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Freitag, 9. Oktober 2009

Die Spiegelwelt 2

Vorbemerkungen: „Die Spiegelwelt 2“ bildet den vorläufigen Abschluss der gemeinsamen Comic-Buchbetrachtung von Turon47 und seinem Autorengast, dem ausgebildeten Kunstpädagogen Hans Ötzthaler, die sich besonders auf die Spiegeluniversumsdarstellung konzentrierte.
Unser besonderer Danke geht wieder einmal in Richtung K’olbasa, der uns diese beiden Hefte aus seinem beeindruckenden Fundus zur Verfügung stellte.

Buchbesprechung Barr, Mike W.; Sutton, Tom; Villagran, Ricardo: Die Spiegelwelt 1, Carlsen, 1991/1994.

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Story: Wieder einmal befindet sich Kirk außerhalb unseres Universums. Im Spiegeluniversum angekommen, mimt er seinen barbarischen Zwilling, um einer geplanten Invasion den Riegel vorzuschieben.
Marlena Moreau führt ihn in die Untergrundbewegung der Menschheit ein, von wo aus er einen waghalsigen Plan schmiedet: Während er zusammen mit der USS Excelsior einen Dissidenten von einem Strafplaneten zu befreien versucht, soll der ebenfalls zur Gruppe gestoßene Mr. Spock die Klingonen für eine Breitbandallianz mit den Romulanern gegen das Terranische Imperium bewegen. Nach langen und zähen Verhandlungen gelingt die schließlich, doch zum einen ist längst eine Armada von Erdenschiffen unterwegs, um Kirk das Handwerk zu legen und zum anderen verfolgen die Klingonen eigene Pläne. Sie wollen nach einer hoffentlich erfolgreichen Schlacht die Gelegenheit nutzen, um sich die Technologie der Excelsior unter den Nagel zu reißen und Kirk zu töten...

Lobenswerte Aspekte:

Turon47: Tatsächlich gelingt es diesen vier Comics, die Spiegeluniversumswelt um einige wissens- und sehenswerte Nuancen zu bereichern. So erhält er Leser Alltagsimpressionen von der Spiegel-Erde (vgl. S. 9), erfährt, wie Gefängnisse dort funktionieren (vgl. S. 36) oder sieht mit an, wie es dem anderen Kirk nach diesen ganzen Querelen ergeht (vgl. S. 72). Als besonders einfühlsam muss ich die Ideen bezeichnen, ein Schiff ISS Nixon zu nennen (vgl. S. 61), oder Defensivsysteme von Gefängnissen zur Sabotageeindämmung mit der Lebenserhaltung für die Insassen zu koppeln (vgl. 39) und schließlich kann dieses Werk mit einem Erklärungsansatz punkten, der anderen Comics, Büchern und allen Episoden ums ach so böse Spiegeluniversum fehlt:
Hier wird geklärt, warum die Menschheit eigentlich so verroht, gewalttätig und aggressiv expansiv ist. Die Schuld tragen nämlich die Romulaner, denen es in ihrem Krieg gegen die Erde gelang, den Heimatplaneten der Terraner zu besetzen und grausam zu unterjochen. Logischerweise folgte dem irgendwann eine Rebellion, die die despotische Fremdherrschaft abschüttelte, und alle Menschen im festen Willen vereinte, von nun an nur noch selbst zu erobern und niemals wieder erobert zu werden (vgl. S. 11f.).
Einige Storyelemente waren ebenfalls gut, und für ein Werk, das noch vor TNG entstand, nahezu prophetisch gewählt. Nachdem im ersten Band Carol Marcus durch die Hand Kirks verstarb, war es nämlich durchaus überraschend zu sehen, dass der tot geglaubte David Marcus in seiner Spiegelversion doch noch lebt und irgendwie nimmt dies die Folgenideen von DS9-Episoden wie "Durch den Spiegel" oder "Der zerbrochene Spiegel" vorweg, in denen die Verlustgefühle Benjamin oder Jake Siskos durch die alternative Existenz Jennifer Siskos auf die Probe gestellt werden.
Auch kleinere hellseherische Anwandelungen, wie Sulus Inbesitznahme des Captain-Stuhls der USS Excelsior (S. 39) oder die Schaffung einer "[...] Allianz, die das Empire in die Knie zwingen könnte" (S. 41).
Auch die Story ist, zumindest in den ersten drei Heften dieses Teils, etwas komplexer. Mehr Twists, mehr Spannung und vor allem Spocks Wandlung von Saulus zum Paulus und Saaviks doppeltes Spiel verhelfen der Geschichte zu einigen Höhepunkten.
Mit der Erwähnung von "Tri-Ox" (S. 23), "Gamma Triangulis" (S. 33) oder der "Farragut" (S. 37) werden Folgen wie "Weltraumfieber", "Die Stunde der Erkenntnis" oder "Tödliche Wolken" verlinkt, und alle bisherigen Kinofilme werden ebenfalls berücksichtigt, auch wenn der Bezug auf dern ersten Film durch eine kurze Erwähnung der "ISS Nogura" (S. 72) vergleichsweise gering ausfällt.

Hans Ötzthaler: Den meisten formalästhetischen und bildnerischen Aspekte, die bereits in der vorangegangenen Rezension von mir ins Feld geführt wurden, bleiben auch diese vier Hefte treu, die in diesem zweiten Band zusammengefasst wurden. In Farbgebung, Kontrastvariation und Einzelbildeinsatz bleiben sie auf einem engen Schmusekurs mit den Vorgängerheften und weichen dafür umso mehr von neueren Comics wie "Countdown" oder "Spiegelbilder" ab.
Selbst die Spannungskurve verliert in den ersten drei Hefte kaum an Steigung, was sicherlich auch am streckenweise sehr sensiblen Umgang mit dem Spiegeluniversum liegt. So bildet etwa die Allianz zwischen Klingonen und Romulanern eine interessante Wendung, zumal Intrigen zwischen den einzelnen Parteien ein stetiges Element sind (vgl. S. 51), durch das sich diese brüchige Allianz von Bündnissen des anderen deutlich Universums abhebt.
Zudem ist auch die Vielzahl von unterschiedlichen Handlungsorten und die damit verbundenen neu eingeführten Charaktere lobend zu erwähnen, da durch diese Maßnahme der Lesespaß besonders gefördert wird. In diesem Zusammenhang ist schließlich für Trekkies besonders die große Menge an gezeigten Raumschiffen interessant, unter denen sich unter anderem zu meiner großen Freude auch die ISS Reliant befand (vgl. S. 80).
Am herausragendsten war allerdings jener der Handlung durchaus angemessene Schritt, die 'bösen' Hauptprotagonisten der Erzählung sterben zu lassen - eine logische Entscheidung, die darüber hinaus dem allgemeinen Schicksalsverlauf von Individuen des Spiegeluniversums entspricht.

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Es kann nur einen geben!

Kritikwürdige Aspekte:

Turon47: Bei allem Lob für die Storyideen muss man deren Umsetzung stark kritisieren. Spocks Wandlung ist an den Haaren herbeigezogen, Saaviks Doppelgängerspiel war zu durchsichtig und Spiegeluniversums-Bewohnern wie David Marcus oder Marlena Moreau fehlt es ebenso an Seele, wie an erkennbaren Charakterzügen. Statt Styles auch im anderen Universum als inkompetenten Gegner zu nutzen, wird der unbekannten Figur Blain dieser schwarze Peter zugeschoben (vgl. S. 12f. und S. 49f.), obwohl mit dem englischen Captain deutlich mehr Kontinuität und Witz in die Handlung eingebracht worden wären.
Verkorkster Höhepunkt ist allerdings das letzte der vier Hefte, das nur lose Verbindungen mit seinen Vorgängern teilt. Als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, ergießt sich eimerweise Kitsch in die letzten Seiten, der bei aller Liebe für Happy Ends einfach zu sehr "Friede, Freude, Eierkuchen" mit den Errungenschaften moderner Pressefreiheit kreuzt.
Auch dieser Band ist genauso schlecht gebunden wie sein Vorgänger, und auch hier ziert eine wirklich hochwertige Coverarbeit ein Comic, dessen Stil mit diesen Zeichnungen wirklich gar nichts zu tun hat.
Ich für meinen Teil empfand diesen Stil als noch schlechter als im ersten Band und hatte gleich mehrmals das Gefühl, dass hier "Masse statt Klasse" das zentrale Motto war. Die Innenstadt San Franciscos (vgl. S. 15), die Große Halle der Klingonen (vgl. S. 42) und die zuvor von meinem Kollegen bereits gelobten Flottenansichten (vgl. S. 29, S. 65 oder S. 90) waren zwar interessante Ansichtsobjekte, doch deren Detailarmut war ärgerlich. Besonders wenn man sich die USS Surak ansieht (vgl. S. 93), muss man mit Erschrecken festhalten, dass die zuweilen so verspielte Detailverliebtheit Star Treks (die, wie man im ersten Kinofilm sehen kann, allerdings auch übertrieben werden kann) hier völlig ignoriert wird. Spocks neues Kommando sieht ein wenig aus wie eine Kreuzung aus Oberth- und Constitution-Klasse mit Kotflügeln auf den Warpgondeln und einem großen Löffel als Maschinensektion; zu mehr Einzelheiten reicht die Darstellung jedoch schon nicht mehr. Gerade dieses breit gefächerte Interessenfeld, das im Internet zahllose Seiten beschäftigt, wird hier mit klobigen und zumeist skizzenhaften Abbildungen keinesfalls in ausreichendem Maße befriedigt, und selbst detailliertere Bilder (vgl. S. 91) blieben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Zudem ist es sehr fraglich, ob man im Spiegeluniversum tatsächlich über die technischen Möglichkeiten verfügt, um ein unbekanntes Schiff wie die USS Excelsior innerhalb von nur wenigen Tagen zu kopieren und diese Kopie sogar betriebsfähig zu machen (vgl. S. 66). Nur eines ist noch widersprüchlicher: Scottys vorsorglicher Einsatz, um diese Kopie außer Gefecht zu setzen (vgl. S. 71)...

Hans Ötzthaler:

Rein formalästhetisch gibt es die gleichen Kritikpunkte wie beim ersten Comic-Band. Sulus Narbe hat noch immer nicht die richtige Form (vgl. S. 9) und noch immer hält es den Vergleich mit anderen Comics nicht aus. So wirkt es etwa fast ironisch, dass auf den letzten Seiten die Hefte der "Superman returns"-Reihe beworben wurden, die im Gegensatz zu diesen Zeichnungen qualitativ in einer völlig anderen Liga spielen.
Des Weiteren hätte ich mir bei der Darstellung der Planeten zuweilen etwas mehr Liebe gewünscht. Ein wenig mehr als bloße Schraffuren hätten ihnen gut getan, denn sie wirken zu oft einfach nur wie bunte Flummis, die nutzlos im Weltall herumschwirren. Der Mond, als grüner Erdtrabant ist ja vielleicht noch verständlich (vgl. S. 90), doch eine ockerfarbene Erde mit Parallelschraffur ohne kleinste Details ist einfach nur ein Zeugnis zeichnerischer Faulheit.
Andererseits gibt es auch deutliche Unterschiede zum Vorgänger:
So wird die offen zur Schau gestellte Brutalität, ihrerseits unbestreitbar eine Art Markenzeichen des Spiegeluniversums, nicht mehr in dem Maße erreicht, in dem der Vorgänger darauf zurückgriff. Eigentlich sieht man sogar nur noch sehr selten Gewalt, und wenn es tatsächlich doch zu der ein oder anderen Auseinadersetzung kommt, werden die Protagonisten entweder 'nur' k.o. geschlagen oder bewusstlos (vgl. S. 13, S. 37, S. 47, S. 69). Dadurch fehlt diesen Heften etwas der Originalität, die sie von anderen Star-Trek-Comics abzuheben vermag.
Besonders ist hierbei der Schaukampf zu erwähnen, in dem ein American Gladiator gegen einen zu dünn geratenen Hulk antritt (vgl. S. 10ff.); bei einem solchen angeblich auf Leben und Tod geführten Kampf hätte man wenigstens andeutungsweise etwas Blut oder wenigstens einige Schrammen und Narben zeigen können, außerdem sind die Waffen der beiden Kontrahenten so überdimensioniert, dass sie sogar den Durchmesser des Ringes zu sprengen scheinen und für einen Zweikampf völlig ungeeignet wirken.
Abgesehen von solchen konzeptionellen und zeichnerischen Mitteln ist auch die Geschichte an sich nicht mehr so schlüssig wie zuvor, was sich besonders im vierten Heft besonders zeigt.
Die einzelnen Handlungsstränge sind hier bei aller sorgsam aufgebauten Spannung ab einem gewissen Punkt einfach vorhersehbar, werden anschließend konfus und gehen am Ende sogar ins Dämliche über.
Doch auch in anderen Heften sind manche der Situationen schlichtweg bekloppt:
Ausgerechnet Kirks Sohn leitet den Widerstand (vgl. S. 16f.) – eine kitschige und vor allem unnötige Wendung, die viel zu brachial zufällig erscheint. Das einzig positive daran war, dass David Marcus in der Folge keine größere Rolle mehr spielte, auch wenn es in meinen Augen keineswegs gestört hätte, wenn er auch im Spiegeluniversum den Tod gefunden hätte.
Es war zudem zwar schön, mal wieder eine Andorianerin zu sehen (vgl. S. 80), die auch noch ein recht hübsches Gesicht hatte, doch die um sie herum aufgebaute Geschichte einer Insider-Exklusiv-Story ist, gelinde gesagt, ungefähr so schlüssig wie Schwarzwälder Kirschtorte mit Spinatfüllung.
Dass die abstruse Geschichte auch noch geplant sein soll, wird am Ende dadurch angedeutet, dass Kirk der jungen Frau Blumen schickt. Oder hat er vielleicht einfach nur mit ihr geschlafen? Oder beinhalten der fremdartig wirkende Strauß eventuell aphrodisierende Pflanzen? Die Körperstellung der beglückt wirkenden Journalistin (vgl. S. 96) legt das jedenfalls nahe…
Abgesehen davon ist das gesamte Ende viel zu weit hergeholt, und ein offenes Ende, etwa direkt nach dem Ableben des Spiegeluniversums-Kirks, wäre angenehmer gewesen, als dieser unwürdige Abschluss. Eigentlich hätte man sich sogar das gesamte vierte Heft sparen können, denn dieser letzte Teil wirkt wie ein Fremdkörper und ist ohne Frage der langweiligste Teil der gesamten Reihe.

Übersetzung: Die meisten Fehler aus dem ersten Band werden nahtlos fortgeführt: Saavik wird konsequent als "Mr." angeredet (vgl. S. 33, S. 46, 2x S. 55, S. 73 und S. 79), man sagt "Schilde heben!" (S. 62) statt einfach "Schilde hoch" oder beläßt Begriffe wie "Empire" (S. 3) unübersetzt.
Daneben finden sich auch noch Begriffe, die von der offiziellen Seriensynchronisation abweichen, wie etwa "saurischer Brandy" statt "saurianischer Brandy" oder die "Grundsatzerklärung der Marskolonien" (S. 88) statt "die fundamentale Deklaration der Marskolonien" .
Wiederum sind die Titel der vier Originalhefte, die hier zum zweiten Sammelband zusammengefasst wurden, auf englisch belassen worden (vgl. S. 3, S. 26, S. 49 und S. 74) und nur über diesen Bildern finden sich mäßige Übersetzungen der Titel. Dass im letzten Teil schließlich der aufgebrachte Mob auf englisch "Keep Kirk!" (S. 85) skandiert, ist zwar logisch, jedoch dem Lesevergnügen etwas abträglich.

Anachronismen: Dieses Comic spart an unangemessenen Eingriffen in den offiziellen Kanon genauso wenig wie sein Vorgänger.
Gleich auf der ersten Seite wird Imperatoren, wie Hoshi Sato es in "In einem dunklen Spiegel, Teil II" werden wollte, widersprochen, in dem man dem Terranischen Imperium durch einen "Hohen Rat" erschreckend demokratische Züge verleiht (vgl. S. 3) und auch die sicherlich clever entworfene Zeitlinie, nach der der verlorene Krieg gegen die Romulaner den Fokuspunkt für die Auseinanderentwicklung der beiden alternativen Realitäten bildet, wird durch diese Episode die Daseinsberechtigung abgesprochen, zumal Dr. Phlox bei seinen vergleichenden Studien markante Unterschiede bereits zu früheren Zeitpunkten feststellt (Shakespeare natürlich ausgenommen).
Die Klingonen hingegen gründen zwar tatsächlich eine Allianz, doch wie man in "Die andere Seite" erfahren kann, spielen dabei nicht die Romulaner (vgl. S. 52), sondern die Cardassianer eine entscheidende Rolle. Auch die Tatsache, dass hier Kahless der IV., seines Zeichens Urenkel des legendären Reichsgründers, die Regierungsgeschäfte innehat, korreliert nicht unbedingt mit den Angaben aus Folgen wie "Das Schwert des Kahless" oder "Der rechtmäßige Erbe", denen zufolge selbst bei der seit "Der Blutschwur" bekannten Langlebigkeit von Klingonen diese Person niemals in einem so zeitnahen Verwandtschaftverhältnis zu dem Mann stehen kann, der im 9. Jahrhundert wirkte.
Ebenso verwunderlich ist der vom Klingonen Konom ausgesprochene Satz "Lek Vroktau Kronauk" (S. 43), der weder zu dem von John M. Ford für Romane wie "Der letzte Schachzug" oder "Was kostet dieser Planet" entworfene Klingonaase, noch in das "offizielle", von Mark Okrand entworfene Klingonisch passen will. Es mutet daher tatsächlich etwas merkwürdig an, dass die anderen anwesenden Klingonen diesen Ausspruch tatsächlich verstehen.
Am weitreichendsten sind allerdings die im letzten der vier Hefte geschilderten Ereignisse, die ihr Schärfchen zum viel zu kitschigen Ende beitragen. Entgegen aller in Star Trek IV "Zurück in die Gegenwart" geschilderten Begebenheiten, bleibt Kirk Admiral (vgl. S. 93), bekommt den Oberbefehl über die Excelsior (vgl. S. 96) und Spock bekommt ebenfalls ein eigenes Schiff (vgl. S. 95f.).
Natürlich ist dies vor allem der Tatsache geschuldet, dass dieses Comic direkt nach dem dritten Kinofilm "Auf der Suche nach Mr. Spock" entstand, doch die Autoren haben sich bei der Wahl ihrer eindeutig aus dem Fenster gelehnt und sich zu Spekulationen über den Fortgang der Star-Trek-Saga hinreißen lassen, die es geradezu provozierten, dass es schließlich ganz anders kam. Wer weiß, vielleicht spielt ja eine Unterhaltung aus dem vierten Film direkt auf solche Mutmaßungen an, wie sie in diesem Buch schließlich zu Unrecht getätigt wurden:

McCoy: "Die bürokratische Mentalität ist das einzige, auf das man sich im Universum verlassen kann... ...wir kriegen einen Frachter!"
Sulu: "Bei allem Respekt Doktor, ich rechne mit der Excelsior."
Scotty: "Excelsior? Warum in Gottes Namen wollen Sie diesen hässlichen Pott?"

Erst beim Anblick der NCC-1701-A spricht Kirk die ganze Wahrheit aus, die diesem Comic schließlich den Boden unter den Füßen wegreißt:

"Meine Freunde, wir sind zu Hause."

Fazit: Vieles, was bereits positiv zum ersten Band bemerkt wurde, trifft natürlich auch auf diesen zweiten Band der „Spiegelwelt“-Serie zu. Dennoch kann er durchaus mit eigenen Höhepunkten aufwarten, die sich nicht verstecken müssen.
Zu ihnen kann etwa der Versuch gezählt werden, zum ersten Mal in der Star-Trek-Geschichte den Grund für die markanten Unterschiede zwischen beiden Universen zu erklären und auch die Entscheidung, die Spiegeluniversums-Crew der Enterprise sterben zu lassen, ist ein durchaus gelungener Zug.
Doch angefangen bei der Bindung, bis hin zur krassen Detailarmut hat dieser Band nicht nur die negativen Aspekte seines Vorgängers übernommen, sondern sogar noch ausgebaut.
Zu wenige Gewaltdarstellungen werden mit noch mehr Anachronismen gewürzt und dieser Kombination gelingt es letztendlich, die gesamte Geschichte zu ruinieren. Federführend ist dabei das letzte der vier Hefte, das ein unwürdiges Ende heraufbeschwört, dass es in dieser Form nicht gegeben haben kann.

Denkwürdige Zitate:

"Sulu, diese Narbe soll sie ihrem Gegenstück ähnlicher machen. Wenn Sie daran kratzen, geht sie ab!"
"Aber es juckt, Doc!"
"Hände Weg, oder Sie kriegen eine dauerhafte!"
McCoy und Sulu, S. 9

"Beim Geiste Lenins..."
Chekov, S. 20

"@#%§*!!"
Captain Kolar, S. 70

"Verdammt, ich würde ihm gern das Lächeln vom Gesicht wischen... notfalls chirurgisch."
McCoy, S. 79

Bewertung: Definitiv nicht „zu Hause“.

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Weiterführende Leseliste:

Star Trek Comics (Auswahl)

Die Spiegelwelt 1
Die Spiegelwelt 2
Countdown
Spiegelbilder
Tor zur Apokalypse
Spock

Dienstag, 6. Oktober 2009

Die Spiegelwelt 1

Vorbemerkungen: Nachdem das Comic „Spiegelbilder“ von uns mittlerweile rezensiert wurde, wollen wir nun einmal die Gelegenheit nutzen, auch andere Comic-Interpretationen des Spiegeluniversums-Themas näher zu betrachten.
Turon47 und der ausgebildete Kunstpädagoge Hans Ötzthaler möchten sich dabei ausdrücklich bei K’olbasa bedanken, der uns trotz zeitlicher Engpässe die beiden Hefte zur Verfügung stellte.



Buchbesprechung Barr, Mike W.; Sutton, Tom; Villagran, Ricardo: Die Spiegelwelt 1, Carlsen, 1991/1994.

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Story: Der Genesisplanet ist zerstört und Spock wieder eins. Doch der Regenerationsprozess ist langwierig und als die ehemalige Besatzung der USS Enterprise NCC-1701 den Bird-of-Prey besteigt, um nach hause zurückzukehren und die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen, geht es Spock noch immer schlecht.
Aber selbst Kirk fühlt sich kaum besser - die Mutter seines kürzlich verstorbenen Sohnes macht ihm schwere Vorwürfe, obwohl es der verdienten Sternenflottenkoryphäe keinen Deut besser als seiner Ex geht. Als schließlich die Excelsior unter dem Kommando des arroganten Captains Styles eintrifft, um die vermeintlichen Renegaten abzuholen, beginnen die eigentlichen Probleme jedoch erst:
Kirks Gegenstück aus dem Spiegeluniversum hat nämlich bittere Rache für die erlittene Schmach geschworen und träumt davon, die andere, viel zu friedliche Realität zu erobern. Und er ist der Realisierung seiner Pläne nahe, denn es gelang ihm, eine Technologie an sich zu reißen, die ihm und seinem Schiff den Übergang in das andere Universum erlaubt.
Dort angekommen hinterlässt er eine Schneise der Verwüstung und zu allem Überfluss fällt ihm die Excelsior dank der Inkompetenz ihres Captains in die Hände. Während sich der Spock des Spiegeluniversums auf den Weg nach Vulkan macht, um seinem Spiegelbild das Genesis-Geheimnis zu entlocken, müssen sich Kirk und seine Crew etwas einfallen lassen, um sein brutales Ebenbild aufzuhalten...

Lobenswerte Aspekte:

Turon47: Nach stark computerbasierten Comics wie "Countdown" oder "Spiegelbilder" war es sehr angenehm, mal wieder ein Comic zu lesen, das ganz klassisch gezeichnet wurde. Die allgegenwärtigen onomatopoetischen Einschübe wie "Slapt!" (S. 12), "Grzzzzzzz" (S. 48) oder "Whoooshhh" (S. 63) erinnerten mich sogar auf nostalgische Art und Weise an unbeschwerte Kindertage mit der Batman-Serie der Siebziger.
Außerdem zeigt dieses Comic viele dem offiziellen Kanon unbekannte Details: So sieht man, an welcher Stelle dem toten David Marcus gedacht wird (vgl. S. 19f.), wie sich eine Sternebasis verteidigt (vgl. S. 38) oder dass die Constitution-Klasse doch bereits schon, wie im ersten Kinofilm angedacht, die Untertassensektion abtrennen kann (vgl. S. 79ff.), was mit Marlena Moreau nach Kirks Retransfer geschehen ist (S. 57f.) oder wie der bärtige Spock sein bisheriges Leben lebte (S. 76f.)
Natürlich kommt bei all den Autorenfreiheiten der offizielle Kanon nicht zu kurz: mit der Berücksichtigung des Sinnspruches Lass mich helfen (S. 20), mit der Erwähnung von Plomeek-Suppe (S. 31) oder dem Wunsch nach Rigel-Fieber (S. 35) wird auf Episoden wie "Griff in die Geschichte", "Weltraumfieber" oder "Planet der Unsterblichen" querverwiesen und auch der TOS-Spiegeluniversumsfolge "Ein Parallel-Universum" wird mit Verweisen auf den Bunker (vgl. S. 61) oder der Nutzung des Agonie-Simulators (vgl. S. 65) die Hand gereicht.

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Ein Hoch auf den extensiven Gebrauch von Lautmalerei!

Hans Ötzthaler: Der Versuch, die nostalgische Atmosphäre der Science-Fiction-Comics der sechziger, siebziger und achtziger Jahre einzufangen, hat mir sehr gut gefallen, selbst wenn dies nicht allzu gut gelungen ist – der Gedanke zählt.
Ja sogar die streckenweise quietschbunten Zeichnungen und die hier und da auftauchenden Hintergründe in pink (vgl. S. 12) oder türkis (vgl. S. 34), sind in der Farbgebung durchaus vertretbar, da sie nicht überbordend werden und die grellen Farben nicht so extrem gewählt sind, dass man beim Lesen Augenschmerzen bekommt.
Allerdings ist das auch darauf zurückzuführen, dass man zu jener Zeit noch anderes Papier benutzt hat, auf dem Farben auch ganz anders zur Geltung kommen als heute, wie man etwa vergleichend an Comics wie „Countdown“ oder Spiegelbilder“ sehen kann.
Auch die Story hat mir gut gefallen, denn sie wird langsam, aber stringent aufgebaut. Die Spannungskurve erhöht sich innerhalb dieser vier Comics stetig, was auch dadurch gefördert wird, dass die Charaktere sich immens voneinander unterscheiden – nicht nur in den verschiedenen Universen, sondern auch untereinander. So kann man etwa problemlos Scotty von Sulu oder Chekov unterscheiden.
Die Verbindungen zur TOS-Episode „Ein-Parallel-Universum“ sind ebenfalls klar erkenntlich, und sogar für einen Otto-Normal-Verbraucher, der eher weniger Star-Trek-Kenntnisse hat, wie etwa mich, bleibt es verständlich, auch wenn ich denke, dass sich bei härter gesottenen Fans Probleme einstellen könnten.
Ich persönlich denke jedoch, dass diese Hefte insbesondere für jene Personen gedacht sind, die neu in diese Materie einsteigen, und einen 'etwas anderen' Zugang benötigen.
Denn gerade durch diese auf Gewalt basierende Geschichte, in der gefoltert und gestorben wird und großbusige Frauen bauchnabelfrei herumlaufen (was sie in diesem Universum natürlich auch dürfen), kann dies gelingen.
Da diese Art Comics üblicherweise handgezeichnet und auf gleiche Art und Weise auch koloriert werden, liegt eine viel größere Gewichtung auf Texturen, Schraffuren oder Konturen, was auch sofort auffällt. Schraffuren sind formgebend und werden gezielt eingesetzt um beispielsweise Größenkontraste, Hell-Dunkel-Kontraste oder Entfernungskontraste zu verdeutlichen. Sie werden im Gegensatz zu den Comics aus der Feder Messinas sinnig eingesetzt.
Ebenfalls in direktem Kontrast zu diesen Werken steht der hier der intelligente Umgang mit den einzelnen Bildern. Zwar gibt es in den neueren Bänden ebenfalls eine Vielzahl rechteckiger oder leicht trapezförmiger Formen, doch in diesem Band werden sie mit Bedacht und vor allem sinnvoll eingesetzt. So werden sie beispielsweise auf S. 94 genutzt, um Geschwindigkeit zu erzeugen und das Raumschiff von links nach rechts zu bewegen, was etwa dadurch erreicht wird, dass jene Bilder fast schon überspitzt und pyramidenartig dargestellt sind.
Nur der Verzicht auf Überschneidungen zwischen den Einzelbildern stellt eine Traditionslinie zwischen den älteren und den neueren Arbeiten dar.

Kritikwürdige Aspekte:

Turon47: Ich muss ehrlich gestehen, dass ich von der zeichnerischen Qualität dieses Comics nicht sehr angetan bin. Die Ähnlichkeiten sind teilweise bestenfalls oberflächlich (vgl. Carol Marcus S. 20), die Farbgebung etwas zu grell für meinen Geschmack (vgl. S. 39), die Detailarmut ist erschreckend (vgl. S. 53) und besonders gestört fühlte ich mich durch viele kleinere Ungenauigkeiten, die allenthalben auftraten.
So ist die Perspektive der Warpgondeln auf S. 33 fehlerhaft; auf der S. 16 verschwindet ein Whiskyglas genauso plötzlich, wie es zuvor auftauchte; auf den selben Seiten entspricht das 3-D-Schachspiel nicht dem klassischen ‚Look’ und auf S. 40 verschwindet urplötzlich der klingonische Bird-of-Prey im Schlepptau der Excelsior. Dass schließlich auf den Seiten 83 und 84 Dialogzeilen des 'bösen' Kirks mit den Bildern des 'guten' kombiniert wurden, trägt auch nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit in dieser in meinen Augen ohnehin verworrenen Geschichte bei.
Einige äußerliche Aspekte sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Das Heft ist unheimlich schlecht gebunden und das detaillierte Cover, dessen Qualität nirgendwo mit den Zeichnungen auf den folgenden Seiten übereinstimmt, rechtfertigt zusammen mit dem Inhalt keineswegs einen Preis von damals noch stolzen 29.90DM, zumal dies nur der erste Part eines zweiteiligen Comics ist, den man ruhig in einer allumfassenden Gesamtausgabe herausbringen hätte können.

Hans Ötzthaler: Einige logische Fehler fallen selbst dem unbedarften Lesern auf. So ist der Flug der USS Excelsior mit Warp 17 vielleicht noch mit dem Transwarp und einer von TNG abweichenden Warpskala zu erklären, aber dass sie dies auch mit einem klingonischen Bird-of-Prey im Schlepptau tut (vgl. S. 40), klingt doch etwas unglaubwürdig – schließlich fährt man auf der Autobahn auch keine 150kmh, wenn man gerade ein liegen gebliebenes Pannenfahrzeug abschleppt.
Auch die Narbe Sulus befindet sich an der falschen Stelle (vgl. S. 53); während sie bei TOS nämlich über die Schläfe reichte, verläuft sie hier über dem rechten Auge. Und wo wir schon bei Sulu sind:
Er wird auf Seite 54 als überraschenderweise als ‚Chekov’ bezeichnet und hat sogar den dementsprechenden Text zugewiesen bekommen. Oder, je nach Standpunkt, der Text ist richtig und nur Sulu falsch im Bilde.
Auf der Seite 83 hingegen ist er auf der Excelsior zu sehen, obwohl er sich noch immer bei Spock auf Vulkan befinden müsste.
Warum sich Marlena Moreau ihrerseits auf der Seite 60 plötzlich auf der Brücke der Excelsior tummelt, ist ein vergleichbares Mysterium, da sie eigentlich gerade auf der Enterprise mit Kirk herumturtelt.
Einer der maßgeblichen Science-Fiction-Comics ist fraglos Funky Koval’, ein polnischer Comic, der 1982 erschien. Vergleicht man die Bilderwelt beider Werke miteinander, bekommt man das Grausen, denn es ist erschreckend, wie innerhalb weniger Jahre so krasse Stilveränderungen zum Schlechteren auftauchen können.
Während bei Funky Koval die Bilder bis ins letzte Details herausgearbeitet und liebevoll gezeichnet wurden, fehlt dies bei allen acht Spiegelwelt-Heften. Zwar ist das Spiel mit den Kontrasten hier zuvor zu Recht von mir gelobt worden, doch besonders bei solchen Dingen wie Raumstationen (vgl. S. 29 vs. S. 30), Raumschiffen (vgl. S. 74), Planeten (vgl. S. 14 vs. S. 19) und bestimmten Apparaturen (vgl. S. 42) ist es auffällig, wie gravierend sich die Farbgebung von Bild zu Bild mitunter ändert.
Selbst Lichteffekte wie bei Phaserfeuer (vgl. S. 24), Transporterstrahlen (vgl. S. 6) oder Explosionen von Photonentorpedos (vgl. S. 47) kann man in anderen Comics in einer wesentlich höheren Aufmachung sehen und ein gewisser Zeitdruck ist dem ganzen Werk anzumerken.
Seltsam mutet, wie bei anderen Comics allerdings auch, die Tatsache an, dass man Charaktere wie Pille oder Scotty wunderbar erkennen kann, doch bei Kirk könnte man auch problemlos andere Charaktere unterbringen. Der Admiral sieht so hartkantig, und an manchen Stellen sogar macho-like aus, dass man sich schon fragt, ob William Shatner vielleicht sogar selbst am Comic mitgearbeitet hat.
Leicht gefallen sind den Zeichnern hingegen mit Sicherheit auch die verschiedenen Gesichtsausdrücke, denn die entsprechende Mimik ist bei Anstrengung, Hass, Wut und Verachtung sind kaum voneinander zu unterscheiden (vgl. Kirk S. 23, S. 29, S. 36, S. 44, S. 52, S. 61, S. 72 etc.).
Natürlich müssen in so einem Buch die Helden am Leben bleiben, doch wenn der Spiegeluniversums-Chekov durch sein Zögern die gesamte Mission gefährdet, fragt man sich schon, warum kein Untergebener die Chance nutzt, diesen Fehltritt zu nutzen und durch Meuchelmord an die Stelle des Russen tritt – schließlich ist laut „Ein Parallel-Universum“ der unfreiwilige Tod eines vorgesetzten Offiziers der Kardinalsweg für Beförderungen im Spiegeluniversum.
Auch die überschaubare Menge von Außerirdischen passt weder ins Spiegeluniversum, noch in die hiesige Zeitlinie, denn Schiffe, die nur mit Menschen oder einer Handvoll Vulkaniern am Laufen gehalten werden, sind in einer Föderation der Vereinten Planeten doch etwas einseitig.

Übersetzung: Eigentlich sollte man denken, dass die Übersetzung von Comics keine sehr schwierige Sache sein kann. Das Pensum ist im Vergleich zu Romanen überschaubar und durch die durchgängige Großschreibung sind Fehlern feste Grenzen gesetzt, auch wenn dies mitunter dazu führt, dass deutsche Sonderbuchstaben wie das 'ß' kleinere Komplikationen auslösen (vgl. S. 56).
Hier und da lassen sich jedoch einige Abweichungen von der deutschen Synchronisation finden. So liest man von "Rigel-Fieber" (S. 35) statt 'rigelianisches Fieber', "Photonentorpedos schärfen" (S. 95) statt 'Photonentorpedos scharfmachen' oder "Empire" (S. 50) statt 'Imperium'.
Warum die einzelnen Kapitel bzw. Hefte innerhalb dieses Bandes ihre englischen Titel beibehalten haben, ist auch nicht unbedingt nachvollziehbar.
Schließlich bildet ein besonders eloquenter Fehler die Krönung dieser Fehlerliste, der ebenso absolut unnötig wie in so ziemlich jedem Comic vorhanden ist. Saavik wird nämlich, in Widerspruch zu ihrem Geschlecht, ständig als "Mr." (S. 85, 3xS. 93 und 2xS. 94) betitelt. Wer weiß, vielleicht wollten die Autoren, in Ausreizung all ihrer Freiheiten, damit ja eine Geschlechtsumwandlung andeuten - doch das würde vielleicht doch ein wenig zu weit gehen...

Anachronismen: Die Anhäufung von Anachronismen kann getrost als Hauptkritikpunkt für dieses Buch herhalten, denn diese Comics wurden längst von der Darstellung des Spiegeluniversums eingeholt, die dem gemeinen Star-Trek-Fan seit DS9 geläufig ist.
Bereits in der ersten Episode "Die andere Seite", die jene Thematik wieder aufgreift, wird nämlich erklärt, dass Spock nicht, wie im Buch beschrieben (vgl. S. 50f.), Kirks Vorschlag zur Änderung der Gegenwart in den Wind schlug, sondern aktiv Änderungen bewirkte, die das Imperium schließlich zusammenbrechen ließen.
Andere Informationen, die Tarnvorrichtungstechnologie ins Spiegeluniversum verlagern (vgl. S. 42) oder Sulus Rolle als Sicherheitschef in Frage stellen (vgl. S. 56), widersprechen Folgen wie „Die Tarnvorrichtung“ oder sogar der Episode "Ein Parallel-Universum" selbst.
Wenn man hingegen erfährt, dass Kirk und seine Kameraden ohne Spock Vulkan verlassen (vgl. S. 9), Chekov seine Taten bereut (vgl. S. 14f.) und ausgerechnet Styles mit der Eskortierung Kirks zum Sternenflottenhauptquartier beauftragt worden ist (vgl. S. 10), kann man sich schnell denken, dass diese hier zusammengefassten Hefte aus einem Zeitraum von 1984 bis 1985, also noch vor der Premiere des vierten Kinofilms „Zurück in die Gegenwart“ stammen, denn der Widerspruch zur Filmhandlung ist viel zu offensichtlich.
Diese Ungereimtheiten nehmen dem Comic die Glaubwürdigkeit und man fragt sich am Ende schon, ob dies eventuell ein Paralleluniversumsgegenstück zum Spiegeluniversum sein soll - schließlich wissen wir dank Worf spätestens seit "Parallelen", dass es eine unendliche Zahl verschiedener Quantenrealitäten gibt. Doch noch eine alternative Zeitebene nach Star Trek XI ist selbst für den ausredenfreudigsten Fan einfach zu viel, zumal die beschriebene 'echte' Realität bereits schwer mit den bekannten Fakten zu vereinbaren ist.
So ist der Sternenflottenklingone Konom (vgl. S. 33f.) kaum mit ebenjenem Worf kompatibel, der laut "Schwert des Kahless" erste Klingone in der Sternenflotte gewesen ist.
Der Planet Vulkan ist erschreckend grün für einen rauen Wüstenplaneten (vgl. S. 5ff.), wie er in "The Forge", "Weltraumfieber" oder "Star Trek Der Film" dargestellt wird und auch die Tatsache, dass Sarek Kirk und seinen Mannen zum Abschied den vulkanischen Gruß versagt um ihnen zu winken (vgl. S. 6), wirkt nicht unbedingt sonderlich vulkanisch.
Schade fand ich schließlich etwas, das man vielleicht nicht als ‚wahrhaften’ Anachronismus sehen kann: Scott, der ja bekanntlich vom Schauspieler James Doohan gespielt wurde, ist auf den verschiedenen Seiten mehrere Male zu sehen. So sieht man auch zuweilen seine rechte Hand (vgl. S. 8, S. 16 oder S. 81) – eine Ansicht, derer man in den verschiedenen Folgen und Filmen nur sehr selten gewahr werden kann.
Das hat natürlich einen Grund, denn Dohaan verlor 1944 als Soldat am D-Day während der Gefechte seinen rechten Mittelfinger. Wenn das Comic nun ebenfalls auf direkte Ansichten dieser Extremität verzichtet hätte oder wenigstens seinem Spiegeluniversums-Gegenstück eine entsprechende Verletzung verpasst hätte, wäre wenigstens EIN Easter-Egg zu finden gewesen oder man hätte zumindest eine zeichnerische Verbeugung vor dem leider bereits verstorbenen Schauspieler angedeutet.

Fazit: Die Comics sind nach den am Computer fabrizierten Werken unseres Jahrtausends eine angenehme Abwechslung und Einsteiger können in diesem Werk einen geeigneten Zugang zu Star Trek finden. Formalästhetischen Aspekten wird mehr Aufmerksamkeit als in moderneren Comics zuteil und viele Verknüpfungen zum Kanon helfen der größtenteils stringent aufgebauten Story.
Doch im Heft, dass weder in Buchbindung noch Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen mag, sind eine Vielzahl logischer und zeichnerischer Fehler zu finden, die unnötigerweise durch einige, dem Umfang unangemessene Übersetzungsnachlässigkeiten ergänzt werden.
Schließlich erweist sich der offizielle Kanon als der größte Feind dieser Reihe, die zwischen dem dritten und vierten Kinofilm angesetzt ist, denn zu viele Angaben widersprechen den Darstellungen aus „Zurück in die Gegenwart“ oder den Spiegeluniversumsfolgen bei Deep Space Nine.

Denkwürdige Zitate:

"Und sie scheinen ein ausgezeichneter Arzt zu sein."
"Offensichtlich erinnern Sie sich noch nicht an alles, sonst würden sie das nicht sagen... ... zumindest nicht wenn ich dabei bin."
Spock und McCoy, S. 5

"Ich bin Arzt, kein Computerspezialist."
McCoy, S. 39

"Spock, wie können Sie diesem Mörder helfen? Vor fünfzehn Jahren sagten Sie mir, Sie wollten das Empire stürzen! Was ist passiert?"
"Ich habe gesagt, ich würde darüber nachdenken... ...und ich habe eingesehen, dass Ihr Vorschlag letztendlich völlig unlogisch war, Admiral! Wenn sich ein Mann dem Empire widersetzt, stirbt dieser Mann, nicht das Empire!"
Kirk und Spiegeluniversums-Spock, S. 50

"Uhura, Sie haben die Brücke... ...oder was davon übrig ist."
"J-Ja, Sir! Na ja, besser spät als nie."
Kirk und Uhura, S. 85

Bewertung: Zwiespältig (die Bewertung ist ein Kompromiss in der Mitte), aber eher Daumen runter.

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Weiterführende Leseliste:

Star-Trek-Comics (Auswahl)

Die Spiegelwelt 1
Die Spiegelwelt 2
Countdown
Spiegelbilder
Tor zur Apokalypse
Spock