das, obwohl Saurier so populär unter den Bälgern sind!
Dabei ist die Ähnlichkeit des fahnenflüchtigen Saurianers Vernok mit diesen Urbiestern größer als mit den Mitgliedern jener Spezies, die im ersten Star-Trek-Film einen Kurzauftritt hatte (vgl. Abb. S. 134). Damit kommen wir auch gleich auf ein weiteres Problem zu sprechen: Die Zeichnungen.
Die schwanken zwischen 'okay', 'böse' und 'sehr böse'. Ganz besonders Körperhaltungen wirken oft wie bei Disney-Trickfilmen aus den fünfziger Jahren – unnatürlich und wie aus Gummi (vgl. Abb. S. 15 oder S. 85). T'Laras vulkanischer Nervengriff wirkt da jedenfalls eher wie das freundschaftliches Tätscheln eines tuntigen Langzeitkadetts (vgl. Abb. S. 33).
Außerdem decken sich die Darstellungen im direkten Vergleich der Personen miteinander nicht. Vernok (vgl. Abb. S. 65 und 134), Jenna (vgl. Abb. S. 65 und 119) oder T'Lara (vgl. Abb. S. 33 und S. 65) sehen sich nur beschränkt ähnlich und die Beschreibungen des Andorianers Altos (vgl. Abb. S. 75), Jack Pettey (vgl. Abb. S. 33) oder Takamas (vgl. Abb. S. 97) fand ich in der Bebilderung nicht unbedingt bestätigt.
Eher augenzwinkernd muss ich mich über ein rassistisches Vorurteil in diesem Werk beschweren. Vornholt, dem Namen nach selbst Spross deutschstämmiger Vorfahren, lässt seine Figuren einen Ausflug in den „Ratskeller“ - zu Sauerkraut und Bratwurst unternehmen (vgl. S. 30), was dem armen Andorianer natürlich nicht sonderlich gut bekommt (vgl. S. 39). Gut, dass dieses Buch als amerikanischer Kinderroman konzipiert wurde, denn so blieb uns die Maaß Bier erspart.
Aber man muss schon von Glück reden, dass Vornholt nur ein paar kulinarische Seitenhiebe in die deutsche Richtung schickt, denn an Dämlichkeit wahrhaftig nicht zu überbieten ist die Idee der Zwergpygmäen (S. 34), die nicht nur verdammt rassistisch anmutet, sondern auch in etwa so tapsig an afrikanische Kultur angelehnt ist, wie das berühmt-berüchtigte geflügelte Wort aus dem Munde des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke.
Nicht viel besser ist übrigens der Vergleich eines Visors mit einer Brille (vgl. 32). Eine anerkannte Behinderung mit dem Tragen einer Brille zu vergleichen, geht – bei allen Möglichkeiten zur Identifikation – etwas zu weit.

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Kaum vom Original zu unterscheiden: Turon47 als Deutschlandflagge verkleidet

Übersetzung: Auf so wenig Seiten kann man selbst mit Brille nur wenig Fehler ausmachen und dass in einem Ableger der Starfleet-Kadetten-Reihe der Begriff „Starfleet“ (S. 10) fällt, ist ja irgendwie logisch.
Unfreundlich hingegen ist es im Deutschen, den Namen einer Person mit einem Artikel zu kombinieren. Also wirklich, die Ausbilderin mag ja vielleicht ein harter Knochen sein, doch von „Die Patano“ (S. 73) muss man außerhalb der Dialoge echt nicht sprechen.
Wo wir schon bei Artikel sind, sollte auch positiv hervorgehoben werden, dass man mit der Silbenkürzel VISOR dem „visuell-organischen-Restitutionsobjekt“ (vgl. S. 10) ein aussprechbares Antlitz verliehen hat ist zwar toll, und so gesehen geht der Artikel 'das' ja auch in Ordnung (vgl. S. 31), doch durch die gesamten TNG-Folgen und -Filmen wurde dem Gerät ein männlicher Artikel zugedacht.
Eines hätte man außerdem bereinigen können. Der Satz „Niemand konnte die Besorgnis in Geordis Augen sehen [...]“ (S. 20) ist schon etwas irreführend, weil Geordi ja ein „visuell-organischen-Restitutionsobjekt“ vor Augen hatte, dass den ungetrübten Blick auf seine nicht vorhandenen Pupillen ohnehin verwehrte.

Anachronismen: Und wenn wir schon beim VISOR sind: Man kann das Gerät einfach aufsetzen und sehen, was auch Geordi sieht (vgl. S. 106)? Wozu hat er dann die kleinen Sensoren auf seiner Schläfen? Natürlich kann man das optische Signal dieses Hilfsmittel, wie in „Worfs Brüder“ gesehen,auf einen Bildschirm übertragen, doch einfaches Hineinblicken reicht dafür nicht aus.

Fazit: „Erobert die Flagge“ ist nach langer Durststrecke endlich einmal wieder ein Starfleet-Kadetten-Roman, der seinen Namen wirklich verdient. Mit seinem Fokus auf Geordi, seinen spannenden Spielschilderungen und seiner hohen Dichte an fremden Spezies verfügt er über viele der Zutaten, die einen solchen Roman lesenswert machen.
Doch das unausgegorene Ende, die Qualität der Zeichnungen und vor allem die vielen stereotypen Vorurteile, die hier zu finden sind, relativieren das positive Bild auch wieder, auch wenn ein gewisses Potential nicht zu verleugnen ist.

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Deutsche Lightkultur: You don't have to be Posh, to swallow Beck's

Denkwürdiges Zitat:

Aber LaForge, mir ist egal, ob Sie blind sind – treten Sie nicht auf meine Leberblümchen!
Boothby, S. 25

Bewertung:

Erfrischend, aber mit Nachgeschmack.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
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Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
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Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Freitag, 27. November 2009

Starfleet Kadetten 08. Das Schoßtierchen

Buchbesprechung Gilden, Mel; Pedersen, Ted: Starfleet Kadetten 08. Das Schoßtierchen. Heyne, 1994/1995.

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Story: Der Prozess des Erwachsenwerdens ist schon für sich eine schwierige Kiste. Wenn man wie Jake Sisko zu allem Überfluss auch noch auf einer Raumstation aufwächst, potenziert sich dieses Problem noch um einiges, denn abgesehen vom Mangel an gleichaltrigen Spielkameraden kann selbst die viel besuchte Holosuite frische Luft, Herumtoben, laut Herumschreien, Hinfallen, Rumheulen oder andere kindertypische Aktivitäten nicht adäquat ersetzen.
Dafür müssen sich Jake und sein Ferengifreund Nog mit einer anderen wichtigen Lektion beschäftigen: Verantwortung für ein Haustier übernehmen. Denn ein unbekanntes Tierchen aus dem Gammaquadrant ist seinem brutalen Herrchen entlaufen und findet bei den beiden ungleichen Freunden Unterschlupf.
Als plötzlich jedoch ein fremdes, riesiges Raumschiff die Station anzugreifen droht und die Herausgabe ihres entführten Kronprinzen fordert, geht Jake ein Licht auf: Sein inzwischen „Babe“ getauftes Schoßtierchen muss das mysteriöse fremde Wesen sein, nach dem inzwischen jeder zu suchen scheint. Und das zu Recht, denn Babe scheint sich in Luft aufgelöst zu haben...

Lobenswerte Aspekte: Kinder mögen Tiere. Das weiß jedes Elternteil, das schon mal mit seinen Bälgern im Zoo oder am Seitenstreifen der A2 spazieren war. Eine ähnliche Erfahrung müssen auch die beiden Autoren gemacht haben und so sind sie wohl auf die Idee gekommen, die Star-Trek-Kinderbuch-Reihe „Starfleet Kadetten“ mit einem Teddybären zu kreuzen. „Harry und die Hendersons“, „Ein Hund namens Beethoven“ oder „Free Willy“ lassen grüßen!
Als Kind hätte ich so etwas sicherlich toll gefunden, zumal die Flora fremder Welten ständig angeschnitten wird. Mit der Aufzählung bajoranischer Baumkröten (vgl. S. 9), Spinnen-Wespen (vgl. S. 27) oder cardassianischen Blutegeln (vgl. S. 46) lässt sich nur ein kleiner Einblick in das breite zoologische Spektrum des Buches bieten. Zusammen mit dem vergleichsweise großen Spielraum, der in diesem Buch passenderweise Gerüchen geboten wird (vgl. etwa S. 51 oder S. 62), wird die Vorstellungskraft dadurch kräftig beflügelt.
Nachdem die glamourösen Zeiten Pavel Chekovs für die Crew der Raumstation Deep Space Nine der jüngeren Föderationsgeschichte angehören, freut es natürlich sehr, mal wieder einen echten Russen zu sehen, auch wenn ich mich in diesem Kontext schon irgendwo gefragt habe, ob dieser draufgängerische Captain Pawlow auch Hunde hatte.
Schließlich muss auch noch etwas gelobt werden, was eben nicht passiert. Obwohl ich an einer entsprechenden Passage die Befürchtung hatte (vgl. S. 31), gleitet die Geschichte NICHT in eine hirnrissige Parabel ab, die ein Gleichnis um die einstmals von den Cardassianern versklavten Bajoraner und in Ketten gelegte arme Haustiere spinnt. Vor allem dafür bin ich den beiden Autoren Mel Gilden und Ted Pedersen dankbar.

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Vielleicht kein Dürer, aber immerhin ein Kalami

Kritikwürdige Aspekte: Ein Zwergwollhaarnashorn namens Babe bereichert also die Crew Deep Space Nines. Also mir persönlich hat ja Morn schon gereicht – aber gut, wenn Kinder dadurch etwas lernen können, kann man so einen mit 123 Seiten und dabei vielen Bildern überschaubaren Gastauftritt schon mal durchstehen.
Doch wenn das ganze schon zu so einer Art Verantwortungsaufruf für haustierbegeisterte Kinder gedacht ist, warum haben die beiden Autoren sich dann nicht auch noch darum bemüht, haustiertypische Probleme zu thematisieren? Auf keiner einzigen Seite und in wirklich überhaupt keiner Zeile wird von Nahrungsbeschaffungsproblemen, nervigen Gassi-Gängen oder Schwierigkeiten mit der Stubenreinheit berichtet! Im Gegenteil; nachdem kleine Quälgeister dieses Werk gelesen haben, werden sie ihre ahnungslosen Eltern bestürmen, ihnen auch so einen süßen und knuddeligen Vierbeiner zu besorgen und dann kommen die Probleme. Papa beschwert sich über die mutwillige Zerstörung seiner 300€ teuren Naturlederslipper, Mutti versucht noch über Jahre hinweg die Urinspuren aus dem weißen Wohnzimmerteppich zu entfernen und das damals so begeisterte Kind zockt irgendwann lieber Counter Strike, statt mit dem lästigen kleinen Flohzirkus ins regnerische Herbstwetter zu stapfen. Und nach gar nicht allzu langer Zeit endet das Abenteuer Haustier wieder an irgendeiner Autobahnraststätte – alles nur wegen eines kleinen Star-Trek-Buches! Na vielen Dank!
Doch Dramatisation beiseite – vielleicht überbewerte ich ja auch die Einflussmöglichkeiten von Literatur. Die Geschichte ist an sich nichts weiter als so eine Art „Hässliches Entchen 2.0“ und wer zuvor den Vorgängerband "Freiheitskämpfer" gelesen hat, kann viele Parallelen erkennen:
Ein fremdes Schiff droht mit der Zerstörung der Station, falls nicht irgend ein hochrangiges Familienmitglied wiedergefunden wird, von dem eigentlich keiner weiß, wo es sich gerade befindet. Gähn!
Während sich die Handlung vom seichten Niveau der Reihe nicht abhebt, sind die Bilder schon gelungener. Gut, Ben Sisko (vgl. Abb. S. 33), Chief O'Brien (vgl. Abb. S. 77) oder Nog (vgl. Abb. S. 115) sind wieder einmal nicht unbedingt gut getroffen und einige Bilder sind noch immer schlecht in Perspektive (vgl. Abb. S. 87) und zeichnerischer Qualität (vgl. Abb. S. 11), doch hier und da lassen einige geglückte Bildausbrüche (vgl. Abb. S. 28, S. 53 oder S. 59) auf Steigerungen in kommenden Werken hoffen.

Übersetzung: Mal abgesehen von typischen Heyne-Übersetzungsfehlgriffen wie „Holokammer“ (S. 9) statt 'Holosuite', „Andockmasten“ (S. 21) statt 'Pylonen', „[...] selbstversiegelnde Bolzen [...]“ (S. 29) statt 'selbstdichtende Schaftbolzen' oder „Flitzer“ (S. 100) statt 'Runabouts', einigen Fehlübersetzungen in puncto Baseball (vgl. S. 9 und S. 10) und merkwürdigen Formulierungen wie „Fremdwesen“ (S. 40), „Das wird dir weher tun als mir.“ (S. 52) oder „Defensivschilde gehoben.“ (S. 68) sind es die vielen mehr oder weniger doppeldeutigen Sätze, die den Roman zuweilen mit einem belustigten oder fragenden Gesichtsausdruck lesen lassen. Um nur drei Beispiele zu nennen:

Statt dessen war er auf der Promenade von Deep Space Nine, einem Bereich, mit exotischen Geschäften, in dem sich die Passagiere und Mannschaftsmitglieder der zahlreichen Raumschiffe drängten, die zur Zeit angedockt hatten und auf die Freigabe warteten, das Wurmloch passieren zu dürfen.“ (S. 14)

Nachdem sie die Bajoraner ausgeplündert hatten, bis ein weiterer Verbleib nicht mehr profitabel war, hatten die Cardassianer die Station aufgegeben.“ (S. 21)

Jake war klar, daß sein Vater versuchte, ihn zu trösten, aber er hatte in der kurzen Zeit, die sie zusammen waren, eine tiefe Zuneigung zu dem fremden Geschöpf entwickelt.“ (S. 64)

Anachronismen: Merkwürdig mutet es an, wenn Jake die Vorzüge von Körperpflege mittels Wasser und Seife preist (vgl. S. 60) - im Zeitalter der Schallduschen!
Aber wer weiß, vielleicht sind die reptilienhaften Cardassianer, die dereinst Terek Nor erbauten, eher Freunde traditioneller Sanitärsysteme und hinken der Föderationstechnologie um Jahrhunderte hinterher.
Das würde jedenfalls auch erklären, warum ein klappriger alter Kahn wie die USS Ulysses in der Lage ist, einen internen Scan nach einem Lebewesen wie Babe durchzuführen (vgl. S.63 ), während die entsprechenden Anlagen Deep Space Nines nicht dazu in der Lage sind (vgl. S. 64).
Zu diesen inneren Ungereimtheiten des Romans gehört allerdings ebenso, dass die Darstellung des Thronkandidaten in seiner rhinozerosoiden Erscheinungsform zwar verboten ist (vgl. S. 70), doch Jake trotzdem als Dankeschön genau so eine tierisch illegale Abbildung erhält. Und überhaupt: Warum haben sich Autoren und Zeichner nicht abgestimmt? Die Beschreibungen des entlarvten Nashornprinzen (vgl. S. 116) decken sich jedenfalls überhaupt nicht mit den dazugehörigen Zeichnungen (vgl. Abb. S. 115).
Ebenfalls nicht sonderlich deckungsgleich sind die Dimensionen, in denen sich Serienmacher und Autoren dieses Buches die Raumstation Deep Space Nine vorstellten. Natürlich ist die Station groß, aber dass die Pylone gleich Kilometer hoch sind (vgl. S. 95), haut dann doch nicht so ganz hin (vgl. Drexler, Doug; Sternbach, Rick; Zimmerman, Herman: Star Trek Deep Space. Das technische Handbuch. Heel 1998/1999, S. 28).

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DS9 als Pin-Up - Ein Mekka für Design-Fetischisten

Fazit: Der achte Band der Starfleet Kadetten Reihe nimmt sich des kindgerechten Themas 'Haustiere' an, ohne allerdings sonderlich tief in diese Thematik einzutauchen. Stattdessen versandet er in altbekannten Handlungselementen, zur Gewohnheit gewordenen Übersetzungsmängeln und zahlreichen Widersprüchen. Da ist schon das Beste an diesem Werk, dass es die wage Hoffnung weckt, dass die kommenden Bücher der Reihe besser werden.

Denkwürdiges Zitat:

Wir Menschen neigen dazu, Geschöpfe, die wir beherrschen, als 'dumm' zu bezeichnen, obwohl viele von ihnen viel klüger als ihre Besitzer sind.
Keiko O'Brien, S. 37

Bewertung: Ein Zwergwollhaarnashorn macht den Braten auch nicht mehr fett.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Freitag, 16. Oktober 2009

Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer

Buchbesprechung Peel, John: Freiheitskämpfer, Heyne 1994/1995.

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Story: Neue Mitschüler haben immer einen schweren Stand. Jake Sisko will diesem allgemeinen Trend entgegenwirken, doch 'der Neue' macht es ihm nicht einfach.
Jakar Riv ist ein notorischer Störenfried, bei dem die Besatzungszeit Bajors tiefe Spuren hinterlassen hat. Er fügt sich kaum in die Klasse ein und ist ein steter Ausgangspunkt für neuen Ärger. Jake gelingt es kaum, durch die dicken Schichten Hass und Gewalt zu dringen, die das Innere des jungen Kreigswaisen umgeben.
Doch Riv ist nicht der einzige Neuling im Klassenzimmer Keiko O'Briens. Nachts, wenn alle Schüler in ihren Quartieren schlafen, steigt ein mysteriöser Fremdling aus seinem Versteck in den vielen Zwischenebenen. Als die Kinder dieses Wesen endlich stellen können, finden sie mit Erstaunen heraus, dass ein cardassianisches Mädchen hier Zuflucht gefunden hat.
Als jedoch eine cardassianische Flotte vor der Raumstation Deep Space Nine auftaucht, wird allen Beteiligten schnell klar, dass diese kleine Ausreißerin niemand geringeres als die Tochter des berüchtigten Guls Gavron ist, und die Station in ernsthafter Gefahr ist, wenn seine Tochter nicht umgehend zu ihrem Vater zurückgebracht wird.
Doch die junge Dame ist plötzlich spurlos verschwunden. Als Jake und Nog sie wiederfinden, ist sie in der Gewalt Rivs, der an ihr seinen abgrundtiefen Hass gegen alle Cardassianer ausleben will...

Lobenswerte Aspekte: Nach den Parallelen in "Tod im Winter", wurde es mal wieder Zeit, ein Werk der "Starfleet-Kadetten-Reihe" näher zu betrachten. Wenn man einmal den 'erwachsenen' Blickwinkel zu Seite schiebt, kann man in ihr nämlich durchaus die ein oder andere angenehme Seite finden.
So lockern die vielen Bilder den im Umfang äußerst überschaubaren Text auf, und die Perspektive liegt nicht auf dem bekannten Leben etablierter Charaktere wie Ben Sisko, Kira Nerys oder Jadzia Dax, sondern beleuchtet das Leben der Kinder und Jungendlichen, die auf der Raumstation leben. Zu ihnen zählen Jake und Nog, aber auch unbekannte andere Kinder, wie die siebenjährige Vulkanierin T'Ara oder die junge Ashley Fontana zeigen, dass es eine andere Gesellschaftsschicht gibt, die nur selten thematisiert wird: Die Kinder!
Dementsprechend ist auch der Stil des Werkes einfach und verständlich gehalten, und größere Anspielungen bleiben Mangelware. Nur der erwachsene Leser kommt wohl auf den Gedanken, dass die junge Ashley auf die verdiente Star-Trek-Veteranin D.C. Fontana anspielt (vgl. S. 15) oder weiß, was ein Gorn sein soll (vgl. S. 21).
Beide Parteien können jedoch gleichermaßen die Dialoge zwischen Jake und Nog (vgl. "Denkwürdige Zitate") genießen, die wohl unabhängig vom Alter wenigstens zum Schmunzeln anregen und auch der in den Zeichnungen versteckte Chewbacca (vgl. Abb. S. 33) lässt wohl beide Parteien grinsen.
Schließlich ist auch die Moral der Geschichte anspruchsvoller. Während es bei der kleinen Cardassianerin Kam einerseits um die ausgetretene Thematik des Ausreißens kleiner Kinder von Zuhause geht, bietet die Figur des Rivs mehr, denn hier sind schon mal Anleihen bei schwergewichtigeren Themen wie Kindersoldatentum zu finden.

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Ein unerwartetes Wiedersehen bei DS9: Die Gorn!

Kritikwürdige Aspekte: Die Starfleet-Kadetten-Reihe hat jedoch, selbst wenn man die Meßlatte niedriger hängt, zu viele Fehler.
Ein altbekannter Haken ist die mangelnde Qualität der Zeichnungen. So sieht Nog gruseligerweise aus wie ein verpickeltes Schweinchen mit abgehackter Nase und zu langen Ohren (vgl. Abb. S. 11) und mal ganz abgesehen von der schlampigen Ausführung kommt in diesem Band hinzu, dass zu viele der ohnehin schlechten Illustrationen auch noch stark verpixelt sind (vgl. Abb. S. 110 oder. Abb. S. 115).
Der Text hingegen greift auf Altbekanntes zurück. So schwebt mal wieder eine cardassianische Flotte vor Deep Space Nine. Hatten wir das nicht schonmal? Im Piloten "Der Abgesandte" zum Beispiel? Oder im Star-Trek-Roman "Der Pirat"?
Das Ende des Geschichte hingegen ist einfach nur sehr sehr einfach gestrickt, und selbst Grimms Märchen sind dagegen nobelpreisverdächtige Erzählungen. Schon allein der Drahtseilakt um Rivs Entführungsposse (vgl. S. 112ff.) ist ja schon schwer zu glauben, aber Gul Gavron auch noch so billige Lügen erfolgreich aufzutischen (vgl. S. 118f.), ist übertrieben, zumal diese Idee natürlich vom urplötzlich einsichtigen Riv kommen muss (vgl. S. 117), ist doch zu starker Tobak, dem dadurch schließlich die Krone aufgesetzt wird, dass auch noch der uneinsichtige Adoptivonkel seine Versäumnisse einsieht (S. 123f.), und alles am Ende gut und rosarot wird.
Obwohl Nog als Ferengi sehr gut beschrieben wird, ist das Cardassianerbild erschreckend öde. Garak ist zu handzahm (vgl. S. 37f.), Gul Gavron dumm und nicht einmal intrigant (vgl. S. 90f.) und Kam viel zu freigeistlich für eine junge Cardassianerin (vgl. S. 77ff.). Das Potential dieser faszinierenden Spezies wurde nicht nur nicht ausgereizt, sondern gar nicht erst beachtet.
Diesen ganzen Kritikpunkten schließen sich altbekannte an: Die Erwachsenen sind belehrend, die Kinder erschreckend altklug und sterben tut niemand auf den wenigen Seiten und irgendwie ähneln sich die Geschichten in Aufbau, Moralität und Stil zu sehr, um wirkliche Abwechslung voneinander zu bieten.

Übersetzung: Die wenigen Seiten Text ließen nicht viele Möglichkeiten, um viele Fehler zu begehen. So findet man neben von der Synchronisation abweichenden Begriffen wie "Asteroidengürtel von Denorios" (S. 10), "Holo-Kammern" (S. 29) oder "Starfleet" (S. 29) nur wenige orthografische Fehler wie "Sosehr" (S. 36) oder "hierherzugelangen" (S. 82).

Anachronismen: Widersprüche zum offiziellen Kanon gibt es hingegen häufiger.
So ist es, nachdem die Episode "Unter Verdacht" gesehen hat, eher unwahrscheinlich, dass ausgerechnet Quark Nog für das Fernbleiben vom Schulunterricht bestrafen sollte (vgl. S. 14) und außerdem ist Nog, wenn er denn schon zur Schule muss, der älteste im Klassenzimmer ("Herz aus Stein"), denn er ist immerhin ganze zwei Jahre älter als Jake ("Der Ausgesetzte").
Ebenfalls unwahr ist die Behauptung Ashley Fontanas, dass "Zephram Cochrane" [sic!] (S. 35) im Jahr 2061 den Warpantrieb erfunden hätte, wie die Handlung Star Trek VIII: Der erste Kontakt eindrucksvoll beweist. Hier hätte die Lehrerin Keiko O'Brien besser einschreiten sollen! Oder ist der gelernten Botanikerin der Fehler überhaupt nicht aufgefallen?
Doch Keiko beweist später, dass auch eine andere Aussage falsch ist: Die Replikatoren sind sehr wohl in der Lage, cardassianisches Essen zu replizieren (vgl. S. 75), denn die Frau des Chefingenieurs fand in der Datenbank des Geräts, ein Rezept, um dem cardassianischen Pflegekind Rugal in der Episode "Die Konspiration" einen Zabueintopf zu zaubern.
Schließlich ist auch Nog noch nicht allzu sicher, was den Umgang mit den Erwerbsregeln betrifft. Zwar zitiert er die 76. in etwa korrekt, doch die dritte Erwerbsregel, die in "Der Maquis, Teil 2" mit "Gib niemals mehr für einen Erwerb aus, als es unbedingt sein muss." angegeben wird, bezieht sich nicht auf die Eigentumsverhältnisse bei Fundstücken (vgl. S. 122).

Fazit: "Freiheitskämpfer" ist ein durchschnittlicher Roman aus der Starfleet-Kadetten-Reihe, der sich nicht von den anderen Bändern abhebt.
Es gibt nur wenige Lichtpunkte, wie die gut geschilderte Beziehung zwischen Jake und Nog oder die Moral des Buches, doch andere Bänder dieser Bücherserie können die selbe Trumpfkarte für sich ziehen.
Viele Anachronismen, noch größere Abstriche in der ohnehin schlechten Bildqualität und eine miese Story rechtfertigen letztendlich das Lesen nicht und die Bedeutung dieses Werkes liegt bestenfalls in der Vollständigkeit einer Sammlung.

Denkwürdige Zitate:

"Denkst Du eigentlich an nichts anderes als Geld?"
"Natürlich! An mehr Geld!"
Jake und Nog, S. 13

"Ja klar. Ich hänge gern mit asozialen Parasiten rum, die sich nicht benehmen können."
Nog, S. 32

"Du kannst doch nicht deine Freunde verkaufen!"
"Man kann alles verkaufen, wenn man weiß wie."
Jake und Nog, S. 63

Bewertung: Ein farbloser Mitläufer.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Mittwoch, 9. September 2009

Starfleet Kadetten 05: In den Wüsten von Bajor

Buchbesprechung Strickland, Brad: In den Wüsten von Bajor. Heyne 1994/1995.

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Story: Das Leben auf der Raumstation Deep Space Nine kann aufregend, spannend und lehrreich sein, doch Kinder wollen von Zeit zu Zeit auf einer Planetenoberfläche toben, Sonnenschein genießen oder mal einfach etwas anderes sehen als die Schotts der verschiedenen Andockschleusen. So, oder zumindest so ähnlich fühlt auch Jake, der Sohn des Kommandanten der Station.
Daher ist es kein Wunder, dass er und sein bester Freund Nog die Gelegenheit nutzen, Dr. Bashir auf einen planetaren Ausflug nach Bajor zu begleiten, als Benjamin Sisko für mehrere Tage auf eine diplomatische Mission aufbricht. Doch der überschwängliche Stationsarzt sucht das Abenteuer und gerät in die Hände bajoranischer Extremisten, die Bashir als trojanisches Pferd ausnutzen wollen, um mit seiner Hilfe sämtliches Leben auf Deep Space Nine auszulöschen.
Jake und Nog müssen sich daher Hilfe suchen, um das geheime Versteck der Fanatiker zu finden, den Doktor zu retten und die Station vor dem Untergang zu bewahren...

Lobenswerte Aspekte: "In den Wüsten von Bajor" ist, wie die anderen Vetreter der Starfleet-Kadetten-Reihe auch, ein auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtetes Werk. Das kann man an vielen Merkmalen dieses Buches, wie etwa dem Sprachstil, dem Umfang oder der Bebilderung schnell erkennen.
Doch dieses Werk zeichnet sich darüber hinaus über eine deutlich spürbare (weil nur dürftig kaschierte) Moral aus. Diese kommt in einem typischen Gewand der neunziger Jahre daher, ohne allerdings anachronistisch anzumuten: Kinder sollen lernen, ein ökologisches Bewußtsein zu entwickeln.
So erfährt man etwas über den Raubbau an der Natur (vgl. S. 59f.), von der Ausrottung bedrohter Arten (S. 61) oder der Zerstörung der einheimischen Biotope (S.85). Gepaart mit detaillierten Beschreibungen der Tier- und Pflanzenwelt des Planeten Bajor gelingt es dem Autor Brad Strickland, beim Leser ein Gefühl des Verlustes und des Unrechts entstehen zu lassen, dem vielleicht beim ein oder anderen eine tiefere Auseinandersetzung mit der Thematik folgt. Im Zusammenspiel mit Themen der Friedensbewegung, wie etwa der Neutronenbombe (hier Vandellium-Bombe genannt, vgl. S. 101ff.) entstand ein Roman, der hierzulande ohne Probleme mit den politischen Vorstellungen der Grünen vereinbar wäre und von den Problemen der Entstehungszeit zeugt. Da diese auch heute noch von großer Aktualität sind, kann ich dieses Motiv ruhigen Gewissens lobend erwähnen.
Daneben sollte außerdem auf die gelungene Darstellung Bashirs verwiesen werden. Seine Charakterzüge sind in der Darstellung zwar etwas zugespitzt, dennoch aber durchaus in Übereinstimmung mit dem übereifrigen und juvenilen Wesen des Doktors in Einklang gebracht worden. Sofern man seinen Charakter aus den beiden ersten Staffeln, oder sein Engagement in "Unser Mann Bashir" in Erinnerung behält, kann man sich jedenfalls gut vorstellen, dass er mit der Rolle eines Geheimagenten liebäugelt.
Auch Nog und die Kultur seiner Spezies werden in angenehmer Weise wiedergegeben. So kann der Leser nicht nur miterleben, wie Ferengikinder ihre Erziehungsberechtigten anbetteln (vgl. S. 23ff.), erfahren, was sie von Schokolade halten (vgl. S. 29ff.) oder ergründen, wo erzieherische Tabus lauern (vgl. S. 92) sondern lernt auch noch eine zuvor noch nie erwähnte Erwerbsregel kennen: "Je mehr man dem Geschäftspartner abnehmen will, desto größer muss die Ablenkung sein." (S. 107f.).
Schließlich bin ich auch dafür dankbar, dass eine technische Errungenschaft der in Star Trek propagierten Zukunft endlich einmal kritisch beleuchtet wird: Schallduschen (vgl. S. 54). So sehr mein ökologisches Bewußtsein durch diesen Roman auch reaktiviert wurde, so wenig möchte ich doch auf eine entspannende Körperhygiene mit fließendem Wasser verzichten...

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Gegen Verschmutzungen im Ohrzwischenbereich hilft nur Schallduschen

Kritikwürdige Aspekte: Die Übersetzung des Romans ist im Gegensatz zu seinem Inhalt recht unpädagogisch. Der juvenile Leser wird bereits im Titel der Reihe "Starfleet Kadetten" mit unnötigen Anglizismen belästigt oder mit unnötigen Übersetzungen verwirrt (S. 11: "Holo-Kammern statt "Holo-Suiten", S. 12: "das zweite Mal" statt "second Base" oder S. 17: "Flitzer" statt "Runabout"). Dass daneben auch noch sprachliche Schwierigkeiten mit der Deutschen Sprache deutlich werden, ist um so schlimmer. Auf die Verwendung von Formulierungen wie "[...]mit Beschlag belegt[...]" (S. 17) oder die falsche Konjunktion des Verbes "spinnen" (vgl. S. 137) hätte man definitiv verzichten können, zumal der geringe Umfang des Buches die hohe Fehlerquote besonders bedenklich erscheinen läßt.
Wenn ich an Sternenflottenkadetten, bzw. "Starfleet Kadetten" denke, dann fallen mir eine ganze Reihe jugendlicher Probanden des Star-Trek-Universums ein: Wesley Crusher, Mendon, Sito Jaxa, Tim Watters oder sogar Icheb - doch Jake Sisko fehlt aus nachvollziehbaren Gründen in dieser Auflistung: Er ist schlichtweg nie Kadett gewesen.
Gut, zugegebenermaßen verhält sich dies bei seinem besten Freund Nog anders, doch die Zentrierung des Romans auf den Sohn des Kommandanten Deep Space Nines passt schlichtweg nicht in das selbstgewählte 'Motto' der Kinderbuchreihe und das Werk hat somit irgendwie das Thema verfehlt. Andere Werke, die in der Retroperspektive die Erlebnisse etablierter Crewmitglieder während ihrer Akademiezeit beleuchteten, waren ansprechender, zumal man beim Lesen dieses Buches schnell merkt, dass es nur der Aufguss des kalten Raktajinos aus dem zuvor erschienenen Band ist:
Deep Space Nine wird bedroht, die Erwachsenen wissen nicht was sie tun und Jake muss zusammen mit seinem besten Freund Nog den Tag retten. Die zu geringfügig ausgefallene Variation des selben Themas langweilt den anspruchsvolleren Leser jedenfalls schnell und es bleibt nur zu hoffen, dass bei einem jüngeren Publikum kein ähnlicher Effekt eintritt.
Daneben bleibt noch einmal festzuhalten, dass die Qualität der Zeichnungen innerhalb der Deep Space Nine betreffenden Bände extrem schlecht ist. Ähnlichkeiten sind bestenfalls oberflächlich (vgl. Abbildung S. 124), sämtliche Personen grauenhaft gezeichnet (vgl. Abbildung S. 64) und Bildausbrüche zwar immer wieder gewollt, aber auch immer wieder nicht gekonnt (vgl. Abbildung S. 39). Dieser Umstand stimmt traurig, denn die Bebilderung der anderen Romane bildete zumeist einen Höhepunkt.
Merkwürdig ist außerdem, dass sich das Wüstenlager des Hauptbösewichts Tikar Antol heute wie die Beschreibung eines Terrorcamps von Al-Qaida liest. Umso tragischer, dass das Ende des Romans so belanglos und einfach daherkommt, denn wenn der Umgang mit Terroristen so problemlos funktionieren würde, wären Drahtzieher wie Bin Laden geschnappt und Terroranschläge wie in Madrid ein längst überwundenes Relikt einer barbarischen Vergangenheit.

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Eine Ausbildung in der Sternenflotte: Ex astris scientia?

Anachronismen: Das Buch, zu Beginn der Serienausstrahlung konzipiert, widerspricht des Öfteren Informationen der Serie, die zu einer Zeit über den Äther liefen, als es längst erschienen war.
So ist spätestens seit der Episode "Dr. Bashirs Geheimnis" der Präteritum obsolet, wenn Bashir über seinen Erzeuger spricht (vgl. S. 12) und auch Joseph Sisko wäre wohl nicht sehr entzückt gewesen, wenn sein Sohn und sein Enkel während ihres mehrjährigen Marsaufenthaltes nicht auf der Erde vorbeigeschaut hätten (vgl. S. 18).
Abgesehen davon, das Jake, der seine eigenen Bücher später auf dem PADD schreiben wird ("Der Aufstieg") und selbst Reiseführer in diesem Format verlegt werden ("Kleine grüne Männchen"), wohl kaum mehr veraltete Büchern aus dem Regal holen wird(vgl. S. 60), greift Strickland einen weiteren beliebten Fehler mit großer Tradition auf:
Jake bekommt Taschengeld (S. 25), obwohl das Geldwesen laut eigener Aussage längst abgeschafft ist ("Die Karte").

Fazit: Obwohl der Roman eine noch immer aktuelle Botschaft vermittelt, interessante Einblicke in die Kultur der Ferengi bietet und auch in der Darstellung Bashirs glänzt, gelingt es ihm kaum, aus dem Schatten seines Vorgängers zu treten.
Zu ähnlich sind sich die Geschichte in Aufbau, Fehlern, Bildern sowie Anachronismen, und wenn man eine Altersgrenze von fünfzehn überschritten hat, sollte man die Finger von dieser eher seichten Lektüre ohne glaubwürdiges Ende lassen, denn heranwachsende und junge Menschen, die an Star Trek herangeführt werden sollen, können eher etwas mit diesem Buch anfangen als jemand, der schonmal einen Titan- oder Vanguard-Band zu Ende gelesen hat.

Denkwürdiges Zitat:

"Ausgezeichnet! und was die Zinsen betrifft, die du verlangen wirst ... ich werden keinen Satz zahlen, der über ..."
"Vergiß die Zinsen. Zahle mir einfach das Geld zurück, und damit hat sich die Sache erledigt."
"Erdenmenschen. Sie sind alle verrückt."
Nog und Jake, S. 26

Bewertung: Ferner liefen.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Samstag, 20. Juni 2009

Starfleet Kadetten 04: Das Sternengespenst

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Buchbesprechung Strickland, Brad: Das Sternengespenst. Heyne, 1994/1995.

Story: Jake Sisko ist vor gar nicht allzu langer Zeit zusammen mit seinem Vater auf der Raumstation Deep Space Nine angekommen. Der Sohn des Stationskommandanten hat keine große Auswahl bei der Wahl seiner Spielkameraden, und daher knüpft er freundschaftliche Bande zu Nog, einem Ferengijungen.
So wird Jake eines Tages Zeuge, wie Nog vor einer Kleinkinderzeichnung davonrennt. Er findet heraus, dass ein ‚Ferengest’, so eine Art Kapitalistenpoltergeist, seinen besten Freund Angst und Bange macht. Doch Jake glaubt nicht einmal in dem Moment an Geister, als diese Gestalt plötzlich direkt vor ihm steht.
Während Nog gegen die Panik kämpft, folgt Jake dem durchsichtigen Wesen, und stellt fest, dass es sich bei dem vermeintlichen Gespenst lediglich um ein fremdes Wesen in einer anderen Dimension handelt. Es transformiert auch Jake um mit ihm kommunizieren zu können, da es eine wichtige Botschaft zu übermitteln hat: In einem der Reaktoren der Station befindet sich nämlich eine Bombe!
Doch Jakes Übertritt in die fremde Dimension hat den schwerwiegenden Nachteil, dass eine Rückkehr in die eigene Dimension nur durch den Gebrach eines Transporters möglich ist! Erwachsene können Jake nicht mehr wahrnehmen und somit ist der unstete Nog die einzige Hoffnung für Jake Sisko und die Raumstation Deep Space Nine…

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Who you gonna call?

Lobenswerte Aspekte: Habe ich zuvor nach der Lektüre der von Peter David verfassten Teile „Worfs erstes Abenteuer“, „Mission auf Dantar“ und „Überleben“ nur noch missmutig gelesen, so muss ich doch zugeben, dass dieses Buch recht erfrischend ist. Strickland, dessen Story etwas an die TNG-Episode „Die imaginäre Freundin“ erinnert, schafft es trotz aller Widrigkeiten, seiner Geschichte Pepp und eine gewisse Frische zu verleihen, die den Leser wieder versöhnlich stimmen.
Natürlich bleibt die Handlung an Kindern bzw. Jugendlichen orientiert, doch schon der bewusste Verzicht auf ‚Zufälle’ verleiht der Handlung vermehrte Glaubwürdigkeit. So ist es zwar passend für die Story, Molly als Medium zur Kommunikation mit den Erwachsenen der Station zu nutzen, doch es wird der Wahrscheinlichkeit durch die Tatsache gehuldigt, dass dieser Versuch in die Hose geht.
Zudem schmückt Strickland die die Ferengikultur bunt aus. Nogs Verhandlungen mit Jake ob dessen Nachhilfebedürfnisses sind nicht nur passend, sondern sogar amüsant. Tatsächlich ist der humoristische Aspekt dieses Werkes, besonders in Hinblick auf die Zielgruppe, als durchaus gelungen zu bezeichnen.
Die Charaktere sind glaubhaft und selbst die noch von Vandalismus und Pionierarbeit geprägte frühe Phase der Serie sind gut eingefangen und der Autor versteht es, die sich daraus bietenden Möglichkeiten entsprechend zu nutzen. Dass eine solche Station nämlich besonders für entdeckungsfreudige Kinder ein einziger riesiger Abenteuerspielplatz ist, kann ich für meinen Teil jedenfalls gut nachvollziehen.

Kritikwürdige Aspekte: Warum dieser Roman unter den Titel „Starfleet Kadetten“ gepresst wurde, entzieht sich meinem Verständnis. Im Gegensatz zu seinen drei Vorgängern spielt die Handlung nicht an der Akademie oder orientiert sich an den Erlebnissen verschiedener aus diversen Serien bekannter Charaktere als Kadetten. Jake Sisko verweigert sich später sogar der Bewerbung an der Sternenflottenakademie! Wenn man also eine Reihe für Kinder konzipiert, sollte man einen passenderen Titel wie „Die kleinen Strolche“ oder „Wunderbare Jahre“ wählen, um so etwas unter die Leute zu bringen.
Das schlimmste an diesem Roman ist jedoch etwas, was bei allen Vorgängern immer ein Qualitätsmerkmal war: Die Zeichnungen.
Lustlos und unbeholfen; ja sogar künstlerisch wertfrei und dilettantisch wären Begriffe, die sich auf die grottenschlechten Abbildungen anwenden ließen. Die Bildausbrüche sind versucht, jedoch nicht geglückt und die Ähnlichkeit mit den bekannten Protagonisten ist, wenn überhaupt, nur sporadisch vorhanden.
Außerdem scheint sich der Urheber Hamilton an den Filmen „Der Herr der Ringe“ orientiert zu haben. Nun gut, Peter Jacksons Filmprojekt war 1994 noch nicht einmal in Planung, doch wenn man sich die Illustrationen ansieht, fällt schon auf, dass der ‚Ferengest’ Dhraako wie ein nazgul und Nog wie Gollum mit Akne aussieht.
Die Übersetzung spielt dem Leser längst gewohnte Streiche. Zum einen verwendet sie auch weiterhin konsequent das Wort „Starfleet“ unübersetzt, während aus „Holosuiten“ einfach mal eben „Holokammern“ (S. 9) und aus „Runabouts“ plötzlich „Flitzer“ (S. 120) werden. Außerdem findet sich auf Seite 37 die Formulierung „[…] Geschichte des Baseball […]“, der eindeutig ein „s“ fehlt, um den Genitiv anzuzeigen.
Schließlich finden sich auch noch einige andere Schlafmützigkeiten: Auf der Seite 64 wird eine Äußerung Quarks einfach Odo untergeschoben und dreizehn Seiten zuvor wird Nogs Neuinterpretation des Wortes „Hirngespinste“ (S. 51) korrigiert, obwohl dieser jenes Wort zuvor orthographisch völlig korrekt wiedergegeben hatte. Was ist dort bloß geschehen?
Nun, ich persönlich schätze mal, dass da irgendjemand ganz einfach bei der Übertragung ins Deutsche geschusselt hat…

Anachronismen: Dass „[…] die Station einen Zeitrhythmus von vierundzwanzig Stunden“ hat, stimmt nicht mit den Äußerungen aus der Episode „Leben in der Holosuite“ überein, in der vereinbart wird, Vic Fontaines Programm „[…] 26 Stunden pro Tag […]“ laufen zu lassen.
Völlig unverständlich ist mir außerdem, warum Quark seinen Bruder Rom zu Verhandlungen mit Lieferanten schickt. Der selbe Bruder, der später das Etablissement bestreikt und der dem Erwerb von Reichtümern entsagt, würde Quark meiner Meinung keine so wichtige Aufgabe übertragen, die so vitale Bereiche des Barbetriebs abdeckt.
Schließlich hat mich auch sehr erstaunt, dass es zwei von Sisko entsandten Runabouts gelingt, ein den groben Zeichnungen nach zu urteilen Schiff der Galor-Klasse aufzubringen. Natürlich sind diese Schiffe nicht die fortschrittlichsten Kreuzer des Universums, aber zwei Runabouts?? Das ist nun wirklich etwas übertrieben, selbst wenn es Probleme mit den Schilden hatte.

Fazit: „Das Sternengespenst“ hat aus den Fehlern seiner Vorgänger gelernt, und präsentiert sich zielgruppenoriertierter und unberechenbarer. Sofern man ihn unter dieser Prämisse betrachtet, bleibt er im Rahmen seines Anspruchs glaubwürdig, spannend und sogar lustig. Dennoch bleibt es ein Kinderbuch und die qualitativ minderwertigen Zeichnungen, die Übersetzungsschludrigkeiten und die Anachronismen bilden ein Gegengewicht zu den positiven Gesichtspunkten. Alles in allem ist es jedoch bislang eines der lesenswertesten Bücher der Reihe – solange man den Rahmen respektiert.

Denkwürdige Zitate

Kennen Sie sich zufällig mit Ferengi aus?
Genug um meine Finger zu zählen, nachdem ich einem die Hand gereicht habe.“ Jake und Kira Nerys, S. 27

Ein Krieger schläft im Zelt eines Feindes schlecht.“ Altes cardassianisches Sprichwort, S. 32

Bewertung: Nettes Kinderbuch.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten