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Mittwoch, 6. Januar 2010

Starfleet Kadetten 09. Erobert die Flagge!

BuchbesprechungVornholt, John: Starfleet Kadetten 09. Erobert die Flagge! Heyne 1994/1996.

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Story: Kadett Geordi LaForge ist keiner von jenen adretten, sportlichen und blonden Typen, die sich an der Akademie in den Vordergrund drängen. Eher schon ein graues Mäuschen, doch seine Überlebenstaktik ist so einfach wie erfolgreich: Aus dem Hintergrund sondiert er die Lage und eliminiert etwaige Hindernisse dann gezielt.
Diese Vorgehensweise verschafft seinem Team einen unerwarteten Sieg bei einem jahrgangsinternen Völkerballduell und mit diesem Überraschungserfolg gewinnt er nicht nur die Herzen der anderen Außenseiter seiner Klasse, sondern auch die Rivalitäten der ergebnisorientierten Sportlerelite.
Bei einem spontan angesetzten Wettkampf auf einer Welt mit weitaus geringerer Schwerkraft rechnen sich diese die Gewinnchancen aus, obgleich auch Geordi als eine der Teamspitzen ausgewählt wird. Doch sein vorangegangener Erfolg wird als Anfängerglück gedeutet und als sich LaForge auch noch ein Team fast nur aus Nulpen und Bewegungslegasthenikern zusammenbastelt, wird er nur müde belächelt.
Zur großen Überraschung aller gewinnt Geordis Mannschaft das erste Spiel „Erobert die Flagge“ knapp, doch für das Endspiel gegen das Spitzenteam des höchstleistungsverrückten Vorzeigekadetten Jack Pettey müssen sich die Mitglieder des grünen Teams noch viel viel mehr anstrengen...

Lobenswerte Aspekte: Nach den vielen und vor allem drögen Starfleet-Kadetten-Romanen um Jake Sisko, der ja bekanntlich nie die Akademie besuchte, endlich wieder eine richtige Akademiegeschichte! Und nicht nur das. Mittelpunkt der Beschreibungen ist auch noch Geordi LaForge, über den es nicht allzu viele Romane gibt.
Und man kann lernen, dass der gute alte Boothby nicht nur Picard in dessen Akademiezeit eine wichtige Stütze war. Gut, auch Wesley Crusher oder Kathryn Janeway können dieses Lied singen, doch es ist beruhigend zu wissen, dass seine Expertise auch Leuten wie Geordi zugute kam. Die Brücke zu Picard wird doch noch geschlagen (vgl. S. 138) und sogar Wil Riker (vgl. S. 137) darf sich in den Reigen derer mischen, die dem jungen LaForge zum Endsieg gratulieren.
Oops – hab ich damit zu viel gespoilert? Das Ende verraten, die Spannung genommen??
Unsinn!
Die Schilderungen um die popeligen Ball- und Fangespiele, die man sonst nur aus World-of-Warcraft kennt, sind tatsächlich für einen Roman der Reihe äußerst spannend geschildert. Ich für meinen Teil hatte zuvor keine Ahnung, dass die Beschreibung anderer Leute körperlicher Ertüchtigung mir so eine Menge Spaß bieten kann.
Grandios auch der Pulk an verschiedenen Spezies, die sich in diesem Buch tümmeln!
Da hört oder sieht man schon auf den ersten paar Seiten Tholianer (vgl. S. 9), Tellariten (vgl. S. 10), Saurianer (vgl. S. 11), Andorianer (vgl. S. 13) oder Delosianer (S. 16). Da wirkt eine Vulkanierin echt unspektakulär, doch Autor John Vornholt beweist an ihnen immenses Faktenwissen: So spielt er mit dem Hinweis auf die Unaussprechlichkeit vulkanischer Vornamen auf TOS (vgl. S. 30f, „Falsche Paradiese“) und mit dem Hinweis auf die „[...] Bedürfnisse vieler [...]“ (S. ) sogar auf einen der Star-Trek-Kinofilm (vgl. S. 67, „Der Zorn des Khan“) an.

Kritikwürdige Aspekte: So spannend der Verlauf der Spiele auch ist, das Ende ist dessen nicht würdig. Ein Eidechsenmann, der sich als Flagge verkleidet? Also mal im Ernst, das glaubt mir hierzulande ja noch nicht einmal ein Kindergartenkind, wenn ich es ihm erzählen würde. Und das, obwohl Saurier so populär unter den Bälgern sind!
Dabei ist die Ähnlichkeit des fahnenflüchtigen Saurianers Vernok mit diesen Urbiestern größer als mit den Mitgliedern jener Spezies, die im ersten Star-Trek-Film einen Kurzauftritt hatte (vgl. Abb. S. 134). Damit kommen wir auch gleich auf ein weiteres Problem zu sprechen: Die Zeichnungen.
Die schwanken zwischen 'okay', 'böse' und 'sehr böse'. Ganz besonders Körperhaltungen wirken oft wie bei Disney-Trickfilmen aus den fünfziger Jahren – unnatürlich und wie aus Gummi (vgl. Abb. S. 15 oder S. 85). T'Laras vulkanischer Nervengriff wirkt da jedenfalls eher wie das freundschaftliches Tätscheln eines tuntigen Langzeitkadetts (vgl. Abb. S. 33).
Außerdem decken sich die Darstellungen im direkten Vergleich der Personen miteinander nicht. Vernok (vgl. Abb. S. 65 und 134), Jenna (vgl. Abb. S. 65 und 119) oder T'Lara (vgl. Abb. S. 33 und S. 65) sehen sich nur beschränkt ähnlich und die Beschreibungen des Andorianers Altos (vgl. Abb. S. 75), Jack Pettey (vgl. Abb. S. 33) oder Takamas (vgl. Abb. S. 97) fand ich in der Bebilderung nicht unbedingt bestätigt.
Eher augenzwinkernd muss ich mich über ein rassistisches Vorurteil in diesem Werk beschweren. Vornholt, dem Namen nach selbst Spross deutschstämmiger Vorfahren, lässt seine Figuren einen Ausflug in den „Ratskeller“ - zu Sauerkraut und Bratwurst unternehmen (vgl. S. 30), was dem armen Andorianer natürlich nicht sonderlich gut bekommt (vgl. S. 39). Gut, dass dieses Buch als amerikanischer Kinderroman konzipiert wurde, denn so blieb uns die Maaß Bier erspart.
Aber man muss schon von Glück reden, dass Vornholt nur ein paar kulinarische Seitenhiebe in die deutsche Richtung schickt, denn an Dämlichkeit wahrhaftig nicht zu überbieten ist die Idee der Zwergpygmäen (S. 34), die nicht nur verdammt rassistisch anmutet, sondern auch in etwa so tapsig an afrikanische Kultur angelehnt ist, wie das berühmt-berüchtigte geflügelte Wort aus dem Munde des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke.
Nicht viel besser ist übrigens der Vergleich eines Visors mit einer Brille (vgl. 32). Eine anerkannte Behinderung mit dem Tragen einer Brille zu vergleichen, geht – bei allen Möglichkeiten zur Identifikation – etwas zu weit.

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Kaum vom Original zu unterscheiden: Turon47 als Deutschlandflagge verkleidet

Übersetzung: Auf so wenig Seiten kann man selbst mit Brille nur wenig Fehler ausmachen und dass in einem Ableger der Starfleet-Kadetten-Reihe der Begriff „Starfleet“ (S. 10) fällt, ist ja irgendwie logisch.
Unfreundlich hingegen ist es im Deutschen, den Namen einer Person mit einem Artikel zu kombinieren. Also wirklich, die Ausbilderin mag ja vielleicht ein harter Knochen sein, doch von „Die Patano“ (S. 73) muss man außerhalb der Dialoge echt nicht sprechen.
Wo wir schon bei Artikel sind, sollte auch positiv hervorgehoben werden, dass man mit der Silbenkürzel VISOR dem „visuell-organischen-Restitutionsobjekt“ (vgl. S. 10) ein aussprechbares Antlitz verliehen hat ist zwar toll, und so gesehen geht der Artikel 'das' ja auch in Ordnung (vgl. S. 31), doch durch die gesamten TNG-Folgen und -Filmen wurde dem Gerät ein männlicher Artikel zugedacht.
Eines hätte man außerdem bereinigen können. Der Satz „Niemand konnte die Besorgnis in Geordis Augen sehen [...]“ (S. 20) ist schon etwas irreführend, weil Geordi ja ein „visuell-organischen-Restitutionsobjekt“ vor Augen hatte, dass den ungetrübten Blick auf seine nicht vorhandenen Pupillen ohnehin verwehrte.

Anachronismen: Und wenn wir schon beim VISOR sind: Man kann das Gerät einfach aufsetzen und sehen, was auch Geordi sieht (vgl. S. 106)? Wozu hat er dann die kleinen Sensoren auf seiner Schläfen? Natürlich kann man das optische Signal dieses Hilfsmittel, wie in „Worfs Brüder“ gesehen,auf einen Bildschirm übertragen, doch einfaches Hineinblicken reicht dafür nicht aus.

Fazit: „Erobert die Flagge“ ist nach langer Durststrecke endlich einmal wieder ein Starfleet-Kadetten-Roman, der seinen Namen wirklich verdient. Mit seinem Fokus auf Geordi, seinen spannenden Spielschilderungen und seiner hohen Dichte an fremden Spezies verfügt er über viele der Zutaten, die einen solchen Roman lesenswert machen.
Doch das unausgegorene Ende, die Qualität der Zeichnungen und vor allem die vielen stereotypen Vorurteile, die hier zu finden sind, relativieren das positive Bild auch wieder, auch wenn ein gewisses Potential nicht zu verleugnen ist.

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Deutsche Lightkultur: You don't have to be Posh, to swallow Beck's

Denkwürdiges Zitat:

Aber LaForge, mir ist egal, ob Sie blind sind – treten Sie nicht auf meine Leberblümchen!
Boothby, S. 25

Bewertung:

Erfrischend, aber mit Nachgeschmack.

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Weiterführende Leseliste:

Starfleet Kadetten 02: Worfs erstes Abenteuer
Starfleet Kadetten 03: Mission auf Dantar
Starfleet Kadetten 04: Überleben
Starfleet Kadetten 05: Das Sternengespenst
Starfleet Kadetten 06: In den Wüsten von Bajor
Starfleet Kadetten 07: Freiheitskämpfer
Starfleet Kadetten 08: Das Schoßtierchen
Starfleet Kadetten 09: Erobert die Flagge
Starfleet Kadetten 10: Die Atlantis Station
Starfleet Kadetten 11: Die verschwundene Besatzung
Starfleet Kadetten 12: Das Echsenvolk
Starfleet Kadetten 13: Arcade
Starfleet Kadetten 14: Ein Trip durch das Wurmloch
Starfleet Kadetten 15: Kadett Jean-Luc Picard
Starfleet Kadetten 16: Picards erstes Kommando
Starfleet Kadetten 17: Zigeunerwelt
Starfleet Kadetten 18: Loyalitäten

Montag, 14. Dezember 2009

Masken

Buchbesprechung Vornholt, John: Masken. Heyne, 1989/1991.

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Story: Im Zuge einer diplomatischen Mission besucht die USS Enterprise NCC-1701-D den Planeten Lorca. Die geologisch extrem instabile Welt wartet mit einer noch viel bizarreren Tradition auf: Alle Bewohner verhüllen ihr Gesicht mit Masken, die ihren Trägern soziale Ränge verleihen. Ein Außenteam wird für den Sonderbotschafter der Föderation zusammengestellt, und die Autorität einer kostbaren Botschaftermaske soll helfen, erste diplomatische Beziehungen herzustellen.
Zum Außenteam, gehört auch, von heftigen Protesten Rikers begleitet, Captain Jean-Luc Picard und die schlimmsten Befürchtungen seines ersten Offiziers finden sich bestätigt, als nach einer heftigen vulkanischen Eruption der Kontakt zur Delegation auf der Planetenoberfläche abreißt. Riker bildet ein neues Außenteam unter seiner eigenen Leitung, um dem mysteriösen Verschwinden seines vorgesetzten Offiziers auf den Grund zu gehen.
Und tatsächlich gelingt es Riker nicht nur, erste Kontakte zur einheimischen Bevölkerung zu knüpfen, sondern auch ein Mitglied des verloren geglaubten Teams mitten in der Wildnis aufzuspüren. Doch Lewis, der Sonderbotschafter der Föderation, bringt schlechte Nachtrichten mit. Worf, Deanna Troi und der Captain wurden bei einem plötzlichen Überfall umgebracht und auch die wertvolle Botschaftermaske fiel in die Hände der meuchelmordenden Missetäter.
Doch damit nicht genug. Die Situation verschärft sich durch die geologische Instabilität und die Ferengi, die plötzlich im Orbit der Welt auftauchen: Sie greifen in die bestehenden Machtverhältnisse ein und reißt die Maske der Weisheit an sich – das verloren geglaubte Herrschaftsattribut Lorcas.
Es ist nun an Riker, die fragilen Machtstrukturen des Planeten zu restaurieren, die diplomatische Aufgabe zu retten und wenigstens die Leichen des vermissten Außenteams zu bergen...

Lobenswerte Aspekte: Der Roman fängt schon gut an. Die Beschreibungen Lorcas sind so interessant wie gelungen – das Gefühl, es mit einer völlig von der Erde abweichenden Welt zu tun zu haben, stellt sich bereits auf den ersten Seiten ein. Dabei gelingt es Vornholt, diese Abweichungen in Geologie (vgl. S. 27ff. oder S. 54), Flora (vgl. S. 55f. oder S. 62) und Fauna (vgl. S. 27f. oder S. 44ff.) derart lebendig zu beschreiben, dass sich das Endprodukt tatsächlich vom düsteren Schatten der stets monotonen und irgendwie immer erdähnlichen Planeten innerhalb der verschiedenen Star-Trek-Serien abhebt. Dass er da in der Danksagung Ashley Grayson für seine Hilfe bei diesem sensiblen Thema dankt (vgl. S. 6) ist nur allzu verständlich.
Doch Vornholt braucht sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, denn auch die Beschreibungen der sozialen Verhältnisse auf dem abweisenden Planeten sind äußerst gelungen. Eine gesamte Gesellschaft zu ersinnen, die Masken als Ausdruck hierarchischer Ordnung zurückgreift, hört sich im ersten Moment vielleicht langweilig an, doch dem Autor gelingt es rasch, eine vielschichtige und tiefgründige Frage zu stellen: Ist es die gesellschaftliche Position, die unsere Individualität bestimmt, oder ist es genau anders herum?
Doch damit nicht genug. Mit dem Tragen von Masken schneidet er ebenfalls die in vielen muslimischen Staaten übliche Verschleierungen an (vgl. S. 51 oder S. 100f.), spielt mit den klar definierten Rollen antiker Theatertraditionen (S. 94f.) und man kann sogar soweit gehen, die diversen Verkleidungsvergleiche mit modernen Superhelden wie Spiderman, Superman oder Batman in Verbindung zu bringen (S. 132ff).

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Maskierte Rächer als Parabel für die Menschheit

Höhepunkt ist allerdings, dass es Vornholt gelingt, diesem Aspekt sogar eine erotische Komponente abzugewinnen. Der intime Akt des Ablegens der Maske in trauter Zweisamkeit wird nämlich um eine Nuance erweitert, die in unserem Kulturkreis ungleich sexueller konotiert wird: Mit dem Ablegen eines BHs (vgl. S. 148). Picards Schwierigkeiten beim Lösen der Maskenhalterung und die Reaktion seiner Gespielin „Scharfe Klinge“ darauf gewinnen nämlich durch diesen Griff in die erzählerische Trickkiste an Atmosphäre, die sich auch Personen erschließt, die nicht jeden Tag ihr eigenes Antlitz vor ihren Mitmenschen verbergen.
All diese Punkte ließen sich in derartiger Tiefe niemals in Filmform transportieren und somit bildet das Buch das perfekte Medium für diese Geschichte. Kein Wunder, dass es als erster TNG-Roman den Weg in die New-York-Times-Bestseller-Liste schaffte, denn einen so hohen Anspruch findet man nicht oft in einem Star-Trek-Buch. Dennoch sprengt es den Rahmen nicht – recht einfühlsam passt es sich dem Charme und Flair der Ursprungsserie an.
Dies gelingt besonders gut dadurch, dass es sich in erster Linie an TOS orientiert. Was im ersten Moment sicherlich befremdlich klingt, erweist sich als gekonnter Brückenschlag, denn Vornholt beschreibt quasi nebenbei anhand klassischer Serienelemente, warum beispielsweise Captains nicht an Außenmissionen teilnehmen (vgl. S. 21) oder warum die alten Kommunikatoren eben doch viel besser waren, als die neuen (vgl. S. 34). Selbst den Vornamen des windigen Freistildiplomaten Fenton Lewis kann man als leise Hommage an das altgediente TOS-Schlitzohr Harcourt Fenton Mudd auslegen.

Kritikwürdige Aspekte: Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wieder einmal ist ein Schiff mit dem Namen Enterprise im Orbit eines Planeten, dessen Bevölkerung vor längerer Zeit zu den Menschen gezählt wurde. Die Kultur hat sich in ihrer Isolation eigenständig weiterentwickelt und weicht jetzt etwa dadurch ab, dass in dieser Filiale der Homo-Sapiens-Familie Masken getragen werden. Doch im Grunde genommen bleibt das Thema ein alter Hut, egal ob es in diversen Episoden („Der Obelisk“, „Der Planet der Klone“, „Die 37er“ oder „Faustrecht“) oder Büchern („Die Ehre des Drachen“, „Ketten der Gewalt“ oder „Der rote König“) aufgegriffen wird.
Die Hintergrundgeschichte dieser verloren gegangenen Erdenkolonie ist dabei besonders haarsträubend. Eine Schauspieltruppe strandet mit zusammen militanten Amish auf einer abgelegenen Welt, dann Naturkatastrophen, Chaos und Mythenbildung - und schwupps! - ein paar hundert Jahre später laufen alle herum wie Ritter und verbergen ihre Gesichter hinter Masken. Natürlich! Glasklar! Nur logisch!


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Eine logische Wahl: Die alten Rittersleut'

Hinzu kommt, dass das Thema Masken ja so neu auch nicht mehr ist. Gut, die leider nicht gleichnamige TNG-Folge „Der Komet“ entstand ebenso wie die Voyager-Episode „Die Muse“ weit nach dem Erscheinen dieses Buches, doch bereits im ersten Star Trek Kinofilm gab es mit den kaum bekannten Shamin eine maskierte Spezies.
Doch beide Kritikpunkte sind vernachlässigungswürdig. Immerhin wurde Lorca besiedelt, nachdem die Menschheit den Warpantrieb erfand und die Shamin sind nun wirklich eine Randerscheinung gewesen.
Die große Manko des Romans liegt in einer generellen Schwäche Vornholts. Auch in anderen seiner Werke, wie etwa „Kontamination“ fallen immer wieder Probleme mit der Darstellung der bekannten Figuren der Serie auf. Das ist auch hier der Fall.
So wirkt etwa Riker völlig ungeeignet für den Posten eines ersten Offiziers, Data steht seinen menschlichen Schiffskameraden in puncto Emotionalität in nichts nach und der Charakter des Bösewichts Lewis ist bestenfalls grob skizziert, jedoch nie in irgendeiner Form nachvollziehbar oder gar handlungsorientiert - er bleibt stets ein Fremdkörper in der Geschichte.
Dass hingegen Figuren wie Wesley Crusher und Kate Pulaski gar nicht nerven, ist zwar irgendwie angenehm, doch nicht sonderlich serientreu.
Andere kleinere Wehmutstropfen sind zum Beispiel der hohe Blutzoll und das viel zu abrupte Ende – doch diese kleineren Wehwehchen verblassen nahezu im Vergleich zu den Abstrichen in der Figurendarstellung.

Übersetzung: Der Übersetzung merkt man die Herkunft aus dem Hause Heyne deutlich an. 'Zehn Vorne' ist ein „Gesellschaftsraum“ (S. 9), die 'Sternenflotte' „Starfleet“ (S. 41) und die 'Föderation' ein „Völkerbund“ (S. 270). Dazu noch ein paar ungebräuchliche Formulierungen wie „terranisch“ und „Insignienkommunikator“ (beides S. 15), weltfremde Kombinationen mit Präfixen wie „Medo-“ (vgl. S. 42, S. 124 oder S. 131) oder „Erg-“ (vgl. S. 273) und das kontinuierliche, doch stets unangebrachte Beharren auf dem Wort „desaktivieren“ (S. 165) – und schon zeigen sich erste Entnervungserscheinungen beim Leser.
Dann noch reihenweise Zeichenfehler (z.B. S. 104, S. 251 oder S. 271), falsch genutzte Artikel („die Counselor“, S. 104) oder unpassende Pluralformen („Schotten“, S. 109) und einige kleinere Fehler wie „Eins“ (S. 16) statt „Eines“ oder die unfreiwillige Wortehe „ebensoschlimm“ (S. 21).
So richtig mulmig wird es allerdings erst, wenn man so merkwürdig übertragene Sätze wie „Verschiedene Versionen davon existierten praktisch auf allen technologischen Planeten der Galaxis.“ (S. 173) liest, denn dafür kann man den Übersetzer die Schuld geben. Es gibt einige ähnliche Sätze, doch gerade die fantasielose Bezeichnung 'technologischer Planet' ist nicht unbedingt eine von den Phrasen, die ich in einem gut übersetzten Buch erwarte.

Anachronismen: Es gibt nur eine kleine Anzahl von Widersprüchen zu den verschiedenen Serien der Star-Trek-Saga. Für einige kann Vornholt gar nichts, weil sie erst nachträglich durch später erschienene Folgen entstanden, andere hätten durch eine gründliche Recherche vermieden werden können.
Schließlich war bereits im dritten Kinofilm „Auf der Suche nach Mr. Spock“ eine klingonische Sprache zu hören, die nicht „[...] nur aus Knurr- und Klicklauten zu bestehen schien.“ (S. 15). Gut, das Knurren könnte man vielleicht noch irgendwo gelten lassen, doch Klicklaute sind doch etwas übertrieben.
Die Sprache der erzkapitalistischen Ferengi hat hingegen bis heute auch noch keinen zweigliedrigen Personennamen hervorgebracht (vgl. S. 176), auch wenn deren Leitwährung in der später folgenden Serie Deep Space Nine 'goldgepresstes Latinum' und nicht „Verrechnungseinheiten“ (S. 278) hieß.
Doch auch der in Romanen sehr beliebte Fehler, der Föderation ein auf Geldmitteln basierendes Wirtschaftssystem zu unterstellen, lässt sich hier (vgl. S. 12) ausmachen, obwohl es bereits anders lautende Äußerungen gab.
Schließlich sind die Antaraner (vgl. S. 41), die Vornholt bereits in „Kontamination“ berücksichtigte, nicht mit jener Spezies gleichen Namens vereinbar, die dem Zuschauer aus der Enterprise-Folge „Böses Blut“ bekannt sein dürfte.
Doch das Problem dieses Romans ist keineswegs die überschaubare Menge an äußeren Widersprüchen. Die Geschichte auf dem tektonisch instabilen Planeten hadert zuweilen auch mit sich selbst, denn nicht nur der Planet ist voller Schlundlöcher, sondern auch die Handlung.
Warum verweigert die schiffsinterne Übersetzungsmatrix ihren Dienst, wenn jemand klingonisch spricht (vgl. S. 15) ?
Warum ist die Botschaftermaske, die der berühmte Künstler Fazool für die Ferengi herstellte (vgl. S. 68) so passgenau für Menschen (vgl. 31)? Immerhin tragen Ferengi auf dieser Welt Masken, mit denen sie dennoch problemlos als Ferengi zu erkennen sind (vgl. S. 181 und s. 202!
Und auch jener Meister Fazool gibt mir zu denken. Aus welchem Grund weicht sein Name von den üblichen Bezeichnungen wie „Scharfe Klinge“, „Tagesfleiß“ oder „Geschickte Hand“?

Fazit: „Masken“ ist ein Buch mit vielen Fehlern. Die Heyne-Übersetzung, innere und äußere Logiklücken und vor allem die durch die Bank weg schlecht nachempfundenen Figuren berauben dem Roman an vielen Stellen seines Charmes.
Doch die völlig fremde Welt und die Grundidee einer maskierten Gesellschaft sind die Trümpfe dieses Buches, denn genau darüber gelingt es dem Roman, zu glänzen. Der Gebrauch von Masken wird einfühlsam zu einem in vielen Facetten beleuchteten kulturellen Aspekt der gesamten Menschheit stilisiert, wobei am Ende die zentrale Frage steht, ob der Gebrauch einer Position den Menschen ausmacht, oder der Mensch die Position. Vornholt legt dabei ein solches Geschick an den Tag, dass die Platzierung seines Werkes auf der US-amerikanischen Bestsellerliste verständlich wird.

Denkwürdige Zitate:

Er hat einen Punkt in seiner Karriere erreicht, an dem er sich ein wenig Exentrik erlauben kann. Das gilt auch für mich.
Picard, S. 22

Bei uns gibt es ein Sprichwort. Man kann hundert Masken haben, aber nur eine tragen.
Medizinmacher, S. 162

Bewertung: Der mit Abstand beste Vornholt-Roman.

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Sonntag, 15. März 2009

Kontamination

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prechung Vornholt, John: Kontamination; Heyne 1991.

Story: An Bord der Enterprise NCC-1701-D wurde ein Mord an einer verdienten Wissenschaftlerin verübt. Captain Picard beauftragt seinen Sicherheitschef Worf, zusammen mit dem Schiffscounselor Deanna Troi die Untersuchungen an diesem Fall zu leiten. Doch beide kommen nur sehr schleppend voran und die diplomatische Mission zu den Kreel erschwert die kriminalistischen Bemühungen zusätzlich. Erst als ein zweiter Mord geschieht und Worf als Ankläger gegen den Hauptverdächtigen antritt, kommt langsam Licht in die dunklen Machenschaften, die unbemerkt von der Brückencrew an Bord des Schiffes ablaufen…

Lobenswerte Aspekte: Man bemerkt gleich auf den ersten Seiten, dass der Übersetzer sich Mühe gegeben hat: Er unterscheidet nämlich Duzen und Siezen! Auch die Nebenhandlung mit den Kreel ist zuweilen recht unterhaltsam und niedlich beschrieben. Höhepunkt ist aber zweifelsohne der eigentliche Konflikt, denn er enthüllt, dass es in der ach so heilen Star-Trek-Welt eben doch zu Ausbrüchen von Gier, Habsucht, Eifersucht und anderen menschlichen Schwächen kommen kann, die letztendlich sogar zu zwei Toten führen. Die Suche nach dem wahren Mörder nimmt dabei sogar so viele Wendungen, dass ich tatsächlich auf einen völlig anderen Mörder getippt hatte. Unglaublich perfekt und überraschend nah am Original ist der Charakter Wesley Crushers getroffen. Es gelingt dem Autoren, ihn genauso nervig, vorlaut und unsympathisch wie in der Serie darzustellen.

Kritikwürdige Aspekte: Auch wenn der Übersetzer sich eindeutig Mühe gegeben hat, scheint sich seine Motivation im Laufe des Bandes abzunehmen. Neben Formulierungen wie „...fragte er die Counselor...“ (S. 59) und Übersetzungen wie „Insignienkommunikator“ (S. 64) oder „Strahler“ (S. 256) sind es die kleinen Übersetzungsfehler, die beweisen, dass er sich kaum mit der Star-Trek-Materie auszukennen scheint. So nennt er etwa Menschen "Terraner" (S. 65), obwohl dies eher eine Erscheinung des Spiegeluniversums ist.
Auch das Bordleben auf der Enterprise finde ich nicht unbedingt glaubwürdig dargestellt. Wozu hat die Enterprise ein solch platzfressendes Labor? Die Schilderungen der wissenschaftlichen Abteilung wirkt wie die Beschreibung eines Staates im Staat und gegen das Büro des leitenden Wissenschaftsoffiziers scheint der Louvre ein bescheiden eingerichtetes Vorzimmer zu sein.
Daneben gibt es die vielen kleinen Fehler, die beim Lesen viele entnervte Seufzer verursachen. Als etwa Picard dem Computer eine Frage stellt, antwortet Data, obwohl er sich völlig woanders befindet (S. 37). Hat sich der Androide etwa neue Telepathiesubroutinen einprogrammieren lassen? Warum ignoriert Vornholt, dass Vulkanier sich nur im Pon Farr paaren? Oder ist Saduk doch ein Romulaner, wie ich das ganze Buch über vermutete? Warum studiert Picard vor der Gerichtsverhandlung in „Wem gehört Data?“ (TNG) so ausgiebig die Gesetzestexte der Föderation, wenn das Rechtssystem so radikal vereinfacht wurde? Und überhaupt, eine Gerichtsverhandlung mit dieser Beweislage würde es nicht einmal im komplizierten Rechtssystem der USA im 20. Jahrhundert geben, ja nicht einmal in China oder Singapur!
Am schlimmsten ist jedoch, dass die Figuren bis auf Wesley überhaupt nicht getroffen wurden. Worf, der für meinen Geschmack viel zu oft Mitleid empfindet, verpflichtet den Unsicherheitsfaktor Wesley für eine heimliche Überwachung des Hauptverdächtigen. Eine heimliche Überwachung?! Ist der Mann Klingone oder Romulaner? Troi hingegen scheint mit jeden Mann an Bord gleich in die Kiste springen zu wollen – nur einen mag sie nicht: Worf.
Der erschreckend unorganisierte Picard hingegen verteidigt Data vor den Kreel in einem Satz noch als empfindungsfähiges Wesen; im Satz darauf nennt er ihn nur noch „den Androiden“ (S. 190). Auch Geordis Kenntnis über Beatniks hat mich zumindest verwundert.
Am auffälligsten ist dieses Manko, wenn die einzelnen Personen in Dialogen miteinander agieren. Dies wirkt dann zumeist hölzern, lieblos und als ob niemand an Bord seinen Gesprächspartnern überhaupt zuhört. Aneinander Vorbeireden gehört scheinbar zu den Höflichkeitsformen des 24. Jahrhunderts und es scheint besonders freundlich zu sein, viele unangekündigte Gedankensprünge und unerklärte Anspielungen in einem Gespräch unterzubringen.
Ganz besonders tragisch fand ich ein Detail, das nur mein Buchexemplar betrifft. Bei Ebay ersteigert und daher gebraucht, war es mit einer Signierung versehen. Diese stammte von einer Nicole. Nicole! Nicole war jene meiner Exfreundinnen, die mir das Herz brach, und mir an meinem 19. Geburtstag einen Riesenteddy schenkte, nur um mich noch am selben Tag zu verlassen…

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Die traurigen Nachwirkungen der Lektüre eines schwachen TNG-Romans: Alte Wunden neu aufgerissen

Anachronismen: Fast schon wieder niedlich ist die Darstellung der "Antarier [sic!]" (S. 71). Diese Rasse, die erst knapp zehn Jahre nach Erscheinung dieses Buches das erste Mal in der Star-Trek-Serie Enterprise zu sehen war, weicht natürlich stark von diesem Kanonauftritt ab.
Desweiteren sind kleinere Details auffällig: Vornholt beschreibt, dass die Klingonen den Selbstmord in ihrem Kulturkreis als letzten Ausweg bei Feigheit oder einer demütigenden Niederlage betrachten. Doch Folgen wie „Die Operation“ (TNG) oder „Die Söhne von Mogh“(DS9) beschreiben den Selbstmord als tiefverwurzeltes Element der klingonischen Kultur, der in verschiedenen Fällen zum Einsatz kommt; jedoch nie etwas mit Feigheit oder demütigenden Niederlagen zu tun hat.
Überhaupt scheint Worf als Klingone geradezu ein Magnet für Anachronismen zu sein. Der bereits angesprochene Zwist zwischen ihm und Troi widerspricht den Ereignissen der siebenten TNG-Staffel, in der sich beide Offiziere sehr sehr nahe kommen.
Auch seine Tätigkeit als Staatsanwalt bzw. Ankläger beißt sich etwas mit seiner passiven Rolle in „Das Gefecht“ (DS9), in der er sich von Sisko vertreten lässt, anstatt wie in diesem Buch geschildert, selbst in Aktion zu treten.

Fazit: „Kontamination“ ist ein Werk mit äußerst interessanter Grundidee und netter Nebenhandlung, die an der Schwäche des Autors scheitert, etablierte Charaktere nachvollziehbar zu schildern. Die vielen Anschlussfehler und die fast schon zur Gewohnheit werdenden Übersetzungsschwächen tun ihr Übriges, um das Lesevergnügen nachhaltig zu schmälern.

Denkwürdige Zitate:

Sie glaubt uns Befehle erteilen zu können. Nur weil sie schön ist.“ Adm. Ulree, S. 185

An den Transportern gibt es nichts auszusetzen, doch die Shuttles der Föderation finde ich grässlich.“ Adm. Ulree, S. 191

Bewertung: Schwacher Roman trotz schöner Idee.

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