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Dienstag, 13. August 2013

Typhon Pact II: Feuer

Buchbesprechung Martin, Michael A.: Typhon Pact. Bd. II. Feuer. Cross Cult, 2010/2013.

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Story: Was man so alles findet, wenn man im Weltall herumstromert! Die Crew der USS Titan jedenfalls stößt auf eine Reihe von künstlichen Klasse-M-Planeten, die allerdings kein Leben aufweisen. Schnell wird klar, dass es sich kaum um einen Zufall handeln kann. Doch die Sternenflotte ist nicht die einzige Macht, die auf dieses außergewöhnliche Phänomen aufmerksam wird. Bei ihrer Suche nach den Ursprüngen trifft das Schiff unter dem Kommando William T. Rikers auf eine Expeditionsflotte der Gorn, die bereits einen Schritt weiter sind: Sie haben ein antikes Artefakt ausfindig gemacht, das in der Lage ist, planetare Objekte nach Belieben zu verändern.
Doch solch große Macht lässt sich auch immer problemlos als Waffe einsetzen. Dieser Umstand wird der Besatzung des Forschungsschiffes nur allzu deutlich, als sie erkennen muss, dass die verzweifelten Gorn gerade dabei sind, die Wirkung ihrer neuesten Errungenschaft in der Praxis zu testen – an einer bewohnten Welt...

Lobenswerte Aspekte: Nu gugge ma, die Gorn! Wenig bis gar nichts hat der in unseren Breiten beheimatete Star-Trek-Anhänger bislang über die kaltblütigen Reptiloiden erfahren können, die unter der Hand des offiziellen Kanons immerhin als Mittelmacht innerhalb der Einflusssphäre der Föderation gehandelt werden.
In seinem ersten auf deutsch erschienenen Solowerk schafft es Michael A. Martin auch mal ohne die tatkräftige Unterstützung seines Schreiber-Sidekicks Andy Mangels, aus den wenigen zur Verfügung stehenden Informationen eine schlüssige Gesellschaft aus dinosauriergleichen Echsen zusammenzubasteln, deren Komplexität und Glaubwürdigkeit den Leser in den Bann schlägt. Quasi im Vorbeiflug erklärt er, warum die beiden einzigen Real-Serien-Auftritte der Gorn so unterschiedliche Erscheinungsformen der Spezies boten (vgl. S. 11), festigt eine Abneigung der schuppenbewehrten Kreaturen gegen Säugetiere, die bereits in der dritten Staffel "Enterprise" anklang (vgl. S. 79) und kramt eine Reihe von ebenfalls auf Kriechtieren basierenden Föderationsmitgliedern aus, deren Auftritte ansonsten nur auf den Hintergrund einiger Kinofilme beschränkt waren (vgl. S. 163ff.).
Höhepunkt sind allerdings die beinahe lehrbuchartig zusammengetragenen und dazuerfundenen Gorn-Informationen. Angefangen dabei, dass die Spezies über mehr als einen Magen verfügt (vgl. S. 143), über die Gliederung der Gesellschaft in zusammengezüchtete Kasten (vgl. S. 24), bis hin zu Gruselgeschichten für reptiloide Kleinkinder (vgl. S. 145) leuchtet Martin großzügig eine große Menge an dunklen Ecken aus, die dem Fan bis dato verschlossen oder seiner eigenen Fantasie überlassen blieben. Besonders aber die Interpretation einer charakteristischen Gorn-Ausprache allseits bekannter Ausdrücke wie "Borg" (vgl. S. 18), "Kirk" (vgl. S. 20) oder "Metronen" (vgl. S. 116) zeugt deutlich von einer Detailversessenheit, die entscheidend zu einem positiven Gesamtbild beträgt.
Angenehm fällt dabei ferner auf, dass die Gorn trotz aller Abneigungen, Antipathien und Vorurteile erschreckend menschlich bleiben (auch wenn das in diesem Zusammenhang beleidigend klingen mag). Im Endeffekt spiegeln sich bei allen kulturellen Abweichungen in den herpetologischen Betrachtungen Martins auch immer wieder Wesenszüge wider, die wir aus dem eigenen Erfahrungsbereich kennen. So gibt es ebenso Platz für innige Männerfreundschaften (vgl. S. 55ff.) wie für herzerweichende Liebesschnulzen (vgl. S. 438ff.) und Hauptprotagonist S'syrixx entpuppt sich im Endeffekt sogar als so eine Art reptiloider Edward Snowden (vgl. S. 85ff., S. 327 oder S. 456ff.)
Und obgleich sich in letzter Zeit häufige Referenzen auf die einzelnen Star-Trek-Fernsehserien und -Filme (vgl. z.B. S. 44ff., S. 303, S. 335 u.v.m.) längst zum allgemeinen Standard für Star-Trek-Romanautoren gemausert haben, packt Martin noch eine Schippe drauf: Wie man in seiner Danksagung (vgl. S. 477ff.) ausgiebig erfahren kann, bediente er sich Dutzender Quellen und war sich auch nicht zu schade, auch Querbezüge zu den Entwicklungen in anderen Romanreihen zu positionieren (vgl. z.B. S. 34 zum Titan-Vorgänger "Synthese", S. 19 zum TOS-Buch "Das Schlachtschiff" oder S. 159 zum Comic "Die Gorn-Krise"). Direkt schade, dass einige davon, wie etwa "The Dying of the Light" (vgl. S. 19), "A Time to Heal" (vgl. S. 182) oder "Inferno" (vgl. S. 379) bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienen sind, während dieses Buch bereits weit in die Föderationszukunft greift.
Immerhin gibt es nach langer Zeit mal wieder ein (Nicht-) Lebenszeichen von Data (vgl. S. 353), vom dem der geneigte Leser von Comics wie "Countdown" ja immerhin schon weiß, dass er wie Phönix aus der Asche wiederauferstehen wird.
Wäre sonst noch etwas zu erwähnen?
Nun, die wundersame Rettung S'syrixx aus dem mörderischen Vakuum des Alls (vgl. S. 123) erinnert ein wenig an "Per Anhalter durch die Galaxis" und die refrainartige Wiederholung von Formulierungen wie "Wir gehen rein und wieder raus, niemand wird verletzt." (S. 97, vgl. außerdem S. 45) lässt an Jonathan Coultons Song "Redshirt" denken.



Kritikwürdige Aspekte: Wann ist ein Mann ein Mann? So fragte Herbert Grönemeyer die Bundesrepublik herausfordernd im Jahre 1984. In diesem Falle könnte man gleichsam plakativ die daran angelehnte Frage stellen:
Wann ist ein Typhon-Pact-Roman ein Typhon-Pact-Roman?
Denn mal ehrlich:
Von eben jenem Bündnis, dass als Gegenentwurf zur Föderation in die Welt gesetzt wurde, erfährt man in diesem Werk herzlich wenig. Der vermeintliche Höhepunkt ist eine ständig wie ein Damoklesschwert über der Handlung schwebende Flotte aus den Schiffen verschiedener Mitglieder (vgl. S. 220ff.), deren Ankunft man als Leser allerdings nicht einmal miterlebt. Da bleibt kein Platz für Konflikte mit Wesen, deren Cleverness die der vergleichsweise schwerfälligen Gorn übersteigt. Trotz der Bedeutung des Artefakts machen sich nicht einmal die Romulaner wie noch in "Der Telepath" die Mühe, den Antrieb eines ihrer Schiffe überzustrapazieren, um der Sternenflotte gegenüber einen taktischen Vorteil zu erlangen – und das obwohl das Terraforming-Artefakt auch eine Lösung für die Zerstörung Romulus' bieten könnte.
Im Vergleich zu "Feuer" verdient also selbst der dritte Destiny-Band "Verlorene Seelen" eher das Prädikat "Typhon Pakt", denn dort kann man immerhin etwas Substanzielles über diese dubiose Allianz erfahren. Den einzigen zusätzlichen Eindruck, den man vom Zusammenschluss der unterschiedlichen Partner in diesem Werk erfahren kann, ist, dass man sich kaum vor diesem neuen Gegner zu fürchten braucht, denn nachdem bereits klar wurde, dass die romulanischen Bündnispartner so eine Art Nordkorea mit Tarnkappenbombern darstellen und die Breen laut "Nullsummenspiel" in ihrer Integrität von FKK-Sektierern bedroht werden, kann man nun erfahren, dass den angeblich so mächtigen Gorn allmählich das Kanonenfutter ausgeht. Und wie bedrohlich eine Militärmacht ohne Armee sein dürfte, kann man sich an einem Finger abzählen.
Nein, dieses Werk ist viel eher ein Titan-Roman mit Gorn-Schwerpunkt. Entsprechend sollte er auch verpackt werden. Wobei das Problem an den Gorn bleibt, dass sie, wie es Christian Humberg im abschließenden Essay unter dem Titel "Too Far Gorn" selbst beschreibt (vgl. S. 481ff.), nur in einer einzigen Folge der klassischen Serie überhaupt einmal näher betrachtet wurden. Entsprechend häufig wird "Ganz neue Dimensionen" auch als Referenzpunkt herangezogen (vgl. S. 116, S. 210, S. 314 u.v.m.), wobei es relativ auffällig zufällig erscheint, dass ein Schiff, das nach dem Captain des Erstkontakts der Gorn mit den Menschen benannt ist (vgl. S. 19), ebenso munter im Geschehen mitmischt, wie ein Nachfahre eben jenes Crewmitgliedes, das anno dazumal die Menschen mit seiner Stimmenimitation hereinlegen konnte (vgl. S. 58).  
Überhaupt fällt es sehr schwer, den verschiedenen Gorn-Charakteren zu folgen. Das liegt allerdings weniger an ihrer Fremdartigkeit oder ihren Wehwehchen, sondern eher darin begründet, dass sie in puncto Figurenmotivation viel zu wenig zu bieten haben. S'syrixx' völlig aus der Luft gegriffener plötzlicher Gottglauben (vgl. S. 346) wird in seiner Unnachvollziehbarkeit nur noch durch den erschreckend häufigen Wechsel seiner Kooperationen und ständigen Insubordinationen übertroffen (vgl. S. 85, S. 201ff., S. 422 u.v.m.). Das wechselhafte Verhalten des Erzbösewichts Gog'resssh (vgl. S. 120f., S. 277, S. 308ff. u.v.m.) kann man nicht einmal mehr mit seiner Verstrahlung rechtfertigen; Captain Krassrr handelt krass inkompetent für jemanden in seiner Position (vgl. S. 148, S. 131ff., S. 299ff.) und Z'shezhira präsentiert sich in der entscheidenden Situation einfach nur unfassbar dämlich (vgl. S. 272). Spätestens ab der Mitte des Buches verliert es dadurch stark an Glaubwürdigkeit, zumal die merkwürdigen Entscheidungen der einzelnen Charaktere zu ebenso merkwürdigen Entwicklungen führen, denen es deutlich an Plausibilität mangelt.
Was aber nicht bedeuten soll, dass lediglich die Gorn die Leidensfähigkeit des Lesers auf die Probe stellen. Aber anstelle der übervorbildlichen Multi-Kulti-Besatzung der USS Titan, die einer meiner Leser nicht ganz zu Unrecht einmal als "Freakshow" bezeichnete, war es in meinen Augen vor allem die Menschen-Frau Christine Vale, die mich besonders störte. Innerhalb dieses Buches nimmt sie nämlich die Position ein, das Geschehen durch vermeintlich witzige (vgl. z.B. S. 445), coole (vgl. z..B. S. 396) oder gar rührselige Sprüche (vgl. z.B. S. 200) zu unterstreichen. Durch diese Dialoganteile verkommt der Posten des ersten Offiziers der Titan immer mehr zu einer Rolle, die dem Helden in Action-Filmen zukommt. Ich für meinen Teil warte nur noch auf ein "Yippieh-Ya-Yeah, Schweinebacke!", wenn die Titan es demnächst mit tellaritischen Separatisten zu tun bekommt.
Der Tiefpunkt war allerdings die völlig absurde Argumentation zur Obersten Direktive (vgl. S. 254ff.). Nur weil ein Volk zur Nutzung von Materie-Antimaterie-Energieerzeugung in der Lage ist, bedeutet das noch lange nicht, dass der Planet sich auch kulturell darauf vorbereitet hat, im Weltall auf fremdes Leben zu stoßen. Nicht umsonst gibt es zu genau dieser Thematik eine TNG-Folge mit dem programmatischen Titel "Der erste Kontakt", die sich der Autor in diesem Zusammenhang besser noch einmal angesehen hätte.
Aber vielleicht ist dieses Versäumnis gar nicht so schlimm, denn es hätte Martin wohl nur dazu animiert, weitere, noch mehr an den Haaren herbeigezogene Rechtfertigungen in sein Werk mitaufzunehmen. Damit hätte er ein ohnehin schon unnötig umfangreiches Buch nur noch weiter gestreckt. Die vielen Längen lassen sich am besten an der Einbindung der Zipf-Verteilungen festmachen (vgl. S. 243ff.), die dem Autoren laut Danksagung besonders am Herzen lag (vgl. S. 478). Die entsprechende Passage hat bei Lichte besehen überhaupt nichts mit dem geschilderten Problem zu tun und liest sich eher wie eine Selbstbeweihräucherung des Autors, der hier dem Leser seinen eigenen Wissensstand unverfroren unter die Nase reibt.
Cross Cult tut schließlich sein Übriges, um den Längen des Werkes Nachdruck zu verleihen. Doch obwohl man sich die überflüssige Crewauflistung (vgl. S. 473ff.) auch getrost hätte sparen können, muss ich zugeben, dass mir Christian Humbergs Erläuterungen zur Konzeptionsgeschichte der Gorn (vgl. S. 481ff) dieses Mal wirklich gut gefielen. Der kurze Abriss war gleichermaßen flott wie unterhaltsam, und auch wenn seine Wortspiele um die Reptilienkrieger vielleicht für einige Geschmäcker zu doof wirken mögen, waren sie in meinen Augen gerade deswegen so sympathisch...

Übersetzung: Viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei. Dass es aber auch Ausnahmen von der Regel geben kann, beweisen mit diesem Buch Sabine Elbers und Andrea Bottlinger. Vor allem in Hinblick auf den Umfang des Buches war die Aufteilung sicherlich eine probate Lösung. Besonders die Formulierung "Schiwe sitzen" (vgl. S. 200), die ich mir erst einmal ergooglen musste, fand ich in diesem Zusammenhang eine gelungene Übertragung von "to sit shiva", auch wenn diese jiddische Redewendung heutzutage nicht mehr allzu gebräuchlich sein mag.
Natürlich bedeutet die Zweiteilung längst noch nicht, dass das Buch frei von Fehlern ist. Kleinere Fehler mit Absätzen (vgl. S. 351) oder Kommata (vgl. S. 397) bleiben ebenso wenig aus, wie die Verwendung von "abfeuert" (S. 392), obwohl ein "feuert" völlig ausreichend gewesen wäre. Oder die fragwürdige Verwendung von "damit" (vgl. S. 383). Oder aber auch die Bezeichnung "Materiedisintegrator" (S. 382), die dem deutschsprachigen Verb "desintegrieren" unsinnigerweise die Stirn bietet. Und auch wenn ich ansonsten eigentlich ein Freund umgangssprachlicher Formulierungen bin, fand ich den Rückgriff auf "angepissten" (S. 199) etwas unangemessen.
Seit der zweiten TNG-Folge "Gedankengift" weiß man dank Datas Ausführungen ferner, dass Personen aus einem Schiff oder einer Luftschleuse nicht "hinausgesaugt" (vgl. S. 123), sondern viel eher "hinausgeblasen" werden (zumal im englischen Original ebenfalls von "blast" die Rede ist).
Zudem habe ich immer mehr dass Gefühl, dass sich Cross Cult an Heyne ein schlechtes Beispiel nimmt und sich einen Grundstock an eigenen Begrifflichkeiten aufbaut, die der deutschen Fernsehübersetzung widersprechen. Obwohl die für das Buch maßgeblichen Episode "Ganz neue Dimensionen" Teil einer Serie ist, in der konsequent vom "Fähnrich" statt vom "Ensign" (vgl. z.B. S. 44) gesprochen wird und auch die Trennsegmente auf Raumschiffe statt "Schotten" (vgl. S. 68 und S. 214) meist als "Schotts" bezeichnet werden, stellt sich der Verlag der Synchronisationsrealität tapfer entgegen (die Verwendung von "Datentafel" auf S. 327 statt des "PADD"s kann man hingegen geflissentlich unter den Tisch fallen lassen, sofern sie nicht zur Gewohnheit wird). Aber auch einen anderen Trend finde ich zunehmend bedenklich: Die verstärkte Anglisierung.
Obgleich im Buch durchgängig vom "Typhon-Pakt" gesprochen wird (vgl. z.B. S. 83, S. 118, S. 464 u.v.m.), prangt auf dem Buchcover die Bezeichnung "Typhon Pact", obwohl lautlich kaum Unterschiede bestehen. Wahrscheinlich denkt man sich noch immer, dass englisch belassene Begrifflichkeiten wie "Ensign", "Pact" oder "Moiety" (S. 383) mehr Pepp haben als ihre lahmen deutschen Äquivalente. Warum dann der poetisch-schöne englische Titel "Seize the Fire" zu einem schmucklosen "Feuer" verstümmelt wurde, verschließt sich allerdings meinem Verständnis.
Und wo wir schon dabei sind: Ein Adjektiv namens "gornisch" (S. 97) hat es bei Star Trek bis dato noch nicht gegeben. Nicht, dass ich die Verwendung eines passenden Adjektives per se unangemessen finden würde, doch wenn man zu so einem Schritt bereit ist, sollte man auch ein Adjektiv wie "gnalish" (S. 331 oder S. 422) mit einem zusätzlichen 'c' ausstatten. Oder anders ausgedrückt:
Wer 'gornisch' sagt, muss auch 'gnalisch' sagen!

Anachronismen: Wie zitiert Christian Humberg den Autor Michael A. Martin auf Seite 485 so schön?

"Die Lizenz gehört ihnen, also ist ihre Entscheidung die entscheidende, nicht die des Autors."

Unfreiwillig exemplarisch kann man diesen O-Ton auch auf den offiziellen Kanon anwenden, der Martins Werk erst vor kurzem mit brachialer Gewalt rücksichtslos überrollt hat. Des Steins des Anstoßes ist sich Humberg auf Seite 483 selbst sogar bewusst:

"Ein zweiter Fall interdimensionalen Namedroppings liegt bei STAR TREK INTO DARKNESS vor, J.J. Abrams' zweitem Beitrag zum STAR-TREK-Franchise. In diesem 2013 gestarteten Film, der die Abenteuer der Classic-Besatzung eines weiteren Paralleluniversums schildert, erwähnt Dr. Leonard H. 'Pille' McCoy, er habe bei einer Kaiserschnittgeburt von acht Gorn helfen müssen - 'und diese kleinen Bastarde beißen!'"

Damit wird der entscheidende Anachronismus, der den gesamten Buchinhalt mit sich in den Abgrund reißt, gleich im Buch mitgeliefert.
Denn die achtlos in den Raum geworfene Randbemerkung der fahrlässigen Drehbuchschreiberlinge klassifiziert die Gorn zu einer lebend gebärenden Spezies und für ein Buch, dessen Geschichte vollständig auf der Zerstörung von lebenswichtigen Ei-Ablage-Gründen der Gorn fußt, bedeutet es unweigerlich den Todesstoß. Wozu ein Werk lesen, dessen Inhalt dem offiziellen Kanon widerspricht?
Oft ernte ich Unverständnis dafür, ältere Bücher nach neueren Standards zu bewerten. Aber genau das war einer der Beweggründe zur Eröffnung dieses Blogs. Schließlich ist der offizielle Kanon mehr als nur ein Bewertungsmaßstab (der sich außerdem nicht ohne weiteres von der Hand weisen lässt). Er ist ein Fahrplan für zukünftige Entwicklungen innerhalb der Franchise. Gerade für die vielen detailversessenen Fans (wie mich) bildet er den roten Faden, der die Rahmenbedingungen ganzer Universen festlegt.
Damit befinde ich mich aber auch oft im gleichen Dilemma:
Martins Beschreibungen der Gorn-Brutstätten sind in meinen Augen nämlich viel glaubwürdiger als die gedankenlose Dialogzeile aus dem zwölften Kinofilm. Allein schon die Tatsache, externe Faktoren bei der Nachkommenschaft verschiedener Kasten miteinzuplanen (schon allein Temperaturen können bei manchen Reptilien unseres Planeten über das Geschlecht entscheiden), fand ich vergleichsweise schlüssiger und das Konstrukt, dass Martin darum errichtete, war der beste Grund, das Buch überhaupt zu lesen.
Aber auch wenn das eher meine Wut gegen die absolut unnötige Behauptung in "Into Darkness" verstärkt, behalten Martins eigene Worte ihre Gültigkeit:
Die Lizenz gehört denen, die solchen Unsinn verzapfen, und nicht den ungleich kreativeren Autoren.

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'gornische Überraschungseier'
Fazit: Der erste deutschsprachige Soloroman aus der Feder Michael Martins ist keineswegs ein Typhon-Pact-Roman. Viel eher handelt es sich bei "Feuer" um einen weiteren Titan-Band, in dem einem Mitglied der Anti-Föderation etwas mehr Raum geboten wurde. Doch als ob Martin mit der Figurenmotivation, dem Umfang oder der Nachvollziehbarkeit nicht schon genug Krisenherde zu bewältigen hätte, versetzt ihm der zwölfte Kinofilm den ultimativen Todesstoß. Mit einer einzigen flapsigen Bemerkung über Entbindungspraktiken der Gorn verurteilt die Schreiberriege J.J. Abrams' das Werk zur Bedeutungslosigkeit und stellt damit den einzigen größeren Pluspunkt des Werkes in Abrede. Schade eigentlich!

Denkwürdige Zitate:

"Quäle dich nicht, mein Freund. So ist es nun einmal im Universum, der Prozess ist so alt wie das Leben selbst. Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Jäger und Beute. Fressen oder gefressen werden."
"Dann ist Überleben also ein Nullsummenspiel?"
"Meiner Erfahrung nach ist das für gewöhnlich so."
R'rerrgran und S'syrixx, S. 70

"Ich glaube, das Universum hat uns gerade einen dieser sprichwörtlichen 'Hasen in letzter Sekunde' gewährt."
Deanna Troi, S. 99

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"Ich glaube, ich sollte Sie warnen, Captain. Sie zeigen gerade einen Reflex, den ich bei Angehörigen der Sternenflotte schon sehr oft beobachten konnte."
"Was für ein Reflex soll das sein?"
"Der tief verwurzelte reflexartig auftretende Glaube, jeden im Universum retten zu können. Und gleichsam der Irrglaube, es tun zu müssen."
Dr. Shenti Yisec Eres Ree und William T. Riker, S. 198f.

"Ist das Befolgen der Obersten Direktive in diesem Fall nicht ähnlich absurd wie sich über den Natriumgehalt in einer Henkersmahlzeit Gedanken zu machen?"
Evesh, S. 240

"Ich bin empathisch, Chris. Nicht allwissend."
Troi, S. 325

"Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer."
Christine Vale, S. 330

Bewertung: Jüngstes Opfer des offiziellen Kanons.

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Weiterführende Leseliste:

Typhon Pact 01: Nullsummenspiel
Typhon Pact 02: Feuer

Montag, 5. August 2013

Mission Gamma III: Kathedrale

Buchbesprechung Mangels, Andy; Martin, Michael A.: Mission Gamma III. Kathedrale. Cross Cult,  2002/2011.

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Story: Bajor und seine Außenstelle Deep Space 9 putzen sich für den anstehenden Föderationsbeitritt heraus. Doch während die Bajoraner froh und glücklich ob des anstehenden politischen Großereignisses wirken, brodelt es unter der nationalen Oberfläche. Das bajoranische Glaubenssystem sieht nämlich nicht nur einer lähmenden Kai-Wahl entgegen, sondern muss sich auch mit religiösen Spaltern herumschlagen, die nach der Veröffentlichung des Buches 'Ohalu' massenhaft die Gesellschaft durchdringen. Doch während der Großteil der Reformierten längst Schlüsselpositionen innerhalb von Militär, Politik und Religion besetzt hat, findet sich Kira Nerys als Urheberin dieser Entwicklungen noch immer isoliert in ihrem eigenen Volk wieder. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die ständigen Sticheleien ihres ehemaligen Geliebten und amtierenden Premierministers Shakaar Edon und den ständigen Anwerbeversuchen seitens der Ohalu-Jünger. Ihre ohnehin wacklige Stellung als Stationskommandantin erfährt innerhalb dieser Wirren ernsthafte Belastungsproben.
Derweil entdecken Besatzungsmitglieder der USS Defiant auf ihrer Erkundungsmission im Gamma-Quadranten ein interdimensionales Gebilde mit ungeheuerlichen Ausmaßen. Es wird von zwei verschiedenen Spezies beansprucht, die zwar mit primitiven Waffen, aber mit fanatischem Eifer um das Objekt kämpfen. Das Schiff unter dem Kommando Elias Vaughns gerät zwischen diese Frontlinien, als klar wird, dass das fremde Objekt die Verantwortung dafür trägt, dass Ezri ihren Symbionten abstößt, Julian Bashir zu einem Dummkopf mutiert und Nog plötzlich das verloren geglaubte Bein nachwächst. Als die drei auch noch beginnen, unkontrolliert zwischen verschiedenen parallelen Universen zu springen ist es an Vaughn, das Leben seiner Offiziere durch einen beherzten Vorstoß zurück zum schwer bewachten Objekt zu wagen....

Lobenswerte Aspekte: "All religion has to have its way" bemerkten dereinst drei Barden namens David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash in ihrem überraschenderweise gleichnamigen Song "Cathedral" recht treffend (das Buch erschien im englischen Original ebenfalls unter dem Titel "Cathedral").



Aus genau diesem Grunde tritt die Handlung wohl einmal rasch beiseite, als der aufmerksame Leser Zeuge der größten Kirchenspaltung der bajoranischen Geschichte wird. Kira Nerys mutiert zu einem Martin Luther wider Willen, als ihre den fünfundneunzig Thesen entsprechende Veröffentlichung der Schriften Ohalus endlich die Massen ihrer Heimatwelt erreicht um zur materiellen Gewalt zu werden. Die Erwähnung der bereits aus "Ein Stich zur rechten Zeit" bekannten cardassianischen Sektierer-Religion der Orelianer (vgl. S. 184ff.) kann als netter Zug interreligiöser Verständigung auf unserem eigenen Planeten interpretiert werden, zumal sich auch auf der vertrauten Erde größere Religionen wie Christentum, Islam oder Judentum trotz inniger Feindschaft auf gemeinsame Wurzeln zurückführen lassen.
Das bleibt aber nicht der einzige Querbezug in die Wissenswelt des Rezipienten. Mangels und Martin zitieren aus den verschiedenen Star-Trek-Serien und -Filmen wie zwei Sonntagsprediger aus der Bibel: Hier wird ein Gleichnis aus der Fernsehserie Deep Space Nine bemüht (vgl. z.B. S. 45, S. 50 oder S. 119), dort die Stammmutterschaft der Heiligen Hoshi Sankt Sato für die Translationswissenschaften herangezogen (vgl. S. 148) und schließlich sogar einer jener klassischen Vergleiche Star Treks bemüht, der den hohen Standards der allgemeinen Verständlichkeit problemlos genügt (vgl. S. 76f.). Aber auch Referenzen an die Nerd-Ikonen der verschrobenen Leserschaft fehlen keineswegs. So finden selbst MC Escher (vgl. S. 36) oder Carl Sagan (vgl. S. 63) wohlverdiente Erwähnung, die wohl nur Weird Al Yankovics Geek-Hymne "White and Nerdy" toppen kann. 
Aber selbst der Bezug auf das aus Voyager hinlänglich bekannte Erden-Genie Leonardo da Vinci (vgl. S. 117ff.) ist mit Bedacht gewählt und clever positioniert – sie passt gleichermaßen zur Vita und dem Selbstverständnis des genetisch aufgewerteten Stationsmediziners Julian Bashir.
Überhaupt ist das der größte Pluspunkt dieses Werkes: Die Tilgung weißer Flecken auf den biografischen Landkarten der einzelnen Charaktere dient dabei allerdings nicht nur dem Blick zurück, sondern auch dem nach vorn. Sämtliche Figuren reifen im Verlaufe der in äußerst flüssigem Stil gehaltenen Seiten und verleihen der Buch gewordenen Staffel Acht der Fernsehserie 'Deep Space Nine' eine Daseinsberechtigung, die über das sture Nacherzählen bekannter (und damit langweiliger) Routinen hinausreicht.
Eine der spannendsten Ideen bildet schließlich die Rückentwicklung, der sich Bashir, Dax, Ezri und Nog stellen müssen. Eine vielversprechende Wendung, die mal wieder tatkräftig unter Beweis stellt, was bereits im Vorgänger angerissen wurde: Die letzte Grenze ist eben nicht das weite All, sondern der Mensch und seine Fähigkeit, auf Veränderungen angemessen zu reagieren.

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Kritikwürdige Aspekte: "Open up the gates of the church and let me out of here!" beschwören erwähnte Barden Crosby, Stills und Nash ihre Zuhörer eindringlich in ihrem Song "Cathedral" und auch das kann man problemlos auf dieses Buch anwenden.
Besonders die religiöse Komponente, die vielleicht noch die amerikanische Lebenswirklichkeit treffen mag, bleibt dem europäischen Leser vergleichsweise verschlossen. Mehr als einmal wünscht man sich den Star-Trek-Urvater Gene Roddenberry herbei, auf dass er mahnend seinen atheistischen Zeigefinger gegen diesen Unsinn erhebe. Die Selbstfindungsversuche münden nämlich in einem unsagbar peinlichen Brückendialog mit Fremdschämfaktor, den ich mir beim Besten Willen zuvor nicht im Star-Trek-Universum vorstellen konnte (vgl. S. 365ff.).
Aber damit nicht genug, denn die gesamte bajoranische Glaubensgemeinschaft ist so offensichtlich an die katholische Kirche angelehnt, dass die Autoren im sechzehnten Jahrhundert sicherlich noch öffentlich als Ketzer verbrannt worden wären, weil sie auf infame Art und Weise die göttliche Ordnung verballhornten. Ihre Querverbindungen zum großen (bajoranischen) Schisma, zu Predigten (vgl. S. 277) oder gar Konklaven (vgl. S. 239ff.) sind für selbst für Science-Fiction-Verhältnisse viel zu durchschaubar-plump, zumal die Ökumene mit den cardassianischen Lutheranern (vgl. S. 331ff.) dem Ganzen sicherlich noch die Krone aufsetzt.
Zugegebenerweise war ich nie ein Freund der pseudo-religiösen Komponente der Fernsehserie 'Deep Space Nine', doch hätte ich damals schon gewusst, in welche Bresche spätere Bücher wie dieses schlagen würden, hätte ich anno dazumal versöhnlichere Töne angeschlagen. Also nochmal zum Mitschreiben: Religion hat in Star Trek nichts zu suchen! Außer natürlich, sie wird wie in "Der Tempel des Apoll", "Die Stunde der Erkenntnis" oder "Der Gott der Mintakaner" als Irrweg ausgeschildert.



Auch der unsagbar "kreative" Moment, in dem Bajor sämtliche Drehkörper auf einmal zurückgegeben wurden, war ein Armutszeugnis der Erzählkunst. Es gräbt nicht nur kommenden Romanen das Wasser ab, sondern ist bei Lichte besehen eigentlich ein alter Hut. Spontane Rückgaben verloren geglaubter Drehkörper gab es nämlich schon in der Episode "Das Motiv der Propheten" und dem Auftakt-Roman dieser Serie "Offenbarung, Buch I".
Aber hey!
Was soll's?!
Immerhin ist der Seifenopercharakter der Serie ja treffend eingearbeitet worden!
Tatsächlich sogar soweit, dass dieses Buch das erste in dieser Reihe war, in dem mich die Geschehnisse des Alpha-Quadranten mehr interessierten, als die im Gamma-Quadranten, nach dem selbige Erzählriege ("Mission Gamma") ja eigentlich benannt wurde. Das lag allerdings weniger daran, dass das Geschehen auf Deep Space 9 spannender gewesen wäre, sondern war eher darin begründet, dass der Handlungsbogen in "Kathedrale" so ziemlich das langweiligste Stück Story war, dass mir jemals untergekommen ist.
Da ist ein Objekt, das Probleme verursacht. Die Probleme werden erkannt und behoben. Dazwischen ein wenig "Pew! Pew!" und fertig ist eine gesamte Geschichte.
Von wegen!
Bedenkt man nämlich die erschreckend hohe Seitenzahl, auf der sich diese breit geschilderte Belanglosigkeit zutrug, kann man das Martyrium nachvollziehen, dem sich der Leser trotz des flüssigen Stils des dynamischen Schreiber-Duos zu stellen hat. Und auch das Thema Paralleluniversen hat seit Episoden wie "Parallelen", "Ein Parallel-Universum" oder "Temporale Sprünge" längst nicht mehr den Nimbus einer sonderlich kreativen Erzählebene inne.
Das gesamte Konzept krankt also schon seit Beginn. Das kann man auch wunderbar im Titel erkennen, denn die Frage, ob das fremde Objekt nun eine "Kathedrale" oder ein "Anathema" ist (vgl. S. 153), bleibt nämlich nicht der Interpretation des Lesers überlassen, sondern lässt sich bereits im Titel glasklar ablesen.
Alles in allem plätschert das gesamte Buch ereignisarm vor sich hin, ohne dass irgendetwas von Belang passiert. Wirklich spannende Entwicklungen bleiben auf Anspielungen beschränkt (vgl. S. 331) oder werden auf den letzten Seiten angeschnitten (vgl. S. 375f.) und zukünftigen Romanen überlassen. Dazwischen erstreckt sich erzählerische Leere und das Buch erzeugt bestenfalls Vorfreude auf die kommenden Werke. Es empfiehlt sich daher, diesen bloßen Lückenfüller zu übergehen und mit dem letzten Band dieser Reihe fortzufahren.

Übersetzung: Die Mittelmäßigkeit dieses Werkes setzt sich auch in seiner Übersetzung fort. Übersetzer Christian Humberg leistet natürlich in gewohnt gekonnter Manier seinen Beitrag dazu, den guten Stil des Werkes redlich ins Deutsche zu übertragen, doch zuweilen erwächst der Eindruck, er habe über den zu vielen Zeilen mit der Zeit das Interesse an einer gewissenhaften Übertragung verloren. Anders lassen sich einige Trantütigkeiten wie die falsche Schreibweise von "hypyrianischer" (S. 74) oder Sätze wie "Wer wollte den nun schon wieder ihre Zeit für sich beanspruchen?" (S. 83) oder "Also müssen Sie raus aus Stadt, klar?" (S. 216) nicht erklären. Von Fehlern wie vergessenen Fragezeichen (vgl. S. 156), der unnötigen Großschreibung des Adjektives "befleckt" (vgl. z.B. S. 25, S. 126 oder S. 244) oder der Pluralform von "Schott", die wohl nur eine Landratte so bilden kann (vgl. S. 198), ganz zu schweigen.
Als Historiker ist mir besonders die beständig verwendete Formulierung "Stein von Rosette" (vgl. S. 79. S. 150 oder S. 206) übel aufgestoßen. Nicht, dass die Bezeichnung falsch wäre, doch nicht umsonst hat jeder einzelne meiner Altertums-Dozenten das Relikt (wie übrigens im englischen Original auch) als "Stein von Rosetta" bezeichnet – nicht zuletzt, um kindische Wortwitze darüber im Keim zu ersticken.

Anachronismen: Wo soll ich nur anfangen?
Traditionell würden sich die Andorianer anbieten, die mal wieder abweichend von der Darstellung in "Enterprise" präsentiert werden (vgl. S. 87). Aber das ist halb so wild, denn nicht der ohnehin verständliche Fehler ("Enterprise" steckte noch in den Kinderschuhen, als dieses Buch geschrieben wurde) ist das Problem, sondern die vielen Logiklöcher, die die Autoren selbst in ihr Werk rissen.
So passt Bashirs durchgängig geschwollene Ausdrucksweise innerhalb seiner persönlichen Logbucheinträge kaum zu seinem rapide abnehmenden Geisteszustand (vgl. S. 261ff.). Selbst wenn die darauf folgende Aufnahme schon eher den richtigen Ton trifft (vgl. S. 265), muss man festhalten, dass der radikale Sprung zwischen beiden Momentaufnahmen völlig übergangsfrei daherkommt.
Zudem verwundert es, dass Doktor Bashir sich nicht in eben der selben Kathedrale befunden hat, als er in der DS9-Folge "Ferne Stimmen" in seinem eigenen Freud'schen Es gefangen war – immerhin sucht sein Unterbewusstsein in beiden Fällen eine angemessene Erscheinungsform.
Gut, an der Darstellung in der Serie  kann niemand mehr etwas ändern, aber wäre es zumindest nicht logischer gewesen, wenn Bashir da Vincis Vorbild zwar genutzt hätte, doch der Folge entsprechend DS9 zu seiner Kathedrale umfunktioniert hätte? Die gotisch anmutenden Pylonen hätten jedenfalls ins Bild einer klassischen 'Kathedrale' gepasst.
Das alles ist jedoch nichts im Vergleich zum Shuttle Sagan. An ihm messen die Ingenieure der Defiant immerhin die selben Symptome wie bei den Insassen (vgl. S. 79), doch während die Passagiere Groundhopping zwischen den Realitäten veranstalten und zwecks Heilung zur 'Kathedrale' reisen, verbleibt das Schiff nicht nur brav im Shuttlebay, sondern wird am Ende sogar noch aktiv für die Rettung ihrer vorherigen Fahrgäste missbraucht (vgl. S. 354). Das alles passt perfekt ins Bild der dürftig hingeschmierten Gamma-Quadranten-Handlung, entspricht jedoch nicht unbedingt dem, was ein halbwegs auf innere Logik vertrauender Leser von Star-Trek-Romanen verdient.

Fazit: Was nützt die schönste Figurenentwicklung, wenn die Handlung nicht über den Status sanfter Berieselung hinausreicht? Wozu die Mühe, den Roman in den breiten Kanon einzuarbeiten,wenn er nicht einmal einfachsten Ansprüchen an die innere Logik genügt? Warum bemüht man eine wissenschaftliche Erklärung zur Rückentwicklung von Personen, wenn man im Endeffekt alle Seriosität mit religiöser Rhetorik wieder verwäscht?
Solcherlei Fragen müssen sich die Autoren Mangels und Martin gefallen lassen, denn ihr Buch Kathedrale krankt an solcherlei internen Widersprüchen. Besonders aber die Abstinenz erzählwürdiger Ereignisse macht diesen Band zu einem bloßen Lückenfüller, denn man auch getrost auslassen kann.

Denkwürdige Zitate:

"Diese Jugend heutzutage... Hört nur noch Krach und hält das für Musik."
Ezri Dax, S. 34

"Danke, Isaac Newton."
Julian Bashir, S. 44

"Holla, holla! Ich schenke hier nur aus. Das Philosophieren überlasse ich den Leuten, die ihr Latinum bei mir lassen."
Quark, S. 136

"Weiß überhaupt jemand im Gamma-Quadranten, wie man teilt?"
Ezri Dax, S. 233

"Dort, im Herzen der Föderation, ist mangelndes Talent nicht gerade ein großes Problem."
Julian Bashir, S. 260

"Wir können Raumschiffe ans Ende der Galaxis schicken, aber wenn's ums Unkraut geht, sind wir machtlos."
Joseph Sisko, S. 362

Bewertung: Viel Lärm um Nichts.

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Weiterführende Leseliste:

DS9, Staffel 8, Bd. 01: Offenbarung, Buch I
DS9, Staffel 8, Bd. 02: Offenbarung, Buch II
DS9, Staffel 8, Bd. 03: Sektion 31: Der Abgrund
DS9, Staffel 8, Bd. 04: Portale: Dämonen der Luft und Finsternis
DS9, Staffel 8, Bd. 05: Mission Gamma I: Zwielicht
DS9, Staffel 8, Bd. 06: Mission Gamma II: Dieser graue Geist
DS9, Staffel 8, Bd. 07: Mission Gamma III: Kathedrale

Sonntag, 15. Mai 2011

Das höchste Maß an Hingabe

Buchbesprechung Mangels, Andy; Martin, Michael A.: Das höchste Maß an Hingabe. Cross Cult, 2011.

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Story: Die Sicherheit der Erde wird in der Delphischen Ausdehnung verteidigt.
Jedenfalls im Jahr 2153, denn nach einem Überraschungsanschlag einer Xindi-Sonde auf die Erde hat der Planet sieben Millionen Opfer zu beklagen. Die Mission der Enterprise NX-01, das Weltall zu erkunden, wird kurzerhand abgebrochen und durch einen neuen Auftrag ersetzt: Die mysteriösen Angreifer ausfindig zu machen und von einem weiteren, endgültigen Anschlag abzuhalten.
Die Sternenflottenoffiziere um Captain Jonathan Archer erhalten bei diesem besonderen Ausflug in jene Raumregion, in der die Gesetze der Physik auf den Kopf gestellt scheinen, Unterstützung durch eine elitäre Militäreinheit, die den eher auf Forschung ausgerichteten Sternenflottenmitgliedern als schlagkräftige Eingreiftruppe zur Seite stehen soll: Die MACOs.
Doch die langwierige Suche nach Hinweisen, persönliche Tragödien, die beengte Wohnraumsituation und die merkwürdigen Weltraumanomalien bereiten der gesamten Besatzung schlaflose Nächte und verschärfen ferner die latenten Spannungen zwischen Crew und Soldaten.
Als endlich Spuren ausfindig gemacht werden können, die auf Xindi-Aktivitäten in der unmittelbaren Umgebung hinweisen, herrscht plötzlich geschäftiges Treiben auf dem Schiff.
Ein Teil der Crew fällt zwar einer ungewöhnlichen Anomalie zum Opfer, die unter anderem Hoshi Sato und Trip Tucker außer Gefecht setzt und in ein alptraumreiches Koma mündet, doch die Einsatzfreude ihrer Schiffskameraden leidet kaum darunter. Archer, Hayes und Reed gehen zwecks näherer Untersuchungen mit einigen anderen MACOs und Sternenflottenoffizieren auf einen staubigen Handelsplaneten, während sich die Enterprise unter dem Kommmando T'Pols zurückzieht. Archer gelingt es, einen zweifelhaften Weltraumschmuggler zu entführen, der mit den Xindi einträgliche Geschäfte betreibt und mit seinem kleinen Schiff eine nahegelegene Basis der neuen Erzfeinde der Menschheit anzufliegen.
Derweil verfolgt ein von Mayweather gesteuertes, mit MACOs vollgepacktes Shuttle die Abgasspuren von Xindi-Schiffen und stößt auf eine automatisch betriebene Kemocit-Raffinerie.
In einer Gravitationspartikelwolke kommt es schließlich zum großen Showdown: Archer muss erkennen, dass er in eine plumpe Falle getappt ist und Mayweather sieht sich einem militärischen Himmelfahrtskommando ausgesetzt, das kaum ohne Todesopfer zu bewältigen ist...

Lobenswerte Aspekte: Zugegeben, ich zähle zu jenen Star-Trek-Fans, die die letzte Star-Trek-Serie großartig fanden. Angefangen von der Rückkehr zu den Anfängen der Föderation, über den Hauptdarsteller bis hin zum Temporalen Kalten Krieg: Ich denke, diese Serie wurde weit unter Wert verkauft.
Und dennoch haben manche Kritiker nicht ganz Unrecht. Die ersten beiden Staffeln waren, von einigen wenigen Höhepunkten abgesehen, belanglos. Viel zu oft blieb die Serie weit hinter dem Potential zurück (wenn es etwa um die Klärung verschiedener offener Fragen späterer Serien geht). Und: So richtig Fahrt aufgenommen hat die Serie erst mit der vierten Staffel.
Umso trauriger, dass es nie zu einer fünften Staffel Enterprise kam, denn die großartigen Ideen, die zu diesem ungeborenen Kind aufgefahren wurden, lesen sich noch heute großartig.
So sollte die Crew der Enterprise auf die Kzinti treffen, die Wolkenstadt Stratos besuchen und zur Eröffnung einer ersten Sternenbasis beitragen. Zudem sollten auch Figuren wie Flint, die Borg-Königin oder die Spiegeluniversums-Imperatorin Hoshi Sato nochmals thematisiert werden.
Am spannendsten waren allerdings jene Ideen, die sich um die Romulaner drehten, denn immerhin war der Konflikt mit diesen Cousins der Vulkanier ein gewichtiger Faktor zur Gründung der Föderation.
So sollte der "Future Guy" als Romulaner enttarnt, T'Pols Vater als Mitglied jener Spezies vorgestellt und das Sternenimperium als zentraler Bösewicht inszeniert werden.
Wirklich schade, dass dies alles in die Kategorie "ungelegte Eier" fällt.
Aber zum Glück gibt es da noch Bücher!
Dieses Medium bietet nämlich tatsächlich die Möglichkeit, all dieses ungenutzte Potential für den Leser erlebbar zu machen und schon aus diesem Grund muss man diese Buchreihe, die hierzulande mit "Das höchste Maß an Hingabe" startet, als eine der vielversprechendsten bezeichnen, denn die Lücke, die drei fehlende Staffeln im Fernsehen gerissen haben, bietet dem gedruckten Wort die Möglichkeit, in diese Bresche zu springen.
Überraschenderweise setzt dieses Werk allerdings in einer Staffel an, die ich bewusst einmal ausgespart habe. Die dritte Staffel, obwohl sie am Ende der zweiten eingeleitet und mit dem Anfang der vierten abgeschlossen wurde, bildet einen abgeschlossenen Handlungsstrang, der etwas losgelöst vom Rest der Serie erscheint.
Wie Scott Bakula auf der FedCon XX nochmals zu Protokoll gab, war die Story eine Reaktion auf die Geschehnisse des Elften Septembers und aus dem nationalen Schock wurde ein interplanetarer, wenn nicht sogar ein interdimensionaler.
Und wer die Staffel kennt, weiß auch, dass man schnell nicht mehr folgen kann, sobald man auch nur eine einzige Folge verpasst hat. Umso mutiger von Michael A. Martin und Andy Mangels, ihre Roman in diesen eng gestrickten Ereignis-Schlagabtausch zu mischen - direkt zwischen die frühen Folgen "Die Xindi" und "Die Anomalie" (eine spätere Einbindung wäre schon allein aufgrund der engen Handlungsabstände unheimlich schwierig gewesen).
Tatsächlich gelingt es den beiden Autoren, die bereits mit den beiden Titan-Startbändern "Eine neue Ära" und "Der rote König" auf sich aufmerksam machen konnten, einige Themen viel deutlicher herauszuarbeiten, als es in der Serie geschah.
En detail wird hier der Xindi-Rat beschrieben (so erhalten einige unbekannte Mitglieder wie der insektoide Wortführer oder der aquatische Assistent endlich einen Namen) und das großartige daran ist, dass die inneren Streitigkeiten der insgesamt fünf Spezies umfassenden Gemeinschaft hier einmal deutlich zu Tage treten. Der Gegensatz zwischen Insektoiden und Reptilianern etwa, der in "Countdown" verhältnismäßig überraschend seinen Weg an die Öberfläche findet, wird dem Leser hier viel verständlicher (vgl. S. 273ff.).
Auch die Erklärung, warum die MACOs ausgerechnet einen Hai als Wappentier nutzen, findet hier Aufklärung (vgl. S. 30) - auch wenn das unfreiwillig komische daran ist, dass der Kurzflossen-Mako nicht nur ein eher harmloser Zeitgenosse ist, sondern darüber hinaus unter der Bezeichnung "Makrelenhai" zuweilen auch auf der Speisekarte heimischer Restaurants zu finden ist.

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Fressen oder gefressen werden?

Ganz besonders großartig war die clevere Art und Weise, wie der legendäre (wenn auch langatmige) Science-Fiction-Klassiker "2001 -Odyssee im Weltraum" in diesem Werk Aufnahme fand (vgl. S. 265f.).
Aufbau, Konzeption und Aufmachung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Bereits optisch macht der Roman Boden gut, denn mit dem eindringlichen Cover und den stilvollen Kapitellogos gelingt es umso besser, in die Atmosphäre der Serie einzutauchen. Konzeptionell ist besonders jener Teil hervorzuheben, der die eigentliche Geschichte mit einem Exkurs ins 23. Jahrhundert umschließt und in deren Verlauf sich die Wege zweier Star-Trek-Legenden unbewusst kreuzen.
So wirklich überraschend war allerdings der Schluss der Haupthandlung, denn auf dem obligtatorischen Opferradar hatte ich bis Seite 289 noch einen ganz anderen MACO als jenen, der dann schließlich ins kalte Weltraumgras beißen musste...

Kritikwürdige Aspekte: Zu den schlechtesten Staffeln kann die dritte Enterprise-Season ja schon allein wegen seiner beiden Vorgänger nicht gezählt werden. Die Gründe, warum sie jedoch auch nicht zum ganz großen Höhepunkt gereicht, sind zahlreich, können jedoch auf drei Hauptprobleme reduziert werden:

Nummer Eins: Mit dieser Staffel wird das originelle Intro so scheußlich aufgepeppt, dass es Ohrenkrebs verursachen könnte, wenn es so etwas gäbe. Dem Fliegenden Spaghettimonster sei es gedankt, dass dies in Büchern keine Rolle spielt.



Nummer Zwei: Die MACOs sind ein Ärgernis, denn sie bringen ein Ärgernis ins Star-Trek-Universum, dass nur gelegentlich zu spüren war: Militaristischer Stumpfsinn. Es wirkt irgendwie wie der zum Scheitern verurteilte Versuch, ein Stück Stargate mit den Idealen der Sternenflotte zu kreuzen - ein Unterfangen, dass von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Nummer 3: Am schlimmsten jedoch wiegt die Charakterwandlung des Captains der Enterprise, denn Archers sanftmütige, neugierige und offene Art verkehrt sich plötzlich in eine fanatische, rücksichtslose und unnachvollziehbare Figur, die irgendwie ganz und gar nicht in die Ahnenreihe verdienter Sternenflottencaptains wie Kirk, Picard oder Janeway passen will.

Den MACOs gelingt es auch in diesem Roman nicht, das Bild des tumben Befehlsempfängers und Feuerwerksfanatikers abzulegen. Im Gegenteil; die Entscheidung Changs, mit einer Raumfähre eine völlig unerkundete Xindi-Raffinerie auszuschalten (S. 134ff.), Hayes vorauseilender Gehorsam beim Foltern fremder Lebewesen (vgl. S. 106) und die widerlichen Bestattungsrituale der Militäreinheit (vgl. S. 278ff.) gießen eher noch Öl ins Feuer.
Ein wenig besser aufgearbeitet findet man hingegen Archers neue Charaktereigenschaften, denn in Buchform bietet sich immerhin die Möglichkeit, seinen inneren Kampf zu demonstrieren (vgl. z.B. S. 173ff.). Doch wer die Folge "Die Anomalie" gesehen hat, kennt auch schon die zweifelhafte Grundstory: Ein widerporstiger Außerirdischer zwingt den armen Kommandanten, seine inneren Skrupel zu überwinden und Folter als probates Mittel der Informationsbeschaffung anzusehen. Dadurch, dass besagte Folge nach diesem Buch stattfinden soll, wirkt dies unglaubwürdig und man muss den beiden Autoren vorwerfen, dass sie die Chance verpassen, auf diesen besonderen Wendepunkt in Archers Verhalten adäquat hinzuarbeiten. Archers Vorgehen innerhalb des Buches stellt so nämlich nur einen Spiegel späterer Handlungen dar, anstatt diesen Hintergrund zu verleihen.
Damit sind wir bereits bei einem weiteren zentralen Kritikpunkt angelangt: Der unheimlichen Voraussicht, die an mehreren Stellen zu offen zur Schau gestellt wird.
Natürlich ist es schwierig, einen Roman in eine Staffel einzubetten, deren Ausgang man bereits kennt, doch Hayes' Wissen um eine spätere handfeste Auseinandersetzung mit Reed (vgl. S. 47), die Gewissheit der MACOs, dass die Zerstörung einer einzelnen Raffinerie den Bau der Xindi-Superwaffe verzögern würde (vgl. S. 135) oder Mayweathers Kenntnis darüber, dass er die Exkursion in die Delphische Ausdehnung überleben wird (vgl. S. 303) dürfte den beteiligten Personen anno dazumal noch gar nicht geläufig sein. Solch aposteriorisches Wissen sollte tunlichst vermieden werden, um die innere Glaubwürdigkeit zu wahren.
Einziger Gewinner des Romans ist in diesem Zusammenhang Malcolm Reed. Ausgerechnet dem wortkargen Sicherheitsoffizier obliegt es, als Gegenpol zu Archers Foltergelüsten zu fungieren - tatsächlich zählen diese seltenen Momente zu den stärksten Szenen des gesamten Buches (vgl. S. 108ff oder S. 139ff.). Zudem werden mit den Rückblicken in die Vergangenheit des Engländers seine Aquaphobie und Folterabneigung näher beleuchtet, was dem Charakter wesentlich zugute kommt (vgl. S. 141ff.).
Umso trauriger, dass Reed in der Folge wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird und der ihm gebotene Platz nur temporären Charakter hat. Doch warum sollte es ihm besser gehen als all den anderen? Hoshi und Trip müssen sogar in ein Koma versetzt werden (vgl. S. 34ff.), um die Schreiber nicht davon abzuhalten, möglichst wenig über die verblieben Personen zu sagen. Selbst das Figurenpotential von Außerirdischen wie Phlox und T'Pol liegt in diesem Buch völlig brach.

Übersetzung: Na endlich kann das Wort "Ensign" (vgl. z.B. S. 22) offen und frei benutzt werden, ohne dass ich mich darüber beschweren könnte - im Gegensatz zum anderen Cross-Cult-Idiom "Medikit" (vgl. z.B. S. 119, S. 139 oder S. 262).
Übersetzer Bernd Perplies hat darüber hinaus sogar einige Schreibfehler des amerikanischen Originals ausmerzen können, so dass "Lawrence Marvick" (vgl. S. 9) oder "Kemocit-Raffinerie" (S. 267) hier in den richtigen Schreibweisen zu finden sind.
Danke dafür!
Weniger Dankbarkeit mag man hingegen für einen altbekannten Fehler des Übersetzers finden, der bereits in der Rezension zu "Mehr als die Summe" angesprochen wurde. Was mag wohl am folgenden Satz von Seite fehlen?

"Verstehe ich es richtig, dass Ensign Mayweather Sie auf ihrer Außenmission bei der Xindi Tank-Station begleitet hat."

Man kann es ahnen! Es ist nicht, das Wort "Tankstelle" statt "Tank-Station" (im englischen Original "fuel-station"), sondern etwas das in diesem Satz auf Seite 133 zuviel ist:

"Warten Sie?"

Richtig, das Fragezeichen (vgl. zudem S. 186)! Hoffentlich wird das nicht zu einem Markenzeichen des Übersetzers.
Zudem waren auch die vielen Referenzen auf "Terraner" (vgl. z.B. S. 15, S. 276 und S. 277) nervend, da diese Bezeichnung in der deutschen Synchronisation den Spiegeluniversumsmenschen vorbehalten ist. Allerdings ist die Bezeichnung unterschiedslos auch im englischen Original verwendet worden. Nun ist natürlich anzumerken, dass die hinlänglich bekannte amerikanische Universität selbst dort definitiv "Stanford" und nicht "Standford" (S. 217) genannt wird und dass ein "Wasserpolospiel" (S. 217) mit "Wasserballspiel" eine geläufigere Bezeichnung hat, sollte ebenfalls nicht verschwiegen werden (schließlich sagt man hierzulande ja auch nicht "Soccer" zum "Fußball").

Anachronismen: Wozu gibt es eigentlich einen offiziellen Kanon?
Das kann man sich getrost fragen, wenn man dieses Buch liest.
So liest man etwa in der ein- und ausleitenden Handlungsklammer davon, dass ein ehemaliges Besatzungsmitglied der Enterprise im Jahr 2238 - also noch rechtzeitig zum Start der USS Enterprise NCC-1701 unter den Lebenden weilt.
Fein, dachte ich mir, da haben die Autoren wohl auch biographischen Angaben aus dem von Mike Sussman verfassten Display aufgenommen, der aus sentimentalen Gründen sicherstellen wollte, dass die Sternenflottenlegende die Taufe des neuen Namensträgers mit erleben kann.
Aber nix da!
Es stellt sich am Ende nämlich heraus, dass dieser erwähnte Greis niemand geringeres als Charles Tucker III. sein soll.
Da schrillen natürlich sämtliche Alarmglocken, denn wie jeder weiß, starb der Ingenieur der Enterprise bekanntlich 2161 beim letzten offiziellen Flug der NX-01 in "Dies sind die Abenteuer...".
Gut, da hat sich jemand vertan könnte man meinen, doch tatsächlich ist dies pure Absicht! Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich schonmal den Ausblick geben, dass der Tod des Mannes angeblich nur vorgetäuscht war.
Also hab ich mir die Mühe gemacht, die entsprechende Folge noch einmal anzusehen und akribisch auf Anzeichen dafür zu achten, ob diese These durch irgendetwas gestützt werden könnte.
Und tatsächlich: Tuckers zweideutiges Zwinkern, bevor er in die Scannerkammer geschoben wird, Archers und Phlox' verschwörerischer Blick im Anschluss daran, seine Versicherung an T’Pol immer für sie da zu sein und die Tatsache, dass nie eine Leiche des Chefingenieurs zu sehen war, können als Indizien dafür geltend gemacht werden.
Diesen Indizien stehen jedoch knallharte Fakten gegenüber. So sieht sich William T. Riker dieses Programm explizit aus dem Grund an, um den Tod Tuckers mitzuerleben und daraus Lehren für sein eigenes Handeln zu ziehen. Auch Deanna Troi spricht deutlich vom Ableben des Südstaatensprosses (und müsste es ja schließlich als Person aus einer später folgenden Zukunft mit am Besten wissen). Und nicht zu vergessen, dass auch die Trauer T'Pols recht überzeugend wirkte. Und warum sollte jemand Shrans Verfolgung durch zwielichtige Verbrecher inszenieren, um einen Techniker zu einem Undercoveragenten umzuschulen?
Ohne Frage war Trips Tod im überhasteten Serienfinale mehr als überflüssig, unpassend und äußerst bemüht, doch was auf der Leinwand geschehen ist, gilt nun einmal als offizieller Kanon.
Dem zu widersprechen und auch noch einen ziemlich weit hergeholten, hanebüchenen Erklärungsversuch anzubringen, erinnert so stark an die Romane Shatners, der sich ebenfalls nicht mit dem Tod seiner Rolle abfinden konnte, dass ich kaum die Motivation aufbringe, dieses Werk sonderlich ernst zu nehmen.
Die restlichen Anachronismen des Buches erhärten ohnehin den Eindruck, dass das alles gar nicht sonderlich ernst gemeint sein kann.
So erfahren wir, dass sich Hoshi Sato angeblich ein Quartier mit der schwangeren Selma Guitierrez teilt (vgl. S. 25). Davon ist allerdings in "Exil" nichts mehr zu sehen - oder konnte die ohnehin nicht sehr lebensfreudige Söldnerin ihrer verkappten Existenz bis dahin doch noch ein Ende setzen können?
Abgesehen von fragwürdigen Vergleichen des Symbols der Erde mit dem der UNO unseres Jahrhunderts (vgl. S. 279) hat mich doch am meisten verwundert, dass O'Neill bereits auf zwei Schiffen der Daedalus-Klasse gedient hat. Und nicht nur dass; es waren auch noch ausgerechnet die Archon und die Essex!
Das Problem daran ist, dass sämtliche Erwähnungen dieser Schiffsklasse auf eine Zeit nach Enterprise datieren, und da die NX-01 das erste Warp-Fünf-Schiff der Erde ist, erscheint es relativ unwahrscheinlich, dass diese Schiffe aus eigener Kraft Sigma Iota II, Beta III oder Mab-Bu VI hätten erreichen können. Zudem wurde die NX-Klasse bereits 2161 außer Dienst gestellt, während Schiffe der Daedalus-Klasse bis 2196 ihren Dienst verrichteten. Viel eher gilt es daher als wahrscheinlich, dass die Daedalus-Klasse jene nächste Generation von Raumschiffen stellte, die in "Dies sind die Abenteuer..." ehrfurchtsvoll Warp sieben zugetraut wurde.

Fazit: Trotz des großen Potentials einer Fortführung der Serie "Enterprise" in Buchform bleibt "Das höchste Maß an Hingabe" weit unter seinen Möglichkeiten und kann nur punktuell andeuten, zu was sie fähig wäre.
So erfährt etwa Archers innerer Kampf ebenso wie die Gesellschaft der Xindi eine ausführlichere Beschreibung und das Ende kann mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten.
Dass ausgerechnet die Wiedergeburt des totgeglaubten Tuckers eine dieser Überraschungen darstellt, ist dann doch zu übertrieben und zeugt von einem Willen zur Dehnung des offiziellen Kanons, die ansonsten nur bei Shatner-Romanen zu erleben ist. Außerdem verpasst es der Roman, echte Entwicklungsverläufe der Charaktere zu zeichnen, dem Zeitrahmen treu zu bleiben und das Potential der Figuren für sich zu nutzen.
Es bleibt immerhin die Hoffnung, dass die folgenden Enterprise-Romane diese Makel ablegen und endlich zeigen, dass die frühe Absetzung der Serie ungerechtfertigt war. Mehr als ein kleiner Richtungsweiser ist „Das höchste Maß an Hingabe“ trotz des unzutreffenden Titels jedenfalls nicht.

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Alte Liebe rostet nicht

Denkwürdige Zitate:

"Captain! Seit wann gehört Folter zu unserem Missionsprofil?"
Reed, S. 108

"Warum sind die Dinge in den guten alten flachbildprojizierten Science-Fiction-Filmen eigentlich nie so kompliziert?"
Archer, S. 222

"Und manche von uns haben das Glück, ein Schicksal zu finden, das sie zum Helden macht. Die Glücklosen bleiben derweil zurück und dürfen die Bruchstücke ihrer Leben zusammenklauben."
Guitierrez, S. 294

Bewertung: Holpriger Start.

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