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Mittwoch, 4. Mai 2011

Die Neue Grenze/ New Frontier 03: Märtyrer

Buchbesprechung David, Peter: New Frontier 03. Märtyrer. Cross Cult, 2011 und David, Peter. Die Neue Grenze 03. Märtyrer. Heyne, 2001.

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Story: Eine alte Prophezeiung eines kleinen Planeten namens Zondar hat es vorausgesehen:
Eines schönen Tages kommt ein junger, im Gesicht durch eine Narbe entstellter Mann des Weges und wird zum Messias des gesamten hiesigen Volkes. Ferner wird er auch für die gesamten Sünden der planetaren Bevölkerung getötet und fährt nach getaner Arbeit in den Himmel auf, von wo er auch gekommen ist.
Soweit, so bekannt.
Es verwundert wohl kaum, dass dieses unfreiwillige Berufsbild Mackenzie Calhoun zufällt, dessen Erweckungserlebnis mit einem brennenden Dornbusch, ähm Weltraumvogel seinen religiösen Welt(raum)ruf begründet. Nach und nach wird er zum Götzen ganzer Zivilisationen und es verwundert nicht, dass andere babylonische Priester (hier Erlöser genannt) neidisch werden und dem falschen Propheten entgegentreten wollen.
So gibt es also eine ganze Reihe von Kreisen, die Calhoun nach dem Leben trachten und tatsächlich wird alsbald, nach einem wüsten Saufgelage auf dem Planeten Zondar, zur Begrüßung des Heilands die Leiche des verdienten Captains gefunden. Bevor die restliche Crew der USS Excalibur die näheren Umstände untersuchen kann, ist die Leiche aber plötzlich verschwunden.
Was ist geschehen?
Waren das die Hände des Teufels?
Soll sein Kopf auf einem Silbertablett geliefert werden?
Oder ist Sankt Calhoun auferstanden?

Lobenswerte Aspekte: Religion ist ein heikles Thema.
Es spaltet Freunde, Familien und ganze Völker. Nicht zu vergessen, dass der Star-Trek-Begründer Gene Roddenberry ein bekennender Atheist war.
So ist es kaum verwunderlich, dass sich Peter David daher mit seinem Buch „Märtyrer“ nicht weit aus dem Fenster lehnt und das Thema vergleichsweise neutral anzugehen versucht. Seine abschließende Szene, in der der Tod des Messias auf eine rein menschliche Ebene reduziert wird (vgl. S. 297 f.), relativiert jedenfalls die zuvor oft leicht ins Esoterische abdriftenden Religionsbezüge (vgl. S. 7ff, S. 143f. oder S. 278f.). Immer wieder gemixt (vgl. S. 63ff., S. 110 oder S. 163ff.) mit dem bekannten Motiv, „[...] dass jede weit genug fortgeschrittene Wissenschaft einem Volk, das sie nicht verstand, wie Magie erscheinen musste.“ (S. 274) ergibt sich aber ein vergleichsweise eher nüchternes Gesamtbild, dass sein Zentrum auf der Entmystifizierung religiösen Glaubens legt, ohne dabei wie wild mit dem erhobenen Zeigefinger in den persönlichen spirituellen Empfindungen des geneigten Lesers herumzufuchteln.
Immerhin ist dieses Buch primär für den amerikanischen Markt ausgelegt, und da bleibt nicht viel Spielraum für weitreichende Kritik. Aus diesem Grund umgeht Star-Trek-Star-Autor David das Dilemma, indem er ein anderes seiner zahlreichen Talente in die Waagschale wirft, um der erdrückend ernsten Thematik eine unterhaltsame Note zu verleihen: Seinen Humor.
Und nicht nur seinen!
Wenn man nun nämlich an gesellschaftsfähige Religionssatire mit Niveau denkt, kommt man abgesehen vom Fliegenden Spaghettimonster an "Das Leben des Brian", einem der genialsten Filme aller Zeiten, nicht vorbei.
Dass Monty Python zum kulturellen Standard diverser an Star Trek beteiligter Personen gehört, haben auf der FedCon XX David Mack oder Wil Wheaton in ihren Panels eindrucksvoll unter Beweis gestellt; Peter Davids offensichtliche Anleihen treten hingegen offen zutage, sobald vom "Messias" die Rede ist (vgl. z.B. S. 110, S. 115 oder S. 295).



"Er ist der Messias!"

Doch auch seine unglaublich gut gelungen Seitenhiebe auf arg an den Haaren herbei gezogenen Erzählstränge der klassischen Star-Trek Serie (vgl. S. 54f.) und seine Spitzen gegen unsere linksrheinischen Nachbarn (vgl. S. 94ff.) sind mehr als eine Erwähnung wert.
Eine weitere große Stärke ist der Aufbau des Buches. Der Titel "Märtyrer" wird durch die Dialoge und Monologe der Figuren mit einem soliden Fundament versehen, der über eine ausschließlich religiöse Bedeutung hinausgeht (vgl. z.B. S. 138). Spannung ist ab den ersten paar Seiten ein treuer Begleiter des Lesers und die Detailliebe des Autors geht sogar soweit, das er sich sogar Gedanken um die Details der zondarianischen Inneneinrichtung macht (S. 141).
Großer Star des Werkes sind allerdings die neuen Bösewichte.
Die als "Erlöser" bezeichnete Spezies von Glaubensfanatikern verleiht dem "Märtyrer"-Thema eine neue Schattierung und auch wenn entsprechende Völker in anderen Science-Fiction-Serien Gang und Gäbe sind, blieb im Star-Trek-Universum dieses Motiv bis jetzt eher unterrepräsentiert. Klar, es gab Einzelpersonen wie D'Jamat, den Abgesandten der Pah-Geister Dukat oder Kai Winn, doch eine ganze extremistische Spezies als dauerhafte Antagonisten blieb der Serie fremd, die sich lieber mit Religion auseinandersetzte, in dem sie in Folgen wie "Der Tempel des Apoll", "Das Gesetz der Edo" oder "Star Trek V: Am Rande des Universums" falsche Götter als Argument gegen blinden Glauben nutzte.
Doch gerade im Zeitalter von des Irakkrieges, Afghanistan oder dem Tod Osama Bin Ladens gewinnt ein neues Thema mehr und mehr an Brisanz: Das der religiöser Eiferer.
Unterdrücken, Morden und Sterben im Namen eines höheren Wesens ist heute längst trauriger Bestandteil unserer Lebenswelt (Kofferbomben in Köln, versuchte Koranverbrennungen in den USA, Selbstmordanschlag in Stockholm) und eine Stärke Star Treks war es stets, aktuelle Probleme unter dem Deckmantel der Science Fiction zu thematisieren.
In diesem Zusammenhang ist es schade, dass es nicht auch in der letzten Star-Trek-Serie Enterprise, die immerhin die Bezeichnung einer gegnerischen Spezies an die Taliban anlegte und um die Ereignisse von 9/11 abgedreht wurde, zu einer entsprechend mutigen Auseinandersetzung kam, wie sie David hier gelingt.

Kritikwürdige Aspekte: Obwohl David stets ein gutes Händchen für das Figurentheater hat, muss man ihm vorwerfen, in diesem Fall etwas zu dick aufgetragen zu haben.
Die vulkanische Ärztin zwangsverplichtet den durch die soziale Gepflogenheiten seiner Spezies kopulationsbereiten Captain zum Beischlaf (vgl. S. 59ff.), Shelby erzählt Fickelgeschichten aus ihrer Ferienlagerzeit (vgl. S. 100ff.) und McHenry erläutert in der intimen Atmosphäre der Brücke, warum Sex mit Zwittern das Non-Plus-Always-Ultra ist (vgl. S. 152ff.) - das ganze Buch hat in etwa den Flair eines schwedisch-niederländischen Softpornos.
Die ganze Schmierenkomödie um die Folgen für die Crew umspannt unerträglich viele Seiten und erinnert eher an einen Tag in der achten Klasse der Sonderschule für schwer pubertierbare, als an ernsthafte Figurenkonflikte. Also kichert man am besten infantil, sobald das Wort 'Sex' fällt und blättert weiter, bis etwas sinnvolles passiert.
Das ist vor allem gegen Ende der Fall, als die sexuelle Komponente der beinharten Action auf Planetenoberfläche und im Weltall weichen muss. Halb dafür verantwortlich sind die Erlöser, die mit ihrem mächtigen Raumschiff kommen, um den langsam zur Gefahr für ihren religiösen Alleinvertretungsanspruch gewordenen Calhoun zum Märtyrer zu machen.
Ujnd wie kommen sie ins zondarianische System?
Logisch, mit einem Raumschiff.
Und wie sieht das aus?
Wie eine Pyramide...
Der ein oder andere Science-Fiction-Freund mag sich daran erinnern, dass es da mal einen bekannten Film mit dem genialen James Spader und dem weniger genialen Kurt Russell gab, in dem so etwas bereits zu sehen war. Warum musste es ausgerechnet diese Form sein?
Waren, nachdem Kugeln bereits für Star Wars und Würfel für die Borg reserviert waren, nicht mehr genügend geometrische Formen übrig, so dass wir nun dankbar dafür sein müssen, dass nicht ein Torus, Ellipsoid oder Polyeder verbraten wurden? Oder hat Stargate vergessen, dass Weltraumpatent für pyramidale Flug-Objekte anzumelden?
Wäre "New Frontier" eine Fernsehserie, so wäre "Märtyrer" die erste Folge nach einem für den Fernsehgebrauch in zwei Teile getrennten Pilotfilm. So eine Art "Gedankengift", "Die Khon-Ma" oder "Die Parallaxe".
In diese Reihe eher zweifelhafter Gesinnungsbrüder lässt sich auch dieses Buch einbinden. Die Charaktere müssen erst zueinander finden, es gibt reiheweise Bemerkungen, die zweifelhaft erscheinen und am Ende denkt man, "Daraus hätte man aber mehr machen können." Dieses Muster kann problemlos auf dieses Buch angewendet werden, denn obwohl die Handlung stabil ist, gibt es eine Reihe von Baustellen, an denen noch gearbeitet werden muss.

Übersetzung: Im Vergleich mit der Cross Cult Übersetzung stinkt der ursprüngliche Heyne-Roman ziemlich ab. Dabei liegt das noch nicht einmal an den verstaubten, und der Synchronisation völlig konträren Namensgebung wie "Starfleet" (S. 32), "Insignienkommunikator" (S. 50) oder "Medo-Bett" (S. 239).
Viel eher entsteht dieser Eindruck, wenn man sich die vielen kleinen Unterschiede vor Augen hält, die zwischen beiden Ausgaben bestehen. Nach eifriger Sammlung sollen hier aus Platzgründen lediglich die Top-Drei der in meinen Augen besten Abweichungen aufgeführt werden:

Platz 3:

Englisches Original: "There's an old Earth saying about 'three strikes, you're out.'"
Heyne: "Auf der Erde kennt man einen alten Kinderreim, in dem es heißt: 'Ene mene mu, und raus bist du'."" (S. 80)
Cross Cult: "Auf der Erde sagte man früher gerne, mehr als drei Versuche hätte man nicht." (S. 76)

Platz 2:

Englisches Original: "The men and women assembled in that room were the cream of Zondarian society, the best and brightest that their people had to offer."
Heyne: "Die im Zimmer versammelten Männer und Frauen waren die Creme der zondarianischen Gesellschaft, die besten und intelligentesten Individuen, die ihr Volk hervorgebracht hatte." (S. 194)
Cross Cult: "Die im Zimmer versammelten Männer und Frauen waren die obersten Mitglieder der zondarianischen Gesellschaft, die besten und intelligentesten Individuen, die ihr Volk hervorgebracht hatte."(S. 182)

Platz 1:

Englisches Original: "The ship, shields down in the front, was beginning to feel the heat."
Heyne: "Da die Bugschiffe auf ein Minimum heruntergefahren waren, machte sich im Schiff allmählich die Hitze bemerkbar." (S. 299)
Cross Cult: "Da die Bugschilde ausgefallen waren, machte sich im Schiff allmählich die Hitze bemerkbar." (S. 186)

An diesen drei sehr in ihren Fehlerquellen sehr unterschliedlichen Beispielen und anhand weiterer kleinerer Differenzen wie "Oberster Erster" (Cross Cult, S. 67) statt "Sachwalter" (Heyne, S. 71), "Lügengeschichten " (Cross Cult, S. 55) statt "Münchhausiaden" (Heyne, S. 58) oder "Freak" (Cross Cult) statt "Monstrum" (Heyne, S. 265) wird deutlich, das hier keine Neuübersetzung vorliegt, sondern lediglich eine Überarbeitung der vorhandenen deutschen Übersetzung von Bernhard Kempen, die nicht nur sperrige Übersetzungsbegriffe ausmerzen sollte, sondern auch einem zeitgemäßen Sprachgebrauch diente. Dass "Märtyrer" trotz der gewissenhaften Kontrolle nicht frei von Fehlern sein kann, liegt auf der Hand.
So erschließt sich nicht von selbst, warum die Anrede von hermaphroditen Hermats in der Cross-Cult-Variante "Si'am" (vgl. S. 93) lautet, obwohl sogar Heyne im Zweifel für den Originalbegriff "Shir" eingestellt blieb (S. 98).
Manchmal helfen aber selbst Änderungen nicht.
So ist es kaum verwunderlich, dass nach Selars Satz "Elementar, Watson." (Cross Cult, S. 195) niemand außer Shelby ernsthaft lachen kann, denn die Pointe ist gnadenlos verpufft. Auch wenn die Heyne-Variante mit "Ganz einfach, Watson." (Heyne, S. 206) nicht viel besser abschneidet, geht in beiden Fällen Peter Davids sorgsam inszeniertes Wortspiel auf den berühmtesten fiktionalen Privatdetektiv der Literaturgeschichte verloren und mit ihm die Anspielungen auf "Elementary, Dear Data", den englischsprachigen Titel der TNG-Episode "Sherlock Data Holmes".
Da steht noch immer die Frage, warum es nun ausgerechnet "New Frontier" heißen muss oder warum dem Original und Heyne zum Trotz von der "Teestube" die Rede ist - doch das wurde bereits in den vorangegangenen Rezensionen besprochen.
Worüber man scheinbar nicht genug reden kann ist hingegen die Verwendung von "Fähnrich" (Heyne, S. 98) und "Ensign" (Cross Cult, S. 93).
Inzwischen scheint die Verwendung des Begriffes Fähnrich Gegenstand einer Diskussion zu sein, wie mir mein Leser ygrek mitteilte. Im Comicforum etwa verteidigt sich Cross Cult so:

"Die Fähnrich/Ensign-Debatte gibt es ja schon sehr lange. Wir mussten uns eben für eine Variante entscheiden. Bei der Übersetzung der TV-Serien haben es die deutschen Sender ja uneinheitlich gehandhabt: Erst gab es Fähnrich Crusher und später Ensign Ro. "

Tatsächlich hieß es nie "Ensign Ro". Wie ich bereits in einer vorangegangenen Rezension schrieb, hieß sogar die entsprechende Folge "Fähnrich Ro" (was der User "Der Klingone" ebenfalls zu recht anmerkt). Verfolgt man die Diskussion weiter, so trifft man auf altbekannte Standpunkte:

- bei Enterprise wird Ensign benutzt
- die englische Namensgebung ist in der Rangvergabe der Sternenflotte auch in der deutschen Synchronisation vorherrschend
- Im ersten Star Trek Kinofilm wird ebenfalls 'Ensign' genutzt

Das alles macht den Eindruck, als gäbe es kein Muster.
Doch das ist nicht wahr.
Hält man sich an die deutsche Synchronisation, die trotz ihrer vielen Unzulänglichkeiten und Widersprüche der Maßstab für deutschsprachige Bücher sein sollte, wird in der Erdensternenflotte des 22. Jahrhunderts (also ENT) von 'Ensign' gesprochen.
Ab dem 23. Jahrhundert jedoch heißt es in der modernen Sternenflotte sämtlicher Serien (TOS, TAS, TNG, DS9 und VOY) hingegen 'Fähnrich', ob man das nun mag oder nicht.
Natürlich gibt es da noch 'Ensign' Perez aus dem ersten Kinofilm. Doch da mit 'Fähnrich' Demora Sulu aus dem siebenten Kinofilm fällt die Rangvergabe wieder in den gewohnten Rahmen zurück.
Eine weitere Ausnahme soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.
Auch in der alternativen Zeitlinie, die mit dem elften Kinofilm eingeläutet wird, spricht man vom 'Ensign' Pavel Andreievich Chekov.

Anachronismen: Peter David hat eine unterhaltsame Art, mit Anachronismen umzugehen.
Vor allem mit solchen, für die er eigentlich nichts kann.
So hatte John Ordover, der Herausgeber hinter den Star Trek Romanen eigentlich eine Absprache mit den Star-Trek-Serien-Produzenten getroffen, dass sie auf eine Verwendung Shelbys verzichten würden. Da man dort allerdings entsprechende Vereinbarungen vergessen hatte, fand ebenjene Shelby in "Klingonische Tradition" plötzlich als Captain eines eigenen Raumschiffes Erwähnung.
Doch gekonnt überspielt David diesen Blackout der DS9-Schreiber, der seine eigene Romanserie mit dieser Kleinstreferenz ins Reich der Bedeutungslosigkeit katapultiert. Die Neuerwähnung wird einfach einem anderen Namensträger zugeschoben, dessen Existenz und Rang selbst der originalen Shelby nicht entgeht (vgl. S. 138).
Dass vergessen aber menschlich ist, beweist auch David mit seinen kleinen Ausreißern vom Kanon, denn keiner von ihnen resultiert aus Widersprüchen durch spätere Serien, die damit seine Geschichten null und nichtig gemacht hätten.
Im Gegenteil, den ersten Widerspruch lieferte David mit seinem New-Frontier-Einleitungsband "Kartenhaus" selbst. Dort nämlich bezeichnet er die Siedlung Calhoun noch als Stadt (Mack, David: Kartenhaus. Cross Cult, 2011, S. 17); in diesem Buch degradiert er sie jedoch zum Dorf (Cross Cult S. 32).
Warum sich Si Cwan so gut mit irdischen Gorillas im Allgemeinen und derem Revierverhalten im Speziellen auskennt, wird wohl für immer das Geheimnis des Autors bleiben (vgl. S. 107f.).
Ja selbst die gutgemeinte und eigentlich nachvollziehbare Idee, dass Dinge wie außerhalb des Transporterfokus situierte Extremitäten nicht mitgebeamt werden können, widerspricht Folgen wie "Der Ehrenkodex", "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart" oder "Star Trek".
Am schlimmsten allerdings ist die ungewohnte Stiefmütterlichkeit, mit der David TOS behandelt. Obwohl nämlich in anderen seiner Werke wie "Die Tochter des Captain", "Vendetta" oder "Heldentod" schnell der Eindruck entsteht, dass sich der Autor mit dieser Serie so ziemlich am besten auskennen würde.
Hier aber kennt die Sternenflotte die Erlöser nicht (vgl. S. 255ff.).
"Logisch, schließlich hat sich Peter David die Spezies gerade erst ausgedacht.", mag weise der ein oder andere Leser einwerfen.
Doch weit gefehlt, denn mit Alpha Carinae haben sie längst einen Planeten erobert (vgl. S. 121), der nicht nur im unmittelbaren Einflussgebiet der Föderation liegen muss, sondern bereits zu TOS-Zeiten von Sternenflottenoffizieren besucht wurde und in der Nähe voll automatisierter Handelsrouten liegt. Das kann man jedenfalls in "Computer M5" erfahren.
"Kann ja mal passieren", mag wieder der weise Leser einwerfen.
Gut, vielleicht muss man ihm dann auch nicht ankreiden, dass er statt von "Neural"zu berichten,den Eigennamen "Tyrees Welt" bevorzugt (vgl. S. 235) und dass er die Existenz von Mugatoweibchen schlichtweg verneint (vgl. S. 221), obwohl diese in der Episode "Der erste Krieg" eindeutig erwähnt werden.
"Nur in der deutschen Synchronisation," höre ich den weisen Leser wiederum einwerfen, "Im englischen Original ist davon nichts zu hören. Außerdem wurde der Name Neural ja nur um Drehbuch erwähnt und schaffte es nie auf die Leinwand.".
Na schön, zugegeben!
Aber intelligente Mugatos, die gleichberechtigt in der Sternenflotte dienen (vgl. S. 231)?
Wer ist bitteschön auf die Idee gekommen? Was ist aus den wilden, aggressiven und vor allem primitiven affenartigen Wesen geworden, die fast Captain Kirks Tod verursachten?
Ein plötzlicher Evolutionssprung?
Genetische Manipulation?
Oder etwa ein Virus?
Und was kommt als nächstes?
Eine Sprechrolle für Porthos?
Horta-Offiziere an Bord der Enterprise?
Oder gar von den Borg assimilierte Dobermänner?
Traurig ist auch, dass der vulkanische Nervengriff seine Exklusivität verliert, denn scheinbar jeder kann dieses ganz spezielle Stück Vulkaniertradition durch bloßes Zuschauen erlernt (225f.) und imitiert werden (vgl. S. 272). Diese Inflation ist aber so unnötig wie unwürdig und dass es ausgerechnet Peter David ist, der diesem Klassiker der Star-Trek-Geschichte seinen Reiz nimmt, stimmt betrüblich.

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Nachbohren bei Mugatos: Intelligente Wesen oder wilde Hohlbirnen?

Ausgabenvergleich: Abgesehen von der Übersetzung, die bereits gesondert besprochen wurde, gelingt es Cross Cult auch beim Cover zu punkten.
Während Heyne ein langweiliges Klassenfoto eines mäßig motivierten Fotografen ins Rennen wirft, strahlt das Cross-Cult-Cover bereits in seinem Aufbau Action und Spannung aus. Zweikämpfe, Raumkämpfe und ein göttliches Licht sind eine Art Wahlversprechen für den Einkauf des Kunden, das gehalten wird.
Zudem sind die Qualität von Papier und Cover der älteren Ausgabe um Längen voraus. Während ich beide Bücher wochenlang bei Wind und Wetter in meinem Rucksack umhertrug und häufig darin umherblätterte, sah das Heyne-Buch bereits nach wenigen Tagen elendig aus, während das Cross-Cult-Werk bestenfalls leichte Rundungen an den oberen Ecken erleiden muss (zum Glück steht noch ein zweites, unberührtes Heyne-Werk in meinem Bücherschrank).

Fazit: Wer Religion bei Star Trek mal etwas zeitgemäßer aufgearbeitet finden will, muss auf die Bücherwelt umsteigen. Genau dafür lohnt sich nämlich "Märtyrer", zumal Peter Davids Talent, Spannung und Humor als Stützpfeiler seiner Geschichten zu nutzen, hier deutlich wird.
Übertrieben und aufgesetzt wirkt hingegen die Fixierung auf Sex, die der Figurenkonstellation genauso wenig zum Vorteil gereicht, wie die vielen unnötigen Anachronismen. Ja selbst die Übersetzung ist bei Cross Cult und Heyne nicht immer überzeugend (bei Heyne allerdings deutlich weniger als bei Cross Cult).
Alles in allem ist das Werk bestenfalls solide, aber sicher nicht herausragend oder gar "Davids bester Star Trek-Roman.", wie Peter Schipfmann auf dem Buchrücken behauptet.

Denkwürdige Zitate:

"Es gibt nur sehr wenig in diesem Universum, das einfach ist."
Shelby, S. 169

"Im Gegensatz zur Einsamkeit wird das Glück zu sehr überschätzt."
Selar, S. 134

"Sex ist etwas anderes als eine Schlacht, M'k'n'zy."
Sh'nab, S. 34



Hatte Rammstein etwa Unrecht?

Bewertung: Der typische Teil nach dem Piloten.

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Weiterführende Leseliste:

New Frontier 01: Kartenhaus
New Frontier 02: Zweifrontenkrieg
New Frontier 03: Märtyrer

Freitag, 4. Februar 2011

New Frontier 01: Kartenhaus (Die Neue Grenze 01: Captain Calhoun)

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Buchbesprechung David, Peter: Kartenhaus. Cross Cult, 1997/ 2011. Bei Heyne erschienen als Die Neue Grenze. Captain Calhoun. Heyne, 1997/ 2000.

Story: Wieder einmal ist eines der größeren galaktischen Imperien der Milchstraße gefallen.
Und wieder einmal kreisen die Aasgeier ungeduldig über dem Leichnam, um die besten Stücke aus dem Korpus herauszureißen und zu verschlingen.
Gut, dass man da eine Weltraumpolizei namens Sternenflotte hat, die diese Leichenfledderei unterbindet und dafür Sorge trägt, dass die Knochen des alten Staatswesen den Dünger für die Gesellschaft von morgen bilden...
Genug der farbigen Metaphern!
Das thallonianische Reich ist am Ende und deswegen Spielball verschiedener Interessenverbände von innen und außen. Die Sternenflotte plant zur Aufrechterhaltung der galaktischen Ordnung, ein einziges veraltetes Schiff in das Krisengebiet zu schicken, das so gut es denn geht Hilfe leisten soll. Streitfrage ist während eines Kommandostabmeetings an Bord der USS Enterprise vor allem, wer das Kommando über die sensible Mission erhalten soll.
Auf Initiative Jean-Luc Picards fällt die Wahl schließlich auf den wenig orthodoxen Freigeist Mackenzie Calhoun. Der Xenexianer, von einer fiesen Narbe im Gesicht entstellt, hat sich in der Sternenflottenspitze nur wenig Freunde machen können und verbringt seine Tage daher mit geheimen Spezialaufträgen, die nicht selten in skandalträchtigen Meuchelmorden enden.
Durch die persönliche Intervention Picards macht er sich schließlich mit einer ziemlich bunt zusammengewürfelten Crew auf den Weg in die nur spärlich bekannte Region des Alls. Doch unter den Passagieren der USS Excalibur befindet sich ein blinder Passagier, der sich mit dem Zusammenbruch des thallonianischen Imperiums noch nicht abgefunden hat...


Lobenswerte Aspekte: Jörn Podehl hat in seinem Resümee nicht ganz unrecht, wenn er der New-Frontier-Reihe eine Pionierleistung bescheinigt, denn ohne diese Bücherreihe wären andere wie Vanguard, Titan oder Destiny nicht möglich gewesen.
„Die neue Grenze“ ist nämlich tatsächlich so etwas wie eine eigene Serie, die Deep Space Nine, Voyager oder Enterprise in nichts nachsteht:
Es gibt ausgefeilte Charaktere, schlüssige Konflikte und eine nachvollziehbare Rahmenhandlung, dass dieser eigenständigen Reihe zugrunde liegt. Der Nachteil daran ist also nur, dass man auf den Luxus des bewegten Bildes verzichten muss, und selbst die Buchstaben zu Wörtern, die Wörter zu Sätzen und die Sätze zu einem Text zusammenfügen muss.
Eine Hürde, an der scheinbar viele hauptsächlich vom Fernsehen mit der Materie vertrauten Rezipienten bereits scheitern. Dabei ist die Umstellung nicht weiter schwer, handelt es sich bei diesem Stück Star Trek in Buchform um ein den Serien sehr nahestehendes Konzept, das auch nicht auf Action (vgl. z.B. S. 20ff., S. 142ff. Oder S. 221ff.), Humor (vgl. z.B. S. 100, S. 104f. oder S. 119) oder gar Sex (vgl. z.B. S. 37f., S. 85ff. oder S. 142ff.) verzichtet.
Besonders der charismatische Mackenzie Calhoun bietet als Captain der USS Excalibur ein unheimliches Identifikationspotenzial. Was Sledge Hammer für die Polizei, House für die Ärzteschaft oder Alan Shore für die Anwaltskammer ist, verkörpert Calhoun für die Sternenflotte. Ein Nonkonformist, ein Spaßvogel und sogar ein Anarchist.
Um das Publikum nicht völlig zu überfordern, sind mit Elisabeth Shelby, Robin Lefler (Ashley Judd in ihrer bislang einzigen Star-Trek-Rolle) und Dr. Selar (eine von vielen Rollen Suzie Plaksons) einige aus TNG bekannte Gesichter mit an Bord und wer Kadettenromane wie „Worfs erstes Abenteuer“, „Mission auf Dantar“ oder „Überleben“ bereits gelesen hat, kann auch ein Wiedersehen mit mehr oder weniger sympathischen Figuren wie Mark McHenry, Soleta und Zak Kebron feiern.
Ferner lohnt es sich tatsächlich, dass mal ein alter Kahn der Ambassador-Klasse als Haupthandlungsort herhält. Kein von den achtziger Jahren inspiriertes Schiff der Galaxy-Klasse, kein Sportwagen-gleiches Ungetüm der Defiant-Klasse und auch kein frisch von Stapel gelaufener Superforschungschlitten der Intrepid-Klasse. Endlich hält ein Stück weit Realismus Einzug in die Bücherwelt, denn die Sternenflotte besteht schließlich nicht nur aus polierten und spzialverchromten Luxuslinern.
Die Serie liegt dabei in den besten Händen. Niemand geringeres als Star-Autor Peter David („Die Tochter des Captain“, „Imzadi“ oder „Vendetta“) ist hauptverantwortlich für diese Reihe und liefert gewohnt solide Kost ab.
So bietet er ein breites Spektrum an Querverweisen zu anderen Serien und Filmen. Besonders herauszuheben ist diesesmal. Wie geschickt er Phrasen und Schlagwörter wie „Arzt heile dich selbst!“ (vgl. S. 86, "Star Trek II: Der Zorn des Khan"), „Voll funktionstüchtig.“ (S. 261, „Gedankengift“) oder „Wozu braucht Gott ein Raumschiff?“ (S. , "Star Trek V: Am Rande des Universums") nutzt, um dem Leser trotz eines neuen Kontextes altbekannte wie klassische Pointen ins Gedächtnis zu rufen.


Kritikwürdige Aspekte:

Spin-Off! Gibt es ein aufregenderes Wort für die menschliche Seele?

Mit diesem Troy-McClure-Zitat aus der Simpsons-Episode „Ihre Lieblings-Fernsehfamilie“ möchte ich nun auf die Schattenseiten dieses Werkes zu sprechen kommen. In der angesprochenen Folge der beliebten Zeichentrickserie wird nämlich die zuweilen recht nervenaufreibende TV-Tradition auf die Schippe genommen, von allem, was als Serie bereits halbwegs erfolgreich im Äther läuft, auch noch einen Ableger, also einen sogenannten Spin-Off zu fabrizieren. Mit einem gehörigen Augenzwinkern präsentiert man dem Zuschauer mehrere eigene Fernsehsendungen, die auf „Die Simpsons“ basieren sollen.

Ein Satz aus dieser Episode kam mir bei der Lektüre von „Kartenhaus“ desöfteren in den Sinn:

Fangen wir an mit einem schonungslosen Krimi. In der Hauptrolle: Springfields beliebter Polizeichef Wiggum. Halten Sie zumindest ein Auge offen, denn seine besten Freunde, die Simpsons, werden bestimmt vorbeikommen, um ihm Glück zu wünschen.

Obwohl, vielleicht meinte ich auch dieses Zitat:

Hätten die Simpsons wohl je ihre Popularität behalten ohne Moe, den Barkeeper? Hoffen wir das Beste, denn Moe steigt aus und hat bald seine eigene Serie! Aber keine Panik, er nimmt einen uns allen bekannten Freund mit. Und sein bester Freund Homer wird ganz bestimmt auftauchen, um ihm Glück zu wünschen.

Über die bekannten Charaktere, die hier etwas Platz bekommen, kann man kaum ein schlechtes Wort verlieren, doch die Liste mit Freunden, die vorbeikommen, um Mackenzie Calhoun Glück zu wünschen, ist so lang wie unglaubwürdig.
So beinhaltet das Wiedersehen neben dem bereits eingangs erwähnten Jean-Luc Picard auch Spock, Admiral Nechayev, Admiral Jellico, Jack Crusher, Beverly Crusher, Troi, Riker, Data oder Worf.
An sich mag ich so etwas ja, doch den entsprechenden Figuren bleibt innerhalb der Handlung kein angemessener Spielraum.
Das soll einmal an Spock deutlich gemacht werden.
Die Ikone der Franchise wird nämlich wegen einer popeligen Konferenz über das Schicksal einer kaum bekannten Mittelmacht aus dem Gebiet des Romulanischen Sternenimperiums herbeordert, nur um kurz seine Meinung zu Besten zu geben. Er lässt ein paar Spitzen fallen, bringt Nechayev angeblich näher an Picard (als ob dessen bularianische Kanapees nicht ausgereicht hätten) und verschwindet dann wieder.
Das Zusammentreffen mit Soleta zehn Jahre zuvor ist da schon gehaltvoller, wirkt jedoch reichlich konstruiert. Warum es nun ausgerechnet der legendäre Spock sein musste, der für diesen Auftritt herangezogen worden ist, erschließt sich kaum. Der Charakter bleibt blass und kann nur in ausgelutschten Wortduellen glänzen, Wie man sie in der Form aus genügend Serien und Filmen bereits zur Genüge kennt.
Noch eindimensionaler ist übrigens nur Edward Jellico gestrickt.
Berechenbar, einseitig und nur auf eine Facette begrenzt wirkt er farblos, fragwürdig und feindselig. Der Zweiteiler „Geheime Mission auf Celtris“, in dem Ronny Cox in dieser Rolle zum ersten und einzigen Mal auftauchte, zeichnete das Bild dieses Mannes im Vergleich dazu ungleich differenzierter. Die Debatte, die David über Autorität ableitet, mündet eher in ein Schwarz-Weiß-Denken, das in diesem Zusammenhang reichlich deplatziert anmutet.
Doch vielleicht entstammt dieser Widerspruch der Tatsache, dass David die Reihe eng mit seinen drei Beiträgen zur „Starfleet-Kadetten“-Reihe verwob.
An manchen Stellen fühlt man sich nämlich tatsächlich stark an diese Kindergeschichten erinnert: Der Autistenpilot Mark McHenry (vgl. S. 255ff.) und der transsexuelle Mechaniker Burgoyne (vgl. S. 259ff.) bieten nämlich auch an dieser Stelle eine fürchterlich schlecht getarnte Moralkeule, die unverhohlen auf Toleranz abzielt und so offensichtlich abgespult wird, dass wohl nur Kinder und Jugendliche daran kritiklos ergötzen können. Nicht, dass die Thematik heute in irgendeiner Form an Brisanz oder Bedeutung verloren hätte, doch David hat in zahlreichen anderen Werken bereits eindrucksvoll beweisen, dass er in der Lage ist, mit derlei Themen subtiler ans Werk zu gehen.
Im Großen und Ganzen wirkt der erste Roman der Reihe noch etwas unausgereift.
„Kartenhaus“ ist ein Spektakel, dass Star Trek munter mit Elementen aus Braveheart (vgl. S. 13ff.), Dune (vgl. S. 67, ein auf Schallwellen basierender Disruptor) oder Babylon 5 (ab. S. 75; der Name Si Cwan erinnert lautlich stark an G'Quan, den religiösen Führer der Narn) kreuzt, ohne eine wirklich spannende Geschichte zu bieten. Sicher, die biografischen Fußnoten sind äußerst lesenswert und auch unterhaltsam, aber erst gegen Ende beginnt man wirklich mitzufiebern.

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Aufregung für die Trekkie-Seele: Der New-Frontier-Spin-Off

Übersetzung: Bereits Anfang 2000 erschien diese Reihe bereits bei Heyne in deutscher Sprache. Leider kam sie nicht über die ersten sechs Bände hinaus, da der Verlag kurz darauf beschloss, die Veröffentlichung von Star-Trek-Romanen einzustellen. Dem jahrelang als eierlegende Wollmilchsau fungierenden Fandom kehrte der Verlag den Rücken und wandte sich angeblich lukrativeren Zielgruppen zu.
Seit ein paar Jahren füllt Cross Cult die Lücke und erfreut die Fans immer wieder mit Leckerbissen der literarischen Art. Nun nimmt sich der kleine Verlag der „New-Frontier“-Serie an und beginnt die Veröffentlichung noch einmal von vorn.
Dabei hat man sich allerdings nicht, wie etwa bei „Der Abgrund“ die Mühe gemacht, die bereits erschienen Romane aufs Neue zu übersetzen. Statt dessen übernahm man einfach die Arbeit Bernhard Kempens, polierte sie etwas auf und warf sie noch einmal auf den Markt.
Das hat sich zum Vorteil entwickelt, denn wo in „Captain Calhoun“ noch von „Starfleet“ (S. 71), „Das Katra“ (S. 98) oder „Starbase“ (S. 308) zu lesen ist, kann man sich in „Kartenhaus“ über „Sternenflotte“ (S. 69), „Die Katra“ (S. 93) oder „Sternenbasis“ (S. 285) freuen.
Besonders den Vergleich zwischen „Erdenflotte“ (S. 156) und „Terrafleet“ (S. 168) kann Cross Cult eindeutig für sich entscheiden und für die Verwendung von „Verräter“ (S. 178) statt „Quisling“ (S. 193) kann man nur tiefe Dankbarkeit empfinden.
Daneben wurde natürlich auf die neue Rechtschreibung umgestellt, doch wenn man davon absieht, muss man auch der alten Übersetzung zugestehen, dass sie vergleichsweise annehmbar ist. Nirgendwo liest man „desaktivieren“, „die Counselor“ oder „Insignienkommunikator“ - dennoch sind kosmetische Eingriff hier und dort vonnöten gewesen. Der unter Denkwürdige Zitate aufgeführte Spruch Calhouns lautet hier nämlich

Ich bin Offizier und keineswegs nur Gentleman.

Durch das Herauskürzen eines Wortes wirkt der gesamte Satz pfiffiger und kommt auch dem näher, was im englischen Original mit "I'm an officer. I'm just not a gentleman." eigentlich gemeint war.

Trotzdem gibt es sogar Stellen in der Erstfassung, die gefälliger wirken, als ihre Zweitverwertung.
So heißt es etwa in „Captain Calhoun“ auf Seite 223:

Es hatte schon viele Situationen gegeben, in denen andere ihn für verrückt gehalten hatten.

Dagegen liest man in „Kartenhaus“ auf Seite 204:

Es war schon in vielen Situationen gewesen, in denen andere ihn für verrückt hielten.

Hier ist sicherlich ein 's' mit einem 'r' vertauscht worden und daher werden wohl nur sehr aufmerksame Leser sich überhaupt daran stören.
Besonders angenehm ist schließlich, dass sich Cross Cult für eine Übersetzung des Titels entschieden hat, denn der Titel „Kartenhaus“ hat mehr Biss als die recht unkreative Bezeichnung „Captain Calhoun“. Um diesen Vorteil jedoch gleich wieder zunichte zu machen, beharrt man auf der englischen Bezeichnung „New Frontier“, während Heyne die Serie immerhin als „Die neue Grenze“ in unsere Sprache übertrug.


Anachronismen: Über Spocks fragwürdigen Ausflug von seiner Mission auf Romulus zur Raumstation Deep Space Five wurde ja bereits berichtet. Auch wenn andere Werke wie „Spock“, "Heldentod" oder „Die Rückkehr“ diese Art Ausflug bereits über die Gebühr strapaziert haben, mag zwar nicht mehr im Bereich des Wahrscheinlichen, wohl aber in dem des Möglichen liegen.
Verwundert hat mich allerdings schon, dass Hufmin, der thallonianische Händler, der innerhalb eines xenophobes Volkes seinem Beruf nachging, in der Lage war, einen Schiffsnamen in meschlicher (lateinischer) Schrift zu lesen (vgl. S. 283).
Bei aller Freude über die Verwendung der USS Excalibur muss doch angemerkt werden, dass dieses Schiff eigentlich nicht mehr existieren dürfte. Laut den Ausführungen der Bajoranerin Marika Wilkarah in der Voyager-Episode "Überlebensinstinkt" fiel die Ex-Drohne vor 2368 einem Borgangriff auf diesem Schiff zum Opfer. Die niedrige NCC-Nummer (26517) legt zudem eine lange Dienstzeit der Excalibur nahe, was nochmehr verwirrt, wenn man bedenkt, dass dieses Schiff im TNG-Zweiteiler "Kampf um das klingonische Imperium" an der Blockade des klingonischen Territoriums teilnahm.
Doch wer weiß; vielleicht gelang es dem Schiff ja zu entkommen und genau wegen dieses Vorfalls musste es im Raumdock überholt werden,
Am gewagtesten ist jedoch die Laser-OP, mit der M'k'n'z'y die tiefe Wunde in seinem Gesicht verarztet (vgl. 30ff.) - ein Husarenstück das zwar unterhaltsam, aber viel zu dick aufgetragen erscheint.

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Kosmetische Operationen Mal anders: Turon47 versucht mit mittels Energiebestrahlung die Schäden zu beheben, die "Gespensterschiff" in seinem Hirn hinterlassen hat

Ausgabenvergleich: In puncto Übersetzung hat die Cross-Cult-Ausgabe „Kartenhaus“ seinem Vorgänger einiges voraus. Auch der Anhang, mit Erläuterungen und einem kurzen Entstehungsabriss aus der Feder Jörn Podehls wertet diese Version eindeutig auf und sogar die Qualität des Papiers und des Einbands sprechen eindeutig für die Neuauflage.
Kniffliger wird es allerdings, wenn es um das Cover geht.
Cross Cult hat sich nämlich die Mühe gemacht, eigens für die Reihe ein neue Titelbilder mit neuen Gesichtern in Auftrag zu geben.
So etwas kurbelt schließlich den Verkauf unter Jägern und Sammlern an, die nicht davor zurückschrecken, in jenem Moment Geld für einen längst erworbenen Titel auszugeben, in dem sich zumindest äußerliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ausgaben ergeben.
Was kann ich dazu nur sagen?
Nun, es ist mitnichten der Unterschied zwischen einer blauen und einer roten Mauritius.
Jenes Schwert, dass den linken Bildteil ausfüllt, ist immerhin recht ansehnlich. Wenn es als Markenzeichen der gesamten Reihe erhalten bleibt, würde ich dies sehr begrüßen.
Aber Moment mal, was für ein Schwert soll das überhaupt sein?
Eines steht fest, nicht das legendäre Kurz-(!)-Schwert, das für die Narbe in Calhouns Gesicht verantwortlich ist. Dieses war nämlich eine Danteri-Klinge, die sicherlich nicht mit einem Sternenflottenemblem und lateinischer Schrift geschmückt war. Auch die charakteristischen Bissspuren im Griff sind nicht zu erkennen.
Die „Neuinterpretation“ Captain Calhouns ist sicherlich eine Frage des Geschmacks und über den lässt sich bekanntlich streiten. Also diskutiere ich nicht lange um den heißen Brei herum und sag es frisch und frei von der Leber weg:
Ich finde es scheußlich!
Die Calhoun-Darstelllungen der Heyne Ausgaben wirkt dagegen in meinen Augen sympathischer, treffender und wie ebenjene Mischung aus Bashir, Riker und Kirk, die sich vor meinem inneren Auge abzeichnete, als ich das Buch las.
Die Umschlaggestaltung Heynes war sicherlich günstiger, aufwandsärmer und zeitsparender; vor allem beweist sie aber eines:
Weniger ist oft mehr.

Fazit: Auch wenn „Kartenhaus“ hierzulande keine wirkliche Neuerscheinung ist, lohnt sich die Anschaffung. Der Text wurde aufpoliert und liefert deutliche Argumente für den Erwerb, denn die Handschrift des Star-Autoren Peter David ist deutlich zu erkennen. Falls es jemals eines Beweises dafür bedurfte, dass Action, Humor und Sex sich wie in einer Fernsehserie auch in Buchform unterbringen lassen, so ist er mit bereits diesem Buch gelungen.
Abstriche muss man lediglich bei einigen Figuren, dem Cover und der etwas zu brachialen Moralkeule machen, doch davon ab kann man trotz einiger weiterer Unzulänglichkeiten schnell verstehen, warum „New Frontier“ als evolutionäre Vorstufe zu heutigen Erfolgsreihen wie Titan, Vanguard oder Destiny gewertet wird.


Denkwürdige Zitate:

Das Leben entspricht nicht unseren Erwartungen. Das Einzige, was wir erwarten können, ist der Tod. Das Leben ist eine ständige Überraschung.
Si Cwan, S. 78

Et tu, Deanna?
Riker, S. 100

Nichts nimmt ein gutes Ende, Picard. Happy Ends sind eine Erfindung von Fantasten und Narren.
Calhoun, S. 149

Ich würde gern einmal erleben, dass jemand die Redewendung 'bei allem gebührenden Respekt' mit einer Aussage verbindet, die aufrichtig respektvoll gemeint ist.
Jellico, S. 178

Ich bin zwar Offizier, aber keineswegs ein Gentleman
Calhoun, S. 194

Bewertung: Ein literarisches Brückentier.

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Weiterführende Leseliste:

New Frontier 01: Kartenhaus
New Frontier 02: Zweifrontenkrieg
New Frontier 03: Märtyrer